Kapitel 308: janakasulabhāsaṃvādaḥ
Das Gespräch des Königs Janaka mit der Bettelnonne Sulabhā über Erlösung, Besitz und Bindung
Yudhiṣṭhira fragt, wie man als Haushälter zur Erlösung gelangen kann; Bhīṣma erzählt das alte Gespräch zwischen dem Videha-König Janaka und der Yogin Sulabhā, die in seinen Geist eindringt, um zu prüfen, ob er wirklich erlöst ist. Am Ende des Kapitels steht eine sehr lange Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.
Yudhiṣṭhira sprach: „O bester der Kuru-Königsweisen, wer hat, ohne den Hausstand aufzugeben, durch Einsicht Selbstzucht erlangt? Sage mir die Wahrheit über die Erlösung.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
aparityajya gārhasthyam
ohne den Hausstand aufzugeben (Gerundium/Akk.)
kururājarṣisattama
o bester der Kuru-Königsweisen (Vok.)
kaḥ prāpto vinayaṃ buddhyā
wer hat durch Einsicht Selbstzucht erlangt (Nom./Part. Perf. Pass./Akk./Instr.)
mokṣatattvaṃ vadasva me
sage mir die Wahrheit der Erlösung (Imp. Med./Akk./Dat.-Gen.)
tayā jagad idaṃ sarvam aṭantyā mithileśvaraḥ; tatra tatra śruto mokṣe kathyamānas tridaṇḍibhiḥ
Als sie diese ganze Welt durchwanderte, wurde der Herr von Mithilā von ihr da und dort gehört [d. h. sie hörte von ihm], wie er von Dreistabträgern im Hinblick auf die Erlösung genannt wurde [?].
Wort für Wort
tayā jagad idaṃ sarvam aṭantyā
von ihr, die diese ganze Welt durchwanderte (Instr./Part. Präs. fem.)
mithileśvaraḥ
der Herr von Mithilā (Nom.)
tatra tatra śruto
hier und da gehört (Adv./Part. Perf. Pass.)
mokṣe kathyamānaḥ
in Bezug auf die Erlösung genannt (Lok./Part. Präs. Pass.)
tridaṇḍibhiḥ
von den Dreistabträgern (Instr. Pl.)
Die Konstruktion (Instr. tayā … śruto … kathyamānaḥ) ist elliptisch.
tato 'syāḥ svāgataṃ kṛtvā vyādiśya ca varāsanam; pūjitāṃ pādaśaucena varānnenāpy atarpayat
Darauf hieß er sie willkommen, wies ihr einen vorzüglichen Sitz an und sättigte sie, die er mit Fußwaschung geehrt hatte, auch mit vorzüglicher Speise.
Wort für Wort
tato 'syāḥ svāgataṃ kṛtvā
darauf ihr Willkommen bietend (Gen. fem./Akk./Gerundium)
vyādiśya ca varāsanam
und einen vorzüglichen Sitz anweisend (Gerundium/Akk.)
pūjitāṃ pādaśaucena
sie, die geehrte, mit Fußwaschung (Akk. fem./Instr.)
varānnenāpy atarpayat
sättigte auch mit vorzüglicher Speise (Instr./Impf. Kaus.)
sulabhā tv asya dharmeṣu mukto neti sasaṃśayā; sattvaṃ sattvena yogajñā praviveśa mahīpate
Sulabhā aber, die Yoga-Kundige, die zweifelte, ob er in den [Fragen der] Pflichten erlöst sei oder nicht, drang mit ihrem Geist in seinen Geist ein, o Herr der Erde.
Wort für Wort
sulabhā tv asya dharmeṣu
Sulabhā aber, in seinen Pflichten (Nom./Gen./Lok.)
mukto neti sasaṃśayā
„erlöst oder nicht?“, zweifelnd (Nom./Nom. fem.)
sattvaṃ sattvena
sein Wesen mit ihrem Wesen (Akk./Instr.)
yogajñā praviveśa mahīpate
die Yoga-Kundige trat ein, o Herr der Erde (Nom./Perf./Vok.)
„Durch Gelehrsamkeit, Alter und Geburt wird das wahre Wesen nicht erfasst; daher ist in diesen Dingen die Antwort in der Versammlung der Guten mitzuteilen.“
Wort für Wort
śrute vayasi jātau ca
in Gelehrsamkeit, Alter und Geburt (Lok.)
sadbhāvo nādhigamyate
das wahre Wesen wird nicht erreicht (Nom./3.Sg.Pass.)
eṣv artheṣūttaraṃ tasmāt
in diesen Dingen die Antwort, daher (Lok. Pl./Nom./Abl.)
pravedyaṃ satsamāgame
ist mitzuteilen in der Gesellschaft der Guten (Gerundiv/Lok.)
chatrādiṣu viśeṣeṣu muktaṃ māṃ viddhi sarvaśaḥ; sa tvāṃ saṃmantum icchāmi mānārhāsi matā hi me
„Wisse mich in jeder Hinsicht als frei von Besonderheiten wie Schirm und dergleichen. So [beschaffen] will ich mich mit dir beraten; du bist der Ehre würdig, denn du giltst mir [als solche].“
Wort für Wort
chatrādiṣu viśeṣeṣu
in den Besonderheiten Schirm usw. (Lok.)
muktaṃ māṃ viddhi sarvaśaḥ
wisse mich befreit in jeder Hinsicht (Akk./Imp./Adv.)
sa tvāṃ saṃmantum icchāmi
so will ich mit dir beraten (Nom./Akk./Inf./1.Sg.Präs.)
mānārhāsi matā hi me
du bist der Ehre würdig, denn geachtet von mir (2.Sg./Part. fem./Dat.-Gen.)
saṃmantum: als „mit dir beraten“ gedeutet; sa tvām ist knapp.
yasmāc caitan mayā prāptaṃ jñānaṃ vaiśeṣikaṃ purā; yasya nānyaḥ pravaktāsti mokṣe tam api me śṛṇu
„Und von wem ich einst dieses besondere Wissen erlangt habe, von dem es keinen anderen Verkünder in Bezug auf die Erlösung gibt – auch über ihn höre von mir.“
Wort für Wort
yasmāc caitan mayā prāptaṃ
und von wem dies von mir erlangt wurde (Abl./Instr./Part.)
jñānaṃ vaiśeṣikaṃ purā
das besondere Wissen einst (Akk./Adv.)
yasya nānyaḥ pravaktāsti
dessen kein anderer Verkünder ist (Gen./Nom.)
mokṣe tam api me śṛṇu
in der Erlösung; auch ihn höre von mir (Lok./Akk./Imp.)
„In Sāṃkhya-Wissen, im Yoga und in der Regel für Erdenherrscher, in dieser dreifachen Erlösungsordnung, bin ich ans Ende des Weges gelangt und habe die Zweifel zerschnitten.“
Wort für Wort
sāṃkhyajñāne tathā yoge
im Sāṃkhya-Wissen und im Yoga (Lok.)
mahīpālavidhau tathā
und in der Regel der Erdhüter (Lok.)
trividhe mokṣadharme 'smin
in diesem dreifachen Erlösungs-Dharma (Lok.)
gatādhvā chinnasaṃśayaḥ
am Ende des Weges, mit zerschnittenem Zweifel (Nom./Bahuvrīhi)
mahīpālavidhi wörtlich „Regelwerk der Erdhüter“ (Königslehre).
tenāhaṃ sāṃkhyamukhyena sudṛṣṭārthena tattvataḥ; śrāvitas trividhaṃ mokṣaṃ na ca rājyād vicālitaḥ
„Von ihm, dem Ersten unter den Sāṃkhyas, der den Sinn der Dinge der Wahrheit gemäß gut geschaut hatte, wurde ich die dreifache Erlösung hören gemacht, und doch wurde ich nicht aus dem Königtum abgebracht.“
Wort für Wort
tenāhaṃ sāṃkhyamukhyena
von ihm, dem Vornehmsten der Sāṃkhya (Instr./Nom./Instr.)
sudṛṣṭārthena tattvataḥ
der den Sinn gut gesehen, der Wahrheit gemäß (Instr./Adv.)
śrāvitas trividhaṃ mokṣam
wurde hören gemacht die dreifache Erlösung (Part. Kaus./Akk.)
na ca rājyād vicālitaḥ
und nicht aus dem Königtum abgebracht (Abl./Part. Kaus.)
so 'haṃ tām akhilāṃ vṛttiṃ trividhāṃ mokṣasaṃhitām; muktarāgaś carāmy ekaḥ pade paramake sthitaḥ
„So übe ich jenes ganze dreifache Verhalten, das den Erlösungs-Lehrschatz bildet, aus, frei von Leidenschaft, und wandle allein, auf dem höchsten Standpunkt stehend.“
Wort für Wort
so 'haṃ tām akhilāṃ vṛttim
ich, jenes ganze Verhalten (Nom./Akk.)
trividhāṃ mokṣasaṃhitām
dreifach, das Erlösungs-Gefüge bildend (Akk. fem.)
muktarāgaś carāmy ekaḥ
von Leidenschaft frei wandle ich allein (Nom./1.Sg.Präs.)
vairāgyaṃ punar etasya mokṣasya paramo vidhiḥ; jñānād eva ca vairāgyaṃ jāyate yena mucyate
„Die Leidenschaftslosigkeit aber ist die höchste Regel dieser Erlösung; und aus Wissen allein entsteht Leidenschaftslosigkeit, durch die man erlöst wird.“
Wort für Wort
vairāgyaṃ punar etasya
Leidenschaftslosigkeit aber dieser (Nom./Gen.)
mokṣasya paramo vidhiḥ
der Erlösung höchste Regel (Gen./Nom.)
jñānād eva ca vairāgyam
und aus Wissen allein Leidenschaftslosigkeit (Abl.)
jāyate yena mucyate
entsteht, wodurch man erlöst wird (3.Sg.Med./Instr./3.Sg.Pass.)
„Durch Wissen wendet man Bemühung auf; durch Bemühung wird das Große erlangt; das Große dient der völligen Befreiung von den Gegensatzpaaren; das ist die Vollendung, die über das Alter hinausgeht [?].“
Wort für Wort
jñānena kurute yatnam
durch Wissen setzt man Bemühung ein (Instr./3.Sg.Med./Akk.)
yatnena prāpyate mahat
durch Bemühung wird das Große erlangt (Instr./Pass./Nom.)
mahad dvaṃdvapramokṣāya
das Große zur Befreiung von den Gegensatzpaaren (Dat.)
sā siddhir yā vayotigā
das ist die Vollendung, die das Alter überschreitet (Nom. fem.)
vayotigā „das Lebensalter überschreitend“ ist unsicher gedeutet.
yathā cottāpitaṃ bījaṃ kapāle yatra tatra vā; prāpyāpy aṅkurahetutvam abījatvān na jāyate
„Und wie ein Same, der auf einer Scherbe oder sonstwo geröstet wurde, auch wenn er die Bedingung zum Keimen erlangt, wegen der Samenlosigkeit nicht aufgeht.“
Wort für Wort
yathā cottāpitaṃ bījam
und wie ein erhitzter/gerösteter Same (Nom./Part. Kaus.)
kapāle yatra tatra vā
auf einer Scherbe oder wo auch immer (Lok./Adv.)
prāpyāpy aṅkurahetutvam
auch wenn er die Keim-Ursächlichkeit erlangt (Gerundium/Akk.)
abījatvān na jāyate
wegen Samenlosigkeit entsteht nicht (Abl./3.Sg.Med.)
„Das Werk, das mit einer Einsicht getan wird, deren Prägungen geschwunden sind, Makelloser, das lässt wie ein verbrannter Same nicht wieder einen Keim hervorgehen.“
Wort für Wort
kṣīṇavāsanayā buddhyā
mit einer Einsicht, deren Prägungen geschwunden sind (Instr.)
karma yat kriyate 'nagha
das Werk, das getan wird, Makelloser (Nom./3.Sg.Pass./Vok.)
tad dagdhabījavad bhūyaḥ
das, wie ein verbrannter Same, wieder (Nom./Adv.)
nāṅkuraṃ pravimuñcati
lässt keinen Keim hervorgehen (Akk./3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern-Passage) der kritischen Ausgabe.
tadvad bhagavatā tena śikhāproktena bhikṣuṇā; jñānaṃ kṛtam abījaṃ me viṣayeṣu na jāyate
„Ebenso wurde von jenem ehrwürdigen Bettelmönch, der Śikhā [Pañcaśikha] genannt wird [?], mein Wissen samenlos gemacht; es geht in den Sinnesobjekten nicht auf.“
Wort für Wort
tadvad bhagavatā tena
ebenso von jenem Ehrwürdigen (Adv./Instr.)
śikhāproktena bhikṣuṇā
von dem als Śikhā bezeichneten Bettelmönch (Instr.)
jñānaṃ kṛtam abījaṃ me
Wissen wurde samenlos gemacht mir (Nom./Part. Pass./Dat.-Gen.)
viṣayeṣu na jāyate
in den Sinnesobjekten entsteht es nicht (Lok./3.Sg.Med.)
śikhāproktena: wohl „(nach) Śikhā benannt/verkündet“; Deutung unsicher.
„Glücklich bin ich, mit erreichtem Ziel, Erdklumpen, Stein und Gold gleich achtend; frei von Anhaftung stehe ich im Königtum, den anderen Dreistabträgern überlegen.“
Wort für Wort
sukhī so 'ham avāptārthaḥ
glücklich bin ich, mit erreichtem Ziel (Nom./Bahuvrīhi)
samaloṣṭāśmakāñcanaḥ
dem Erdklumpen, Stein und Gold gleich sind (Bahuvrīhi)
muktasaṅgaḥ sthito rājye
bindungsfrei im Königtum stehend (Nom./Lok.)
viśiṣṭo 'nyais tridaṇḍibhiḥ
vorzüglicher als die anderen Dreistabträger (Nom./Instr.)
mokṣe hi trividhā niṣṭhā dṛṣṭā pūrvair maharṣibhiḥ; jñānaṃ lokottaraṃ yac ca sarvatyāgaś ca karmaṇām
„In der Erlösung nämlich wurde von den früheren großen Sehern eine dreifache Grundlage gesehen: das weltübersteigende Wissen und die vollständige Aufgabe der Werke [?].“
Wort für Wort
mokṣe hi trividhā niṣṭhā
in der Erlösung nämlich dreifache Grundlage (Lok./Nom. fem.)
dṛṣṭā pūrvair maharṣibhiḥ
gesehen von früheren großen Sehern (Part. fem./Instr.)
jñānaṃ lokottaraṃ yac ca
Wissen, das weltübersteigende, und was (Nom./Nom.)
sarvatyāgaś ca karmaṇām
und Aufgabe aller der Werke (Nom./Gen. Pl.)
Genannt werden hier nur zwei Glieder; das dritte folgt in 41.
tridaṇḍādiṣu yady asti mokṣo jñānena kena cit; chatrādiṣu kathaṃ na syāt tulyahetau parigrahe
„Wenn bei Dreistabträgern und dergleichen durch irgendein Wissen Erlösung ist, wie sollte sie bei Schirmträgern und dergleichen nicht sein, da beim Besitz die Ursache dieselbe ist?“
Wort für Wort
tridaṇḍādiṣu yady asti
wenn bei Dreistab usw. ist (Lok./Präs.)
mokṣo jñānena kena cit
Erlösung durch irgendein Wissen (Nom./Instr.)
chatrādiṣu kathaṃ na syāt
bei Schirm usw. wie sollte sie nicht sein (Lok./Opt.)
doṣadarśī tu gārhasthye yo vrajaty āśramāntaram; utsṛjan parigṛhṇaṃś ca so 'pi saṅgān na mucyate
„Wer aber, den Fehler im Hausstand sehend, in eine andere Lebensstufe übergeht, indem er aufgibt und [wieder] ergreift, auch der wird nicht von Bindungen befreit.“
Wort für Wort
doṣadarśī tu gārhasthye
wer aber Fehler im Hausstand sieht (Nom./Lok.)
yo vrajaty āśramāntaram
der in eine andere Lebensstufe geht (Nom./3.Sg.Präs./Akk.)
utsṛjan parigṛhṇaṃś ca
aufgebend und ergreifend (Part. Präs./Part. Präs.)
so 'pi saṅgān na mucyate
auch er wird nicht frei von Bindungen (Nom./Abl. Pl./3.Sg.Pass.)
Oder: selbst bei wirklicher Herrschaft, werden sie hier allein durch Erkenntnis erlöst, oder werden sie nicht erlöst, obwohl sie im höchsten Stand stehen?
Wort für Wort
atha satya-ādhipatye 'pi
oder auch bei wirklicher Herrschaft (Lok.Sg.)
jñānena eva iha kevalam
durch Erkenntnis allein hier, ausschließlich (Instr.Sg./Adv.)
mucyante
werden sie erlöst (3.Pl.Pass.Präs.)
kiṃ na mucyante
oder werden sie nicht erlöst (Fragepartikel; 3.Pl.Pass.)
pade paramake sthitāḥ
im höchsten Stand stehend (Lok.Sg./Nom.Pl.Part.Perf.)
Die Satzstruktur der Alternativfrage ist knapp; Wiedergabe sinngemäß.
kāṣāyadhāraṇaṃ mauṇḍyaṃ triviṣṭabdhaḥ kamaṇḍaluḥ; liṅgāny atyartham etāni na mokṣāyeti me matiḥ
Ockerfarbenes Gewand, kahlgeschorener Kopf, der dreifach gestützte Stab, der Wasserkrug: diese Erkennungszeichen dienen keineswegs der Erlösung, so meine Ansicht.
Wort für Wort
kāṣāya-dhāraṇaṃ mauṇḍyam
Tragen des ockerfarbenen Gewandes, Kahlgeschorenheit (Nom.Sg.n.)
tri-viṣṭabdhaḥ kamaṇḍaluḥ
der dreifach gestützte [Stab], der Wasserkrug (Nom.Sg.)
liṅgāni atyartham etāni
diese Merkmale, gar sehr/keinesfalls (Nom.Pl.n./Adv.)
Wenn selbst bei Vorhandensein dieses Erkennungszeichens allein die Erkenntnis hier die Ursache ist, dann ist das bloße Erkennungszeichen für die Erlösung vom Leid nutzlos.
Wort für Wort
yadi sati api liṅge 'smin
wenn auch bei vorhandenem Merkmal hier (Lok.abs.)
jñānam eva atra kāraṇam
Erkenntnis allein [ist] hierbei die Ursache (Nom.Sg.n.)
nirmokṣāya iha duḥkhasya
zur völligen Erlösung hier vom Leid (Dat./Gen.Sg.)
atha vā duḥkhaśaithilyaṃ vīkṣya liṅge kṛtā matiḥ; kiṃ tad evārthasāmānyaṃ chatrādiṣu na lakṣyate
Oder wenn man im Hinblick auf eine Linderung des Leidens sich für das Erkennungszeichen entschieden hat: wird nicht bei Schirm und dergleichen derselbe gemeinsame Zweck bemerkt?
Wort für Wort
atha vā duḥkha-śaithilyaṃ vīkṣya
oder: die Linderung des Leids ansehend (Abs.)
liṅge kṛtā matiḥ
im Merkmal ist der Entschluss gefasst (Lok./Nom.Sg.f.Part.Pass.)
kiṃ tat eva artha-sāmānyam
ist nicht eben dieser gemeinsame Zweck (Nom.Sg.n.)
Die Schlinge aus Königsherrschaft und Macht, deren Fessel in den Stätten der Zuneigung liegt, ist von mir hier mit dem Schwert der Entsagung, geschärft am Wetzstein der Erlösung, durchtrennt worden.
Wort für Wort
rājya-aiśvarya-mayaḥ pāśaḥ
die aus Königtum und Herrschermacht bestehende Schlinge (Nom.Sg.m.)
sneha-āyatana-bandhanaḥ
deren Fessel in den Stätten der Zuneigung liegt (Bahuvrīhi, Nom.Sg.m.)
mokṣa-aśma-niśitena iha
mit dem am Wetzstein der Erlösung geschärften, hier (Instr.Sg.)
chinnaḥ tyāga-asinā mayā
durchtrennt mit dem Schwert der Entsagung von mir (Part.Pass.; Instr.)
so 'ham evaṃgato mukto jātāsthas tvayi bhikṣuki; ayathārtho hi te varṇo vakṣyāmi śṛṇu tan mama
So beschaffen bin ich erlöst, Bettlerin, und habe an dir Anteilnahme gefunden [?]. Dein Stand [varṇa] entspricht nicht der Wirklichkeit; ich werde es sagen, höre mir zu.
Wort für Wort
saḥ aham evaṃ-gataḥ muktaḥ
ich, so beschaffen, [bin] erlöst (Nom.Sg.)
jāta-āsthaḥ tvayi bhikṣuki
der Anteilnahme an dir gefasst hat, o Bettlerin (Bahuvrīhi; Vok.Sg.f.)
ayathā-arthaḥ hi te varṇaḥ
denn nicht der Wirklichkeit entsprechend [ist] dein Stand/Auftreten (Nom.Sg.m.)
vakṣyāmi
ich werde sagen (1.Sg.Fut.)
śṛṇu tat mama
höre das von mir (Imp.2.Sg.)
jātāstha und varṇa unsicher: „Anteilnahme“ bzw. „Stand/Auftreten“.
Zartheit, ebenso Schönheit, ein vorzüglicher Körper, ebenso [jugendliches] Alter: dies alles zusammen ist bei dir; ob aber [auch] Selbstzucht [besteht], ist zweifelhaft.
Wort für Wort
saukumāryaṃ tathā rūpam
Zartheit, ebenso Schönheit (Nom.Sg.n.)
vapuḥ agryaṃ tathā vayaḥ
ein vorzüglicher Körper, ebenso Alter (Nom.Sg.n.)
tava etāni samastāni
dein sind diese alle zusammen (Gen.Sg.; Nom.Pl.n.)
niyamaḥ ca iti saṃśayaḥ
und ob Selbstzucht [da ist]: [das ist] Zweifel (Nom.Sg.m.)
Letzte Zeile knapp: „niyamaś ceti saṃśayaḥ“ sinngemäß ergänzt.
yac cāpy ananurūpaṃ te liṅgasyāsya viceṣṭitam; mukto 'yaṃ syān na vety asmād dharṣito matparigrahaḥ
Und dass dieses dein Gebaren diesem Erkennungszeichen nicht entspricht: [ich wollte prüfen,] ob dieser erlöst sein möge oder nicht; daher ist mein Gefolge von dir bedrängt worden [?].
Wort für Wort
yat ca api ananurūpaṃ te
und was auch nicht entsprechend [ist] bei dir (Nom.Sg.n.)
liṅgasya asya viceṣṭitam
dem Merkmal hier das Gebaren (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
muktaḥ ayaṃ syāt na vā iti
ob dieser erlöst wäre oder nicht (Opt.3.Sg.)
asmāt dharṣitaḥ
daher bedrängt/angetastet (Abl.; Part.Pass.)
mat-parigrahaḥ
mein Gefolge/Besitz (Nom.Sg.m.)
Syntax des Verses unsicher; parigraha = Gefolge/Besitz.
na ca kāmasamāyukte mukte 'py asti tridaṇḍakam; na rakṣyate tvayā cedaṃ na muktasyāsti gopanā
Auch gibt es bei einem, der mit Begierde verbunden ist, selbst als [angeblich] Erlöstem keinen Dreistab; und dieser [Stab] wird von dir nicht gehütet: für einen Erlösten gibt es kein Verbergen [?].
Wort für Wort
na ca kāma-samāyukte
und nicht bei einem mit Begierde Verbundenen (Lok.Sg.)
mukte 'pi asti tri-daṇḍakam
selbst bei einem Erlösten gibt es den Dreistab (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)
na rakṣyate tvayā ca idam
und dies wird von dir nicht bewahrt (3.Sg.Pass.; Instr.)
na muktasya asti gopanā
für einen Erlösten gibt es kein Verbergen (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
Du bist die Erste unter den Vorzüglichsten der Stände [varṇa], eine Brahmanin, ich aber ein Kṣatriya. Zwischen uns beiden gibt es keine gemeinsame Verbindung; stifte keine Vermischung der Stände.
Wort für Wort
varṇa-pravara-mukhyā asi
du bist die Erste unter den Höchsten der Stände (2.Sg.Präs.)
brāhmaṇī kṣatriyaḥ hi aham
eine Brahmanin, ein Kṣatriya aber bin ich (Nom.Sg.)
na āvayoḥ eka-yogaḥ asti
zwischen uns beiden gibt es keine einheitliche Verbindung (Gen.Du.)
mā kṛthāḥ varṇa-saṃkaram
mache nicht eine Standesvermischung (Prohibitiv; Akk.Sg.m.)
vartase mokṣadharmeṣu gārhasthye tv aham āśrame; ayaṃ cāpi sukaṣṭas te dvitīyo ''śramasaṃkaraḥ
Du lebst in den Pflichten der Erlösung, ich aber im Lebensstadium des Hausvaters. Und diese zweite Vermischung, die der Lebensstadien, ist für dich sehr schlimm.
Wort für Wort
vartase mokṣa-dharmeṣu
du weilst in den Erlösungspflichten (2.Sg.Med.; Lok.Pl.)
gārhasthye tu aham āśrame
im Hausstand aber ich, im Lebensstadium (Lok.Sg.)
ayaṃ ca api su-kaṣṭaḥ te
und dieses auch sehr schlimm für dich (Nom.Sg.m.)
dvitīyaḥ āśrama-saṃkaraḥ
die zweite Vermischung der Lebensstadien (Nom.Sg.m.)
sagotrāṃ vāsagotrāṃ vā na veda tvāṃ na vettha mām; sagotram āviśantyās te tṛtīyo gotrasaṃkaraḥ
Ob du zum gleichen Gotra gehörst oder nicht, weiß ich von dir nicht, noch weißt du es von mir; dringst du aber in einen Gleichgotrigen ein, so ist das für dich die dritte Vermischung, die der Gotras.
Wort für Wort
sa-gotrāṃ vā a-sa-gotrāṃ vā
gleichgotrig oder nicht gleichgotrig (Akk.Sg.f.)
na veda tvāṃ
ich weiß dich nicht [als solche] (1.Sg.Perf.mit Präsensbed.)
na vettha mām
du weißt mich nicht (2.Sg.Perf.)
sa-gotram āviśantyāḥ te
für dich, die du in einen Gleichgotrigen eindringst (Gen.Sg.f.Part.Präs.)
atha jīvati te bhartā proṣito 'py atha vā kva cit; agamyā parabhāryeti caturtho dharmasaṃkaraḥ
Oder wenn dein Gatte lebt, auch wenn er irgendwo abwesend ist: als Frau eines anderen ist [sie] unnahbar; das ist die vierte Vermischung, die des Dharma.
Wort für Wort
atha jīvati te bhartā
oder wenn dein Gatte lebt (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
proṣitaḥ api atha vā kva cit
auch abwesend oder irgendwo (Part.Pass.)
agamyā para-bhāryā iti
unnahbar [ist] die Frau eines anderen, so (Nom.Sg.f.)
idam anyat tṛtīyaṃ te bhāvasparśavighātakam; duṣṭāyā lakṣyate liṅgaṃ pravaktavyaṃ prakāśitam
Noch dieses Dritte an dir, das den Einklang der Gefühle zerstört: bei einer Verdorbenen wird ein [solches] Merkmal bemerkt; es ist auszusprechen, es ist offenbart worden [?].
Wort für Wort
idam anyat tṛtīyaṃ te
dies andere, dritte bei dir (Nom.Sg.n.)
bhāva-sparśa-vighātakam
das die Berührung der Gefühle zerstört (Nom.Sg.n.)
duṣṭāyāḥ lakṣyate liṅgam
bei einer Verdorbenen wird ein Merkmal bemerkt (Gen.Sg.f.; 3.Sg.Pass.)
pravaktavyaṃ prakāśitam
es ist zu sagen, es ist offenbart (Gerundiv; Part.Pass.)
Verderbte oder sehr dunkle Stelle; Wiedergabe unsicher.
na mayy evābhisaṃdhis te jayaiṣiṇyā jaye kṛtaḥ; yeyaṃ matpariṣat kṛtsnā jetum icchasi tām api
Deine Absicht gilt nicht mir allein: du, die du den Sieg begehrst, hast sie auf den Sieg gerichtet; auch diese ganze Versammlung von mir willst du besiegen.
Wort für Wort
na mayi eva abhisaṃdhiḥ te
nicht auf mich allein [gerichtet ist] deine Absicht (Nom.Sg.m.)
jaya-eṣiṇyā jaye kṛtaḥ
von der Sieg-Begehrenden auf den Sieg gerichtet (Instr./Lok.Sg.)
Als solche, aus eigenem Unmut geboren und verblendet von der Verblendung durch Machtfülle, entsendest du erneut die Yoga-Waffe, wie Gift und Nektar zugleich.
Wort für Wort
sā svena amarṣa-jena tvam
du, aus dem eigenen, aus Unmut geborenen (Instr.Sg.)
ṛddhi-mohena mohitā
durch die Verblendung der Machtfülle betört (Instr.; Part.Pass.f.)
icchator hi dvayor lābhaḥ strīpuṃsor amṛtopamaḥ; alābhaś cāpy araktasya so 'tra doṣo viṣopamaḥ
Denn wenn beide wollen, ist der Gewinn für Frau und Mann dem Nektar gleich; ohne Gewinn aber, bei dem nicht Zugeneigten, ist dieser Fehler hier dem Gift gleich.
Wort für Wort
icchatoḥ hi dvayoḥ lābhaḥ
denn bei beiden Wollenden [ist] der Gewinn (Gen.Du.; Nom.Sg.m.)
strī-puṃsoḥ amṛta-upamaḥ
für Frau und Mann dem Nektar gleich (Gen.Du.)
alābhaḥ ca api araktasya
und der Nichtgewinn beim Nicht-Zugeneigten (Gen.Sg.m.)
saḥ atra doṣaḥ viṣa-upamaḥ
dieser Fehler hier [ist] dem Gift gleich (Nom.Sg.m.)
Rühre [mich] nicht an; erkenne es wohl und hüte deine eigene Lehre. Denn diese Prüfung, „erlöst oder nicht“, hast du an mir vorgenommen. Dies alles Verhüllte darfst du mir nicht verbergen.
Wort für Wort
mā sprākṣīḥ sadhu jānīṣva
rühre nicht an, erkenne wohl (Prohibitiv Aor.; Imp.Med.)
sva-śāstram anupālaya
hüte deine eigene Lehre (Imp.2.Sg.)
kṛtā iyaṃ hi vijijñāsā
denn diese Prüfung ist gemacht (Nom.Sg.f.Part.Pass.)
muktaḥ na iti tvayā mama
ob [ich] erlöst [bin] oder nicht, von dir, an mir (Instr.; Gen.)
etat sarvaṃ praticchannam
dies alles Verhüllte (Nom.Sg.n.)
mayi na arhasi gūhitum
vor mir darfst du nicht verbergen (Lok.; Inf.)
Stelle syntaktisch unsicher; „mā sprākṣīḥ“ sinngemäß.
Wenn du aber aus eigenem Anliegen [hier bist] oder im Auftrag eines anderen Königs, so darfst du die Wahrheit, verhüllt unter einem Deckmantel [?], mir nicht verbergen.
Wort für Wort
sā yadi tvaṃ sva-kāryeṇa
wenn du aus eigenem Anliegen (Instr.Sg.n.)
yadi anyasya mahī-pateḥ
oder [im Auftrag] eines anderen Erdherrn (Gen.Sg.m.)
tattvaṃ satra-praticchannā
die Wahrheit, unter einer Verhüllung/Tarnung verborgen [?] (Akk.; Nom.Sg.f.)
na rājānaṃ mṛṣā gacchen na dvijātiṃ kathaṃ cana; na striyaṃ strīguṇopetāṃ hanyur hy ete mṛṣāgatāḥ
Man soll sich einem König nicht mit Unwahrheit nähern, einem Zweimalgeborenen niemals, auch nicht einer Frau, die die Vorzüge einer Frau besitzt; denn diese erschlagen [den], der mit Unwahrheit gekommen ist.
Wort für Wort
na rājānaṃ mṛṣā gacchet
man soll sich einem König nicht mit Lüge nähern (Opt.3.Sg.)
na dvi-jātiṃ katham cana
keinem Zweimalgeborenen in keiner Weise (Akk.Sg.m.)
na striyaṃ strī-guṇa-upetām
keiner Frau, die mit den Vorzügen einer Frau begabt ist (Akk.Sg.f.)
hanyuḥ hi ete mṛṣā-gatāḥ
denn diese würden erschlagen die mit Lüge Gekommenen (Opt.3.Pl.; Akk.Pl.)
Denn die Stärke der Könige ist die Herrschermacht, der Kenner des Brahman Stärke das Brahman, der Frauen unübertreffliche Stärke aber Schönheit, Jugend und Liebreiz.
Wort für Wort
rājñāṃ hi balam aiśvaryam
der Könige Stärke [ist] Herrschermacht (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
brahma brahma-vidāṃ balam
der Brahmankenner Stärke [ist] das Brahman/der Veda (Gen.Pl.)
rūpa-yauvana-saubhāgyam
Schönheit, Jugend, Liebreiz (Nom.Sg.n.)
strīṇāṃ balam anuttamam
der Frauen unübertreffliche Stärke (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
[Eine Rede,] die frei ist von neun und neun Fehlern, die Rede und Verstand verderben, deren Sinn wohlbegründet ist und die mit achtzehn Vorzügen ausgestattet ist [nennt man Satz].
Wort für Wort
navabhiḥ navabhiḥ ca eva doṣaiḥ
durch je neun Fehler (Instr.Pl.)
vāg-buddhi-dūṣaṇaiḥ
die Rede und Verstand verderben (Instr.Pl.n.)
apetam
frei [davon] (Nom.Sg.n.Part.Pass.)
upapanna-artham
dessen Sinn wohlbegründet ist (Bahuvrīhi, Nom.Sg.n.)
aṣṭādaśa-guṇa-anvitam
mit achtzehn Vorzügen versehen (Nom.Sg.n.)
Der Satz wird in 80 fortgeführt (vākyam ity ucyate); Ergänzung in Klammern.
Von diesen Sachen, Feinheit und den übrigen, höre die Kennzeichen jeweils einzeln, wie sie durch Wortbedeutungen und Wort- und Satzgliederung dargelegt werden [?].
Wort für Wort
eṣām eka-ekaśaḥ arthānām
von diesen Sachen, jeweils einzeln (Gen.Pl.)
saukṣmya-ādīnām
der Feinheit und der übrigen (Gen.Pl.n.)
su-lakṣaṇam śṛṇu
das Kennzeichen höre (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.)
saṃsāryamāṇānām
der [Sachen], die dargelegt/erörtert werden (Gen.Pl.Part.Pass.Kaus.)
pada-arthaiḥ pada-vākyataḥ
durch Wortbedeutungen, nach Wort und Satz (Instr.Pl.; Abl.-Adv.)
Erkenntnis verhält sich bei den verschiedenen Erkenntnisgegenständen entsprechend deren Unterschied; darin ist die überragende Einsicht das, was „Feinheit“ heißt.
Wort für Wort
jñānaṃ jñeyeṣu bhinneṣu
Erkenntnis bei den verschiedenen Erkenntnisgegenständen (Lok.Pl.)
yathā-bhedena vartate
gemäß dem Unterschied verhält sie sich (Instr.; 3.Sg.Präs.Med.)
dharmārthakāmamokṣeṣu pratijñāya viśeṣataḥ; idaṃ tad iti vākyānte procyate sa vinirṇayaḥ
Wenn man bei Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa besonders die These aufgestellt hat und am Ende des Satzes „dies ist jenes“ ausspricht, so ist das die Entscheidung.
Wort für Wort
dharma-artha-kāma-mokṣeṣu
bei Dharma, Artha, Kāma, Mokṣa (Lok.Pl.)
pratijñāya viśeṣataḥ
nachdem man die These aufgestellt hat, besonders (Abs.; Adv.)
idaṃ tat iti vākya-ante
„dies ist jenes“, am Satzende (Lok.Sg.)
procyate saḥ vinirṇayaḥ
wird ausgesprochen: das ist die Entscheidung (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.m.)
upetārtham abhinnārthaṃ nāpavṛttaṃ na cādhikam; nāślakṣṇaṃ na ca saṃdigdhaṃ vakṣyāmi paramaṃ tava
Sinnvoll, von ungeteiltem Sinn, nicht abschweifend und nicht überflüssig, nicht unglatt und nicht zweifelhaft: [so] werde ich höchste [Worte] zu dir sprechen.
Wort für Wort
upeta-artham abhinna-artham
sinnvollen, von ungeteiltem Sinn (Akk.Sg.n.)
na apavṛttaṃ na ca adhikam
nicht abweichend und nicht überflüssig (Akk.Sg.n.)
na aślakṣṇaṃ na ca saṃdigdham
nicht rau und nicht zweifelhaft (Akk.Sg.n.)
vakṣyāmi paramaṃ tava
ich werde höchstes zu dir sagen (1.Sg.Fut.; Akk.Sg.n.)
na gurvakṣarasaṃbaddhaṃ parāṅmukhamukhaṃ na ca; nānṛtaṃ na trivargeṇa viruddhaṃ nāpy asaṃskṛtam
Nicht mit schweren Silben verknüpft, nicht mit abgewandtem Gesicht [gesprochen], nicht unwahr, nicht dem Dreiklang [von Dharma, Artha, Kāma] widersprechend, auch nicht ungebildet [?].
na nyūnaṃ kaṣṭaśabdaṃ vā vyutkramābhihitaṃ na ca; na śeṣaṃ nānukalpena niṣkāraṇam ahetukam
Nicht mangelhaft, nicht mit hartem Wort, nicht in verkehrter Reihenfolge ausgesprochen, nicht ein bloßer Rest, nicht durch Ersatz [?], nicht grundlos und ohne Ursache.
Wort für Wort
na nyūnaṃ kaṣṭa-śabdaṃ vā
nicht mangelhaft oder mit hartem Wort (Akk.Sg.n.)
vyutkrama-abhihitaṃ na ca
nicht in verkehrter Reihenfolge gesagt (Akk.Sg.n.)
na śeṣaṃ na anukalpena
nicht Rest, nicht durch Ersatz (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.m.)
„Weder aus Begehren, Zorn, Furcht oder Gier, noch aus Kläglichkeit oder unedlem Wesen, noch aus Scham, Mitleid oder Dünkel werde ich jemals [etwas] sagen.“
Wort für Wort
kāmāt krodhāt bhayāt lobhāt
aus Begehren, aus Zorn, aus Furcht, aus Gier (Abl.Sg.)
dainyāt ānāryakāt tathā
aus Kläglichkeit, aus Unedelheit, ebenso (Abl.Sg.)
hrītaḥ anukrośataḥ mānāt
aus Scham, aus Mitleid, aus Dünkel (hrītaḥ Part. Nom., hier als Abl.-Ausdruck [?]; anukrośataḥ Abl./Adv.; mānāt Abl.Sg.)
na vakṣyāmi kathaṃ cana
werde ich nicht sagen, auf keine Weise (1.Sg.Fut.)
hrīto ist formal Nom.Sg. von hrīta (beschämt); parallel zu den Ablativen als „aus Scham“ gefasst.
vaktavye tu yadā vaktā śrotāram avamanyate; svārtham āha parārthaṃ vā tadā vākyaṃ na rohati
„Wenn aber der Sprecher, wo etwas zu sagen ist, den Hörer geringschätzt und [nur] Eigennutz oder fremden Nutzen vorbringt, dann fasst die Rede keinen Fuß.“
Wort für Wort
vaktavye tu yadā vaktā
wenn aber im zu Sagenden der Sprecher (Lok./Nom.)
śrotāram avamanyate
den Hörer geringschätzt (Akk./3.Sg.Med.)
svārtham āha parārthaṃ vā
den eigenen Zweck vorbringt oder den fremden (3.Sg.Perf./Akk.)
atha yaḥ svārtham utsṛjya parārthaṃ prāha mānavaḥ; viśaṅkā jāyate tasmin vākyaṃ tad api doṣavat
„Ferner: Der Mensch, der den eigenen Zweck aufgibt und [nur] den fremden Zweck vorbringt, in dem entsteht Argwohn; auch diese Rede ist fehlerbehaftet.“
Wort für Wort
atha yaḥ svārtham utsṛjya
ferner: wer den eigenen Zweck aufgegeben hat (Nom./Akk./Abs.)
parārthaṃ prāha mānavaḥ
den fremden Zweck vorbringt, der Mensch (3.Sg.Perf./Nom.)
yas tu vaktā dvayor artham aviruddhaṃ prabhāṣate; śrotuś caivātmanaś caiva sa vaktā netaro nṛpa
„Der Sprecher aber, der einen Sinn ausspricht, der für beide unwidersprüchlich ist, sowohl für den Hörer als auch für sich selbst, der ist [wahrer] Sprecher, kein anderer, König.“
Wort für Wort
yas tu vaktā dvayor artham
der aber als Sprecher den Zweck für beide (Nom./Gen.Du./Akk.)
aviruddhaṃ prabhāṣate
unwidersprüchlich ausspricht (Akk./3.Sg.Med.)
śrotuś caivātmanaś caiva
sowohl des Hörers als auch seiner selbst (Gen.Sg.)
sa vaktā netaro nṛpa
der [ist] Sprecher, nicht ein anderer, König (Nom./Vok.)
„Klang, Berührung, Geschmack, Gestalt, Geruch und die fünf Sinnesorgane, dazu das Selbst gesondert: zehn Bestandteile, die verbunden sind wie Lack und Holz.“
na veda cakṣuś cakṣuṣṭvaṃ śrotraṃ nātmani vartate; tathaiva vyabhicāreṇa na vartante parasparam; saṃśliṣṭā nābhijāyante yathāpa iha pāṃsavaḥ
„Das Auge kennt seine Augenhaftigkeit nicht, und das Ohr [seine Ohrhaftigkeit] ruht nicht im Selbst; ebenso wirken sie durch Abweichung [voneinander] nicht aufeinander; verbunden werden sie nicht geboren, wie Wasser und Staubkörner hier [nicht].“
Wort für Wort
na veda cakṣuḥ cakṣuṣṭvam
das Auge kennt die Augenhaftigkeit nicht (3.Sg.Perf./Nom./Akk.)
śrotraṃ na ātmani vartate
das Ohr besteht nicht im Selbst (Nom./Lok./3.Sg.Med.)
tathā eva vyabhicāreṇa
ebenso durch Abweichung [Vermischung/Übergriff] (Instr.Sg.)
na vartante parasparam
sie wirken nicht aufeinander (3.Pl.Med./Adv.)
saṃśliṣṭāḥ na abhijāyante
verbunden werden sie nicht [voll] geboren (Part.Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
yathā āpaḥ iha pāṃsavaḥ
wie Wasser [und] Staubkörner hier (Nom.Pl.)
Letzter Pāda sinnbildlich verkürzt und syntaktisch unsicher; Wiedergabe tastend [?].
bāhyān anyān apekṣante guṇāṃs tān api me śṛṇu; rūpaṃ cakṣuḥ prakāśaś ca darśane hetavas trayaḥ; yathaivātra tathānyeṣu jñānajñeyeṣu hetavaḥ
„Sie sind auf andere, äußere Eigenschaften angewiesen; auch diese höre von mir: Gestalt, Auge und Licht sind die drei Ursachen beim Sehen; wie hier, so sind es bei den übrigen [Sinnen] die Ursachen bei Erkennendem und Erkanntem.“
Wort für Wort
bāhyān anyān apekṣante
auf andere äußere [Dinge] sind sie angewiesen (Akk.Pl./3.Pl.Med.)
guṇān tān api me śṛṇu
auch diese Eigenschaften höre von mir (Akk.Pl./Imp.)
rūpaṃ cakṣuḥ prakāśaḥ ca
Gestalt, Auge und Licht (Nom.)
darśane hetavaḥ trayaḥ
beim Sehen die drei Ursachen (Lok./Nom.Pl.)
yathā eva atra tathā anyeṣu
wie eben hier, so bei anderen (Lok.Pl.)
jñānajñeyeṣu hetavaḥ
bei Erkenntnis und Erkennbarem die Ursachen (Lok.Pl./Nom.Pl.)
jñānajñeyāntare tasmin mano nāmāparo guṇaḥ; vicārayati yenāyaṃ niścaye sādhvasādhunī
„Zwischen Erkennen und Erkanntem gibt es dort eine weitere Eigenschaft namens Denkorgan (manas), mit dem dieser [Mensch] bei der Entscheidung Gutes und Schlechtes erwägt.“
Wort für Wort
jñānajñeyāntare tasmin
in diesem Zwischenraum von Erkennen und Erkanntem (Lok.)
manaḥ nāma aparaḥ guṇaḥ
eine andere Eigenschaft namens Manas (Nom.)
vicārayati yena ayam
erwägt, wodurch dieser [Mensch] (3.Sg.Kaus./Instr./Nom.)
niścaye sādhv asādhunī
bei der Entscheidung das Gute und das Schlechte (Lok./Akk.Du.n.)
„Und in diesem Zwölferbestand [tritt] noch eine weitere Eigenschaft namens Sattva [hinzu], durch die ein Wesen als großen oder geringen Wesens [Gehalts] erschlossen wird.“
Wort für Wort
atha dvādaśake tasmin
nun in diesem Zwölferbestand (Lok.)
sattvaṃ nāma aparaḥ guṇaḥ
Sattva genannt, eine andere Eigenschaft (Nom.)
mahāsattvaḥ alpasattvaḥ vā
von großem Wesen oder von geringem Wesen (Bahuvrīhi Nom.)
jantuḥ yena anumīyate
das Lebewesen, wodurch es erschlossen wird (Nom./Instr./3.Sg.Pass.)
guṇas tv evāparas tatra saṃghāta iti ṣoḍaśaḥ; ākṛtir vyaktir ity etau guṇau yasmin samāśritau
„Eine weitere Eigenschaft dort ist die sechzehnte, die Verbindung (saṃghāta), in der die beiden Eigenschaften Gestalt (ākṛti) und Erscheinung (vyakti) ruhen.“
Wort für Wort
guṇaḥ tu eva aparaḥ tatra
eine andere Eigenschaft dort eben (Nom.)
saṃghātaḥ iti ṣoḍaśaḥ
„Verbindung“ genannt, die sechzehnte (Nom.)
ākṛtiḥ vyaktiḥ iti etau guṇau
Gestalt [und] Erscheinung, diese beiden Eigenschaften (Nom.Du.)
„Und dies ist die Zwanzigerreihe, die Verbindung, und die fünf Großen Elemente; dazu die beiden Verbindungen von Sein und Nichtsein, zwei weitere, offenbarende Eigenschaften.“
Wort für Wort
viṃśakaḥ ca eṣaḥ saṃghātaḥ
und dieses Zwanziger[-Ganze], die Verbindung (Nom.)
mahābhūtāni pañca ca
und die fünf Großen Elemente (Nom.Pl.)
sadasadbhāvayogau ca
und die Verbindungen mit Sein und Nichtsein (Nom.Du.)
guṇau anyau prakāśakau
zwei andere, erhellende Eigenschaften (Nom.Du.)
Zählung der Passage im Text nicht eindeutig nachvollziehbar [?].
ity evaṃ viṃśatiś caiva guṇāḥ sapta ca ye smṛtāḥ; vidhiḥ śukraṃ balaṃ ceti traya ete guṇāḥ pare
„So sind es zwanzig und sieben, die als Eigenschaften gelten; Bestimmung (vidhi), Same (śukra) und Kraft (bala): diese drei sind weitere Eigenschaften.“
Wort für Wort
iti evaṃ viṃśatiḥ ca eva
so also zwanzig eben (Nom.)
guṇāḥ sapta ca ye smṛtāḥ
Eigenschaften und sieben, die so gelten (Nom.Pl./Part.)
bindunyāsādayo 'vasthāḥ śukraśoṇitasaṃbhavāḥ; yāsām eva nipātena kalalaṃ nāma jāyate
„[Es sind] Zustände, beginnend mit dem Niederlegen des Tropfens, aus Same und Blut entstanden; durch deren bloßen Fall entsteht das, was Kalala heißt.“
Wort für Wort
bindunyāsādayaḥ avasthāḥ
Zustände, beginnend mit dem Niederlegen des Tropfens (Nom.Pl.)
kalalād arbudotpattiḥ peśī cāpy arbudodbhavā; peśyās tv aṅgābhinirvṛttir nakharomāṇi cāṅgataḥ
„Aus dem Kalala entsteht die Knospe (arbuda), und die Muskelmasse (peśī) geht aus der Knospe hervor; aus der Muskelmasse bildet sich das Gliedwerk, und aus den Gliedern Nägel und Haare.“
Wort für Wort
kalalāt arbudotpattiḥ
aus dem Kalala das Entstehen des Arbuda (Abl./Nom.)
peśī ca api arbudodbhavā
und die Peśī, aus dem Arbuda hervorgegangen (Nom.f.)
peśyāḥ tu aṅgābhinirvṛttiḥ
aus der Peśī aber die Bildung der Glieder (Abl./Nom.)
jātamātraṃ tu tad rūpaṃ dṛṣṭvā tāmranakhāṅguli; kaumārarūpam āpannaṃ rūpato nopalabhyate
„Wenn man aber [das Kind] gerade geboren gesehen hat, mit kupferroten Nägeln und Fingern, so wird diese Gestalt, [nachdem sie] in kindliche Gestalt übergegangen ist, der Gestalt nach nicht [mehr] wahrgenommen.“
Wort für Wort
jātamātraṃ tu tat rūpam
kaum geboren, diese Gestalt (Nom./Akk.n.)
dṛṣṭvā tāmranakhāṅguli
nachdem man gesehen hat, kupfernägelig und -fingerig (Abs./Bahuvrīhi)
kaumārarūpam āpannam
in Kindesgestalt übergegangen (Akk./Part.)
rūpataḥ na upalabhyate
der Gestalt nach wird nicht wahrgenommen (Abl./3.Sg.Pass.)
Satzbau eng verkürzt; „tāmranakhāṅguli“ als Bahuvrīhi bezogen auf die Gestalt [?].
kalānāṃ pṛthagarthānāṃ pratibhedaḥ kṣaṇe kṣaṇe; vartate sarvabhūteṣu saukṣmyāt tu na vibhāvyate
„Der Unterschied der Kalās mit ihren gesonderten Zwecken vollzieht sich Augenblick für Augenblick in allen Wesen, wird aber wegen der Feinheit nicht bemerkt.“
Wort für Wort
kalānāṃ pṛthagarthānām
der Kalās mit gesonderten Zwecken (Gen.Pl.)
pratibhedaḥ kṣaṇe kṣaṇe
Unterscheidung/Wandel Augenblick für Augenblick (Nom./Lok.)
vartate sarvabhūteṣu
vollzieht sich in allen Wesen (3.Sg.Med./Lok.Pl.)
saukṣmyāt tu na vibhāvyate
aber wegen Feinheit nicht bemerkt (Abl./3.Sg.Pass.)
„Bei diesem [Wesen] nun, das solche Natur hat und ununterbrochen rennt wie ein edles Ross, [bei] aller Welt: Wer [ist es], woher, oder auch: woher nicht?“
Wort für Wort
tasya api evaṃprabhāvasya
bei diesem, der so beschaffen ist (Gen.)
sadaśvasya iva dhāvataḥ
gleich einem guten Ross laufend (Gen.Sg.Part.)
ajasraṃ sarvalokasya
ununterbrochen, [bei] der ganzen Welt (Adv./Gen.)
kaḥ kutaḥ vā na vā kutaḥ
wer, woher oder woher nicht? (Nom./Abl.)
Syntax des Gen. absolutus locker; „sarvalokasya“ eher „der ganzen Welt“ [?].
kasyedaṃ kasya vā nedaṃ kuto vedaṃ na vā kutaḥ; saṃbandhaḥ ko 'sti bhūtānāṃ svair apy avayavair iha
„Wessen ist dies, oder wessen ist dies nicht; woher [kommt] dies, oder woher nicht? Was für eine Beziehung besteht hier für die Wesen mit ihren eigenen Bestandteilen?“
Wort für Wort
kasya idaṃ kasya vā na idam
wessen dies, oder wessen nicht dies (Gen./Nom.)
kutaḥ vā idaṃ na vā kutaḥ
woher dies oder woher nicht (Abl.)
saṃbandhaḥ kaḥ asti bhūtānām
welche Beziehung gibt es für die Wesen (Nom./3.Sg./Gen.Pl.)
svaiḥ api avayavaiḥ iha
selbst mit den eigenen Gliedern hier (Instr.Pl./Lok.)
ātmany evātmanātmānaṃ yathā tvam anupaśyasi; evam evātmanātmānam anyasmin kiṃ na paśyasi; yady ātmani parasmiṃś ca samatām adhyavasyasi
„Wie du im Selbst durch das Selbst das Selbst erblickst, ebenso: warum erblickst du nicht durch das Selbst das Selbst im anderen, wenn du in dir und im anderen Gleichheit festhältst?“
Wort für Wort
ātmani eva ātmanā ātmānam
im Selbst eben durch das Selbst das Selbst (Lok./Instr./Akk.)
„Nun, was fragst du mich weiter: ‚Wer bist du, wessen?‘ Für einen von den Paaren [wie ‚dies soll mir sein, dies nicht‘] Befreiten, Maithila, welchen Zweck hat die Rede ‚Wer bist du, wessen, woher?‘?“
Wort für Wort
atha mām kā asi kasya iti
nun mich: „wer bist du, wessen?“ so (Akk./Nom.f.)
kimartham anupṛcchasi
wozu fragst du weiter (Adv./2.Sg.)
idaṃ me syāt idaṃ na iti
„dies möge mir sein, dies nicht“, so (Opt.)
dvaṃdvaiḥ muktasya maithila
von den Paaren Befreiten, Maithila (Instr.Pl./Gen./Vok.)
„Wer sich gegenüber Feind, Freund und Unbeteiligtem, bei Sieg, Friedensschluss und Krieg [entsprechend] betätigt hat, Fürst, was für ein Merkmal der Befreiten [ist] an dem?“
Wort für Wort
ripau mitre atha madhyasthe
bei Feind, Freund und Mittelsmann (Lok.)
vijaye saṃdhivigrahe
bei Sieg, Frieden und Krieg (Lok.)
kṛtavān yaḥ mahīpāla
wer gehandelt hat, Erdenschützer (Part./Nom./Vok.)
kiṃ tasmin muktalakṣaṇam
was an ihm [ist] ein Merkmal der Befreiten (Lok./Nom.)
kṛtavān ohne Objekt: „wer [so] gehandelt hat“ (Objekt aus dem Zusammenhang ergänzt) [?].
trivarge saptadhā vyaktaṃ yo na vedeha karmasu; saṅgavān yas trivarge ca kiṃ tasmin muktalakṣaṇam
„Wer in der Dreiheit [dharma, artha, kāma], die siebenfach sich zeigt, in den Werken hier nicht Bescheid weiß, und wer an der Dreiheit hängt: was für ein Merkmal der Befreiten [ist] an dem?“
Wort für Wort
trivarge saptadhā vyaktam
in der Dreiheit, siebenfach offenbar (Lok./Adv./Part.)
yaḥ na veda iha karmasu
wer nicht weiß, hier in den Werken (3.Sg.Perf./Lok.Pl.)
tad amuktasya te mokṣe yo 'bhimāno bhaven nṛpa; suhṛdbhiḥ sa nivāryas te vicittasyeva bheṣajaiḥ
„Deshalb: Der Dünkel, der dir, König, bei deiner Befreiung aufkommen mag, obwohl du unbefreit bist, muss von deinen Freunden abgewehrt werden, wie bei einem Verwirrten durch Arzneien.“
Wort für Wort
tat amuktasya te mokṣe
daher bei dir, dem Unbefreiten, hinsichtlich der Befreiung (Lok./Gen.)
yaḥ abhimānaḥ bhavet nṛpa
welcher Dünkel sein mag, König (Nom./Opt./Vok.)
suhṛdbhiḥ saḥ nivāryaḥ te
von Freunden ist er abzuwehren bei dir (Instr.Pl./Gerundiv)
vicittasya iva bheṣajaiḥ
wie bei einem Verwirrten durch Heilmittel (Gen./Instr.Pl.)
„Wenn du jene und jene Stätten der Anhaftung genau betrachtet hast, Bezwinger der Feinde, solltest du sie im Selbst durch das Selbst erkennen: Was für ein Merkmal der Befreiten [ist] an dem?“
Wort für Wort
tāni tāni anusaṃdṛśya
jene und jene, nachdem man sie betrachtet hat (Akk.Pl./Abs.)
saṅgasthānāni ariṃdama
die Stätten der Anhaftung, Feindbezwinger (Akk.Pl./Vok.)
ātmanā ātmani saṃpaśyet
durch sich selbst in sich erblicken möge man (Instr./Lok./Opt.)
kiṃ tasmin muktalakṣaṇam
was an ihm für ein Merkmal der Befreiten (Lok.)
Die Konstruktion des letzten Pādas ist wohl elliptisch: „[wenn nicht,] was ist dann an ihm Merkmal der Befreiten?“ [?].
Und in dieser Stadt gehört ihm nur ein einziges Haus, das er bewohnt; und im Haus [nur] ein einziges Bett, in dem er in der Nacht versinkt [im Schlaf].
Wort für Wort
tatpure caikam evāsya gṛhaṃ
in dieser Stadt und nur ein Haus ihm (Lok. Sg. / Akk. Sg. n. / Gen. Sg.)
yad adhitiṣṭhati
das er bewohnt (Rel.Akk. / 3.Sg.Präs.)
gṛhe śayanam apy ekaṃ
im Haus auch nur ein Lager (Lok. Sg. / Akk. Sg. n.)
niśāyāṃ yatra līyate
in der Nacht, worin er sich [im Schlaf] auflöst (Lok. Sg. / 3.Sg.Pass.)
strīṣu krīḍāvihāreṣu nityam asyāsvatantratā; mantre cāmātyasamitau kuta eva svatantratā
Bei den Frauen, bei Spiel und Vergnügungen ist er immer unselbstständig; und im Rat, in der Versammlung der Minister – woher erst [käme] da Selbstständigkeit?
Wort für Wort
strīṣu krīḍāvihāreṣu
bei den Frauen, bei Spiel und Zerstreuungen (Lok. Pl.)
nityam asyāsvatantratā
stets ihm Unselbstständigkeit (Gen. Sg. / Nom. Sg. f.)
mantre cāmātyasamitau
im Beratschlagen und in der Ministerversammlung (Lok. Sg.)
yadā tv ājñāpayaty anyāṃs tadāsyoktā svatantratā; avaśaḥ kāryate tatra tasmiṃs tasmin guṇe sthitaḥ
Erst wenn er andere anweist, wird ihm Selbstständigkeit zugesprochen; [doch] dabei wird er, gerade in dieser und jener Eigenschaft befangen, willenlos [zum Handeln] gebracht.
Wort für Wort
yadā tv ājñāpayaty anyān
wenn aber er anweist andere (Kaus. 3.Sg.Präs. / Akk. Pl.)
tadāsyoktā svatantratā
dann ihm zugesprochen Selbstständigkeit (Ptz.Pass. f. / Nom. Sg.)
avaśaḥ kāryate tatra
willenlos wird er veranlasst, dabei (Nom. Sg. m. / Kaus.Pass. 3.Sg.)
tasmiṃs tasmin guṇe sthitaḥ
in dieser und jener Eigenschaft verharrend (Lok. Sg. / Ptz. Nom. Sg.)
Zweiter Halbvers unsicher: guṇa evtl. auch 'Bindung/Eigenschaft/Pflicht'.
Auch wenn er schlafen möchte, bekommt er es von den Leuten mit Anliegen nicht zu schlafen; und selbst auf dem Lager, schlafen gelassen, wird er willenlos wieder geweckt.
Wort für Wort
svaptukāmo na labhate svaptuṃ
schlafen wollend, nicht erlangt er zu schlafen (Nom. Sg. / 3.Sg.Präs. / Inf.)
kāryārthibhir janaiḥ
von den Leuten, die etwas von ihm wollen (Instr. Pl.)
śayane cāpy anujñātaḥ
und auch auf dem Lager, [zum Schlaf] erlaubt (Lok. Sg. / Ptz.Pass.)
supta utthāpyate 'vaśaḥ
eingeschlafen, wird er aufgeweckt, willenlos (Ptz. / Kaus.Pass. 3.Sg. / Nom. Sg.)
abhigamyābhigamyainaṃ yācante satataṃ narāḥ; na cāpy utsahate dātuṃ vittarakṣī mahājanāt
Immer wieder treten die Menschen an ihn heran und bitten ihn; und der Vermögenswahrer [d. h. der geizige König] bringt es nicht über sich, aus der großen Menge [des Vermögens] zu geben.
