Kapitel 1: karṇarahasyakathanam
Yudhiṣṭhiras Kummer und die Frage nach Karṇas verborgener Herkunft
Nach den Totenriten sitzt Yudhiṣṭhira von Kummer erfüllt unter Seherbesuch am Gaṅgā-Ufer. Nārada spricht ihn an, Yudhiṣṭhira klagt über die Vernichtung der Verwandten und über Karṇas geheim gehaltene Abstammung.
Nachdem man sich vor Nārāyaṇa verneigt hat, und ebenso vor Nara, dem Besten der Männer, und vor der Göttin Sarasvatī, soll man danach das „Jaya“ anstimmen.
Wort für Wort
nārāyaṇaṃ namaskṛtya
vor Nārāyaṇa verneigt habend (Akk.; Abs.)
naraṃ caiva narottamam
und ebenso vor Nara, dem Besten der Männer (Akk.)
devīṃ sarasvatīṃ caiva
und vor der Göttin Sarasvatī (Akk.)
tato jayam udīrayet
danach soll man das Jaya anstimmen (Opt. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „Jaya“ ist hier der Name des Werkes (Mahābhārata).
dvaipāyanauṣṭhapuṭaniḥsṛtam aprameyaṃ; puṇyaṃ pavitram atha pāpaharaṃ śivaṃ ca; yo bhārataṃ samadhigacchati vācyamānaṃ; kiṃ tasya puṣkarajalair abhiṣecanena; yo gośataṃ kaṇa[na]kaśṛṅgamayaṃ dadāti; viprāya vedaviduṣe ca bahuśrutāya; ekāṃ ca bhāratakathāṃ śṛṇuyāt samagrāṃ; tulyaṃ phalaṃ bhavati tasya ca tasya ceti
Aus dem Lippenpaar Dvaipāyanas hervorgegangen, unermesslich, heilig, rein, sündentilgend und segensreich: Wer das Bhārata, während es vorgetragen wird, [in sich] aufnimmt, was nützt dem das Besprengen mit Wasser aus Puṣkara-Teichen? Wer einem Brahmanen, der die Veden kennt und vielgelehrt ist, hundert Kühe gibt, [ihre Hörner] aus Gold gefertigt, und wer eine einzige Bhārata-Erzählung vollständig anhört: Gleich ist der Lohn des einen und des anderen.
Wort für Wort
dvaipāyanauṣṭhapuṭaniḥsṛtam
aus dem Lippenpaar Dvaipāyanas hervorgegangen (Akk. Sg. n.)
aprameyaṃ puṇyaṃ pavitram
unermesslich, heilig, rein (Akk. n.)
atha pāpaharaṃ śivaṃ ca
und sündentilgend und segensreich (Akk. n.)
yo bhārataṃ samadhigacchati vācyamānam
wer das Bhārata, während es vorgetragen wird, erlangt/aufnimmt (3.Sg.Präs.; Part. Pass.)
kiṃ tasya puṣkarajalair abhiṣecanena
was [nützt] diesem das Besprengen mit Puṣkara-Wasser (Instr.)
yo gośataṃ kanakaśṛṅgamayaṃ dadāti
wer hundert Kühe, goldhörnig [?], gibt (3.Sg.Präs.)
viprāya vedaviduṣe ca bahuśrutāya
einem Brahmanen, Veda-Kundigen und Vielgehörten (Dat.)
ekāṃ ca bhāratakathāṃ śṛṇuyāt samagrām
und wer eine Bhārata-Erzählung vollständig anhören würde (Opt. 3.Sg.)
tulyaṃ phalaṃ bhavati tasya ca tasya ca iti
gleich ist der Lohn dieses und jenes (3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Handschriftlich verderbt: „kaṇa[na]ka“ ist wohl kanaka „Gold“ zu lesen; „goldhörnig“ daher unsicher.
