Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 157: krodhāditrayodaśaśatruutpattinivṛtti Die dreizehn inneren Feinde: Ursprung und Überwindung von Zorn, Begierde, Kummer, Gier und Neid

Yudhiṣṭhira fragt nach dem Ursprung von Zorn, Begierde und verwandten Regungen; Bhīṣma nennt dreizehn Feinde und zu jedem die Ursache und das Mittel, sie zu überwinden.

yudhiṣṭhira uvāca; yataḥ prabhavati krodhaḥ kāmaś ca bharatarṣabha; śokamohau vivitsā ca parāsutvaṃ tathā madaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Woraus entspringt Zorn, und woraus Begierde, o Stier unter den Bharatas? Woraus Kummer und Verblendung, Wissbegier, Trachten nach fremdem Leben [?] und ebenso Hochmut?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
yataḥ prabhavati krodhaḥ
woraus entspringt der Zorn (Abl.-Adv./3.Sg.Präs./Nom.)
kāmaś ca
und die Begierde (Nom.)
bharatarṣabha
o Stier unter den Bharatas (Vok.)
śokamohau vivitsā ca
Kummer und Verblendung und Wissbegier (Nom.Du./Nom.)
parāsutvaṃ tathā madaḥ
Trachten nach fremdem Leben [?] sowie Hochmut (Nom.)

parāsutva: Bedeutung unsicher; nach V. 11 (aus Zorn, Gier, Gewöhnung; endet durch Mitleid mit allen Wesen) am ehesten ‚Trachten nach dem Leben anderer‘.

lobho mātsaryam īrṣyā ca kutsāsūyā kṛpā tathā; etat sarvaṃ mahāprājña yāthātathyena me vada

Gier, Missgunst, Neid, Verachtung, Nörgelei und ebenso Mitleid: all dies, o hochweiser [Fürst], sage mir der Wahrheit gemäß.“

Wort für Wort
lobho mātsaryam īrṣyā ca
Gier, Missgunst und Neid (Nom.)
kutsāsūyā kṛpā tathā
Verachtung, Nörgelei und ebenso Mitleid (Nom.)
etat sarvaṃ mahāprājña
all dies, o Hochweiser (Akk.n./Vok.)
yāthātathyena me vada
der Wahrheit gemäß sage mir (Instr./Dat./Imp. 2.Sg.)

bhīṣma uvāca; trayodaśaite 'tibalāḥ śatravaḥ prāṇināṃ smṛtāḥ

Bhīṣma sprach: „Dreizehn übermächtige Feinde der Lebewesen sind überliefert.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
trayodaśa ete
diese dreizehn (Nom.Pl.)
atibalāḥ śatravaḥ
übermächtige Feinde (Nom.Pl.)
prāṇinām smṛtāḥ
der Lebewesen überliefert (Gen.Pl./PPP Nom.Pl.)

śatravaḥ prāṇināṃ sarve smṛtās te tu trayodaśa

Feinde der Lebewesen sind sie alle, dreizehn dem Namen nach überliefert.

Wort für Wort
śatravaḥ prāṇinām
Feinde der Lebewesen (Nom.Pl./Gen.Pl.)
sarve smṛtāḥ
alle überliefert (Nom.Pl./PPP)
te tu trayodaśa
diese aber dreizehn (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Wiederholung von V. 3).

upāsate mahārāja samastāḥ puruṣān iha

Sie bedrängen, o Großkönig, hier [in der Welt] die Menschen allesamt.

Wort für Wort
upāsate
bedrängen / setzen zu (3.Pl.Präs. Med.)
mahārāja
o Großkönig (Vok.)
samastāḥ
allesamt (Nom.Pl.)
puruṣān iha
die Menschen hier (Akk.Pl./Adv.)

upāsate: hier eher ‚umlagern, bedrängen‘ (vgl. V. 4 nudanti, vilumpanti); ‚bedienen/verehren‘ wäre unpassend.

prāṇināṃ lobhayuktānām ete vai śatravaḥ smṛtāḥ

Für die von Gier erfüllten Lebewesen sind eben diese als Feinde überliefert.

