Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 318: śukaṃ prati nāradopadeśaḥ Nāradas Rede über das Leid des Daseins und Śukas Entschluss zur Erlösung

Der Seher Nārada schildert dem Weisen Śuka eindringlich die Vergänglichkeit des Lebens, das Leid von Geburt, Krankheit, Alter und Tod sowie die Ohnmacht des Menschen gegenüber dem Schicksal. Daraufhin fasst Śuka, tief erschüttert, den Entschluss, alle Bindungen aufzugeben und durch Yoga die endgültige Erlösung zu suchen, indem er sich zunächst zur Sonne und schließlich zum Berg Kailāsa aufmacht.

nārada uvāca; sukhaduḥkhaviparyāso yadā samupapadyate; nainaṃ prajñā sunītaṃ vā trāyate nāpi pauruṣam

Nārada sprach: „Wenn der Wechsel von Glück und Leid eintritt, retten weder Einsicht noch kluge Umsicht den Menschen, noch auch Tatkraft.“

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Einleitungsformel)
sukhaduḥkhaviparyāsaḥ
der Wechsel von Glück und Leid (Nom.Sg., Kompositum)
yadā samupapadyate
wenn er eintritt (3.Sg.Präs.)
na enaṃ
nicht ihn (Akk.Sg.; Sandhi: nainaṃ)
prajñā sunītaṃ vā
Einsicht oder kluge Umsicht (Nom.Sg.)
trāyate
rettet (3.Sg.Präs.Med.)
nāpi pauruṣam
noch auch Tatkraft (Sandhi: na+api; Nom.Sg.)

svabhāvād yatnam ātiṣṭhed yatnavān nāvasīdati; jarāmaraṇarogebhyaḥ priyam ātmānam uddharet

„Aus eigenem Antrieb soll er sich um Anstrengung bemühen; wer sich bemüht, verzagt nicht. Vor Alter, Tod und Krankheit soll er das ihm liebe Selbst retten.“

Wort für Wort
svabhāvād
aus eigenem Wesen, von Natur aus (Abl.Sg.)
yatnam ātiṣṭhet
er möge sich der Anstrengung widmen (Opt.3.Sg.)
yatnavān nāvasīdati
wer sich bemüht, verzagt nicht (Sandhi na+avasīdati; 3.Sg.Präs.)
jarāmaraṇarogebhyaḥ
vor Alter, Tod und Krankheit (Abl.Pl., Kompositum)
priyam ātmānam
das liebe Selbst (Akk.Sg.)
uddharet
er möge retten, emporziehen (Opt.3.Sg.)

rujanti hi śarīrāṇi rogāḥ śārīramānasāḥ; sāyakā iva tīkṣṇāgrāḥ prayuktā dṛḍhadhanvibhiḥ

„Denn Krankheiten, körperliche und geistige, quälen die Körper wie scharfspitzige Pfeile, abgeschossen von Männern mit starken Bogen.“

Wort für Wort
rujanti hi śarīrāṇi
denn sie quälen die Körper (3.Pl.Präs.)
rogāḥ śārīramānasāḥ
die Krankheiten, körperliche und geistige (Nom.Pl.)
sāyakā iva tīkṣṇāgrāḥ
wie Pfeile mit scharfen Spitzen (Nom.Pl.)
prayuktā
abgeschossen, angewandt (Nom.Pl.Ptz.Perf.Pass.)
dṛḍhadhanvibhiḥ
von Männern mit starken Bogen (Instr.Pl.)

vyādhitasya vivitsābhis trasyato jīvitaiṣiṇaḥ; avaśasya vināśāya śarīram apakṛṣyate

„Dem Kranken, der sich vor der Ungewissheit [?] ängstigt und der doch am Leben hängt, wird, ohnmächtig, der Körper dem Verderben zugezogen.“

Wort für Wort
vyādhitasya
des Kranken (Gen.Sg.)
vivitsābhis trasyataḥ
der sich vor der Ungewissheit ängstigt [?] (Instr.Pl./Gen.Sg.Ptz.)
jīvitaiṣiṇaḥ
der das Leben begehrt (Gen.Sg.)
avaśasya
des Ohnmächtigen (Gen.Sg.)
vināśāya
zum Verderben (Dat.Sg.)
śarīram apakṛṣyate
der Körper wird hingezogen (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

vivitsābhis (Desiderativ-Nomen zu vid, „Wissen-wollen“) ist unklar; hier als Furcht vor dem ungewissen Ausgang der Krankheit gedeutet.

sravanti na nivartante srotāṃsi saritām iva; āyur ādāya martyānāṃ rātryahāni punaḥ punaḥ

„Sie fließen, kehren nicht zurück, wie die Strömungen der Flüsse: die Nächte und Tage, die immer wieder das Leben der Sterblichen mit sich nehmen.“

Wort für Wort
sravanti na nivartante
sie fließen, kehren nicht zurück (3.Pl.Präs.)
srotāṃsi saritām iva
wie die Strömungen der Flüsse (Nom.Pl./Gen.Pl.)
āyur ādāya
das Lebensalter nehmend (Absolutiv)
martyānāṃ
der Sterblichen (Gen.Pl.)
rātryahāni
die Nächte und Tage (Nom.Pl., Kompositum)
punaḥ punaḥ
immer wieder

vyatyayo hy ayam atyantaṃ pakṣayoḥ śuklakṛṣṇayoḥ; jātaṃ martyaṃ jarayati nimeṣaṃ nāvatiṣṭhate

„Dieser ständige Wechsel der hellen und der dunklen Monatshälfte lässt den geborenen Sterblichen altern; er verweilt nicht einen Augenblick.“

Wort für Wort
vyatyayo hy ayam
denn dieser Wechsel (Nom.Sg.)
atyantam
gänzlich, unaufhörlich (Adv.)
pakṣayoḥ śuklakṛṣṇayoḥ
der hellen und dunklen Monatshälfte (Gen.Dual)
jātaṃ martyaṃ
den geborenen Sterblichen (Akk.Sg.)
jarayati
lässt altern (3.Sg.Präs.)
nimeṣaṃ nāvatiṣṭhate
er verweilt nicht einen Augenblick (Sandhi na+avatiṣṭhate; 3.Sg.Präs.)

sukhaduḥkhāni bhūtānām ajaro jarayann asau; ādityo hy astam abhyeti punaḥ punar udeti ca

„Er, die Sonne, alterslos, lässt die Freuden und Leiden der Geschöpfe altern: sie geht unter und geht immer wieder auf.“

Wort für Wort
sukhaduḥkhāni bhūtānām
die Freuden und Leiden der Geschöpfe (Akk.Pl./Gen.Pl.)
ajaro jarayann asau
er, der Alterslose, der [sie] altern lässt (Nom.Sg.Ptz.Präs.)
ādityo hy astam abhyeti
denn die Sonne geht unter (3.Sg.Präs.)
punaḥ punar udeti ca
und geht immer wieder auf (3.Sg.Präs.)

adṛṣṭapūrvān ādāya bhāvān apariśaṅkitān; iṣṭāniṣṭān manuṣyāṇām astaṃ gacchanti rātrayaḥ

„Zuvor nie gesehene, unverhoffte Zustände mit sich nehmend, erwünschte wie unerwünschte, gehen die Nächte der Menschen dahin.“

Wort für Wort
adṛṣṭapūrvān
zuvor nie gesehene (Akk.Pl.)
ādāya bhāvān
Zustände mit sich nehmend (Absolutiv/Akk.Pl.)
apariśaṅkitān
unverhoffte, nicht argwöhnisch bedachte (Akk.Pl.)
iṣṭāniṣṭān
erwünschte und unerwünschte (Akk.Pl.)
manuṣyāṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
astaṃ gacchanti rātrayaḥ
die Nächte gehen dahin (3.Pl.Präs.)