Wort für Wort
abhigamyābhigamyainaṃ
immer wieder zu ihm hingegangen (Abs. Iterativ)
yācante satataṃ narāḥ
bitten beständig die Männer (3.Pl.Präs. Med. / Nom. Pl.)
na cāpy utsahate dātuṃ
und auch vermag/wagt er nicht zu geben (3.Sg.Präs. / Inf.)
vittarakṣī mahājanāt
der Vermögen Hütende, aus der großen Masse [heraus] (Nom. Sg. / Abl. Sg.)
mahājanāt: 'vor/wegen der großen Menge' ebenfalls möglich; Wiedergabe unsicher.
dāne kośakṣayo hy asya vairaṃ cāpy aprayacchataḥ; kṣaṇenāsyopavartante doṣā vairāgyakārakāḥ
Beim Geben [droht] ihm Schwund der Schatzkammer, und wenn er nicht gibt, Feindschaft; im Nu stellen sich bei ihm Mängel ein, die Abneigung [der Leute] bewirken.
Wort für Wort
dāne kośakṣayo hy asya
beim Geben Schwund des Schatzes, ja, ihm (Lok. Sg. / Nom. Sg. / Gen.)
vairaṃ cāpy aprayacchataḥ
und auch Feindschaft dem Nichtgebenden (Nom. Sg. n. / Gen. Sg. Ptz.)
kṣaṇenāsyopavartante
im Augenblick treten bei ihm ein (Instr. Sg. / 3.Pl.Präs.)
doṣā vairāgyakārakāḥ
Mängel, die Abkehr/Abneigung bewirken (Nom. Pl. m.)
Weise, Helden und ebenso Reiche – [schon] am selben Ort [beisammen] fürchtet er sie; und selbst wo keine Gefahr ist, [hegt] der König Furcht vor denen, von denen er beständig bedient wird.
Wort für Wort
prājñāñ śūrāṃs tathaivāḍhyān
Weise, Helden, ebenso Reiche (Akk. Pl.)
ekasthāne 'pi śaṅkate
selbst an einem Ort fürchtet er (Lok. Sg. / 3.Sg.Präs.)
bhayam apy abhaye rājño
Furcht selbst in Furchtlosigkeit [Sicherheit] des Königs (Nom. Sg. / Lok. Sg. / Gen.)
yaiś ca nityam upāsyate
und von denen er stets bedient wird (Rel.Instr. Pl. / 3.Sg.Pass.)
Textbezug des ersten Halbverses (Objekt von śaṅkate, 'an einem Ort') unsicher.
putrā dārās tathaivātmā kośo mitrāṇi saṃcayaḥ; paraiḥ sādhāraṇā hy ete tais tair evāsya hetubhiḥ
Söhne, Gattinnen und ebenso der eigene Leib, Schatzkammer, Freunde, Vorräte – diese sind mit anderen gemeinsam, aus jeweils denselben Gründen, die auf ihn selbst zutreffen.
Wort für Wort
putrā dārās tathaivātmā
Söhne, Gattinnen, ebenso das Selbst/der Leib (Nom. Pl. / Nom. Sg.)
„Das Land ist vernichtet, die Stadt verbrannt, der Haupt-Elefant tot“ – bei diesen allen Menschen gemeinsamen [Dingen] quält er sich durch irrige Erkenntnis.
Wort für Wort
hato deśaḥ puraṃ dagdhaṃ
zerstört das Land, die Stadt verbrannt (Ptz.Pass. Nom. Sg.)
pradhānaḥ kuñjaro mṛtaḥ
der Haupt-Elefant tot (Nom. Sg. / Ptz.Pass.)
lokasādhāraṇeṣv eṣu
bei diesen der Welt gemeinsamen [Dingen] (Lok. Pl.)
mithyājñānena tapyate
durch falsche Erkenntnis leidet er (Instr. Sg. / 3.Sg.Pass.)
Er ist nicht frei von seelischen Leiden, die aus Wunsch, Abneigung und Liebem entstehen, und ebenso von Krankheiten wie Kopfleiden usw., die [ihn] zu Fall bringen.
Wort für Wort
amukto mānasair duḥkhair
nicht frei von seelischen Leiden (Nom. Sg. / Instr. Pl.)
icchādveṣapriyodbhavaiḥ
aus Wunsch, Hass und Liebem entstehend (Kompositum Instr. Pl.)
[Es] gleicht dem Lodern eines Strohfeuers, ist wie Schaum und Blase.
Wort für Wort
tṛṇāgnijvalanaprakhyaṃ
dem Aufflammen eines Strohfeuers ähnlich (Nom. Sg. n.)
phenabudbudasaṃnibham
Schaum und Blase gleichend (Nom. Sg. n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
mamedam iti yac cedaṃ puraṃ rāṣṭraṃ ca manyase; balaṃ kośam amātyāṃś ca kasyaitāni na vā nṛpa
„Das ist mein“ – was du so als diese Stadt und dieses Reich betrachtest, das Heer, die Schatzkammer und die Minister: wessen sind sie, o Fürst, und wessen nicht?
Wort für Wort
mamedam iti yac cedaṃ
„mein ist dies“ so, und was dies (Gen. / Nom. n.)
puraṃ rāṣṭraṃ ca manyase
Stadt und Reich du meinst (Akk. Sg. n. / 2.Sg.Präs.)
balaṃ kośam amātyāṃś ca
Heer, Schatz und Minister (Akk. Sg. / Akk. Pl.)
kasyaitāni na vā nṛpa
wessen sind diese, oder nicht, o König (Gen. Sg. / Vok.)
Freunde, Minister, Stadt, Reich, Zepter/Heer, Schatz und der Landesherr: Diese Verbindung von sieben Gliedern, dem Rad gleich, wird „Königreich“ genannt, o Fürst.
Wort für Wort
mitrāmātyaṃ puraṃ rāṣṭraṃ
Freund, Minister, Stadt, Reich (Nom. Sg. n.)
daṇḍaḥ kośo mahīpatiḥ
Zepter/Heer, Schatz, Erdherr (Nom. Sg. m.)
saptāṅgaś cakrasaṃghāto
siebengliedrig, radartige Verbindung (Nom. Sg. m.)
rājyam ity ucyate nṛpa
Königreich so wird genannt, o König (Nom. / 3.Sg.Pass. / Vok.)
mitrāmātyam als Kollektiv-Kompositum (neutr.) gelesen; daṇḍa: Zepter, Strafgewalt/Heer.
Bei diesem siebengliedrigen Reich, das [einem] Dreistab gleich besteht und dessen [Glieder] durch gegenseitige Eigenschaften verbunden sind: welches ist durch [welche] Eigenschaft dem anderen überlegen?
Wort für Wort
saptāṅgasyāsya rājyasya
dieses siebengliedrigen Reiches (Gen. Sg.)
tridaṇḍasyeva tiṣṭhataḥ
wie ein Dreistab stehend (Gen. Sg. / Ptz.)
anyonyaguṇayuktasya
das mit gegenseitigen Eigenschaften verbunden ist (Gen. Sg.)
kaḥ kena guṇato 'dhikaḥ
welches, durch welches, der Eigenschaft nach, überlegen (Nom. / Instr. / Abl.-Adv. / Nom.)
yaś ca rājā mahotsāhaḥ kṣatradharmarato bhavet; sa tuṣyed daśabhāgena tatas tv anyo daśāvaraiḥ
Und der König, der hochgemut [und] dem Kriegerpflichtgesetz ergeben ist, mag mit einem Zehntel zufrieden sein; dann [ist] ein anderer [zufrieden] mit [noch] weniger, [nämlich] zehn [Zehnteln] mindestens.
Wort für Wort
yaś ca rājā mahotsāhaḥ
und der König, der sehr tatkräftig (Nom. Sg. m.)
kṣatradharmarato bhavet
dem Kṣatriya-Dharma ergeben sei (Nom. / Opt. 3.Sg.)
sa tuṣyed daśabhāgena
der wäre zufrieden mit einem Zehntel (Opt. 3.Sg. / Instr. Sg.)
tatas tv anyo daśāvaraiḥ
danach aber ein anderer, mit mindestens zehn [Teilen]? (Nom. / Instr. Pl.)
Es gibt keinen König, der nicht [mit anderen] gemeinsam wäre; es gibt kein Reich ohne König. Wenn kein Reich [ist], woher Dharma? Wenn kein Dharma [ist], woher das Höchste?
Wort für Wort
nāsty asādhāraṇo rājā
es gibt keinen nicht-gemeinsamen König (3.Sg.Präs. / Nom. Sg. m.)
nāsti rājyam arājakam
es gibt kein Reich ohne König (Nom. Sg. n.)
rājye 'sati kuto dharmo
im Nichtsein des Reiches woher Dharma (Lok. abs. / Nom. Sg.)
dharme 'sati kutaḥ param
im Nichtsein des Dharma woher das Höhere (Lok. abs. / Nom. Sg. n.)
yo 'py atra paramo dharmaḥ pavitraṃ rājarājyayoḥ; pṛthivī dakṣiṇā yasya so 'śvamedho na vidyate
Auch das, was hier das höchste Dharma ist, die Läuterung für König und Reich – [nämlich das Opfer], bei dem die Erde Opfergabe ist, [das] Rossopfer, gibt es nicht [ohne das Reich].
Wort für Wort
yo 'py atra paramo dharmaḥ
welches auch hier das höchste Dharma (Rel.Nom. Sg. m.)
pavitraṃ rājarājyayoḥ
Läuterung für König und Reich (Nom. Sg. n. / Gen./Lok. Du.)
pṛthivī dakṣiṇā yasya
dessen Opfergabe die Erde ist (Nom. Sg. f. / Rel.Gen.)
so 'śvamedho na vidyate
dieses Rossopfer besteht nicht (Nom. Sg. / 3.Sg.Pass.)
Satzbau des Verses schwierig, Wiedergabe unsicher [?].
Wie kann bei dir, dessen Bindung gelöst ist und der du die Fesseln überschritten hast, o König, wieder Anhaftung an Besonderheiten wie den Schirm usw. bestehen?
Wort für Wort
tasya te muktasaṅgasya
bei dir, dem von Anhaftung Gelösten (Gen. Sg.)
pāśān ākramya tiṣṭhataḥ
die Fesseln überwunden habend dastehend (Abs. / Akk. Pl. / Gen. Ptz.)
chatrādiṣu viśeṣeṣu
bei Besonderheiten wie Schirm usw. (Lok. Pl.)
kathaṃ saṅgaḥ punar nṛpa
wie Anhaftung wieder, o König (Nom. Sg. / Adv. / Vok.)
śrutaṃ te na śrutaṃ manye mithyā vāpi śrutaṃ śrutam; atha vā śrutasaṃkāśaṃ śrutam anyac chrutaṃ tvayā
Ich halte [es so]: Du hast [etwas] gehört, [aber] nicht gehört; oder das Gehörte ist falsch gehört; oder aber: Du hast etwas anderes gehört, was nur dem Gehörten ähnelt.
Wort für Wort
śrutaṃ te na śrutaṃ manye
gehört von dir, nicht gehört, meine ich (Nom. n. / Instr. / 1.Sg.Präs.)
mithyā vāpi śrutaṃ śrutam
oder falsch das Gehörte gehört (Adv. / Ptz.Pass.)
atha vā śrutasaṃkāśaṃ
oder dem Gehörten ähnlich (Nom. Sg. n.)
śrutam anyac chrutaṃ tvayā
Anderes gehört von dir (Akk. Sg. n. / Ptz.Pass. / Instr.)
Oder du stützt dich noch auf diese weltlichen Bezeichnungen; [dann] bist du, [ein] gewöhnlicher [Mensch], durch Anhaftung und Einschränkung von mir gebunden [worden].
Wort für Wort
athāpīmāsu saṃjñāsu
oder auch in diesen Bezeichnungen (Lok. Pl. f.)
laukikīṣu pratiṣṭhasi
weltlichen, stehst du fest (Lok. Pl. f. / 2.Sg.Präs.)
abhiṣaṅgāvarodhābhyāṃ
durch Anhaftung und Absperrung/Einschränkung (Instr. Du.)
baddhas tvaṃ prākṛto mayā
gebunden du, gewöhnlich, von mir (Ptz.Pass. / Nom. / Instr.)
Zweiter Halbvers unsicher: Syntax („gebunden von mir“ gegen den Sinn) [?].
sattvenānupraveśo hi yo 'yaṃ tvayi kṛto mayā; kiṃ tavāpakṛtaṃ tatra yadi mukto 'si sarvataḥ
Dass ich diesen Eintritt in dich vollzogen habe durch [mein] Wesen/Bewusstsein – was habe ich dir damit Übles getan, wenn du in jeder Hinsicht befreit bist?
Wort für Wort
sattvenānupraveśo hi
durch Wesen/Geist der Eintritt, ja (Instr. Sg. / Nom. Sg.)
yo 'yaṃ tvayi kṛto mayā
der, dieser bei dir vollzogen von mir (Nom. / Lok. / Ptz.Pass. / Instr.)
kiṃ tavāpakṛtaṃ tatra
was dir an Üblem getan dabei (Nom. Sg. n. / Gen.)
yadi mukto 'si sarvataḥ
wenn befreit du bist überall (Ptz.Pass. / 2.Sg.Präs. / Adv.)
niyamo hy eṣa dharmeṣu yatīnāṃ śūnyavāsitā; śūnyam āvāsayantyā ca mayā kiṃ kasya dūṣitam
Denn dies ist Regel in den Dharmas der Asketen: Bewohnen leerer [Stätten]. Wer hat, was verunreinigt, wenn ich einen leeren [Ort] bewohnen lasse [bzw. bewohne]?
Wort für Wort
niyamo hy eṣa dharmeṣu
Regel nämlich diese, in den Dharmas (Nom. Sg. / Lok. Pl.)
yatīnāṃ śūnyavāsitā
der Asketen Wohnen in Leerem (Gen. Pl. / Nom. Sg. f.)
śūnyam āvāsayantyā ca
und von mir, die ich Leeres beziehe (Akk. Sg. / Ptz.Instr. Sg. f.)
mayā kiṃ kasya dūṣitam
von mir was wem verunreinigt (Instr. / Nom. / Gen. / Ptz.Pass.)
āvāsayantyā: Kausativ 'bewohnen lassen' oder 'sich niederlassen'; śūnya als Leere, unbewohnter Ort bzw. der leere Körper (Anspielung auf Sulabhās Eintritt in Janakas Körper).
na pāṇibhyāṃ na bāhubhyāṃ pādorubhyāṃ na cānagha; na gātrāvayavair anyaiḥ spṛśāmi tvā narādhipa
Nicht mit den Händen, nicht mit den Armen, nicht mit Füßen und Schenkeln, o Makelloser, nicht mit den anderen Gliedern des Körpers berühre ich dich, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
na pāṇibhyāṃ na bāhubhyāṃ
nicht mit den Händen, nicht mit den Armen (Instr. Du.)
pādorubhyāṃ na cānagha
mit Füßen und Schenkeln, und nicht, o Makelloser (Instr. Du. / Vok.)
na gātrāvayavair anyaiḥ
nicht mit anderen Körperteilen (Instr. Pl.)
spṛśāmi tvā narādhipa
berühre ich dich, o Menschenherr (1.Sg.Präs. / Akk. / Vok.)
Von dir, der du in hoher Familie geboren, schamhaft und weitblickend bist, ist es nicht angebracht, in der Versammlung zu sagen, was zwischen [uns] beiden im Verborgenen, gut oder schlecht, geschah.
Wort für Wort
kule mahati jātena
in hoher Familie geboren (Lok. Sg. / Ptz. Instr.)
hrīmatā dīrghadarśinā
schamvoll, weitsichtig (Instr. Sg.)
naitat sadasi vaktavyaṃ
dies nicht in der Versammlung zu sagen (Lok. Sg. / Gerundiv)
sad vāsad vā mithaḥ kṛtam
Gutes oder Schlechtes, das gegenseitig/im Geheimen getan wurde (Nom. Sg. n.)
Brahmanen und Lehrer sind hier, und ebenso die Minister, [selbst] die höchsten Lehrer; und auch du bist diesen ein Lehrer – so [besteht] gegenseitige Ehrerbietung.
tad evam anusaṃdṛśya vācyāvācyaṃ parīkṣatā; strīpuṃsoḥ samavāyo 'yaṃ tvayā vācyo na saṃsadi
Nachdem du es so bedacht und das Sagbare und Nichtsagbare geprüft hast: Diese Vereinigung von Frau und Mann darf von dir in der Versammlung nicht erwähnt werden.
Wort für Wort
tad evam anusaṃdṛśya
daher so bedacht habend (Abs.)
vācyāvācyaṃ parīkṣatā
Sagbares und Nichtsagbares prüfend (Akk. Sg. / Ptz.Instr.)
strīpuṃsoḥ samavāyo 'yaṃ
von Frau und Mann diese Verbindung (Gen. Du. / Nom. Sg.)
tvayā vācyo na saṃsadi
von dir zu sagen nicht in der Versammlung (Instr. / Gerundiv / Lok.)
yadi vāpy aspṛśantyā me sparśaṃ jānāsi kaṃ cana; jñānaṃ kṛtam abījaṃ te kathaṃ teneha bhikṣuṇā
Und wenn du auch [nur] irgendeine Berührung von mir, die ich [doch] nicht berühre, wahrnimmst: Wie ist dann dein [so geübtes] Wissen hier samenlos gemacht durch [dich als] Bettelmönch?
Wort für Wort
yadi vāpy aspṛśantyā me
und wenn auch von mir, der Nichtberührenden (Gen./Instr. Sg. f.)
sparśaṃ jānāsi kaṃ cana
Berührung du kennst irgendeine (Akk. Sg. / 2.Sg.Präs.)
jñānaṃ kṛtam abījaṃ te
Wissen gemacht, samenlos, dir (Nom. Sg. n. / Ptz.Pass. / Gen.)
kathaṃ teneha bhikṣuṇā
wie dadurch hier, Bettelmönch (Adv. / Instr. Sg.)
Zweiter Halbvers unsicher: bhikṣuṇā als Instr. und 'abījam' [?].
sa gārhasthyāc cyutaś ca tvaṃ mokṣaṃ nāvāpya durvidam; ubhayor antarāle ca vartase mokṣavātikaḥ
Du bist vom Hausherrenstand abgefallen und hast die schwer zu findende Befreiung nicht erlangt; du weilst in der Mitte zwischen beiden – ein Befreiungs-Schwätzer.
Wort für Wort
sa gārhasthyāc cyutaś ca tvaṃ
der, vom Hausherrenstand abgefallen, du (Nom. Sg. / Abl. / Ptz.)
mokṣaṃ nāvāpya durvidam
die Befreiung nicht erlangt habend, schwer erkennbar (Akk. Sg. / Abs. / Akk. Sg.)
ubhayor antarāle ca
und im Zwischenraum beider (Gen. Du. / Lok. Sg.)
vartase mokṣavātikaḥ
du weilst, Befreiungs-Schwätzer/-Prahler (2.Sg.Präs. Med. / Nom. Sg. m.)
na hi muktasya muktena jñasyaikatvapṛthaktvayoḥ; bhāvābhāvasamāyoge jāyate varṇasaṃkaraḥ
Denn nicht entsteht bei einem Befreiten mit einem Befreiten, bei einem Wissenden, [der] Einheit und Verschiedenheit [kennt], beim Zusammentreffen von Sein und Nichtsein eine Vermischung der Stände.
Wort für Wort
na hi muktasya muktena
denn nicht [entsteht] bei einem Befreiten mit einem Befreiten (Gen./Instr.Sg.)
jñasya aikatva-pṛthaktvayoḥ
bei einem Wissenden, [der] Einheit und Verschiedenheit [kennt] (Gen.Sg.; Lok./Gen.Du.)
bhāva-abhāva-samāyoge
beim Zusammentreffen von Sein und Nichtsein (Lok.Sg., Kompositum)
jāyate varṇasaṃkaraḥ
entsteht Vermischung der Stände (3.Sg.Pass./Med.; Nom.Sg.)
„varṇa“ = Stand/Farbe; der Vers ist knapp und syntaktisch nicht ganz eindeutig.
varṇāśramapṛthaktve ca dṛṣṭārthasyāpṛthaktvinaḥ; nānyad anyad iti jñātvā nānyad anyat pravartate
Und bei der Getrenntheit von Ständen und Lebensstufen: Wer [nur] das Sichtbare als Ziel hat [und] nichts Getrenntes sieht, [der] weiß: „Das eine ist nicht das andere“, [und so] wirkt das eine nicht als das andere.
Wort für Wort
varṇāśrama-pṛthaktve ca
und bei der Getrenntheit von Ständen und Lebensstufen (Lok.Sg.)
dṛṣṭārthasya apṛthaktvinaḥ
dessen, der das Sichtbare/den Sinn erfasst hat [?], [und] nichts Getrenntes sieht (Gen.Sg.)
na anyad anyad iti jñātvā
„das andere ist nicht das andere“, so erkannt habend (Ger.)
na anyad anyat pravartate
nicht wirkt das eine als das andere (3.Sg.Med.)
dṛṣṭārthasyāpṛthaktvinaḥ ist knapp; Deutung unsicher.
In der Hand [ist] eine Schale, ebenso in der Schale Milch, in der Milch Fliegen; durch die Verbindung von Getragenem und Träger sind wir durch [unsere] Getrenntheit [lediglich] Stützen [?].
Wort für Wort
pāṇau kuṇḍaṃ tathā kuṇḍe payaḥ
in der Hand eine Schale, ebenso in der Schale Milch (Lok.Sg.; Nom.Sg.)
payasi makṣikāḥ
in der Milch Fliegen (Lok.Sg.; Nom.Pl.)
āśritāśraya-yogena
durch die Verbindung von Gestütztem und Stütze (Instr.Sg.)
pṛthaktvena āśrayā vayam
durch Getrenntheit sind wir Stützen [?] (Instr.Sg.; Nom.Pl.)
na tu kuṇḍe payobhāvaḥ payaś cāpi na makṣikāḥ; svayam evāśrayanty ete bhāvā na tu parāśrayam
Aber in der Schale ist nicht das Wesen der Milch, und die Milch ist auch nicht die Fliegen; diese Wesenheiten stützen sich von selbst [auf sich], nicht aber auf ein anderes.
Wort für Wort
na tu kuṇḍe payobhāvaḥ
aber nicht ist in der Schale das Milch-Sein (Lok.Sg.; Nom.Sg.)
payaś ca api na makṣikāḥ
und auch nicht ist die Milch die Fliegen (Nom.Sg.; Nom.Pl.)
svayam eva āśrayanti ete bhāvāḥ
von selbst nehmen diese Wesenheiten ihren Halt (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
na tu para-āśrayam
nicht aber [nehmen sie] Halt in einem Anderen (Akk.Sg.)
pṛthaktvād āśramāṇāṃ ca varṇānyatve tathaiva ca; parasparapṛthaktvāc ca kathaṃ te varṇasaṃkaraḥ
Wegen der Getrenntheit der Lebensstufen und ebenso bei der Verschiedenheit der Stände und wegen ihrer gegenseitigen Getrenntheit: Wie [soll] bei dir eine Vermischung der Stände [entstehen]?
Wort für Wort
pṛthaktvād āśramāṇāṃ ca
und wegen der Getrenntheit der Lebensstufen (Abl.Sg.; Gen.Pl.)
varṇa-anyatve tathā eva ca
und ebenso bei der Verschiedenheit der Stände (Lok.Sg.)
paraspara-pṛthaktvāc ca
und wegen der gegenseitigen Getrenntheit (Abl.Sg.)
katham te varṇasaṃkaraḥ
wie [käme] dir Vermischung der Stände (Interr.; Dat./Gen.Sg.; Nom.Sg.)
Ich bin nicht durch Geburt die Höchste unter den Ständen, auch nicht eine Vaiśyā und ebenso nicht eine Niedrigere; dir, o König, bin ich standesgleich, [von] reinem Schoß, unbefleckt.
Wort für Wort
na asmi varṇa-uttamā jātyā
nicht bin ich die Höchste der Stände durch Geburt (1.Sg.; Nom.Sg.f.; Instr.Sg.)
na vaiśyā na avarā tathā
nicht Vaiśyā, ebenso nicht Niedrigere (Nom.Sg.f.)
tava rājan savarṇā asmi
dir, o König, bin ich standesgleich (Gen./Dat.; Vok.; Nom.Sg.f.)
Ich, in jener Familie geboren, [und] da es einen mir gleichen Gatten nicht gab, in den Lehren der Befreiung unterwiesen, wandle allein das Gelübde der Weisen.
Wort für Wort
sā aham tasmin kule jātā
ich, in jener Familie geboren (Nom.Sg.f.; Lok.Sg.)
bhartari asati madvidhe
da ein Gatte, mir gleich, nicht vorhanden war (Lok.abs.)
vinītā mokṣadharmeṣu
unterwiesen in den Lehren der Befreiung (Part.Nom.f.; Lok.Pl.)
carāmi ekā munivratam
ich wandle allein das Weisengelübde (1.Sg.; Nom.f.; Akk.Sg.)
nāsmi satrapraticchannā na parasvābhimāninī; na dharmasaṃkarakarī svadharme 'smi dhṛtavratā
Ich bin nicht unter dem Deckmantel eines Opfers verborgen [?], nicht halte ich Fremdes für mein Eigen; ich stifte keine Vermischung der Pflichten; in der eigenen Pflicht bin ich fest im Gelübde.
Wort für Wort
na asmi satra-praticchannā
nicht bin ich durch ein Opfer/eine Sitzung verhüllt [?] (Nom.Sg.f.)
na para-sva-abhimāninī
nicht fremdes Gut als eigenes betrachtend (Nom.Sg.f.)
na dharma-saṃkara-karī
nicht Vermischung der Pflichten bewirkend (Nom.Sg.f.)
svadharme asmi dhṛta-vratā
in der eigenen Pflicht bin ich standhaft im Gelübde (Lok.Sg.; Nom.Sg.f.)
satrapraticchannā ist unsicher (evtl. „unter dem Vorwand einer Opfersitzung verhüllt“).
Ich bin nicht unbeständig in dem, was ich mir vorgenommen habe, nicht rede ich unbedacht, und nicht bin ich unüberlegt zu dir gekommen, o Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
na asthirā sva-pratijñāyām
nicht unbeständig in der eigenen Zusage (Nom.f.; Lok.Sg.)
na asamīkṣya-pravādinī
nicht unbedacht redend (Nom.Sg.f.)
na asamīkṣya āgatā ca aham
und nicht unüberlegt bin ich gekommen (Ger.; Part.Nom.f.)
tvat-sakāśaṃ janādhipa
in deine Nähe, o Menschenherrscher (Akk.Sg.; Vok.)
na vargasthā bravīmy etat svapakṣaparapakṣayoḥ; mukto na mucyate yaś ca śānto yaś ca na śāmyati
Nicht als einer Partei Angehörige sage ich dies, weder für die eigene noch für die fremde Seite: [nämlich über den,] der befreit ist [und doch] nicht befreit wird, und der zur Ruhe gekommen ist [und doch] nicht zur Ruhe kommt [?].
Wort für Wort
na vargasthā bravīmi etat
nicht einer Partei zugehörig sage ich dies (Nom.Sg.f.; 1.Sg.)
sva-pakṣa-para-pakṣayoḥ
in Bezug auf die eigene und die fremde Seite (Lok./Gen.Du.)
mukto na mucyate yaś ca
und wer befreit ist [und] nicht befreit wird (Part.; 3.Sg.Pass.)
śānto yaś ca na śāmyati
und wer beruhigt ist [und] nicht beruhigt wird (Part.; 3.Sg.)
Der zweite Halbvers ist knapp und in der Deutung unsicher.
Yudhiṣṭhira sprach: „[Nenne mir] die Festlegung der Wahrheiten des Nichtoffenbaren und des Offenbaren, o Stier der Bharatas.“ Bhīṣma sprach: „Du solltest sprechen, o Kauravya, [nämlich] was das Werk des ungeborenen Gottes ist. Hierzu führt man auch dieses Gespräch von Lehrer und Schüler an.“ Āsuri sprach: „[Es ist das Gespräch] des Kapila und des Āsuri, das von allem Leid befreit: die Festlegung der Wahrheiten des Nichtoffenbaren und des Offenbaren, die Gewissheit der Einsicht. Ehrwürdiger, von unermesslicher Weisheit, du solltest mir der Sache nach [Folgendes] darlegen: Was ist das Offenbare, was das Nichtoffenbare, was das über Offenbares und Nichtoffenbares Hinausgehende? Wie viele Prinzipien gibt es? Was ist das Erste und das Mittlere unter den Prinzipien? Was ist das Auf-das-Selbst-Bezogene, das Auf-die-Wesen-Bezogene und das Auf-die-Gottheit-Bezogene? Was ist Entstehung und Auflösung [der Welt]? Wie viele Schöpfungen gibt es? Was ist das Gewesene, was das Kommende, was das Künftige? Was ist Erkenntnis, was das zu Erkennende, wer der Erkennende? Was ist das Erwachte, was das Nichterwachte, was das Erwachende? Wie viele Knoten [oder: Abschnitte] gibt es, wie viele Ströme, wie viele Ursprünge des Handelns? Was ist Einheit, was Vielheit? Was ist Zusammenwohnen und Getrenntwohnen? Was ist Wissen und Nichtwissen?“ Kapila sprach: „Was du, Ehrwürdiger, gefragt hast — ‚was ist das Offenbare, was das Nichtoffenbare?‘ —, dazu sagen wir: Nichtoffenbar ist das, was unfassbar, undenkbar und unermesslich ist; das Offenbare wird [daran] erkannt. Wie die Jahreszeiten gestaltlos sind und an ihnen das Erscheinen durch Blüten und Früchte erkannt wird, so wird das Nichtoffenbare an den Guṇas erkannt. [Es ist] nach vorn gerichtet und rückwärts gerichtet, aufwärts, abwärts und quer; und weil das Seiende nicht zu fassen ist, [hat es dennoch] Gestalt [?]. Des Nichtoffenbaren [Anteile] sind Tamas (Finsternis), Rajas (Leidenschaft), Sattva (Lauterkeit); das ist der Urstoff (Pradhāna), das Prinzip, das höchste Feld. ‚Wasser, Unsterbliches, Furchtlosigkeit, Nichtoffenbares, Unvergängliches, Ungeborenes, Lebendes‘ — dies und Ähnliches sind Namen des Nichtoffenbaren. So sagt man: ‚Das Nichtoffenbare [ist] der große Ergreifer [?] der Dinge von Samennatur, bewusstlos; aus ihm wurde einer mit einer [einzigen] Eigenschaft geboren: das ist das Offenbare, das Prinzip, der Herr.‘ Dies ist das Nichtoffenbare: seiner Natur nach zum Hervorbringen, Tragen und Aufnehmen [bestimmt]. Die Wasser [sind es] beim Tragen und Zeugen; beim Aufnehmen der Guṇas [ist es] stets Prakṛti, [dem Höheren gegenüber] wachsam [?]; [es liegt] in dem einen Wirkenden-und-Bewirkten [?]. **************** Was du auch fragtest — ‚was ist das Offenbare?‘ —, dazu sagen wir: Das Offenbare, o Āsuri, ist das, was zuerst aus dem Nichtoffenbaren entstanden ist, der Herr, der in den nicht erwachten Guṇas weilt; dies, mit dem Namen ‚Puruṣa‘ [bezeichnet], wird ‚das Große‘ (Mahat) genannt, ferner ‚Erkenntnis‘ (Buddhi) und ‚Festigkeit‘ (Dhṛti). Dasein, Erinnerung, Verstand, Einsicht, Entschluss, Sammlung, Erlangung — diese und ähnliche nennt man die Beinamen des Offenbaren. So sagt man: ‚Vom Mahat hängt die Vollendung ab, und weil [von ihm] der große Zweifel [ausgeht], [ebenso] zur Erhellung der Sohnesschöpfung und die höchste Erregtheit [?].‘ Eben dieses bringt, weil es dem Aufwärtsstrom zugewandt ist und weil das Selbst nicht erwacht ist, den Ich-Macher (Ahaṃkāra) hervor. [Nun:] das über Nichtoffenbares und Offenbares Hinausgehende. Was du auch fragtest — ‚was ist das über Offenbares und Nichtoffenbares Hinausgehende?‘ —, dazu sagen wir: Das über Offenbares und Nichtoffenbares Hinausgehende ist das Dritte, mit dem Namen ‚Puruṣa‘. Von diesen beiden, [dem] Viriñci[-haften] und [dem] Vairiñca[-haften] [?], geht die Entstehung je einzeln aus. Viriñci, Selbstdünkel, Ununterscheidung, Neid, Begierde, Zorn, Gier, Übermut, Verblendung und Mein-Machen — dies sind die Beinamen des Ahaṃkāra. So sagt man: ‚„Ich bin der Täter“ — [so denkend] schuf der Ich-Macher, der Herr, das All; als Dritten kennen sie diesen Puruṣa, dessen Eigenschaft der Selbstdünkel ist.‘ Aus dem Ahaṃkāra ließ er zugleich die fünf großen Elemente entstehen, gekennzeichnet durch Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch. Eben diese werden erkannt. So sagt man: ‚Wer als Wissender die Schöpfung der Elemente aus dem Ahaṃkāra erkennt, der überschreitet den Selbstdünkel und gründet im Großen. Und unter den Elementen wird der Ahaṃkāra ebenso als ungleichgestaltig [?] bezeichnet; wiederum, als Ursache der Sinnesobjekte, gilt er als ‚Manas‘ (Denkorgan) genannt.‘ Aus dem Vikhara [?] bringt er das Vaikhara [?] zugleich mit den Sinnesorganen hervor. Ohr, Nase, Auge, Zunge, Haut — diese erfassen Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack und Geruch: [so] nennt man die fünf Erkenntnisorgane. So sagen die Lehrer. Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan und Wonne [Zeugungsorgan] sind die fünf Handlungsorgane, die Besonderheiten. ‚Āditya, die beiden Aśvin, die Gestirne‘ — diese nennt man die Beinamen der Organe [?]. So sagt man: ‚Nachdem er ebenso aus dem Ahaṃkāra die Elemente hervorgebracht hat [und] von Mahat und Selbst her, danach die Vaikhara-Natur erkannt hat — der Vaikhara [ist] von der Natur der Sinnesobjekte —; wenn dann ein Mensch den in der Veränderung weilenden Ahaṃkāra erkennt, erlangt er große Herrschaft, solange Mond und Sterne bestehen.‘ Kapila sprach: Was du auch fragtest — ‚wie viele Prinzipien gibt es?‘ —, diese habe ich früher der Reihe nach bereits genannt. So sagt man: ‚Wer diese nun genannten Prinzipien der Wahrheit gemäß erkennt, der wird vom Übel nicht befleckt, frei von aller Vermischung.‘ Was du auch fragtest — ‚was ist das Erste und das Mittlere der Prinzipien?‘ —, dazu sagen wir: Dies ist als Erstes und Mittleres genannt; die dreiundzwanzig Prinzipien, mit der Buddhi beginnend und in den Besonderheiten endend, sind zu erkennen — so sagt man. ‚Wodurch?‘ — dazu wird gesagt: Bei Devadatta, Yajñadatta, Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra, Caṇḍāla, Pulkasa und so fort sind diese, mit Buddhi beginnend und in den Besonderheiten endend, zu erkennen, zu bedenken und anzuerkennen, wie gesagt wurde. Dies ist das Erste und das Mittlere. Aus diesem geschieht die Entstehung der Prinzipien; in ihm lösen sie sich auf. Manche Lehrer sagen: Die Körperverbindung, die das Wesen ‚Ich‘ hat, ist in den drei Welten offenbar. Dieses, vom Nichtoffenbaren und Feinen beherrscht, hat den Namen ‚Devadatta‘. [Das ist] die Yoga-Sicht der Verkörperten. Für die [Sichtweisen] derer, die den Puruṣa nicht erkannt haben [?], sagen die Lehrer aber: Unter den fünfundzwanzig Prinzipien ist das vom Erwachenden und vom Nichterwachten Verschiedene das Gleichmütige, Reine, Wolkenlose. Und so sagt man: ‚Wer die vierundzwanzig Prinzipien kennt, gründet im Nichtoffenbaren; wer die fünfundzwanzig Prinzipien kennt, überschreitet sogar das Nichtoffenbare.‘“
Yudhiṣṭhira sprach: die Festlegung der Wahrheiten des Nichtoffenbaren und Offenbaren, Stier der Bharatas (Perf.; Akk.Sg.; Gen.Pl.; Vok.); Bhīṣma sprach: du solltest sprechen, Kauravya (Inf.; 2.Sg.Präs.; Vok.)
was das Werk des ungeborenen Gottes ist (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.); hierzu führt man auch dieses Gespräch von Lehrer und Schüler an (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.; Gen.Du.)
āsurir uvāca; kapilasya āsureḥ ca eva sarva-duḥkha-vimokṣaṇam / avyakta-vyakta-tattvānāṃ niścayaṃ buddhi-niścayam
Āsuri sprach: [Gespräch] des Kapila und des Āsuri, von allem Leid erlösend (Gen.Sg.; Akk.Sg.n.); die Festlegung der Wahrheiten des Nichtoffenbaren und Offenbaren, die Gewissheit der Einsicht (Akk.Sg.)
bhagavann amita-prajña vaktum arhasi me 'rthataḥ / kiṃ vyaktaṃ kim avyaktaṃ kiṃ vyaktāvyaktataram
Ehrwürdiger, von unermesslicher Weisheit, du solltest mir der Sache nach sprechen (Vok.; 2.Sg.; Dat./Gen.; Abl.-Adv.); was ist das Offenbare, das Nichtoffenbare, das darüber Hinausgehende (Interr.Nom.n.)
kati tattvāni; kim ādyaṃ madhyamaṃ ca tattvānām / kim adhyātmam adhibhūtam adhidaivataṃ ca
wie viele Prinzipien; was das Erste und Mittlere der Prinzipien (Nom.Pl.n.; Gen.Pl.); was das Selbstbezogene, Wesenbezogene, Gottheitbezogene (Nom.Sg.n.)
kiṃ nu svargāpyayaṃ kati sargāḥ / kiṃ bhūtaṃ kiṃ bhaviṣyaṃ kiṃ bhavyam
was nun Entstehung/Auflösung [svarga: evtl. sarga]; wie viele Schöpfungen (Nom.Sg.n.; Nom.Pl.m.); was das Gewesene, das Künftige, das Kommende (Part.Nom.n.)
kiṃ jñānaṃ kiṃ jñeyaṃ ko jñātā / kiṃ buddhaṃ kim apratibuddhaṃ kiṃ budhyamānam
was Erkenntnis, was Erkennbares, wer der Erkennende (Nom.); was das Erwachte, das Nichterwachte, das Erwachende (Part.Nom.n.)
kati parvāṇi kati srotāṃsi kati karmayonayaḥ / kim ekatvaṃ kiṃ nānātvam; kiṃ sahavāsavivāsaṃ kiṃ vidyāvidyam iti
wie viele Knoten/Abschnitte, Ströme, Ursprünge des Handelns (Nom.Pl.); was Einheit, Vielheit; Zusammen- und Getrenntwohnen; Wissen und Nichtwissen; so [fragte er] (Nom.Sg.n.)
kapila uvāca; yad bhavān āha kiṃ vyaktaṃ kim avyaktam ity atra brūmaḥ / avyaktam agrāhyam atarkyam aparimeyam
Kapila sprach: was du gesagt hast — ‚was ist Offenbares, was Nichtoffenbares‘ —, dazu sagen wir (Perf.3.Sg.; 1.Pl.Präs.); Nichtoffenbar [ist], was unfassbar, undenkbar, unermesslich [ist] (Nom.Sg.n.)
das Offenbare wird erkannt (3.Sg.Pass.); wie die Jahreszeiten gestaltlos sind, an ihnen das Erscheinen durch Blüten und Früchte erkannt wird (Nom.Pl.; Lok.Pl.; Instr.Pl.)
so wird das Nichtoffenbare durch die Guṇas erkannt (Instr.Pl.); nach vorn gerichtet, rückwärts gerichtet, aufwärts, abwärts, quer [?] (Part.Nom.n.; Adv.)
sataś ca ananugrāhyatvāt sākṛtiḥ / avyaktasya tamo rajaḥ sattvam
und wegen der Nicht-Erfassbarkeit des Seienden gestalthaft [?] (Gen.Sg.; Abl.Sg.; Nom.); des Nichtoffenbaren [Anteile]: Finsternis, Leidenschaft, Lauterkeit (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
das ist der Urstoff, das Prinzip, das höchste Feld (Nom.Sg.n.); Wasser, Unsterbliches, Furchtlosigkeit, Nichtoffenbares, Unvergängliches, Ungeborenes, Lebendes (Nom.Sg.n.)
dies und Ähnliches sind Namen des Nichtoffenbaren; so sagt man (3.Pl.; 3.Sg.Perf.); das Nichtoffenbare [ist] der große Ergreifer [?] der samenartigen [Dinge], bewusstlos (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
tasmād ekaguṇo jajñe tad vyaktaṃ tattvam īśvaraḥ / tad etad avyaktam; prasava-dhāraṇa-ādāna-svabhāvam
aus ihm wurde einer mit einer Eigenschaft geboren: das Offenbare, das Prinzip, der Herr (Abl.; Perf.3.Sg.Med.; Nom.); dies ist das Nichtoffenbare, von der Natur des Hervorbringens, Tragens und Aufnehmens (Nom.Sg.n.; Akk.Sg.n.)
die Wasser beim Tragen, beim Zeugen; beim Aufnehmen der Guṇas [ist es] stets Prakṛti (Nom.Pl.; Lok.Sg.; Gen.Pl.); dem Höheren gegenüber wachsam [?]; es [liegt] in dem einen Bewirkten-und-Bewirkenden [?] (Akk.Sg.n.; Lok.Sg.)
was auch gefragt wurde: ‚was ist das Offenbare?‘ — dazu sagen wir: das Offenbare, Āsuri, ist, was zuerst aus dem Nichtoffenbaren entstanden ist (Vok.; Abl.; Part.); der Herr, in den nicht erwachten Guṇas weilend, dies, ‚Puruṣa‘ genannt, wird ‚Mahat‘ genannt (Akk./Nom.Sg.n.; Part.)
auch ‚Erkenntnis‘ und ‚Festigkeit‘; Dasein, Erinnerung, Verstand, Einsicht, Entschluss, Sammlung, Erlangung (Nom.Sg.f.); dies und Ähnliches nennt man Beinamen des Offenbaren; so sagt man (3.Pl.Präs.)
mahataḥ siddhir āyattā saṃśayaś ca mahān yataḥ / putra-sargasya dīpti-artham autsukyaṃ ca param tathā
vom Mahat hängt die Vollendung ab, und weil [von ihm] der große Zweifel [ausgeht] (Gen./Abl.Sg.; Nom.Sg.f.; Nom.Sg.m.); zur Erhellung der Sohnesschöpfung, und die höchste Erregtheit ebenso [?] (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
tad eva ūrdhva-srotas-abhimukhatvād apratibuddhatvāc ca ātmanaḥ / prakaroty ahaṃkāram; avyakta-avyaktataram
eben dieses, wegen der Zuwendung zum Aufwärtsstrom und wegen der Nichterwachtheit des Selbst (Abl.Sg.; Gen.Sg.); bringt den Ich-Macher hervor; [nun:] das über Nichtoffenbares und [Offenbares] Hinausgehende (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
yad api uktaṃ kiṃ vyaktāvyaktataram ity atra brūmaḥ; vyaktāvyaktataraṃ nāma tṛtīyaṃ puruṣa-saṃjñakam / tad etayor ubhayor viriñci-vairiñcayor ekaikaśa utpattiḥ
was auch gefragt wurde — dazu sagen wir: das Darüberhinausgehende ist das Dritte, ‚Puruṣa‘ genannt (Nom.Sg.n.); von diesen beiden, dem Viriñci-[haften] und Vairiñca-[haften] [?], Entstehung je einzeln (Gen.Du.; Nom.Sg.f.)
Viriñci, Selbstdünkel, Ununterscheidung, Neid, Begierde, Zorn, Gier, Übermut, Verblendung, Mein-Machen (Nom.Sg.); dies sind Beinamen des Ahaṃkāra; so sagt man (Nom.Pl.n.; 3.Pl.)
‚ich bin Täter‘ — der Ich-Macher schuf das All, der Herr (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.; Akk.Sg.); als Dritten kennen sie diesen Puruṣa, dessen Eigenschaft der Selbstdünkel ist (Akk.Sg.; Perf.3.Pl.)
aus dem Ahaṃkāra ließ er zugleich entstehen die fünf großen Elemente (Abl.; Perf.periphr.; Akk.Pl.n.); gekennzeichnet durch Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch; eben diese werden erkannt; so sagt man (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Pass.)
bhūta-sargam ahaṃkārād yo vidvān avabudhyate / so 'bhimānam atikramya mahāntaṃ pratitiṣṭhate
die Schöpfung der Elemente aus dem Ahaṃkāra: wer als Wissender sie erkennt (Akk.Sg.; Abl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Med.); der überschreitet den Selbstdünkel und gründet im Großen (Ger.; 3.Sg.Med.)
bhūteṣu ca api ahaṃkāro asarūpas tathā ucyate / punar viṣaya-hetu-arthe sa manaḥ-saṃjñakaḥ smṛtaḥ
und unter den Elementen wird der Ahaṃkāra ebenso ungleichgestaltig genannt [?] (Lok.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.); wiederum zur Ursache der Sinnesobjekte gilt er als ‚Manas‘ genannt (Lok.Sg.; Part.Nom.Sg.)
aus dem Vikhara [?] bringt er das Vaikhara [?] zugleich mit den Organen hervor (Abl.; Akk.; Instr.Pl.; 3.Sg.Kaus.); Ohr, Nase, Auge, Zunge, Haut: diese erfassen Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch (Nom.Pl.n.; Akk.Pl.m.; 3.Pl.Med.)
so nennt man die fünf Erkenntnisorgane; so sagen die Lehrer (Akk.Pl.n.; 3.Pl.Perf.; Nom.Pl.); Sprache, Hände, Füße, Ausscheidungsorgan, Wonne: die fünf Handlungsorgane, die Besonderheiten (Nom.)
Āditya, die beiden Aśvin, die Gestirne: dies nennt man Beinamen der Organe [?] (Nom.; Gen.Pl.); nachdem er aus dem Ahaṃkāra ebenso die Elemente hervorgebracht hat, von Mahat und Selbst her (Abl.; Ger.; Abl./Gen.Du.)
danach die Vaikhara-Natur erkannt habend: der Vaikhara ist von Sinnesobjekt-Natur (Akk.; Ger.; Nom.Sg.); den in der Veränderung weilenden Ahaṃkāra erkannt habend, dann der Mensch (Akk.Sg.; Ger.; Nom.Sg.)
mahad aiśvaryam āpnoti yāvad ācandratārakam / kapila uvāca; yad api uktaṃ kati tattvāni bhavanti iti; tad etāni mayā pūrvaśaḥ pūrvoktāni
große Herrschaft erlangt er, solange Mond und Sterne [bestehen] (Akk.; 3.Sg.Präs.; Adv.); Kapila sprach: was gefragt wurde ‚wie viele Prinzipien‘ — diese sind von mir früher der Reihe nach genannt (Instr.; Part.Nom.Pl.n.)
evam āha; tattvāny etāni atha uktāni yathāvad yo 'nubudhyate / na sa pāpena lipyeta nirmuktaḥ sarva-saṃkarāt
so sagt man: wer diese nun genannten Prinzipien der Wahrheit gemäß erkennt (Part.; 3.Sg.Med.); der wird vom Übel nicht befleckt, befreit von aller Vermischung (Opt.Pass.3.Sg.; Part.; Abl.)
yad api uktaṃ kim ādyaṃ madhyamaṃ ca tattvānām ity atra brūmaḥ / etad ādyaṃ madhyamaṃ ca uktam; buddhi-ādīni trayoviṃśati-tattvāni viśeṣa-paryavasānāni jñātavyāni bhavanti
was gefragt wurde: ‚was ist das Erste und Mittlere der Prinzipien?‘ — dazu sagen wir (1.Pl.); dies ist als Erstes und Mittleres genannt: die dreiundzwanzig Prinzipien, mit Buddhi beginnend, in den Besonderheiten endend, sind zu erkennen (Part.; Gerundiv Nom.Pl.n.)
so sagt man; ‚wodurch?‘ dazu wird gesagt (Instr.; 3.Sg.Pass.); bei Devadatta, Yajñadatta, Brahmane, Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra, Caṇḍāla, Pulkasa usw. sind diese zu erkennen (Nom.Sg.; Gerundiv)
mit Buddhi beginnend, in den Besonderheiten endend, zu bedenken, anzuerkennen, sind sie genannt (Gerundiv; Part.); dies das Erste und das Mittlere; aus diesem ist der Prinzipien Entstehung, in ihm lösen sie sich auf (Abl.; Lok.-Adv.; 3.Pl.Pass.)
manche Lehrer sagen: die Körperverbindung, deren Wesen ‚Ich‘ ist, ist in den drei Welten offenbar (Nom.Pl.; Akk./Nom.Sg.; Lok.Pl.); vom Nichtoffenbaren und Feinen beherrscht, dies, ‚Devadatta‘ genannt (Part.Nom.Sg.n.)
dehināṃ yoga-darśanam / abuddha-puruṣa-darśanānāṃ tu pañcaviṃśati-tattvānāṃ
der Verkörperten Yoga-Sicht (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.); für die [Sichtweisen] der Unerkennenden [?] aber, unter den fünfundzwanzig Prinzipien (Gen.Pl.)
buddhyamāna-apratibuddhayor vyatiriktam upekṣakaṃ śuci vyabhram ity āhur ācāryāḥ / evaṃ ca āha; caturviṃśati-tattva-jñas tv avyakte pratitiṣṭhati
vom Erwachenden und vom Nichterwachten verschieden, gleichmütig, rein, wolkenlos: so sagen die Lehrer (Gen./Abl.Du.; Nom.Sg.n.); und so sagt man: wer die vierundzwanzig Prinzipien kennt, gründet im Nichtoffenbaren (Nom.Sg.; Lok.Sg.; 3.Sg.)
pañcaviṃśati-tattva-jño 'vyaktam api atitiṣṭhati
wer die fünfundzwanzig kennt, überschreitet sogar das Nichtoffenbare (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Sāṃkhya-Lehrgespräch Kapila–Āsuri); die Sprecherangaben sind in der Überlieferung durcheinander geraten, der Text ist stellenweise verderbt (Lücke im Text: ****). Begriffe: avyakta = Nichtoffenbares (Urmaterie), vyakta = Offenbares, kṣetrajña = „Kenner des Feldes“ (Puruṣa), viśeṣa = Besonderheiten (Elemente/Organe).
Kapila sprach: Was du auch gefragt hast — „was ist das Selbstbezogene, das Wesenbezogene und das Gottheitbezogene?“ —, dazu sagen wir: Das Selbstbezogene, das Wesenbezogene und das Gottheitbezogene werden wir dir darlegen, Āsuri. Die Füße sind das Selbstbezogene, das zu Gehende das Wesenbezogene, Viṣṇu die zugehörige Gottheit. Das Ausscheidungsorgan ist das Selbstbezogene, die Ausscheidung das Wesenbezogene, Mitra die Gottheit. Die Wonne [das Zeugungsorgan] ist das Selbstbezogene, das Erleben das Wesenbezogene, Prajāpati die Gottheit. Die Hände sind das Selbstbezogene, das zu Tuende das Wesenbezogene, Indra die Gottheit. Die Sprache ist das Selbstbezogene, das zu Sagende das Wesenbezogene, Agni die Gottheit. Die Nase ist das Selbstbezogene, das zu Riechende das Wesenbezogene, die Erde die Gottheit. Das Ohr ist das Selbstbezogene, das zu Hörende das Wesenbezogene, der Raum die Gottheit. Das Auge ist das Selbstbezogene, das zu Sehende das Wesenbezogene, die Sonne die Gottheit. Die Zunge ist das Selbstbezogene, der Geschmack das Wesenbezogene, die Wasser die Gottheit. Die Haut ist das Selbstbezogene, [Anm.: Satz abgebrochen, Fortsetzung im nächsten Stück]
Wort für Wort
kapila uvāca; yad api uktaṃ kim adhyātmam adhibhūtam adhidaivataṃ ca iti yatra brūmaḥ
Kapila sprach: was gefragt wurde: ‚was ist Selbstbezogenes, Wesenbezogenes, Gottheitbezogenes‘ — dazu sagen wir (Perf.; 1.Pl.)
adhyātmam adhibhūtam adhidaivataṃ ca āsure vakṣyāmaḥ
das Selbst-, Wesen- und Gottheitbezogene, Āsuri, werden wir sagen (Vok.; 1.Pl.Fut.)
das Auge das Selbstbezogene, das Sichtbare das Wesenbezogene, die Sonne die Gottheit
jihvā adhyātmaṃ raso 'dhibhūtam āpo 'dhidaivatam
die Zunge das Selbstbezogene, der Geschmack das Wesenbezogene, die Wasser die Gottheit (Nom.Pl.)
tvag adhyātmam
die Haut [ist] das Selbstbezogene (Nom.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück einer langen Zusatzpassage; „cet yatra“ steht wohl für „ceti atra“. adhyātma/adhibhūta/adhidaivata = auf das Selbst/die Wesen/die Gottheiten bezogen.
[Anm.: Fortsetzung] das zu Berührende das Wesenbezogene, Vāyu (der Wind) die Gottheit. Das Manas ist das Selbstbezogene, das zu Denkende das Wesenbezogene, der Mond die Gottheit. Der Ahaṃkāra ist das Selbstbezogene, der Selbstdünkel das Wesenbezogene, Viriñci die Gottheit. Die Buddhi ist das Selbstbezogene, das zu Erkennende das Wesenbezogene, der Puruṣa die Gottheit. So viel [ist] das Selbstbezogene, Wesenbezogene und Gottheitbezogene, [und diese] sind überall anzuerkennen — so sagt man. „Beim Brahmanen, beim Fürsten, beim Wurm, beim Hundeesser, beim Hund, beim Elefanten, bei Bienenart [puttikā], Bremse und Mücke und beim Vogel sei [sie] gleich [?]. Aus der Verbindung von Nichtoffenbarem und Puruṣa entsteht im Selbst die Buddhi, von der dieses All durchdrungen ist, die drei Welten samt Bewegtem und Unbewegtem. Wer diese Dreiheit kennt und das davon verschiedene Reine, Gleichmütige — [das] staubfreie, finsternisfreie, makellose, heilvolle, unvergängliche —, [wer] von Zweifel und Vermischung befreit ist, der möge jenes Organlose, Herrenlose, Sprosslose, Samenlose, Ewige erlangen.“
Wort für Wort
spraṣṭavyam adhibhūtaṃ vāyur adhidaivatam
das Berührbare das Wesenbezogene, der Wind die Gottheit (Gerundiv Nom.Sg.n.)
mano 'dhyātmaṃ mantavyam adhibhūtaṃ candramā adhidaivatam
das Manas das Selbstbezogene, das Denkbare das Wesenbezogene, der Mond die Gottheit
von Zweifel und Vermischung befreit; das Organlose, Herrenlose (Abl.; Part.; Akk.)
niraṅkuram abījaṃ ca śāśvataṃ tad avāpnuyāt
das Sprosslose, Samenlose, Ewige, das möge er erlangen (Opt.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „puttikādaṃśamaśake“: puttikā = eine Art Insekt (Biene/Termite); „samaṃ bhavet“ bezieht sich vermutlich auf die Gleichheit der Buddhi bei allen Wesen [?].
yad apy uktaṃ kiṃ nu sargāpyayam iti atra brūmaḥ | tad yathā jarāyujāṇḍajasvedajodbhijjāś; catvāro bhūtagrāmāḥ kālāgnināhaṃkṛtenānekaśatasahasrāṃśunā; dahyamānāḥ pṛthivīm anupralīyante | tadāttagandhā; kūrmapṛṣṭhanibhā pṛthivī apsu pralīyate | tad udakaṃ sarvam; abhavat | agnir apy ādatte toyam | tadāgnibhūtam abhavat | agnim apy ādatte; vāyuḥ | sa vāyur ūrdhvam adhas tiryak ca dodhavīti | tad vāyur bhūtam; abhavat | vāyum apy ādatte vyoma | tad ākāśam eva ninādam abhavat |; tad ākāśaṃ manasi pralīyate | mano 'haṃkāre 'haṃkāro mahati; mahān avyakte tad etat pralayam īhate | pralayāntān mahāpralaya ity ucyate |; praṇaṣṭasarvasvaṃ tama evāpratimaṃ bhavati | agrāhyam acchedyam
Was du auch gefragt hast — „was nun ist Entstehung und Auflösung?“ —, dazu sagen wir: Die vier Wesensscharen — die Lebendgeborenen, Eigeborenen, Schweißgeborenen und Keimgeborenen —, vom Feuer der Zeit verbrannt, das aus dem Ahaṃkāra gemacht ist und viele hunderttausend Strahlen hat, lösen sich in der Erde auf. Dann verliert die Erde, einem Schildkrötenrücken gleich, ihren Geruch und löst sich in den Wassern auf. Da wurde alles Wasser. Auch das Wasser nimmt das Feuer auf. Da wurde es Feuer. Auch das Feuer nimmt der Wind auf. Dieser Wind weht heftig aufwärts, abwärts und quer. Da wurde er [nur noch] Wind. Auch den Wind nimmt der Himmelsraum auf. Da wurde der Äther eben zum Laut. Der Äther löst sich im Manas auf, das Manas im Ahaṃkāra, der Ahaṃkāra im Mahat, das Mahat im Nichtoffenbaren; dies strebt der Auflösung zu. Was in der Auflösung endet, heißt die Große Auflösung. Alles Eigene verschwunden, wird nur Finsternis, ohnegleichen, unfassbar, unzerschneidbar,
Wort für Wort
yad api uktaṃ kiṃ nu sargāpyayam iti atra brūmaḥ
was gefragt wurde: ‚was nun Entstehung und Auflösung‘ — dazu sagen wir (1.Pl.)
tad yathā jarāyu-aṇḍa-sveda-ja-udbhijjāś catvāro bhūtagrāmāḥ
nämlich: die vier Wesensscharen, Lebendgeborene, Eigeborene, Schweiß- und Keimgeborene (Nom.Pl.)
dann, des Geruchs beraubt, dem Schildkrötenrücken gleich, löst sich die Erde in den Wassern auf (Nom.f.; Lok.Pl.)
tad udakaṃ sarvam abhavat; agnir api ādatte toyam
da wurde alles Wasser; auch das Feuer nimmt das Wasser auf (Impf.3.Sg.; 3.Sg.Med.)
tadā agnibhūtam abhavat; agnim api ādatte vāyuḥ
da wurde es Feuer[-Zustand]; auch das Feuer nimmt der Wind auf
sa vāyur ūrdhvam adhas tiryak ca dodhavīti
dieser Wind weht heftig aufwärts, abwärts und quer (Intensiv 3.Sg.)
tad vāyu-bhūtam abhavat; vāyum api ādatte vyoma
da wurde es Wind[-Zustand]; auch den Wind nimmt der Himmelsraum auf
tad ākāśam eva ninādam abhavat
da wurde eben der Äther zum Laut (Akk.-Prädikat)
tad ākāśaṃ manasi pralīyate; mano 'haṃkāre 'haṃkāro mahati mahān avyakte
der Äther löst sich im Manas auf, das Manas im Ahaṃkāra, dieser im Mahat, das Mahat im Nichtoffenbaren (Lok.Sg.)
tad etat pralayam īhate; pralaya-antān mahāpralaya ity ucyate
dies strebt der Auflösung zu; die in Auflösung endende heißt ‚Große Auflösung‘ (3.Sg.Med.; Abl.; 3.Sg.Pass.)
praṇaṣṭa-sarvasvaṃ tama eva apratimaṃ bhavati; agrāhyam acchedyam
alles Eigene verschwunden, wird nur Finsternis, ohnegleichen, unfassbar, unzerschneidbar (Part.; Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). svargāpyayam im Text; der Sache nach „sarga-apyaya“ (Schöpfung und Auflösung) gemeint. tadāttagandhā wörtlich „da, ihres Geruchs beraubt“.
unspaltbar, undenkbar, anfangslos, unausdenkbar, ohne Halt, ohne Standort, unvergänglich, ungeboren, ewig — so [ist es]. So sagt man: „Wer Schöpfung und Auflösung so, der Wahrheit gemäß, erkennt, der möge, nachdem er dieses Unheilvolle überwunden hat, das Heilvolle, das Unendliche erlangen.“ Kapila sprach: [So]. Was du auch gefragt hast, Āsuri — „wie viele Schöpfungen, naturgemäße und veränderte, gibt es?“ —, dazu sagen wir: Neun Schöpfungen, naturgemäße und veränderte, gibt es. Aus dem Nichtoffenbaren entsteht das Mahat; dies nennt man die Schöpfung des Wissens. Aus dem Mahat entsteht der Ahaṃkāra. Aus dem Ahaṃkāra die Schöpfung der fünf Elemente. Aus den Elementen die Umwandlung. Was hierbei die Kraft der ganzen Welt ist, das ist Ursprung und Auflösung. So sagt man: „Wer Entstehung, Untergang und Mitte der Wesen und des Selbst kennt und Wissen und Nichtwissen, der ist ‚Bhagavān‘ zu nennen.“ Was du auch gefragt hast — „was ist das Gewesene, das Kommende, das Künftige?“ —, dazu sagen wir:
ohne Halt, ohne Standort, unvergänglich, ungeboren, ewig — so (Nom.Sg.n.)
evam āha; sarga-pralayam etāvat tattvato yo 'vabudhyate
so sagt man: wer Schöpfung und Auflösung so weit der Wahrheit nach erkennt (Akk.; Adv.; 3.Sg.Med.)
uttīrya so 'śivād asmāc chivam ānantyam āpnuyāt
hinübergelangt von diesem Unheilvollen, möge er das Heilvolle, Unendliche erlangen (Ger.; Abl.; Opt.)
kapila uvāca; iti; yad api uktam āsure kati sargāṇi prākṛta-vaikṛtāni bhavanti
Kapila sprach: so; was gefragt wurde, Āsuri: wie viele Schöpfungen, naturgemäße und veränderte, gibt es (Nom.Pl.n.)
atra brūmaḥ; nava sargāṇi prākṛta-vaikṛtāni bhavanti
dazu sagen wir: neun Schöpfungen, naturgemäße und veränderte, gibt es
avyaktān mahad utpadyate; taṃ vidyāsargaṃ vadanti
aus dem Nichtoffenbaren entsteht das Mahat; dies nennt man die Wissens-Schöpfung (Abl.; 3.Sg.Med.; Akk.)
mahataś ca ahaṃkāra utpadyate; ahaṃkārāt pañca-bhūta-sargaḥ
aus dem Mahat entsteht der Ahaṃkāra; aus dem Ahaṃkāra die Schöpfung der fünf Elemente (Abl.)
bhūtebhyo vikāraḥ; yasmāt kṛtsnasya jagatas tejas tad etat prabhava-apyayam
aus den Elementen die Umwandlung; woher die Kraft der ganzen Welt [stammt], das ist Ursprung und Auflösung (Abl.Pl.; Gen.Sg.)
utpattiṃ nidhanaṃ madhyaṃ bhūtānām ātmanaś ca yaḥ
Entstehung, Untergang, Mitte der Wesen und des Selbst — wer [sie kennt] (Akk.Sg.; Gen.Pl.)
vetti vidyām avidyāṃ ca sa vācyo bhagavān iti
wer Wissen und Nichtwissen kennt, der ist ‚Bhagavān‘ zu nennen (3.Sg.; Gerundiv)
yad api uktaṃ kiṃ bhūtaṃ kiṃ bhavyaṃ kiṃ bhaviṣyac ca ity atra brūmaḥ
was gefragt wurde: ‚was Gewesenes, Kommendes, Künftiges‘ — dazu sagen wir
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Aufzählung der „neun Schöpfungen“ ist im Text nicht vollständig ausgeführt. Kolophon „kapila uvāca; iti“ ist versprengt.
