Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 207: brahmacaryopāyaḥ dehatattvaṃ ca Brahmacarya, Zügelung des Geistes und die Natur des Körpers

Der Lehrer erläutert Brahmacarya als Weg zum höchsten Ziel und Mittel gegen aufkommende Begierde; er schildert die Unreinheit des Körpers, das Adersystem und die Entstehung des Samens aus der Vorstellung und lehrt die Befreiung durch Gleichmaß der Guṇas.

gurur uvāca; atropāyaṃ pravakṣyāmi yathāvac chāstracakṣuṣā; tad vijñānāc caran prājñaḥ prāpnuyāt paramāṃ gatim

Der Lehrer sprach: Hierin will ich das Mittel verkünden, wie es der Wahrheit entspricht, mit dem Auge der Lehrschrift; im Wissen darum wandelnd, möge der Weise das höchste Ziel erreichen.

Wort für Wort
gurur uvāca
der Lehrer sprach (Nom.Sg., Perf.)
atropāyaṃ pravakṣyāmi
hierin das Mittel werde ich verkünden (Akk.Sg./1.Sg.Fut.)
yathāvac chāstracakṣuṣā
der Wahrheit gemäß, mit dem Auge der Lehrschrift (Adv./Instr.Sg.)
tad vijñānāc caran prājñaḥ
aus dem Wissen darum wandelnd, der Weise (Abl.Sg./Part.Präs./Nom.Sg.)
prāpnuyāt paramāṃ gatim
möge er erlangen das höchste Ziel (3.Sg.Opt./Akk.Sg.)

sarveṣām eva bhūtānāṃ puruṣaḥ śreṣṭha ucyate; puruṣebhyo dvijān āhur dvijebhyo mantravādinaḥ

Unter allen Wesen wird der Mensch als der Beste bezeichnet; höher als die Menschen, sagt man, seien die Zweimalgeborenen, höher als die Zweimalgeborenen die Mantra-Redenden.

Wort für Wort
sarveṣām eva bhūtānām
unter allen Wesen (Gen.Pl.)
puruṣaḥ śreṣṭha ucyate
der Mensch als der Beste wird bezeichnet (Nom.Sg./Pass.3.Sg.)
puruṣebhyo dvijān āhur
höher als die Menschen die Zweimalgeborenen, sagen sie (Abl.Pl./Akk.Pl./3.Pl.Perf.)
dvijebhyo mantravādinaḥ
höher als die Zweimalgeborenen die Mantra-Sprecher (Abl.Pl./Nom.Pl.)

sarvabhūtaviśiṣṭās te sarvajñāḥ sarvadarśinaḥ; brāhmaṇā vedatattvajñās tattvārthagatiniścayāḥ

Diese Brahmanen sind vor allen Wesen ausgezeichnet, allwissend, allsehend, Kenner des Wesens des Veda, sicher im Ziel der wahren Dinge.

Wort für Wort
sarvabhūtaviśiṣṭās te
vor allen Wesen ausgezeichnet, sie (Nom.Pl.)
sarvajñāḥ sarvadarśinaḥ
allwissend, allsehend (Nom.Pl.)
brāhmaṇā vedatattvajñās
die Brahmanen, Kenner des Wesens des Veda (Nom.Pl.)
tattvārthagatiniścayāḥ
gewiss im Ziel und Sinn des Wahren (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)

netrahīno yathā hy ekaḥ kṛcchrāṇi labhate 'dhvani; jñānahīnas tathā loke tasmāj jñānavido 'dhikāḥ

Wie ein Einzelner ohne Augen auf dem Weg Nöte erleidet, so [ergeht es] in der Welt dem ohne Wissen; darum sind die Wissenskundigen überlegen.

