Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 214: tapaḥsvarūpa-nirūpaṇam Was wahre Askese und Gästespeise bedeuten: Fasten, Wissen und die Erzählung von Suvarcalā

Bhīṣma erklärt Yudhiṣṭhira, dass wahres „Fasten“, Keuschheit und Rest-Essen als innere Haltungen zu verstehen sind (Vers 1-20); die lange, nur in einem Teil der Handschriften überlieferte Zusatzpassage bietet einen Streit der Seher um das Höchste, Sanatkumāras Lehre und die Geschichte von Suvarcalā und Śvetaketu.

yudhiṣṭhira uvāca; dvijātayo vratopetā yad idaṃ bhuñjate haviḥ; annaṃ brāhmaṇakāmāya katham etat pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Diese Opferspeise, die die Zweimalgeborenen, den Gelübden zugetan, verzehren – [diese] Speise [ist doch] um der Brahmanen willen [bestimmt]; wie verhält sich das, Großvater?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
dvijātayo vratopetā
die Zweimalgeborenen, mit Gelübden versehen (Nom.Pl.)
yad idaṃ bhuñjate haviḥ
welche diese Opferspeise essen (3.Pl.Med.Präs./Akk.)
annaṃ brāhmaṇakāmāya
[diese] Speise um der Brahmanen Wunsch willen (Nom./Dat.)
katham etat pitāmaha
wie [verhält] sich dies, Großvater (Vok.)

Der Sinn der Frage ist knapp formuliert; „annaṃ brāhmaṇakāmāya“ wörtlich „Speise für den Wunsch der Brahmanen“.

bhīṣma uvāca; avedoktavratopetā bhuñjānāḥ kāryakāriṇaḥ; vedokteṣu ca bhuñjānā vrataluptā yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Die, die nicht im Veda gebotene Gelübde befolgen [und] [nur] essen, tun bloß [ihr] Geschäft; und die, die bei vedisch Gebotenem essen, [aber] die Gelübde verletzen, [gelten als] gelübdebrüchig, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
avedoktavratopetā
mit nicht im Veda genannten Gelübden versehen (Nom.Pl., Kompositum)
bhuñjānāḥ kāryakāriṇaḥ
essend, das Geschäft Verrichtende (Part.Med./Nom.Pl.)
vedokteṣu ca bhuñjānā
und bei im Veda Gesagtem essend (Lok.Pl./Part.)
vrataluptā yudhiṣṭhira
gelübdebrüchig (Nom.Pl.), Yudhiṣṭhira (Vok.)

Der Vers ist elliptisch; die Zuordnung von „kāryakāriṇaḥ“ und „vrataluptāḥ“ zu den beiden Gruppen ist unsicher.

upetavrataśaucā ye bhuñjante brāhmaṇāḥ kva cit; tad annam amṛtaṃ bhūtvā yajamānaṃ prapadyate

Die Brahmanen, die, mit Gelübde und Reinheit versehen, irgendwo essen – diese Speise wird zu Unsterblichem [Amṛta] und gelangt zum Opferherrn.

Wort für Wort
upetavrataśaucā ye
die mit Gelübde und Reinheit Ausgestatteten, welche (Nom.Pl.)
bhuñjante brāhmaṇāḥ kva cit
essen, die Brahmanen, irgendwo (3.Pl.Med.)
tad annam amṛtaṃ bhūtvā
diese Speise, zu Unsterblichem geworden (Abs.)
yajamānaṃ prapadyate
gelangt zum Opferherrn (3.Sg.Med./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

yudhiṣṭhira uvāca; yad idaṃ tapa ity āhur upavāsaṃ pṛthagjanāḥ; etat tapo mahārāja utāho kiṃ tapo bhavet

Yudhiṣṭhira sprach: „Was die gewöhnlichen Leute ‚Askese‘ [tapas] nennen, das Fasten – ist dies, großer König, Askese, oder was wäre [sonst] Askese?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
yad idaṃ tapa ity āhur
was sie ‚Askese‘ nennen (3.Pl.Perf.)
upavāsaṃ pṛthagjanāḥ
das Fasten, die gewöhnlichen Leute (Akk./Nom.Pl.)
etat tapo mahārāja
ist dies Askese, großer König (Nom./Vok.)
utāho kiṃ tapo bhavet
oder was wäre Askese (Opt.)

bhīṣma uvāca; māsapakṣopavāsena manyante yat tapo janāḥ; ātmatantropaghātaḥ sa na tapas tat satāṃ matam; tyāgaś ca sannatiś caiva śiṣyate tapa uttamam

Bhīṣma sprach: „Was die Leute durch monats- und halbmonatslanges Fasten als Askese ansehen – das ist eine Schädigung des eigenen Selbst, nicht Askese; das ist die Meinung der Guten. Verzicht und Bescheidenheit [Demut] aber bleiben als die höchste Askese.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
māsapakṣopavāsena
durch Fasten von Monaten und Halbmonaten (Instr.)
manyante yat tapo janāḥ
was die Leute als Askese ansehen (3.Pl.Med.)
ātmatantropaghātaḥ sa
Schädigung des eigenen Selbst, dies (Nom.)
na tapas tat satāṃ matam
nicht Askese; das ist der Guten Meinung (Nom./Gen.Pl.)
tyāgaś ca sannatiś caiva
Verzicht und Demut (Nom.)
śiṣyate tapa uttamam
bleibt übrig als höchste Askese (Pass.3.Sg.)

„ātmatantra“ ist hier als „das eigene Selbst/den eigenen Körper betreffend“ gedeutet [?]; „sannati“ = Demut, Bescheidenheit.

sadopavāsī ca bhaved brahmacārī sadaiva ca; muniś ca syāt sadā vipro daivataṃ ca sadā bhajet

Man soll stets ein Fastender sein und stets ein Brahmacārin, stets ein Schweiger [Muni], ein Brahmane, und stets die Gottheit verehren.

Wort für Wort
sadopavāsī ca bhaved
und stets ein Fastender sei man (Opt.)
brahmacārī sadaiva ca
und stets ein Brahmacārin
muniś ca syāt sadā vipro
und ein Muni sei, stets ein Brahmane (Opt.)
daivataṃ ca sadā bhajet
und die Gottheit stets verehre man (Opt.)

Die folgenden Verse zählen paradoxe „stete“ Gelübde auf, die ab Vers 11 erklärt werden.

kuṭumbiko dharmakāmaḥ sadāsvapnaś ca bhārata; amāṃsāśī sadā ca syāt pavitraṃ ca sadā japet

Ein Hausvater, der auf Dharma bedacht ist, ständig schlaflos, Bhārata, stets kein Fleischesser, und stets soll er das reinigende [Mantra] murmeln.

Wort für Wort
kuṭumbiko dharmakāmaḥ
Hausvater, Dharma wünschend (Nom.)
sadāsvapnaś ca bhārata
und stets schlaflos, Bhārata (Vok.)
amāṃsāśī sadā ca syāt
und stets kein Fleisch essend sei er (Opt.)
pavitraṃ ca sadā japet
und das Reinigende stets murmele er (Opt.)

„pavitram“ wohl reinigende Formel/Gras; „sadāsvapna“ ist paradox gemeint (siehe Vers 13).

amṛtāśī sadā ca syān na ca syād viṣabhojanaḥ; vighasāśī sadā ca syāt sadā caivātithipriyaḥ

Stets soll er Unsterbliches essen und nicht Gift essen; stets soll er ein Rest-Esser [vighasāśin] sein und stets gastfreundlich.

Wort für Wort
amṛtāśī sadā ca syān
stets Unsterbliches essend sei er
na ca syād viṣabhojanaḥ
und nicht sei er Gift-Essender
vighasāśī sadā ca syāt
stets Rest-Esser sei er
sadā caivātithipriyaḥ
und stets gäste-lieb (Nom.)

śraddadhānaḥ sadā ca syād daivatadvijapūjakaḥ

Vertrauend soll er stets sein, ein Verehrer der Götter und der Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
śraddadhānaḥ sadā ca syād
gläubig vertrauend soll er stets sein (Part./Opt.)
daivatadvijapūjakaḥ
Verehrer von Göttern und Brahmanen (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe.

yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ sadopavāsī syād brahmacārī kathaṃ bhavet; vighasāśī kathaṃ ca syāt sadā caivātithipriyaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie kann man ein stets Fastender sein? Wie wird man ein Brahmacārin? Wie kann man ein Rest-Esser sein und stets gastfreundlich?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
kathaṃ sadopavāsī syād
wie kann man stets ein Fastender sein (Opt.)
brahmacārī kathaṃ bhavet
wie wird man Brahmacārin (Opt.)
vighasāśī kathaṃ ca syāt
und wie Rest-Esser sein (Opt.)
sadā caivātithipriyaḥ
und stets gästeliebend

bhīṣma uvāca; antarā prātarāśaṃ ca sāyamāśaṃ tathaiva ca; sadopavāsī ca bhaved yo na bhuṅkte kathaṃ cana

Bhīṣma sprach: „Wer zwischen Morgenmahl und Abendmahl niemals isst, der ist ein stets Fastender.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
antarā prātarāśaṃ ca
zwischen dem Morgenmahl (Akk.)
sāyamāśaṃ tathaiva ca
und ebenso dem Abendmahl
sadopavāsī ca bhaved
der sei stets ein Fastender (Opt.)
yo na bhuṅkte kathaṃ cana
wer nicht isst in keiner Weise (3.Sg.Med.)

bhāryāṃ gacchan brahmacārī ṛtau bhavati brāhmaṇaḥ; ṛtavādī sadā ca syāj jñānanityaś ca yo naraḥ

Ein Brahmane, der seine Frau [nur] zur Fruchtbarkeitszeit aufsucht, ist ein Brahmacārin; und wer stets Wahrhaftiges zur Zeit [ṛtu] spricht [?] und wer stets im Wissen verharrt.

Wort für Wort
bhāryāṃ gacchan
die Gattin aufsuchend (Part./Akk.)
brahmacārī ṛtau bhavati brāhmaṇaḥ
ein Brahmacārin zur Fruchtzeit wird der Brahmane (Lok./3.Sg.)
ṛtavādī sadā ca syāj
und ‚Wahres redend‘ [?] sei er stets (Opt.)
jñānanityaś ca yo naraḥ
und im Wissen beständig, welcher Mann (Nom.)

