Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 9: saṃnyāsasaṅkalpaḥ Yudhiṣṭhiras Entschluss zum Leben als Einsiedler und Entsagender

Yudhiṣṭhira antwortet auf Arjunas Mahnung und schildert ausführlich, wie er Waldeinsamkeit, Bettelleben und Gleichmut üben und damit den Kreislauf des Saṃsāra hinter sich lassen will.

yudhiṣṭhira uvāca; muhūrtaṃ tāvad ekāgro manaḥśrotre 'ntarātmani; dhārayitvāpi te śrutvā rocatāṃ vacanaṃ mama

Yudhiṣṭhira sprach: „Nur einen Augenblick lang, einsgerichtet, mit Geist und Ohr im innersten Selbst – nachdem du [es] gehört und [im Herzen] festgehalten hast, möge dir meine Rede gefallen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
muhūrtaṃ tāvad ekāgraḥ
einen Augenblick lang nur, einsgerichtet (Akk. der Zeit / Nom.)
manaḥśrotre 'ntarātmani
Geist und Ohr im inneren Selbst (Lok. Du. / Lok.)
dhārayitvāpi te śrutvā
[es] festgehalten habend und gehört habend (Abs.)
rocatāṃ vacanaṃ mama
möge gefallen die Rede mir (3.Sg.Imp.Med. / Nom. / Gen.)

sārthagamyam ahaṃ mārgaṃ na jātu tvatkṛte punaḥ; gaccheyaṃ tad gamiṣyāmi hitvā grāmyasukhāny uta

Einen Weg, der in Gesellschaft [einer Karawane] gangbar ist, würde ich deinetwegen niemals wieder gehen; [den anderen] werde ich gehen, nachdem ich die Genüsse des Dorflebens verlassen habe.

Wort für Wort
sārthagamyam ahaṃ mārgam
den mit einer Karawane gangbaren Weg, ich, Weg (Akk. / Nom. / Akk.)
na jātu tvatkṛte punaḥ
niemals, deinetwegen, wieder (Adv.)
gaccheyaṃ
ich würde gehen (1.Sg.Opt.)
tad gamiṣyāmi
so / jenen werde ich gehen (Adv./Akk. / 1.Sg.Fut.)
hitvā grāmyasukhāny uta
verlassen habend die Genüsse des Dorflebens, ja (Abs. / Akk.Pl.n. / Part.)

Zweite Vershälfte im Bezug unsicher (tad = „so“ oder „jenen [Weg]“).

kṣemyaś caikākinā gamyaḥ panthāḥ ko 'stīti pṛccha mām; atha vā necchasi praṣṭum apṛcchann api me śṛṇu

Und frage mich: ‚Welcher heilsame Pfad ist von einem Einzelnen zu gehen?‘ Oder wenn du nicht fragen willst, so höre mich auch ungefragt.

Wort für Wort
kṣemyaś caikākinā gamyaḥ
heilsam und von einem Einzelnen zu gehen (Nom.Sg.m. / Instr. / Gerundiv)
panthāḥ ko 'sti
welcher Pfad ist (Nom. / Interr. / 3.Sg.Präs.)
iti pṛccha mām
so frage mich (Zitat / 2.Sg.Imp. / Akk.)
atha vā necchasi praṣṭum
oder wenn du nicht willst fragen (2.Sg.Präs. / Inf.)
apṛcchann api me śṛṇu
auch nicht fragend, höre mich (Part.Präs. / Abl.-Gen. / 2.Sg.Imp.)

hitvā grāmyasukhācāraṃ tapyamāno mahat tapaḥ; araṇye phalamūlāśī cariṣyāmi mṛgaiḥ saha

Nachdem ich Lebensweise und Genüsse des Dorflebens verlassen habe, große Askese übend, werde ich im Wald, von Früchten und Wurzeln lebend, mit den Wildtieren zusammen umherziehen.

