Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 292: avidyākṛtasaṃsāra-abhimānavarṇanam Vasiṣṭha über den Kreislauf der Wiedergeburten aus Nichterkenntnis und den Selbstdünkel des Unwissenden

Vasiṣṭha belehrt Janaka: Wer das Selbst nicht vom Nicht-Selbst (Prakṛti) unterscheidet, treibt durch unzählige Geburten, hält Leiden, Askese, Riten und Werke für sein eigenes Tun; am Kapitelende wird die Verkehrung von Eigenschaften des Selbst aufgezählt.

vasiṣṭha uvāca; evam apratibuddhatvād abuddham anuvartate; dehād dehasahasrāṇi tathā samabhipadyate

Vasiṣṭha sprach: „So folgt [der Mensch], weil er nicht erwacht ist, dem Nichterwachten [d. h. der Prakṛti]; von Leib zu Leib, tausende Leiber, gelangt er auf diese Weise dahin.“

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach (Perf.)
evam apratibuddhatvād
so, wegen des Nichterwachtseins (Abl.)
abuddham anuvartate
dem Nichterwachten folgt er (3.Sg.Med.)
dehād dehasahasrāṇi
von Leib [zu Leib], tausende Leiber (Abl./Akk.Pl.)
tathā samabhipadyate
so gelangt er hin (3.Sg.Med.)

abuddham: das Unerwachte/Nicht-Erkennende, hier wohl die Prakṛti.

tiryagyonisahasreṣu kadā cid devatāsv api; upapadyati saṃyogād guṇaiḥ saha guṇakṣayāt

In tausenden Tiergeburten, bisweilen auch unter Göttern, gelangt er zur Geburt durch Verbindung, zusammen mit den Guṇas, infolge des Schwindens der Guṇas [?].

Wort für Wort
tiryagyonisahasreṣu
in tausenden Tiergebärmüttern (Lok.Pl., Kompositum)
kadā cid devatāsv api
bisweilen auch unter Göttern (Lok.Pl.)
upapadyati saṃyogād
er gelangt hin, durch Verbindung (3.Sg.Präs./Abl.)
guṇaiḥ saha
zusammen mit den Guṇas (Instr.Pl.)
guṇakṣayāt
infolge des Schwindens der Guṇas (Abl., Kompositum)

guṇakṣayāt: Sinn unsicher (Verbrauch der Guṇas im jeweiligen Dasein als Anlass zum Wechsel).

mānuṣatvād divaṃ yāti divo mānuṣyam eva ca; mānuṣyān nirayasthānam ānantyaṃ pratipadyate

Vom Menschsein geht er zum Himmel, vom Himmel wieder zum Menschsein; vom Menschsein gelangt er zum Aufenthalt in der Hölle, endlos.

Wort für Wort
mānuṣatvād divaṃ yāti
vom Menschsein (Abl.) geht er zum Himmel (Akk./3.Sg.Präs.)
divo mānuṣyam eva ca
und vom Himmel zum Menschsein (Abl./Akk.)
mānuṣyān nirayasthānam
vom Menschsein zum Aufenthalt in der Hölle (Abl./Akk.)
ānantyaṃ pratipadyate
Endlosigkeit erlangt er (Akk./3.Sg.Med.)

kośakāro yathātmānaṃ kīṭaḥ samanurundhati; sūtratantuguṇair nityaṃ tathāyam aguṇo guṇaiḥ

Wie der Kokonspinner, ein Wurm, sich selbst [einspinnt], so verstrickt sich dieser Guṇalose beständig mit den Guṇas, den Fäden des Gespinstes.

Wort für Wort
kośakāro yathātmānaṃ
wie der Kokonmacher, sich selbst (Nom./Akk.)
kīṭaḥ samanurundhati
der Wurm umspinnt/verstrickt (Nom./3.Sg.Präs.)
sūtratantuguṇair nityaṃ
mit den Fäden des Gespinstes, stets (Instr.Pl., Kompositum)
tathāyam aguṇo guṇaiḥ
so dieser Guṇalose mit den Guṇas (Nom./Instr.Pl.)

dvaṃdvam eti ca nirdvaṃdvas tāsu tāsv iha yoniṣu; śīrṣaroge 'kṣiroge ca dantaśūle galagrahe

Und er gerät in Gegensatzpaare, obwohl er frei von Gegensatzpaaren ist, in diesen und jenen Mutterschößen hier: bei Kopfleiden, Augenleiden, Zahnschmerz, Halsverschluss,

Wort für Wort
dvaṃdvam eti ca nirdvaṃdvas
und er gerät in Gegensatzpaare, [obwohl] frei von Gegensatzpaaren (Akk./3.Sg.Präs./Nom.)
tāsu tāsv iha yoniṣu
in diesen und jenen Mutterschößen hier (Lok.Pl.)
śīrṣaroge 'kṣiroge ca
bei Kopfleiden und Augenleiden (Lok.Sg.)
dantaśūle galagrahe
bei Zahnschmerz, Halsverschluss (Lok.Sg.)

jalodare 'rśasāṃ roge jvaragaṇḍaviṣūcike; śvitre kuṣṭhe 'gnidāhe ca sidhmāpasmārayor api

bei Wassersucht, Hämorrhoidenleiden, Fieber, Geschwulst, Cholera, bei Weißfleckenkrankheit, Aussatz, Brand durch Feuer, bei Sidhma-Ausschlag und Epilepsie,

Wort für Wort
jalodare 'rśasāṃ roge
bei Wassersucht, bei Hämorrhoidenleiden (Lok.Sg.)
jvaragaṇḍaviṣūcike
bei Fieber, Geschwulst, Cholera (Lok.Sg., Kompositum)
śvitre kuṣṭhe 'gnidāhe ca
bei Weißfleckenkrankheit, Aussatz und Feuerbrand (Lok.Sg.)
sidhmāpasmārayor api
auch bei Sidhma-Ausschlag und Epilepsie (Lok.Du.)

