Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 59: rājyotpattiḥ daṇḍanītyavatāraś ca Die Entstehung des Königtums und Brahmās Lehrwerk der Staatskunst

Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie ein einzelner Mensch über seinesgleichen herrschen könne, erzählt Bhīṣma vom Verfall des Dharma im Urzustand, von Brahmās Lehrwerk der Politik (Daṇḍanīti), seinen Kurzfassungen und vom ersten Herrscher Pṛthu Vainya.

vaiśaṃpāyana uvāca; tataḥ kālyaṃ samutthāya kṛtapaurvāhṇikakriyāḥ; yayus te nagarākārai rathaiḥ pāṇḍavayādavāḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Danach, früh am Morgen aufgestanden und nach Vollzug der Verrichtungen des Vormittags [Morgenriten], fuhren jene Pāṇḍavas und Yādavas in Wagen, die Städten glichen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
tataḥ kālyaṃ samutthāya
danach, früh am Morgen aufgestanden (Abl.-Adv./Adv./Ger.)
kṛtapaurvāhṇikakriyāḥ
die die Vormittagsverrichtungen vollzogen hatten (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
yayus te
sie fuhren (Perf.3.Pl.), jene (Nom.Pl.)
nagarākārai rathaiḥ
in stadtgestaltigen Wagen (Instr.Pl.)
pāṇḍavayādavāḥ
Pāṇḍavas und Yādavas (Dvandva, Nom.Pl.)

prapadya ca kurukṣetraṃ bhīṣmam āsādya cānagham; sukhāṃ ca rajanīṃ pṛṣṭvā gāṅgeyaṃ rathināṃ varam

Sie gelangten nach Kurukṣetra, traten zu dem makellosen Bhīṣma und erkundigten sich bei Gāṅgeya, dem besten der Wagenkämpfer, ob die Nacht angenehm [gewesen sei].

Wort für Wort
prapadya ca kurukṣetram
und nachdem sie [nach] Kurukṣetra gelangt waren (Ger./Akk.)
bhīṣmam āsādya ca
und zu Bhīṣma herangetreten (Ger./Akk.)
anagham
den Makellosen (Akk.Sg.)
sukhāṃ ca rajanīṃ pṛṣṭvā
und nach der angenehmen Nacht gefragt habend (Akk.Sg.f./Ger.)
gāṅgeyaṃ
den Sohn der Gaṅgā (Akk.Sg.)
rathināṃ varam
den Besten der Wagenkämpfer (Gen.Pl./Akk.Sg.)

Ergänzt: Frage nach dem Wohlergehen der Nacht.

vyāsādīn abhivādyarṣīn sarvais taiś cābhinanditāḥ; niṣedur abhito bhīṣmaṃ parivārya samantataḥ

Nachdem sie Vyāsa und die anderen Seher begrüßt hatten und von ihnen allen willkommen geheißen worden waren, setzten sie sich ringsum um Bhīṣma und umgaben ihn von allen Seiten.

Wort für Wort
vyāsādīn abhivādya ṛṣīn
die Seher, Vyāsa und die übrigen, begrüßt habend (Akk.Pl./Ger.)
sarvais taiś ca abhinanditāḥ
und von allen diesen willkommen geheißen (Instr.Pl./Part.Pass. Nom.Pl.)
niṣedur
sie setzten sich (Perf.3.Pl.)
abhito bhīṣmam
um Bhīṣma herum (Adv./Akk.)
parivārya samantataḥ
[ihn] umgebend von allen Seiten (Ger./Adv.)

tato rājā mahātejā dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ; abravīt prāñjalir bhīṣmaṃ pratipūjyābhivādya ca

Dann sprach der König, der hochglänzende Dharmarāja Yudhiṣṭhira, mit gefalteten Händen zu Bhīṣma, nachdem er ihn geehrt und begrüßt hatte.

Wort für Wort
tato rājā
dann der König (Adv./Nom.Sg.)
mahātejā
der von großem Glanz (Nom.Sg.)
dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
Dharmarāja Yudhiṣṭhira (Nom.Sg.)
abravīt prāñjaliḥ
sprach, mit gefalteten Händen (Impf.3.Sg./Nom.Sg.)
bhīṣmaṃ
zu Bhīṣma (Akk.Sg.)
pratipūjya abhivādya ca
nachdem er [ihn] geehrt und gegrüßt hatte (Ger.)

ya eṣa rājā-rājeti śabdaś carati bhārata; katham eṣa samutpannas tan me brūhi pitāmaha

„Dieser Ruf ‚König, König‘, der umgeht, Bhārata – wie ist er entstanden? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
ya eṣa
dieser, der (Nom.Sg.m.)
rājā rājā iti śabdaś carati
der Ruf „König, König“ geht um (Nom.Sg./Präs.3.Sg.)
bhārata
o Bhārata (Vok.)
katham eṣa samutpannaḥ
wie ist dieser entstanden (Part.Pass. Nom.Sg.)
tan me brūhi
das sage mir (Imp.2.Sg./Dat.-Gen.Sg.)
pitāmaha
o Großvater (Vok.)

tulyapāṇiśirogrīvas tulyabuddhīndriyātmakaḥ; tulyaduḥkhasukhātmā ca tulyapṛṣṭhabhujodaraḥ

[Er ist] mit gleichen Händen, Kopf und Nacken, mit gleichem Verstand, gleichen Sinnen und gleichem Selbst, gleich in Leid und Glück, mit gleichem Rücken, gleichen Armen und gleichem Bauch,

Wort für Wort
tulyapāṇiśirogrīvaḥ
mit gleichen Händen, Kopf und Nacken (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
tulyabuddhīndriyātmakaḥ
mit gleichem Verstand, gleichen Sinnen und gleichem Wesen (Bahuvrīhi)
tulyaduḥkhasukhātmā ca
und gleich in Leid und Glück veranlagt (Bahuvrīhi)
tulyapṛṣṭhabhujodaraḥ
mit gleichem Rücken, gleichen Armen und Bauch (Bahuvrīhi)

Subjekt ist der König als Mensch; der Satz setzt sich in 7–8 fort.

tulyaśukrāsthimajjaś ca tulyamāṃsāsṛg eva ca; niḥśvāsocchvāsatulyaś ca tulyaprāṇaśarīravān

mit gleichem Samen, gleichen Knochen und gleichem Mark, mit gleichem Fleisch und Blut, gleich im Aus- und Einatmen, mit gleichem Lebenshauch und gleichem Körper,

Wort für Wort
tulyaśukrāsthimajjaḥ ca
und mit gleichem Samen, Knochen, Mark (Bahuvrīhi)
tulyamāṃsāsṛg eva ca
und mit gleichem Fleisch und Blut (Bahuvrīhi)
niḥśvāsocchvāsatulyaḥ ca
und gleich im Ausatmen und Einatmen (Tatpuruṣa)
tulyaprāṇaśarīravān
mit gleichem Lebenshauch und Körper (Nom.Sg.)

samānajanmamaraṇaḥ samaḥ sarvaguṇair nṛṇām; viśiṣṭabuddhīñ śūrāṃś ca katham eko 'dhitiṣṭhati

gleich in Geburt und Tod, den Menschen in allen Eigenschaften gleich – wie beherrscht [dann] ein Einziger Männer von überlegenem Verstand und Helden?

Wort für Wort
samānajanmamaraṇaḥ
mit gleicher Geburt und gleichem Tod (Bahuvrīhi)
samaḥ sarvaguṇair nṛṇām
gleich mit allen Eigenschaften den Menschen (Instr.Pl./Gen.Pl.)
viśiṣṭabuddhīn
Männer von hervorragendem Verstand (Akk.Pl.)
śūrāṃś ca
und Helden (Akk.Pl.)
katham ekaḥ
wie einer allein (Adv./Nom.Sg.)
adhitiṣṭhati
steht über, beherrscht (Präs.3.Sg.)

katham eko mahīṃ kṛtsnāṃ vīraśūrāryasaṃkulām; rakṣaty api ca loko 'sya prasādam abhivāñchati

Wie schützt ein Einziger die ganze Erde, die voll ist von Helden, Tapferen und Ehrwürdigen, und [wie kommt es], dass die Welt dennoch seine Gunst erstrebt?

Wort für Wort
katham ekaḥ
wie einer allein
mahīṃ kṛtsnām
die ganze Erde (Akk.Sg.f.)
vīraśūrāryasaṃkulām
voll von Helden, Tapferen und Ārya (Tatpuruṣa, Akk.Sg.f.)
rakṣati api ca
schützt und dennoch (Präs.3.Sg.)
lokaḥ asya
die Welt, seiner (Nom.Sg./Gen.Sg.)
prasādam abhivāñchati
erstrebt Gunst (Akk./Präs.3.Sg.)

ekasya ca prasādena kṛtsno lokaḥ prasīdati; vyākulenākulaḥ sarvo bhavatīti viniścayaḥ

Und durch die Gunst des Einen wird die ganze Welt heiter; ist er aufgewühlt, ist alles aufgewühlt – das ist gewiss.

Wort für Wort
ekasya ca prasādena
und durch die Gunst des Einen (Gen./Instr.Sg.)
kṛtsno lokaḥ prasīdati
die ganze Welt wird heiter/gnädig gestimmt (Präs.3.Sg.)
vyākulena
wenn er verstört ist (Instr. abs.)
ākulaḥ sarvaḥ bhavati
[ist] alles verstört (Nom.Sg./Präs.3.Sg.)
iti viniścayaḥ
so [lautet] die Gewissheit (Nom.Sg.)

etad icchāmy ahaṃ sarvaṃ tattvena bharatarṣabha; śrotuṃ tan me yathātattvaṃ prabrūhi vadatāṃ vara

Dies alles will ich der Wahrheit gemäß hören, Stier der Bharatas; das sage mir wahrheitsgemäß, Bester der Redenden.

Wort für Wort
etad icchāmi ahaṃ sarvam
dies alles will ich (Präs.1.Sg.)
tattvena
der Wahrheit nach (Instr.Sg.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)
śrotum
zu hören (Inf.)
tan me yathātattvaṃ prabrūhi
das sage mir der Wirklichkeit gemäß (Imp.2.Sg.)
vadatāṃ vara
Bester der Sprechenden (Vok.)

naitat kāraṇam alpaṃ hi bhaviṣyati viśāṃ pate; yad ekasmiñ jagat sarvaṃ devavad yāti saṃnatim

Dies wird ja kein geringer Grund sein, Herr der Menschen, dass die ganze Welt sich einem Einzigen wie einem Gott beugt.

Wort für Wort
na etat kāraṇam alpaṃ hi bhaviṣyati
dies wird ja kein geringer Grund sein (Fut.3.Sg.)
viśāṃ pate
Herr der Menschen (Vok.)
yad ekasmin
dass vor einem (Lok.Sg.)
jagat sarvam
die ganze Welt (Nom.Sg.n.)
devavat yāti saṃnatim
wie einem Gott sich hinneigt/verneigt (Präs.3.Sg./Akk.)

bhīṣma uvāca; niyatas tvaṃ naraśreṣṭha śṛṇu sarvam aśeṣataḥ; yathā rājyaṃ samutpannam ādau kṛtayuge 'bhavat

Bhīṣma sprach: Sei gefasst, Bester der Männer; höre alles ohne Rest, wie das Königtum zu Beginn im Kṛtayuga entstanden ist.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
niyatas tvaṃ naraśreṣṭha
sei du gefasst/gesammelt, Bester der Männer (Part.Pass./Vok.)
śṛṇu sarvam aśeṣataḥ
höre alles vollständig (Imp.2.Sg./Adv.)
yathā rājyaṃ samutpannam
wie das Königtum entstanden ist (Part.Pass.)
ādau kṛtayuge abhavat
zu Beginn, im Kṛtayuga, wurde (es) (Lok./Impf.3.Sg.)

niyataḥ: hier als Aufforderung „gesammelt, aufmerksam“ verstanden; kein Verb im Satz, daher ergänzt [sei].

naiva rājyaṃ na rājāsīn na daṇḍo na ca dāṇḍikaḥ; dharmeṇaiva prajāḥ sarvā rakṣanti ca parasparam

Weder Königtum noch König gab es, weder Stock [Strafgewalt] noch Stockträger; allein durch Dharma schützten alle Geschöpfe einander.

Wort für Wort
na eva rājyaṃ na rājā āsīt
weder Königtum noch König war da (Impf.3.Sg.)
na daṇḍo na ca dāṇḍikaḥ
weder Stock noch Stockträger (Nom.Sg.)
dharmeṇa eva prajāḥ sarvāḥ
allein durch Dharma alle Geschöpfe (Instr./Nom.Pl.)
rakṣanti ca parasparam
und schützen einander (Präs.3.Pl./Adv.)

rakṣanti steht im Präsens (Erzählpräsens).

pālayānās tathānyonyaṃ narā dharmeṇa bhārata; khedaṃ paramam ājagmus tatas tān moha āviśat

Doch als die Menschen einander so durch Dharma behüteten, Bhārata, gerieten sie in höchste Erschöpfung; da befiel sie Verwirrung.

Wort für Wort
pālayānāḥ tathā anyonyam
[einander] hütend, so gegenseitig (Part.Med. Nom.Pl./Adv.)
narā dharmeṇa bhārata
die Menschen durch Dharma, Bhārata (Nom.Pl./Instr./Vok.)
khedaṃ paramam ājagmuḥ
gelangten zu höchster Ermattung (Perf.3.Pl.)
tatas tān
da diese (Akk.Pl.)
moha āviśat
Verwirrung befiel (Nom./Impf.3.Sg.)

te mohavaśam āpannā mānavā manujarṣabha; pratipattivimohāc ca dharmas teṣām anīnaśat

Diese Menschen, in die Gewalt der Verwirrung geraten, Stier unter den Männern – und durch die Verwirrung des Urteilsvermögens ging ihr Dharma zugrunde.

Wort für Wort
te mohavaśam āpannāḥ
diese, in die Gewalt der Verwirrung geraten (Part.Pass. Nom.Pl.)
mānavā manujarṣabha
die Menschen, Stier unter den Männern (Nom.Pl./Vok.)
pratipattivimohāc ca
und infolge der Verwirrung der Einsicht (Abl.Sg.)
dharmas teṣām
ihr Dharma (Nom.Sg./Gen.Pl.)
anīnaśat
ging zugrunde (Aor./Impf.3.Sg.)

pratipatti: Einsicht, Urteilsvermögen, richtiges Vorgehen.

naṣṭāyāṃ pratipattau tu mohavaśyā narās tadā; lobhasya vaśam āpannāḥ sarve bhāratasattama

Als aber das Urteilsvermögen verloren war, gerieten die Menschen damals, unter der Herrschaft der Verwirrung, alle in die Gewalt der Gier, Bester der Bhāratas.

Wort für Wort
naṣṭāyāṃ pratipattau tu
als aber die Einsicht verloren war (Lok. abs.)
mohavaśyā narās tadā
die der Verwirrung unterworfenen Menschen damals (Nom.Pl.)
lobhasya vaśam āpannāḥ
in die Gewalt der Gier geraten (Part.Pass.)
sarve bhāratasattama
alle, Bester der Bhāratas (Nom.Pl./Vok.)

aprāptasyābhimarśaṃ tu kurvanto manujās tataḥ; kāmo nāmāparas tatra samapadyata vai prabho

Da die Menschen dann nach Unerlangtem griffen, entstand dort ein anderes [Übel], mit Namen Begierde, o Herr.

Wort für Wort
aprāptasya abhimarśaṃ tu
das Zugreifen nach Nicht-Erlangtem aber (Gen./Akk.)
kurvanto manujās tataḥ
tuend, die Menschen dann (Part.Präs. Nom.Pl.)
kāmo nāma aparaḥ
ein anderes, Begierde genannt (Nom.Sg.)
tatra samapadyata vai
dort entstand wahrlich (Impf.Med.3.Sg.)
prabho
o Herr (Vok.)

tāṃs tu kāmavaśaṃ prāptān rāgo nāma samaspṛśat; raktāś ca nābhyajānanta kāryākāryaṃ yudhiṣṭhira

Die aber, die in die Gewalt der Begierde geraten waren, ergriff eine Leidenschaft namens Rāga; und leidenschaftlich erkannten sie nicht [mehr] Zu-Tuendes und Nicht-zu-Tuendes, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
tāṃs tu kāmavaśaṃ prāptān
diese aber, die in die Gewalt der Begierde gelangt waren (Akk.Pl.)
rāgo nāma samaspṛśat
eine Leidenschaft namens Rāga berührte/ergriff (Impf.3.Sg.)
raktāś ca
und die Erregten/Gefärbten (Part.Pass. Nom.Pl.)
na abhyajānanta
erkannten nicht (Impf.Med.3.Pl.)
kāryākāryaṃ
Zu-Tuendes und Nicht-zu-Tuendes (Dvandva, Akk.)
yudhiṣṭhira
o Yudhiṣṭhira (Vok.)

agamyāgamanaṃ caiva vācyāvācyaṃ tathaiva ca; bhakṣyābhakṣyaṃ ca rājendra doṣādoṣaṃ ca nātyajan

Umgang mit Unzugänglichem [Verbotenem], Sagbares und Unsagbares, Essbares und Nichtessbares, o Fürst der Könige, Fehler und Nichtfehler – nichts davon ließen sie.