Wort für Wort
hitvā grāmyasukhācāraṃ
verlassen habend Genuss und Brauch des Dorflebens (Abs. / Akk.)
tapyamāno mahat tapaḥ
große Askese übend (Part.Med. / Akk.)
araṇye phalamūlāśī
im Wald, von Früchten und Wurzeln lebend (Lok. / Nom.)
cariṣyāmi mṛgaiḥ saha
werde umherziehen mit den Tieren (1.Sg.Fut. / Instr.Pl.)

juhvāno 'gniṃ yathākālam ubhau kālāv upaspṛśan; kṛśaḥ parimitāhāraś carmacīrajaṭādharaḥ

Das Feuer zur rechten Zeit opfernd, zu beiden Zeiten das Wasserbad nehmend, abgemagert, maßvoll in der Nahrung, Antilopenfell, Bastgewand und Flechtenhaar tragend.

Wort für Wort
juhvāno 'gniṃ yathākālam
das Feuer opfernd, zur rechten Zeit (Part.Med. / Akk. / Adv.)
ubhau kālāv upaspṛśan
zu beiden Zeiten das Wasser berührend [rituelles Bad] (Akk.Du. / Part.Präs.)
kṛśaḥ parimitāhāraḥ
abgemagert, mit bemessener Nahrung (Nom. / Nom.)
carmacīrajaṭādharaḥ
Fell, Bastgewand und Flechten tragend (Nom.Sg.m., Kompositum)

śītavātātapasahaḥ kṣutpipāsāśramakṣamaḥ; tapasā vidhidṛṣṭena śarīram upaśoṣayan

Kälte, Wind und Hitze ertragend, Hunger, Durst und Mühsal duldend, den Körper durch eine der Vorschrift gemäß gesehene [festgelegte] Askese austrocknend.

Wort für Wort
śītavātātapasahaḥ
Kälte, Wind und Sonnenglut ertragend (Nom.Sg.m., Kompositum)
kṣutpipāsāśramakṣamaḥ
Hunger, Durst und Anstrengung duldend (Nom.Sg.m.)
tapasā vidhidṛṣṭena
durch Askese, die der Vorschrift gemäß ist (Instr.)
śarīram upaśoṣayan
den Körper austrocknend (Akk. / Part.Präs.Kaus.)

manaḥkarṇasukhā nityaṃ śṛṇvann uccāvacā giraḥ; muditānām araṇyeṣu vasatāṃ mṛgapakṣiṇām

Stets die dem Geist und dem Ohr wohltuenden, vielfältigen [hohen und tiefen] Laute der frohen, in den Wäldern lebenden Tiere und Vögel hörend,

Wort für Wort
manaḥkarṇasukhā nityaṃ
für Geist und Ohr angenehm, stets (Akk.Pl.f. / Adv.)
śṛṇvann uccāvacā giraḥ
hörend die hohen und tiefen [vielfältigen] Laute (Part.Präs. / Akk.Pl.f.)
muditānām araṇyeṣu vasatām
der Frohen, die in den Wäldern wohnen (Gen.Pl. / Lok.Pl. / Part.Gen.Pl.)
mṛgapakṣiṇām
der Tiere und Vögel (Gen.Pl.)

ājighran peśalān gandhān phullānāṃ vṛkṣavīrudhām; nānārūpān vane paśyan ramaṇīyān vanaukasaḥ

die lieblichen Düfte der blühenden Bäume und Schlingpflanzen einatmend, im Wald die vielgestaltigen, reizenden Waldbewohner erblickend.

Wort für Wort
ājighran peśalān gandhān
einatmend die lieblichen Düfte (Part.Präs. / Akk.Pl.)
phullānāṃ vṛkṣavīrudhām
der blühenden Bäume und Schlingpflanzen (Gen.Pl.)
nānārūpān vane paśyan
vielgestaltige, im Wald erblickend (Akk.Pl. / Lok. / Part.Präs.)
ramaṇīyān vanaukasaḥ
reizende Waldbewohner (Akk.Pl.)

vānaprasthajanasyāpi darśanaṃ kulavāsinaḥ; nāpriyāṇy ācariṣyāmi kiṃ punar grāmavāsinām

Selbst dem Anblick der Waldeinsiedler gegenüber, [selbst] der in Sippen Lebenden [?], werde ich nichts Unliebes tun; wie viel weniger gegenüber den Dorfbewohnern.

Wort für Wort
vānaprasthajanasyāpi
auch des Volkes der Waldeinsiedler (Gen.)
darśanaṃ kulavāsinaḥ
Anblick, des in einer Sippe Lebenden (Akk.Sg.n. / Gen.Sg.m.)
nāpriyāṇy ācariṣyāmi
nichts Unliebes werde ich tun (Akk.Pl.n. / 1.Sg.Fut.)
kiṃ punar grāmavāsinām
wie viel mehr [nicht] den Dorfbewohnern (Adv. / Gen.Pl.)