Wort für Wort
netrahīno yathā hy ekaḥ
wie ja einer ohne Augen (Nom.Sg.)
kṛcchrāṇi labhate 'dhvani
Nöte erleidet er auf dem Weg (Akk.Pl./3.Sg./Lok.Sg.)
jñānahīnas tathā loke
ohne Wissen ebenso in der Welt (Nom.Sg./Lok.Sg.)
tasmāj jñānavido 'dhikāḥ
darum sind die Wissenskundigen überlegen (Nom.Pl.)

tāṃs tān upāsate dharmān dharmakāmā yathāgamam; na tv eṣām arthasāmānyam antareṇa guṇān imān

Diese und jene Pflichten pflegen die, die nach Pflicht verlangen, gemäß der Überlieferung; nicht aber [pflegen sie sie] ohne diese Eigenschaften, [bei] Gemeinsamkeit des Zwecks [?].

Wort für Wort
tāṃs tān upāsate dharmān
diese und jene Pflichten pflegen sie (Akk.Pl./3.Pl.Med.)
dharmakāmā yathāgamam
die Pflichtbegehrenden, der Überlieferung gemäß (Nom.Pl./Adv.)
na tv eṣām arthasāmānyam
nicht aber Gemeinsamkeit des Zwecks bei diesen (Akk.Sg./Gen.Pl.)
antareṇa guṇān imān
ohne diese Eigenschaften (Postp./Akk.Pl.)

Syntax von arthasāmānyam antareṇa unsicher.

vāgdehamanasāṃ śaucaṃ kṣamā satyaṃ dhṛtiḥ smṛtiḥ; sarvadharmeṣu dharmajñā jñāpayanti guṇān imān

Reinheit von Rede, Körper und Geist, Nachsicht, Wahrhaftigkeit, Standhaftigkeit, Erinnerung: diese Eigenschaften lassen die Pflichtkundigen in allen Pflichten erkennen.

Wort für Wort
vāgdehamanasāṃ śaucaṃ
Reinheit von Rede, Körper und Geist (Gen.Pl./Nom.Sg.)
kṣamā satyaṃ dhṛtiḥ smṛtiḥ
Nachsicht, Wahrheit, Standhaftigkeit, Erinnerung (Nom.Sg.)
sarvadharmeṣu dharmajñā
in allen Pflichten die Pflichtkundigen (Lok.Pl./Nom.Pl.)
jñāpayanti guṇān imān
lassen erkennen diese Eigenschaften (3.Pl.Kaus./Akk.Pl.)

yad idaṃ brahmaṇo rūpaṃ brahmacaryam iti smṛtam; paraṃ tat sarvabhūtebhyas tena yānti parāṃ gatim

Diese Form des Brahman, die als Brahmacarya überliefert ist, steht über allen Wesen; dadurch gelangen sie zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
yad idaṃ brahmaṇo rūpaṃ
was diese Gestalt des Brahman [ist] (Gen.Sg./Nom.Sg.)
brahmacaryam iti smṛtam
als Brahmacarya überliefert (Nom.Sg.n./Part.Perf.Pass.)
paraṃ tat sarvabhūtebhyas
höher ist dies als alle Wesen (Nom.Sg./Abl.Pl.)
tena yānti parāṃ gatim
dadurch gehen sie zum höchsten Ziel (Instr./3.Pl./Akk.Sg.)

liṅgasaṃyogahīnaṃ yac charīrasparśavarjitam; śrotreṇa śravaṇaṃ caiva cakṣuṣā caiva darśanam

Was frei von Geschlechtsmerkmal und Verbindung ist, ohne Körperberührung; das Hören mit dem Ohr und das Sehen mit dem Auge [ist ebenso gemieden] [?].

Wort für Wort
liṅgasaṃyogahīnaṃ yac
was ohne Verbindung mit dem Geschlechtsmerkmal (Nom.Sg.n.)
charīrasparśavarjitam
frei von Körperberührung (Nom.Sg.n.)
śrotreṇa śravaṇaṃ caiva
und das Hören mit dem Ohr (Instr.Sg./Nom.Sg.)
cakṣuṣā caiva darśanam
und das Sehen mit dem Auge (Instr.Sg./Nom.Sg.)