„ṛtavādī“ unsicher: „zur rechten Zeit redend“ oder „Wahres/ṛta redend“.

abhakṣayan vṛthāmāṃsam amāṃsāśī bhavaty uta; dānanityaḥ pavitraś ca asvapnaś ca divāsvapan

Wer kein nutzloses Fleisch verzehrt, der ist gewissermaßen ein Nicht-Fleischesser; ständig im Geben, rein, und ‚schlaflos‘ – auch wenn er tagsüber schläft.

Wort für Wort
abhakṣayan vṛthāmāṃsam
nicht verzehrend nutzloses Fleisch (Part./Akk.)
amāṃsāśī bhavaty uta
ein Nicht-Fleischesser ist er fürwahr (3.Sg.)
dānanityaḥ pavitraś ca
im Geben beständig und rein
asvapnaś ca divāsvapan
und schlaflos, [auch] tagsüber schlafend (Part.)

„asvapna“ hier: wer tagsüber schläft, ist im Sinne des Verses dennoch ‚schlaflos‘ [?].

bhṛtyātithiṣu yo bhuṅkte bhuktavatsu sadā sa ha; amṛtaṃ sakalaṃ bhuṅkta iti viddhi yudhiṣṭhira

Wer bei den Dienern und Gästen isst, [erst] wenn sie gegessen haben, immerdar – der isst das gesamte Unsterbliche; wisse dies, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
bhṛtyātithiṣu yo bhuṅkte
wer bei Dienern und Gästen isst (Lok.Pl.)
bhuktavatsu sadā sa ha
wenn sie gegessen haben, stets, er fürwahr (Part.Lok.)
amṛtaṃ sakalaṃ bhuṅkta
das ganze Unsterbliche isst er (3.Sg.Med.)
iti viddhi yudhiṣṭhira
so wisse, Yudhiṣṭhira (Imp.)

abhuktavatsu nāśnānaḥ satataṃ yas tu vai dvijaḥ

Ein Zweimalgeborener, der ständig nicht isst, solange sie nicht gegessen haben,

Wort für Wort
abhuktavatsu
solange sie nicht gegessen haben (Lok.Pl.Part.)
nāśnānaḥ satataṃ
nicht essend, ständig (Part.)
yas tu vai dvijaḥ
welcher Zweimalgeborene fürwahr

Der Satz setzt sich in Einheit 17 fort.

adattvā yo 'tithibhyo 'nnaṃ na bhuṅkte so 'tithipriyaḥ; adattvānnaṃ daivatebhyo yo na bhuṅkte sa daivatam

Wer den Gästen nicht [zuvor] Speise gibt und nicht isst, der ist ein Gastfreund-Liebender; wer den Göttern nicht [zuvor] Speise gibt und nicht isst, der [ist] ein Götterverehrer.

Wort für Wort
adattvā yo 'tithibhyo 'nnaṃ
wer, nicht gegeben habend den Gästen Speise (Abs.)
na bhuṅkte so 'tithipriyaḥ
nicht isst, der ist gästeliebend
adattvānnaṃ daivatebhyo
nicht gegeben habend Speise den Göttern
yo na bhuṅkte sa daivatam
wer nicht isst, der [ist] ‚göttlich‘ [Verehrer der Gottheit]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; der zweite Halbvers ist elliptisch („sa daivatam“).

abhojanena tenāsya jitaḥ svargo bhavaty uta

durch dieses Nichtessen wird ihm fürwahr der Himmel gewonnen.

Wort für Wort
abhojanena tenāsya
durch dieses Nichtessen dessen (Instr./Gen.)
jitaḥ svargo bhavaty uta
gewonnen der Himmel ist er fürwahr (Part./3.Sg.)

Fortsetzung von Vers 13ab (Einheit 15); gleiche Versreferenz 214.013.

devatābhyaḥ pitṛbhyaś ca bhṛtyebhyo 'tithibhiḥ saha; avaśiṣṭaṃ tu yo 'śnāti tam āhur vighasāśinam

Was von den Göttern, den Vätern, den Dienern und mit den Gästen übrig bleibt, und wer [dies] isst, den nennen sie einen Rest-Esser [vighasāśin].

Wort für Wort
devatābhyaḥ pitṛbhyaś ca
für Götter und Väter (Dat./Abl.)
bhṛtyebhyo 'tithibhiḥ saha
für Diener, mit den Gästen
avaśiṣṭaṃ tu yo 'śnāti
doch den Rest, wer isst (Part./3.Sg.)
tam āhur vighasāśinam
den nennen sie Rest-Esser (3.Pl.Perf.)

teṣāṃ lokā hy aparyantāḥ sadane brahmaṇā saha; upasthitāś cāpsarobhiḥ pariyānti divaukasaḥ

Deren Welten sind grenzenlos, in der Halle bei Brahmā; von Apsaras bedient umgeben sie die Himmelsbewohner.

Wort für Wort
teṣāṃ lokā hy aparyantāḥ
deren Welten fürwahr endlos (Nom.Pl.)
sadane brahmaṇā saha
in der Halle mit Brahmā (Lok./Instr.)
upasthitāś cāpsarobhiḥ
und bedient von Apsaras (Part./Instr.)
pariyānti divaukasaḥ
umkreisen [sie] die Himmelsbewohner (3.Pl.)

„pariyānti“: die Himmlischen umkreisen/umgeben sie [?].

devatābhiś ca ye sārdhaṃ pitṛbhiś copabhuñjate; ramante putrapautraiś ca teṣāṃ gatir anuttamā

Die zusammen mit den Göttern und den Vätern genießen und sich mit Söhnen und Enkeln erfreuen – deren Weg ist der unübertreffliche.

Wort für Wort
devatābhiś ca ye sārdhaṃ
und die zusammen mit Göttern
pitṛbhiś copabhuñjate
und mit Vätern genießen (3.Pl.Med.)
ramante putrapautraiś ca
und sich erfreuen an Söhnen und Enkeln
teṣāṃ gatir anuttamā
deren Weg der höchste (Nom.)

yudhiṣṭhira uvāca; ke cid āhur dvidhā loke tridhā rājann anekadhā; na pratyayo na cānyac ca dṛśyate brahma naiva tat; nānāvidhāni śāstrāṇi yuktāś caiva pṛthagvidhāḥ; bhīṣma uvāca; kim adhiṣṭhāya tiṣṭhāmi tan me brūhi pitāmaha; sve sve yuktā mahātmānaḥ śāstreṣu prabhaviṣṇavaḥ; vartante paṇḍitā loke ko vidvān kaś ca paṇḍitaḥ; sarveṣāṃ tattvam ajñāya yathāruci tathā bhavet; asminn arthe purābhūtam itihāsaṃ purātanam; mahāvivādasaṃyuktam ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām; himavatpārśva āsīnā ṛṣayaḥ saṃśitavratāḥ; ṣaṇṇāṃ tāni sahasrāṇi ṛṣīṇāṃ gaṇam āhitam; tatra ke cid dhruvaṃ viśvaṃ seśvaraṃ tu nirīśvaram; prākṛtaṃ kāraṇaṃ nāsti sarvaṃ naivam idaṃ jagat; anena cāpare viprāḥ svabhāvaṃ karma cāpare

Yudhiṣṭhira sprach: „Manche sagen, in der Welt sei es zweifach, dreifach, o König, vielfach; weder ein Beweis noch etwas anderes wird gesehen; das ist nicht das Brahman. Vielfältig sind die Lehrschriften, und verschiedenartig sind die Verbundenen [Anhänger].“ Bhīṣma sprach: „Worauf soll ich mich stützen? Sag mir das, Großvater! Jeder für sich sind die großgeistigen, in den Lehrschriften mächtigen [Männer] tätig; die Gelehrten in der Welt – wer ist ein Wissender, und wer ein Gelehrter? Ohne die Wahrheit aller zu kennen, mag es [jeder] nach Belieben halten. Hierzu [gibt es] eine alte Geschichte, die sich früher zutrug, verbunden mit großem Streit der geläuterten Seher. Am Hang des Himavat saßen die Seher mit strengen Gelübden; sechstausend Seher, eine [dort] versammelte Schar. Dort [sagen] einige: die Welt sei beständig, mit Herrn oder herrenlos; das Naturhafte [Prākṛta] sei die Ursache, [oder] es gibt keine; alles, nicht so ist diese Welt. Und dadurch [meinen] andere Brahmanen: Eigennatur, wieder andere: Tat.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
ke cid āhur dvidhā loke
manche sagen: zweifach in der Welt (3.Pl.Perf./Adv.)
tridhā rājann anekadhā
dreifach, o König, vielfach (Vok.)
na pratyayo na cānyac ca
weder Beweis noch anderes (Nom.)
dṛśyate brahma naiva tat
wird gesehen; Brahman ist das keineswegs (Pass.)
nānāvidhāni śāstrāṇi
vielfältig die Lehrschriften (Nom.Pl.)
yuktāś caiva pṛthagvidhāḥ
und die Verbundenen verschiedenartig (Nom.Pl.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
kim adhiṣṭhāya tiṣṭhāmi
worauf mich stützend soll ich stehen (Abs./1.Sg.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)
sve sve yuktā mahātmānaḥ
je in ihrem Eigenen verbunden, die Großgeistigen
śāstreṣu prabhaviṣṇavaḥ
in den Lehrschriften mächtig (Lok.Pl./Nom.Pl.)
vartante paṇḍitā loke
sind tätig, die Gelehrten in der Welt (3.Pl.Med.)
ko vidvān kaś ca paṇḍitaḥ
wer [ist] ein Wissender und wer ein Gelehrter
sarveṣāṃ tattvam ajñāya
aller Wahrheit nicht erkennend (Abs.)
yathāruci tathā bhavet
nach Belieben so mag es sein (Opt.)
asminn arthe purābhūtam
hierzu früher Geschehenes (Part.)
itihāsaṃ purātanam
eine Geschichte, uralt (Akk.)
mahāvivādasaṃyuktam
mit großem Streit verbunden (Akk.)
ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām
der Seher mit geläutertem Selbst (Gen.Pl.)
himavatpārśva āsīnā
am Hang des Himavat sitzend (Nom.Pl.Part.)
ṛṣayaḥ saṃśitavratāḥ
die Seher mit strengen Gelübden
ṣaṇṇāṃ tāni sahasrāṇi
sechs, jene Tausende (Gen./Nom.)
ṛṣīṇāṃ gaṇam āhitam
der Seher Schar, versammelt (Akk./Part.)
tatra ke cid dhruvaṃ viśvaṃ
dort manche: die Welt beständig
seśvaraṃ tu nirīśvaram
mit Herrn oder ohne Herrn
prākṛtaṃ kāraṇaṃ nāsti
das Naturhafte, Ursache gibt es nicht [?]
sarvaṃ naivam idaṃ jagat
alles, nicht so diese Welt
anena cāpare viprāḥ
und dadurch andere Brahmanen (Instr.)
svabhāvaṃ karma cāpare
Eigennatur, Tat andere (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück einer langen Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); Text stellenweise verderbt, Sprecherwechsel im Text teils unstimmig. Der Sprecherwechsel „bhīṣma uvāca“ vor „kim adhiṣṭhāya tiṣṭhāmi“ ist inhaltlich unstimmig (die Frage passt zu Yudhiṣṭhira); „tan me brūhi“ und „prākṛtaṃ kāraṇaṃ nāsti“ sind unsicher [?].

