Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 228: yogarathavidhi-sāṃkhyayogaviśeṣaḥ Der Yoga-Wagen, die Stufen der Yogakräfte und der Unterschied von Yoga und Sāṃkhya

Vyāsa beschreibt Yoga als Wagen mit den Sinnen als Zugtieren und schildert die Gestalten, die dem Yogin aufleuchten, sowie die Früchte der Herrschaft über die Elemente. Danach stellt er Sāṃkhya und Yoga mit ihren fünfundzwanzig Prinzipien nebeneinander und schildert den befreiten Sāṃkhya.

vyāsa uvāca; atha ced rocayed etad druhyeta manasā tathā; unmajjaṃś ca nimajjaṃś ca jñānavān plavavān bhavet

Vyāsa sprach: „Wenn ihm dies zusagt, so möge er sich auch im Geist ebenso [dagegen] auflehnen [?]; auftauchend und untertauchend möge der Wissende einen Floßbesitzer abgeben.“

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
atha ced rocayed etad
wenn nun dies ihm zusagt (3.Sg.Opt.)
druhyeta manasā tathā
möge er sich auflehnen/anfeinden [?] im Geist ebenso (3.Sg.Opt.Med./Instr.)
unmajjaṃś ca nimajjaṃś ca
auftauchend und untertauchend (Part.Präs.Nom.Sg.)
jñānavān plavavān bhavet
der Wissende möge einen Floß haben (Nom.Sg.; 3.Sg.Opt.)

druhyeta ist im Zusammenhang unklar (druh „feindlich sein“); Lesart unsicher.

prajñayā nirmitair dhīrās tārayanty abudhān plavaiḥ; nābudhās tārayanty anyān ātmānaṃ vā kathaṃ cana

Die Standhaften bringen durch aus Einsicht geschaffene Flöße die Unwissenden hinüber; die Unwissenden bringen weder andere noch sich selbst je hinüber.

Wort für Wort
prajñayā nirmitair
durch aus Einsicht geschaffene (Instr.Pl.)
dhīrās tārayanty abudhān plavaiḥ
die Standhaften bringen hinüber die Unwissenden mit Flößen (Nom.Pl.; 3.Pl.Kaus.; Akk.Pl.; Instr.Pl.)
nābudhās tārayanty anyān
nicht die Unwissenden bringen andere hinüber (Nom.Pl.; 3.Pl.)
ātmānaṃ vā kathaṃ cana
oder sich selbst auf keine Weise (Akk.Sg.)

chinnadoṣo munir yogān yukto yuñjīta dvādaśa; daśakarmasukhān arthān upāyāpāyanirbhayaḥ

Der Weise, dessen Fehler durchschnitten sind, soll, im Yoga gefügt, zwölf [Übungen] aus dem Yoga üben, furchtlos gegenüber Mittel und Verlust, [auf] die durch zehn Werke angenehmen Ziele [gerichtet] [?].

Wort für Wort
chinnadoṣo munir
der Weise mit durchtrennten Fehlern (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
yogān yukto yuñjīta
aus dem Yoga gefügt, möge er fügen/üben (Abl.; Part.Nom.; 3.Sg.Opt.Med.)
dvādaśa
zwölf
daśakarmasukhān arthān
durch zehn Werke angenehme Ziele (Akk.Pl.; Komp.) [?]
upāyāpāyanirbhayaḥ
furchtlos vor Mittel und Verlust (Nom.Sg.; Komp.)

Zweite Vershälfte syntaktisch unsicher; „zwölf“ und „zehn Werke“ nicht sicher aufzulösen.

cakṣur ācāravit prājño manasā darśanena ca; yacched vāṅmanasī buddhyā ya icchej jñānam uttamam; jñānena yacched ātmānaṃ ya icchec chāntim ātmanaḥ

Der kluge Kenner des [rechten] Verhaltens [gleichsam als] Auge [?] soll durch Geist und Anschauung Rede und Geist mit der Einsicht zügeln, wer das höchste Wissen wünscht; durch Wissen soll er sich selbst zügeln, wer den Frieden des Selbst wünscht.

Wort für Wort
cakṣur ācāravit prājño
Auge [?], Kenner des Verhaltens, der Kluge (Nom.Sg.)
manasā darśanena ca
durch Geist und durch Anschauung (Instr.Sg.)
yacched vāṅmanasī buddhyā
er zügle Rede und Geist durch Einsicht (3.Sg.Opt.; Akk.Du.; Instr.Sg.)
ya icchej jñānam uttamam
wer das höchste Wissen wünscht (Nom.Sg.; 3.Sg.Opt.; Akk.Sg.)
jñānena yacched ātmānaṃ
durch Wissen zügle er das Selbst (Instr.Sg.; Akk.Sg.)
ya icchec chāntim ātmanaḥ
wer den Frieden des Selbst wünscht (Akk.Sg.; Gen.Sg.)

