Mahābhārata · Śāntiparva
Kapitel 54: bhīṣmaprastāvaḥ
Nārada und Kṛṣṇa veranlassen den sterbenden Bhīṣma, die Pflichtenlehre zu verkünden
Eröffnung des Rājadharma-Abschnitts: Janamejayas Frage, Nāradas Aufforderung, Yudhiṣṭhiras Bitte an Kṛṣṇa und der Dialog zwischen Kṛṣṇa und Bhīṣma, in dem Kṛṣṇa Bhīṣma zum Lehren auffordert.
janamejaya uvāca; dharmātmani mahāsattve satyasaṃdhe jitātmani; devavrate mahābhāge śaratalpagate 'cyute
Janamejaya sprach: „Als der gerechtgesinnte, hochgemute, der Wahrheit verpflichtete, selbstbeherrschte Devavrata, der Hochbeglückte, Unerschütterliche, auf dem Pfeillager lag,
Wort für Wort janamejaya uvāca Janamejaya sprach (Perf.) dharmātmani mahāsattve als dem Gerechtgesinnten, Hochgemuten (Lok. abs.) satyasaṃdhe jitātmani dem der Wahrheit Verpflichteten, Selbstbeherrschten (Lok.) devavrate mahābhāge dem Devavrata, Hochbeglückten (Lok.) śaratalpagate 'cyute auf das Pfeillager gegangen, Unerschütterlichem (Lok.) śayāne vīraśayane bhīṣme śaṃtanunandane; gāṅgeye puruṣavyāghre pāṇḍavaiḥ paryupasthite
als Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus, auf dem Heldenlager ruhte, der Gaṅgā-Sohn, der Tiger unter den Männern, von den Pāṇḍavas umgeben –
Wort für Wort śayāne vīraśayane liegend auf dem Heldenlager (Lok.) bhīṣme śaṃtanunandane als Bhīṣma, Śaṃtanus Sohn (Lok.) gāṅgeye puruṣavyāghre dem Gaṅgā-Sohn, Tiger unter den Männern (Lok.) pāṇḍavaiḥ paryupasthite von den Pāṇḍavas umringt (Instr./Lok. abs.) kāḥ kathāḥ samavartanta tasmin vīrasamāgame; hateṣu sarvasainyeṣu tan me śaṃsa mahāmune
welche Gespräche fanden in dieser Versammlung der Helden statt, nachdem alle Heere erschlagen waren? Das sage mir, großer Weiser.“
Wort für Wort kāḥ kathāḥ welche Gespräche (Nom. Pl.) samavartanta fanden statt (3.Pl.Impf. Med.) tasmin vīrasamāgame in dieser Heldenversammlung (Lok.) hateṣu sarvasainyeṣu nachdem alle Heere erschlagen waren (Lok. abs.) tan me śaṃsa das sage mir (Imp.) mahāmune großer Weiser (Vok.) vaiśaṃpāyana uvāca; śaratalpagate bhīṣme kauravāṇāṃ dhuraṃdhare; ājagmur ṛṣayaḥ siddhā nāradapramukhā nṛpa
Vaiśaṃpāyana sprach: „Als Bhīṣma, der Deichselträger der Kauravas, auf dem Pfeillager lag, kamen Seher und Siddhas, Nārada an der Spitze, o König.
Wort für Wort vaiśaṃpāyana uvāca Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.) śaratalpagate bhīṣme als Bhīṣma auf dem Pfeillager lag (Lok. abs.) kauravāṇāṃ dhuraṃdhare dem Deichselträger der Kauravas (Lok.) ājagmur ṛṣayaḥ siddhāḥ es kamen Seher und Siddhas (3.Pl.Perf.; Nom.) nāradapramukhā nṛpa Nārada an der Spitze; König (Nom. Pl.; Vok.) hataśiṣṭāś ca rājāno yudhiṣṭhirapurogamāḥ; dhṛtarāṣṭraś ca kṛṣṇaś ca bhīmārjunayamās tathā
Und die übriggebliebenen Könige, Yudhiṣṭhira voran, Dhṛtarāṣṭra und Kṛṣṇa sowie Bhīma, Arjuna und die Zwillinge [kamen ebenfalls].