Der Satz setzt sich in 9 und 10 fort; tad eva parivarjitam in 10 ist Prädikat.

tvacā ca sparśanaṃ yac ca nāsayā ghrāṇam eva ca

Und das Berühren mit der Haut und das Riechen mit der Nase,

Wort für Wort
tvacā ca sparśanaṃ yac ca
und das Berühren mit der Haut, und was (Instr.Sg./Nom.Sg.)
nāsayā ghrāṇam eva ca
und das Riechen mit der Nase (Instr.Sg./Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

jihvayā rasanaṃ yac ca tad eva parivarjitam; buddhyā ca vyavasāyena brahmacaryam akalmaṣam

und das Schmecken mit der Zunge: eben dies ist gemieden; durch Verstand und Entschluss [wird] das Brahmacarya makellos.

Wort für Wort
jihvayā rasanaṃ yac ca
und das Schmecken mit der Zunge (Instr.Sg./Nom.Sg.)
tad eva parivarjitam
eben dies ist gemieden (Part.Perf.Pass.)
buddhyā ca vyavasāyena
durch Verstand und Entschluss (Instr.Sg.)
brahmacaryam akalmaṣam
das Brahmacarya [ist] makellos (Nom.Sg.n.)

Vers 8 bis 10 syntaktisch knapp; Wiedergabe wortnah.

samyagvṛttir brahmalokaṃ prāpnuyān madhyamaḥ surān; dvijāgryo jāyate vidvān kanyasīṃ vṛttim āsthitaḥ

Wer richtig wandelt, erlangt die Welt des Brahman; der Mittlere [erlangt] die Götter; der Wissende wird als Bester der Zweimalgeborenen geboren, wenn er die geringste Lebensweise angenommen hat [?].

Wort für Wort
samyagvṛttir brahmalokaṃ
wer rechten Wandel hat, die Brahma-Welt (Nom.Sg./Akk.Sg.)
prāpnuyān madhyamaḥ surān
möge erlangen; der Mittlere die Götter (Opt./Nom.Sg./Akk.Pl.)
dvijāgryo jāyate vidvān
als Bester der Zweimalgeborenen wird geboren der Wissende (Nom.Sg./3.Sg.Pass./Nom.Sg.)
kanyasīṃ vṛttim āsthitaḥ
die geringste Lebensweise angenommen habend (Akk.Sg.f./Part.Perf.)

suduṣkaraṃ brahmacaryam upāyaṃ tatra me śṛṇu; saṃpravṛttam udīrṇaṃ ca nigṛhṇīyād dvijo manaḥ

Brahmacarya ist sehr schwer; höre dazu mein Mittel: Der Zweimalgeborene möge den [im Geist] aufgekommenen, aufwallenden Geist zügeln.

Wort für Wort
suduṣkaraṃ brahmacaryam
sehr schwer zu tun [ist] das Brahmacarya (Nom.Sg.n.)
upāyaṃ tatra me śṛṇu
das Mittel dazu höre von mir (Akk.Sg./Imp.2.Sg.)
saṃpravṛttam udīrṇaṃ ca
den aufgekommenen und aufgewallten (Akk.Sg.m.)
nigṛhṇīyād dvijo manaḥ
zügeln möge der Zweimalgeborene den Geist (Opt./Nom.Sg./Akk.Sg.)

yoṣitāṃ na kathāḥ śrāvyā na nirīkṣyā nirambarāḥ; kadā cid darśanād āsāṃ durbalān āviśed rajaḥ

Von Frauen dürfen keine Erzählungen gehört werden, Nackte dürfen nicht angesehen werden; bisweilen dringt vom Anblick dieser Leidenschaft in Schwache ein.

Wort für Wort
yoṣitāṃ na kathāḥ śrāvyā
von Frauen nicht Erzählungen zu hören (Gen.Pl./Nom.Pl./Gerundiv)
na nirīkṣyā nirambarāḥ
nicht anzusehen Nackte (Gerundiv/Nom.Pl.)
kadā cid darśanād āsām
irgendwann vom Anblick dieser (Abl.Sg./Gen.Pl.f.)
durbalān āviśed rajaḥ
in Schwache dringt ein Leidenschaft (Akk.Pl./Opt.3.Sg./Nom.Sg.)

rāgotpattau caret kṛcchram ahnas triḥ praviśed apaḥ; magnaḥ svapne ca manasā trir japed aghamarṣaṇam

Beim Aufkommen von Begierde übe er Buße; dreimal am Tag tauche er ins Wasser; eingetaucht spreche er, auch im Traum, im Geist dreimal das Aghamarṣaṇa.