eteṣāṃ ced anudraṣṭā puruṣo 'pi sudāruṇaḥ; yadi vā sarvavedajño yadi vāpy anṛco 'japaḥ

Wenn ein Mensch, auch wenn er sehr furchtbar ist, diesen [Übungen] nachschaut [sie betrachtet/befolgt], sei er allveda-kundig oder ohne Ṛc-Verse und ohne Murmeln,

Wort für Wort
eteṣāṃ ced anudraṣṭā
wenn ein Nachschauender dieser (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
puruṣo 'pi sudāruṇaḥ
auch ein Mensch, sehr furchtbar (Nom.Sg.)
yadi vā sarvavedajño
sei er ein Kenner aller Veden (Nom.Sg.)
yadi vāpy anṛco 'japaḥ
oder auch ohne Ṛc-Verse, ohne Gebetsmurmeln (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)

yadi vā dhārmiko yajvā yadi vā pāpakṛttamaḥ; yadi vā puruṣavyāghro yadi vā klaibyadhāritā

sei er tugendhaft und Opferer oder der ärgste Übeltäter, sei er ein Tiger unter den Männern oder einer, der Unmännlichkeit [an sich] trägt,

Wort für Wort
yadi vā dhārmiko yajvā
sei er gerecht, ein Opferer (Nom.Sg.)
yadi vā pāpakṛttamaḥ
oder der ärgste Übeltäter (Nom.Sg.; Superl.)
yadi vā puruṣavyāghro
oder ein Tiger unter den Männern (Nom.Sg.)
yadi vā klaibyadhāritā
oder ein Träger von Unmännlichkeit (Nom.Sg.)

taraty eva mahādurgaṃ jarāmaraṇasāgaram; evaṃ hy etena yogena yuñjāno 'py ekam antataḥ; api jijñāsamāno hi śabdabrahmātivartate

so überquert er dennoch das große Unwegsame, das Meer von Alter und Tod. So nämlich überschreitet einer, der mit diesem Yoga [sich übt], selbst wenn er zuletzt nur einen [Teil] übt, schon als bloß Forschender das Wortbrahman.

Wort für Wort
taraty eva mahādurgaṃ
er überquert wahrlich das große Unwegsame (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
jarāmaraṇasāgaram
das Meer von Alter und Tod (Akk.Sg.; Komp.)
evaṃ hy etena yogena
so nämlich mit diesem Yoga (Instr.Sg.)
yuñjāno 'py ekam antataḥ
auch als Übender einen [Teil] zuletzt (Part.Med.Nom.Sg.; Akk.Sg.; Adv.)
api jijñāsamāno hi
schon als bloß Wissenwollender (Part.Desid.Nom.Sg.)
śabdabrahmātivartate
überschreitet das Wortbrahman (3.Sg.Präs.)

dharmopastho hrīvarūtha upāyāpāyakūbaraḥ; apānākṣaḥ prāṇayugaḥ prajñāyur jīvabandhanaḥ

Der Dharma ist [seines Wagens] Sitzfläche, die Scham der Wagenkorb, Mittel und Verlust die Deichsel, der Apāna die Achse, der Prāṇa das Joch, die Einsicht [seine] Lebensspanne [?], das Lebendige die Fessel.

Wort für Wort
dharmopastho hrīvarūthaḥ
Dharma als Sitz, Scham als Wagenkorb (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
upāyāpāyakūbaraḥ
Mittel und Verlust als Deichsel (Bahuvrīhi)
apānākṣaḥ prāṇayugaḥ
Apāna als Achse, Prāṇa als Joch (Bahuvrīhi)
prajñāyur jīvabandhanaḥ
Einsicht als Lebensspanne [?], Lebendiges als Fessel (Bahuvrīhi)

Der Vers beschreibt den Yoga-Wagen; prajñāyuḥ unsicher.

cetanābandhuraś cārur ācāragrahanemivān; darśanasparśanavaho ghrāṇaśravaṇavāhanaḥ

[Der Wagen] hat das Bewusstsein als Sitzbank, ist schön, das Ergreifen des Verhaltens ist seine Radfelge; Sehen und Tasten fahren ihn, Riechen und Hören sind [seine] Zugtiere.

Wort für Wort
cetanābandhuraś cārur
mit Bewusstsein als Sitzbank, schön (Nom.Sg.)
ācāragrahanemivān
das Ergreifen des Verhaltens als Radfelge habend (Nom.Sg.)
darśanasparśanavaho
Sehen und Tasten tragend/fahrend (Nom.Sg.)
ghrāṇaśravaṇavāhanaḥ
Riechen und Hören als Zugtiere habend (Nom.Sg.)

prajñānābhiḥ sarvatantrapratodo jñānasārathiḥ; kṣetrajñādhiṣṭhito dhīraḥ śraddhādamapuraḥsaraḥ

Mit der Einsicht als Nabe, mit allen Lehrsystemen [?] als Treibstachel, mit dem Wissen als Wagenlenker, vom Kṣetrajña bestiegen, standhaft, mit Glauben und Selbstbezähmung als Vorläufern.