Wort für Wort
prāṇinām
für die Lebewesen (Gen.Pl.)
lobhayuktānām
gierbehafteten (Gen.Pl., Kompositum lobha-yukta)
ete vai
diese fürwahr (Nom.Pl.)
śatravaḥ smṛtāḥ
Feinde überliefert (Nom.Pl./PPP)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers.

ete pramattaṃ puruṣam apramattā nudanti hi; vṛkā iva vilumpanti dṛṣṭvaiva puruṣetarān

Diese stoßen den Unachtsamen, wenn sie selbst wachsam sind, nieder, und wie Wölfe zerreißen sie ihn, sobald sie einen Menschen erblickt haben, der anders [als sie, nämlich wehrlos] ist.

Wort für Wort
ete pramattaṃ puruṣam
diese den unachtsamen Mann (Nom.Pl./Akk.)
apramattā nudanti hi
wachsam stoßen sie nieder, ja (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
vṛkā iva vilumpanti
wie Wölfe zerreißen sie (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
dṛṣṭvā eva puruṣetarān
kaum gesehen habend die Menschen-Anderen (Abs./Akk.Pl.)

puruṣetarān: wörtlich ‚andere Menschen / Nichtmenschen‘; Sinn unsicher [?], hier als ‚Menschen, die nicht wachsam sind‘ gedeutet.

ebhyaḥ pravartate duḥkham ebhyaḥ pāpaṃ pravartate; iti martyo vijānīyāt satataṃ bharatarṣabha

Aus diesen entsteht Leid, aus diesen entsteht Übel. So soll der Sterbliche stets erkennen, o Stier unter den Bharatas.

Wort für Wort
ebhyaḥ pravartate duḥkham
aus diesen entsteht Leid (Abl.Pl./3.Sg.Präs./Nom.)
ebhyaḥ pāpaṃ pravartate
aus diesen entsteht Übel (Abl./Nom.)
iti martyo vijānīyāt
so soll der Sterbliche erkennen (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
satataṃ bharatarṣabha
stets, o Stier unter den Bharatas (Adv./Vok.)

eteṣām udayaṃ sthānaṃ kṣayaṃ ca puruṣottama; hanta te vartayiṣyāmi tan me nigadataḥ śṛṇu

„Ihr Aufkommen, ihren Bestand und ihr Schwinden, o Bester der Männer – wohlan, ich werde es dir darlegen; das höre von mir, der ich es vortrage.

Wort für Wort
eteṣām udayaṃ sthānaṃ kṣayaṃ ca
dieser Aufgang, Bestand und Schwund (Gen.Pl./Akk.)
puruṣottama
o Bester der Männer (Vok.)
hanta te vartayiṣyāmi
wohlan, ich werde dir darlegen (Interj./Dat./1.Sg.Fut. Kaus.)
tan me nigadataḥ śṛṇu
das höre von mir Sprechendem (Akk./Gen.-Abl./Imp. 2.Sg.)

Die Anführungszeichen-Öffnung folgt der Rede Bhīṣmas ab V. 3; Rede läuft weiter.

**** **** krodhasyotpattim āditaḥ; yathātattvaṃ kṣitipate

[….] den Ursprung des Zorns von Anfang an, der Wahrheit gemäß, o Herr der Erde.

Wort für Wort
krodhasya utpattim
des Zorns Entstehung (Gen./Akk.)
āditaḥ
von Anfang an (Adv.)
yathātattvam
der Wahrheit gemäß (Adv.)
kṣitipate
o Herr der Erde (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die ersten beiden Pādas sind als Lücke (****) überliefert; Satzbau unvollständig.

lobhāt krodhaḥ prabhavati paradoṣair udīryate; kṣamayā tiṣṭhate rājañ śrīmāṃś ca vinivartate

Aus Gier entsteht Zorn; durch fremde Fehler wird er angefacht; durch Nachsicht, o König, kommt er zum Stehen, und der Glückliche [oder: der Glanzvolle] wendet sich davon ab.

Wort für Wort
lobhāt krodhaḥ prabhavati
aus Gier entsteht Zorn (Abl./Nom./3.Sg.Präs.)
paradoṣair udīryate
durch Fehler anderer wird er aufgewühlt (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
kṣamayā tiṣṭhate rājan
durch Nachsicht bleibt er stehen, o König (Instr./3.Sg.Med./Vok.)
śrīmāṃś ca vinivartate
und der Glückselige kehrt sich ab (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

śrīmān: der Vernünftige/Glückliche, der sich vom Zorn abwendet; Subjekt wechselt [?].

saṃkalpāj jāyate kāmaḥ sevyamāno vivardhate

Aus Vorsatz wird die Begierde geboren; wird ihr gedient, wächst sie.