Syntax der ersten Vershälfte unsicher; die Wiedergabe ist eine wortnahe Lesart.

ekāntaśīlī vimṛśan pakvāpakvena vartayan; pitṝn devāṃś ca vanyena vāgbhir adbhiś ca tarpayan

Der Einsamkeit zugetan, prüfend, von Reifem und Unreifem lebend, die Ahnen und Götter mit Waldkost, mit Worten und mit Wasser sättigend.

Wort für Wort
ekāntaśīlī vimṛśan
der Einsamkeit zugeneigt, erwägend (Nom. / Part.Präs.)
pakvāpakvena vartayan
von Reifem und Unreifem sich unterhaltend (Instr. / Part.Präs.)
pitṝn devāṃś ca
die Ahnen und die Götter (Akk.Pl.)
vanyena vāgbhir adbhiś ca
mit Waldkost, mit Worten und mit Wassern (Instr.Pl.)
tarpayan
sättigend (Part.Präs.Kaus.)

evam āraṇyaśāstrāṇām ugram ugrataraṃ vidhim; sevamānaḥ pratīkṣiṣye dehasyāsya samāpanam

So werde ich die strenge, noch strengere Vorschrift der Waldlehren befolgend das Ende dieses Körpers erwarten.

Wort für Wort
evam āraṇyaśāstrāṇām
so, der Waldlehren (Adv. / Gen.Pl.)
ugram ugrataraṃ vidhim
die strenge, noch strengere Vorschrift (Akk.)
sevamānaḥ pratīkṣiṣye
befolgend, werde erwarten (Part.Med. / 1.Sg.Fut.Med.)
dehasyāsya samāpanam
dieses Körpers Vollendung / Ende (Gen. / Akk.)

atha vaiko 'ham ekāham ekaikasmin vanaspatau; caran bhaikṣyaṃ munir muṇḍaḥ kṣapayiṣye kalevaram

Oder aber ich, allein, jeweils einen Tag an einem einzelnen Baum, als kahlgeschorener Weiser bettelnd umherziehend, werde den Körper aufzehren.

Wort für Wort
atha vaiko 'ham
oder aber ich allein (Nom.)
ekāham ekaikasmin vanaspatau
einen Tag an jedem einzelnen Baum (Adv. / Lok.)
caran bhaikṣyaṃ munir muṇḍaḥ
umherziehend, Almosen, Weiser, kahlgeschoren (Part.Präs. / Akk. / Nom. / Nom.)
kṣapayiṣye kalevaram
werde aufzehren den Leib (1.Sg.Fut.Med.Kaus. / Akk.)

pāṃsubhiḥ samavacchannaḥ śūnyāgārapratiśrayaḥ; vṛkṣamūlaniketo vā tyaktasarvapriyāpriyaḥ

Mit Staub bedeckt, in leeren Häusern Unterkunft nehmend oder den Baumwurzelsitz zur Wohnstatt habend, alles Liebe und Unliebe aufgegeben,

Wort für Wort
pāṃsubhiḥ samavacchannaḥ
mit Staub bedeckt (Instr.Pl. / Part.Nom.)
śūnyāgārapratiśrayaḥ
leere Häuser als Unterkunft habend (Nom.Sg.m.)
vṛkṣamūlaniketo vā
oder den Baumwurzelplatz als Wohnung habend (Nom.)
tyaktasarvapriyāpriyaḥ
alles Liebe und Unliebe aufgegeben habend (Nom.)

na śocan na prahṛṣyaṃś ca tulyanindātmasaṃstutiḥ; nirāśīr nirmamo bhūtvā nirdvaṃdvo niṣparigrahaḥ

weder trauernd noch frohlockend, Tadel und Selbstlob gleichachtend, wunschlos, ohne Ichbezogenheit geworden, frei von den Gegensatzpaaren, besitzlos.