Wort für Wort
agamyāgamanaṃ ca eva
und Verkehr mit Unerlaubtem (Akk.)
vācyāvācyaṃ tathā eva ca
und ebenso Sagbares und Unsagbares (Dvandva)
bhakṣyābhakṣyaṃ ca
und Essbares und Nichtessbares
rājendra
o Fürst der Könige (Vok.)
doṣādoṣaṃ ca
und Fehler und Nichtfehler
na atyajan
ließen nicht ab (Impf.3.Pl.)

nātyajan: sie gaben [die Übertretungen] nicht auf, d. h. hielten die Unterscheidung nicht ein.

viplute naraloke 'smiṃs tato brahma nanāśa ha; nāśāc ca brahmaṇo rājan dharmo nāśam athāgamat

Als in dieser Menschenwelt Aufruhr herrschte, ging da fürwahr das Brahman [der Veda] zugrunde; und mit dem Untergang des Brahman, König, kam auch der Dharma zum Untergang.

Wort für Wort
viplute naraloke asmin
als in dieser Menschenwelt Aufruhr war (Lok. abs.)
tato brahma nanāśa ha
da ging das Brahman fürwahr zugrunde (Perf.3.Sg.)
nāśāc ca brahmaṇaḥ
und durch den Untergang des Brahman (Abl./Gen.)
rājan
o König (Vok.)
dharmo nāśam atha āgamat
kam der Dharma da zum Untergang (Aor.3.Sg.)

brahma: hier wohl das heilige Wissen (Veda).

naṣṭe brahmaṇi dharme ca devās trāsam athāgaman; te trastā naraśārdūla brahmāṇaṃ śaraṇaṃ yayuḥ

Als Brahman und Dharma verloren waren, gerieten die Götter in Schrecken; erschreckt, Tiger unter den Männern, nahmen sie Zuflucht zu Brahmā.

Wort für Wort
naṣṭe brahmaṇi dharme ca
als Brahman und Dharma verloren waren (Lok. abs.)
devās trāsam atha āgaman
da gerieten die Götter in Schrecken (Aor.3.Pl.)
te trastā
diese erschreckt (Part.Pass.)
naraśārdūla
Tiger unter den Männern (Vok.)
brahmāṇaṃ śaraṇaṃ yayuḥ
gingen zu Brahmā als Zuflucht (Perf.3.Pl.)

prapadya bhagavantaṃ te devā lokapitāmaham; ūcuḥ prāñjalayaḥ sarve duḥkhaśokabhayārditāḥ

Zum verehrungswürdigen Weltengroßvater gegangen, sprachen jene Götter alle mit gefalteten Händen, von Leid, Kummer und Furcht bedrängt.

Wort für Wort
prapadya bhagavantaṃ te devā
zum Erhabenen gegangen, jene Götter (Ger./Akk./Nom.Pl.)
lokapitāmaham
den Großvater der Welten (Akk.Sg.)
ūcuḥ prāñjalayaḥ sarve
sprachen mit gefalteten Händen alle (Perf.3.Pl.)
duḥkhaśokabhayārditāḥ
von Leid, Kummer und Furcht geplagt (Part.Pass.)

bhagavan naralokasthaṃ naṣṭaṃ brahma sanātanam; lobhamohādibhir bhāvais tato no bhayam āviśat

„Herr, das in der Menschenwelt befindliche ewige Brahman ist verloren; durch Zustände wie Gier und Verwirrung ist uns da Furcht gekommen.

Wort für Wort
bhagavan
o Erhabener (Vok.)
naralokasthaṃ naṣṭaṃ brahma sanātanam
das in der Menschenwelt befindliche ewige Brahman ist verloren (Nom.Sg.n.)
lobhamohādibhir bhāvaiḥ
durch Zustände, angeführt von Gier und Verwirrung (Instr.Pl.)
tato naḥ bhayam āviśat
da drang Furcht in uns ein (Impf.3.Sg.)

brahmaṇaś ca praṇāśena dharmo 'py anaśad īśvara; tataḥ sma samatāṃ yātā martyais tribhuvaneśvara

Und mit dem Untergang des Brahman ist auch der Dharma zugrunde gegangen, Herr; dadurch sind wir den Sterblichen gleichgestellt worden, o Herr der drei Welten.

Wort für Wort
brahmaṇaś ca praṇāśena
und durch den Untergang des Brahman (Instr.Sg.)
dharmo api anaśat īśvara
auch der Dharma ging unter, o Herr (Impf.3.Sg./Vok.)
tataḥ sma samatāṃ yātā
daher sind wir zur Gleichheit gelangt (Part.Pass. Nom.Pl.)
martyaiḥ
mit den Sterblichen (Instr.Pl.)
tribhuvaneśvara
o Herr der drei Welten (Vok.)

adho hi varṣam asmākaṃ martyās tūrdhvapravarṣiṇaḥ; kriyāvyuparamāt teṣāṃ tato 'gacchāma saṃśayam

Denn unser Regen fällt abwärts, die Sterblichen aber lassen nach oben regnen; durch das Aufhören ihrer [Opfer-]Handlung sind wir daher in Zweifel [Gefahr] geraten.

Wort für Wort
adho hi varṣam asmākam
unten [fällt] ja unser Regen (Adv./Nom./Gen.Pl.)
martyās tu ūrdhvapravarṣiṇaḥ
die Sterblichen aber regnen aufwärts (Nom.Pl.)
kriyāvyuparamāt teṣām
wegen des Aufhörens der Handlung bei ihnen (Abl.Sg./Gen.Pl.)
tato agacchāma saṃśayam
daher gerieten wir in Zweifel (Impf.1.Pl./Akk.)

Gemeint ist wohl: Götter senden Segen herab, Menschen senden Opfergaben empor; mit dem Ende der Opfer ist der Kreislauf gestört. saṃśaya: Zweifel/Gefährdung [?].

atra niḥśreyasaṃ yan nas tad dhyāyasva pitāmaha; tvatprabhāvasamuttho 'sau prabhāvo no vinaśyati

Was hierin für uns das Beste ist, darüber sinne nach, Großvater; diese aus deiner Macht entsprungene Macht von uns geht zugrunde.“

Wort für Wort
atra niḥśreyasaṃ yan naḥ
was hierin unser Heil ist (Nom.Sg.n.)
tad dhyāyasva
darüber sinne nach (Imp.Med.2.Sg.)
pitāmaha
o Großvater (Vok.)
tvatprabhāvasamutthaḥ asau
dieser aus deiner Macht entstandene (Nom.Sg.m.)
prabhāvo no vinaśyati
unsere Macht geht zugrunde (Präs.3.Sg.)

tān uvāca surān sarvān svayaṃbhūr bhagavāṃs tataḥ; śreyo 'haṃ cintayiṣyāmi vyetu vo bhīḥ surarṣabhāḥ

Zu allen diesen Göttern sprach da der selbstentstandene Erhabene: „Über das Heil werde ich nachdenken; eure Furcht weiche, ihr Stiere unter den Göttern.“

Wort für Wort
tān uvāca surān sarvān
zu diesen allen Göttern sprach er (Perf.3.Sg.)
svayaṃbhūr bhagavāṃs tataḥ
der Selbstentstandene, der Erhabene, dann (Nom.Sg.)
śreyo ahaṃ cintayiṣyāmi
über das Heil werde ich nachdenken (Fut.1.Sg.)
vyetu vo bhīḥ
weichen möge eure Furcht (Imp.3.Sg./Nom.Sg.f.)
surarṣabhāḥ
ihr Stiere unter den Göttern (Vok.Pl.)

tato 'dhyāyasahasrāṇāṃ śataṃ cakre svabuddhijam; yatra dharmas tathaivārthaḥ kāmaś caivānuvarṇitaḥ

Da schuf er ein aus seinem eigenen Verstand geborenes [Werk] von hunderttausend Kapiteln, in dem Dharma, ebenso Artha und Kāma dargelegt sind.

Wort für Wort
tato adhyāyasahasrāṇāṃ śataṃ
da hundert mal tausend Kapitel (Gen.Pl./Akk.)
cakre svabuddhijam
schuf er, aus dem eigenen Verstand geboren (Perf.Med.3.Sg./Akk.)
yatra dharmas tathā eva arthaḥ
worin Dharma und ebenso Artha (Nom.Sg.)
kāmaś ca anuvarṇitaḥ
und Kāma dargelegt sind (Part.Pass.)

trivarga iti vikhyāto gaṇa eṣa svayaṃbhuvā; caturtho mokṣa ity eva pṛthagarthaḥ pṛthaggaṇaḥ

Dies wurde vom Selbstentstandenen als „Dreiergruppe“ bekannt gemacht; das vierte ist Mokṣa – mit gesondertem Ziel und gesonderter Gruppe.

Wort für Wort
trivarga iti vikhyātaḥ
als „Dreiergruppe“ bekannt (Part.Pass.)
gaṇa eṣa svayaṃbhuvā
diese Gruppe durch den Selbstentstandenen (Nom./Instr.Sg.)
caturtho mokṣa ity eva
das vierte eben Mokṣa (Nom.Sg.)
pṛthagarthaḥ pṛthaggaṇaḥ
mit eigenem Zweck, mit eigener Gruppe (Bahuvrīhi)

mokṣasyāpi trivargo 'nyaḥ proktaḥ sattvaṃ rajas tamaḥ; sthānaṃ vṛddhiḥ kṣayaś caiva trivargaś caiva daṇḍajaḥ

Auch für Mokṣa wurde ein anderer Dreiklang genannt: Sattva, Rajas, Tamas; Bestand, Wachstum und Schwund – und [ferner] der aus dem Stock [der Strafgewalt] geborene Dreiklang.

Wort für Wort
mokṣasya api trivargo anyaḥ
auch für Mokṣa ein anderer Dreiklang (Gen./Nom.Sg.)
proktaḥ
wurde genannt (Part.Pass.)
sattvaṃ rajas tamaḥ
Sattva, Rajas, Tamas (Nom.)
sthānaṃ vṛddhiḥ kṣayaś ca eva
Bestand, Wachstum und Schwund (Nom.)
trivargaś ca daṇḍajaḥ
und der aus dem Stock geborene Dreiklang (Nom.Sg.)

Der Sinn der Aufzählung ist nicht ganz eindeutig; „daṇḍajaḥ trivargaḥ“ ist wohl ein weiterer, aus der Strafgewalt hervorgehender Dreiklang [?].

ātmā deśaś ca kālaś cāpy upāyāḥ kṛtyam eva ca; sahāyāḥ kāraṇaṃ caiva ṣaḍvargo nītijaḥ smṛtaḥ

Das Selbst, Ort und Zeit, die Mittel, das zu Tuende, Helfer und der Grund: Als „sechsfache Gruppe“ gilt dies, aus der Politik hervorgegangen.

Wort für Wort
ātmā deśaś ca kālaś ca
das Selbst, Ort und Zeit (Nom.)
upāyāḥ kṛtyam eva ca
die Mittel und das zu Tuende (Nom.)
sahāyāḥ kāraṇaṃ ca eva
Helfer und der Grund (Nom.)
ṣaḍvargo nītijaḥ smṛtaḥ
die Sechsergruppe, aus der Politik geboren, wird überliefert (Nom.Sg./Part.Pass.)

trayī cānvīkṣikī caiva vārtā ca bharatarṣabha; daṇḍanītiś ca vipulā vidyās tatra nidarśitāḥ

Die dreifache [Veda-]Lehre, die Ānvīkṣikī [Logik/Philosophie] und die Vārtā [Wirtschaftslehre], Stier der Bharatas, und die umfassende Lehre von der Strafgewalt: Diese Wissenszweige wurden dort dargelegt.

Wort für Wort
trayī ca ānvīkṣikī ca eva
die Dreifache [Lehre] und die Ānvīkṣikī (Nom.Sg.f.)
vārtā ca
und die Vārtā (Nom.Sg.f.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)
daṇḍanītiś ca vipulā
und die umfangreiche Daṇḍanīti (Nom.Sg.f.)
vidyās tatra nidarśitāḥ
die Wissenszweige wurden dort gezeigt (Part.Pass. Nom.Pl.)

amātyarakṣāpraṇidhī rājaputrasya rakṣaṇam; cāraś ca vividhopāyaḥ praṇidhiś ca pṛthagvidhaḥ

Der Schutz der Minister und der Einsatz von Spähern, der Schutz des Königssohnes, Kundschafter mit vielfältigen Mitteln und Spähwesen verschiedener Art.

Wort für Wort
amātyarakṣāpraṇidhī
Schutz der Minister und Einsatz von Spähern (Dvandva, Nom.Du.)
rājaputrasya rakṣaṇam
der Schutz des Königssohnes (Gen./Nom.Sg.)
cāraś ca vividhopāyaḥ
und der Kundschafter mit vielerlei Mitteln (Nom.Sg.)
praṇidhiś ca pṛthagvidhaḥ
und der Späher von verschiedener Art (Nom.Sg.)

sāma copapradānaṃ ca bhedo daṇḍaś ca pāṇḍava; upekṣā pañcamī cātra kārtsnyena samudāhṛtā

Versöhnung und Zuwendung [Bestechung], Entzweiung und Strafe, Pāṇḍava; und als Fünftes die Nichtbeachtung: Dies ist hier vollständig aufgeführt.

Wort für Wort
sāma ca upapradānaṃ ca
Versöhnung und Zuwendung (Nom.)
bhedo daṇḍaś ca
Entzweiung und Strafe (Nom.)
pāṇḍava
o Pāṇḍava (Vok.)
upekṣā pañcamī ca atra
und die Nichtbeachtung als fünfte hier (Nom.Sg.f.)
kārtsnyena samudāhṛtā
vollständig dargelegt (Instr./Part.Pass.)

mantraś ca varṇitaḥ kṛtsnas tathā bhedārtha eva ca; vibhraṃśaś caiva mantrasya siddhyasiddhyoś ca yat phalam

Auch die Beratung wurde ganz beschrieben, ebenso der Zweck der Entzweiung, das Scheitern der Beratung und was die Frucht von Gelingen und Misslingen ist.

Wort für Wort
mantraś ca varṇitaḥ kṛtsnaḥ
und die Beratung wurde ganz beschrieben (Part.Pass.)
tathā bhedārtha eva ca
und ebenso der Zweck der Entzweiung (Nom.Sg.)
vibhraṃśaś ca eva mantrasya
und das Scheitern der Beratung (Nom./Gen.Sg.)
siddhyasiddhyoś ca yat phalam
und was die Frucht von Gelingen und Misslingen ist (Gen.Du./Nom.Sg.)

saṃdhiś ca vividhābhikhyo hīno madhyas tathottamaḥ; bhayasatkāravittākhyaḥ kārtsnyena parivarṇitaḥ

Und der Vertrag, mit vielerlei Benennung – niedrig, mittel und höchster –, genannt nach Furcht, Ehrung und Besitz, wurde vollständig beschrieben.

Wort für Wort
saṃdhiś ca vividhābhikhyaḥ
und der Vertrag mit vielerlei Benennung (Nom.Sg.)
hīno madhyas tathā uttamaḥ
niedrig, mittel und höchster (Nom.Sg.)
bhayasatkāravittākhyaḥ
nach Furcht, Ehrung, Besitz benannt (Bahuvrīhi)
kārtsnyena parivarṇitaḥ
vollständig beschrieben (Part.Pass.)

yātrākālāś ca catvāras trivargasya ca vistaraḥ; vijayo dharmayuktaś ca tathārthavijayaś ca ha

Und die vier Zeiten des Feldzugs und die Ausführung des Dreiklangs; der Sieg, der mit Dharma verbunden ist, und ebenso der Sieg um des Vorteils willen –

Wort für Wort
yātrākālāś ca catvāraḥ
und die vier Zeiten des Feldzugs (Nom.Pl.)
trivargasya ca vistaraḥ
und die Ausführung des Dreiklangs (Gen./Nom.Sg.)
vijayo dharmayuktaḥ ca
und der dharmagemäße Sieg (Nom.Sg.)
tathā arthavijayaḥ ca ha
und ebenso der Sieg um Gewinn (Nom.Sg.)

Der Satz setzt sich in 39 fort (āsuraś ca vijayaḥ).

āsuraś caiva vijayas tathā kārtsnyena varṇitaḥ; lakṣaṇaṃ pañcavargasya trividhaṃ cātra varṇitam

Auch der Sieg auf dämonische Art (āsura) wurde ebenso vollständig dargelegt; das Kennzeichen der Fünfergruppe, dreifach, wurde hier dargelegt.

