Kapitel 49: paraśurāmacaritam
Rāmas Herkunft, die Vernichtung der Kṣatriyas und ihre Neueinsetzung durch Kaśyapa
Vāsudeva erzählt Yudhiṣṭhira auf dessen Frage die Vorgeschichte Paraśurāmas: die Vertauschung der Opferbreie, seine Rachetat an Kārtavīrya Arjuna und dessen Nachkommen, die 21-fache Vernichtung der Kṣatriyas und die Wiedereinsetzung der Herrscherlinien durch Kaśyapa.
Vāsudeva sprach: „Höre, Sohn der Kuntī, was ich alles über Rāma gehört habe, wenn die großen Seher [von ihm] erzählen: den Grund [seines Wirkens] und seine Geburt.“
Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach (Perf.)
śṛṇu kaunteya
höre, Sohn der Kuntī (Imp./Vok.)
rāmasya mayā yāvat pariśrutam
was ich von Rāma alles gehört habe (Gen./Instr./Part.Pass.)
maharṣīṇāṃ kathayatām
[von] den erzählenden großen Sehern (Gen.Pl., Part.Präs.)
kāraṇaṃ tasya janma ca
den Grund seiner [Taten] und seine Geburt (Akk.Sg./Gen./Akk.)
yathā ca jāmadagnyena koṭiśaḥ kṣatriyā hatāḥ; udbhūtā rājavaṃśeṣu ye bhūyo bhārate hatāḥ
Und [höre], wie von dem Sohn des Jamadagni zu Millionen die Kṣatriyas erschlagen wurden, [und wie] die, die wieder in den Königsgeschlechtern entstanden, im Bhārata[-Krieg] erschlagen wurden.
Wort für Wort
yathā ca jāmadagnyena
und wie von Jāmadagnya (Instr.)
koṭiśaḥ kṣatriyā hatāḥ
zu Millionen die Kṣatriyas erschlagen (Adv./Nom.Pl./Part.Pass.)
udbhūtā rājavaṃśeṣu
hervorgekommen in den Königsgeschlechtern (Part.Pass./Lok.Pl.)
ye bhūyo bhārate hatāḥ
die dann wiederum im Bhārata[-Krieg] erschlagen wurden (Rel.Nom.Pl./Adv./Lok./Part.Pass.)
bhārate: „im Bhārata[-Krieg]“ ergänzt; auch „bei den Bhāratas“ möglich.
Er übte strenge Askese aus, auf Erden dem Tausendäugigen [Indra] gleich: „Möge ich einen unbesiegten Sohn erlangen, einen Herrn der drei Welten“, so [hieß es].
Wort für Wort
ugraṃ tapaḥ samātiṣṭhat
er übte strenge Askese aus (Akk./Impf.3.Sg.)
sahasrākṣasamo bhuvi
dem Tausendäugigen gleich auf Erden (Nom./Lok.)
putraṃ labheyam ajitam
einen Sohn möge ich erlangen, unbesiegt (Akk./Opt.1.Sg.)
trilokeśvaram ity uta
einen Herrn der drei Welten, so [sagt man] (Akk./Zitat/Part.)
tataḥ prītas tu kaunteya bhārgavaḥ kurunandana; putrārthe śrapayām āsa caruṃ gādhes tathaiva ca
Darauf, Sohn der Kuntī, Freude der Kurus, ließ der erfreute Bhārgava für [die Geburt von] Söhnen einen Opferbrei kochen, [einen] für sie und ebenso für Gādhi.
Wort für Wort
tataḥ prītas tu kaunteya
darauf, erfreut, Sohn der Kuntī (Adv./Part./Vok.)
bhārgavaḥ kurunandana
der Bhārgava, Freude der Kurus (Nom./Vok.)
putrārthe śrapayām āsa
ließ für Söhne kochen (Lok./Perf.Kaus.)
caruṃ gādhes tathaiva ca
den Opferbrei, [auch] für Gādhi ebenso (Akk./Gen./Adv.)
Wortlaut knapp: putrārthe „für Söhne“; gādhes „für Gādhi [bzw. dessen Frau]“, vgl. Vers 13–15.