Wort für Wort
na śocan na prahṛṣyan ca
nicht trauernd und nicht frohlockend (Part.Präs.)
tulyanindātmasaṃstutiḥ
Tadel und Selbstlob gleich achtend (Nom.)
nirāśīr nirmamo bhūtvā
wunschlos, ohne Mein-Denken, geworden (Nom. / Nom. / Abs.)
nirdvaṃdvo niṣparigrahaḥ
frei von Gegensatzpaaren, besitzlos (Nom.)

ātmārāmaḥ prasannātmā jaḍāndhabadhirākṛtiḥ; akurvāṇaḥ paraiḥ kāṃ cit saṃvidaṃ jātu kena cit

In sich selbst ruhend, klaren Gemüts, mit dem Aussehen eines Stumpfen, Blinden und Tauben, mit anderen niemals irgendeine Abmachung mit irgendjemandem treffend,

Wort für Wort
ātmārāmaḥ prasannātmā
am Selbst sich erfreuend, klaren Gemüts (Nom.)
jaḍāndhabadhirākṛtiḥ
von der Gestalt eines Stumpfen, Blinden, Tauben (Nom.)
akurvāṇaḥ paraiḥ
nicht schließend, mit anderen (Part.Med. / Instr.Pl.)
kāṃ cit saṃvidaṃ
irgendeine Übereinkunft (Akk.)
jātu kena cit
jemals mit irgendwem (Adv. / Instr.)

jaṅgamājaṅgamān sarvān navihiṃsaṃś caturvidhān; prajāḥ sarvāḥ svadharmasthāḥ samaḥ prāṇabhṛtaḥ prati

alle beweglichen und unbeweglichen Wesen, in den vier Arten, nicht verletzend, gegenüber allen Geschöpfen, die in ihrem eigenen Dharma stehen, gleichmütig gegen die Lebewesen.

Wort für Wort
jaṅgamājaṅgamān sarvān
alle Beweglichen und Unbeweglichen (Akk.Pl.)
na vihiṃsaṃś caturvidhān
nicht verletzend, vierfach [gegliederte] (Part.Präs. / Akk.Pl.)
prajāḥ sarvāḥ svadharmasthāḥ
alle Geschöpfe, im eigenen Dharma stehend (Akk.Pl.f.)
samaḥ prāṇabhṛtaḥ prati
gleich gegenüber den Lebewesen (Nom. / Akk.Pl. / Präp.)

na cāpy avahasan kaṃ cin na kurvan bhrukuṭīṃ kva cit; prasannavadano nityaṃ sarvendriyasusaṃyataḥ

Auch niemanden verlachend, nirgends die Stirn runzelnd, stets mit heiterem Antlitz, alle Sinne wohl gezügelt.

Wort für Wort
na cāpy avahasan kaṃ cit
und auch niemanden verlachend (Part.Präs. / Akk.)
na kurvan bhrukuṭīṃ kva cit
nirgends die Stirn runzelnd (Part.Präs. / Akk.)
prasannavadano nityam
mit heiterem Gesicht, stets (Nom. / Adv.)
sarvendriyasusaṃyataḥ
alle Sinne wohl gebändigt (Nom.)

apṛcchan kasya cin mārgaṃ vrajan yenaiva kena cit; na deśaṃ na diśaṃ kāṃ cid gantum icchan viśeṣataḥ

Niemanden nach dem Weg fragend, auf irgendeinem beliebigen [Weg] gehend, kein bestimmtes Land, keine bestimmte Himmelsrichtung besonders zu erreichen wünschend.

Wort für Wort
apṛcchan kasya cin mārgam
nicht fragend nach irgendeinem Weg (Part.Präs. / Gen. / Akk.)
vrajan yenaiva kena cit
gehend auf gerade irgendeinem [Weg] (Part.Präs. / Instr.)
na deśaṃ na diśaṃ kāṃ cid
kein Land, keine Himmelsrichtung (Akk.)
gantum icchan viśeṣataḥ
zu gehen wünschend, im Besonderen (Inf. / Part.Präs. / Adv.)

gamane nirapekṣaś ca paścād anavalokayan; ṛjuḥ praṇihito gacchaṃs trasasthāvaravarjakaḥ

Beim Gehen unbekümmert, nicht nach hinten blickend, geradeaus, gesammelt gehend, Bewegliches und Unbewegliches meidend [nicht verletzend].

