Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 277: mokṣaguṇopadeśaḥ Ariṣṭanemis Lehre an Sagara: Merkmale des Befreiten und Lösung von den Fesseln der Zuneigung

Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie ein Fürst befreit die Erde durchwandern könne, erzählt Bhīṣma die Unterweisung des Tārkṣya (Ariṣṭanemi) an König Sagara: Lösung von der Anhänglichkeit an Familie und Besitz sowie eine Reihe von Merkmalen des schon im Leben Befreiten.

yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ nu muktaḥ pṛthivīṃ cared asmadvidho nṛpaḥ; nityaṃ kaiś ca guṇair yuktaḥ saṅgapāśād vimucyate

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie mag ein befreiter Fürst wie wir die Erde durchwandern, und mit welchen Eigenschaften stets ausgestattet wird er aus der Fessel der Anhänglichkeit erlöst?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kathaṃ nu muktaḥ
wie wohl, befreit (Nom.Sg.m.)
pṛthivīṃ caret
die Erde durchwandern möge (Akk.Sg. / Opt.3.Sg.)
asmadvidho nṛpaḥ
ein Fürst wie wir (Nom.Sg.)
nityaṃ kaiś ca guṇair yuktaḥ
stets, mit welchen Eigenschaften versehen (Instr.Pl.)
saṅgapāśād vimucyate
wird aus der Fessel der Anhänglichkeit erlöst (Abl.Sg. / Pass.3.Sg.)

bhīṣma uvāca; atra te vartayiṣyāmi itihāsaṃ purātanam; ariṣṭaneminā proktaṃ sagarāyānupṛcchate

Bhīṣma sprach: „Hierzu will ich dir eine alte Geschichte berichten, die von Ariṣṭanemi dem fragenden Sagara erzählt wurde.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atra te vartayiṣyāmi
hierzu will ich dir berichten (Fut.1.Sg., Dat./Gen. te)
itihāsaṃ purātanam
eine alte Geschichte (Akk.Sg.n.)
ariṣṭaneminā proktam
von Ariṣṭanemi erzählt (Instr.Sg. / PPP)
sagarāya anupṛcchate
dem Sagara, der fragte (Dat.Sg., Part.Präs.)

sagara uvāca; kiṃ śreyaḥ paramaṃ brahman kṛtveha sukham aśnute; kathaṃ na śocen na kṣubhyed etad icchāmi veditum

Sagara sprach: „Was ist das höchste Gut, o Brahmane, nach dessen Tun man hier Glück erlangt und weder trauert noch aufgewühlt wird? Das möchte ich wissen.“

Wort für Wort
sagara uvāca
Sagara sprach (Perf.)
kiṃ śreyaḥ paramaṃ brahman
was ist das höchste Heil, o Brahmane (Vok.)
kṛtvā iha sukham aśnute
nachdem man es getan hat, erlangt man hier Glück (Abs. / 3.Sg.Präs.Med.)
kathaṃ na śocet
wie man nicht trauern möge (Opt.3.Sg.)
na kṣubhyet
nicht aufgewühlt werde (Opt.3.Sg.)
etad icchāmi veditum
dies möchte ich wissen (1.Sg. / Inf.)

bhīṣma uvāca; evam uktas tadā tārkṣyaḥ sarvaśāstraviśāradaḥ; vibudhya saṃpadaṃ cāgryāṃ sad vākyam idam abravīt

Bhīṣma sprach: So angesprochen, sagte damals Tārkṣya, in allen Lehrbüchern bewandert, nachdem er den [Sagara] als [im] höchsten Wohlstand [stehend] erkannt hatte, dieses treffende Wort.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evam uktas tadā tārkṣyaḥ
so angesprochen, damals Tārkṣya (Nom.Sg.)
sarvaśāstraviśāradaḥ
in allen Lehrschriften bewandert (Bahuvrīhi)
vibudhya saṃpadaṃ cāgryām
nachdem er erkannt hatte, und den höchsten Wohlstand (Abs. / Akk.Sg.f.)
sad vākyam idam abravīt
dieses gute/treffende Wort sprach er (Impf.3.Sg.)

Zu vibudhya saṃpadaṃ cāgryām: Bezug unsicher (Erkennen der günstigen Lage des Sagara oder Erwachen zu höchstem Erfolg) [?].

sukhaṃ mokṣasukhaṃ loke na ca loko 'vagacchati; prasaktaḥ putrapaśuṣu dhanadhānyasamākulaḥ

[Tārkṣya sprach:] Das [wahre] Glück in der Welt ist das Glück der Befreiung, doch die Welt erkennt es nicht; sie hängt an Söhnen und Vieh und ist von Besitz und Getreide bedrängt.

Wort für Wort
sukhaṃ mokṣasukham
Glück ist das Glück der Befreiung (Nom.Sg.n.)
loke na ca loko 'vagacchati
in der Welt, und die Welt erkennt es nicht (Lok. / 3.Sg.Präs.)
prasaktaḥ putrapaśuṣu
hängend an Söhnen und Vieh (PPP Nom. / Lok.Pl.)
dhanadhānyasamākulaḥ
von Reichtum und Getreide bedrängt (Tatpuruṣa, Nom.Sg.m.)

saktabuddhir aśāntātmā na sa śakyaś cikitsitum; snehapāśasito mūḍho na sa mokṣāya kalpate

Wer mit anhaftendem Denken und unfriedlichem Wesen ist, den kann man nicht heilen; der Törichte, in die Fessel der Zuneigung gebunden, taugt nicht zur Befreiung.