„Ihr [der Mutter] wird ein Sohn geboren werden, glänzend, ein Stier unter den Kṣatriyas, in der Welt von Kṣatriyas nicht zu besiegen, ein Vernichter der Stiere unter den Kṣatriyas.“
Wort für Wort
tasyā janiṣyate putraḥ
von ihr wird ein Sohn geboren werden (Gen./Fut.Med.3.Sg./Nom.)
dīptimān kṣatriyarṣabhaḥ
glänzend, ein Stier unter den Kṣatriyas (Nom.)
ajayyaḥ kṣatriyair loke
unbesiegbar durch Kṣatriyas in der Welt (Nom./Instr.Pl./Lok.)
kṣatriyarṣabhasūdanaḥ
Vernichter der Kṣatriya-Stiere (Nom., Kompositum)
tasyā bezieht sich auf die Mutter (Gādhis Frau); Wortlaut dieser Rede setzt die Zuordnung der Breie voraus.
mātā tu tasyāḥ kaunteya duhitre svaṃ caruṃ dadau; tasyāś carum athājñātam ātmasaṃsthaṃ cakāra ha
Die Mutter aber, Sohn der Kuntī, gab ihrer Tochter den eigenen Brei; und den Brei der Tochter, [der ihr] unbekannt [war], machte sie sich selbst zu eigen.
Wort für Wort
mātā tu tasyāḥ kaunteya
die Mutter aber von ihr, Sohn der Kuntī (Nom./Gen./Vok.)
duhitre svaṃ caruṃ dadau
der Tochter den eigenen Brei gab sie (Dat./Akk./Perf.)
tasyāś carum athājñātam
deren Brei dann unbekannt [nicht erkannt] (Gen./Akk./Adv./Part.)
ātmasaṃsthaṃ cakāra ha
machte sie sich selbst zu eigen (Akk./Perf.)
ājñātam: „unbekannt“ (der Tochter unbewusst) – Zuordnung des Attributs leicht mehrdeutig; ātmasaṃstha wörtlich „bei sich befindlich“. [?]
janiṣyate hi te bhrātā brahmabhūtas tapodhanaḥ; viśvaṃ hi brahma tapasā mayā tatra samarpitam
„Es wird dir auch ein Bruder geboren werden, der zum Brahman geworden ist und dessen Reichtum die Askese ist; denn das ganze Brahman habe ich durch Askese dorthin gelegt.“
Wort für Wort
janiṣyate hi te bhrātā
geboren wird dir ja ein Bruder (Fut./Part./Dat./Nom.)
brahmabhūtas tapodhanaḥ
brahmanenhaft, reich an Askese (Nom.)
viśvaṃ hi brahma tapasā
denn das gesamte Brahman durch Askese (Nom./Akk./Instr.)
mayā tatra samarpitam
von mir dorthin gelegt (Instr./Adv./Part.Pass.)
bhrātā: der Sohn der Mutter wäre Satyavatīs Halbbruder [d. h. Bruder im weiteren Sinne]; tatra „dorthin“, d. h. in den Brei der Mutter (Deutung).
kṣatravīryaṃ ca sakalaṃ tava mātre samarpitam; viparyayeṇa te bhadre naitad evaṃ bhaviṣyati; mātus te brāhmaṇo bhūyāt tava ca kṣatriyaḥ sutaḥ
„Und die ganze Kriegerkraft ist deiner Mutter übertragen worden; durch die Vertauschung wird dies, Edle, nicht so sein: Deiner Mutter soll ein Brahmane [zuteilwerden], dir aber ein Kṣatriya-Sohn.“
Wort für Wort
kṣatravīryaṃ ca sakalam
und die ganze Kriegerkraft (Akk.)
tava mātre samarpitam
deiner Mutter übertragen (Dat./Part.Pass.)
viparyayeṇa te bhadre
durch die Vertauschung, dir, Edle (Instr./Gen./Vok.)
naitad evaṃ bhaviṣyati
dies wird nicht so sein (Fut.)
mātus te brāhmaṇo bhūyāt
deiner Mutter möge ein Brahmane sein (Gen./Nom./Prek.)
tava ca kṣatriyaḥ sutaḥ
und dir ein Kṣatriya-Sohn (Gen./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; bhūyāt mit Genitiv „möge zuteilwerden“ ergänzt.