Wort für Wort
āsuraś caiva vijayas tathā
auch der dämonische Sieg, ebenso (Nom.Sg.m./Adv.)
kārtsnyena varṇitaḥ
vollständig dargelegt (Instr./Part.Pass.)
lakṣaṇaṃ pañcavargasya
das Kennzeichen der Fünfergruppe (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
trividhaṃ ca atra varṇitam
und dreifach hier dargelegt (Akk.-Nom.Sg.n./Part.Pass.)

prakāśaś cāprakāśaś ca daṇḍo 'tha pariśabditaḥ; prakāśo 'ṣṭavidhas tatra guhyas tu bahuvistaraḥ

Offen und nicht offen wurde sodann die Strafgewalt (das Zwangsmittel) benannt; das Offene ist dort achtfach, das Verborgene aber von vielfacher Ausdehnung.

Wort für Wort
prakāśaḥ ca aprakāśaḥ ca
offen und nicht offen (Nom.Sg.m.)
daṇḍaḥ atha pariśabditaḥ
die Strafgewalt, sodann benannt (Nom.Sg.m./Part.Pass.)
prakāśaḥ aṣṭavidhaḥ tatra
das Offene achtfach, dort (Nom./Lok.-Adv.)
guhyaḥ tu bahuvistaraḥ
das Verborgene aber von vielfacher Ausdehnung (Nom.Sg.m.)

daṇḍa hier als Zwangsmittel/Heeresgewalt; die Achtheit wird in 041 aufgezählt.

rathā nāgā hayāś caiva pādātāś caiva pāṇḍava; viṣṭir nāvaś carāś caiva deśikāḥ pathi cāṣṭakam

Wagen, Elefanten und Rosse, Fußsoldaten, o Pāṇḍava, Frondienstler, Schiffe, Späher und Wegführer auf dem Weg: das ist die Achtheit.

Wort für Wort
rathāḥ nāgāḥ hayāḥ ca eva
Wagen, Elefanten und Rosse (Nom.Pl.m.)
pādātāḥ ca eva pāṇḍava
und Fußsoldaten, o Pāṇḍava (Nom.Pl./Vok.Sg.)
viṣṭiḥ nāvaḥ
Frondienstler [?], Schiffe (Nom.Sg.f./Nom.Pl.f.)
carāḥ ca eva
und Späher [?] (Nom.Pl.m.)
deśikāḥ pathi ca aṣṭakam
Wegführer auf dem Weg, und die Achtheit (Nom.Pl.m./Lok.Sg./Nom.Sg.n.)

viṣṭi (Frondienstler/Trossleute) und cara (Späher) sind unsicher gedeutet.

aṅgāny etāni kauravya prakāśāni balasya tu; jaṅgamājaṅgamāś coktāś cūrṇayogā viṣādayaḥ

Dies sind, Kauravya, die offenen Glieder der Streitmacht; genannt wurden auch bewegliche und unbewegliche Pulvermischungen, Gifte und dergleichen.

Wort für Wort
aṅgāni etāni kauravya
diese Glieder, o Kauravya (Nom.Pl.n./Vok.Sg.)
prakāśāni balasya tu
die offenen der Streitmacht (Nom.Pl.n./Gen.Sg.)
jaṅgamājaṅgamāḥ ca uktāḥ
und bewegliche und unbewegliche genannt (Nom.Pl./Part.Pass.)
cūrṇayogāḥ viṣa-ādayaḥ
Pulvermischungen, Gifte und dergleichen (Nom.Pl.m./Kompositum)

sparśe cābhyavahārye cāpy upāṃśur vividhaḥ smṛtaḥ

Bei Berührung und bei Essbarem oder Trinkbarem gilt das heimliche [Mittel] als vielfältig.

Wort für Wort
sparśe ca abhyavahārye ca api
auch bei Berührung und bei Genießbarem (Lok.Sg.m./Lok.Sg.n.)
upāṃśuḥ vividhaḥ smṛtaḥ
das Heimliche, vielfältig, gilt als (Nom.Sg.m./Part.Pass.)

upāṃśu (heimliches Mittel) ist ergänzt; das Subjekt ist im Vers selbst nur als upāṃśu genannt.

krīḍāpūrve raṇe dyūte visrambheṇa samanvitam; uktaṃ kaitavyam ity etad upāyo navamo budhaiḥ; upekṣā sarvakāryeṣu karmaṇāṃ karaṇeṣu ca; aniṣṭānāṃ samutthāne trivargo naśyate yayā; indrajālādikā māyā vāgjīvanakuśīlavaiḥ; sunimittair durnimittair utpātaiś ca samanvitam; ḍambho liṅgaṃ samāśritya śatruvarge prayujyate; śāṭhyaṃ niśceṣṭatā proktā cittadoṣapradūṣikā

Was mit Vertrauensseligkeit verbunden ist, im Kampf, der mit Spiel beginnt, beim Würfelspiel: das wird Betrug (kaitavya) genannt; dies ist von den Weisen das neunte Mittel. Gleichgültigkeit (upekṣā) bei allen Handlungen und bei der Ausführung von Werken, durch die beim Aufkommen des Unerwünschten die Dreiergruppe zugrunde geht; Blendwerk (māyā) wie Zauberspuk und dergleichen, [ausgeführt] durch Leute, die von der Rede leben und Schauspieler sind [?], versehen mit guten Vorzeichen, schlechten Vorzeichen und Unheilszeichen; Heuchelei (ḍambha) wird unter Verwendung eines äußeren Kennzeichens gegen die Feindesgruppe angewandt; Tücke (śāṭhya) heißt Untätigkeit, die Geistesfehler verdirbt [?].

Wort für Wort
krīḍāpūrve raṇe dyūte
im Kampf, der mit Spiel beginnt [?], beim Würfelspiel (Lok.Sg.)
visrambheṇa samanvitam uktaṃ kaitavyam
mit Vertrauensseligkeit verbunden, genannt Betrug (Instr./Part.Pass./Nom.Sg.n.)
ity etad upāyaḥ navamaḥ budhaiḥ
so ist dies das neunte Mittel bei den Weisen (Nom.Sg.m./Instr.Pl.)
upekṣā sarvakāryeṣu karmaṇāṃ karaṇeṣu ca
Gleichgültigkeit bei allen Aufgaben und den Ausführungen der Werke (Nom.Sg.f./Lok.Pl.)
aniṣṭānāṃ samutthāne trivargaḥ naśyate yayā
beim Aufkommen des Unerwünschten geht durch sie die Dreiergruppe zugrunde (Gen.Pl./Lok.Sg./3.Sg.Präs./Instr.Sg.f.)
indrajālādikā māyā vāgjīvanakuśīlavaiḥ
Blendwerk wie Indras Netz usw. durch Redeleute/Schauspieler [?] (Nom.Sg.f./Instr.Pl.)
sunimittaiḥ durnimittaiḥ utpātaiḥ ca samanvitam
mit guten Zeichen, schlechten Zeichen und Unheilszeichen verbunden (Instr.Pl./Part.)
ḍambhaḥ liṅgaṃ samāśritya śatruvarge prayujyate
Heuchelei, ein Kennzeichen verwendend, wird gegen die Feindesgruppe angewandt (Nom.Sg.m./Akk./Ger./Lok./3.Sg.Pass.)
śāṭhyaṃ niśceṣṭatā proktā cittadoṣapradūṣikā
Tücke heißt Untätigkeit, die Geistesfehler verdirbt [?] (Nom.Sg.n./Nom.Sg.f./Part.Pass./Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text stellenweise unklar (krīḍāpūrve raṇe; vāgjīvanakuśīlavaiḥ; cittadoṣapradūṣikā).

arir mitram udāsīna ity ete 'py anuvarṇitāḥ

Feind, Freund, Neutraler: auch diese wurden dargelegt.

Wort für Wort
ariḥ mitram udāsīnaḥ
Feind, Freund, Neutraler (Nom.Sg.)
iti ete api anuvarṇitāḥ
so wurden auch diese dargelegt (Nom.Pl./Part.Pass.)

kṛtsnā mārgaguṇāś caiva tathā bhūmiguṇāś ca ha; ātmarakṣaṇam āśvāsaḥ spaśānāṃ cānvavekṣaṇam

Alle Vorzüge der Wege und ebenso die Vorzüge des Geländes; der Selbstschutz, die Beruhigung und die Beobachtung der Späher.

Wort für Wort
kṛtsnāḥ mārgaguṇāḥ ca eva
und alle Vorzüge der Wege (Nom.Pl.m.)
tathā bhūmiguṇāḥ ca ha
ebenso die Vorzüge des Bodens (Nom.Pl.m.)
ātmarakṣaṇam āśvāsaḥ
Selbstschutz, Beruhigung (Nom.Sg.n./Nom.Sg.m.)
spaśānāṃ ca anvavekṣaṇam
und die Beobachtung der Späher (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)

kalpanā vividhāś cāpi nṛnāgarathavājinām; vyūhāś ca vividhābhikhyā vicitraṃ yuddhakauśalam

Auch mannigfache Aufstellungen von Männern, Elefanten, Wagen und Rossen; Schlachtordnungen von vielerlei Namen; buntes Kriegsgeschick.

Wort für Wort
kalpanāḥ vividhāḥ ca api
auch mannigfache Anordnungen (Nom.Pl.f.)
nṛnāgarathavājinām
von Männern, Elefanten, Wagen, Rossen (Gen.Pl., Kompositum)
vyūhāḥ ca vividhābhikhyāḥ
und Schlachtordnungen von vielerlei Namen (Nom.Pl.m.)
vicitraṃ yuddhakauśalam
buntes Kriegsgeschick (Nom.Sg.n.)

utpātāś ca nipātāś ca suyuddhaṃ supalāyanam; śastrāṇāṃ pāyanajñānaṃ tathaiva bharatarṣabha

Vorstöße und Rückschläge, gutes Kämpfen, gutes Fliehen; ebenso das Wissen um das Härten der Waffen, o Stier der Bharata.

Wort für Wort
utpātāḥ ca nipātāḥ ca
Vorstöße [?] und Niederstürze [?] (Nom.Pl.m.)
suyuddhaṃ supalāyanam
gutes Kämpfen, gutes Fliehen (Nom.Sg.n.)
śastrāṇāṃ pāyanajñānam
Wissen um das Härten der Waffen (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
tathā eva bharatarṣabha
ebenso, o Stier der Bharata (Vok.Sg.)

utpāta/nipāta unsicher (Aufsprünge/Angriffe und Niederstürze/Rückschläge); pāyana = Tränken (Härten) der Klinge.

balavyasanamuktaṃ ca tathaiva balaharṣaṇam; pīḍanāskandakālaś ca bhayakālaś ca pāṇḍava

Das Unglück des Heeres wurde genannt und ebenso die Ermunterung des Heeres; die Zeit der Bedrängung, des Überfalls und die Zeit der Furcht, o Pāṇḍava.

Wort für Wort
balavyasanam uktaṃ ca
und das Unglück des Heeres wurde genannt (Nom.Sg.n./Part.Pass.)
tathā eva balaharṣaṇam
und ebenso die Ermunterung des Heeres (Nom.Sg.n.)
pīḍanāskandakālaḥ ca
und die Zeit der Bedrängung und des Überfalls (Nom.Sg.m.)
bhayakālaḥ ca pāṇḍava
und die Zeit der Furcht, o Pāṇḍava (Nom.Sg.m./Vok.Sg.)

tathā khātavidhānaṃ ca yogasaṃcāra eva ca; caurāṭavyabalaiś cograiḥ pararāṣṭrasya pīḍanam

Ebenso das Anlegen von Gräben und das Umherziehen der Kriegslist [?]; die Bedrängung des feindlichen Reiches durch Räuber- und Waldtruppen sowie durch grimme [Truppen].

Wort für Wort
tathā khātavidhānaṃ ca
ebenso das Anlegen von Gräben (Nom.Sg.n.)
yogasaṃcāraḥ eva ca
und das Umherziehen der Kriegslist [?] (Nom.Sg.m.)
caurāṭavyabalaiḥ ca ugraiḥ
durch Räuber- und Waldtruppen und durch grimme (Instr.Pl.)
pararāṣṭrasya pīḍanam
Bedrängung des Reiches des Feindes (Gen.Sg./Nom.Sg.n.)

yogasaṃcāra unsicher.

agnidair garadaiś caiva pratirūpakacārakaiḥ; śreṇimukhyopajāpena vīrudhaś chedanena ca

Durch Brandstifter und Giftgeber, durch als Späher Verkleidete, durch Aufwiegeln der Gildenvorsteher und durch das Abschneiden der Gewächse.

Wort für Wort
agnidaiḥ garadaiḥ ca eva
durch Brandstifter und Giftgeber (Instr.Pl.m.)
pratirūpakacārakaiḥ
durch verkleidete Späher (Instr.Pl.m.)
śreṇimukhyopajāpena
durch Aufwiegeln der Gildenvorsteher (Instr.Sg.m.)
vīrudhaḥ chedanena ca
und durch das Abschneiden der Gewächse (Gen./Akk.Pl.f.; Instr.Sg.n.)

dūṣaṇena ca nāgānām āśaṅkājananena ca; ārodhanena bhaktasya pathaś copārjanena ca

Durch das Verderben der Elefanten und das Erzeugen von Besorgnis, durch das Absperren der Verpflegung und durch das Sich-Aneignen der Wege.

Wort für Wort
dūṣaṇena ca nāgānām
und durch das Verderben der Elefanten (Instr.Sg.n./Gen.Pl.)
āśaṅkājananena ca
und durch das Erzeugen von Besorgnis (Instr.Sg.n.)
ārodhanena bhaktasya
durch das Absperren der Verpflegung (Instr.Sg.n./Gen.Sg.n.)
pathaḥ ca upārjanena ca
und durch das Sich-Aneignen des Weges (Gen./Akk.Sg.m.; Instr.Sg.n.)

saptāṅgasya ca rājyasya hrāsavṛddhisamañjasam; dūtasāmarthyayogaś ca rāṣṭrasya ca vivardhanam

Und das rechte Verhältnis von Abnahme und Zunahme des siebengliedrigen Reiches; die Anwendung der Fähigkeit des Gesandten und die Mehrung des Reiches.

Wort für Wort
saptāṅgasya ca rājyasya
und des siebengliedrigen Reiches (Gen.Sg.n.)
hrāsavṛddhisamañjasam
das rechte Maß von Abnahme und Zunahme (Nom.Sg.n.)
dūtasāmarthyayogaḥ ca
und der Einsatz der Fähigkeit des Gesandten (Nom.Sg.m.)
rāṣṭrasya ca vivardhanam
und die Mehrung des Reiches (Gen.Sg.n./Nom.Sg.n.)

arimadhyasthamitrāṇāṃ samyak coktaṃ prapañcanam; avamardaḥ pratīghātas tathaiva ca balīyasām

Das Verhalten gegenüber Feind, Mittelstehendem und Freund wurde richtig dargelegt; ebenso das Niedertreten und die Abwehr der Stärkeren.

Wort für Wort
arimadhyasthamitrāṇām
von Feind, Mittelstehendem, Freund (Gen.Pl.)
samyak ca uktaṃ prapañcanam
und richtig wurde die Darlegung gegeben (Adv./Part.Pass./Nom.Sg.n.)
avamardaḥ pratīghātaḥ
Niedertreten, Abwehr (Nom.Sg.m.)
tathā eva ca balīyasām
und ebenso der Stärkeren (Gen.Pl.)

prapañcana hier als Entfaltung/Darlegung gedeutet.

vyavahāraḥ susūkṣmaś ca tathā kaṇṭakaśodhanam; śamo vyāyāmayogaś ca yogo dravyasya saṃcayaḥ

Das Rechtsverfahren, sehr fein; ebenso das Ausjäten der Dornen; Befriedung und Anstrengung, das Anwenden [von Mitteln] und das Ansammeln von Gütern.

Wort für Wort
vyavahāraḥ susūkṣmaḥ ca
das Rechtsverfahren, und sehr fein (Nom.Sg.m.)
tathā kaṇṭakaśodhanam
ebenso das Reinigen von Dornen (Nom.Sg.n.)
śamaḥ vyāyāmayogaḥ ca
Befriedung und Anwendung von Anstrengung (Nom.Sg.m.)
yogaḥ dravyasya saṃcayaḥ
das Anwenden, das Ansammeln von Gut (Nom.Sg.m./Gen.Sg.n.)

kaṇṭakaśodhana = Beseitigung der Störer (wörtlich: Dornenreinigung).

abhṛtānāṃ ca bharaṇaṃ bhṛtānāṃ cānvavekṣaṇam; arthakāle pradānaṃ ca vyasaneṣv aprasaṅgitā

Das Unterhalten der noch nicht Unterhaltenen und die Beaufsichtigung der Unterhaltenen; die Gabe zur rechten Zeit des Bedarfs und das Sich-nicht-Hingeben an Laster.