Wort für Wort
saktabuddhir aśāntātmā
mit anhaftendem Verstand, unfriedlichen Wesens (Bahuvrīhi Nom.)
na sa śakyaś cikitsitum
jener ist nicht heilbar (Nom. / Inf.)
snehapāśasito mūḍhaḥ
in die Fessel der Zuneigung gebunden, der Törichte (PPP / Nom.Sg.)
na sa mokṣāya kalpate
der taugt nicht zur Befreiung (Dat. / 3.Sg.Präs.Med.)

snehajān iha te pāśān vakṣyāmi śṛṇu tān mama; sakarṇakena śirasā śakyāś chettuṃ vijānatā

Die aus Zuneigung entstehenden Fesseln hier will ich dir nennen; höre sie von mir. Mit ohrenbehaftetem Kopf [?] können sie vom Wissenden durchtrennt werden.

Wort für Wort
snehajān iha te pāśān
die aus Zuneigung geborenen Fesseln hier (Akk.Pl.m.)
vakṣyāmi śṛṇu tān mama
ich werde sagen; höre sie von mir (Fut.1.Sg. / Imp. / Gen.)
sakarṇakena śirasā
mit ohrenbehaftetem Kopf (Instr.Sg.n.)
śakyāś chettuṃ vijānatā
sind zu durchtrennen durch den Wissenden (Nom.Pl. / Inf. / Instr.Part.)

sakarṇakena śirasā wörtlich „mit einem Kopf samt Ohren“; Sinn wohl „mit wachem, aufmerksamem Kopf“ oder „mit dem Kopf, an dem die Ohren sitzen“ (Wortspiel mit Fesseln/Ohrringen?); unsicher.

saṃbhāvya putrān kālena yauvanasthān niveśya ca; samarthāñ jīvane jñātvā muktaś cara yathāsukham

Nachdem du zur rechten Zeit die Söhne [als solche] geehrt/anerkannt und, wenn sie im Jugendalter stehen, [im Leben] eingesetzt hast und sie als zum Lebensunterhalt fähig erkannt hast, wandere befreit nach Belieben.

Wort für Wort
saṃbhāvya putrān kālena
nachdem du die Söhne anerkannt hast, zur [rechten] Zeit (Abs. / Akk.Pl. / Instr.)
yauvanasthān niveśya ca
im Jugendalter stehend, und eingesetzt/verheiratet (Akk.Pl. / Abs.)
samarthāñ jīvane jñātvā
als fähig zum Leben(sunterhalt) erkannt (Akk.Pl. / Lok. / Abs.)
muktaś cara yathāsukham
befreit wandere nach Belieben (Imp.2.Sg.)

bhāryāṃ putravatīṃ vṛddhāṃ lālitāṃ putravatsalām; jñātvā prajahi kāle tvaṃ parārtham anudṛśya ca

Wisse die Gattin, die Söhne hat, gealtert, verwöhnt und ihre Söhne liebend, und verlasse [sie] zur rechten Zeit, indem du auch auf das Wohl anderer schaust.

Wort für Wort
bhāryāṃ putravatīṃ vṛddhām
die Gattin, mit Söhnen, betagt (Akk.Sg.f.)
lālitāṃ putravatsalām
verwöhnt, ihre Söhne liebend (Akk.Sg.f.)
jñātvā prajahi kāle tvam
nachdem du es erkannt hast, gib auf, zur [rechten] Zeit du (Abs. / Imp.2.Sg.)
parārtham anudṛśya ca
und das Anliegen anderer [Höheres/Anderes] betrachtend (Akk. / Abs.)

parārtham: „das höchste Ziel“ oder „das Wohl anderer“ möglich; hier die zweite Lesart.

sāpatyo nirapatyo vā muktaś cara yathāsukham; indriyair indriyārthāṃs tvam anubhūya yathāvidhi

Mit oder ohne Nachkommen wandere befreit nach Belieben, nachdem du mit den Sinnen die Sinnesobjekte vorschriftsgemäß genossen hast.

Wort für Wort
sāpatyo nirapatyo vā
mit Nachkommen oder ohne Nachkommen (Nom.Sg.m.)
muktaś cara yathāsukham
befreit wandere nach Belieben (Imp.2.Sg.)
indriyair indriyārthān
mit den Sinnen, die Sinnesobjekte (Instr.Pl. / Akk.Pl.)
tvam anubhūya yathāvidhi
du, nachdem du genossen hast, nach Vorschrift (Abs.)

kṛtakautūhalas teṣu muktaś cara yathāsukham; upapattyopalabdheṣu lābheṣu ca samo bhava

Nachdem du an ihnen deine Neugier gestillt hast, wandere befreit nach Belieben; bei den durch Fügung erlangten Gewinnen sei gleichmütig.