Krankheitsnamen nach üblicher Bestimmung wiedergegeben; jvaragaṇḍa- ggf. auch „Fieber und Beulen“.

yāni cānyāni dvaṃdvāni prākṛtāni śarīriṣu; utpadyante vicitrāṇi tāny eṣo 'py abhimanyate

und welche anderen naturgegebenen Gegensatzpaare bei Verkörperten mannigfaltig entstehen, die bildet sich auch dieser [Ātman] als die seinen ein.

Wort für Wort
yāni cānyāni dvaṃdvāni
und welche anderen Gegensatzpaare (Nom.Pl.n.)
prākṛtāni śarīriṣu
naturgegebene, bei Verkörperten (Nom.Pl./Lok.Pl.)
utpadyante vicitrāṇi
entstehen mannigfaltig (3.Pl.Med./Nom.Pl.)
tāny eṣo 'py abhimanyate
die bildet auch dieser sich ein (Nom.Pl./3.Sg.Med.)

tiryagyonisahasreṣu kadā cid devatāsv api

In tausenden Tiergeburten, bisweilen auch unter Göttern.

Wort für Wort
tiryagyonisahasreṣu
in tausenden Tiergeburten (Lok.Pl.)
kadā cid
bisweilen (Adv.)
devatāsv api
auch unter Göttern (Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe; wiederholt den Pāda aus Vers 2, unvollständig.

abhimanyaty abhīmānāt tathaiva sukṛtāny api

Er bildet es sich ein aus Selbstdünkel, ebenso auch gute Werke.

Wort für Wort
abhimanyaty
er bildet sich ein (3.Sg.Präs.Med.)
abhīmānāt
aus Selbstdünkel (Abl.)
tathaiva sukṛtāny api
ebenso auch gute Taten (Nom./Akk.Pl.n.)

ekavāsāś ca durvāsāḥ śāyī nityam adhas tathā; maṇḍūkaśāyī ca tathā vīrāsanagatas tathā

[Er trägt] nur ein Gewand, oder ein schlechtes Gewand, liegt stets auf dem Boden, ebenso im Froschsitz liegend und im Heldensitz sitzend,

Wort für Wort
ekavāsāś ca durvāsāḥ
und nur ein Gewand tragend, schlecht Gekleideter (Nom.)
śāyī nityam adhas tathā
liegend, stets unten (am Boden), so (Nom./Adv.)
maṇḍūkaśāyī ca tathā
und im Froschsitz Ruhender, ebenso (Nom.)
vīrāsanagatas tathā
im Heldensitz befindlich, ebenso (Nom.)

Verbale Ergänzung [er trägt/übt] nach dem Zusammenhang; abhimanyate aus Vers 7 wirkt fort.

cīradhāraṇam ākāśe śayanaṃ sthānam eva ca; iṣṭakāprastare caiva kaṇṭakaprastare tathā

Rindengewand-Tragen, Liegen und Stehen in der freien Luft, und auch auf Ziegelsteinlager und auf Dornenlager [liegend],

Wort für Wort
cīradhāraṇam ākāśe
das Tragen von Rindengewändern, in der Luft (Nom./Lok.)
śayanaṃ sthānam eva ca
Liegen und Stehen (Nom.n.)
iṣṭakāprastare caiva
und auf Ziegelsteinlager (Lok.Sg.)
kaṇṭakaprastare tathā
ebenso auf Dornenlager (Lok.Sg.)

bhasmaprastaraśāyī ca bhūmiśayyānulepanaḥ; vīrasthānāmbupaṅke ca śayanaṃ phalakeṣu ca

auf Aschenlager liegend, mit der Erde als Bett und Salbung [mit Asche?], im Heldenstand, im Wasserschlamm und auf Brettern liegend,

Wort für Wort
bhasmaprastaraśāyī ca
und auf Aschenlager liegend (Nom.)
bhūmiśayyānulepanaḥ
Erdbett und Salbung habend [?] (Nom., Kompositum)
vīrasthānāmbupaṅke ca
im Heldenstand und im Wasserschlamm (Lok./Kompositum)
śayanaṃ phalakeṣu ca
und das Liegen auf Brettern (Nom./Lok.Pl.)

bhūmiśayyānulepanaḥ: „Erdbett und Salbung“, Sinn der Salbung unsicher.

vividhāsu ca śayyāsu phalagṛddhyānvito 'phalaḥ; muñjamekhalanagnatvaṃ kṣaumakṛṣṇājināni ca

und auf mannigfachen Lagern, von Gier nach Frucht erfüllt, doch ohne Frucht; Muñja-Gürtel, Nacktheit, Leinen- und schwarze Antilopenfelle,

Wort für Wort
vividhāsu ca śayyāsu
und auf mannigfachen Lagern (Lok.Pl.)
phalagṛddhyānvito 'phalaḥ
von Fruchtgier erfüllt, ohne Frucht (Nom.)
muñjamekhalanagnatvaṃ
Muñja-Gürtel und Nacktheit (Nom.n.)
kṣaumakṛṣṇājināni ca
und Leinen- und Antilopenfelle (Nom.Pl.n.)

śāṇīvālaparīdhāno vyāghracarmaparicchadaḥ; siṃhacarmaparīdhānaḥ paṭṭavāsās tathaiva ca

Hanf- und Haargewand als Kleidung, Tigerfell als Decke, Löwenfell als Kleidung, und ebenso Seidengewand,

Wort für Wort
śāṇīvālaparīdhāno
Hanf- und Haargewand als Kleidung habend (Nom.)
vyāghracarmaparicchadaḥ
Tigerfell als Decke habend (Nom.)
siṃhacarmaparīdhānaḥ
Löwenfell als Kleidung habend (Nom.)
paṭṭavāsās tathaiva ca
und ebenso Seidenkleid tragend (Nom.)

phalakaṃ paridhānaś ca tathā kaṇṭakavastradhṛk

ein Brett als Kleidung und ebenso Dornengewand tragend,

Wort für Wort
phalakaṃ paridhānaś ca
ein Brett als Kleidung, und (Akk./Nom.)
tathā kaṇṭakavastradhṛk
ebenso Dornengewand tragend (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe.

kīṭakāvasanaś caiva cīravāsās tathaiva ca; vastrāṇi cānyāni bahūny abhimanyaty abuddhimān

in Wurmgespinst gekleidet und ebenso in Rindengewand; und viele andere Gewänder bildet sich der Unverständige ein.