Wort für Wort
rāgotpattau caret kṛcchram
beim Entstehen von Begierde übe er Kṛcchra-Buße (Lok.Sg./Opt./Akk.Sg.)
ahnas triḥ praviśed apaḥ
am Tag dreimal tauche er in die Wasser (Gen.Sg./Adv./Opt./Akk.Pl.)
magnaḥ svapne ca
eingetaucht, und im Traum (Part.Perf./Lok.Sg.)
manasā trir japed aghamarṣaṇam
im Geist dreimal möge er murmeln das Aghamarṣaṇa (Instr./Opt./Akk.Sg.)

svapne ca magnaḥ: Bezug unsicher.

pāpmānaṃ nirdahed evam antarbhūtaṃ rajomayam; jñānayuktena manasā saṃtatena vicakṣaṇaḥ

So möge der Kluge die Sünde verbrennen, die innen liegt, aus Rajas bestehend, mit wissensverbundenem, unablässigem Geist.

Wort für Wort
pāpmānaṃ nirdahed evam
die Sünde möge er verbrennen so (Akk.Sg./Opt./Adv.)
antarbhūtaṃ rajomayam
innen befindlich, aus Rajas bestehend (Akk.Sg.m.)
jñānayuktena manasā
mit wissensverbundenem Geist (Instr.Sg.)
saṃtatena vicakṣaṇaḥ
mit unablässigem, der Kluge (Instr.Sg./Nom.Sg.)

kuṇapāmedhyasaṃyuktaṃ yadvad acchidrabandhanam; tadvad dehagataṃ vidyād ātmānaṃ dehabandhanam

Wie ein Gefäß, das mit Aas und Unrat gefüllt und ohne Öffnung verschnürt ist, so wisse man das im Körper befindliche Selbst als vom Körper gebunden.

Wort für Wort
kuṇapāmedhyasaṃyuktaṃ yadvad
mit Aas und Unrat gefüllt, wie (Nom.Sg.n./Adv.)
acchidrabandhanam
ohne Öffnung verschnürt (Nom.Sg.n.)
tadvad dehagataṃ vidyād
ebenso das im Körper befindliche möge man wissen (Adv./Akk./Opt.)
ātmānaṃ dehabandhanam
das Selbst als körpergebunden (Akk.Sg.)

amedhyapūrṇaṃ yad bhāṇḍaṃ śleṣmāntakalilāvṛtam; necchate vīkṣituṃ bhāṇḍaṃ kutaḥ spraṣṭuṃ pravartate; dehabhāṇḍaṃ malaiḥ pūrṇaṃ bahiḥ svedajalāvṛtam; bībhatsaṃ naranārīṇāṃ jñānināṃ narakaṃ matam; chidrakumbho yathā srāvaṃ sṛjate tadgataṃ dṛḍham; antaḥsthaṃ sraṃsate tadvaj jalaṃ deheṣu dehinām; śleṣmāśrumūtrakalilaṃ purīṣaṃ śuklam eva ca; kaphajālaviniryāsaḥ sarasaś citta muñcaya

Ein Gefäß, mit Unreinem gefüllt und von Schleim, Gedärm und Gemengsel bedeckt, will man nicht ansehen; wie sollte man daran gehen, es zu berühren? Das Körpergefäß, voll von Unreinheiten, außen von Schweißwasser bedeckt, abscheulich bei Männern und Frauen, gilt den Wissenden als Hölle. Wie ein löchriger Krug das darin Befindliche stark aussickern lässt, so tritt innen befindliches Wasser in den Körpern der Verkörperten aus. Schleim, Tränen, Harn-Gemisch, Kot und Samen, Absonderung aus dem Schleimgeflecht, mit Saft: [o] Geist, lass los [?].