Wort für Wort
gamane nirapekṣaś ca
beim Gehen unbekümmert (Lok. / Nom.)
paścād anavalokayan
nicht nach hinten blickend (Adv. / Part.Präs.)
ṛjuḥ praṇihito gacchan
gerade, gesammelt, gehend (Nom. / Part.Nom. / Part.Präs.)
trasasthāvaravarjakaḥ
Bewegliches und Unbewegliches meidend (Nom.)

svabhāvas tu prayāty agre prabhavanty aśanāny api; dvaṃdvāni ca viruddhāni tāni sarvāṇy acintayan

Die [eigene] Natur geht voran, auch Speisen stellen sich ein [?]; und all die gegensätzlichen Paare nicht beachtend.

Wort für Wort
svabhāvas tu prayāty agre
die Natur aber geht voran (Nom. / 3.Sg.Präs. / Adv.)
prabhavanty aśanāny api
auch Speisen kommen zustande / stehen zu Gebote (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.n.)
dvaṃdvāni ca viruddhāni
und die Gegensatzpaare, gegensätzlichen (Akk.Pl.n.)
tāni sarvāṇy acintayan
all diese nicht bedenkend (Akk.Pl.n. / Part.Präs.)

Erste Vershälfte schwer; Deutung von svabhāva („eigene Natur“ / „von selbst“) und prabhavanti unsicher.

alpaṃ vāsvādu vā bhojyaṃ pūrvālābhena jātu cit; anyeṣv api caraṃl lābham alābhe sapta pūrayan

Mag die Speise einmal, wegen vorherigen Nichterlangens, gering oder unschmackhaft sein: auch bei anderen umherziehend, bei Nichterlangen die [Zahl] sieben vollmachend [?].

Wort für Wort
alpaṃ vāsvādu vā bhojyam
gering oder unschmackhaft, zu essen(d) (Nom.Sg.n. / Gerundiv)
pūrvālābhena jātu cit
durch früheres Nichterlangen, gelegentlich (Instr. / Adv.)
anyeṣv api caran
auch bei anderen umherziehend (Lok.Pl. / Part.Präs.)
lābham alābhe
Erlangen, bei Nichterlangen (Akk. / Lok.)
sapta pūrayan
sieben vollmachend (Akk. / Part.Präs.Kaus.)

Bezug von lābham/alābhe und Zahl sieben (vgl. 2 + 5 in Vers 23) unklar.

vidhūme nyastamusale vyaṅgāre bhuktavaj jane; atītapātrasaṃcāre kāle vigatabhikṣuke

Wenn kein Rauch mehr aufsteigt, der Mörser abgelegt ist, keine Glut mehr da ist, die Leute gegessen haben, das Umhergehen der Schalen vorüber ist, die Bettelmönche fort sind –

Wort für Wort
vidhūme nyastamusale
bei rauchlos, bei niedergelegtem Mörser (Lok.abs.)
vyaṅgāre bhuktavaj jane
bei glutlos, bei gegessen habenden Leuten (Lok.abs.)
atītapātrasaṃcāre
bei vorüber[gegangenem] Herumgehen der Schalen (Lok.abs.)
kāle vigatabhikṣuke
zu einer Zeit, in der die Bettler fort sind (Lok.abs.)

ekakālaṃ caran bhaikṣyaṃ gṛhe dve caiva pañca ca; spṛhāpāśān vimucyāhaṃ cariṣyāmi mahīm imām

– einmal am Tag Almosen erbettelnd, in zwei und fünf Häusern [?], werde ich, die Fesseln des Verlangens lösend, diese Erde durchwandern.

Wort für Wort
ekakālaṃ caran bhaikṣyam
einmal am Tag umherziehend, Almosen (Adv. / Part.Präs. / Akk.)
gṛhe dve caiva pañca ca
in [zwei und fünf] Häusern (Lok. / Zahlen)
spṛhāpāśān vimucya
die Stricke des Verlangens lösend (Akk.Pl. / Abs.)
ahaṃ cariṣyāmi mahīm imām
ich werde durchwandern diese Erde (Nom. / 1.Sg.Fut. / Akk.)

Text der Verse 22–23 zusammenhängend; „gṛhe dve … pañca“ möglicherweise „bei zwei oder fünf [Häusern]“.

alābhe sati vā lābhe samadarśī mahātapāḥ

Bei Nichterlangen wie bei Erlangen gleichmütig blickend, der große Asket.

