Kapitel 335: hayagrīvopākhyāna
Die Erzählung von Hayagrīva und dem Raub der Veden durch Madhu und Kaiṭabha
Janamejaya und später Yudhiṣṭhira erfragen von Vaiśaṃpāyana bzw. Vyāsa den Sinn der pferdehäuptigen Gestalt (Hayaśiras) des Hari-Viṣṇu. Vyāsa erzählt die kosmogonische Vorgeschichte: die Auflösung der Welt in der Urflut, die Entstehung Brahmās aus dem lotusgeborenen Aniruddha-Nārāyaṇa sowie den Raub der Veden durch die aus zwei Wassertropfen entstandenen Dämonen Madhu und Kaiṭabha.
Janamejaya sprach: „Vernommen habe ich die Größe jenes Erhabenen, des höchsten Selbst, seine Geburt im Haus des Dharma als Nara und Nārāyaṇa, und die uralte Entstehung des [Erd-]Klumpens, geschaffen durch den großen Eber.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
śrutaṃ bhagavatas tasya māhātmyaṃ paramātmanaḥ
vernommen wurde die Größe jenes Erhabenen, des höchsten Selbst (Nom.Sg.Neutr./Gen.)
janma dharmagṛhe caiva
die Geburt im Haus des Dharma (Nom./Lok.)
naranārāyaṇātmakam
in Gestalt von Nara und Nārāyaṇa (Nom.Sg.Neutr., Adj.)
mahāvarāhasṛṣṭā ca
und durch den großen Eber geschaffen (Nom.Sg.Fem., Ptz.)
piṇḍotpattiḥ purātanī
die uralte Entstehung des [Erd-]Klumpens (Nom.Sg.Fem.)
piṇḍotpattiḥ verweist wohl auf die Erhebung der Erde als „Klumpen“ durch den Eber-Avatāra (Varāha); Deutung leicht unsicher.
pravṛttau ca nivṛttau ca yo yathā parikalpitaḥ; sa tathā naḥ śruto brahman kathyamānas tvayānagha
„Wie er hinsichtlich des Pfades des Wirkens und des Pfades der Weltentsagung eingerichtet ist, so haben wir es von dir vernommen, o Brahmane, während du, Sündenloser, es erzähltest.“
Wort für Wort
pravṛttau ca nivṛttau ca
hinsichtlich Tätigkeit und Rückzug (Lok.Sg. x2)
yo yathā parikalpitaḥ
wie er eingerichtet ist (Nom.Sg.Mask./Ptz.Perf.Pass.)
sa tathā naḥ śrutaḥ
so ist er von uns gehört worden (Nom.Sg./Instr.)
brahman
o Brahmane (Vok.Sg.)
kathyamānas tvayā
während es von dir erzählt wird (Ptz.Präs.Pass./Instr.)
yac ca tat kathitaṃ pūrvaṃ tvayā hayaśiro mahat; havyakavyabhujo viṣṇor udakpūrve mahodadhau; tac ca dṛṣṭaṃ bhagavatā brahmaṇā parameṣṭhinā
„Und was du zuvor erzählt hast – das große Pferdehaupt des Viṣṇu, der die Opfer- und Ahnenspeisen verzehrt, im nördlichen großen Ozean –, das wurde vom Erhabenen Brahmā, dem Höchstthronenden, gesehen.“
Wort für Wort
yac ca tat kathitaṃ pūrvaṃ tvayā
und was zuvor von dir erzählt wurde (Nom.Sg.Neutr./Instr.)
hayaśiro mahat
das große Pferdehaupt (Nom.Sg.Neutr.)
havyakavyabhujo viṣṇor
des Viṣṇu, der Opfer- und Ahnenspeisen verzehrt (Gen.Sg., Kompositum)
udakpūrve mahodadhau
im nördlichen großen Ozean (Lok.Sg.)
tac ca dṛṣṭaṃ
und das wurde gesehen (Nom.Sg.Neutr., Ptz.Perf.Pass.)
bhagavatā brahmaṇā parameṣṭhinā
vom Erhabenen Brahmā, dem Höchstthronenden (Instr.Sg. x3)
dṛṣṭvā hi vibudhaśreṣṭham apūrvam amitaujasam; tad aśvaśirasaṃ puṇyaṃ brahmā kim akaron mune
„Denn nachdem er den Besten der Götter gesehen hatte, den beispiellosen, von unermesslicher Kraft – jenes heilige pferdehäuptige [Wesen] –, was tat Brahmā da, o Weiser?“
Wort für Wort
dṛṣṭvā hi
denn nachdem er gesehen hatte (Absolutiv)
vibudhaśreṣṭham apūrvam amitaujasam
den Besten der Götter, beispiellos, von unermesslicher Kraft (Akk.Sg. x3)
„Diesen unseren aus dem Wissen der alten Überlieferung entstandenen Zweifel, das vom Großen Puruṣa Bewirkte betreffend, erkläre uns, o du von höchster Einsicht; geheiligt sind wir, o Brahmane, durch dich, der die heilige Erzählung erzählte.“
Wort für Wort
etan naḥ saṃśayaṃ
diesen unseren Zweifel (Akk.Sg.Neutr./Gen.Pl.)
brahman
o Brahmane (Vok.Sg.)
purāṇajñānasaṃbhavam
der aus dem Wissen der alten Überlieferung entstanden ist (Akk.Sg., Adj.)
kathayasva uttamamate
erkläre, o du von höchster Einsicht (2.Sg.Imp.Med./Vok.Sg.)
mahāpuruṣanirmitam
vom Großen Puruṣa bewirkt (Akk.Sg., Adj.)
pāvitāḥ sma tvayā
geheiligt sind wir von dir (Nom.Pl.Ptz.Perf.Pass./1.Pl.Perf./Instr.)
puṇyāṃ kathayatā kathām
durch die heilige Erzählung, die erzählt wurde (Akk.Sg.Fem. x2/Ptz.Präs.Instr.)
vaiśaṃpāyana uvāca; kathayiṣyāmi te sarvaṃ purāṇaṃ vedasaṃmitam; jagau yad bhagavān vyāso rājño dharmasutasya vai
Vaiśaṃpāyana sprach: „Ich werde dir die ganze, den Veden gleichrangige alte Überlieferung erzählen, die der erhabene Vyāsa dem König, dem Sohn des Dharma, vorgetragen hat.“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
kathayiṣyāmi te sarvaṃ
ich werde dir alles erzählen (1.Sg.Fut./Dat./Akk.)
purāṇaṃ vedasaṃmitam
die alte Überlieferung, den Veden gleichwertig (Akk.Sg.Neutr. x2)
tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi sarvaṃ tac chṛṇu śaunaka
„Das werde ich dir ganz verkünden – höre es, o Śaunaka.“
Wort für Wort
tat te 'haṃ saṃpravakṣyāmi
das werde ich dir verkünden (Akk./Dat./Nom./1.Sg.Fut.)
sarvaṃ tac
das alles (Akk.Sg.Neutr. x2)
chṛṇu śaunaka
höre, o Śaunaka (2.Sg.Imp./Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Stern-Passage; die Anrede an Śaunaka wirkt wie ein Wechsel zum äußeren Erzählrahmen (Ugraśravas/Śaunaka).