pauruṣaṃ karma daivaṃ ca yat svabhāvādir eva tam; nānāhetuśatair yuktā nānāśāstrapravartakāḥ; svabhāvād brāhmaṇā rājañ jigīṣantaḥ parasparam; tatas tu mūlam udbhūtaṃ vādipratyarthisaṃyutam; pātradaṇḍavighātaṃ ca valkalājinavāsasām; eke manyusamāpannās tataḥ śāntā dvijottamāḥ; vasiṣṭham abruvan sarve tvaṃ no brūhi sanātanam; nāhaṃ jānāmi viprendrāḥ pratyuvāca sa tān prabhuḥ; te sarve sahitā viprā nāradam ṛṣim abruvan; tvaṃ no brūhi mahābhāga tattvavic ca bhavān asi; nāhaṃ dvijā vijānāmi kva hi gacchāma saṃgatāḥ; iti tān āha bhagavāṃs tataḥ prāha ca sa dvijān; ko vidvān iha loke 'sminn amoho 'mṛtam adbhutam; tac ca te śuśruvur vākyaṃ brāhmaṇā hy aśarīriṇaḥ

[Wieder andere:] Menschliches Streben, Tat und Schicksal, oder das, was mit Eigennatur beginnt, eben dieses. Mit Hunderten verschiedener Gründe verbunden, Begründer verschiedener Lehren, [waren] die Brahmanen von Natur aus, o König, einander besiegen wollend. Daraus entstand die Wurzel [des Streits], verbunden mit Redner und Gegner, und [es kam zu] Schlag mit Bettelschale und Stab, [unter denen] in Rindenbast und Antilopenfell Gekleideten. Manche, von Zorn ergriffen, wurden dann ruhig, die besten Zweimalgeborenen; sie alle sprachen zu Vasiṣṭha: „Du sage uns das Ewige!“ „Ich weiß es nicht, ihr Fürsten unter den Brahmanen“, erwiderte ihnen der Herr. Alle versammelten sich und sprachen zum Seher Nārada: „Sag du es uns, Hochgesegneter, du bist ein Kenner der Wahrheit!“ „Ich weiß es nicht, ihr Zweimalgeborenen; wohin sollen wir zusammen gehen?“, so sprach der Erhabene zu ihnen; dann sagte er zu den Zweimalgeborenen: „Wer ist in dieser Welt ein Wissender, frei von Verblendung, [wer kennt] das wunderbare Unsterbliche?“ Und diese Rede hörten die Brahmanen [Rede] eines Körperlosen [?].

Wort für Wort
pauruṣaṃ karma daivaṃ ca
menschliches Streben, Tat und Schicksal (Nom.)
yat svabhāvādir eva tam
was mit Eigennatur beginnt, eben dieses [?]
nānāhetuśatair yuktā
mit hundert verschiedenen Gründen verbunden (Instr.Pl.)
nānāśāstrapravartakāḥ
Begründer verschiedener Lehren (Nom.Pl.)
svabhāvād brāhmaṇā rājañ
von Natur aus die Brahmanen, o König (Abl.)
jigīṣantaḥ parasparam
zu besiegen wünschend einander (Part.)
tatas tu mūlam udbhūtaṃ
daraus entstand die Wurzel (Part.)
vādipratyarthisaṃyutam
mit Redner und Gegner verbunden
pātradaṇḍavighātaṃ ca
und Schlag von Schale und Stab (Akk.)
valkalājinavāsasām
der in Rindenbast und Fell Gekleideten (Gen.Pl.)
eke manyusamāpannās
einige, von Zorn ergriffen (Nom.Pl.)
tataḥ śāntā dvijottamāḥ
dann beruhigt, die besten Zweimalgeborenen
vasiṣṭham abruvan sarve
zu Vasiṣṭha sprachen alle (Impf.)
tvaṃ no brūhi sanātanam
du sage uns das Ewige (Imp.)
nāhaṃ jānāmi viprendrāḥ
ich weiß nicht, ihr Brahmanenfürsten (Vok.)
pratyuvāca sa tān prabhuḥ
erwiderte er ihnen, der Herr (Perf.)
te sarve sahitā viprā
diese alle zusammen, die Brahmanen
nāradam ṛṣim abruvan
zu Nārada, dem Seher, sprachen sie
tvaṃ no brūhi mahābhāga
du sage uns, Hochgesegneter (Vok.)
tattvavic ca bhavān asi
und ein Wahrheitskenner bist du (2.Sg.)
nāhaṃ dvijā vijānāmi
ich weiß nicht, Zweimalgeborene
kva hi gacchāma saṃgatāḥ
wohin sollen wir gehen, vereint (Konj.)
iti tān āha bhagavāṃs
so sprach zu ihnen der Erhabene
tataḥ prāha ca sa dvijān
dann sprach er zu den Zweimalgeborenen
ko vidvān iha loke 'sminn
wer [ist] ein Wissender in dieser Welt hier
amoho 'mṛtam adbhutam
unverblendet, das Unsterbliche, wunderbar
tac ca te śuśruvur vākyaṃ
und diese Rede hörten sie (Perf.)
brāhmaṇā hy aśarīriṇaḥ
die Brahmanen von einem Körperlosen (Abl.-Sinn)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück einer langen Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); Text stellenweise verderbt, Sprecherwechsel im Text teils unstimmig. „yat svabhāvādir eva tam“ und „tataś tu mūlam udbhūtam“ sind syntaktisch schwierig [?].

sanaddhāma dvijā gatvā pṛcchadhvaṃ sa ca vakṣyati; tam āha kaś cid dvijavaryasattamo; vibhāṇḍako maṇḍitavedarāśiḥ; kas tvaṃ bhavān arthavibhedamadhye; na dṛśyase vākyam udīrayaṃś ca; athāhedaṃ taṃ bhagavān sanantaṃ; mahāmune viddhi māṃ paṇḍito 'si; ṛṣiṃ purāṇaṃ satataikarūpaṃ; yam akṣayaṃ vedavido vadanti; punas tam āhedam asau mahātmā; svarūpasaṃsthaṃ vada āha pārtha; tvam eko 'smadṛṣipuṃgavādya; na satsvarūpam atha vā punaḥ kim; athāha gambhīratarānuvādaṃ; vākyaṃ mahātmā hy aśarīra ādiḥ; na te mune śrotramukhe 'pi cāsyaṃ; na pādahastau prapadātmake na; bruvan munīn satyam atho nirīkṣya; svam āha vidvān manasā nigamya; ṛṣe kathaṃ vākyam idaṃ bravīṣi

„Geht, Zweimalgeborene, [zu] Sanaddhāma [?] und fragt; er wird es sagen.“ Da sprach einer zu ihm, der Vorzüglichste unter den besten Zweimalgeborenen, Vibhāṇḍaka, geschmückt mit der Fülle des Veda: „Wer bist du, Herr, mitten in der Scheidung der Sachverhalte, der du nicht gesehen wirst und doch Rede erhebst?“ Darauf sprach der Erhabene dies zu jenem Sanantam [?]: „Großer Weiser, wisse [mich]; du bist ein Gelehrter. [Ich bin] der uralte Seher, stets von einer Gestalt, den die Veda-Kundigen den Unvergänglichen nennen.“ Wieder sprach jener Großgeistige zu ihm: „Sprich [von dem], der in [seiner] eigenen Gestalt verharrt“, sagte er, „Pārtha [?]. Du allein bist heute unser Stier unter den Sehern; [ist es] nicht die wahre Eigengestalt, oder was sonst?“ Da sprach der großgeistige Körperlose, der Uranfängliche, eine noch tiefere Darlegung: „Du hast, Weiser, weder Ohr noch Mund, noch Gesicht, noch Füße und Hände, [noch] das, dessen Wesen im Vorwärtsgehen liegt [?].“ Zu den Weisen die Wahrheit sprechend, sie dann anblickend, sprach der Wissende sein Eigenes, nachdem er es im Geist erfasst hatte: „Seher, wie kannst du diese Rede sprechen?“

Wort für Wort
sanaddhāma dvijā gatvā
zu Sanaddhāma [?], Zweimalgeborene, gehend (Abs.)
pṛcchadhvaṃ sa ca vakṣyati
fragt, und er wird sagen (Imp./Fut.)
tam āha kaś cid dvijavaryasattamo
zu ihm sprach einer, der Beste der Zweimalgeborenen
vibhāṇḍako maṇḍitavedarāśiḥ
Vibhāṇḍaka, Vedamasse-geschmückt (Nom.)
kas tvaṃ bhavān arthavibhedamadhye
wer bist du, Herr, inmitten der Sachscheidung (Lok.)
na dṛśyase vākyam udīrayaṃś ca
nicht wirst du gesehen und Rede erhebend (Pass./Part.)
athāhedaṃ taṃ bhagavān sanantaṃ
da sprach dies zu ihm der Erhabene, dem Sanantam [?]
mahāmune viddhi māṃ paṇḍito 'si
Großer Weiser, wisse mich; du bist gelehrt (Imp./2.Sg.)
ṛṣiṃ purāṇaṃ satataikarūpaṃ
den Seher, uralt, stets einförmig (Akk.)
yam akṣayaṃ vedavido vadanti
den Unvergänglichen die Veda-Kenner nennen
punas tam āhedam asau mahātmā
wieder sprach zu ihm dies jener Großgeistige
svarūpasaṃsthaṃ vada āha pārtha
in Eigengestalt Verharrenden nenne, sagte er, Pārtha [?]
tvam eko 'smadṛṣipuṃgavādya
du allein, unser Seherstier, heute
na satsvarūpam atha vā punaḥ kim
nicht die wahre Eigengestalt, oder was denn
athāha gambhīratarānuvādaṃ
da sprach [er] eine tiefere Darlegung
vākyaṃ mahātmā hy aśarīra ādiḥ
Rede, der Großgeistige, Körperlose, Erste
na te mune śrotramukhe 'pi cāsyaṃ
nicht hast du, Weiser, Ohr, Mund, noch Gesicht
na pādahastau prapadātmake na
nicht Füße und Hände, noch das Vorwärtsgehen-Wesen [?]
bruvan munīn satyam atho nirīkṣya
zu Weisen Wahres sprechend, dann anblickend
svam āha vidvān manasā nigamya
sein Eigenes sprach der Wissende, im Geist erfassend (Abs.)
ṛṣe kathaṃ vākyam idaṃ bravīṣi
Seher, wie sprichst du diese Rede (2.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stark verderbte, zum Teil unverständliche Passage: „sanaddhāma“, „sanantam“, „pārtha“ (Anrede an einen Seher?) und „prapadātmake“ sind unsicher; die Sprecherzuordnung ist im Text nicht klar.