Wort für Wort hataśiṣṭāś ca rājāno und die von den Erschlagenen übriggebliebenen Könige (Nom. Pl.) yudhiṣṭhirapurogamāḥ Yudhiṣṭhira an der Spitze (Nom. Pl.) dhṛtarāṣṭraś ca kṛṣṇaś ca und Dhṛtarāṣṭra und Kṛṣṇa (Nom.) bhīmārjunayamās tathā ebenso Bhīma, Arjuna und die Zwillinge (Nom.) te 'bhigamya mahātmāno bharatānāṃ pitāmaham; anvaśocanta gāṅgeyam ādityaṃ patitaṃ yathā
Diese Hochgesinnten trauerten, zum Ahnherrn der Bharatas getreten, um den Gaṅgā-Sohn, der wie eine gefallene Sonne dalag.
Wort für Wort te 'bhigamya mahātmāno diese, herangetreten, Hochgesinnten (Abs.; Nom. Pl.) bharatānāṃ pitāmaham zum Ahnherrn der Bharatas (Gen. Pl.; Akk.) anvaśocanta gāṅgeyam betrauerten den Gaṅgā-Sohn (3.Pl.Impf. Med.; Akk.) ādityaṃ patitaṃ yathā wie eine gefallene Sonne (Akk.; Part.Perf.Pass.) muhūrtam iva ca dhyātvā nārado devadarśanaḥ; uvāca pāṇḍavān sarvān hataśiṣṭāṃś ca pārthivān
Nach kurzem Nachsinnen sprach Nārada, der Götterschauer, zu allen Pāṇḍavas und den übrigen Fürsten:
Wort für Wort muhūrtam iva ca dhyātvā und nachdem er gleichsam einen Augenblick nachgedacht hatte (Abs.) nārado devadarśanaḥ Nārada, der Götterschauer (Nom.) uvāca pāṇḍavān sarvān sprach zu allen Pāṇḍavas (3.Sg.Perf.; Akk. Pl.) hataśiṣṭāṃś ca pārthivān und zu den übriggebliebenen Fürsten (Akk. Pl.) prāptakālaṃ ca ācakṣe bhīṣmo 'yam anuyujyatām; astam eti hi gāṅgeyo bhānumān iva bhārata
„Die rechte Zeit ist gekommen, sage ich: Bhīṣma hier soll befragt werden; denn er geht unter, der Gaṅgā-Sohn, wie die strahlende Sonne, Bhārata.
Wort für Wort prāptakālaṃ ca ācakṣe und ich verkünde: die Zeit ist gekommen (Adv./Akk.; 1.Sg.Präs. Med.) bhīṣmo 'yam anuyujyatām dieser Bhīṣma soll befragt werden (Imp.Pass.) astam eti hi gāṅgeyo denn er geht unter, der Gaṅgā-Sohn (3.Sg.Präs.) bhānumān iva bhārata wie der Strahlende [die Sonne]; Bhārata (Nom.; Vok.) Lesart ācakṣe (1.Sg. Med.) laut Text; prāptakālaṃ als Neutrum adverbial gefasst.
ayaṃ prāṇān utsisṛkṣus taṃ sarve 'bhyetya pṛcchata; kṛtsnān hi vividhān dharmāṃś cāturvarṇyasya vetty ayam
Er will die Lebenshauche entlassen; tretet alle zu ihm und fragt ihn. Denn er kennt die mannigfachen Pflichten der vier Stände vollständig.
Wort für Wort ayaṃ prāṇān utsisṛkṣus dieser, die Lebenshauche entlassen wollend (Nom.; Desiderativ-Adj.) taṃ sarve 'bhyetya pṛcchata zu ihm alle herantretend, fragt (Abs.; Imp.2.Pl.) kṛtsnān hi vividhān dharmān denn alle mannigfachen Pflichten (Akk. Pl.) cāturvarṇyasya vetty ayam der vier Stände kennt dieser (Gen.; 3.Sg.Präs.) eṣa vṛddhaḥ purā lokān saṃprāpnoti tanutyajām; taṃ śīghram anuyuñjadhvaṃ saṃśayān manasi sthitān
Dieser Greis wird bald die Welten derer erlangen, die den Leib verlassen [?]. Befragt ihn rasch über die Zweifel, die im Geist sitzen.
