Kapitel 218: śrībalisaṃvāda
Śrī verlässt Bali und lässt sich von Indra in vier Teile teilen
Indra sieht Śrī, die Glücksgöttin, aus dem Körper des Daitya-Königs Bali weichen; sie erklärt, dass Bali sich von Wahrheit und Dharma abgewandt hat, und erläutert, in welcher vierfachen Aufteilung sie bei Indra bleiben will. Am Ende steht Balis Ankündigung einer künftigen Rückkehr und Indras Verweis auf die feste Ordnung der Sonne.
kā tvaṃ tiṣṭhasi māyeva dīpyamānā svatejasā; hitvā daityeśvaraṃ subhru tan mamācakṣva tattvataḥ
„Wer bist du, die du wie ein Trugbild in eigenem Glanz leuchtend dastehst, nachdem du den Herrn der Daityas verlassen hast, Schönbrauige? Das sag mir der Wahrheit gemäß.“
Wort für Wort
kā tvaṃ tiṣṭhasi
wer bist du, [die du] dastehst (2.Sg. Präs.)
māyeva dīpyamānā svatejasā
wie ein Zaubertrugbild leuchtend in eigener Kraft (Nom. f.; Instr.)
hitvā daityeśvaraṃ
verlassen habend den Herrn der Daityas (Abs.; Akk.)
śrīr uvāca; na mā virocano veda na mā vairocano baliḥ; āhur māṃ duḥsahety evaṃ vidhitseti ca māṃ viduḥ
Śrī sprach: „Weder Virocana kannte mich noch Bali, der Sohn des Virocana; ‚Die Unerträgliche‘ nennen sie mich so, und ‚Vidhitsā‘ [Wunsch zu fügen] kennen sie mich als.“
Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
na mā virocano veda
nicht kannte mich Virocana (Perf. 3.Sg.)
na mā vairocano baliḥ
nicht mich Bali, Virocanas Sohn (Nom.)
āhur māṃ duḥsahety evaṃ
sie nennen mich „Duḥsahā“, so (Perf. 3.Pl.)
vidhitseti ca māṃ viduḥ
und „Vidhitsā“ kennen sie mich (Perf. 3.Pl.)
vidhitsā (Desiderativabstraktum von vidhā): ‚Wunsch zu fügen/zu schaffen‘, hier als Beiname der Śrī; Wiedergabe unsicher.
Da du an [seinen] Vorzügen hängst, was aber ist Balis Fehltritt?
Wort für Wort
yad guṇeṣu ca lubdhāsi
weil du an Vorzügen haftest (Lok. Pl.; Part. + 2.Sg. Präs.)
baler apanayas tu kaḥ
was aber ist Balis Fehlverhalten (Gen.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Deutung von guṇeṣu lubdhāsi (‚an Vorzügen hängend‘) und apanaya (‚Fehlverhalten‘) nicht ganz sicher.
„Obwohl er stets den Brahmanen zugetan, wahrhaftig und Herr seiner Sinne war, hat er die Brahmanen angefeindet, und unrein, berührte er das Opferschmalz.“
„Darum, Śakra, [von ihm] verstoßen, werde ich bei dir wohnen, Vāsava; von einem, der nicht nachlässig ist, werde ich durch Askese und Tapferkeit zu halten sein.“
Wort für Wort
apākṛtā tataḥ śakra
daher verstoßen, Śakra (Part. Pass. Nom. f.; Vok.)
tvayi vatsyāmi vāsava
bei dir werde ich wohnen, Vāsava (Lok.; Fut. 1.Sg.)
apramattena dhāryāsmi
von einem Unachtsamkeitsfreien bin ich zu halten (Instr.; Gerundiv + 1.Sg.)
Śrī sprach: „Ich werde stets [bei dir] bleiben, Götterherr; wie [es geschehen kann], vernimm das: Nach der im Veda geschauten Regel teile mich in vier Teile.“
Wort für Wort
śrīr uvāca
Śrī sprach (Perf.)
sthāsyāmi nityaṃ devendra
ich werde stets bleiben, Götterherr (Fut. 1.Sg.; Vok.)