na cāsya mantā na ca vidyate cet; na śuśruvus tatas tat tu prativākyaṃ dvijottamāḥ; nirīkṣamāṇā ākāśaṃ prahasantas tatas tataḥ; āścaryam iti matvā te yayur haimaṃ mahāgirim; sanatkumārasaṃkāśaṃ sagaṇā munisattamāḥ; taṃ parvataṃ samāruhya dadṛśur dhyānam āśritāḥ; kumāraṃ devam arhantaṃ vedapārāvivarjitam; tataḥ saṃvatsare pūrṇe prakṛtisthaṃ mahāmunim; sanatkumāraṃ rājendra praṇipatya dvijāḥ sthitāḥ; āgatān bhagavān āha jñānanirdhūtakalmaṣaḥ; jñātaṃ mayā munigaṇā vākyaṃ tad aśarīriṇaḥ; kāryam adya yathākāmaṃ pṛcchadhvaṃ munipuṃgavāḥ; tam abruvan prāñjalayo mahāmuniṃ; dvijottamaṃ jñānanidhiṃ sunirmalam; kathaṃ vayaṃ jñānanidhiṃ vareṇyaṃ; yakṣyāmahe viśvarūpaṃ kumāra

„[Er hat] keinen Denker, und [er] besteht nicht, wenn [...] [?]“ Da hörten die besten Zweimalgeborenen jene Gegenrede nicht [mehr]; zum Himmel blickend und hierhin und dorthin lachend, hielten sie es für ein Wunder und gingen zum goldenen großen Berg, [zu einem,] der Sanatkumāra glich, die besten Weisen mit ihren Scharen. Auf jenen Berg hinaufgestiegen, sahen sie [ihn], in Meditation versenkt, den jugendlichen Gott, den Verehrungswürdigen, frei von [den Grenzen des] Veda-Ufers [?]. Als dann das Jahr voll war, warfen sich die Zweimalgeborenen vor Sanatkumāra, dem großen Weisen, der in seinem Urzustand ruhte, o Fürst der Könige, nieder und blieben stehen. Zu den Gekommenen sprach der Erhabene, dessen Makel durch Wissen abgeschüttelt waren: „Ich habe erkannt, ihr Scharen der Weisen, jene Rede des Körperlosen. Das Anliegen [sagt] heute nach Wunsch, fragt, ihr Stiere unter den Weisen!“ Mit zusammengelegten Händen sprachen sie zu ihm, dem großen Weisen, dem besten Zweimalgeborenen, dem Schatz des Wissens, dem ganz Reinen: „Wie sollen wir den erwählenswerten Schatz des Wissens, den Allgestaltigen, verehren, Kumāra?“

Wort für Wort
na cāsya mantā na ca vidyate cet
und nicht sein Denker, und nicht existiert, wenn [?]
na śuśruvus tatas tat tu
nicht hörten sie dann dies (Perf.)
prativākyaṃ dvijottamāḥ
die Gegenrede, die besten Zweimalgeborenen
nirīkṣamāṇā ākāśaṃ
zum Himmel blickend (Part.)
prahasantas tatas tataḥ
lachend hierhin und dorthin
āścaryam iti matvā te
‚ein Wunder‘ so denkend sie (Abs.)
yayur haimaṃ mahāgirim
gingen zum goldenen großen Berg (Perf.)
sanatkumārasaṃkāśaṃ
Sanatkumāra gleichend (Akk.)
sagaṇā munisattamāḥ
mit Scharen die besten Weisen
taṃ parvataṃ samāruhya
jenen Berg hinaufgestiegen (Abs.)
dadṛśur dhyānam āśritāḥ
sahen [ihn], zur Meditation Zuflucht genommen habend (Perf./Part.)
kumāraṃ devam arhantaṃ
den Jüngling, Gott, Verehrungswürdigen
vedapārāvivarjitam
frei vom Veda-Ufer [?]
tataḥ saṃvatsare pūrṇe
dann im vollen Jahr (Lok.)
prakṛtisthaṃ mahāmunim
im Urzustand ruhend, den großen Weisen
sanatkumāraṃ rājendra
Sanatkumāra, Fürst der Könige (Vok.)
praṇipatya dvijāḥ sthitāḥ
niedergeworfen die Zweimalgeborenen standen (Abs.)
āgatān bhagavān āha
zu den Gekommenen sprach der Erhabene
jñānanirdhūtakalmaṣaḥ
durch Wissen der Makel entledigt (Nom.)
jñātaṃ mayā munigaṇā
erkannt von mir, Weisenscharen (Vok.)
vākyaṃ tad aśarīriṇaḥ
die Rede jenes Körperlosen (Gen.)
kāryam adya yathākāmaṃ
das Anliegen heute nach Wunsch
pṛcchadhvaṃ munipuṃgavāḥ
fragt, Weisenstiere (Imp./Vok.)
tam abruvan prāñjalayo
zu ihm sprachen sie mit gefalteten Händen
mahāmuniṃ dvijottamaṃ
zum großen Weisen, besten Brahmanen
jñānanidhiṃ sunirmalam
Wissensschatz, ganz rein (Akk.)
kathaṃ vayaṃ jñānanidhiṃ vareṇyaṃ
wie sollen wir den Wissensschatz, Erwählenswerten
yakṣyāmahe viśvarūpaṃ kumāra
verehren, Allgestaltigen, Kumāra (Fut.Med./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück einer langen Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); Text stellenweise verderbt, Sprecherwechsel im Text teils unstimmig. „na cāsya mantā na ca vidyate cet“ ist unsicher; „vedapārāvivarjita“ [?].

prasīda no bhagavañ jñānaleśaṃ; madhuprayātāya sukhāya santaḥ; yat tat padaṃ viśvarūpaṃ mahāmune; tatra brūhi kiṃ kutra mahānubhāva; sa tair viyukto bhagavān mahātmā; yo 'saṃgavān satyavit tac chṛṇuṣva; anekasāhasrakaleṣu caiva; prasannadhātuṃ ca śubhājñayā sat; yathāha pūrvaṃ yuṣmāsu hy aśarīrī dvijottamāḥ; tathaiva vākyaṃ tat satyam ajānantaś ca kīrtitam; śṛṇudhvaṃ paramaṃ kāraṇam asti | katham avagamyate | ahany ahani; pākaviśeṣo dṛśyate | tena miśraṃ sarvaṃ miśrayate | yathā; maṇḍalī dṛśi sarveṣām asti nidarśanam | asti cakṣuṣmatām asti; jñāne svarūpaṃ paśyati | yathā darpaṇāntarnidarśanam | sa eva sarvaṃ; vidvān na bibheti na gacchati | kutrāhaṃ kasya nāhaṃ kenety avartamāno

„Sei uns gnädig, Erhabener, [gib] einen Funken Wissen, damit die Guten zu süßem Glück gelangen. Jenen Zustand, den allgestaltigen, großer Weiser – sage uns dazu, was [er ist] und wo, Hochmächtiger.“ Jener Erhabene, großgeistig, von ihnen getrennt, der ungebunden ist und die Wahrheit kennt – höre das: [Er ist] auch in vielen tausend Teilen, klaren Wesens, auf gutes Geheiß seiend [?]. So wie der Körperlose früher zu euch sprach, ihr besten Zweimalgeborenen, so ist jene Rede wahr, [auch wenn sie von] Nichtwissenden verkündet wurde. Hört: Es gibt eine höchste Ursache. Wie wird sie erkannt? Tag für Tag sieht man eine besondere Reifung [Verdauung/Garung]; dadurch wird alles Gemischte gemischt. Wie zum Beispiel: Für alle gibt es ein Beispiel im Kreis [der Pupille/des Sehens]; für die Sehenden gibt es [es]; im Wissen erblickt man die eigene Gestalt, wie das Beispiel im Inneren des Spiegels. Er allein [ist] alles; der Wissende fürchtet sich nicht und geht nicht [fort]: „Wo [bin] ich, wessen nicht, durch wen“ – so nicht verweilend [?]