Wort für Wort
amedhyapūrṇaṃ yad bhāṇḍaṃ
ein Gefäß voll Unreinem (Nom.Sg.n.)
śleṣmāntakalilāvṛtam
von Schleim, Gedärm, Gemengsel bedeckt (Nom.Sg.n.)
necchate vīkṣituṃ kutaḥ spraṣṭuṃ pravartate
man will nicht ansehen; wie sollte man ans Berühren gehen (3.Sg./Inf./Inf./3.Sg.)
dehabhāṇḍaṃ malaiḥ pūrṇaṃ bahiḥ svedajalāvṛtam
das Körpergefäß voll Unreinheiten, außen von Schweißwasser bedeckt (Nom.Sg.n./Instr.Pl.)
bībhatsaṃ naranārīṇāṃ jñānināṃ narakaṃ matam
abscheulich bei Männern und Frauen, den Wissenden als Hölle geltend (Nom.Sg.n./Gen.Pl./Part.Perf.)
chidrakumbho yathā srāvaṃ sṛjate tadgataṃ dṛḍham
wie ein löchriger Krug den darin befindlichen Ausfluss stark entlässt (Nom.Sg.m./Akk.Sg./3.Sg.Med.)
antaḥsthaṃ sraṃsate tadvaj jalaṃ deheṣu dehinām
innen befindlich tritt aus so Wasser in den Körpern der Verkörperten (Nom.Sg./3.Sg./Lok.Pl./Gen.Pl.)
śleṣmāśrumūtrakalilaṃ purīṣaṃ śuklam eva ca
Schleim-, Tränen-, Harn-Gemisch, Kot und Samen (Nom.Sg.n.)
kaphajālaviniryāsaḥ sarasaś citta muñcaya
Absonderung aus dem Schleimgeflecht, mit Saft; o Geist, lass los [?] (Nom.Sg./Vok.Sg./Imp.Kaus.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Schluss (sarasaś citta muñcaya) ist wohl verderbt.

vātapittakaphān raktaṃ tvaṅmāṃsaṃ snāyum asthi ca; majjāṃ caiva sirājālais tarpayanti rasā nṛṇām

Aus Wind, Galle, Schleim, Blut, Haut, Fleisch, Sehne, Knochen und Mark nähren die Säfte die Menschen durch Adernetze.

Wort für Wort
vātapittakaphān raktaṃ
Wind, Galle, Schleim, Blut (Akk.Pl./Akk.Sg.)
tvaṅmāṃsaṃ snāyum asthi ca
Haut und Fleisch, Sehne, Knochen (Akk.Sg.)
majjāṃ caiva sirājālais
und Mark, durch Adernetze (Akk.Sg./Instr.Pl.)
tarpayanti rasā nṛṇām
nähren die Säfte der Menschen (3.Pl./Nom.Pl./Gen.Pl.)

Grammatisch stehen die Körperstoffe im Akk.; sinngemäß werden sie durch die Säfte genährt.

daśa vidyād dhamanyo 'tra pañcendriyaguṇāvahāḥ; yābhiḥ sūkṣmāḥ pratāyante dhamanyo 'nyāḥ sahasraśaḥ

Zehn Hauptadern wisse man hier, die die Eigenschaften der fünf Sinne herbeitragen; durch sie breiten sich tausendfach andere, feine Adern aus.

Wort für Wort
daśa vidyād dhamanyo 'tra
zehn möge man wissen Adern hier (Opt./Akk.Pl.)
pañcendriyaguṇāvahāḥ
die Eigenschaften der fünf Sinne tragend (Nom.Pl.)
yābhiḥ sūkṣmāḥ pratāyante
durch welche feine sich ausbreiten (Instr.Pl.f./Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
dhamanyo 'nyāḥ sahasraśaḥ
andere Adern zu Tausenden (Nom.Pl./Adv.)

evam etāḥ sirānadyo rasodā dehasāgaram; tarpayanti yathākālam āpagā iva sāgaram

So nähren diese Aderflüsse, die Saft führen, das Körpermeer zur rechten Zeit, wie Flüsse das Meer.

