Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 10: bhīmavākyam karmapraśaṃsā Bhīma tadelt Yudhiṣṭhiras Wunsch zu entsagen und fordert das Handeln

Bhīma antwortet auf Yudhiṣṭhiras Neigung zu Verzicht und Weltflucht: Der Kampf sei bereits geschehen, Entsagung bringe keine Vollendung, allein Handeln führe zum Erfolg.

bhīma uvāca; śrotriyasyeva te rājan mandakasyāvipaścitaḥ; anuvākahatābuddhir naiṣā tattvārthadarśinī

Bhīma sprach: „Wie bei einem bloßen Vedakundigen (Śrotriya), o König, bei einem Trägen, Unverständigen, ist dein Verstand durch das [bloße] Rezitieren der Vedaabschnitte (anuvāka) zerschlagen; dies ist nicht [die Einsicht], die den wahren Sinn erschaut.“

Wort für Wort
bhīma uvāca
Bhīma sprach (Perf. 3.Sg.)
śrotriyasya iva te rājan
wie bei einem Vedakundigen, dein, o König (Gen./Gen./Vok.)
mandakasya avipaścitaḥ
bei einem Trägen, Unverständigen (Gen. Sg.)
anuvāka-hata-abuddhiḥ
[dein] durch Anuvāka-Rezitation zerschlagener Verstand (Kompositum, Nom. Sg. f.)
na eṣā
nicht diese (Nom. Sg. f.)
tattva-artha-darśinī
den wahren Sinn erschauend (Nom. Sg. f.)

Zeile ‚anuvākahatābuddhiḥ‘: als anuvāka-hata-buddhiḥ gelesen; buddhi ist das Bezugswort zu eṣā.

ālasye kṛtacittasya rājadharmānasūyataḥ; vināśe dhārtarāṣṭrāṇāṃ kiṃ phalaṃ bharatarṣabha

Was ist die Frucht, Stier der Bharatas, für dich, dessen Sinn auf Trägheit gerichtet ist und der die Königspflicht missachtet, im Untergang der Dhṛtarāṣṭra-Söhne?

Wort für Wort
ālasye kṛtacittasya
für den, dessen Sinn auf Trägheit gerichtet ist (Lok./Gen.)
rājadharma-anasūyataḥ
der die Königspflicht nicht schätzt/missachtet (Gen. Sg. Part.)
vināśe dhārtarāṣṭrāṇām
im Untergang der Dhṛtarāṣṭra-Söhne (Lok./Gen. Pl.)
kiṃ phalam
was für eine Frucht (Nom.)
bharata-ṛṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)

Syntax der Frage etwas elliptisch (Gen. bezieht sich auf Yudhiṣṭhira).

kṣamānukampā kāruṇyam ānṛśaṃsyaṃ na vidyate; kṣātram ācarato mārgam api bandhos tvadantare

Nachsicht, Mitleid, Barmherzigkeit und Nicht-Grausamkeit gibt es nicht bei dem, der den Weg des Kṣatriya beschreitet, [selbst] gegenüber einem Verwandten [?] – bei dir [aber gibt es sie].

Wort für Wort
kṣamā anukampā kāruṇyam ānṛśaṃsyam
Nachsicht, Mitleid, Barmherzigkeit, Nicht-Grausamkeit (Nom.)
na vidyate
gibt es nicht (3.Sg.Pass.)
kṣātram ācarataḥ mārgam
[bei dem], der den Kṣatriya-Weg geht (Akk./Gen. Part.)
api bandhoḥ
auch gegenüber einem Verwandten (Gen. Sg.)
tvad-antare
in bezug auf dich [?] (Lok. Sg.)

Der zweite Halbvers ist syntaktisch unsicher; tvadantare ist unklar (‚in deinem Fall / bei dir als Zwischenraum‘).

yadīmāṃ bhavato buddhiṃ vidyāma vayam īdṛśīm; śastraṃ naiva grahīṣyāmo na vadhiṣyāma kaṃ cana

Wenn wir diese deine Gesinnung so gekannt hätten, würden wir überhaupt keine Waffe ergreifen und niemanden töten.