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyaṃ cāsure trailokyaṃ kālaḥ | sa mahātmā saṃpraty atītānāgatānām; utpādakānām utpādakaś cānugrāhakaś ca tirobhāvakaś cety; evam āha |; bhūtabhavyabhaviṣyāṇāṃ sraṣṭāraṃ kālam īśvaram; yo 'vabudhyati tadgāmī sa duḥkhāt parimucyate; katarasmād duḥkhāt | janmajarāmaraṇājñānabadhirāndhakubjahīnātiriktāṅgavadhabandhavairūpyacintāvyādhiprabhṛtibhir; kapila uvāca; anyaiś cānekair iti |; yad apy uktaṃ kiṃ jñānam iti atra brūmaḥ | jñānaṃ nāmāsure prajñā |; sā buddhir yayā boddhavyam anubudhyate | kiṃ punas tad boddhavyam ity atrocyate |; boddhavyaṃ nāma dvividham iṣṭāniṣṭakṛtam | tad yathā | idaṃ; dharmyam idam adharmyam | idaṃ vācyam idam avācyam | idaṃ kāryam idam akāryam |
Das Gewesene, das Kommende und das Künftige, Āsuri, ist die Dreiwelt, die Zeit [?]. Dieser Große ist der Erzeuger der Erzeuger der jetzt Vergangenen und Zukünftigen [?], und Begünstiger und Verberger — so sagt man: „Wer die Zeit, den Schöpfer des Gewesenen, Kommenden und Künftigen, den Herrn, erkennt [und] zu ihm gelangt, der wird vom Leid völlig befreit.“ „Von welchem Leid?“ — Von Geburt, Alter, Tod, Unwissenheit, Taubheit, Blindheit, Buckligkeit, Verstümmelung, überzähligen Gliedern, Erschlagen- und Gefesseltwerden, Hässlichkeit, Sorge, Krankheit und dergleichen [Kapila sprach:] und von vielen anderen. Was du auch gefragt hast — „was ist Erkenntnis?“ —, dazu sagen wir: Erkenntnis, Āsuri, ist Einsicht. Sie ist die Buddhi, durch die das zu Erkennende erkannt wird. „Was aber ist jenes zu Erkennende?“ — darauf wird gesagt: Das zu Erkennende ist zweifach, durch Erwünschtes und Unerwünschtes bewirkt. Nämlich: Dies ist rechtmäßig, dies unrechtmäßig; dies ist auszusprechen, dies nicht auszusprechen; dies ist zu tun, dies nicht zu tun;
Wort für Wort
bhūtaṃ bhavyaṃ bhaviṣyaṃ ca āsure trailokyaṃ kālaḥ
das Gewesene, Kommende, Künftige, Āsuri, [ist] die Dreiwelt, die Zeit [?] (Vok.; Nom.)
sa mahātmā saṃprati atīta-anāgatānām utpādakānām utpādakaḥ ca
dieser Große [ist] jetzt Erzeuger der Erzeuger der Vergangenen und Künftigen [?] (Nom.; Gen.Pl.)
anugrāhakaś ca tirobhāvakaś ca iti evam āha
und Begünstiger und Verberger — so sagt man (Nom.Sg.)
bhūta-bhavya-bhaviṣyāṇāṃ sraṣṭāraṃ kālam īśvaram
den Schöpfer des Gewesenen, Kommenden, Künftigen, die Zeit, den Herrn (Akk.Sg.)
yo 'vabudhyati tad-gāmī sa duḥkhāt parimucyate
wer [ihn] erkennt [und] zu ihm gelangt, der wird vom Leid völlig befreit (3.Sg.; Abl.; 3.Sg.Pass.)
[Kapila sprach:] und von vielen anderen (Instr.Pl.)
yad api uktaṃ kiṃ jñānam iti atra brūmaḥ; jñānaṃ nāma āsure prajñā
was gefragt wurde: ‚was ist Erkenntnis‘ — dazu sagen wir: Erkenntnis, Āsuri, ist Einsicht (Nom.Sg.f.)
sā buddhir yayā boddhavyam anubudhyate
sie ist die Buddhi, durch die das zu Erkennende erkannt wird (Instr.; Gerundiv; 3.Sg.Pass.)
kiṃ punas tad boddhavyam ity atra ucyate
‚was ist nun jenes zu Erkennende?‘ — dazu wird gesagt (3.Sg.Pass.)
boddhavyaṃ nāma dvividham iṣṭa-aniṣṭa-kṛtam
das zu Erkennende ist zweifach, durch Erwünschtes und Unerwünschtes bewirkt (Part.Nom.n.)
tad yathā; idaṃ dharmyam idam adharmyam; idaṃ vācyam idam avācyam; idaṃ kāryam idam akāryam
nämlich: dies rechtmäßig, dies unrechtmäßig; dies auszusprechen, dies nicht; dies zu tun, dies nicht (Gerundiv/Adj.Nom.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „trailokyaṃ kālaḥ“ und „utpādakānām utpādakaḥ“ sind syntaktisch unsicher. Die Sprecherangabe „kapila uvāca“ ist versprengt.
idaṃ grāhyam idam agrāhyam | idaṃ gamyam idam agamyam | idaṃ; śrāvyam idam aśrāvyam | idaṃ dṛśyam idam adṛśyam | idaṃ bhakṣyam idam abhakṣyam |; idaṃ bhojyam idam abhojyam | idaṃ peyam idam apeyam | idaṃ; lehyam idam alehyam | idaṃ coṣyam idam acoṣyam |; kutaś caitāny avatiṣṭhante | kva vā pralīyante | kasya vaitāni | kasya; vā naitāni | tatrocyate | avyaktād etāny avatiṣṭhante | avyaktam eva; pralīyante | avyaktasyaitāni naitāni puruṣasyety atrāha | yady avyaktād; etāny avatiṣṭhante 'vyaktam evābhipralīyante |; kena khalv idānīṃ kāraṇeneṣṭāniṣṭakṛtair dvaṃdvair avabudhyate; kṣetrajñaḥ | kasmād abhimanyate mamaitāni dvaṃdvāni | aham eteṣāṃ mattaś caitāny
dies ist zu ergreifen, dies nicht zu ergreifen; dies ist zugänglich, dies unzugänglich; dies ist hörenswert, dies nicht hörenswert; dies ist sichtbar, dies unsichtbar; dies ist essbar, dies nicht essbar; dies ist genießbar [als Mahl], dies nicht; dies ist trinkbar, dies nicht trinkbar; dies ist leckbar, dies nicht leckbar; dies ist saugbar, dies nicht saugbar. „Woher bestehen diese fort? Oder wohin lösen sie sich auf? Wessen sind sie, oder wessen sind sie nicht?“ Darauf wird gesagt: Aus dem Nichtoffenbaren bestehen diese fort; ins Nichtoffenbare lösen sie sich auf; sie gehören dem Nichtoffenbaren, nicht dem Puruṣa — so sagt man hierzu. Wenn diese aus dem Nichtoffenbaren fortbestehen und ins Nichtoffenbare sich auflösen: Aus welchem Grunde nun wird der Kṣetrajña durch die von Erwünschtem und Unerwünschtem bewirkten Gegensatzpaare [ihrer] inne? Warum bildet er sich ein: „Diese Gegensatzpaare gehören mir; ich [gehöre] ihnen, und sie [bestehen] aus mir fort,
Wort für Wort
idaṃ grāhyam idam agrāhyam; idaṃ gamyam idam agamyam
dies zu ergreifen, dies nicht; dies zugänglich, dies unzugänglich (Gerundiv/Adj.Nom.n.)
idaṃ śrāvyam idam aśrāvyam; idaṃ dṛśyam idam adṛśyam
dies hörenswert, dies nicht; dies sichtbar, dies unsichtbar
idaṃ bhakṣyam idam abhakṣyam; idaṃ bhojyam idam abhojyam
dies essbar, dies nicht; dies genießbar, dies nicht
idaṃ peyam idam apeyam; idaṃ lehyam idam alehyam; idaṃ coṣyam idam acoṣyam
dies trinkbar, dies nicht; dies leckbar, dies nicht; dies saugbar, dies nicht
kutaś ca etāny avatiṣṭhante; kva vā pralīyante
und woher bestehen diese fort; oder wohin lösen sie sich auf (Abl.-Adv.; 3.Pl.Med.; 3.Pl.Pass.)
kasya vā etāni; kasya vā na etāni; tatra ucyate
wessen sind diese, oder wessen nicht; dazu wird gesagt (Gen.; 3.Sg.Pass.)
avyaktād etāny avatiṣṭhante; avyaktam eva pralīyante
aus dem Nichtoffenbaren bestehen diese fort; ins Nichtoffenbare lösen sie sich auf (Abl.; Akk.)
avyaktasya etāni na etāni puruṣasya iti atra āha
des Nichtoffenbaren sind diese, nicht des Puruṣa; so sagt man hierzu (Gen.; 3.Sg.Perf.)
yady avyaktād etāny avatiṣṭhante 'vyaktam eva abhipralīyante
wenn diese aus dem Nichtoffenbaren bestehen und ins Nichtoffenbare sich auflösen
aus welchem Grund nun wird der Kṣetrajña durch die von Erwünschtem und Unerwünschtem bewirkten Gegensatzpaare gewahr (Instr.; Instr.Pl.; 3.Sg.Med.)
kasmād abhimanyate mama etāni dvaṃdvāni
warum bildet er sich ein: diese Gegensatzpaare [gehören] mir (Abl.; 3.Sg.Med.; Gen.)
aham eteṣāṃ mattaś ca etāni
ich [gehöre] ihnen, und diese [bestehen] aus mir (Nom.; Gen.Pl.; Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). gamya/agamya kann auch „zum Beischlaf geeignet/ungeeignet“ bedeuten; hier allgemein „zugänglich/unzugänglich“.
[sie] bestehen fort und lösen sich in mir auf“ — so sagt man: „Diese aus der Prakṛti hervorgehenden Guṇas [betrachtend], bildet sich der Unwissende, von Finsternis umhüllt, mit verkehrter Sicht, ein: ‚Ich tue es‘ — er, der nicht einmal einen Grashalm krumm biegen kann.“ Wenn dieser aber denkt: „Aus dem Nichtoffenbaren bestehen diese fort, ins Nichtoffenbare lösen sie sich auf, sie gehören dem Nichtoffenbaren, nicht mir“, dann entsteht ihm durch die Verbindung mit [wahrer] Erkenntnis die Getrenntheit. So sagt man: „Die Prakṛti sei wie ein Damm, die Guṇas wie Wasser, der Feldbesitzer wie ein Fisch; in diesem vom Eigenwesen aufgewühlten Wasser, wenn es in Bewegung geraten ist, bewegt sich der Fisch. So bringt die Prakṛti aus der Verbindung mit dem Eigenwesen die Guṇas hervor — so ist es angenommen. Er verkehrt nicht unter den Nichtwissenden [?]: der Kṣetrajña, der Wissende, höher als die Prakṛti.“ Was du auch gefragt hast — „was ist das zu Erkennende?“ —, dazu sagen wir: Das zu Erkennende, Āsuri, ist der Puruṣa,
Wort für Wort
avatiṣṭhante mayi eva abhipralīyante iti evam āha
sie bestehen fort, in mir lösen sie sich auf — so sagt man (3.Pl.Med.; 3.Pl.Pass.)
pravartamānān prakṛter imān guṇān
diese aus der Prakṛti hervorgehenden Guṇas (Part.Akk.Pl.; Abl.Sg.)
tamo-vṛto 'yaṃ viparīta-darśanaḥ
dieser, von Finsternis umhüllt, mit verkehrter Sicht (Part.Nom.Sg.)
ahaṃ karomi iti abudho 'bhimanyate
‚ich tue‘ — so bildet sich der Unwissende ein (1.Sg.; Nom.; 3.Sg.Med.)
tṛṇasya kubjīkaraṇe 'pi anīśvaraḥ
[er,] der nicht einmal fähig ist, einen Grashalm zu krümmen (Gen.; Lok.; Nom.)
yadā tv ayam abhimanyate; avyaktād etāny avatiṣṭhante
wenn dieser aber denkt: aus dem Nichtoffenbaren bestehen diese fort
avyaktam eva abhipralīyante avyaktasya etāni na etāni mama iti
ins Nichtoffenbare lösen sie sich auf, sie gehören dem Nichtoffenbaren, nicht mir
tadā asya vijñāna-abhisaṃbandhād vivāso bhavati; evam āha
dann entsteht ihm aus der Verbindung mit Erkenntnis Getrenntheit; so sagt man (Abl.; Nom.)
so bringt aus Verbindung mit dem Eigenwesen die Prakṛti die Guṇas hervor — so ist es angenommen (3.Sg.; Part.)
na so 'jñeṣu pravicarati kṣetrajño jñaḥ paraḥ prakṛter iti
nicht verkehrt er unter Nichtwissenden [?]: der Kṣetrajña, der Wissende, höher als die Prakṛti (Lok.Pl.; 3.Sg.; Abl.)
yad api uktaṃ kiṃ jñeyam iti; atra brūmaḥ; jñeyaṃ nāma āsure puruṣaḥ
was gefragt wurde: ‚was ist das zu Erkennende‘ — dazu sagen wir: das zu Erkennende, Āsuri, ist der Puruṣa
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der zweite Teil des Zitatverses (na so ’jñeṣu pravicarati) ist unsicher. vivāsa = Getrenntsein (vgl. sahavāsa-vivāsa).
pañcaviṃśatitattvāni bhavanti evam āha |; avyaktaṃ buddhyahaṃkārau mahābhūtāni pañca ca; viśeṣān pañca caivāhur daśaikaṃ ca prakāśakān; ekādaśendriyāṇy eva etāvaj jñeyasaṃjñitam; pañca pañca hi vargāṇi vijñeyāny eva tattvataḥ; pañcaviṃśatitattvāni viditvaitāni tattvataḥ; viśuddhaḥ puruṣaś cāsmād vargahīno na śocati; pañcaviṃśatitattvajño yatra tatrāśrame rataḥ; trayas trivargān yo veda śuddhātmani sa līyate; ke te trayas trivargā ity atra brūmaḥ | sattvaṃ rajas tama iti prathamaḥ |; utpādako 'nugrāhyakas tirobhāvaka iti dvitīyaḥ | buddho 'pratibuddho; budhyamāna iti tṛtīyaḥ | evam ete trayas trivargā bhavanti |; evam āha |; trayas trivargān vijñāya yāthātathyena mānavaḥ
[der] die fünfundzwanzig Prinzipien [hat]. So sagt man: „Das Nichtoffenbare, Buddhi und Ahaṃkāra und die fünf großen Elemente, und fünf Besonderheiten, nennt man, ferner zehn und eins als die Erleuchtenden; elf Organe eben — so weit reicht das als ‚zu Erkennendes‘ Bezeichnete. Fünf mal fünf Gruppen sind der Wahrheit nach zu erkennen. Wer diese fünfundzwanzig Prinzipien der Wahrheit nach erkannt hat, der ganz reine Puruṣa, trauert, von dieser Gruppe frei, nicht. Wer die fünfundzwanzig Prinzipien kennt, in welcher Lebensstufe auch immer er sich erfreut, wer die drei Dreiergruppen kennt, der geht im reinen Selbst auf.“ „Was sind diese drei Dreiergruppen?“ — dazu sagen wir: Sattva, Rajas, Tamas ist die erste. Erzeuger, Begünstiger, Verberger ist die zweite. Erwacht, Nichterwacht, Erwachend ist die dritte. So sind diese drei Dreiergruppen. So sagt man: „Wer die drei Dreiergruppen der Wahrheit gemäß erkannt hat, der Mensch,
Wort für Wort
pañcaviṃśati-tattvāni bhavanti; evam āha
fünfundzwanzig Prinzipien gibt es; so sagt man (Nom.Pl.n.)
avyaktaṃ buddhy-ahaṃkārau mahābhūtāni pañca ca
das Nichtoffenbare, Buddhi und Ahaṃkāra, und die fünf großen Elemente (Nom.)
viśeṣān pañca ca eva āhur daśa ekaṃ ca prakāśakān
und fünf Besonderheiten nennt man, zehn und eins [als] Erleuchtende (Akk.Pl.; 3.Pl.Perf.)
ekādaśa-indriyāṇy eva etāvaj jñeya-saṃjñitam
elf Organe eben; so weit ist das ‚zu Erkennende‘ benannt (Nom.Pl.n.; Part.)
pañca pañca hi vargāṇi vijñeyāny eva tattvataḥ
fünf mal fünf Gruppen sind der Wahrheit nach zu erkennen (Nom.Pl.n.; Gerundiv)
pañcaviṃśati-tattvāni viditvā etāni tattvataḥ
diese fünfundzwanzig Prinzipien der Wahrheit nach erkannt habend (Ger.)
viśuddhaḥ puruṣaś ca asmād varga-hīno na śocati
der Puruṣa, ganz rein, von dieser Gruppe frei, trauert nicht (Nom.; Abl.; 3.Sg.)
pañcaviṃśati-tattva-jño yatra tatra āśrame rato
wer die fünfundzwanzig kennt, in welcher Lebensstufe auch immer erfreut (Nom.; Lok.)
trayas trivargān yo veda śuddha-ātmani sa līyate
wer die drei Dreiergruppen kennt, der geht im reinen Selbst auf (3.Sg.Perf.-Präs.; Lok.; 3.Sg.Pass.)
ke te trayas trivargā ity atra brūmaḥ
‚was sind diese drei Dreiergruppen?‘ dazu sagen wir
sattvaṃ rajas tama iti prathamaḥ; utpādako 'nugrāhyakas tirobhāvaka iti dvitīyaḥ
Sattva, Rajas, Tamas: die erste; Erzeuger, Begünstiger, Verberger: die zweite
so sagt man: die drei Dreiergruppen erkannt habend, der Mensch, der Wahrheit gemäß (Ger.; Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Anfang steht in Fortsetzung des vorigen Stücks. „daśaikaṃ ca prakāśakān“ (zehn und eins als Erleuchtende) meint die elf Organe.
„…, durch Tat, Denken und Rede völlig befreit, trauert nicht.“ Wirkung, Ursache und Täterschaft — dies sind die Eigenschaften der Dreiergruppe. „Was sind Guṇas, Guṇa-Maße, Kennzeichen der Guṇas, Bestandteile der Guṇas?“ Sattva, Rajas, Tamas sind die Guṇas. Darunter: Schau der Wahrheit, Schwinden der Furcht, Zustand des Wohlseins, Klarheit der Sinne, Erwachen nach glücklichem Traum — dies sind die Maße des Sattva. Leidenschaftlichkeit, Missgunst, Wagemut, Erwachen nach quälendem, unheilvollem Traum — dies sind die Maße des Rajas. Verblendung, Hang zum Schlaf, Hass auf das Recht, übermäßige Freude an Unzuträglichem, Verlust der Erinnerung — dies sind die Maße des Tamas. „Der Guṇa-Wandel“ [so heißt es]; wer, [ihm] nachgehend, inmitten aller Wesen von Tamas überwältigt ist, schläft; wer durch Sattva geläutert ist, erwacht. Nach dem Erwachen aus dem Traum [ist] Rajas [?] [Kapila sprach:] … [dies sind] die Bestandteile. Wer als Weiser dies so erkennt, wird von allem befreit.“ Was du auch gefragt hast — „wer ist der Erkennende?“ —, dazu sagen wir: Der Erkennende, Āsuri, ist der Kṣetrajña,
Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā pravimukto na śocati
durch Tat, Denken, Rede völlig befreit, trauert er nicht (Instr.; Part.; 3.Sg.)
kāryaṃ kāraṇaṃ kartṛtvam iti trivarga-guṇāḥ
Wirkung, Ursache, Täterschaft: dies sind die Eigenschaften der Dreiergruppe (Nom.Pl.)
ke guṇā guṇa-mātrā guṇa-lakṣaṇaṃ guṇa-avayavam
was sind Guṇas, Guṇa-Maße, Guṇa-Kennzeichen, Guṇa-Bestandteile (Interr.)
sattvaṃ rajas tama iti guṇāḥ; tatra tattva-darśanatā bhaya-nāśaḥ
Sattva, Rajas, Tamas sind die Guṇas; darunter Schau der Wahrheit, Schwinden der Furcht (Nom.Sg.f./m.)
nach dem Erwachen aus dem Traum Rajas [?]; Kapila sprach; dies die Bestandteile (Akk.Pl.)
ya evaṃ vindate prājñaḥ sarvato vimucyata iti
wer als Weiser so erkennt, wird von allem befreit (3.Sg.Med.; 3.Sg.Pass.)
yad api uktaṃ ko jñāteti atra brūmaḥ; jñātā nāma āsure kṣetrajño
was gefragt wurde: ‚wer ist der Erkennende‘ — dazu sagen wir: der Erkennende, Āsuri, ist der Kṣetrajña
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz „svapnapratibodhanāntaraṃ raja … ity avayavān“ ist durch die versprengte Sprecherangabe unterbrochen und unsicher.
draṣṭā śucir upekṣako jñānatriko budhyamānāpratibuddhayoḥ; paraḥ | taṃ viditvā niravayavam anāmayam asmād duḥkhād vimucyata ity evam; āha |; pañcaviṃśatitattvād dhi niṣkalaṃ śucim avraṇam; na śocati naro jñātvā sāṃkhyaśrutinidarśanāt; yad apy uktaṃ kim apratibuddhaṃ kiṃ budhyamānaṃ ceti | atra; brūmaḥ | apratibuddhaṃ nāmāsure avyaktam | budhyamānaṃ buddhistham |; param etābhyām anyad upekṣakaṃ śucijñaṃ vyabhram ity evam āha |; budhyamānāpratibuddhābhyāṃ buddhasya ca nirātmanaḥ; pārāvaryaṃ viditvā tu jñānasāphalyam āpnuyāt; ye tv evaṃ nāma budhyeran yathāśāstranidarśanāt; kapila uvāca; tritayaṃ teṣv asāphalyaṃ śāstrasyābhavad āsure; yad apy uktaṃ kati parvāṇi bhavantīti atrocyate | pañca parvāṇi
der Seher, der Reine, der Gleichmütige, mit dreifacher Erkenntnis, höher als der Erwachende und der Nichterwachte. Wenn man ihn, den Teillosen, Gesunden, erkannt hat, wird man von diesem Leid befreit — so sagt man: „Wer aus den fünfundzwanzig Prinzipien [heraus] den Teillosen, Reinen, Makellosen erkannt hat, der Mensch trauert nicht, aufgrund der Belehrung der Sāṃkhya-Überlieferung.“ Was du auch gefragt hast — „was ist das Nichterwachte, was das Erwachende?“ —, dazu sagen wir: Das Nichterwachte, Āsuri, ist das Nichtoffenbare. Das Erwachende ist das in der Buddhi Stehende. Höher als diese beiden, von ihnen verschieden, ist das Gleichmütige, den Reinen Kennende, Wolkenlose — so sagt man: „Wer aber das Höhere und Niedere des Erwachenden, des Nichterwachten und des Erwachten, Selbstlosen erkannt hat, der möge den Erfolg des Wissens erlangen. Diejenigen aber, die so, gemäß der Darlegung der Lehrschrift, erwachen [?] — [Kapila sprach:] für sie, Āsuri, [gäbe es] die dreifache Erfolglosigkeit der Lehre [?].“ Was du auch gefragt hast — „wie viele Knoten gibt es?“ —, dazu wird gesagt: Fünf Knoten gibt es:
Kapila sprach: bei ihnen [wäre] die dreifache Erfolglosigkeit der Lehre, Āsuri [?] (Lok.Pl.; Gen.; Impf./Opt.)
yad api uktaṃ kati parvāṇi bhavanti iti atra ucyate; pañca parvāṇi
was gefragt wurde: ‚wie viele Knoten gibt es‘ — dazu wird gesagt: fünf Knoten
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Verse „ye tv evaṃ nāma budhyeran … asāphalyaṃ śāstrasya“ sind vermutlich verderbt (evtl. Verneinung ausgefallen); unsicher.
Tamas (Finsternis), Moha (Verblendung), Mahāmoha (Große Verblendung), Tāmisra (Dunkelheit), Andhatāmisra (Blinde Dunkelheit). „Tamas“ bezieht sich nur auf Unwissen. „Moha“ bezieht sich nur auf Trägheit. „Mahāmoha“ bezieht sich nur auf Begierde. Warum? Weil selbst bei den Großen, den Göttern, Dānavas und großen Sehern, hierbei große Verblendung entsteht. „Tāmisra“ bezieht sich nur auf Zorn. „Andhatāmisra“ bezieht sich nur auf Verzagtheit. Und Verzagtheit ist der Tod. Er entsteht dem Nichterwachten. Warum? Weil er, im Sattva stehend und „Ich [bin es]“ denkend, aus Verblendung beim Untergang des Sattva den Untergang des ewigen Kṣetrajña wähnt. Dabei erfährt er zugleich blinde Dunkelheit, eben Verzagtheit: „Ich werde sterben“, „ich bin unsterblich“ [?], wegen der Unbeständigkeit und der Unwissenheit. An Sterben und Geborenwerden, die im eigenen Körper stehen und im fremden Körper bezeichnet werden, hängt er sich. „Ich [bin] dein, du [bist] mein, [du bist] meine Mutter, [ich bin] der Mutter meiner
Wort für Wort
tamo moho mahāmohas tāmisro 'ndhatāmisra iti
Finsternis, Verblendung, Große Verblendung, Dunkelheit, Blinde Dunkelheit (Nom.Sg.)
tama ity ajñānam eva adhikurute; moha ity ālasyam eva adhikurute
‚Tamas‘ betrifft nur Unwissen; ‚Moha‘ betrifft nur Trägheit (3.Sg.Med.)
mahāmoha iti kāmam eva adhikurute; kasmāt
‚Mahāmoha‘ betrifft nur Begierde; warum (Abl.)
mahatām api atra deva-dānava-mahā-ṛṣīṇāṃ mahān moho bhavati iti
weil selbst bei den Großen, Göttern, Dānavas, großen Sehern, hier große Verblendung entsteht (Gen.Pl.; 3.Sg.)
tāmisra iti krodham eva adhikurute; andhatāmisra iti viṣādam eva adhikurute
‚Tāmisra‘ betrifft nur Zorn; ‚Andhatāmisra‘ nur Verzagtheit
viṣādaś ca mṛtyuḥ; sa ca apratibuddhasya bhavati; kasmāt
und Verzagtheit ist der Tod; er entsteht dem Nichterwachten; warum (Gen.)
yat sattvastho 'ham iti paśyan mohāt
weil er, im Sattva stehend, ‚ich‘ denkend, aus Verblendung (Part.Nom.; Abl.)
sa sattva-vināśe nityasya kṣetrajñasya vināśam anupaśyati
beim Untergang des Sattva wähnt er den Untergang des ewigen Kṣetrajña (Lok.; Gen.; Akk.; 3.Sg.)
yatra eka-kālam andhatāmisraṃ viṣādam eva ṛcchati
wobei er zugleich blinde Dunkelheit, eben Verzagtheit, erfährt (3.Sg.Präs.)
ahaṃ mariṣyāmi; aham amṛto 'nityatvād ajñānatvāc ca
ich werde sterben; ich [bin] unsterblich [?] wegen Unbeständigkeit und Unwissenheit (1.Sg.Fut.; Abl.)
maraṇa-jananatve sva-śarīra-saṃsthite para-śarīra-saṃjñite ca abhiṣvajate
an Sterben und Geborenwerden, im eigenen Körper stehend, im fremden bezeichnet, hängt er sich (Lok./Nom.Du.; 3.Sg.Med.)
ahaṃ tava mama tvaṃ mātā mama mātur
ich [bin] dein, du [bist] mein, meine Mutter, meiner Mutter (Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz „aham amṛto ’nityatvād ajñānatvāc ca“ ist unsicher. Der letzte Satz bricht ab und wird im nächsten Stück fortgesetzt.
ahaṃ putro mama pitur aham ity evamādiṣu snehāyataneṣv abhidhatte | satataṃ; duḥkhānubaddhas tāsu tāsu yonyavasthāsv abhiṣicyamāno mama sukhaṃ; mama duḥkham ity evamādibhiḥ sarvadvaṃdvair abhyāhato 'haṃkāraspṛṣṭo; mātsaryakāmakrodhalobhamohamānadarpamadāviṣṭas tṛṣṇārtaś ca | indriyānukūlato; 'tikṛcchratvān niyatamānasaḥ śubhāśubham eva karma kurvan sthāvaranirayatiryagyoniṣv; evopapadyate varṣasahasrakoṭiśatāny anantāny eko 'navabodhāt |; evaṃ hy āha |; parvāṇi parvāṇi ghorāṇi yo 'vidvān nāvabudhyate; sa badhyate mṛtyupāśair harṣaśokasamanvitaḥ; budhyamāno hy adīnātmā viditārthas tu tattvataḥ; vimucyate mṛtyupāśair vidyayā gataniścayaḥ; iti |
Sohn, [ich bin] der meines Vaters“, und so fort, [an] diesen Stätten der Zuneigung hält er fest. Beständig an Leid gebunden, in dieser oder jener Existenzform der Wiedergeburt geweiht, von allen Gegensatzpaaren wie „mein Glück“, „mein Leid“ und dergleichen heimgesucht, vom Ahaṃkāra berührt, von Missgunst, Begierde, Zorn, Gier, Verblendung, Dünkel, Übermut, Rausch erfüllt und von Durst gequält — den Sinnen zu Willen, wegen [ihrer] großen Widerspenstigkeit im Denken gebunden, nur gute und schlechte Taten vollbringend, gerät er in unbewegliche, höllische und tierische Existenzformen, hunderttausend Millionen Jahre lang, endlos, allein, aus Nicht-Erwachen. So sagt man nämlich: „Wer als Unwissender die schrecklichen Knoten um Knoten nicht erkennt, der wird von den Fesseln des Todes gebunden, von Freude und Leid begleitet. Wer aber erwacht, unverzagten Sinnes, den Sinn der Wahrheit gemäß erkannt habend, wird von den Fesseln des Todes befreit, durch Wissen zur Entscheidung gelangt.“
Wort für Wort
ahaṃ putro mama pitur aham ity evamādiṣu sneha-āyataneṣu abhidhatte
‚ich [bin der] Sohn, ich [bin] meines Vaters‘ und dergleichen — an diesen Stätten der Zuneigung hält er fest (Lok.Pl.; 3.Sg.Med.)
yad apy uktaṃ kati srotāṃsi bhavantīti | atra brūmaḥ |; pañca srotāṃsi bhavanti | mukhyasrotas tiryaksrota urdhvasroto 'rvākasroto; kapila uvāca; 'nugrahasrotaś ceti |; yad apy uktaṃ kati karmayonayo bhavantīti | atra brūmaḥ | pañca karmayonayo; bhavanti dhṛtiḥ śraddhā sukhā vividiṣāvividiṣā ceti |; tatra dhṛtir nāma karmayoniḥ | dhṛtiṃ yo 'nurakṣati trividhena; karmaṇā vāṅmanaḥkāyasamuttheneti | evam āha |; vāci karmaṇi saṃkalpe pratijñāṃ yo 'nurakṣati; tanniṣṭhas tatpratijñaś ca dhṛter etat svalakṣaṇam; śraddhā nāma karmayoniḥ | śraddhāṃ yas tv anutiṣṭhate so 'nasūyādamādibhiḥ; vijñānasaṃyogabrahmacaryagurukulanivāsagṛhasthavānaprasthadānādhyayanapratigrahamantrādibhir
Was du auch gefragt hast — „wie viele Ströme gibt es?“ —, dazu sagen wir: Fünf Ströme gibt es: der Hauptstrom, der Querstrom, der Aufwärtsstrom, der Abwärtsstrom und der Gnadenstrom. Was du auch gefragt hast — „wie viele Ursprünge des Handelns gibt es?“ —, dazu sagen wir: Fünf Ursprünge des Handelns gibt es: Festigkeit, Glaube, Glück, Erkenntnisverlangen und Nicht-Erkenntnisverlangen. Darunter ist Festigkeit ein Ursprung des Handelns. Wer Festigkeit bewahrt, durch dreifaches Handeln, das aus Rede, Denken und Körper entsteht — so sagt man: „Wer beim Reden, Handeln, Vorhaben sein Gelübde bewahrt, darin fest gegründet, dem treu, das ist das eigene Kennzeichen der Festigkeit.“ Glaube ist ein Ursprung des Handelns. Wer den Glauben ausübt, [handelt] ohne Missgunst, mit Selbstbeherrschung und dergleichen, durch Verbindung mit Wissen, keuschem Leben, Aufenthalt im Haus des Lehrers, Hausvaterschaft, Waldeinsiedlerschaft, Schenken, Studieren, Empfangen, Zauberformeln und dergleichen,
Wort für Wort
yad api uktaṃ kati srotāṃsi bhavanti iti atra brūmaḥ
was gefragt wurde: ‚wie viele Ströme gibt es‘ — dazu sagen wir
durch Verbindung mit Wissen, Keuschheit, Lehrerhaus-Aufenthalt, Hausvaterschaft, Waldeinsiedlerschaft, Schenken, Studium, Empfangen, Zauberformeln, Sternenregeln u.a.: ‚ich werde Heil erlangen‘ — so übt er (Instr.Pl.; 1.Sg.Fut.; 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
nakṣatraniyamaiḥ śreyaḥ prāpsyāmīty; evam anuṣṭhānaṃ kuruta iti | evam āha |; brahmacaryānasūye ca dānam adhyayanaṃ tapaḥ; yajanaṃ yājanaṃ caiva śraddhāyā lakṣaṇaṃ smṛtam; sukhaṃ nāma karmayoniḥ | yaḥ sukhakāmo bhavati prāyaścittaparaḥ; pareṇa yatnenānutiṣṭhati | tad yathā satyaṃ kāmamanyuviṣayagobrāhmaṇakarma |; anulomānām api proktā sāvitrīty anyāś ca vidyā; bahvyo brahmalokaṃ prāpayantīti | evam āha |; karmavidyātapobhis tu yo yatnam anutiṣṭhati; prāyaścittaṃ tapaś caiva tat sukhāyāstu lakṣaṇam; vividiṣā nāma karmayoniḥ | sarvaṃ jñātukāmatā | āgamāṃś ca; kurute śrutiviśeṣākāṅkṣī kva saṃjñā kva vāsaṃjñeti | evam āha |; sarvam etat parijñāya karma hy ārabhate tu yaḥ
wenn er meint: ‚Ich werde damit Vortreffliches erreichen‘ — so übt er dies. So sagt man: „Keuschheit und Nichtmissgunst, Schenken, Studieren, Askese, Opfern und Opfern-lassen — dies gilt als Kennzeichen des Glaubens.“ Glück ist ein Ursprung des Handelns. Wer nach Glück verlangt, dem Sühneritual zugewandt, mit größter Anstrengung ausübt, wie zum Beispiel: Wahrheit, Begierde-Zorn-Angelegenheiten, Kuh- und Brahmanenwerk, und für die Anuloma [Nachgeborenen] auch andere Wissenschaften genannt werden, [wie] die Sāvitrī und viele weitere, die zur Brahma-Welt führen — so sagt man: „Durch Handeln, Wissen und Askese, wer mit Eifer [dies] ausübt, Sühne und Askese — das ist das Kennzeichen dessen, was dem Glück dient.“ Erkenntnisverlangen ist ein Ursprung des Handelns: der Wunsch, alles zu erkennen. Und er wendet sich den heiligen Überlieferungen zu, nach den Besonderheiten der Schrift verlangend: „Wo [ist] Bewusstsein, wo Nicht-Bewusstsein?“ — so sagt man: „Wer, nachdem er dies alles ganz erkannt hat, das Handeln beginnt,
Wort für Wort
brahmacarya-anasūye ca dānam adhyayanaṃ tapaḥ yajanaṃ yājanaṃ ca eva śraddhāyā lakṣaṇaṃ smṛtam
Keuschheit und Nichtmissgunst, Schenken, Studieren, Askese, Opfern und Opfern-lassen: dies gilt als Kennzeichen des Glaubens (Nom.Sg.n.; Part.)
saiṣā vividiṣā nāma karmayonir anuṣṭhitā; avividiṣā nāma karmayoniḥ | sarvam evājñātukāmatā; sarvakarmabhyo nivartanam iti | evam āha |; sarvam etat parijñāya karmabhyo yo nivartate; saiṣāvividiṣā nāma karmayonir anuṣṭhitā; yad apy uktaṃ kim ekatvaṃ kiṃ nānātvam iti | atra brūmaḥ | ekatvaṃ; nāmāsure yad ayaṃ sattvam abhiṣvajate kṣetrajñaḥ vyaktaṃ cāvyaktaṃ; cāpratibuddhattvāt tad ekatvam apadiśyate | nānātvaṃ nāma yad ayaṃ sattvād avyaktāc; ca smṛtaḥ samāvartayate | etan nānātvam apadiśyate pratibuddhatvāt |; evam eṣāṃ bhautikāhaṃkārikamāhātmikāvyaktīnāṃ caturṇāṃ; puruṣāṇāṃ sattvenaikatvaṃ bhavati nānātvaṃ ceti | evam āha |; nānātvaikatvam etāvad yo na vindaty abuddhimān
das ist Erkenntnisverlangen genannt, ein Ursprung des Handelns, [den man] übt.“ Nicht-Erkenntnisverlangen ist ein Ursprung des Handelns: das Nichtverlangen, überhaupt etwas zu erkennen — das Sich-Abwenden von jeglichem Handeln. So sagt man: „Wer, nachdem er dies alles ganz erkannt hat, sich vom Handeln zurückzieht — das ist Nicht-Erkenntnisverlangen genannt, ein Ursprung des Handelns, [den man] übt.“ Was du auch gefragt hast — „was ist Einheit, was Vielheit?“ —, dazu sagen wir: Einheit, Āsuri, ist [dies]: dass der Kṣetrajña sich an dieses Sattva, das Offenbare und das Nichtoffenbare, klammert; wegen der [ihm eigenen] Nichterwachtheit wird das als Einheit bezeichnet. Vielheit ist [dies]: dass er, vom Sattva und vom Nichtoffenbaren erinnert, sich [davon] zurückzieht; das wird wegen der Erwachtheit als Vielheit bezeichnet. So haben diese vier Puruṣas — der Elementhafte, der Ahaṃkārische, der Māhātmische [Mahat-hafte] und der Nichtoffenbare — durch das Sattva Einheit und Vielheit. So sagt man: „Wer diese Vielheit-und-Einheit nicht kennt, der Unverständige,
Wort für Wort
saiṣā vividiṣā nāma karma-yonir anuṣṭhitā
das ist Erkenntnisverlangen genannt, ein Ursprung des Handelns, geübt (Nom.Sg.f.; Part.)
avividiṣā nāma karma-yoniḥ; sarvam eva ajñātu-kāmatā
Nicht-Erkenntnisverlangen ist ein Ursprung des Handelns: das Nichtverlangen, überhaupt zu erkennen (Nom.)
sarva-karmabhyo nivartanam iti evam āha
das Sich-Abwenden von allem Handeln — so sagt man (Abl.Pl.; Nom.Sg.n.)
sarvam etat parijñāya karmabhyo yo nivartate
wer, dies alles ganz erkannt habend, sich vom Handeln zurückzieht (Ger.; Abl.; 3.Sg.Med.)
saiṣā avividiṣā nāma karma-yonir anuṣṭhitā
das ist Nicht-Erkenntnisverlangen genannt, ein Ursprung des Handelns, geübt
yad api uktaṃ kim ekatvaṃ kiṃ nānātvam iti atra brūmaḥ
was gefragt wurde: ‚was Einheit, was Vielheit‘ — dazu sagen wir
ekatvaṃ nāma āsure yad ayaṃ sattvam abhiṣvajate kṣetrajñaḥ vyaktaṃ ca avyaktaṃ ca
Einheit, Āsuri, ist, dass sich der Kṣetrajña an dieses Sattva, das Offenbare und Nichtoffenbare klammert (Nom.; 3.Sg.Med.)
apratibuddhatvāt tad ekatvam apadiśyate
wegen der Nichterwachtheit wird dies als Einheit bezeichnet (Abl.; 3.Sg.Pass.)
nānātvaṃ nāma yad ayaṃ sattvād avyaktāc ca smṛtaḥ samāvartayate
Vielheit ist, dass er, vom Sattva und Nichtoffenbaren erinnert, sich zurückzieht (Abl.; Part.; 3.Sg.Kaus.Med.)
etan nānātvam apadiśyate pratibuddhatvāt
das wird wegen der Erwachtheit als Vielheit bezeichnet (Abl.)
evam eṣāṃ bhautika-āhaṃkārika-māhātmika-avyaktīnāṃ caturṇāṃ puruṣāṇāṃ sattvena ekatvaṃ bhavati nānātvaṃ ca
so haben diese vier Puruṣas — der Elementhafte, Ahaṃkārische, Mahat-hafte, Nichtoffenbare — durch das Sattva Einheit und Vielheit (Gen.Pl.; Instr.)
iti evam āha; nānātva-ekatvam etāvad yo na vindati abuddhimān
so sagt man: wer diese Vielheit-und-Einheit nicht kennt, der Unverständige (Akk.; 3.Sg.; Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Terminus „bhautikāhaṃkārikamāhātmikāvyaktī“ bezeichnet die vier Aspekte des Puruṣa nach Buddhi, Ahaṃkāra, Mahat und Avyakta [?].
sa badhyate sarvabandhair asaṃbandhād vimucyate; yad apy uktaṃ kiṃ sahavāsavivāsam iti | atra brūmaḥ | sahavāsaṃ; nāmāsure yad ayaṃ sattvam abhiṣajate kṣetrajño 'vyaktaṃ cāpratibuddhatvād; etat sahavāsam ity apadiśyate | vivāsaṃ nāma yad ayaṃ sattvād avyaktāc ca; vāsaṃ pratisamāvartayate pratibuddhatvād etad vivāsam apadiśyate |; evam apratibuddhānāṃ viṣayābhiṣaṅgiṇām eṣāṃ bhautikāhaṃkārikamāhātmikāvyaktikānāṃ; caturṇāṃ puruṣāṇāṃ sattvena sahavāsavivāsam; anyatvāt | evaṃ cāha |; vivāsaṃ sahavāsaṃ ca yo vidvān nāvabudhyate; sa baddhaḥ sattvasaṃvāsaiḥ saṃsārān na pramucyate; iti |; kapila uvāca; yad apy uktaṃ kiṃ vidyāvidyeti | atra brūmaḥ | avidyā nāmāsure
wird durch alle Fesseln gebunden; durch [ihr] Nichtbestehen wird man befreit. Was du auch gefragt hast — „was ist Zusammenwohnen, was Getrenntwohnen?“ —, dazu sagen wir: Zusammenwohnen, Āsuri, ist [dies]: dass der Kṣetrajña sich an dieses Sattva und das Nichtoffenbare klammert; wegen der Nichterwachtheit wird das als Zusammenwohnen bezeichnet. Getrenntwohnen ist [dies]: dass er sich, vom Sattva und Nichtoffenbaren, vom Wohnen zurückzieht; wegen der Erwachtheit wird das als Getrenntwohnen bezeichnet. So [gilt] für diese Nichterwachten, an den Sinnesobjekten Haftenden, für diese vier Puruṣas — den Elementhaften, Ahaṃkārischen, Māhātmischen, Nichtoffenbaren — durch das Sattva Verschiedenheit von Zusammen- und Getrenntwohnen. Und so sagt man: „Wer Getrenntwohnen und Zusammenwohnen nicht als Wissender erkennt, der wird durch die Fesseln des Zusammenseins mit dem Sattva gebunden, wird nicht aus dem Weltenlauf befreit.“ Kapila sprach: Was du auch gefragt hast — „was ist Wissen, was Nichtwissen?“ —, dazu sagen wir: Nichtwissen, Āsuri, ist
Wort für Wort
sa badhyate sarva-bandhair asaṃbandhād vimucyate
der wird durch alle Fesseln gebunden, durch Nichtbestehen wird [man] befreit (3.Sg.Pass.; Instr.Pl.; Abl.)
yad api uktaṃ kiṃ sahavāsavivāsam iti atra brūmaḥ
was gefragt wurde: ‚was Zusammenwohnen und Getrenntwohnen‘ — dazu sagen wir
sahavāsaṃ nāma āsure yad ayaṃ sattvam abhiṣajate kṣetrajño 'vyaktaṃ ca apratibuddhatvāt
Zusammenwohnen, Āsuri, ist, dass sich der Kṣetrajña an dieses Sattva und Nichtoffenbare klammert, wegen der Nichterwachtheit (Nom.; 3.Sg.Med.; Abl.)
etat sahavāsam ity apadiśyate; vivāsaṃ nāma yad ayaṃ sattvād avyaktāc ca
das wird als Zusammenwohnen bezeichnet; Getrenntwohnen ist, dass er vom Sattva und Nichtoffenbaren (3.Sg.Pass.; Abl.)
so [gilt] für diese nichterwachten, an Sinnesobjekten haftenden vier Puruṣas durch das Sattva Verschiedenheit von Zusammen- und Getrenntwohnen (Gen.Pl.; Instr.; Abl.)
evaṃ ca āha; vivāsaṃ sahavāsaṃ ca yo vidvān na avabudhyate
und so sagt man: wer Getrenntwohnen und Zusammenwohnen nicht als Wissender erkennt (Nom.; 3.Sg.Med.)
sa baddhaḥ sattva-saṃvāsaiḥ saṃsārān na pramucyate
der wird durch die Fesseln des Zusammenseins mit dem Sattva gebunden, wird nicht aus dem Weltenlauf befreit (Part.; Instr.Pl.; Abl.; 3.Sg.Pass.)
iti; kapila uvāca; yad api uktaṃ kiṃ vidyāvidyā iti atra brūmaḥ; avidyā nāma āsure
so; Kapila sprach: was gefragt wurde: ‚was Wissen, was Nichtwissen‘ — dazu sagen wir: Nichtwissen, Āsuri, ist
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
bhavaty eṣā iṣṭāniṣṭāvyatiriktā trayī punarbhāvikī | vidyā nāmāsure; bhavatīṣṭāniṣṭavyatiriktānvīkṣiky apunarbhāvikī | sarvabhūtābhayaṃkarī; sarvalokeṣv ālokanāya sarvajñānāvabodhanābhyudyatā; sarvaduḥkhanirmokṣāyopadiṣṭety ācāryam abhigamya yāthātathyadarśanān na; bhavati | evam āha |; ūrdhvaṃ cāvāk ca tiryak ca na kva cit kāmayed budhaḥ; na hi jñānena cājñāne śarma vindati mānuṣaḥ; mānuṣatvāc ca devatvaṃ devatvāc ca manuṣyatām; sa tu saṃdhāvate 'jasram avidyāvaśam āgataḥ; yas tv avidyām adhaḥ kṛtvā vidyārtham avabudhya ca; nābhinandati na dveṣṭi vidyāvidye sa buddhimān; pārāvarye sukhaṃ jñātvā viditvā ca paraṃ budhaḥ; mucyate dehasaṃtānād dehāc cāmṛtam āpnuyāt
dies: dass es diese, die frei von Erwünschtem und Unerwünschtem ist, dreifache, [aber doch] zur Wiedergeburt führende [Erkenntnis] gibt. Wissen, Āsuri, ist [dies]: dass es die vom Erwünschten und Unerwünschten losgelöste, philosophische, nicht mehr zur Wiedergeburt führende [Erkenntnis] gibt — die allen Wesen Furchtlosigkeit bringende, zur Erleuchtung in allen Welten, zur Erweckung aller Erkenntnis bereite, zur Befreiung von allem Leid gelehrte —, [und dass man,] zum Lehrer gegangen, aus der Schau der Wahrheit gemäß [handelt]. So sagt man: „Nach oben, nach unten, quer soll der Weise nichts irgendwo begehren; denn durch Wissen findet der Mensch kein Wohl, [ebenso wenig] durch Nichtwissen. Vom Menschsein zur Gottheit und von der Gottheit zur Menschheit läuft er unaufhörlich, dem Nichtwissen unterworfen. Wer aber das Nichtwissen unter sich lässt und um des Wissens willen erwacht ist, freut sich nicht [übermäßig] und verachtet nicht: Wissen und Nichtwissen — er ist der Weise. Wer das Höhere und Niedere als Glück erkannt und den Höchsten erkannt hat, der Weise, wird von der Körperfolge befreit und erlangt jenseits des Körpers Unsterblichkeit.“
die allen Wesen Furchtlosigkeit bringende, zur Erleuchtung in allen Welten, zum Erwecken aller Erkenntnis bereite (Nom.Sg.f.)
sarva-duḥkha-nirmokṣāya upadiṣṭā iti ācāryam abhigamya yāthātathya-darśanān na bhavati
zur Befreiung von allem Leid gelehrte; zum Lehrer gegangen, weicht sie nicht von der Schau der Wahrheit (Part.; Ger.; Abl.)
evam āha; ūrdhvaṃ ca avāk ca tiryak ca na kva cit kāmayed budhaḥ
so sagt man: nach oben, nach unten, quer soll nirgendwo der Weise begehren (Adv.; Opt.; Nom.)
na hi jñānena ca ajñāne śarma vindati mānuṣaḥ
denn nicht durch Wissen noch durch Nichtwissen findet der Mensch Wohl (Instr.; Lok.; 3.Sg.)
mānuṣatvāc ca devatvaṃ devatvāc ca manuṣyatām
vom Menschsein zur Gottheit und von der Gottheit zur Menschheit (Abl.; Akk.)
sa tu saṃdhāvate 'jasram avidyā-vaśam āgataḥ
er aber läuft unaufhörlich, dem Nichtwissen unterworfen (3.Sg.Med.; Part.Nom.)
yas tv avidyām adhaḥ kṛtvā vidyā-artham avabudhya ca
wer aber das Nichtwissen unter sich gebracht hat und um des Wissens willen erwacht ist (Ger.)
na abhinandati na dveṣṭi vidyāvidye sa buddhimān
freut sich nicht, verachtet nicht Wissen und Nichtwissen; der ist verständig (3.Sg.; Akk.Du.; Nom.)
pārāvarye sukhaṃ jñātvā viditvā ca paraṃ budhaḥ
das Höhere-und-Niedere als Glück erkannt und das Höchste erkannt habend, der Weise (Lok.; Ger.)
mucyate deha-saṃtānād dehāc ca amṛtam āpnuyāt
wird von der Körperfolge befreit und erlangt jenseits des Körpers Unsterblichkeit (3.Sg.Pass.; Abl.; Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). trayī punarbhāvikī: „die dreifache [Erkenntnis], die zur Wiedergeburt führt“ – wohl Anspielung auf den dreifachen Veda.