Wort für Wort
kṛtakautūhalas teṣu
dessen Neugier befriedigt ist, an ihnen (Bahuvrīhi / Lok.Pl.)
muktaś cara yathāsukham
befreit wandere nach Belieben (Imp.2.Sg.)
upapattyā upalabdheṣu
bei durch Fügung/Umstände erlangten (Instr. / PPP Lok.Pl.)
lābheṣu ca samo bhava
und bei Gewinnen sei gleich(mütig) (Lok.Pl. / Imp.2.Sg.)

eṣa tāvat samāsena tava saṃkīrtito mayā; mokṣārtho vistareṇāpi bhūyo vakṣyāmi tac chṛṇu

Dies ist dir zunächst kurz von mir dargelegt worden; das Ziel der Befreiung will ich dir auch ausführlich weiter sagen, höre das.

Wort für Wort
eṣa tāvat samāsena
dies zunächst in Kürze (Nom.Sg.m. / Instr.)
tava saṃkīrtito mayā
dir dargelegt von mir (Gen./Dat. / PPP / Instr.)
mokṣārtho vistareṇa api
das Ziel der Befreiung, auch ausführlich (Nom.Sg. / Instr.)
bhūyo vakṣyāmi tac chṛṇu
weiter will ich sagen, das höre (Fut.1.Sg. / Imp.2.Sg.)

muktā vītabhayā loke caranti sukhino narāḥ; saktabhāvā vinaśyanti narās tatra na saṃśayaḥ

Befreite, furchtlose Menschen wandern glücklich in der Welt; die aber mit anhaftender Gesinnung gehen dort zugrunde, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
muktā vītabhayā loke
befreit, furchtlos, in der Welt (Nom.Pl.m.)
caranti sukhino narāḥ
wandern glücklich die Menschen (3.Pl.Präs.)
saktabhāvā vinaśyanti
mit anhaftender Gesinnung gehen unter (Bahuvrīhi / 3.Pl.)
narās tatra na saṃśayaḥ
die Menschen dort, kein Zweifel (Nom.Pl. / Nom.Sg.)

āhārasaṃcayāś caiva tathā kīṭapipīlikāḥ; asaktāḥ sukhino loke saktāś caiva vināśinaḥ

Ebenso [gibt es] Sammler von Nahrungsvorrat, wie Käfer und Ameisen: die Ungebundenen sind glücklich in der Welt, die Gebundenen aber gehen zugrunde.

Wort für Wort
āhārasaṃcayāḥ ca eva
und Nahrungssammler (Nom.Pl.)
tathā kīṭapipīlikāḥ
ebenso Käfer und Ameisen (Nom.Pl.f.)
asaktāḥ sukhino loke
die Ungebundenen sind glücklich in der Welt (Nom.Pl. / Lok.)
saktāś caiva vināśinaḥ
und die Gebundenen sind dem Untergang verfallen (Nom.Pl.)

Der Halbvers āhārasaṃcayāś caiva tathā kīṭapipīlikāḥ ist syntaktisch knapp; Sinn (Tiere ohne Vorrat/mit Vorrat als Vergleich) unsicher.

svajane na ca te cintā kartavyā mokṣabuddhinā; ime mayā vinābhūtā bhaviṣyanti kathaṃ tv iti

Um die eigenen Leute darf dir, der du auf Befreiung sinnst, keine Sorge sein [von der Art]: „Wie werden diese wohl ohne mich [zurechtkommen]?“

Wort für Wort
svajane na ca te cintā
um die Angehörigen, und dir keine Sorge (Lok.Sg. / Gen./Dat. / Nom.)
kartavyā mokṣabuddhinā
ist zu hegen von dem, der auf Befreiung sinnt (Gerundiv / Instr.)
ime mayā vinābhūtāḥ
diese, von mir getrennt (Nom.Pl. / Instr. / PPP)
bhaviṣyanti kathaṃ tv iti
werden sein, wie wohl, so [der Gedanke] (Fut.3.Pl.)

svayam utpadyate jantuḥ svayam eva vivardhate; sukhaduḥkhe tathā mṛtyuṃ svayam evādhigacchati

Von selbst wird das Lebewesen geboren, von selbst wächst es, ebenso erreicht es von selbst Glück und Leid und den Tod.

Wort für Wort
svayam utpadyate jantuḥ
von selbst entsteht das Lebewesen (3.Sg.Pass./Med. / Nom.)
svayam eva vivardhate
ebenfalls von selbst wächst es (3.Sg.Med.)
sukhaduḥkhe tathā mṛtyum
Glück und Leid sowie den Tod (Akk.Du. / Akk.Sg.)
svayam evādhigacchati
von selbst erlangt es (3.Sg.Präs.)

bhojanācchādane caiva mātrā pitrā ca saṃgraham; svakṛtenādhigacchanti loke nāsty akṛtaṃ purā

Nahrung und Kleidung sowie Unterhalt durch Mutter und Vater erlangen sie durch ihr eigenes Tun; in der Welt gibt es von früher her nichts Ungetanes.

Wort für Wort
bhojanācchādane ca
Nahrung und Kleidung (Akk.Du.n.)
mātrā pitrā ca saṃgraham
und Unterhalt/Fürsorge durch Mutter und Vater (Instr.Sg. / Akk.Sg.)
svakṛtena adhigacchanti
durch Selbstgetanes erlangen sie (Instr. / 3.Pl.)
loke nāsty akṛtaṃ purā
in der Welt gibt es nichts Ungetanes von früher (Lok. / Nom.Sg.n.)

