Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 11: vighasāśipraśaṃsā gārhasthyadharmopadeśaś ca Śakras Gespräch mit den Asketen: Lob des Hausstandes und der von Resten Lebenden

Arjuna erzählt Yudhiṣṭhira eine alte Geschichte: Indra belehrt in Vogelgestalt junge Asketen, dass das Hausleben mit seinen Pflichten (Gastfreundschaft, Opfer, Ahnendienst) der schwerere und höhere Weg ist, und leitet daraus die Mahnung ab, die Königsherrschaft nicht aufzugeben.

arjuna uvāca; atraivodāharantīmam itihāsaṃ purātanam; tāpasaiḥ saha saṃvādaṃ śakrasya bharatarṣabha

Arjuna sprach: Hierzu führt man diese alte Erzählung an, ein Gespräch Śakras mit Asketen, du Stier unter den Bharatas.

Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach (Perf. 3.Sg.)
atra eva udāharanti imam itihāsaṃ purātanam
hierzu eben führt man diese alte Erzählung an (3.Pl.Präs.; Akk.)
tāpasaiḥ saha saṃvādaṃ
Gespräch mit Asketen (Instr.Pl.; Akk.Sg.)
śakrasya
des Śakra (Gen.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)

ke cid gṛhān parityajya vanam abhyagaman dvijāḥ; ajātaśmaśravo mandāḥ kule jātāḥ pravavrajuḥ

Einige Zweimalgeborene verließen ihr Haus und gingen in den Wald; noch ohne Bartwuchs, unerfahren, in [guter] Familie geboren, zogen sie in die Hauslosigkeit hinaus.

Wort für Wort
ke cid gṛhān parityajya
einige, nachdem sie die Häuser verlassen hatten (Nom.Pl.; Akk.Pl.; Abs.)
vanam abhyagaman dvijāḥ
gingen zum Wald, die Zweimalgeborenen (Aor./Impf. 3.Pl.; Akk.; Nom.Pl.)
ajātaśmaśravaḥ mandāḥ
deren Bart noch nicht gewachsen war, Unerfahrene (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
kule jātāḥ
in [guter] Familie geboren (Lok.; Part.Pass. Nom.Pl.)
pravavrajuḥ
zogen hinaus in die Hauslosigkeit (Perf. 3.Pl.)

dharmo 'yam iti manvānā brahmacarye vyavasthitāḥ; tyaktvā gṛhān pitṝṃś caiva tān indro 'nvakṛpāyata

„Dies ist Dharma“, so meinend, verharrten sie in der Brahmacarya-Lebensweise, nachdem sie Häuser und Väter verlassen hatten; da empfand Indra Mitleid mit ihnen.

Wort für Wort
dharmaḥ ayam iti manvānāḥ
„dies ist Dharma“ so meinend (Nom.Sg.; Part.Med. Nom.Pl.)
brahmacarye vyavasthitāḥ
im Brahmacarya feststehend (Lok.; Part.Pass. Nom.Pl.)
tyaktvā gṛhān pitṝn ca eva
nachdem sie Häuser und auch Väter verlassen (Abs.; Akk.Pl.)
tān indraḥ anvakṛpāyata
sie, [mit ihnen] Indra hatte Mitleid (Akk.Pl.; Nom.; Impf. 3.Sg.)

tān ābabhāṣe bhagavān pakṣī bhūtvā hiraṇmayaḥ; suduṣkaraṃ manuṣyaiś ca yat kṛtaṃ vighasāśibhiḥ

Zu ihnen sprach der Erhabene, zu einem goldenen Vogel geworden: „Sehr schwer ist es für Menschen, das zu tun, was diese von Resten Lebenden getan haben.

Wort für Wort
tān ābabhāṣe bhagavān
sie sprach an der Erhabene (Akk.Pl.; Perf. 3.Sg.; Nom.)
pakṣī bhūtvā hiraṇmayaḥ
zum Vogel geworden, golden (Nom.Sg.; Abs.; Nom.)
suduṣkaraṃ manuṣyaiḥ ca
sehr schwer zu tun, auch für Menschen (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.)
yat kṛtaṃ vighasāśibhiḥ
was getan wurde von den Rest-Essern (Part.Pass.; Instr.Pl.)

puṇyaṃ ca bata karmaiṣāṃ praśastaṃ caiva jīvitam; saṃsiddhās te gatiṃ mukhyāṃ prāptā dharmaparāyaṇāḥ