Wort für Wort
prajñānābhiḥ
mit Einsicht als Nabe (Nom.Sg.)
sarvatantrapratodo
mit allen Tantras/Systemen [?] als Stachel (Nom.Sg.)
jñānasārathiḥ
mit Wissen als Lenker (Nom.Sg.)
kṣetrajñādhiṣṭhito
vom Kṣetrajña bestiegen (Part.Pass.Nom.Sg.)
dhīraḥ
standhaft (Nom.Sg.)
śraddhādamapuraḥsaraḥ
Glauben und Selbstbezähmung als Vorhut (Nom.Sg.; Komp.)

tyāgavartmānugaḥ kṣemyaḥ śaucago dhyānagocaraḥ; jīvayukto ratho divyo brahmaloke virājate

Er folgt dem Pfad der Entsagung, ist sicher, geht auf Reinheit, hat die Meditation als Weidegrund; [dieser] mit dem Lebendigen bespannte göttliche Wagen erstrahlt in der Brahmawelt.

Wort für Wort
tyāgavartmānugaḥ kṣemyaḥ
dem Pfad der Entsagung folgend, sicher (Nom.Sg.)
śaucago dhyānagocaraḥ
auf Reinheit gehend, Meditation als Weidegrund (Nom.Sg.)
jīvayukto ratho divyo
mit dem Lebendigen bespannt, der göttliche Wagen (Nom.Sg.)
brahmaloke virājate
in der Brahmawelt erstrahlt er (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

atha saṃtvaramāṇasya ratham etaṃ yuyukṣataḥ; akṣaraṃ gantumanaso vidhiṃ vakṣyāmi śīghragam

Nun werde ich dem Eilenden, der diesen Wagen anschirren will und das Unvergängliche zu erreichen strebt, die schnell zum Ziel führende Methode nennen.

Wort für Wort
atha saṃtvaramāṇasya
nun für den Eilenden (Part.Gen.Sg.)
ratham etaṃ yuyukṣataḥ
der diesen Wagen anschirren will (Akk.Sg.; Desid.Part.Gen.Sg.)
akṣaraṃ gantumanaso
das Unvergängliche zu erreichen gesonnen (Akk.Sg.; Bahuvrīhi Gen.Sg.)
vidhiṃ vakṣyāmi śīghragam
die Methode werde ich nennen, die schnell gehende (Akk.Sg.; 1.Sg.Fut.)

sapta yo dhāraṇāḥ kṛtsnā vāgyataḥ pratipadyate; pṛṣṭhataḥ pārśvataś cānyā yāvatyas tāḥ pradhāraṇāḥ

Wer schweigsam alle sieben Sammlungen vollständig erlangt, sowie hinten und seitlich die anderen, so viele es Vorbereitungen [Pradhāraṇās] gibt,

Wort für Wort
sapta yo dhāraṇāḥ kṛtsnā
wer die sieben Sammlungen, vollständig (Nom.Sg.; Akk.Pl.)
vāgyataḥ pratipadyate
schweigend erlangt (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
pṛṣṭhataḥ pārśvataś cānyā
hinten und seitlich andere (Adv.; Akk.Pl.)
yāvatyas tāḥ pradhāraṇāḥ
so viele es gibt, diese Pradhāraṇās (Nom.Pl.)

Bezug von pṛṣṭhataḥ/pārśvataḥ unklar.

kramaśaḥ pārthivaṃ yac ca vāyavyaṃ khaṃ tathā payaḥ; jyotiṣo yat tad aiśvaryam ahaṃkārasya buddhitaḥ

der Reihe nach: was erdhaft ist, was luftig ist, der Raum ebenso und das Wasser, was die Herrschaft des Lichts ist, [die Herrschaft] des Ichbewusstseins, von der Einsicht her;

Wort für Wort
kramaśaḥ pārthivaṃ yac ca
der Reihe nach das Erdhafte, und was (Adv.; Nom.Sg.n.)
vāyavyaṃ khaṃ tathā payaḥ
das Luftige, der Raum, ebenso das Wasser (Nom.Sg.n.)
jyotiṣo yat tad aiśvaryam
was des Lichts [ist], das ist Herrschaft (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
ahaṃkārasya buddhitaḥ
des Ichbewusstseins, von der Einsicht her (Gen.Sg.; Abl.-Adv.)

Syntax des Verses elliptisch, Fortsetzung in Vers 15.

avyaktasya tathaiśvaryaṃ kramaśaḥ pratipadyate; vikramāś cāpi yasyaite tathā yuṅkte sa yogataḥ

und ebenso erlangt er der Reihe nach die Herrschaft des Unmanifesten; wessen diese Kraftschritte sind, der fügt sich ebenso von Yoga her.