Der zweite Halbvers ist knapp und in der Deutung unsicher [?].

dhātrā vihitabhakṣyāṇi sarvabhūtāni medinīm; loke viparidhāvanti rakṣitāni svakarmabhiḥ

Alle Wesen, denen vom Schöpfer die Nahrung zugeteilt ist, laufen auf der Erde umher, durch ihre eigenen Taten beschützt.

Wort für Wort
dhātrā vihitabhakṣyāṇi
deren Nahrung vom Schöpfer festgelegt ist (Instr. / Bahuvrīhi Nom.Pl.)
sarvabhūtāni medinīm
alle Wesen, die Erde (Nom.Pl.n. / Akk.Sg.)
loke viparidhāvanti
in der Welt laufen umher (3.Pl.Präs.)
rakṣitāni svakarmabhiḥ
beschützt durch ihre eigenen Taten (PPP / Instr.Pl.)

svayaṃ mṛtpiṇḍabhūtasya paratantrasya sarvadā; ko hetuḥ svajanaṃ poṣṭuṃ rakṣituṃ vādṛḍhātmanaḥ

Was ist der Grund, dass du, der du selbst ein Erdklumpen bist, stets von anderem abhängig, deine Angehörigen nähren oder beschützen sollst, wo du selbst nicht fest im Wesen bist?

Wort für Wort
svayaṃ mṛtpiṇḍabhūtasya
dessen, der selbst zum Erdklumpen geworden ist (Gen.Sg.)
paratantrasya sarvadā
der von anderem abhängig ist, stets (Gen.Sg.)
ko hetuḥ
was ist der Grund (Nom.Sg.)
svajanaṃ poṣṭuṃ rakṣituṃ vā
die Angehörigen zu nähren oder zu beschützen (Akk. / Inf.)
adṛḍhātmanaḥ
der du nicht festen Wesens bist (Gen.Sg.)

svajanaṃ hi yadā mṛtyur hanty eva tava paśyataḥ; kṛte 'pi yatne mahati tatra boddhavyam ātmanā

Denn wenn der Tod deine Angehörigen, während du zusiehst, dennoch erschlägt, auch bei großer Anstrengung, dann ist dies durch das Selbst zu erkennen.

Wort für Wort
svajanaṃ hi yadā mṛtyuḥ
denn wenn der Tod die Angehörigen (Akk.Sg. / Nom.)
hanty eva tava paśyataḥ
erschlägt, während du zusiehst (3.Sg.Präs. / Gen.Part.)
kṛte 'pi yatne mahati
auch wenn große Mühe aufgewendet ist (Lok.abs.)
tatra boddhavyam ātmanā
da ist zu erkennen durch das Selbst (Gerundiv / Instr.)

jīvantam api caivainaṃ bharaṇe rakṣaṇe tathā; asamāpte parityajya paścād api mariṣyasi

Und auch den Lebenden, [wenn] Unterhalt und Schutz nicht vollendet sind, verlassend, wirst du später ebenfalls sterben.

Wort für Wort
jīvantam api ca evainam
auch den Lebenden, diesen (Akk.Sg. Part.)
bharaṇe rakṣaṇe tathā
im Unterhalt und Schutz (Lok.)
asamāpte parityajya
[wenn] unvollendet, verlassend (Lok.abs. / Abs.)
paścād api mariṣyasi
auch später wirst du sterben (Fut.2.Sg.)

Der Bezug von asamāpte (Lok.abs.) ist knapp; sinngemäß wiedergegeben [?].

yadā mṛtaś ca svajanaṃ na jñāsyasi kathaṃ cana; sukhitaṃ duḥkhitaṃ vāpi nanu boddhavyam ātmanā

Und wenn du gestorben bist, wirst du deine Angehörigen keineswegs erkennen, ob sie glücklich oder unglücklich sind; ist das nicht durch das Selbst zu erkennen?

Wort für Wort
yadā mṛtaś ca svajanam
und wenn du gestorben bist, die Angehörigen (PPP Nom. / Akk.)
na jñāsyasi kathaṃ cana
wirst du keineswegs erkennen (Fut.2.Sg.)
sukhitaṃ duḥkhitaṃ vā api
glücklich oder unglücklich (Akk.Sg.m.)
nanu boddhavyam ātmanā
ist es nicht durch das Selbst zu erkennen (Gerundiv / Instr.)

mṛte vā tvayi jīve vā yadi bhokṣyati vai janaḥ; svakṛtaṃ nanu buddhvaivaṃ kartavyaṃ hitam ātmanaḥ

Ob du tot bist oder lebst: wenn die Leute doch nur ihr Selbstgetanes genießen werden – ist dann nicht, dies erkennend, das eigene Wohl zu tun?