śrutvāśvaśiraso mūrtiṃ devasya harimedhasaḥ; utpannasaṃśayo rājā tam eva samacodayat
Nachdem er von der pferdehäuptigen Gestalt des weisheitsreichen Gottes Hari gehört hatte, drängte der König, bei dem ein Zweifel entstanden war, ebendiesen [Vyāsa weiter zu erzählen].
Wort für Wort
śrutvā
nachdem er gehört hatte (Absolutiv)
aśvaśiraso mūrtiṃ
die pferdehäuptige Gestalt (Gen./Akk.Sg.)
devasya harimedhasaḥ
des Gottes Harimedhas (Gen.Sg. x2)
utpannasaṃśayo rājā
der König, bei dem ein Zweifel entstanden war (Nom.Sg. x2, Adj.)
Vyāsa sprach: „Was immer hier auf der Welt an einen Körper gebunden ist, o Herr der Menschen, das alles ist von den fünf Elementen durchdrungen, die aus dem Denken des Herrn entstanden sind.“
Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
yat kiṃ cid iha loke
was immer hier auf der Welt (Nom.Sg.Neutr./Lok.)
dehabaddhaṃ
an einen Körper gebunden (Nom.Sg.Neutr., Adj.)
viśāṃ pate
o Herr der Menschen (Gen.Pl./Vok.Sg.)
sarvaṃ pañcabhir bhūtair āviṣṭaṃ
das alles ist von den fünf Elementen durchdrungen (Nom.Sg.Neutr./Instr.Pl. x2/Ptz.Perf.Pass.)
īśvarabuddhijaiḥ
die aus dem Denken des Herrn entstanden sind (Instr.Pl., Adj.)
„Denn der Herr, der Schöpfer der Welt, der Gebieter Nārāyaṇa, der Alldurchdringende, die innere Seele der Wesen, der Wünsche gewährt, [zugleich] mit Eigenschaften und ohne Eigenschaften – höre von der unmanifesten Auflösung der Wesen [in ihn], o Bester der Könige.“
Wort für Wort
īśvaro hi jagatsraṣṭā
denn der Herr, der Schöpfer der Welt (Nom.Sg. x2)
prabhur nārāyaṇo virāṭ
der Gebieter Nārāyaṇa, der Alldurchdringende (Nom.Sg. x3)
bhūtāntarātmā varadaḥ
die innere Seele der Wesen, der Wünsche gewährt (Nom.Sg. x2)
saguṇo nirguṇo 'pi ca
mit Eigenschaften und auch ohne Eigenschaften (Nom.Sg.Adj. x2)
„Als einst die Erde sich in die zu einem einzigen Ozean gewordenen Wasser aufgelöst hatte, als die Wasser, lichthaft geworden, im Licht aufgingen und [dieses sich] im Wind [auflöste],“
Wort für Wort
dharaṇyām atha līnāyām
als die Erde sich aufgelöst hatte (Lok.Sg.Fem., Lok.Abs.)
apsu ca ekārṇave purā
in die einst zu einem einzigen Ozean gewordenen Wasser (Lok.Pl./Lok.Sg.Adj.)
jyotirbhūte jale
als das Wasser lichthaft geworden war (Lok.Sg.Neutr., Adj./Lok.Sg.)
cāpi līne jyotiṣi
und sich im Licht aufgelöst hatte (Ptz.Lok./Lok.Sg.)
cānile
und im Wind (Lok.Sg.)
Satz setzt sich über die Einheiten 14-16 fort (Auflösung der Elemente).
„als der Wind sich im Äther aufgelöst hatte und der Äther, dem Geist folgend, [in ihn] aufging, als der Geist, das Manifeste, sich aufgelöst hatte und das Manifeste zum Unmanifesten geworden war,“
Wort für Wort
vāyau ca ākāśasaṃlīne
als der Wind sich im Äther aufgelöst hatte (Lok.Sg./Adj.Lok.)
ākāśe ca manonuge
und der Äther, dem Geist folgend (Lok.Sg./Adj.Lok.)
vyakte manasi saṃlīne
als der Geist, das Manifeste, sich aufgelöst hatte (Lok.Sg. x2/Ptz.Lok.)
vyakte cāvyaktatāṃ gate
und das Manifeste zum Unmanifesten geworden war (Lok.Sg./Akk.Sg.Fem./Ptz.Lok.)
„als das Unmanifeste in den Puruṣa eingegangen war und [auch] der Puruṣa allgegenwärtig geworden war, da war alles nur noch Dunkel, nichts wurde mehr erkannt.“
Wort für Wort
avyakte puruṣaṃ yāte
als das Unmanifeste in den Puruṣa eingegangen war (Lok.Sg./Akk.Sg./Ptz.Lok.)
puṃsi sarvagate 'pi ca
und auch als der Puruṣa allgegenwärtig geworden war (Lok.Sg./Adj.Lok.)
tama evābhavat sarvaṃ
da war alles nur noch Dunkel (Nom.Sg.Neutr./3.Sg.Impf./Nom.Sg.Neutr.)
na prājñāyata kiṃ cana
nichts wurde mehr erkannt (Neg./3.Sg.Impf.Pass./Indef.Pron.)
tamaso brahma saṃbhūtaṃ tamomūlam ṛtātmakam; tad viśvabhāvasaṃjñāntaṃ pauruṣīṃ tanum āsthitam
„Aus dem Dunkel entstand das Brahman, das in Tamas wurzelt und dessen Wesen die [kosmische] Ordnung ist, das, [dessen Namensreihe] mit der Bezeichnung ‚Weltwesen‘ endet[?], einen männlichen Leib annahm.“
Wort für Wort
tamaso brahma saṃbhūtaṃ
aus dem Dunkel entstand das Brahman (Abl.Sg./Nom.Sg.Neutr./Ptz.)
tamomūlam ṛtātmakam
das in Tamas wurzelt, dessen Wesen die Ordnung ist (Nom.Sg.Neutr., Adj. x2)
tad viśvabhāvasaṃjñāntaṃ
das, dessen Namensreihe mit ‚Weltwesen‘ endet [?] (Nom.Sg.Neutr., Adj.)
pauruṣīṃ tanum āsthitam
das einen männlichen Leib annahm (Akk.Sg.Fem./Akk.Sg./Ptz.Perf.Akt.)
viśvabhāvasaṃjñāntam ist unklar; Übersetzung mit [?] markiert.
so 'niruddha iti proktas tat pradhānaṃ pracakṣate; tad avyaktam iti jñeyaṃ triguṇaṃ nṛpasattama
„Er wird ‚Aniruddha‘ genannt; man nennt ihn [auch] Pradhāna [die Urmaterie]; das ist als das Unmanifeste zu erkennen, das die drei Guṇas [in sich trägt], o Bester der Könige.“
Wort für Wort
so 'niruddha iti proktaḥ
er wird ‚Aniruddha‘ genannt (Nom.Sg./Ptz.Perf.Pass.)
tat pradhānaṃ pracakṣate
das bezeichnet man als Pradhāna (Akk.Sg.Neutr./3.Pl.Präs.Med.)
tad avyaktam iti jñeyaṃ
das ist als das Unmanifeste zu erkennen (Nom.Sg.Neutr. x2/Gerundiv)
„nahm im Wasser sein Lager, indem er in das Joch des Schlafes einging, während er über die wunderbare, aus vielen Eigenschaften entstehende Schöpfung der Welt nachdachte.“
Wort für Wort
apsv eva śayanaṃ cakre
nahm im Wasser sein Lager (Lok.Pl./Akk.Sg./3.Sg.Perf.Med.)
nidrāyogam upāgataḥ
in das Joch des Schlafes eingegangen (Akk.Sg./Ptz.Perf.Akt.)
jagataś cintayan sṛṣṭiṃ
über die Schöpfung der Welt nachdenkend (Gen.Sg./Ptz.Präs.Akt./Akk.Sg.)
citrāṃ bahuguṇodbhavām
die wunderbare, aus vielen Eigenschaften entstehende (Akk.Sg.Fem., Adj. x2)
Zweite Vershälfte von 335.017, Fortsetzung von Einheit 19.