yo yam icched yathākāmaṃ kāmānāṃ tat tad āpnuyāt; yadi syān na parādhīnaṃ puruṣasya kriyāphalam

„Wer auch immer nach Belieben wünschte, der würde von seinen Wünschen dies und das erlangen — wenn die Frucht des Handelns des Menschen nicht von einem anderen abhinge.“

Wort für Wort
yo yam icchet
wer immer was auch wünschen möge (Opt.3.Sg.)
yathākāmam
nach Belieben (Adv.)
kāmānāṃ tat tad āpnuyāt
von den Wünschen möge er dies und das erlangen (Opt.3.Sg.)
yadi syān
wenn es wäre (Opt.3.Sg.)
na parādhīnaṃ
nicht abhängig von einem anderen (Nom.Sg.)
puruṣasya kriyāphalam
die Frucht des Handelns des Menschen (Gen.Sg./Nom.Sg.)

saṃyatāś ca hi dakṣāś ca matimantaś ca mānavāḥ; dṛśyante niṣphalāḥ santaḥ prahīṇāś ca svakarmabhiḥ

„Beherrschte, geschickte und kluge Menschen sieht man ohne Erfolg und durch ihre eigenen Taten zugrunde gerichtet.“

Wort für Wort
saṃyatāś ca
und die Beherrschten (Nom.Pl.)
dakṣāś ca
und die Geschickten (Nom.Pl.)
matimantaś ca mānavāḥ
und die klugen Menschen (Nom.Pl.)
dṛśyante niṣphalāḥ santaḥ
man sieht sie als erfolglos seiend (3.Pl.Präs.Pass./Nom.Pl.Ptz.)
prahīṇāś ca svakarmabhiḥ
und zugrunde gerichtet durch ihre eigenen Taten (Nom.Pl./Instr.Pl.)

apare bāliśāḥ santo nirguṇāḥ puruṣādhamāḥ; āśīrbhir apy asaṃyuktā dṛśyante sarvakāminaḥ

„Andere aber, die töricht sind, ohne gute Eigenschaften, die niedrigsten der Männer, sieht man, obwohl nicht einmal mit guten Wünschen [von anderen] versehen [?], alles nach Belieben erlangen.“

Wort für Wort
apare bāliśāḥ santaḥ
andere, die töricht sind (Nom.Pl.Ptz.)
nirguṇāḥ
ohne gute Eigenschaften (Nom.Pl.)
puruṣādhamāḥ
die niedrigsten der Männer (Nom.Pl.)
āśīrbhir apy asaṃyuktāḥ
obwohl nicht einmal mit Segenswünschen versehen [?] (Instr.Pl./Nom.Pl.)
dṛśyante sarvakāminaḥ
man sieht sie als solche, die alles nach Wunsch erlangen (3.Pl.Präs.Pass./Nom.Pl.)

āśīrbhir apy asaṃyuktāḥ wörtlich „nicht einmal mit Segenssprüchen verbunden“; hier als „ohne fremden Segen/Fürbitte“ gedeutet.

bhūtānām aparaḥ kaś cid dhiṃsāyāṃ satatotthitaḥ; vañcanāyāṃ ca lokasya sa sukheṣv eva jīryate

„Mancher andere unter den Geschöpfen, der ständig eifrig ist im Verletzen und im Betrügen der Welt, der altert eben in Genüssen.“

Wort für Wort
bhūtānām aparaḥ kaś cid
irgendein anderer der Geschöpfe (Gen.Pl./Nom.Sg.)
hiṃsāyāṃ satatotthitaḥ
ständig eifrig im Verletzen (Lok.Sg./Nom.Sg.)
vañcanāyāṃ ca lokasya
und im Betrügen der Welt (Lok.Sg./Gen.Sg.)
sa sukheṣv eva jīryate
er altert eben in Genüssen (Nom.Sg./Lok.Pl./3.Sg.Präs.Pass.)

aceṣṭamānam āsīnaṃ śrīḥ kaṃ cid upatiṣṭhati; kaś cit karmānusṛtyānyo na prāpyam adhigacchati

„Manchen, der [nur] untätig sitzt, sucht das Glück auf; ein anderer, der eifrig seinem Werk nachgeht, erreicht das zu Erreichende nicht.“

Wort für Wort
aceṣṭamānam āsīnam
den Nicht-sich-Bemühenden, der [nur] sitzt (Akk.Sg.Ptz.)
śrīḥ kaṃ cid upatiṣṭhati
das Glück tritt an manchen heran (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
kaś cit karmānusṛtya
mancher, der der Tat nachgeht (Nom.Sg./Absolutiv)
anyo na prāpyam adhigacchati
ein anderer erreicht nicht das zu Erreichende (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)

aparādhaṃ samācakṣva puruṣasya svabhāvataḥ; śukram anyatra saṃbhūtaṃ punar anyatra gacchati

„Sag mir, worin die eigene Schuld des Menschen besteht: Der Samen, an einem Ort entstanden, geht wieder an einen anderen Ort über.“

Wort für Wort
aparādhaṃ samācakṣva
erkläre das Vergehen (Imp.2.Sg./Akk.Sg.)
puruṣasya svabhāvataḥ
des Menschen, von Natur aus (Gen.Sg./Adv.)
śukram anyatra saṃbhūtam
der Samen, an einem [anderen] Ort entstanden (Nom.Sg.Ptz.)
punar anyatra gacchati
geht wieder an einen anderen Ort (3.Sg.Präs.)

tasya yonau prasaktasya garbho bhavati vā na vā; āmrapuṣpopamā yasya nivṛttir upalabhyate

„Von ihm, der im Mutterleib haftet, wird entweder ein Keim oder nicht; man erkennt sein Enden, das der Mangoblüte gleicht.“

Wort für Wort
tasya yonau prasaktasya
von diesem, der im Mutterleib haftet (Gen.Sg.Ptz.)
garbho bhavati vā na vā
entweder wird ein Keim oder nicht (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
āmrapuṣpopamā
der Mangoblüte gleichend (Nom.Sg.)
yasya nivṛttir upalabhyate
dessen Enden man wahrnimmt (Gen.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

keṣāṃ cit putrakāmānām anusaṃtānam icchatām; siddhau prayatamānānāṃ naivāṇḍam upajāyate

„Manchen, die sich einen Sohn wünschen, die Nachkommenschaft ersehnen und sich um das Gelingen bemühen, entsteht nicht einmal ein Keim.“

Wort für Wort
keṣāṃ cit putrakāmānām
manchen, die sich einen Sohn wünschen (Gen.Pl.)
anusaṃtānam icchatām
die Nachkommenschaft wünschen (Akk.Sg./Gen.Pl.Ptz.)
siddhau prayatamānānāṃ
die sich um das Gelingen bemühen (Lok.Sg./Gen.Pl.Ptz.)
naivāṇḍam upajāyate
entsteht gar nicht einmal ein Keim (Sandhi na+eva+aṇḍam; 3.Sg.Präs.)

garbhāc codvijamānānāṃ kruddhād āśīviṣād iva; āyuṣmāñ jāyate putraḥ kathaṃ pretaḥ pitaiva saḥ

„Manchen, die sich vor der Schwangerschaft ängstigen wie vor einer zornigen Giftschlange, wird [trotzdem] ein langlebiger Sohn geboren — wie aber [kommt es], dass eben er, der Vater, [dann schon] ein Toter ist [?].“