Wort für Wort
abhṛtānāṃ ca bharaṇam
und das Unterhalten der nicht Unterhaltenen (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
bhṛtānāṃ ca anvavekṣaṇam
und die Beaufsichtigung der Unterhaltenen (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
arthakāle pradānaṃ ca
und die Gabe zur Zeit des Bedarfs (Lok.Sg.m./Nom.Sg.n.)
vyasaneṣu aprasaṅgitā
das Sich-nicht-Hingeben an Laster (Lok.Pl./Nom.Sg.f.)

tathā rājaguṇāś caiva senāpatiguṇāś ca ye; kāraṇasya ca kartuś ca guṇadoṣās tathaiva ca

Ebenso die Tugenden des Königs und die des Heerführers, und ebenso die Vorzüge und Fehler von Anlass [Mittel] und Handelndem.

Wort für Wort
tathā rājaguṇāḥ ca eva
ebenso die Tugenden des Königs (Nom.Pl.m.)
senāpatiguṇāḥ ca ye
und die des Heerführers, welche (Nom.Pl.m./Rel.)
kāraṇasya ca kartuḥ ca
und des Anlasses und des Handelnden (Gen.Sg.)
guṇadoṣāḥ tathā eva ca
Vorzüge und Fehler, und ebenso (Nom.Pl.m.)

kāraṇa hier als Mittel/Anlass gedeutet.

duṣṭeṅgitaṃ ca vividhaṃ vṛttiś caivānujīvinām; śaṅkitatvaṃ ca sarvasya pramādasya ca varjanam

Die mannigfachen Zeichen des Bösen, das Verhalten der Dienenden, Argwohn gegenüber allem und das Meiden der Nachlässigkeit.

Wort für Wort
duṣṭeṅgitaṃ ca vividham
und die mannigfachen Zeichen der Bösen (Nom.Sg.n.)
vṛttiḥ ca anujīvinām
und das Verhalten der Diener (Nom.Sg.f./Gen.Pl.)
śaṅkitatvaṃ ca sarvasya
und Argwohn gegenüber allem (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
pramādasya ca varjanam
und das Meiden der Nachlässigkeit (Gen.Sg./Nom.Sg.n.)

duṣṭeṅgita: Zeichen (Winke) Böser, oder: böse Gebärden.

alabdhalipsā labdhasya tathaiva ca vivardhanam; pradānaṃ ca vivṛddhasya pātrebhyo vidhivat tathā

Das Verlangen nach Unerlangtem und ebenso die Mehrung des Erlangten; und die vorschriftsmäßige Gabe des Vermehrten an würdige Empfänger.

Wort für Wort
alabdhalipsā labdhasya
das Verlangen nach Unerlangtem, des Erlangten (Nom.Sg.f./Gen.Sg.)
tathā eva ca vivardhanam
und ebenso die Mehrung (Nom.Sg.n.)
pradānaṃ ca vivṛddhasya
und die Gabe des Vermehrten (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
pātrebhyaḥ vidhivat tathā
an würdige Empfänger, vorschriftsmäßig, ebenso (Dat.Pl./Adv.)

visargo 'rthasya dharmārtham arthārthaṃ kāmahetunā; caturtho vyasanāghāte tathaivātrānuvarṇitaḥ

Das Ausgeben von Vermögen für den Dharma, für den Erwerb von Vermögen, um der Begierde willen; das vierte, um Unglück abzuwehren, wurde hier ebenso dargelegt.

Wort für Wort
visargaḥ arthasya
das Ausgeben des Vermögens (Nom.Sg.m./Gen.Sg.)
dharmārtham arthārtham
für den Dharma, für den Erwerb (Adv.)
kāmahetunā
aus Grund der Begierde (Instr.Sg.m.)
caturthaḥ vyasanāghāte
das vierte, zur Abwehr von Unglück (Nom.Sg.m./Lok.Sg.m.)
tathā eva atra anuvarṇitaḥ
ebenso hier dargelegt (Adv./Part.Pass.)

krodhajāni tathogrāṇi kāmajāni tathaiva ca; daśoktāni kuruśreṣṭha vyasanāny atra caiva ha

Aus Zorn entstandene, schreckliche, und ebenso aus Begierde entstandene: zehn Laster wurden hier genannt, o Bester der Kuru.

Wort für Wort
krodhajāni tathā ugrāṇi
aus Zorn geborene, ebenso schreckliche (Nom.Pl.n.)
kāmajāni tathā eva ca
und ebenso aus Begierde geborene (Nom.Pl.n.)
daśa uktāni
zehn wurden genannt (Nom./Part.Pass.n.)
kuruśreṣṭha vyasanāni atra ca eva ha
o Bester der Kuru, Laster, hier (Vok.Sg./Nom.Pl.n.)

mṛgayākṣās tathā pānaṃ striyaś ca bharatarṣabha; kāmajāny āhur ācāryāḥ proktānīha svayaṃbhuvā

Jagd, Würfel, Trunk und Frauen, o Stier der Bharata: als aus Begierde geboren bezeichnen [sie] die Lehrer; hier vom Selbstentstandenen genannt.

Wort für Wort
mṛgayā akṣāḥ tathā pānam
Jagd, Würfel, ebenso Trunk (Nom.Sg.f./Nom.Pl.m./Nom.Sg.n.)
striyaḥ ca bharatarṣabha
und Frauen, o Stier der Bharata (Nom.Pl.f./Vok.Sg.)
kāmajāni āhuḥ ācāryāḥ
als aus Begierde geboren sagen die Lehrer (Akk.Pl.n./3.Pl.Perf./Nom.Pl.m.)
proktāni iha svayaṃbhuvā
hier vom Selbstentstandenen genannt (Part.Pass./Adv./Instr.Sg.m.)

vākpāruṣyaṃ tathogratvaṃ daṇḍapāruṣyam eva ca; ātmano nigrahas tyāgo 'thārthadūṣaṇam eva ca

Härte der Rede, Grimmigkeit und Härte der Strafe; die Bedrängung seiner selbst [?], das Aufgeben und die Schädigung des Vermögens.

Wort für Wort
vākpāruṣyaṃ tathā ugratvam
Härte der Rede, ebenso Grimmigkeit (Nom.Sg.n.)
daṇḍapāruṣyam eva ca
und Härte der Strafe (Nom.Sg.n.)
ātmanaḥ nigrahaḥ tyāgaḥ
Bedrängung seiner selbst [?], Aufgeben (Gen.Sg./Nom.Sg.m.)
atha arthadūṣaṇam eva ca
und sodann Schädigung des Vermögens (Nom.Sg.n.)

Die Aufzählung ist knapp; ātmano nigrahas tyāgaḥ unsicher.

yantrāṇi vividhāny eva kriyās teṣāṃ ca varṇitāḥ; avamardaḥ pratīghātaḥ ketanānāṃ ca bhañjanam

Vielerlei Maschinen und deren Handhabungen wurden dargelegt; das Niedertreten, die Abwehr und das Zerbrechen der Banner.

Wort für Wort
yantrāṇi vividhāni eva
vielerlei Maschinen (Nom.Pl.n.)
kriyāḥ teṣāṃ ca varṇitāḥ
und deren Handhabungen wurden dargelegt (Nom.Pl.f./Gen.Pl./Part.Pass.)
avamardaḥ pratīghātaḥ
Niedertreten, Abwehr (Nom.Sg.m.)
ketanānāṃ ca bhañjanam
und das Zerbrechen der Banner (Gen.Pl.n./Nom.Sg.n.)

caityadrumāṇām āmardo rodhaḥkarmāntanāśanam; apaskaro 'tha gamanaṃ tathopāsyā ca varṇitā

Das Zermalmen der Heiligtumsbäume, die Absperrung, das Zerstören der Arbeitsstätten; das Wegschaffen [?], das Ausrücken, und das Anrücken zur Belagerung [?] wurde dargelegt.

Wort für Wort
caityadrumāṇām āmardaḥ
das Zermalmen der Heiligtumsbäume (Gen.Pl./Nom.Sg.m.)
rodhaḥ karmāntanāśanam
die Absperrung, das Zerstören der Arbeitsstätten (Nom.Sg.m./Nom.Sg.n.)
apaskaraḥ atha gamanam
das Wegschaffen [?], sodann das Ausrücken (Nom.Sg.m./Nom.Sg.n.)
tathā upāsyā ca varṇitā
und ebenso die Belagerung [?] wurde dargelegt (Nom.Sg.f./Part.Pass.)

apaskara und upāsyā unsicher.

paṇavānakaśaṅkhānāṃ bherīṇāṃ ca yudhāṃ vara; upārjanaṃ ca dravyāṇāṃ paramarma ca tāni ṣaṭ

Von Handtrommeln, Pauken, Muscheln und Heerpauken, o Bester der Kämpfer, das Gewinnen, sowie der Erwerb von Gütern und das Treffen empfindlicher Stellen des Gegners: das sind sechs.

Wort für Wort
paṇavānakaśaṅkhānām
von Handtrommeln, Pauken, Muscheln (Gen.Pl.)
bherīṇāṃ ca yudhāṃ vara
und von Heerpauken, o Bester der Kämpfer (Gen.Pl.f./Vok.Sg./Gen.Pl.f.)
upārjanaṃ ca dravyāṇām
und der Erwerb von Gütern (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
paramarma ca tāni ṣaṭ
und das Treffen empfindlicher Stellen des Feindes: diese sechs (Nom.Sg.n./Nom.Pl.n.)

Bezug von upārjanam auf die Instrumente [Erbeutung] gedeutet; unsicher.

labdhasya ca praśamanaṃ satāṃ caiva hi pūjanam; vidvadbhir ekībhāvaś ca prātarhomavidhijñatā

Das Befrieden des Erlangten und die Ehrung der Guten; das Einssein mit den Gelehrten und die Kenntnis der Morgenopfer-Regel.

Wort für Wort
labdhasya ca praśamanam
und das Befrieden des Erlangten (Gen.Sg./Nom.Sg.n.)
satāṃ ca eva hi pūjanam
und die Ehrung der Guten (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
vidvadbhiḥ ekībhāvaḥ ca
und das Einssein mit Gelehrten (Instr.Pl./Nom.Sg.m.)
prātarhomavidhijñatā
die Kenntnis der Regel des Morgenopfers (Nom.Sg.f.)

maṅgalālambhanaṃ caiva śarīrasya pratikriyā; āhārayojanaṃ caiva nityam āstikyam eva ca

Das Berühren von Glückbringendem, die Pflege des Körpers, das Einrichten der Nahrung und stete Gläubigkeit.

Wort für Wort
maṅgalālambhanam ca eva
und das Berühren von Glückbringendem (Nom.Sg.n.)
śarīrasya pratikriyā
die Pflege des Körpers (Gen.Sg./Nom.Sg.f.)
āhārayojanaṃ ca eva
und das Einrichten der Nahrung (Nom.Sg.n.)
nityam āstikyam eva ca
und stete Gläubigkeit (Adv./Nom.Sg.n.)

ekena ca yathottheyaṃ satyatvaṃ madhurā giraḥ; utsavānāṃ samājānāṃ kriyāḥ ketanajās tathā

Und wie man allein aufzubrechen hat [?], Wahrhaftigkeit, süße Rede; das Ausrichten von Festen und Versammlungen sowie die von Bannern ausgehenden Handlungen.

Wort für Wort
ekena ca yathā uttheyam
und wie man mit einem [?] aufzubrechen hat (Instr.Sg./Adv./Gerundiv)
satyatvaṃ madhurāḥ giraḥ
Wahrhaftigkeit, süße Worte (Nom.Sg.n./Nom.Pl.f.)
utsavānāṃ samājānām
von Festen und Versammlungen (Gen.Pl.)
kriyāḥ ketanajāḥ tathā
Handlungen, von Bannern ausgehend [?], ebenso (Nom.Pl.f.)

ekena ca yathottheyam unsicher; ketanajāḥ kriyāḥ ebenfalls.

pratyakṣā ca parokṣā ca sarvādhikaraṇeṣu ca; vṛttir bharataśārdūla nityaṃ caivānvavekṣaṇam

Das unmittelbare und das mittelbare Verfahren in allen Amtsstellen, o Tiger unter den Bharata, und stets die Beaufsichtigung.

Wort für Wort
pratyakṣā ca parokṣā ca
und das unmittelbare und das mittelbare (Nom.Sg.f.)
sarvādhikaraṇeṣu ca
und in allen Amtsstellen (Lok.Pl.n.)
vṛttiḥ bharataśārdūla
Verfahren, o Tiger unter den Bharata (Nom.Sg.f./Vok.Sg.)
nityaṃ ca eva anvavekṣaṇam
und stets Beaufsichtigung (Adv./Nom.Sg.n.)

adaṇḍyatvaṃ ca viprāṇāṃ yuktyā daṇḍanipātanam; anujīvisvajātibhyo guṇeṣu parirakṣaṇam

Die Straflosigkeit der Brahmanen und das Verhängen von Strafe nach Recht und Überlegung; der Schutz der Diener und der eigenen Standesgenossen gemäß ihren Vorzügen.

Wort für Wort
adaṇḍyatvaṃ ca viprāṇām
und die Unbestrafbarkeit der Brahmanen (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
yuktyā daṇḍanipātanam
das Verhängen der Strafe mit Überlegung (Instr.Sg.f./Nom.Sg.n.)
anujīvisvajātibhyaḥ
für Diener und eigene Standesgenossen (Dat./Abl.Pl.)
guṇeṣu parirakṣaṇam
Schutz gemäß den Vorzügen (Lok.Pl./Nom.Sg.n.)

rakṣaṇaṃ caiva paurāṇāṃ svarāṣṭrasya vivardhanam; maṇḍalasthā ca yā cintā rājan dvādaśarājikā

Der Schutz der Städter und die Mehrung des eigenen Reiches; und die Erwägung, die im Kreis [der Nachbarn] steht, o König, mit zwölf Königen.

Wort für Wort
rakṣaṇaṃ ca eva paurāṇām
und der Schutz der Städter (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
svarāṣṭrasya vivardhanam
die Mehrung des eigenen Reiches (Gen.Sg./Nom.Sg.n.)
maṇḍalasthā ca yā cintā
und die im Kreis stehende Erwägung (Nom.Sg.f.)
rājan dvādaśarājikā
o König, die mit zwölf Königen (Vok.Sg./Nom.Sg.f.)

maṇḍala: Kreis der Nachbarstaaten.

dvāsaptatimatiś caiva proktā yā ca svayaṃbhuvā; deśajātikulānāṃ ca dharmāḥ samanuvarṇitāḥ

Und die Erwägung der Zweiundsiebzig, die vom Selbstentstandenen genannt wurde; die Regeln der Länder, Geburtsstände und Geschlechter wurden dargelegt.

Wort für Wort
dvāsaptatimatiḥ ca eva
und die Zweiundsiebzigfache Erwägung (Nom.Sg.f.)
proktā yā ca svayaṃbhuvā
die vom Selbstentstandenen genannt wurde (Part.Pass./Rel./Instr.Sg.m.)
deśajātikulānāṃ ca
und der Länder, Geburtsstände, Geschlechter (Gen.Pl.)
dharmāḥ samanuvarṇitāḥ
die Regeln wurden dargelegt (Nom.Pl.m./Part.Pass.)

dharmaś cārthaś ca kāmaś ca mokṣaś cātrānuvarṇitaḥ; upāyaś cārthalipsā ca vividhā bhūridakṣiṇāḥ

Dharma, Artha, Kāma und auch Mokṣa wurden hier dargelegt; und die Mittel und das Streben nach Vermögen, mannigfach und reich an Opfergaben [?].

Wort für Wort
dharmaḥ ca arthaḥ ca kāmaḥ ca
Dharma, Artha und Kāma (Nom.Sg.m.)
mokṣaḥ ca atra anuvarṇitaḥ
und Mokṣa hier dargelegt (Nom.Sg.m./Part.Pass.)
upāyaḥ ca arthalipsā ca
und das Mittel und das Streben nach Vermögen (Nom.Sg.m./Nom.Sg.f.)
vividhā bhūridakṣiṇāḥ
mannigfach, reich an Gaben [?] (Nom.Sg.f./Nom.Pl.)

bhūridakṣiṇāḥ (reich an Opfergaben/Lohn) bezieht sich vermutlich auf die Mittel; unsicher.

mūlakarmakriyā cātra māyā yogaś ca varṇitaḥ; dūṣaṇaṃ srotasām atra varṇitaṃ ca sthirāmbhasām

Die Handlung des Wurzelzaubers, Blendwerk und Kunstgriff wurden hier dargelegt; das Verderben von Strömen und von stehenden Gewässern wurde hier dargelegt.