Wort für Wort
yadi imām bhavataḥ buddhim
wenn diese deine Gesinnung (Akk./Gen.)
vidyāma vayam īdṛśīm
hätten wir gekannt, wir, eine solche (Opt. 1.Pl.)
śastraṃ na eva grahīṣyāmaḥ
eine Waffe würden wir gewiss nicht ergreifen (Fut. 1.Pl.)
na vadhiṣyāma kaṃ cana
und niemanden töten (Fut. 1.Pl.)

bhaikṣyam evācariṣyāma śarīrasyā vimokṣaṇāt; na cedaṃ dāruṇaṃ yuddham abhaviṣyan mahīkṣitām

Wir würden nur vom Betteln leben, bis der Körper [das Leben] verlässt, [und] dieser grausame Krieg der Fürsten hätte nicht stattgefunden.

Wort für Wort
bhaikṣyam eva ācariṣyāmaḥ
nur Bettelspeise würden wir üben (Fut. 1.Pl.)
śarīrasya vimokṣaṇāt
bis zur Befreiung des Körpers (Abl.)
na ca idam dāruṇam yuddham
und nicht dieser grausame Krieg (Nom.)
abhaviṣyat mahīkṣitām
wäre gewesen der Erdherrscher (Cond. 3.Sg./Gen. Pl.)

Zeile śarīrasyā vimokṣaṇāt: Sandhi śarīrasya avimokṣaṇāt/śarīrasya vimokṣaṇāt; hier als ‚bis zur Loslösung des Körpers‘ gelesen [?].

prāṇasyānnam idaṃ sarvam iti vai kavayo viduḥ; sthāvaraṃ jaṅgamaṃ caiva sarvaṃ prāṇasya bhojanam

„Dies alles ist Nahrung des Lebensodems“, so wissen die Weisen; Unbewegliches und Bewegliches, alles ist Speise des Lebensodems.

Wort für Wort
prāṇasya annam idam sarvam
dies alles [ist] Nahrung des Lebensodems (Gen./Nom.)
iti vai kavayaḥ viduḥ
so wissen wahrlich die Seher (Perf. 3.Pl.)
sthāvaram jaṅgamam ca eva
Unbewegliches und Bewegliches (Nom. Sg. n.)
sarvam prāṇasya bhojanam
alles [ist] Speise des Lebensodems (Nom./Gen.)

ādadānasya ced rājyaṃ ye ke cit paripanthinaḥ; hantavyās ta iti prājñāḥ kṣatradharmavido viduḥ

Wenn bei einem, der ein Reich ergreift, welche Widersacher auch immer [auftreten], so müssen sie getötet werden – so wissen die Klugen, die die Kṣatriya-Pflicht kennen.

Wort für Wort
ādadānasya ced rājyam
wenn bei einem, der das Reich ergreift (Gen. Part.)
ye ke cit paripanthinaḥ
welche Widersacher auch immer (Nom. Pl.)
hantavyāḥ te iti
sie sind zu töten, so (Gerundiv)
prājñāḥ kṣatra-dharma-vidaḥ viduḥ
wissen die Klugen, Kenner der Kṣatriya-Pflicht (Perf. 3.Pl.)

te sadoṣā hatāsmābhī rājyasya paripanthinaḥ; tān hatvā bhuṅkṣva dharmeṇa yudhiṣṭhira mahīm imām

Jene fehlerhaften Widersacher des Reiches sind von uns erschlagen worden; nachdem du sie erschlagen hast, genieße, Yudhiṣṭhira, diese Erde gemäß dem Dharma.

Wort für Wort
te sa-doṣāḥ hatāḥ asmābhiḥ
jene mit Schuld Behafteten wurden erschlagen von uns (Part. Pass./Instr.)
rājyasya paripanthinaḥ
die Widersacher des Reiches (Gen./Nom. Pl.)
tān hatvā
nachdem du sie erschlagen hast (Abs.)
bhuṅkṣva dharmeṇa
genieße gemäß dem Dharma (Imp. Med./Instr.)
yudhiṣṭhira mahīm imām
Yudhiṣṭhira, diese Erde (Vok./Akk.)

Zweiter Halbvers: hatvā mit Bezug auf Yudhiṣṭhira gelesen (‚nachdem sie erschlagen sind‘).

yathā hi puruṣaḥ khātvā kūpam aprāpya codakam; paṅkadigdho nivarteta karmedaṃ nas tathopamam

Wie ein Mann, der einen Brunnen gegraben hat, ohne Wasser zu erreichen, mit Schlamm beschmiert umkehrt – diesem gleicht unser Werk.