Wort für Wort
kīṭakāvasanaś caiva
und in Wurmgespinst-Gewand gekleidet (Nom.)
cīravāsās tathaiva ca
und ebenso Rindengewand tragend (Nom.)
vastrāṇi cānyāni bahūny
und andere viele Gewänder (Akk.Pl.n.)
abhimanyaty abuddhimān
bildet sich ein der Unverständige (3.Sg.Präs./Nom.)

kīṭakāvasanaḥ: „in Gewand aus Gespinst von Würmern/Insekten“ [?].

bhojanāni vicitrāṇi ratnāni vividhāni ca; ekavastrāntarāśitvam ekakālikabhojanam

Mannigfache Speisen und verschiedene Juwelen; das Essen im Innern eines einzigen Gewandes [?], das Essen nur einmal am Tag;

Wort für Wort
bhojanāni vicitrāṇi
mannigfache Speisen (Nom.Pl.n.)
ratnāni vividhāni ca
und verschiedene Juwelen (Nom.Pl.n.)
ekavastrāntarāśitvam
das Essen im Innern eines einzigen Gewandes [?] (Nom.n., Kompositum)
ekakālikabhojanam
das Essen nur einmal am Tag (Nom.n.)

ekavastrāntarāśitvam: unsicher, wohl „Essen [nur] im Innern/Zipfel eines einzigen Gewandes“.

caturthāṣṭamakālaś ca ṣaṣṭhakālika eva ca; ṣaḍrātrabhojanaś caiva tathaivāṣṭāhabhojanaḥ

wer nur zur vierten und achten Essenszeit isst, wer nur zur sechsten Zeit isst, wer nur alle sechs Nächte isst und ebenso wer nur alle acht Tage isst,

Wort für Wort
caturthāṣṭamakālaś ca
und zur vierten und achten Zeit [essend] (Nom.)
ṣaṣṭhakālika eva ca
und nur zur sechsten Zeit [essend] (Nom.)
ṣaḍrātrabhojanaś caiva
und alle sechs Nächte essend (Nom.)
tathaivāṣṭāhabhojanaḥ
und ebenso alle acht Tage essend (Nom.)

saptarātradaśāhāro dvādaśāhāra eva ca; māsopavāsī mūlāśī phalāhāras tathaiva ca

wer nur alle sieben Nächte, alle zehn Tage, alle zwölf Tage Nahrung nimmt, ein Monatsfaster, Wurzelesser und ebenso Fruchtesser,

Wort für Wort
saptarātradaśāhāro
sieben Nächte, [alle] zehn Tage Nahrung nehmend (Nom., Kompositum)
dvādaśāhāra eva ca
und [alle] zwölf Tage Nahrung nehmend (Nom.)
māsopavāsī mūlāśī
Monatsfaster, Wurzelesser (Nom.)
phalāhāras tathaiva ca
und ebenso Fruchtesser (Nom.)

vāyubhakṣo 'mbupiṇyākagomayādana eva ca; gomūtrabhojanaś caiva śākapuṣpāda eva ca

Luftesser, wer Wasser, Ölkuchen und Kuhdung isst, wer Kuhurin als Speise nimmt, Gemüse- und Blütenesser,

Wort für Wort
vāyubhakṣo 'mbupiṇyāka-
Luftesser, Wasser- und Ölkuchen- (Nom./Kompositumglied)
gomayādana eva ca
und Kuhdung essend (Nom.)
gomūtrabhojanaś caiva
und Kuhurin als Speise (Nom.)
śākapuṣpāda eva ca
und Gemüse- und Blütenesser (Nom.)

śaivālabhojanaś caiva tathācāmena vartayan; vartayañ śīrṇaparṇaiś ca prakīrṇaphalabhojanaḥ

Algenesser, und wer sich von Reisschaum erhält, wer sich von abgefallenen Blättern erhält, wer verstreute Früchte isst,

Wort für Wort
śaivālabhojanaś caiva
und Algenesser (Nom.)
tathācāmena vartayan
und sich von Reisschaum erhaltend (Instr./Part.Präs.)
vartayañ śīrṇaparṇaiś ca
sich erhaltend von abgefallenen Blättern (Part./Instr.Pl.)
prakīrṇaphalabhojanaḥ
verstreute Früchte essend (Nom.)

vividhāni ca kṛcchrāṇi sevate sukhakāṅkṣayā; cāndrāyaṇāni vidhival liṅgāni vividhāni ca

und mannigfache Kasteiungen übt er aus im Verlangen nach Glück; Cāndrāyaṇa-Bußen nach Vorschrift und mannigfache Kennzeichen [des Asketen].

Wort für Wort
vividhāni ca kṛcchrāṇi
und mannigfache Kasteiungen (Akk.Pl.n.)
sevate sukhakāṅkṣayā
übt er aus, aus Glücksverlangen (3.Sg.Med./Instr.)
cāndrāyaṇāni vidhival
Cāndrāyaṇa-Bußen, nach Vorschrift (Akk.Pl./Adv.)
liṅgāni vividhāni ca
und mannigfache Kennzeichen (Akk.Pl.n.)

cāturāśramyapanthānam āśrayaty āśramān api; upāsīnaś ca pāṣaṇḍān guhāḥ śailāṃs tathaiva ca

Den Weg der vier Lebensstufen und die Lebensstufen selbst sucht er auf; er verehrt auch Häretiker, Höhlen und Berge,

Wort für Wort
cāturāśramyapanthānam
den Weg der vier Lebensstufen (Akk.)
āśrayaty āśramān api
er nimmt Zuflucht, auch zu den Lebensstufen (3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
upāsīnaś ca pāṣaṇḍān
und verehrend die Häretiker (Part./Akk.Pl.)
guhāḥ śailāṃs tathaiva ca
Höhlen und ebenso Berge (Akk.Pl.)

pāṣaṇḍān: „Häretiker/Sektierer“ [?].

viviktāś ca śilāchāyās tathā prasravaṇāni ca

und einsame Felsschatten sowie Quellen [sucht er auf].