vyāsaṃ vasiṣṭhanaptāraṃ śakteḥ pautram akalmaṣam; parāśarātmajaṃ vande śukatātaṃ taponidhim; vyāsāya viṣṇurūpāya vyāsarūpāya viṣṇave; namo vai brahmanidhaye vāsiṣṭhāya namo namaḥ; namo dharmāya mahate namaḥ kṛṣṇāya vedhase; brāhmaṇebhyo namaskṛtya dharmān vakṣyāmi śāśvatān; namo bhagavate tasmai vyāsāyāmitatejase; yasya prasādād vakṣyāmi nārāyaṇakathām imām
Ich verehre Vyāsa, den Urenkel Vasiṣṭhas, den Enkel Śaktis, den Makellosen, den Sohn Parāśaras, den Vater Śukas, den Schatz der Askese. Verehrung Vyāsa, der die Gestalt Viṣṇus hat, und Viṣṇu, der die Gestalt Vyāsas hat; Verehrung dem Schatz des Brahman, dem Vāsiṣṭha, Verehrung, Verehrung. Verehrung dem großen Dharma, Verehrung Kṛṣṇa, dem Ordner. Nachdem ich mich vor den Brahmanen verneigt habe, werde ich die ewigen Dharmas verkünden. Verehrung dem erhabenen Vyāsa von unermesslichem Glanz, durch dessen Gnade ich diese Nārāyaṇa-Erzählung verkünden werde.
Wort für Wort
vyāsaṃ vasiṣṭhanaptāraṃ
Vyāsa, den Urenkel Vasiṣṭhas (Akk.)
śakteḥ pautram akalmaṣam
den Enkel Śaktis, den Makellosen (Akk.)
parāśarātmajaṃ vande śukatātaṃ taponidhim
den Sohn Parāśaras verehre ich, den Vater Śukas, den Schatz der Askese (1.Sg.Präs.)
vyāsāya viṣṇurūpāya vyāsarūpāya viṣṇave
Vyāsa, Viṣṇu-gestaltig, und Viṣṇu, Vyāsa-gestaltig (Dat.)
namo vai brahmanidhaye vāsiṣṭhāya namo namaḥ
Verehrung dem Schatz des Brahman, dem Vāsiṣṭha, Verehrung, Verehrung (Dat.)
namo dharmāya mahate namaḥ kṛṣṇāya vedhase
Verehrung dem großen Dharma, Verehrung Kṛṣṇa, dem Ordner (Dat.)
brāhmaṇebhyo namaskṛtya dharmān vakṣyāmi śāśvatān
vor den Brahmanen verneigt, werde ich die ewigen Dharmas verkünden (Abs.; 1.Sg.Fut.)
namo bhagavate tasmai vyāsāyāmitatejase
Verehrung dem erhabenen Vyāsa von unermesslichem Glanz (Dat.)
yasya prasādād vakṣyāmi nārāyaṇakathām imām
durch dessen Gnade ich diese Nārāyaṇa-Erzählung verkünden werde (Abl.; 1.Sg.Fut.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Eingangsverse (Mangala) der Zusatzüberlieferung; Vyāsa ist Urenkel Vasiṣṭhas über Śakti und Parāśara.
vaiśaṃpāyana uvāca; kṛtodakās te suhṛdāṃ sarveṣāṃ pāṇḍunandanāḥ; viduro dhṛtarāṣṭraś ca sarvāś ca bharatastriyaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem die Pāṇḍu-Söhne allen Freunden das Wasseropfer dargebracht hatten, [waren sie] und Vidura und Dhṛtarāṣṭra und alle Frauen der Bharatas [dort].
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
kṛtodakās te suhṛdāṃ sarveṣām
diese, die das Wasseropfer für alle Freunde vollzogen hatten (Nom. Pl.; Gen. Pl.)
pāṇḍunandanāḥ
die Söhne Pāṇḍus (Nom. Pl.)
viduro dhṛtarāṣṭraś ca
Vidura und Dhṛtarāṣṭra (Nom.)
sarvāś ca bharatastriyaḥ
und alle Frauen der Bharatas (Nom. Pl. f.)
Der Satz wird in Vers 5 fortgesetzt (tatra … nyavasan).
abhigamya mahātmānaḥ pūjitāś ca yathāvidhi; āsaneṣu mahārheṣu viviśus te maharṣayaḥ
Nachdem sie herangetreten und gemäß der Vorschrift geehrt worden waren, ließen sich jene hochgesinnten großen Seher auf überaus kostbaren Sitzen nieder.
