Kapitel 11: vighasāśipraśaṃsā gārhasthyadharmopadeśaś ca
Śakras Gespräch mit den Asketen: Lob des Hausstandes und der von Resten Lebenden
Arjuna erzählt Yudhiṣṭhira eine alte Geschichte: Indra belehrt in Vogelgestalt junge Asketen, dass das Hausleben mit seinen Pflichten (Gastfreundschaft, Opfer, Ahnendienst) der schwerere und höhere Weg ist, und leitet daraus die Mahnung ab, die Königsherrschaft nicht aufzugeben.
Einige Zweimalgeborene verließen ihr Haus und gingen in den Wald; noch ohne Bartwuchs, unerfahren, in [guter] Familie geboren, zogen sie in die Hauslosigkeit hinaus.
Wort für Wort
ke cid gṛhān parityajya
einige, nachdem sie die Häuser verlassen hatten (Nom.Pl.; Akk.Pl.; Abs.)
vanam abhyagaman dvijāḥ
gingen zum Wald, die Zweimalgeborenen (Aor./Impf. 3.Pl.; Akk.; Nom.Pl.)
ajātaśmaśravaḥ mandāḥ
deren Bart noch nicht gewachsen war, Unerfahrene (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
kule jātāḥ
in [guter] Familie geboren (Lok.; Part.Pass. Nom.Pl.)
„Dies ist Dharma“, so meinend, verharrten sie in der Brahmacarya-Lebensweise, nachdem sie Häuser und Väter verlassen hatten; da empfand Indra Mitleid mit ihnen.
Wort für Wort
dharmaḥ ayam iti manvānāḥ
„dies ist Dharma“ so meinend (Nom.Sg.; Part.Med. Nom.Pl.)
brahmacarye vyavasthitāḥ
im Brahmacarya feststehend (Lok.; Part.Pass. Nom.Pl.)
tyaktvā gṛhān pitṝn ca eva
nachdem sie Häuser und auch Väter verlassen (Abs.; Akk.Pl.)
tān indraḥ anvakṛpāyata
sie, [mit ihnen] Indra hatte Mitleid (Akk.Pl.; Nom.; Impf. 3.Sg.)
Zu ihnen sprach der Erhabene, zu einem goldenen Vogel geworden: „Sehr schwer ist es für Menschen, das zu tun, was diese von Resten Lebenden getan haben.
Wort für Wort
tān ābabhāṣe bhagavān
sie sprach an der Erhabene (Akk.Pl.; Perf. 3.Sg.; Nom.)
pakṣī bhūtvā hiraṇmayaḥ
zum Vogel geworden, golden (Nom.Sg.; Abs.; Nom.)
suduṣkaraṃ manuṣyaiḥ ca
sehr schwer zu tun, auch für Menschen (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.)
yat kṛtaṃ vighasāśibhiḥ
was getan wurde von den Rest-Essern (Part.Pass.; Instr.Pl.)
Der Vogel sprach: Nicht euch preise ich, die ihr schlammbeschmiert und staubig seid, Essensreste Verzehrende, Törichte; andere sind wahrlich die von Resten Lebenden.
Der Vogel sprach: Wenn ihr mir nicht misstraut, [nachdem ihr] euch selbst durch euch selbst [von euren bisherigen Ansichten] gesondert habt [?], dann werde ich euch der Wahrheit gemäß heilsame Rede sagen.
Wort für Wort
śakuniḥ uvāca
der Vogel sprach
yadi mām na abhiśaṅkadhvam
wenn ihr mir nicht misstraut (2.Pl.Präs. Med.; Akk.)
vibhajya ātmānam ātmanā
nachdem ihr euch selbst durch euch selbst geschieden (Abs.; Akk.; Instr.)
tataḥ aham vaḥ pravakṣyāmi
dann werde ich euch sagen (Adv.; Nom.; Dat./Gen.Pl.; Fut. 1.Sg.)
yāthātathyaṃ hitaṃ vacaḥ
wahrheitsgemäße, heilsame Rede (Akk.Sg.n.)
vibhajyātmānam ātmanā ist knapp; wörtlich „nachdem ihr das Selbst durch das Selbst geschieden habt“, der Sinn (Sichlösen von Befangenheit/Voreingenommenheit) ist unsicher.
Der Vogel sprach: Unter den Vierfüßern ist die Kuh die vorzüglichste, unter den Metallen das Gold das beste; unter den Worten ist das Mantra das vorzüglichste, unter den Zweifüßern der Brahmane der beste.
Wort für Wort
śakuniḥ uvāca
der Vogel sprach
catuṣpadāṃ gauḥ pravarā
unter den Vierfüßern die Kuh die vorzüglichste (Gen.Pl.; Nom.Sg.f.)
lohānāṃ kāñcanaṃ varam
unter den Metallen Gold das beste (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
śabdānāṃ pravaraḥ mantraḥ
unter den Worten das Mantra das vorzüglichste (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
brāhmaṇaḥ dvipadāṃ varaḥ
der Brahmane unter den Zweifüßern der beste (Nom.; Gen.Pl.)
