Kapitel 179: jīvanirarthakatvapakṣaḥ
Bharadvājas Einwände gegen das Dasein einer eigenen Seele
Bharadvāja legt in einer Reihe von Argumenten dar, Leben und Bewusstsein seien nur Wirkungen der Elemente (Wind, Wärme) und ein von ihnen getrenntes Selbst nicht nachweisbar; auch Totenspenden und Wiedergeburt stellt er infrage.
śleṣo yadi ca vātena yadi tasmāt praṇaśyati; mahārṇavavimuktatvād anyat salilabhājanam
Wenn die Verbindung durch den Wind besteht und sie deshalb vergeht – wegen der Ablösung vom großen Ozean wäre ein Wassergefäß [doch] etwas anderes [?].
Wort für Wort
śleṣo yadi ca vātena
und wenn die Verbindung durch den Wind [besteht] (Nom./Instr.)
yadi tasmāt praṇaśyati
wenn sie deshalb vergeht (3.Sg.Präs.)
mahārṇavavimuktatvāt
wegen des Abgelöstseins vom großen Ozean (Abl.; Kompositum)
anyat salilabhājanam
ein Wassergefäß ist etwas anderes (Nom.Sg.n.)
Zweiter Halbvers syntaktisch knapp und unsicher; der Vergleich mit dem Wassergefäß ist wörtlich wiedergegeben.
In diesem Körper, der aus fünf [Elementen] gemeinsam besteht, woher [käme] Leben? Wenn eines von vier [Elementen] aufgegeben wird, gibt es keinen Zusammenhalt.
Wort für Wort
pañcasādhāraṇe hi asmin śarīre
denn in diesem, den fünf gemeinsamen Körper (Lok.Sg.)
jīvitaṃ kutaḥ
woher Leben? (Nom.Sg.n.; Adv.)
yeṣām anyataratyāgāt
bei Aufgabe irgendeines von denen (Abl.Sg.; Gen.Pl.)
caturṇāṃ nāsti saṃgrahaḥ
von den vieren gibt es keinen Zusammenhalt (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)
Das Wasser schwindet durch Nahrungsmangel, der Wind durch das Anhalten des Atems, der Raum schwindet durch das Aufbrechen der Körperhöhle, das Feuer schwindet durch Nichtessen.
Wort für Wort
naśyanty āpo hy anāhārāt
denn die Wasser schwinden durch Nichtnahrung (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.; Abl.)
vāyur ucchvāsanigrahāt
der Wind durch das Anhalten des Atems (Abl.)
naśyate koṣṭhabhedāt kham
der Raum schwindet durch Aufbrechen der Körperhöhle (3.Sg.Med.; Abl.; Nom.Sg.n.)
Auch die Erde zerfällt durch Krankheiten, Wunden und Leiden; wird eines von diesen bedrängt, so geht die Verbindung in die Fünfheit über [wörtlich: in fünf Teile].
Wort für Wort
vyādhivraṇaparikleśaiḥ
durch Krankheiten, Wunden, Leiden (Instr.Pl.; Kompositum)
medinī caiva śīryate
und die Erde zerfällt (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Pass./Med.)
pīḍite 'nyatare hy eṣām
wenn eines von diesen bedrängt ist (Lok. abs.; Gen.Pl.)
saṃghāto yāti pañcadhā
geht die Verbindung fünffach auseinander (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
„pañcadhā“ wörtlich „fünffach“, hier als Auflösung in die fünf Elemente verstanden.
„Diese Kuh wird mich, der ich in der jenseitigen Welt weile, hinüberführen“ – wenn ein Wesen nach dem Schenken stirbt, wen wird diese Kuh hinüberführen?
Wort für Wort
eṣā gauḥ paralokasthaṃ
diese Kuh, mich, der in der jenseitigen Welt weilt (Nom.Sg.f.; Akk.Sg.m.)
tārayiṣyati mām iti
wird mich hinüberführen, [so sagt man] (3.Sg.Fut.Kaus.; Zitat-iti)
yo dattvā mriyate jantuḥ
das Wesen, das nach dem Geben stirbt (Abs.; 3.Sg.Präs.)
sā gauḥ kaṃ tārayiṣyati
diese Kuh, wen wird sie hinüberführen? (3.Sg.Fut.)