Wort für Wort
garbhāc codvijamānānāṃ
und von denen, die sich vor der Schwangerschaft ängstigen (Sandhi ca+udvijamānānām; Gen.Pl.Ptz.)
kruddhād āśīviṣād iva
wie vor einer zornigen Giftschlange (Abl.Sg.)
āyuṣmāñ jāyate putraḥ
wird ein langlebiger Sohn geboren (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
kathaṃ pretaḥ pitaiva saḥ
wie [ist es, dass] eben er, der Vater, ein Toter ist [?] (Nom.Sg.)

kathaṃ pretaḥ pitaiva saḥ ist dunkel; vermutlich Anspielung darauf, dass der Vater den Sohn nicht überlebt bzw. vor dessen Heranwachsen stirbt.

devān iṣṭvā tapas taptvā kṛpaṇaiḥ putragṛddhibhiḥ; daśa māsān paridhṛtā jāyante kulapāṃsanāḥ

„Nachdem sie, die Elenden, die gierig nach einem Sohn sind, Götter verehrt und Askese geübt haben, werden [ihre Söhne], zehn Monate [im Leib] getragen, als Schänder der Familie geboren.“

Wort für Wort
devān iṣṭvā
nachdem sie die Götter verehrt haben (Absolutiv)
tapas taptvā
nachdem sie Askese geübt haben (Absolutiv)
kṛpaṇaiḥ putragṛddhibhiḥ
von den Elenden, die gierig nach einem Sohn sind (Instr.Pl.)
daśa māsān paridhṛtāḥ
zehn Monate getragen (Akk.Pl./Nom.Pl.Ptz.)
jāyante kulapāṃsanāḥ
werden als Schänder der Familie geboren (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

apare dhanadhānyāni bhogāṃś ca pitṛsaṃcitān; vipulān abhijāyante labdhās tair eva maṅgalaiḥ

„Andere wiederum werden geboren, um reichlichen Besitz, Getreide und von den Vätern angesammelte Genüsse zu erlangen — erlangt eben durch ihre [früheren] guten Werke.“

Wort für Wort
apare
andere (Nom.Pl.)
dhanadhānyāni
Reichtum und Getreide (Akk.Pl.)
bhogāṃś ca pitṛsaṃcitān
und die von den Vätern angesammelten Genüsse (Akk.Pl.)
vipulān abhijāyante
werden zu reichlichen [Gütern] geboren (Akk.Pl./3.Pl.Präs.)
labdhās tair eva maṅgalaiḥ
erlangt eben durch jene guten Werke (Nom.Pl./Instr.Pl.)

anyonyaṃ samabhipretya maithunasya samāgame; upadrava ivāviṣṭo yoniṃ garbhaḥ prapadyate

„Wenn sie einander zugeneigt beim ehelichen Beilager sich vereinen, gelangt der Keim, wie ein Unglück eindringend, in den Schoß.“

Wort für Wort
anyonyaṃ samabhipretya
einander zugeneigt (Absolutiv)
maithunasya samāgame
bei der Vereinigung des Beilagers (Gen.Sg./Lok.Sg.)
upadrava ivāviṣṭaḥ
wie ein Unglück eingetreten (Sandhi iva+āviṣṭaḥ; Nom.Sg.Ptz.)
yoniṃ garbhaḥ prapadyate
gelangt der Keim in den Schoß (Akk.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

śīrṇaṃ paraśarīreṇa nicchavīkaṃ śarīriṇam; prāṇināṃ prāṇasaṃrodhe māṃsaśleṣmaviceṣṭitam

„Zerfallen durch den fremden [mütterlichen] Leib, ohne eigene Haut, ein Körperwesen, während der Lebensatem der Wesen [darin] eingeschlossen ist, sich regend aus Fleisch und Schleim —“

Wort für Wort
śīrṇaṃ paraśarīreṇa
zerfallen durch den fremden Leib (Akk.Sg./Instr.Sg.)
nicchavīkaṃ śarīriṇam
ein hautloses Körperwesen (Akk.Sg.)
prāṇināṃ
der Lebewesen (Gen.Pl.)
prāṇasaṃrodhe
beim Einschluss des Lebensatems (Lok.Sg.)
māṃsaśleṣmaviceṣṭitam
ein sich Regendes aus Fleisch und Schleim (Akk.Sg.)

Die Beschreibung des Keims setzt sich syntaktisch über V. 22 bis zur Frage in V. 23 fort.

nirdagdhaṃ paradehena paradehaṃ calācalam; vinaśyantaṃ vināśānte nāvi nāvam ivāhitam

„— verzehrt durch den fremden Leib, den halb beweglichen, halb unbeweglichen fremden Leib, vergehend an seinem Ende, wie ein Boot, das einem [anderen] Boot aufgesetzt ist —“

Wort für Wort
nirdagdhaṃ paradehena
verzehrt durch den fremden Leib (Akk.Sg./Instr.Sg.)
paradehaṃ calācalam
den halb beweglichen fremden Leib (Akk.Sg.)
vinaśyantaṃ
vergehend (Akk.Sg.Ptz.Präs.)
vināśānte
an seinem Ende des Vergehens (Lok.Sg.)
nāvi nāvam ivāhitam
wie ein Boot, einem Boot aufgesetzt (Sandhi iva+āhitam; Lok.Sg./Akk.Sg.)

saṃgatyā jaṭhare nyastaṃ retobindum acetanam; kena yatnena jīvantaṃ garbhaṃ tvam iha paśyasi

„— den durch [bloßes] Zusammentreffen in den Schoß gelegten, bewusstlosen Samentropfen: durch welche Kraft siehst du ihn hier als lebendigen Keim?“

Wort für Wort
saṃgatyā jaṭhare nyastam
durch Zusammentreffen in den Bauch gelegt (Instr.Sg./Lok.Sg./Akk.Sg.Ptz.)
retobindum acetanam
einen bewusstlosen Samentropfen (Akk.Sg.)
kena yatnena
durch welche Kraft (Instr.Sg.)
jīvantaṃ garbhaṃ
den lebenden Keim (Akk.Sg.Ptz.Präs.)
tvam iha paśyasi
siehst du hier (2.Sg.Präs.)

annapānāni jīryante yatra bhakṣāś ca bhakṣitāḥ; tasminn evodare garbhaḥ kiṃ nānnam iva jīryate

„In demselben Leib, in dem Speise und Trank verdaut werden, in dem die verzehrten Speisen [vergehen] — wird nicht auch der Keim wie Nahrung verdaut?“

Wort für Wort
annapānāni jīryante
Speise und Trank werden verdaut (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Pass.)
yatra bhakṣāś ca bhakṣitāḥ
wo auch die verzehrten Speisen [vergehen] (Nom.Pl.)
tasminn evodare
in ebendiesem Bauch (Lok.Sg.)
garbhaḥ kiṃ nānnam iva jīryate
wird nicht auch der Keim wie Nahrung verdaut? (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

garbhamūtrapurīṣāṇāṃ svabhāvaniyatā gatiḥ; dhāraṇe vā visarge vā na kartur vidyate vaśaḥ

„Der Verlauf von Keim, Urin und Kot ist von Natur aus festgelegt; weder beim Zurückhalten noch beim Ausscheiden hat der Handelnde [darüber] Macht.“

Wort für Wort
garbhamūtrapurīṣāṇāṃ
von Keim, Urin und Kot (Gen.Pl.)
svabhāvaniyatā gatiḥ
der von Natur aus festgelegte Verlauf (Nom.Sg.)
dhāraṇe vā visarge vā
sei es beim Zurückhalten oder beim Ausscheiden (Lok.Sg.)
na kartur vidyate vaśaḥ
es gibt keine Macht des Handelnden (Gen.Sg./3.Sg.Präs./Nom.Sg.)