Wort für Wort
alābhe sati vā lābhe
bei Nichterlangen oder Erlangen (Lok. / Part.Lok. / Part. / Lok.)
samadarśī
gleichblickend (Nom.)
mahātapāḥ
großer Asket (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in Teilen der Handschriften).

na jijīviṣuvat kiṃ cin na mumūrṣuvad ācaran; jīvitaṃ maraṇaṃ caiva nābhinandan na ca dviṣan

Nicht wie einer, der leben will, in irgendetwas handelnd, nicht wie einer, der sterben will, Leben und Tod weder begrüßend noch hassend.

Wort für Wort
na jijīviṣuvat kiṃ cin
nicht wie ein Lebenwollender, in irgendetwas (Adv. / Akk.)
na mumūrṣuvad ācaran
nicht wie ein Sterbenwollender handelnd (Adv. / Part.Präs.)
jīvitaṃ maraṇaṃ caiva
Leben und Tod (Akk.)
nābhinandan na ca dviṣan
nicht begrüßend, und nicht hassend (Part.Präs.)

vāsyaikaṃ takṣato bāhuṃ candanenaikam ukṣataḥ; nākalyāṇaṃ na kalyāṇaṃ cintayann ubhayos tayoḥ

Dem einen, der [mir] den Arm mit dem Beil behaut, dem anderen, der ihn mit Sandel salbt – weder Unheil noch Heil an jene beiden denkend.

Wort für Wort
vāsyaikaṃ takṣato bāhum
dem einen, der [ihn] mit dem Beil behaut, den Arm (Instr. / Gen.Part. / Akk.)
candanenaikam ukṣataḥ
dem einen, der [ihn] mit Sandel besprengt (Instr. / Gen.Part.)
nākalyāṇaṃ na kalyāṇam
weder Unheil noch Heil (Akk.)
cintayann ubhayos tayoḥ
bedenkend, bei jenen beiden (Part.Präs. / Gen.Du.)

yāḥ kāś cij jīvatā śakyāḥ kartum abhyudayakriyāḥ; sarvās tāḥ samabhityajya nimeṣādivyavasthitaḥ

Alle Handlungen zum Aufstieg, die von einem Lebenden zu vollziehen möglich sind, sie alle ganz aufgebend, nur noch im Augenblinzeln und dergleichen [Lebensregungen] verharrend [?].

Wort für Wort
yāḥ kāś cij jīvatā śakyāḥ
welche auch immer, von einem Lebenden möglich (Nom.Pl.f. / Instr.)
kartum abhyudayakriyāḥ
zu tun, Handlungen des Aufstiegs (Inf. / Nom.Pl.f.)
sarvās tāḥ samabhityajya
sie alle ganz aufgebend (Akk.Pl.f. / Abs.)
nimeṣādivyavasthitaḥ
im Augenblinzeln u. Ä. verharrend (Nom.)

nimeṣādi-vyavasthita: Deutung unsicher.

teṣu nityam asaktaś ca tyaktasarvendriyakriyaḥ; suparityaktasaṃkalpaḥ sunirṇiktātmakalmaṣaḥ

An ihnen stets ohne Anhaften, alle Sinnestätigkeit aufgegeben, die Absichten gänzlich fahren lassend, die Makel des Selbst wohl abgewaschen,

Wort für Wort
teṣu nityam asaktaś ca
an ihnen stets nicht haftend (Lok.Pl. / Adv. / Nom.)
tyaktasarvendriyakriyaḥ
alle Sinnestätigkeit aufgegeben (Nom.)
suparityaktasaṃkalpaḥ
Absichten gut aufgegeben (Nom.)
sunirṇiktātmakalmaṣaḥ
des Selbst Makel gut abgewaschen (Nom.)

vimuktaḥ sarvasaṅgebhyo vyatītaḥ sarvavāgurāḥ; na vaśe kasya cit tiṣṭhan sadharmā mātariśvanaḥ

von allen Bindungen befreit, über alle Schlingen hinaus, in niemandes Gewalt stehend, wesensgleich dem Wind.