Verdienstvoll ist ihr Tun, ach, und gepriesen ihr Leben; Vollendete sind sie, sie haben das höchste Ziel erreicht, dem Dharma ganz ergeben.“

Wort für Wort
puṇyaṃ ca bata karma eṣām
verdienstvoll ist, ach, das Werk dieser (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
praśastaṃ ca eva jīvitam
und gepriesen [ist] das Leben (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
saṃsiddhāḥ te
vollendet sie (Nom.Pl.)
gatiṃ mukhyāṃ prāptāḥ
das höchste Ziel erreicht habend (Akk.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
dharmaparāyaṇāḥ
dem Dharma ergeben (Tatpuruṣa, Nom.Pl.)

ṛṣaya ūcuḥ; aho batāyaṃ śakunir vighasāśān praśaṃsati; asmān nūnam ayaṃ śāsti vayaṃ ca vighasāśinaḥ

Die Seher sprachen: Ach, dieser Vogel preist die von Resten Lebenden; uns wohl belehrt er, denn wir sind von Resten Lebende.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ ūcuḥ
die Seher sprachen (Nom.Pl.; Perf. 3.Pl.)
aho bata ayaṃ śakuniḥ
ach, dieser Vogel (Interj.; Nom.Sg.)
vighasāśān praśaṃsati
preist die Rest-Esser (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
asmān nūnam ayaṃ śāsti
uns wohl belehrt dieser (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
vayaṃ ca vighasāśinaḥ
und wir sind Rest-Esser (Nom.Pl.)

śakunir uvāca; nāhaṃ yuṣmān praśaṃsāmi paṅkadigdhān rajasvalān; ucchiṣṭabhojino mandān anye vai vighasāśinaḥ

Der Vogel sprach: Nicht euch preise ich, die ihr schlammbeschmiert und staubig seid, Essensreste Verzehrende, Törichte; andere sind wahrlich die von Resten Lebenden.

Wort für Wort
śakuniḥ uvāca
der Vogel sprach (Nom.; Perf.)
na aham yuṣmān praśaṃsāmi
nicht ich euch preise (1.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
paṅkadigdhān rajasvalān
schlammbeschmierte, staubige (Akk.Pl.)
ucchiṣṭabhojinaḥ mandān
Reste-Essende, Törichte (Akk.Pl.)
anye vai vighasāśinaḥ
andere wahrlich [sind] die Rest-Esser (Nom.Pl.)

ṛṣaya ūcuḥ; idaṃ śreyaḥ param iti vayam evābhyupāsmahe; śakune brūhi yac chreyo bhṛśaṃ vai śraddadhāma te

Die Seher sprachen: „Dies ist das höchste Beste“, so verehren wir eben; Vogel, sage, was das Beste ist; sehr vertrauen wir dir.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ ūcuḥ
die Seher sprachen
idaṃ śreyaḥ param iti
„dies ist das höchste Beste“ so (Nom.Sg.n.)
vayam eva abhyupāsmahe
wir eben verehren (1.Pl.Präs. Med.)
śakune brūhi yat śreyaḥ
Vogel, sage, was das Beste [ist] (Vok.; Imp. 2.Sg.)
bhṛśaṃ vai śraddadhāma te
sehr, wahrlich, vertrauen wir dir (Adv.; 1.Pl.Präs.; Dat.)

śakunir uvāca; yadi māṃ nābhiśaṅkadhvaṃ vibhajyātmānam ātmanā; tato 'haṃ vaḥ pravakṣyāmi yāthātathyaṃ hitaṃ vacaḥ

Der Vogel sprach: Wenn ihr mir nicht misstraut, [nachdem ihr] euch selbst durch euch selbst [von euren bisherigen Ansichten] gesondert habt [?], dann werde ich euch der Wahrheit gemäß heilsame Rede sagen.

Wort für Wort
śakuniḥ uvāca
der Vogel sprach
yadi mām na abhiśaṅkadhvam
wenn ihr mir nicht misstraut (2.Pl.Präs. Med.; Akk.)
vibhajya ātmānam ātmanā
nachdem ihr euch selbst durch euch selbst geschieden (Abs.; Akk.; Instr.)
tataḥ aham vaḥ pravakṣyāmi
dann werde ich euch sagen (Adv.; Nom.; Dat./Gen.Pl.; Fut. 1.Sg.)
yāthātathyaṃ hitaṃ vacaḥ
wahrheitsgemäße, heilsame Rede (Akk.Sg.n.)

vibhajyātmānam ātmanā ist knapp; wörtlich „nachdem ihr das Selbst durch das Selbst geschieden habt“, der Sinn (Sichlösen von Befangenheit/Voreingenommenheit) ist unsicher.