Āsuri sprach: Ehrwürdiger, was ist Heilsames und Unheilsames, [was ist] Gruppengehöriges und Gruppenloses, was ist völlige Vernichtung, was Reines und Unreines, was Ewiges und Unewiges, was Alleiniges und Nichtalleiniges, was Höher-als-das-Höchste, was Sehendes und Nichtsehendes, was Beständiges und Unbeständiges, was Verschiedenes und Unverschiedenes, was Verbindung und Trennung [?] — hierbei entsteht mir Zweifel, weil es nicht wahrnehmbar ist. Wahrnehmbar aber ist dies dem Ehrwürdigen. Das möge der Ehrwürdige mir zur Gunst gemäß der Lehre auseinandersetzen. Kapila sprach: Was gefragt wurde, Āsuri — „was ist Heilsames und Unheilsames?“ —, dazu sagen wir: Heilsam ist [dies]: bei allen Veden, allen Lehrschriften, allen Wissenschaften die Erkenntnis der Wahrheit erreicht zu haben; Unheilsam ist das Nicht-Erreichthaben der Erkenntnis der Wahrheit bei allen [von diesen]. Dieses Heilsame und Unheilsame nennt man Handeln [aus] dem Sattva. Im Sattva liegt die Wurzel dieser beiden, Heilsamem und Unheilsamem, [die] im Sattva bestehen; im Sattva [selbst aber] geht [alles] in Auflösung. Auch das Sattva
Heilsam ist: bei allen Veden, allen Lehrschriften, allen Wissenschaften die Erkenntnis der Wahrheit erreicht zu haben (Lok.Pl.; Nom.Sg.n.)
akuśalaṃ nāma sarveṣām anadhigata-yāthātathyatvam
Unheilsam ist das Nicht-Erreichthaben der Wahrheitserkenntnis bei allen (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
tad etat kuśalākuśalaṃ karma sattvam āhuḥ
dieses Heilsame-Unheilsame nennt man Handeln, Sattva (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Perf.)
sattvamūle khalv ete kuśalākuśale sattva-bhūte sattva eva pralayaṃ gacchataḥ
im Sattva liegt die Wurzel dieser beiden, Heilsam-Unheilsam, im Sattva bestehend; im Sattva selbst geht [alles] in Auflösung (Lok.Sg.Du.; 3.Du.)
sattvaṃ
das Sattva (Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, Fortsetzung des Sāṃkhya-Lehrgesprächs. „kṛtsnakṣayam“ = völlige Vernichtung/Erschöpfung; genaue Bedeutung unsicher.
aber verlässt eben [dieses] Unterschiedslose. Auf diesem Sattva beruht dieses Heilsame und Unheilsame ganz und gar. So sagt man: „Durch den Körper dreifaches Handeln, durch die Rede aber vierfaches, durch den Geist ebenfalls dreifaches [Handeln] gilt als Heilsames und Unheilsames.“ Was du auch gefragt hast — „was ist Gruppengehöriges?“ —, dazu sagen wir: Gruppengehörig, Āsuri, ist [dies]: Der Puruṣa [hat] fünfundzwanzig Prinzipien. Das Nichtoffenbare, das Mahat, der Ahaṃkāra, die fünf großen Elemente, die fünf Besonderheiten, die elf Organe — das ist die Gruppe. Jenseits von dieser Gruppe steht die Loslösung [von ihr], der Kṣetrajña, der Reine, der Gleichmütige, höher als der Erwachende und der Nichterwachte. So sagt man: „Höher als die Fünfundzwanzig ist das Offenbare, höher als dieses der Ahaṃkāra. Höher als der Ahaṃkāra ist die Buddhi, höher als die Buddhi das Selbst, das Mahat. Höher als das Mahat ist das Nichtoffenbare, höher als das Nichtoffenbare der Puruṣa. Der die Wahrheiten [durchschaut hat] als höher und niedriger, erlangt das Ungeborene, Höchste.“
Kapila sprach: Was du auch gefragt hast — „was ist völlige Vernichtung?“ —, dazu sagen wir: Völlige Vernichtung, Āsuri, ist [dies]: Der Puruṣa [hat] fünfundzwanzig Prinzipien. Das Nichtoffenbare, das Mahat, die Buddhi, der Ahaṃkāra, die fünf großen Elemente, die fünf Besonderheiten, die elf Organe sind vom Puruṣa zu erkennen. Von selbst [gilt]: aus diesen [Prinzipien] stammend, „ich [gehöre] nicht zu diesen, [sie gehören] nicht zu mir, überall in allem“ — so sagt man: „Wer mit vollkommener Einsicht ausgestattet ist, erlangt die völlige Vernichtung. Die völlige Vernichtung erreicht nicht, wer der unvollkommenen Einsicht zugetan ist.“ Was du auch gefragt hast — „was ist Reines?“ —, dazu sagen wir: Rein, Āsuri, ist der Kṣetrajña, der Zuschauer, der bloße Zeuge, der jenseits von Erwachendem und Nichterwachtem steht, der die Fünfundzwanzig kennt. Wie er zu denken hat, so denkt er; wie er zu erkennen hat, so erkennt er; wie er zu sprechen hat, so spricht er; wie er zu handeln hat,
Wort für Wort
iti; kapila uvāca; yad api uktaṃ kiṃ kṛtsnakṣayam iti atra brūmaḥ
so; Kapila sprach: was gefragt wurde: ‚was völlige Vernichtung‘ — dazu sagen wir
so handelt er, wegen der Nichterwachtheit durch den Ahaṃkāra. Von dem Erwachten [aber], dem Kṣetrajña, wird alles gesehen: alle Überlieferungen, alle Gegensatzpaare, alle Erkenntnisse, Askese und Nicht-Askese, Reines und Unreines. Auf diesem Wege erreicht der Kṣetrajña, dessen Wesen unrein ist, die Reinheit; auf dem falschen Wege [aber] versinkt er, obwohl er, gestützt auf die Autorität von Erkenntnis, Anschauung und Überlieferung, überaus umfangreiche Askese vollbracht hat, eben im Weltenlauf, wegen der Nichterwachtheit. So sagt man: „Auch nachdem er den ganz reinen Puruṣa gesehen hat, hält er [ihn] für unrein; er, obwohl er umfangreiche Askese erlangt hat, verharrt im Weltenlauf.“ Kapila sprach: So. Was du auch gefragt hast — „was ist Ewiges?“ —, dazu sagen wir: Ewig, Āsuri, ist das Nichtoffenbare. Unewig sind die Umwandlungen [Vikāras]. Man erklärt das Nichtoffenbare [dennoch als] unewig, weil es der Eigenschaft von Entstehung und Auflösung [der Welt] unterliegt, [ebenso] den Umwandlungen [zugehörig]. Ebenso erklärt man auch den Herrscher [darüber] als unewig, wegen [seiner] Urheberschaft über die Umwandlungen. Aus eben diesem Grund sind beide,
Wort für Wort
tathā karoti ahaṃkāra-apratibuddhatvāt
so handelt er, wegen der durch den Ahaṃkāra bedingten Nichterwachtheit (3.Sg.; Abl.)
wegen ihrer beiderseitigen Ewigkeit, ewig — [nämlich] der Kṣetrajña. So sagt man: „Wer das Ewige und Unewige [in Bezug] auf den Erwachenden, den Nichterwachten und den selbstlosen Erwachten erkannt hat, gelangt nicht mehr zur Geburt.“ Was du auch gefragt hast — „was ist Alleiniges, was Nichtalleiniges?“ —, dazu sagen wir: Alleinig, Āsuri, ist der höchste Kṣetrajña, nicht Prakṛti, ohne Umwandlung. Weil er von Prakṛti, Umwandlung und den Guṇas beherrscht wird, [gilt er als] nichtalleinig — [so sagen] die Lehrer, [nämlich für] den in der Buddhi weilenden, erwachenden Puruṣa. Denn wenn dieser erwachen würde: „Ich [gehöre] nicht diesen Umwandlungen der Prakṛti“ — dann wäre er sowohl alleinig als auch ein anderer. Wenn aber dieser, über die Umwandlungen der Prakṛti gebietend, sich einbildet: „Mein sind diese Umwandlungen der Prakṛti, ich [gehöre] ihnen“ — dann ist er, weil er über die Umwandlungen der Prakṛti gebietet, nicht alleinig. So sagt man: „Wenn der Erwachende durch die Buddhi über die Umwandlungen gebietet, dann hat er zusammen mit den Guṇas Anteil an Entstehung und Auflösung [der Welt].“
Wort für Wort
nityatvān nityaḥ kṣetrajña ity evam āha
wegen [ihrer] Ewigkeit [ist] der Kṣetrajña ewig; so sagt man (Abl.; Nom.)
budhyamāna-apratibuddhābhyāṃ buddhasya ca nirātmanaḥ
vom Erwachenden, vom Nichterwachten und vom selbstlosen Erwachten (Abl.Du.; Gen.Sg.)
nityānityaṃ viditvā tu na janma punar āpnuyāt
das Ewige-Unewige erkannt habend, gelangt er nicht mehr zur Geburt (Ger.; Akk.; Opt.)
yad api uktaṃ kiṃ kevalākevalam iti atra brūmaḥ; kevalaṃ nāma āsure
was gefragt wurde: ‚was Alleiniges-Nichtalleiniges‘ — dazu sagen wir: Alleinig, Āsuri, ist
der höchste Kṣetrajña, nicht Prakṛti, ohne Umwandlung; wegen Beherrschung durch Prakṛti, Umwandlung, Guṇas nichtalleinig (Nom.; Abl.)
buddhistham budhyamānaṃ puruṣam ācāryāḥ; yadi hy eṣa budhyeta na aham eteṣāṃ
[für] den in der Buddhi weilenden, erwachenden Puruṣa [sagen] die Lehrer; denn wenn dieser erwachen würde: nicht ich [gehöre] diesen (Akk.; Nom.; Opt.)
prakṣti-vikārāṇām iti kevalaś ca syād anyaś ca syāt
den Umwandlungen der Prakṛti — dann wäre er sowohl alleinig als auch ein anderer (Gen.; Opt.)
yadā tv eṣa prakṣti-vikārān adhitiṣṭhamāno 'bhimanyate mama ete
wenn aber dieser, über die Umwandlungen der Prakṛti gebietend, sich einbildet: mein sind diese (Part.; 3.Sg.Med.)
yadā tv eṣa vikārāṇām anyo 'ham iti manyate; tadā vikārān utkramya param avyaktam āpnuyāt; kapila uvāca; iti |; yad apy uktaṃ kiṃ parāt param iti | atra brūmaḥ | parāt paraṃ nāmāsure; karmendriyebhyaḥ paraṃ buddhīndriyaṃ buddhīndriyebhyo mano manaso; viśeṣā viśeṣebhyo mahābhūtāni mahābhūtebhyo 'haṃkāro 'haṃkārād; buddhir buddher mahān mahataś cāvyaktam | tad etad āsure parāt paraṃ bhavati |; aparam etat | param etebhyo 'nyaḥ kṣetrajñas tv asargapralayadharmā | asargapralayadharmiṇāv; abuddhabudhyamānāv avyaktapuruṣau | na tv etāvad budhyamānāpratibuddhatvād; buddhaḥ | evam āha |; budhyamānāpratibuddhābhyāṃ buddhasya ca nirātmanaḥ; parāparaṃ viditvā tu na janma punar āpnuyāt
Wenn aber dieser meint: „Ich bin ein anderer als die Umwandlungen“ — dann erlangt er, die Umwandlungen überschreitend, das höchste Nichtoffenbare. Kapila sprach: So. Was du auch gefragt hast — „was ist Höher-als-das-Höchste?“ —, dazu sagen wir: Höher-als-das-Höchste, Āsuri, ist [dies]: Höher als die Handlungsorgane [ist] das Erkenntnisorgan, höher als die Erkenntnisorgane das Manas, höher als das Manas die Besonderheiten, höher als die Besonderheiten die großen Elemente, höher als die großen Elemente der Ahaṃkāra, höher als der Ahaṃkāra die Buddhi, höher als die Buddhi das Mahat, höher als das Mahat das Nichtoffenbare. Das ist, Āsuri, das Höher-als-das-Höchste. Dies ist [das] Niedere; höher als dieses [ist ein] anderer, der Kṣetrajña, der [aber] nicht der Eigenschaft von Entstehung und Auflösung [der Welt] unterliegt. Beide, das der Eigenschaft von Entstehung und Auflösung nicht Unterliegende, das Nichterwachte und Erwachende, das Nichtoffenbare und der Puruṣa — [aber] nicht [gilt] dieser als so weit erwacht, wegen der Nichterwachtheit von Erwachendem und Nichterwachtem. [Nur] der Erwachte [gilt so]. So sagt man: „Vom Erwachenden, vom Nichterwachten und vom selbstlosen Erwachten das Höhere und Niedere erkannt habend, gelangt er nicht mehr zur Geburt.“
Wort für Wort
yadā tv eṣa vikārāṇām anyo 'ham iti manyate
wenn aber dieser meint: ich [bin] ein anderer als die Umwandlungen (Gen.; Nom.; 3.Sg.Med.)
tadā vikārān utkramya param avyaktam āpnuyāt
dann, die Umwandlungen überschreitend, erlangt er das höchste Nichtoffenbare (Ger.; Akk.; Opt.)
kapila uvāca; iti; yad api uktaṃ kiṃ parāt param iti atra brūmaḥ
Kapila sprach: so; was gefragt wurde: ‚was Höher-als-das-Höchste‘ — dazu sagen wir
Nachdem er diese beiden, den Erwachenden und den Nichterwachten, [von] dem Erwachten unterschieden erkannt hat, trauert er nicht mehr, [so sagt man]. Kapila sprach: [Es folgt eine Lücke im Text.] Was du auch gefragt hast — „was ist Sehendes, was Nichtsehendes?“ —, dazu sagen wir: Das Nichtoffenbare, Āsuri, ist wegen [seiner] Anfangs- und Endlosigkeit und wegen [seiner] Unfassbarkeit ewig. Wegen [seiner] Natur, Hervorbringen, Tragen und Aufnehmen [zu bewirken], [ist es zugleich] nicht ewig. Andere Lehrer erklären ebenso den Herrscher aus demselben Grund als ewig. Aber [nur] der Ehrwürdige, der Kṣetrajña, dessen Wesen die Samen [aller Dinge sind], von Prakṛti und Umwandlung verschieden, dessen Wesen reines Wissen und Befreiung ist, [ist wirklich ewig]. So sagt man: „Der Sehende sieht den Sehenden [und] den Nichtsehenden, und den Nichtsehenden sieht er; der Nichtsehende sieht diese beiden nicht, weil er nicht sieht: Sehendes und Nichtsehendes.“ Was du auch gefragt hast — „was ist Verschiedenes?“ —, dazu sagen wir: Verschieden, Āsuri, ist der fünfundzwanzigste Puruṣa, der Kṣetrajña. Wie ein auf einem Lotosblatt stehender Tropfen nicht [mit ihm] Verbindung eingeht,
Wort für Wort
evam etābhyāṃ budhyamāna-apratibuddhābhyām anyaṃ buddhaṃ buddhvā na śocati iti
nachdem er diese beiden, den Erwachenden und Nichterwachten, [von] dem Erwachten unterschieden erkannt hat, trauert er nicht mehr; so [heißt es] (Instr.Du.; Akk.; Ger.; 3.Sg.)
kapila uvāca; ++++
Kapila sprach: [Textlücke]
yad api uktaṃ kiṃ paśyāpaśyam iti atra brūmaḥ
was gefragt wurde: ‚was Sehendes-Nichtsehendes‘ — dazu sagen wir
anādi-nidhanād grāhyatvād āsure śāśvatam avyaktam
wegen Anfangs- und Endlosigkeit, wegen Fassbarkeit [?], Āsuri, [ist] ewig das Nichtoffenbare (Abl.; Nom.)
prasava-dhāraṇa-ādāna-guṇa-svabhāvatvād aśāśvatam
wegen [seiner] Natur, Hervorbringen-Tragen-Aufnehmen zu bewirken, [ist es] nicht ewig (Abl.; Nom.)
anye ca ācāryās tathā eva adhiṣṭhātāram anena eva hetunā śāśvataṃ ca varṇayanti
andere Lehrer erklären ebenso den Herrscher aus demselben Grund als ewig (Nom.; Akk.; Instr.; 3.Pl.)
śāśvatas tu bhagavān kṣetrajño bījadharmā
der Ehrwürdige aber, der Kṣetrajña, dessen Wesen die Samen [aller Dinge sind], [ist ewig] (Nom.)
von Prakṛti und Umwandlung verschieden, dessen Wesen Reinheit und Befreiung ist; so sagt man (Gen.Du.; Nom.)
paśyaḥ paśyati paśyantam apaśyantaṃ ca paśyati
der Sehende sieht den Sehenden und den Nichtsehenden sieht er (Nom.; 3.Sg.; Akk.)
apaśyas tāv apaśyatvāt paśyāpaśyau na paśyati; iti
der Nichtsehende sieht diese beiden nicht, weil nichtsehend: Sehendes und Nichtsehendes; so (Nom.; Abl.; Akk.Du.; 3.Sg.)
yad api uktaṃ kiṃ vyatiriktam iti atra brūmaḥ; vyatiriktaṃ nāma āsure
was gefragt wurde: ‚was Verschiedenes‘ — dazu sagen wir: Verschieden, Āsuri, ist
puruṣaḥ pañcaviṃśakaḥ kṣetrajñaḥ; yathā puṣkaraparṇastho bindur na śleṣam
der fünfundzwanzigste Puruṣa, der Kṣetrajña; wie ein auf dem Lotosblatt stehender Tropfen keine Verbindung [eingeht] (Nom.; Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Textlücke „++++“ markiert eine Beschädigung der Überlieferung; die Sprecherangabe „kapila uvāca“ danach ist wohl versprengt. śāśvata/aśāśvata-Argumentation ist knapp und stellenweise unsicher formuliert.
wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] das Feld und den Feldkenner. Wie ein aus dem Schilfrohr [gezogener] Halm, herausgezogen, nicht wieder [in es] eindringt, wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] das Feld und den Feldkenner. Wie, wenn Wasser strömt, der Fisch nicht [mit ihm] strömt, wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] das Feld und den Feldkenner. Wie eine Mücke, [vom] Feigenbaum getrennt, sich nicht wieder an den Feigenbaum klammert, wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] das Feld und den Feldkenner. Wie ein Baum, vom Ufer fallend, jenes Ufer verlässt, wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] das Feld und den Feldkenner. Wie ein von einem Baum aufsteigender Vogel diesen Baum verlässt, wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] das Feld und den Feldkenner. „Weswegen [besteht diese] Verschiedenheit?“ — Bei allem [gilt] diese Verschiedenheit: Das Ufer ist ein anderes, der Baum ein anderer; die Mücke [ist] eine andere, ein anderes der Feigenbaum; ein anderer der Fisch, ein anderes das Wasser; das Schilf ist ein anderes, [der Halm] ein anderer; ein anderes das Wasser, ein anderes
Wort für Wort
upagacchanti anyatvāt tathā kṣetraṃ kṣetrajñaḥ
geht [er mit ihm] keine Verbindung ein, wegen [ihrer] Verschiedenheit, so [gilt es für] Feld und Feldkenner (3.Pl.; Abl.; Nom.)
das Lotosblatt. So ist das Feld ein anderes, der Feldkenner ein anderer, [nämlich] der fünfundzwanzigste Puruṣa. [Kapila sprach:] Und ein anderer als dies [alles] ist der Feldkenner. Was du auch gefragt hast — „was ist Trennung, was Nichttrennung?“ —, dazu sagen wir: Nichttrennung, Āsuri, ist [dies]: dass zwischen dem Sinnesobjekt und dem, der Sinnesobjekte hat, wegen der Nichterwachtheit keine Trennung eintritt. Trennung, Āsuri, ist [dies]: dass der Puruṣa, an keine der fünfundzwanzig Wahrheiten gebunden, [denkt]: „Ich [gehöre] nicht zu diesen, nicht sind es andere als ich, mein [sind sie nicht]“ — [so] nicht wähnend, wird er ein Getrennter. Wer die fünfundzwanzig Prinzipien kennt, wird das höchste Selbst, wird unsterblich; [Kapila sprach:] er, befreit von der Verkettung der Prinzipien, geht zur Gleichheit mit dem Höchsten ein. So [gilt] dies, Āsuri: Anderes als der Puruṣa ist das Offenbare, das Nichterwachte, das Erwachende, [das aber der Erwachende] sich einbildet [als sein Eigen]. Wegen der Verschiedenheit des Wesens: Von Feld-Natur ist das Nichtoffenbare, nicht von Feld-Natur der Kṣetrajña; von Samen-Natur ist das Nichtoffenbare, nicht von Samen-Natur
der Kṣetrajña; von Schöpfungs-Natur ist das Nichtoffenbare, nicht von Schöpfungs-Natur der Kṣetrajña; von Prakṛti-Natur ist das Nichtoffenbare, nicht von Prakṛti-Natur der Kṣetrajña; von Guṇa-Natur ist das Nichtoffenbare, nicht von Guṇa-Natur der Kṣetrajña; von unreiner Natur ist das Nichtoffenbare, von reiner Natur der Kṣetrajña; von Nicht-Buddhi-Natur ist das Nichtoffenbare, von Buddhi-Natur der Kṣetrajña; von unreiner Natur [im Sinne von: unlauter] ist das Nichtoffenbare, von reiner Natur der Kṣetrajña; von ungelöster Natur ist das Nichtoffenbare, von gelöster [befreiter] Natur der Kṣetrajña; von unabgesondert Natur ist das Nichtoffenbare, von abgesonderter Natur der Kṣetrajña; von unheilvoller Natur ist das Nichtoffenbare, von heilvoller Natur der Kṣetrajña; von ungetrennter Natur ist das Nichtoffenbare, von getrennter Natur der Kṣetrajña; von unbefreiter Natur ist das Nichtoffenbare, von Befreiungs-Natur der Kṣetrajña. Und weiter: Der Kṣetrajña ist der Seher,
das zu Sehende [ist] das Nichtoffenbare; der Hörer [ist] der Kṣetrajña, das Hörbare [ist] das Nichtoffenbare; der Denker [ist] der Kṣetrajña, das Denkbare [ist] das Nichtoffenbare; der Erkenner [ist] der Kṣetrajña, das Erkennbare [ist] das Nichtoffenbare. So sind, Āsuri, das Nichtoffenbare und der andere Puruṣa, [nämlich] die fünfundzwanzig Prinzipien, verschieden; [Kapila sprach:] ein anderer, verschieden von diesem, ist der Feldkenner. Und so: den Kṣetrajña, Āsuri, [den] durch die Erkenntnis Erkannten, den Zwietrachtlosen, den ohne Verneigung, ohne „svāhā“ und „svadhā“, den Ahaṃkāralosen, den Reinen, mit dem Zwietrachtlosen, dem Ohnegleichen, dem Reinen, dem Habgierlosen, dem Gewaltlosen, mit dem, was zufällig erlangt wurde, lebend, [dennoch] frei von Begierde, Zorn, Gier, Verblendung, Dünkel und Übermut, sich selbst besitzend, mit dem Sehen aller Wesen, mit rechter Anschauung, mit gebändigtem Selbst, ruhig, bezähmt, mit dem leeren Haus, dem Flussufer, der Sandbank, der Baumwurzel, der Baumhöhle, dem Bettelsack als Wohnstatt und Haus zufrieden, mit maßvollem Umherziehen, Essen und Kleidung, wo auch immer,
ruhig, bezähmt, mit leerem Haus, Flussufer, Sandbank, Baumwurzel, Baumhöhle, Spreuhaus, Wohnhaus als [seiner] Stätte (Instr.)
yātrā-mātra-bhojana-ācchādanena yatra kva cana
mit maßvollem Umherziehen, Essen, Kleidung, wo auch immer (Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz bricht am Ende der letzten Einheit dieses Ausschnitts ab (Zusatzpassage endet in der Vorlage nicht innerhalb dieses Chunks).
śāyinā bhikṣuṇā svakāryam anuṣṭhātavyam | pratibhāvyam upasargaṃ jitvā; yogena yogakāryam anuṣṭheyam | tad dvividhaṃ dhyānam | tad yathā prāṇāyāmātmakaṃ; caturvidhaṃ saguṇaprāṇāyāmātmakaṃ ca mānasam aguṇam |; tad yathā śrotraṃ śrāvyebhyaḥ pratisamāvartayati ghrāṇaṃ ghreyebhyaś; cakṣū rūpebhyas tvacaṃ sparśebhyo jihvāṃ rasebhyo mano mantavyebhyo; 'haṃkāram abhimānebhyo buddhiṃ boddhavyebhyaḥ | tad etad idam indriyagrāmam; asmād indriyaviṣayāt svaiḥ svaṃ nirudhya devatāḥ pratisamāvartayati |; jalajānīva pralāyayati mānasebhyaḥ saṃkalpebhyaḥ; pratisamāvartayati mānasam indriyāṇi | mānasebhyaś caivaṃ saṃkalpebhyaḥ; pratisamāvartayitvā mahātmā kratum unnayate | mahākratavo bhūtādiś ca
Der liegende [oder: ruhende] Bettelmönch [?] soll sein eigenes Werk vollbringen. Nachdem er die Störung [?] überwunden hat, ist durch Yoga das Yoga-Werk zu vollbringen. Dieses ist zweifach: Meditation. Nämlich: die im Atemanhalten bestehende, vierfach, [und] die im Atemanhalten mit Eigenschaften bestehende; und die geistige, eigenschaftslose. Nämlich: Er wendet das Ohr von den Hörbaren zurück, die Nase von den Riechbaren, die Augen von den Formen, die Haut von den Berührungen, die Zunge von den Geschmäcken, den Geist von den Denkbaren, das Ich-Machen von den Selbstbehauptungen, die Erkenntnis von den Erkennbaren. So hält er diese Sinnesschar von diesem Bereich der Sinnesobjekte, jedes das Seine, zurück und wendet die Gottheiten zurück. Wie Wassergeborenes [?] löst er sie auf aus den geistigen Entwürfen; er wendet den Geist und die Sinne zurück. Und nachdem er so von den geistigen Entwürfen zurückgewendet hat, erhebt der Hochbeseelte das Opfer [kratu: Entschluss?]. Die großen Opfer und der Ursprung der Wesen [bhūtādi] ...
Wort für Wort
śāyinā bhikṣuṇā svakāryam anuṣṭhātavyam
vom liegenden Bettelmönch ist die eigene Aufgabe zu vollbringen (Instr./Gerundiv) [?]
pratibhāvyam upasargaṃ jitvā
die Störung [?] überwunden habend (Akk./Abs.)
yogena yogakāryam anuṣṭheyam
durch Yoga ist die Yoga-Aufgabe zu vollbringen (Instr./Gerundiv)
tad dvividhaṃ dhyānam
dies ist zweifach: Meditation (Nom.Sg.n.)
prāṇāyāmātmakaṃ caturvidhaṃ saguṇaprāṇāyāmātmakaṃ ca mānasam aguṇam
im Atemanhalten bestehend, vierfach, und mit Eigenschaften, und geistig, eigenschaftslos (Adj.)
und so von den geistigen Entwürfen zurückgewendet habend, erhebt der Hochbeseelte das Opfer [?] (Abs./3.Sg.Med.)
mahākratavo bhūtādiś ca
die großen Opfer und der Ursprung der Wesen (Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text und Syntax am Ende verderbt (Zusatzpassage, Satz bricht ab); pratibhāvyam, jalajānīva und kratu unsicher.
bhūtaviśeṣāś ca mahaty ātmani mahāntam ātmānaṃ kratūṃś ca vivecayitvā; vyaktam anuyuṅkte | tatrātītaḥ kṣemī bhavati tasmād ayaṃ vivṛtaḥ | yaś ca; tataḥ kṣetrajñam asamāvṛto bhavati nirdvaṃdvo nirdvitīyaḥ; śuddho mukto nityaḥ kevalo bhavati | eṣo 'nta eṣo 'pavarga eṣā; niṣṭhā etan naiṣkarmyam |; tad yathā tathopanayanena pūrvataraiś cācāryair upadiṣṭam | tad evam upadeśaḥ |; tatra śloko bhavati |; yathāsya jāgrataḥ svapno yathā syāt tamasā vṛtaḥ; kapila uvāca; vibhāgajñasya mokṣas tu yas tv ajñaḥ sa punar bhavet; etāvad evāsure dhyānam anuvarṇitam | parisaṃkhyānam api coktam |; caturviṃśatitattvam etat kāraṇam ity atra brūmaḥ | tad etad buddhisthaṃ budhyamānam
Die großen Elemente und die Besonderheiten der Wesen [unterscheidend], nachdem er im Großen Selbst das Große Selbst und die Opfer [?] unterschieden hat, verbindet er sich mit dem Manifesten. Dort, darüber hinausgegangen, wird er geborgen [kṣemin]; darum ist dies enthüllt. Und wer danach vom Feldkenner nicht [mehr] umhüllt ist, wird frei von den Gegensatzpaaren, ohne Zweiten, rein, befreit, ewig, allein. Dies ist das Ende, dies die Erlösung, dies das Ziel, dies das Nichttun [naiṣkarmya]. So ist es durch die Einführung [upanayana] von früheren Lehrern gelehrt worden; so also ist die Unterweisung. Dazu gibt es einen Vers: „Wie für den Wachenden der Traum, so [ist es], wenn er von Finsternis umhüllt ist.“ Kapila sprach: „Für den, der den Unterschied kennt, gibt es Erlösung; wer aber unwissend ist, würde wieder werden.“ So weit ist die Meditation bei Āsuri dargelegt, und auch die Aufzählung [parisaṃkhyāna] ist gesprochen. „Dies sind die vierundzwanzig Prinzipien, die Ursache“, sagen wir hier. Dieses [Ganze], im Erkennen ruhend, ...
Wort für Wort
śloko bhavati
es gibt einen Vers (3.Sg.Präs.)
bhūtaviśeṣāś ca mahaty ātmani mahāntam ātmānaṃ kratūṃś ca vivecayitvā
und die Besonderheiten der Wesen, im Großen Selbst das Große Selbst und die Opfer unterschieden habend (Abs.) [?]
vyaktam anuyuṅkte
verbindet sich mit dem Manifesten (3.Sg.Med.)
tatrātītaḥ kṣemī bhavati tasmād ayaṃ vivṛtaḥ
dort darüber hinausgegangen wird er geborgen; darum ist dies enthüllt (Part.Pass.)
yaś ca tataḥ kṣetrajñam asamāvṛto bhavati
und wer danach vom Feldkenner nicht umhüllt wird (Nom./Part.)
ohne Gegensatzpaare, ohne Zweiten, rein, befreit, ewig, allein wird er (Nom.Sg.m.)
eṣo 'nta eṣo 'pavarga eṣā niṣṭhā etan naiṣkarmyam
dies ist das Ende, dies die Erlösung, dies das Ziel, dies das Nichttun (Nom.)
tad yathā tathopanayanena pūrvataraiś cācāryair upadiṣṭam
so ist es durch Einführung von früheren Lehrern gelehrt (Part.Pass./Instr.)
yathāsya jāgrataḥ svapno yathā syāt tamasā vṛtaḥ
wie für den Wachenden der Traum, wie er wäre, von Finsternis umhüllt (Gen./Opt./Part.) [?]
kapila uvāca vibhāgajñasya mokṣas tu yas tv ajñaḥ sa punar bhavet
Kapila sprach: Für den Unterscheidungskundigen [gibt es] Erlösung; wer aber unwissend ist, der würde wieder werden (Perf./Gen./Opt.)
etāvad evāsure dhyānam anuvarṇitam parisaṃkhyānam api coktam
so weit ist bei Āsuri die Meditation dargelegt, auch die Aufzählung ist gesagt (Part.Pass.)
caturviṃśatitattvam etat kāraṇam ity atra brūmaḥ
dies sind die vierundzwanzig Prinzipien, die Ursache, sagen wir hier (1.Pl.Präs.)
tad etad buddhisthaṃ budhyamānam
dieses im Erkennen Ruhende, Erkannt-Werdende (Part.Präs.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verse und Prosa vermischt und die Sprecherangabe kapila uvāca mitten im Vers eingeschoben; yathāsya jāgrataḥ … Satzbau verderbt.
Dies [reine Selbst] wünschen die Lehrer rein, wegen des Nichterkennens [?]; kein anderer, eigenschaftsloser Puruṣa [ist es]. Wer aber ist dieser, ‚Aufseher‘ genannt, der andere als die Umwandlungen der Urnatur, ohne Gegenmittel? [...] Dieses nun, von dem als „Umwandlung der Urnatur“ Bezeichneten verschieden, jenseits des Unmanifesten, sagt man, sei der Puruṣa: rein, ohne Losgelöstsein [?], ohne Teile, ungeboren, geborgen. „Durch den diese [Welt] samt Söhnen, viele Geburten hervorbringend, sich stützt, ein Halt der Welten; und durch den die im Schoß Weilenden, die Puruṣas, stets wie ein Erwachter mit dem Erkennen erkannt werden; der Seher und der Höhere, von den Eigenschaften frei, aus Erkenntnis der Vierte, unvergänglich: wer so hier wirkt, mit gefestigtem Sinn, der Befreite, der ist dem Schoß überlegen.“ Dieses Ergänzende ist dargelegt, im Sehen der Wirklichkeit, als Erweckung der Nichterwachten. Kapila sprach: „Mit Gliedern und Nebengliedern, samt der Erzählung als fünftem, in den āsurischen Veden, in den acht Wissensgebieten, habe ich, den Nektar heraufgeholt, das Sāṃkhya-Wissen dargelegt. So viel ist zu wissen:
Wort für Wort
etad ācāryāḥ śuddham icchanty anavabodhāt
dieses [Selbst] wünschen die Lehrer rein, aus Nichterkennen (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Abl.) [?]
den Nektar heraufgeholt, von mir dargelegt das Sāṃkhya-Wissen; so viel ist zu wissen (Abs./Part.Pass./Gerundiv)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zwischen den Wörtern steht eine Lücke (+++). niṣkaivalyam ist wohl verderbt; die Versfolge yeneyaṃ … ist unsicher konstruiert.
...die fünfundzwanzig Prinzipien. Dies darf man nicht dem Sohnlosen, nicht dem Nichtschüler, nicht dem, der nicht sein ganzes Gut gibt, oder nicht dem, der nicht ein Jahr [bei mir] gewohnt hat, vortragen. Denn als höchstes Wissen werden die Seher das im Veda Verkündete, Wissenswerte erkennen: so [ist der Sinn]. Dies aber begreifen die Āsura-Anhänger nicht, ständig sündig, anders verfahrend, mit Svāhā-, Svadhā-, Oṃ- und Vaṣaṭ-Rufen; Tausende von Millionen unzähliger Seher [und Wesen] durch Handlung, die Gewünschtes und Unerwünschtes wirkt. Ebenso auch Götter, Dānavas, Asuras, Piśācas, Geister, Rākṣasas, Vidyādharas, Gandharvas, Yakṣas, Nāgas, Kiṃnaras und andere, ++++ die Scharen der Wesen, dem Pfad des Nichtwissens folgend, schmiegen sich [?] nur ins Nichtwissen. Sie werden geboren, immer wieder, wegen [des Nichtwissens?], und gelangen in Geburten als Unbewegliche, Höllenwesen und Tiere, viele Hunderttausende von Millionen von Jahren. Wie sollte irgendwem auch nur eine Einsicht in das Gesetz [dharma] entstehen? Woher dann erst eine Einsicht in die Erlösung?
Wort für Wort
pañcaviṃśatitattvāni
die fünfundzwanzig Prinzipien (Nom.Pl.n.)
tad etan nāputrāya nāśiṣyāya nāsarvasvapradāyine nāsaṃvatsaroṣitāya vā vartayitavyam
dies ist nicht dem Sohnlosen, Nichtschüler, nicht dem sein Gesamtgut Gebenden oder nicht ein Jahr Weilenden mitzuteilen (Dat./Gerundiv)
sie gelangen in Schöße von Unbeweglichem, Hölle und Tieren, viele hunderttausend Millionen Jahre (Lok.Pl./Akk.)
kathaṃ cit kasya cid dharmabuddhir api syāt kuta eva mokṣabuddhiḥ
wie könnte irgendwem auch nur Einsicht ins Gesetz sein; woher dann Einsicht in die Erlösung (Opt./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Lücke im Text (++++); jñānāt vermutlich verderbt für ajñānāt; ‚āsure‘ am ehesten Lok.: bei den Āsura-Anhängern.
te 'py apavargeṇaiva sukhakāmāḥ pratikūladuḥkhanivartanam eva kurvanto; bhāvotpādakaṃ trailokyād anyad apaśyanto niḥsaraṇaṃ trailokyam evāgādhaṃ; prapatanti | tadvad āsure laukikeṣv api tu darśaneṣu paraṃ vedaprāmāṇyam |; te cāpi duḥkhasaṃsāravartakā eva | kuta eva |; vedārthaṃ yajño yajñārthaṃ svargaḥ svargārthaṃ sukhaṃ ca mohāyatanam iṣṭaṃ; mohaprabhavaṃ janma | tac ca sukhaduḥkhahaitukamohaprabhavaṃ janma | tathaiva; cāpi nidhanam | tac cāpi duḥkhahaitukaratam | tasmān mantragrāmo; duḥkhasya parasparaṃ hetuḥ | tasmād upaśamarucayo duḥkhasamudraugham uttitīrṣanto; hitvā sarvavedān upaśamaśāstreṣu prayujyante | tad abhyāsāc; ca śāstrasya duḥkhamārgāvacchedaṃ kurvanti | svātmany ekatvenāvatiṣṭhante
Auch diese, die durch [bloße] Erlösung Glück begehren und nur Abwehr des entgegenstehenden Leids tun, sehen nichts anderes als die drei Welten als Quelle des Werdens und als Ausweg; sie stürzen in die abgrundtiefe Dreiweltwelt. Ebenso gilt bei den Āsura-Anhängern wie auch bei weltlichen Lehrmeinungen das höchste Ansehen des Veda. Auch diese sind nur Vermehrer von Leid und Kreislauf. Woher denn das? „Veda als Sinn, Opfer als Sinn des Veda, Himmel als Sinn des Opfers, und Glück als Sinn des Himmels“: dies ist erwünscht, ein Sitz der Verblendung; die Geburt hat die Verblendung zum Ursprung. Und diese Geburt hat die aus Glück und Leid als Grund entspringende Verblendung zum Ursprung; ebenso auch der Tod. Und auch dieser ist am Leidgrund [?] haftend. Darum ist die Schar der Mantras gegenseitig Ursache des Leids. Darum lassen, die Freude an Beruhigung haben und das Meer des Leids überqueren wollen, alle Veden hinter sich und wenden sich den Lehrbüchern der Beruhigung zu. Durch deren Übung bewirken sie den Abbruch des Leidenswegs. Sie verharren in Einheit im eigenen Selbst,
Wort für Wort
te 'py apavargeṇaiva sukhakāmāḥ pratikūladuḥkhanivartanam eva kurvanto
auch diese, nur durch Erlösung Glück begehrend, nur Abwehr des entgegenstehenden Leids tuend (Nom.Pl./Part.Präs.)
darum, die Beruhigung Liebenden, die die Flut des Leidmeers überqueren wollen (Nom.Pl./Desid.Part.)
hitvā sarvavedān upaśamaśāstreṣu prayujyante
alle Veden verlassend, wenden sie sich den Beruhigungslehren zu (Abs./3.Pl.Pass.)
tad abhyāsāc ca śāstrasya duḥkhamārgāvacchedaṃ kurvanti svātmany ekatvenāvatiṣṭhante
und durch die Übung dieser Lehre bewirken sie den Abbruch des Leidenswegs; im eigenen Selbst verharren sie in Einheit (Abl./3.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz läuft in der nächsten Einheit weiter; tac cāpi duḥkhahaitukaratam ist unsicher.
kühl geworden, das Unsterbliche erlangt.“ So sagt man. Bei ihnen hört durch Übung der Lehre der Leidensstrom auf. Ist der Leidensstrom völlig abgeschnitten, so gibt es hier Frieden, zum Ende des Leids. Dieses āsurische, ursprüngliche Wissen wurde von mir [oder: von Āsuri] schon bei bloßem Entstehen erkannt. Als [Brahmā] dazwischen entstanden war, rief dort der Herr Viriñca siebenmal laut. Als ihm niemand eine Antwort gab, – Bhīṣma sprach: – ging er weiter, [und] der Herr trat dort wieder zur Schöpfung zurück. Dieses höchste Wissen wurde vom Āsuri-Lehrer, dem höchsten Seher, dem Erhabenen Kapila, mit großer Achtung gelehrt. Vom Erhabenen Āsuri wurde die Lehre dem Erhabenen Pañcaśikha [gegeben], von Pañcaśikha dem Kātyāyana, von Kātyāyana dem Gautama, von Gautama dem Gārgya, von Gārgya dem Āvaṭyāyana, von Āvaṭyāyana den Sehern...
Wort für Wort
śītībhūtā amṛtaṃ prāptāḥ evam āha
kühl geworden, das Unsterbliche erlangt; so sagt man (Part.Pass./3.Sg.Perf.)
teṣāṃ śāstrābhyāsād duḥkhasroto nivartate
bei ihnen hört durch Übung der Lehre der Leidensstrom auf (Gen./Abl./3.Sg.Präs.)
von Kātyāyana dem Gautama, von Gautama dem Gārgya, von Gārgya dem Āvaṭyāyana (Instr./Dat.)
āvaṭyāyanenarṣibhya
von Āvaṭyāyana den Sehern [Fortsetzung] (Instr./Dat.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherwechsel (bhīṣma uvāca) mitten im Satz; Text teilweise verworren: prāyacchat … pravṛttas tatra bhavān punaḥ sargāya nivṛtta iti; Fortsetzung in der nächsten Einheit.
ṛṣibhyaḥ | tat edat paramaṃ tat pareṇa bhagavatā vyāsena vyāsān; mayāvāptaṃ paramajñānaṃ tathā matto bhavatā prāptam iti |; tad etad brāhmaṇāṃs tāta śrāvayet saṃśitavratān; kṣatriyān yājñikāṃś caiva prajāpālanatatparān; vaiśyāṃś ca nṛpaśārdūla sarvātithyakṛtavratān; śūdrāṃś ca śuśrūṣaparān sarvasattvahite ratān; yady api syus trayo varṇā yajñe cādhikriyanti vai; mantravarjaṃ tu śūdrāṇāṃ kriyā dṛṣṭā iti śrutiḥ; sūtrakāravacas tv etad vedakāravacas tadā; śāstrakārās tathā caitat pravadantīti naḥ śrutam
...den Sehern. Dies ist das Höchste; dieses höchste Wissen ist vom Erhabenen Vyāsa, und von Vyāsa von mir erlangt worden, und so ist es von mir auch von dir, [Yudhiṣṭhira,] erlangt worden. Dies soll man, mein Lieber, den Brahmanen mit strengen Gelübden vortragen, und den Kṣatriyas, die opfern und der Schutz der Geschöpfe ergeben sind, und den Vaiśyas, Tiger unter den Königen, die das Gelübde der Gastfreundschaft gegenüber allen halten, und den Śūdras, die dem Dienst ergeben sind und am Wohl aller Wesen Freude haben. Auch wenn es drei Stände gibt und sie beim Opfer berechtigt sind, ist doch für die Śūdras eine Handlung ohne Mantra als [Norm] gesehen: so lautet die Überlieferung. Dies ist das Wort der Sūtra-Verfasser, dann das Wort der Veda-Verfasser; die Śāstra-Verfasser sagen es ebenso: so haben wir gehört.
Wort für Wort
ṛṣibhyaḥ tat edat paramaṃ
den Sehern; dies ist das Höchste (Dat.Pl./Nom.n.)
tat pareṇa bhagavatā vyāsena vyāsān mayāvāptaṃ paramajñānaṃ
dieses höchste Wissen, vom Erhabenen Vyāsa, von Vyāsa von mir erlangt (Instr./Abl./Part.Pass.)
tathā matto bhavatā prāptam iti
so von mir von dir erlangt (Abl./Instr./Part.Pass.)
tad etad brāhmaṇāṃs tāta śrāvayet saṃśitavratān
dies soll man, Lieber, Brahmanen mit strengen Gelübden hören lassen (Opt.Kaus./Akk.Pl.)
kṣatriyān yājñikāṃś caiva prajāpālanatatparān
und die opfernden Kṣatriyas, dem Schutz der Geschöpfe ergeben (Akk.Pl.)
vaiśyāṃś ca nṛpaśārdūla sarvātithyakṛtavratān
und die Vaiśyas, Tiger unter den Königen, die das Gelübde der Gastfreundschaft gegen alle haben (Akk.Pl./Vok.)
śūdrāṃś ca śuśrūṣaparān sarvasattvahite ratān
und die Śūdras, dem Dienst zugetan, am Wohl aller Wesen erfreut (Akk.Pl.)
yady api syus trayo varṇā yajñe cādhikriyanti vai
auch wenn die drei Stände wären und beim Opfer berechtigt sind (Opt./3.Pl.Pass.)
mantravarjaṃ tu śūdrāṇāṃ kriyā dṛṣṭā iti śrutiḥ
für Śūdras aber ist eine Handlung ohne Mantra vorgesehen: so die Überlieferung (Nom.f./Gen.Pl.)
sūtrakāravacas tv etad vedakāravacas tadā
dies ist das Wort der Sūtra-Verfasser, dann das der Veda-Verfasser (Nom.n.)
śāstrakārās tathā caitat pravadantīti naḥ śrutam
und ebenso sagen die Śāstra-Verfasser dies: so haben wir gehört (3.Pl./Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die ersten beiden Sätze (tat edat …) sind lückenhaft/grammatisch unklar; die zweite Hälfte ist Śloka; der Vers yady api … mantravarjaṃ tu ist inhaltlich schwierig.
yudhiṣṭhira uvāca; kliśyamāneṣu bhūteṣu jātīmaraṇasāgare; bhīṣma uvāca; yat prāpya kleśaṃ nāpnoti tan me brūhi pitāmaha; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; sanatkumārasya sataḥ saṃvādaṃ nāradasya ca; sanatkumāro bhagavān brahmaputro mahāyaśāḥ; pūrvajāś ca trayas tasya kathyante brahmavādinaḥ; sanakaḥ sanandanaś caiva tṛtīyaś ca sanātanaḥ; jātamātrāś ca te sarve pratibuddhā iti śrutiḥ; caturthaś caiva teṣāṃ sa bhagavān yogasattamaḥ; sanatkumāra iti vai kathayanti maharṣayaḥ; hairaṇyagarbhaś ca munir vasiṣṭhaḥ pañcamaḥ smṛtaḥ; ṣaṣṭhaḥ sthāṇuś ca bhagavān ameyātmā triśūladhṛk; tato 'pare samutpannāḥ pāvakād varuṇakratau; mānasāḥ svayaṃbhuvo hi marīcipramukhās tathā
Yudhiṣṭhira sprach: „Während die Wesen im Ozean von Geburt und Tod leiden, – Bhīṣma sprach: – sage mir das, Großvater, wodurch man kein Leid mehr erlangt.“ [Bhīṣma:] „Hierzu erzählt man diese uralte Geschichte, das Gespräch des Sanatkumāra, des Weisen, und des Nārada. Sanatkumāra, der Erhabene, Sohn Brahmās, von großem Ruhm; und drei Ältere von ihm werden genannt, Brahma-Kundige: Sanaka, Sanandana und als dritter Sanātana. Alle wurden, kaum geboren, erwacht, so die Überlieferung. Als vierter unter ihnen jener Erhabene, der beste der Yogins, den die großen Seher Sanatkumāra nennen. Der Hiraṇyagarbha-Seher Vasiṣṭha gilt als der fünfte; als sechster der Erhabene Sthāṇu, Träger des Dreizacks, von unermesslichem Wesen. Dann wurden andere aus dem Feuer beim Opfer des Varuṇa erzeugt, geistgeborene Selbstgewordene, angeführt von Marīci.“
Yudhiṣṭhira sprach: während die Wesen im Ozean von Geburt und Tod leiden (Lok.abs.)
yat prāpya kleśaṃ nāpnoti tan me brūhi pitāmaha
wodurch man kein Leid erlangt, das sage mir, Großvater (Abs./Imp./Vok.)
atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam
hierzu führt man diese uralte Geschichte an (3.Pl.Präs.)
sanatkumārasya sataḥ saṃvādaṃ nāradasya ca
das Gespräch des Sanatkumāra, des Weisen, und des Nārada (Gen./Akk.)
sanatkumāro bhagavān brahmaputro mahāyaśāḥ
Sanatkumāra, der Erhabene, Brahmās Sohn, von großem Ruhm (Nom.)
pūrvajāś ca trayas tasya kathyante brahmavādinaḥ
und drei Ältere von ihm werden genannt, Vedakundige (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
sanakaḥ sanandanaś caiva tṛtīyaś ca sanātanaḥ
Sanaka und Sanandana und als dritter Sanātana (Nom.)
jātamātrāś ca te sarve pratibuddhā iti śrutiḥ
und alle kaum geboren erwacht: so die Überlieferung (Part.Pass.)
caturthaś caiva teṣāṃ sa bhagavān yogasattamaḥ sanatkumāra iti vai kathayanti maharṣayaḥ
als vierter unter ihnen jener Erhabene, bester der Yogins; ‚Sanatkumāra‘ nennen ihn die großen Seher (3.Pl.Präs.)
hairaṇyagarbhaś ca munir vasiṣṭhaḥ pañcamaḥ smṛtaḥ
der Hiraṇyagarbha-Weise Vasiṣṭha gilt als fünfter (Nom./Part.Pass.)
ṣaṣṭhaḥ sthāṇuś ca bhagavān ameyātmā triśūladhṛk
als sechster Sthāṇu, der Erhabene, von unermesslichem Wesen, Dreizackträger (Nom.)
tato 'pare samutpannāḥ pāvakād varuṇakratau mānasāḥ svayaṃbhuvo hi marīcipramukhās tathā
dann wurden andere erzeugt aus dem Feuer beim Varuṇa-Opfer, geistgeborene Selbstgewordene, Marīci an der Spitze (Part.Pass./Abl./Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind in der Einheit vertauscht bzw. verschoben (Yudhiṣṭhira-Frage, dann Bhīṣma); ich habe die Rede nach dem Sinn gegliedert.
Bhṛgu ist der jüngere [Bruder] des Marīci, und des Bhṛgu wiederum Aṅgiras; jünger als Aṅgiras Atri, Pulastya jünger als Atri; jünger als Pulastya der weise Pulaha von unvergleichlichem Glanz. Diese werden von den Gelehrten als brahmageboren gelesen, von unermesslicher Kraft. Dies, o Großkönig, ist die Schöpfung, die der große Urlehrer, der Herr, der Allherrschende, von unendlichem Glanz, Brahmā, der Großvater der Welten, vollzog. Verkörpert, unsterblich geworden, durch Glanz und Askese ausgezeichnet: von ihnen erreichten drei, mit Sanaka an der Spitze, dort die höchste Stätte. Nachdem sie völlige Vernichtung erlangt hatten, wurden sie von der Bindung an die Verkörperung befreit. Sanatkumāra aber, der Allmächtige, der Yoga-Kundige, wandelte, sich auf Yoga stützend, durch die drei Welten mit höchster Herrschermacht. Auch Rudra, von großem Ruhm, erlangte den achtfachen Yoga, den feinen achtfältigen, o König; die anderen nicht, o bester der Könige. Die mit Marīci an der Spitze, mein Lieber, waren alle nur zum Zweck der Schöpfung...
Wort für Wort
bhṛgur marīcer anujo bhṛgor apy aṅgirās tathā
Bhṛgu ist jünger als Marīci, und auch Aṅgiras jünger als Bhṛgu (Nom./Abl.)
anujo 'ṅgiraso 'thātriḥ pulastyo 'tres tathānujaḥ
jünger als Aṅgiras dann Atri, Pulastya ebenso jünger als Atri (Abl./Nom.)
pulastyasyānujo vidvān pulaho 'nupamadyutiḥ
jünger als Pulastya der weise Pulaha von unvergleichlichem Glanz (Gen./Nom.)
paṭhyante brahmajā hy ete vidvadbhir amitaujasaḥ
diese werden von Gelehrten als Brahmās Söhne gelesen, von unermesslicher Kraft (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
auch Rudra, hochberühmt, erlangte den achtfachen, feinen Yoga; nicht die anderen, bester der Könige (Part.Pass./Vok.)
marīcipramukhās tāta sarve sṛṣṭyartham eva te
die mit Marīci an der Spitze, mein Lieber, alle nur zwecks Schöpfung (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Genealogie ‚anuja‘ = jüngerer Bruder: Bhṛgu jünger als Marīci usw.
...wurden eingesetzt, o Tiger unter den Königen; höre von mir ihre Schöpfung. „Sieben Brahmā“ – so ist die Feststellung im Purāṇa ergangen; in allen Veden und Nachträgen (khilas) sind sie genannt, ohne Zweifel. In Erzählung und Purāṇa ist dies die alte Überlieferung. „Beim Gnadenspender wird dies verkündet“, sagen die Kenner des Vedānta. Deren Väter, mein Lieber, nennt man ‚Söhne‘; sieben Scharen, Großkönig, verkörperte und unverkörperte. Und die Söhne der Väter, o König der Könige, sind die Götter: so die Überlieferung. „Von Göttern sind diese Welten erfüllt“: so haben wir es gehört. Von Kṛṣṇa Dvaipāyana und von Devasthāna, von Devala, bester der Männer, und von Kāśyapa habe ich es gehört; von Gautama, Kauṇḍinya, Bhāradvāja, ebenso von Mārkaṇḍeya und vom Seher Devatama. Und von meinem Vater wurde, o König, zur Zeit des Śrāddha gesagt: das höchste Geheimnis, König, des Brahmā, des höchsten Selbst.
Wort für Wort
niyuktā rājaśārdūla teṣāṃ sṛṣṭiṃ śṛṇuṣva me
eingesetzt, Tiger unter den Königen; ihre Schöpfung höre von mir (Part.Pass./Imp.)
sapta brahmāṇa ity eṣa purāṇe niścayo gataḥ
‚sieben Brahmā‘, so ist diese Feststellung im Purāṇa ergangen (Nom./Part.Pass.)
sarvavedeṣu caivoktāḥ khileṣu ca na saṃśayaḥ
in allen Veden gesagt und in den Nachträgen, kein Zweifel (Lok.Pl.)
itihāse purāṇe ca śrutir eṣā purātanā
in Erzählung und Purāṇa ist diese Überlieferung alt (Lok./Nom.f.)
varade kathyata iti prāhur vedāntapāragāḥ
‚beim Gnadenspender wird gesagt‘, sagen die Vedānta-Kundigen (Lok./3.Pl.Perf.) [?]
eteṣāṃ pitaras tāta putrā ity anucakṣate
deren Väter, Lieber, nennt man ‚Söhne‘ (3.Pl.Med.)
gaṇāḥ sapta mahārāja mūrtayo 'mūrtayas tathā
sieben Scharen, Großkönig, verkörperte und unverkörperte (Nom.Pl.)
pitṝṇāṃ caiva rājendra putrā devā iti śrutiḥ
und der Väter Söhne sind die Götter, so die Überlieferung (Gen.Pl./Nom.Pl.)
devair vyāptā ime lokā ity evam anuśuśruma
‚von Göttern durchdrungen sind diese Welten‘, so haben wir gehört (Part.Pass./1.Pl.Perf.)
kṛṣṇadvaipāyanāc caiva devasthānāt tathaiva ca devalāc ca naraśreṣṭha kāśyapāc ca mayā śrutaḥ
von Kṛṣṇa Dvaipāyana, von Devasthāna, von Devala, bester der Männer, und von Kāśyapa wurde es von mir gehört (Abl./Part.Pass.)
von Gautama, dann Kauṇḍinya, Bhāradvāja, ebenso Mārkaṇḍeya und vom Seher Devatama (Abl.)
pitrā ca mama rājendra śrāddhakāle prabhāṣitam
und von meinem Vater, König der Könige, zur Śrāddha-Zeit gesagt (Instr./Part.Pass.)
paraṃ rahasyaṃ rājendra brahmaṇaḥ paramātmanaḥ
das höchste Geheimnis des Brahmā, des höchsten Selbst (Nom./Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). śrutiḥ hier als ‚Überlieferung‘; die Erwähnung varade kathyata ist unsicher (Lok. von varada ‚Gnadenspender‘).
Danach will ich verkünden, wonach du mich fragst, Bhārata. Höre dies hier einpünktig und gläubig, aufmerksam, von mir: das Gespräch des Selbstgewordenen [Sanatkumāra] und des weisen Nārada. Sanatkumāra, der Erhabene, entzündete durch seinen Glanz eine Lampe und wandelte, daumengroß geworden, als großer Weiser. Einmal, Großkönig, begegnete er auf dem Rücken des Meru dem Nārada, bester der Männer, dem Weisen, dem Brahma-Kundigen; sie, die einander erproben wollten, die dann von Brahmā her kamen, [beide] zum Anteil des Brahman gelangt, mein Lieber, über den höchsten Sinn nachdenkend: der Kluge unter den Klugen der Beste, der Verständige unter Verständigen der Verständigste, der Gelehrte unter Gelehrten der Beste, der Gedächtnisreiche unter Gedächtnisreichen der Gedächtnisreichste; Feldkenner unter Feldkennern der Beste, Wissenskundiger unter Wissenskundigen der Wissendste; Weltkenner unter Weltkennern der Beste, Selbstkenner unter Selbstkennern der Selbstkundigste: den wahrheitskundigen Sanatkumāra, den Erhabenen, Bezwinger der Feinde,
Wort für Wort
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi yan mā pṛcchasi bhārata
danach will ich sagen, was du mich fragst, Bhārata (1.Sg.Fut./Akk.)
tad ihaikamanāḥ śraddhī śṛṇuṣvāvahito mama
dies höre hier einpünktig, gläubig, aufmerksam von mir (Imp.)
svāyaṃbhuvasya saṃvādaṃ nāradasya ca dhīmataḥ
das Gespräch des Selbstgewordenen und des klugen Nārada (Gen./Akk.)
sanatkumāro bhagavān dīpaṃ jajvālya tejasā
der erhabene Sanatkumāra, eine Lampe durch Glanz entzündet habend (Abs.)
aṅguṣṭhamātro bhūtvā vai vicacāra mahāmuniḥ
daumengroß geworden wandelte der große Weise (Abs./Perf.)
sa kadā cin mahārāja merupṛṣṭhe sameyivān
er traf einmal, Großkönig, auf dem Rücken des Meru [ihn] (Perf.Part.)
nāradena naraśreṣṭha muninā brahmavādinā
mit Nārada, bester der Männer, dem Weisen, dem Brahma-Redner (Instr.)
jijñāsamānāv anyonyaṃ sakāśād brahmaṇas tadā
einander erproben wollend, damals von Brahmā her (Part.Desid./Abl.) [?]
brahmabhāgagatau tāta paramārthārthacintakau
zum Anteil des Brahman gelangt, mein Lieber, den höchsten Sinn erwägend (Nom.Du.)
matimān matimacchreṣṭhaṃ buddhimān buddhimattaram
der Kluge den Klügsten unter Klugen, der Verständige den Verständigeren (Nom./Akk.)
śrutimāñ śrutimacchreṣṭhaṃ smṛtimān smṛtimattaram
der Gelehrte den besten unter Gelehrten, der Gedächtnisreiche den gedächtnisreicheren (Nom./Akk.)
der Feldkenner den besten Feldkenner, der Wissenskenner den Wissendsten, der Weltkenner den besten, der Selbstkenner den Selbstkundigsten (Nom./Akk.)
sanatkumāraṃ tattvajñaṃ bhagavantam ariṃdama
Sanatkumāra, den Wahrheitskundigen, den Erhabenen, Feindebezwinger (Akk./Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz setzt sich in der nächsten Einheit fort; jijñāsamānāv … sakāśād brahmaṇas ist knapp und unsicher gedeutet.
sarvavedārthakuśalaḥ sarvaśāstraviśāradaḥ; sāṃkhyayogaṃ ca yo veda pāṇāv āmalakaṃ yathā; nārado 'tha naraśreṣṭha taṃ papraccha mahāmatim; trayoviṃśatitattvasya avyaktasya mahāmune; prabhavaṃ cāpyayaṃ caiva śrotum icchāmi tattvataḥ; adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca; sanatkumāra uvāca; kālasaṃkhyāś ca sargāṃś ca tad bhavān vaktum arhati; śrūyatām ānupūrvyeṇa nava sargāḥ prayatnataḥ; tathā kālaparīmāṇaṃ tattvānām ṛṣisattama; adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca; kālasaṃkhyā ca sargaṃ ca sarvam eva mahāmune; tamasaḥ kurvataḥ sargas tāmasety abhidhīyate; brahmavidbhir dvijair nityaṃ nityam adhyātmacintakaiḥ; paryāyanāmāny etasya kathayanti manīṣiṇaḥ
...der in der Bedeutung aller Veden bewandert, in allen Lehrbüchern geschult ist und Sāṃkhya und Yoga kennt wie eine Amalaka-Frucht auf der Handfläche: Nārada, bester der Männer, fragte den Weisen: „Vom dreiundzwanzigfachen Prinzip des Unmanifesten, o großer Weiser, will ich Ursprung und Vergehen der Wahrheit nach hören, ebenso das Selbstbezogene, das Elementbezogene und das Götterbezogene.“ Sanatkumāra sprach: „Und die Zeitmaße und die Schöpfungen: das sollst du mir sagen. Höre der Reihe nach, mit Sorgfalt, neun Schöpfungen; ebenso das Zeitmaß der Prinzipien, bester der Seher; Selbstbezogenes, Elementbezogenes, Götterbezogenes, Zeitmaß und Schöpfung, alles, o großer Weiser. Die Schöpfung dessen, der aus Finsternis schafft, heißt die finstere [tāmasa]. Von den Zweimalgeborenen, den Brahma-Kundigen, die stets über das Selbst nachsinnen, werden die Weisen die Synonyme davon nennen.“
Wort für Wort
sarvavedārthakuśalaḥ sarvaśāstraviśāradaḥ
in der Bedeutung aller Veden geschickt, in allen Lehrbüchern bewandert (Nom.)
sāṃkhyayogaṃ ca yo veda pāṇāv āmalakaṃ yathā
und wer Sāṃkhya und Yoga kennt wie die Amalaka in der Hand (3.Sg.Perf./Akk.)
nārado 'tha naraśreṣṭha taṃ papraccha mahāmatim
Nārada dann, bester der Männer, fragte ihn, den Hochweisen (3.Sg.Perf.)
trayoviṃśatitattvasya avyaktasya mahāmune
des dreiundzwanzigfachen Prinzips des Unmanifesten, großer Weiser (Gen./Vok.)
prabhavaṃ cāpyayaṃ caiva śrotum icchāmi tattvataḥ
Ursprung und Vergehen will ich der Wahrheit nach hören (Akk./Inf.)
adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca
das Selbstbezogene, das Elementbezogene und ebenso das Götterbezogene (Akk.)
sanatkumāra uvāca kālasaṃkhyāś ca sargāṃś ca tad bhavān vaktum arhati
Sanatkumāra sprach: und die Zeitmaße und Schöpfungen, das sollst du sagen (Akk.Pl./Inf.) [?]