Wort für Wort
prasīda no bhagavañ
sei gnädig uns, Erhabener (Imp./Vok.)
jñānaleśaṃ madhuprayātāya sukhāya santaḥ
einen Wissensfunken; zu süßem Weg-Glück, die Guten [?]
yat tat padaṃ viśvarūpaṃ mahāmune
jener Zustand, allgestaltig, großer Weiser (Vok.)
tatra brūhi kiṃ kutra mahānubhāva
dort sage: was, wo, Hochmächtiger (Imp./Vok.)
sa tair viyukto bhagavān mahātmā
er, von ihnen getrennt, der Erhabene, Großgeistige
yo 'saṃgavān satyavit
der ungebunden ist, wahrheitskundig
tac chṛṇuṣva
höre das (Imp.Med.)
anekasāhasrakaleṣu caiva
und in vielen tausend Teilen (Lok.Pl.)
prasannadhātuṃ ca śubhājñayā sat
klaren Wesens, durch gutes Geheiß seiend [?]
yathāha pūrvaṃ yuṣmāsu
wie er früher zu euch sprach (Perf.)
hy aśarīrī dvijottamāḥ
fürwahr der Körperlose, beste Zweimalgeborene
tathaiva vākyaṃ tat satyam
ebenso ist jene Rede wahr
ajānantaś ca kīrtitam
und von Nichtwissenden verkündet (Part.Gen./Nom.)
śṛṇudhvaṃ paramaṃ kāraṇam asti
hört: eine höchste Ursache gibt es (Imp./3.Sg.)
katham avagamyate
wie wird sie erkannt (Pass.)
ahany ahani pākaviśeṣo dṛśyate
Tag um Tag wird besondere Reifung gesehen (Lok./Pass.)
tena miśraṃ sarvaṃ miśrayate
dadurch wird alles Gemischte gemischt (Pass./Kaus.)
yathā maṇḍalī dṛśi
wie der Kreis im Sehen (Lok.)
sarveṣām asti nidarśanam
für alle gibt es ein Beispiel
asti cakṣuṣmatām asti
es gibt [es] für die Sehenden
jñāne svarūpaṃ paśyati
im Wissen sieht man die Eigengestalt (3.Sg.)
yathā darpaṇāntarnidarśanam
wie das Beispiel im Inneren des Spiegels
sa eva sarvaṃ vidvān
er allein [ist] alles, der Wissende
na bibheti na gacchati
fürchtet nicht, geht nicht (3.Sg.Perf.)
kutrāhaṃ kasya nāhaṃ kenety avartamāno
‚wo ich, wessen nicht ich, durch wen‘ so nicht verweilend [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbte, stark verkürzte Prosa-Passage mitten im Vers; Deutung unsicher. Wortlaut bricht ab und setzt sich in der nächsten Einheit mit „vijānāti“ fort.

vijānāti | sa yugato vyāpī | sa pṛthak sthitaḥ |; tad aparamārtham | yathā vāyur ekaḥ san bahudheritaḥ | āśrayaviśeṣo; vā yasyāśrayo vā | yathāvad dvije mṛge vyāghre ca | manuje veṇu saṃśrayo; bhidyate vāyur athaikaḥ | ātmā tathāsau paramātmāsāv anya; iva bhāti | evam ātmā sa eva gacchati | sarvam ātmā paśyañ; śṛṇoti na jighrati na bhāṣate |; cakre 'sya taṃ mahātmānaṃ parito daśa raśmayaḥ; viniṣkramya yathā sūryam anugacchati taṃ prabhum; dine dine 'stam abhyeti punar udgacchate diśaḥ; tāv ubhau na ravau cāstāṃ tathā vitta śarīriṇam; patite vitta viprendrāḥ bhakṣaṇe caraṇe paraḥ; ūrdhvam ekas tathādhastād ekas tiṣṭhati cāparaḥ; hiraṇyasadanaṃ jñeyaṃ sametya paramaṃ padam

[Er] erkennt. Er ist paarweise/zugleich alles durchdringend [?]; er steht gesondert. Das ist nicht das Höchste. Wie der Wind, obwohl einer, vielfältig angeregt wird – oder durch Unterschied der Grundlage, worin seine Grundlage [liegt]: so, wie im Vogel, im Hirsch, im Tiger und im Menschen, im Bambus die Anlehnung [des Windes] sich teilt, obwohl der Wind einer ist – ebenso [ist] der Ātman: dieser Höchste Ātman erscheint wie ein anderer. So geht der Ātman [selbst]; als Ātman alles sehend, hört er, riecht nicht, spricht nicht. Um ihn, den großgeistigen, [liegen] im Rad zehn Strahlen ringsum; hervorgetreten folgen sie ihm, dem Herrn, wie der Sonne. Tag für Tag geht [sie] unter, steigt wieder auf in den Himmelsrichtungen; jene beiden sind nicht zwei Sonnen – so kenne den Verkörperten. Ist er gefallen, so wisst, ihr Fürsten der Brahmanen, [ist er] im Essen und im Wandeln der Höchste; der eine steht oben und ein anderer unten. Das Goldene Haus ist zu erkennen, wenn man den höchsten Ort erreicht hat.

Wort für Wort
vijānāti
er erkennt (3.Sg.)
sa yugato vyāpī
er, paarweise/zugleich durchdringend [?]
sa pṛthak sthitaḥ
er steht gesondert (Part.)
tad aparamārtham
das [ist] nicht höchste Wahrheit
yathā vāyur ekaḥ san
wie der Wind, einer seiend (Part.)
bahudheritaḥ
vielfach angeregt (Part.)
āśrayaviśeṣo vā yasyāśrayo vā
oder Unterschied der Grundlage, dessen Grundlage
yathāvad dvije mṛge vyāghre ca
wie im Vogel, Hirsch und Tiger (Lok.)
manuje veṇu saṃśrayo
im Menschen, im Bambus die Anlehnung (Lok./Nom.)
bhidyate vāyur athaikaḥ
wird geteilt der Wind, obwohl einer (Pass.)
ātmā tathāsau paramātmā
der Ātman ebenso dieser Höchste Ātman
asāv anya iva bhāti
dieser erscheint wie ein anderer (3.Sg.)
evam ātmā sa eva gacchati
so geht der Ātman selbst (3.Sg.)
sarvam ātmā paśyañ
als Ātman alles sehend (Part.)
śṛṇoti na jighrati na bhāṣate
hört, riecht nicht, spricht nicht
cakre 'sya taṃ mahātmānaṃ
im Rad um ihn, den Großgeistigen (Lok./Akk.)
parito daśa raśmayaḥ
ringsum zehn Strahlen
viniṣkramya yathā sūryam
hervorgegangen, wie zur Sonne (Abs.)
anugacchati taṃ prabhum
folgt jenem Herrn (3.Sg.)
dine dine 'stam abhyeti
Tag für Tag geht unter (3.Sg.)
punar udgacchate diśaḥ
wieder steigt auf in den Himmelsrichtungen
tāv ubhau na ravau cāstāṃ
diese beiden sind nicht zwei Sonnen (Opt./Impf.)
tathā vitta śarīriṇam
so kennt den Verkörperten (Imp.)
patite vitta viprendrāḥ
wenn gefallen, wisst, Brahmanenfürsten [?]
bhakṣaṇe caraṇe paraḥ
im Essen, im Wandeln der Höchste [?]
ūrdhvam ekas tathādhastād
oben einer, ebenso unten
ekas tiṣṭhati cāparaḥ
einer steht und ein anderer
hiraṇyasadanaṃ jñeyaṃ
das Goldene Haus ist zu erkennen (Gerundiv)
sametya paramaṃ padam
nachdem man den höchsten Ort erreicht (Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilweise verderbte Passage („yugato vyāpī“, „patite vitta“, „bhakṣaṇe caraṇe paraḥ“ unsicher); Teil einer längeren Zusatzpassage.

ātmanā hy ātmadīpaṃ tam ātmani hy ātmapūruṣam; saṃcitaṃ saṃcitaṃ pūrvaṃ bhramaro vartate bhraman; yo 'bhimānīva jānāti na muhyati na hīyate; na cakṣuṣā paśyati kaś canainaṃ; hṛdā manīṣā paśyati rūpam asya; na śuklaṃ na kṛṣṇaṃ paramārthabhāvaṃ; guhāśayaṃ jñānadevīkarastham; brāhmaṇasya na sādṛśye vartate so 'pi kiṃ punaḥ; ijyate yas tu mantreṇa yajamāno dvijottamaḥ; naiva dharmī na cādharmī dvaṃdvātīto vimatsaraḥ; jñānatṛptaḥ sukhaṃ śete hy amṛtātmā na saṃśayaḥ; evam eṣa jagatsṛṣṭiṃ kurute māyayā prabhuḥ; na jānāti virūḍhātmā kāraṇaṃ cātmano hy asau; dhyātā draṣṭā tathā mantā boddhā dṛṣṭān sa eva saḥ; ko vidvān paramātmānam anantaṃ lokabhāvanam

Durch den Ātman [ist] jenes Selbst-Licht, im Ātman der Selbst-Puruṣa; das je zuvor Gesammelte umkreist, wie die Biene, die umherschwirrt. Wer wie ein Selbstbewusster erkennt, wird nicht verwirrt und nicht gemindert. Niemand sieht ihn mit dem Auge; mit dem Herzen und dem Verstand sieht man seine Gestalt: nicht weiß, nicht schwarz, das Wesen der höchsten Wahrheit, in der Höhle ruhend, in der Hand der Göttin des Wissens weilend. Beim Brahmanen besteht er nicht in bloßer Ähnlichkeit – was [erst] dann? Der Opferherr, der beste Zweimalgeborene, der durch Mantra verehrt [opfert] [?]; weder gerecht noch ungerecht, über die Gegensatzpaare hinaus, neidlos, an Wissen gesättigt, schläft er glücklich, unsterblichen Selbstes, ohne Zweifel. So schafft dieser Herr durch Māyā die Schöpfung der Welt; der sich Entfaltende kennt die Ursache seiner selbst nicht. Der Denker, Seher, Meinende, Erkennende, Gesehenen – er allein [ist] jener. Welcher Wissende [kennt] den unendlichen Höchsten Ātman, den Ursprung der Welt?