Wort für Wort
abhigamya mahātmānaḥ
herangetreten, die Hochgesinnten (Abs.; Nom. Pl.)
pūjitāś ca yathāvidhi
und geehrt nach der Vorschrift (Part. Pass. Nom. Pl.; Adv.)
āsaneṣu mahārheṣu
auf sehr kostbaren Sitzen (Lok. Pl.)
viviśus te maharṣayaḥ
ließen sich nieder, jene großen Seher (Perf. 3.Pl.; Nom. Pl.)
Nārada aber sprach zur rechten Zeit zu dem dharmagesinnten Yudhiṣṭhira Worte, die der Zeit angemessen waren, nachdem er sich mit den Munis beraten hatte.
Wort für Wort
nāradas tv abravīt kāle
Nārada aber sprach zur rechten Zeit (Impf. 3.Sg.; Lok.)
dharmātmānaṃ yudhiṣṭhiram
zu dem dharmagesinnten Yudhiṣṭhira (Akk.)
vicārya munibhiḥ sārdhaṃ
nachdem er beraten hatte, zusammen mit den Munis (Abs.; Instr. Pl.)
kaccic ca nihatāmitraḥ prīṇāsi suhṛdo nṛpa; kaccic chriyam imāṃ prāpya na tvāṃ śokaḥ prabādhate
Erfreust du, König, nachdem du die Feinde erschlagen hast, deine Freunde? Und quält dich, nachdem du diese Fürstenpracht erlangt hast, der Kummer nicht?
Wort für Wort
kaccic ca nihatāmitraḥ
und wohl, du, dessen Feinde erschlagen sind (Nom. m.)
prīṇāsi suhṛdo nṛpa
erfreust du die Freunde, König (2.Sg.Präs.; Akk. Pl.; Vok.)
kaccic chriyam imāṃ prāpya
wohl, nachdem du diese Pracht erlangt hast (Akk.; Abs.)
na tvāṃ śokaḥ prabādhate
quält dich der Kummer nicht (Akk.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
yudhiṣṭhira uvāca; vijiteyaṃ mahī kṛtsnā kṛṣṇabāhubalāśrayāt; brāhmaṇānāṃ prasādena bhīmārjunabalena ca
Yudhiṣṭhira sprach: Diese ganze Erde ist erobert dank der Stütze auf Kṛṣṇas Armkraft, durch die Gnade der Brahmanen und durch die Kraft von Bhīma und Arjuna.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
vijiteyaṃ mahī kṛtsnā
erobert ist diese ganze Erde (Part. Pass. f.; Nom.)
idaṃ tu me mahad duḥkhaṃ vartate hṛdi nityadā; kṛtvā jñātikṣayam imaṃ mahāntaṃ lobhakāritam
Dies aber ist mein großer Kummer, der beständig im Herzen bleibt: dass ich diese gewaltige, durch Gier bewirkte Vernichtung der Verwandten angerichtet habe.
Wort für Wort
idaṃ tu me mahad duḥkhaṃ
dies aber ist mir ein großer Kummer (Nom. n.; Gen./Dat.)
vartate hṛdi nityadā
bleibt im Herzen beständig (3.Sg.Präs.; Lok.; Adv.)
kṛtvā jñātikṣayam imaṃ
nachdem ich diese Vernichtung der Verwandten bewirkt habe (Abs.; Akk.)
saubhadraṃ draupadeyāṃś ca ghātayitvā priyān sutān; jayo 'yam ajayākāro bhagavan pratibhāti me
Nachdem ich Saubhadra und die Draupadī-Söhne, meine geliebten Söhne, habe töten lassen, erscheint mir dieser Sieg, Ehrwürdiger, wie eine Gestalt der Niederlage.
Wort für Wort
saubhadraṃ draupadeyāṃś ca
den Sohn der Subhadrā und die Söhne der Draupadī (Akk.)
ghātayitvā priyān sutān
töten lassend, die geliebten Söhne (Abs. Kaus.; Akk. Pl.)
jayo 'yam ajayākāro
dieser Sieg, von der Gestalt einer Niederlage (Nom.)
kiṃ nu vakṣyati vārṣṇeyī vadhūr me madhusūdanam; dvārakāvāsinī kṛṣṇam itaḥ pratigataṃ harim
Was wird die Vṛṣṇi-Frau, meine junge Frau [im Haus], die in Dvārakā wohnt, zu Madhusūdana, zu Kṛṣṇa, zu Hari sagen, wenn er von hier zurückgekehrt ist?