śrūyatām ānupūrvyeṇa nava sargāḥ prayatnataḥ
gehört werden sollen der Reihe nach neun Schöpfungen, sorgfältig (Imp.Pass./Adv.)
tathā kālaparīmāṇaṃ tattvānām ṛṣisattama
ebenso das Zeitmaß der Prinzipien, bester der Seher (Akk./Gen.Pl./Vok.)
kālasaṃkhyā ca sargaṃ ca sarvam eva mahāmune
Zeitmaß und Schöpfung, alles, großer Weiser (Akk.)
tamasaḥ kurvataḥ sargas tāmasety abhidhīyate
die Schöpfung dessen, der aus Finsternis schafft, heißt ‚finster‘ (Gen./3.Sg.Pass.)
von brahmakundigen Zweimalgeborenen, stets über das Selbst Nachdenkenden, nennen die Weisen die Synonyme dessen (Instr./3.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe sanatkumāra uvāca steht mitten in einem Nārada-Vers; kālasaṃkhyāś ca … tad bhavān vaktum arhati ist demnach Nāradas Bitte (‚das sollst du mir sagen‘), was ich hier als Übergang wiedergegeben habe.
tāni te saṃpravakṣyāmi tad ihaikamanāḥ śṛṇu; mahārṇavo 'rṇavaś caiva salilaṃ ca guṇās tathā; vedās tapaś ca yajñāś ca dharmaś ca bhagavān vibhuḥ; prāṇaḥ saṃvartako 'gniś ca vyoma kālas tathaiva ca; nāmāny etāni brahmarṣe śarīrasyeśvarasya vai; kīrtitāni dvijaśreṣṭha mayā śāstrānumānataḥ; caturyugasahasraṃ tu caturyugam ariṃdama; prāhuḥ kalpasahasraṃ vai brāhmaṇās tattvadarśinaḥ; daśakalpasahasrāṇi avyaktasya mahāniśā; tathaiva divasaṃ prāhur yogāḥ sāṃkhyāś ca tattvataḥ; niśāṃ suptvātha bhagavān kṣapānte pratyabudhyata; ahaḥ kṛtvā sukhaṃ tāta sasarja prabhur īśvaraḥ; hiraṇyagarbhaṃ viśvātmā hy aṇḍajaṃ jalajaṃ munim; bhūtabhavyabhaviṣyasya kartāram anaghaṃ vibhum
„Diese will ich dir genau nennen; höre dazu einpünktig: Großmeer und Meer, Wasser, und Eigenschaften, Veden, Askese und Opfer, und das Gesetz, der Erhabene, Allmächtige, Lebenshauch, Weltvernichter, Feuer, Raum und Zeit: dies sind die Namen, Brahmarṣi, des Körpers des Herrn, o Bester der Zweimalgeborenen, von mir genannt nach Schlussfolgerung aus den Lehrschriften. Ein Caturyuga-Tausend, Bezwinger der Feinde, nennen die wahrheitssehenden Brahmanen ein Kalpa-Tausend; zehntausend Kalpas ist die große Nacht des Unmanifesten, ebenso sagen sie den Tag, die Yogins und Sāṃkhyas, der Wahrheit nach. Nachdem er die Nacht geschlafen hatte, erwachte der Erhabene am Ende der Nacht; den Tag verbracht in Wohlgefühl, mein Lieber, schuf der Herr, der Gebieter, den Hiraṇyagarbha, die Weltseele, den Eigeborenen, den Wassergeborenen, den Weisen, den Schöpfer des Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen, den makellosen Allmächtigen.“
Wort für Wort
tāni te saṃpravakṣyāmi tad ihaikamanāḥ śṛṇu
diese werde ich dir genau sagen; höre hier einpünktig (1.Sg.Fut./Imp.)
mahārṇavo 'rṇavaś caiva salilaṃ ca guṇās tathā
Großmeer und Meer und Wasser und ebenso die Eigenschaften (Nom.)
vedās tapaś ca yajñāś ca dharmaś ca bhagavān vibhuḥ
Veden, Askese, Opfer, das Gesetz, der Erhabene, Allmächtige (Nom.)
prāṇaḥ saṃvartako 'gniś ca vyoma kālas tathaiva ca
Lebenshauch, Weltvernichter, Feuer, Raum und ebenso Zeit (Nom.)
nāmāny etāni brahmarṣe śarīrasyeśvarasya vai kīrtitāni dvijaśreṣṭha mayā śāstrānumānataḥ
diese Namen, Brahmarṣi, des Körpers des Herrn, sind von mir genannt, Bester der Zweimalgeborenen, aus Lehrschrift und Schluss (Part.Pass./Abl.)
caturyugasahasraṃ tu caturyugam ariṃdama prāhuḥ kalpasahasraṃ vai brāhmaṇās tattvadarśinaḥ
tausend Caturyugas, Feindebezwinger, nennen ein Tausend Kalpas die wahrheitssehenden Brahmanen (3.Pl.Perf.) [?]
daśakalpasahasrāṇi avyaktasya mahāniśā
zehntausend Kalpas ist des Unmanifesten große Nacht (Nom.)
tathaiva divasaṃ prāhur yogāḥ sāṃkhyāś ca tattvataḥ
ebenso den Tag sagen die Yogins und Sāṃkhyas der Wahrheit nach (3.Pl.Perf.)
niśāṃ suptvātha bhagavān kṣapānte pratyabudhyata
die Nacht geschlafen habend, erwachte der Erhabene am Ende der Nacht (Abs./Impf.)
ahaḥ kṛtvā sukhaṃ tāta sasarja prabhur īśvaraḥ
den Tag vollbracht in Wohlgefühl, mein Lieber, schuf der Herr, Gebieter (Abs./Perf.)
hiraṇyagarbhaṃ viśvātmā hy aṇḍajaṃ jalajaṃ munim
den Hiraṇyagarbha, die Weltseele, den Eigeborenen, Wassergeborenen, den Weisen (Akk.)
bhūtabhavyabhaviṣyasya kartāram anaghaṃ vibhum
den Schöpfer des Gewordenen, Seienden und Kommenden, den Makellosen, Allmächtigen (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zeitangaben sind ungewöhnlich (caturyugasahasram = kalpa; daśakalpasahasrāṇi für die Nacht), hier wörtlich wiedergegeben.
mūrtimantaṃ mahātmānaṃ viśvaṃ śaṃbhuṃ svayaṃbhuvam; aṇimālaghimāprāptim īśānaṃ jyotiṣāṃ param; tasya cāpi niśām āhur vedavedāṅgapāragāḥ; pañcakalpasahasrāṇi ahar etāvad eva ca; na sargaṃ kurute brahmā tāmasasyānupūrvaśaḥ; sṛjate sa tv ahaṃkāraṃ parameṣṭhinam avyayam; ahaṃkāreṇa vai lokā vyāptās tv āhaṃkṛtena ca; yenāviṣṭāni bhūtāni majjanty avyaktasāgare; devarṣidānavanarā yakṣagandharvakiṃnarāḥ; unmajjanti nimajjanti ūrdhvādhas tiryag eva ca; etasyāpi niśām āhus tṛtīyam atha kurvataḥ; trīṇi kalpasahasrāṇi ahar etāvad eva ca; ahaṃkāraś ca sṛjati mahābhūtāni pañca vai; pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotiś ca pañcamam; eteṣāṃ guṇatattvāni pañca prāhur dvijātayaḥ
den Verkörperten, Hochbeseelten, die Welt, den Śaṃbhu, den Selbstgewordenen; der Aṇimā, Laghimā, Prāpti besitzt, den Herrscher, den Höchsten unter den Lichtern. Auch dessen Nacht, sagen die Veda- und Vedāṅga-Kundigen, dauert fünf Kalpa-Tausend, und ebenso viel der Tag. Brahmā schafft nicht Schöpfung, der Reihe nach, von der finsteren [Art]; er erschafft aber das Ich-Machen, den höchststehenden, unvergänglichen. Vom Ich-Machen sind die Welten durchdrungen und durch das Ich-Gemachte; von ihm erfüllt versinken die Wesen im Meer des Unmanifesten: Götterseher, Dānavas, Menschen, Yakṣas, Gandharvas, Kiṃnaras tauchen auf und tauchen unter, aufwärts, abwärts, quer. Auch dessen Nacht, sagen sie, wenn er die dritte [Schöpfung] vollzieht: drei Kalpa-Tausend, und ebenso viel der Tag. Das Ich-Machen schafft die fünf großen Elemente: Erde, Wind, Raum, Wasser und als fünftes Licht. Deren Eigenschaftsprinzipien sind fünf, sagen die Zweimalgeborenen.
den Verkörperten, Hochbeseelten, All, Śaṃbhu, Selbstgewordenen (Akk.)
aṇimālaghimāprāptim īśānaṃ jyotiṣāṃ param
der Aṇimā, Laghimā, Prāpti erlangt hat, den Herrscher, den Höchsten der Lichter (Akk./Gen.Pl.)
tasya cāpi niśām āhur vedavedāṅgapāragāḥ
auch dessen Nacht nennen die Veda- und Vedāṅga-Kundigen (3.Pl.Perf.)
pañcakalpasahasrāṇi ahar etāvad eva ca
fünf Kalpa-Tausend, und ebenso viel der Tag (Nom.)
na sargaṃ kurute brahmā tāmasasyānupūrvaśaḥ
nicht bewirkt Brahmā Schöpfung des Finsteren der Reihe nach (3.Sg.Med.)
sṛjate sa tv ahaṃkāraṃ parameṣṭhinam avyayam
er aber schafft das Ich-Machen, den Höchststehenden, Unvergänglichen (3.Sg.Med./Akk.)
ahaṃkāreṇa vai lokā vyāptās tv āhaṃkṛtena ca
vom Ich-Machen sind die Welten durchdrungen und vom Ich-Gemachten (Instr./Part.Pass.)
yenāviṣṭāni bhūtāni majjanty avyaktasāgare
von dem erfüllt versinken die Wesen im Meer des Unmanifesten (Instr./3.Pl.Präs.)
devarṣidānavanarā yakṣagandharvakiṃnarāḥ unmajjanti nimajjanti ūrdhvādhas tiryag eva ca
Götterseher, Dānavas, Menschen, Yakṣas, Gandharvas, Kiṃnaras tauchen auf und unter, aufwärts, abwärts, quer (3.Pl.Präs.)
etasyāpi niśām āhus tṛtīyam atha kurvataḥ trīṇi kalpasahasrāṇi ahar etāvad eva ca
auch dessen Nacht, wenn er das dritte [Werk] vollbringt, sagen sie: drei Kalpa-Tausend, ebenso der Tag (Gen./Part.)
ahaṃkāraś ca sṛjati mahābhūtāni pañca vai
und das Ich-Machen schafft die fünf großen Elemente (3.Sg.Präs.)
pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotiś ca pañcamam
Erde, Wind, Raum, Wasser und als fünftes Licht (Nom.)
eteṣāṃ guṇatattvāni pañca prāhur dvijātayaḥ
deren Eigenschaftsprinzipien sind fünf, sagen die Zweimalgeborenen (Nom.Pl./3.Pl.Perf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Aufzählung wörtlich; ‚āhaṃkṛtena‘ = durch das aus dem Ich-Machen Gewordene.
śabde sparśe ca rūpe ca rase gandhe tathaiva ca; guṇeṣv eteṣv abhiratāḥ paṅkalagnā iva dvipāḥ; nottiṣṭhanty avaśībhūtāḥ saktā avyaktasāgare; eteṣām iha vai sargaṃ caturtham iha kurvatām; dve tu kalpasahasre vai aho rātris tathaiva ca; ananta iti vikhyātaḥ pañcamaḥ sarga ucyate; indriyāṇi daśaikaṃ ca yathāśrutinidarśanāt; manaḥ sargagataṃ tāta viśat sarvam idaṃ jagat; na tathānyāni bhūtāni balavanti yathā manaḥ; etasyāpi tu vai sargaṃ ṣaṣṭham āhur dvijātayaḥ; ahaḥ kalpasahasraṃ vai rātrir etāvatī tathā; urdhvasrotas tu vai sargaṃ saptamaṃ brāhmaṇā viduḥ; aṣṭamaś cāpy adhaḥsrotas tiryak tu navamaḥ smṛtaḥ; etāni nava sargāṇi tattvāni ca mahāmune
Bei Ton, Berührung, Form, Geschmack und ebenso Geruch: an diesen Eigenschaften hängend, wie Elefanten im Schlamm festgeklebt, stehen sie nicht auf, unfrei geworden, anhaftend im Meer des Unmanifesten. Für die, die hier deren vierte Schöpfung bewirken: zwei Kalpa-Tausend Tag, ebenso Nacht. „Unendlich“ ist die berühmte, fünfte Schöpfung genannt. Die Sinne, zehn und eins [elf], gemäß dem Zeugnis der Überlieferung; der Geist, der zur Schöpfung gehört, mein Lieber, durchdringt diese ganze Welt. Andere Wesen sind nicht so stark wie der Geist. Auch dessen Schöpfung nennen die Zweimalgeborenen die sechste; der Tag ein Kalpa-Tausend, ebenso lang die Nacht. Die aufwärts strömende [Schöpfung] kennen die Brahmanen als siebente; als achte die abwärts strömende; die quer [strömende] gilt als neunte. Dies sind die neun Schöpfungen und die Prinzipien, großer Weiser,
Wort für Wort
śabde sparśe ca rūpe ca rase gandhe tathaiva ca
bei Ton, Berührung, Form, Geschmack und ebenso Geruch (Lok.)
guṇeṣv eteṣv abhiratāḥ paṅkalagnā iva dvipāḥ
an diesen Eigenschaften hängend wie Elefanten im Schlamm steckend (Lok./Nom.Pl.)
nottiṣṭhanty avaśībhūtāḥ saktā avyaktasāgare
sie stehen nicht auf, unfrei geworden, anhaftend im Meer des Unmanifesten (3.Pl.Präs./Part.Pass.)
eteṣām iha vai sargaṃ caturtham iha kurvatām
für die, die hier deren vierte Schöpfung machen (Gen.Pl.Part.)
dve tu kalpasahasre vai aho rātris tathaiva ca
zwei Kalpa-Tausend Tag und ebenso Nacht (Nom.Du./Nom.)
ananta iti vikhyātaḥ pañcamaḥ sarga ucyate
‚Unendlich‘ berühmt, wird die fünfte Schöpfung genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
indriyāṇi daśaikaṃ ca yathāśrutinidarśanāt
die Sinne, zehn und eins, gemäß dem Zeugnis der Überlieferung (Nom./Abl.)
manaḥ sargagataṃ tāta viśat sarvam idaṃ jagat
der zur Schöpfung gehörige Geist, mein Lieber, dringt in diese ganze Welt (Part.Präs.)
na tathānyāni bhūtāni balavanti yathā manaḥ
andere Wesen sind nicht so stark wie der Geist (Nom.Pl.n.)
etasyāpi tu vai sargaṃ ṣaṣṭham āhur dvijātayaḥ
dessen Schöpfung nennen die Zweimalgeborenen die sechste (3.Pl.Perf.)
ahaḥ kalpasahasraṃ vai rātrir etāvatī tathā
Tag: ein Kalpa-Tausend, ebenso lang die Nacht (Nom.)
urdhvasrotas tu vai sargaṃ saptamaṃ brāhmaṇā viduḥ
die aufwärts strömende Schöpfung als siebente kennen die Brahmanen (3.Pl.Perf.)
aṣṭamaś cāpy adhaḥsrotas tiryak tu navamaḥ smṛtaḥ etāni nava sargāṇi tattvāni ca mahāmune
als achte die abwärts strömende; die quer [strömende] gilt als neunte; dies sind die neun Schöpfungen und die Prinzipien, großer Weiser (Nom./Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers indriyāṇi daśaikaṃ ca … yathāśrutinidarśanāt ist syntaktisch knapp; die Zählung der Kalpa-Dauern folgt dem Text.
caturviṃśatir uktāni kālasaṃkhyāś ca te 'nagha; apyayaṃ prabhavaṃ caiva avyaktasya mahāmune; pravakṣyāmy aparaṃ tattvaṃ yasya yasyeśvaraś ca yaḥ; adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca; sanatkumāra uvāca; yathāśrutaṃ yathādṛṣṭaṃ tat tathā vai nibodha me; adhaḥsrotasi sarge ca tiryaksrotasi caiva ha; etābhyām īśvaraṃ vidyād ūrdhvasrotas tathaiva ca; karmendriyāṇāṃ pañcānām īśvaro buddhigocaraḥ; buddhīndriyāṇām atha tu mana īśvaram ucyate; manasaḥ pañca bhūtāni saguṇāny āhur īśvaram; bhūtānām īśvaraṃ vidyād brahmāṇaṃ parameṣṭhinam; bhavān hi kuśalaś caiva dharmeṣv eva pareṣu vai; kālāgnir apy ahaḥ svaṃ te jagad dahati cāṃśubhiḥ; tataḥ sarvāṇi bhūtāni sthāvarāṇi carāṇi ca
vierundzwanzig sind genannt, und die Zeitmaße dieser, Makelloser. Auch Vergehen und Ursprung des Unmanifesten, großer Weiser, werde ich [sagen]; und ein anderes Prinzip, wessen Herr jeweils wer ist: Selbstbezogenes, Elementbezogenes und ebenso Götterbezogenes. Sanatkumāra sprach: „Wie gehört, wie gesehen, so vernimm es von mir. In der abwärts strömenden Schöpfung und in der quer strömenden, [erkenne dort] den Herrn; und ebenso in der aufwärts strömenden. Der Herr der fünf Tatorgane hat die Erkenntnis zum Bereich; der Herr der Erkenntnissinne wird der Geist genannt. Der Geist hat als Herrn, sagt man, die fünf Elemente samt Eigenschaften; als Herrn der Elemente erkenne den Brahmā Parameṣṭhin. Denn du bist kundig, im höchsten Gesetz. Das Feuer der Weltzeit verbrennt für dich mit seinen Strahlen seinen eigenen Tag, die Welt; dann alle Wesen, Bewegliche und Unbewegliche,“
Wort für Wort
caturviṃśatir uktāni kālasaṃkhyāś ca te 'nagha
vierundzwanzig sind genannt und ihre Zeitmaße, Makelloser (Nom./Part.Pass./Vok.)
apyayaṃ prabhavaṃ caiva avyaktasya mahāmune
Vergehen und Ursprung des Unmanifesten, großer Weiser (Akk.)
pravakṣyāmy aparaṃ tattvaṃ yasya yasyeśvaraś ca yaḥ
ich werde ein anderes Prinzip sagen: wessen Herr wer ist (1.Sg.Fut.)
adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca
das Selbstbezogene, Elementbezogene und Götterbezogene (Akk.)
sanatkumāra uvāca yathāśrutaṃ yathādṛṣṭaṃ tat tathā vai nibodha me
Sanatkumāra sprach: wie gehört, wie gesehen, so vernimm es von mir (Part.Pass./Imp.)
adhaḥsrotasi sarge ca tiryaksrotasi caiva ha etābhyām īśvaraṃ vidyād ūrdhvasrotas tathaiva ca
in der abwärts strömenden Schöpfung und der quer strömenden; man erkenne aus diesen den Herrn, und ebenso aus der aufwärts strömenden (Lok./Opt.)
karmendriyāṇāṃ pañcānām īśvaro buddhigocaraḥ
der Herr der fünf Tatorgane hat die Erkenntnis zum Bereich (Nom.)
buddhīndriyāṇām atha tu mana īśvaram ucyate
der Herr der Erkenntnissinne heißt der Geist (Akk./3.Sg.Pass.)
manasaḥ pañca bhūtāni saguṇāny āhur īśvaram
als Herrn des Geistes nennen sie die fünf Elemente samt Eigenschaften (3.Pl.Perf.)
bhūtānām īśvaraṃ vidyād brahmāṇaṃ parameṣṭhinam
als Herrn der Elemente erkenne Brahmā Parameṣṭhin (Opt.)
bhavān hi kuśalaś caiva dharmeṣv eva pareṣu vai
denn du bist kundig auch in den höchsten Gesetzen (Nom./Lok.)
kālāgnir apy ahaḥ svaṃ te jagad dahati cāṃśubhiḥ
das Weltzeitfeuer verbrennt am Tag seine Welt mit Strahlen (3.Sg.Präs./Instr.Pl.) [?]
tataḥ sarvāṇi bhūtāni sthāvarāṇi carāṇi ca
dann alle Wesen, unbewegliche und bewegliche (Nom.Pl.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe sanatkumāra uvāca steht wieder mitten in der Rede; ‚apyayaṃ prabhavaṃ caiva‘ als Objekt zu pravakṣyāmi.
hāhābhūtāni dagdhāni svayoniṃ gamitāni vai; kūrmapṛṣṭhanibhā bhūmir nirdagdhakuśakaṇṭakā; nirvṛkṣā nistṛṇā caiva dagdhā kālāgninā tadā; jagat pralīnaṃ jagati jagaty apsu pralīyate; naṣṭagandhā tadā sūkṣmā jalam evābhavat tadā; tato mayūkhajālena sūryasyāpīyate jalam; jalātmā pralīyaty arke tadā brāhmaṇasattama; antarikṣagatān bhūtān pradahaty analas tadā; agnibhūtaṃ tadā vyoma bhavatīty abhicakṣate; taṃ tathā visphurantaṃ hi vāyur dhvaṃsayate mahān; mahatā balavegena ādatte taṃ hi bhānumān; vāyor api guṇaṃ sparśam ākāśaṃ grasate yadā; praṇaśyati tadā vāyuḥ khaṃ tu tiṣṭhati nānadat; tasya taṃ ninadaṃ śabdam ādatte vai manas tadā; sa śabdaguṇahīnātmā tiṣṭhate 'mūrtimāṃs tu vai
„werden, zu Jammerruf geworden, verbrannt und zu ihrem eigenen Schoß zurückgeführt. Die Erde, dem Schildkrötenrücken gleich, ihre Kuśa-Gräser und Dornen ganz verbrannt, ohne Bäume, ohne Gras, vom Weltzeitfeuer dann verbrannt. Die Welt löst sich in der Erde auf, die Erde löst sich im Wasser auf; ihres Geruchs beraubt, fein geworden, wurde sie dann nur Wasser. Dann wird durch das Strahlennetz der Sonne das Wasser getrunken; das Wasser-Wesen löst sich in der Sonne auf, o bester der Brahmanen. Die Wesen, die im Luftraum stehen, verbrennt das Feuer dann; der Raum wird zu Feuer, sagt man. Ihn, so flammend, zerstört der große Wind; mit großer Gewalt nimmt ihn der Lichtträger [Sonne/Feuer] auf. Wenn der Raum die Eigenschaft des Windes, die Berührung, verschlingt, geht der Wind zugrunde; der Raum aber bleibt, ohne zu tönen. Dessen Getön, den Ton, nimmt dann der Geist auf; er, der Ton-Eigenschaft beraubt, bleibt gestaltlos.“
Wort für Wort
hāhābhūtāni dagdhāni svayoniṃ gamitāni vai
zu Jammerruf geworden, verbrannt, zu ihrem eigenen Schoß geführt (Part.Pass.)
kūrmapṛṣṭhanibhā bhūmir nirdagdhakuśakaṇṭakā
die Erde, dem Schildkrötenrücken gleich, Kuśa und Dornen ganz verbrannt (Nom.f.)
nirvṛkṣā nistṛṇā caiva dagdhā kālāgninā tadā
ohne Bäume, ohne Gras, verbrannt vom Weltzeitfeuer (Nom.f./Instr.)
jagat pralīnaṃ jagati jagaty apsu pralīyate
die Welt, aufgelöst in der Erde; die Erde löst sich in den Wassern auf (Part.Pass./3.Sg.Pass.)
naṣṭagandhā tadā sūkṣmā jalam evābhavat tadā
des Geruchs beraubt, fein, wurde sie da nur Wasser (Nom.f./Impf.)
tato mayūkhajālena sūryasyāpīyate jalam
dann wird durch das Strahlennetz der Sonne das Wasser getrunken (3.Sg.Pass.)
jalātmā pralīyaty arke tadā brāhmaṇasattama
das Wasser-Wesen löst sich in der Sonne auf, Bester der Brahmanen (Vok.)
antarikṣagatān bhūtān pradahaty analas tadā
die im Luftraum befindlichen Wesen verbrennt dann das Feuer (3.Sg.Präs.)
agnibhūtaṃ tadā vyoma bhavatīty abhicakṣate
der Raum wird dann Feuer, sagt man (3.Pl.Med.)
taṃ tathā visphurantaṃ hi vāyur dhvaṃsayate mahān
ihn, so aufflammend, zerstört der große Wind (Part./3.Sg.Kaus.)
mahatā balavegena ādatte taṃ hi bhānumān
mit großer Kraft und Wucht nimmt ihn der Lichtträger auf (Instr./3.Sg.Med.)
vāyor api guṇaṃ sparśam ākāśaṃ grasate yadā praṇaśyati tadā vāyuḥ khaṃ tu tiṣṭhati nānadat
wenn der Raum auch die Eigenschaft des Windes, die Berührung, verschlingt, geht der Wind zugrunde; der Raum bleibt tonlos (3.Sg.Präs./Part.)
tasya taṃ ninadaṃ śabdam ādatte vai manas tadā sa śabdaguṇahīnātmā tiṣṭhate 'mūrtimāṃs tu vai
dessen Getön, den Ton, nimmt dann der Geist; er, der Tonqualität beraubt, bleibt gestaltlos (3.Sg.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚mayūkhajālena‘ etc. wörtlich; ‚bhānumān‘ = Sonne/Feuer, Bezug unsicher.
bhuṅkte tu sa tadā vyoma manas tāta digātmakam; vyomātmani vinaṣṭe tu saṃkalpātmā vivardhate; saṃkalpātmānam ādatte cittaṃ vai svena tejasā; cittaṃ grasaty ahaṃkāras tadā vai munisattama; vinaṣṭe ca tadā citte ahaṃkāro bhaven mahān; ahaṃkāraṃ tadādatte mahān brahmā prajāpatiḥ; abhimāne vinaṣṭe tu mahān brahmā virājate; taṃ tadā triṣu lokeṣu mūrtiṣv evāgramūrtijam; yena viśvam idaṃ kṛtsnaṃ nirmitaṃ vai guṇārthinā; mūrtiṃ jaleśvaram api vyavasāyaguṇātmakam; grasiṣṇur bhagavān brahmā vyakto 'vyaktam asaṃśayam; eṣo 'pyayaś ca pralayo mayā te paribhāṣitaḥ; adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ ca śrūyatām; ākāśaṃ prathamaṃ bhūtaṃ śrotram adhyātmaṃ śabdo 'dhibhūtaṃ diśo 'dhidaivatam |
Der Geist aber, mein Lieber, verzehrt dann den Raum, der die Himmelsrichtungen zum Wesen hat. Ist das Raum-Wesen vernichtet, wächst das aus Entschluss bestehende [Wesen]; das Denken nimmt das aus Entschluss Bestehende durch seinen eigenen Glanz auf; das Denken verschlingt dann das Ich-Machen, o bester der Weisen. Ist das Denken vernichtet, wird das Ich-Machen groß [mahān]. Das Ich-Machen nimmt dann der Große, Brahmā, der Prajāpati, auf; ist die Ichbehauptung vernichtet, strahlt der Große, Brahmā. Ihn dann in den drei Welten, unter den Gestalten, den Erstgeborenen der Gestalten; durch den dieses ganze All erschaffen ist, wegen der Eigenschaften [guṇārthin]; die Gestalt, den Herrn der Wasser und die aus Entschlusskraft bestehende; verschlingend der Erhabene Brahmā, manifest, das Unmanifeste ohne Zweifel. Dies ist das Vergehen und die Auflösung, von mir dir dargelegt. Das Selbstbezogene, Elementbezogene und Götterbezogene werde nun gehört: Der Raum ist das erste Element, Ohr das Selbstbezogene, Ton das Elementbezogene, die Himmelsrichtungen das Götterbezogene.
Wort für Wort
bhuṅkte tu sa tadā vyoma manas tāta digātmakam
der Geist verzehrt dann den Raum, der die Himmelsrichtungen zum Wesen hat, mein Lieber (3.Sg.Med./Nom.)
vyomātmani vinaṣṭe tu saṃkalpātmā vivardhate
ist das Raum-Wesen vernichtet, wächst das aus Entschluss Bestehende (Lok.abs./3.Sg.Präs.)
saṃkalpātmānam ādatte cittaṃ vai svena tejasā
das Entschlusswesen nimmt das Denken durch eigenen Glanz auf (3.Sg.Med.)
cittaṃ grasaty ahaṃkāras tadā vai munisattama
das Denken verschlingt das Ich-Machen, Bester der Weisen (3.Sg.Präs./Vok.)
vinaṣṭe ca tadā citte ahaṃkāro bhaven mahān
ist das Denken vernichtet, wird das Ich-Machen groß (Lok.abs./Opt.)
ahaṃkāraṃ tadādatte mahān brahmā prajāpatiḥ
das Ich-Machen nimmt dann der Große, Brahmā Prajāpati (3.Sg.Med.)
abhimāne vinaṣṭe tu mahān brahmā virājate
ist die Ichbehauptung vernichtet, strahlt der Große Brahmā (Lok.abs./3.Sg.Präs.)
taṃ tadā triṣu lokeṣu mūrtiṣv evāgramūrtijam
ihn dann in den drei Welten, unter den Gestalten den Erstgestalt-Geborenen (Akk./Lok.) [?]
yena viśvam idaṃ kṛtsnaṃ nirmitaṃ vai guṇārthinā
durch den dieses ganze All erschaffen ist, Eigenschaften anstrebend (Part.Pass./Instr.)
mūrtiṃ jaleśvaram api vyavasāyaguṇātmakam
die Gestalt, den Herrn der Wasser und die aus Entschlusskraft Bestehende (Akk.) [?]
Raum das erste Element, Ohr das Selbstbezogene, Ton das Elementbezogene, die Himmelsrichtungen das Götterbezogene (Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text ‚mūrtiṃ jaleśvaram api‘ und ‚taṃ tadā … agramūrtijam‘ unsicher (Syntax); Deutung: Brahmā als Erstgestalt.
Der Wind ist das zweite Element, die Haut das Selbstbezogene, die Berührung das Elementbezogene, der Blitz das Götterbezogene. Das Licht ist das dritte Element, das Auge das Selbstbezogene, die Form das Elementbezogene, die Sonne das Götterbezogene. Das Wasser ist das vierte Element, die Zunge das Selbstbezogene, der Geschmack das Elementbezogene, Soma das Götterbezogene. Die Erde ist das fünfte Element, die Nase das Selbstbezogene, der Geruch das Elementbezogene, der Wind das Götterbezogene. Dieses aus den fünf Elementen bestehende Vierergefüge ist dargelegt. Danach werden wir die dreifache Ordnung der Sinne darlegen: die Füße sind das Selbstbezogene, das Zu-Gehende das Elementbezogene, Viṣṇu das Götterbezogene. Die Hände sind das Selbstbezogene, das Zu-Tuende das Elementbezogene, Indra das Götterbezogene. Der After ist das Selbstbezogene, die Ausscheidung das Elementbezogene, Mitra das Götterbezogene. Das Geschlecht ist das Selbstbezogene, die Wonne das Elementbezogene,
das Geschlecht das Selbstbezogene, die Wonne das Elementbezogene (Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Prosa-Einschub; Satz setzt sich in der nächsten Einheit fort (Prajāpati als Gott des Geschlechts).
Prajāpati ist das Götterbezogene. Die Rede ist das Selbstbezogene, das zu Sagende das Elementbezogene, Agni das Götterbezogene. Der Geist ist das Selbstbezogene, das zu Denkende das Elementbezogene, der Mond das Götterbezogene. Das Ich-Machen ist das Selbstbezogene, die Ichbehauptung das Elementbezogene, Viriñca das Götterbezogene. Die Erkenntnis ist das Selbstbezogene, der Entschluss das Elementbezogene, Brahmā das Götterbezogene. So bringt der unmanifeste Erhabene immer wieder Schöpfungen hervor und zieht sie zurück. Wozu? Zum Spiel. Wie die Sonne ihr Strahlennetz aussendet und wieder einzieht, und wie aus dem Luftraum eine Wolkenhülle aufsteigt; Donner, mit Grollen gemischt, und dieser vergeht genau dort. So schafft das Unmanifeste die Eigenschaften und zieht sie ein. Und wie aus dem Ozean das Wellennetz, niedrig und hoch, hervortritt und genau dort vergeht, so schafft das Unmanifeste die Welten
evam avyakto bhagavān asakṛd asakṛt sargān kurute saṃharate ca
so schafft der unmanifeste Erhabene immer wieder Schöpfungen und zieht sie ein (3.Sg.Präs.Med.)
kasmāt krīḍārtham
weshalb? Zum Spiel (Abl./Adv.)
yathādityo 'ṃśujālaṃ kṣipati saṃharate ca
wie die Sonne das Strahlennetz aussendet und einzieht (3.Sg.Präs.)
yathā cāntarikṣād abhrakośa uttiṣṭhati stanitaṃ garjitonmiśraṃ tac ca tatraiva prāṇaśat
und wie aus dem Luftraum eine Wolkenhülle aufsteigt, Donner mit Grollen gemischt, und dies genau dort vergeht (3.Sg.Präs./Nom.)
evam avyakto guṇān sṛjati saṃharate ca
so schafft das Unmanifeste die Eigenschaften und zieht sie ein (3.Sg.Präs.)
yathā cārṇavād ūrmijālaṃ nīcoccaṃ prādurbhavati tac ca tatraiva prāṇaśad
und wie aus dem Ozean das Wellennetz, niedrig und hoch, hervortritt und dort vergeht (Abl./3.Sg.Präs.)
evam avyakto lokān sṛjati
so schafft das Unmanifeste die Welten (3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). prāṇaśat / prāṇaśad wohl Verschreibung für praṇaśyati (Präs.), als ‚vergeht‘ gedeutet.
saṃharate ca | yathā ca kūrmo 'ṅgāni kāmāt prasārayate punaś ca praveśayaty; evam avyakto lokān prasārayati girati ca | cetanaś ca bhagavān pañcaviṃśakaḥ; śuciḥ | tenādhiṣṭhitā prakṛtiś cetayati | nityaṃ; sahadharmā ca bhagavato 'vyaktasya kriyāvato 'kriyāvān bhagavān paramaprakṛtir; nārada uvāca; aṇuḥ kṣetrajñaḥ kṣemya iti |; yady acetanā prakṛtiś cetanādhiṣṭhitā cetayati kasmān na mokṣo 'sti |; bhavadvidhānāṃ cetaskāṅkṣiṇāṃ ceto hi pañcaviṃśakam upadiśanti; yogāḥ sāṃkhyāś ca | tac cāyuktam upadiśanti | tad vañcanāc cāyutaprakṛtisahadharmā; prakṛtiṃ vartamānām anuvartate iti | anuvartamānāc; ca manyāmahe adhiṣṭhātṛtvād aṇutvāc ceta iti | ataś ca bhavaty eva
und zieht sie ein. Und wie die Schildkröte nach Belieben die Glieder ausstreckt und wieder einzieht, so streckt das Unmanifeste die Welten aus und verschlingt sie. Und der Erhabene, der Fünfundzwanzigste, Denkende, ist rein; von ihm beherrscht bewirkt die Urnatur Denken. Und stets ist die Gefährtin [sahadharmā] des unmanifesten Erhabenen, der Tätigen, der nichttätige Erhabene, die höchste Urnatur. Nārada sprach: „Der Feldkenner ist winzig, geborgen.“ „Wenn die geistlose Urnatur, von einem Denkenden beherrscht, Denken bewirkt, warum gibt es dann keine Erlösung? Den Euch Gleichen, die ihr nach Bewusstsein verlangt, lehren die Yogins und Sāṃkhyas den Fünfundzwanzigsten als Geist; und dies lehren sie unpassend; wegen dieser Täuschung [?] folgt die mit der Urnatur Gefährtenschaft habende, der sich Wandelnden Urnatur; und wir meinen, dass wegen des Beherrschens und der Winzigkeit Bewusstsein [besteht]: und daher entsteht wahrhaftig
Wort für Wort
saṃharate ca yathā ca kūrmo 'ṅgāni kāmāt prasārayate punaś ca praveśayaty
und zieht ein; und wie die Schildkröte die Glieder nach Belieben ausstreckt und wieder einzieht (3.Sg.Präs.)
evam avyakto lokān prasārayati girati ca
so streckt das Unmanifeste die Welten aus und verschlingt sie (3.Sg.Präs.)
cetanaś ca bhagavān pañcaviṃśakaḥ śuciḥ
und der Erhabene, Fünfundzwanzigste, Denkende ist rein (Nom.)
tenādhiṣṭhitā prakṛtiś cetayati
von ihm beherrscht bewirkt die Urnatur Denken (Part.Pass./3.Sg.Kaus.)
nityaṃ sahadharmā ca bhagavato 'vyaktasya kriyāvato 'kriyāvān bhagavān paramaprakṛtir
stets ist Gefährtin des tätigen unmanifesten Erhabenen der nichttätige Erhabene, die höchste Urnatur (Nom./Gen.) [?]
nārada uvāca aṇuḥ kṣetrajñaḥ kṣemya iti
Nārada sprach: der Feldkenner ist winzig, geborgen (Nom.)
yady acetanā prakṛtiś cetanādhiṣṭhitā cetayati kasmān na mokṣo 'sti
wenn die geistlose Urnatur, von einem Denkenden beherrscht, Denken bewirkt, warum gibt es keine Erlösung (Abl./3.Sg.Präs.)
bhavadvidhānāṃ cetaskāṅkṣiṇāṃ ceto hi pañcaviṃśakam upadiśanti yogāḥ sāṃkhyāś ca
den Euch Gleichen, nach Bewusstsein Verlangenden, lehren Yogins und Sāṃkhyas den Fünfundzwanzigsten als Geist (Gen.Pl./3.Pl.) [?]
tac cāyuktam upadiśanti tad vañcanāc cāyutaprakṛtisahadharmā
und dies lehren sie unpassend; wegen dieser Täuschung [?] (Nom.n./Abl.) [?]
prakṛtiṃ vartamānām anuvartate iti anuvartamānāc ca manyāmahe
sie folgt der sich wandelnden Urnatur; und wegen des Folgens meinen wir (3.Sg.Med./1.Pl.Med.)
adhiṣṭhātṛtvād aṇutvāc ceta iti ataś ca bhavaty eva
wegen des Beherrschens und der Winzigkeit [besteht] Bewusstsein, und daher entsteht wahrhaftig (Abl./3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Passage ist stark verderbt (cetaskāṅkṣiṇāṃ ceto hi pañcaviṃśakam; ayutaprakṛtisahadharmā); Wiedergabe nur tastend, daher [?].
doṣa iti | yathā hi kaś cid dīrgham adhvānaṃ gacchati saṅgavān | asaṅgasyāgamavato; gamane na prayojanaṃ bhavati | atha gacchati so 'pi saṅgī; bhavati | matsyaś codakaṃ sahadharmiṇāv eva | evaṃ bhagavadvacanāt; prakṛtipuruṣau | yady udakaṃ pravartamānaṃ matsyo 'nupravartate nanu saṅgavān; sanatkumāra uvāca; bhavati asaṅgī matsyas tasya kiṃ saṅgavṛttyānuvartanena |; devarṣe tatrāsaṅgaṃ varṇayanti puruṣasya | na bhagavatā vyaktena; saṅgo 'sti nirguṇasya guṇinā | tatra ślokān udāharanti budhāḥ |; tān upadhārayasvaikārthe paryāyavacanaṃ kṛtvā |; adhiṣṭhā puruṣo nityaṃ prakṛtyā na ca ātmanaḥ; tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate; cetanā puruṣo nityaṃ kālasya na ca ātmanaḥ
ein Fehler. Wie nämlich jemand einen langen Weg geht, anhaftend; für den, der nicht anhaftet, der gekommen ist, besteht beim Gehen kein Zweck; dann geht auch er und wird anhaftend. Und der Fisch und das Wasser sind Gefährten. So [ist] nach dem Wort des Erhabenen [das Verhältnis] Urnatur und Puruṣa. Wenn der Fisch dem fließenden Wasser nachfließt, ist er dann nicht anhaftend?“ Sanatkumāra sprach: „Der Fisch wird nicht anhaftend; was hat er vom Nachfolgen aus Anhaftung? O Götterseher, man beschreibt dort die Anhaftungslosigkeit des Puruṣa; bei dem Manifesten, dem Eigenschaftslosen, besteht keine Verbindung mit dem Eigenschaftsträger. Hierzu führen die Weisen Verse an; erwäge sie, mit demselben Sinn in synonymen Worten. Der Puruṣa steht stets über der Urnatur, nicht über sich selbst; ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung. Der Puruṣa ist stets das Bewusstsein der Zeit, nicht des Selbst
Wort für Wort
doṣa iti yathā hi kaś cid dīrgham adhvānaṃ gacchati saṅgavān
ein Fehler; wie jemand einen langen Weg geht, anhaftend (Nom./3.Sg.Präs.)
asaṅgasyāgamavato gamane na prayojanaṃ bhavati
für den Nichtanhaftenden, der gekommen ist, besteht beim Gehen kein Zweck (Gen./Lok.)
atha gacchati so 'pi saṅgī bhavati
geht er dann, wird auch er anhaftend (3.Sg.Präs.)
matsyaś codakaṃ sahadharmiṇāv eva
und der Fisch und das Wasser sind Gefährten (Nom.Du.)
evaṃ bhagavadvacanāt prakṛtipuruṣau
so nach dem Wort des Erhabenen Urnatur und Puruṣa (Abl./Nom.Du.)
Sanatkumāra sprach: der Fisch wird nicht anhaftend; was hat er von einem Nachfolgen aus Anhaftung (Nom./Instr.)
devarṣe tatrāsaṅgaṃ varṇayanti puruṣasya
Götterseher, dort beschreibt man die Anhaftungslosigkeit des Puruṣa (Vok./3.Pl.Präs.)
na bhagavatā vyaktena saṅgo 'sti nirguṇasya guṇinā
nicht besteht Verbindung des Eigenschaftslosen mit dem manifesten Erhabenen, dem Eigenschaftsträger (Instr./Gen.)
tatra ślokān udāharanti budhāḥ tān upadhārayasvaikārthe paryāyavacanaṃ kṛtvā
dort führen die Weisen Verse an; erwäge sie, mit gleichem Sinn in synonymen Worten (Imp.)
adhiṣṭhā puruṣo nityaṃ prakṛtyā na ca ātmanaḥ tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate
der Puruṣa ist stets Aufseher der Urnatur, nicht seiner selbst; ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung (Gen./Abl.)
cetanā puruṣo nityaṃ kālasya na ca ātmanaḥ
der Puruṣa ist stets Bewusstsein der Zeit, nicht des Selbst (Nom./Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚adhiṣṭhā‘ wohl für adhiṣṭhātā (‚Aufseher‘), in der Übersetzung als ‚steht über‘ wiedergegeben; ‚paryāyavacanaṃ kṛtvā‘ unsicher.
tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate; draṣṭā hi puruṣo nityaṃ manaso na ca ātmanaḥ; tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate; boddhā hi puruṣo nityaṃ vedasya na ca ātmanaḥ; tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate; jñātā hi puruṣo nityaṃ kṣetrasya na ca ātmanaḥ; tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate; kartā hi puruṣo nityaṃ parasya na ca ātmanaḥ; tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate; devarṣe tatrāsaṅgam anuvarṇayanti puruṣasya | śucir hi bhagavān; kṣetrajño 'śucinīṃ prakṛtim udāharanti | saṅgī hi saṅgavān saṅgī; cāsaṅga iti yo 'saṅgo hy ātmānaṃ saṅginam anupaśyati sa; khalv ajñānīty ucyate budhair iha |; etasyāvidyāgrastasya udbhavākṣepaśatasahasrakoṭiśo 'pyayamānasyāvyaktasāgare
ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung. Der Puruṣa ist stets der Seher des Geistes, nicht des Selbst; ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung. Der Puruṣa ist stets der Erkenner des Veda, nicht des Selbst; ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung. Der Puruṣa ist stets der Kenner des Feldes, nicht des Selbst; ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung. Der Puruṣa ist stets der Täter des Anderen, nicht des Selbst; ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung. O Götterseher, dort erklärt man die Anhaftungslosigkeit des Puruṣa. Rein ist der Erhabene, den Feldkenner nennt man ihn; die unreine Urnatur führt man an. Der Anhaftende ist anhaftend, und anhaftend ist [er, obwohl] anhaftungslos: wer, selbst anhaftungslos, sich selbst als anhaftend ansieht, der wird von den Weisen hier wahrlich ‚unwissend‘ genannt. Für diesen, von Unwissenheit gepackt, wird, indem er hunderttausend Millionen Male aus- und einschwingt im Meer des Unmanifesten,
Wort für Wort
tasyābhimāno bhavati tasmād āsaṅga ucyate
ihm gilt die Ichbehauptung, darum heißt es Anhaftung (Nom./3.Sg.Pass.)
draṣṭā hi puruṣo nityaṃ manaso na ca ātmanaḥ
der Puruṣa ist stets Seher des Geistes, nicht des Selbst (Nom./Gen.)
boddhā hi puruṣo nityaṃ vedasya na ca ātmanaḥ
stets Erkenner des Veda, nicht des Selbst (Nom./Gen.)
jñātā hi puruṣo nityaṃ kṣetrasya na ca ātmanaḥ
stets Kenner des Feldes, nicht des Selbst (Nom./Gen.)
kartā hi puruṣo nityaṃ parasya na ca ātmanaḥ
stets Täter des Anderen, nicht des Selbst (Nom./Gen.)
devarṣe tatrāsaṅgam anuvarṇayanti puruṣasya
Götterseher, dort erklärt man die Anhaftungslosigkeit des Puruṣa (3.Pl.Präs.)
śucir hi bhagavān kṣetrajño 'śucinīṃ prakṛtim udāharanti
rein ist der Erhabene, Feldkenner; die unreine Urnatur führt man an (Nom./Akk.) [?]
saṅgī hi saṅgavān saṅgī cāsaṅga iti
der Anhaftende ist anhaftend, und anhaftend [obwohl] ‚anhaftungslos‘ (Nom.) [?]
yo 'saṅgo hy ātmānaṃ saṅginam anupaśyati sa khalv ajñānīty ucyate budhair iha
wer, anhaftungslos, sich als anhaftend ansieht, der wird von den Weisen hier ‚unwissend‘ genannt (Nom./Instr.Pl.)
für diesen, von Nichtwissen gepackten, der hunderttausend Millionen Male aufsteigt und fällt, im Meer des Unmanifesten (Gen./Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Text ist zum Teil verderbt (śucir hi bhagavān kṣetrajño 'śucinīṃ prakṛtim udāharanti; saṅgī hi saṅgavān saṅgī cāsaṅga iti); Satz läuft in der nächsten Einheit weiter.
sumahān duḥkhayogo bhavati | yathā ca samudraṃ prayātasya; kṛtaprāyaścittasya arthatarṣiṇo vaṇiksaṃghasya yānapātrārṇavodaragataś; caṇḍavāyunā bhidyamāna itas tataś ca vimalābhir ūrmibhir; bhidyamāno hāhābhūto jano vyāpadyet | śataśaś cāprāptamanorathāḥ; plavān gṛhītvā | plavāś conmajjanti nimajjanti cānyonyam; avalambamānāḥ | evam ajñānī puruṣa unmajjati nimajjati ca | yathā; tatronmajjaṃś ca nimajjaṃś ca kaś cit pāram āsādayati sa muktas tatas tasyāpado; mṛtyumukhāt |; nārada uvāca; bhagavann acchedyābhedyādāhyātarkyānantyākalpyānādimadhyā yadā; prakṛtis tadvat puruṣo 'py ebhir eva guṇair yutaḥ | tat katham anityāṃ prakṛtim; udāharanti nityaṃ puruṣam iti |
entsteht ein sehr großes Leidensverhängnis. Und wie bei einer Kaufmannsgesellschaft, die aufs Meer hinausgefahren ist, nach vollzogener Sühne, nach Gewinn dürstend, im Bauch eines Schiffes im Ozean, von einem wilden Sturm zerbrochen, hierhin und dorthin von reinen Wellen zerschlagen, die Leute zu Jammerrufern werden und zugrunde gehen könnten; und hundertfach, mit unerfüllten Wünschen, ergreifen sie Flöße; und die Flöße tauchen auf und tauchen unter, während sie sich aneinander klammern: so taucht der unwissende Puruṣa auf und unter. Wenn dort einer, aufgetaucht und untergetaucht, das andere Ufer erreicht, ist er befreit, dann aus jener Not, aus dem Rachen des Todes. Nārada sprach: „Erhabener, wenn die Urnatur unzerschneidbar, unspaltbar, unverbrennbar, unerdenkbar, unendlich, unvorstellbar, ohne Anfang und Mitte ist, ebenso ist der Puruṣa, mit diesen selben Eigenschaften verbunden. Wie also nennt man die Urnatur unbeständig, den Puruṣa beständig?“
Wort für Wort
sumahān duḥkhayogo bhavati
ein sehr großes Leidensverhängnis entsteht (Nom./3.Sg.Präs.)
yathā ca samudraṃ prayātasya kṛtaprāyaścittasya arthatarṣiṇo vaṇiksaṃghasya
und wie bei einer Kaufmannsgesellschaft, die aufs Meer zog, nach vollzogener Sühne, gewinnsüchtig (Gen.)
yānapātrārṇavodaragataś caṇḍavāyunā bhidyamāna itas tataś ca
im Inneren eines Schiffs im Ozean, vom wilden Sturm zerbrochen, hierhin und dorthin (Nom./Instr.)
Nārada sprach: Erhabener, wenn die Urnatur unzerschneidbar, unspaltbar, unverbrennbar, unerdenkbar, unendlich, unvorstellbar, ohne Anfang und Mitte ist (Vok./Nom.f.)
tadvat puruṣo 'py ebhir eva guṇair yutaḥ
ebenso ist auch der Puruṣa mit eben diesen Eigenschaften verbunden (Part.Pass.)
tat katham anityāṃ prakṛtim udāharanti nityaṃ puruṣam iti
wie also nennt man die Urnatur unbeständig, den Puruṣa beständig (3.Pl.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚vimalābhir ūrmibhir‘ (mit klaren Wellen) unsicher; kṛtaprāyaścittasya wörtlich ‚nach vollzogener Sühne‘.
sanatkumāra uvāca; devarṣe samyag abhihitaṃ bhavatā | acchedyābhedyādāhyātarkyānantyākalpyānādimadhyā; prakṛtir hi puruṣaś ca | kartṛtvād guṇānām; anityāṃ prakṛtim udāharanti akartṛtvān nityaḥ puruṣaḥ | yadi prakṛtir; guṇān kuryād veda cātmānaṃ puruṣaś ca | nityānityabhāve vītarāgatve; cāsya nirdvaṃdvatā ca | yadā tv ayam eva syān nānyad asti mama param ity abhimanyamāno; nityatvatām eti | tatra ślokān udāharanti |; ubhāv amūrtī hy ajarāv ubhāv eva mahātmabhiḥ; viditau viṣayī caiva viṣayaś ca mahāmune; puruṣo viṣayī nityaṃ prakṛtir viṣayaḥ smṛtaḥ; vyākhyātau śāstravidbhir hi maśakodumbarau yathā; prakṛtir na vijānāti bhujyamānam acetanam; puruṣaś cāpi jānāti bhuṅkte yaś ca sa bhujyate
Sanatkumāra sprach: „Götterseher, du hast es richtig gesagt: Die Urnatur ist unzerschneidbar, unspaltbar, unverbrennbar, unerdenkbar, unendlich, unvorstellbar, ohne Anfang und Mitte, und auch der Puruṣa. Wegen der Tätigkeit der Eigenschaften nennt man die Urnatur unbeständig; wegen der Nichttätigkeit [ist] der Puruṣa beständig. Wenn die Urnatur die Eigenschaften bewirkte und auch der Puruṣa das Selbst erkennte, so wäre [ihm] im Zustand von Beständig-Unbeständig und Leidenschaftslosigkeit Freiheit von Gegensatzpaaren. Wenn er aber meinend, ‚nur dies ist, es gibt kein anderes Höheres für mich‘, Beständigkeit erreicht, [dann.] Dort führt man Verse an: Beide sind gestaltlos, beide alterslos; von den Hochbeseelten sind beide erkannt, der Genießende und das Objekt, großer Weiser. Der Puruṣa ist stets der Genießende, die Urnatur gilt als das Objekt; von den Schriftkundigen ist es erklärt wie Mücke und Udumbara-Feige. Die Urnatur erkennt nicht, dass sie genossen wird, geistlos; und der Puruṣa erkennt, wer genießt und wer genossen wird.“
wegen des Tätigseins der Eigenschaften nennt man die Urnatur unbeständig, wegen des Nichttätigseins den Puruṣa beständig (Abl.)
yadi prakṛtir guṇān kuryād veda cātmānaṃ puruṣaś ca
wenn die Urnatur die Eigenschaften bewirkte und der Puruṣa das Selbst erkennte (Opt./3.Sg.Perf.)
nityānityabhāve vītarāgatve cāsya nirdvaṃdvatā ca
im Zustand von Beständig-Unbeständig und in der Leidenschaftslosigkeit ist ihm Freiheit von Gegensatzpaaren (Lok./Nom.)
yadā tv ayam eva syān nānyad asti mama param ity abhimanyamāno nityatvatām eti
wenn er aber meinend, ‚nur ich bin, nichts Höheres gibt es für mich‘, Beständigkeit erreicht (Part.Med./3.Sg.)
ubhāv amūrtī hy ajarāv ubhāv eva mahātmabhiḥ viditau
beide sind gestaltlos, alterslos, beide von den Hochbeseelten erkannt (Nom.Du./Instr.Pl.)
viṣayī caiva viṣayaś ca mahāmune
Genießer und Objekt, großer Weiser (Nom.Sg./Vok.)
puruṣo viṣayī nityaṃ prakṛtir viṣayaḥ smṛtaḥ
der Puruṣa ist stets der Genießer, die Urnatur gilt als das Objekt (Part.Pass.)
vyākhyātau śāstravidbhir hi maśakodumbarau yathā
erklärt von den Schriftkundigen wie Mücke und Udumbara-Feige (Part.Pass./Instr.Pl.)
prakṛtir na vijānāti bhujyamānam acetanam
die Urnatur erkennt nicht, genossen werdend, geistlos (Part.Pass.)
puruṣaś cāpi jānāti bhuṅkte yaś ca sa bhujyate
und der Puruṣa erkennt, wer genießt und wer genossen wird (3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text um ‚yadi prakṛtir guṇān kuryād … nirdvaṃdvatā ca‘ und der Schluss tatra … eti ist syntaktisch sehr knapp; sinngemäß ergänzt ([dann.]).
Mahat und die übrigen Eigenschaften sind das zu Genießende, der Genießende aber die Urnatur, o Brahmane [?]; so meinen die Unterscheidungskundigen, und dessen Herrn als Genießer. Herrschaft besteht, weil die Urnatur herrscht, o Bester der Brahmanen; wegen des Nichtherrschens sagt man dem Puruṣa Nichtherrschaft nach. Wegen des Allwaltens, großer Weiser, [gilt] dem Puruṣa Allmacht; wegen des Bestehens von Gegensatzpaaren ist die dreieigenschaftige Urnatur unbeständig. Ohne Gegensatzpaare, ohne Eigenschaften, beständig: so bezeichnet man hier den Puruṣa. Wegen der Verbindung mit Tun und Werkzeug ist die Urnatur unbeständig, o Brahmane; ohne Tun und Werkzeug wird der Puruṣa beständig genannt. So halten die Asketen es für richtig, den Puruṣa preisend. Sattva, Feld, das Höchste, Höhlen-Unvergängliches, Bewegliches-Wundes-Schaffendes, Nachtwandler, Schatz, Erkenntnis, Erinnerung, Festigkeit: dies sind Synonyme der Urnatur. Andere sind: das Gewordene, das Seiende, das Kommende. „Sattva, Rajas, Tamas“: dreieigenschaftig so sieht man die Urnatur.
Wort für Wort
mahadādayo guṇā bhojyaṃ bhoktā tu prakṛtir dvija
Mahat und die übrigen Eigenschaften sind zu Genießendes, der Genießer aber die Urnatur, Brahmane [?] (Nom.)
manyanty evaṃ vibhāgajñā bhoktāraṃ tasya ceśvaram
so meinen die Unterscheidungskundigen, und dessen Genießer und Herrn (3.Pl.Präs./Akk.)
aiśvaryaṃ bhavatīśatvāt prakṛtyā dvijasattama
Herrschaft besteht durch das Herrschen der Urnatur, Bester der Brahmanen (Instr./Vok.)
anīśatvād anaiśvaryaṃ puruṣasyānucakṣate
wegen des Nichtherrschens nennt man dem Puruṣa Nichtherrschaft (Abl./3.Pl.Med.)
vibhūtitvād vibhutvaṃ hi puruṣasya mahāmune
wegen der Allgegenwart die Allmacht des Puruṣa, großer Weiser (Abl./Vok.)
dvaṃdvabhāvād anityaṃ hi triguṇā prakṛtis tathā
wegen des Bestehens von Gegensatzpaaren ist auch die dreieigenschaftige Urnatur unbeständig (Abl.)
nirdvaṃdvo nirguṇo nityaḥ puruṣo 'trānucakṣate
ohne Gegensatzpaare, ohne Eigenschaften, beständig nennt man hier den Puruṣa (3.Pl.Med.)
kriyākaraṇayogitvād anityā prakṛtir dvija
wegen der Verbindung mit Tun und Werkzeug ist die Urnatur unbeständig (Abl.)
kriyākaraṇahīno hi nityaḥ puruṣa ucyate
ohne Tun und Werkzeug wird der Puruṣa beständig genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
evam anumanyante yatayaḥ stunvānāḥ puruṣam
so stimmen die Asketen zu, den Puruṣa preisend (3.Pl.Med./Part.Med.)
ferner: Gewordenes, Seiendes, Kommendes; ‚Sattva, Rajas, Tamas‘: dies dreieigenschaftige sieht man als Urnatur (3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Synonymliste (sattvaṃ kṣetraṃ paraṃ guhākṣayakaraṃ calavraṇakaraṃ niśicaraṃ …) ist unsicher; guhākṣayakaram/calavraṇakaram wörtlich als ‚Höhlen-Unvergängliches/Bewegliches-Wundes-Schaffendes‘ wiedergegeben.
atha tad avyaktāt param avyayaṃ śivaṃ kṣemamayaṃ śuci vyabhram iti vimalam; amalam acalam ajaram akaram ataram abhavam iti | abhavanam anayanam; agamanaṃ pṛthag iti caitāni puruṣaparyāyanāmāni | atra paśyantu; bhavantaḥ kṣetrajñaṃ vimokṣaṃ viśokaṃ vimoham | vidambhād vilobhād vikārād; viruddhād ānṛśaṃsyād alaulyam aśaraṇam abhayam anavayavaṃ paśyante |; tad yathā maśakodumbarayor vivāsasahavāso 'nya eva svabhāva evam eva; jñānājñānayor vivāsasahavāsaḥ | anyad eva jñānam ajñānam |; kṣetrajñas tyakṣyati prakṛtiṃ na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ tyakṣyati | manyate; prakṛtiṃ kṣetrajño na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ manyate | budhyate prakṛtiṃ; kṣetrajño na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ budhyate | paśyati prakṛtiṃ kṣetrajño
Dann jenes, jenseits des Unmanifesten, das Unvergängliche, Heilvolle, Geborgene, Reine, Wolkenlose, Fleckenlose, Makellose, Unbewegte, Unalternde, Untätige, Unüberquerbare, Nichtwerdende [das sind Namen]: „Nichtwerden, Nichtführen, Nichtgehen, Getrenntsein“, dies sind die Synonyme des Puruṣa. Hierbei sollt ihr den Feldkenner sehen, erlösend, sorglos, wahnlos. Frei von Trug, Gier, Umwandlung, Widerstreit, Grausamkeit, Flatterhaftigkeit, ohne Zuflucht, furchtlos, ohne Teile: so sehen sie ihn. Wie das Getrennt-Wohnen von Mücke und Udumbara-Feige, jedes von eigener Natur, so ist das Getrennt-Wohnen von Wissen und Nichtwissen; Wissen und Nichtwissen sind verschieden. Der Feldkenner wird die Urnatur verlassen, und die Urnatur wird den Feldkenner nicht verlassen [?]. Der Feldkenner denkt die Urnatur, die Urnatur denkt nicht den Feldkenner. Der Feldkenner erkennt die Urnatur, die Urnatur erkennt nicht den Feldkenner. Der Feldkenner sieht die Urnatur,
Wort für Wort
atha tad avyaktāt param avyayaṃ śivaṃ kṣemamayaṃ śuci
dann jenes, jenseits des Unmanifesten, unvergänglich, heilvoll, geborgen, rein (Nom./Akk.n.)
von Trug, Gier, Umwandlung, Widerstreit [frei], mit Nichtgrausamkeit, Nichtflatterhaftigkeit, ohne Zuflucht, furchtlos, ohne Teile sehen sie [ihn] (Abl./3.Pl.Med.) [?]
tad yathā maśakodumbarayor vivāsasahavāso 'nya eva svabhāva
wie das Getrennt-Wohnen von Mücke und Udumbara-Feige, verschieden ist die Eigennatur (Gen.Du./Nom.)
evam eva jñānājñānayor vivāsasahavāsaḥ anyad eva jñānam ajñānam
ebenso das Getrennt-Wohnen von Wissen und Nichtwissen; verschieden sind Wissen und Nichtwissen (Gen.Du.)
kṣetrajñas tyakṣyati prakṛtiṃ na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ tyakṣyati
der Feldkenner wird die Urnatur verlassen, und die Urnatur wird nicht den Feldkenner verlassen (3.Sg.Fut.) [?]
manyate prakṛtiṃ kṣetrajño na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ manyate
der Feldkenner denkt die Urnatur, die Urnatur nicht den Feldkenner (3.Sg.Med.)
budhyate prakṛtiṃ kṣetrajño na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ budhyate
der Feldkenner erkennt die Urnatur, die Urnatur nicht den Feldkenner (3.Sg.Med.)
paśyati prakṛtiṃ kṣetrajño
der Feldkenner sieht die Urnatur (3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Liste der Epitheta (vyabhram … abhavam) ist knapp; ‚tyakṣyati … na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ tyakṣyati‘ wörtlich; vidambhād vilobhād … unsicher.
na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ paśyati | etad vivāsasahavāsam ity etan nānātvadarśanaṃ; paśyanti devarṣe | jñātāraṃ tad asaṅgam anupaśyatu; bhavān puruṣe | atra ślokam udāharanti |; yogāś ca sāṃkhyāś ca vadanti samyaṅ; na pañcaviṃśāt param asti kiṃ cit; athānyathā paśyati tattvam etad; dvayaṃ tu paśyāma guror niyogāt; ity etad yogadarśanam | atra sāṃkhyair gītam | śloko bhavati |; paśyaḥ paśyati paśyantam apaśyantaṃ ca paśyati; apaśyas tāv apaśyatvāt paśyāpaśyau na paśyati; prakṛtiḥ kṣetraṃ kṣetrajñaś cāparaḥ | kṣetrajñaḥ ṣaḍviṃśako 'nupaśyati |; na tat pañcaviṃśaḥ kṣetrajñaḥ prakṛtir vā paraṃ kṣetrajñaṃ paśyati |; devarṣe yan mayā bahubhir janmabhir avāptam idānīm | ye hy evaṃ paśyanti
und die Urnatur sieht den Feldkenner nicht. Dies ist das Getrennt-Wohnen; dieses Sehen der Verschiedenheit sehen sie, Götterseher. Mögest du den Erkennenden, den Anhaftungslosen, im Puruṣa sehen. Hierzu führt man einen Vers an: „Yogins und Sāṃkhyas sagen richtig: Nichts Höheres gibt es als den Fünfundzwanzigsten; wer aber dieses Prinzip anders sieht, [den]: Zwei sehen wir, auf Geheiß des Lehrers.“ Dies ist die Yoga-Sicht. Hierzu ist von den Sāṃkhyas gesungen: es gibt einen Vers: „Der Seher sieht den Sehenden und sieht den Nichtsehenden; der Nichtsehende sieht, weil er nicht sieht, das Sehen und das Nichtsehen nicht.“ Die Urnatur ist das Feld, und der Feldkenner ist ein anderer. Der Feldkenner, der Sechsundzwanzigste, sieht es. Nicht sieht der Fünfundzwanzigste, [weder] der Feldkenner noch die Urnatur, den höchsten Feldkenner. Götterseher, was ich durch viele Geburten jetzt erlangt habe: die, die so sehen,
Wort für Wort
na ca prakṛtiḥ kṣetrajñaṃ paśyati
und die Urnatur sieht den Feldkenner nicht (3.Sg.Präs.)
die Urnatur ist das Feld, und ein anderer der Feldkenner; der Sechsundzwanzigste sieht [es] (Nom./3.Sg.)
na tat pañcaviṃśaḥ kṣetrajñaḥ prakṛtir vā paraṃ kṣetrajñaṃ paśyati
nicht sieht der Fünfundzwanzigste, Feldkenner oder Urnatur, den höchsten Feldkenner (3.Sg.Präs.)
devarṣe yan mayā bahubhir janmabhir avāptam idānīm ye hy evaṃ paśyanti
Götterseher, was von mir durch viele Geburten jetzt erlangt ist; die, die so sehen (Part.Pass./Instr.Pl./3.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers athānyathā paśyati tattvam etad; dvayaṃ tu paśyāma guror niyogāt ist im Text knapp und mit unklarem Bezug; ‚paśyaḥ‘ = ‚der Seher‘, das Vers-Rätsel ist wörtlich wiedergegeben.
für die gibt es hier und im Jenseits Heil, ohne Zweifel. Ein höchstes Glück sage ich, und [gutes] nächstes Leben; einen anderen [Weg] als den Tod kenne ich nicht. „Lass ab vom Streit des Verstandes! Diene dem Allerreinsten, ohne Ich-Bezug: Der von vielen Feinden umlagerte Leib, aus Urnatur, ist unbeständig; wenn du den Leib allein besiegst, sind dir dann nicht alle Feinde besiegt? Zum von Munis und Sehern verkündeten Höchsten, dem Allerreinsten, sind sie, es verehrend, gelangt.“ Dies ist von mir den Herangetretenen gelehrt worden, o Götterseher: dem Hiraṇyanābha, dem großen Asura; dem Śiva; dem Namuci, dem Nārada, dem Prahrāda, dem Vṛtra, dem Virocana, dem Bali, dem Marīci, dem Pulastya und Pulaha; ebenso dem Bhṛgu und Aṅgiras, dem Atri, Vasiṣṭha und Kāśyapa, dem Śukra, Indra und Bṛhaspati und dem besten der Aṅgirasas. Ebenso dem Viśvāvasu von mir gesagt, und den Gandharvas und Apsaras. Dieses Brahman ist überall
Wort für Wort
śivaṃ hi teṣām ihaiva cāmutra saṃśayo nāsti
denn für sie [gibt es] Heil hier und im Jenseits, kein Zweifel (Nom.)
sukhaṃ paraṃ janma cāhaṃ bravīmi
ein höchstes Glück und [ein gutes] Leben sage ich (1.Sg.Präs.)
na tv itaraṃ mṛtyuṃ vivedāham
einen anderen Tod kenne ich aber nicht (1.Sg.Perf.) [?]
prativirama sa buddhivigrahāt paramaśucis tvam upāsa nirmamaḥ
lass ab vom Streit des Verstandes; diene dem Allerreinsten, du, ohne Mein (Imp.)
bahubhir aribhir etad āvṛtaṃ prakṛtimayaṃ hi śarīram adhruvam
von vielen Feinden umlagert ist dieser aus Urnatur bestehende Leib, unbeständig (Instr.Pl./Part.Pass.)
dem Bali, Marīci, Pulastya und Pulaha, ebenso Bhṛgu und Aṅgiras, Atri, Vasiṣṭha, Kāśyapa (Gen.)