Wort für Wort
avyaktasya tathaiśvaryaṃ
und ebenso die Herrschaft des Unmanifesten (Gen.Sg.; Akk.Sg.)
kramaśaḥ pratipadyate
der Reihe nach erlangt er (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.)
vikramāś cāpi yasyaite
und die Kraftschritte, wessen diese [sind] (Nom.Pl.; Gen.Sg.)
tathā yuṅkte sa yogataḥ
ebenso fügt sich der, aus Yoga (3.Sg.Präs.Med.; Abl.-Adv.)

athāsya yogayuktasya siddhim ātmani paśyataḥ; nirmathyamānaḥ sūkṣmatvād rūpāṇīmāni darśayet

Dann würde er, dem im Yoga Gefügten, der im Selbst die Vollendung sieht, gleichsam ausgequirlt, wegen [seiner] Feinheit diese Gestalten zeigen.

Wort für Wort
athāsya yogayuktasya
dann diesem im Yoga Gefügten (Gen.Sg.)
siddhim ātmani paśyataḥ
der die Vollendung im Selbst sieht (Akk.Sg.; Lok.Sg.; Part.Gen.Sg.)
nirmathyamānaḥ sūkṣmatvād
ausgequirlt, wegen der Feinheit (Part.Pass.Nom.Sg.; Abl.Sg.)
rūpāṇīmāni darśayet
diese Gestalten würde er zeigen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.Kaus.)

śaiśiras tu yathā dhūmaḥ sūkṣmaḥ saṃśrayate nabhaḥ; tathā dehād vimuktasya pūrvarūpaṃ bhavaty uta

Wie der feine Winternebel den Himmel aufsucht, so entsteht für den vom Körper Gelösten die erste Gestalt.

Wort für Wort
śaiśiras tu yathā dhūmaḥ
wie der winterliche Dunst (Nom.Sg.)
sūkṣmaḥ saṃśrayate nabhaḥ
fein, sucht auf den Himmel (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.)
tathā dehād vimuktasya
so für den vom Körper Gelösten (Abl.Sg.; Part.Gen.Sg.)
pūrvarūpaṃ bhavaty uta
die frühere/erste Gestalt entsteht (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)

atha dhūmasya virame dvitīyaṃ rūpadarśanam; jalarūpam ivākāśe tatraivātmani paśyati

Wenn dann der Rauch aufgehört hat, [folgt] die zweite Gestaltschau: eine Wassergestalt, gleichsam im Himmelsraum, sieht er eben dort im Selbst.

Wort für Wort
atha dhūmasya virame
dann beim Aufhören des Rauchs (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
dvitīyaṃ rūpadarśanam
die zweite Gestaltschau (Nom.Sg.)
jalarūpam ivākāśe
wie eine Wassergestalt im Himmelsraum (Akk.Sg.; Lok.Sg.)
tatraivātmani paśyati
eben dort im Selbst sieht er (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)

apāṃ vyatikrame cāpi vahnirūpaṃ prakāśate; tasminn uparate cāsya pītavastravad iṣyate

Und nach dem Vergehen der Wasser leuchtet eine Feuergestalt auf; wenn diese aufgehört hat, gilt [sie] für ihn als einem gelben Gewand gleich.

Wort für Wort
apāṃ vyatikrame cāpi
und beim Vergehen der Wasser (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
vahnirūpaṃ prakāśate
die Feuergestalt leuchtet auf (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
tasminn uparate cāsya
und wenn diese aufgehört hat, für ihn (Lok.abs.)
pītavastravad iṣyate
wie ein gelbes Gewand gilt sie (Adv.; 3.Sg.Pass.)

**** **** vāyavyaṃ sūkṣmam apy atha; rūpaṃ prakāśate tatra

[Lücke im Text] … auch Luftiges, Feines, dann; eine Gestalt leuchtet dort auf.

Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
vāyavyaṃ sūkṣmam apy atha
auch Luftiges, Feines, dann (Nom./Akk.Sg.n.)
rūpaṃ prakāśate tatra
eine Gestalt leuchtet dort auf (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Textlücke am Anfang; Zusatzpassage.

tasminn uparate rūpam ākāśasya prakāśate

Wenn dieses aufgehört hat, leuchtet die Gestalt des Raums auf.

Wort für Wort
tasminn uparate
wenn dieses aufgehört hat (Lok.abs.)
rūpam ākāśasya
die Gestalt des Raums (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
prakāśate
leuchtet auf (3.Sg.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ūrṇārūpasavarṇaṃ ca tasya rūpaṃ prakāśate

Und eine Gestalt von der Farbe der Wolle [Wollflocke] leuchtet ihm auf.

Wort für Wort
ūrṇārūpasavarṇaṃ ca
und gleichfarbig mit der Gestalt der Wolle (Nom.Sg.n.)
tasya rūpaṃ prakāśate
seine Gestalt leuchtet auf (Gen.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

Die Zeile trägt in der Ausgabe dieselbe Referenz 228.019 wie Vers 19.

atha śvetāṃ gatiṃ gatvā vāyavyaṃ sūkṣmam apy ajaḥ

Dann, zum weißen Pfad gegangen, [erreicht] der Ungeborene das Luftige, Feine.