Wort für Wort
mūlakarmakriyā ca atra
und die Handlung des Wurzelzaubers hier (Nom.Sg.f.)
māyā yogaḥ ca varṇitaḥ
Blendwerk und Kunstgriff wurden dargelegt (Nom.Sg.f./Nom.Sg.m./Part.Pass.)
dūṣaṇaṃ srotasām atra
das Verderben der Ströme hier (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
varṇitaṃ ca sthirāmbhasām
und wurde dargelegt, der stehenden Gewässer (Part.Pass./Gen.Pl.)

yair yair upāyair lokaś ca na caled āryavartmanaḥ; tat sarvaṃ rājaśārdūla nītiśāstre 'nuvarṇitam

Mit welchen Mitteln auch immer die Welt nicht vom Pfad der Ārya abweichen möge: all das, o Tiger unter den Königen, wurde im Lehrbuch der Staatskunst dargelegt.

Wort für Wort
yaiḥ yaiḥ upāyaiḥ
mit welchen Mitteln auch immer (Instr.Pl.m.)
lokaḥ ca na calet
die Welt möge nicht abweichen (Nom.Sg.m./3.Sg.Opt.)
āryavartmanaḥ
vom Pfad der Ārya (Abl.Sg.n.)
tat sarvaṃ rājaśārdūla
all das, o Tiger unter den Königen (Nom.Sg.n./Vok.Sg.)
nītiśāstre anuvarṇitam
im Lehrbuch der Staatskunst dargelegt (Lok.Sg.n./Part.Pass.)

etat kṛtvā śubhaṃ śāstraṃ tataḥ sa bhagavān prabhuḥ; devān uvāca saṃhṛṣṭaḥ sarvāñ śakrapurogamān

Nachdem er dieses heilbringende Lehrwerk verfasst hatte, sprach darauf der erhabene Herr froh zu allen Göttern, mit Indra an der Spitze:

Wort für Wort
etat kṛtvā śubhaṃ śāstraṃ
nachdem er dieses heilvolle Lehrwerk verfertigt hatte (Abs.)
tataḥ sa bhagavān prabhuḥ
darauf jener erhabene Herr (Nom.Sg.)
devān uvāca saṃhṛṣṭaḥ
sprach zu den Göttern, erfreut (Akk.Pl.; Perf. 3.Sg.; Nom.)
sarvān śakrapurogamān
zu allen, die Śakra an der Spitze haben (Akk.Pl., Bahuvrīhi)

upakārāya lokasya trivargasthāpanāya ca; navanītaṃ sarasvatyā buddhir eṣā prabhāvitā

„Zum Nutzen der Welt und zur Begründung der Dreiheit [von Dharma, Artha und Kāma]: Diese Einsicht ist als Butter der Sarasvatī [der Rede] hervorgebracht worden.“

Wort für Wort
upakārāya lokasya
zum Nutzen der Welt (Dat./Gen.Sg.)
trivargasthāpanāya ca
und zur Begründung der Dreiheit (Dat.Sg., Tatpuruṣa)
navanītaṃ sarasvatyāḥ
Butter der Sarasvatī (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
buddhir eṣā prabhāvitā
diese Einsicht ist hervorgebracht (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)

daṇḍena sahitā hy eṣā lokarakṣaṇakārikā; nigrahānugraharatā lokān anu cariṣyati

„Mit dem Stock [der Strafgewalt] verbunden, ist sie ja die Schützerin der Welten; an Bändigung und Begünstigung sich erfreuend, wird sie den Welten folgen.“

Wort für Wort
daṇḍena sahitā hy eṣā
mit der Strafgewalt verbunden ist diese ja (Instr.Sg.; Nom.Sg.f.)
lokarakṣaṇakārikā
Bewirkerin des Schutzes der Welten (Nom.Sg.f., Tatpuruṣa)
nigrahānugraharatā
an Bändigung und Begünstigung sich erfreuend (Nom.Sg.f., Tatpuruṣa)
lokān anu cariṣyati
wird den Welten folgen (Akk.Pl.; Fut. 3.Sg.)

daṇḍena nīyate ceyaṃ daṇḍaṃ nayati cāpy uta; daṇḍanītir iti proktā trīṃl lokān anuvartate

„Von der Strafgewalt wird sie geführt, und sie führt auch die Strafgewalt; so heißt sie ‚Daṇḍanīti‘ [Politik der Strafgewalt]; sie folgt den drei Welten.“

Wort für Wort
daṇḍena nīyate ceyam
von der Strafgewalt wird sie geführt, und diese (Instr.Sg.; Pass. 3.Sg.; Nom.Sg.f.)
daṇḍaṃ nayati cāpy uta
und sie führt auch die Strafgewalt (Akk.Sg.; Präs. 3.Sg.)
daṇḍanītir iti proktā
‚Daṇḍanīti‘, so genannt (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
trīṃl lokān anuvartate
folgt den drei Welten (Akk.Pl.; Präs.Med. 3.Sg.)

ṣāḍguṇyaguṇasāraiṣā sthāsyaty agre mahātmasu; mahattvāt tasya daṇḍasya nītir vispaṣṭalakṣaṇā

„Sie ist der Kern der Vorzüge der sechs Grundmaßnahmen und wird künftig bei den Hochgesinnten bestehen. Wegen der Größe jenes Stabes ist die Nīti von deutlich erkennbaren Merkmalen.“

Wort für Wort
ṣāḍguṇyaguṇasārā eṣā
diese, deren Kern die Vorzüge der Sechsheit der Maßnahmen sind (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
sthāsyaty agre mahātmasu
wird künftig bei den Hochgesinnten bestehen (Fut. 3.Sg.; Lok.Pl.)
mahattvāt tasya daṇḍasya
wegen der Größe jenes Stabes (Abl.Sg.; Gen.Sg.)
nītir vispaṣṭalakṣaṇā
die Nīti, deutlich in ihren Merkmalen (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)

ṣāḍguṇya: die sechs Maßnahmen der Außenpolitik (Frieden, Krieg, Abwarten usw.), hier als Bedeutung angesetzt.

nayacāraś ca vipulo yena sarvam idaṃ tatam; āgamaś ca purāṇānāṃ maharṣīṇāṃ ca saṃbhavaḥ

„Und weit ist das Verhalten der Klugheitslehre, durch die dies alles durchzogen ist; ebenso die Überlieferung der Purāṇas und die Herkunft der großen Seher“

Wort für Wort
nayacāraś ca vipulo
und das weite Verhalten der Klugheitslehre (Nom.Sg.m.)
yena sarvam idaṃ tatam
durch das dies alles durchzogen ist (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
āgamaś ca purāṇānām
und die Überlieferung der Purāṇas (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
maharṣīṇāṃ ca saṃbhavaḥ
und die Herkunft der großen Seher (Gen.Pl.; Nom.Sg.)

tīrthavaṃśaś ca vaṃśaś ca nakṣatrāṇāṃ yudhiṣṭhira; sakalaṃ cāturāśramyaṃ cāturhotraṃ tathaiva ca

„und die Genealogie der Tīrthas und der Geschlechter und der Sternbilder, o Yudhiṣṭhira; die Gesamtheit der Lehre von den vier Lebensstufen und ebenso die Lehre von den vier Priestern [Hotṛ usw.]“

Wort für Wort
tīrthavaṃśaś ca vaṃśaś ca
und die Abfolge der Tīrthas und die der Geschlechter (Nom.Sg.)
nakṣatrāṇāṃ yudhiṣṭhira
der Sternbilder, o Yudhiṣṭhira (Gen.Pl.; Vok.)
sakalaṃ cāturāśramyam
die gesamte Lehre von den vier Lebensstufen (Nom.Sg.n.)
cāturhotraṃ tathaiva ca
und ebenso die Vierpriesterlehre (Nom.Sg.n.)

tīrthavaṃśa: Deutung unsicher (Tīrtha als Pilgerstätte oder Lehrer-Abfolge).

cāturvarṇyaṃ tathaivātra cāturvedyaṃ ca varṇitam; itihāsopavedāś ca nyāyaḥ kṛtsnaś ca varṇitaḥ

„Ebenso ist hierin die Lehre von den vier Ständen und von den vier Veden dargelegt; Itihāsa, Nebenveden und die gesamte Logik sind dargelegt.“

Wort für Wort
cāturvarṇyaṃ tathaiva atra
die Lehre von den vier Ständen ebenso hierin (Nom.Sg.n.; Adv.)
cāturvedyaṃ ca varṇitam
und die Lehre von den vier Veden ist dargelegt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
itihāsopavedāś ca
und Itihāsas und Nebenveden (Nom.Pl.)
nyāyaḥ kṛtsnaś ca varṇitaḥ
und die gesamte Logik ist dargelegt (Nom.Sg.m.; Part.Pass.)

tapo jñānam ahiṃsā ca satyāsatye nayaḥ paraḥ; vṛddhopasevā dānaṃ ca śaucam utthānam eva ca

„Askese, Erkenntnis, Gewaltlosigkeit, Wahrheit und Unwahrheit, die höchste Klugheit; Dienst an den Alten, Geben, Reinheit und ebenso Tatkraft“

Wort für Wort
tapo jñānam ahiṃsā ca
Askese, Erkenntnis und Gewaltlosigkeit (Nom.Sg.)
satyāsatye
Wahrheit und Unwahrheit (Nom.Du.n.)
nayaḥ paraḥ
die höchste Klugheit (Nom.Sg.m.)
vṛddhopasevā dānaṃ ca
Dienst an den Alten und Geben (Nom.Sg.)
śaucam utthānam eva ca
Reinheit und Tatkraft (Nom.Sg.)

sarvabhūtānukampā ca sarvam atropavarṇitam; bhuvi vācogataṃ yac ca tac ca sarvaṃ samarpitam

„und Mitgefühl mit allen Wesen: alles ist hierin dargelegt; und was immer auf Erden im Bereich der Rede liegt, all das ist [darin] niedergelegt.“

Wort für Wort
sarvabhūtānukampā ca
und Mitgefühl mit allen Wesen (Nom.Sg.f.)
sarvam atropavarṇitam
alles ist hierin dargelegt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
bhuvi vācogataṃ yat ca
und was auf Erden im Bereich der Rede liegt (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.)
tat ca sarvaṃ samarpitam
auch all das ist niedergelegt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)

tasmin paitāmahe śāstre pāṇḍavaitad asaṃśayam; dharmārthakāmamokṣāś ca sakalā hy atra śabditāḥ

„In diesem Lehrwerk des Großvaters, Pāṇḍava, ist dies zweifelsfrei [so]: Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa sind hier alle vollständig ausgesprochen.“

Wort für Wort
tasmin paitāmahe śāstre
in diesem Lehrwerk des Großvaters (Lok.Sg.)
pāṇḍava etad asaṃśayam
o Pāṇḍava, dies ist zweifelsfrei (Vok.; Adv./Nom.Sg.n.)
dharmārthakāmamokṣāś ca
und Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa (Nom.Pl.)
sakalā hy atra śabditāḥ
sind ja hier vollständig ausgesprochen (Nom.Pl.; Part.Pass.)

tatas tāṃ bhagavān nītiṃ pūrvaṃ jagrāha śaṃkaraḥ; bahurūpo viśālākṣaḥ śivaḥ sthāṇur umāpatiḥ

Darauf nahm der erhabene Śaṃkara jene Lehre als Erster auf: der Vielgestaltige, Weitäugige, Śiva, Sthāṇu, der Gatte der Umā.

Wort für Wort
tatas tāṃ bhagavān nītim
darauf jene Lehre, der Erhabene (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.)
pūrvaṃ jagrāha śaṃkaraḥ
nahm zuerst auf, Śaṃkara (Perf. 3.Sg.; Nom.)
bahurūpo viśālākṣaḥ
der Vielgestaltige, der Weitäugige (Nom.Sg.m.)
śivaḥ sthāṇur umāpatiḥ
Śiva, Sthāṇu, Gatte der Umā (Nom.Sg.m.)

anādinidhano devaś caitanyādisamanvitaḥ; jñānāni ca vaśe yasya tārakādīny aśeṣataḥ; aṇimādiguṇopetam aiśvaryaṃ na ca kṛtrimam; tuṣṭyarthaṃ brahmaṇaḥ putro lalāṭād utthitaḥ prabhuḥ; arudat sasvanaṃ ghoraṃ jagataḥ prabhur avyayaḥ; jāyamānaḥ pitā putre putraḥ pitari caiva hi; buddhiṃ viśvasṛje dattvā brahmāṇḍaṃ yena nirmitam; yasmin hiraṇmayo haṃsaḥ śakuniḥ samapadyata; kartā sarvasya lokasya brahmā lokapitāmahaḥ; sa devaḥ sarvabhūtātmā mahādevaḥ sanātanaḥ; asaṃkhyātasahasrāṇāṃ rudrāṇāṃ sthānam avyayam

[Er,] der anfangs- und endlose Gott, mit Bewusstsein und dergleichen ausgestattet, in dessen Macht die Erkenntnisse sind, Tāraka und die übrigen, ohne Rest; ausgestattet mit den Eigenschaften Aṇimā und so fort, eine Herrschaft, die nicht künstlich ist; zur Befriedigung Brahmās, [als] Sohn Brahmās, aus der Stirn aufgestiegen, der Herr; er weinte laut und schrecklich, der Herr der Welt, der Unvergängliche; [als] Werdender [war] der Vater im Sohn und der Sohn im Vater; nachdem er Viśvasṛj Einsicht gegeben hatte, durch den das Brahmāṇḍa geschaffen wurde [?]; in dem der goldene Schwan zum Vogel wurde [?]; der Schöpfer der ganzen Welt, Brahmā, der Großvater der Welten; jener Gott, das Selbst aller Wesen, Mahādeva, der Ewige; der unvergängliche Sitz unzähliger Tausender von Rudras.

Wort für Wort
anādinidhano devaś
der anfangs- und endlose Gott (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
caitanyādisamanvitaḥ
mit Bewusstsein usw. ausgestattet (Nom.Sg.m.)
jñānāni ca vaśe yasya tārakādīny aśeṣataḥ
und in dessen Macht die Erkenntnisse, Tāraka usw., ohne Rest sind (Nom.Pl.n.; Lok.Sg.; Gen.Sg.)
aṇimādiguṇopetam aiśvaryaṃ na ca kṛtrimam
Herrschaft, mit Aṇimā usw. als Eigenschaften versehen, und nicht künstlich (Akk./Nom.Sg.n.)
tuṣṭyarthaṃ brahmaṇaḥ putro lalāṭād utthitaḥ prabhuḥ
zur Befriedigung Brahmās, Brahmās Sohn, aus der Stirn aufgestiegen, der Herr (Abl.Sg.; Part.Perf.Pass.)
arudat sasvanaṃ ghoraṃ jagataḥ prabhur avyayaḥ
weinte laut, furchtbar, der unvergängliche Herr der Welt (Impf. 3.Sg.; Nom.Sg.)
jāyamānaḥ pitā putre putraḥ pitari caiva hi
als Werdender [war] der Vater im Sohn und der Sohn im Vater (Part.Präs.Med.; Lok.Sg.)
buddhiṃ viśvasṛje dattvā brahmāṇḍaṃ yena nirmitam
Einsicht dem Viśvasṛj gegeben habend, durch den das Weltei geschaffen wurde [?] (Abs.; Dat.; Instr.)
yasmin hiraṇmayo haṃsaḥ śakuniḥ samapadyata
in dem der goldene Schwan zum Vogel wurde [?] (Lok.Sg.; Impf.Med. 3.Sg.)
kartā sarvasya lokasya brahmā lokapitāmahaḥ
Schöpfer der ganzen Welt, Brahmā, Großvater der Welten (Nom.Sg.)
sa devaḥ sarvabhūtātmā mahādevaḥ sanātanaḥ
jener Gott, das Selbst aller Wesen, Mahādeva, der Ewige (Nom.Sg.m.)
asaṃkhyātasahasrāṇāṃ rudrāṇāṃ sthānam avyayam
unvergänglicher Sitz unzähliger Tausender Rudras (Gen.Pl.; Nom./Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der Handschriften; Text stark verkürzt und syntaktisch unverbunden (Subjektwechsel zwischen Śiva und Brahmā). Wiedergabe der Satzverbindungen unsicher.

yugānām āyuṣo hrāsaṃ vijñāya bhagavāñ śivaḥ; saṃcikṣepa tataḥ śāstraṃ mahārthaṃ brahmaṇā kṛtam

Als der erhabene Śiva die Abnahme der Lebensdauer der Yugas erkannt hatte, kürzte er darauf das von Brahmā verfasste Lehrwerk von großem Inhalt ab.