Ṛcīka sprach: „Nicht war dieser Wunsch von mir so für dich gedacht, Edle; ein Sohn von grausamem Tun soll er sein: der Brei und die Mutter sind der Grund.“
Wort für Wort
ṛcīka uvāca
Ṛcīka sprach (Perf.)
naiṣa saṃkalpitaḥ kāmaḥ
nicht war dieser Wunsch beabsichtigt (Nom./Part.Pass.)
mayā bhadre tathā tvayi
von mir, Edle, so für dich (Instr./Vok./Adv./Lok.)
ugrakarmā bhavet putraḥ
von grausamem Tun soll der Sohn sein (Nom./Opt.)
carur mātā ca kāraṇam
der Brei und die Mutter [sind] der Grund (Nom./Nom./Nom.)
satyavaty uvāca; icchaṃl lokān api mune sṛjethāḥ kiṃ punar mama; śamātmakam ṛjuṃ putraṃ labheyaṃ japatāṃ vara
Satyavatī sprach: „Wenn du wolltest, Weiser, könntest du sogar [andere] Welten erschaffen, um wie viel mehr für mich; einen friedfertigen, aufrichtigen Sohn möge ich erlangen, du Bester der Murmelnden [Beter].“
Wort für Wort
satyavaty uvāca
Satyavatī sprach (Perf.)
icchaṃl lokān api mune
wenn du wolltest, sogar Welten, Weiser (Part./Akk./Vok.)
sṛjethāḥ kiṃ punar mama
würdest du erschaffen, wie viel mehr für mich (Opt.Med./Adv.)
śamātmakam ṛjuṃ putram
einen friedfertigen, geraden Sohn (Akk.)
labheyaṃ japatāṃ vara
möge ich erlangen, Bester der Murmelnden (Opt.1.Sg./Gen.Pl./Vok.)
sṛjethāḥ: Opt. „du würdest [könntest] erschaffen“; kiṃ punar mama „geschweige denn für mich“, Sinn ergänzt.
Ṛcīka sprach: „Niemals zuvor ist von mir, Edle, selbst in freier Rede [im Scherz] ein unwahres Wort gesprochen worden; um wie viel weniger nun, nachdem ich das Feuer mit Mantra eingesetzt habe, bei der Zubereitung des Breis.“
Wort für Wort
ṛcīka uvāca
Ṛcīka sprach (Perf.)
noktapūrvaṃ mayā bhadre
nicht früher gesagt von mir, Edle (Part.Pass./Instr./Vok.)
svaireṣv apy anṛtaṃ vacaḥ
selbst in freier Rede ein unwahres Wort (Lok.Pl./Akk.)
kim utāgniṃ samādhāya
wie viel weniger, das Feuer eingesetzt habend (Abs./Akk.)
mantravac carusādhane
mit Mantra, bei der Zubereitung des Breis (Adv./Lok.)
svaireṣu: „in freier [unbedachter] Rede“; Deutung nicht ganz sicher. [?]
dṛṣṭam etat purā bhadre jñātaṃ ca tapasā mayā; brahmabhūtaṃ hi sakalaṃ pitus tava kulaṃ bhavet
„Dies ist einst gesehen worden, Edle, und durch Askese von mir erkannt: Das ganze Geschlecht deines Vaters wird brahmanisch werden [zum Brahman geworden sein].“
Wort für Wort
dṛṣṭam etat purā bhadre
gesehen ist dies einst, Edle (Part.Pass./Adv./Vok.)
jñātaṃ ca tapasā mayā
und erkannt durch Askese von mir (Part.Pass./Instr.)
brahmabhūtaṃ hi sakalam
zum Brahman geworden ja ganz (Nom.)
pitus tava kulaṃ bhavet
das Geschlecht deines Vaters möge sein (Gen./Nom./Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.
Satyavatī sprach: „Meinetwegen; so sei es: [der Grausame] möge hier mein und dein Enkel sein. Einen friedfertigen, aufrichtigen Sohn möge ich erlangen, du Bester der Murmelnden.“
Wort für Wort
satyavaty uvāca
Satyavatī sprach (Perf.)
kāmam evaṃ bhavet
meinetwegen, so möge es sein (Adv./Opt.)
pautro mameha tava caiva ha
der Enkel mir hier und dir (Nom./Gen./Adv./Gen.)