Wort für Wort eṣa vṛddhaḥ purā dieser Greis, bald [?] (Nom.; Adv.) lokān saṃprāpnoti erlangt die Welten (Akk. Pl.; 3.Sg.Präs.) tanutyajām derer, die den Leib verlassen (Gen. Pl.) taṃ śīghram anuyuñjadhvam ihn fragt rasch (Imp.2.Pl. Med.) saṃśayān manasi sthitān über die im Geist sitzenden Zweifel (Akk. Pl.; Lok.) purā beim Präsens unsicher (bald / ehe es zu spät ist).
evam uktā nāradena bhīṣmam īyur narādhipāḥ; praṣṭuṃ cāśaknuvantas te vīkṣāṃ cakruḥ parasparam
So von Nārada angesprochen, gingen die Fürsten zu Bhīṣma; da sie nicht zu fragen vermochten, blickten sie einander an.
Wort für Wort evam uktā nāradena so von Nārada angesprochen (Part.Pass.; Instr.) bhīṣmam īyur narādhipāḥ gingen zu Bhīṣma die Menschenherrscher (3.Pl.Perf.; Nom.) praṣṭuṃ cāśaknuvantas te und zu fragen nicht vermögend, diese (Inf.; Part.Präs.) vīkṣāṃ cakruḥ parasparam sahen sich an, einander (3.Pl.Perf.; Adv.) athovāca hṛṣīkeśaṃ pāṇḍuputro yudhiṣṭhiraḥ; nānyas tvad devakīputra śaktaḥ praṣṭuṃ pitāmaham
Da sprach Yudhiṣṭhira, der Sohn Pāṇḍus, zu Hṛṣīkeśa: „Kein anderer als du, Sohn der Devakī, vermag den Ahnherrn zu befragen.
Wort für Wort athovāca hṛṣīkeśam da sprach zu Hṛṣīkeśa (3.Sg.Perf.; Akk.) pāṇḍuputro yudhiṣṭhiraḥ Pāṇḍus Sohn Yudhiṣṭhira (Nom.) nānyas tvad devakīputra kein anderer außer dir, Devakīs Sohn (Nom.; Abl.; Vok.) śaktaḥ praṣṭuṃ pitāmaham fähig, den Ahnherrn zu befragen (Nom.; Inf.; Akk.) pravyāhāraya durdharṣa tvam agre madhusūdana; tvaṃ hi nas tāta sarveṣāṃ sarvadharmavid uttamaḥ
Sprich du zuerst, Unbezwinglicher, Madhusūdana; denn du, Lieber, bist unter uns allen der beste Kenner aller Pflichten.
Wort für Wort pravyāhāraya durdharṣa sprich, Unbezwinglicher (Imp.; Vok.) tvam agre madhusūdana du zuerst, Madhusūdana (Adv.; Vok.) tvaṃ hi nas tāta denn du von uns, Lieber (Gen.; Vok.) sarveṣāṃ sarvadharmavid uttamaḥ unter allen der beste Kenner aller Pflichten (Gen.; Nom.) evam uktaḥ pāṇḍavena bhagavān keśavas tadā; abhigamya durādharṣaṃ pravyāhārayad acyutaḥ
So vom Pāṇḍava angesprochen, trat der erhabene Keśava, der Unfehlbare, damals zu dem Unbezwingbaren und sprach ihn an.
Wort für Wort evam uktaḥ pāṇḍavena so angesprochen vom Pāṇḍava (Part.Pass.; Instr.) bhagavān keśavas tadā der erhabene Keśava damals (Nom.; Adv.) abhigamya durādharṣam herangetreten zu dem Unbezwingbaren (Abs.; Akk.) pravyāhārayad acyutaḥ sprach an, der Unfehlbare (3.Sg.Impf. Kaus.; Nom.) vāsudeva uvāca; kaccit sukhena rajanī vyuṣṭā te rājasattama; vispaṣṭalakṣaṇā buddhiḥ kaccic copasthitā tava
Vāsudeva sprach: „Ist dir die Nacht angenehm vergangen, bester der Könige? Und ist dein Verstand mit klaren Merkmalen bei dir gegenwärtig?