Wort für Wort
evam etāḥ sirānadyo
so diese Aderflüsse (Nom.Pl.)
rasodā dehasāgaram
Saft spendend, das Körpermeer (Nom.Pl.f./Akk.Sg.)
tarpayanti yathākālam
nähren zur rechten Zeit (3.Pl./Adv.)
āpagā iva sāgaram
wie Flüsse das Meer (Nom.Pl./Akk.Sg.)

madhye ca hṛdayasyaikā sirā tv atra manovahā; śukraṃ saṃkalpajaṃ nṝṇāṃ sarvagātrair vimuñcati

Und in der Mitte des Herzens ist eine einzige Ader, die den Geist trägt; den aus Vorstellung entstandenen Samen der Menschen entlässt sie durch alle Glieder.

Wort für Wort
madhye ca hṛdayasyaikā
und in der Mitte des Herzens eine (Lok.Sg./Gen.Sg./Nom.Sg.f.)
sirā tv atra manovahā
Ader hier, den Geist tragend (Nom.Sg./Adv./Nom.Sg.f.)
śukraṃ saṃkalpajaṃ nṝṇām
Samen, aus Vorstellung entstanden, der Menschen (Akk.Sg./Gen.Pl.)
sarvagātrair vimuñcati
durch alle Glieder entlässt sie (Instr.Pl./3.Sg.)

sarvagātrapratāyinyas tasyā hy anugatāḥ sirāḥ; netrayoḥ pratipadyante vahantyas taijasaṃ guṇam

Alle Glieder durchziehend folgen ihr die Adern; sie gelangen zu den Augen und führen die Lichtqualität.

Wort für Wort
sarvagātrapratāyinyas
alle Glieder durchziehend (Nom.Pl.f.)
tasyā hy anugatāḥ sirāḥ
ihr ja folgend die Adern (Gen.Sg.f./Part.Perf./Nom.Pl.)
netrayoḥ pratipadyante
zu den beiden Augen gelangen sie (Gen./Lok.Du./3.Pl.Med.)
vahantyas taijasaṃ guṇam
führend die Lichtqualität (Part.Präs.f./Akk.Sg.)

payasy antarhitaṃ sarpir yadvan nirmathyate khajaiḥ; śukraṃ nirmathyate tadvad dehasaṃkalpajaiḥ khajaiḥ

Wie in Milch verborgene Butter durch Quirlstäbe gequirlt wird, so wird der Same durch die aus Körper und Vorstellung geborenen Quirlstäbe gequirlt.

Wort für Wort
payasy antarhitaṃ sarpir
in Milch verborgen die Butter (Lok.Sg./Part.Perf./Nom.Sg.)
yadvan nirmathyate khajaiḥ
wie sie gequirlt wird durch Quirlstäbe (Adv./3.Sg.Pass./Instr.Pl.)
śukraṃ nirmathyate tadvad
der Same wird gequirlt ebenso (Nom.Sg./3.Sg.Pass./Adv.)
dehasaṃkalpajaiḥ khajaiḥ
durch aus Körper und Vorstellung geborene Quirlstäbe (Instr.Pl.)

svapne 'py evaṃ yathābhyeti manaḥsaṃkalpajaṃ rajaḥ; śukram asparśajaṃ dehāt sṛjanty asya manovahā

Auch im Traum kommt so das aus der Vorstellung des Geistes entstandene Rajas heran; den nicht durch Berührung entstandenen Samen lassen die Geistträger [Adern] aus dem Körper dieses [Menschen] ausströmen.

Wort für Wort
svapne 'py evaṃ yathābhyeti
auch im Traum, so wie es herankommt (Lok.Sg./3.Sg.)
manaḥsaṃkalpajaṃ rajaḥ
das aus Vorstellung des Geistes geborene Rajas (Nom.Sg.n.)
śukram asparśajaṃ dehāt
den nicht berührungsgeborenen Samen aus dem Körper (Akk.Sg./Abl.Sg.)
sṛjanty asya manovahā
entlassen dessen die geisttragenden [Adern] (3.Pl./Gen.Sg./Nom.Pl.f.)

manovahā als Plural (sirāḥ) aufgefasst; unsicher.

maharṣir bhagavān atrir veda tac chukrasaṃbhavam; tribījam indradaivatyaṃ tasmād indriyam ucyate

Der große Seher, der erhabene Atri, kennt diesen Ursprung des Samens: dreifacher Same, Indra als Gottheit, daher wird er „Indriya“ genannt.