Wort für Wort
yugānām āyuṣo hrāsaṃ
die Abnahme der Lebensdauer der Yugas (Gen.Pl.; Gen.Sg.; Akk.Sg.)
vijñāya bhagavāñ śivaḥ
erkannt habend, der erhabene Śiva (Abs.; Nom.Sg.)
saṃcikṣepa tataḥ śāstram
kürzte darauf das Lehrwerk ab (Perf. 3.Sg.; Akk.Sg.)
mahārthaṃ brahmaṇā kṛtam
von großem Inhalt, von Brahmā verfasst (Akk.Sg.n.; Instr.; Part.Pass.)

vaiśālākṣam iti proktaṃ tad indraḥ pratyapadyata; daśādhyāyasahasrāṇi subrahmaṇyo mahātapāḥ

Es wurde ‚Vaiśālākṣa‘ genannt; Indra übernahm es, der große Asket, der Subrahmaṇya [?], in zehntausend Kapiteln.

Wort für Wort
vaiśālākṣam iti proktaṃ
‚Vaiśālākṣa‘ genannt (Akk.Sg.n.; Part.Pass.)
tad indraḥ pratyapadyata
das übernahm Indra (Impf.Med. 3.Sg.)
daśādhyāyasahasrāṇi
zehntausend Kapitel (Akk.Pl.n., Dvigu)
subrahmaṇyo mahātapāḥ
der Subrahmaṇya [?], der große Asket (Nom.Sg.m.)

subrahmaṇya als Beiname Indras unsicher; die Konstruktion von daśādhyāyasahasrāṇi (Umfang der Fassung) ist elliptisch.

bhagavān api tac chāstraṃ saṃcikṣepa puraṃdaraḥ

Auch der erhabene Puraṃdara kürzte jenes Lehrwerk ab,

Wort für Wort
bhagavān api
auch der Erhabene (Nom.Sg.)
tac chāstraṃ
jenes Lehrwerk (Akk.Sg.n.)
saṃcikṣepa puraṃdaraḥ
kürzte ab, Puraṃdara [Indra] (Perf. 3.Sg.; Nom.)

**** **** devāt prāpya maheśvarāt; prajānāṃ hitam anvicchan

[…] […] von Gott Maheśvara empfangen, das Wohl der Geschöpfe wünschend,

Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
devāt prāpya maheśvarāt
vom Gott Maheśvara erlangt habend (Abl.Sg.; Abs.)
prajānāṃ hitam anvicchan
das Wohl der Geschöpfe suchend (Gen.Pl.; Akk.Sg.; Part.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile mit Lücke im Text; als Halbverse zu 92 und 94 gehörig.

sahasraiḥ pañcabhis tāta yad uktaṃ bāhudantakam

[es] auf fünftausend [Kapitel], Lieber, [gekürzt,] was ‚Bāhudantaka‘ genannt wird.

Wort für Wort
sahasraiḥ pañcabhiḥ
mit fünf Tausend [Kapiteln] (Instr.Pl.)
tāta
Lieber (Vok.)
yad uktaṃ bāhudantakam
was ‚Bāhudantaka‘ genannt wird (Nom.Sg.n.; Part.Pass.)

adhyāyānāṃ sahasrais tu tribhir eva bṛhaspatiḥ; saṃcikṣepeśvaro buddhyā bārhaspatyaṃ tad ucyate

Bṛhaspati, der Herr, kürzte es mit [seiner] Einsicht auf nur dreitausend Kapitel; das heißt ‚Bārhaspatya‘.

Wort für Wort
adhyāyānāṃ sahasrais tu tribhir eva
mit nur drei Tausend Kapiteln (Gen.Pl.; Instr.Pl.)
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati (Nom.Sg.)
saṃcikṣepeśvaro buddhyā
kürzte, der Herr, durch Einsicht (Perf. 3.Sg.; Instr.Sg.)
bārhaspatyaṃ tad ucyate
das wird ‚Bārhaspatya‘ genannt (Nom.Sg.n.; Präs.Pass.)

adhyāyānāṃ sahasreṇa kāvyaḥ saṃkṣepam abravīt; tac chāstram amitaprajño yogācāryo mahātapāḥ

Kāvya [Uśanas] gab eine Kurzfassung in tausend Kapiteln an, [von] jenem Lehrwerk, der unermesslich Weise, der Yoga-Lehrer, der große Asket.

Wort für Wort
adhyāyānāṃ sahasreṇa
mit tausend Kapiteln (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
kāvyaḥ saṃkṣepam abravīt
Kāvya sprach eine Kurzfassung (Nom.; Akk.Sg.; Impf. 3.Sg.)
tac chāstram amitaprajñaḥ
jenes Lehrwerk [betreffend]; der unermesslich Weise (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
yogācāryo mahātapāḥ
der Yoga-Lehrer, der große Asket (Nom.Sg.m.)

evaṃ lokānurodhena śāstram etan maharṣibhiḥ; saṃkṣiptam āyur vijñāya martyānāṃ hrāsi pāṇḍava

So wurde dieses Lehrwerk aus Rücksicht auf die Welt von den großen Sehern abgekürzt, da sie erkannten, dass die Lebensdauer der Sterblichen abnimmt, Pāṇḍava.

Wort für Wort
evaṃ lokānurodhena
so aus Rücksicht auf die Welt (Instr.Sg.)
śāstram etan maharṣibhiḥ
dieses Lehrwerk von den großen Sehern (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.)
saṃkṣiptam āyur vijñāya
abgekürzt, die Lebensdauer erkannt habend (Part.Pass.; Akk.Sg.; Abs.)
martyānāṃ hrāsi pāṇḍava
der Sterblichen abnehmend, o Pāṇḍava (Gen.Pl.; Akk.Sg.n.; Vok.)

atha devāḥ samāgamya viṣṇum ūcuḥ prajāpatim; eko yo 'rhati martyebhyaḥ śraiṣṭhyaṃ taṃ vai samādiśa

Da kamen die Götter zusammen und sprachen zu Viṣṇu, dem Prajāpati: „Weise denjenigen einen an, der unter den Sterblichen den Vorrang verdient.“

Wort für Wort
atha devāḥ samāgamya
da die Götter, zusammengekommen (Nom.Pl.; Abs.)
viṣṇum ūcuḥ prajāpatim
sprachen zu Viṣṇu, dem Prajāpati (Akk.Sg.; Perf. 3.Pl.)
eko yo 'rhati martyebhyaḥ
der eine, der [es] unter den Sterblichen verdient (Nom.Sg.; Präs. 3.Sg.; Abl.Pl.)
śraiṣṭhyaṃ taṃ vai samādiśa
den Vorrang, ebendiesen weise an (Akk.Sg.; Imp. 2.Sg.)

tataḥ saṃcintya bhagavān devo nārāyaṇaḥ prabhuḥ; taijasaṃ vai virajasaṃ so 'sṛjan mānasaṃ sutam

Darauf sann der erhabene Gott Nārāyaṇa, der Herr, nach und erschuf einen strahlenden, staubfreien, geistgeborenen Sohn.

Wort für Wort
tataḥ saṃcintya bhagavān
darauf nachgedacht habend, der Erhabene (Abs.; Nom.)
devo nārāyaṇaḥ prabhuḥ
der Gott Nārāyaṇa, der Herr (Nom.Sg.)
taijasaṃ vai virajasaṃ
einen strahlenden, staubfreien [Viraja] (Akk.Sg.m.)
so 'sṛjan mānasaṃ sutam
er erschuf einen geistgeborenen Sohn (Impf. 3.Sg.; Akk.Sg.)

virajās tu mahābhāga vibhutvaṃ bhuvi naicchata; nyāsāyaivābhavad buddhiḥ praṇītā tasya pāṇḍava

Viraja aber, Hochbeglückter, wollte nicht die Herrschaft auf Erden; seine Einsicht war auf Entsagung gerichtet, Pāṇḍava.

Wort für Wort
virajās tu mahābhāga
Viraja aber, Hochbeglückter (Nom.; Vok.)
vibhutvaṃ bhuvi naicchata
Herrschaft auf Erden wollte er nicht (Akk.Sg.; Lok.; Impf.Med. 3.Sg.)
nyāsāya eva abhavad buddhiḥ
zur Entsagung wurde [seine] Einsicht (Dat.Sg.; Impf. 3.Sg.)
praṇītā tasya pāṇḍava
gerichtet, seine, o Pāṇḍava (Nom.Sg.f.; Gen.; Vok.)

kīrtimāṃs tasya putro 'bhūt so 'pi pañcātigo 'bhavat; kardamas tasya ca sutaḥ so 'py atapyan mahat tapaḥ

Kīrtimat wurde sein Sohn; auch er wurde einer, der über die Fünf hinausging [?]. Kardama war dessen Sohn; auch er übte große Askese.

Wort für Wort
kīrtimāṃs tasya putro 'bhūt
Kīrtimat wurde sein Sohn (Nom.; Aorist 3.Sg.)
so 'pi pañcātigo 'bhavat
auch er wurde einer, der über die Fünf hinausgeht [?] (Nom.Sg.m.; Impf. 3.Sg.)
kardamas tasya ca sutaḥ
und dessen Sohn [war] Kardama (Nom.Sg.)
so 'py atapyan mahat tapaḥ
auch er übte große Askese (Impf.Med. 3.Sg.; Akk.Sg.n.)

pañcātiga unklar (evtl. ‚über die fünf Sinne/Elemente hinaus‘).

prajāpateḥ kardamasya anaṅgo nāma vai sutaḥ; prajānāṃ rakṣitā sādhur daṇḍanītiviśāradaḥ

Des Prajāpati Kardama Sohn war mit Namen Anaṅga, ein Beschützer der Geschöpfe, rechtschaffen, bewandert in der Politik der Strafgewalt.

Wort für Wort
prajāpateḥ kardamasya
des Prajāpati Kardama (Gen.Sg.)
anaṅgo nāma vai sutaḥ
Anaṅga mit Namen, ein Sohn (Nom.Sg.)
prajānāṃ rakṣitā sādhuḥ
Beschützer der Geschöpfe, rechtschaffen (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
daṇḍanītiviśāradaḥ
bewandert in der Daṇḍanīti (Nom.Sg.m., Tatpuruṣa)

anaṅgaputro 'tibalo nītimān adhigamya vai; abhipede mahīrājyam athendriyavaśo 'bhavat

Anaṅgas überaus starker, klugheitsbegabter Sohn [Atibala] erlangte die Herrschaft über die Erde; danach geriet er unter die Macht der Sinne.

Wort für Wort
anaṅgaputro 'tibalo
Anaṅgas Sohn, der überaus Starke (Nom.Sg.m.)
nītimān adhigamya vai
klugheitsbegabt, [sie] erlangt habend (Nom.Sg.m.; Abs.)
abhipede mahīrājyam
erlangte die Herrschaft über die Erde (Perf.Med. 3.Sg.; Akk.Sg.n.)
atha indriyavaśo 'bhavat
dann geriet er unter die Macht der Sinne (Impf. 3.Sg.)

prāpya nārīṃ mahābhāgāṃ rūpiṇīṃ kāmamohitaḥ; saubhāgyena ca saṃpannāṃ guṇaiś cānuttamāṃ satīm

Nachdem er eine hochbeglückte, schöngestaltige Frau erlangt hatte, von Verlangen betört, [eine,] die mit Liebreiz ausgestattet und an Vorzügen unübertroffen [war], eine Tugendhafte,

Wort für Wort
prāpya nārīṃ mahābhāgāṃ
erlangt habend eine hochbeglückte Frau (Abs.; Akk.Sg.f.)
rūpiṇīṃ kāmamohitaḥ
gestaltschön, von Verlangen betört (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
saubhāgyena ca saṃpannāṃ
und mit Glück ausgestattet (Instr.Sg.; Akk.Sg.f.)
guṇaiś cānuttamāṃ satīm
und an Vorzügen unübertroffen, eine Tugendhafte (Instr.Pl.; Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; grammatisch an den Kontext angelehnt, Anschluss unsicher.

mṛtyos tu duhitā rājan sunīthā nāma mānasī; prakhyātā triṣu lokeṣu yā sā venam ajījanat

Mṛtyus Tochter aber, o König, war die geistgeborene Sunīthā mit Namen, in den drei Welten berühmt, die den Vena gebar.

Wort für Wort
mṛtyos tu duhitā rājan
Mṛtyus Tochter aber, o König (Gen.Sg.; Nom.; Vok.)
sunīthā nāma mānasī
Sunīthā mit Namen, geistgeboren (Nom.Sg.f.)
prakhyātā triṣu lokeṣu
berühmt in den drei Welten (Nom.Sg.f.; Lok.Pl.)
yā sā venam ajījanat
die den Vena gebar (Nom.Sg.f.; Akk.; Aorist 3.Sg.)

taṃ prajāsu vidharmāṇaṃ rāgadveṣavaśānugam; mantrapūtaiḥ kuśair jaghnur ṛṣayo brahmavādinaḥ

Ihn, der bei den Geschöpfen wider das Dharma handelte und Zuneigung und Abneigung folgte, erschlugen die Seher, die Brahman-Redner, mit durch Mantras geweihten Kuśa-Halmen.

Wort für Wort
taṃ prajāsu vidharmāṇaṃ
ihn, der bei den Geschöpfen wider das Dharma handelte (Akk.Sg.; Lok.Pl.)
rāgadveṣavaśānugam
der der Macht von Zuneigung und Abneigung folgte (Akk.Sg.m.)
mantrapūtaiḥ kuśair jaghnuḥ
mit mantra-geweihten Kuśa-Halmen erschlugen (Instr.Pl.; Perf. 3.Pl.)
ṛṣayo brahmavādinaḥ
die Seher, die Brahman-Redner (Nom.Pl.)

mamanthur dakṣiṇaṃ corum ṛṣayas tasya mantrataḥ; tato 'sya vikṛto jajñe hrasvāṅgaḥ puruṣo bhuvi

Die Seher quirlten mit Mantras seinen rechten Schenkel; da wurde ihm ein missgestalteter Mann von kurzen Gliedern auf Erden geboren.

Wort für Wort
mamanthur dakṣiṇaṃ ca ūrum
sie quirlten den rechten Schenkel (Perf. 3.Pl.; Akk.Sg.)
ṛṣayas tasya mantrataḥ
die Seher, seinen, durch Mantras (Nom.Pl.; Gen.; Abl.-Adv.)
tato 'sya vikṛto jajñe
dann wurde ihm ein Missgestalteter geboren (Nom.Sg.m.; Perf.Med. 3.Sg.)
hrasvāṅgaḥ puruṣo bhuvi
kurzgliedrig, ein Mann, auf Erden (Nom.Sg.m.; Lok.)

dagdhasthāṇupratīkāśo raktākṣaḥ kṛṣṇamūrdhajaḥ; niṣīdety evam ūcus tam ṛṣayo brahmavādinaḥ

Einem verbrannten Baumstumpf gleichend, rotäugig, schwarzhaarig: „Setze dich nieder!“, so sprachen die Seher, die Brahman-Redner, zu ihm.

Wort für Wort
dagdhasthāṇupratīkāśaḥ
einem verbrannten Baumstumpf gleichend (Nom.Sg.m.)
raktākṣaḥ kṛṣṇamūrdhajaḥ
rotäugig, schwarzhaarig (Nom.Sg.m.)
niṣīda iti evam ūcuḥ
„Setze dich nieder!“, so sprachen sie (Imp. 2.Sg.; Perf. 3.Pl.)
tam ṛṣayo brahmavādinaḥ
zu ihm die Seher, die Brahman-Redner (Akk.; Nom.Pl.)

tasmān niṣādāḥ saṃbhūtāḥ krūrāḥ śailavanāśrayāḥ; ye cānye vindhyanilayā mlecchāḥ śatasahasraśaḥ

Von ihm entstanden die Niṣādas, grausam, in Bergen und Wäldern wohnend, und die anderen im Vindhya wohnenden Mlecchas zu Hunderttausenden.

Wort für Wort
tasmān niṣādāḥ saṃbhūtāḥ
von ihm entstanden die Niṣādas (Abl.; Nom.Pl.; Part.Pass.)
krūrāḥ śailavanāśrayāḥ
grausam, Berge und Wälder bewohnend (Nom.Pl.m.)
ye cānye vindhyanilayā
und die anderen, die im Vindhya wohnen (Nom.Pl.m.)
mlecchāḥ śatasahasraśaḥ
Mlecchas, zu Hunderttausenden (Nom.Pl.; Adv.)

bhūyo 'sya dakṣiṇaṃ pāṇiṃ mamanthus te maharṣayaḥ; tataḥ puruṣa utpanno rūpeṇendra ivāparaḥ

Wiederum quirlten jene großen Seher seine rechte Hand; da entstand ein Mann, an Gestalt wie ein zweiter Indra.