Wort für Wort vāsudeva uvāca Vāsudeva sprach (Perf.) kaccit sukhena rajanī ob mit Wohlbehagen die Nacht (Frage-Part.; Instr.; Nom.) vyuṣṭā te rājasattama vergangen ist dir, bester der Könige (Part.Pass.; Dat./Gen.; Vok.) vispaṣṭalakṣaṇā buddhiḥ der Verstand mit deutlichen Merkmalen (Nom.) kaccic copasthitā tava und ob er gegenwärtig ist dir (Part.Pass.; Gen.) kaccij jñānāni sarvāṇi pratibhānti ca te 'nagha; na glāyate ca hṛdayaṃ na ca te vyākulaṃ manaḥ
Leuchten dir alle Wissensgebiete ein, Makelloser? Wird dein Herz nicht matt, und ist dein Geist nicht verwirrt?
Wort für Wort kaccij jñānāni sarvāṇi ob alle Wissensgebiete (Nom. Pl.) pratibhānti ca te 'nagha und leuchten ein dir, Makelloser (3.Pl.Präs.; Gen./Dat.; Vok.) na glāyate ca hṛdayam und nicht ermattet das Herz (3.Sg.Präs. Med.) na ca te vyākulaṃ manaḥ und nicht ist dein Geist verwirrt (Nom.) bhīṣma uvāca; dāho mohaḥ śramaś caiva klamo glānis tathā rujā; tava prasādād govinda sadyo vyapagatānagha
Bhīṣma sprach: „Brennen, Betäubung, Erschöpfung, Ermattung, Schlaffheit und Schmerz sind durch deine Gnade, Govinda, sogleich von mir gewichen, Makelloser.
Wort für Wort bhīṣma uvāca Bhīṣma sprach (Perf.) dāho mohaḥ śramaś caiva Brennen, Betäubung und Erschöpfung (Nom.) klamo glānis tathā rujā Ermattung, Schlaffheit ebenso Schmerz (Nom.; Nom.) tava prasādād govinda durch deine Gnade, Govinda (Abl.; Vok.) sadyo vyapagatānagha sogleich gewichen, Makelloser (Part.Perf.; Vok.) yac ca bhūtaṃ bhaviṣyac ca bhavac ca paramadyute; tat sarvam anupaśyāmi pāṇau phalam ivāhitam
Und was gewesen ist, sein wird und ist, du Hochglänzender – all das sehe ich [deutlich], wie eine in die Hand gelegte Frucht.
Wort für Wort yac ca bhūtaṃ bhaviṣyac ca und was gewesen ist und sein wird (Nom. n.) bhavac ca paramadyute und was ist, du Hochglänzender (Part.Präs.; Vok.) tat sarvam anupaśyāmi all das sehe ich (1.Sg.Präs.) pāṇau phalam ivāhitam wie eine in die Hand gelegte Frucht (Lok.; Part.Pass.) vedoktāś caiva ye dharmā vedāntanihitāś ca ye; tān sarvān saṃprapaśyāmi varadānāt tavācyuta
Und die im Veda gesagten Pflichten und die im Vedānta niedergelegten – all diese durchschaue ich durch deine Gnadengabe, Acyuta.
Wort für Wort vedoktāś caiva ye dharmā und die im Veda gesagten Pflichten (Nom. Pl.) vedāntanihitāś ca ye und die im Vedānta niedergelegten (Nom. Pl.) tān sarvān saṃprapaśyāmi alle diese durchschaue ich (Akk.; 1.Sg.Präs.) varadānāt tavācyuta durch deine Gnadengabe, Acyuta (Abl.; Vok.) śiṣṭaiś ca dharmo yaḥ proktaḥ sa ca me hṛdi vartate; deśajātikulānāṃ ca dharmajño 'smi janārdana
Und die Pflicht, die von den Gebildeten verkündet wurde, ist in meinem Herzen lebendig; auch die Pflichten der Länder, Geburten und Familien kenne ich, Janārdana.