Wort für Wort
yathā hi puruṣaḥ khātvā kūpam
wie nämlich ein Mann, nachdem er einen Brunnen gegraben hat (Abs.)
aprāpya ca udakam
und Wasser nicht erreicht habend (Abs.)
paṅka-digdhaḥ nivarteta
mit Schlamm beschmiert umkehrt (Opt. Med. 3.Sg.)
karma idam naḥ tathā upamam
dieses unser Werk ist dem gleich (Nom./Gen. Pl.)

yathāruhya mahāvṛkṣam apahṛtya tato madhu; aprāśya nidhanaṃ gacchet karmedaṃ nas tathopamam

Wie [einer], der einen großen Baum erklommen und daraus Honig geholt hat, ihn nicht kostet [und] dem Tod entgegengeht – diesem gleicht unser Werk.

Wort für Wort
yathā āruhya mahā-vṛkṣam
wie nachdem er einen großen Baum erstiegen (Abs.)
apahṛtya tataḥ madhu
und daraus Honig weggenommen (Abs./Adv.)
aprāśya nidhanam gacchet
ohne zu kosten zum Tod gehen würde (Abs./Opt. 3.Sg.)
karma idam naḥ tathā upamam
dieses unser Werk ist dem gleich

yathā mahāntam adhvānam āśayā puruṣaḥ patan; sa nirāśo nivarteta karmedaṃ nas tathopamam

Wie ein Mann, der in der Hoffnung einen langen Weg [geht], stürzt, hoffnungslos umkehrt – diesem gleicht unser Werk.

Wort für Wort
yathā mahāntam adhvānam
wie einen großen Weg (Akk.)
āśayā puruṣaḥ patan
ein Mann, in Hoffnung, fallend (Instr./Nom./Part.)
saḥ nirāśaḥ nivarteta
er, hoffnungslos, kehrt um (Opt. Med.)
karma idam naḥ tathā upamam
dieses unser Werk ist dem gleich

patan: ‚fallend/stürzend‘, möglicherweise ‚gehend, sich auf den Weg begebend‘ [?].

yathā śatrūn ghātayitvā puruṣaḥ kurusattama; ātmānaṃ ghātayet paścāt karmedaṃ nas tathāvidham

Wie ein Mann, o Bester der Kurus, der Feinde hat töten lassen und sich danach selbst töten ließe – von derselben Art ist unser Werk.

Wort für Wort
yathā śatrūn ghātayitvā
wie nachdem er Feinde hat töten lassen (Abs. Kaus.)
puruṣaḥ kuru-sat-tama
ein Mann, Bester der Kurus (Nom./Vok.)
ātmānam ghātayet paścāt
sich selbst töten lassen würde danach (Opt. Kaus.)
karma idam naḥ tathāvidham
dieses unser Werk ist von der Art (Nom.)

yathānnaṃ kṣudhito labdhvā na bhuñjīta yadṛcchayā; kāmī ca kāminīṃ labdhvā karmedaṃ nas tathāvidham

Wie ein Hungriger, der Speise erlangt hat, sie nicht nach Belieben äße, und ein Verliebter, der die Geliebte erlangt hat, [sie nicht genösse] – von derselben Art ist unser Werk.

Wort für Wort
yathā annam kṣudhitaḥ labdhvā
wie ein Hungriger, Speise erlangt habend (Nom./Abs.)
na bhuñjīta yadṛcchayā
nicht äße nach Belieben/zufällig (Opt. Med./Instr.)
kāmī ca kāminīm labdhvā
und ein Verliebter, eine Geliebte erlangt habend (Nom./Akk./Abs.)
karma idam naḥ tathāvidham
dieses unser Werk ist von der Art

‚na bhuñjīta‘ wirkt im zweiten Halbvers als [genösse nicht] fort.

vayam evātra garhyā hi ye vayaṃ mandacetasaḥ; tvāṃ rājann anugacchāmo jyeṣṭho 'yam iti bhārata

Wir selbst sind hier tadelnswert, die wir schwachsinnig sind, dass wir dir, o König, folgen [mit den Worten]: „Dieser ist der Älteste“, o Bhārata.