sravanti hy udarād garbhā jāyamānās tathāpare; āgamena sahānyeṣāṃ vināśa upapadyate

„Denn manche Keime gehen [als Fehlgeburt] aus dem Leib ab, andere ebenso, während sie geboren werden; bei wieder anderen tritt der Untergang zugleich mit dem Eintreten [ins Leben] ein.“

Wort für Wort
sravanti hy udarād garbhāḥ
denn Keime fließen aus dem Leib (3.Pl.Präs./Abl.Sg./Nom.Pl.)
jāyamānās tathāpare
und andere ebenso, während sie geboren werden (Nom.Pl.Ptz.)
āgamena saha
zusammen mit dem Eintreten [ins Leben] (Instr.Sg.)
anyeṣāṃ vināśa upapadyate
bei anderen tritt der Untergang ein (Gen.Pl./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)

etasmād yonisaṃbandhād yo jīvan parimucyate; prajāṃ ca labhate kāṃ cit punar dvaṃdveṣu majjati

„Wer aus dieser Verbindung mit dem Mutterleib lebend befreit wird und irgendeine Nachkommenschaft erlangt, versinkt wieder in den Gegensatzpaaren.“

Wort für Wort
etasmād yonisaṃbandhād
aus dieser Verbindung mit dem Mutterleib (Abl.Sg.)
yo jīvan parimucyate
wer lebend befreit wird (Nom.Sg.Ptz./3.Sg.Präs.Pass.)
prajāṃ ca labhate kāṃ cit
und irgendeine Nachkommenschaft erlangt (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
punar dvaṃdveṣu majjati
versinkt wieder in den Gegensatzpaaren (Lok.Pl./3.Sg.Präs.)

śatasya sahajātasya saptamīṃ daśamīṃ daśām; prāpnuvanti tataḥ pañca na bhavanti śatāyuṣaḥ

„Von hundert zugleich Geborenen erreichen [nur] fünf das siebte, das zehnte Lebensjahrzehnt; sie werden nicht hundert Jahre alt.“

Wort für Wort
śatasya sahajātasya
von hundert zugleich Geborenen (Gen.Sg.)
saptamīṃ daśamīṃ daśām
die siebte, die zehnte Lebensdekade (Akk.Sg.)
prāpnuvanti tataḥ pañca
davon erreichen [nur] fünf (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
na bhavanti śatāyuṣaḥ
sie werden nicht hundertjährig (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

nābhyutthāne manuṣyāṇāṃ yogāḥ syur nātra saṃśayaḥ; vyādhibhiś ca vimathyante vyālaiḥ kṣudramṛgā iva

„Es gibt für das Wiedererstarken der Menschen keine [wirksamen] Mittel — daran ist kein Zweifel; sie werden von Krankheiten zermalmt wie kleine Tiere von Raubtieren.“

Wort für Wort
nābhyutthāne manuṣyāṇāṃ
nicht beim Wiedererstarken der Menschen (Sandhi na+abhyutthāne; Lok.Sg./Gen.Pl.)
yogāḥ syur
[wirksame] Mittel mögen sein (Nom.Pl./Opt.3.Pl.)
nātra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel (Nom.Sg.)
vyādhibhiś ca vimathyante
und sie werden von Krankheiten zermalmt (Instr.Pl./3.Pl.Präs.Pass.)
vyālaiḥ kṣudramṛgā iva
wie kleine Tiere von Raubtieren (Instr.Pl./Nom.Pl.)

vyādhibhir bhakṣyamāṇānāṃ tyajatāṃ vipulaṃ dhanam; vedanāṃ nāpakarṣanti yatamānāś cikitsakāḥ

„Von denen, die von Krankheiten verzehrt werden und reichlichen Besitz [für Heilung] hingeben, nehmen die sich bemühenden Ärzte den Schmerz doch nicht weg.“

Wort für Wort
vyādhibhir bhakṣyamāṇānāṃ
von denen, die von Krankheiten verzehrt werden (Instr.Pl./Gen.Pl.Ptz.)
tyajatāṃ vipulaṃ dhanam
die reichlichen Besitz aufgeben (Gen.Pl.Ptz./Akk.Sg.)
vedanāṃ nāpakarṣanti
sie nehmen den Schmerz nicht weg (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
yatamānāś cikitsakāḥ
die sich bemühenden Ärzte (Nom.Pl.Ptz.)

te cāpi nipuṇā vaidyāḥ kuśalāḥ saṃbhṛtauṣadhāḥ; vyādhibhiḥ parikṛṣyante mṛgā vyādhair ivārditāḥ

„Und auch jene geschickten, kundigen Ärzte mit ihren bereitgestellten Heilmitteln werden von den Krankheiten hinweggerafft, wie Wildtiere, von Jägern gequält.“

Wort für Wort
te cāpi nipuṇā vaidyāḥ
und auch jene geschickten Ärzte (Nom.Pl.)
kuśalāḥ saṃbhṛtauṣadhāḥ
die kundigen, mit bereitgestellten Heilmitteln (Nom.Pl.)
vyādhibhiḥ parikṛṣyante
werden von Krankheiten hinweggerafft (Instr.Pl./3.Pl.Präs.Pass.)
mṛgā vyādhair ivārditāḥ
wie Wildtiere von Jägern gequält (Nom.Pl./Instr.Pl./Nom.Pl.Ptz.)

Wortspiel im Sanskrit zwischen vyādhi „Krankheit“ und vyādha „Jäger“.

te pibantaḥ kaṣāyāṃś ca sarpīṃṣi vividhāni ca; dṛśyante jarayā bhagnā nāgā nāgair ivottamaiḥ

„Sie, die Absude und mancherlei Butterschmalz-Zubereitungen trinken, sieht man doch vom Alter gebrochen, wie Elefanten von überlegenen Elefanten [bezwungen].“

Wort für Wort
te pibantaḥ kaṣāyāṃś ca
sie, die Absude trinken (Nom.Pl.Ptz./Akk.Pl.)
sarpīṃṣi vividhāni ca
und mancherlei Butterschmalz-Zubereitungen (Akk.Pl.)
dṛśyante jarayā bhagnā
man sieht sie vom Alter gebrochen (3.Pl.Präs.Pass./Instr.Sg./Nom.Pl.Ptz.)
nāgā nāgair ivottamaiḥ
wie Elefanten von überlegenen Elefanten (Nom.Pl./Instr.Pl.)

ke vā bhuvi cikitsante rogārtān mṛgapakṣiṇaḥ; śvāpadāni daridrāṃś ca prāyo nārtā bhavanti te

„Wer aber behandelt auf Erden die von Krankheit geplagten Tiere und Vögel, die Raubtiere und die Armen? Meist bleiben sie [dadurch, ohne Heilbehandlung, nicht lange] leidend [?].“

Wort für Wort
ke vā bhuvi cikitsante
wer denn behandelt auf Erden (Nom.Pl./Lok.Sg./3.Pl.Präs.)
rogārtān mṛgapakṣiṇaḥ
die von Krankheit geplagten Tiere und Vögel (Akk.Pl.)
śvāpadāni daridrāṃś ca
die Raubtiere und die Armen (Akk.Pl.)
prāyo nārtā bhavanti te
meist bleiben sie nicht [lange] leidend [?] (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

prāyo nārtā bhavanti te ist mehrdeutig; hier gedeutet als: ohne (verlängernde) Behandlung bleibt ihr Leiden nicht lange bestehen, d.h. der Tod kommt rascher.

ghorān api durādharṣān nṛpatīn ugratejasaḥ; ākramya roga ādatte paśūn paśupaco yathā

„Auch die furchtbaren, schwer angreifbaren Könige von wildem Glanz überfällt die Krankheit und rafft sie hinweg, wie ein Viehschlächter das Vieh.“

Wort für Wort
ghorān api durādharṣān
auch die furchtbaren, schwer angreifbaren (Akk.Pl.)
nṛpatīn ugratejasaḥ
Könige von wildem Glanz (Akk.Pl.)
ākramya roga ādatte
die Krankheit überfällt und rafft hinweg (Absolutiv/Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
paśūn paśupaco yathā
wie ein Viehschlächter das Vieh (Akk.Pl./Nom.Sg.)

iti lokam anākrandaṃ mohaśokapariplutam; srotasā sahasā kṣiptaṃ hriyamāṇaṃ balīyasā

So [ist] die Welt: hilflos, unfähig zu klagen, von Verblendung und Kummer überflutet, jäh von der Strömung fortgerissen, hinweggetragen von der übermächtigen [Flut].