Wort für Wort
atha śvetāṃ gatiṃ gatvā
dann, zum weißen Pfad gegangen (Akk.Sg.f.; Abs.)
vāyavyaṃ sūkṣmam apy ajaḥ
auch das Luftige, Feine; der Ungeborene (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.)

Satz elliptisch; Prädikat fehlt, vermutlich Fortsetzung in Vers 25.

tasminn uparate cāsya buddhirūpaṃ prakāśate

Wenn dieses aufgehört hat, leuchtet ihm die Gestalt der Einsicht auf.

Wort für Wort
tasminn uparate cāsya
und wenn dieses aufgehört hat, für ihn (Lok.abs.; Gen.Sg.)
buddhirūpaṃ prakāśate
die Gestalt der Einsicht leuchtet auf (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

aśuklaṃ cetasaḥ saukṣmyam avyaktaṃ brahmaṇo 'sya vai

Das Nicht-Weiße, die Feinheit des Denkens, das Unmanifeste dieses Brahman wahrlich [?].

Wort für Wort
aśuklaṃ
das Nicht-Weiße (Nom./Akk.Sg.n.)
cetasaḥ saukṣmyam
die Feinheit des Denkens (Gen.Sg.; Nom.Sg.)
avyaktaṃ brahmaṇo 'sya vai
das Unmanifeste dieses Brahmans wahrlich (Nom.Sg.; Gen.Sg.)

Syntax und Bezug unsicher.

eteṣv api hi jāteṣu phalajātāni me śṛṇu; jātasya pārthivaiśvarye sṛṣṭir iṣṭā vidhīyate

Auch wenn diese entstanden sind, höre von mir die Früchte; für den, bei dem die Herrschaft über die Erde entstanden ist, wird Schöpfung als erwünscht angeordnet.

Wort für Wort
eteṣv api hi jāteṣu
auch wenn diese entstanden sind (Lok.abs.)
phalajātāni me śṛṇu
die Arten der Früchte höre von mir (Akk.Pl.; Imp.)
jātasya pārthivaiśvarye
für den, bei dem entstanden ist, die Erdherrschaft (Part.Gen.Sg.; Lok.Sg.)
sṛṣṭir iṣṭā vidhīyate
Schöpfung, erwünscht, wird angeordnet (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)

prajāpatir ivākṣobhyaḥ śarīrāt sṛjati prajāḥ; aṅgulyaṅguṣṭhamātreṇa hastapādena vā tathā

Wie Prajāpati, unerschütterlich, schafft er aus dem Körper Geschöpfe, ebenso mit [einem Maß von] Fingers- oder Daumengröße oder mit Hand und Fuß.

Wort für Wort
prajāpatir ivākṣobhyaḥ
wie Prajāpati, unerschütterlich (Nom.Sg.)
śarīrāt sṛjati prajāḥ
aus dem Körper schafft er Geschöpfe (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
aṅgulyaṅguṣṭhamātreṇa
mit Finger- oder Daumengröße (Instr.Sg.)
hastapādena vā tathā
oder ebenso mit Hand und Fuß (Instr.Sg.)

pṛthivīṃ kampayaty eko guṇo vāyor iti smṛtaḥ; ākāśabhūtaś cākāśe savarṇatvāt praṇaśyati

Die Erde erschüttert er allein; das gilt als Eigenschaft des Windes. Zum Raum geworden, vergeht er im Raum wegen der Gleichfarbigkeit.

Wort für Wort
pṛthivīṃ kampayaty eko
die Erde erschüttert er allein (Akk.Sg.; 3.Sg.Kaus.; Nom.Sg.)
guṇo vāyor iti smṛtaḥ
als Eigenschaft des Windes gilt es (Nom.Sg.; Gen.Sg.; Part.Pass.)
ākāśabhūtaś cākāśe
und zum Raum geworden, im Raum (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
savarṇatvāt praṇaśyati
wegen der Gleichfarbigkeit verschwindet er (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.)

varṇato gṛhyate cāpi kāmāt pibati cāśayān; na cāsya tejasā rūpaṃ dṛśyate śāmyate tathā

Auch nach [seiner] Farbe wird er erfasst, und aus Verlangen trinkt er die Neigungen [?]; und durch [dessen] Glanz wird seine Gestalt nicht gesehen, und so erlischt er.

Wort für Wort
varṇato gṛhyate cāpi
auch nach der Farbe wird er erfasst (Abl.-Adv.; 3.Sg.Pass.)
kāmāt pibati cāśayān
aus Verlangen trinkt er die Neigungen/Gefäße [?] (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)
na cāsya tejasā rūpaṃ dṛśyate
und nicht wird durch dessen Glanz seine Gestalt gesehen (Instr.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
śāmyate tathā
so erlischt er (3.Sg.Präs.)