śamātmakam ṛjuṃ putram
einen friedfertigen, geraden Sohn (Akk.)
labheyaṃ japatāṃ vara
möge ich erlangen, Bester der Murmelnden (Opt./Gen.Pl./Vok.)
Jamadagni, der Sohn des Ṛcīka, zeugte [einen] sehr Furchtbaren.
Wort für Wort
ārcīko janayām āsa
der Ṛcīka-Sohn zeugte (Nom./Perf.Kaus.)
jamadagniḥ sudāruṇam
Jamadagni, [einen] sehr Furchtbaren (Nom./Akk.)
Der Vers ist im überlieferten Text unvollständig bzw. syntaktisch verkürzt; sudāruṇam „sehr Furchtbaren“ ohne genannten Bezugsnamen (gemeint wohl Rāma). [?]
**** **** jamadagniṃ taponidhim; so 'pi putraṃ hy ajanayad
[Zwei Wörter fehlen im Text: Lücke] Jamadagni, den Schatz der Askese; auch er zeugte einen Sohn, [den …]
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
jamadagniṃ taponidhim
Jamadagni, den Askeseschatz (Akk.)
so 'pi putraṃ hy ajanayat
auch er zeugte fürwahr einen Sohn (Nom./Akk./Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Textlücke; [Anm.: Satz abgebrochen, Fortsetzung in der folgenden Einheit].
sarvavidyāntagaṃ śreṣṭhaṃ dhanurvede ca pāragam; rāmaṃ kṣatriyahantāraṃ pradīptam iva pāvakam
[Er zeugte] den, der bis ans Ende aller Wissenschaften gelangt ist, den Besten, und im Bogenwesen Vollendeten: Rāma, den Töter der Kṣatriyas, gleich einem lodernden Feuer.
Wort für Wort
sarvavidyāntagam
der bis ans Ende aller Wissenschaften Gelangte (Akk.Sg.m.)
śreṣṭham
den Besten (Akk.Sg.m.)
dhanurvede ca pāragam
und im Bogenwesen Vollendeten (Lok./Akk.Sg.m.)
rāmam
Rāma (Akk.Sg.)
kṣatriyahantāram
den Töter der Kṣatriyas (Akk.Sg.m.)
pradīptam iva pāvakam
gleich einem lodernden Feuer (Akk.Sg.m.)
Objekt zu janayām āsa aus Vers 32 (Text der Ausgabe mit Zusatzzeilen dazwischen).
Nachdem er Mahādeva auf dem Berg Gandhamādana zufriedengestellt hatte, erbat er Geschosswaffen und eine überaus glänzende Axt. Mit dieser Axt, deren Schneide nicht stumpf wurde, die dem lodernden Feuer an Glanz glich und unermesslich war, wurde er in den Welten unvergleichlich.
Wort für Wort
toṣayitvā mahādevam
nachdem er Mahādeva zufriedengestellt hatte (Abs./Akk.)
parvate gandhamādane
auf dem Berg Gandhamādana (Lok.)
astrāṇi varayām āsa
erbat Geschosswaffen (Akk.Pl./Perf.3.Sg.)
paraśuṃ cātitejasam
und eine überaus glänzende Axt (Akk.Sg.)
sa tenākuṇṭhadhāreṇa
er, mit dieser [Axt] von nicht stumpfer Schneide (Nom./Instr.Sg.)
jvalitānalavarcasā kuṭhāreṇāprameyeṇa
mit lodernder Feuerglut, mit der unermesslichen Axt (Instr.Sg.)
lokeṣv apratimo 'bhavat
wurde unter den Welten unvergleichlich (Lok.Pl./Impf.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Durch die Gunst Dattātreyas wurde der König tausendarmig, ein Allherrscher von großem Glanz, [Verehrer] der Brahmanen beim Rossopfer.