Wort für Wort
mṛte vā tvayi jīve vā
ob du gestorben oder lebendig bist (Lok.abs.)
yadi bhokṣyati vai janaḥ
wenn die Leute genießen werden (Fut.3.Sg.)
svakṛtaṃ nanu buddhvā evam
das Selbstgetane, nicht wahr, so erkennend (Akk. / Abs.)
kartavyaṃ hitam ātmanaḥ
ist zu tun das Heilsame für sich (Gerundiv / Akk. / Gen.)

Die Konstruktion (janaḥ … svakṛtam bhokṣyati) ist knapp; Deutung unsicher [?].

evaṃ vijānaṃl loke 'smin kaḥ kasyety abhiniścitaḥ; mokṣe niveśaya mano bhūyaś cāpy upadhāraya

So in dieser Welt erkennend: „Wer gehört wem?“, fest entschlossen, richte den Geist auf die Befreiung und erwäge es weiter.

Wort für Wort
evaṃ vijānan loke 'smin
so erkennend in dieser Welt (Part.Präs. / Lok.)
kaḥ kasya iti abhiniścitaḥ
„wer [gehört] wem“, so fest entschlossen (PPP Nom.)
mokṣe niveśaya manaḥ
auf die Befreiung richte den Geist (Lok. / Imp.2.Sg. Kaus. / Akk.)
bhūyaś ca api upadhāraya
und erwäge es weiter (Imp.2.Sg.Kaus.)

kṣutpipāsādayo bhāvā jitā yasyeha dehinaḥ; krodho lobhas tathā mohaḥ sattvavān mukta eva saḥ

Wessen Zustände wie Hunger und Durst hier als Verkörperter bezwungen sind, ebenso Zorn, Gier und Verblendung, der Wesenhafte [Gute] ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
kṣutpipāsādayo bhāvāḥ
Zustände wie Hunger und Durst (Nom.Pl.)
jitā yasya iha dehinaḥ
besiegt sind bei dem, hier, Verkörperten (PPP / Gen.)
krodho lobhas tathā mohaḥ
Zorn, Gier, ebenso Verblendung (Nom.Sg.)
sattvavān mukta eva saḥ
der Wesenhafte ist wahrhaft befreit (Nom.Sg.)

dyūte pāne tathā strīṣu mṛgayāyāṃ ca yo naraḥ; na pramādyati saṃmohāt satataṃ mukta eva saḥ

Wer beim Würfelspiel, beim Trunk, bei Frauen und auf der Jagd aus Verblendung nie nachlässig wird, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
dyūte pāne tathā strīṣu
beim Würfelspiel, Trunk, ebenso bei Frauen (Lok.)
mṛgayāyāṃ ca yo naraḥ
und auf der Jagd, welcher Mann (Lok. / Nom.)
na pramādyati saṃmohāt
nicht nachlässig wird aus Verblendung (3.Sg. / Abl.)
satataṃ mukta eva saḥ
beständig, der ist wahrhaft befreit (Adv. / Nom.)

divase divase nāma rātrau rātrau sadā sadā; bhoktavyam iti yaḥ khinno doṣabuddhiḥ sa ucyate

Wer Tag für Tag, Nacht für Nacht, immer wieder, verdrossen ist [bei dem Gedanken] „es muss gegessen werden“, der wird „einer, der den Makel erkennt“ genannt.

Wort für Wort
divase divase nāma
Tag für Tag, wahrlich (Lok. / Partikel)
rātrau rātrau sadā sadā
Nacht für Nacht, immer wieder (Lok. / Adv.)
bhoktavyam iti yaḥ khinnaḥ
„es ist zu essen“, so wer verdrossen ist (Gerundiv / PPP)
doṣabuddhiḥ sa ucyate
mit Einsicht in den Makel wird der genannt (Nom. / 3.Sg.Pass.)

Deutung von doṣabuddhi (Erkenner des Makels an der Nahrungsnotwendigkeit) unsicher [?].

ātmabhāvaṃ tathā strīṣu muktam eva punaḥ punaḥ; yaḥ paśyati sadā yukto yathāvan mukta eva saḥ

Wer stets gesammelt bei Frauen das eigene Wesen immer wieder als schon losgelassen [?] sieht, wie es sich gehört, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
ātmabhāvaṃ tathā strīṣu
das Selbstsein/die eigene Natur, ebenso bei Frauen (Akk.Sg. / Lok.Pl.)
muktam eva punaḥ punaḥ
als schon gelöst, immer wieder (PPP Akk.)
yaḥ paśyati sadā yuktaḥ
wer sieht, stets gesammelt (3.Sg.Präs. / Nom.)
yathāvan mukta eva saḥ
gebührend, der ist wahrhaft befreit (Adv.)

Text knapp und schwer deutbar [?].

saṃbhavaṃ ca vināśaṃ ca bhūtānāṃ ceṣṭitaṃ tathā; yas tattvato vijānāti loke 'smin mukta eva saḥ

Wer Entstehen und Vergehen der Wesen und ihr Treiben in Wahrheit erkennt in dieser Welt, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
saṃbhavaṃ ca vināśaṃ ca
Entstehen und Vergehen (Akk.Sg.)
bhūtānāṃ ceṣṭitaṃ tathā
der Wesen und ebenso [ihr] Treiben (Gen.Pl. / Akk.Sg.n.)
yas tattvato vijānāti
wer der Wahrheit nach erkennt (Abl.-Adv. / 3.Sg.)
loke 'smin mukta eva saḥ
in dieser Welt, der ist wahrhaft befreit (Lok.)

prasthaṃ vāhasahasreṣu yātrārthaṃ caiva koṭiṣu; prāsāde mañcakasthānaṃ yaḥ paśyati sa mucyate

Wer sieht, dass unter Tausenden von Wagenladungen [nur] ein Prastha [Getreide], für Reisezwecke unter Millionen [nur wenig], und im Palast [nur] der Platz eines Bettes [nötig ist], der wird befreit.