Wort für Wort
bhūyo 'sya dakṣiṇaṃ pāṇiṃ
wiederum seine rechte Hand (Adv.; Gen.; Akk.Sg.)
mamanthus te maharṣayaḥ
quirlten jene großen Seher (Perf. 3.Pl.; Nom.Pl.)
tataḥ puruṣa utpannaḥ
da entstand ein Mann (Nom.Sg.; Part.Pass.)
rūpeṇendra ivāparaḥ
an Gestalt wie ein zweiter Indra (Instr.Sg.; Nom.Sg.m.)

kavacī baddhanistriṃśaḥ saśaraḥ saśarāsanaḥ; vedavedāṅgavic caiva dhanurvede ca pāragaḥ

Gepanzert, das Schwert umgebunden, mit Pfeilen und Bogen [versehen], des Veda und der Vedāṅgas kundig und im Bogenwissen ein Meister.

Wort für Wort
kavacī baddhanistriṃśaḥ
gepanzert, das Schwert umgegürtet (Nom.Sg.m.)
saśaraḥ saśarāsanaḥ
mit Pfeilen, mit Bogen (Nom.Sg.m.)
vedavedāṅgavid ca eva
und Kenner des Veda und der Vedāṅgas (Nom.Sg.m.)
dhanurvede ca pāragaḥ
und im Bogenwissen ein Meister (Lok.Sg.; Nom.Sg.m.)

taṃ daṇḍanītiḥ sakalā śritā rājan narottamam; tataḥ sa prāñjalir vainyo maharṣīṃs tān uvāca ha

Ihn, o König, den Besten der Männer, suchte die gesamte Daṇḍanīti auf; da sprach Vainya mit gefalteten Händen zu jenen großen Sehern.

Wort für Wort
taṃ daṇḍanītiḥ sakalā
ihn die gesamte Daṇḍanīti (Akk.; Nom.Sg.f.)
śritā rājan narottamam
suchte auf, o König, den Besten der Männer (Part.Pass.; Vok.; Akk.Sg.)
tataḥ sa prāñjalir vainyaḥ
da jener Vainya, mit gefalteten Händen (Nom.Sg.m.)
maharṣīṃs tān uvāca ha
sprach zu jenen großen Sehern (Akk.Pl.; Perf. 3.Sg.)

susūkṣmā me samutpannā buddhir dharmārthadarśinī; anayā kiṃ mayā kāryaṃ tan me tattvena śaṃsata

„Sehr fein ist mir eine Einsicht entstanden, die Dharma und Artha erkennt; was soll ich damit tun? Das sagt mir der Wahrheit gemäß.“

Wort für Wort
susūkṣmā me samutpannā
sehr fein ist mir entstanden (Nom.Sg.f.; Dat./Gen.; Part.Pass.)
buddhir dharmārthadarśinī
eine Einsicht, Dharma und Artha erkennend (Nom.Sg.f.)
anayā kiṃ mayā kāryam
was ist von mir mit dieser zu tun (Instr.Sg.f.; Nom.Sg.n.; Gerundiv)
tan me tattvena śaṃsata
das sagt mir der Wahrheit gemäß (Akk.; Dat.; Instr.; Imp. 2.Pl.)

yan māṃ bhavanto vakṣyanti kāryam arthasamanvitam; tad ahaṃ vai kariṣyāmi nātra kāryā vicāraṇā

„Was immer ihr Ehrwürdigen mir als nutzbringende Aufgabe nennen werdet, das werde ich tun; darüber ist keine Erwägung anzustellen.“

Wort für Wort
yan māṃ bhavanto vakṣyanti
was ihr Ehrwürdigen mir sagen werdet (Nom.Pl.; Fut. 3.Pl.)
kāryam arthasamanvitam
als Aufgabe, nutzbringend (Akk.Sg.n.)
tad ahaṃ vai kariṣyāmi
das werde ich tun (Fut. 1.Sg.)
na atra kāryā vicāraṇā
hierüber ist keine Erwägung anzustellen (Nom.Sg.f.; Gerundiv)

tam ūcur atha devās te te caiva paramarṣayaḥ; niyato yatra dharmo vai tam aśaṅkaḥ samācara

Zu ihm sprachen darauf jene Götter und die höchsten Weisen: „Wo der Dharma festgesetzt ist, dem folge furchtlos.“

Wort für Wort
tam ūcur atha devās te
zu ihm sprachen darauf jene Götter (Perf. 3.Pl., Nom.Pl.)
te ca eva paramarṣayaḥ
und eben jene höchsten Weisen (Nom.Pl.)
niyato yatra dharmo vai
wo der Dharma festgesetzt ist (Part.Pass./Nom.Sg., betont)
tam aśaṅkaḥ samācara
dem folge/übe ihn furchtlos (Akk.Sg., Nom.Sg., Imp.2.Sg.)

priyāpriye parityajya samaḥ sarveṣu jantuṣu; kāmakrodhau ca lobhaṃ ca mānaṃ cotsṛjya dūrataḥ

„Lass Liebes und Unliebes fahren, sei gleichmütig gegen alle Wesen; Begierde, Zorn, Habgier und Hochmut wirf weit von dir.“

Wort für Wort
priyāpriye parityajya
Liebes und Unliebes aufgebend (Akk.Du., Abs.)
samaḥ sarveṣu jantuṣu
gleich gegenüber allen Geschöpfen (Nom.Sg., Lok.Pl.)
kāmakrodhau ca lobhaṃ ca
Begierde und Zorn und Habgier (Akk.Du., Akk.Sg.)
mānaṃ ca utsṛjya dūrataḥ
und Hochmut, nachdem du [sie] weit weg geworfen hast (Akk.Sg., Abs., Adv.)

yaś ca dharmāt pravicalel loke kaś cana mānavaḥ; nigrāhyas te sa bāhubhyāṃ śaśvad dharmam avekṣataḥ

„Und wer immer unter den Menschen in der Welt vom Dharma abweicht, den sollst du mit deinen Armen [zurück]halten und züchtigen, stets auf den Dharma blickend.“

Wort für Wort
yaś ca dharmāt pravicalet
und wer vom Dharma abweicht (Nom.Sg., Abl.Sg., Opt.3.Sg.)
loke kaś cana mānavaḥ
in der Welt irgendein Mensch (Lok.Sg., Nom.Sg.)
nigrāhyas te sa bāhubhyām
zu bezwingen ist er von dir mit den Armen (Gerundiv, Gen./Dat.Sg., Instr.Du.)
śaśvad dharmam avekṣataḥ
stets den Dharma beachtend (Adv., Akk.Sg., Part.Präs. Gen./Abl.Sg.)

pratijñāṃ cādhirohasva manasā karmaṇā girā; pālayiṣyāmy ahaṃ bhaumaṃ brahma ity eva cāsakṛt

„Und fasse den Vorsatz mit Geist, Tat und Wort: ‚Ich werde die Erde beschützen‘ – [und] „das Erd-Brahman“ [wiederholt aussprechend] [?].“

Wort für Wort
pratijñāṃ ca adhirohasva
und fasse den Vorsatz (Akk.Sg., Imp.Med.2.Sg.)
manasā karmaṇā girā
mit Geist, Tat, Wort (Instr.Sg.)
pālayiṣyāmy ahaṃ bhaumam
ich werde beschützen, [das Irdische] (1.Sg.Fut., Nom.Sg., Akk.Sg.)
brahma ity eva ca asakṛt
‚das Brahman‘ eben so, und wiederholt (Akk./Nom.Sg., Zitatpartikel, Adv.)

Der zweite Halbvers ist knapp und syntaktisch unsicher: bhaumaṃ brahma kann ‚die irdische Sphäre/das Brahman (Veda) der Erde‘ meinen; Wiedergabe unsicher.

yaś cātra dharmanīty ukto daṇḍanītivyapāśrayaḥ; tam aśaṅkaḥ kariṣyāmi svavaśo na kadā cana

„Und was hier als Dharma-Politik gilt, die auf der Strafgewalt beruht, die werde ich furchtlos handhaben, niemals nach eigenem Gutdünken.“

Wort für Wort
yaś ca atra dharmanīty uktaḥ
und was hier ‚Dharma-Politik‘ genannt wird (Nom.Sg., Lok.Adv., Part.Pass.)
daṇḍanītivyapāśrayaḥ
auf Strafgewalt-Politik beruhend (Nom.Sg., Kompositum)
tam aśaṅkaḥ kariṣyāmi
diese werde ich furchtlos ausüben (Akk.Sg., Nom.Sg., 1.Sg.Fut.)
svavaśo na kadā cana
eigenmächtig niemals (Nom.Sg., Neg., Adv.)

adaṇḍyā me dvijāś ceti pratijānīṣva cābhibho; lokaṃ ca saṃkarāt kṛtsnāt trātāsmīti paraṃtapa

„Und ‚Die Brahmanen sind von mir nicht zu strafen‘, das gelobe, o Machtvoller; und ‚Ich werde die ganze Welt vor Vermischung [der Stände] retten‘, [gelobe es], Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
adaṇḍyā me dvijāḥ ca iti
und unbestrafbar sind mir die Zweimalgeborenen, so (Nom.Pl., Gen./Dat.Sg.)
pratijānīṣva ca abhibho
gelobe es, und o Machtvoller (Imp.Med.2.Sg., Vok.)
lokaṃ ca saṃkarāt kṛtsnāt
und die Welt vor der ganzen Vermischung (Akk.Sg., Abl.Sg.)
trātā asmi iti paraṃtapa
‚ich bin der Retter‘, so, o Feindebezwinger (Nom.Sg., 1.Sg.Präs., Vok.)

vainyas tatas tān uvāca devān ṛṣipurogamān; brāhmaṇā me sahāyāś ced evam astu surarṣabhāḥ

Darauf sprach Vainya zu jenen Göttern, den Weisen voran: „Wenn die Brahmanen meine Helfer sind, so sei es, ihr Stiere unter den Göttern.“

Wort für Wort
vainyas tataḥ tān uvāca devān
Vainya sprach darauf zu jenen Göttern (Nom.Sg., Adv., Akk.Pl., Perf.3.Sg.)
ṛṣipurogamān
die die Weisen zu Anführern haben (Akk.Pl.)
brāhmaṇā me sahāyāḥ ced
wenn die Brahmanen meine Gefährten sind (Nom.Pl., Gen.Sg., Nom.Pl.)
evam astu surarṣabhāḥ
so sei es, ihr Stiere der Götter (Imp.3.Sg., Vok.Pl.)

evam astv iti vainyas tu tair ukto brahmavādibhiḥ; purodhāś cābhavat tasya śukro brahmamayo nidhiḥ

„So sei es“, [sagte] Vainya, [als] jene Brahman-Kundigen zu ihm gesprochen hatten; und Śukra, der Brahman-erfüllte Schatz [des Wissens], wurde sein Hauspriester.

Wort für Wort
evam astv iti vainyas tu
‚so sei es‘ (sagte) aber Vainya (Imp.3.Sg., Nom.Sg.)
tair ukto brahmavādibhiḥ
von ihnen angesprochen, den Brahman-Rednern (Instr.Pl., Part.Pass., Instr.Pl.)
purodhāḥ ca abhavat tasya
und Hauspriester wurde ihm (Nom.Sg., Impf.3.Sg., Gen.Sg.)
śukro brahmamayo nidhiḥ
Śukra, aus Brahman bestehend, ein Schatz (Nom.Sg.)

mantriṇo vālakhilyās tu sārasvatyo gaṇo hy abhūt; maharṣir bhagavān gargas tasya sāṃvatsaro 'bhavat

Seine Minister aber waren die Vālakhilyas; die Schar der Sārasvatas [gehörte dazu] [?]; und der göttliche große Weise Garga wurde sein Sterndeuter.

Wort für Wort
mantriṇo vālakhilyās tu
Minister [waren] aber die Vālakhilyas (Nom.Pl.)
sārasvatyo gaṇo hy abhūt
die Sārasvata-Schar fürwahr war da (Nom.Sg., Aor.3.Sg.)
maharṣir bhagavān gargas
der große Seher, der Erhabene, Garga (Nom.Sg.)
tasya sāṃvatsaro 'bhavat
wurde sein Jahreskundiger/Astrologe (Gen.Sg., Nom.Sg., Impf.3.Sg.)

sārasvatyo gaṇaḥ: Lesart unsicher, gaṇa als Schar der Sārasvata-Weisen gedeutet.

ātmanāṣṭama ity eva śrutir eṣā parā nṛṣu; utpannau bandinau cāsya tatpūrvau sūtamāgadhau

„Er selbst als Achter“: so lautet dieses höchste Zeugnis unter den Menschen. Auch entstanden ihm zwei Sänger, Sūta und Māgadha, [als seine] Vorläufer.

Wort für Wort
ātmanā aṣṭama iti eva
er selbst als Achter, eben so (Instr.Sg., Nom.Sg.)
śrutir eṣā parā nṛṣu
dies ist die höchste Überlieferung unter Menschen (Nom.Sg., Lok.Pl.)
utpannau bandinau ca asya
und entstanden zwei Lobsänger ihm (Nom.Du., Gen.Sg.)
tatpūrvau sūtamāgadhau
diesen [beiden] vorausgehend: Sūta und Māgadha (Nom.Du.)

tatpūrvau: Bezug unsicher (‚die ersten davon‘ oder ‚zuvor‘).

tayoḥ prīto dadau rājā pṛthur vainyaḥ pratāpavān; anūpadeśaṃ sūtāya magadhaṃ māgadhāya ca

Erfreut schenkte der Herrscher Pṛthu Vainya, der Glanzvolle, jenen beiden: dem Sūta das Anūpa-Land und dem Māgadha Magadha.

Wort für Wort
tayoḥ prīto dadau rājā
erfreut über die beiden gab der König (Gen./Lok.Du., Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
pṛthur vainyaḥ pratāpavān
Pṛthu Vainya, der Kraftvolle (Nom.Sg.)
anūpadeśaṃ sūtāya
das Anūpa-Gebiet dem Sūta (Akk.Sg., Dat.Sg.)
magadhaṃ māgadhāya ca
Magadha dem Māgadha (Akk.Sg., Dat.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

atrir mahātmā bhagavāṃs tasyāsīd vedakārakaḥ; nāradaś cetihāsādīni nityam eva samādadhat

Der große Atri, der Erhabene, wurde sein Veda-Ausführer [?]; und Nārada brachte ihm stets Itihāsa und Ähnliches zu Gehör.

Wort für Wort
atrir mahātmā bhagavāṃs
Atri, der Hochgesinnte, Erhabene (Nom.Sg.)
tasya āsīd vedakārakaḥ
war ihm Veda-Bewirker/-Kundiger (Gen.Sg., Impf.3.Sg., Nom.Sg.)
nāradaś ca itihāsādīni
und Nārada, Itihāsa und dergleichen (Nom.Sg., Akk.Pl.)
nityam eva samādadhat
stets eben dies beibringend/bereitend (Adv., Impf.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). vedakāraka und samādadhat sind in der Bedeutung unsicher.

samatāṃ vasudhāyāś ca sa samyag upapādayat; vaiṣamyaṃ hi paraṃ bhūmer āsīd iti ha naḥ śrutam

Und er stellte die Ebenheit der Erde vollkommen her; denn es ist uns überliefert, dass die Erde zuvor sehr uneben war.

Wort für Wort
samatāṃ vasudhāyāḥ ca
und die Ebenheit der Erde (Akk.Sg., Gen.Sg.)
sa samyag upapādayat
er brachte [sie] recht zustande (Nom.Sg., Adv., Kaus.Impf.3.Sg.)
vaiṣamyaṃ hi param bhūmer
denn die Unebenheit, groß, der Erde (Akk./Nom.Sg., Gen.Sg.)
āsīd iti ha naḥ śrutam
war es, so ist uns überliefert (Impf.3.Sg., Part.Pass.)

manvantareṣu sarveṣu viṣamā jāyate mahī; ujjahāra tato vainyaḥ śilājālān samantataḥ; dhanuṣkoṭyā mahārāja tena śailā vivardhitāḥ

In allen Manvantaras wird die Erde uneben; da riss Vainya ringsum die Felsmassen heraus; mit der Bogenspitze, großer König, wurden dadurch die Berge [wieder] aufgetürmt.

Wort für Wort
manvantareṣu sarveṣu
in allen Manvantaras (Lok.Pl.)
viṣamā jāyate mahī
uneben wird die Erde (Nom.Sg., Präs.Med.3.Sg.)
ujjahāra tato vainyaḥ
da riss Vainya heraus (Perf.3.Sg., Adv., Nom.Sg.)
śilājālān samantataḥ
Felsenmassen ringsum (Akk.Pl., Adv.)
dhanuṣkoṭyā mahārāja
mit der Bogenspitze, o Großkönig (Instr.Sg., Vok.)
tena śailā vivardhitāḥ
dadurch wurden die Berge aufgehäuft (Instr.Sg., Nom.Pl., Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; vivardhitāḥ kann auch ‚vermehrt/gewachsen‘ bedeuten.

sa viṣṇunā ca devena śakreṇa vibudhaiḥ saha; ṛṣibhiś ca prajāpālye brahmaṇā cābhiṣecitaḥ

Von Gott Viṣṇu und von Śakra samt den Göttern und von den Weisen wurde er zur Beschützung der Geschöpfe geweiht, [und] von Brahmā.