Wort für Wort
vayam eva atra garhyāḥ hi
wir selbst sind hier nämlich tadelnswert (Nom. Pl. Gerundiv)
ye vayam manda-cetasaḥ
die wir schwachen Sinnes sind (Nom. Pl.)
tvām rājan anugacchāmaḥ
dir, o König, folgen wir (Akk./Vok./1.Pl.)
jyeṣṭhaḥ ayam iti bhārata
„dieser ist der Älteste“, so, o Bhārata (Nom./Vok.)

vayaṃ hi bāhubalinaḥ kṛtavidyā manasvinaḥ; klībasya vākye tiṣṭhāmo yathaivāśaktayas tathā

Denn wir sind armstark, gelehrt, hochgemut, [und doch] stehen wir unter dem Wort eines Unmännlichen, als wären wir kraftlos.

Wort für Wort
vayam hi bāhu-balinaḥ
wir nämlich, armstark (Nom. Pl.)
kṛta-vidyāḥ manasvinaḥ
gelehrt, hochgesinnt (Nom. Pl.)
klībasya vākye tiṣṭhāmaḥ
im Wort eines Unmännlichen stehen wir (Gen./Lok./1.Pl.)
yathā eva aśaktayaḥ tathā
gerade wie Kraftlose so (Nom. Pl./Adv.)

agatīn kāgatīn asmān naṣṭārthān arthasiddhaye; kathaṃ vai nānupaśyeyur janāḥ paśyanti yādṛśam

Wie sollten die Leute uns, die wir ohne Ausweg [und] ohne Zuflucht sind, [deren] Ziele verloren sind, nicht [so] ansehen, wie sie uns [jetzt] sehen, [wo wir doch] Erfolg [erstreben]?

Wort für Wort
agatīn kā-gatīn asmān
uns, Wegelose, welchen Weg [habend]? (Akk. Pl.)
naṣṭa-arthān
deren Ziele verloren sind (Akk. Pl.)
artha-siddhaye
zur Erlangung des Ziels/Erfolgs (Dat.)
katham vai na anupaśyeyuḥ janāḥ
wie sollten die Leute nicht ansehen (Opt. 3.Pl.)
paśyanti yādṛśam
wie sie [uns] sehen (Präs. 3.Pl./Akk.)

Verderbt/unklar: agatīn kāgatīn und der Bezug von yādṛśam sind unsicher [?].

āpatkāle hi saṃnyāsaḥ kartavya iti śiṣyate; jarayābhiparītena śatrubhir vyaṃsitena ca

Denn in der Zeit der Not ist, so wird gelehrt, Entsagung zu üben – für einen, der vom Alter befallen und von Feinden zugrunde gerichtet ist.

Wort für Wort
āpad-kāle hi
zur Zeit der Not nämlich (Lok.)
saṃnyāsaḥ kartavyaḥ
Entsagung ist zu üben (Nom./Gerundiv)
iti śiṣyate
so wird gelehrt (Pass. 3.Sg.)
jarayā abhiparītena
von Alter befallen (Instr. Part.)
śatrubhiḥ vyaṃsitena ca
und von Feinden getäuscht/zugrunde gerichtet (Instr./Instr.)

tasmād iha kṛtaprajñās tyāgaṃ na paricakṣate; dharmavyatikramaṃ cedaṃ manyante sūkṣmadarśinaḥ

Darum verkünden die, die hier ihre Einsicht gefasst haben, den Verzicht nicht [als Weg] und halten dies für eine Übertretung des Dharma, die Feinsichtigen.

Wort für Wort
tasmāt iha kṛta-prajñāḥ
daher hier [die], deren Einsicht gefasst ist (Abl./Nom. Pl.)
tyāgam na paricakṣate
den Verzicht verkünden [sie] nicht (Präs. Med. 3.Pl.)
dharma-vyatikramam ca idam
und dies [als] Verletzung des Dharma (Akk.)
manyante sūkṣma-darśinaḥ
halten [dafür] die Feinsichtigen (Präs. Med. 3.Pl./Nom.)

Bedeutung von paricakṣate (‚verkünden/empfehlen‘ vs. ‚verwerfen‘) unsicher [?].

kathaṃ tasmāt samutpannas tanniṣṭhas tad upāśrayaḥ; tad eva nindann āsīta śraddhā vānyatra gṛhyate

Wie könnte einer, der daraus hervorgegangen ist, darauf gegründet und daran hängend, eben dies tadeln und [so] dasitzen, oder wird [sein] Glaube anderswo hingerichtet?