śukrasya cendrasya bṛhaspateś cāṅgirasottamāya
dem Śukra und Indra, dem Bṛhaspati und dem besten der Aṅgirasas (Gen./Dat.)
tathaiva viśvāvasave mayoktaṃ gandharvāpsarobhiś ca etad brahma sarvatra
ebenso dem Viśvāvasu von mir gesagt und den Gandharvas und Apsaras; dieses Brahman ist überall (Dat./Part.Pass./Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers prativirama sa buddhivigrahāt … ist metrisch kunstvoll (Puṣpitāgrā/Aupacchandasika), textlich unsicher; ‚na tv itaraṃ mṛtyuṃ vivedāham‘ wörtlich, Sinn unklar.
samaṃ draṣṭavyam | brahmaṇi cendre śuni kīṭe pataṃgadaṃśamaśakeṣu samyag; anudarśanāc ca paśyāmaḥ | sarvasya mokṣadharmo vidyate | etat padam; anudvignaṃ janmamṛtyutamonudam upaśāntaṃ samuttīrṇam avasthitam; bhīṣma uvāca; apajvaram |; etac chrutvā muniśreṣṭho nāradaḥ sa mahāmuniḥ; parayā ca mudā yuktaḥ praṇamya śirasā gurum; pradakṣiṇaṃ ca taṃ kṛtvā jagāma bhavanaṃ svakam; bhagavān api tatraiva sadyas tv antaradhīyata
gleich zu sehen. Im Brahmanen, im Indra, im Hund, im Wurm, in Käfern, Bremsen und Mücken sehen wir es richtig, wegen des Nachschauens; für alle besteht der Erlösungsweg [mokṣadharma]. Dies ist der unerschrockene Stand, der Geburt und Tod als Finsternis vertreibt, beruhigt, überschritten, feststehend, fieberfrei. Bhīṣma sprach: Als er dies gehört hatte, war Nārada, der beste der Weisen, der große Weise, von höchster Freude erfüllt; er verneigte sich mit dem Haupt vor dem Lehrer, umschritt ihn mit der Rechten und ging in seine eigene Wohnung. Und der Erhabene verschwand ebendort sogleich.
Wort für Wort
samaṃ draṣṭavyam
gleich zu sehen (Gerundiv/Adv.)
brahmaṇi cendre śuni kīṭe pataṃgadaṃśamaśakeṣu samyag anudarśanāc ca paśyāmaḥ
im Brahmanen, Indra, Hund, Wurm, in Käfern, Bremsen, Mücken sehen wir es richtig, wegen des Nachschauens (Lok./Abl./1.Pl.)
sarvasya mokṣadharmo vidyate
für alle besteht der Erlösungsweg (Gen./3.Sg.Pass.)
dies ist die unerschrockene Stätte, Geburt und Tod als Finsternis vertreibend, beruhigt, überschritten, feststehend, fieberfrei (Nom.n.)
bhīṣma uvāca etac chrutvā muniśreṣṭho nāradaḥ sa mahāmuniḥ
Bhīṣma sprach: dies gehört habend, war Nārada, der beste der Weisen, der große Weise (Abs./Nom.)
parayā ca mudā yuktaḥ praṇamya śirasā gurum
von höchster Freude erfüllt, dem Lehrer mit dem Haupt gehuldigt (Part.Pass./Abs.)
pradakṣiṇaṃ ca taṃ kṛtvā jagāma bhavanaṃ svakam
und ihn rechts umschritten, ging er zu seiner eigenen Wohnung (Abs./Perf.)
bhagavān api tatraiva sadyas tv antaradhīyata
und der Erhabene verschwand ebendort sogleich (Impf.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz ‚etat padam … apajvaram‘ wird durch die Sprecherangabe unterbrochen und ist erst mit apajvaram vollständig; ich habe zusammengefügt.
bhīṣma uvāca; saṃyamanaḥ kāśipatir avimuktagataṃ muniṃ papraccha jñānavijñānaṃ; saṃyamana uvāca; kapilād āgatāgamam |; ko viśvaṃ sṛjate sarvam idaṃ saṃharate ca kaḥ; kaś ca viśvam adhiṣṭhāya tiṣṭhaty agnivad dāruṣu; kaś ca viśvam aviśvaṃ ca nityam evānupaśyati; kau ca tau muniśārdūla namasye tāv ubhāv api; kati tattvāni viśvātmā bhagavān havyakavyabhuk; kiṃ ca havyaṃ ca kavyaṃ ca paṭhyate śāstradarśanāt; kaś ca sattvāt samutpannas tasmāt tattvād viśāradaḥ; kaś ca tattvādir ity uktas tathā prāṇādir eva ca; bhūtādiś ca muniśreṣṭha vikārādis tathaiva ca; kasmād ādadate caiva visṛjya ca punaḥ punaḥ; adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca
Bhīṣma sprach: Saṃyamana, der Herr von Kāśi, fragte den in Avimukta weilenden Weisen, der das Wissen und Erkennen von Kapila her überkommen hatte. Saṃyamana sprach: „Wer erschafft dieses ganze All, und wer zieht es ein? Wer steht, das All beherrschend, wie Feuer in Hölzern? Und wer sieht stets das All und das Nicht-All? Und wer sind jene beiden, Tiger unter den Weisen? Ich verneige mich vor beiden. Wie viele Prinzipien gibt es? Der Erhabene, die Weltseele, der Opfer- und Totenspeisen-Verzehrer? Und was sind Opfergabe und Totenspeise, wie in der Lehre gelesen? Wer ist aus dem Sattva entstanden, aus dem Prinzip her kundig? Und wer heißt ‚Anfang der Prinzipien‘, und ebenso ‚Anfang der Lebenshauche‘, ‚Anfang der Wesen‘, bester der Weisen, und ‚Anfang der Umwandlungen‘? Warum nehmen sie [wieder] auf und lassen wieder los, immer wieder? Das Selbst-, Element- und Götterbezogene,
Bhīṣma sprach: Saṃyamana, Herr von Kāśi, fragte den nach Avimukta gegangenen Weisen nach Wissen und Erkennen (3.Sg.Perf.)
saṃyamana uvāca kapilād āgatāgamam
Saṃyamana sprach: [den Kundigen], dem von Kapila her die Überlieferung kam (Abl./Akk.)
ko viśvaṃ sṛjate sarvam idaṃ saṃharate ca kaḥ
wer erschafft dieses ganze All, und wer zieht es ein (3.Sg.Präs.)
kaś ca viśvam adhiṣṭhāya tiṣṭhaty agnivad dāruṣu
und wer steht, das All beherrschend, wie Feuer in Hölzern (Abs./Lok.Pl.)
kaś ca viśvam aviśvaṃ ca nityam evānupaśyati
und wer sieht stets das All und das Nicht-All (3.Sg.Präs.)
kau ca tau muniśārdūla namasye tāv ubhāv api
und wer sind jene beiden, Tiger unter den Weisen; ich verehre beide (Nom.Du./1.Sg.)
kati tattvāni viśvātmā bhagavān havyakavyabhuk
wie viele Prinzipien; die Weltseele, der Erhabene, der Genießer von Opfergabe und Totenspeise (Nom.)
kiṃ ca havyaṃ ca kavyaṃ ca paṭhyate śāstradarśanāt
und was ist Opfergabe und Totenspeise, wie es nach der Lehrsicht gelesen wird (3.Sg.Pass.)
kaś ca sattvāt samutpannas tasmāt tattvād viśāradaḥ
und wer ist aus dem Sattva entstanden, aus diesem Prinzip kundig (Abl.)
kaś ca tattvādir ity uktas tathā prāṇādir eva ca
und wer heißt ‚Anfang der Prinzipien‘, ebenso ‚Anfang der Lebenshauche‘ (Part.Pass.)
bhūtādiś ca muniśreṣṭha vikārādis tathaiva ca
und ‚Anfang der Wesen‘, bester der Weisen, ebenso ‚Anfang der Umwandlungen‘ (Nom./Vok.)
kasmād ādadate caiva visṛjya ca punaḥ punaḥ
warum nehmen sie auf und lassen sie los, immer wieder (3.Pl.Med./Abs.)
adhyātmam adhibhūtaṃ ca adhidaivaṃ tathaiva ca
das Selbstbezogene, Elementbezogene und Götterbezogene (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Das Kapitel läuft nach dem Vers ‚papraccha jñānavijñānaṃ; saṃyamana uvāca kapilād āgatāgamam‘ mit vertauschter Sprecherangabe; hier zurechtgerückt.
vimokṣaś cāsya bhagavan yo 'yaṃ deheṣu vartate; savijñānaṃ sadaśakaṃ tathopaniṣadaṃ mune; vartate tvayi kārtsnyena yogaśāstraṃ tathaiva ca; purāṇaṃ ca muniśreṣṭha yathābuddhi sanātanam; sāṅgopāṅgāś ca catvāro vedās tiṣṭhanti vedavit; sarvasya cāsya jñānasya granthataś cārthataś ca te; viditaṃ veditavyaṃ hi pāṇāv āmalakaṃ yathā; parāvarajño bhagavān ity evam anuśuśruma; tena tvām anupṛcchāmi sarvabhūtahite ratam; parokṣam etad asmākaṃ tava pratyakṣam eva ca; manyāma manasā deva yatīnāṃ yatisattama; tad anugrahadharmeṇa akṣayeṇāvyayena ca; śāśvatenāprameyena acalenāmṛtena ca; janmamṛtyuvimuktena yoktum arhasi mānagha; sarvathā tena dehena asadgranthena me mune
und die Erlösung dessen, o Erhabener, der in den Körpern weilt; samt Erkenntnis, samt den Zehn, ebenso die Upaniṣad-Lehre, o Weiser: sie ruht ganz in dir, und das Yoga-Lehrbuch ebenso, und das Purāṇa, bester der Weisen, nach [deinem] Verstand, das ewige; und die vier Veden samt Gliedern und Nebengliedern bestehen [in dir], Veda-Kundiger. Von diesem ganzen Wissen ist dir, dem Text und dem Sinn nach, alles Wissenswerte bekannt wie eine Amalaka in der Hand. „Der Erhabene kennt das Höhere und Niedere“: so haben wir gehört. Darum frage ich dich, der du am Wohl aller Wesen Freude hast. Dies ist für uns verborgen, für dich aber offenkundig. Wir denken es mit dem Geist, o Gott, die Asketen, Bester der Asketen. Mit deiner Gnade als Gesetz, mit dem Unvergänglichen und Unwandelbaren, dem Ewigen und Unermesslichen, dem Unbewegten und Unsterblichen, dem von Geburt und Tod Befreiten, sollst du [mich] verbinden, Makelloser. Auf jede Weise, o Weiser, [bin ich] mit diesem Körper, mit dem nichtigen Lehrgebäude,
Wort für Wort
vimokṣaś cāsya bhagavan yo 'yaṃ deheṣu vartate
und die Erlösung dessen, Erhabener, der in den Körpern weilt (Nom./3.Sg.Med.)
savijñānaṃ sadaśakaṃ tathopaniṣadaṃ mune
samt Erkenntnis, samt den Zehn [?], ebenso die Upaniṣad-Lehre, Weiser (Akk./Vok.)
vartate tvayi kārtsnyena yogaśāstraṃ tathaiva ca
besteht ganz in dir, und ebenso das Yoga-Lehrbuch (3.Sg.Med./Lok.)
purāṇaṃ ca muniśreṣṭha yathābuddhi sanātanam
und das Purāṇa, bester der Weisen, nach Verstand, das ewige (Nom./Vok.)
sāṅgopāṅgāś ca catvāro vedās tiṣṭhanti vedavit
und die vier Veden samt Gliedern und Nebengliedern bestehen, Veda-Kundiger (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
sarvasya cāsya jñānasya granthataś cārthataś ca te viditaṃ veditavyaṃ hi pāṇāv āmalakaṃ yathā
von diesem ganzen Wissen ist dir dem Text und dem Sinn nach das Wissenswerte bekannt wie die Amalaka in der Hand (Gen./Part.Pass.)
parāvarajño bhagavān ity evam anuśuśruma
‚der Erhabene kennt Höheres und Niederes‘: so haben wir gehört (Nom./1.Pl.Perf.)
tena tvām anupṛcchāmi sarvabhūtahite ratam
darum frage ich dich, den am Wohl aller Wesen Erfreuten (1.Sg.Präs./Akk.)
parokṣam etad asmākaṃ tava pratyakṣam eva ca
dies ist für uns verborgen, für dich aber offenkundig (Nom.n./Gen.)
manyāma manasā deva yatīnāṃ yatisattama
wir denken mit dem Geist, o Gott, [wir] Asketen, Bester der Asketen (1.Pl.Opt.Med./Vok.)
tad anugrahadharmeṇa akṣayeṇāvyayena ca śāśvatenāprameyena acalenāmṛtena ca
durch dein Gnadengesetz, durch das Unvergängliche, Unwandelbare, Ewige, Unermessliche, Unbewegte, Unsterbliche (Instr.)
janmamṛtyuvimuktena yoktum arhasi mānagha
mit dem von Geburt und Tod Befreiten sollst du [mich] verbinden, Makelloser (Instr./Inf.)
sarvathā tena dehena asadgranthena me mune
auf jede Weise, mit diesem Körper, dem nichtigen Gefüge, [bin ich] mir, Weiser (Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚savijñānaṃ sadaśakaṃ‘ (samt Erkenntnis, samt den Zehn) unsicher; ‚yathābuddhi‘ = ‚nach Verstand‘; satzübergreifend, Ende in der nächsten Einheit.
bin ich, Erhabener, stets gebunden: aus diesem Grund bin ich gekommen. Das Reich Kāśi verlassend, [suche ich] den Erhabenen, Bezwinger der Feinde. Dies möchte ich der Wahrheit gemäß hören, in Wirklichkeit, mir, dem Verneigten, dem Schüler, o Erhabener, der du unermessliche Einsicht hast. Du sollst mir zum Frieden diese Sache sagen, o großer Weiser. Mein Geist strebt an, das Prinzip, das höchste Ziel, zu hören.“ Pañcaśikha sprach: „Das Sündentilgende, Unsterbliche, Beste, das höchste Ziel der Reinigenden [Dinge]: höre es, Tiger unter den Königen, dies alles, ohne Zweifel. Von diesem ganzen Wissen bist du, Herr, ganz Ausübender. Weil sie [in alles] eintreten, nennt man [sie] ‚das All‘ [viśva], o bester in Kāśi, die Welten; und die Welten nennt man eben ‚All‘, König. Weil sie [in die Welten] nicht eintreten, kennt man sie als ‚Nicht-All‘. Von solcher Art ist dieses; und ein Anderes, sagen sie, nach der Lehrsicht: All und Nicht-All, bester der Männer, auf Prinzip-Erkenntnis als höchstes Ziel gerichtet,
Wort für Wort
badhyāmi bhagavan nityam ityartham aham āgataḥ
ich bin gebunden, Erhabener, stets; deshalb bin ich gekommen (1.Sg.Pass./Part.)
kāśirājyaṃ parityajya bhagavantam ariṃdama
das Reich Kāśi verlassend, den Erhabenen, Feindebezwinger (Abs./Akk./Vok.)
tad etac chrotum icchāmi yāthātathyena tattvataḥ
dies will ich hören, gemäß der Wirklichkeit, der Wahrheit nach (Inf./Instr.)
mamānatasya bhagavañ śiṣyasyāmitabuddhimān
mir, dem Verneigten, dem Schüler, o Erhabener von unermesslicher Einsicht (Gen./Vok.)
vaktum arhasi śāntyartham etam arthaṃ mahāmune
du sollst diese Sache zum Frieden sagen, großer Weiser (Inf./Vok.)
mamodvahaty eva manaḥ tattvaṃ śrotuṃ parāyaṇam
mein Geist strebt an, das Prinzip, das höchste Ziel, zu hören (3.Sg.Präs./Inf.)
von solcher Art nennt man es, ein Anderes nach der Lehrsicht: All und Nicht-All, bester der Männer, auf Prinzip-Erkenntnis gerichtet (Nom.Du./Nom.Pl.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Wortspiel viśva von viś ‚eintreten‘; ‚īdṛgbhūtīyam evāhur aparaṃ‘ unsicher.
narāṇāṃ naraśārdūla tattvam etad asaṃśayam; amṛtāś ca trayo 'py ete nityāś ceti vadanti vai; vibhāginaś ca vai nityaṃ vimalāś ceti naḥ śrutiḥ; ajāś cāmūrtayaś caiva aprakampyāvyayāś ca ha; agrāhyāś cāpratarkyāś ca tathāmartyāś ca pārthiva; anādinidhanāś caiva tathāmūrtyāś ca te 'nagha; acchedyāś cāmarāś caiva apradahyatamāś ca vai; nirguṇāś cetanāś caiva paśyāś ceti narādhipa; yathaitad uktam ācāryair evam etad asaṃśayam; santi sarve guṇā hy eṣāṃ trayāṇāṃ nṛpasattama; ahaṃ tattvaṃ pravakṣyāmi yathā cācāryadarśanam; eko 'tra guṇavāṃś caiva tathaivācetanaś ca ha; apaśyaś ca mahārāja pradhāna iti paṭhyate; pratyayaṃ copasarge vai vidhānaṃ mana iṣyate
„dieses Prinzip der Menschen, Tiger unter den Menschen, ohne Zweifel. Und diese drei sind unsterblich und ewig, sagt man; und getrennt und stets makellos: so hörten wir. Ungeboren und gestaltlos, unerschütterlich und unvergänglich, unfassbar und unerdenkbar, ebenso unsterblich [amartya], o Fürst; ohne Anfang und Ende, o Makelloser, und ebenso gestaltlos sind sie; unzerschneidbar, alterslos, unverbrennbar, ohne Eigenschaften, denkend und ‚seiend als Sichtbares‘ [paśya], Herr der Männer. Wie es von den Lehrern gesagt ist, so ist es ohne Zweifel. Alle Eigenschaften gehören diesen dreien, bester der Könige. Ich werde das Prinzip sagen, wie es die Lehrer sahen: Einer davon ist eigenschaftsbehaftet und ebenso nichtdenkend, und nichtsehend, Großkönig; als ‚Pradhāna‘ liest man ihn. Die Erfahrung [pratyaya] und im Nachsatz [upasarga] die Anordnung, der Geist, wird gewünscht;
Wort für Wort
narāṇāṃ naraśārdūla tattvam etad asaṃśayam
der Menschen, Tiger unter den Menschen, dieses Prinzip ohne Zweifel (Gen.Pl./Nom.)
amṛtāś ca trayo 'py ete nityāś ceti vadanti vai
und unsterblich sind diese drei und ewig, sagt man (3.Pl.Präs.)
vibhāginaś ca vai nityaṃ vimalāś ceti naḥ śrutiḥ
und getrennt und stets makellos, so unsere Überlieferung (Nom.Pl.)
ajāś cāmūrtayaś caiva aprakampyāvyayāś ca ha
ungeboren und gestaltlos, unerschütterlich und unvergänglich (Nom.Pl.)
agrāhyāś cāpratarkyāś ca tathāmartyāś ca pārthiva
unfassbar, unerdenkbar, ebenso unsterblich, o Fürst (Nom.Pl./Vok.)
anādinidhanāś caiva tathāmūrtyāś ca te 'nagha
ohne Anfang und Ende und ebenso gestaltlos sind sie, Makelloser (Nom.Pl.)
eigenschaftslos, denkend und ‚Sichtbares‘, Herr der Männer (Nom.Pl.)
yathaitad uktam ācāryair evam etad asaṃśayam
wie dies von den Lehrern gesagt wurde, so ist es ohne Zweifel (Part.Pass./Instr.Pl.)
santi sarve guṇā hy eṣāṃ trayāṇāṃ nṛpasattama
alle Eigenschaften gehören diesen dreien, bester der Könige (3.Pl.Präs./Gen.)
ahaṃ tattvaṃ pravakṣyāmi yathā cācāryadarśanam
ich werde das Prinzip sagen, wie es die Lehrer sahen (1.Sg.Fut.)
eko 'tra guṇavāṃś caiva tathaivācetanaś ca ha
einer davon ist eigenschaftsbehaftet und ebenso nichtdenkend (Nom.)
apaśyaś ca mahārāja pradhāna iti paṭhyate
und nichtsehend, Großkönig; ‚Pradhāna‘ liest man (3.Sg.Pass.)
pratyayaṃ copasarge vai vidhānaṃ mana iṣyate
die Erfahrung und beim Vorsatz die Anordnung, der Geist, wird gewünscht (3.Sg.Pass.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Schluss (pratyayaṃ copasarge vai vidhānaṃ mana iṣyate) ist grammatisch-fachsprachlich und unklar; ‚paśyāḥ‘ = wohl ‚Gegenstand des Sehens‘. Satz läuft weiter.
pradhāna iti nāmāsya etayor dharma ucyate; saṃdhāvatīti rājendra ity evam anuśuśruma; tasya tat saṃpravakṣyāmi nava tāṃś ca nibodha me; prākṛtāny asya catvāri vaikṛtāni tu pañca vai; pūrvam utpadyate 'vyaktād vyakto vyaktādir ucyate; prāṇānām ādim evaitam āhur adhyātmacintakāḥ; mahān iti ca nāmāsya prāhur vedavipaścitaḥ; buddhir ity apare rājan viriñceti tathāpare; etasmāt khalu vairiñcam utpadyati narādhipa; viriñcād rājaśārdūla vairiñcaḥ sarga ucyate; ekaikaśo viriñco vai vairiñcād utpattitaḥ smṛtaḥ; ete sargā mahārāja vidyāvidyeti naḥ śrutiḥ; vairiñcāt pañca bhūtāni vairiñcāni narādhipa; utpadyante mahārāja ahaṃkārād asaṃśayam; pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotiś ca pañcamam
„‚Pradhāna‘ ist sein Name; von diesen beiden wird die Eigenschaft gesagt. ‚Er läuft zusammen‘ [saṃdhāvati], König der Könige: so haben wir gehört. Davon werde ich ihre neun sagen; vernimm sie von mir. Vier sind seine Ursprünglichen [prākṛta], fünf aber die Umgewandelten [vaikṛta]. Zuerst entsteht aus dem Unmanifesten das Manifeste, ‚Anfang des Manifesten‘ genannt; ihn nennen die Über-das-Selbst-Nachdenkenden den Anfang der Lebenshauche. ‚Mahat‘, das ist sein Name, sagen die vedagelehrten Weisen; ‚Buddhi‘ sagen andere, o König, und wieder andere ‚Viriñca‘. Aus diesem entsteht, o Herr der Männer, die Viriñca-Schöpfung; von Viriñca, Tiger unter den Königen, wird die ‚Vairiñca‘-Schöpfung genannt. Einzeln ist Viriñca; aus dem Vairiñca ist das Entstehen gedacht. Diese Schöpfungen, Großkönig, sind Wissen und Nichtwissen: so unsere Überlieferung. Aus dem Vairiñca entstehen fünf Elemente, aus dem Ich-Machen, ohne Zweifel: Erde, Wind, Raum, Wasser und als fünftes Licht.
Wort für Wort
pradhāna iti nāmāsya etayor dharma ucyate
‚Pradhāna‘ ist sein Name; von diesen beiden wird die Eigenschaft gesagt (Nom./3.Sg.Pass.) [?]
saṃdhāvatīti rājendra ity evam anuśuśruma
‚er läuft zusammen‘, König der Könige: so haben wir gehört (3.Sg.Präs./1.Pl.Perf.)
tasya tat saṃpravakṣyāmi nava tāṃś ca nibodha me
dessen sage ich das; und die neun davon vernimm von mir (1.Sg.Fut./Imp.)
prākṛtāny asya catvāri vaikṛtāni tu pañca vai
vier sind seine Ursprünglichen, fünf die Umgewandelten (Nom.Pl.n.)
pūrvam utpadyate 'vyaktād vyakto vyaktādir ucyate
zuerst entsteht aus dem Unmanifesten das Manifeste, ‚Anfang des Manifesten‘ genannt (3.Sg.Pass./Abl.)
prāṇānām ādim evaitam āhur adhyātmacintakāḥ
ihn nennen die Selbstbetrachter den Anfang der Lebenshauche (Gen.Pl./3.Pl.Perf.)
mahān iti ca nāmāsya prāhur vedavipaścitaḥ
‚Mahat‘ ist sein Name, sagen die Vedakundigen (Nom.)
buddhir ity apare rājan viriñceti tathāpare
‚Buddhi‘ sagen andere, König, und andere ‚Viriñca‘ (Nom.Pl./Vok.)
etasmāt khalu vairiñcam utpadyati narādhipa
aus diesem entsteht wahrlich das Vairiñca, Herr der Männer (3.Sg.Präs./Abl.)
viriñcād rājaśārdūla vairiñcaḥ sarga ucyate
von Viriñca, Tiger unter den Königen, heißt die Vairiñca-Schöpfung (Abl.)
ekaikaśo viriñco vai vairiñcād utpattitaḥ smṛtaḥ
einzeln [ist] Viriñca; aus dem Vairiñca gilt das Entstehen (Adv./Abl./Part.Pass.) [?]
ete sargā mahārāja vidyāvidyeti naḥ śrutiḥ
diese Schöpfungen, Großkönig, sind Wissen und Nichtwissen: so unsere Überlieferung (Nom.Pl.)
aus dem Vairiñca entstehen fünf Vairiñca-Elemente, aus dem Ich-Machen, ohne Zweifel (3.Pl.Pass./Abl.)
pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyotiś ca pañcamam
Erde, Wind, Raum, Wasser und als fünftes Licht (Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Etymologie saṃdhāvati (‚läuft zusammen‘) für pradhāna; mit ‚nava‘ wohl die neun Schöpfungen gemeint; etayor dharma ucyate unsicher.
pañca bhūtaviśeṣāś ca yugapat kāśinandana; vairiñco viṣayārthī tu jajñe bhūteṣu pañcasu; mana ity abhidiśyeta vikharād vaikharas tathā; buddhīndriyāṇi rājendra tathā karmendriyāṇy api; caturaḥ prākṛtān sargān yugapat tāta buddhimān; vaikṛtān pañca caivāhur adhyātmakṛtaniścayāḥ; tvaṃ caivānye ca rājendra tattvabuddhiviśāradāḥ; tiryak sargaṃ tathā mukhya ūrdhvo 'rvāksrota eva ca; pañcamo 'nugrahaś caiva navaitān viddhi pārthiva; etad dhi sarganavakaṃ sāṃkhyayoganidarśanam; mayeyam ānupūrvyeṇa tattvasaṃkhyā ca te 'nagha; yaś ca yasmāt samutpannas tataś caivānuvarṇitaḥ; vikārādi manaḥ prāhus trayāṇāṃ pañcakāni vai; bhūtādīnāṃ tu pañcānām āhur vikharam eva tu
„Und die fünf Besonderheiten der Elemente zugleich, o Sohn des Kāśi. Der Vairiñca, nach Sinnesobjekten strebend, wurde in den fünf Elementen geboren. ‚Geist‘ soll man ihn nennen, ‚Vikhara‘ und ‚Vaikhara‘ aus [dem Verkehrten?]; die Erkenntnissinne, o König der Könige, und die Tatorgane. Die vier ursprünglichen Schöpfungen [sah der Kluge] zugleich, mein Lieber; die fünf Umgewandelten nennen die, die das Selbst bestimmt haben. Du und andere, o König der Könige, sind kundig in der Prinzip-Erkenntnis. Die quer [strömende] Schöpfung, dann die Hauptschöpfung, die aufwärts- und die abwärts strömende, und als fünfte die Gnade: diese neun erkenne, o Fürst. Dies ist wahrlich die Neunerschöpfung, die Darlegung von Sāṃkhya und Yoga; von mir ist dir der Reihe nach die Prinzipienzahl erklärt, Makelloser. Und was aus welchem entstanden ist, danach ist es dargelegt. Den Geist nennen sie den Anfang der Umwandlungen; die Fünfergruppen der drei; von den fünf [Elementen] nennen sie den Ursprung der Wesen ‚Vikhara‘;
Wort für Wort
pañca bhūtaviśeṣāś ca yugapat kāśinandana
und die fünf Besonderheiten der Elemente zugleich, o Sohn Kāśis (Nom./Vok.)
vairiñco viṣayārthī tu jajñe bhūteṣu pañcasu
der Vairiñca, nach Objekten strebend, wurde in den fünf Elementen geboren (Nom./3.Sg.Perf.Med./Lok.)
mana ity abhidiśyeta vikharād vaikharas tathā
‚Geist‘ soll man ihn nennen, ‚Vaikhara‘ aus Vikhara [?] (3.Sg.Opt.Pass./Abl.)
buddhīndriyāṇi rājendra tathā karmendriyāṇy api
die Erkenntnissinne, König der Könige, und die Tatorgane (Nom.Pl.)
caturaḥ prākṛtān sargān yugapat tāta buddhimān
die vier ursprünglichen Schöpfungen zugleich, mein Lieber, der Kluge (Akk.Pl.)
vaikṛtān pañca caivāhur adhyātmakṛtaniścayāḥ
und die fünf Umgewandelten nennen die im Selbst Entschlossenen (Akk.Pl./3.Pl.Perf.)
tvaṃ caivānye ca rājendra tattvabuddhiviśāradāḥ
du und andere, König der Könige, in Prinzip-Erkenntnis bewandert (Nom.Pl.)
tiryak sargaṃ tathā mukhya ūrdhvo 'rvāksrota eva ca
die quer [strömende] Schöpfung, die Hauptschöpfung, die aufwärts- und die abwärts strömende (Nom.)
pañcamo 'nugrahaś caiva navaitān viddhi pārthiva
und als fünfte die Gnade; diese neun erkenne, Fürst (Imp./Akk.)
etad dhi sarganavakaṃ sāṃkhyayoganidarśanam
dies ist die Neunerschöpfung, die Darlegung von Sāṃkhya und Yoga (Nom.n.)
mayeyam ānupūrvyeṇa tattvasaṃkhyā ca te 'nagha
von mir ist dir diese Prinzipienzahl der Reihe nach [erklärt], Makelloser (Instr./Nom.f.)
yaś ca yasmāt samutpannas tataś caivānuvarṇitaḥ
und was aus welchem entstanden ist, danach ist es dargelegt (Part.Pass.)
vikārādi manaḥ prāhus trayāṇāṃ pañcakāni vai bhūtādīnāṃ tu pañcānām āhur vikharam eva tu
den Geist nennen sie Anfang der Umwandlungen; die Fünfergruppen der drei; von den fünf Elementen [Anfängen] nennen sie ‚Vikhara‘ (3.Pl.Perf.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). vikharād vaikharas tathā und vikārādi manaḥ prāhus trayāṇāṃ pañcakāni vai sind knapp und unsicher; ‚anugraha‘ (Gnade) als fünfte Schöpfung im Sāṃkhya.
„Von Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna und Vyāna nennen die wahrheitssehenden Brahmanen Viriñca den Anfang der Lebenshauche. Der dreiundzwanzig manifesten Prinzipien, o bester der Könige, Anfang ist das Unmanifeste, sagen sie, gemäß dem Zeugnis der Überlieferung.“ Pañcaśikha sprach: „So. Dies ist die Verkörperungsgesamtheit in den drei Welten in allen Körperträgern; die Ähnlichkeit des Unmanifestierten mit Viriñca, dem Prajāpati; ‚das Unmanifeste des Manifesten‘, sagt unsere Überlieferung, des Allgestaltigen. Zu erkennen, Großkönig, ist der Allgestaltige, der Ewige. Das Selbst-, Element- und Götterbezogene werde ich der Wahrheit gemäß sagen; das vernimm, Herr der Menschen: Das Ohr ist das Selbstbezogene, der Ton das Elementbezogene, der Raum das Götterbezogene. Die Haut das Selbstbezogene, die Berührung das Elementbezogene, der Wind das Götterbezogene. Die Rede das Selbstbezogene, das zu Sagende das Elementbezogene, Agni das Götterbezogene. Die Nase das Selbstbezogene, der Geruch das Elementbezogene, die Erde das Götterbezogene.
Wort für Wort
prāṇāpānasamānānām udānavyānayoś ca ha viriñcam āhuḥ prāṇādiṃ brāhmaṇās tattvadarśinaḥ
von Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna und Vyāna nennen die wahrheitssehenden Brahmanen Viriñca den Anfang der Lebenshauche (Gen./3.Pl.Perf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe pañcaśikha uvāca iti steht zwischen den Versen; der Halbvers ‚etad dhi mūrtisaṃghātaṃ … āvyaktikasya sādṛśyaṃ‘ ist unsicher.
Die Füße das Selbstbezogene, das zu Gehende das Elementbezogene, Viṣṇu das Götterbezogene. Die Hände das Selbstbezogene, das zu Tuende das Elementbezogene, Indra das Götterbezogene. Der After das Selbstbezogene, die Ausscheidung das Elementbezogene, Mitra das Götterbezogene. Das Geschlecht das Selbstbezogene, die Wonne das Elementbezogene, Prajāpati das Götterbezogene. Der Geist das Selbstbezogene, das zu Denkende das Elementbezogene, der Mond das Götterbezogene. Das Ich-Machen das Selbstbezogene, die Ichbehauptung das Elementbezogene, Viriñca das Götterbezogene. Die Erkenntnis das Selbstbezogene, das zu Erkennende das Elementbezogene, der Puruṣa das Götterbezogene. Dies ist das Selbst-, Element- und Götterbezogene, alles ist zu erkennen. Ohne Feindschaft, o Bester unter den Brahmanen, [ist es] bei Hund, Wurm, Käfern, Fliegenmaden, Bremsen, Mücken – so soll man verfahren. Am eigenen Selbst, am eigenen Kennzeichen, für den Bewussten, den Erhabenen [?], [den] Hochbeseelten, für den Ich-Machenden, Elementhaften, Umwandlungshaften
am eigenen Selbst, am eigenen Kennzeichen, des Bewussten, Unmanifestierten, Hochbeseelten, für die Ich-machenden, Elementhaften, Umwandlungshaften (Lok./Gen./Dat.Pl.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚upastho 'dhyātmam ānando 'dhibhūtaṃ‘ war bereits in Einheit 244 begonnen, hier vollendet; das Ende (ātmany evātmaliṅge caitasyāvyaktikasya…) ist syntaktisch abgebrochen, setzt sich in der nächsten Einheit fort.
...und den Puruṣas werden wir das Zeitwissen erklären. Dies wird hunderttausendfach mit Synonymen bezeichnet: fünfhundert [Zyklen] von fünf Tag-und-Nacht-Perioden [gehören] zu den fünf Puruṣas. Davon ist für den einen, den Unmanifesten, [das Zeitmaß] untersagt; für die vier anderen werden die Lehrer es aussprechen: Für Mahat und die übrigen wird achtzigtausend Tag-und-Nacht als Zeitmaß angegeben. Für den auf Pradhāna beruhenden Mahat werden vierzigtausend Tag-und-Nacht-Perioden angegeben. Für den ich-machend-elementhaften Puruṣa werden zehntausend Tag-und-Nacht-Perioden angegeben. Für den umwandlungshaften Puruṣa, den Geist, [beträgt] das Zeitmaß ebenfalls ein Caturyuga. Dies sind hunderttausend, fünfzig [Perioden], des Unmanifesten Tag-und-Nacht, des Nicht-Alleinigen. Danach soll man beständig das Zeitwissen sehen. Beim Zeitwissen dieses unmanifesten, geistlosen [Pradhāna],
Wort für Wort
ca kālajñānaṃ puruṣebhyo vyākhyāsyāmaḥ
und den Puruṣas werden wir das Zeitwissen erklären (Dat.Pl./1.Pl.Fut.)
tad etat paryāyaśatasahasraśaḥ pañcaśataṃ pañcāhorātram apadiśyate pañcānāṃ puruṣāṇām
dies wird hunderttausendfach mit fünfhundert [Zyklen] von fünf Tag-und-Nacht-Perioden für die fünf Puruṣas angegeben (3.Sg.Pass./Gen.Pl.)
beim Zeitwissen dieses unmanifesten, geistlosen [Pradhāna], ‚Wissen und Erkennen‘, für die den Keim-Eigenschaft-Habenden Sehende (Lok./Gen./Akk.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zahlenangaben sehr technisch, wörtlich wiedergegeben; ‚pañcaśataṃ pañcāhorātram‘ unsicher konstruiert.
...des Keim-Eigenschaft-Habenden, des Fortpflanzungslosen [?], des Urnatur-Eigenschaftslosen, des Vergehens-Eigenschaftslosen, des Vergehens-Eigenschaftshabenden. Saṃyamana sprach: „Erhabener, wenn ja das Feuer in hunderttausend Millionen Holzscheiten weilt, wegen dieses Verweilens dort stets Gefährte wäre, so wäre auch dieser [Puruṣa], der in tausend Millionen Feldern weilt, wegen des Verweilens dort stets Gefährte. Wenn ihm das Feld unerwünscht als Gefährtenschaft wäre, würde er, nicht bei Erwünschtem und Unerwünschtem tätig, der Urnatur nicht folgen, [ihrer] Eigenschaftsschöpfung zur Eigenschaftsschöpfung. Und was für den ihr Folgenden Gefährtenschaft mit der Urnatur wäre, sei es so; denn nicht durch das von unerwünschter Eigenschaft Begleitetsein liebt man dies mit dem Sinn: ‚seine erwünschte Urnatur folgt auch den Eigenschaften.‘ Deshalb sehen wir, wegen dieses Liebens und Folgens und Verweilens, am Ewigen das Unbeständige.“
des Keim-Eigenschaft-Habenden, des Nicht-Fortpflanzungs-Eigenschaft-Habenden, des Nicht-Urnatur-Eigenschaft-Habenden, des Nicht-Vergehens-Eigenschaft-Habenden, des Vergehens-Eigenschaft-Habenden (Gen.) [?]
Saṃyamana sprach: Erhabener, wenn das Feuer in hunderttausend Millionen Holzscheiten weilend, wegen dieses Dort-Weilens stets Gefährte wäre (Vok./Part.Präs./Abl./Opt.)
und was für den [ihr] Folgenden Gefährtenschaft mit der Urnatur wäre, sei es so (Part./Opt./Imp.)
na hy aniṣṭaguṇenānugamyamānām abhiṣvajata ityartham
denn nicht durch das von unerwünschter Eigenschaft Begleitete liebt man [es], das ist der Sinn (Instr./Part.Pass.)
asyeṣṭā prakṛtir guṇāṃś ca tān anuvartate ca
seine erwünschte Urnatur folgt auch diesen Eigenschaften (Nom./3.Sg.Med.)
tad abhiṣvajanād anugamanāc ca tatsthatvāc ca nityasyānityam anupaśyāmaḥ
deshalb sehen wir wegen dieses Liebens, Folgens und Dort-Weilens am Ewigen das Unbeständige (Abl./1.Pl.Präs.)
tad dhetumātraṃ
dies ist nur der Grund [Fortsetzung folgt] (Nom./Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text hier extrem dicht-philosophisch und teils unklar (bījadharmiṇām aprasavadharmiṇām …); Wiedergabe nach bestem Sinnverständnis.
vakṣyāmaḥ | kaś cid guṇyaguṇinā sārdhaṃ samīyāya | sametya ca kāryakāraṇaṃ; sa kurvīta | taṃ ca tatheṣṭāniṣṭe pravartamānaṃ guṇinam athāguṇo 'nuvartate; tatsthatvāt | nanu so 'pīṣṭāniṣṭavad bhavati tatsthatvāt |; yadi hy ayam iṣṭāniṣṭavyatiriktaḥ sadbhāvo nāyam iṣṭāniṣṭavattvam ityartham; asyeṣṭāniṣṭatvabhāvam iṣṭaṃ yenāyam anuvartate cābhiṣvajate; ceti | tad anuṣvajanād anugamanāc ca kāryākāryakartṛtvam asyānupaśyāmaḥ |; kāryākāryakartṛtvāc cāyam iṣṭāniṣṭavān bhavati |; yad uktam iṣṭāniṣṭe nāyam iti tan mithyā | guṇavān ayaṃ kṣetrajño; nāguṇavān | yady ayam aguṇavān syān nāyam iṣṭāniṣṭe pravartamānāṃ prakṛtim; anuvarteta dharmiṇīm | tad anuvarṇitāni dvaṃdvasya dvaṃdvadharmitvāt
werde ich sagen. Jemand traf mit einem Eigenschaftsträger und dessen Eigenschaft zusammen; und nachdem er zusammengetroffen war, vollzog er Ursache und Wirkung. Und ihm, so bei Erwünschtem und Unerwünschtem tätig, folgt der Eigenschaftsträger, obwohl selbst eigenschaftslos, wegen des Dort-Weilens. Ist er nicht auch, wegen des Dort-Weilens, wie bei Erwünschtem und Unerwünschtem? Wenn nämlich dieses Sein [sadbhāva], vom Erwünschten und Unerwünschten getrennt, nicht dieses Erwünscht-Unerwünscht-Sein hätte – das ist der Sinn –, wäre ihm der Zustand von Erwünscht-Unerwünscht nicht lieb, wodurch er [ihm] folgt und sich anschmiegt. So sehen wir, wegen dieses Anschmiegens und Folgens, das Tun-und-Nichttun-Bewirken bei ihm; wegen des Tun-und-Nichttun-Bewirkens ist er mit Erwünschtem und Unerwünschtem behaftet. Was gesagt wurde: ‚er ist nicht bei Erwünschtem-Unerwünschtem [tätig]‘, das ist falsch. Der Feldkenner ist eigenschaftshaft, nicht eigenschaftslos. Wenn er eigenschaftslos wäre, würde er der bei Erwünschtem und Unerwünschtem tätigen, gefährtenhaften Urnatur nicht folgen.
Wort für Wort
vakṣyāmaḥ kaś cid guṇyaguṇinā sārdhaṃ samīyāya
werde ich sagen: jemand traf mit einem Eigenschaftsträger und seiner Eigenschaft zusammen (1.Pl.Fut./3.Sg.Perf./Instr.)
sametya ca kāryakāraṇaṃ sa kurvīta
und zusammengetroffen, vollzog er Ursache und Wirkung (Abs./Opt.)
taṃ ca tatheṣṭāniṣṭe pravartamānaṃ guṇinam athāguṇo 'nuvartate tatsthatvāt
und ihm, so bei Erwünschtem-Unerwünschtem Tätigen, dem Eigenschaftsträger, folgt der Eigenschaftslose wegen des Dort-Weilens (Part./3.Sg.Med./Abl.)
nanu so 'pīṣṭāniṣṭavad bhavati tatsthatvāt
ist er nicht auch wie bei Erwünscht-Unerwünscht, wegen des Dort-Weilens (3.Sg.Präs./Abl.)
yadi hy ayam iṣṭāniṣṭavyatiriktaḥ sadbhāvo nāyam iṣṭāniṣṭavattvam ityartham
wenn nämlich dieses vom Erwünscht-Unerwünscht getrennte Sein nicht dieses Erwünscht-Unerwünscht-Sein hätte, das ist der Sinn (Nom.)
wenn er eigenschaftslos wäre, würde er der bei Erwünscht-Unerwünscht tätigen, gefährtenhaften Urnatur nicht folgen (Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Hochabstrakte, kettenlogische Argumentation; einige Bezüge (‚ayam‘, ‚asau‘) bleiben mehrdeutig.
paśyāmaḥ | tad anupapannaṃ syād vyatiriktasyātiriktatvam anirdvaṃdvasya; sadvaṃdvatvaṃ ca paśyasva | ācārya paśya tvaṃ kevalasyākevalatvaṃ; pañcaśikha uvāca; nityasya cānityatvaṃ kevalasyākevalatvaṃ svātantryaṃ cāsya |; bhoḥ saṃyamana yad etad uktaṃ bhavatā na vayam asyaitad evaṃ gṛhṇīmaḥ | ekatvam; evaitad upadiṣṭaṃ bhavatā tatra yan neṣṭam | saṃyogaṃ nityaṃ jānīte; sṛjyamānam asakṛt saṃharamāṇaṃ ca | guṇāṃs tu guṇasaṃharaṇam anuvyākhyāsyāmaḥ |; tad yathā catvāro bhūtagrāmā jarāyujāṇḍajodbhidasvedajāḥ; kālāgnināhaṃkāreṇāprameyaprabhāvānubhāvena śatasahasrāṃśunā dahyamānā; vighūrṇanto 'vaśā bhūmau patanti | tatas tair bhūtair hīnā bhūr vivasanā
Dies sehen wir dargelegt wegen der Gegensatzpaar-Natur des Gegensatzpaars. Dies wäre unmöglich: dass der Getrennte über Nichttrennung hinausgeht, dass der Nicht-Gegensatzpaarige ein Gegensatzpaar hat; sieh das, Lehrer. Sieh du, wie der Alleinige nicht-alleinig würde, der Ewige unbeständig, der Alleinige unallein, wegen der Eigenständigkeit dessen [?]. Pañcaśikha sprach: „Nun, Saṃyamana, was von dir gesagt wurde, das verstehen wir so nicht. ‚Einheit‘ ist von dir gelehrt worden; dabei ist, was dir nicht recht ist: Man kennt die Verbindung als ewig, als geschaffen werdend, immer wieder aufgehoben werdend. Wir werden aber das Aufheben der Eigenschaften eigens erklären: Wie die vier Wesensgruppen, die aus dem Mutterschoß, dem Ei, den Sprossen und dem Schweiß Geborenen, vom Weltzeitfeuer, durch das Ich-Machen, von unermesslicher Macht und Kraft, mit hunderttausend Strahlen verbrannt, taumelnd, machtlos, auf die Erde fallen. Danach, von diesen Wesen befreit, wird die Erde, gänzlich unbekleidet [von Wesen],
Wort für Wort
paśyāmaḥ tad anupapannaṃ syād vyatiriktasyātiriktatvam anirdvaṃdvasya sadvaṃdvatvaṃ ca paśyasva ācārya paśya tvaṃ kevalasyākevalatvaṃ
wir sehen: dies wäre unmöglich, dass der Getrennte Übertrennung hätte, dass der Nicht-Gegensatzpaarige ein Gegensatzpaar hätte; sieh das, Lehrer, sieh du die Nicht-Alleinigkeit des Alleinigen (1.Pl./Opt./Imp.)
vom Weltzeitfeuer, durch das Ich-Machen, von unermesslicher Macht und Kraft, mit hunderttausend Strahlen verbrannt (Instr./Part.Pass.)
vighūrṇanto 'vaśā bhūmau patanti
taumelnd, machtlos, fallen sie auf die Erde (Part.Präs./3.Pl.Präs.)
tatas tair bhūtair hīnā bhūr vivasanā
danach, von diesen Wesen befreit, [wird] die Erde unbekleidet (Instr.Pl./Nom.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Anfangssätze (tad anupapannaṃ … sadvaṃdvatvaṃ) syntaktisch dicht; sinngemäß nach Argumentationsverlauf übersetzt.
rein, eben, dem Schildkrötenrücken gleich. Diese so gewordene, die Welt gebärende Erde verzehren die Wasser; die vergangene Erde wird zu bloßem Wasser. Das Wasser nimmt die Sonne mit ihren Strahlen auf; wegen der ringsum völligen Vernichtung der Wasser flammt das Feuer auf und, die im Luftraum wandernden Wesen sich zunutze machend, nimmt das Feuer das Wasser auf. Und den Wind [nimmt auf] das Feuer; ist das Feuer vernichtet, wird der Wind eben Feuer. Er dann, sich alle Lebenshauche zunutze machend, wird zum Raum, der Wind. Der Raum wird Geist, der Geist Ich-Machen, das Ich-Machen der Große [Mahat], die Sonne, wegen des Erzeugens [sūyana]. Aller Welt, aller Sonnen, zusammengeführt, zur Vernichtung der drei Welten, würde [er] inmitten der großen Finsternis allein stehend, auch dieses noch aufnehmend, das Unmanifeste. Dies wird die Fünf-Tag-Nacht-Auflösung, die ‚große Auflösung‘ genannt. Nach der Auflösung des Großen wird jene Einheit, alle Habe vernichtet, alle Gestalt-, Wasser- und Herrengewässer-vernichtend, zur einen Gestalt aus Wasser.
Wort für Wort
śuddhā sthaṇḍilā kūrmapṛṣṭhanibhā babhūva
rein, eben, dem Schildkrötenrücken gleich wurde sie (Part./3.Sg.Perf.)
tāṃ tathābhūtāṃ jagajjananīṃ jagatīm āpo bhuñjate
diese so gewordene, die Welt gebärende Erde verzehren die Wasser (Akk./Nom.Pl./3.Pl.Med.)
praṇaṣṭā bhūr jalam eva syāt jalam ādityo raśmibhir ādatte
die vergangene Erde wäre nur Wasser; das Wasser nimmt die Sonne mit den Strahlen auf (Part.Pass./Opt./Instr.Pl./3.Sg.Med.)
wegen der ringsum völligen Vernichtung der Wasser, auflodernd, sich der im Luftraum wandernden Wesen bedienend, nimmt das Feuer das Wasser auf (Abl./Part./Abs.)
agniṃ ca vāyuḥ vinaṣṭe 'gnau vāyur evāgniḥ syāt
und den Wind [nimmt auf] das Feuer; ist das Feuer vernichtet, würde der Wind eben Feuer sein (Akk./Lok.abs./Opt.)
sa tadā sarvaprāṇabhṛtāṃ prāṇān upayujya vāyur ākāśaṃ syāt
er dann, sich aller Lebewesen Lebenshauche zunutze machend, würde der Wind zum Raum werden (Abs./Opt.)
ākāśaṃ mano mano 'haṃkāro 'haṃkāraṃ mahān sūryaḥ sūyanāt
der Raum [wird] Geist, der Geist Ich-Machen, das Ich-Machen der Große, [er ist] die Sonne wegen des Erzeugens (Nom./Abl.)
der ganzen Welt, aller Sonnen, vereinigt, zur Vernichtung der drei Welten, stünde er allein inmitten der großen Finsternis, auch dies noch aufnehmend, das Unmanifeste (Abs./Opt./Part.)
tad etat pañcāhorātrikaṃ pralayaṃ mahāpralaya ity ucyate
dies wird die Fünf-Tag-Nacht-Auflösung ‚große Auflösung‘ genannt (Akk./3.Sg.Pass.)
pralayān mahatas tad ekatvaṃ praṇaṣṭasarvasvaṃ sarvamūrtijāleśvaravināśyodakaṃ mūrtyekaṃ syāt
nach der Auflösung des Großen wäre jene Einheit, alle Habe vernichtet, alles Gestalt-, Wasser-Herren-vernichtend, Wasser, zur einen Gestalt (Abl./Nom./Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚sūryaḥ sūyanāt‘ = Etymologie von sūrya aus sūyana ‚Erzeugen‘; letzte Sätze (mahatas tad ekatvaṃ … mūrtyekaṃ syāt) sehr dicht, sinngemäß übersetzt.
tad etad dhavyaṃ kavyaṃ ca prakaraṇād guṇatāṃ kavyam ity ucyate sa; haraṇād dhavyam iti | tad etad guṇavan nirguṇaṃ guṇopayogād guṇakartṛtvād guṇīty; ucyate budhaiḥ | krīḍārtham evāsakṛt sṛjate ca guṇān | anavabodhāt tad aparas; tv aham evaikaḥ syān nānyaḥ syād iti | yadi hy eṣāvabudhyetānyo 'sti; mama vara iti na sṛjed udāsīnatvāc ca sargasaṃhārayor utpattir na bhavet |; yad uktaṃ bhoḥ saṃyamana ko viśvaṃ sṛjate kṛtsnam idaṃ saṃharate; ceti | yad apy uktaṃ kaś ca viśvam adhiṣṭhāya tiṣṭhaty agnivad dāruṣv iti |; pañcaviṃśako 'nyo 'nyasyāvyaktasya trayoviṃśatitattvasya caturviṃśakasya; draṣṭā draṣṭavyasya śrotā śrotavyasya mantā mantavyasya boddhā boddhavyasyādhiṣṭhātā
Dies, Opfergabe und Totenspeise: aus dem Zusammenhang [prakaraṇa] als Eigenschaft, ‚Totenspeise‘ [kavya] genannt, weil sie hinweggenommen wird [haraṇa]; ‚Opfergabe‘ [havya]. Dies, eigenschaftshaft [und doch] eigenschaftslos, ‚Eigenschaftsträger‘ [guṇin] genannt von den Weisen, wegen des Gebrauchs der Eigenschaften und des Bewirkens der Eigenschaften. Nur zum Spiel schafft er immer wieder die Eigenschaften. Aus Nichterkennen [meint] jener, der Andere: ‚ich allein bin, kein anderer wäre.‘ Wenn er dies aber erkennen würde, dass ein Anderer, mir überlegen, ist, würde er nicht schaffen, aus Gleichmut; und es gäbe kein Entstehen von Schöpfung und Auflösung. Was gesagt wurde, Saṃyamana: ‚wer erschafft dieses ganze All, wer zieht es ein?‘, und was auch gesagt wurde: ‚und wer steht, das All beherrschend, wie Feuer in Hölzern?‘: der Fünfundzwanzigste ist der andere des Anderen, des Unmanifesten, des dreiundzwanzigfachen, des Vierundzwanzigfachen Prinzips: Seher des zu Sehenden, Hörer des zu Hörenden, Denker des zu Denkenden, Erkenner des zu Erkennenden, Aufseher [oder]
Wort für Wort
tad etad dhavyaṃ kavyaṃ ca prakaraṇād guṇatāṃ kavyam ity ucyate
dies, Opfergabe und Totenspeise, aus dem Zusammenhang als Eigenschaft, ‚Totenspeise‘ genannt (Nom./Abl./3.Sg.Pass.)
sa haraṇād dhavyam iti
sie, wegen des Hinwegnehmens, ‚Opfergabe‘ (Abl.)
tad etad guṇavan nirguṇaṃ guṇopayogād guṇakartṛtvād guṇīty ucyate budhaiḥ
dies, eigenschaftshaft, eigenschaftslos, wegen Eigenschaftsgebrauch und Eigenschaftsbewirken ‚Eigenschaftsträger‘ genannt von den Weisen (Nom./Abl./Instr.Pl.)
krīḍārtham evāsakṛt sṛjate ca guṇān
nur zum Spiel schafft er immer wieder die Eigenschaften (Akk./3.Sg.Med.)
anavabodhāt tad aparas tv aham evaikaḥ syān nānyaḥ syād iti
aus Nichterkennen [meint] der Andere: ich allein wäre, kein anderer wäre (Abl./Opt.)
yadi hy eṣāvabudhyetānyo 'sti mama vara iti na sṛjed udāsīnatvāc ca sargasaṃhārayor utpattir na bhavet
wenn er erkennen würde, dass ein anderer, mir überlegen, ist, würde er nicht schaffen, aus Gleichmut, und es gäbe kein Entstehen von Schöpfung und Auflösung (Opt.)
yad uktaṃ bhoḥ saṃyamana ko viśvaṃ sṛjate kṛtsnam idaṃ saṃharate ceti
was gesagt wurde, Saṃyamana: wer erschafft dieses ganze All, wer zieht es ein (Part.Pass./3.Sg.Präs.)
yad apy uktaṃ kaś ca viśvam adhiṣṭhāya tiṣṭhaty agnivad dāruṣv iti
und was auch gesagt wurde: und wer steht, das All beherrschend, wie Feuer in Hölzern (Part.Pass./Abs./3.Sg.Präs.)
Seher des Sehenswerten, Hörer des Hörenswerten, Denker des Denkenswerten, Erkenner des Erkennenswerten, Aufseher (Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der ganze Abschnitt ist Prosa-Erklärung in Rätselform; ‚pañcaviṃśako 'nyo 'nyasya‘ ist knapp konstruiert.
...oder auch nicht. Von diesem beherrscht, hört die Urnatur mit den Eigenschaften auf und tanzt [nicht mehr]. Nicht durch den Bewussten wird der Geistlose, nicht durch den Eigenschaftslosen der Eigenschaftshafte, [im Sehen] sichtbar wie unsichtbar. Durch den Reinen wird die Unreine, durch den Ewigen die Unbeständige, durch den Alleinigen die Nicht-Alleinige, [beide] mit der Natur von Nicht-Schöpfungs- und Schöpfungs-Eigenschaft, von Nicht-Sichtbarkeits- und Sichtbarkeits-Eigenschaft, mit der Natur des Feldes und mit der Natur der Nicht-Feld-Sicht [erklärt]. Weshalb? Wegen der Getrenntheit. Dass er zur Getrenntheit gelangt, wird ihm keine Vielheit zugestanden. Die Einheit von Urnatur und Feldkenner, das ist die Sicht der Nichterkennenden, der Nichtwissenden. Nicht sehen dies die Weisen so; sie sehen die Einheit von Sichtbarem und Unsichtbarem. Der Sehende, den Sehenden Sehende, ist vom Schicksal ein anderer als der Seher [selbst]. Weshalb? Wegen der Lehrsicht. Und wegen des Nichterkennens der Lehrsicht wird man ‚unweise‘ genannt von den Weisen. Und dieser weise Feldkenner erkennt die aus der Urnatur hervortretenden Eigenschaften, die Erkenntnis und die anderen; und dies ist zu erkennen.
Wort für Wort
vā anenādhiṣṭhitā prakṛtir guṇān saṃharate ca nartate
oder [Aufseher]. Von diesem beherrscht, zieht die Urnatur die Eigenschaften ein und tanzt (Instr./3.Sg.Med.)
na cetanenācetanā nirguṇena guṇinīti paśyenāpaśyeti
nicht durch den Bewussten der Geistlose, nicht durch den Eigenschaftslosen der Eigenschaftshafte, im Sichtbar-Unsichtbar-Sehen (Instr./Nom.)
śuddhenāśuddhā nityenānityā kevalenākevalā
durch den Reinen die Unreine, durch den Ewigen die Unbeständige, durch den Alleinigen die Nicht-Alleinige (Instr./Nom.)
mit Schöpfungs- und Nichtschöpfungseigenschaft, mit Nichtsichtbarkeits- und Sichtbarkeitseigenschaft, mit Feldeigenschaft, wegen der Nicht-Feld-Sicht (Instr./Nom.) [?]
kasmāt pṛthaktvāt
weshalb? wegen der Getrenntheit (Abl.)
pṛthagbhāvam asya prapadyato 'nekatvaṃ neṣṭaṃ bhavataḥ
dass er zur Getrenntheit gelangt, wird ihm keine Vielheit zugestanden (Akk./Part./Nom./Part.Pass.)
und dieser weise Feldkenner erkennt die aus der Urnatur hervortretenden Eigenschaften, Erkenntnis und andere; und dies ist zu erkennen (Nom./Akk./3.Sg.Med./Abl./Gerundiv)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Letzte Einheit des Chunks; die Reihe von Instrumentalis-Gegensatzpaaren (na cetanenācetanā …) ist dicht komprimiert, sinngemäß aufgelöst.