Subjektbezüge und āśayān unsicher.

ahaṃkārasya vijiteḥ pañcaite syur vaśānugāḥ; ṣaṇṇām ātmani buddhau ca jitāyāṃ prabhavaty atha

Durch den Sieg über das Ichbewusstsein werden diese fünf seinem Willen folgend; wenn dann von den Sechs her das Selbst und die Einsicht besiegt sind, gebietet er [?].

Wort für Wort
ahaṃkārasya vijiteḥ
durch den Sieg über das Ichbewusstsein (Abl./Gen.Sg.)
pañcaite syur vaśānugāḥ
diese fünf mögen dem Willen folgen (Nom.Pl.; 3.Pl.Opt.)
ṣaṇṇām ātmani buddhau ca
von den Sechs, im Selbst und in der Einsicht (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
jitāyāṃ prabhavaty atha
wenn sie besiegt ist, dann gebietet er (Part.Lok.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)

Bezug von ṣaṇṇām unklar (die fünf Elemente plus Ahaṃkāra?).

nirdoṣā pratibhā hy enaṃ kṛtsnā samabhivartate; tathaiva vyaktam ātmānam avyaktaṃ pratipadyate

Fehlerlose Eingebung kommt ihm ganz entgegen; ebenso geht das manifeste Selbst zum Unmanifesten über.

Wort für Wort
nirdoṣā pratibhā hy enaṃ
fehlerlose Eingebung ihm (Nom.Sg.f.; Akk.Sg.)
kṛtsnā samabhivartate
ganz, kommt entgegen (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)
tathaiva vyaktam ātmānam
ebenso das manifeste Selbst (Akk.Sg.)
avyaktaṃ pratipadyate
erlangt das Unmanifeste / geht ins Unmanifeste (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

Subjekt/Objekt des letzten Halbverses uneindeutig.

yato niḥsarate loko bhavati vyaktasaṃjñakaḥ; tatrāvyaktamayīṃ vyākhyāṃ śṛṇu tvaṃ vistareṇa me; tathā vyaktamayīṃ caiva saṃkhyāṃ pūrvaṃ nibodha me

Woher die Welt hervorgeht [und] „manifest“ heißt, darüber höre von mir ausführlich die aus dem Unmanifesten bestehende Darlegung; und ebenso lerne von mir zuerst die aus dem Manifesten bestehende Aufzählung [Sāṃkhya] kennen.

Wort für Wort
yato niḥsarate loko
woher die Welt hervorgeht (Abl.-Adv.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
bhavati vyaktasaṃjñakaḥ
„manifest“ genannt wird (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
tatrāvyaktamayīṃ vyākhyāṃ
darüber die aus Unmanifestem bestehende Darlegung (Akk.Sg.f.)
śṛṇu tvaṃ vistareṇa me
höre du ausführlich von mir (Imp.; Instr.Sg.)
tathā vyaktamayīṃ caiva saṃkhyāṃ
und ebenso die aus Manifestem bestehende Aufzählung (Akk.Sg.f.)
pūrvaṃ nibodha me
zuerst erkenne von mir (Adv.; Imp.)

pañcaviṃśatitattvāni tulyāny ubhayataḥ samam; yoge sāṃkhye 'pi ca tathā viśeṣāṃs tatra me śṛṇu

Die fünfundzwanzig Prinzipien sind beiderseits gleich, im Yoga wie im Sāṃkhya; die Unterschiede dabei höre von mir.

Wort für Wort
pañcaviṃśatitattvāni
fünfundzwanzig Prinzipien (Nom.Pl.)
tulyāny ubhayataḥ samam
gleich auf beiden Seiten, gleichermaßen (Nom.Pl.; Adv.)
yoge sāṃkhye 'pi ca tathā
im Yoga und im Sāṃkhya ebenso (Lok.Sg.)
viśeṣāṃs tatra me śṛṇu
die Unterschiede dabei höre von mir (Akk.Pl.; Imp.)

proktaṃ tad vyaktam ity eva jāyate vardhate ca yat; jīryate mriyate caiva caturbhir lakṣaṇair yutam

Als „manifest“ wird jenes bezeichnet, was entsteht und wächst, altert und stirbt, mit vier Merkmalen versehen.

Wort für Wort
proktaṃ tad vyaktam ity eva
gesagt ist jenes „manifest“ (Part.Pass.Nom.Sg.n.)
jāyate vardhate ca yat
was entsteht und wächst (3.Sg.Präs.Med.)
jīryate mriyate caiva
altert und stirbt (3.Sg.Präs.)
caturbhir lakṣaṇair yutam
mit vier Merkmalen versehen (Instr.Pl.; Part.Pass.)

viparītam ato yat tu tad avyaktam udāhṛtam; dvāv ātmānau ca vedeṣu siddhānteṣv apy udāhṛtau

Was hiervon verschieden ist, wird „unmanifest“ genannt; zwei Selbste sind in den Veden und auch in den Lehrsätzen genannt.