Wort für Wort
kiṃ nu vakṣyati vārṣṇeyī
was wird die Vṛṣṇi-Frau wohl sagen (3.Sg.Fut.; Nom. f.)
Jener, der in der Welt die Kraft von zehntausend Elefanten hatte, im Kampf ohne ebenbürtigen Wagenkämpfer, mit dem Gang eines spielenden Löwen, klug, mitleidig, selbstbeherrscht, fest in seinen Gelübden,
Wort für Wort
yo 'sau nāgāyutabalo
jener, der die Kraft von zehntausend Elefanten [hatte] (Nom.)
loke 'pratiratho raṇe
in der Welt, im Kampf ohne ebenbürtigen Wagenkämpfer (Lok.)
ajānatā mayā saṃkhye rājyalubdhena ghātitaḥ; tan me dahati gātrāṇi tūlarāśim ivānalaḥ
Von mir, der ich [es] nicht wusste, wurde er in der Schlacht erschlagen, [von mir,] der ich nach der Herrschaft gierte; das verbrennt mir die Glieder wie Feuer einen Haufen Baumwolle.
Wort für Wort
ajānatā mayā saṃkhye
von mir, dem Nichtwissenden, in der Schlacht (Instr./Lok.)
rājyalubdhena ghātitaḥ
von dem nach Herrschaft Gierigen erschlagen [worden] (Instr.; Part.Pass. Kaus.)
tat me dahati gātrāṇi
das verbrennt mir die Glieder (3.Sg.Präs.; Akk. Pl.)
pṛthāyā na kṛtaḥ kāmas tena cāpi mahātmanā; atipaścād idaṃ mātary avocad iti naḥ śrutam
Doch Pṛthās Wunsch wurde auch von jenem Hochgesinnten nicht erfüllt; er soll der Mutter gegenüber gar zu spät [?] dies gesagt haben – so haben wir gehört.
Wort für Wort
pṛthāyāḥ na kṛtaḥ kāmaḥ
Pṛthās Wunsch wurde nicht erfüllt (Gen.; Part.Pass.)
tena ca api mahātmanā
auch von jenem Hochgesinnten (Instr. Sg.)
atipaścāt idam
gar zu spät [?], dies (Adv.; Akk. n.)
mātari avocat
zur Mutter sprach (Lok.; 3.Sg.Aor./Perf.)
iti naḥ śrutam
so [ist] uns gehört [worden] (Part.Pass.)
atipaścāt: „sehr spät/nach langem“, Bezug unsicher; idam verweist auf die folgende Rede.
„Und wenn ich auf deinen Rat hin mit Yudhiṣṭhira Frieden schlösse, so würden die Leute von mir denken, ich fürchtete mich in der Schlacht vor dem Weißrossfahrer.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhireṇa saṃdhiṃ ca
und Frieden mit Yudhiṣṭhira (Instr.; Akk. Sg.)
yadi kuryām mate tava
wenn ich schlösse, nach deiner Meinung (1.Sg.Opt.; Lok./Gen.)
bhītaḥ raṇe śvetavāhāt
furchtsam in der Schlacht vor dem Weißrossfahrer (Part.; Abl.)
so 'haṃ nirjitya samare vijayaṃ sahakeśavam; saṃdhāsye dharmaputreṇa paścād iti ca so 'bravīt
„Ich werde erst, nachdem ich in der Schlacht den Sieger [Arjuna] samt Keśava besiegt habe, danach mit dem Sohn des Dharma Frieden schließen“ – so sprach er.