Wort für Wort
saṃkalpāt jāyate kāmaḥ
aus Vorsatz wird geboren die Begierde (Abl./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)
sevyamānaḥ vivardhate
gepflegt wachsend (Part.Pass.Nom./3.Sg.Präs.)

yadā prājño viramate tadā sadyaḥ praṇaśyati; parāsūyā krodhalobhāv antarā pratimucyate; dayayā sarvabhūtānāṃ nirvedād vinivartate

Wenn der Weise innehält, vergeht sie sogleich. Fremde Missgunst, Zorn und Gier werden in der Zwischenzeit [ihrer] ledig [gelöst?]; durch Mitleid mit allen Wesen und aus Überdruss wendet er sich ab.

Wort für Wort
yadā prājño viramate
wenn der Weise innehält (Adv./Nom./3.Sg.Präs.)
tadā sadyaḥ praṇaśyati
dann sogleich vergeht sie (Adv./Adv./3.Sg.Präs.)
parāsūyā krodhalobhau
fremde Missgunst, Zorn und Gier (Nom./Nom.Du.)
antarā pratimucyate
dazwischen wird gelöst/abgelegt [?] (Adv./3.Sg.Pass.)
dayayā sarvabhūtānām
durch Mitleid mit allen Wesen (Instr./Gen.Pl.)
nirvedād vinivartate
aus Überdruss kehrt er ab (Abl./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe; mittlerer Pāda syntaktisch unklar [?].

avadyadarśanād vyeti tattvajñānāc ca dhīmatām

Durch das Erkennen von Makel schwindet sie, und durch die Wesenserkenntnis der Klugen.

Wort für Wort
avadyadarśanāt
durch Sehen von Makel (Abl.)
vyeti
schwindet (3.Sg.Präs.)
tattvajñānāc ca
und durch Wesenserkenntnis (Abl.)
dhīmatām
der Klugen (Gen.Pl.)

viruddhāni hi śāstrāṇi paśyantīhālpabuddhayaḥ; vivitsā jāyate tatra tattvajñānān nivartate

Widersprüchliche Lehrschriften sehen hier [die Menschen] von geringem Verstand; dann entsteht Wissbegier; durch Wesenserkenntnis schwindet sie.

Wort für Wort
viruddhāni hi śāstrāṇi
einander widerstreitende Lehrschriften (Nom./Akk.Pl.)
paśyanti iha alpabuddhayaḥ
sehen hier die Schwachverständigen (3.Pl.Präs./Adv./Nom.Pl.)
vivitsā jāyate tatra
Wissbegier entsteht dort (Nom./3.Sg./Adv.)
tattvajñānān nivartate
durch Wesenserkenntnis hört sie auf (Abl./3.Sg.Präs.)

prīteḥ śokaḥ prabhavati viyogāt tasya dehinaḥ; yadā nirarthakaṃ vetti tadā sadyaḥ praṇaśyati

Aus Zuneigung entsteht Kummer, bei der Trennung von ihr [dem Geliebten] für das verkörperte Wesen; sobald es [dies] als nutzlos erkennt, vergeht er sogleich.

Wort für Wort
prīteḥ śokaḥ prabhavati
aus Zuneigung entsteht Kummer (Abl./Nom./3.Sg.)
viyogāt tasya dehinaḥ
aus Trennung für dieses Verkörperte (Abl./Gen.)
yadā nirarthakaṃ vetti
wenn es nutzlos erkennt (Adv./Akk.n./3.Sg.Präs.)
tadā sadyaḥ praṇaśyati
dann sogleich vergeht er (Adv./3.Sg.)

ajñānaprabhavo mohaḥ pāpābhyāsāt pravartate; yadā prājñeṣu ramate tadā sadyaḥ praṇaśyati

Aus Nichtwissen entsteht Verblendung; sie entwickelt sich durch Übung im Übel. Wenn er an den Weisen Freude findet, vergeht sie sogleich.

Wort für Wort
ajñānaprabhavo mohaḥ
aus Nichtwissen entstehend die Verblendung (Nom.)
pāpābhyāsāt pravartate
durch Einübung im Übel entwickelt sie sich (Abl./3.Sg.)
yadā prājñeṣu ramate
wenn er an Weisen Freude hat (Adv./Lok.Pl./3.Sg.Med.)
tadā sadyaḥ praṇaśyati
dann sogleich vergeht sie (3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe.

parāsutā krodhalobhād abhyāsāc ca pravartate; dayayā sarvabhūtānāṃ nirvedāt sā nivartate

Das Trachten nach fremdem Leben [?] entsteht aus Zorn, Gier und Gewöhnung; durch Mitleid mit allen Wesen und aus Überdruss hört es auf.