ṛṣaya ūcuḥ; śṛṇumas te vacas tāta panthāno viditās tava; niyoge caiva dharmātman sthātum icchāma śādhi naḥ

Die Seher sprachen: Wir hören deine Rede, Lieber; die Wege sind dir bekannt; in deiner Weisung wollen wir bleiben, du dharmabeseelter; belehre uns.

Wort für Wort
ṛṣayaḥ ūcuḥ
die Seher sprachen
śṛṇumaḥ te vacaḥ tāta
wir hören deine Rede, Lieber (1.Pl.Präs.; Akk.; Vok.)
panthānaḥ viditāḥ tava
die Wege [sind] dir bekannt (Nom.Pl.; Part.Pass.; Gen.)
niyoge ca eva dharmātman
in [deiner] Weisung, du dharmabeseelter (Lok.; Vok.)
sthātum icchāma śādhi naḥ
bleiben wollen wir; belehre uns (Inf.; 1.Pl.Präs.; Imp.; Akk.Pl.)

śakunir uvāca; catuṣpadāṃ gauḥ pravarā lohānāṃ kāñcanaṃ varam; śabdānāṃ pravaro mantro brāhmaṇo dvipadāṃ varaḥ

Der Vogel sprach: Unter den Vierfüßern ist die Kuh die vorzüglichste, unter den Metallen das Gold das beste; unter den Worten ist das Mantra das vorzüglichste, unter den Zweifüßern der Brahmane der beste.

Wort für Wort
śakuniḥ uvāca
der Vogel sprach
catuṣpadāṃ gauḥ pravarā
unter den Vierfüßern die Kuh die vorzüglichste (Gen.Pl.; Nom.Sg.f.)
lohānāṃ kāñcanaṃ varam
unter den Metallen Gold das beste (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
śabdānāṃ pravaraḥ mantraḥ
unter den Worten das Mantra das vorzüglichste (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
brāhmaṇaḥ dvipadāṃ varaḥ
der Brahmane unter den Zweifüßern der beste (Nom.; Gen.Pl.)

mantro 'yaṃ jātakarmādi brāhmaṇasya vidhīyate; jīvato yo yathākālaṃ śmaśānanidhanād iti

Dieses Mantra wird für den Brahmanen angeordnet, von der Geburtszeremonie an, für den Lebenden zur rechten Zeit, bis zum Ende auf dem Leichenacker.

Wort für Wort
mantraḥ ayam
dieses Mantra (Nom.Sg.)
jātakarma-ādi brāhmaṇasya
mit der Geburtszeremonie beginnend, für den Brahmanen (Bahuvrīhi; Gen./Dat.)
vidhīyate
wird angeordnet (3.Sg.Pass.)
jīvataḥ yaḥ yathākālam
für den Lebenden, [das,] was zur rechten Zeit (Gen.Sg.; Rel.; Adv.)
śmaśānanidhanāt iti
bis zum Ende auf dem Leichenacker, so (Abl.)

karmāṇi vaidikāny asya svargyaḥ panthās tv anuttamaḥ; atha sarvāṇi karmāṇi mantrasiddhāni cakṣate

Vedische Riten sind die seinen, sein Weg zum Himmel ist unübertroffen; auch alle [anderen] Riten, so sagt man, sind durch Mantras vollendet.

Wort für Wort
karmāṇi vaidikāni asya
die vedischen Riten [gehören] ihm (Nom.Pl.; Gen.)
svargyaḥ panthāḥ tu anuttamaḥ
zum Himmel führend der Weg, aber unübertroffen (Nom.Sg.)
atha sarvāṇi karmāṇi
ferner alle Riten (Nom.Pl.)
mantrasiddhāni cakṣate
durch Mantras vollendet, sagt man (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs. Med.)