[Sie sind] auf fest überlieferten Worten gegründet; so wird hier Vollendung erstrebt. Halbmonate und Monate, Jahreszeiten, Sonne, Mond und Sterne [und alle Wesen] …
Wort für Wort
āmnāyadṛḍhavādīni
fest auf Überlieferung sprechend/gegründet [?] (Nom.Pl.n.)
tathā siddhiḥ iha iṣyate
so wird hier Vollendung erstrebt (Nom.; Adv.; 3.Sg.Pass.)
… sind tätig, alle Wesen; das ist die [feste] Ordnung für die am Ritus Hängenden. Dies ist das heilige Feld der Vollendung, dies eben ist die große Einsiedelei [Lebensstufe].
Wort für Wort
īhante sarvabhūtāni
sind tätig, alle Wesen (3.Pl.Präs. Med.; Nom.Pl.)
tat ṛtaṃ karmasaṅginām
das [ist] die Ordnung/Wahrheit der am Ritus Hängenden (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
siddhikṣetram idaṃ puṇyam
dieses heilige Feld der Vollendung (Nom.Sg.n.)
ayam eva āśramaḥ mahān
dies eben [ist] die große Lebensstufe/Einsiedelei (Nom.Sg.m.)
devavaṃśān pitṛvaṃśān brahmavaṃśāṃś ca śāśvatān; saṃtyajya mūḍhā vartante tato yānty aśrutīpatham
Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter und ewige Brahmageschlechter lassen die Toren im Stich und leben [so]; danach gehen sie auf den Pfad des Nichthörens [?].
Wort für Wort
devavaṃśān pitṛvaṃśān
Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter (Akk.Pl.)
brahmavaṃśān ca śāśvatān
und ewige Brahmageschlechter (Akk.Pl.)
saṃtyajya mūḍhāḥ vartante
verlassend, die Toren leben (Abs.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs. Med.)
tataḥ yānti
danach gehen sie (Adv.; 3.Pl.Präs.)
aśrutīpatham
auf den Pfad des Nichthörens [?] (Akk.Sg.)
aśrutīpatham unsicher: „Pfad des Nichthörens / des Unbekannten“.
etad vo 'stu tapo yuktaṃ dadānīty ṛṣicoditam; tasmāt tad adhyavasatas tapasvi tapa ucyate
„Dies sei euer angemessenes Tapas; ich gebe [es]“ – so vom Seher angetrieben; wer sich deshalb darauf verlegt, der wird Asket, [sein Tun] Tapas genannt [?].
Wort für Wort
etat vaḥ astu tapaḥ yuktam
dies sei euch das angemessene Tapas (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Imp.)
dadāmi iti
„ich gebe“, so (1.Sg.Präs.)
ṛṣicoditam
vom Seher angetrieben (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
tasmāt tat adhyavasataḥ
deshalb für den, der sich darauf verlegt (Abl.; Gen.Sg. Part.)
tapasvi tapaḥ ucyate
Asket, Tapas wird genannt (Nom.; Nom.; 3.Sg.Pass.)
devavaṃśān pitṛvaṃśān brahmavaṃśāṃś ca śāśvatān; saṃvibhajya guroś caryāṃ tad vai duṣkaram ucyate
Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter und ewige Brahmageschlechter, nachdem man [ihnen ihren Anteil] zugeteilt hat, und den Dienst am Lehrer: das gilt wahrlich als schwer.
Wort für Wort
devavaṃśān pitṛvaṃśān
Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter (Akk.Pl.)
brahmavaṃśān ca śāśvatān
und ewige Brahmageschlechter (Akk.Pl.)
saṃvibhajya
nachdem man [Anteile] zugeteilt hat (Abs.)
guroḥ caryām
den Dienst am Lehrer (Gen.; Akk.Sg.f.)
tat vai duṣkaram ucyate
das gilt wahrlich als schwer (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
etad vidus tapo viprā dvaṃdvātītā vimatsarāḥ; tasmād vanaṃ madhyamaṃ ca lokeṣu tapa ucyate
Dieses Tapas kennen die Brahmanen, den Gegensatzpaaren entronnen, neidlos; darum wird [auch] der Wald und die mittlere [Lebensstufe] in den Welten Tapas genannt [?].
Wort für Wort
etat viduḥ tapaḥ viprāḥ
dieses Tapas kennen die Brahmanen (3.Pl.Perf./Präs.; Nom.Pl.)
dvaṃdvātītāḥ vimatsarāḥ
den Gegensatzpaaren entronnen, neidlos (Nom.Pl.)
tasmāt vanaṃ madhyamaṃ ca
darum der Wald und das Mittlere (Abl.; Nom.Sg.n.)
lokeṣu tapaḥ ucyate
in den Welten wird Tapas genannt (Lok.Pl.; 3.Sg.Pass.)
Darum sollst auch du, Unbezwinglicher, die ewige Standhaftigkeit ergreifen und die ganze Erde beherrschen, [deren] Feinde erschlagen sind, du Bester der Männer.
Wort für Wort
tasmāt tvam api durdharṣa
darum auch du, Unbezwinglicher (Abl.; Nom.; Vok.)
dhairyam ālambya śāśvatam
Standhaftigkeit, die ewige, ergriffen habend (Akk.; Abs.; Akk.)
praśādhi pṛthivīṃ kṛtsnām
beherrsche die ganze Erde (Imp. 2.Sg.; Akk.Sg.f.)
hatāmitrām
deren Feinde erschlagen sind (Bahuvrīhi, Akk.Sg.f.)