Wort für Wort
ātmanā hy ātmadīpaṃ tam
durch den Ātman das Selbst-Licht, dies (Instr./Akk.)
ātmani hy ātmapūruṣam
im Ātman den Selbst-Puruṣa (Lok./Akk.)
saṃcitaṃ saṃcitaṃ pūrvaṃ
das Gesammelte, Gesammelte vorher (Part.)
bhramaro vartate bhraman
die Biene bleibt umherschwirrend (Part.)
yo 'bhimānīva jānāti
der wie ein Selbstbewusster erkennt
na muhyati na hīyate
nicht wird verwirrt, nicht gemindert (Pass.)
na cakṣuṣā paśyati kaś canainam
nicht mit dem Auge sieht ihn jemand (Instr.)
hṛdā manīṣā paśyati rūpam asya
mit Herz und Verstand sieht man seine Gestalt
na śuklaṃ na kṛṣṇaṃ
nicht weiß, nicht schwarz
paramārthabhāvaṃ guhāśayaṃ
Wesen der höchsten Wahrheit, in der Höhle ruhend
jñānadevīkarastham
in der Hand der Wissensgöttin weilend
brāhmaṇasya na sādṛśye
beim Brahmanen nicht in Ähnlichkeit (Lok.)
vartate so 'pi kiṃ punaḥ
besteht er; was dann noch (3.Sg.Med.)
ijyate yas tu mantreṇa
der durch Mantra verehrt/geopfert wird [?] (Pass.)
yajamāno dvijottamaḥ
Opferherr, bester Zweimalgeborener
naiva dharmī na cādharmī
weder gerecht noch ungerecht
dvaṃdvātīto vimatsaraḥ
über die Gegensätze hinaus, neidlos
jñānatṛptaḥ sukhaṃ śete
an Wissen gesättigt, schläft glücklich (3.Sg.Med.)
hy amṛtātmā na saṃśayaḥ
unsterblichen Selbstes, kein Zweifel
evam eṣa jagatsṛṣṭiṃ
so dieser die Weltschöpfung
kurute māyayā prabhuḥ
schafft durch Māyā, der Herr (3.Sg.Med.)
na jānāti virūḍhātmā
nicht kennt der sich Entfaltende
kāraṇaṃ cātmano hy asau
die Ursache seiner selbst, dieser
dhyātā draṣṭā tathā mantā
der Denker, Seher, ebenso Meinende
boddhā dṛṣṭān sa eva saḥ
der Erkennende, Gesehene [?]: er allein ist jener
ko vidvān paramātmānam
welcher Wissende den Höchsten Ātman
anantaṃ lokabhāvanam
den Unendlichen, Weltursprung (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbter Text an mehreren Stellen („ātmadīpam“, „bhramaro vartate bhraman“, „ijyate yas tu mantreṇa“, „dṛṣṭān“); Wiedergabe unsicher.

yat tu śakyaṃ mayā proktaṃ gacchadhvaṃ munipuṃgavāḥ; bhīṣma uvāca; evaṃ praṇamya viprendrā jñānasāgarasaṃbhavam; sanatkumāraṃ saṃdṛṣṭvā jagmus te ruciraṃ punaḥ; tasmāt tvam api kaunteya jñānayogaparo bhava; jñānam eva mahārāja sarvaduḥkhavināśanam; idaṃ mahāduḥkhasamākarāṇāṃ; nṛṇāṃ paritrāṇavinirmitaṃ purā; purāṇapuṃsā ṛṣiṇā mahātmanā; yudhiṣṭhira uvāca; mahāmunīnāṃ pravareṇa tad dhruvam; yad idaṃ tapa ity āhuḥ kiṃ tapaḥ saṃprakīrtitam; upavāsam athānyat tu vedācāram atho nu kim; bhīṣma uvāca; śāstraṃ tapo mahāprājña tan me brūhi pitāmaha; pakṣamāsopavāsādīn manyante vai tapodhanāḥ; vedavratādīni tapaḥ apare vedapāragāḥ; vedapārāyaṇaṃ cānye cāhus tattvam athāpare

„Was mir zu sagen möglich war, habe ich gesagt; geht, ihr Stiere unter den Weisen.“ Bhīṣma sprach: „So verneigten sich die Fürsten der Brahmanen vor Sanatkumāra, dem aus dem Ozean des Wissens Entstandenen, und gingen, nachdem sie ihn gesehen hatten, freudig wieder fort. Darum sei auch du, Sohn der Kuntī, dem Yoga des Wissens ergeben; Wissen allein, großer König, vernichtet alles Leid. Dies wurde vor Zeiten zum Schutz der Menschen, die ein Born großen Leids sind, geschaffen von dem uralten Seher, dem Puruṣa, dem Großgeistigen.“ Yudhiṣṭhira sprach: „[Ja,] gewiss durch den Vorzüglichsten der großen Weisen. Was sie ‚Askese‘ nennen – was wird als Askese verkündet? Das Fasten, oder etwas anderes, oder gar die Vedische Lebensführung?“ Bhīṣma sprach: „Die Lehrschrift ist Askese, du sehr Weiser; sag mir das, Großvater. Fasten von Halbmonaten und Monaten und dergleichen halten die an Askese Reichen für [Askese]; andere, die den Veda durchdrungen haben, [halten] Veda-Gelübde und dergleichen [dafür]; wieder andere [nennen] das Durchlesen des Veda, und andere sagen: die Wahrheit.“

Wort für Wort
yat tu śakyaṃ mayā proktaṃ
was zu sagen möglich [war], von mir gesagt (Part.)
gacchadhvaṃ munipuṃgavāḥ
geht, Weisenstiere (Imp./Vok.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
evaṃ praṇamya viprendrā
so verneigt, die Brahmanenfürsten (Abs.)
jñānasāgarasaṃbhavam
den aus dem Wissensozean Entstandenen (Akk.)
sanatkumāraṃ saṃdṛṣṭvā
Sanatkumāra gesehen habend (Abs.)
jagmus te ruciraṃ punaḥ
gingen sie freudig wieder (Perf./Adv.)
tasmāt tvam api kaunteya
darum auch du, Sohn der Kuntī (Vok.)
jñānayogaparo bhava
dem Wissens-Yoga ergeben sei (Imp.)
jñānam eva mahārāja
Wissen allein, großer König (Vok.)
sarvaduḥkhavināśanam
Vernichter alles Leids (Nom.)
idaṃ mahāduḥkhasamākarāṇāṃ
dies der Born-des-großen-Leids [seienden] (Gen.Pl.)
nṛṇāṃ paritrāṇavinirmitaṃ purā
der Menschen, zum Schutz geschaffen vor Zeiten
purāṇapuṃsā ṛṣiṇā mahātmanā
vom uralten Puruṣa, Seher, Großgeistigen (Instr.)
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
mahāmunīnāṃ pravareṇa tad dhruvam
vom Vorzüglichsten der großen Weisen, das gewiss
yad idaṃ tapa ity āhuḥ
was sie ‚Askese‘ nennen
kiṃ tapaḥ saṃprakīrtitam
was als Askese verkündet (Part.)
upavāsam athānyat tu
Fasten oder anderes
vedācāram atho nu kim
vedische Lebensführung oder was
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
śāstraṃ tapo mahāprājña
die Lehrschrift [ist] Askese, Hochweiser [?]
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater
pakṣamāsopavāsādīn
Fasten von Halbmonaten, Monaten usw. (Akk.Pl.)
manyante vai tapodhanāḥ
halten dafür fürwahr die Askesereichen (3.Pl.Med.)
vedavratādīni tapaḥ
Veda-Gelübde usw. als Askese
apare vedapāragāḥ
andere, Veda-Vollender
vedapārāyaṇaṃ cānye
und andere das Veda-Durchlesen
cāhus tattvam athāpare
und sagen: die Wahrheit, wieder andere

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Sprecherzuweisungen im Text sind teils vertauscht bzw. unstimmig; „tad dhruvam“ und „jñānasāgarasaṃbhavam“ mit Unsicherheit wiedergegeben, „śāstraṃ tapo“ [?].

yathāvihitam ācāras tapaḥ sarvaṃ vrataṃ gatāḥ; ātmavidyāvidhānaṃ yat tat tapaḥ parikīrtitam; tyāgas tapas tathā śāntis tapa indriyanigrahaḥ; brahmacaryaṃ tapaḥ proktam āhur evaṃ dvijātayaḥ; sadopavāso yo vidvān brahmacārī sadā bhavet; yo muniś ca sadā dhīmān vighasāśī vimatsaraḥ; tatas tv anantam apy āhur yo nityam atithipriyaḥ; nāntarāśīs tato nityam upavāsī mahāvrataḥ; ṛtugāmī tathā prokto vighasāśī smṛto budhaiḥ; bhṛtyaśeṣaṃ tu yo bhuṅkte yajñaśeṣaṃ tathāmṛtam; evaṃ nānārthasaṃyogaṃ tapaḥ śaśvad udāhṛtam; keṣāṃ lokā hy aparyantāḥ sarve satyavrate sthitāḥ; ye 'pi karmamayaṃ prāhus te dvijā brāhmaṇāḥ smṛtāḥ; ramante divyabhogaiś ca pūjitā hy apsarogaṇaiḥ

„Die Lebensführung, wie sie vorgeschrieben ist – alles, was zum Gelübde gehört, [ist] Askese; was die Regel der Selbsterkenntnis ist, das wird als Askese verkündet. Verzicht ist Askese, ebenso Friede; Askese ist Bändigung der Sinne; Keuschheit wird Askese genannt: so sagen die Zweimalgeborenen. Wer als Wissender stets ein Fastender ist, stets ein Brahmacārin, wer als Weiser stets verständig, ein Rest-Esser und neidlos ist; danach – so sagen sie – [gilt] der als unendlich, der stets gastliebend ist; wer nicht zwischen den Mahlzeiten isst, der ist deshalb stets ein Fastender von großem Gelübde; auch der zur [rechten] Zeit [zur Gattin] Gehende wird so genannt; als Rest-Esser gilt er den Weisen; wer den Rest der Diener isst und den Rest des Opfers, [das ist] Unsterbliches. So wird die Askese, in vielerlei Sinnverbindung, immer wieder dargelegt. Wessen Welten sind grenzenlos, alle im Gelübde der Wahrheit verankert? Auch diejenigen, die [alles] ‚aus Tat gemacht‘ nennen – jene Zweimalgeborenen gelten als Brahmanen; sie erfreuen sich an himmlischen Genüssen, geehrt von den Scharen der Apsaras.“