Wort für Wort śiṣṭaiś ca dharmo yaḥ proktaḥ und die Pflicht, die von den Gebildeten verkündet ist (Instr. Pl.; Part.Pass.) sa ca me hṛdi vartate die ist mir im Herzen lebendig (3.Sg.Präs. Med.) deśajātikulānāṃ ca und der Länder, Geburten und Familien (Gen. Pl.; Dvandva) dharmajño 'smi janārdana Kenner der Pflicht bin ich, Janārdana (Nom.; 1.Sg.Präs.; Vok.) caturṣv āśramadharmeṣu yo 'rthaḥ sa ca hṛdi sthitaḥ; rājadharmāṃś ca sakalān avagacchāmi keśava
Und was in den Pflichten der vier Lebensstufen der maßgebliche Sinn ist, steht in meinem Herzen; auch alle Königspflichten verstehe ich, Keśava.
Wort für Wort caturṣv āśramadharmeṣu in den Pflichten der vier Lebensstufen (Lok. Pl.) yo 'rthaḥ sa ca hṛdi sthitaḥ der Sinn, der steht im Herzen (Nom.; Part.Pass.; Lok.) rājadharmāṃś ca sakalān und die Königspflichten, alle (Akk. Pl.) avagacchāmi keśava verstehe ich, Keśava (1.Sg.Präs.; Vok.) sarvadharmeṣu yo hy arthaḥ sa ca me hṛdi saṃsthitaḥ
Und was in allen Pflichten der Sinn ist, das steht mir im Herzen fest.
Wort für Wort sarvadharmeṣu yo hy arthaḥ denn der Sinn in allen Pflichten (Lok. Pl.; Nom.) sa ca me hṛdi saṃsthitaḥ der steht mir im Herzen fest (Nom.; Gen./Dat.; Lok.; Part.Pass.) Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
yatra yatra ca vaktavyaṃ tad vakṣyāmi janārdana; tava prasādād dhi śubhā mano me buddhir āviśat
Wo immer zu sprechen ist, dort werde ich sprechen, Janārdana; durch deine Gnade ist ein heller Verstand in meinen Geist eingegangen.
Wort für Wort yatra yatra ca vaktavyam und wo immer zu sprechen ist (Adv.; Gerundiv) tad vakṣyāmi janārdana das werde ich sagen, Janārdana (1.Sg.Fut.; Vok.) tava prasādād dhi denn durch deine Gnade (Abl.) śubhā mano me hell/glücklich, in den Geist mir (Nom. f.; Akk./Nom. n.; Gen.) buddhir āviśat ist der Verstand eingegangen (Nom.; 3.Sg.Impf.) mano me buddhir āviśat: Konstruktion leicht elliptisch; „in meinen Geist“ gefasst.
yuveva cāsmi saṃvṛttas tvadanudhyānabṛṃhitaḥ; vaktuṃ śreyaḥ samartho 'smi tvatprasādāj janārdana
Ich bin gleichsam wieder jung geworden, durch dein Nachsinnen gestärkt; zu sprechen vom Heilvollen bin ich durch deine Gnade fähig, Janārdana.
Wort für Wort yuveva cāsmi saṃvṛttaḥ und wie ein Jüngling bin ich geworden (Nom.; 1.Sg.Präs.; Part.Pass.) tvadanudhyānabṛṃhitaḥ durch dein Nachsinnen gestärkt (Nom.; Part.Pass.) vaktuṃ śreyaḥ samartho 'smi das Heilvolle zu sagen fähig bin ich (Inf.; Akk.; Nom.) tvatprasādāj janārdana durch deine Gnade, Janārdana (Abl.; Vok.) svayaṃ kimarthaṃ tu bhavāñ śreyo na prāha pāṇḍavam; kiṃ te vivakṣitaṃ cātra tad āśu vada mādhava
Weshalb aber hast du selbst dem Pāṇḍava das Heil nicht verkündet? Was willst du hierbei sagen? Das sprich rasch, Mādhava.
Wort für Wort svayaṃ kimarthaṃ tu bhavān selbst weshalb aber du (Adv.; Nom.) śreyo na prāha pāṇḍavam das Heil nicht verkündet hast dem Pāṇḍava (Akk.; 3.Sg.Perf.) kiṃ te vivakṣitaṃ cātra und was ist von dir hier zu sagen beabsichtigt (Nom.; Gen.; Part.Pass.) tad āśu vada mādhava das sprich rasch, Mādhava (Imp.; Vok.) vāsudeva uvāca; yaśasaḥ śreyasaś caiva mūlaṃ māṃ viddhi kaurava; mattaḥ sarve 'bhinirvṛttā bhāvāḥ sadasadātmakāḥ
Vāsudeva sprach: „Wisse mich als Wurzel von Ruhm und Heil, Kaurava; aus mir sind alle Zustände hervorgegangen, die aus Seiendem und Nichtseiendem bestehen.