āmnāyadṛḍhavādīni tathā siddhir iheṣyate; māsārdhamāsā ṛtava ādityaśaśitārakam

[Sie sind] auf fest überlieferten Worten gegründet; so wird hier Vollendung erstrebt. Halbmonate und Monate, Jahreszeiten, Sonne, Mond und Sterne [und alle Wesen] …

Wort für Wort
āmnāyadṛḍhavādīni
fest auf Überlieferung sprechend/gegründet [?] (Nom.Pl.n.)
tathā siddhiḥ iha iṣyate
so wird hier Vollendung erstrebt (Nom.; Adv.; 3.Sg.Pass.)
māsa-ardhamāsāḥ ṛtavaḥ
Monate, Halbmonate, Jahreszeiten (Nom.Pl.)
āditya-śaśi-tārakam
Sonne, Mond, Sterne (Dvandva, Nom.Sg.n. kollektiv)

Der Satz läuft in Vers 15 weiter; die Deutung von āmnāyadṛḍhavādīni ist unsicher.

īhante sarvabhūtāni tad ṛtaṃ karmasaṅginām; siddhikṣetram idaṃ puṇyam ayam evāśramo mahān

… sind tätig, alle Wesen; das ist die [feste] Ordnung für die am Ritus Hängenden. Dies ist das heilige Feld der Vollendung, dies eben ist die große Einsiedelei [Lebensstufe].

Wort für Wort
īhante sarvabhūtāni
sind tätig, alle Wesen (3.Pl.Präs. Med.; Nom.Pl.)
tat ṛtaṃ karmasaṅginām
das [ist] die Ordnung/Wahrheit der am Ritus Hängenden (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
siddhikṣetram idaṃ puṇyam
dieses heilige Feld der Vollendung (Nom.Sg.n.)
ayam eva āśramaḥ mahān
dies eben [ist] die große Lebensstufe/Einsiedelei (Nom.Sg.m.)

atha ye karma nindanto manuṣyāḥ kāpathaṃ gatāḥ; mūḍhānām arthahīnānāṃ teṣām enas tu vidyate

Diejenigen Menschen aber, die den Ritus schmähen, auf Abwege geraten, die Törichten, Besitzlosen – bei ihnen gibt es Schuld.

Wort für Wort
atha ye karma nindantaḥ
wer aber den Ritus schmähend (Rel.; Akk.; Part.Präs. Nom.Pl.)
manuṣyāḥ kāpatham gatāḥ
Menschen, auf schlechten Weg gegangen (Nom.Pl.; Part.Pass.)
mūḍhānām arthahīnānām
der Törichten, des Nutzens/Besitzes Ermangelnden (Gen.Pl.)
teṣām enaḥ tu vidyate
bei ihnen aber besteht Schuld (Gen.Pl.; Nom.; 3.Sg.Pass.)

devavaṃśān pitṛvaṃśān brahmavaṃśāṃś ca śāśvatān; saṃtyajya mūḍhā vartante tato yānty aśrutīpatham

Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter und ewige Brahmageschlechter lassen die Toren im Stich und leben [so]; danach gehen sie auf den Pfad des Nichthörens [?].

Wort für Wort
devavaṃśān pitṛvaṃśān
Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter (Akk.Pl.)
brahmavaṃśān ca śāśvatān
und ewige Brahmageschlechter (Akk.Pl.)
saṃtyajya mūḍhāḥ vartante
verlassend, die Toren leben (Abs.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs. Med.)
tataḥ yānti
danach gehen sie (Adv.; 3.Pl.Präs.)
aśrutīpatham
auf den Pfad des Nichthörens [?] (Akk.Sg.)

aśrutīpatham unsicher: „Pfad des Nichthörens / des Unbekannten“.

etad vo 'stu tapo yuktaṃ dadānīty ṛṣicoditam; tasmāt tad adhyavasatas tapasvi tapa ucyate

„Dies sei euer angemessenes Tapas; ich gebe [es]“ – so vom Seher angetrieben; wer sich deshalb darauf verlegt, der wird Asket, [sein Tun] Tapas genannt [?].

Wort für Wort
etat vaḥ astu tapaḥ yuktam
dies sei euch das angemessene Tapas (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Imp.)
dadāmi iti
„ich gebe“, so (1.Sg.Präs.)
ṛṣicoditam
vom Seher angetrieben (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
tasmāt tat adhyavasataḥ
deshalb für den, der sich darauf verlegt (Abl.; Gen.Sg. Part.)
tapasvi tapaḥ ucyate
Asket, Tapas wird genannt (Nom.; Nom.; 3.Sg.Pass.)

Textstelle dunkel; Wiedergabe unsicher.

devavaṃśān pitṛvaṃśān brahmavaṃśāṃś ca śāśvatān; saṃvibhajya guroś caryāṃ tad vai duṣkaram ucyate

Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter und ewige Brahmageschlechter, nachdem man [ihnen ihren Anteil] zugeteilt hat, und den Dienst am Lehrer: das gilt wahrlich als schwer.