Wort für Wort
iti
so (Adv., zusammenfassend)
lokam anākrandam
die Welt, die nicht schreien kann (Akk.Sg.)
mohaśokapariplutam
von Verblendung und Kummer überflutet (Akk.Sg., PPP)
srotasā sahasā
durch die Strömung, jäh (Instr.Sg./Adv.)
kṣiptam hriyamāṇam
fortgeschleudert, hinweggetragen (Akk.Sg., PPP/Präs.Part.Pass.)
balīyasā
durch die übermächtige [Strömung] (Instr.Sg., Komp.)

na dhanena na rājyena nogreṇa tapasā tathā; svabhāvā vyativartante ye niyuktāḥ śarīriṣu

Nicht durch Reichtum, nicht durch Königsherrschaft, auch nicht durch strenge Askese lassen sich die Wesensnaturen überwinden, die den Körpern eingeprägt sind.

Wort für Wort
na dhanena
nicht durch Reichtum (Instr.Sg.)
na rājyena
nicht durch Königsherrschaft (Instr.Sg.)
na ugreṇa tapasā tathā
auch nicht durch strenge Askese (Instr.Sg.)
svabhāvāḥ vyativartante
die Wesensnaturen werden überwunden (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
ye niyuktāḥ
die eingeprägt sind (Nom.Pl., PPP)
śarīriṣu
in den Körpern (Lok.Pl.)

na mriyeran na jīryeran sarve syuḥ sarvakāmikāḥ; nāpriyaṃ pratipaśyeyur utthānasya phalaṃ prati

Sie würden nicht sterben, nicht altern, alle hätten alle ihre Wünsche erfüllt, sie sähen nichts Unliebes hinsichtlich der Frucht ihres Strebens.

Wort für Wort
na mriyeran
sie würden nicht sterben (3.Pl.Opt.)
na jīryeran
sie würden nicht altern (3.Pl.Opt.)
sarve syuḥ sarvakāmikāḥ
alle wären mit allen Wünschen erfüllt (3.Pl.Opt./Nom.Pl.)
na apriyam pratipaśyeyur
sie würden nichts Unliebes erblicken (3.Pl.Opt.)
utthānasya phalaṃ prati
hinsichtlich der Frucht des Strebens (Gen.Sg./Akk.Sg.+Präp.)

upary upari lokasya sarvo bhavitum icchati; yatate ca yathāśakti na ca tad vartate tathā

Jeder möchte höher stehen als alle anderen in der Welt und müht sich nach Kräften, doch es kommt nicht so, wie [er es will].

Wort für Wort
upary upari lokasya
höher als alle in der Welt (Adv./Gen.Sg.)
sarvaḥ bhavitum icchati
jeder möchte werden (Nom.Sg./Inf./3.Sg.Präs.)
yatate ca yathāśakti
und er müht sich nach Kräften (3.Sg.Präs./Adv.)
na ca tad vartate tathā
aber es kommt nicht so (3.Sg.Präs.)

aiśvaryamadamattāṃś ca mattān madyamadena ca; apramattāḥ śaṭhāḥ krūrā vikrāntāḥ paryupāsate

Die Nüchternen, Hinterlistigen, Grausamen, Verwegenen belauern jene, die vom Rausch der Macht, und jene, die vom Rausch des Weines trunken sind.

Wort für Wort
aiśvaryamadamattān ca
und die vom Rausch der Macht Trunkenen (Akk.Pl.)
mattān madyamadena ca
und die vom Weinrausch Trunkenen (Akk.Pl./Instr.Sg.)
apramattāḥ śaṭhāḥ
die Nüchternen, Hinterlistigen (Nom.Pl.)
krūrāḥ vikrāntāḥ
die Grausamen, Verwegenen (Nom.Pl.)
paryupāsate
sie umlagern/belauern (3.Pl.Präs.)

kleśāḥ pratinivartante keṣāṃ cid asamīkṣitāḥ; svaṃ svaṃ ca punar anyeṣāṃ na kiṃ cid abhigamyate

Bei manchen weichen die Leiden, unerwartet [wie sie kamen]; bei anderen wiederum wird nicht einmal das Eigene erreicht.

Wort für Wort
kleśāḥ pratinivartante
die Leiden weichen zurück (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
keṣāṃ cid asamīkṣitāḥ
bei manchen, unerwartet (Gen.Pl./Nom.Pl.)
svaṃ svaṃ ca punar
und wiederum ihr Eigenes (Akk.Sg.)
anyeṣāṃ na kiṃ cid
bei anderen nichts (Gen.Pl.)
abhigamyate
wird erreicht (3.Sg.Präs.Pass.)

mahac ca phalavaiṣamyaṃ dṛśyate karmasaṃdhiṣu; vahanti śibikām anye yānty anye śibikāgatāḥ

Große Ungleichheit der Frucht zeigt sich in den Verknüpfungen der Taten: Die einen tragen die Sänfte, die anderen fahren, in der Sänfte sitzend.

Wort für Wort
mahat ca phalavaiṣamyam
und große Ungleichheit der Frucht (Nom.Sg.)
dṛśyate karmasaṃdhiṣu
zeigt sich in den Verknüpfungen der Taten (3.Sg.Präs.Pass./Lok.Pl.)
vahanti śibikām anye
die einen tragen die Sänfte (3.Pl.Präs./Akk.Sg./Nom.Pl.)
yānti anye śibikāgatāḥ
die anderen fahren, in der Sänfte sitzend (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

sarveṣām ṛddhikāmānām anye rathapuraḥsarāḥ; manujāś ca śatastrīkāḥ śataśo vidhavāḥ striyaḥ

Unter allen, die nach Wohlstand verlangen, sind manche [nur] Wagen-Vorläufer; es gibt Männer mit hundert Frauen, und zu Hunderten gibt es verwitwete Frauen.

Wort für Wort
sarveṣām ṛddhikāmānām
von allen, die nach Wohlstand verlangen (Gen.Pl.)
anye rathapuraḥsarāḥ
sind manche Wagen-Vorläufer (Nom.Pl.)
manujāḥ ca śatastrīkāḥ
und Männer mit hundert Frauen (Nom.Pl.)
śataśo vidhavāḥ striyaḥ
zu Hunderten verwitwete Frauen (Adv./Nom.Pl.)

dvaṃdvārāmeṣu bhūteṣu gacchanty ekaikaśo narāḥ; idam anyat paraṃ paśya mātra mohaṃ kariṣyasi

Unter den Geschöpfen, die sich an Paarung erfreuen, gehen die Männer [dennoch] einzeln [dahin, wenn der Tod kommt]. Sieh dies als ein weiteres, höheres [Faktum]; sei darüber nicht im Irrtum[?].