Nicht aber [erkennt] die Prakṛti so die Guṇas oder den Kṣetrajña, wegen des Nichterkennens. Denn wenn sie so erkennen würden, so wäre die Prakṛti oder wären die Guṇas ein Erkanntes, dem Erkannten gleichartig [?], und sie würden [so] sein. Der Erkannte erkennt sie nach [dem Vorgang des] Erkanntwerdens, [und] die Prakṛti bildet sich ein: „Ich allein bin sein, kein anderer soll es sein.“ Sie hängt an den erwünschten [Dingen] der Selbstgeborenen [?]: Opfern und Opferleiten, Lernen und Lehren, Geben und Annehmen; Essbares und Nichtessbares, Trinkbares und Nichttrinkbares, Sagbares und Nichtsagbares; Gehen, Zusammenziehen, Ausstrecken, Angenehmes und Unangenehmes, Zugängliches und Unzugängliches, Glückliches und Unglückliches, und das Erlangen von Klang, Berührung, Gestalt, Geschmack, Geruch und dergleichen: solche Guṇas bringt sie hervor, wegen des Nichterkennens. Die Prakṛti wird erfahren wegen der Paarhaftigkeit. Dadurch tritt bei diesem Kṣetrajña Vielheit ein. Wenn er, der paarlos ist, [dennoch] tätig wird und sieht, entsteht ein durch Ich-Machen bewirkter Fehler: „Diese weise ich zurück, diese [Fortsetzung im folgenden Vers:] ich
Wort für Wort
na tv evaṃ prakṛtir guṇān kṣetrajñaṃ vā anavabodhāt
nicht aber so die Prakṛti [erkennt] die Guṇas oder den Kṣetrajña, wegen Nichterkennens (Nom.Sg.f./Akk.Pl./Abl.Sg.)
solche Guṇas bringt sie hervor wegen Nichterkennens; Prakṛti wird erfahren (Pass.) wegen Paarhaftigkeit
tad anekatvam asya kṣetrajñasya prapadyate nirdvaṃdvasya cāsya pravartamānasya paśyata utpadyate 'haṃkārakṛto doṣaḥ syāt
daher tritt bei diesem Kṣetrajña Vielheit ein; bei ihm, dem Paarlosen, der tätig wird und sieht, entstünde ein ichgemachter Fehler (Pl.Part./Opt.)
aham enāṃ pratyācakṣe 'ham
ich weise diese zurück, ich [Satz bricht ab] (1.Sg.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text des Prosa-Abschnitts stellenweise verderbt; Sätze über zwei Einheiten verteilt.
[…] diese erkenne ich“, [so denkt er]. Doch sie sieht, sagt, meint und erkennt nicht, wegen des Ich-Machens. Wenn sie nämlich meinte oder anhinge, dann wäre er ein Nacherkannter. Und aus dem Anhaften entstünde Kraft-Haftigkeit [?], und aus der Kraft-Haftigkeit für ihn Abgesondertheit [?]. Wenn dieser nämlich zwischen Erwünschtem und Unerwünschtem in der Mitte steht, wie sollte ihm ein durch Erwünschtes und Unerwünschtes bewirkter Fehler zukommen? Es geschieht, dass aus Paarlosigkeit und aus Unbeflecktheit ihm Abgesondertheit zukäme. Und hierzu gibt es zwei Strophen: Auch durch den Fehler des Schlamms wird der Schlammgeborene nicht befleckt; ebenso wird durch den Fehler des Unmanifesten der Alleinige nicht befleckt. Alleinheit [entsteht] aus dem Getrenntsein, wie bei Schlamm und Schlammgeborenem; so gilt für diesen wegen des Zusammenseins das Nichtdasein-ohne [?]. So, o Saṃyamana, ergibt sich für diesen Abgesonderten die Abgesondertheit. [Es gibt] Nicht-Zusammensein wegen Nicht-Zusammenseins, Anderssein wegen Andersseins, Wesenlosigkeit [?]
Wort für Wort
enāṃ budhyāmīti na caiṣā paśyaty ācakṣate manyate budhyate cāhaṃkārāt
„diese erkenne ich“; und sie sieht, sagt, meint, erkennt nicht, wegen Ich-Machens (3.Sg.Med.; Abl.)
yadi hy abhimanyed vābhiṣvajed vā evam anubuddhaḥ syāt
denn wenn sie meinte oder anhinge, wäre er so ein Nacherkannter (Opt.)
anubandhāc ca śaktitvaṃ syāt śaktitvāc cāsya vyatirekatvaṃ syāt
und aus Anhaften Kraft-Haftigkeit, aus Kraft-Haftigkeit für ihn Abgesondertheit (Abl./Opt.) [?]
yadi hy ayam iṣṭāniṣṭābhyāṃ madhyasthaḥ katham asyeṣṭāniṣṭakṛto doṣaḥ syāt
wenn dieser zwischen Erwünschtem und Unerwünschtem in der Mitte steht, wie ihm ein dadurch bewirkter Fehler? (Du.Instr.)
so gilt bei ihm wegen Zusammenseins ‚Nichtdasein-ohne‘ [?]; so, o Saṃyamana, wird beim Abgesonderten Abgesondertheit (Vok.)
asahabhāvam asahabhāvatvāc ca anyatvam anyatvān nistattvam
Nicht-Zusammensein wegen Nicht-Zusammenseins, Anderssein wegen Andersseins, Wesenlosigkeit (Abl.) [?]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textzustand des Abschnitts unsicher (Zusatzpassage, verderbte Wortbildungen wie śaktitva, vinābhāva).
iti | atra ślokā bhavanti |; ghorād agādhād avyaktād astam astataraṃ janāḥ; pratīpabhūtam anyasyā manyante tattvabuddhayaḥ; ye tv abuddhās tapoyogād ekatvaṃ nānupaśyati (sic); te vyaktaniṣṭhād ekatvāj jāyante ca mriyanti ca; nirdvaṃdvadharmiṇo nityam atyantaṃ dvaṃdvadharmiṇā; anityāc ca mahārāja dvaṃdvaniṣṭhā bhavanti te; aśraddadhānāḥ śāstrasya dvaidhībhāvāc ca pārthiva; kālasyāsye nimajjanti unmajjanti bhave narāḥ; advaidhāt tu bhaven mokṣo hy avyaktagrāhadharmiṇām; pañcaśikha uvāca; vimucyaitad vimokṣaḥ syād avimokṣāt punarbhavaḥ; bhoḥ saṃyamana evam anyo 'vyaktadharmiṇo 'py aguṇo guṇadharmiṇo 'py; acalaś caladharmiṇo 'prakṛtiḥ prakṛtidharmiṇaḥ kṣetrajñaḥ kṣetradharmiṇo
— so [heißt es]. Hierzu gibt es Strophen: Aus dem Furchtbaren, Abgrundtiefen, Unmanifesten [gehen] die Menschen zum Untergang, ja zu noch tieferem Untergang; als Gegenteil zum Anderen [Prakṛti?] betrachten es die, die die Wahrheit erkannt haben [?]. Die aber unerkennend sind, sehen aus Askese und Yoga die Einheit nicht (sic); sie werden aus der im Manifesten gegründeten Einheit geboren und sterben. Die stets Paarlosen [gegenüber] dem ganz und gar Paarhaften, und [dies] vom Vergänglichen, großer König: [so] sind sie auf Paarheit gegründet. Ungläubig gegenüber der Lehre und wegen der Zwiespältigkeit, Fürst, versinken die Menschen im Rachen der Zeit und tauchen im Dasein wieder auf. Aus Nicht-Zwiespalt aber würde Erlösung sein für die, die das Wesen des Erfassens des Unmanifesten haben [?]. Pañcaśikha sprach: „Durch Lösung hiervon wäre Erlösung, aus Nichterlösung Wiedergeburt. O Saṃyamana, so ist der Andere: eigenschaftslos [gegenüber dem], der das Wesen des Unmanifesten hat, und auch [gegenüber dem] mit Guṇa-Wesen; unbewegt [gegenüber dem] mit Bewegungs-Wesen; Nicht-Prakṛti [gegenüber dem] mit Prakṛti-Wesen; Kṣetrajña [gegenüber dem] mit Kṣetra-Wesen;
o Saṃyamana, so ist der Andere: auch dem Unmanifest-Wesenhaften gegenüber eigenschaftslos, dem Guṇa-Wesenhaften unbewegt, dem Prakṛti-Wesenhaften Nicht-Prakṛti, Kṣetrajña gegenüber dem Kṣetra-Wesenhaften (Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Strophentext teils verderbt (Pāda „ekatvaṃ nānupaśyati“ mit „(sic)“ in der Quelle; avyaktagrāhadharmiṇām unsicher).
erlöst gegenüber dem Nichterlösten, makellos gegenüber dem Makelhaften, rein gegenüber dem Unreinen, Verbindung [im Sinn von] Nichtverbindung, Erlösung [im Sinn von] Nichterlösung. So ist er, gleichsam ein Wassertropfen auf einem Lotosblatt, stets unhaftend wegen des bloßen Daraufseins; wie [bei] Mücke und Feigenbaum, [bei] Fisch und Wasser das Unmanifeste durch das Zusammensein [zustande kommt], so ist bei diesem Kṣetrajña das Anderssein. [Ihm,] der so verweilt [?]: dem Sehenden im Nichtsehen, dem Sehenden, der mit der Einsicht des Nichtsehens nicht erkannt ist [?], dem Bewussten gegenüber dem Unbewussten, dem Alleinigen gegenüber dem Nichtalleinigen, dem Ewigen gegenüber dem Nichtewigen, dem Wissen gegenüber dem Nichtwissen. So, o [Saṃyamana], für diesen Unerkannten, Unmanifesten [gilt] das Hilfsmittel: [er ist] kummerlos gegenüber Kummer, unverblendet gegenüber Verblendung, fest gegenüber dem Festen [?], wolkenlos gegenüber der Wolke, wundenlos gegenüber der Wunde, [kāja/akāja: ?], grenzenlos gegenüber der Grenze, stadtlos gegenüber der Stadt; und das Aufspalten der Stadt wird als Stadtsein gelehrt [?]. Weltlos gegenüber der Welt, zeitlos gegenüber der Zeit, furchtlos gegenüber der Furcht, [Heilvolles/Unheilvolles: ?], und Nicht-Allmacht gegenüber Allmacht.
des Unerkannten, Unmanifesten Hilfsmittel: kummerlos von Kummer, unverblendet von Verblendung, fest vom Festen, wolkenlos von Wolke, wundenlos von Wunde (Abl.)
weltlos von Welt, zeitlos von Zeit, furchtlos von Furcht, heilvoll/unheilvoll [?], Nicht-Allmacht von Allmacht (Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sehr verderbte Passage (uṣyamāṇasya, kājād akājaṃ, purasya avadāraṇaṃ, śivād aśivaṃ); Wiedergabe unsicher.
evam asyānupaśyataḥ khalv avyaktam avijanam asyaikatvaṃ param anupaśyato; nānātvāt kṣemyād akṣemyaḥ syād akṣemyād avyaktāt | bhavanti; cātra ślokāḥ |; kṣemyākṣemyaṃ nānupaśyeta nityaṃ; kṣemyas tv anyas taṃ tu naivānupaśyet; ṣaḍviṃśo vā pañcaviṃśo nu rājann; avyaktaś ca prāhur evaṃ vidhijñāḥ; yo 'yaṃ boddhā pañcaviṃśaḥ parasya; sa manyate īdṛśo 'smīti rājan; buddhasya vai bodhanāt tena samyag; gacchaty ayaṃ na calo nācalas tvam; evaṃ boddhā kevalāt kevalaḥ san; sa syād vyaktaḥ kiṃ ca saṃjñānasaṃjñaḥ; nirdvaṃdvasya dvaṃdvabhāvātmakasya; bhāvān na syān na prabhāvaḥ śuciḥ syāt; śuciprabodhād aśucitvaṃ tadā syāt; trilokasadbhāvaguṇapravartakam; bhavaty ayaṃ kevala eva kevalaḥ
So [ist] für ihn, der [dies] betrachtet, das Unmanifeste [ein] Unerkennbares [?]; wer dessen Einheit als das Höchste sieht, der würde wegen der Vielheit aus dem Sicheren zum Unsicheren, aus dem Unsicheren [kommend] zum Unmanifesten [?]. Hierzu gibt es Strophen: Sicheres und Unsicheres soll man nie ansehen; der Andere ist sicher, den aber soll man keineswegs ansehen; sei es der Sechsundzwanzigste oder der Fünfundzwanzigste, König, und [das] Unmanifeste — so sagen die Kenner der Ordnung. Der fünfundzwanzigste Erkennende des Höheren, der meint: „So bin ich“, König — durch das Erkennen des Erkannten geht dieser recht [zum Ziel]; du bist nicht bewegt und nicht unbewegt [?]. So ist der Erkennende, aus dem Alleinigen [selbst] allein seiend, dieser mag manifest sein, und was noch: Bewusstsein ohne Benennung [?]. Für den Paarlosen, dessen Wesen aus Paarheit besteht [?], würde aus dem Werden weder Macht noch Reinheit sein [?]; aus dem Erwecktsein des Reinen würde dann Unreinheit sein [?]; der die Existenz und die Eigenschaften der drei Welten in Gang setzt — dieser wird allein, ganz allein, [indem er] die ewige, makellose, hinreichend reine [erreicht hat] [Fortsetzung im folgenden Vers].
hierzu Strophen: Sicheres/Unsicheres soll man nicht ansehen, immer (Opt.)
kṣemyas tv anyas taṃ tu naivānupaśyet ṣaḍviṃśo vā pañcaviṃśo nu rājann
der Andere aber ist sicher, den soll man keineswegs ansehen; sei es der Sechsundzwanzigste oder der Fünfundzwanzigste, König (Vok.)
avyaktaś ca prāhur evaṃ vidhijñāḥ yo 'yaṃ boddhā pañcaviṃśaḥ parasya
und das Unmanifeste — so sagen die Kenner der Ordnung (3.Pl.Perf.); dieser Erkennende, Fünfundzwanzigste, des Höheren
sa manyate īdṛśo 'smīti rājan buddhasya vai bodhanāt tena samyag
er meint: „So bin ich“, König; durch das Erkennen des Erkannten, dadurch recht
gacchaty ayaṃ na calo nācalas tvam evaṃ boddhā kevalāt kevalaḥ san
dieser geht [zum Ziel]; du bist nicht bewegt, nicht unbewegt; so der Erkennende, aus dem Alleinigen allein seiend (Part.)
sa syād vyaktaḥ kiṃ ca saṃjñānasaṃjñaḥ nirdvaṃdvasya dvaṃdvabhāvātmakasya
er mag manifest sein, und [was noch:] Bewusstsein ohne Benennung [?]; beim Paarlosen mit Paar-Wesen (Gen.)
bhāvān na syān na prabhāvaḥ śuciḥ syāt śuciprabodhād aśucitvaṃ tadā syāt
aus Werden würde weder Macht noch Reinheit sein [?]; aus Reinheits-Erwecktsein dann Unreinheit [?] (Opt.)
trilokasadbhāvaguṇapravartakam bhavaty ayaṃ kevala eva kevalaḥ
der das Dasein und die Eigenschaften der drei Welten in Gang setzt; dieser wird ganz allein, allein (Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verderbter Text (avijanam, saṃjñānasaṃjñaḥ, bhāvān na syān na prabhāvaḥ); Sinn nur ungefähr erfassbar. Abschnitt ist Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.
sametya nityām amalām alaṃ śucim; śuciprabodhanasya bhoḥ saṃyamana budhyamānasya pañcaviṃśasya; buddhāt ṣaḍviṃśabodhanatvam upadiśanti | boddhāraṃ budhyamānasya vyatiriktasya; vyatiriktatvam upapadyate | kevalaṃ nāham asyāḥ; kaś cin neyaṃ mama kā cana ṣaḍviṃśasyāham anena mama saha caikatvam iti |; tatra ślokaḥ |; sāmyaḥ sāmyaṃ śuciṃ dṛṣṭvā śucim āhur manīṣiṇaḥ; bahiḥ kṛtvā tamisrālam avyaktāc cetanaṃ param; iti |; tad etad bhagavatā buddham avāpya mahat tattvaṃ paramarṣiṇā paramaguruṇā; mama kapilena guruṇā ca mamāsuriṇā jātiśatair bahubhir avāptaṃ; kṛtsnakṣayaṃ kapilāt | mamāpy evam eva śiṣyadaśakatvam upagamya; jātiśatair bahubhir avāptaṃ bhagavata āsureḥ sakāśāt | mattaś ca kātyāyanenāptam |
[…] nachdem er die ewige, makellose, hinreichend reine erreicht hat. Der Erweckung des Reinen, o Saṃyamana, bei dem Erkannten, dem fünfundzwanzigsten, [entspricht], so lehren sie, aus dem Erkannten das Erkennen des Sechsundzwanzigsten. Dem Abgesonderten, der den Erkennenden erkennt, ergibt sich Abgesondertheit: „Allein [bin ich]; ich gehöre keiner an, keine ist diese von mir; [ich gehöre] dem Sechsundzwanzigsten, und durch ihn besteht Einssein mit mir.“ Hierzu eine Strophe: Gleiches [erlangt] Gleiches, wenn es das Reine gesehen hat, [dann] nennen die Weisen es rein; hat man die Finsternis-Fülle nach außen gesetzt, [so ist] das Bewusste höher als das Unmanifeste. Dies nun wurde vom Erhabenen, dem höchsten Weisen und höchsten Lehrer, meinem Lehrer Kapila, nach Erlangen des Erkannten, des Mahat-Tattva, und von meinem [Lehrer] Āsuri in vielen hundert Geburten erlangt: die gänzliche Vernichtung von Kapila. Auch mir wurde es so, nachdem ich zur Zehnschülerschaft gelangt war, in vielen hundert Geburten von dem Erhabenen Āsuri erlangt. Und von mir wurde es von Kātyāyana erlangt.
Gleicher [erreicht] Gleichheit, das Reine gesehen, nennen es die Weisen rein; nach außen gesetzt die Finsternis-Fülle [?], das Bewusste höher als das Unmanifeste (Abs./Abl.)
tad etad bhagavatā buddham avāpya mahat tattvaṃ paramarṣiṇā paramaguruṇā
dies [wurde] vom Erhabenen nach Erlangen des Erkannten, des Mahat-Tattva, vom höchsten Weisen, höchsten Lehrer (Instr.)
mama kapilena guruṇā ca mamāsuriṇā jātiśatair bahubhir avāptaṃ kṛtsnakṣayaṃ kapilāt
von meinem Lehrer Kapila und von meinem Āsuri in vielen hundert Geburten erlangt: die gänzliche Vernichtung, von Kapila (Abl.) [?]
auch mir ebenso: nachdem ich zur Zehnschülerschaft gelangt war [?], in vielen hundert Geburten erlangt, vom Erhabenen Āsuri her
mattaś ca kātyāyanenāptam
und von mir wurde es von Kātyāyana erlangt (Abl./Instr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; einige Ausdrücke (tamisrālam, kṛtsnakṣayaṃ kapilāt, śiṣyadaśakatvam) unsicher.
Von Gautama wurde es von Kātyāyana erlangt; und von Gautama erlangte es Gārgya. So ist dies durch Überlieferung von vielen Lehrern erlangt: die gänzliche Vernichtung, die Wahrheit vom Sinn der Unsterblichkeit, das makellose, fleckenlose Wissen. Nachdem man das überaus Abgründige, Unbewusste, Nicht-Alleinige, Unmanifeste beiseite gestellt hat, [gewinnt man] das ewige, bewusste, alleinige Wissen, den Erwachten, den Sechsundzwanzigsten, durch den erkennenden Fünfundzwanzigsten. Hierzu gibt es Strophen: Dem Sohn wurde dies auf meinen Auftrag geschildert, [nämlich] dem König, der in Vārāṇasī sich vergnügte; wer nach der Wahrheitserkenntnis fragt, soll mit gefalteten Händen sein, fragend nach dessen [Lehre] nach Text und nach Sinn. Verkündet wurde dies, die furchtbaren sechzehn Fragen, die „Wesenlos“ genannte [Lehre], zwanzig und sechs, König; wer, sie erkannt habend, sich vor dem Knaben verneigt, mit dem Haupt nahe den Füßen, sich freuend, zu Fuß ging, die ganze Wahrheit erlangt habend, das höchste Unsterbliche von Sanatkumāra.
Wort für Wort
gautamena kātyāyanād avāptam gautamāc ca gārgyeṇāvāptam
von Gautama, von Kātyāyana her erlangt; und von Gautama her von Gārgya erlangt (Instr./Abl.)
tad etat paraṃparayā bahubhir ācāryair avāptaṃ kṛtsnakṣayam amṛtārthatattvaṃ
dies, durch Überlieferung von vielen Lehrern erlangt: gänzliche Vernichtung, Wahrheit vom Sinn der Unsterblichkeit
hierzu Strophen: dem Sohn wurde dies geschildert auf meinen Auftrag, dem in Vārāṇasī spielenden König (Gen./Instr.)
tattvajñānaṃ pṛcchataḥ prāñjaliḥ syāt pṛcchaṃs tasya granthataś cārthataś ca
beim nach Wahrheitswissen Fragenden sei er mit gefalteten Händen; fragend nach dessen [Lehre] nach Text und nach Sinn (Opt.)
proktaṃ hy etat ṣoḍaśapraśnam ugraṃ nistattvākhyaṃ viṃśat ṣaṭ caiva rājan
verkündet ist dies, die furchtbaren sechzehn Fragen, ‚Wesenlos‘ genannt, zwanzig und sechs, König (Pass.Part.)
yaṃ vai buddhvā bālakāya praṇamya mūrdhnābhyarṇaṃ pādayor hṛṣyamāṇaḥ
der, [es] erkannt habend, sich vor dem Knaben verneigend, mit dem Haupt nahe den Füßen, sich freuend (Abs./Part.)
padbhyāṃ gatas tattvam avāpya kṛtsnaṃ sanatkumārād amṛtaṃ paraṃ vai
zu Fuß gegangen, die ganze Wahrheit erlangt habend, von Sanatkumāra das höchste Unsterbliche (Abs./Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzgefüge der Strophen teils unklar (Bezug von „sutasya“, „nistattvākhyaṃ“).
sanatkumāreṇa mamopadiṣṭam; etan mahad brahma yathāvad adya; tat te śrutaṃ tad bhava vītaśoka; etaṃ mahāpraśnam avāpya cārtham; tulyaṃ bhavān paśyatu brahmaṇaś ced; indrasya sthāṇor maśakasya caiva; pataṃgakīṭe śuni ca śvapāke; sarvaṃ hi sarvatra narendrasiṃha; yas tv anyathā paśyati hy alpabuddhir; avyaktaniṣṭhaḥ sa bhaveta rājan; sattvasya sarvasya hy apaśyamāno; abuddhimān duḥkham upaiti nityam; na cāsya duḥkhaṃ sa tu duḥkham eti; vaiṣamyabuddhitvam avāpya mohāt; tad gaccha rājan svapurīṃ viśālāṃ; vārāṇasīm aśvarathena śīghram; etāvad etat paramaṃ rahasyam; uktaṃ mayā te 'tividhāya sarvam; jñānī bhavān na tvam abuddhabuddhir; buddhir hi te jyāyasī rājasiṃha
Von Sanatkumāra wurde es mir gelehrt; dieses große Brahman [ist] heute genau so, wie es [ist], das hast du gehört; so sei kummerfrei. Nachdem du diese große Frage samt ihrem Sinn erlangt hast, mögest du als gleich sehen — sei es Brahmā, Indra, den Pfahl [Sthāṇu], die Mücke, Falter und Wurm, den Hund und den Hundeesser; denn alles ist überall [so], Löwe unter den Fürsten. Wer aber, geringen Verstandes, anders sieht, der würde im Unmanifesten gegründet sein, König; der Unverständige, der bei allem Seienden [Gleichheit] nicht sieht, erfährt stets Leid; und ihm ist [eigentlich] kein Leid, er aber gerät ins Leid, weil er aus Verblendung Ungleichheitsdenken angenommen hat. Darum geh, König, in deine weite Stadt Vārāṇasī, rasch mit Wagen und Pferden. So viel ist dies höchste Geheimnis, von mir dir, alles ordnend, gesagt. Du bist wissend; du hast nicht die Einsicht eines Unerkennenden; deine Einsicht ist ja überlegen, Löwe unter den Königen.
als gleich möge Ihr sehen, wenn [es gilt] Brahmā, Indra, Pfahl, Mücke (Imp.3.Sg.; Gen.)
pataṃgakīṭe śuni ca śvapāke sarvaṃ hi sarvatra narendrasiṃha
bei Falter und Wurm, Hund und Hundeesser; denn alles ist überall, Löwe unter den Fürsten (Lok./Vok.)
yas tv anyathā paśyati hy alpabuddhir avyaktaniṣṭhaḥ sa bhaveta rājan
wer aber anders sieht, geringen Verstandes, der wäre im Unmanifesten gegründet, König (Opt.)
sattvasya sarvasya hy apaśyamāno abuddhimān duḥkham upaiti nityam
bei allem Seienden [Gleichheit] nicht sehend, der Unverständige gerät stets ins Leid (Part./Präs.)
na cāsya duḥkhaṃ sa tu duḥkham eti vaiṣamyabuddhitvam avāpya mohāt
und ihm ist kein Leid, er aber gerät ins Leid, Ungleichheitsdenken erlangt aus Verblendung (Abs./Abl.)
tad gaccha rājan svapurīṃ viśālāṃ vārāṇasīm aśvarathena śīghram
darum geh, König, in deine weite Stadt Vārāṇasī, rasch mit Pferdewagen (Imp./Akk./Instr.)
etāvad etat paramaṃ rahasyam uktaṃ mayā te 'tividhāya sarvam
so viel ist dieses höchste Geheimnis, von mir dir gesagt, alles [ordnend] [?] (Pass.Part.)
jñānī bhavān na tvam abuddhabuddhir buddhir hi te jyāyasī rājasiṃha
du bist wissend; nicht hast du die Einsicht eines Unerkennenden; deine Einsicht ist überlegen, Löwe unter den Königen
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „sthāṇu“ hier als Pfahl/Baumstumpf (Sthāṇu als Name Śivas möglich); „atividhāya“ unsicher.
buddhaṃ tvayāgryaṃ paramaṃ pavitraṃ; ṣaḍviṃśakaṃ pañcaviṃśāt paraṃ yat; na pañcaviṃśakāt punaḥ prajāyate narottamaḥ; sa yatra tatra saṃvasaṃs trivargavic chucir bhavet; śucir hi pañcaviṃśakas tathaiva ṣaḍviṃśaka-; tvam avabudhyati yadā tadā śucir bhaved iti
Erkannt ist von dir das Höchste, Reinste: der Sechsundzwanzigste, der höher ist als der Fünfundzwanzigste. Aus dem Fünfundzwanzigsten wird der Beste der Männer nicht wieder geboren; wo immer er wohnt, [als] Kenner der drei Lebensziele, mag er rein sein. Rein ist ja der Fünfundzwanzigste, und ebenso [ist er es,] wenn er das Sechsundzwanzigst-Sein erkennt, dann möge er rein sein.
Wort für Wort
buddhaṃ tvayāgryaṃ paramaṃ pavitraṃ
erkannt ist von dir das Erste [Höchste], Höchste, Reinste (Part.Pass./Instr.)
ṣaḍviṃśakaṃ pañcaviṃśāt paraṃ yat
der Sechsundzwanzigste, der höher als der Fünfundzwanzigste [ist] (Abl.)
na pañcaviṃśakāt punaḥ prajāyate narottamaḥ
aus dem Fünfundzwanzigsten wird der Beste der Männer nicht wieder geboren (Präs.Pass./Med.)
sa yatra tatra saṃvasaṃs trivargavic chucir bhavet
er, wo immer er wohnt, das Dreiziel-Kenner, mag rein sein (Part./Opt.)
śucir hi pañcaviṃśakas tathaiva ṣaḍviṃśakatvam avabudhyati yadā
rein ist ja der Fünfundzwanzigste, ebenso, wenn er das Sechsundzwanzigst-Sein erkennt
tadā śucir bhaved iti
dann möge er rein sein, so (Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Vaiśaṃpāyana sprach: Einst fragte König Yudhiṣṭhira mit gesammeltem Inneren, mit gefalteten Händen, den Besten der Seher, Dvaipāyana, zusammen mit allen seinen Brüdern, den hochgesinnten, glücklichen, die demütig und von größter Kraft auf der Erde saßen: [Er,] der Erhabene, aller Wesen Allwissender und Allsehender, in den drei Welten berühmt durch Recht und Selbstbezähmung — „Das wünschen wir zu hören, Bester der Seher, [etwas] Glückbringendes: eine vom Erhabenen verkündete Erzählung, die alle Sünden vernichtet. Und wenn wir alle vom Erhabenen der Gnade würdig erachtet sind, so sprich, Bester der Wahrhaftigen; wir hören aufmerksam zu.“ So mit Ehrerbietung angesprochen, sprach Kṛṣṇa Dvaipāyana, der Wahrhaftige, der wahrhaft Redende, nachdem er Yudhiṣṭhira geehrt hatte: „Yudhiṣṭhira, Hochverständiger, Mehrer des Kuru-Geschlechts, Sohn der Kuntī, du willst mit deinen Brüdern die glückbringende [Erzählung] hören.
imāṃ kathām upaśrutya narāṇām arthasiddhaye; vijayaś ca narendrāṇām iha pārtha na durlabhaḥ; śāntikī pauṣṭikī rakṣā sarvaduḥsvapnanāśinī; katheyam amarākārā daivatair api kathyate; atra te vartayiṣyāmi itihāsaṃ purātanam; bālye 'vāptaṃ tu yad vīra agastyena mahātmanā; purā kṛtayuge rājan maharṣiḥ kumbhasaṃbhavaḥ; mitrāvaruṇayoḥ putraḥ śrīmān atitapāḥ prabhuḥ; sa cāśramapade puṇye puṇyakarmā mahātapāḥ; samā dvādaśako rājan vayasā bharatarṣabha; sva āvasatha ekākī hy abhrākāśakṛtavrataḥ; mitrāvaruṇayoḥ svargaṃ gatayoḥ sukṛtātmanoḥ; puṣkarasyottare tīre sarvadevanamaskṛtaḥ; parvato bhāskaro nāma bhāskarābhaḥ svatejasā; ataḥ prabhavate rājan puṇyasrotā mahānadī
Nachdem man diese Erzählung gehört hat, [gelingt] den Menschen die Erreichung ihrer Ziele, und der Sieg der Fürsten ist hier, Pārtha, nicht schwer zu erlangen. [Sie ist] befriedend, kräftigend, schützend, vernichtet alle bösen Träume; diese Erzählung, unsterblichen Wesens, wird selbst von den Göttern erzählt. Hierzu will ich dir eine alte Geschichte erzählen, die in der Jugend der mächtige Agastya, der Hochgesinnte, erlangt hat, Held. Einst, im Kṛtayuga, König, war der Großseher [Agastya], der Krug-Geborene, Sohn von Mitra und Varuṇa, glanzvoll, von großer Askese, mächtig. Er, tatenrein, von großer Askese, hielt sich in seiner heiligen Einsiedelei auf, zwölf Jahre lang, König, Stier der Bhārata, Alter nach; er wohnte allein, unter freiem Himmel, ein Gelübde befolgend. Als Mitra und Varuṇa, die Rechtschaffenen, in den Himmel gegangen waren, [lag] am nördlichen Ufer des [Sees] Puṣkara, von allen Göttern verehrt, ein Berg namens Bhāskara, der mit eigenem Glanz der Sonne glich; von ihm, König, entspringt der große Fluss mit heiligem Strom,
Wort für Wort
imāṃ kathām upaśrutya narāṇām arthasiddhaye vijayaś ca narendrāṇām iha pārtha na durlabhaḥ
diese Erzählung gehört habend: für Menschen Erlangung der Ziele, und der Sieg der Fürsten ist hier, Pārtha, nicht schwer erreichbar (Abs.)
śāntikī pauṣṭikī rakṣā sarvaduḥsvapnanāśinī katheyam amarākārā daivatair api kathyate
befriedend, kräftigend, Schutz, alle bösen Träume vernichtend; diese Erzählung, unsterblichen Aussehens, wird auch von Göttern erzählt
atra te vartayiṣyāmi itihāsaṃ purātanam bālye 'vāptaṃ tu yad vīra agastyena mahātmanā
hierzu will ich dir erzählen eine alte Geschichte, die in der Jugend vom hochgesinnten Agastya erlangt wurde, Held (Fut.)
varadā vitamā nāma siddhacāraṇasevitā; tasmin girivare tasyāgasteḥ paitṛka āśramaḥ; puṇyapuṣpaphalopetaiḥ pādapair upaśobhitaḥ; tapyate śiśur ekākī tapo dvādaśavārṣikam; yan na taptaṃ purā vatsa divyair anyais tapodhanaiḥ; neśvareṇa na cendreṇa yamena varuṇena vā; nityordhvabāhur ādityaṃ bhāskare tasthivān muniḥ; ūrdhvamukho nirālambo jitātmā pavanopamaḥ; nirāvṛto nirālambo niyatātmā jitendriyaḥ; nirdvaṃdvo nirahaṃkāro nirāśo niḥspṛhaḥ kva cit; kāṣṭhabhūtas tapas tepe sarvabhūtahite rataḥ; nirvṛto nistamā dhīro nivṛttaḥ sarvataḥ samaḥ; tam evam upasaṃpannam udāramanasaṃ śucim; bhāskare vartate nityaṃ tapyamānam atīva ca; avardhata mahāpuṇye sa hi dharmeṇa bhārata
die Varadā, [auch] Vitamā genannt, von Siddhas und Cāraṇas aufgesucht. Auf diesem besten der Berge lag Agastyas väterliche Einsiedelei, mit Bäumen geschmückt, die heilige Blüten und Früchte trugen. Der Knabe übte dort allein Askese, eine zwölfjährige, wie sie früher weder andere göttliche Asketen geübt hatten, mein Kind, noch Īśvara, noch Indra, Yama oder Varuṇa: Der Weise stand beständig mit erhobenen Armen [zur] Sonne auf dem Bhāskara, mit erhobenem Gesicht, ohne Stütze, selbstbezwungen, windgleich; unbekleidet, ohne Stütze, mit gezügeltem Selbst, die Sinne bezwungen, paarlos, ohne Ich-Macherei, ohne Wunsch, ohne Verlangen nirgendwo; wie ein Holzstock übte er Askese, an allen Wesen Wohl Freude findend; zufrieden, von Dunkel frei, standhaft, von allem abgewandt, gleichmütig. Ihn, der so [dort] ausharrte, den hochgesinnten Reinen, der beständig auf dem Bhāskara außerordentlich Askese übte, ließ sein Dharma, Bhārata, [immer weiter] wachsen.
Wort für Wort
varadā vitamā nāma siddhacāraṇasevitā
die Varadā, Vitamā genannt, von Siddhas und Cāraṇas aufgesucht (Part.Pass.)
tasmin girivare tasyāgasteḥ paitṛka āśramaḥ
auf diesem besten der Berge lag dessen, Agastyas, väterliche Einsiedelei
puṇyapuṣpaphalopetaiḥ pādapair upaśobhitaḥ tapyate śiśur ekākī tapo dvādaśavārṣikam
mit Bäumen, die heilige Blüten und Früchte trugen, geschmückt; der Knabe übte allein die zwölfjährige Askese (Präs.Med.)
yan na taptaṃ purā vatsa divyair anyais tapodhanaiḥ neśvareṇa na cendreṇa yamena varuṇena vā
die früher, Kind, nicht geübt wurde von anderen göttlichen Asketen, nicht von Īśvara, nicht von Indra, Yama oder Varuṇa (Instr.)
beständig mit erhobenen Armen [zur] Sonne stand der Weise auf dem Bhāskara, mit erhobenem Gesicht, ohne Stütze, selbstbezwungen, windgleich (Perf.Part.)
nirāvṛto nirālambo niyatātmā jitendriyaḥ nirdvaṃdvo nirahaṃkāro nirāśo niḥspṛhaḥ kva cit
unbekleidet, ohne Stütze, gezügelten Selbstes, sinnenbezwungen, paarlos, ohne Ich-Macherei, ohne Wunsch, ohne Verlangen nach irgendetwas
atha kaunteya kālena kena cid bharatarṣabha; aṣṭāśītisahasrāṇi yatīnāṃ puṇyakarmaṇām; ānupūrvyeṇa yātāni mahīṃ kṛtvā pradakṣiṇam; saparvatavanoddeśāṃ sanadīnadasāgarām; dvaipāyana uvāca; tatra tatra mahāpuṇyāḥ puṇyatīrthābhilāṣiṇaḥ; etasminn antare pārtha ṛṣisaṃghaḥ sa vai mahān; pradakṣiṇaṃ mahīṃ kṛtvā bhāskaraṃ girim abhyayāt; te taṃ girivaraṃ puṇyam atha kṛtvā pradakṣiṇam; tato girinadīṃ puṇyāṃ tīrthahetor upāgaman; aṣṭāśītisahasrāṇi tatra nadyāṃ yudhiṣṭhira; vigāhya taj jalaṃ rājan prahṛṣṭā munayo 'bhavan; ke cit sasnur yathākāmaṃ ke cid atra upaspṛśan; ke cit puṇyena toyena pitṝn devān atarpayan; ke cit prakrīḍitās tatra japanty anye tapodhanāḥ
Da, Kaunteya, Stier der Bhārata, zog nach einiger Zeit eine Schar von achtundachtzigtausend Asketen mit heiligen Werken der Reihe nach, die Erde umwandelnd mit Bergen, Wäldern, Flüssen, Strömen und Meeren. Dvaipāyana sprach: Dort und dort [gingen] die hochheiligen, nach heiligen Furten verlangenden [Seher]. Da kam, Pārtha, jene große Seherschar, nachdem sie die Erde umwandelt hatte, zum Berg Bhāskara. Sie umwandelten diesen heiligen, vorzüglichen Berg und kamen dann um der heiligen Furten willen an den heiligen Bergfluss. Achtundachtzigtausend, Yudhiṣṭhira, tauchten dort im Fluss in dessen Wasser, König, und die Weisen wurden froh. Manche badeten nach Belieben, manche berührten hier das Wasser [zur Reinigung], manche erfreuten mit heiligem Wasser Väter und Götter; manche spielten dort, andere murmelten [Gebete], die Asketen.
der Reihe nach gezogen, die Erde rechts umwandelnd, mit Bergen, Wäldern, Gegenden, Flüssen, Strömen, Meeren (Abs.)
dvaipāyana uvāca tatra tatra mahāpuṇyāḥ puṇyatīrthābhilāṣiṇaḥ
Dvaipāyana sprach; dort und dort die hochheiligen, nach heiligen Furten Verlangenden
etasminn antare pārtha ṛṣisaṃghaḥ sa vai mahān pradakṣiṇaṃ mahīṃ kṛtvā bhāskaraṃ girim abhyayāt
inzwischen, Pārtha, kam jene große Seherschar, die Erde umwandelt habend, zum Berg Bhāskara (Impf.)
te taṃ girivaraṃ puṇyam atha kṛtvā pradakṣiṇam tato girinadīṃ puṇyāṃ tīrthahetor upāgaman
sie, diesen heiligen besten Berg umwandelnd, kamen dann zum heiligen Bergfluss um der Furt willen (Impf.)
aṣṭāśītisahasrāṇi tatra nadyāṃ yudhiṣṭhira vigāhya taj jalaṃ rājan prahṛṣṭā munayo 'bhavan
achtundachtzigtausend dort im Fluss, Yudhiṣṭhira, in dessen Wasser eingetaucht (Abs.), König, wurden die Weisen froh (Impf.)
ke cit sasnur yathākāmaṃ ke cid atra upaspṛśan
manche badeten nach Belieben, manche berührten hier das Wasser (Perf./Impf.)
ke cit puṇyena toyena pitṝn devān atarpayan ke cit prakrīḍitās tatra japanty anye tapodhanāḥ
manche erfreuten mit heiligem Wasser Väter und Götter; manche spielten dort, andere Asketen murmelten (Impf./Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Sprecherwechsel „Dvaipāyana sprach“ steht mitten in der Erzählung (Zusatzpassage, vermutlich Textmischung).
adhyātmaṃ cintayanty anye ke cid vedān adhīyire; kathāḥ śuśruvur anye ca proktā anyais tapodhanaiḥ; dhyānam anye hy upāsanta niṣeduś ca tathā pare; evaṃ tair ṛṣibhiḥ siddhair vitamā puṇyavardhanī; nadī sā puruṣavyāghra dyotate tais tapodhanaiḥ; etasminn antare pārtha devarājaḥ puraṃdaraḥ; pitāmahaṃ puraskṛtya saha devaiḥ sameyivān; vitamāyāṃ tad ekānte tasyāṃ nadyāṃ yudhiṣṭhira; athābravīt puṣkarajaḥ sureśvaram ariṃdamam; vijñāya munisaṃghasya dharme rāgam upasthitam; puraṃdara mahābāho sarvathā śrotum arhasi; ṛṣīṇām amaraśreṣṭha dharme rāgam upasthitam; imaṃ muhūrtam eteṣām ahaṃkāraḥ sureśvara; prabhaviṣyati sarveṣām asvargīyo na saṃśayaḥ; sa bhavān deśam utsṛjya imaṃ suravareśvara
Manche dachten über das Selbst [Adhyātma] nach, manche lernten Veden, manche hörten Erzählungen, die von anderen Asketen vorgetragen wurden; manche pflegten die Meditation, andere saßen [still]. So erstrahlte jene Vitamā, Mehrerin des Heiligen, von diesen vollendeten Sehern, o Tiger unter den Männern, durch jene Asketen. Da kam inzwischen, Pārtha, Indra, der Götterkönig, Puraṃdara, mit den Göttern zusammen, den Großvater [Brahmā] voran. An der einsamen Stelle in dem Fluss Vitamā, Yudhiṣṭhira, sprach da der Lotosgeborene zum Herrn der Götter, dem Feindebezwinger: „Da du erkannt hast, dass bei der Seherschar Neigung zum Recht eingetreten ist, Puraṃdara, Starkarmiger, sollst du in jeder Weise hören [was ich sage]: Bei den Sehern, Bester der Götter, hat Neigung zum Recht sich eingestellt; in diesem Augenblick wird bei ihnen allen, Herr der Götter, sicher Ich-Macherei aufkommen, die den Himmel verwirkt; darum, Herr, bester der Götter, sollst du diese Gegend verlassen,
Wort für Wort
adhyātmaṃ cintayanty anye ke cid vedān adhīyire
das Selbst-Wissen erwogen andere; manche lernten die Veden (Präs./Perf.Med.)
kathāḥ śuśruvur anye ca proktā anyais tapodhanaiḥ dhyānam anye hy upāsanta niṣeduś ca tathā pare
andere hörten Erzählungen, von anderen Asketen vorgetragen; andere pflegten die Meditation, wieder andere saßen (Perf.)
evaṃ tair ṛṣibhiḥ siddhair vitamā puṇyavardhanī nadī sā puruṣavyāghra dyotate tais tapodhanaiḥ
so erstrahlte durch jene vollendeten Seher die Vitamā, Mehrerin des Heiligen, Fluss, o Tigermann, durch diese Asketen
etasminn antare pārtha devarājaḥ puraṃdaraḥ pitāmahaṃ puraskṛtya saha devaiḥ sameyivān
inzwischen, Pārtha, kam der Götterkönig Puraṃdara, den Großvater voranstellend, mit den Göttern (Perf.Part.)
vitamāyāṃ tad ekānte tasyāṃ nadyāṃ yudhiṣṭhira athābravīt puṣkarajaḥ sureśvaram ariṃdamam
an der einsamen Stelle der Vitamā, in jenem Fluss, Yudhiṣṭhira, sprach da der Lotosgeborene zum Götterherrn, Feindebezwinger (Impf.)
gantum arhasi dharmātman draṣṭum etan na te kṣamam; sa tatas tad vacaḥ śrutvā devarājaḥ pitāmahāt; jagāma bharataśreṣṭha saha devair ariṃdama; gate deveśvare śakre pitāmahapurogame; aṣṭāśītisahasrāṇi paramaṃ harṣam abhyayuḥ; te pranṛttāḥ pragītāś ca tathā prahasitā api; vitamāyā jale puṇye tasmin prakrīḍitāḥ pare; ekānte ca mahāprājño nāradaḥ kalahapriyaḥ; tantrīyuktakam ādāya munir vedān adhītavān; saṃvarto 'py atha kaunteya jalād utthāya bhārata; uvāca tān ṛṣīn sarvān harṣeṇa mahatā yutaḥ; śrūyatām ṛṣibhiḥ sarvair idaṃ mama vaco dvijāḥ; rocate yadi sarveṣāṃ kriyatāṃ munisattamāḥ; aham ugratapā viprā bhavanto 'pi tathaiva ca; na tulyo 'smatprabhāveṇa dharmeṇa ca tathā paraḥ
[du sollst] gehen, Gerechter; das [anzusehen] ist dir nicht angemessen.“ Da hörte der Götterkönig diese Worte vom Großvater und ging, Bester der Bhārata, mit den Göttern fort, Feindebezwinger. Als der Götterherr Śakra, den Großvater voran, gegangen war, gerieten die achtundachtzigtausend in höchste Freude; sie tanzten, sangen und lachten und spielten im heiligen Wasser der Vitamā, die anderen. Abseits aber [war] der hochverständige Nārada, der Streit Liebende; er nahm die Laute und lernte [dabei] die Veden [?]. Auch Saṃvarta, Kaunteya, stieg, Bhārata, aus dem Wasser und sprach zu allen jenen Sehern, von großer Freude erfüllt: „Von allen Sehern, Zweimalgeborenen, sei dies mein Wort gehört; gefällt es allen, Besten der Weisen, so möge es geschehen: Ich bin von schrecklicher Askese, ihr Brahmanen, und auch ihr seid so; ein anderer ist nicht gleich an unserer Kraft und im Recht.
Wort für Wort
gantum arhasi dharmātman draṣṭum etan na te kṣamam
du sollst gehen, Rechtes Selbst; dies zu sehen ist dir nicht angemessen (Inf.)
sa tatas tad vacaḥ śrutvā devarājaḥ pitāmahāt jagāma bharataśreṣṭha saha devair ariṃdama
da hörte er diese Rede, der Götterkönig, vom Großvater, und ging, Bester der Bhārata, mit den Göttern (Perf.)
gehört werden soll von allen Sehern dies mein Wort, Zweimalgeborene; wenn es allen gefällt, so geschehe es, Beste der Weisen (Imp.Pass.)
aham ugratapā viprā bhavanto 'pi tathaiva ca na tulyo 'smatprabhāveṇa dharmeṇa ca tathā paraḥ
ich bin von schrecklicher Askese, Brahmanen, und ihr ebenso; nicht gleich [ist] an unserer Kraft und im Recht ein anderer
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „tantrīyuktakam ādāya munir vedān adhītavān“ sprachlich unsicher (Laute nehmend, Veden lernend?).
dīrghakālapracīrṇasya yamasya niyamasya ca; tapobalaṃ na paśyāmi kim apy etat kathaṃ cana; saṃvartavacanaṃ śrutvā sarvaṃ tad ṛṣimaṇḍalam; ahaṃkāravaśaṃ prāptaṃ tad vākyam abhinandati; ahaṃkṛtvā tataḥ sarve ṛṣayaḥ kuntinandana; parasparam avajñāya tatra te 'thāmitaujasaḥ; bhṛgus tato mahārāja sarvarṣigaṇapūjitaḥ; saṃvartavacanaṃ tatra sa satkṛtyedam abravīt; evam etan na saṃdeho yat tvayoktaṃ dhṛtavrata; tasmāt prabhāvaṃ tapaso draṣṭum arhāma sarvaśaḥ; ṛṣayaḥ śrūyatāṃ tāvan mama vākyaṃ dhṛtavratāḥ; ahaṃ śucir ahaṃ śreṣṭhaḥ aham ugratapodhanaḥ; ahaṃ pradhāna ity evaṃ yaj jalpatha tapodhanāḥ; kim etat kathayitvā vo hy ahaṃkārāt punaḥ punaḥ; pratyakṣaṃ draṣṭum icchāma iha dharmasya naḥ phalam
Von dem lang geübten Zügeln und Bändigen sehe ich keine Askesekraft [gleich] irgendwie.“ Als sie Saṃvartas Worte gehört hatten, nahm die ganze Seherschar sie zustimmend auf, in die Macht der Ich-Macherei geraten. Nachdem sie sich [so] ihres Ich bewusst gemacht hatten, Sohn der Kuntī, verachteten sie einander dort, von unermesslicher Kraft. Da sprach Bhṛgu, König, der von allen Seherscharen geehrte, nachdem er Saṃvartas Wort geehrt hatte, dies: „So ist es, kein Zweifel, was du gesagt hast, Gelübdetreuer; darum wollen wir die Macht der Askese jedes für sich sehen. Ihr Seher, hört mein Wort, Gelübdetreue: ‚Ich bin rein, ich bin der Beste, ich bin von schrecklicher Askese, ich bin der Vorderste‘ — was ihr Asketen so schwatzt: Was soll dieses immer wieder Reden aus Ich-Macherei? Wir wollen hier sichtbar sehen die Frucht unseres Rechts.
Wort für Wort
dīrghakālapracīrṇasya yamasya niyamasya ca tapobalaṃ na paśyāmi kim apy etat kathaṃ cana
des lang geübten Yama und Niyama, des Zügelns und Bändigens: Askesekraft sehe ich nicht, irgendetwas hiervon in keiner Weise [?]
saṃvartavacanaṃ śrutvā sarvaṃ tad ṛṣimaṇḍalam ahaṃkāravaśaṃ prāptaṃ tad vākyam abhinandati
Saṃvartas Worte gehört habend, [nahm] jener ganze Seherkreis, in die Macht der Ich-Macherei geraten, das Wort freudig auf (Part./Präs.)
ahaṃkṛtvā tataḥ sarve ṛṣayaḥ kuntinandana parasparam avajñāya tatra te 'thāmitaujasaḥ
nachdem sie sich ihrer selbst bewusst geworden, alle Seher, Sohn der Kuntī, einander verachtend dort, von unermesslicher Kraft (Abs.)
bhṛgus tato mahārāja sarvarṣigaṇapūjitaḥ saṃvartavacanaṃ tatra sa satkṛtyedam abravīt
da Bhṛgu, großer König, von allen Seherscharen geehrt, sprach, Saṃvartas Wort dort ehrend, dies (Impf.)
na tapo vidyate yatra sarvabhūteṣv asaṃśayam; upaspṛśya tatas toyaṃ punar abhyupagamyatām; dṛśyatāṃ suprataptasya dharmasya mahataḥ phalam; yatra yena tapas taptaṃ tathā daśadaśātmakam; tad darśayadhvaṃ saṃgamya tapo yasya yathā kṛtam; tato bhṛguvacaḥ śrutvā sarvaṃ tad ṛṣimaṇḍalam; bhṛgor vacaḥ puraskṛtya tathety ūcur maharṣayaḥ; te tu krodhād ahaṃkāraṃ prāpya sarve maharṣayaḥ; nadīṃ tāṃ vitamāṃ puṇyām upaspraṣṭuṃ vicakramuḥ; te tatra bhraṣṭatapaso vitamāyāṃ jalaṃ śubham; upaspṛśya mahārāja japyam āvartayaṃs tadā; tatas tad gaganaṃ ruddhaṃ sarvais tair ṛṣisattamaiḥ; tapobalaṃ naraśreṣṭha darśayadbhir asaṃśayam; kaś cid ākāśam āviśya jvalad dharmeṇa kevalam
Wo keine Askese ist, unter allen Wesen, ohne Zweifel, — nachdem ihr dann das Wasser berührt habt, sollt ihr wieder herantreten. Man soll die Frucht des wohlgeübten großen Rechts sehen: wo und durch wen Askese geübt wurde, wie [in] Zehnerzehn-Form; das zeigt, zusammenkommend, [jeder], wessen Askese wie [weit] geübt ist.“ Da hörten alle jene Seherscharen Bhṛgus Wort; Bhṛgus Wort voranstellend, sagten die Großseher: „So sei es.“ Sie alle, die Großseher, in Zorn und Ich-Macherei geraten, gingen daran, im heiligen Fluss Vitamā das Wasser zu berühren [zu baden]. Dort, ihrer Askese verlustig, berührten sie das schöne Wasser der Vitamā, König, und murmelten Gebete. Da wurde der Himmel von all den besten Sehern erfüllt, die die Kraft ihrer Askese ohne Zweifel zeigten, Bester der Männer: Mancher stieg in den Himmel auf, flammend nur durch das Recht,
Wort für Wort
na tapo vidyate yatra sarvabhūteṣv asaṃśayam upaspṛśya tatas toyaṃ punar abhyupagamyatām
wo keine Askese ist unter allen Wesen, zweifellos; nach Berühren des Wassers dann sollt ihr wieder herantreten (Abs./Imp.Pass.)
man sehe die Frucht des wohlgeübten großen Rechts; wo und durch wen Askese geübt wurde, so, zehnerzehnhaft [?] (Imp.Pass.)
tad darśayadhvaṃ saṃgamya tapo yasya yathā kṛtam
das zeigt, zusammenkommend, wessen Askese wie geübt ist (Imp.Med.)
tato bhṛguvacaḥ śrutvā sarvaṃ tad ṛṣimaṇḍalam bhṛgor vacaḥ puraskṛtya tathety ūcur maharṣayaḥ
da, Bhṛgus Wort gehört habend, jener ganze Seherkreis, Bhṛgus Wort voranstellend, sagten die Großseher: ‚so sei es‘ (Perf.)
te tu krodhād ahaṃkāraṃ prāpya sarve maharṣayaḥ nadīṃ tāṃ vitamāṃ puṇyām upaspraṣṭuṃ vicakramuḥ
sie aber, alle Großseher, aus Zorn zu Ich-Macherei gelangt, machten sich auf, den heiligen Fluss Vitamā zu berühren (Inf./Perf.)
te tatra bhraṣṭatapaso vitamāyāṃ jalaṃ śubham upaspṛśya mahārāja japyam āvartayaṃs tadā
sie, dort ihrer Askese verlustig, das schöne Wasser der Vitamā berührend, König, murmelten da Gebete (Abs./Impf.)
tatas tad gaganaṃ ruddhaṃ sarvais tair ṛṣisattamaiḥ tapobalaṃ naraśreṣṭha darśayadbhir asaṃśayam
da wurde der Himmel von all jenen besten Sehern erfüllt, die die Askesekraft zeigten, Bester der Männer, ohne Zweifel (Part.Instr.)
kaś cid ākāśam āviśya jvalad dharmeṇa kevalam
mancher, in den Himmel eingegangen, flammend nur durch das Recht (Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Pāda „yatra yena tapas taptaṃ tathā daśadaśātmakam“ unsicher (daśadaśātmaka = ‚aus Zehnerzehn bestehend‘?).
apsarobhis tathā cānye pūtāḥ svargagatā dvijāḥ; puṣpavarṣais tathā cānyaiḥ pūjyante guhyakair api; ke cid ākāśam āviśya divyāṃ ceṣṭām akurvata; tathāsīt sumahān nādo harṣāt teṣām ariṃdama; anyonyaṃ paśyatāṃ tatra hasatāṃ ca yudhiṣṭhira; te dṛṣṭvā balam anyonyaṃ dharmasya bharatarṣabha; tad evaṃ kathayantas te tīre nadyās tathā vibho; taṃ tu dṛṣṭvā viditvā ca dharmalopaṃ mahātmanām; nāradaḥ kuruśārdūla ghaṭṭayaṃs tantriyuktakam; atha te ṛṣayaḥ sarve gantukāmā nabhastalam; yathāpūrvam amitraghna aśaktā gamanāya hi; aṣṭāśītisahasrāṇi munīnāṃ bhāvitātmanām; aśaktā gamane rājaṃs tato 'nyonyam apaśyata; te nirastā nirutsāhā nirāśā gamanaṃ prati; tatraivāsan mahābhāga bhraṣṭapakṣāḥ khagā iva
[und] von den Apsaras, die anderen aber, geläutert, zum Himmel gegangene Zweimalgeborene, wurden mit Blumenregen und auch von den Guhyakas geehrt. Manche stiegen in den Himmel und vollführten göttliches Treiben; da erhob sich vor Freude ein sehr großer Lärm bei ihnen, Feindebezwinger. Wie sie einander ansahen und lachten, Yudhiṣṭhira — als sie einander die Kraft des Rechts gesehen hatten, Stier der Bhārata, und so, Herr, am Flussufer redeten, da erblickte Nārada, der Kuru-Tiger, das Zerstörtsein des Rechts bei den Hochgesinnten, wobei er die Laute klingen ließ. Da wollten alle Seher zum Himmelsraum hin gehen, wie früher, Feindebezwinger, vermochten aber nicht zu gehen: achtundachtzigtausend Weise mit geläutertem Selbst, König, waren zum Gehen unfähig und blickten da einander an. Verworfen, mutlos, hoffnungslos auf das Gehen, blieben sie dort, o Hochbegabter, wie Vögel mit zerstörten Flügeln.
parasparam udaikṣanta evam uktvā maharṣayaḥ; kim idaṃ kiṃ nv idam iti dhik kaṣṭam iti cāpare; te vīkṣamāṇāḥ kṛpaṇāḥ svarge vigatacetasaḥ; ahaṃkāreṇa mahatā vasudhāyāṃ nipātitāḥ; mohasya vaśam āgamya sarva eva vicetasaḥ; na kiṃ cid abhijānanti dharmasya gamanasya vā; yadā vimanasaḥ sarve khagāḥ khāt patitā iva; athaitān nāradovāca harṣād idam atho vacaḥ; kim udīkṣatha mohasthā nākapṛṣṭhaṃ yiyāsavaḥ; durlabho 'yaṃ guṇo bhūyo bhavatāṃ naṣṭadharmiṇām; ahaṃkāreṇa mahatā naṣṭo dharmaḥ sanātanaḥ; evaṃ gate na paśyāmi svargaṃ gantuṃ yathā purā; ete stha ṛṣayaḥ sarve pakṣahīnāḥ khagā iva; tena dharmātilopena cintitena durātmanā; ete stha sarve saṃvṛttā nirāśā gamanaṃ prati
Einander blickten sie an, so sprechend, die Großseher: „Was ist dies? Was denn nur?“ — „Wehe, ein Unglück!“, [sagten] andere. Sie blickten, elend, bewusstlos geworden, [nach] dem Himmel; durch die große Ich-Macherei auf die Erde hinabgestürzt. In die Gewalt der Verblendung geraten, alle ohne Verstand, erkennen sie nichts vom Recht oder vom Gehen; als sie alle verstört waren, wie vom Himmel gefallene Vögel, sprach da Nārada vor Freude dies Wort: „Was starrt ihr, in Verblendung befangen, ihr, die ihr zum Rücken des Himmels gehen wolltet? Schwer erreichbar ist für euch, die ihr das Recht verloren habt, diese Tugend wieder: durch große Ich-Macherei ist das ewige Recht zerstört. So, wie es steht, sehe ich nicht, wie ihr zum Himmel gehen könntet wie früher; hier seid ihr alle Seher, wie Vögel ohne Flügel. Durch diese gewaltige Verletzung des Rechts, durch das schlimme Denken, seid ihr alle hoffnungslos auf das Gehen geworden.