Wort für Wort
yathāvihitam ācāras
die vorgeschriebene Lebensführung (Nom.)
tapaḥ sarvaṃ vrataṃ gatāḥ
Askese, alles zum Gelübde Gehörige [?] (Part.)
ātmavidyāvidhānaṃ yat
was die Regel der Selbsterkenntnis [ist]
tat tapaḥ parikīrtitam
das Askese verkündet (Part.)
tyāgas tapas tathā śāntis
Verzicht Askese, ebenso Friede
tapa indriyanigrahaḥ
Askese die Sinnenbändigung
brahmacaryaṃ tapaḥ proktam
Keuschheit Askese genannt (Part.)
āhur evaṃ dvijātayaḥ
sagen so die Zweimalgeborenen (Perf.)
sadopavāso yo vidvān
wer, Wissender, stets Fastender
brahmacārī sadā bhavet
stets Brahmacārin sei (Opt.)
yo muniś ca sadā dhīmān
wer Weiser und stets verständig
vighasāśī vimatsaraḥ
Rest-Esser, neidlos
tatas tv anantam apy āhur
danach doch ‚unendlich‘ sagen sie
yo nityam atithipriyaḥ
wer stets gästeliebend
nāntarāśīs tato nityam
nicht zwischen[durch] essend, daher stets
upavāsī mahāvrataḥ
Fastender von großem Gelübde
ṛtugāmī tathā proktaḥ
zur Zeit [zur Gattin] Gehender ebenso genannt
vighasāśī smṛto budhaiḥ
Rest-Esser gilt bei den Weisen (Part./Instr.)
bhṛtyaśeṣaṃ tu yo bhuṅkte
wer aber Dienerrest isst
yajñaśeṣaṃ tathāmṛtam
Opferrest ebenso [als] Unsterbliches
evaṃ nānārthasaṃyogaṃ
so mit vielfältiger Sinnverbindung
tapaḥ śaśvad udāhṛtam
Askese immer wieder dargelegt (Part.)
keṣāṃ lokā hy aparyantāḥ
wessen Welten grenzenlos [?]
sarve satyavrate sthitāḥ
alle im Wahrheitsgelübde stehend
ye 'pi karmamayaṃ prāhus
auch die, die ‚aus Tat bestehend‘ nennen
te dvijā brāhmaṇāḥ smṛtāḥ
diese Zweimalgeborenen gelten als Brahmanen
ramante divyabhogaiś ca
und erfreuen sich an himmlischen Genüssen
pūjitā hy apsarogaṇaiḥ
geehrt von Apsaras-Scharen (Part./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; „sarvaṃ vrataṃ gatāḥ“ und „keṣāṃ lokā“ sind unsicher wiedergegeben [?].

jñānātmakaṃ tapaḥśabdaṃ ye vadanti viniścitāḥ; te hy antarātmasadbhāvaṃ prapannā nṛpasattama; etat te nṛpaśārdūla proktaṃ yat pṛṣṭavān asi; yathāvastūni saṃjñāni vividhāni bhavanty uta; yudhiṣṭhira uvāca; pitāmaha mahāprājña rājādhīnā nṛpāḥ punaḥ; anyāni ca sahasrāṇi nāmāni vividhāni ca; pratiyogīni vai teṣāṃ channāny astamitāni ca; dṛḍhaṃ sarvaṃ prākṛtakam idaṃ sarvatra paśya vai; bhīṣma uvāca; tasmād yathāgataṃ rājan yathāruci nṛṇāṃ bhavet; asminn arthe purāvṛttaṃ śṛṇu rājan yudhiṣṭhira; brāhmaṇānāṃ samūhe tu yad uvāca suvarcalā; devalasya sutā vidvan sarvalakṣaṇaśobhitā; kanyā suvarcalā nāma yogabhāvitacetanā; hetunā kena jātā sā nirdvaṃdvā naṣṭasaṃśayā

„Die das Wort ‚Askese‘ als aus Wissen bestehend bezeichnen, fest entschlossen – die gelangen, Bester der Fürsten, zum wahren Sein des inneren Selbst. Dies, Tiger unter den Fürsten, ist dir gesagt, wonach du gefragt hast: wie die Dinge mit ihren Benennungen vielfältig werden.“ Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, du sehr Weiser, die Fürsten wiederum sind dem König unterstellt; und tausend andere Namen, mannigfaltig, ihnen gegenüberstehend, verhüllt und untergegangen; fest [ist] all dies gewöhnlich, sieh es überall.“ Bhīṣma sprach: „Darum, König, mag es, wie es gekommen ist, nach dem Belieben der Menschen sein. Hierzu höre, König Yudhiṣṭhira, ein früheres Geschehen: was Suvarcalā in der Schar der Brahmanen sprach – die Tochter Devalas, gelehrt, mit allen Merkmalen geschmückt, das Mädchen mit Namen Suvarcalā, deren Sinn durch Yoga geläutert war: Aus welchem Grund wurde sie [so] geboren, frei von Gegensätzen, deren Zweifel geschwunden waren?“

Wort für Wort
jñānātmakaṃ tapaḥśabdaṃ
das Wort ‚Askese‘ als wissensartig (Akk.)
ye vadanti viniścitāḥ
die sagen, fest entschlossen (Part.)
te hy antarātmasadbhāvaṃ
diese fürwahr zum wahren Sein des inneren Selbst
prapannā nṛpasattama
gelangt, Bester der Fürsten (Part./Vok.)
etat te nṛpaśārdūla
dies dir, Fürstentiger (Vok.)
proktaṃ yat pṛṣṭavān asi
gesagt, was du gefragt hast
yathāvastūni saṃjñāni
wie die Dinge benannt (Nom.Pl.)
vividhāni bhavanty uta
vielfältig werden sie fürwahr
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach
pitāmaha mahāprājña
Großvater, Hochweiser
rājādhīnā nṛpāḥ punaḥ
dem König unterstellt die Fürsten wiederum [?]
anyāni ca sahasrāṇi
und andere tausende
nāmāni vividhāni ca
Namen, vielfältige
pratiyogīni vai teṣāṃ
gegenüberstehend fürwahr ihnen
channāny astamitāni ca
verhüllt und untergegangen
dṛḍhaṃ sarvaṃ prākṛtakam
fest alles gewöhnlich/naturhaft [?]
idaṃ sarvatra paśya vai
dies überall sieh (Imp.)
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tasmād yathāgataṃ rājan
darum wie gekommen, König
yathāruci nṛṇāṃ bhavet
nach Belieben der Menschen sei es (Opt.)
asminn arthe purāvṛttaṃ
hierzu Früheres geschehen
śṛṇu rājan yudhiṣṭhira
höre, König Yudhiṣṭhira (Imp.)
brāhmaṇānāṃ samūhe tu
in der Schar der Brahmanen aber
yad uvāca suvarcalā
was Suvarcalā sprach (Perf.)
devalasya sutā vidvan
Tochter Devalas, gelehrt
sarvalakṣaṇaśobhitā
mit allen Merkmalen geschmückt
kanyā suvarcalā nāma
Mädchen mit Namen Suvarcalā
yogabhāvitacetanā
deren Geist durch Yoga geläutert
hetunā kena jātā sā
aus welchem Grund geboren sie
nirdvaṃdvā naṣṭasaṃśayā
frei von Gegensätzen, zweifelsfrei

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Yudhiṣṭhira-Rede („rājādhīnā nṛpāḥ … prākṛtakam“) ist syntaktisch dunkel und nur tastend wiedergegeben [?].

sābravīt pitaraṃ vipraṃ varānveṣaṇatatparā; andhāya māṃ mahāprājña dehi vīkṣya sulocanam; pitovāca; evaṃ sma ca pitaḥ śaśvan mayedaṃ [prārthitaṃ] mune; na śakyaṃ prārthituṃ vatse tvayādya pratibhāti me; andhatānandhatā ceti vicāro mama jāyate; kanyovāca; unmatteva sute vākyaṃ bhāṣase pṛthulocane; nāham unmattabhūtādya buddhipūrvaṃ bravīmi te; viddhi vai tādṛśaṃ loke sa māṃ bhajati vedavit; yān yāṃs tvaṃ manyase dātuṃ māṃ dvijottama tān iha; ānayānyān mahābhāga hy ahaṃ drakṣyāmi teṣu tam; tatheti coktvā tāṃ vipraḥ preṣayām āsa śiṣyakān; ṛṣeḥ prabhāvaṃ dṛṣṭvā te kanyāyāś ca dvijottamāḥ; anekamunayo rājan saṃprāptā devalāśramam; tān āgatān athābhyarcya kanyām āha pitā mahān

Sie sprach zu ihrem Vater, dem Brahmanen, auf der Suche nach einem Bräutigam: „Gib mich, großer Weiser, einem Blinden, [nachdem du] geprüft [hast, dass er] schöne Augen [hat].“ Der Vater sprach: „So, Vater [?], ist dies von mir immer wieder erbeten worden, Weiser; nicht ist es möglich, [es] zu erbitten, Kind – heute leuchtet es mir durch dich ein: ‚Blindheit oder Nicht-Blindheit‘, diese Überlegung entsteht in mir.“ Das Mädchen sprach: „Wie eine Verrückte, Tochter, redest du, Weitäugige. Ich bin nicht verrückt geworden; mit Bedacht sage ich es dir. Wisse: Einen solchen [gibt es] in der Welt; der Veda-Kundige wird mich wählen. Wen immer du mir zu geben meinst, Bester der Zweimalgeborenen, den bring hierher, und die anderen auch, Hochgesegneter; ich werde ihn unter ihnen erkennen.“ „So sei es“, sagte der Brahmane zu ihr und sandte Schüler aus. Da sahen jene besten Zweimalgeborenen die Macht des Sehers und die des Mädchens; viele Weise, o König, kamen in Devalas Einsiedelei. Nachdem er die Angekommenen geehrt hatte, sprach der große Vater zu dem Mädchen:

Wort für Wort
sābravīt pitaraṃ vipraṃ
sie sprach zum Vater, dem Brahmanen (Impf.)
varānveṣaṇatatparā
auf Bräutigamsuche bedacht
andhāya māṃ mahāprājña
einem Blinden mich, Hochweiser
dehi vīkṣya sulocanam
gib, [ihn] prüfend, schön-äugig (Imp./Abs.)
pitovāca
der Vater sprach
evaṃ sma ca pitaḥ śaśvan
so, Vater [?], immer wieder
mayedaṃ [prārthitaṃ] mune
von mir dies [erbeten], Weiser
na śakyaṃ prārthituṃ vatse
nicht möglich zu erbitten, Kind (Inf.)
tvayādya pratibhāti me
durch dich heute leuchtet mir ein
andhatānandhatā ceti
‚Blindheit, Nicht-Blindheit‘ so
vicāro mama jāyate
Überlegung in mir entsteht
kanyovāca
das Mädchen sprach
unmatteva sute vākyaṃ
wie eine Verrückte, Tochter, Rede
bhāṣase pṛthulocane
sprichst du, Weitäugige (2.Sg.Med.)
nāham unmattabhūtādya
nicht ich bin verrückt geworden heute
buddhipūrvaṃ bravīmi te
mit Bedacht sage ich dir (1.Sg.)
viddhi vai tādṛśaṃ loke
wisse, einen solchen in der Welt
sa māṃ bhajati vedavit
der Veda-Kundige wählt mich (3.Sg.)
yān yāṃs tvaṃ manyase dātuṃ
wen immer du meinst zu geben
māṃ dvijottama tān iha
mich, Bester der Zweimalgeborenen, diese hierher
ānayānyān mahābhāga
bringe, auch andere, Hochgesegneter (Imp.)
hy ahaṃ drakṣyāmi teṣu tam
ich werde unter ihnen ihn sehen (Fut.)
tatheti coktvā tāṃ vipraḥ
‚so sei es‘ sagend zu ihr der Brahmane
preṣayām āsa śiṣyakān
sandte Schüler aus (Perf.)
ṛṣeḥ prabhāvaṃ dṛṣṭvā te
des Sehers Macht gesehen habend sie
kanyāyāś ca dvijottamāḥ
und des Mädchens, beste Zweimalgeborene
anekamunayo rājan
viele Weise, König
saṃprāptā devalāśramam
gelangt zu Devalas Einsiedelei (Part.)
tān āgatān athābhyarcya
die Angekommenen dann ehrend (Abs.)
kanyām āha pitā mahān
zum Mädchen sprach der große Vater