Wort für Wort
dvaṃdvārāmeṣu bhūteṣu
unter den an Paarung sich erfreuenden Geschöpfen (Lok.Pl.)
gacchanti ekaikaśaḥ narāḥ
gehen die Männer einzeln [dahin] (3.Pl.Präs./Adv./Nom.Pl.)
idam anyat param paśya
sieh dies andere, höhere [Faktum] (Akk.Sg./Imp.2.Sg.)
mā atra mohaṃ kariṣyasi
sei darüber nicht im Irrtum (Neg.+Fut.2.Sg. als Verbot)[?]

mātra am Versende als mā atra (Sandhi) gedeutet.

tyaja dharmam adharmaṃ ca ubhe satyānṛte tyaja; ubhe satyānṛte tyaktvā yena tyajasi taṃ tyaja

Gib Dharma und Adharma auf, gib beide, Wahrheit und Unwahrheit, auf; hast du beide, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben, so gib auch das auf, wodurch du aufgibst.

Wort für Wort
tyaja dharmam adharmaṃ ca
gib Dharma und Adharma auf (Imp.2.Sg./Akk.Sg.)
ubhe satyānṛte tyaja
gib beide, Wahrheit und Unwahrheit, auf (Akk.Du./Imp.2.Sg.)
ubhe satyānṛte tyaktvā
nachdem du beide, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben hast (Ger.)
yena tyajasi
wodurch du aufgibst (Instr.Sg./2.Sg.Präs.)
taṃ tyaja
gib das auf (Akk.Sg./Imp.2.Sg.)

etat te paramaṃ guhyam ākhyātam ṛṣisattama; yena devāḥ parityajya martyalokaṃ divaṃ gatāḥ

Dies ist dir, bester der Seher, als höchstes Geheimnis verkündet worden, durch das die Götter, die sterbliche Welt verlassend, zum Himmel gelangt sind.

Wort für Wort
etat te paramaṃ guhyam
dies dir als höchstes Geheimnis (Nom.Sg./Dat.Sg.)
ākhyātam ṛṣisattama
ist verkündet worden, bester der Seher (PPP/Vok.Sg.)
yena devāḥ
durch das die Götter (Instr.Sg./Nom.Pl.)
parityajya martyalokaṃ
die sterbliche Welt verlassend (Ger./Akk.Sg.)
divaṃ gatāḥ
zum Himmel gelangt (Akk.Sg./Nom.Pl.PPP)

bhīṣma uvāca; nāradasya vacaḥ śrutvā śukaḥ paramabuddhimān; saṃcintya manasā dhīro niścayaṃ nādhyagacchata

Bhīṣma sprach: Nachdem Śuka, der höchst Weise, Nāradas Worte gehört hatte, überlegte er, der Beherrschte, in seinem Geist, gelangte aber zu keiner Gewissheit.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
nāradasya vacaḥ śrutvā
nachdem er Nāradas Worte gehört hatte (Gen.Sg./Akk.Sg./Ger.)
śukaḥ paramabuddhimān
Śuka, der höchst Weise (Nom.Sg.)
saṃcintya manasā dhīraḥ
nachdenkend mit dem Geist, der Beherrschte (Ger./Instr.Sg./Nom.Sg.)
niścayaṃ na adhyagacchata
gelangte zu keiner Gewissheit (Akk.Sg./3.Sg.Impf.)

putradārair mahān kleśo vidyāmnāye mahāñ śramaḥ; kiṃ nu syāc chāśvataṃ sthānam alpakleśaṃ mahodayam

Durch Frau und Kinder [entsteht] große Mühsal, im Studium der [heiligen] Überlieferung große Anstrengung – was könnte es wohl geben, das ein ewiger Zustand ist, mit wenig Mühsal, [aber] großem Gedeihen?

Wort für Wort
putradāraiḥ mahān kleśaḥ
durch Frau und Kinder [entsteht] große Mühsal (Instr.Pl./Nom.Sg.)
vidyāmnāye mahān śramaḥ
im Studium der Überlieferung [ist] große Anstrengung (Lok.Sg./Nom.Sg.)
kiṃ nu syāt
was könnte es wohl geben (Interr./3.Sg.Opt.)
śāśvataṃ sthānam
einen ewigen Zustand (Akk.Sg.)
alpakleśaṃ mahodayam
mit wenig Mühsal, großem Gedeihen (Akk.Sg.)

tato muhūrtaṃ saṃcintya niścitāṃ gatim ātmanaḥ; parāvarajño dharmasya parāṃ naiḥśreyasīṃ gatim

Dann, nach kurzem Nachdenken, [suchte er] den für ihn selbst bestimmten Weg – er, der Höheres und Niedrigeres des Dharma kennt, [suchte] den höchsten, zum Heil führenden Weg.

Wort für Wort
tato muhūrtaṃ saṃcintya
dann, einen Augenblick nachdenkend (Adv./Akk.Sg./Ger.)
niścitāṃ gatim ātmanaḥ
über den festgesetzten Weg für sich selbst (Akk.Sg./Gen.Sg.)
parāvarajñaḥ dharmasya
der Höheres und Niedrigeres des Dharma kennt (Nom.Sg./Gen.Sg.)
parāṃ naiḥśreyasīṃ gatim
den höchsten, zum Heil führenden Weg (Akk.Sg.)

Der Satz ist syntaktisch unvollständig und setzt sich im folgenden Vers fort (Subjekt Śuka).

kathaṃ tv aham asaṃkliṣṭo gaccheyaṃ paramāṃ gatim; nāvarteyaṃ yathā bhūyo yonisaṃsārasāgare

Wie könnte ich, unbeschwert, zum höchsten Ziel gelangen, so dass ich nicht wieder in den Ozean des Geburtenkreislaufs zurückkehre?

Wort für Wort
kathaṃ tu aham asaṃkliṣṭaḥ
wie könnte ich, unbeschwert (Adv./Nom.Sg.)
gaccheyaṃ paramāṃ gatim
zum höchsten Ziel gelangen (1.Sg.Opt./Akk.Sg.)
na āvarteyaṃ yathā bhūyaḥ
so dass ich nicht wieder zurückkehre (1.Sg.Opt./Adv.)
yonisaṃsārasāgare
im Ozean des Geburtenkreislaufs (Lok.Sg.)

paraṃ bhāvaṃ hi kāṅkṣāmi yatra nāvartate punaḥ; sarvasaṅgān parityajya niścitāṃ manaso gatim

Denn ich sehne mich nach dem höchsten Zustand, aus dem man nicht wieder zurückkehrt; nachdem ich alle Bindungen aufgegeben habe, [suche ich] den festgesetzten Weg des Geistes.

Wort für Wort
paraṃ bhāvaṃ hi kāṅkṣāmi
denn ich sehne mich nach dem höchsten Zustand (Akk.Sg./1.Sg.Präs.)
yatra na āvartate punaḥ
wo man nicht wieder zurückkehrt (Adv./3.Sg.Präs.)
sarvasaṅgān parityajya
nachdem ich alle Bindungen aufgegeben habe (Akk.Pl./Ger.)
niścitāṃ manaso gatim
den festgesetzten Weg des Geistes (Akk.Sg./Gen.Sg.)

tatra yāsyāmi yatrātmā śamaṃ me 'dhigamiṣyati; akṣayaś cāvyayaś caiva yatra sthāsyāmi śāśvataḥ

Dorthin werde ich gehen, wo mein Selbst zur Ruhe gelangen wird, wo ich, unvergänglich und unveränderlich, ewig verharren werde.