Wort für Wort
parasparam udaikṣanta evam uktvā maharṣayaḥ kim idaṃ kiṃ nv idam iti dhik kaṣṭam iti cāpare
sie blickten einander an, so gesprochen habend, die Großseher; ‚was ist das, was denn?‘ ‚wehe, ein Unglück‘, andere (Impf.Med.)
te vīkṣamāṇāḥ kṛpaṇāḥ svarge vigatacetasaḥ ahaṃkāreṇa mahatā vasudhāyāṃ nipātitāḥ
sie blickend, elend, bewusstlos, [nach] dem Himmel; durch große Ich-Macherei auf die Erde gestürzt (Part.Pass.)
mohasya vaśam āgamya sarva eva vicetasaḥ na kiṃ cid abhijānanti dharmasya gamanasya vā
in Verblendungs Gewalt geraten, alle ohne Verstand, erkennen sie nichts vom Recht oder vom Gehen (Abs./Präs.)
dvaipāyana uvāca; nadyās tīre śubhe puṇye dharmaṃ kuruta yatnataḥ; tasya tad vacanaṃ śrutvā ṛṣayo dīnacetasaḥ; taṃ nāradam ṛṣiśreṣṭhaṃ prahvā bhūtvātha te 'bruvan; punar asmadvidhair bhūyo nākapṛṣṭhaṃ tapodhana; adhiṣṭhātuṃ kathaṃ vāpi na bhaved dharmasaṃkaraḥ; teṣāṃ tu vacanaṃ śrutvā nāradaḥ punar abravīt; muhūrtaṃ dhyānam āsthāya yogam āgamya vai śubham; ahaṃkārasya jānīdhvam ṛṣayo dāruṇaṃ balam; kim āśāsya tu pāpasya karmaṇaś caritasya vai; aho phalam anāryasya duṣkṛtasya mahat tv idam; yad evaṃ prāpyate doṣas tv ahaṃkāro maharṣibhiḥ; kva tad varṣasahasrāṇi taptasya tapasaḥ phalam; kva tan naṣṭaṃ purā tv iṣṭaṃ niyamaḥ kva ca vai damaḥ; yad ūrdhvabāhubhiḥ śāntaiḥ kva nu tasya phalaṃ gatam
Dvaipāyana sprach: „Am heiligen, schönen Flussufer übt mit Eifer das Recht!“ Als sie seine Rede gehört hatten, verneigten sich jene Seher, mutlosen Sinnes, vor dem besten Seher Nārada und sagten: „Wie [können] wir, Askesereicher, nun wieder zum Himmelsrücken hinaufsteigen, oder [wie] soll keine Vermischung des Rechts eintreten?“ Als Nārada ihre Worte gehört hatte, sprach er wieder: Nachdem er einen Augenblick Meditation aufgenommen und den glückbringenden Yoga erreicht hatte: „Erkennt, ihr Seher, die schreckliche Macht der Ich-Macherei! Was bleibt von einem sündigen Tun, das [so] geübt wurde? Ach, dies ist die große Frucht der schlimmen, schlecht getanen Tat, dass die Großseher diesen Fehler, die Ich-Macherei, erleiden! Wo ist die Frucht der tausendjährigen geübten Askese? Wo ist das früher Geopferte verschwunden, wo Zügelung und Selbstbezähmung? Wo ist die Frucht dessen hin, was die Friedlichen mit erhobenen Armen geübt haben?
wieder von unsereins, Askesereicher, den Himmelsrücken zu besteigen — wie [soll] es geschehen, dass keine Rechtsvermischung ist? (Inf./Opt.)
teṣāṃ tu vacanaṃ śrutvā nāradaḥ punar abravīt muhūrtaṃ dhyānam āsthāya yogam āgamya vai śubham
ihre Rede gehört habend, sprach Nārada wieder, einen Augenblick Meditation aufnehmend und den glückbringenden Yoga erreichend (Abs.)
ahaṃkārasya jānīdhvam ṛṣayo dāruṇaṃ balam kim āśāsya tu pāpasya karmaṇaś caritasya vai
erkennt, Seher, die schreckliche Macht der Ich-Macherei; was ist zu erhoffen von einer geübten sündigen Tat (Imp.)
aho phalam anāryasya duṣkṛtasya mahat tv idam yad evaṃ prāpyate doṣas tv ahaṃkāro maharṣibhiḥ
ach, dies ist die große Frucht der unedlen Untat, dass so den Großsehern der Fehler, die Ich-Macherei, zuteil wird (Pass.)
kva tad varṣasahasrāṇi taptasya tapasaḥ phalam kva tan naṣṭaṃ purā tv iṣṭaṃ niyamaḥ kva ca vai damaḥ
wo ist die Frucht der tausend Jahre geübten Askese? wo ist das früher Geopferte verloren, wo Bändigung, wo Selbstbezähmung?
yad ūrdhvabāhubhiḥ śāntaiḥ kva nu tasya phalaṃ gatam
wohin ist die Frucht dessen gegangen, was die Friedlichen mit erhobenen Armen [taten]? (Part.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „Dvaipāyana uvāca“ steht mitten im Abschnitt (Sprecherwechsel der Zusatzpassage); anschließende Rede ist Nāradas.
yadarthaṃ cārcitā devāḥ pitaraś ca tapodhanāḥ; kva nu tasya phalaṃ viprāḥ tapaso 'gryasya vai gatam; ete kartavyadharmāḥ stha punar eva yathā purā; evaṃ gate na paśyāmi gamanaṃ vas triviṣṭapam; ahaṃkāraprabhāveṇa tena saṃśayitā gatiḥ; aham apy anugantā vai kevalena tu karmaṇā; anena kāraṇenāptam evaṃ saṃśayam ātmani; tad iyaṃ pravarasrotā nadī puṇyajalā śubhā; kartavyo dharma iha tu yadi nāsti nabhogatiḥ; vāyubhakṣā nirāhārā niyatā vijitendriyāḥ; iha dharmaṃ sunibhṛtā bhavantaḥ kartum arhatha; iha deveśvareṇāpi vāsavena mahātmanā; dharma ugraḥ sucarito vitamāyāḥ puropari; iha devena devyā ca rudreṇa sumahat tapaḥ; taptaṃ varṣasahasrāṇi divyena vidhinā purā
[Wo ist die Frucht dessen], weswegen die Götter, Väter und Asketen geehrt wurden? Wohin, ihr Brahmanen, ist die Frucht der vorzüglichen Askese gegangen? Ihr seid [es], die ihr die Pflichten tun müsst, wieder wie früher. So stehend sehe ich für euch kein Gehen zum Himmel; durch die Macht der Ich-Macherei ist der Weg zweifelhaft. Auch ich werde folgen, nur durch [mein] Tun. Aus diesem Grund ist [mir] dieser Zweifel im Selbst zuteil geworden. Darum: dieser Fluss, mit vorzüglichem Strom, mit heiligem Wasser, glückbringend — hier ist das Recht zu üben, wenn es keinen Himmelsweg gibt. Luft als Speise, ohne Nahrung, gezügelt, sinnenbezwungen — hier sollt ihr, tief in euch gekehrt, das Recht üben. Hier hat auch der Götterherr Vāsava, der Hochgesinnte, das furchtbare Recht wohl geübt, oberhalb der Vitamā; hier hat einst der Gott und die Göttin, Rudra, sehr große Askese geübt, tausend Jahre lang, in göttlicher Ordnung.
Wort für Wort
yadarthaṃ cārcitā devāḥ pitaraś ca tapodhanāḥ kva nu tasya phalaṃ viprāḥ tapaso 'gryasya vai gatam
weswegen Götter, Väter und Asketen geehrt wurden; wohin ist die Frucht, Brahmanen, der vorzüglichen Askese gegangen (Part.Pass.)
ete kartavyadharmāḥ stha punar eva yathā purā evaṃ gate na paśyāmi gamanaṃ vas triviṣṭapam
ihr seid solche, die Pflichten zu tun haben, wieder wie früher; so stehend sehe ich für euch kein Gehen zum Himmel (Gerundiv)
ahaṃkāraprabhāveṇa tena saṃśayitā gatiḥ aham apy anugantā vai kevalena tu karmaṇā
durch die Macht der Ich-Macherei ist der Weg zweifelhaft; auch ich werde folgen, nur durch Tun (Fut.Part.)
Auch der hochgesinnte Viṣṇu hat diese beste der Flüsse erreicht und, das gute Wasser berührend, das schwer durchschreitbare Ende [des Kreislaufs?] gewonnen. Dies ist die Macht dieses Flusses, ihr Rechtskundigen, ohne Zweifel; nachdem ihr hier heilig gelebt habt, werdet ihr zu glücklichem Ziel gehen. Als alle mutlos, in höchstes Elend geraten waren, sagte Nārada zu ihnen allen, den Hochgesinnten: „Lasst dieses Elend, das jedes Vorhaben zunichtemacht; ihr sollt alle mit gesammeltem Inneren [zu]hören. Und was ich sagen werde, ist das, was ihr tun müsst, ein Mittel zur Erfüllung der Aufgabe: Nachdem ihr in jeder Weise den Stolz abgelegt habt, mit Demut und Selbstbezähmung, werdet ihr, Asketen, wenn ihr heute dies mein Wort befolgt, in diesem Augenblick wie früher zum Himmel gehen, wenn ihr alle mein Wort wie gesprochen befolgt: In diesem Augenblick wird die Befleckung von euch allen vergehen.
diese beste der Flüsse erreicht habend, von Viṣṇu, dem Hochgesinnten, das gute Wasser berührend, wurde das schwer überschreitbare Ende erlangt (Abs./Part.Pass.)
als alle mutlos in höchstes Elend geraten waren, alle Hochgesinnten, sprach dann Nārada zu ihnen (Impf.)
dainyam etat parityajya sarvakāryāvasādakam śrotum arhatha vai sarve prayatenāntarātmanā
lasst dieses Elend, das jedes Vorhaben zunichtemacht; ihr sollt alle mit gesammeltem Inneren hören (Abs./Inf.)
yac ca vakṣyāmi tat kāryaṃ bhavadbhiḥ kāryasādhanam sarvathā mānam utsṛjya vinayena damena ca
und was ich sagen werde, ist von euch zu tun, ein Mittel zur Aufgabenerfüllung; nachdem ihr in jeder Weise den Stolz abgelegt habt, mit Demut und Selbstbezähmung
yad idaṃ vacanaṃ me 'dya kariṣyatha tapodhanāḥ idaṃ muhūrtam ākāśaṃ yathāpūrvaṃ gamiṣyatha
wenn ihr heute dies mein Wort tun werdet, Asketen, werdet ihr in diesem Augenblick wie früher zum Himmel gehen (Fut.)
„Nie habe ich zuvor die Unwahrheit gesagt; ich bin ein Weiser, Gelübdetreue; hört mein Wort gut an, ich bin Nārada, Asketen: Für euch, die ihr den Stolz abgelegt habt, wird Recht sein und auch der Himmel. In diesem Augenblick nehmt mein Wort an, alle; denn Worte von Freunden, die im Recht verständlich sind, sollen immer [beherzigt werden]. Tut ohne Überlegung dies mein heilsames Wort; um Saṃvartas willen werdet ihr hier gemäß [der Regel] erlangen. Ich will euch, die ihr alle rechtschaffen seid, richtig erklären; nachdem ihr Nachsicht und Nicht-Nachsicht erkannt habt, tut das, was heilsam ist.“ Dvaipāyana sprach: „Ihr werdet zu ewigem, festem [Ort] gelangen, [wo ihr weilt].“ Als die hervorragenden Seher, König, seine Rede hörten, wurden sie alle mit freudig erblühten Augen. Da sprach Bhṛgu, gesammelt, zum göttlichen Seher Nārada, Bester der Männer, aus Staunen ein liebliches Wort:
mit vor Freude erblühten Augen wurden sie alle da; Bhṛgu, gesammelt geworden, zum göttlichen Seher Nārada da
uvāca puruṣaśreṣṭha vismayād ruciraṃ vacaḥ
sprach, Bester der Männer, aus Staunen ein liebliches Wort (Perf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile „śāśvataṃ ca dhruvaṃ caiva yathāsthānaṃ gamiṣyatha“ folgt in der Quelle unmittelbar auf „dvaipāyana uvāca“; Bezug auf Nāradas Rede möglich. „saṃvartasya hitārthāya“ unklar in Bezug und Sinn [?].
kiṃ nu tad daivataṃ brahman vrataṃ vā niyamo 'pi vā; yat kṛtvā khecaraśreṣṭha nākapṛṣṭhaṃ labhemahi; sarvathā naitad āścaryaṃ devarṣe tava yan matam; asmākam anukampārthaṃ yat tvaṃ vadasi dhārmika; tato vada hitaṃ vākyaṃ pāpam etat pramārjitam; ko vā sa niyamo vipra samādheyo hi naḥ punaḥ; tad ete vai vayaṃ sarve ṛṣayo munisattama; baddhāñjalipuṭāḥ prahvās tava sādho prasādane; tat tu dharmātmanaḥ śrutvā bhṛgor vākyaṃ mahāyaśāḥ; kṛtāñjalipuṭāṃs tāṃś ca ṛṣīn dṛṣṭvā mahāmuniḥ; tataḥ prahasya tad vākyaṃ nārado munisattamaḥ; sarvān eva samāsīnān idaṃ vacanam abravīt; hanta vaḥ kathayiṣyāmi sarva eva nibodhata; kṣamaṃ cāpy anukūlaṃ ca svargāya ca hitāya ca
„Was ist das für ein göttliches [Mittel], Brahmane, oder Gelübde oder Bestimmung, durch die wir, Bester der Himmelsgänger, den Himmelsrücken erlangen könnten? In jeder Weise ist es nicht verwunderlich, Götterseher, dass dein Denken so ist, Rechtschaffener: dass du uns aus Mitleid [dies] sagst. Darum sprich das Heilsame; diese Sünde ist [dann] abgewaschen. Oder welche Bestimmung ist es, Brahmane, die wir wieder einhalten sollen? So stehen wir alle hier, die Seher, Bester der Weisen, mit gefalteten Händen, gebeugt, um dich, Guter, zu besänftigen.“ Als der Hochberühmte diese Worte des rechtschaffenen Bhṛgu gehört hatte und jene Seher mit gefalteten Händen sah, lachte der große Weise, Nārada, der Beste der Weisen, und sprach zu allen Sitzenden diese Worte: „Wohlan, ich will es euch sagen, hört alle: [Es ist] angemessen und günstig, und für den Himmel und für [euer] Wohl heilsam.
Wort für Wort
kiṃ nu tad daivataṃ brahman vrataṃ vā niyamo 'pi vā yat kṛtvā khecaraśreṣṭha nākapṛṣṭhaṃ labhemahi
was ist das Göttliche, Brahmane, das Gelübde oder die Bestimmung, durch dessen Tun, Bester der Himmelsgänger, wir den Himmelsrücken erlangen könnten (Opt.Med.)
eṣa śailavare bālo mitrāvaruṇasaṃbhavaḥ; agastyo nāma dharmātmā bhāskare tapa āsthitaḥ; dhairyeṇa tapasā caiva dharmeṇa ca damena ca; na tulyo vidyate yasya sarveṣāṃ bhavatām api; taṃ bālam ugratapasaṃ dharmātmānam aninditam; abhigacchata saṃhṛtya ṛṣayo mānam ātmanaḥ; yadi mānaṃ ca mohaṃ ca tyaktvā darpaṃ ca kevalam; abhigacchata taṃ bālaṃ gamiṣyatha yathā purā; sa hy arka iva tejasvī bhāskare parvatottame; tapaś carati lokasya svastihetor dhṛtavrataḥ; na tulyas tejasā tasya dharmeṇa ca damena ca; upatiṣṭhata taṃ sarve varadaṃ munipuṃgavam; tatas tasya vacaḥ śrutvā nāradasya mahātmanaḥ; hṛṣṭena manasā sarve tasya vākyam adhiṣṭhitāḥ; nāradaṃ te tathety uktvā sarve kṛtvā pradakṣiṇam
„Dort auf dem besten Berg ist der Knabe, aus Mitra und Varuṇa entstanden, namens Agastya, rechtschaffen, der auf dem Bhāskara Askese hält, der an Standhaftigkeit, Askese, Recht und Selbstbezähmung keinen Gleichen unter euch allen hat. Zu diesem jungen, streng asketischen, rechtschaffenen, untadeligen [Manne] geht, Seher, nachdem ihr euren Stolz gebändigt habt. Wenn ihr Stolz und Verblendung und allen Hochmut abgelegt habt, geht zu jenem Knaben, so werdet ihr gehen wie früher. Er ist ja wie die Sonne strahlend auf dem besten Berg Bhāskara; er übt Askese zum Heil der Welt, gelübdefest; an Glanz, Recht und Selbstbezähmung ist keiner ihm gleich: dient allesamt diesem Gabenspender, dem Stier unter den Weisen.“ Da hörten sie Nāradas, des Hochgesinnten, Wort; mit frohem Herzen hielten alle an seinem Wort fest. Sie sagten zu Nārada „So sei es“, umwandelten ihn rechts
Wort für Wort
eṣa śailavare bālo mitrāvaruṇasaṃbhavaḥ agastyo nāma dharmātmā bhāskare tapa āsthitaḥ
dieser auf dem besten Berg, ein Knabe, aus Mitra und Varuṇa entstanden, namens Agastya, rechtschaffen, auf dem Bhāskara der Askese hingegeben (Part.)
dhairyeṇa tapasā caiva dharmeṇa ca damena ca na tulyo vidyate yasya sarveṣāṃ bhavatām api
an Standhaftigkeit, Askese, Recht, Selbstbezähmung; keiner ist ihm gleich, auch nicht unter euch allen (Präs.Pass.)
prasannamanaso vīra jagmus te bhāskaraṃ girim; te taṃ girivaraṃ puṇyaṃ sarvakālaphaladrumam; adhiruhya yatātmānaḥ sarvataḥ pratyalokayan; sa tu parvatarājasya bhāskarasyāṃśumān iva; upary upari dharmātmā caraty ugraṃ tapaḥ śuciḥ; taṃ dṛṣṭvā vismitāḥ sarve ṛṣayaḥ śatrusūdana; tasmān nātarkayaṃs te tad yad uktaṃ nāradena vai; tatas tv abhigatāḥ sarve taṃ bālam ṛṣisattamāḥ; aṣṭāśītisahasrāṇi prayatāni yatāni ca; sarveṣāṃ vacanāt teṣāṃ bhṛgus tatra yatavrataḥ; abravīt taṃ mahātmānaṃ dīpyamānaḥ svatejasā; agastya śreṣṭha sādhūnāṃ nityaṃ sucaritavrata; śrotum arhasi dharmajña vaco munivarātmaja; vayaṃ daivatasṛṣṭena ahaṃkāreṇa mohitāḥ; damam utsṛjya dharmeṇa rāgaspṛṣṭā vimohitāḥ
mit heiterem Sinn, Held, und gingen zum Berg Bhāskara. Sie erstiegen jenen besten Berg, der zu jeder Zeit Früchte trägt, mit gebändigtem Selbst, und blickten überallhin. Er aber, wie eine Strahlensonne des Bergkönigs Bhāskara, der Rechtschaffene, übt oben immer wieder furchtbare Askese, rein. Als sie ihn sahen, staunten alle Seher, Feindebezwinger; sie zweifelten deshalb nicht an dem, was Nārada gesagt hatte. Da traten alle zu jenem Knaben, die besten Seher, achtundachtzigtausend Zurückhaltende und Bezwungene. Auf Wunsch aller von diesen sprach Bhṛgu dort, der Gelübdetreue, mit eigenem Glanz erstrahlend, zu jenem Hochgesinnten: „Agastya, Bester der Rechtschaffenen, [du] von immer guter Gewohnheit und Gelübde: du sollst hören, Rechtskundiger, das Wort des Sohnes des besten Weisen. Wir sind, von der göttlichen Schöpfung [herrührender] Ich-Macherei verblendet, haben die Selbstbezähmung durch das Recht [einst] aufgegeben, von Leidenschaft berührt, ganz verblendet.
Wort für Wort
prasannamanaso vīra jagmus te bhāskaraṃ girim te taṃ girivaraṃ puṇyaṃ sarvakālaphaladrumam
mit heiterem Sinn, Held, gingen sie zum Berg Bhāskara (Perf.); jenen heiligen besten Berg, mit zu jeder Zeit fruchttragenden Bäumen
adhiruhya yatātmānaḥ sarvataḥ pratyalokayan sa tu parvatarājasya bhāskarasyāṃśumān iva
erstiegen habend, mit gebändigtem Selbst, blickten sie überallhin (Abs./Impf.); er aber, wie ein Strahl der Bergkönigs Bhāskara
Durch deine Gnade wünschen wir zu gehen zum erwünschten glückbringenden Ziel; für uns alle, von der Ich-Macherei und dergleichen Verbrannte, sei du Schutz. Achtundachtzigtausend, sie erlösend, wirst du, über das Übel hinaus, durch das höchste Recht, für immer die Welten erlangen. Durch diese Gabe des Rechts, Großweiser, Bester der Weisen, rette [dein] Selbst, die Väter und die Welt der Lebenden. Wir sind alle zurückhaltend, um des Himmels willen zu dir hergekommen; achtundachtzigtausend, rette diese durch deine Kraft. Wir sind alle zu dir gekommen, die den Himmel deiner ersehnen; in Hoffnung auf dich, das glückliche Ziel erwartend. Tu, Rechtskundiger, das Zweckdienliche, [und] hier die Ankunft der Seher.“ Dvaipāyana sprach: „Du bist würdig, mit deiner eigenen Kraft die Schutzsuchenden zu schützen.“ Er, jene Seherscharen sehend, die Schutzsuchenden, Agastya, mit gefalteten Händen [flehend], wurde mit heiterem Gesicht.
pratyarcayitvā sarvān vai vinayenopagamya ca; kṛtāñjalir uvācedaṃ sarvān sa ṛṣisattamān; susvāgataṃ vo bhavatu sādhūnāṃ sarvaśas tv iha; svam āśramapadaṃ tāvad ṛṣīṇāṃ bhavatām idam; tatas teṣv arhataḥ kṛtvā sa cātithividhiṃ dvijaḥ; upaviśya yathānyāyaṃ praśrayāvanataḥ sthitaḥ; agastyas tāṃs tataḥ sarvān kṛtāñjalir abhāṣata; namo bhagavatām astu sarveṣām eva vaḥ samam; putro 'haṃ bhavatāṃ sādhu śiṣyo vā praṇato 'bruvam; kā śaktir mama bālasya muner akṛtakarmaṇaḥ; bhavatām abhayaṃ dātuṃ svargaṃ prāpayituṃ tathā; muneḥ kartavyadharmo 'yaṃ kevalaṃ kiṃ cid eva hi; nāma dharma iti śrutvā kiṃ cin niyamavān aham; kuto dharmaḥ kutaḥ puṇyaṃ kuto dānaṃ kuto damaḥ
Nachdem er sie alle geehrt hatte, mit Demut sich nähernd, sprach er, mit gefalteten Händen, dies zu allen jenen besten Sehern: „Willkommen sei euch, ihr Guten, allesamt hier; dies sei einstweilen eure eigene Einsiedelei, ihr Seher.“ Dann, nachdem er ihnen, den Verehrungswürdigen, die Gastempfangspflicht erfüllt hatte, der Zweimalgeborene, saß er, wie es sich gehört, in Ehrerbietung gebeugt. Agastya sprach dann zu ihnen allen, mit gefalteten Händen: „Verehrung sei euch Erhabenen allen gleichermaßen. Als Sohn oder Schüler bin ich vor euch Guten niedergefallen [redend]; welche Kraft habe ich, ein Knabe, ohne vollbrachte Taten, euch Furchtlosigkeit zu geben und zum Himmel zu bringen? Die Pflicht eines Asketen ist bei mir nur etwas Geringes; da ich ‚Recht‘ nur mit Namen gehört habe, bin ich nur wenig zügeldiszipliniert. Woher [käme] Recht, woher Verdienst, woher Gabe, woher Selbstbezähmung,
Wort für Wort
pratyarcayitvā sarvān vai vinayenopagamya ca kṛtāñjalir uvācedaṃ sarvān sa ṛṣisattamān
nachdem er alle geehrt und mit Demut sich genähert hatte, sprach er, mit gefalteten Händen, dies zu allen besten Sehern (Abs.)
susvāgataṃ vo bhavatu sādhūnāṃ sarvaśas tv iha svam āśramapadaṃ tāvad ṛṣīṇāṃ bhavatām idam
willkommen sei euch Guten hier durchweg; dies sei einstweilen eure eigene Einsiedelei, ihr Seher (Opt.)
dann, ihnen, den Verehrungswürdigen, die Gastempfangspflicht erfüllt habend, der Zweimalgeborene, sich niedergesetzt habend, stand in Ehrerbietung gebeugt (Abs.)
agastyas tāṃs tataḥ sarvān kṛtāñjalir abhāṣata namo bhagavatām astu sarveṣām eva vaḥ samam
Agastya sprach dann zu ihnen allen, mit gefalteten Händen: Verehrung sei euch Erhabenen allen gleichermaßen (Impf.Med./Opt.)
putro 'haṃ bhavatāṃ sādhu śiṣyo vā praṇato 'bruvam kā śaktir mama bālasya muner akṛtakarmaṇaḥ
Sohn bin ich von euch Guten, oder Schüler, niedergefallen sprach ich; welche Kraft habe ich, ein Knabe, ein Weiser ohne getane Taten (Impf.)
bhavatām abhayaṃ dātuṃ svargaṃ prāpayituṃ tathā muneḥ kartavyadharmo 'yaṃ kevalaṃ kiṃ cid eva hi
euch Furchtlosigkeit zu geben und zum Himmel zu bringen (Inf.); dieses die Pflicht des Weisen ist nur ein Geringes
yena dadyām ahaṃ dharmaṃ bhavatāṃ svargakāṅkṣiṇām; prasīdata na me roṣaṃ yūyaṃ vai kartum arhatha; saṃbhāvayāmi nātmānaṃ yena dadyām aho 'bhayam; tad etad vacanaṃ śrutvā munes tasya mahātmanaḥ; cakrus te gamane buddhiṃ tām eva vitamāṃ tadā; tatas tv agastyaḥ sahasā tān uvāca dhṛtavrataḥ; aṣṭāśītisahasrāṇi ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām; śirasy añjalinā bālaḥ praṇamya śirasā hy api; idaṃ vacanam iṣṭātmā sarvān eva tadābravīt; na gantavyam alaṃ tāvat sarvair ṛṣigaṇair itaḥ; dāsyāmi yadi śakṣyāmi svargīyaṃ bhavatāṃ vacaḥ; gamiṣyatha yathāpūrvaṃ yadi dharmo bhaviṣyati; muhūrtaṃ sthīyatāṃ tāvad yāvat tāvad upaspṛśe; sa gatvā vitamāṃ puṇyām ṛṣis tvaritam ātmavān
durch die ich euch, die ihr den Himmel ersehnt, [meine] Gabe geben könnte? Seid gnädig, ihr sollt mir keinen Zorn [zeigen]; ich kann mich selbst nicht dafür einschätzen, dass ich Furchtlosigkeit geben könnte.“ Als sie diese Rede des hochgesinnten Weisen gehört hatten, richteten sie da ihren Sinn erneut auf das Gehen zu jener Vitamā. Da sprach Agastya sogleich zu ihnen, der Gelübdetreue: „Achtundachtzigtausend Seher mit geläutertem Selbst, sich mit Kopf und gefalteten Händen verneigend, der Knabe [Agastya], mit ergebenem Gemüt, sprach dann zu ihnen allen dies Wort: ‚Ihr sollt nicht [gleich] von hier weggehen, ihr Seherscharen alle; ich werde geben, wenn ich es vermag, das euch himmlische Wort. Ihr werdet gehen wie früher, wenn das Recht [bei mir] sein wird; verweilt einen Augenblick, so lange bis ich das Wasser berühre.‘“ Er, der Seher, mit sich selbst bezwungen, ging rasch zur heiligen Vitamā,
Wort für Wort
yena dadyām ahaṃ dharmaṃ bhavatāṃ svargakāṅkṣiṇām prasīdata na me roṣaṃ yūyaṃ vai kartum arhatha
durch die ich euch, die den Himmel ersehnen, [meine] Gabe geben könnte (Opt.); seid gnädig, keinen Zorn sollt ihr mir zeigen (Imp.)
einen Augenblick werde verweilt, solange bis ich [das Wasser] berühre (Imp.Pass./Opt.Med.); er, gegangen, zur heiligen Vitamā, der Seher, rasch, sich selbst bezwungen (Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
berührte das Wasser gemäß der Vorschrift und kehrte dann zurück. Da wandte sich der Kluge zur östlichen Richtung, mit gefalteten Händen, mit frohem Sinn sprach er, dastehend, aufwärts gerichtet, nach Norden blickend: „Wenn es irgendein gutes Werk gibt, [wenn] die Götter wohl verehrt wurden — mögen diese achtundachtzigtausend gehen wie früher! Es sei fest [gewiss] für sie alle, die Hochgesinnten, der Himmel als Ort, durch meine Wahrheit, Askese, Zügelung und Selbstbezähmung.“ Nach diesem Ende der Rede, Stier der Bhārata, stiegen die achtundachtzigtausend Weisen mit heiligem Wirken, froh, zum Himmel auf wie früher. Da wurde eine Stimme gehört: ‚Gut, gut!‘, unmittelbar danach: ‚Gut, Sohn, guter Sohn bist du, o Mitra[-Sohn], Gelübdefester; gut, Bester der Wesenhaften, gut, Bester der Wahrhaftigen; gut ist diese Gabe, heilig, gut ist deine Brahmanentreue. Durch deine Gnade sind wir alle jetzt zum Himmelsrücken [gekommen], augenblicklich.
Wort für Wort
yathāvidhi upaspṛśya tatas tv abhyājagāma ha tataḥ pūrvāṃ diśaṃ dhīmān adhiṣṭhāya kṛtāñjaliḥ
gemäß Vorschrift berührend, kehrte er zurück (Abs.); dann zur östlichen Richtung der Kluge, dastehend, mit gefalteten Händen
hṛṣṭena manasovāca sthito hy ūrdhvam udaṅmukhaḥ yady asti sukṛtaṃ kiṃ cid devatā vā supūjitāḥ
mit frohem Sinn sprach er, dastehend, aufwärts, nach Norden blickend; wenn es irgendein gutes Werk gibt, oder wohl verehrte Götter
wie früher zum Erhaltenen gelangt, ach [ist] deine Gabe unerschöpflich!‘ Trommeln erklangen im Himmel, ach die Frucht der Gabe! Auch [die Kunde] ‚ach welche Gabe!‘ wird von den drei Welten verkündet, Großweiser. Götter, große Schlangen, Yakṣas, Gandharvas, Siddhas, Cāraṇas bestreuten Agastya, den Besten der Männer, mit Blumenregen. Gandharvas mit Gesangslärm, mit vielfältigen Musikinstrumenten [priesen ihn]: ‚Ach welche Gabe!‘ verkündend, ehrten sie Agastya. Urvaśī, Menakā, Rambhā, Śyāmā, Kālī ebenso, Rāmā, Yojanagandhā, Gandhakālī ebenso, die schönsten Apsaras tanzten, Stier der Bhārata. ‚Ach welche Gabe!‘ verkündeten sie hundertfach, Gabenspender; anmutig, hoch erfreut, Götter, Gandharvas und Schlangen, verkündend den großen Ruf über Agastya, froh damals, standen sie zugewandt zum Himmel, sagten ‚Gut, gut!‘
Fest sei dir auch, ach welche Gabe, [die] jene drei Welten damals [verkündeten]. Wolken, göttliche Blüten tragend, kamen von überall her herbei, ließen Blumenregen auf Agastyas Einsiedelei regnen. So, großer König, priesen sie damals Agastyas gute Rede. Dvaipāyana sprach: „Verkündet wird [noch] ‚ach welche Gabe!‘ von überall, Stier der Bhārata.“ Als [die Kunde] ‚ach welche Gabe‘ verkündet wurde von jenem Brahmanenseher, damals, betrachtete Nārada dieses höchst Erstaunliche, Wunderbare; er, aus dem Vitamā-Ufer aufgestanden, der Weisenstier, von großer Freude erfüllt, stieg den Berg Bhāskara hinauf. Er, hinaufgestiegen, der Hochverständige, sah den jungen Weisen, unveränderlich dasitzend, mit Standhaftigkeit erfüllt. Ihn gesehen habend, Nārada, den jungen Agastya, den Besten der Weisen, ließ der Götterseher [ihn] anwachsen [an Segen], vor Freude wie ein Unsterblicher: „Zum Glück wächst du, Rechtskundiger, unerschütterlich, Bester der Weisen,
fest [gewiss] sei dir auch, ach welche Gabe, jener [Verkündigung durch] die drei Welten damals; göttliche Blüten tragende Wolken kamen von überall her (Part.Pass.)
vavṛṣuḥ puṣpavarṣāṇi agastyasyāśramaṃ prati evaṃ tadā mahārāja agasteḥ sādhuvādinaḥ
ließen Blumenregen regnen auf Agastyas Einsiedelei zu (Perf.); so damals, großer König, [priesen sie] Agastyas [Rede] gut sprechend
ihn gesehen habend, Nārada, den jungen Agastya, Besten der Weisen, ließ der Götterseher anwachsen, vor Freude, einem Unsterblichen gleich (Abs./Perf.periphr.)
diṣṭyā vardhasi dharmajña dhruvāya munisattama
zum Glück wächst du, Rechtskundiger, unerschütterlich, Bester der Weisen (Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
nachdem du die Welten besiegt hast, o Mensch mit Wohlwollen, Großweiser. Achtundachtzigtausend hast du zum Himmelsraum gebracht; dies erlangte Werk von dir ist eine große, gewaltige Gabe. Nicht haben dies Indra und die anderen Götter erlangt, noch die Seher, was du heute erlangt hast, Hochverständiger, du allein als Knabe. Himmlisch ist dies, Rechtskundiger, unerschütterlich, Bester der Weisen; besiegt hast du die Welten, [du,] der aller Welten Wohl suchend; viel [an Gutem] sollst du tun, Recht, ohne Zweifel, gewiss. Du [wirst], in diesem Zeitalter, als der einzige Seher an Eigenschaften erinnert werden, wirst du sein, Hochverständiger, unerschütterlich, ewig, unwandelbar.“ Als er diese Rede des hochgesinnten Nārada gehört hatte, verehrte er ihn nach der Regel und sprach dies Wort: „Erhabener, nur aus jugendlicher Askese habe ich [dies] erlangt, mächtiger; heute wie durch irgendetwas Gesagtes um jener Hochgesinnten willen. Sie sind sogleich, alle, auf mein Wort hin, Nārada, gegangen,
du wirst in diesem [vorderen] Zeitalter als der einzige Seher an Eigenschaften erinnert; du wirst sein, Hochverständiger, unerschütterlich, ewig, unwandelbar (Part.Pass./Fut.)
Erhabener, nur aus Jugend, durch Askese erlangt, Mächtiger; von mir heute wie durch [etwas] Gesagtes, um jener Hochgesinnten willen (Part.Pass./Instr.)
te gatāḥ sahasā sarve vacanān mama nārada
sie sind sogleich alle gegangen, auf mein Wort hin, Nārada (Part.Pass./Abl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
nākapṛṣṭhaṃ mahātmānaḥ sa hi dharmaḥ samārjitaḥ; agastyavacanaṃ śrutvā nārado bharatarṣabha; uvāca paramaprītas tad vākyam abhipūjayan; kiṃ nāma budhyase ''tmānam agaste pūrvanirjitān; lokāṃs tvayā mahāprājña dharmeṇa mahatā ciram; bhavān eko muniḥ pūrvaṃ vṛṣabho nāma nāmataḥ; yadā ca varṣakoṭī vai yugam āsīn mahāvrata; divyasaṃkalpakaṃ nāma pūrvakalpe kṛte yuge; yadā dvīpān samudrāṃś ca parvatāṃś ca vanāni ca; viṣṇuḥ saṃkalpayām āsa sahitaḥ padmayoninā; tadāpi hi bhavāñ jātaḥ salilād dhi svayaṃ prabho; puṣkarāc ca yathā brahmā yathā toyāc ca pāvakaḥ; tathā tvam api dharmajña svayaṃbhūḥ salilodbhavaḥ; evaṃ hi kathayām āsa varadaḥ padmasaṃbhavaḥ
[und erreichten] den Himmelsrücken, die Hochgesinnten; das ist das Recht, das erworben wurde. Agastyas Wort gehört habend, [sprach] Nārada, Stier der Bhārata, überaus zufrieden, dieses Wort verehrend: „Erkennst du dich selbst, wie du früher die Welten besiegt hast, Agastya, durch großes Recht, lange, Hochverständiger. Als du früher ein einziger Weise warst, mit Namen Vṛṣabha [„Bulle“] genannt, und als eine Koṭi Jahre als [ein] Zeitalter war, im vorherigen Zeitalter, im Kṛtayuga, [du,] mit Namen Divyasaṃkalpaka: als Viṣṇu die Inseln, Meere, Berge und Wälder erschuf, zusammen mit dem Lotosgeborenen, da wurdest auch du geboren, aus dem Wasser, Herr, von selbst — wie Brahmā aus dem [See] Puṣkara, wie das Feuer aus dem Wasser, so bist auch du, Rechtskundiger, selbstentstanden, aus dem Wasser hervorgegangen. So erzählte es der Gabenspender, der Lotosgeborene.“
Wort für Wort
nākapṛṣṭhaṃ mahātmānaḥ sa hi dharmaḥ samārjitaḥ agastyavacanaṃ śrutvā nārado bharatarṣabha
[erreichten] den Himmelsrücken, die Hochgesinnten; das ist das erworbene Recht (Part.Pass.); Agastyas Wort gehört habend, Nārada, Stier der Bhārata (Abs.)
die Welten von dir, Hochverständiger, durch großes Recht, lange; du warst ein einziger Weiser früher, ‚Vṛṣabha‘ mit Namen genannt (Instr.)
yadā ca varṣakoṭī vai yugam āsīn mahāvrata divyasaṃkalpakaṃ nāma pūrvakalpe kṛte yuge
und als eine Koṭi Jahre ein Zeitalter war, Gelübdegroßer, [du] namens Divyasaṃkalpaka, im früheren Kalpa, im Kṛtayuga (Impf.)
yadā dvīpān samudrāṃś ca parvatāṃś ca vanāni ca viṣṇuḥ saṃkalpayām āsa sahitaḥ padmayoninā
als die Inseln, Meere, Berge und Wälder Viṣṇu erschuf, zusammen mit dem Lotosgeborenen (Perf.periphr.)
tadāpi hi bhavāñ jātaḥ salilād dhi svayaṃ prabho puṣkarāc ca yathā brahmā yathā toyāc ca pāvakaḥ
da auch wurdest du geboren, aus dem Wasser, von selbst, Herr; wie Brahmā aus Puṣkara, wie das Feuer aus dem Wasser (Part.Pass.)
tathā tvam api dharmajña svayaṃbhūḥ salilodbhavaḥ evaṃ hi kathayām āsa varadaḥ padmasaṃbhavaḥ
so bist auch du, Rechtskundiger, selbstentstanden, aus dem Wasser entsprungen; so erzählte es der Gabenspender, der Lotosentsprossene (Perf.periphr.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „divyasaṃkalpakaṃ nāma“ auf Agastya bezogen (Beiname in früherer Geburt); Bezug unsicher.
tava sarvaṃ mahāprājña pūrvajanma tapomayam; agastya uvāca; tan na te jñānasaṃjñeyas tava janma prabudhyatām; yathā tathāstu bhagavan diṣṭyā te ṛṣayo gatāḥ; diṣṭyā te na vṛthā satyā bhagavan vāg udāhṛtā; ahaṃkārakṛtaṃ manye na ca satyaṃ mamānyathā; vyāsa uvāca; na smarāmy anṛtaṃ tāta kadā cid api bhāṣitam; yudhiṣṭhira mahāprājña śrūyatāṃ paramādbhutam; yac chrutvā manujaśreṣṭha kalmaṣaṃ nāśam eṣyati; bhaviṣyati na duḥsvapnaḥ pāpaṃ na prabhaviṣyati; nityaṃ svastikaraṃ dhanyaṃ putrapautre bhaviṣyati; bhaviṣyati mahārāja jīvaloke 'py anāmayam; tad idaṃ kathayiṣyāmi kuntīputra nibodha me; purā dvādaśavarṣeṇa yad avāptam agastinā; sa kadā cin mahārāja mahātmā kumbhasaṃbhavaḥ
Deine ganze frühere Geburt, Hochverständiger, ist askesehaft [gewesen].“ Agastya sprach: „Nicht sollst du dies durch Erkenntnis benennen; dein [eigenes] Geburtswissen soll erweckt werden. So sei es, Erhabener; zum Glück sind die Seher gegangen; zum Glück ist deine Rede nicht vergeblich, Erhabener, ausgesprochen. Ich halte es für durch Ich-Machen bewirkt, nicht, dass es bei mir anders wäre wahr.“ Vyāsa sprach: „Ich erinnere mich nicht, jemals Unwahres gesagt zu haben, Kind; Yudhiṣṭhira, Hochverständiger, höre das höchst Wunderbare, das gehört habend, bester Mensch, die Befleckung vergehen wird; es wird keinen bösen Traum geben, keine Sünde wird [dann] Macht haben; stets Glück bringend, glückverheißend wird es für Sohn und Enkel sein; es wird sein, großer König, [Wohlbefinden] ohne Krankheit in der lebenden Welt. Dies will ich nun erzählen, Sohn der Kuntī, höre mich: Früher, in zwölf Jahren, was erlangt wurde von Agastya, der einst, großer König, der Hochgesinnte, aus dem Krug entstanden,
deine ganze frühere Geburt, Hochverständiger, ist askesehaft; Agastya sprach
tan na te jñānasaṃjñeyas tava janma prabudhyatām yathā tathāstu bhagavan diṣṭyā te ṛṣayo gatāḥ
nicht sollst du dies durch Erkenntnis benennen; dein Geburtswissen soll erweckt werden (Gerundiv/Imp.Pass.); so sei es, Erhabener; zum Glück sind die Seher gegangen (Part.Pass.)
diṣṭyā te na vṛthā satyā bhagavan vāg udāhṛtā ahaṃkārakṛtaṃ manye na ca satyaṃ mamānyathā
zum Glück ist deine wahre Rede, Erhabener, nicht vergeblich ausgesprochen (Part.Pass.); ich halte es für durch Ich-Machen bewirkt, nicht dass es anders wahr sei bei mir (Präs.)
vyāsa uvāca na smarāmy anṛtaṃ tāta kadā cid api bhāṣitam
Vyāsa sprach: nicht erinnere ich mich, jemals Unwahres gesagt zu haben, Kind (Präs./Part.Pass.)
Yudhiṣṭhira, Hochverständiger, gehört werde das höchst Wunderbare; das gehört habend, Bester der Menschen, wird die Befleckung vergehen (Imp.Pass./Abs./Fut.)
bhaviṣyati na duḥsvapnaḥ pāpaṃ na prabhaviṣyati nityaṃ svastikaraṃ dhanyaṃ putrapautre bhaviṣyati
es wird keinen bösen Traum geben, keine Sünde wird Macht haben; stets glückbringend, glückhaft wird es für Sohn und Enkel sein (Fut.)
bhaviṣyati mahārāja jīvaloke 'py anāmayam tad idaṃ kathayiṣyāmi kuntīputra nibodha me
es wird sein, großer König, auch in der lebenden Welt Gesundheit; dies will ich erzählen, Sohn der Kuntī, höre mich (Fut.)
purā dvādaśavarṣeṇa yad avāptam agastinā sa kadā cin mahārāja mahātmā kumbhasaṃbhavaḥ
früher, in zwölf Jahren, was von Agastya erlangt wurde; er einst, großer König, der Hochgesinnte, aus dem Krug Entstandene (Instr./Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherwechsel Agastya→Vyāsa innerhalb der Zusatzpassage; „tan na te jñānasaṃjñeyas“ syntaktisch unklar.
upavāsasya mahataḥ samāptau niyatavrataḥ; upaviṣṭaḥ śuciḥ snātaḥ samāptau sudhṛtavrataḥ; tatas tu sahasā hy eva utpapāta mahātapāḥ; sa jagāma tadākāśaṃ vāyuneva samuddhataḥ; devagandharvacaritāṃ gatiṃ siddhaniṣevitām; sa siddhacāraṇākīrṇāṃ vidyādharaniṣevitām; prāpyāntarikṣaṃ bhagavān kiṃ svit kim iti cābravīt; sa saptamapathaṃ gatvā pavanasya mahātapāḥ; sa jagāma tadākāśaṃ vāyuneva samuddhataḥ; devagandharvacaritāṃ gatiṃ siddhaniṣevitām; paśyate vimalāḥ sarvā diśo daśa nṛpottama; vimānāni ca devānāṃ parvatāṃś ca vanāni ca; mahānubhāvān yakṣāṃś ca sarvataḥ pravilokayan; devatānāṃ niketāni divyāni bhavanāni ca; gandharvanagaraṃ caiva tatra tatrānvavaikṣata
nach Beendigung des großen Fastens, gezügelten Gelübdes: er saß, rein, gebadet, nach Beendigung [des Fastens], mit fest gehaltenem Gelübde. Da erhob sich der große Asket plötzlich [in die Luft]; er ging da in den Himmelsraum, wie vom Wind aufgewirbelt, auf den von Göttern und Gandharvas begangenen, von Siddhas gepflegten Weg, den von Siddhas und Cāraṇas erfüllten, von Vidyādharas gepflegten. Nachdem er den Luftraum erreicht hatte, der Erhabene, sagte er: „Was ist dies, was?“ Er, gegangen den siebten Weg des Windes, der große Asket, ging da in den Himmelsraum, wie vom Wind aufgewirbelt, auf den von Göttern und Gandharvas begangenen, von Siddhas gepflegten Weg; er sah die zehn Richtungen, makellos, alle, Bester der Fürsten, die Himmelswagen der Götter, die Berge und Wälder, die hochwirkenden Yakṣas, überallhin blickend, die Wohnstätten der Götter, die göttlichen Gebäude, und die Gandharvenstadt betrachtete er da und dort.
nach Beendigung des großen Fastens, gezügelten Gelübdes, saß er, rein, gebadet, nach Beendigung, mit fest gehaltenem Gelübde (Part.Pass.)
tatas tu sahasā hy eva utpapāta mahātapāḥ sa jagāma tadākāśaṃ vāyuneva samuddhataḥ
da erhob sich sogleich der große Asket (Perf.); er ging da in den Himmelsraum, wie vom Wind aufgewirbelt (Impf./Part.Pass.)
devagandharvacaritāṃ gatiṃ siddhaniṣevitām sa siddhacāraṇākīrṇāṃ vidyādharaniṣevitām
auf den von Göttern und Gandharvas begangenen, von Siddhas gepflegten Weg; den von Siddhas und Cāraṇas erfüllten, von Vidyādharas gepflegten
prāpyāntarikṣaṃ bhagavān kiṃ svit kim iti cābravīt sa saptamapathaṃ gatvā pavanasya mahātapāḥ
den Luftraum erreicht habend, der Erhabene, sagte er: was ist dies, was? (Abs.); er, den siebten Weg des Windes gegangen, der große Asket (Abs.)
sa jagāma tadākāśaṃ vāyuneva samuddhataḥ devagandharvacaritāṃ gatiṃ siddhaniṣevitām
er ging da in den Himmelsraum, wie vom Wind aufgewirbelt, auf den von Göttern und Gandharvas begangenen, von Siddhas gepflegten Weg (Wiederholung)
paśyate vimalāḥ sarvā diśo daśa nṛpottama vimānāni ca devānāṃ parvatāṃś ca vanāni ca
er sieht alle zehn Richtungen, makellos, Bester der Fürsten; die Himmelswagen der Götter, die Berge und Wälder (Präs.Med.)
mahānubhāvān yakṣāṃś ca sarvataḥ pravilokayan devatānāṃ niketāni divyāni bhavanāni ca
die hochwirkenden Yakṣas, überallhin blickend; die Wohnstätten der Götter, die göttlichen Gebäude (Part.)
gandharvanagaraṃ caiva tatra tatrānvavaikṣata
und die Gandharvenstadt betrachtete er da und dort (Impf.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Vers wiederholt teilweise die vorangehende Zeile (Textwiederholung im Original, „sa jagāma tadākāśaṃ …“ zweimal); als Wiederholung übernommen.
saptadvīpavatīṃ ramyāṃ bahuparvataśobhitām; paṭṭaṇāgārakīrṇāṃ ca catuḥsāgaramaṇḍitām; so 'paśyata mahīṃ ramyām agastyo bharatarṣabha; divyena cakṣuṣā rājan daivatāni ca bhārata; tatas tv ākāśam āviśya saptavāyupathāṃ gatim; agastyo nīyate rājan dharmeṇa bharatarṣabha; sa paśyati nabho dīptaṃ jvālārcirbhir nirantaram; dhūmāndhakārasaṃchannaṃ pradīptavanasaṃnibham; taṃ dṛṣṭvā vyathitas tv āsīt sa tadā kumbhasaṃbhavaḥ; kim etad iti cāvignaś cakre saṃsthām avasthitām; tatas tu sahasāgatya daivataṃ puruṣākṛti; tasthau vai pārśvatas tasya agastyasya kṛtāñjaliḥ; sa tu taṃ praśrayād eva upasaṃgamya cābravīt; agastyaḥ prayato nityaṃ śucinā caiva cetasā
[Er sah] die mit sieben Inseln versehene, liebliche, mit vielen Bergen geschmückte, mit Städten und Häusern erfüllte, mit den vier Meeren geschmückte [Erde]. Er sah die liebliche Erde, Agastya, Stier der Bhārata, mit göttlichem Auge, König, und die Himmlischen, Bhārata. Da, in den Himmelsraum eingegangen, auf dem Weg der siebenfachen Windbahnen, wurde Agastya geführt, König, Recht gemäß, Stier der Bhārata. Er sieht den Himmel, leuchtend, mit Flammenstrahlen ununterbrochen, von Rauch und Dunkel umhüllt, einem brennenden Wald gleichend. Als er dies gesehen hatte, wurde er, der Krug-Entstandene, damals erschreckt; „was ist dies?“ [sprach er] beunruhigt, und nahm eine [ruhige] Haltung an. Da kam plötzlich eine Gottheit in Menschenform herbei; sie stand an seiner Seite, [der] des Agastya, mit gefalteten Händen. Sie, aus Ehrerbietung, herangekommen, sprach zu ihm: Agastya, immer zurückhaltend, reinen Sinnes,
Wort für Wort
saptadvīpavatīṃ ramyāṃ bahuparvataśobhitām paṭṭaṇāgārakīrṇāṃ ca catuḥsāgaramaṇḍitām
die mit sieben Inseln versehene, liebliche, mit vielen Bergen geschmückte; die mit Städten und Häusern erfüllte, mit den vier Meeren geschmückte
so 'paśyata mahīṃ ramyām agastyo bharatarṣabha divyena cakṣuṣā rājan daivatāni ca bhārata
er sah die liebliche Erde, Agastya, Stier der Bhārata, mit göttlichem Auge, König, und die Himmlischen, Bhārata (Impf.Med.)
da, in den Himmelsraum eingegangen, auf dem Weg der siebenfachen Windbahnen, wird Agastya geführt, König, dem Recht gemäß, Stier der Bhārata (Abs./Pass.Präs.)
sa paśyati nabho dīptaṃ jvālārcirbhir nirantaram dhūmāndhakārasaṃchannaṃ pradīptavanasaṃnibham
er sieht den Himmel, leuchtend, mit Flammenstrahlen ununterbrochen; von Rauch und Dunkel umhüllt, einem brennenden Wald gleichend (Präs.)
taṃ dṛṣṭvā vyathitas tv āsīt sa tadā kumbhasaṃbhavaḥ kim etad iti cāvignaś cakre saṃsthām avasthitām
dies gesehen habend, wurde er erschreckt, der Krug-Entstandene, damals; ‚was ist dies?‘, beunruhigt, nahm er eine [ruhige] Haltung an (Abs./Impf./Perf.)
tatas tu sahasāgatya daivataṃ puruṣākṛti tasthau vai pārśvatas tasya agastyasya kṛtāñjaliḥ
da, plötzlich herangekommen, eine Gottheit in Menschenform, stand sie an der Seite des Agastya, mit gefalteten Händen (Abs./Perf.)
sa tu taṃ praśrayād eva upasaṃgamya cābravīt agastyaḥ prayato nityaṃ śucinā caiva cetasā
sie aber, aus Ehrerbietung, herangekommen, sprach zu ihm: Agastya, immer zurückhaltend, mit reinem Sinn (Abs./Impf.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
brāhmaṇo 'smi mahābhāga katham abhyāgato nabhaḥ; tataḥ pradīptam ālokya śaṅkitaḥ sādhu kathyatām; saśarīratayā nedaṃ viditaṃ me yathāvidham; tato 'smi vyathito deva tat prasīda vadasva me; evaṃ pṛṣṭaṃ tadā rājan muninā daivataṃ tu tat; satkṛtya vacanaṃ tasya tato vacanam abravīt; avagacchāmy agastya tvām ṛṣiṃ paramadhārmikam; saśarīram anuprāptam ato 'haṃ samupasthitaḥ; idaṃ khalu nabhaḥ sarvam agnir eva dhṛtavrata; tato jyotiṣam ity uktaṃ kāraṇena na saṃśayaḥ; jyotīṃṣy etās tārakā vai nakṣatrāṇi grahāṃs tathā; nityaṃ tāpayate cāpi sahasrārcir divākaraḥ; idaṃ tu dahanākāraṃ yat paśyasi dhṛtavrata; svargas tatra mahātejā dāhanaṃ pāvakasya ca
„ich bin ein Brahmane, Hochbegabter; wie bist du zum Himmel gekommen?“ Da, den leuchtenden [Himmel] betrachtend, beunruhigt: „gut sei es dir gesagt: [ich] mit dem [sterblichen] Körper habe dies nicht so gewusst, wie es sich gehört; darum bin ich erschreckt, Gott; sei mir gnädig, sprich zu mir.“ So gefragt, König, sprach damals jene Gottheit, dem Weisen [Agastya] die Rede erwidernd, ehrend, dann dieses Wort: „Ich erkenne dich, Agastya, als einen Seher, höchst rechtschaffen; mit [deinem sterblichen] Körper bist du hierhergekommen; darum bin ich [nun] herangekommen. Dieser ganze Himmelsraum ist ja Feuer, Gelübdefester; deshalb wird er ‚Jyotiṣa‘ [Lichtbereich] genannt, aus [diesem] Grund, ohne Zweifel. Diese Lichter, die Sterne, die Mondhäuser, und die Planeten ebenso, und der tausendstrahlige Tagesmacher [die Sonne] erhitzt beständig auch [alles]. Diese brennende Gestalt, die du siehst, Gelübdefester — dort ist der Himmel, hochglanzvoll, das Brennen des Feuers ebenso.
ich bin ein Brahmane, Hochbegabter; wie bist du zum Himmel gekommen? Da, den leuchtenden [Himmel] betrachtend, beunruhigt, gut sei gesagt (Präs./Abs./Imp.Pass.)
saśarīratayā nedaṃ viditaṃ me yathāvidham tato 'smi vyathito deva tat prasīda vadasva me
mit dem [sterblichen] Körper habe ich dies nicht gewusst, wie es sich gehört; darum bin ich erschreckt, Gott; sei mir gnädig, sprich zu mir (Part.Pass./Imp.)
evaṃ pṛṣṭaṃ tadā rājan muninā daivataṃ tu tat satkṛtya vacanaṃ tasya tato vacanam abravīt
so gefragt, damals, König, von dem Weisen, jene Gottheit; die Rede ehrend, sprach sie dann [ihr] Wort (Part.Pass./Abs./Impf.)
avagacchāmy agastya tvām ṛṣiṃ paramadhārmikam saśarīram anuprāptam ato 'haṃ samupasthitaḥ
ich erkenne, Agastya, dich als Seher, höchst rechtschaffen; mit dem Körper hierhergekommen, deshalb bin ich herangekommen (Präs./Part.Pass.)
idaṃ khalu nabhaḥ sarvam agnir eva dhṛtavrata tato jyotiṣam ity uktaṃ kāraṇena na saṃśayaḥ
dieser ganze Himmelsraum ist ja Feuer, Gelübdefester; deshalb wird er ‚Jyotiṣa‘ genannt, aus [diesem] Grund, kein Zweifel (Pass.Part.)
diese Lichter, die Sterne, die Mondhäuser und die Planeten ebenso; beständig erhitzt auch der tausendstrahlige Tagesmacher (Präs.Med.)
idaṃ tu dahanākāraṃ yat paśyasi dhṛtavrata svargas tatra mahātejā dāhanaṃ pāvakasya ca
diese brennende Gestalt, die du siehst, Gelübdefester; dort ist der Himmel, hochglanzvoll, und das Brennen des Feuers (Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „jyotiṣam ity uktaṃ“ wörtlich ‚Lichtbereich genannt‘, hier als Erklärung des Himmelsraums als Feuer verstanden.
tatrārciṣmān hutavaho lokatrayacaro mahān; svayam agniḥ sthito vipra ato dīptam idaṃ nabhaḥ; atrastham abhigacchanti devāḥ sarṣigaṇās tadā; hutāśanaṃ mahābhāgaṃ varadaṃ ca svayaṃprabham; atrasthaṃ varadaṃ devaṃ sarvadevanamaskṛtaḥ; adhigacchati devānāṃ śāntyarthaṃ madhusūdanaḥ; atrasthaṃ daivatair brahma devalokaś ca nirmitaḥ; parvatāś ca samudrāś ca dvīpāś ca saritas tathā; etat tat prathamaṃ sthānam agnes trailokyapūjitam; pradīptaṃ yat tvam ālokya śaṅkito 'bhūr dvijottama; tad etan nirviśaṅkas tvaṃ mune praviśa mā vyathāḥ; nedaṃ dharmātmanā dīptaṃ nabhaḥ pavanaśītalam; tasya tad vacanaṃ śrutvā daivatasya dhṛtavrataḥ; satkṛtya tad asaṃmohād viveśa sa munir nabhaḥ
Dort ist der flammenreiche, alles verzehrende, in den drei Welten wandelnde Große, das Feuer selbst gegründet, Brahmane, deshalb ist dieser Himmel leuchtend. Diejenigen, die dort weilen, treten heran, die Götter mit den Seherscharen, zum großen, gabenspendenden, selbstglänzenden Feueresser [Agni]. Zum dort weilenden gabenspendenden Gott, von allen Göttern verehrt, tritt heran, zum Frieden der Götter, der Madhusūdana [Viṣṇu]. Dort weilt Brahman bei den Göttern, und der Götterwelt wurde geschaffen: die Berge und Meere, die Inseln und ebenso die Flüsse. Dies ist die erste Stätte, die dreiweltlich verehrte, des Feuers; die du leuchtend gesehen hast und darüber erschrocken bist, Bester der Zweimalgeborenen. Darum sei unbesorgt, Weiser, tritt ein, [du] sollst nicht [mehr] erschreckt sein; nicht ist dieser Himmel, windkalt, durch [ihn], den Rechtschaffenen, brennend.“ Nachdem er diese Rede der Gottheit gehört hatte, der Gelübdefeste, ehrend sie, ohne Verblendung, ging der Weise in den Himmelsraum ein.
dies ist die erste Stätte des Feuers, dreiweltlich verehrt; die leuchtend du gesehen und beunruhigt geworden bist, Bester der Zweimalgeborenen (Abs./Impf.)
sa paśyamānas tatrasthān devān ṛṣigaṇāṃs tathā; jagāma dṛśyamānaś ca pūjyamānaś ca tair api; sa tan nabho mahātejā viveśa himaśītalam; maharṣir daivatākīrṇaṃ padmair iva jalāśayam; tatrasthāni vimānāni daivatānāṃ dadarśa ca; sadhvajāni patākāś ca savimānāṃś ca toraṇān; gandharvāṃś caiva dharmātmā pranṛttāṃś cāpsarogaṇān; so 'paśyata mahātejās tasmin hautāśane ha khe
Er, die dort weilenden Götter und Seherscharen sehend, ging, gesehen und verehrt werdend auch von diesen, weiter. Er, der Großglanzvolle, ging in diesen schneekalten Himmelsraum ein, der Großseher, von Göttern erfüllt, wie in einen Lotusteich. Dort sah er die Himmelswagen der Götter, die dort standen, mit Bannern versehen, mit Fahnen, mit Wagen, mit Torbögen. Und die Gandharvas, der Rechtschaffene, [sah] die tanzenden Apsarascharen; er, der Großglanzvolle, [sah] dort im Feuer-Himmelsraum [dies alles].
Wort für Wort
sa paśyamānas tatrasthān devān ṛṣigaṇāṃs tathā jagāma dṛśyamānaś ca pūjyamānaś ca tair api
er, die dort weilenden Götter und Seherscharen sehend, ging, gesehen werdend und verehrt werdend auch von ihnen (Part./Impf.)
sa tan nabho mahātejā viveśa himaśītalam maharṣir daivatākīrṇaṃ padmair iva jalāśayam
er, der Großglanzvolle, ging in diesen schneekalten Himmelsraum ein, der Großseher, von Göttern erfüllt, wie in einen Lotosteich (Perf.)
tatrasthāni vimānāni daivatānāṃ dadarśa ca sadhvajāni patākāś ca savimānāṃś ca toraṇān
die dort stehenden Himmelswagen der Götter sah er, mit Bannern versehen, mit Fahnen und mit Wagen versehene Torbögen (Perf.)
gandharvāṃś caiva dharmātmā pranṛttāṃś cāpsarogaṇān so 'paśyata mahātejās tasmin hautāśane ha khe
und die Gandharvas, der Rechtschaffene, und die tanzenden Apsarascharen sah er, der Großglanzvolle, dort im Feuer-Himmelsraum (Impf.Med.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).