„Während er über die Schöpfung nachsann, entstand, wie überliefert wird, das Große – die Eigenschaft des Selbst [Mahat] –; daraus entstand dann das Ich-Prinzip [Ahaṃkāra]: Brahmā, der heilvolle Vierköpfige, der aus dem Goldenen Ei Geborene, der Erhabene, der Großvater aller Welten.“
Wort für Wort
tasya cintayataḥ sṛṣṭiṃ
während er über die Schöpfung nachdachte (Gen.Sg./Ptz.Präs.Gen./Akk.Sg.)
mahān ātmaguṇaḥ smṛtaḥ
entstand, wie überliefert, das Große, die Eigenschaft des Selbst (Nom.Sg. x2/Ptz.Perf.Pass.)
ahaṃkāras tato jāto
daraus entstand das Ich-Prinzip (Nom.Sg./Abl.Adv./Ptz.Perf.Akt.)
brahmā śubhacaturmukhaḥ
Brahmā, der heilvolle Vierköpfige (Nom.Sg. x2)
hiraṇyagarbho bhagavān
der aus dem Goldenen Ei Geborene, der Erhabene (Nom.Sg. x2)
dadṛśe 'dbhutasaṃkāśe lokān āpomayān prabhuḥ; sattvasthaḥ parameṣṭhī sa tato bhūtagaṇān sṛjat
„In jenem wunderbaren Anblick sah der Herr die aus Wasser bestehenden Welten; im [Guṇa] Sattva verweilend, schuf der Höchstthronende darauf die Scharen der Wesen.“
Wort für Wort
dadṛśe 'dbhutasaṃkāśe
sah in jenem wunderbaren Anblick (3.Sg.Perf.Med./Lok.Sg.)
lokān āpomayān prabhuḥ
der Herr die aus Wasser bestehenden Welten (Akk.Pl. x2/Nom.Sg.)
sattvasthaḥ parameṣṭhī
im Sattva verweilend, der Höchstthronende (Nom.Sg., Adj./Nom.Sg.)
sa tato bhūtagaṇān sṛjat
er schuf darauf die Scharen der Wesen (Nom.Sg./Adv./Akk.Pl./3.Sg.Impf.)
pūrvam eva ca padmasya patre sūryāṃśusaprabhe; nārāyaṇakṛtau bindū apām āstāṃ guṇottarau
„Schon zuvor befanden sich auf dem im Glanz der Sonnenstrahlen erstrahlenden Blütenblatt des Lotus zwei von Nārāyaṇa geschaffene, an Beschaffenheit herausragende Wassertropfen.“
Wort für Wort
pūrvam eva ca
schon zuvor (Adv.)
padmasya patre sūryāṃśusaprabhe
auf dem im Glanz der Sonnenstrahlen erstrahlenden Blütenblatt des Lotus (Gen.Sg./Lok.Sg./Adj.Lok.)
nārāyaṇakṛtau bindū
die beiden von Nārāyaṇa geschaffenen Tropfen (Nom.Du. x2)
apām āstāṃ guṇottarau
des Wassers, die an Beschaffenheit herausragend waren (Gen.Pl./3.Du.Impf./Nom.Du.Adj.)
sa tāmaso madhur jātas tadā nārāyaṇājñayā; kaṭhinas tv aparo binduḥ kaiṭabho rājasas tu saḥ
„er, aus Tamas [entstanden], wurde da, auf Nārāyaṇas Geheiß, zu Madhu; der andere, harte Tropfen aber [wurde] zu Kaiṭabha, der von Rajas [bestimmt war].“
Wort für Wort
sa tāmaso madhur jātaḥ
er, aus Tamas entstanden, wurde zu Madhu (Nom.Sg. x3/Ptz.Perf.Akt.)
tadā nārāyaṇājñayā
da, auf Nārāyaṇas Geheiß (Adv./Instr.Sg.)
kaṭhinas tv aparo binduḥ
der andere, harte Tropfen aber (Nom.Sg., Adj. x3)
kaiṭabho rājasas tu saḥ
er aber wurde zu Kaiṭabha, dem von Rajas Geprägten (Nom.Sg. x3)
„Die beiden Vorzüglichen, mit den Eigenschaften des Tamas und des Rajas ausgestattet, kraftvoll, die Keule in der Hand, stürmten dem Lotusstängel entlang.“
Wort für Wort
tāv abhyadhāvatāṃ śreṣṭhau
die beiden Vorzüglichen liefen los (Nom.Du. x2/3.Du.Impf.)
tamorajaguṇānvitau
mit den Eigenschaften des Tamas und Rajas ausgestattet (Nom.Du., Adj.)
balavantau gadāhastau
kraftvoll, die Keule in der Hand (Nom.Du., Adj. x2)
tato vigrahavantau tau vedān dṛṣṭvāsurottamau; sahasā jagṛhatur vedān brahmaṇaḥ paśyatas tadā
„Als da die beiden Besten der Asuras, [nun] mit einem Körper versehen, die Veden gesehen hatten, ergriffen sie plötzlich die Veden, während Brahmā selbst [es] zusah.“
Wort für Wort
tato vigrahavantau tau
da die beiden, nun mit einem Körper versehen (Adv./Nom.Du., Adj./Nom.Du.)
vedān dṛṣṭvā asurottamau
die beiden Besten der Asuras, nachdem sie die Veden gesehen hatten (Akk.Pl./Absolutiv/Nom.Du.)
sahasā jagṛhatur vedān
ergriffen plötzlich die Veden (Adv./3.Du.Perf./Akk.Pl.)
brahmaṇaḥ paśyatas tadā
während Brahmā zusah, da (Gen.Sg./Ptz.Präs.Gen./Adv.)
vedā me paramaṃ cakṣur vedā me paramaṃ balam; vedā me paramaṃ dhāma vedā me brahma cottamam
„Die Veden sind mein höchstes Auge, die Veden sind meine höchste Kraft, die Veden sind mein höchster Glanz, die Veden sind mein höchstes und bestes heiliges Wort [Brahman].“
Wort für Wort
vedā me paramaṃ cakṣur
die Veden sind mein höchstes Auge (Nom.Pl./Gen.Sg./Nom.Sg.Neutr. x2)
vedā me paramaṃ balam
die Veden sind meine höchste Kraft (Nom.Pl./Gen.Sg./Nom.Sg.Neutr. x2)
vedā me paramaṃ dhāma
die Veden sind mein höchster Glanz (Nom.Pl./Gen.Sg./Nom.Sg.Neutr. x2)
vedā me brahma cottamam
die Veden sind mein höchstes und bestes heiliges Wort (Nom.Pl./Gen.Sg./Nom.Sg.Neutr. x2)
mama vedā hṛtāḥ sarve dānavābhyāṃ balād itaḥ; andhakārā hi me lokā jātā vedair vinākṛtāḥ; vedān ṛte hi kiṃ kuryāṃ lokān vai sraṣṭum udyataḥ
Meine Veden sind mir alle von den beiden Dānavas mit Gewalt entrissen worden. Denn finster sind meine Welten geworden, da sie der Veden entbehren. Was könnte ich denn ohne die Veden tun, ich, der bereit ist, die Welten zu erschaffen?