Wort für Wort
parāsutā krodhalobhāt
das Trachten nach fremdem Leben [?] aus Zorn und Gier (Nom./Abl.)
abhyāsāc ca pravartate
und aus Gewöhnung entsteht es (Abl./3.Sg.)
dayayā sarvabhūtānām
durch Mitleid mit allen Wesen (Instr./Gen.Pl.)
nirvedāt sā nivartate
aus Überdruss hört sie auf (Abl./Nom.f./3.Sg.)

sattvatyāgāt tu mātsaryam ahitāni ca sevate; etat tu kṣīyate tāta sādhūnām upasevanāt

Aus dem Aufgeben der Güte [des Wesens, sattva] entsteht Missgunst, und man pflegt Unheilsames; dies aber schwindet, mein Lieber, durch den Umgang mit den Guten.

Wort für Wort
sattvatyāgāt tu mātsaryam
aus Aufgabe der Wesensgüte aber Missgunst (Abl./Nom.)
ahitāni ca sevate
und Unheilsames pflegt man (Akk.Pl./3.Sg.Med.)
etat tu kṣīyate tāta
dies aber schwindet, Lieber (Nom.n./3.Sg.Pass./Vok.)
sādhūnām upasevanāt
durch Umgang mit den Guten (Gen.Pl./Abl.)

sattvatyāga: ‚Aufgeben von Sattva‘ hier als Verlust an Güte/Wesensstärke gedeutet [?].

kulāj jñānāt tathaiśvaryān mado bhavati dehinām; ebhir eva tu vijñātair madaḥ sadyaḥ praṇaśyati

Aus Abstammung, Wissen und ebenso Herrschermacht entsteht Hochmut bei den Verkörperten; wenn eben diese [Dinge in ihrem Wesen] durchschaut sind, vergeht der Hochmut sogleich.

Wort für Wort
kulāj jñānāt tathā aiśvaryāt
aus Geschlecht, Wissen und ebenso Herrschaft (Abl.)
mado bhavati dehinām
Hochmut entsteht bei den Verkörperten (Nom./3.Sg./Gen.Pl.)
ebhir eva tu vijñātaiḥ
durch diese eben aber erkannt (Instr.Pl./PPP Instr.; Abs. Instr.)
madaḥ sadyaḥ praṇaśyati
der Hochmut sogleich vergeht (Nom./Adv./3.Sg.)

īrṣyā kāmāt prabhavati saṃgharṣāc caiva bhārata; itareṣāṃ tu martyānāṃ prajñayā sā praṇaśyati

Neid entsteht aus Begierde und aus Reibung, o Bhārata; bei anderen Sterblichen aber vergeht er durch Einsicht.

Wort für Wort
īrṣyā kāmāt prabhavati
Neid entsteht aus Begierde (Nom./Abl./3.Sg.)
saṃgharṣāt ca eva bhārata
und eben aus Wetteifer, o Bhārata (Abl./Vok.)
itareṣāṃ tu martyānām
bei den anderen aber Sterblichen (Gen.Pl.)
prajñayā sā praṇaśyati
durch Einsicht vergeht er (Instr./Nom.f./3.Sg.)

itareṣāṃ martyānām: Sinn unsicher [?]; vermutlich ‚bei den übrigen (d. h. Verständigen) Menschen‘.

vibhramāl lokabāhyānāṃ dveṣyair vākyair asaṃgataiḥ; kutsā saṃjāyate rājann upekṣābhiḥ praśāmyati

Aus dem Irren der Weltabgewandten, durch hassenswerte, unpassende Reden entsteht Verachtung, o König; durch Gleichmut kommt sie zur Ruhe.

Wort für Wort
vibhramāt lokabāhyānām
aus Verirrung der Weltabseitigen (Abl./Gen.Pl.)
dveṣyair vākyair asaṃgataiḥ
durch hassenswerte, unpassende Worte (Instr.Pl.)
kutsā saṃjāyate rājan
Verachtung entsteht, o König (Nom./3.Sg./Vok.)
upekṣābhiḥ praśāmyati
durch Gleichmut kommt sie zur Ruhe (Instr.Pl./3.Sg.Präs.)

lokabāhyānām: ‚der außerhalb der Weltordnung Stehenden‘ o. ä.; Zusammenhang der Genitive unsicher [?].

pratikartum aśakyāya balasthāyāpakāriṇe; asūyā jāyate tīvrā kāruṇyād vinivartate

Gegen einen, dem man nichts heimzahlen kann, der stark dasteht und Schaden zufügt, entsteht heftige Nörgelei; aus Mitgefühl kehrt sie um.