Wort für Wort
so aham nirjitya samare
ich, nachdem ich besiegt habe, in der Schlacht (Abs.; Lok.)
vijayaṃ sahakeśavam
den Vijaya samt Keśava (Akk.)
saṃdhāsye dharmaputreṇa
werde Frieden schließen mit dem Sohn des Dharma (1.Sg.Fut. Med.; Instr.)
so 'bravīn mātaraṃ dhīmān vepamānaḥ kṛtāñjaliḥ; prāptān viṣahyāṃś caturo na haniṣyāmi te sutān
Der Kluge sprach zur Mutter, zitternd, die Hände in Verehrung gefaltet: „Die vier, die mir in Reichweite kommen und [die ich] bezwingen kann, werde ich, deine Söhne, nicht töten.“
Wort für Wort
so abravīt mātaram
er sprach zur Mutter (3.Sg.Impf.; Akk.)
dhīmān vepamānaḥ
der Kluge, zitternd (Nom.; Part.Präs.)
kṛtāñjaliḥ
die Hände zusammengelegt (Nom. Bahuvrīhi)
prāptān viṣahyān caturaḥ
die Herangekommenen, Bezwingbaren, vier (Akk. Pl.)
na haniṣyāmi te sutān
nicht werde ich töten deine Söhne (1.Sg.Fut.; Akk.)
prāptān viṣahyān: „die in Reichweite Gelangten und Bezwingbaren“.
tam evam uktvā tu pṛthā visṛjyopayayau gṛhān; so 'rjunena hato vīro bhrātā bhrātrā sahodaraḥ
Nachdem Pṛthā so zu ihm gesprochen und ihn entlassen hatte, kehrte sie in ihr Haus zurück. Jener Held wurde von Arjuna erschlagen – Bruder vom Bruder, dem leiblichen.
Wort für Wort
tam evam uktvā tu pṛthā
zu ihm so gesagt habend, Pṛthā (Abs.)
visṛjya upayayau gṛhān
entlassen habend, ging zurück zum Haus (Abs.; 3.Sg.Perf.; Akk. Pl.)
saḥ arjunena hataḥ vīraḥ
jener Held, von Arjuna erschlagen (Nom.; Instr.; Part.Pass.)
bhrātā bhrātrā sahodaraḥ
der Bruder vom Bruder, dem leiblichen (Nom.; Instr.)
Und nicht wurde das Geheimnis enthüllt, o Weiser, weder von Pṛthā noch von ihm; dann wurde der Held, der große Bogenschütze, von Pārtha niedergestreckt.
Wort für Wort
na ca eva vivṛtaḥ mantraḥ
und nicht ward enthüllt der Rat/das Geheimnis (Part.Pass.; Nom.)
pṛthāyāḥ tasya vā mune
von Pṛthā oder von ihm, o Weiser (Gen.; Vok.)
atha śūraḥ maheṣvāsaḥ
dann der Held, der große Bogenschütze (Nom.)
pārthena asau nipātitaḥ
von Pārtha jener niedergestreckt (Instr.; Part.Pass. Kaus.)
Ich aber erfuhr später, o Bester der Zweimalgeborenen, auf Pṛthās Wort hin, o Herr, dass Karṇa mein leiblicher Bruder von der Mutter her, der Ältere, war.
Wort für Wort
aham tu ajñāsiṣam paścāt
ich aber erfuhr später (1.Sg.Aor.; Adv.)
svasodaryaṃ dvijottama
als leiblichen Bruder, o Bester der Zweimalgeborenen (Akk.; Vok.)
śrotum icchāmi bhagavaṃs tvattaḥ sarvaṃ yathātatham; bhavān hi sarvavid vidvāṃl loke veda kṛtākṛtam
Ich möchte alles von dir hören, Erhabener, wie es wirklich war; denn du bist allwissend, ein Kundiger, und kennst in der Welt das Getane und das Ungetane.
Wort für Wort
śrotum icchāmi bhagavan
hören will ich, o Erhabener (Inf.; 1.Sg.Präs.; Vok.)
tvattaḥ sarvaṃ yathātatham
von dir alles, der Wahrheit gemäß (Abl.; Akk.; Adv.)
bhavān hi sarvavid vidvān
denn du, allwissend, ein Wissender (Nom.)
loke veda kṛtākṛtam
in der Welt kennst du das Getane und Ungetane (Lok.; 2./3.Sg.Perf.; Akk.)