Wort für Wort
viparītam ato yat tu
was hiervon verschieden ist (Nom.Sg.n.)
tad avyaktam udāhṛtam
das wird unmanifest genannt (Part.Pass.)
dvāv ātmānau ca vedeṣu
und zwei Selbste in den Veden (Nom.Du.; Lok.Pl.)
siddhānteṣv apy udāhṛtau
auch in den Lehrsätzen genannt (Lok.Pl.; Part.Nom.Du.)

caturlakṣaṇajaṃ tv anyaṃ caturvargaṃ pracakṣate; vyaktam avyaktajaṃ caiva tathā buddham athetarat; sattvaṃ kṣetrajña ity etad dvayam apy anudarśitam

Man nennt eine andere, aus vier Merkmalen geborene, vierfache Gruppe: das Manifeste und das aus dem Unmanifesten Geborene, ebenso das Erwachte und das andere; Sattva und Kṣetrajña: auch dieses Paar ist aufgezeigt worden.

Wort für Wort
caturlakṣaṇajaṃ tv anyaṃ
ein anderes, aus vier Merkmalen geboren (Akk.Sg.)
caturvargaṃ pracakṣate
nennt man vierfache Gruppe (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.Med.)
vyaktam avyaktajaṃ caiva
das Manifeste und das aus Unmanifestem Geborene (Akk.Sg.n.)
tathā buddham athetarat
ebenso das Erwachte und das andere (Part.Akk.Sg.n.)
sattvaṃ kṣetrajña ity etad
Sattva [und] Kṣetrajña: dies (Nom.Sg.)
dvayam apy anudarśitam
auch das Paar aufgezeigt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)

Die Aufzählung der „vier“ ist unklar; Deutung unsicher.

dvāv ātmānau ca vedeṣu viṣayeṣu ca rajyataḥ; viṣayāt pratisaṃhāraḥ sāṃkhyānāṃ siddhilakṣaṇam

Zwei Selbste [gibt es] in den Veden, und beide haften an den Sinnesobjekten; der Rückzug von den Sinnesobjekten ist das Merkmal der Vollendung der Sāṃkhyas.

Wort für Wort
dvāv ātmānau ca vedeṣu
und zwei Selbste in den Veden (Nom.Du.; Lok.Pl.)
viṣayeṣu ca rajyataḥ
und an den Objekten haften sie (Lok.Pl.; 3.Du.Präs.Pass./Med.)
viṣayāt pratisaṃhāraḥ
vom Objekt der Rückzug (Abl.Sg.; Nom.Sg.)
sāṃkhyānāṃ siddhilakṣaṇam
der Sāṃkhyas Merkmal der Vollendung (Gen.Pl.; Nom.Sg.)

nirmamaś cānahaṃkāro nirdvaṃdvaś chinnasaṃśayaḥ; naiva krudhyati na dveṣṭi nānṛtā bhāṣate giraḥ

Ohne Ichbezug, ohne Ichbewusstsein, frei von den Gegensatzpaaren, mit durchtrenntem Zweifel: er zürnt nie, hasst nicht und spricht keine unwahren Worte.

Wort für Wort
nirmamaś cānahaṃkāro
ohne Mein und ohne Ichbewusstsein (Nom.Sg.)
nirdvaṃdvaś chinnasaṃśayaḥ
gegensatzfrei, mit durchtrenntem Zweifel (Nom.Sg.)
naiva krudhyati na dveṣṭi
nie zürnt er, hasst nicht (3.Sg.Präs.)
nānṛtā bhāṣate giraḥ
nicht unwahre Worte spricht er (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)

ākruṣṭas tāḍitaś caiva maitreṇa dhyāti nāśubham; vāgdaṇḍakarmamanasāṃ trayāṇāṃ ca nivartakaḥ

Beschimpft und geschlagen, sinnt er in Freundlichkeit nichts Übles; er wendet die drei ab: Strafe der Rede, der Tat und des Denkens.

Wort für Wort
ākruṣṭas tāḍitaś caiva
beschimpft und geschlagen (Part.Pass.Nom.Sg.)
maitreṇa dhyāti nāśubham
in Freundlichkeit sinnt er nichts Übles (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)
vāgdaṇḍakarmamanasāṃ
der Rede-, Tat- und Denk[strafe] (Gen.Pl.; Komp.)
trayāṇāṃ ca nivartakaḥ
und der drei Abwender (Gen.Pl.; Nom.Sg.)

Die Lesart „Strafe“ bezieht sich auf daṇḍa, das im Kompositum distributiv zu verstehen ist.

samaḥ sarveṣu bhūteṣu brahmāṇam abhivartate; naivecchati na cāniccho yātrāmātravyavasthitaḥ

Gleich gegen alle Wesen, geht er zu Brahman; er wünscht nicht und ist nicht abgeneigt, auf den bloßen Lebensunterhalt gerichtet.