Wort für Wort
maharṣir bhagavān atrir
der große Seher, der erhabene Atri (Nom.Sg.)
veda tac chukrasaṃbhavam
kennt diesen Samenursprung (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)
tribījam indradaivatyam
dreifachen Samen, Indra zur Gottheit habend (Akk.Sg.n.)
tasmād indriyam ucyate
daher wird Indriya genannt (Abl./Nom.Sg./3.Sg.Pass.)

ye vai śukragatiṃ vidyur bhūtasaṃkarakārikām; virāgā dagdhadoṣās te nāpnuyur dehasaṃbhavam

Die, die den Weg des Samens kennen, der die Vermischung der Wesen bewirkt, werden, leidenschaftslos und mit verbrannten Fehlern, nicht zur Entstehung eines Körpers gelangen.

Wort für Wort
ye vai śukragatiṃ vidyur
die, die den Weg des Samens kennen (Nom.Pl./Akk.Sg./Opt.3.Pl.)
bhūtasaṃkarakārikām
die Wesen-Vermischung bewirkend (Akk.Sg.f.)
virāgā dagdhadoṣās te
leidenschaftslos, mit verbrannten Fehlern, sie (Nom.Pl.)
nāpnuyur dehasaṃbhavam
nicht mögen erlangen Körperentstehung (Opt.3.Pl./Akk.Sg.)

guṇānāṃ sāmyam āgamya manasaiva manovaham; dehakarma nudan prāṇān antakāle vimucyate

Zum Gleichmaß der Guṇas gelangt, den Geist-Träger allein durch den Geist [lenkend], die Körperhandlung und die Lebenshauche verdrängend, wird er zur Todeszeit erlöst.

Wort für Wort
guṇānāṃ sāmyam āgamya
zum Gleichmaß der Guṇas gelangt (Gen.Pl./Akk.Sg./Abs.)
manasaiva manovaham
allein durch den Geist den Geist-Träger (Instr.Sg./Akk.Sg.)
dehakarma nudan prāṇān
Körperhandlung, die Lebenshauche verdrängend (Akk.Sg./Part.Präs./Akk.Pl.)
antakāle vimucyate
zur Todeszeit wird er erlöst (Lok.Sg./3.Sg.Pass.)

Konstruktion von manovaham und nudan unsicher.

bhavitā manaso jñānaṃ mana eva pratāyate; jyotiṣmad virajo divyam atra siddhaṃ mahātmanām

Des Geistes Erkenntnis wird entstehen, der Geist selbst breitet sich aus: lichtvoll, staubfrei, göttlich; hierin ist es bei den Hochgesinnten vollendet.

Wort für Wort
bhavitā manaso jñānaṃ
wird sein des Geistes Erkenntnis (Fut.3.Sg./Gen.Sg./Nom.Sg.)
mana eva pratāyate
der Geist selbst breitet sich aus (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
jyotiṣmad virajo divyam
lichtvoll, staubfrei, göttlich (Nom.Sg.n.)
atra siddhaṃ mahātmanām
hierin vollendet bei Hochgesinnten (Adv./Part.Perf./Gen.Pl.)

Bezug der Adjektive unsicher.

tasmāt tad avighātāya karma kuryād akalmaṣam; rajas tamaś ca hitveha na tiryaggatim āpnuyāt

Darum, damit es nicht behindert wird, tue man makelloses Werk; Rajas und Tamas hier lassend, gelangt man nicht in tierische Existenz.