Wort für Wort
dattātreyaprasādena
durch die Gunst Dattātreyas (Instr.Sg.)
rājā bāhusahasravān
der König, tausend Arme besitzend (Nom.Sg.m.)
cakravartī mahātejā
Allherrscher von großem Glanz (Nom.Sg.m.)
viprāṇām āśvamedhike
der Brahmanen beim Rossopfer (Gen.Pl./Lok.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zweiter Halbvers syntaktisch knapp und unsicher: viprāṇām āśvamedhike (etwa: bei dem für die Brahmanen [bestimmten] Rossopfer).
dadāha pṛthivīṃ sarvāṃ saptadvīpāṃ sapattanām; svabāhvastrabalenājau dharmeṇa parameṇa ca
Er verbrannte die ganze Erde mit den sieben Erdteilen und ihren Städten, im Kampf durch die Kraft seiner Arme und Waffen und durch höchste Rechtschaffenheit.
Wort für Wort
dadāha pṛthivīṃ sarvām
verbrannte die ganze Erde (Perf.3.Sg./Akk.Sg.f.)
saptadvīpāṃ sapattanām
mit sieben Erdteilen, mit Städten (Akk.Sg.f.)
svabāhvastrabalenājau
durch die Kraft der eigenen Arme und Waffen im Kampf (Instr.Sg./Lok.Sg.)
tvayā na varjitaṃ mohād yasmād vanam idaṃ mama; dagdhaṃ tasmād raṇe rāmo bāhūṃs te chetsyate 'rjuna
„Weil du diesen meinen Wald aus Verblendung nicht verschont hast, sondern er verbrannt wurde, deshalb wird Rāma dir im Kampf die Arme abschlagen, Arjuna.“
Wort für Wort
tvayā na varjitam
von dir nicht verschont (Instr./Part.Pass.)
mohād yasmād
aus Verblendung, weil (Abl./Konj.)
vanam idaṃ mama
dieser Wald von mir (Akk./Gen.)
dagdhaṃ tasmād
verbrannt, deshalb (Part.Pass./Abl.)
raṇe rāmo
im Kampf Rāma (Lok./Nom.)
bāhūṃs te chetsyate 'rjuna
deine Arme wird abschlagen, Arjuna (Akk.Pl./Fut.Pass.3.Sg./Vok.)
tato 'rjunasya bāhūṃs tu chittvā vai pauruṣānvitaḥ; taṃ ruvantaṃ tato vatsaṃ jāmadagnyaḥ svam āśramam; pratyānayata rājendra teṣām antaḥpurāt prabhuḥ
Dann hieb der Sohn des Jamadagni, mannhaft, dem Arjuna die Arme ab und brachte das brüllende Kalb aus deren Frauengemach zurück in seine Einsiedelei, o Herrscher der Könige, er, der Herr.
Wort für Wort
tato 'rjunasya bāhūṃs tu
dann Arjunas Arme (Gen./Akk.Pl.)
chittvā vai pauruṣānvitaḥ
abgehauen habend, mannhaft (Abs./Nom.)
taṃ ruvantaṃ vatsam
jenes brüllende Kalb (Akk.Sg.m.)
jāmadagnyaḥ svam āśramam
der Jāmadagnya in seine Einsiedelei (Nom./Akk.)
pratyānayata rājendra
führte zurück, o Königsfürst (Impf.3.Sg./Vok.)
teṣām antaḥpurāt prabhuḥ
aus deren Frauengemach, der Herr (Gen.Pl./Abl./Nom.)
Sie ließen mit Pfeilspitzen [dessen] Kopf vom Rumpf fallen, o Herrscher der Menschen, als der hochgesinnte Rāma wegen Brennholz und Kuśa-Gras fortgegangen war.
Wort für Wort
apātayanta bhallāgraiḥ
ließen fallen mit Pfeilspitzen (Impf.3.Pl.Med./Instr.Pl.)