Wort für Wort
tatra yāsyāmi
dorthin werde ich gehen (Adv./1.Sg.Fut.)
yatra ātmā śamaṃ me
wo mein Selbst zur Ruhe (Adv./Nom.Sg./Akk.Sg./Gen.Sg.)
adhigamiṣyati
gelangen wird (3.Sg.Fut.)
akṣayaḥ ca avyayaḥ ca eva
unvergänglich und unveränderlich (Nom.Sg.)
yatra sthāsyāmi śāśvataḥ
wo ich ewig verharren werde (Adv./1.Sg.Fut./Nom.Sg.)

na tu yogam ṛte śakyā prāptuṃ sā paramā gatiḥ; avabandho hi muktasya karmabhir nopapadyate

Doch ohne Yoga lässt sich jener höchste Zustand nicht erreichen; denn für den Befreiten entsteht keine Bindung mehr durch Taten.

Wort für Wort
na tu yogam ṛte
aber nicht ohne Yoga (Akk.Sg.+Präp.)
śakyā prāptuṃ sā paramā gatiḥ
lässt sich jener höchste Zustand erreichen (Nom.Sg.Adj./Inf./Nom.Sg.)
avabandhaḥ hi muktasya
denn Bindung des Befreiten (Nom.Sg./Gen.Sg.)
karmabhir na upapadyate
entsteht nicht durch Taten (Instr.Pl./3.Sg.Präs.)

tasmād yogaṃ samāsthāya tyaktvā gṛhakalevaram; vāyubhūtaḥ pravekṣyāmi tejorāśiṃ divākaram

Deshalb werde ich, nachdem ich mich dem Yoga hingegeben und den Körper, [meine] Hausstätte, verlassen habe, zu Wind geworden in die Lichtmasse, die Sonne, eingehen.

Wort für Wort
tasmād yogaṃ samāsthāya
deshalb, dem Yoga mich hingebend (Adv./Akk.Sg./Ger.)
tyaktvā gṛhakalevaram
nachdem ich den Körper, [meine] Hausstätte, verlassen habe (Ger./Akk.Sg.)
vāyubhūtaḥ pravekṣyāmi
zu Wind geworden, werde ich eingehen (Nom.Sg./1.Sg.Fut.)
tejorāśiṃ divākaram
in die Lichtmasse, die Sonne (Akk.Sg.)

na hy eṣa kṣayam āpnoti somaḥ suragaṇair yathā; kampitaḥ patate bhūmiṃ punaś caivādhirohati; kṣīyate hi sadā somaḥ punaś caivābhipūryate

Denn jenes [Höchste] erleidet keinen Untergang, wie der Mond [ihn erleidet] durch die Scharen der Götter [Anm.: Anspielung auf das Trinken des Mondnektars durch die Götter]; erschüttert fällt er zur Erde hinab und steigt doch wieder auf; denn der Mond nimmt immer wieder ab und wird wieder ganz voll.

Wort für Wort
na hi eṣa kṣayam āpnoti
denn dieser erleidet keinen Untergang (Nom.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
somaḥ suragaṇair yathā
wie der Mond durch die Scharen der Götter (Nom.Sg./Instr.Pl./Adv.)
kampitaḥ patate bhūmiṃ
erschüttert fällt er zur Erde (Nom.Sg.PPP/3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
punaś ca eva adhirohati
und steigt doch wieder auf (Adv./3.Sg.Präs.)
kṣīyate hi sadā somaḥ
denn der Mond nimmt immer ab (3.Sg.Präs.Pass./Adv./Nom.Sg.)
punaś ca eva abhipūryate
und wird wieder ganz voll (Adv./3.Sg.Präs.Pass.)

Vergleich mit den Mondphasen; Bezug zum folgenden Zusatzvers, in dem Śuka dieses ewige Ab- und Zunehmen für sich ablehnt.

necchāmy evaṃ viditvaite hrāsavṛddhī punaḥ punaḥ

Da ich dies weiß, wünsche ich mir dieses Abnehmen und Zunehmen nicht immer wieder.

Wort für Wort
na icchāmi
ich wünsche nicht (1.Sg.Präs.)
evaṃ viditvā
da ich dies so weiß (Adv./Ger.)
ete hrāsavṛddhī
dieses Abnehmen und Zunehmen (Akk.Du.)
punaḥ punaḥ
immer wieder (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ravis tu saṃtāpayati lokān raśmibhir ulbaṇaiḥ; sarvatas teja ādatte nityam akṣayamaṇḍalaḥ

Die Sonne aber verbrennt die Welten mit heftigen Strahlen; von überallher nimmt sie Glanz auf, ewig, mit unvergänglicher Scheibe.

Wort für Wort
raviḥ tu saṃtāpayati lokān
die Sonne aber verbrennt die Welten (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Kaus./Akk.Pl.)
raśmibhir ulbaṇaiḥ
mit heftigen Strahlen (Instr.Pl.)
sarvataḥ tejaḥ ādatte
von überallher nimmt sie Glanz auf (Adv./Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
nityam akṣayamaṇḍalaḥ
ewig, mit unvergänglicher Scheibe (Adv./Nom.Sg.)

ato me rocate gantum ādityaṃ dīptatejasam; atra vatsyāmi durdharṣo niḥsaṅgenāntarātmanā

Deshalb gefällt es mir, zur Sonne zu gehen, die von leuchtendem Glanz ist; dort werde ich, unangreifbar, mit ungebundener innerer Seele wohnen.

Wort für Wort
ato me rocate gantum
deshalb gefällt es mir zu gehen (Adv./Dat.Sg./3.Sg.Präs./Inf.)
ādityaṃ dīptatejasam
zur Sonne, von leuchtendem Glanz (Akk.Sg.)
atra vatsyāmi durdharṣaḥ
dort werde ich, unangreifbar, wohnen (Adv./1.Sg.Fut./Nom.Sg.)
niḥsaṅgena antarātmanā
mit ungebundener innerer Seele (Instr.Sg.)

sūryasya tapataś cāhaṃ jagat sthāvarajaṅgamam

Und ich [werde eins mit] der brennenden Sonne, [mit] der Welt des Beweglichen und Unbeweglichen.

Wort für Wort
sūryasya tapataḥ
der brennenden Sonne (Gen.Sg.)
ca aham
und ich (Nom.Sg.)
jagat sthāvarajaṅgamam
die Welt des Beweglichen und Unbeweglichen (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); der Satz bricht ohne eigenes Verb ab.

sūryasya sadane cāhaṃ nikṣipyedaṃ kalevaram; ṛṣibhiḥ saha yāsyāmi sauraṃ tejo 'tiduḥsaham

Und ich werde, nachdem ich diesen Körper in der Wohnstätte der Sonne abgelegt habe, zusammen mit den Ṛṣis in das solare Licht eingehen, das kaum zu ertragen ist.

Wort für Wort
sūryasya sadane ca aham
und ich, in der Wohnstätte der Sonne (Gen.Sg./Lok.Sg./Nom.Sg.)
nikṣipya idaṃ kalevaram
nachdem ich diesen Körper abgelegt habe (Ger./Akk.Sg.)
ṛṣibhiḥ saha yāsyāmi
werde ich zusammen mit den Ṛṣis gehen (Instr.Pl./1.Sg.Fut.)
sauraṃ tejo atiduḥsaham
in das solare Licht, das kaum zu ertragen ist (Akk.Sg.)