Wort für Wort
mama vedā hṛtāḥ sarve
meine Veden sind alle geraubt (Nom.Pl./Nom.Pl.PPP)
dānavābhyāṃ balād itaḥ
durch die beiden Dānavas mit Gewalt von hier (Instr.Dual/Abl.)
andhakārā hi me lokā jātā
finster sind ja meine Welten geworden (Nom.Pl./Nom.Pl.PPP)
vedair vinākṛtāḥ
der Veden entbehrend gemacht (Instr.Pl./Nom.Pl.PPP)
vedān ṛte hi kiṃ kuryām
was sollte ich denn ohne die Veden tun (Akk.Pl./1.Sg.Opt.)
lokān vai sraṣṭum udyataḥ
bereit, die Welten zu erschaffen (Akk.Pl./Inf./Nom.)
Ach, wehe! Ein großes Leid, entstanden aus dem Verlust der Veden, ist mir zuteil geworden; es quält [mein] Herz und liefert es dem heftigen Kummer aus.
Wort für Wort
aho bata
ach, wehe (Ausruf)
mahad duḥkhaṃ vedanāśanajaṃ mama
ein großes Leid, aus dem Verlust der Veden entstanden, [ist] mein (Nom./Nom.)
prāptaṃ dunoti hṛdayam
das erlangte [Leid] quält [mein] Herz (Nom.PPP/3.Sg.Präs./Akk.)
tīvraśokāya randhayan
es dem heftigen Kummer ausliefernd (Dat./Part.Präs.Akt.)
ko hi śokārṇave magnaṃ mām ito 'dya samuddharet; vedāṃs tān ānayen naṣṭān kasya cāhaṃ priyo bhave
Wer könnte mich denn jetzt aus dem Ozean des Kummers, in dem ich versunken bin, herausziehen? Wer könnte die verlorenen Veden zurückbringen? Und wem wäre ich dann lieb?“
Wort für Wort
ko hi
wer denn (Nom.)
śokārṇave magnaṃ mām
mich, versunken im Ozean des Kummers (Lok./Akk.PPP/Akk.)
ito 'dya samuddharet
möge jetzt von hier herausziehen (Adv./3.Sg.Opt.)
vedāṃs tān ānayen naṣṭān
möge jene verlorenen Veden zurückbringen (Akk.Pl./3.Sg.Opt./Akk.Pl.PPP)
kasya cāhaṃ priyo bhave
und wessen Liebling könnte ich sein (Gen./Nom./1.Sg.Opt.)
Während Brahmā, o Bester der Fürsten, so sprach, entstand [in ihm] der Gedanke, Hari zu preisen, o Bester der Weisen. Da sang der Herr, mit gefalteten Händen erhoben, das erhabene Gebet.
Wort für Wort
ity evaṃ bhāṣamāṇasya brahmaṇaḥ
während Brahmā so sprach (Gen.Part.Präs./Gen.)
nṛpasattama
o Bester der Fürsten (Vok.)
hareḥ stotrārtham udbhūtā buddhiḥ
der Entschluss, Hari zu preisen, entstand (Gen./Akk.-Zweck/Nom.PPP+Nom.)
buddhimatāṃ vara
o Bester der Weisen (Vok.)
tato jagau paraṃ japyam
da sang er das erhabene Murmelgebet (Adv./3.Sg.Perf./Akk.)
namas te brahmahṛdaya namas te mama pūrvaja; lokādya bhuvanaśreṣṭha sāṃkhyayoganidhe vibho
„Verehrung dir, [du] dessen Herz das Brahman ist! Verehrung dir, mein Erstgeborener! O Ursprung der Welt, Bester der Wesen, Schatz von Sāṃkhya und Yoga, o Mächtiger!
Wort für Wort
namas te brahmahṛdaya
Verehrung dir, [dessen] Herz das Brahman [ist] (Vok.)
O Unbegreiflicher, der das Offenbare und Unoffenbare bewirkt, der den heilsamen Pfad eingeschlagen hat, Alles-Verzehrer, innere Seele aller Wesen, nicht aus einem Schoß Geborener!
Wort für Wort
vyaktāvyaktakarācintya
o Unbegreiflicher, der Offenbares und Unoffenbares bewirkt (Vok.)
kṣemaṃ panthānam āsthita
der du den heilsamen Pfad eingeschlagen hast (Akk./Vok.PPP)
Ich bin dir, der Wohnstätte der Welt, dem Selbstentstandenen, aus [deiner] Gnade entstanden. Von dir [stammt] meine geistige, erste Geburt, die von den Zweifachgeborenen verehrt wird.
Wort für Wort
ahaṃ prasādajaḥ
ich bin aus Gnade entstanden (Nom.)
tubhyaṃ lokadhāmne svayaṃbhuve
dir, der Wohnstätte der Welt, dem Selbstentstandenen (Dat.)
tvatto me mānasaṃ janma prathamam
von dir [stammt] meine erste, geistige Geburt (Abl./Nom.)
tvattaḥ śravaṇajaṃ cāpi caturthaṃ janma me vibho; nāsikyaṃ cāpi me janma tvattaḥ pañcamam ucyate
Und von dir [kam], o Mächtiger, auch meine vierte Geburt, die aus dem Hören entstandene. Und meine aus der Nase entstandene Geburt wird als die fünfte, von dir [stammende], bezeichnet.
Wort für Wort
tvattaḥ śravaṇajaṃ cāpi
und von dir [kam] die aus dem Hören entstandene (Abl./Nom.)
caturthaṃ janma me vibho
meine vierte Geburt, o Mächtiger (Nom./Vok.)
nāsikyaṃ cāpi me janma
und meine aus der Nase [entstandene] Geburt (Nom.)
tvattaḥ pañcamam ucyate
wird von dir [stammend] als fünfte bezeichnet (Abl./Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
aṇḍajaṃ cāpi me janma tvattaḥ ṣaṣṭhaṃ vinirmitam; idaṃ ca saptamaṃ janma padmajaṃ me 'mitaprabha
Und meine aus dem Ei entstandene Geburt wurde von dir als sechste bewirkt. Und dies ist meine siebte Geburt, die aus dem Lotus entstandene, o [du] von unermesslichem Glanz.