śiraḥ kāyān
den Kopf vom Rumpf (Akk./Abl.)
narādhipa
o Herrscher der Menschen (Vok.)
samitkuśārthaṃ
um Brennholz und Kuśa-Gras (Adv.)
rāmasya nirgatasya mahātmanaḥ
während der hochgesinnte Rāma fortgegangen war (Gen.abs.)
kāyān: Abl. „vom Rumpf“ (Text wohl kāyāt gemeint); Lesart [?].
pratyakṣaṃ rāmamātuś ca tathaivāśramavāsinām; śrutvā rāmas tam arthaṃ ca kruddhaḥ kālānalopamaḥ; dhanurvede 'dvitīyo hi divyāstraiḥ samalaṃkṛtaḥ; candrabimbārdhasaṃkāśaṃ paraśuṃ gṛhya bhārgavaḥ
Vor den Augen von Rāmas Mutter und der Einsiedeleibewohner. Als Rāma diese Sache hörte, war er zornig, dem Feuer des Weltendes gleich; im Bogenwesen ohnegleichen, mit himmlischen Waffen geschmückt, ergriff der Bhārgava die Axt, die der halben Mondscheibe glich.
Wort für Wort
pratyakṣaṃ rāmamātuś ca
vor den Augen auch von Rāmas Mutter (Adv./Gen.)
tathaivāśramavāsinām
und ebenso der Einsiedeleibewohner (Gen.Pl.)
śrutvā rāmas tam arthaṃ ca
nachdem Rāma diese Sache gehört hatte (Abs./Nom./Akk.)
kruddhaḥ kālānalopamaḥ
zornig, dem Weltbrand gleich (Nom.Sg.m.)
dhanurvede 'dvitīyo hi divyāstraiḥ samalaṃkṛtaḥ
im Bogenwesen ohne Zweiten, mit himmlischen Waffen geschmückt (Lok./Nom./Instr.)
candrabimbārdhasaṃkāśaṃ paraśuṃ gṛhya bhārgavaḥ
die der halben Mondscheibe gleiche Axt ergreifend, der Bhārgava (Akk./Abs./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
pṛthivī dakṣiṇā dattā vājimedhe mama tvayā; punar asyāḥ pṛthivyā hi dattvā dātum anīśvaraḥ
„Die Erde wurde mir von dir beim Rossopfer als Opferlohn gegeben; wer sie aber einmal gegeben hat, vermag sie nicht wiederum zu geben.“
Wort für Wort
pṛthivī dakṣiṇā dattā
die Erde [als] Opferlohn gegeben (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.f.; Part.Pass.)
vājimedhe mama tvayā
beim Rossopfer, mir, von dir (Lok.Sg.; Dat./Gen.; Instr.)
punar asyāḥ pṛthivyā hi
denn wiederum von dieser Erde (Gen.Sg.f.)
dattvā dātum anīśvaraḥ
nachdem er [sie] gegeben hat, unfähig zu geben (Abs.; Inf.; Nom.Sg.m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Halbvers b ist syntaktisch knapp, Ergänzung von „sie“ sinngemäß.
tataḥ śūdrāś ca vaiśyāś ca yathāsvairapracāriṇaḥ; avartanta dvijāgryāṇāṃ dāreṣu bharatarṣabha
Da benahmen sich Śūdras und Vaiśyas, nach Belieben umherstreifend, gegenüber den Frauen der besten Zweimalgeborenen [übergriffig], o Stier der Bharatas.
Wort für Wort
tataḥ śūdrāś ca vaiśyāś ca
da Śūdras und Vaiśyas (Nom.Pl.)
yathāsvairapracāriṇaḥ
nach Belieben umherstreifend (Nom.Pl.m.)
avartanta dvijāgryāṇām
sie verhielten sich, der besten Zweimalgeborenen (Impf. Med. 3.Pl.; Gen.Pl.)
dāreṣu bharatarṣabha
bei den Frauen, o Stier der Bharatas (Lok.Pl.; Vok.)
avartanta dāreṣu: „sich an den Frauen [vergehen]“, sinngemäße Ergänzung.