Wort für Wort
viviktāś ca śilāchāyās
und einsame Felsschatten (Akk.Pl.)
tathā prasravaṇāni ca
ebenso Quellen (Akk.Pl.n.)

pulināni viviktāni viviktāni vanāni ca; devasthānāni puṇyāni viviktāni sarāṃsi ca; viviktāś cāpi śailānāṃ guhā gṛhanibhopamāḥ

Einsame Sandbänke und einsame Wälder, heilige Göttersitze, einsame Seen; einsame Berghöhlen, die Häusern gleichen.

Wort für Wort
pulināni viviktāni
einsame Sandbänke (Akk.Pl.n.)
viviktāni vanāni ca
und einsame Wälder (Akk.Pl.n.)
devasthānāni puṇyāni
heilige Göttersitze (Akk.Pl.n.)
viviktāni sarāṃsi ca
und einsame Seen (Akk.Pl.n.)
viviktāś cāpi śailānāṃ guhā
und einsame Höhlen der Berge (Nom.Pl.f./Gen.Pl.)
gṛhanibhopamāḥ
hausähnlich (Nom.Pl.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen der kritischen Ausgabe.

vividhāni ca japyāni vividhāni vratāni ca

Und mannigfache Murmelgebete, mannigfache Gelübde,

Wort für Wort
vividhāni ca japyāni
und mannigfache Gebetsmurmeln (Akk.Pl.n.)
vividhāni vratāni ca
und mannigfache Gelübde (Akk.Pl.n.)

niyamān suvicitrāṃś ca vividhāni tapāṃsi ca; yajñāṃś ca vividhākārān vidhīṃś ca vividhāṃs tathā

sehr vielfältige Regeln und mannigfache Bußübungen, Opfer von vielerlei Gestalt und ebenso mannigfache Riten.

Wort für Wort
niyamān suvicitrāṃś ca
und sehr vielfältige Regeln (Akk.Pl.)
vividhāni tapāṃsi ca
und mannigfache Bußübungen (Akk.Pl.n.)
yajñāṃś ca vividhākārān
und Opfer von vielerlei Gestalt (Akk.Pl.)
vidhīṃś ca vividhāṃs tathā
und ebenso mannigfache Riten (Akk.Pl.)

vaṇikpathaṃ dvijakṣatraṃ vaiśyaśūdraṃ tathaiva ca; dānaṃ ca vividhākāraṃ dīnāndhakṛpaṇeṣv api

Den Weg des Kaufmanns, den [Stand] der Brahmanen und Kṣatriyas, der Vaiśyas und Śūdras, und die Gabe in vielerlei Gestalt auch an Elende, Blinde und Bedürftige.

Wort für Wort
vaṇikpathaṃ
den Weg der Kaufleute (Akk.)
dvijakṣatraṃ vaiśyaśūdraṃ tathaiva ca
[den Stand] der Zweimalgeborenen/Kṣatriyas, der Vaiśyas und Śūdras, und ebenso (Akk.)
dānaṃ ca vividhākāraṃ
und die Gabe von vielerlei Gestalt (Akk.)
dīnāndhakṛpaṇeṣv api
auch an Elende, Blinde, Bedürftige (Lok.Pl.)

dvijakṣatram: Brahmane/Kṣatriya-Stand, Deutung unsicher [?].

abhimanyaty asaṃbodhāt tathaiva trividhān guṇān; sattvaṃ rajas tamaś caiva dharmārthau kāma eva ca; prakṛtyātmānam evātmā evaṃ pravibhajaty uta

Er bildet es sich ein aus Nicht-Erkenntnis, ebenso die dreifachen Guṇas: Sattva, Rajas und Tamas, und Dharma, Artha und Kāma; so teilt das Selbst mittels der Prakṛti sich selbst auf.

Wort für Wort
abhimanyaty asaṃbodhāt
er bildet sich ein, aus Nicht-Erkenntnis (3.Sg.Präs./Abl.)
tathaiva trividhān guṇān
ebenso die dreifachen Guṇas (Akk.Pl.)
sattvaṃ rajas tamaś caiva
Sattva, Rajas und Tamas (Akk.)
dharmārthau kāma eva ca
Dharma und Artha und Kāma (Akk.Du./Akk.)
prakṛtyātmānam evātmā
mittels der Prakṛti sich selbst, der Ātman (Instr./Akk./Nom.)
evaṃ pravibhajaty uta
so teilt er auf, fürwahr (3.Sg.Präs./Part.)

svadhākāravaṣaṭkārau svāhākāranamaskriyāḥ; yājanādhyāpanaṃ dānaṃ tathaivāhuḥ pratigraham; yajanādhyayane caiva yac cānyad api kiṃ cana

Svadhā-Ruf und Vaṣaṭ-Ruf, Svāhā-Ruf und Verehrungsgruß, das Opferleiten, Lehren, Geben, und ebenso, sagt man, das Annehmen von Gaben; Opfern und Studieren und was es sonst noch gibt.