Wort für Wort
katham tasmāt samutpannaḥ
wie [einer], daraus entstanden (Adv./Abl./Part.)
tat-niṣṭhaḥ tat-upāśrayaḥ
darauf gegründet, darauf gestützt (Nom. Sg.)
tat eva nindan āsīta
eben dies tadelnd säße (Part./Opt. Med.)
śraddhā vā anyatra gṛhyate
oder Glaube wird anderswo ergriffen (Nom./Pass. 3.Sg.)

Bezug von tasmāt/tat (wohl das weltliche Leben bzw. Kṣatriya-Dasein) unklar [?].

śriyā vihīnair adhanair nāstikaiḥ saṃpravartitam; vedavādasya vijñānaṃ satyābhāsam ivānṛtam

Von Glücklosen, Besitzlosen, Nihilisten (Nāstikas) wurde das Wissen der Vedalehre in Umlauf gebracht – Unwahrheit, die gleichsam den Anschein von Wahrheit trägt.

Wort für Wort
śriyā vihīnaiḥ adhanaiḥ
von Glückverlassenen, Besitzlosen (Instr. Pl.)
nāstikaiḥ
von Nihilisten (Instr. Pl.)
saṃpravartitam
in Gang gesetzt (Part. Pass. n.)
veda-vādasya vijñānam
Wissen der Vedalehre (Gen./Nom.)
satya-ābhāsam iva anṛtam
Unwahrheit, gleichsam Schein von Wahrheit (Nom.)

śakyaṃ tu mauṇḍyam āsthāya bibhratātmānam ātmanā; dharmacchadma samāsthāya āsituṃ na tu jīvitum

Möglich ist es freilich, nach Annahme des Kahlkopf-Standes sich selbst durch sich selbst zu erhalten, unter dem Vorwand des Dharma [nur] dazusitzen, nicht aber zu leben.

Wort für Wort
śakyam tu mauṇḍyam āsthāya
möglich ist es aber, den Kahlkopf-Stand angenommen habend (Abs.)
bibhratā ātmānam ātmanā
sich selbst durch sich selbst erhaltend (Instr. Part.)
dharma-chadma samāsthāya
den Vorwand des Dharma angenommen habend (Abs.)
āsitum na tu jīvitum
zu sitzen, nicht aber zu leben (Inf.)

śakyaṃ punar araṇyeṣu sukham ekena jīvitum; abibhratā putrapautrān devarṣīn atithīn pitṝn

Möglich ist es wiederum, in den Wäldern allein glücklich zu leben, ohne Söhne und Enkel, Götter, Seher, Gäste und Ahnen zu unterhalten.

Wort für Wort
śakyam punar araṇyeṣu
möglich ist es wiederum in den Wäldern (Lok. Pl.)
sukham ekena jīvitum
glücklich allein zu leben (Adv./Instr./Inf.)
abibhratā putra-pautrān
ohne Söhne und Enkel zu erhalten (Instr. Part. neg./Akk. Pl.)
deva-ṛṣīn atithīn pitṝn
Götter-Seher, Gäste, Ahnen (Akk. Pl.)

devarṣīn: ‚göttliche Seher‘ oder ‚Götter und Seher‘; hier als Götter und Seher gefasst.

neme mṛgāḥ svargajito na varāhā na pakṣiṇaḥ; athaitena prakāreṇa puṇyam āhur na tāñ janāḥ

Weder diese Rehe noch die Wildschweine noch die Vögel erobern den Himmel; doch auf diese Weise sprechen die Leute ihnen kein Verdienst zu.

Wort für Wort
na ime mṛgāḥ svarga-jitaḥ
nicht diese Rehe [sind] Himmelseroberer (Nom. Pl.)
na varāhāḥ na pakṣiṇaḥ
nicht Wildschweine, nicht Vögel (Nom. Pl.)
atha etena prakāreṇa
doch auf diese Weise (Instr.)
puṇyam āhuḥ na tān janāḥ
Verdienst sagen nicht von ihnen die Leute (Perf. 3.Pl.)

Zweiter Halbvers etwas elliptisch [?].

yadi saṃnyāsataḥ siddhiṃ rājan kaś cid avāpnuyāt; parvatāś ca drumāś caiva kṣipraṃ siddhim avāpnuyuḥ

Wenn jemand, o König, durch Entsagung Vollendung erlangen könnte, so würden Berge und Bäume schnell Vollendung erlangen.