Wort für Wort
pratikartum aśakyāya
dem, dem gegenüber Vergeltung unmöglich ist (Inf./Dat.)
balasthāya apakāriṇe
dem Machtinhaber, Schädiger (Dat./Dat.)
asūyā jāyate tīvrā
Nörgelei entsteht heftig (Nom./3.Sg./Nom.f.)
kāruṇyād vinivartate
aus Mitgefühl kehrt sie um (Abl./3.Sg.)

Dativ: gerichtet auf/gegen einen solchen; leicht ungewöhnlich [?].

kṛpaṇān satataṃ dṛṣṭvā tataḥ saṃjāyate kṛpā

Wenn man ständig Elende sieht, entsteht daraus Mitleid.

Wort für Wort
kṛpaṇān satataṃ dṛṣṭvā
Elende stets gesehen habend (Akk.Pl./Adv./Abs.)
tataḥ saṃjāyate kṛpā
daraus entsteht Mitleid (Adv./3.Sg./Nom.)

ajñānaprabhavo lobho bhūtānāṃ dṛśyate sadā; asthiratvaṃ ca bhogānāṃ dṛṣṭvā jñātvā nivartate

Gier aus Nichtwissen sieht man bei den Wesen immer; wenn man aber die Unbeständigkeit der Genüsse gesehen und erkannt hat, lässt man davon ab.

Wort für Wort
ajñānaprabhavo lobhaḥ
Gier aus Nichtwissen geboren (Nom.)
bhūtānāṃ dṛśyate sadā
bei Wesen wird gesehen immer (Gen.Pl./3.Sg.Pass./Adv.)
asthiratvaṃ ca bhogānām
und die Unbeständigkeit der Genüsse (Akk./Gen.Pl.)
dṛṣṭvā jñātvā nivartate
gesehen, erkannt habend kehrt er um (Abs./Abs./3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe.

dharmaniṣṭhāṃ yadā vetti tadā śāmyati sā kṛpā

Wenn er den Bestand im Dharma erkennt, kommt dieses Mitleid zur Ruhe.

Wort für Wort
dharmaniṣṭhāṃ yadā vetti
die Gründung im Dharma wenn er erkennt (Akk.f./Adv./3.Sg.)
tadā śāmyati sā kṛpā
dann kommt zur Ruhe dieses Mitleid (Adv./3.Sg./Nom.f.)

Sinn: Mitleid schwindet, wenn man einsieht, dass Dharma gründet [?]; dharmaniṣṭhā unsicher.

etāny eva jitāny āhuḥ praśamāc ca trayodaśa; ete hi dhārtarāṣṭrāṇāṃ sarve doṣās trayodaśa; tvayā sarvātmanā nityaṃ vijitā jeṣyase ca tān

Diese dreizehn, sagt man, sind bezwungen und durch Beruhigung [bezwungen]. Dies sind ja alle dreizehn Verfehlungen der Dhārtarāṣṭras. Von dir sind sie stets mit ganzem Wesen besiegt, und du wirst sie [noch] besiegen.“

Wort für Wort
etāni eva jitāni āhuḥ
diese eben besiegt sagt man (Nom.n.Pl./PPP/Perf. 3.Pl.)
praśamāc ca trayodaśa
und durch Beruhigung, die dreizehn (Abl./Nom.)
ete hi dhārtarāṣṭrāṇām
diese ja der Dhārtarāṣṭras (Nom.Pl./Gen.Pl.)
sarve doṣāḥ trayodaśa
alle Fehler, dreizehn (Nom.Pl.)
tvayā sarvātmanā nityam
von dir mit ganzem Wesen stets (Instr./Instr./Adv.)
vijitā jeṣyase ca tān
besiegt und du wirst sie besiegen (PPP Nom.Pl./2.Sg.Fut. Med./Akk.Pl.)

Die Zuordnung ‚Fehler der Dhārtarāṣṭras‘ ist auffällig [?]; Wortlaut wie überliefert wiedergegeben.

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