Wort für Wort vāsudeva uvāca Vāsudeva sprach (Perf.) yaśasaḥ śreyasaś caiva mūlam von Ruhm und von Heil die Wurzel (Gen.; Akk.) māṃ viddhi kaurava mich wisse, Kaurava (Imp.; Vok.) mattaḥ sarve 'bhinirvṛttā aus mir alle hervorgegangen (Abl.; Part.Pass.) bhāvāḥ sadasadātmakāḥ Zustände/Wesen, aus Seiendem und Nichtseiendem bestehend (Nom. Pl.) śītāṃśuś candra ity ukte ko loke vismayiṣyati; tathaiva yaśasā pūrṇe mayi ko vismayiṣyati
Wenn man sagt „der Kühlstrahlige ist der Mond“, wer in der Welt wird sich wundern? Ebenso: wer wird sich wundern, wenn ich von Ruhm erfüllt bin?
Wort für Wort śītāṃśuś candra ity ukte wenn gesagt wird: der Kühlstrahlige ist der Mond (Nom.; Lok. abs.) ko loke vismayiṣyati wer in der Welt wird staunen (Lok.; 3.Sg.Fut.) tathaiva yaśasā pūrṇe ebenso, mit Ruhm erfüllt (Instr.; Lok.) mayi ko vismayiṣyati wenn ich [es bin], wer wird staunen (Lok.; 3.Sg.Fut.) ādheyaṃ tu mayā bhūyo yaśas tava mahādyute; tato me vipulā buddhis tvayi bhīṣma samāhitā
Ich aber muss deinen Ruhm noch mehr einsetzen [mehren], Hochglänzender; deshalb ist mein weiter Verstand auf dich gerichtet, Bhīṣma.
Wort für Wort ādheyaṃ tu mayā bhūyo aber hinzuzufügen von mir noch mehr (Gerundiv; Instr.; Adv.) yaśas tava mahādyute Ruhm dein, Hochglänzender (Nom./Akk.; Gen.; Vok.) tato me vipulā buddhis daher mein weiter Verstand (Abl.-Adv.; Gen.; Nom.) tvayi bhīṣma samāhitā auf dich, Bhīṣma, gesammelt/gerichtet (Lok.; Vok.; Part.Pass.) yāvad dhi pṛthivīpāla pṛthivī sthāsyate dhruvā; tāvat tavākṣayā kīrtir lokān anu cariṣyati
Solange, Erdenherr, die Erde fest bestehen wird, so lange wird dein unvergänglicher Ruhm durch die Welten ziehen.
Wort für Wort yāvad dhi pṛthivīpāla denn solange, Erdenherr (Vok.) pṛthivī sthāsyate dhruvā die Erde bestehen wird, fest (Nom.; 3.Sg.Fut. Med.) tāvat tavākṣayā kīrtir so lange dein unvergänglicher Ruhm (Gen.; Nom.) lokān anu cariṣyati durch die Welten wird ziehen (Akk. Pl.; 3.Sg.Fut.) yac ca tvaṃ vakṣyase bhīṣma pāṇḍavāyānupṛcchate; vedapravādā iva te sthāsyanti vasudhātale
Und was du, Bhīṣma, dem fragenden Pāṇḍava sagen wirst, das wird wie Vedaworte auf der Erde bestehen.
Wort für Wort yac ca tvaṃ vakṣyase bhīṣma und was du sagen wirst, Bhīṣma (2.Sg.Fut. Med.; Vok.) pāṇḍavāyānupṛcchate dem Pāṇḍava, der fragt (Dat.; Part.Präs.) vedapravādā iva te wie Vedaworte diese (Nom. Pl.) sthāsyanti vasudhātale werden bestehen auf dem Erdboden (3.Pl.Fut.; Lok.) yaś caitena pramāṇena yokṣyaty ātmānam ātmanā; sa phalaṃ sarvapuṇyānāṃ pretya cānubhaviṣyati
Und wer nach diesem Maßstab sich selbst durch sich selbst [auf das Rechte] ausrichtet, der wird im Jenseits die Frucht aller guten Werke genießen.