Wort für Wort
tasmāt tad avighātāya
darum, zu dessen Unbehindertheit (Abl./Dat.Sg.)
karma kuryād akalmaṣam
Handlung möge man tun, makellose (Akk.Sg./Opt./Akk.Sg.)
rajas tamaś ca hitveha
Rajas und Tamas hier lassend (Akk.Sg./Abs.)
na tiryaggatim āpnuyāt
nicht tierischen Zustand möge er erlangen (Akk.Sg./Opt.)

taruṇādhigataṃ jñānaṃ jarādurbalatāṃ gatam; paripakvabuddhiḥ kālena ādatte mānasaṃ balam

Das in der Jugend erworbene Wissen, das im Alter zur Schwäche gelangt ist: Wer reife Einsicht hat, nimmt mit der Zeit geistige Kraft auf.

Wort für Wort
taruṇādhigataṃ jñānaṃ
in Jugend erworbenes Wissen (Nom.Sg.n.)
jarādurbalatāṃ gatam
zur Altersschwäche gelangt (Akk.Sg./Part.Perf.)
paripakvabuddhiḥ kālena
mit gereiftem Verstand, mit der Zeit (Nom.Sg./Instr.Sg.)
ādatte mānasaṃ balam
nimmt auf geistige Kraft (3.Sg.Med./Akk.Sg.)

Satzbau locker; Bezug des ersten Halbverses unsicher.

evaṃ putrakalatreṣu jñātisaṃbandhibandhuṣu; ādatte hṛdaye kāmaṃ vyādhā[dhyā]dibhir abhiplutaḥ; yatas tataḥ paripatann avindan sukham aṇv api; bahuduḥkhasamāpannaḥ paścān nirvedam āsthitaḥ; jñānavṛkṣaṃ samāśritya paścān nirvṛtim aśnute

So [haftet er] an Söhnen, Frauen, Verwandten, Verschwägerten und Angehörigen; er fasst im Herzen Begierde, von Krankheiten [oder Sorgen] und dergleichen überflutet; hierhin und dorthin stürzend, nicht das kleinste Glück findend, in viel Leid geraten, gelangt er danach zum Überdruss; zum Wissensbaum Zuflucht genommen habend, genießt er danach Frieden.

Wort für Wort
evaṃ putrakalatreṣu jñātisaṃbandhibandhuṣu
so an Söhnen, Frauen, Sippe, Verschwägerten, Verwandten (Lok.Pl.)
ādatte hṛdaye kāmaṃ
fasst im Herzen Begierde (3.Sg.Med./Lok.Sg./Akk.Sg.)
vyādhā[dhyā]dibhir abhiplutaḥ
von Krankheiten [oder Sorgen] usw. überflutet (Instr.Pl./Part.Perf.)
yatas tataḥ paripatann avindan sukham aṇv api
hierhin und dorthin stürzend, nicht findend auch nur ein wenig Glück (Part.Präs./Part.Präs./Akk.Sg.)
bahuduḥkhasamāpannaḥ paścān nirvedam āsthitaḥ
in viel Leid geraten, danach Überdruss angenommen habend (Nom.Sg./Adv./Akk.Sg./Part.Perf.)
jñānavṛkṣaṃ samāśritya paścān nirvṛtim aśnute
zum Wissensbaum Zuflucht nehmend, danach erlangt er Frieden (Abs./3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Lesart vyādhā[dhyā]dibhir im Text mit Variante.

sudurgam iva panthānam atītya guṇabandhanam; yadā paśyet tadā doṣān atītyāmṛtam aśnute

Wie einen sehr unwegsamen Pfad, [so] hat er die Fessel der Guṇas überwunden; wenn er [dies] einsieht, dann, die Fehler überschreitend, genießt er das Unsterbliche.

Wort für Wort
sudurgam iva panthānam
wie einen sehr unwegsamen Pfad (Akk.Sg.)
atītya guṇabandhanam
überschritten habend die Guṇa-Fessel (Abs./Akk.Sg.)
yadā paśyet tadā doṣān
wenn er sieht, dann die Fehler (Opt./Akk.Pl.)
atītyāmṛtam aśnute
überschritten, das Unsterbliche genießt er (Abs./Akk.Sg./3.Sg.)

Satzbau unsicher.

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