Wort für Wort
prasthaṃ vāhasahasreṣu
ein Prastha [Maß] unter Tausenden Wagenladungen (Akk. / Lok.Pl.)
yātrārthaṃ caiva koṭiṣu
und für den Lebensunterhalt/die Reise unter Millionen (Akk. / Lok.Pl.)
prāsāde mañcakasthānam
im Palast den Platz eines Bettchens (Lok. / Akk.)
yaḥ paśyati sa mucyate
wer sieht, der wird befreit (3.Sg. / Pass.3.Sg.)

Elliptischer Vers; Ergänzungen in [ ] sinngemäß [?].

mṛtyunābhyāhataṃ lokaṃ vyādhibhiś copapīḍitam; avṛttikarśitaṃ caiva yaḥ paśyati sa mucyate

Wer die vom Tod geschlagene, von Krankheiten geplagte und durch Mangel an Auskommen abgemagerte Welt sieht, der wird befreit.

Wort für Wort
mṛtyunā abhyāhatam
vom Tod getroffen (Instr. / PPP)
lokaṃ vyādhibhiḥ ca upapīḍitam
die Welt, und von Krankheiten bedrängt (Akk. / Instr.Pl. / PPP)
avṛttikarśitaṃ caiva
und durch Mangel an Auskommen abgemagert (PPP Akk.)
yaḥ paśyati sa mucyate
wer sieht, der wird befreit (3.Sg. / Pass.)

yaḥ paśyati sukhī tuṣṭo napaśyaṃś ca vihanyate; yaś cāpy alpena saṃtuṣṭo loke 'smin mukta eva saḥ

Wer [nur sehend] glücklich und zufrieden ist und, wenn er nicht sieht, niedergeschlagen wird, [der ist nicht frei]; und wer mit wenig zufrieden ist in dieser Welt, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
yaḥ paśyati sukhī tuṣṭaḥ
wer sieht, glücklich, zufrieden (Nom.)
na paśyaṃś ca vihanyate
und nicht sehend wird niedergeschlagen (Part. / Pass.3.Sg.)
yaś ca api alpena saṃtuṣṭaḥ
und wer auch mit wenig zufrieden ist (Instr. / PPP)
loke 'smin mukta eva saḥ
in dieser Welt, der ist wahrhaft befreit (Lok.)

Erster Halbvers dunkel; Sinn (Abhängigkeit vom Sehen bzw. von Wahrnehmung/Besitz) unsicher [?].

agnīṣomāv idaṃ sarvam iti yaś cānupaśyati; na ca saṃspṛśyate bhāvair adbhutair mukta eva saḥ

Und wer „Dies alles ist Agni und Soma“ betrachtet und von wunderlichen Zuständen nicht berührt wird, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
agnīṣomau idaṃ sarvam
Agni und Soma [sind] dies alles (Nom.Du. / Nom.Sg.n.)
iti yaś ca anupaśyati
so wer betrachtet (3.Sg.)
na ca saṃspṛśyate
und nicht berührt wird (Pass.3.Sg.)
bhāvair adbhutair
von wunderlichen Zuständen (Instr.Pl.)
mukta eva saḥ
der ist wahrhaft befreit (Nom.)

paryaṅkaśayyā bhūmiś ca samāne yasya dehinaḥ; śālayaś ca kadannaṃ ca yasya syān mukta eva saḥ

Wem als Verkörpertem Prunkbett und Erde gleich gelten, und wem Reis und schlechte Kost [gleich] sein mögen, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
paryaṅkaśayyā bhūmiś ca
Prunkbett-Lager und Erdboden (Nom.Sg.f.)
samāne yasya dehinaḥ
gleich bei wem, dem Verkörperten (Nom.Du. / Gen.)
śālayaś ca kadannaṃ ca
und Reis und schlechte Speise (Nom.Pl. / Nom.Sg.)
yasya syān mukta eva saḥ
wem [gleich] sei, der ist wahrhaft befreit (Opt.3.Sg.)

Zu samāne: das Prädikat gilt sinngemäß auch für die zweite Paarung.

kṣaumaṃ ca kuśacīraṃ ca kauśeyaṃ valkalāni ca; āvikaṃ carma ca samaṃ yasya syān mukta eva saḥ

Leinen, Kuśa-Baströcke, Seide, Rindenkleider, Wollgewand und Fell: wem [dies alles] gleich sein mag, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
kṣaumaṃ ca kuśacīraṃ ca
Leinen und Kuśa-Gras-Kleid (Nom.Sg.n.)
kauśeyaṃ valkalāni ca
Seide und Rindenkleider (Nom.Sg. / Nom.Pl.)
āvikaṃ carma ca samam
Wollenes und Fell, gleich (Nom.Sg.n. / Nom.)
yasya syān mukta eva saḥ
wem es sei, der ist wahrhaft befreit (Opt.3.Sg.)

pañcabhūtasamudbhūtaṃ lokaṃ yaś cānupaśyati; tathā ca vartate dṛṣṭvā loke 'smin mukta eva saḥ

Wer die aus den fünf Elementen entstandene Welt betrachtet und, nachdem er das gesehen hat, in dieser Welt danach lebt, der ist wahrhaft befreit.