Wort für Wort
aṇḍajaṃ cāpi me janma
und meine aus dem Ei entstandene Geburt (Nom.)
tvattaḥ ṣaṣṭhaṃ vinirmitam
wurde von dir als sechste bewirkt (Abl./Nom.PPP)
idaṃ ca saptamaṃ janma
und dies [ist] die siebte Geburt (Nom.)
padmajaṃ me 'mitaprabha
meine aus dem Lotus entstandene, o [du] von unermesslichem Glanz (Nom./Vok.)
sarge sarge hy ahaṃ putras tava triguṇavarjitaḥ; prathitaḥ puṇḍarīkākṣa pradhānaguṇakalpitaḥ
Denn in jeder Schöpfung [wieder] bin ich dein Sohn, frei von den drei Guṇas, [und doch] berühmt, o Lotusäugiger, aus den Eigenschaften der Urmaterie gebildet.
Wort für Wort
sarge sarge hy ahaṃ putras tava
denn in jeder Schöpfung [wieder] bin ich dein Sohn (Lok.Wdh./Nom.)
triguṇavarjitaḥ
frei von den drei Guṇas (Nom.)
prathitaḥ puṇḍarīkākṣa
berühmt, o Lotusäugiger (Nom./Vok.)
pradhānaguṇakalpitaḥ
aus den Eigenschaften der Urmaterie gebildet (Nom.)
Der Vers verbindet paradox die Freiheit von den drei Guṇas mit der Formung aus den Guṇas der Urmaterie (pradhāna) – ein für die theologische Sprache dieses Abschnitts typisches Paradox von nirguṇa und saguṇa.
tvam īśvarasvabhāvaś ca svayaṃbhūḥ puruṣottamaḥ; tvayā vinirmito 'haṃ vai vedacakṣur vayotigaḥ
Du [bist] von der Wesensart des Herrn, der Selbstentstandene, der höchste Puruṣa. Von dir bin ich gebildet worden, mit den Veden als Auge, die Lebensalter überschreitend[?].
Wort für Wort
tvam īśvarasvabhāvaś ca
du [bist] von der Wesensart des Herrn (Nom.)
svayaṃbhūḥ puruṣottamaḥ
der Selbstentstandene, der höchste Puruṣa (Nom.)
tvayā vinirmito 'ham vai
von dir bin ich gebildet worden (Instr./Nom.PPP)
vedacakṣur vayotigaḥ
mit den Veden als Auge, die Lebensalter überschreitend (Nom.)
'vayotigaḥ' (wörtl. 'das Alter/die Lebensalter überschreitend') ist eine seltene Bildung; Wiedergabe als 'alterslos, die Zeit überschreitend' folgt der wahrscheinlichsten Lesart.
te me vedā hṛtāś cakṣur andho jāto 'smi jāgṛhi; dadasva cakṣuṣī mahyaṃ priyo 'haṃ te priyo 'si me
Dir [sage ich]: Meine Veden sind geraubt, [mein] Auge [ist fort], blind bin ich geworden – erwache! Gib mir die beiden Augen! Ich bin dir lieb, du bist mir lieb.“
Wort für Wort
te me vedā hṛtāś
dir [sage ich]: meine Veden [sind] geraubt (Dat./Nom.Pl.PPP)
cakṣur andho jāto 'smi
[mein] Auge [fort], blind bin ich geworden (Nom./Nom.PPP/1.Sg.Präs.)
jāgṛhi
erwache! (2.Sg.Imp.)
dadasva cakṣuṣī mahyam
gib mir die beiden Augen (2.Sg.Imp.Ātm./Akk.Dual/Dat.)
priyo 'haṃ te priyo 'si me
ich bin dir lieb, du bist mir lieb (Nom./Dat./2.Sg.Präs./Dat.)
So gepriesen, gab jener erhabene Puruṣa, dessen Antlitz nach allen Seiten [gewandt ist], den Schlaf auf, bereit zum Werk der Wiederherstellung der Veden, und nahm durch seine göttliche Kraftentfaltung eine zweite Gestalt an.
Wort für Wort
evaṃ stutaḥ sa bhagavān puruṣaḥ
so gepriesen, jener erhabene Puruṣa (Nom.PPP/Nom.)
sarvatomukhaḥ
dessen Antlitz nach allen Seiten [gewandt ist] (Nom.)
Indem er da mit einem Körper mit schöner Nase, mondgleich strahlend, [Gestalt] annahm, machte der Herr [sich zu] einem strahlend-weißen Pferdehaupt, der Wohnstätte der Veden.
Wort für Wort
sunāsikena kāyena bhūtvā
nachdem er mit einem Körper mit schöner Nase geworden war (Instr./Ger.)
candraprabhas tadā
da mondgleich strahlend (Nom./Adv.)
kṛtvā hayaśiraḥ śubhram
nachdem er ein strahlend-weißes Pferdehaupt gemacht hatte (Ger./Akk.)
vedānām ālayaṃ prabhuḥ
der Herr, die Wohnstätte der Veden (Gen.Pl./Akk./Nom.)
Die beiden Ohren [wurden zu] Himmelsraum und Unterwelt, die Stirn zur wesentragenden [Erde]. Gaṅgā [und] die heilige Sarasvatī, die großen Flüsse, waren die beiden Augenbrauen.
Wort für Wort
karṇāv ākāśapātāle
die beiden Ohren [wurden zu] Himmelsraum und Unterwelt (Nom.Dual/Nom.)
lalāṭaṃ bhūtadhāriṇī
die Stirn [wurde zur] wesentragenden [Erde] (Nom./Nom.)
gaṅgā sarasvatī puṇyā
Gaṅgā [und] die heilige Sarasvatī (Nom.)
bhruvāv āstāṃ mahānadī
waren die beiden Augenbrauen, die großen Flüsse (Nom.Dual/3.Dual.Impf./Nom.Dual)
cakṣuṣī somasūryau te nāsā saṃdhyā punaḥ smṛtā; oṃkāras tv atha saṃskāro vidyuj jihvā ca nirmitā
Die beiden Augen waren Mond und Sonne; die Nase wiederum galt als die Dämmerung. Die Silbe Om aber [war] die Weihe[?], und der Blitz wurde zur Zunge gemacht.
Wort für Wort
cakṣuṣī somasūryau te
diese beiden Augen [waren] Mond und Sonne (Nom.Dual)
nāsā saṃdhyā punaḥ smṛtā
die Nase wurde wiederum als Dämmerung erinnert (Nom./Nom.PPP)
oṃkāras tv atha saṃskāraḥ
die Silbe Om aber [war] die Weihe (Nom.)
vidyuj jihvā ca nirmitā
und der Blitz wurde zur Zunge gemacht (Nom./Nom.PPP)
'saṃskāraḥ' bei 'oṃkāraḥ' bleibt unsicher; gemeint ist wohl, dass die heilige Silbe Om die rituelle Vollendung/Weihe dieser Gestalt darstellt.
dantāś ca pitaro rājan somapā iti viśrutāḥ; goloko brahmalokaś ca oṣṭhāv āstāṃ mahātmanaḥ; grīvā cāsyābhavad rājan kālarātrir guṇottarā
Und die Zähne, o König, [waren] die Ahnen, die als Somatrinker bekannt sind. Goloka und die Brahma-Welt waren die beiden Lippen des Hochgesinnten. Und dessen Nacken wurde, o König, die Nacht der Zeit, an Eigenschaften überragend.