Wort für Wort yaś caitena pramāṇena und wer nach diesem Maßstab (Nom.; Instr.) yokṣyaty ātmānam ātmanā sich selbst durch sich selbst verbinden wird (3.Sg.Fut.; Akk.; Instr.) sa phalaṃ sarvapuṇyānām der die Frucht aller guten Werke (Nom.; Akk.; Gen. Pl.) pretya cānubhaviṣyati und nach dem Tod wird erfahren/genießen (Abs.; 3.Sg.Fut.) etasmāt kāraṇād bhīṣma matir divyā mayā hi te; dattā yaśo vipratheta kathaṃ bhūyas taveti ha
Aus diesem Grund, Bhīṣma, habe ich dir die göttliche Einsicht gegeben: „Wie könnte dein Ruhm noch weiter wachsen?“
Wort für Wort etasmāt kāraṇād bhīṣma aus diesem Grund, Bhīṣma (Abl.; Vok.) matir divyā mayā hi te göttliche Einsicht von mir dir (Nom.; Instr.; Dat.) dattā yaśo vipratheta gegeben; der Ruhm möge sich ausbreiten (Part.Pass.; Opt. Med.) kathaṃ bhūyas taveti ha wie noch mehr dein, so [dachte ich] (Adv.; Gen.; iti) vipratheta (Opt. zu vi-prath) als „sich ausbreiten“ gedeutet.
yāvad dhi prathate loke puruṣasya yaśo bhuvi; tāvat tasyākṣayaṃ sthānaṃ bhavatīti viniścitam
Denn solange der Ruhm eines Menschen auf Erden in der Welt sich ausbreitet, so lange hat er einen unvergänglichen Platz – das ist gewiss.
Wort für Wort yāvad dhi prathate loke denn solange sich ausbreitet in der Welt (3.Sg.Präs. Med.; Lok.) puruṣasya yaśo bhuvi eines Menschen Ruhm auf Erden (Gen.; Nom.; Lok.) tāvat tasyākṣayaṃ sthānam so lange hat er einen unvergänglichen Platz (Gen.; Nom.) bhavatīti viniścitam es ist, so ist es gewiss (3.Sg.Präs.; Part.Pass.) rājāno hataśiṣṭās tvāṃ rājann abhita āsate; dharmān anuyuyukṣantas tebhyaḥ prabrūhi bhārata
Die übriggebliebenen Könige, o König, sitzen rings um dich; sie wollen nach den Pflichten fragen. Verkünde ihnen, Bhārata.
Wort für Wort rājāno hataśiṣṭās tvām die übriggebliebenen Könige dich (Nom. Pl.; Akk.) rājann abhita āsate König, ringsum sitzen (Vok.; Adv.; 3.Pl.Präs. Med.) dharmān anuyuyukṣantas nach den Pflichten zu fragen wünschend (Akk. Pl.; Part.Präs. Des.) tebhyaḥ prabrūhi bhārata ihnen verkünde, Bhārata (Dat.; Imp.; Vok.) bhavān hi vayasā vṛddhaḥ śrutācārasamanvitaḥ; kuśalo rājadharmāṇāṃ pūrveṣām aparāś ca ye
Denn du bist an Jahren alt, mit Gelehrsamkeit und gutem Wandel begabt, kundig der Königspflichten der früheren und der späteren [Könige] [?].
Wort für Wort bhavān hi vayasā vṛddhaḥ denn du bist dem Alter nach alt (Nom.; Instr.) śrutācārasamanvitaḥ mit Gelehrsamkeit und Wandel begabt (Nom.) kuśalo rājadharmāṇām kundig der Königspflichten (Nom.; Gen. Pl.) pūrveṣām aparāś ca ye der früheren und derer, die die anderen [?] sind (Gen. Pl.; Nom. Pl.) Zweite Vershälfte syntaktisch unscharf (aparāḥ im Nominativ neben Genitiv pūrveṣām).
janmaprabhṛti te kaś cid vṛjinaṃ na dadarśa ha; jñātāram anudharmāṇāṃ tvāṃ viduḥ sarvapārthivāḥ
Von Geburt an hat niemand je einen Makel an dir gesehen; als Kenner der nachgeordneten Pflichten kennen dich alle Fürsten.
