Kapitel 345: nāgāyatanagamanam
Der Brahmane sucht den Nāga auf und wartet am Gomatī-Ufer
Ein namenloser Brahmane erreicht auf seiner Wanderung die Wohnstätte eines Nāga und wird von dessen Gattin empfangen; da der Nāga gerade seinen turnusmäßigen Dienst als Zieher des Sonnenwagens verrichtet, beschließt der Brahmane, am Ufer der Gomatī auf seine Rückkehr zu warten.
taṃ sa tena yathoddiṣṭaṃ nāgaṃ vipreṇa brāhmaṇaḥ; paryapṛcchad yathānyāyaṃ śrutvaiva ca jagāma saḥ
Über jenen Nāga, den ihm jener Weise bezeichnet hatte, erkundigte sich der Brahmane gebührend; und kaum hatte er die Auskunft gehört, machte er sich auf den Weg.
Wort für Wort
taṃ ... nāgaṃ
jenen Nāga (Akk.Sg.)
sa brāhmaṇaḥ
der Brahmane (Nom.Sg.)
tena vipreṇa
durch jenen Weisen (Instr.Sg.)
yathoddiṣṭaṃ
wie bezeichnet (Akk.Sg., Adj.)
paryapṛcchad
er erkundigte sich (3.Sg.Impf.)
yathānyāyaṃ
gebührend (Adv.)
śrutvaiva ca
und sogleich nachdem er gehört hatte (Absolutiv)
jagāma saḥ
machte er sich auf den Weg (3.Sg.Perf.)
„tena vipreṇa“ bezieht sich auf den in V.1 genannten Muni, nicht auf den handelnden Brahmanen selbst.
Der Brahmane sprach: „Ich bin ausgeruht und von dir mit sanfter Stimme geehrt worden. Ich möchte, o Verehrte, jenen göttlichen, vortrefflichen Nāga sehen.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
viśrānto 'bhyarcitaś cāsmi
ich bin ausgeruht und geehrt worden (Nom.Sg./Perf.Part.Pass.)
Die Gattin des Nāga sprach: „O Edler, jener [mein Gatte] ist fortgegangen, um den Sonnenwagen zu ziehen, seinen turnusmäßigen Monatsdienst verrichtend; in sieben oder acht Tagen, o Weiser, wird er sich zweifellos zeigen.“
Wort für Wort
nāgabhāryovāca
die Gattin des Nāga sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
ārya
o Edler (Vok.Sg.)
sūryarathaṃ voḍhuṃ gato 'sau
jener ist gegangen, um den Sonnenwagen zu ziehen (Akk.Sg./Infinitiv/Perf.Part.)
māsacārikaḥ
seinen monatlichen Turnusdienst verrichtend (Nom.Sg., Epitheton)
etad viditam āryasya vivāsakaraṇaṃ mama; bhartur bhavatu kiṃ cānyat kriyatāṃ tad vadasva me
Dies also – der Grund für die Abwesenheit meines Gatten – ist dir, dem Edlen, nun bekannt. Nun denn – ist sonst noch etwas zu tun? Sage mir das.
Wort für Wort
etad viditam āryasya
dies ist dem Edlen bekannt (Nom.Sg.)
vivāsakaraṇaṃ mama
der Grund für die Abwesenheit meines [Gatten] (Akk.Sg.)
bhartur
meines Gatten (Gen.Sg.)
bhavatu
nun denn/es sei (3.Sg.Imp.)
kiṃ cānyat kriyatāṃ
ist sonst noch etwas zu tun (3.Sg.Pass.Imp.)
tad vadasva me
sage mir das (2.Sg.Imp.)
„bhartur“ am Pāda-Anfang gehört sinngemäß noch zu „vivāsakaraṇam mama“ im vorigen Pāda (Abwesenheit meines Gatten); „bhavatu“ als Diskurspartikel („nun denn“).
Der Brahmane sprach: „Mit diesem festen Entschluss, o Tugendhafte, bin ich hierhergekommen; die Rückkehr [deines Gatten] erwartend, o Herrin, werde ich in diesem großen Wald verweilen.“
Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca
der Brahmane sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
anena niścayenāhaṃ
mit diesem Entschluss ich (Instr.Sg./1.Sg.)
sādhvi saṃprāptavān iha
o Tugendhafte, bin ich hierhergekommen (Vok.Sg./Perf.Part.Akt.)
pratīkṣann āgamaṃ
die Rückkehr erwartend (Präs.Part./Akk.Sg.)
devi
o Herrin (Vok.Sg.)
vatsyāmy asmin mahāvane
werde ich in diesem großen Wald verweilen (1.Sg.Fut./Lok.Sg.)
Sobald er zurückgekehrt und ungestört ist, bin ich, der hierhergekommen ist, ihm zu melden; sobald er von meinem Besuch erfahren hat, sollst du ihm folgende Worte sagen:
Wort für Wort
saṃprāptasyaiva ca
sobald er zurückgekehrt ist (Gen.Sg.)
avyagram
ungestört (Adv.)
āvedyo 'ham ihāgataḥ
ich, der hierhergekommen ist, bin zu melden (Gerundiv/Nom.Sg./Perf.Part.)
mamābhigamanaṃ prāpto
sobald er von meinem Besuch erfahren hat (Akk.Sg./Nom.Sg.)
vācyaś ca vacanaṃ tvayā
und die Worte sollen von dir gesagt werden (Gerundiv/Akk.Sg./Instr.Sg.)
„vacanam“ (das zu sagende Wort) bezieht sich auf die in der nächsten Einheit (V.12) folgende Botschaft.
bhīṣma uvāca; tataḥ sa vipras tāṃ nāgīṃ samādhāya punaḥ punaḥ; tad eva pulinaṃ nadyāḥ prayayau brāhmaṇarṣabhaḥ
Bhīṣma sprach: Darauf, nachdem der Brahmane jene Nāgin wieder und wieder beruhigt hatte, zog der Stier unter den Brahmanen zu eben jenem Sandufer des Flusses.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
tataḥ sa vipras
darauf jener Brahmane (Adv./Nom.Sg.)
tāṃ nāgīṃ samādhāya
jene Nāgin beruhigt habend (Akk.Sg./Absolutiv)
punaḥ punaḥ
wieder und wieder (Adv.)
tad eva pulinaṃ nadyāḥ
eben jenes Sandufer des Flusses (Akk.Sg./Gen.Sg.)
prayayau brāhmaṇarṣabhaḥ
zog der Stier unter den Brahmanen fort (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)