Wort für Wort
yadi saṃnyāsataḥ siddhim
wenn durch Entsagung Vollendung (Abl./Akk.)
rājan kaḥ cit avāpnuyāt
o König, jemand erlangen würde (Vok./Opt.)
parvatāḥ ca drumāḥ ca eva
Berge und Bäume gerade (Nom. Pl.)
kṣipram siddhim avāpnuyuḥ
schnell Vollendung erlangten (Opt. 3.Pl.)

ete hi nityasaṃnyāsā dṛśyante nirupadravāḥ; aparigrahavantaś ca satataṃ cātmacāriṇaḥ

Diese nämlich sieht man als beständige Entsager, unbedrängt, ohne Besitz und stets aus eigenem Antrieb sich bewegend.

Wort für Wort
ete hi nitya-saṃnyāsāḥ
diese nämlich [sind] beständige Entsager (Nom. Pl.)
dṛśyante nirupadravāḥ
werden gesehen, unbedrängt (Pass. 3.Pl./Nom.)
aparigrahavantaḥ ca
und besitzlos (Nom. Pl.)
satatam ca ātma-cāriṇaḥ
und stets nach eigenem Selbst wandelnd (Adv./Nom. Pl.)

atha ced ātmabhāgyeṣu nānyeṣāṃ siddhim aśnute; tasmāt karmaiva kartavyaṃ nāsti siddhir akarmaṇaḥ

Wenn nun [einer] nur in seinen eigenen Anteilen, nicht in denen anderer Vollendung erlangt [?] – darum ist Handeln allein zu tun; es gibt keine Vollendung ohne Handeln.

Wort für Wort
atha ced ātma-bhāgyeṣu
wenn nun in den eigenen Anteilen (Lok. Pl.)
na anyeṣām siddhim aśnute
nicht bei anderen Vollendung erlangt (Gen. Pl./Präs. Med.)
tasmāt karma eva kartavyam
darum ist Handeln allein zu tun (Gerundiv)
na asti siddhiḥ akarmaṇaḥ
es gibt keine Vollendung aus Nicht-Handeln (Abl.)

Erster Halbvers syntaktisch unsicher; ātmabhāgyeṣu als ‚in den eigenen Anteilen‘ gefasst [?].

audakāḥ sṛṣṭayaś caiva jantavaḥ siddhim āpnuyuḥ; yeṣām ātmaiva bhartavyo nānyaḥ kaś cana vidyate

Wasserwesen und [andere] Geschöpfe würden Vollendung erlangen, für die nur das eigene Selbst zu unterhalten ist und kein anderer existiert.

Wort für Wort
audakāḥ sṛṣṭayaḥ ca eva
Wasserwesen und Geschöpfe (Nom. Pl.)
jantavaḥ siddhim āpnuyuḥ
Lebewesen würden Vollendung erlangen (Opt. 3.Pl.)
yeṣām ātmā eva bhartavyaḥ
deren eigenes Selbst allein zu unterhalten ist (Gen./Gerundiv)
na anyaḥ kaḥ cana vidyate
kein anderer existiert (3.Sg. Pass.)

te 'pi vai puruṣā loke parvatānām ihopamāḥ

Auch jene sind gewiss Wesen in der Welt, hier den Bergen gleich.

Wort für Wort
te api vai puruṣāḥ
auch jene wahrlich Wesen/Männer (Nom. Pl.)
loke
in der Welt (Lok.)
parvatānām iha upamāḥ
hier den Bergen gleich (Gen./Nom. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (*), nur in einem Teil der Handschriften.

avekṣasva yathā svaiḥ svaiḥ karmabhir vyāpṛtaṃ jagat; tasmāt karmaiva kartavyaṃ nāsti siddhir akarmaṇaḥ

Sieh, wie die Welt durch ihre jeweils eigenen Werke beschäftigt ist; darum ist Handeln allein zu tun; es gibt keine Vollendung ohne Handeln.

Wort für Wort
avekṣasva
sieh hin (Imp. Med. 2.Sg.)
yathā svaiḥ svaiḥ karmabhiḥ
wie durch je eigene Werke (Instr. Pl.)
vyāpṛtam jagat
beschäftigt [ist] die Welt (Part. Pass./Nom.)
tasmāt karma eva kartavyam
darum ist Handeln allein zu tun (Gerundiv)
na asti siddhiḥ akarmaṇaḥ
es gibt keine Vollendung aus Nicht-Handeln (Abl.)

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