Wort für Wort janmaprabhṛti te kaś cid von Geburt an bei dir irgendwer (Adv.; Gen.; Nom.) vṛjinaṃ na dadarśa ha Makel nicht gesehen hat (Akk.; 3.Sg.Perf.) jñātāram anudharmāṇām als Kenner der nachgeordneten Pflichten (Akk.; Gen. Pl.) tvāṃ viduḥ sarvapārthivāḥ dich kennen alle Fürsten (3.Pl.Perf.; Nom.) tebhyaḥ piteva putrebhyo rājan brūhi paraṃ nayam; ṛṣayaś ca hi devāś ca tvayā nityam upāsitāḥ
Sprich ihnen, König, wie ein Vater zu Söhnen, die höchste Leitlinie; denn du hast Seher und Götter stets verehrt.
Wort für Wort tebhyaḥ piteva putrebhyo ihnen wie ein Vater den Söhnen (Dat.; Nom.; Dat. Pl.) rājan brūhi paraṃ nayam König, sprich die höchste Leitlinie (Vok.; Imp.; Akk.) ṛṣayaś ca hi devāś ca denn Seher und Götter (Nom. Pl.) tvayā nityam upāsitāḥ von dir stets verehrt (Instr.; Part.Pass.) tasmād vaktavyam eveha tvayā paśyāmy aśeṣataḥ; dharmāñ śuśrūṣamāṇebhyaḥ pṛṣṭena ca satā punaḥ
Darum ist hier von dir zu sprechen, wie ich sehe, ohne Rest: die Pflichten, für die Hörbegierigen, und wiederum, da du als Guter befragt wirst.
Wort für Wort tasmād vaktavyam eveha darum ist hier zu sprechen (Abl.-Adv.; Gerundiv) tvayā paśyāmy aśeṣataḥ von dir, sehe ich, vollständig (Instr.; 1.Sg.Präs.; Adv.) dharmāñ śuśrūṣamāṇebhyaḥ die Pflichten, denen die hören wollen (Akk. Pl.; Dat. Pl.) pṛṣṭena ca satā punaḥ und von dir, dem Befragten, dem Guten, wiederum (Instr.; Part.Pass.; Instr.) vaktavyaṃ viduṣā ceti dharmam āhur manīṣiṇaḥ; apratibruvataḥ kaṣṭo doṣo hi bhavati prabho
„Auch vom Wissenden ist zu sprechen“, das nennen die Weisen die Pflicht; denn für den, der nicht antwortet, entsteht ein schlimmer Fehler, Herr.
Wort für Wort vaktavyaṃ viduṣā ceti und „vom Wissenden ist zu sprechen“ so (Gerundiv; Instr.) dharmam āhur manīṣiṇaḥ Pflicht nennen die Weisen (Akk.; 3.Pl.Perf.; Nom.) apratibruvataḥ kaṣṭo für den Nichtantwortenden schlimm (Gen. Part.Präs.; Nom.) doṣo hi bhavati prabho denn ein Fehler entsteht, Herr (Nom.; 3.Sg.Präs.; Vok.) tasmāt putraiś ca pautraiś ca dharmān pṛṣṭaḥ sanātanān; vidvāñ jijñāsamānais tvaṃ prabrūhi bharatarṣabha
Darum verkünde du, Stier der Bharatas, den Wissbegierigen, die dich als Söhne und Enkel nach den ewigen Pflichten befragen, als Wissender [die Lehre].
Wort für Wort tasmāt putraiś ca pautraiś ca darum von Söhnen und Enkeln (Abl.-Adv.; Instr. Pl.) dharmān pṛṣṭaḥ sanātanān nach den Pflichten befragt, den ewigen (Akk. Pl.; Part.Pass.; Akk.) vidvāñ jijñāsamānais tvam als Wissender, von Wissbegierigen, du (Nom.; Instr. Pl.; Nom.) prabrūhi bharatarṣabha verkünde, Stier der Bharatas (Imp.; Vok.)
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