Wort für Wort
dantāś ca pitaro rājan
und die Zähne [waren] die Ahnen, o König (Nom.Pl./Vok.)
somapā iti viśrutāḥ
die als Somatrinker bekannt sind (Nom.Pl./Nom.Pl.PPP)
goloko brahmalokaś ca
Goloka und die Brahma-Welt (Nom.)
oṣṭhāv āstāṃ mahātmanaḥ
waren die beiden Lippen des Hochgesinnten (Nom.Dual/3.Dual.Impf./Gen.)
grīvā cāsyābhavad rājan
und dessen Nacken wurde, o König (Nom./3.Sg.Impf./Vok.)
kālarātrir guṇottarā
die Nacht der Zeit, an Eigenschaften überragend (Nom.)
etad dhayaśiraḥ kṛtvā nānāmūrtibhir āvṛtam; antardadhe sa viśveśo viveśa ca rasāṃ prabhuḥ
Nachdem er dieses Pferdehaupt gebildet hatte, umhüllt von vielfältigen Gestalten, verschwand jener Herr des Alls, und der Herr trat ein in die [Erdtiefe] Rasā.
Wort für Wort
etad dhayaśiraḥ kṛtvā
nachdem er dieses Pferdehaupt gebildet hatte (Akk./Ger.)
nānāmūrtibhir āvṛtam
umhüllt mit vielfältigen Gestalten (Instr.Pl./Akk.PPP)
antardadhe sa viśveśo
verschwand jener Herr des Alls (3.Sg.Perf./Nom.)
viveśa ca rasāṃ prabhuḥ
und der Herr trat in die [Erdtiefe] Rasā ein (3.Sg.Perf./Akk./Nom.)
sa svaraḥ sānunādī ca sarvagaḥ snigdha eva ca; babhūvāntarmahībhūtaḥ sarvabhūtaguṇoditaḥ
Jener Laut, nachhallend, überallhin dringend und zugleich sanft, wurde [zu einem, der] die Erde durchdrang, entstanden aus den Eigenschaften aller Wesen.
Wort für Wort
sa svaraḥ sānunādī ca
jener Laut, nachhallend (Nom.)
sarvagaḥ snigdha eva ca
überallhin dringend und zugleich sanft (Nom.)
babhūvāntarmahībhūtaḥ
wurde [zu einem], der die Erde durchdringt (3.Sg.Perf./Nom.)
sarvabhūtaguṇoditaḥ
entstanden aus den Eigenschaften aller Wesen (Nom.)
Dann machten jene beiden Asuras die Veden zu [etwas] durch Abmachung Gebundenem[?], warfen sie in die Unterwelt Rasātala und eilten dorthin, von wo der Laut [erschallte].
Wort für Wort
tatas tāv asurau
dann jene beiden Asuras (Adv./Nom.Dual)
kṛtvā vedān samayabandhanān
nachdem sie die Veden durch [ihre] Abmachung gebunden hatten (Ger./Akk.Pl.)
rasātale vinikṣipya
nachdem sie [sie] in die Unterwelt geworfen hatten (Lok./Ger.)
yataḥ śabdas
von wo [der] Laut [kam] (Adv./Nom.)
tato drutau
eilten sie dorthin (Adv./Nom.Dual)
'samayabandhanān' bleibt unklar; gemeint ist wohl, dass die Dānavas die geraubten Veden gemäß einer Abmachung/Bindung verwahrten, bevor sie sie in die Unterwelt warfen.
In diesem Augenblick, o König, ergriff der Gott, der das Pferdehaupt trägt, Hari, alle Veden, die in Rasātala waren, und gab sie Brahmā zurück; danach kehrte er in seine eigene [wahre] Gestalt zurück.
Wort für Wort
etasminn antare rājan
in diesem Augenblick, o König (Lok./Vok.)
devo hayaśirodharaḥ
der Gott, der das Pferdehaupt trägt (Nom.)
jagrāha vedān akhilān
ergriff alle Veden (3.Sg.Perf./Akk.Pl.)
rasātalagatān hariḥ
die in Rasātala befindlichen, Hari (Akk.Pl./Nom.)
prādāc ca brahmaṇe bhūyas
und gab sie Brahmā wieder (3.Sg.Impf./Dat./Adv.)
tataḥ svāṃ prakṛtiṃ gataḥ
kehrte danach in seine eigene Natur zurück (Adv./Akk./Nom.PPP)
atha kiṃ cid apaśyantau dānavau madhukaiṭabhau; punar ājagmatus tatra vegitau paśyatāṃ ca tau; yatra vedā vinikṣiptās tat sthānaṃ śūnyam eva ca
Da kamen die beiden Dānavas Madhu und Kaiṭabha, [zunächst] nichts erblickend, eilig wieder dorthin zurück, und sie sahen, dass jener Ort, wo die Veden abgelegt worden waren, leer war.
Wort für Wort
atha kiṃ cid apaśyantau
da, nichts erblickend (Adv./Nom.Dual.Part.Präs.)
dānavau madhukaiṭabhau
die beiden Dānavas Madhu und Kaiṭabha (Nom.Dual)
punar ājagmatus tatra vegitau
kamen eilig wieder dorthin (3.Dual.Perf./Adv./Nom.Dual)
paśyatāṃ ca tau
und die beiden sahen (Part./Nom.Dual)
yatra vedā vinikṣiptās
wo die Veden abgelegt worden waren (Adv./Nom.Pl.PPP)
tata uttamam āsthāya vegaṃ balavatāṃ varau; punar uttasthatuḥ śīghraṃ rasānām ālayāt tadā; dadṛśāte ca puruṣaṃ tam evādikaraṃ prabhum
Dann, höchste Geschwindigkeit annehmend, erhoben sich jene beiden Besten der Starken da schnell wieder aus der Wohnstätte der [Erd]säfte, und sie erblickten jenen Puruṣa, den Urheber [allen Seins], den Herrn.
[Ihn liegend] auf einem nach seinem eigenen Maß gefertigten, über den Wassern errichteten Lager, reich an Schlangenwindungen, umhüllt von einem Kranz aus Flammen.
Wort für Wort
ātmapramāṇaracite
auf dem nach eigenem Maß gefertigten [Lager] (Lok.)
anena nūnaṃ vedānāṃ kṛtam āharaṇaṃ rasāt; kasyaiṣa ko nu khalv eṣa kiṃ ca svapiti bhogavān
Durch diesen ist sicherlich das Herbeischaffen der Veden aus der Rasā vollbracht worden. Wessen [Mann] ist dieser? Wer ist er denn wirklich? Und warum schläft der Herrliche?“
Wort für Wort
anena nūnaṃ vedānām
durch diesen sicherlich der Veden (Instr./Adv./Gen.Pl.)
kṛtam āharaṇaṃ rasāt
[ist] das Herbeischaffen aus der Rasā vollbracht worden (Nom.PPP/Nom./Abl.)
kasyaiṣa ko nu khalv eṣa
wessen [Mann] ist dieser, wer ist er denn wirklich (Gen./Nom./Nom.)
kiṃ ca svapiti bhogavān
und warum schläft der Herrliche (Adv./3.Sg.Präs./Nom.)
ity uccāritavākyau tau bodhayām āsatur harim; yuddhārthinau tu vijñāya vibuddhaḥ puruṣottamaḥ
So, nachdem sie diese Worte ausgesprochen hatten, erweckten die beiden Hari; und da er erkannte, dass sie nach Kampf verlangten, erwachte der höchste Puruṣa.