Wort für Wort
samaḥ sarveṣu bhūteṣu
gleich gegen alle Wesen (Nom.Sg.; Lok.Pl.)
brahmāṇam abhivartate
geht auf Brahman zu (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
naivecchati na cāniccho
er wünscht nicht und ist nicht abgeneigt/wunschlos (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
yātrāmātravyavasthitaḥ
auf bloßen Lebensunterhalt eingestellt (Part.Nom.Sg.)

alolupo 'vyatho dānto na kṛtī na nirākṛtiḥ; nāsyendriyam anekāgraṃ nātikṣiptamanorathaḥ

Nicht gierig, unbekümmert, bezähmt, weder Handelnder [?] noch Verächter [?]; sein Sinnesorgan ist nicht zerstreut, seine Wünsche schweifen nicht übermäßig.

Wort für Wort
alolupo 'vyatho dānto
nicht gierig, unbekümmert, bezähmt (Nom.Sg.)
na kṛtī na nirākṛtiḥ
weder Tätiger noch Verächter [?] (Nom.Sg.)
nāsyendriyam anekāgraṃ
sein Sinnesorgan nicht vielspitzig/zerstreut (Nom.Sg.n.)
nātikṣiptamanorathaḥ
nicht übermäßig ausschweifende Wünsche (Nom.Sg.)

nirākṛti unsicher (auch „Nicht-Gestaltender“, „Zurückweisender“).

sarvabhūtahito maitraḥ samaloṣṭāśmakāñcanaḥ; tulyapriyāpriyo dhīras tulyanindātmasaṃstutiḥ; aspṛhaḥ sarvakāmebhyo brahmacarye dṛḍhaś ca yaḥ

Allen Wesen zugetan, freundlich, Erdklumpen, Stein und Gold gleich achtend; gleich gegen Liebes und Unliebes, standhaft, gleich in Tadel und Selbstlob; begierdelos gegenüber allen Wünschen und fest im Brahmacarya;

Wort für Wort
sarvabhūtahito maitraḥ
allen Wesen wohlgesinnt, freundlich (Nom.Sg.)
samaloṣṭāśmakāñcanaḥ
Erdklumpen, Stein und Gold gleich (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
tulyapriyāpriyo dhīras
gleich gegen Liebes und Unliebes, standhaft (Nom.Sg.)
tulyanindātmasaṃstutiḥ
gleich in Tadel und Selbstlob (Nom.Sg.)
aspṛhaḥ sarvakāmebhyo
ohne Begehren nach allen Wünschen (Nom.Sg.; Abl.Pl.)
brahmacarye dṛḍhaś ca yaḥ
und wer fest im Brahmacarya [ist] (Lok.Sg.; Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ahiṃsraḥ sarvabhūtānām īdṛk sāṃkhyo vimucyate

Nicht verletzend gegen alle Wesen: ein solcher Sāṃkhya wird befreit.

Wort für Wort
ahiṃsraḥ sarvabhūtānām
nicht verletzend gegen alle Wesen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
īdṛk sāṃkhyo vimucyate
ein solcher Sāṃkhya wird befreit (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)

atha yogād vimucyante kāraṇair yair nibodha me; yogaiśvaryam atikrānto yo 'tikrāmati mucyate

Nun wird man auch vom Yoga aus befreit; durch welche Gründe, erkenne von mir; wer die Yoga-Herrschaft überschritten hat, der wird, indem er [sie] überschreitet, befreit.

Wort für Wort
atha yogād vimucyante
nun wird man aus dem Yoga befreit (Abl.Sg.; 3.Pl.Pass.)
kāraṇair yair nibodha me
durch welche Gründe, erkenne von mir (Instr.Pl.; Imp.)
yogaiśvaryam atikrānto
die Yoga-Herrschaft überschritten habend (Akk.Sg.; Part.Nom.Sg.)
yo 'tikrāmati mucyate
wer überschreitet, wird befreit (3.Sg.Präs.; 3.Sg.Pass.)

ity eṣā bhāvajā buddhiḥ kathitā te na saṃśayaḥ; evaṃ bhavati nirdvaṃdvo brahmāṇaṃ cādhigacchati

So ist diese aus dem [Seins-]Zustand geborene Einsicht dir erklärt worden, ohne Zweifel; so wird man gegensatzfrei und erlangt Brahman.

Wort für Wort
ity eṣā bhāvajā buddhiḥ
so diese aus dem Zustand geborene Einsicht (Nom.Sg.f.)
kathitā te na saṃśayaḥ
erklärt dir, kein Zweifel (Part.Pass.; Dat./Gen.Sg.; Nom.Sg.)
evaṃ bhavati nirdvaṃdvo
so wird er gegensatzfrei (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
brahmāṇaṃ cādhigacchati
und erreicht Brahman (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

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