Wort für Wort
vimuktaḥ sarvasaṅgebhyaḥ
befreit von allen Anhaftungen (Part.Nom. / Abl.Pl.)
vyatītaḥ sarvavāgurāḥ
hinausgegangen über alle Schlingen (Part.Nom. / Akk.Pl.f.)
na vaśe kasya cit tiṣṭhan
nicht in jemandes Gewalt stehend (Lok. / Gen. / Part.Präs.)
sadharmā mātariśvanaḥ
wesensgleich dem Wind (Nom. / Gen.)

vītarāgaś carann evaṃ tuṣṭiṃ prāpsyāmi śāśvatīm; tṛṣṇayā hi mahat pāpam ajñānād asmi kāritaḥ

So leidenschaftslos umherwandernd, werde ich dauerhafte Zufriedenheit erlangen; denn aus Unwissen bin ich durch Begierde zu großem Übel veranlasst worden.

Wort für Wort
vītarāgaś carann evam
leidenschaftslos, umherziehend, so (Nom. / Part.Präs. / Adv.)
tuṣṭiṃ prāpsyāmi śāśvatīm
Zufriedenheit werde ich erlangen, dauerhafte (Akk. / 1.Sg.Fut. / Akk.)
tṛṣṇayā hi mahat pāpam
denn durch Begierde, großes Übel (Instr. / Part. / Akk.)
ajñānād asmi kāritaḥ
aus Unwissen bin ich veranlasst worden (Abl. / 1.Sg. / Part.Kaus.)

kuśalākuśalāny eke kṛtvā karmāṇi mānavāḥ; kāryakāraṇasaṃśliṣṭaṃ svajanaṃ nāma bibhrati

Manche Menschen, die gute und schlechte Taten getan haben, unterhalten ihre sogenannte Sippe, die in Zweck und Ursache verstrickt ist.

Wort für Wort
kuśalākuśalāny eke
Gutes und Schlechtes, manche (Akk.Pl.n. / Nom.Pl.)
kṛtvā karmāṇi mānavāḥ
getan habend Taten, Menschen (Abs. / Akk.Pl. / Nom.Pl.)
kāryakāraṇasaṃśliṣṭam
in Zweck und Ursache verwickelt (Akk.Sg.n.)
svajanaṃ nāma bibhrati
die Sippe, sogenannte, sie erhalten (Akk. / Part. / 3.Pl.Präs.)

āyuṣo 'nte prahāyedaṃ kṣīṇaprāyaṃ kalevaram; pratigṛhṇāti tat pāpaṃ kartuḥ karmaphalaṃ hi tat

Am Ende des Lebens verlässt [er] diesen fast verbrauchten Körper; jenes Übel nimmt [der Täter] auf sich, denn das ist die Frucht der Tat des Täters.

Wort für Wort
āyuṣo 'nte prahāya
am Ende des Lebens verlassend (Gen. / Lok. / Abs.)
idaṃ kṣīṇaprāyaṃ kalevaram
diesen fast verbrauchten Körper (Akk.)
pratigṛhṇāti tat pāpam
er nimmt an jenes Übel (3.Sg.Präs. / Akk.)
kartuḥ karmaphalaṃ hi tat
des Täters Tatfrucht, denn das (Gen. / Nom. / Part. / Pron.)

Subjekt von pratigṛhṇāti unklar (Täter oder [Verwandte]).

evaṃ saṃsāracakre 'smin vyāviddhe rathacakravat; sameti bhūtagrāmo 'yaṃ bhūtagrāmeṇa kāryavān

So, in diesem Kreislauf des Saṃsāra, der wie ein Wagenrad gedreht wird, kommt diese Schar der Wesen mit [einer anderen] Schar der Wesen zusammen, jeweils mit einem Anliegen.

Wort für Wort
evaṃ saṃsāracakre 'smin
so, in diesem Rad des Saṃsāra (Adv. / Lok.)
vyāviddhe rathacakravat
das gedreht wird, wie ein Wagenrad (Part.Lok. / Adv.)
sameti bhūtagrāmo 'yam
kommt zusammen, diese Wesensschar (3.Sg.Präs. / Nom.)
bhūtagrāmeṇa kāryavān
mit [anderer] Wesensschar, ein Anliegen habend (Instr. / Nom.)

janmamṛtyujarāvyādhivedanābhir upadrutam; asāram imam asvantaṃ saṃsāraṃ tyajataḥ sukham

Für den, der diesen von Geburt, Tod, Alter, Krankheit und Schmerz geplagten, wesenlosen, endlosen [?] Saṃsāra aufgibt, [gibt es] Glück.