Wort für Wort
svadhākāravaṣaṭkārau
Svadhā-Ruf und Vaṣaṭ-Ruf (Nom./Akk.Du.)
svāhākāranamaskriyāḥ
Svāhā-Ruf und Verehrungsgruß (Nom./Akk.Pl.)
yājanādhyāpanaṃ dānaṃ
Opferleiten, Lehren, Geben (Akk.n.)
tathaivāhuḥ pratigraham
und ebenso sagen sie: Annehmen von Gaben (Perf.3.Pl./Akk.)
yajanādhyayane caiva
und Opfern und Studieren (Akk.Du.n.)
yac cānyad api kiṃ cana
und was sonst noch irgend (Nom./Akk.n.)

janmamṛtyuvivāde ca tathā viśasane 'pi ca; śubhāśubhamayaṃ sarvam etad āhuḥ kriyāpatham

Im Streit um Geburt und Tod und ebenso beim Niederstrecken [Töten]: dies alles, aus Gutem und Schlechtem bestehend, nennen sie den Pfad des Handelns.

Wort für Wort
janmamṛtyuvivāde ca
und im Streit um Geburt und Tod (Lok.Sg.)
tathā viśasane 'pi ca
und ebenso beim Niederstrecken/Töten (Lok.Sg.)
śubhāśubhamayaṃ sarvam
aus Gutem und Schlechtem bestehend, alles (Akk.Sg.n.)
etad āhuḥ
dies nennen sie (3.Pl.Perf.)
kriyāpatham
den Pfad des Handelns (Akk.Sg.)

viśasana: eigentlich Zerhauen/Töten; Sinn im Kontext leicht unsicher.

prakṛtiḥ kurute devī mahāpralayam eva ca; divasānte guṇān etān abhyetyaiko 'vatiṣṭhati

Die Göttin Prakṛti bewirkt auch die große Auflösung; am Ende des Tages tritt der Eine an diese Guṇas heran und bleibt allein bestehen.

Wort für Wort
prakṛtiḥ kurute devī
Prakṛti, die Göttin, bewirkt (Nom.Sg.f./3.Sg.Präs.Med.)
mahāpralayam eva ca
auch die große Auflösung (Akk.Sg.)
divasānte
am Ende des Tages (Lok.Sg.)
guṇān etān abhyetya
zu diesen Guṇas herantretend (Akk.Pl./Abs.)
eko 'vatiṣṭhati
der Eine bleibt bestehen (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

raśmijālam ivādityas tatkālena niyacchati; evam eṣo 'sakṛt sarvaṃ krīḍārtham abhimanyate

Wie die Sonne ihr Netz von Strahlen zu gegebener Zeit einzieht, so hält er immer wieder alles um des Spiels willen für [das Seine].

Wort für Wort
raśmijālam ivādityaḥ
wie die Sonne ihr Strahlennetz (Akk.Sg./Nom.Sg.)
tatkālena niyacchati
zu jener [gegebenen] Zeit zieht sie ein (Instr./3.Sg.Präs.)
evam eṣo 'sakṛt
so dieser immer wieder (Nom.Sg./Adv.)
sarvaṃ krīḍārtham
alles um des Spiels willen (Akk.Sg./Adv.)
abhimanyate
hält [dafür]/bildet sich ein (3.Sg.Präs.Med.)

abhimanyate: „sich einbilden, für sich halten“; Objekt „das Seine“ ergänzt.

ātmarūpaguṇān etān vividhān hṛdayapriyān; evam eva vikurvāṇaḥ sargapralayakarmaṇī

Diese mannigfachen, dem Herzen lieben Guṇas, die Gestalt des Selbst [zu sein scheinen], wandelt er so beständig um in den Werken von Schöpfung und Auflösung.

Wort für Wort
ātmarūpaguṇān etān
diese Eigenschaften von der Gestalt des Selbst (Akk.Pl.)
vividhān hṛdayapriyān
mannigfache, herzliebe (Akk.Pl.)
evam eva vikurvāṇaḥ
so eben umgestaltend (Part.Präs.Med. Nom.Sg.)
sargapralayakarmaṇī
in den Werken von Schöpfung und Auflösung (Lok.Du.)

ātmarūpaguṇān: Kompositum unsicher aufgelöst (Eigenschaften, die dem Selbst als Gestalt gelten).

kriyākriyā pathe raktas triguṇas triguṇātigaḥ; kriyākriyāpathopetas tathā tad iti manyate

Am Pfad von Tun und Nichttun hängend, dreifach an Guṇas und doch über die drei Guṇas hinausgehend, auf dem Pfad von Tun und Nichttun stehend, meint er so: „Das ist es.“ [?]

Wort für Wort
kriyākriyā pathe raktaḥ
am Pfad von Tun und Nichttun hängend (Lok.Sg./Nom.Sg.m.)
triguṇas
dreigunig (Nom.Sg.m.)
triguṇātigaḥ
die drei Guṇas überschreitend (Nom.Sg.m.)
kriyākriyāpathopetaḥ
mit dem Pfad von Tun und Nichttun versehen (Nom.Sg.m.)
tathā tad iti manyate
so denkt er: „das“ (3.Sg.Präs.Med.)

Textlich knapp; Deutung von triguṇas/triguṇātigaḥ nebeneinander unsicher.

prakṛtyā sarvam evedaṃ jagad andhīkṛtaṃ vibho; rajasā tamasā caiva vyāptaṃ sarvam anekadhā

Durch Prakṛti ist diese ganze Welt verblendet worden, o Herr; von Rajas und Tamas ist alles auf vielfache Weise durchdrungen.

Wort für Wort
prakṛtyā sarvam evedaṃ
durch Prakṛti dieses ganze (Instr./Akk.Sg.n.)
jagad andhīkṛtaṃ vibho
Welt verblendet, o Herr (Akk.Sg.n./Part.Perf.Pass./Vok.)
rajasā tamasā caiva
durch Rajas und Tamas (Instr.Sg.)
vyāptaṃ sarvam anekadhā
durchdrungen, alles, vielfach (Part.Perf.Pass./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

evaṃ dvaṃdvāny athaitāni vartante mama nityaśaḥ; mamaivaitāni jāyante bādhante tāni mām iti

So bestehen mir diese Gegensatzpaare beständig; mir selbst entstehen sie, und „sie bedrängen mich“, [denkt er].