āpṛcchāmi nagān nāgān girīn urvīṃ diśo divam; devadānavagandharvān piśācoragarākṣasān

Ich nehme Abschied von den Bäumen, den Schlangenwesen, den Bergen, der Erde, den Himmelsrichtungen, dem Himmel, von den Göttern, Dānavas und Gandharvas, von den Piśācas, Schlangendämonen und Rākṣasas.

Wort für Wort
āpṛcchāmi nagān nāgān
ich nehme Abschied von den Bäumen, den Schlangenwesen (1.Sg.Präs./Akk.Pl.)
girīn urvīṃ diśo divam
den Bergen, der Erde, den Himmelsrichtungen, dem Himmel (Akk.Pl./Akk.Sg./Akk.Pl./Akk.Sg.)
devadānavagandharvān
den Göttern, Dānavas und Gandharvas (Akk.Pl.)
piśācoragarākṣasān
den Piśācas, Schlangendämonen und Rākṣasas (Akk.Pl.)

lokeṣu sarvabhūtāni pravekṣyāmi nasaṃśayaḥ; paśyantu yogavīryaṃ me sarve devāḥ saharṣibhiḥ

In alle Wesen in den Welten werde ich eingehen, ohne Zweifel; alle Götter samt den Ṛṣis sollen meine yogische Kraft sehen.

Wort für Wort
lokeṣu sarvabhūtāni
in alle Wesen in den Welten (Lok.Pl./Akk.Pl.)
pravekṣyāmi na saṃśayaḥ
werde ich eingehen, kein Zweifel (1.Sg.Fut./Nom.Sg.)
paśyantu yogavīryaṃ me
sollen sehen meine yogische Kraft (3.Pl.Imp./Akk.Sg./Gen.Sg.)
sarve devāḥ saha ṛṣibhiḥ
alle Götter zusammen mit den Ṛṣis (Nom.Pl./Instr.Pl.)

athānujñāpya tam ṛṣiṃ nāradaṃ lokaviśrutam; tasmād anujñāṃ saṃprāpya jagāma pitaraṃ prati

Dann, nachdem er jenen in der Welt berühmten Seher Nārada um Erlaubnis gebeten und von ihm die Erlaubnis erhalten hatte, ging er zu [seinem] Vater.

Wort für Wort
atha anujñāpya
dann, nachdem er um Erlaubnis gebeten hatte (Adv./Ger.Kaus.)
tam ṛṣiṃ nāradaṃ lokaviśrutam
jenen Seher Nārada, in der Welt berühmt (Akk.Sg.)
tasmād anujñāṃ saṃprāpya
von ihm die Erlaubnis erhalten habend (Abl.Sg./Akk.Sg./Ger.)
jagāma pitaraṃ prati
ging er zum Vater (3.Sg.Perf./Akk.Sg.+Präp.)

so 'bhivādya mahātmānam ṛṣiṃ dvaipāyanaṃ munim; śukaḥ pradakṣiṇīkṛtya kṛṣṇam āpṛṣṭavān muniḥ

Er, nachdem er den großherzigen Seher Dvaipāyana, den Muni, gegrüßt hatte – Śuka, der Muni, umschritt ihn rechtsherum und bat Kṛṣṇa [Dvaipāyana] um Erlaubnis.

Wort für Wort
saḥ abhivādya
er, nachdem er gegrüßt hatte (Nom.Sg./Ger.)
mahātmānam ṛṣiṃ dvaipāyanaṃ munim
den großherzigen Seher, den Muni Dvaipāyana (Akk.Sg.)
śukaḥ pradakṣiṇīkṛtya
Śuka, nachdem er ihn rechtsherum umschritten hatte (Nom.Sg./Ger.)
kṛṣṇam āpṛṣṭavān muniḥ
der Muni fragte Kṛṣṇa [um Erlaubnis] (Akk.Sg./Nom.Sg.Perf.Part./Nom.Sg.)

śrutvā ṛṣis tad vacanaṃ śukasya; prīto mahātmā punar āha cainam; bho bhoḥ putra sthīyatāṃ tāvad adya; yāvac cakṣuḥ prīṇayāmi tvadartham

Nachdem der Seher jene Worte Śukas gehört hatte, sprach der hocherfreute Großherzige wieder zu ihm: „Oh, oh Sohn, bleib doch heute noch, bis ich mein Auge deinetwegen erfreut habe.“

Wort für Wort
śrutvā ṛṣis tad vacanaṃ śukasya
nachdem der Seher jene Worte Śukas gehört hatte (Ger./Nom.Sg./Akk.Sg./Gen.Sg.)
prīto mahātmā punar āha
sprach der erfreute Großherzige wieder (Nom.Sg./Nom.Sg./Adv./3.Sg.Perf.)
ca enam
zu ihm (Akk.Sg.)
bho bhoḥ putra
oh, oh Sohn (Vok.Sg.)
sthīyatāṃ tāvad adya
bleib doch heute (3.Sg.Imp.Pass.impers./Adv./Adv.)
yāvac cakṣuḥ prīṇayāmi
bis ich [mein] Auge erfreue (Adv./Akk.Sg./1.Sg.Präs.)
tvadartham
deinetwegen (Adv.)

evam uktaḥ pitus tena snehayuktena cetasā; naivecchām akarot tasya niḥsaṅgenāntarātmanā

So von seinem Vater mit liebeerfülltem Herzen angesprochen, willigte er dennoch nicht in dessen Wunsch ein, mit ungebundener innerer Seele.

Wort für Wort
evam uktaḥ pituḥ
so von seinem Vater angesprochen (Adv./Nom.Sg.PPP/Gen.Sg.)
tena snehayuktena cetasā
mit jenem liebeerfüllten Herzen (Instr.Sg.)
na eva icchām akarot
willigte er keineswegs ein (3.Sg.Impf.)
tasya niḥsaṅgena antarātmanā
in dessen [Wunsch], mit ungebundener innerer Seele (Gen.Sg./Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

nirapekṣaḥ śuko bhūtvā niḥsneho muktabandhanaḥ; mokṣam evānusaṃcintya gamanāya mano dadhe; pitaraṃ saṃparityajya jagāma dvijasattamaḥ

Śuka, gleichgültig geworden, ohne Zuneigung, mit gelösten Fesseln, nur an die Erlösung denkend, richtete seinen Sinn auf den Aufbruch; er verließ seinen Vater und ging fort, der Beste der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
nirapekṣaḥ śukaḥ bhūtvā
Śuka, gleichgültig geworden (Nom.Sg./Ger.)
niḥsnehaḥ muktabandhanaḥ
ohne Zuneigung, mit gelösten Fesseln (Nom.Sg.)
mokṣam eva anusaṃcintya
nur an die Erlösung denkend (Akk.Sg./Ger.)
gamanāya mano dadhe
richtete den Sinn auf das Fortgehen (Dat.Sg./Akk.Sg./3.Sg.Perf.)
pitaraṃ saṃparityajya
nachdem er den Vater verlassen hatte (Akk.Sg./Ger.)
jagāma dvijasattamaḥ
ging der Beste der Zweifachgeborenen (3.Sg.Perf./Nom.Sg.)

kailāsapṛṣṭhaṃ vipulaṃ siddhasaṃghair niṣevitam

[Er ging] zum weiten Gipfel des Kailāsa, der von Scharen der Siddhas bewohnt wird.

Wort für Wort
kailāsapṛṣṭhaṃ vipulaṃ
zum weiten Gipfel des Kailāsa (Akk.Sg.)
siddhasaṃghair niṣevitam
der von Scharen der Siddhas bewohnt wird (Instr.Pl./Akk.Sg.PPP)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); ergänzt vermutlich das Ziel von jagāma in Vers 66 (Kailāsa).

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