brāhmaṇā madyapāḥ ke cin mūrkhāḥ paṇḍitamāninaḥ; brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś cotpathagāminaḥ; parasparaṃ samāśritya ghātayanty apathi sthitāḥ; svadharmaṃ brāhmaṇās tyaktvā pāṣaṇḍāṃś ca samāśritāḥ; caurikānṛtamāyāś ca sarve caiva prakurvate; svadharmasthān dvijān hatvā tathāśramanivāsinaḥ; vaiśyāḥ satpathasaṃsthāś ca śūdrā ye caiva dhārmikāḥ; tān sarvān ghātayanti sma durācārāḥ sunirbhayāḥ; yajñādhyayanaśīlāṃś ca āśramasthāṃs tapasvinaḥ; gopālavṛddhanārīṇāṃ nāśaṃ kurvanti cāpare; ānvīkṣakī trayī vārtā na ca nītiḥ pravartate; vrātyatāṃ samanuprāptā bahavo hi dvijātayaḥ; adharottarāpacāreṇa mlecchabhūtāś ca sarvaśaḥ
Manche Brahmanen sind Trinker berauschender Getränke, Toren, die sich für Gelehrte halten; Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras gehen [alle] vom [rechten] Weg ab. Einander beistehend lassen sie, auf unrechtem Pfad stehend, [Menschen] töten. Die Brahmanen geben ihre eigene Pflicht auf und nehmen zu Irrlehrern Zuflucht; Diebstahl, Lüge und Trug üben alle aus. Sie erschlagen Zweimalgeborene, die in ihrer eigenen Pflicht stehen, und ebenso die in Einsiedeleien Wohnenden; Vaiśyas, die auf dem guten Pfad stehen, und Śūdras, die rechtschaffen sind: alle diese lassen die Übeltäter, völlig furchtlos, töten. Andere richten Asketen zugrunde, die sich dem Opfer und dem Studium widmen und in Einsiedeleien weilen, ebenso Kuhhirten, Greise und Frauen. Ānvīkṣikī, Trayī und Vārtā [die Wissenschaften] und die Staatskunst bestehen nicht mehr; viele Zweimalgeborene sind zu Vrātyas geworden, und durch Verkehrung des Niederen und Höheren [?] sind sie überall zu Mlecchas geworden.
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, vom Weg Abgehende (Nom.Pl.)
parasparaṃ samāśritya ghātayanty apathi sthitāḥ
einander beistehend lassen sie töten, auf unrechtem Pfad stehend (Abs.; Kaus.Präs. 3.Pl.; Part.)
svadharmaṃ brāhmaṇās tyaktvā pāṣaṇḍāṃś ca samāśritāḥ
die Brahmanen, die eigene Pflicht verlassen habend, und zu Irrlehrern Zuflucht genommen habend (Abs.; Akk.Pl.; Part.Pass.)
caurikānṛtamāyāś ca sarve caiva prakurvate
Diebstahl, Unwahrheit und Trug üben alle aus (Akk.Pl.; Präs. Med. 3.Pl.)
svadharmasthān dvijān hatvā tathāśramanivāsinaḥ
in der eigenen Pflicht stehende Zweimalgeborene erschlagen habend, ebenso die in Einsiedeleien Wohnenden (Akk.Pl.; Abs.)
vaiśyāḥ satpathasaṃsthāś ca śūdrā ye caiva dhārmikāḥ tān sarvān ghātayanti sma durācārāḥ sunirbhayāḥ
Vaiśyas auf dem guten Pfad und rechtschaffene Śūdras, alle diese ließen die Übeltäter, sehr furchtlos, töten (Nom./Akk.Pl.; Präs.+sma = Vergangenheit)
yajñādhyayanaśīlāṃś ca āśramasthāṃs tapasvinaḥ
auf Opfer und Studium bedachte, in Einsiedeleien weilende Asketen (Akk.Pl.)
gopālavṛddhanārīṇāṃ nāśaṃ kurvanti cāpare
der Kuhhirten, Greise und Frauen Vernichtung bewirken andere (Gen.Pl.; Akk.Sg.; Präs. 3.Pl.)
ānvīkṣakī trayī vārtā na ca nītiḥ pravartate
Ānvīkṣikī, Trayī, Vārtā und Staatskunst besteht nicht (Nom.Sg.f.; Präs. 3.Sg.)
vrātyatāṃ samanuprāptā bahavo hi dvijātayaḥ
denn viele Zweimalgeborene sind zum Vrātya-Stand gelangt (Akk.Sg.; Part.Pass.; Nom.Pl.)
adharottarāpacāreṇa mlecchabhūtāś ca sarvaśaḥ
durch Verkehrung/Fehlverhalten von Niederem und Höherem [?], und ganz zu Mlecchas geworden (Instr.Sg.; Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Lange Zusatzpassage. Der letzte Halbvers adharottarāpacāreṇa ist unsicher (wörtlich etwa „durch Fehlverhalten in Niederem und Höherem“); der Vers schwankt zwischen Verkehrung der Rangordnung und dem Verstoß gegen Rangpflichten.