Wort für Wort
evaṃ dvaṃdvāny athaitāni
so diese Gegensatzpaare (Nom.Pl.n.)
vartante mama nityaśaḥ
bestehen mir beständig (3.Pl.Präs.Med./Gen.)
mamaivaitāni jāyante
mir eben entstehen diese (3.Pl.Präs.Med.)
bādhante tāni mām iti
sie bedrängen mich, [so denkt er] (3.Pl.Präs.Med./Akk.)

nistartavyāny athaitāni sarvāṇīti narādhipa; manyate 'yaṃ hy abuddhitvāt tathaiva sukṛtāny api

„Alle diese sind zu überwinden“, o Herr der Menschen, so meint dieser aus Unverstand; ebenso auch die guten Taten [?].

Wort für Wort
nistartavyāny athaitāni
zu überwinden diese (Gerundiv Nom.Pl.n.)
sarvāṇīti narādhipa
alle, o Herr der Menschen (Nom.Pl.n./Vok.)
manyate 'yaṃ hy abuddhitvāt
es meint dieser fürwahr aus Unverstand (3.Sg.Präs.Med./Abl.)
tathaiva sukṛtāny api
ebenso auch die guten Taten (Nom.Pl.n.)

Ob auch die guten Taten als „zu überwinden“ gelten, ist im Satzbau unsicher.

bhoktavyāni mayaitāni devalokagatena vai; ihaiva cainaṃ bhokṣyāmi śubhāśubhaphalodayam

„Diese sind von mir zu genießen, wenn ich in die Götterwelt gegangen bin; und hier werde ich eben dies genießen, das Aufsteigen der Frucht von Gutem und Schlechtem.“

Wort für Wort
bhoktavyāni mayaitāni
zu genießen von mir diese (Gerundiv/Instr.)
devalokagatena vai
von dem, der in die Götterwelt gegangen ist (Instr.Sg.)
ihaiva cainaṃ bhokṣyāmi
und eben hier werde ich dies genießen (1.Sg.Fut.Med.)
śubhāśubhaphalodayam
das Aufkommen der Frucht von Gutem und Schlechtem (Akk.Sg.)

sukham eva ca kartavyaṃ sakṛt kṛtvā sukhaṃ mama

„Nur Glück ist zu schaffen; hat man es einmal getan, [so ist] mir Glück [?].“

Wort für Wort
sukham eva ca kartavyaṃ
und nur Glück ist zu schaffen (Gerundiv Nom.Sg.n.)
sakṛt kṛtvā
einmal getan habend (Abs.)
sukhaṃ mama
Glück [ist] mir (Nom./Gen.)

Knapper, syntaktisch harter Halbvers.

sukhārthī ca tyajed duḥkhaṃ sukhaduḥkhaviparyayam

Und wer Glück erstrebt, möge das Leid aufgeben, die Verkehrung von Glück und Leid.

Wort für Wort
sukhārthī ca
und der nach Glück Strebende (Nom.Sg.m.)
tyajed duḥkhaṃ
möge das Leid aufgeben (3.Sg.Opt.)
sukhaduḥkhaviparyayam
die Verkehrung von Glück und Leid (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.

yāvadantaṃ ca me saukhyaṃ jātyāṃ jātyāṃ bhaviṣyati

„Und bis zum Ende wird mir Wohlergehen sein, in Geburt um Geburt.“

Wort für Wort
yāvadantaṃ ca
und bis zum Ende (Adv.)
me saukhyaṃ
mir Wohlergehen (Gen./Nom.Sg.n.)
jātyāṃ jātyāṃ bhaviṣyati
in Geburt um Geburt wird sein (Lok./3.Sg.Fut.)

bhaviṣyati ca me duḥkhaṃ kṛtenehāpy anantakam; mahad duḥkhaṃ hi mānuṣyaṃ niraye cāpi majjanam

„Und mir wird durch das hier Getane auch endloses Leid sein; groß ist das Leid im Menschsein und auch das Versinken in der Hölle.“

Wort für Wort
bhaviṣyati ca me duḥkhaṃ
und es wird mir Leid sein (3.Sg.Fut./Nom.)
kṛtenehāpy anantakam
durch das hier Getane auch endlos (Instr./Nom.Sg.n.)
mahad duḥkhaṃ hi mānuṣyam
groß fürwahr ist das Leid des Menschseins (Nom.Sg.n.)
niraye cāpi majjanam
und auch das Versinken in der Hölle (Lok./Nom.Sg.n.)

nirayāc cāpi mānuṣyaṃ kālenaiṣyāmy ahaṃ punaḥ; manuṣyatvāc ca devatvaṃ devatvāt pauruṣaṃ punaḥ; manuṣyatvāc ca nirayaṃ paryāyeṇopagacchati

„Und aus der Hölle werde ich mit der Zeit wieder ins Menschsein gelangen; aus dem Menschsein zur Göttlichkeit, aus der Göttlichkeit wieder zum Menschentum.“ Aus dem Menschsein geht er der Reihe nach zur Hölle.

Wort für Wort
nirayāc cāpi mānuṣyaṃ
und aus der Hölle ins Menschsein (Abl./Akk.)
kālenaiṣyāmy ahaṃ punaḥ
mit der Zeit werde ich gelangen, wieder (Instr./1.Sg.Fut.)
manuṣyatvāc ca devatvaṃ
und aus dem Menschsein zur Göttlichkeit (Abl./Akk.)
devatvāt pauruṣaṃ punaḥ
aus der Göttlichkeit wieder zum Menschentum (Abl./Akk.)
manuṣyatvāc ca nirayaṃ
und aus dem Menschsein zur Hölle (Abl./Akk.)
paryāyeṇopagacchati
der Reihe nach geht er hin (Instr./3.Sg.Präs.)