Wort für Wort
ity uccāritavākyau tau
so, nachdem sie diese Worte ausgesprochen hatten, die beiden (Nom.Dual.PPP)
bodhayām āsatur harim
erweckten sie Hari (3.Dual.Perf.periphr./Akk.)
yuddhārthinau tu vijñāya
aber, [sie] als nach Kampf verlangend erkennend (Akk.Dual/Ger.)
Nachdem er dem Großvater [Brahmā] die vorzügliche, auf die Erschaffung der Welten gerichtete Einsicht gegeben hatte, verschwand der Gott Hari eben dorthin, von wo er gekommen war.
Wort für Wort
dattvā
gegeben habend (Absolutiv)
pitāmahāya
dem Großvater [Brahmā] (Dat.Sg.)
agryām buddhim
die vorzügliche Einsicht (Akk.Sg.)
lokavisargikīm
die auf die Weltentstehung bezogene (Akk.Sg., Adj.)
tau dānavau harir hatvā kṛtvā hayaśiras tanum; punaḥ pravṛttidharmārthaṃ tām eva vidadhe tanum
Nachdem Hari die beiden Dānavas erschlagen und die Pferdekopf-Gestalt angenommen hatte, nahm er wiederum um des Dharma der Weltentfaltung willen ebendiese Gestalt an.
Wort für Wort
tau dānavau
die beiden Dānavas (Akk.Dual)
hariḥ hatvā
Hari, erschlagen habend (Absolutiv)
kṛtvā hayaśiras tanum
die Pferdekopf-Gestalt gemacht habend (Absolutiv + Akk.Sg.)
punaḥ
wiederum (Adv.)
pravṛttidharmārtham
um des Dharma der Weltentfaltung willen (Akk., adverbial)
vaiśaṃpāyana uvāca; evaṃ sa bhagavān vyāso gurur mama viśāṃ pate; kathayām āsa dharmajño dharmarājñe dvijottamaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „So erzählte es, o Herr der Völker, jener erhabene Vyāsa, mein Lehrer, der Kenner des Dharma, der beste der Zweifachgeborenen, dem Dharma-König.“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
evam
so (Adv.)
sa bhagavān vyāsaḥ
jener erhabene Vyāsa (Nom.Sg.)
guruḥ mama
mein Lehrer (Nom.Sg.)
viśām pate
o Herr der Völker (Vok.Sg.)
kathayām āsa dharmajñaḥ
erzählte, der Kenner des Dharma (3.Sg.Perf.Periphr. + Nom.Sg.)
dharmarājñe dvijottamaḥ
der beste der Zweifachgeborenen dem Dharma-König (Dat.Sg. + Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Indem er den Gott, den Träger des Pferdehauptes, mit gewaltiger Askese verehrte, erlangte der Pāñcāla [?] die [heilige] Überlieferung, nachdem Rāma [?] ihm den Weg gewiesen hatte.
Wort für Wort
ārādhya
verehrt habend (Absolutiv)
tapasā ugreṇa
durch gewaltige Askese (Instr.Sg.)
devam hayaśirodharam
den Gott, den Träger des Pferdehauptes (Akk.Sg.)
pāñcālena
vom Pāñcāla (Instr.Sg.)
kramaḥ prāptaḥ
wurde die Überlieferung erlangt (Nom.Sg. + Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
rāmeṇa pathi deśite
nachdem von Rāma der Weg gewiesen war (Instr.Sg. + Lok.Absolutiv)
„pāñcālena“ und „rāmeṇa“ bleiben ohne weiteren Kontext unsicher, wer genau gemeint ist (ein Weiser aus dem Pāñcāla-Land bzw. Rāma Jāmadagnya/Paraśurāma als Überlieferer der Hayagrīva-Lehre); „kramaḥ“ hier als „[Lehr-]Überlieferung, Reihenfolge“ verstanden.
Welche Gestalt immer der Gott bei irgendeiner Aufgabe anzunehmen wünscht, ebendiese Gestalt nimmt er an, indem er sich selbst durch sich selbst verwandelt.
Wort für Wort
yām yām tanum
welche Gestalt auch immer (Akk.Sg., distributiv)
icchet devaḥ kartum
der Gott zu machen wünschte (3.Sg.Opt. + Inf.)
kāryavidhau kva cit
bei irgendeiner Aufgabe (Lok.Sg.)
tām tām kuryāt
ebendiese nimmt er an (3.Sg.Opt., distributiv)
vikurvāṇaḥ svayam
sich selbst verwandelnd (Nom.Sg., Part.Präs. + Adv.)
ātmānam ātmanā
sich selbst durch sich selbst (Akk.Sg. + Instr.Sg.)
eṣa vedanidhiḥ śrīmān eṣa vai tapaso nidhiḥ; eṣa yogaś ca sāṃkhyaṃ ca brahma cāgryaṃ harir vibhuḥ
Dieser glorreiche Hari, der mächtige Herr, ist der Schatz des Veda, er ist wahrlich der Schatz der Askese; er ist Yoga und Sāṃkhya, und das erste Brahman.
nārāyaṇaparā vedā yajñā nārāyaṇātmakāḥ; tapo nārāyaṇaparaṃ nārāyaṇaparā gatiḥ
Die Veden haben Nārāyaṇa als ihr Höchstes, die Opfer haben Nārāyaṇa als ihr Wesen; die Askese hat Nārāyaṇa als ihr Höchstes, und der Weg hat Nārāyaṇa als sein Höchstes.
Wort für Wort
nārāyaṇaparāḥ vedāḥ
die Veden, Nārāyaṇa als ihr Höchstes habend (Nom.Pl.)
yajñāḥ nārāyaṇātmakāḥ
die Opfer, Nārāyaṇa als ihr Wesen habend (Nom.Pl.)
tapaḥ nārāyaṇaparam
die Askese, Nārāyaṇa als ihr Höchstes habend (Nom.Sg.)
nārāyaṇaparā gatiḥ
der Weg, Nārāyaṇa als sein Höchstes habend (Nom.Sg.)
Die Wahrheit hat Nārāyaṇa als ihr Höchstes, die Wahrhaftigkeit hat Nārāyaṇa als ihr Wesen; der Dharma hat Nārāyaṇa als sein Höchstes, [ein Dharma,] bei dem die Wiedergeburt selten ist.
Wort für Wort
nārāyaṇaparam satyam
die Wahrheit, Nārāyaṇa als ihr Höchstes habend (Nom.Sg.)
ṛtam nārāyaṇātmakam
die Wahrhaftigkeit, Nārāyaṇa als ihr Wesen habend (Nom.Sg.)
nārāyaṇaparaḥ dharmaḥ
der Dharma, Nārāyaṇa als sein Höchstes habend (Nom.Sg.)
punarāvṛttidurlabhaḥ
bei dem die Wiedergeburt selten ist (Nom.Sg., Adj.)
Auch der durch Weltentfaltung gekennzeichnete Dharma hat Nārāyaṇa als sein Wesen; der Geruch, der als die vorzüglichste Eigenschaft der Erde gilt, hat Nārāyaṇa als sein Wesen.
Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇaḥ ca eva dharmaḥ
auch der durch Weltentfaltung gekennzeichnete Dharma (Nom.Sg.)
nārāyaṇātmakaḥ
hat Nārāyaṇa als sein Wesen (Nom.Sg., Adj.)
nārāyaṇātmakaḥ gandhaḥ
der Geruch, Nārāyaṇa als sein Wesen habend (Nom.Sg.)
bhūmau śreṣṭhatamaḥ smṛtaḥ
der als die vorzüglichste [Eigenschaft] der Erde gilt (Lok.Sg. + Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
Und, o König, auch die Eigenschaft des Wassers, der Geschmack, hat Nārāyaṇa als sein Wesen; und die Eigenschaft der Leuchtenden, die als Gestalt gilt, hat Nārāyaṇa als ihr Wesen.
Wort für Wort
apām ca eva guṇaḥ
und die Eigenschaft des Wassers (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
rājan
o König (Vok.Sg.)
rasaḥ nārāyaṇātmakaḥ
der Geschmack hat Nārāyaṇa als sein Wesen (Nom.Sg.)
jyotiṣāṃ ca guṇaḥ
und die Eigenschaft der Leuchtenden (Gen.Pl. + Nom.Sg.)
rūpam smṛtam nārāyaṇātmakam
die Form, als [ihre Eigenschaft] geltend, hat Nārāyaṇa als ihr Wesen (Nom.Sg.)
Und auch die Berührung, die als Eigenschaft des Windes gilt, hat Nārāyaṇa als ihr Wesen; und auch der Klang, der aus dem Äther entsteht, hat Nārāyaṇa als sein Wesen.
Wort für Wort
nārāyaṇātmakaḥ ca api sparśaḥ
und auch die Berührung hat Nārāyaṇa als ihr Wesen (Nom.Sg.)
vāyuguṇaḥ smṛtaḥ
als Eigenschaft des Windes geltend (Nom.Sg., Part.Perf.Pass.)
nārāyaṇātmakaḥ ca api śabdaḥ
und auch der Klang hat Nārāyaṇa als sein Wesen (Nom.Sg.)
manaś cāpi tato bhūtam avyaktaguṇalakṣaṇam; nārāyaṇaparaḥ kālo jyotiṣām ayanaṃ ca yat
Und auch der Geist ist ferner ein Element, gekennzeichnet durch die Eigenschaften des Unentfalteten; die Zeit hat Nārāyaṇa als ihr Höchstes, ebenso das, was der Lauf der Gestirne ist.
Wort für Wort
manaḥ ca api
und auch der Geist (Nom.Sg.)
tataḥ bhūtam
[ist] ferner ein Element (Nom.Sg.)
avyaktaguṇalakṣaṇam
durch die Eigenschaften des Unentfalteten gekennzeichnet (Nom.Sg., Adj.)
nārāyaṇaparā kīrtiḥ śrīś ca lakṣmīś ca devatāḥ; nārāyaṇaparaṃ sāṃkhyaṃ yogo nārāyaṇātmakaḥ
Der Ruhm hat Nārāyaṇa als sein Höchstes, ebenso Śrī und Lakṣmī, die Göttinnen; das Sāṃkhya hat Nārāyaṇa als sein Höchstes, der Yoga hat Nārāyaṇa als sein Wesen.
Wort für Wort
nārāyaṇaparā kīrtiḥ
der Ruhm hat Nārāyaṇa als sein Höchstes (Nom.Sg.)
śrīḥ ca lakṣmīḥ ca devatāḥ
und Śrī und Lakṣmī, die Göttinnen (Nom.Sg./Pl.)
nārāyaṇaparam sāṃkhyam
das Sāṃkhya hat Nārāyaṇa als sein Höchstes (Nom.Sg.)
Für manche ist der Puruṣa die Ursache, für andere auch das Pradhāna die Ursache; für manche sind die Eigennatur und die Werke [die Ursache], und für manche ist das Schicksal die Ursache.
Wort für Wort
kāraṇam puruṣaḥ yeṣām
für die der Puruṣa die Ursache ist (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
pradhānam ca api kāraṇam
und auch das Pradhāna [ist für andere] die Ursache (Nom.Sg.)
svabhāvaḥ ca eva karmāṇi
und die Eigennatur und die Werke (Nom.Sg. + Nom.Pl.)
daivam yeṣām ca kāraṇam
und für andere das Schicksal die Ursache (Nom.Sg. + Gen.Pl.)
pañcakāraṇasaṃkhyāto niṣṭhā sarvatra vai hariḥ; tattvaṃ jijñāsamānānāṃ hetubhiḥ sarvatomukhaiḥ
Ob man ihn unter den fünf Ursachen aufzählt oder nicht [?] - Hari ist überall wahrlich der letzte Grund für jene, die mittels allseitiger Beweisgründe das Wahre zu erkennen trachten.
Wort für Wort
pañcakāraṇasaṃkhyātaḥ
unter den fünf Ursachen aufgezählt (Nom.Sg., Adj.)
niṣṭhā sarvatra vai hariḥ
Hari ist überall wahrlich der letzte Grund (Nom.Sg.)
tattvam jijñāsamānānām
für jene, die die Wahrheit zu erkennen trachten (Akk.Sg. + Gen.Pl., Part.Präs.)
hetubhiḥ sarvatomukhaiḥ
mittels allseitiger Beweisgründe (Instr.Pl.)
„pañcakāraṇasaṃkhyātaḥ“ [?]: unklar, ob Hari selbst als eine der fünf Ursachen mitgezählt oder ob damit nur „nach Abzählung der fünf Ursachen [ist er dennoch überall der Grund]“ gemeint ist; wörtlichste, annahmearmste Lesart gewählt.
ayaṃ hi nityaḥ paramo maharṣir; mahāvibhūtir guṇavān nirguṇākhyaḥ; guṇaiś ca saṃyogam upaiti śīghraṃ; kālo yathartāv ṛtusaṃprayuktaḥ
Denn dieser ist der ewige, höchste große Seher, von großer Manifestation, mit Eigenschaften begabt [und doch] als eigenschaftslos bezeichnet; rasch geht er eine Verbindung mit den Eigenschaften ein, wie die Zeit, mit der Jahreszeit verbunden, [in die jeweilige Jahreszeit eintritt].
Wort für Wort
ayam hi nityaḥ paramaḥ maharṣiḥ
dieser ist wahrlich der ewige, höchste große Seher (Nom.Sg.)
mahāvibhūtiḥ guṇavān
von großer Manifestation, mit Eigenschaften begabt (Nom.Sg.)
nirguṇākhyaḥ
als eigenschaftslos bezeichnet (Nom.Sg., Adj.)
guṇaiḥ ca saṃyogam upaiti śīghram
und geht rasch eine Verbindung mit den Eigenschaften ein (Instr.Pl. + 3.Sg.Präs.)
kālaḥ yathā ṛtau
wie die Zeit in der Jahreszeit (Nom.Sg. + Lok.Sg.)
Niemand erkennt sein Gehen, das des Großseeligen, noch nimmt hier jemand sein Kommen wahr; [nur] die aus Erkenntnis bestehenden, selbstbeherrschten großen Seher schauen beständig den Puruṣa, der die Eigenschaften übersteigt.