[Lücke im Text] … von den Bösgesinnten bedrängt; durch [diese] Verkehrung alsbald …
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
pīḍyamānā durātmabhiḥ
bedrängt, von Bösgesinnten (Part.Pass. Nom.Sg.f.; Instr.Pl.)
viparyayeṇa tenāśu
durch jene Verkehrung, alsbald (Instr.Sg.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage mit Lücke (**** ****); der Satz bricht ab und ist ohne den Kontext unvollständig.
„… die stets Zuflucht genommen haben zu [Berufs-]Gruppen wie Vyokāra, Hemakāra und so fort [?]“
Wort für Wort
vyokārahemakārādi
Vyokāra, Hemakāra und so fort [?] (Kompositum)
jātiṃ nityam
Stand/Gruppe, stets (Akk.Sg.f.; Adv.)
apāśritāḥ
Zuflucht genommen habend (Part.Pass. Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; vyokāra ist unklar, vermutlich verderbt. Die Übersetzung ist unsicher.
teṣām apacitiś caiva mayā kāryā na saṃśayaḥ; na hy ahaṃ kāmaye nityam avikrāntena rakṣaṇam
„Für sie muss von mir Vergeltung/Ehrung geleistet werden, daran ist kein Zweifel; denn ich wünsche nicht, dass mich auf Dauer ein Unkriegerischer beschützt.“
Wort für Wort
teṣām apacitiś caiva
für sie Vergeltung/Ehrung, und (Gen.Pl.; Nom.Sg.f.)
mayā kāryā na saṃśayaḥ
von mir zu leisten, kein Zweifel (Instr.; Gerundiv; Nom.Sg.)
na hy ahaṃ kāmaye nityam
denn ich wünsche nicht dauernd (Präs. 1.Sg.; Adv.)
avikrāntena rakṣaṇam
Schutz durch einen Nichttapferen (Instr.Sg.; Akk.Sg.n.)
apaciti wird hier als Vergeltung bzw. Wiedergutmachung gefasst (auch „Ehrung“ möglich); Lesart nicht ganz sicher.
„Ich möchte mit [einem Beschützer] leben, der [tatsächlich] zur Stelle ist [?]; das möge schnell veranlasst werden.“
Wort für Wort
vartamānena varteyam
mit einem Vorhandenen/Bestehenden möchte ich bestehen [?] (Part.Präs. Instr.; Opt. 1.Sg.)
tat kṣipraṃ
das schnell (Nom./Akk.n.; Adv.)
saṃvidhīyatām
es möge angeordnet werden (Imp. Pass. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; vartamānena varteyam ist knapp und unsicher (etwa „mit einem Vorhandenen/Gegenwärtigen bestehen“).
Vaiśaṃpāyana sprach: Während er so sprach, fuhr der Held der Yadus rasch auf jenem Wagen zu Yudhiṣṭhira, dem Besten der Dharma-Träger, wie die Sonne, der Herrliche, der mit seinen Strahlen die drei Welten durchdringt.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom.; Perf. 3.Sg.)
evaṃ bruvann eva yadupravīro
während er so sprach, der Yadu-Held (Part.Präs. Nom.Sg.; Nom.Sg.)
yudhiṣṭhiraṃ dharmabhṛtāṃ variṣṭham
Yudhiṣṭhira, den Besten der Dharma-Träger (Akk.Sg.; Gen.Pl.; Akk.Sg.)
rathena tenāśu yayau
auf jenem Wagen rasch fuhr er (Instr.Sg.; Adv.; Perf. 3.Sg.)
yathārko viśan prabhābhir
wie die Sonne, eindringend mit Strahlen (Adv.; Part.Präs. Nom.Sg.; Instr.Pl.)
bhagavāṃs trilokam
der Herrliche, die drei Welten (Nom.Sg.; Akk.Sg.)
Der Halbvers ‚yudhiṣṭhiraṃ …‘ ist syntaktisch knapp; Yudhiṣṭhira wird sinngemäß als Ziel gefasst.