Wechsel von der 1.Sg. (Rede des Verblendeten) zur 3.Sg. im letzten Pāda.

evaṃ paryāyaśo duḥkhaṃ punar eṣyāmy ahaṃ sukham

„So werde ich der Reihe nach Leid, dann wieder Glück erlangen.“

Wort für Wort
evaṃ paryāyaśo duḥkhaṃ
so der Reihe nach Leid (Adv./Akk.Sg.n.)
punar eṣyāmy ahaṃ sukham
wieder werde ich Glück erlangen (1.Sg.Fut./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.

ya evaṃ vetti vai nityaṃ nirātmātmaguṇair vṛtaḥ; tena devamanuṣyeṣu niraye copapadyate

Wer dies so beständig weiß, ohne [wahres] Selbst, umgeben von den [vermeintlichen] Eigenschaften des Selbst, der wird dadurch unter Göttern und Menschen und in der Hölle geboren.

Wort für Wort
ya evaṃ vetti vai nityaṃ
wer so fürwahr stets weiß (Rel.Nom./3.Sg.Präs.)
nirātmātmaguṇair vṛtaḥ
selbstlos, von den Selbst-Eigenschaften umgeben (Nom.Sg.m./Instr.Pl./Part.)
tena devamanuṣyeṣu
dadurch unter Göttern und Menschen (Instr./Lok.Pl.)
niraye copapadyate
und in der Hölle wird er geboren (Lok./3.Sg.Präs.Med.)

nirātmātmaguṇair: Auflösung unsicher (nirātmā + ātmaguṇaiḥ).

mamatvenāvṛto nityaṃ tatraiva parivartate; sargakoṭisahasrāṇi maraṇāntāsu mūrtiṣu

Von Mein-heit umhüllt, kreist er beständig eben dort umher, durch Tausende von Kroren von Schöpfungen, in Gestalten, deren Ende der Tod ist.

Wort für Wort
mamatvenāvṛto nityaṃ
von Mein-heit umhüllt, stets (Instr./Part.Nom.Sg.m.)
tatraiva parivartate
eben dort kreist er umher (3.Sg.Präs.Med.)
sargakoṭisahasrāṇi
Tausende von Kroren von Schöpfungen (Akk.Pl.n.)
maraṇāntāsu mūrtiṣu
in Gestalten mit dem Tod als Ende (Lok.Pl.f.)

koṭi: zehn Millionen.

ya evaṃ kurute karma śubhāśubhaphalātmakam; sa eva phalam aśnāti triṣu lokeṣu mūrtimān

Wer so das Werk verrichtet, dessen Wesen Frucht des Guten und Schlechten ist, der genießt die Frucht selbst, verkörpert in den drei Welten.

Wort für Wort
ya evaṃ kurute karma
wer so das Werk tut (Rel.Nom./3.Sg.Präs.Med.)
śubhāśubhaphalātmakam
dessen Wesen die Frucht des Guten und Schlechten ist (Akk.Sg.n.)
sa eva phalam aśnāti
der eben genießt die Frucht (3.Sg.Präs.)
triṣu lokeṣu mūrtimān
in den drei Welten verkörpert (Lok.Pl./Nom.Sg.m.)

prakṛtiḥ kurute karma śubhāśubhaphalātmakam; prakṛtiś ca tad aśnāti triṣu lokeṣu kāmagā

Prakṛti verrichtet das Werk, dessen Wesen Frucht des Guten und Schlechten ist; und Prakṛti genießt es, in den drei Welten nach Belieben wandelnd.

Wort für Wort
prakṛtiḥ kurute karma
Prakṛti verrichtet das Werk (Nom.Sg.f./3.Sg.Präs.Med.)
śubhāśubhaphalātmakam
dessen Wesen die Frucht des Guten und Schlechten ist (Akk.Sg.n.)
prakṛtiś ca tad aśnāti
und Prakṛti genießt dies (3.Sg.Präs.)
triṣu lokeṣu kāmagā
in den drei Welten nach Belieben gehend (Lok.Pl./Nom.Sg.f.)

tiryagyonau manuṣyatve devaloke tathaiva ca; trīṇi sthānāni caitāni jānīyāt prākṛtāni ha

In der Tiergeburt, im Menschsein und ebenso in der Götterwelt: diese drei Stätten soll man fürwahr als der Prakṛti zugehörig erkennen.

Wort für Wort
tiryagyonau manuṣyatve
in der Tiergeburt, im Menschsein (Lok.Sg.)
devaloke tathaiva ca
und ebenso in der Götterwelt (Lok.Sg.)
trīṇi sthānāni caitāni
und diese drei Stätten (Akk.Pl.n.)
jānīyāt prākṛtāni ha
soll man erkennen als prakṛtisch, fürwahr (3.Sg.Opt./Akk.Pl.n.)

aliṅgāṃ prakṛtiṃ tv āhur liṅgair anumimīmahe; tathaiva pauruṣaṃ liṅgam anumānād dhi paśyati

Die Prakṛti nennen sie merkmallos, [doch] durch Merkmale erschließen wir sie; ebenso sieht [der Mensch] das Merkmal des Puruṣa durch Schlussfolgerung.

Wort für Wort
aliṅgāṃ prakṛtiṃ tv āhuḥ
die merkmallose Prakṛti aber nennen sie (Akk.Sg.f./3.Pl.Perf.)
liṅgair anumimīmahe
durch Merkmale erschließen wir (Instr.Pl./1.Pl.Präs.Med.)
tathaiva pauruṣaṃ liṅgam
ebenso das Merkmal des Puruṣa (Akk.Sg.n.)
anumānād dhi paśyati
durch Schlussfolgerung fürwahr sieht er (Abl./3.Sg.Präs.)

sa liṅgāntaram āsādya prākṛtaṃ liṅgam avraṇam; vraṇadvārāṇy adhiṣṭhāya karmāṇy ātmani manyate

Er, ein anderes Merkmal erlangend, das prakṛtische, wundenlose Merkmal, und sich auf die Wundöffnungen stützend, hält die Taten für [solche] im Selbst.