Wort für Wort
pañcabhūtasamudbhūtam
aus den fünf Elementen hervorgegangen (Akk.Sg.m.)
lokaṃ yaś ca anupaśyati
die Welt, und wer betrachtet (Akk. / 3.Sg.)
tathā ca vartate dṛṣṭvā
und so verhält er sich, nachdem er gesehen (3.Sg.Med. / Abs.)
loke 'smin mukta eva saḥ
in dieser Welt, der ist wahrhaft befreit (Lok.)

sukhaduḥkhe same yasya lābhālābhau jayājayau; icchādveṣau bhayodvegau sarvathā mukta eva saḥ

Wem Glück und Leid gleich sind, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage, Wunsch und Abneigung, Furcht und Aufregung, der ist in jeder Hinsicht befreit.

Wort für Wort
sukhaduḥkhe same yasya
Glück und Leid sind gleich bei wem (Nom.Du. / Gen.)
lābhālābhau jayājayau
Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage (Nom.Du.)
icchādveṣau bhayodvegau
Wunsch und Abneigung, Furcht und Aufregung (Nom.Du.)
sarvathā mukta eva saḥ
in jeder Hinsicht ist der wahrhaft befreit (Adv.)

raktamūtrapurīṣāṇāṃ doṣāṇāṃ saṃcayaṃ tathā; śarīraṃ doṣabahulaṃ dṛṣṭvā cedaṃ vimucyate

Wer die Ansammlung von Blut, Urin, Kot und Störungen sieht und den Körper als reich an Makeln, der wird hierdurch befreit.

Wort für Wort
raktamūtrapurīṣāṇām
von Blut, Urin, Kot (Gen.Pl.)
doṣāṇāṃ saṃcayaṃ tathā
und Störungen [der Körpersäfte], die Ansammlung (Gen.Pl. / Akk.Sg.)
śarīraṃ doṣabahulam
den Körper, reich an Makeln (Akk.Sg.n.)
dṛṣṭvā ca idaṃ vimucyate
nachdem er [das] gesehen hat, wird er befreit (Abs. / Pass.3.Sg.)

Der Halbvers-Aufbau ist elliptisch; zu doṣa hier zugleich „Körpersaft-Störung“ und „Makel“.

valīpalitasaṃyogaṃ kārśyaṃ vaivarṇyam eva ca; kubjabhāvaṃ ca jarayā yaḥ paśyati sa mucyate

Wer das Zusammentreffen mit Falten und grauem Haar, Magerkeit, Verfärbung und Gebücktheit durch das Alter sieht, der wird befreit.

Wort für Wort
valīpalitasaṃyogam
das Zusammentreffen mit Falten und grauem Haar (Akk.Sg.)
kārśyaṃ vaivarṇyam eva ca
Magerkeit und Verfärbung (Akk.Sg.n.)
kubjabhāvaṃ ca jarayā
und Gebücktheit durch das Alter (Akk. / Instr.)
yaḥ paśyati sa mucyate
wer sieht, wird befreit (3.Sg. / Pass.)

puṃstvopaghātaṃ kālena darśanoparamaṃ tathā; bādhiryaṃ prāṇamandatvaṃ yaḥ paśyati sa mucyate

Wer die Beeinträchtigung der Männlichkeit mit der Zeit, das Erlöschen des Sehens, Taubheit und Schwäche des Atems sieht, der wird befreit.

Wort für Wort
puṃstvopaghātaṃ kālena
Schädigung der Männlichkeit mit der Zeit (Akk. / Instr.)
darśanoparamaṃ tathā
und das Aufhören des Sehens (Akk.Sg.)
bādhiryaṃ prāṇamandatvam
Taubheit, Schwäche des Atems/der Lebenskraft (Akk.Sg.n.)
yaḥ paśyati sa mucyate
wer sieht, wird befreit (3.Sg. / Pass.)

gatān ṛṣīṃs tathā devān asurāṃś ca tathā gatān; lokād asmāt paraṃ lokaṃ yaḥ paśyati sa mucyate

Wer sieht, dass Seher und Götter gegangen sind und ebenso die Asuras gegangen sind, aus dieser Welt in die andere, der wird befreit.

Wort für Wort
gatān ṛṣīn tathā devān
die gegangenen Seher und Götter (PPP Akk.Pl.)
asurāṃś ca tathā gatān
und die Asuras, ebenso gegangen (Akk.Pl.)
lokād asmāt paraṃ lokam
aus dieser Welt in die jenseitige Welt (Abl. / Akk.)
yaḥ paśyati sa mucyate
wer sieht, wird befreit (3.Sg. / Pass.)

prabhāvair anvitās tais taiḥ pārthivendrāḥ sahasraśaḥ; ye gatāḥ pṛthivīṃ tyaktvā iti jñātvā vimucyate

Tausende von Fürsten der Erde, mit ihrer jeweiligen Machtfülle ausgestattet, sind gegangen, die Erde verlassend: wer dies erkennt, wird befreit.