śakra uvāca; ahaṃ vai tvā nidhāsyāmi yathāśakti yathābalam; na tu me 'tikramaḥ syād vai sadā lakṣmi tavāntike
Śakra sprach: „Ich werde dich niederlegen nach Vermögen und nach Kraft; doch möge mir keine Übertretung [dir gegenüber] geschehen, Lakṣmī, wenn du in meiner Nähe bist.“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf.)
ahaṃ vai tvā nidhāsyāmi
ich werde dich niederlegen/bewahren (Fut. 1.Sg.)
yathāśakti yathābalam
nach Vermögen, nach Kraft (Adv.)
na tu me 'tikramaḥ syād vai
doch möge mir keine Übertretung sein (Nom.; Opt.)
sadā lakṣmi tavāntike
immer, Lakṣmī, in deiner Nähe (Vok.; Lok.)
Sinn des Nebensatzes unsicher [?]: ‚Verfehlung/Übergriff meinerseits‘ gegenüber Lakṣmī.
bhūmir eva manuṣyeṣu dhāraṇī bhūtabhāvinī; sā te pādaṃ titikṣeta samarthā hīti me matiḥ
„Die Erde allein unter den Menschen ist die Tragende, die Wesen Hervorbringende; sie soll dein [erstes] Viertel ertragen, denn sie ist dazu fähig, so meine Ansicht.“
Wort für Wort
bhūmir eva manuṣyeṣu
die Erde allein unter den Menschen (Nom.; Lok.)
dhāraṇī bhūtabhāvinī
die Tragende, die Wesen Entstehen Lassende (Nom. f.)
sā te pādaṃ titikṣeta
sie soll dein Viertel ertragen (Opt. Med.; Akk.)
samarthā hīti me matiḥ
fähig [ist sie], so ist meine Meinung (Nom. f.; Nom.)
śakra uvāca; āpa eva manuṣyeṣu dravantyaḥ paricārikāḥ; tās te pādaṃ titikṣantām alam āpas titikṣitum
Śakra sprach: „Die Wasser allein unter den Menschen, fließend, sind Dienerinnen; sie sollen dein Viertel ertragen; die Wasser vermögen es zu ertragen.“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf.)
āpa eva manuṣyeṣu
die Wasser allein unter den Menschen (Nom. Pl.)
dravantyaḥ paricārikāḥ
fließend, Dienerinnen (Part. Nom. f. Pl.)
tās te pādaṃ titikṣantām
sie sollen dein Viertel ertragen (Imp. Med. 3.Pl.)
śrīr uvāca; eṣa me nihitaḥ pādo yo 'yam apsu pratiṣṭhitaḥ; tṛtīyaṃ śakra pādaṃ me tasmāt sunihitaṃ kuru
Śrī sprach: „Dieses mein Viertel ist [damit] niedergelegt, das in den Wassern gegründet ist; das dritte Viertel von mir, Śakra, lege darum gut nieder.“
śakra uvāca; ye vai santo manuṣyeṣu brahmaṇyāḥ satyavādinaḥ; te te pādaṃ titikṣantām alaṃ santas titikṣitum
Śakra sprach: „Die Guten unter den Menschen, den Brahmanen zugetan und wahrheitsredend: sie sollen dein Viertel ertragen; die Guten vermögen es zu ertragen.“
Śakra sprach: „Die, die nach Reinigung des Bodens [die Wesen] mit Wasser sättigen und den Wesen im Feuer opfern: bei ihnen bist du unverlierbar; [ebenso bei denen,] die durch wohlgerötete Handlungen, sachgemäß gefügt, gesammelt sind, den Wissenden; wo der Wunsch zu weilen [besteht], freuen sich die Yogins, [dich] erlangt habend [?].“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf.)
bhūmiśuddhiṃ tataḥ kṛtvā
dann die Reinigung des Bodens vollzogen habend (Abs.)
adbhiḥ saṃtarpayanti ye
die mit Wasser sättigen (Instr. Pl.; 3.Pl.)
bhūtāni ca yajanty agnau
und die Wesen im Feuer opfern (Akk.; 3.Pl.; Lok.)
teṣāṃ tvam anapāyinī
bei ihnen bist du unverlierbar (Gen.; Nom. f.)
ye kriyābhiḥ suraktābhir
die durch wohlgerötete Handlungen (Instr. f. Pl.)
hetuyuktāḥ samāhitāḥ
sachgemäß verbunden, gesammelt (Nom. Pl.)
jñānavanto vivatsāyāṃ labdhā mādyanti yoginaḥ
wissend, im Wunsch zu weilen, [dich] gewonnen [?], erfreuen sich Yogins (Nom. Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen; der letzte Pāda ist grammatisch unklar (vivatsāyām, labdhā), Text vermutlich verderbt [?].