Wort für Wort
sa liṅgāntaram āsādya
er, ein anderes Merkmal erlangend (Nom./Akk.Sg.n./Abs.)
prākṛtaṃ liṅgam avraṇam
das prakṛtische, wundenlose Merkmal (Akk.Sg.n.)
vraṇadvārāṇy adhiṣṭhāya
sich auf die Wundöffnungen stützend (Akk.Pl./Abs.)
karmāṇy ātmani manyate
die Taten im Selbst hält er (Akk.Pl./Lok./3.Sg.Präs.Med.)

vraṇadvārāṇi: „Wundöffnungen“, d. h. Körperöffnungen; ātmani manyate: Sinn „als im/am Selbst geschehend“ unsicher.

śrotrādīni tu sarvāṇi pañca karmendriyāṇi ca; vāg ādīni pravartante guṇeṣv eva guṇaiḥ saha; aham etāni vai kurvan mamaitānīndriyāṇi ca

Ohr und die übrigen [Erkenntnisorgane] alle und die fünf Tatorgane, Rede und die übrigen, wirken nur in den Guṇas, zusammen mit den Guṇas; [er denkt:] „Ich tue dies, und diese Sinnesorgane sind mein.“

Wort für Wort
śrotrādīni tu sarvāṇi
Ohr und die übrigen, alle (Nom.Pl.n.)
pañca karmendriyāṇi ca
und die fünf Tatorgane (Nom.Pl.n.)
vāg ādīni pravartante
Rede und die übrigen wirken (Nom.Pl.n./3.Pl.Präs.Med.)
guṇeṣv eva guṇaiḥ saha
nur in den Guṇas, mit den Guṇas (Lok.Pl./Instr.Pl.)
aham etāni vai kurvan
ich, dies tuend (Nom.Sg./Part.Nom.Sg.m.)
mamaitānīndriyāṇi ca
und diese Sinnesorgane sind mein (Gen./Nom.Pl.n.)

nirindriyo 'bhimanyeta vraṇavān asmi nirvraṇaḥ; aliṅgo liṅgam ātmānam akālaḥ kālam ātmanaḥ

Ohne Sinnesorgane dünkt er sich: „Ich habe eine Wunde“, [der] Wundenlose; der Merkmallose [hält] das Merkmal für sein Selbst, der Zeitlose die Zeit für das Seine.

Wort für Wort
nirindriyo 'bhimanyeta
ohne Sinnesorgane dünkt er sich (Nom.Sg.m./3.Sg.Opt.Med.)
vraṇavān asmi nirvraṇaḥ
„wundenbehaftet bin ich“, [obwohl] wundenlos (Nom.Sg.m.)
aliṅgo liṅgam ātmānam
der Merkmallose das Merkmal als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
akālaḥ kālam ātmanaḥ
der Zeitlose die Zeit als das Seine (Nom./Akk./Gen.Sg.)

Verb abhimanyeta/abhimanyate (Vers 59) wird auf die folgenden Verse bezogen; die Konstruktion ist elliptisch.

asattvaṃ sattvam ātmānam atattvaṃ tattvam ātmanaḥ; amṛtyur mṛtyum ātmānam acaraś caram ātmanaḥ

Der Wesenlose [hält] das Sein für sein Selbst, der Nichtwirkliche das Wirkliche für das Seine [?]; der Todlose den Tod für sein Selbst, der Unbewegte das Bewegte für das Seine.

Wort für Wort
asattvaṃ sattvam ātmānam
der Wesenlose das Sein als Selbst (Nom.[?]/Akk.Sg.)
atattvaṃ tattvam ātmanaḥ
der Nichtwirkliche das Wirkliche als das Seine (Nom.[?]/Akk./Gen.Sg.)
amṛtyur mṛtyum ātmānam
der Todlose den Tod als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
acaraś caram ātmanaḥ
der Unbewegte das Bewegte als das Seine (Nom./Akk./Gen.Sg.)

asattvam/atattvam sind formal Akkusative (oder Abstrakta); Wiedergabe als Nominative [?].

akṣetraḥ kṣetram ātmānam asargaḥ sargam ātmanaḥ; atapās tapa ātmānam agatir gatim ātmanaḥ

Der Feldlose [hält] das Feld für sein Selbst, der Schöpfungslose die Schöpfung für das Seine; der Askeselose die Askese für sein Selbst, der Wegelose den Weg für das Seine.

Wort für Wort
akṣetraḥ kṣetram ātmānam
der Feldlose das Feld als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
asargaḥ sargam ātmanaḥ
der Schöpfungslose die Schöpfung als das Seine (Nom./Akk./Gen.Sg.)
atapās tapa ātmānam
der Askeselose die Askese als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
agatir gatim ātmanaḥ
der Wegelose den Weg als das Seine (Nom./Akk./Gen.Sg.)

kṣetra: „Feld“ (Körper/Wirkungsfeld).

abhavo bhavam ātmānam abhayo bhayam ātmanaḥ

Der Werdelose [hält] das Werden für sein Selbst, der Furchtlose die Furcht für das Seine.

Wort für Wort
abhavo bhavam ātmānam
der Werdelose das Werden als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
abhayo bhayam ātmanaḥ
der Furchtlose die Furcht als das Seine (Nom./Akk./Gen.Sg.)

akartā kartṛ cātmānam abījo bījam ātmanaḥ

Der Nicht-Täter [hält] den Täter für sein Selbst, der Samenlose den Samen für das Seine.

Wort für Wort
akartā kartṛ cātmānam
der Nicht-Täter den Täter als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
abījo bījam ātmanaḥ
der Samenlose den Samen als das Seine (Nom./Akk./Gen.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.

akṣaraḥ kṣaram ātmānam abuddhis tv abhimanyate

Der Unvergängliche [hält] den Vergänglichen für sein Selbst: so dünkt sich der Unverständige.

Wort für Wort
akṣaraḥ kṣaram ātmānam
der Unvergängliche den Vergänglichen als Selbst (Nom./Akk.Sg.)
abuddhis tv abhimanyate
der Unverständige aber meint [dies] (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)

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