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Sprecherangaben („pitovāca“, „kanyovāca“) und die Anreden („pitaḥ“, „sute“) passen im überlieferten Text nicht zusammen, das Wort „prārthitam“ steht in eckigen Klammern; Wiedergabe tastend [?].

yadīcchasi varaṃ bhadre taṃ vipraṃ varaya svayam; tatheti coktvā kalyāṇī taptahemanibhānanā; karasaṃmitamadhyāṅgī vākyam āha tapodhanāḥ; yady asti saṃmato vipro hy andho 'nandhaḥ sa me varaḥ; nocur viprā mahābhāgāṃ prativākyaṃ yayuś ca te; kanyā ca tiṣṭhatām atra pitur veśmani bhārata; śvetaketuḥ kahālasya śyālaḥ paramadharmavit; śrutvā brahmā tadāgamya kanyām āha mahīpate; so 'haṃ bhadre samāvṛttas tvayokto yaḥ purā dvijaḥ; suvarcalovāca; viśālanayanaṃ viddhi mām andho 'haṃ vṛṇīṣva mām; kathaṃ viśālanetro 'si kathaṃ vā tvam alocanaḥ; dvija uvāca; brūhi paścād ahaṃ vidvan parīkṣe tvāṃ dvijottama; pratiyogīni nāmāni channāny astamitāni ca; śabde sparśe tathā rūpe rase gandhe sahetukam

„Wenn du einen Bräutigam willst, Gute, so wähle jenen Brahmanen selbst.“ „So sei es“, sagte die Glückliche, das Gesicht wie geglühtes Gold, deren Leibesmitte mit der Hand zu umspannen war, und sprach, ihr Asketen, die Rede: „Wenn es einen anerkannten Brahmanen gibt, der blind und nicht blind ist, der sei mein Bräutigam.“ Die Brahmanen antworteten der Hochgesegneten nicht und gingen fort. Und das Mädchen blieb hier im Haus des Vaters, Bhārata. Śvetaketu, der Schwager des Kahāla, ein Kenner des höchsten Dharma, hörte davon; als Priester [Brahmā] kam er dann [dorthin] und sprach zum Mädchen, o Herr der Erde: „Ich bin es, Gute, der zurückgekehrt ist, der Brahmane, von dem du früher sprachst.“ Suvarcalā sprach: „Wisse mich als weitäugig; ich bin blind; wähle mich [?].“ „Wie bist du weitäugig? Oder wie bist du augenlos?“ Der Brahmane sprach: „Sprich danach; ich werde dich prüfen, Gelehrter, Bester der Zweimalgeborenen. Die Namen sind gegenständig, verhüllt und untergegangen: im Ton, in der Berührung, ebenso in Gestalt, Geschmack und Geruch, samt Grund.“

Wort für Wort
yadīcchasi varaṃ bhadre
wenn du einen Bräutigam willst, Gute
taṃ vipraṃ varaya svayam
jenen Brahmanen wähle selbst (Imp.)
tatheti coktvā kalyāṇī
‚so‘ gesagt habend die Glückliche
taptahemanibhānanā
geglühtem Gold gleichgesichtig
karasaṃmitamadhyāṅgī
mit handmaßiger Leibesmitte
vākyam āha tapodhanāḥ
Rede sprach, Asketen (Vok.)
yady asti saṃmato vipro
wenn es gibt einen anerkannten Brahmanen
hy andho 'nandhaḥ sa me varaḥ
blind [und] nicht blind, der [sei] mein Bräutigam
nocur viprā mahābhāgāṃ
nicht sprachen die Brahmanen zur Hochgesegneten
prativākyaṃ yayuś ca te
Antwort, und gingen sie
kanyā ca tiṣṭhatām atra
und das Mädchen bleibe hier (Imp.)
pitur veśmani bhārata
im Haus des Vaters, Bhārata
śvetaketuḥ kahālasya śyālaḥ
Śvetaketu, Kahālas Schwager
paramadharmavit
Kenner des höchsten Dharma
śrutvā brahmā tadāgamya
gehört, der Brahmā-Priester, dann gekommen (Abs.)
kanyām āha mahīpate
zum Mädchen sprach, Herr der Erde (Vok.)
so 'haṃ bhadre samāvṛttas
ich bin es, Gute, zurückgekehrt (Part.)
tvayokto yaḥ purā dvijaḥ
von dir genannt, der früher, Brahmane
suvarcalovāca
Suvarcalā sprach
viśālanayanaṃ viddhi mām
weitäugig wisse mich
andho 'haṃ vṛṇīṣva mām
blind bin ich, wähle mich (Imp.Med.)
kathaṃ viśālanetro 'si
wie bist du weitäugig
kathaṃ vā tvam alocanaḥ
oder wie du augenlos
dvija uvāca
der Brahmane sprach
brūhi paścād ahaṃ vidvan
sprich danach, ich, Gelehrter
parīkṣe tvāṃ dvijottama
werde dich prüfen, bester Brahmane (1.Sg.Med.)
pratiyogīni nāmāni
gegenständige Namen
channāny astamitāni ca
verhüllt und untergegangen
śabde sparśe tathā rūpe
im Ton, Tastbaren, ebenso in Gestalt
rase gandhe sahetukam
im Geschmack, Geruch, samt Grund

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Rollenverteilung der Rede „viśālanayanaṃ viddhi mām andho 'haṃ vṛṇīṣva mām“ und der Antwort ist im Text nicht eindeutig [?]; „brahmā“ wohl Priester/Ritualleiter.

na me pravartate ceto na pratyakṣaṃ hi teṣu me; alocano 'haṃ tasmād dhi na gatir vidyate yataḥ; yena paśyati suśroṇi bhāṣate spṛśate punaḥ; bhujyate ghrāyate nityaṃ śṛṇoti manute tathā; tac cakṣur vidyate mahyaṃ yena paśyati vai sphuṭam; sulocano 'haṃ bhadre vai pṛccha vā kiṃ vadāmi te; sarvam asmin na me 'vidyā vidvān hi paramārthataḥ; sā viśuddhā tato bhūtvā śvetaketuṃ mahāmunim; praṇamya pūjayām āsa tāṃ bhāryāṃ sa ca labdhavān; vairāgyasaṃyutā kanyā tādṛśaṃ patim uttamam; prāptā rājan mahāprājña tasmād arthaḥ pṛthak pṛthak; etat te kathitaṃ rājan kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi

„Mein Geist wendet sich nicht [dorthin], und unmittelbare Wahrnehmung habe ich in ihnen nicht; deshalb bin ich augenlos, weil es [für mich dort] keinen Gang gibt. Womit man sieht, Schönhüftige, spricht, tastet, genießt, riecht, stets hört und denkt – dieses Auge habe ich, womit man deutlich sieht. Ich bin schön-äugig, Gute; frage, oder was soll ich dir sagen? In all dem habe ich keine Unwissenheit, denn ich bin ein Wissender im höchsten Sinn.“ Da wurde sie rein, verneigte sich vor dem großen Weisen Śvetaketu, verehrte ihn, und er gewann sie zur Gattin. Das Mädchen, von Entsagung erfüllt, erlangte einen solchen vorzüglichen Gatten, König, Hochweiser; darum [gibt es] Bedeutungen je gesondert. Dies ist dir erzählt, König; was willst du noch hören?

Wort für Wort
na me pravartate ceto
nicht mir wendet sich der Geist (3.Sg.Med.)
na pratyakṣaṃ hi teṣu me
nicht Wahrnehmung fürwahr in ihnen mir
alocano 'haṃ tasmād dhi
augenlos bin ich deshalb
na gatir vidyate yataḥ
weil kein Gang besteht (Pass.)
yena paśyati suśroṇi
womit man sieht, Schönhüftige
bhāṣate spṛśate punaḥ
spricht, berührt wieder
bhujyate ghrāyate nityaṃ
genießt, riecht stets (Pass./Pass.)
śṛṇoti manute tathā
hört, denkt ebenso
tac cakṣur vidyate mahyaṃ
dieses Auge ist mir
yena paśyati vai sphuṭam
womit man deutlich sieht
sulocano 'haṃ bhadre vai
schön-äugig bin ich, Gute
pṛccha vā kiṃ vadāmi te
frage oder was soll ich sagen dir (Imp./Konj.)
sarvam asmin na me 'vidyā
in all diesem nicht mir Unwissenheit
vidvān hi paramārthataḥ
wissend fürwahr im höchsten Sinn (Abl.)
sā viśuddhā tato bhūtvā
sie, gereinigt dann geworden (Abs.)
śvetaketuṃ mahāmunim
Śvetaketu, den großen Weisen
praṇamya pūjayām āsa
verneigt, ehrte (Abs./Perf.)
tāṃ bhāryāṃ sa ca labdhavān
sie als Gattin, und er gewann [sie]
vairāgyasaṃyutā kanyā
von Entsagung erfüllt das Mädchen
tādṛśaṃ patim uttamam
einen solchen Gatten, vorzüglichen
prāptā rājan mahāprājña
erlangte, König, Hochweiser
tasmād arthaḥ pṛthak pṛthak
darum Bedeutungen je gesondert [?]
etat te kathitaṃ rājan
dies dir erzählt, König
kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
was mehr zu hören wünschst du

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Schlussteil („tasmād arthaḥ pṛthak pṛthak“) ist knapp und unsicher [?].

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