Wort für Wort
janmamṛtyujarāvyādhivedanābhir
durch Geburt, Tod, Alter, Krankheit, Schmerz (Instr.Pl.)
upadrutam asāram imam
geplagt, wesenlos, diesen (Akk.Sg.m.)
asvantaṃ saṃsāraṃ
endlosen [?] Saṃsāra (Akk.)
tyajataḥ sukham
für den Aufgebenden, Glück (Part.Gen. / Nom.)

asvanta: Deutung unsicher.

divaḥ patatsu deveṣu sthānebhyaś ca maharṣiṣu; ko hi nāma bhavenārthī bhavet kāraṇatattvavit

Wenn Götter vom Himmel fallen und große Weise von ihren Stätten – wer wäre da, die Wahrheit der Ursachen kennend, wohl ein [noch] Verlangender?

Wort für Wort
divaḥ patatsu deveṣu
vom Himmel fallend, unter Göttern (Abl. / Part.Lok.Pl. / Lok.Pl.)
sthānebhyaś ca maharṣiṣu
und von den Stätten, unter großen Sehern (Abl.Pl. / Lok.Pl.)
ko hi nāma bhaven
wer denn wohl wäre (Interr. / Part. / 3.Sg.Opt.)
ārthī bhavet
ein Verlangender (Nom.)
kāraṇatattvavit
der die Wahrheit der Ursachen kennt (Nom.)

Zweiter Pāda: bhavet ārthī wiederholt bhaven; „bhavenārthī“ zu lesen als bhaven na arthī oder bhaven ārthī.

kṛtvā hi vividhaṃ karma tat tad vividhalakṣaṇam; pārthivair nṛpatiḥ svalpaiḥ kāraṇair eva badhyate

Denn wenn ein König vielerlei Taten, jeweils von vielerlei Merkmalen, getan hat, wird er durch ganz geringe irdische Ursachen gebunden.

Wort für Wort
kṛtvā hi vividhaṃ karma
denn getan habend vielerlei Tat (Abs. / Akk.)
tat tad vividhalakṣaṇam
jeweils von vielerlei Merkmalen (Akk.)
pārthivair nṛpatiḥ
der König, [durch] irdische (Instr.Pl. / Nom.)
svalpaiḥ kāraṇair eva
durch sehr geringe Ursachen (Instr.Pl.)
badhyate
wird gebunden (3.Sg.Pass.)

tasmāt prajñāmṛtam idaṃ cirān māṃ pratyupasthitam; tat prāpya prārthaye sthānam avyayaṃ śāśvataṃ dhruvam

Deshalb ist mir dieses Unsterblichkeitsgetränk der Einsicht nach langer Zeit zuteilgeworden; nachdem ich es erlangt habe, erstrebe ich die unvergängliche, ewige, feste Stätte.

Wort für Wort
tasmāt prajñāmṛtam idam
deshalb dieser Nektar der Einsicht (Abl. / Nom.)
cirān māṃ pratyupasthitam
nach langer Zeit mir gegenwärtig geworden (Abl. / Akk. / Part.)
tat prāpya prārthaye
ihn erlangt habend, erstrebe ich (Abs. / 1.Sg.Präs.Med.)
sthānam avyayaṃ śāśvataṃ dhruvam
die Stätte, unvergänglich, ewig, fest (Akk.)

etayā satataṃ vṛttyā carann evaṃprakārayā; dehaṃ saṃsthāpayiṣyāmi nirbhayaṃ mārgam āsthitaḥ

Mit dieser Lebensweise, von solcher Art, beständig wandelnd, werde ich den Körper [zur Ruhe] bringen, furchtlos, den Weg betreten habend.

Wort für Wort
etayā satataṃ vṛttyā
mit dieser Lebensweise, beständig (Instr. / Adv.)
carann evaṃprakārayā
umherziehend, von solcher Art (Part.Präs. / Instr.)
dehaṃ saṃsthāpayiṣyāmi
den Körper werde ich [zur Ruhe] bringen (Akk. / 1.Sg.Fut.Kaus.)
nirbhayaṃ mārgam āsthitaḥ
furchtlos, den Weg beschritten habend (Adv. / Akk. / Part.)

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