Wort für Wort
devavaṃśān pitṛvaṃśān
Göttergeschlechter, Ahnengeschlechter (Akk.Pl.)
brahmavaṃśān ca śāśvatān
und ewige Brahmageschlechter (Akk.Pl.)
saṃvibhajya
nachdem man [Anteile] zugeteilt hat (Abs.)
guroḥ caryām
den Dienst am Lehrer (Gen.; Akk.Sg.f.)
tat vai duṣkaram ucyate
das gilt wahrlich als schwer (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

devā vai duṣkaraṃ kṛtvā vibhūtiṃ paramāṃ gatāḥ; tasmād gārhasthyam udvoḍhuṃ duṣkaraṃ prabravīmi vaḥ

Die Götter haben, nachdem sie Schweres vollbracht hatten, höchste Machtfülle erlangt; darum sage ich euch: Das Hausleben zu tragen ist schwer.

Wort für Wort
devāḥ vai duṣkaraṃ kṛtvā
die Götter, nachdem sie Schweres getan (Nom.Pl.; Abs.)
vibhūtiṃ paramāṃ gatāḥ
höchste Machtfülle erlangt habend (Akk.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
tasmāt gārhasthyam udvoḍhum
darum das Hausleben zu tragen (Abl.; Akk.; Inf.)
duṣkaraṃ prabravīmi vaḥ
schwer, sage ich euch (Nom.Sg.n.; 1.Sg.Präs.; Dat.Pl.)

tapaḥ śreṣṭhaṃ prajānāṃ hi mūlam etan na saṃśayaḥ; kuṭumbavidhinānena yasmin sarvaṃ pratiṣṭhitam

Tapas ist das Beste, die Wurzel der Geschöpfe, daran ist kein Zweifel; [es ruht] auf dieser Familienordnung, in der alles gegründet ist.

Wort für Wort
tapaḥ śreṣṭhaṃ prajānāṃ hi
Tapas [ist] das Beste der Geschöpfe fürwahr (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)
mūlam etat na saṃśayaḥ
Wurzel dies; nicht [ist] Zweifel (Nom.Sg.n.; Nom.)
kuṭumbavidhinā anena
durch diese Familienordnung (Instr.Sg.)
yasmin sarvaṃ pratiṣṭhitam
in der alles gegründet ist (Rel.Lok.; Part.Pass.)

etad vidus tapo viprā dvaṃdvātītā vimatsarāḥ; tasmād vanaṃ madhyamaṃ ca lokeṣu tapa ucyate

Dieses Tapas kennen die Brahmanen, den Gegensatzpaaren entronnen, neidlos; darum wird [auch] der Wald und die mittlere [Lebensstufe] in den Welten Tapas genannt [?].

Wort für Wort
etat viduḥ tapaḥ viprāḥ
dieses Tapas kennen die Brahmanen (3.Pl.Perf./Präs.; Nom.Pl.)
dvaṃdvātītāḥ vimatsarāḥ
den Gegensatzpaaren entronnen, neidlos (Nom.Pl.)
tasmāt vanaṃ madhyamaṃ ca
darum der Wald und das Mittlere (Abl.; Nom.Sg.n.)
lokeṣu tapaḥ ucyate
in den Welten wird Tapas genannt (Lok.Pl.; 3.Sg.Pass.)

Zweite Vershälfte unsicher.

durādharṣaṃ padaṃ caiva gacchanti vighasāśinaḥ; sāyaṃprātar vibhajyānnaṃ svakuṭumbe yathāvidhi

Einen unbezwingbaren Ort erreichen die von Resten Lebenden, die abends und morgens die Speise gemäß der Vorschrift in der eigenen Familie verteilen,

Wort für Wort
durādharṣaṃ padaṃ ca
und einen unbezwingbaren Ort (Akk.Sg.n.)
gacchanti vighasāśinaḥ
erreichen die Rest-Esser (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
sāyaṃprātaḥ
abends und morgens (Adv.)
vibhajya annam
die Speise verteilend (Abs.; Akk.)
sva-kuṭumbe yathāvidhi
in der eigenen Familie vorschriftsgemäß (Lok.; Adv.)

