Kapitel 351: nāgasūryasaṃvādaḥ
Gespräch zwischen Schlange und Sonne über den vollendeten Weisen
Die Sonne (Sūrya) berichtet einem Nāga von einem Weisen, der durch das Gelübde der Nachlese (uñchavṛtti) Vollendung erlangte und zum Himmel einging; der Nāga staunt, dass dessen vollendeter Körper nun zusammen mit der Sonne um die Erde zieht.
sūrya uvāca; naiṣa devo 'nilasakho nāsuro na ca pannagaḥ; uñchavṛttivrate siddho munir eṣa divaṃ gataḥ
Sūrya sprach: „Dies ist kein Gott, der Freund des Windes [Agni], kein Asura und keine Schlange; durch das Gelübde des Nachlese-Lebens vollendet, ist dieser Muni zum Himmel gegangen.“
Wort für Wort
sūrya uvāca
Sūrya sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
na eṣa devaḥ
dies ist nicht ein Gott (Neg. + Nom.Sg.)
anilasakhaḥ
der Freund des Windes [Agni] (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
na asuraḥ na ca pannagaḥ
nicht ein Asura und nicht eine Schlange (Nom.Sg.)
uñchavṛttivrate siddhaḥ
vollendet im Gelübde des Nachlese-Lebens (Lok.Sg. / Nom.Sg.Perf.Part.)
munir eṣa
dieser Weise (Nom.Sg.)
divaṃ gataḥ
ist zum Himmel gegangen (Akk.Sg. / Nom.Sg.Perf.Part.)
„anilasakha“ (‚Freund des Windes‘) ist ein stehendes Epitheton für Agni; hier wohl beispielhaft für ‚irgendein Gott‘ gebraucht.
Und die [Veda-]Verse wurden von diesem Brahmanen inmitten der Saṃhitā rezitiert; er hatte sich um das Tor zum Himmel bemüht, wodurch er zum Himmel gegangen ist.
Wort für Wort
ṛcaś ca anena vipreṇa
und die Ṛg-Verse von diesem Brahmanen (Nom.Pl. / Instr.Sg.)
saṃhitāntara
innerhalb der Saṃhitā (Lok./Adv.)
abhiṣṭutāḥ
wurden gepriesen/rezitiert (Nom.Pl.Perf.Part.Pass.)
svargadvārakṛtodyogaḥ
der sich um das Himmelstor bemüht hatte (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
yena asau
wodurch jener (Instr.Sg. / Nom.Sg.)
tridivaṃ gataḥ
zum Himmel gegangen ist (Akk.Sg. / Nom.Sg.Perf.Part.)
Durch eigene Kraft hat dieser den makellosen Zustand erreicht; nach seiner guten Tat und Anstrengung verlangen [selbst] Wesen deiner Art.
Wort für Wort
eṣa svena prabhāvena
dieser durch eigene Macht (Instr.Sg.)
saṃprāptaḥ
hat erreicht (Nom.Sg.Perf.Part.)
nirmalāṃ gatim
den makellosen Zustand (Akk.Sg.)
sukṛtena asya yatnena
durch seine gute Tat und Anstrengung (Instr.Sg.)
spṛhayante
verlangen/begehren (3.Pl.Präs.)
bhavadvidhāḥ
Wesen deiner Art (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, nur in Teilen der Handschriften überliefert (star=true); keine Textlücken vorhanden.
nāga uvāca; etad evaṃvidhaṃ dṛṣṭam āścaryaṃ tatra me dvija; saṃsiddho mānuṣaḥ kāyo yo 'sau siddhagatiṃ gataḥ; sūryeṇa sahito brahman pṛthivīṃ parivartate
Der Nāga sprach: „Dieses derartige Wunder habe ich dort gesehen, o Zweifachgeborener: Der vollendete menschliche Körper, der jenen Zustand der Vollendung erreicht hat, zieht, zusammen mit der Sonne, o Brahmane, um die Erde.“
Wort für Wort
nāga uvāca
der Nāga sprach (Nom.Sg. + 3.Sg.Perf.)
etad evaṃvidham āścaryam
dieses derartige Wunder (Akk.Sg.)
dṛṣṭaṃ tatra me dvija
habe ich dort gesehen, o Zweifachgeborener (Nom.Sg.Perf.Part.Pass. / Instr.Sg. / Vok.Sg.)
saṃsiddho mānuṣaḥ kāyaḥ
der vollendete menschliche Körper (Nom.Sg.)
yo 'sau siddhagatiṃ gataḥ
der jenen Zustand der Vollendung erreicht hat (Nom.Sg.Rel. / Akk.Sg. / Nom.Sg.Perf.Part.)
sūryeṇa sahito brahman
zusammen mit der Sonne, o Brahmane (Instr.Sg. / Nom.Sg. / Vok.Sg.)