Bhīṣma sprach: „‚So sei es‘, sprach sie, die von allen Welten Verehrte, [von Bali] abgefallen; und die Göttin, die Lotoswohnerin, nahm Vāsava in ihren Schutz.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tatheti coktvā sā bhraṣṭā
„so sei es“, sagend, sie, herabgefallen (Abs.; Nom. f.)
sarvalokanamaskṛtā
von allen Welten verehrt (Nom. f.)
vāsavaṃ pālayām āsa
schützte Vāsava (Akk.; Perf. periphr.)
sā devī kamalālayā
sie, die Göttin, Lotoswohnerin (Nom. f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe; bhraṣṭā ‚gefallen/abgefallen‘ (von Bali weg) [?].
Dann sprach Bali, der König der Daityas, von Śrī verlassen: „So weit [die Sonne] im Osten glüht, so weit [glüht sie] auch nach der südlichen Himmelsrichtung,
Wort für Wort
tatas tyaktaḥ śriyā
dann verlassen von Śrī (Part. Pass.; Instr.)
rājā daityānāṃ balir abravīt
der König der Daityas, Bali, sprach (Nom.; Gen.; Impf.)
paścimāṃ tāvad evāpi tathodīcīṃ divākaraḥ; tathā madhyaṃdine sūryo astam eti yadā tadā; punar devāsuraṃ yuddhaṃ bhāvi jetāsmi vas tadā
„ebenso nach Westen und ebenso nach Norden, der Tagmacher; und wenn die Sonne mittags untergeht, dann wird wieder ein Krieg der Götter und Asuras sein, und ich werde euch dann besiegen.“
Wort für Wort
paścimāṃ tāvad evāpi
nach Westen ebenso weit (Akk. f.)
tathodīcīṃ divākaraḥ
ebenso nach Norden, der Tagmacher (Akk.; Nom.)
tathā madhyaṃdine sūryo
so am Mittag die Sonne (Lok.; Nom.)
astam eti yadā tadā
wenn sie untergeht, dann (3.Sg. Präs.)
punar devāsuraṃ yuddhaṃ bhāvi
wieder wird ein Götter-Asura-Krieg sein (Nom.; Part. Fut.)
jetāsmi vas tadā
ich werde euch dann besiegen (Nomen agentis + 1.Sg.; Akk. Pl.)
śakra uvāca; brahmaṇāsmi samādiṣṭo na hantavyo bhavān iti; tena te 'haṃ bale vajraṃ na vimuñcāmi mūrdhani
Śakra sprach: „Von Brahmā bin ich angewiesen worden: ‚Du sollst nicht getötet werden‘; darum, Bali, schleudere ich meinen Donnerkeil nicht auf dein Haupt.“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf.)
brahmaṇāsmi samādiṣṭo
von Brahmā bin ich angewiesen (Instr.; Part. Pass.)
na hantavyo bhavān iti
„du bist nicht zu töten“ (Gerundiv; Nom.)
tena te 'haṃ bale vajraṃ
deshalb, ich, dir gegenüber, Bali, den Donnerkeil (Vok.; Akk.)
na vimuñcāmi mūrdhani
schleudere nicht auf das Haupt (1.Sg. Präs.; Lok.)
So wurde dies von Bali gesungen, das „Freisein von Ichbezogenheit“ genannt; nachdem er das Wort gehört hatte, stieg der Tausendäugige damals zum Himmel empor.
Wort für Wort
ity etad balinā gītam
so dies von Bali gesungen (Instr.; Part. Pass.)
anahaṃkārasaṃjñitam
„Ichlosigkeit“ genannt (Part. Pass. Nom. n.)
vākyaṃ śrutvā sahasrākṣaḥ
das Wort gehört habend, der Tausendäugige (Akk.; Abs.; Nom.)
kham evāruruhe tadā
zum Himmel stieg er da hinauf (Akk.; Perf. Med.)
anahaṃkārasaṃjñitam: Bezug (Lied/Wort Balis) nicht ganz eindeutig [?].