Der Satz setzt sich in Vers 24 fort.

dattvātithibhyo devebhyaḥ pitṛbhyaḥ svajanasya ca; avaśiṣṭāni ye 'śnanti tān āhur vighasāśinaḥ

[die,] nachdem sie den Gästen, den Göttern, den Ahnen und den Angehörigen gegeben haben, das Übrige essen: die nennt man die von Resten Lebenden.

Wort für Wort
dattvā atithibhyaḥ devebhyaḥ
nachdem sie den Gästen, den Göttern gegeben (Abs.; Dat.Pl.)
pitṛbhyaḥ svajanasya ca
den Ahnen und dem Angehörigen (Dat.Pl.; Dat./Gen.Sg.)
avaśiṣṭāni ye aśnanti
das Übriggebliebene, die essen (Akk.Pl.n.; Rel.; 3.Pl.Präs.)
tān āhuḥ vighasāśinaḥ
die nennen sie Rest-Esser (Akk.Pl.; 3.Pl.Perf.)

tasmāt svadharmam āsthāya suvratāḥ satyavādinaḥ; lokasya guravo bhūtvā te bhavanty anupaskṛtāḥ

Daher, im eigenen Dharma fest, mit guten Gelübden, die Wahrheit sprechend, werden sie Lehrer der Welt und sind unbeeinträchtigt [?].

Wort für Wort
tasmāt svadharmam āsthāya
daher, den eigenen Dharma ergriffen habend (Abl.; Akk.; Abs.)
suvratāḥ satyavādinaḥ
mit guten Gelübden, wahrheitsredend (Nom.Pl.)
lokasya guravaḥ bhūtvā
der Welt Lehrer geworden (Gen.; Nom.Pl.; Abs.)
te bhavanti anupaskṛtāḥ
sie sind unbeeinträchtigt [?] (3.Pl.Präs.; Part.Pass.)

anupaskṛtāḥ unsicher („unbeeinträchtigt, makellos“).

tridivaṃ prāpya śakrasya svargaloke vimatsarāḥ; vasanti śāśvatīr varṣā janā duṣkarakāriṇaḥ

Im Himmel Śakras angelangt, weilen diese Menschen, die Schweres vollbracht haben, neidlos in der Himmelswelt ewige Jahre.

Wort für Wort
tridivaṃ prāpya śakrasya
den Himmel des Śakra erreicht habend (Akk.; Abs.; Gen.)
svargaloke vimatsarāḥ
in der Himmelswelt neidlos (Lok.; Nom.Pl.)
vasanti śāśvatīḥ varṣāḥ
weilen ewige Jahre (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.f.)
janāḥ duṣkarakāriṇaḥ
die Menschen, Schweres Vollbringenden (Nom.Pl.)

tatas te tad vacaḥ śrutvā tasya dharmārthasaṃhitam; utsṛjya nāstikagatiṃ gārhasthyaṃ dharmam āśritāḥ

Da, als sie diese dharma- und nutzenbezogene Rede von ihm gehört hatten, gaben sie den Weg der Leugner auf und nahmen den Dharma des Hausstandes an.

Wort für Wort
tataḥ te tat vacaḥ śrutvā
da sie, diese Rede gehört habend (Adv.; Nom.Pl.; Akk.; Abs.)
tasya dharmārthasaṃhitam
seine, dharma- und nutzenbezogene (Gen.; Akk.Sg.n.)
utsṛjya nāstikagatim
aufgebend den Weg der Leugner (Abs.; Akk.)
gārhasthyaṃ dharmam āśritāḥ
den Hausstands-Dharma angenommen habend (Akk.; Part.Pass. Nom.Pl.)

tasmāt tvam api durdharṣa dhairyam ālambya śāśvatam; praśādhi pṛthivīṃ kṛtsnāṃ hatāmitrāṃ narottama

Darum sollst auch du, Unbezwinglicher, die ewige Standhaftigkeit ergreifen und die ganze Erde beherrschen, [deren] Feinde erschlagen sind, du Bester der Männer.

Wort für Wort
tasmāt tvam api durdharṣa
darum auch du, Unbezwinglicher (Abl.; Nom.; Vok.)
dhairyam ālambya śāśvatam
Standhaftigkeit, die ewige, ergriffen habend (Akk.; Abs.; Akk.)
praśādhi pṛthivīṃ kṛtsnām
beherrsche die ganze Erde (Imp. 2.Sg.; Akk.Sg.f.)
hatāmitrām
deren Feinde erschlagen sind (Bahuvrīhi, Akk.Sg.f.)
narottama
Bester der Männer (Vok.)

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