Wort für Wort
prabhāvair anvitās tais taiḥ
mit der jeweiligen Machtfülle versehen (Instr.Pl. / PPP Nom.Pl.)
pārthivendrāḥ sahasraśaḥ
Fürsten der Erde zu Tausenden (Nom.Pl. / Adv.)
ye gatāḥ pṛthivīṃ tyaktvā
die gegangen sind, die Erde verlassend (Nom.Pl. / Abs.)
iti jñātvā vimucyate
so erkannt habend, wird er befreit (Abs. / Pass.3.Sg.)

arthāṃś ca durlabhāṃl loke kleśāṃś ca sulabhāṃs tathā; duḥkhaṃ caiva kuṭumbārthe yaḥ paśyati sa mucyate

Wer sieht, dass Güter in der Welt schwer zu erlangen sind, Mühsale dagegen leicht zu erlangen, und [dass es] Leid um der Familie willen [gibt], der wird befreit.

Wort für Wort
arthāṃś ca durlabhān loke
und Güter, schwer erlangbar in der Welt (Akk.Pl.)
kleśāṃś ca sulabhāṃs tathā
und Mühsale, leicht erlangbar (Akk.Pl.)
duḥkhaṃ caiva kuṭumbārthe
und Leid um der Familie willen (Akk.Sg. / Lok.)
yaḥ paśyati sa mucyate
wer sieht, wird befreit (3.Sg. / Pass.)

apatyānāṃ ca vaiguṇyaṃ janaṃ viguṇam eva ca; paśyan bhūyiṣṭhaśo loke ko mokṣaṃ nābhipūjayet

Wer die Mängel der Kinder und die Untugend der Menschen in der Welt meist sieht: wer würde die Befreiung nicht hochschätzen?

Wort für Wort
apatyānāṃ ca vaiguṇyam
und den Mangel/die Untugend der Kinder (Gen.Pl. / Akk.Sg.n.)
janaṃ viguṇam eva ca
und die Leute als ohne gute Eigenschaften (Akk.Sg. / Akk.)
paśyan bhūyiṣṭhaśo loke
sehend, meistens, in der Welt (Part.Präs. / Adv.)
ko mokṣaṃ na abhipūjayet
wer würde die Befreiung nicht verehren (Opt.3.Sg.)

śāstrāl lokāc ca yo buddhaḥ sarvaṃ paśyati mānavaḥ; asāram iva mānuṣyaṃ sarvathā mukta eva saḥ

Der Mensch, der durch Lehrschrift und Welt erwacht alles so sieht, als sei das Menschsein wesenlos, der ist in jeder Hinsicht wahrhaft befreit.

Wort für Wort
śāstrāl lokāc ca yo buddhaḥ
wer durch die Lehrschrift und die Welt erwacht ist (Abl. / PPP Nom.)
sarvaṃ paśyati mānavaḥ
alles sieht der Mensch (3.Sg. / Nom.)
asāram iva mānuṣyam
das Menschsein gleichsam wesenlos (Akk.Sg.n. / Partikel)
sarvathā mukta eva saḥ
in jeder Hinsicht ist der wahrhaft befreit (Adv.)

etac chrutvā mama vaco bhavāṃś caratu muktavat; gārhasthye yadi te mokṣe kṛtā buddhir aviklavā

Nachdem du dieses mein Wort gehört hast, wandere Eure Hoheit wie ein Befreiter, wenn im Hausstand dein Sinn unverzagt auf die Befreiung gerichtet ist.

Wort für Wort
etac chrutvā mama vacaḥ
dieses mein Wort gehört habend (Abs. / Gen. / Akk.)
bhavān caratu muktavat
Eure Hoheit wandere wie ein Befreiter (Nom. / Imp.3.Sg. / Adv.)
gārhasthye yadi te mokṣe
im Hausstand, wenn dein auf Befreiung (Lok. / Lok.)
kṛtā buddhir aviklavā
gefasst ist der Entschluss, unverzagt (PPP Nom.f. / Nom.f.)

tat tasya vacanaṃ śrutvā samyak sa pṛthivīpatiḥ; mokṣajaiś ca guṇair yuktaḥ pālayām āsa ca prajāḥ

Als er dessen Worte richtig gehört hatte, herrschte jener Erdenherr, mit den aus der Befreiung geborenen Eigenschaften ausgestattet, über die Untertanen.

Wort für Wort
tat tasya vacanaṃ śrutvā
dessen Worte, nachdem er sie gehört hatte (Akk. / Gen. / Abs.)
samyak sa pṛthivīpatiḥ
richtig, jener Erdenherr (Adv. / Nom.Sg.)
mokṣajaiś ca guṇair yuktaḥ
und mit aus der Befreiung geborenen Eigenschaften versehen (Instr.Pl. / PPP)
pālayām āsa ca prajāḥ
und beschützte die Untertanen (Perf.-Umschreibung / Akk.Pl.)

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