Wort für Wort
sa viṣṇunā ca devena
und er von Gott Viṣṇu (Instr.Sg.)
śakreṇa vibudhaiḥ saha
von Śakra mit den Göttern (Instr.Sg., Instr.Pl.)
ṛṣibhiś ca prajāpālye
und von den Weisen zum Schutz der Geschöpfe (Instr.Pl., Lok.Sg.)
brahmaṇā ca abhiṣecitaḥ
und von Brahmā geweiht (Instr.Sg., Part.Pass.)

taṃ sākṣāt pṛthivī bheje ratnāny ādāya pāṇḍava; sāgaraḥ saritāṃ bhartā himavāṃś cācalottamaḥ

Ihm selbst wandte sich die Erde zu, [und] brachte Juwelen mit, o Pāṇḍava; [ebenso] der Ozean, der Herr der Flüsse, und der Himavat, der Beste der Berge.

Wort für Wort
taṃ sākṣāt pṛthivī bheje
ihm persönlich schloss sich die Erde an (Akk.Sg., Adv., Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
ratnāny ādāya pāṇḍava
Juwelen nehmend, o Pāṇḍava (Akk.Pl., Abs., Vok.)
sāgaraḥ saritāṃ bhartā
der Ozean, der Herr der Flüsse (Nom.Sg., Gen.Pl.)
himavāṃś ca acalottamaḥ
und der Himavat, der beste der Berge (Nom.Sg.)

śakraś ca dhanam akṣayyaṃ prādāt tasya yudhiṣṭhira; rukmaṃ cāpi mahāmeruḥ svayaṃ kanakaparvataḥ

Śakra gab ihm unvergänglichen Reichtum, o Yudhiṣṭhira; und [auch] Gold gab der große Meru, der Goldberg selbst.

Wort für Wort
śakraś ca dhanam akṣayyam
und Śakra unvergänglichen Reichtum (Nom.Sg., Akk.Sg.)
prādāt tasya yudhiṣṭhira
gab ihm, o Yudhiṣṭhira (Aor.3.Sg., Gen.Sg., Vok.)
rukmaṃ ca api mahāmeruḥ
und auch Gold der große Meru (Akk.Sg., Nom.Sg.)
svayaṃ kanakaparvataḥ
selbst der Goldberg (Adv., Nom.Sg.)

yakṣarākṣasabhartā ca bhagavān naravāhanaḥ; dharme cārthe ca kāme ca samarthaṃ pradadau dhanam

Und der Herr der Yakṣas und Rākṣasas, der erhabene Naravāhana [Kubera], gab ihm Reichtum, der für Dharma, Nutzen und Lust ausreicht.

Wort für Wort
yakṣarākṣasabhartā ca
und der Herr der Yakṣas und Rākṣasas (Nom.Sg.)
bhagavān naravāhanaḥ
der Erhabene, der Menschen-Träger [Kubera] (Nom.Sg.)
dharme ca arthe ca kāme ca
für Dharma, Nutzen und Lust (Lok.Sg.)
samarthaṃ pradadau dhanam
ausreichenden Reichtum gab er (Akk.Sg., Perf.3.Sg.)

hayā rathāś ca nāgāś ca koṭiśaḥ puruṣās tathā; prādurbabhūvur vainyasya cintanād eva pāṇḍava; na jarā na ca durbhikṣaṃ nādhayo vyādhayas tathā

Pferde, Wagen und Elefanten sowie Menschen [erschienen] zu Millionen; sie traten für Vainya hervor, o Pāṇḍava, allein durch [sein] Denken; weder Alter noch Hungersnot, weder Kummer noch Krankheiten [gab es].

Wort für Wort
hayā rathāś ca nāgāś ca
Pferde, Wagen, Elefanten (Nom.Pl.)
koṭiśaḥ puruṣās tathā
zu Millionen, ebenso Männer (Adv., Nom.Pl.)
prādurbabhūvur vainyasya
traten hervor für Vainya (Perf.3.Pl., Gen.Sg.)
cintanād eva pāṇḍava
schon durch das Denken, o Pāṇḍava (Abl.Sg., Vok.)
na jarā na ca durbhikṣam
nicht Alter, nicht Hungersnot (Nom.Sg.)
nādhayo vyādhayas tathā
nicht Sorgen, ebenso Krankheiten (Nom.Pl.)

sarīsṛpebhyaḥ stenebhyo na cānyonyāt kadā cana; bhayam utpadyate tatra tasya rājño 'bhirakṣaṇāt

Weder von Reptilien noch von Dieben noch jemals voneinander entstand dort Furcht, dank des Schutzes jenes Königs.

Wort für Wort
sarīsṛpebhyaḥ stenebhyaḥ
vor Kriechtieren, vor Dieben (Abl.Pl.)
na ca anyonyāt kadā cana
noch voneinander jemals (Abl.Sg., Adv.)
bhayam utpadyate tatra
Furcht entsteht dort (Nom.Sg., Präs.3.Sg., Adv.)
tasya rājño 'bhirakṣaṇāt
wegen des Schutzes jenes Königs (Gen.Sg., Abl.Sg.)

āpas tastambhire cāsya samudram abhiyāsyataḥ; parvatāś ca dadur mārgaṃ dhvajabhaṅgaś ca nābhavat

Als er zum Ozean zog, standen ihm die Wasser still; die Berge gaben den Weg frei, und sein Banner wurde nicht zerbrochen.

Wort für Wort
āpas tastambhire ca asya
und die Wasser standen still für ihn (Nom.Pl., Perf.Med.3.Pl., Gen.Sg.)
samudram abhiyāsyataḥ
als er zum Ozean ziehen wollte (Akk.Sg., Part.Fut. Gen.Sg.)
parvatāś ca dadur mārgam
und die Berge gaben den Weg (Nom.Pl., Perf.3.Pl., Akk.Sg.)
dhvajabhaṅgaś ca na abhavat
und Bannerbruch gab es nicht (Nom.Sg., Neg., Impf.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

teneyaṃ pṛthivī dugdhā sasyāni daśa sapta ca; yakṣarākṣasanāgaiś cāpīpsitaṃ yasya yasya yat

Von ihm wurde diese Erde gemolken, [sie gab] siebzehn Getreidearten; und von den Yakṣas, Rākṣasas und Nāgas [wurde sie gemolken], was immer ein jeder begehrte.

Wort für Wort
tena iyaṃ pṛthivī dugdhā
von ihm wurde diese Erde gemolken (Instr.Sg., Nom.Sg., Part.Pass.)
sasyāni daśa sapta ca
Getreidearten, zehn und sieben (Nom.Pl.)
yakṣarākṣasanāgaiś ca
und von Yakṣas, Rākṣasas, Nāgas (Instr.Pl.)
īpsitaṃ yasya yasya yat
das Gewünschte, was jeder wünschte (Part.Pass., Gen.Sg., Nom./Akk.Sg.)

tena dharmottaraś cāyaṃ kṛto loko mahātmanā; rañjitāś ca prajāḥ sarvās tena rājeti śabdyate

Von ihm, dem Hochgesinnten, wurde diese Welt zu einer gemacht, in der der Dharma überwiegt; und alle Untertanen wurden von ihm erfreut, daher wird er ‚Rājan‘ genannt.

Wort für Wort
tena dharmottaraḥ ca ayaṃ
von ihm wurde diese [Welt] dharma-reich, und (Instr.Sg., Nom.Sg.)
kṛto loko mahātmanā
gemacht die Welt vom Hochgesinnten (Part.Pass., Nom.Sg., Instr.Sg.)
rañjitāś ca prajāḥ sarvāḥ
und erfreut alle Geschöpfe (Part.Pass. Nom.Pl.)
tena rājā iti śabdyate
durch ihn ‚König‘, so wird [er] genannt (Instr.Sg., Nom.Sg., Pass.3.Sg.)

brāhmaṇānāṃ kṣatatrāṇāt tataḥ kṣatriya ucyate; prathitā dhanataś ceyaṃ pṛthivī sādhubhiḥ smṛtā

Weil er die Brahmanen vor Verletzung rettete, heißt er darauf ‚Kṣatriya‘; und wegen [seines] Reichtums gilt diese Erde bei den Guten als ‚Pṛthivī‘. [?]

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ kṣatatrāṇāt
der Brahmanen wegen Rettung vor Verletzung (Gen.Pl., Abl.Sg.)
tataḥ kṣatriya ucyate
daher wird er Kṣatriya genannt (Adv., Nom.Sg., Pass.3.Sg.)
prathitā dhanataś ca iyam
und ausgebreitet/berühmt durch Reichtum diese (Part.Pass., Adv.)
pṛthivī sādhubhiḥ smṛtā
Pṛthivī, von den Guten so bezeichnet (Nom.Sg., Instr.Pl., Part.Pass.)

Zweiter Halbvers unsicher: dhanataḥ ‚durch Reichtum‘ ist ungewöhnlich; vermutlich Etymologie Pṛthivī von prathita (‚ausgedehnt‘).

sthāpanaṃ cākarod viṣṇuḥ svayam eva sanātanaḥ; nātivartiṣyate kaś cid rājaṃs tvām iti pārthiva

Und Viṣṇu selbst, der Ewige, setzte eine Ordnung ein: „Kein Herrscher wird dich übertreten, o König.“

Wort für Wort
sthāpanaṃ ca akarod viṣṇuḥ
und eine Einsetzung/Ordnung machte Viṣṇu (Akk.Sg., Impf.3.Sg., Nom.Sg.)
svayam eva sanātanaḥ
selbst, der Ewige (Adv., Nom.Sg.)
na ativartiṣyate kaś cid
es wird nicht übertreten irgendjemand (Fut.Med.3.Sg.)
rājaṃs tvām iti pārthiva
o König, dich, so, o Fürst (Vok., Akk.Sg.)

tapasā bhagavān viṣṇur āviveśa ca bhūmipam; devavan naradevānāṃ namate yaj jagan nṛpa

Und der erhabene Viṣṇu trat durch Askese in den Erdherrscher ein; daher verneigt sich die Welt, o König, vor den Menschengöttern wie vor Göttern.

Wort für Wort
tapasā bhagavān viṣṇur
durch Askese der erhabene Viṣṇu (Instr.Sg., Nom.Sg.)
āviveśa ca bhūmipam
und trat ein in den Erdenherrn (Perf.3.Sg., Akk.Sg.)
devavan naradevānām
wie Göttern den Menschengöttern (Adv., Gen.Pl.)
namate yaj jagan nṛpa
weil sich die Welt verneigt, o König (Präs.Med.3.Sg., Nom.Sg., Vok.)

daṇḍanītyā ca satataṃ rakṣitaṃ taṃ nareśvara; nādharṣayat tataḥ kaś cic cāranityāc ca darśanāt

Da er stets durch Strafgewalt-Politik geschützt wurde, o Herr der Menschen, wagte niemand, ihn anzugreifen, wegen [seiner] Spähertätigkeit und des Anblicks [seiner Aufsicht].

Wort für Wort
daṇḍanītyā ca satatam
und durch die Strafgewalt-Politik stets (Instr.Sg., Adv.)
rakṣitaṃ taṃ nareśvara
ihn Beschützten, o Herr der Menschen (Part.Pass. Akk.Sg., Vok.)
na adharṣayat tataḥ kaś cic
nicht griff an daher irgendjemand (Impf.3.Sg.)
cāranityāt ca darśanāt
wegen ständiger Späher und wegen des Sehens (Abl.Sg.)

Zweiter Halbvers unsicher (cāranityāt, darśanāt).

ātmanā karaṇaiś caiva samasyeha mahīkṣitaḥ; ko hetur yad vaśe tiṣṭhel loko daivād ṛte guṇāt

Was ist der Grund, dass die Welt unter der Herrschaft [eines Einzelnen] bleibt, der der Gestalt nach mit sich selbst und mit den Sinnen dem [Menschen] gleich ist, außer [durch] eine göttliche Fügung [oder] Vorzüglichkeit? [?]

Wort für Wort
ātmanā karaṇaiś ca eva
durch Selbst und Werkzeuge/Organe eben (Instr.Sg., Instr.Pl.)
samasya iha mahīkṣitaḥ
dem gleichen hier, dem Erdherrscher (Gen.Sg.)
ko hetur yad vaśe tiṣṭhel
was ist der Grund, dass in der Gewalt sie stünde (Nom.Sg., Opt.3.Sg.)
loko daivād ṛte guṇāt
die Welt, außer durch Göttliches, durch Vorzug (Nom.Sg., Abl.Sg.)

Syntax des ersten Halbverses unsicher.

viṣṇor lalāṭāt kamalaṃ sauvarṇam abhavat tadā; śrīḥ saṃbhūtā yato devī patnī dharmasya dhīmataḥ

Damals entstand aus Viṣṇus Stirn eine goldene Lotusblume, aus der die Göttin Śrī hervorging, die Gattin des weisen Dharma.

Wort für Wort
viṣṇor lalāṭāt kamalam
aus Viṣṇus Stirn ein Lotus (Gen.Sg., Abl.Sg., Nom.Sg.)
sauvarṇam abhavat tadā
golden entstand damals (Nom.Sg., Impf.3.Sg., Adv.)
śrīḥ saṃbhūtā yato devī
Śrī entstand, woher die Göttin (Nom.Sg., Part.Pass., Nom.Sg.)
patnī dharmasya dhīmataḥ
Gattin des weisen Dharma (Nom.Sg., Gen.Sg.)

śriyaḥ sakāśād arthaś ca jāto dharmeṇa pāṇḍava; atha dharmas tathaivārthaḥ śrīś ca rājye pratiṣṭhitā

Von Śrī aus entstand durch den Dharma der Nutzen (Artha), o Pāṇḍava; und so sind Dharma, Artha und Śrī im Königtum gegründet.

Wort für Wort
śriyaḥ sakāśād arthaś ca
aus der Nähe Śrīs und Artha (Gen.Sg., Abl.Sg.)
jāto dharmeṇa pāṇḍava
entstanden durch Dharma, o Pāṇḍava (Part.Pass., Instr.Sg., Vok.)
atha dharmas tathā eva arthaḥ
und so Dharma ebenso Artha (Nom.Sg.)
śrīś ca rājye pratiṣṭhitā
und Śrī im Königtum gegründet (Nom.Sg., Lok.Sg., Part.Pass.)

sukṛtasya kṣayāc caiva svarlokād etya medinīm; pārthivo jāyate tāta daṇḍanītivaśānugaḥ

Und durch das Schwinden seiner guten Werke kommt er aus der Himmelswelt zur Erde und wird als Herrscher geboren, mein Lieber, der Strafgewalt-Politik ergeben.

Wort für Wort
sukṛtasya kṣayāt ca
und wegen des Schwindens des guten Werkes (Gen.Sg., Abl.Sg.)
svarlokād etya medinīm
aus der Himmelswelt kommend zur Erde (Abl.Sg., Abs., Akk.Sg.)
pārthivo jāyate tāta
als König wird er geboren, Lieber (Nom.Sg., Präs.Med.3.Sg., Vok.)
daṇḍanītivaśānugaḥ
der Strafgewalt-Politik folgend (Nom.Sg.)

mahattvena ca saṃyukto vaiṣṇavena naro bhuvi; buddhyā bhavati saṃyukto māhātmyaṃ cādhigacchati

Ein Mensch auf Erden wird mit der Größe Viṣṇus verbunden; er wird mit Einsicht verbunden und erlangt Erhabenheit.

Wort für Wort
mahattvena ca saṃyukto
und mit Größe verbunden (Instr.Sg., Part.Pass.)
vaiṣṇavena naro bhuvi
viṣṇuhaft, ein Mann auf Erden (Instr.Sg., Nom.Sg., Lok.Sg.)
buddhyā bhavati saṃyukto
mit Verstand wird er verbunden (Instr.Sg., Präs.3.Sg.)
māhātmyaṃ ca adhigacchati
und erlangt Erhabenheit (Akk.Sg., Präs.3.Sg.)

sthāpanām atha devānāṃ na kaś cid ativartate; tiṣṭhaty ekasya ca vaśe taṃ ced anuvidhīyate

Die Ordnung der Götter übertritt niemand; [die Welt] steht unter der Gewalt eines Einzigen, wenn man ihm folgt. [?]

Wort für Wort
sthāpanām atha devānām
die Einsetzung der Götter (Akk.Sg., Gen.Pl.)
na kaś cid ativartate
niemand übertritt (Präs.3.Sg.)
tiṣṭhaty ekasya ca vaśe
und sie steht in der Gewalt eines Einzigen (Präs.3.Sg., Lok.Sg.)
taṃ ced anuvidhīyate
wenn ihm gefolgt wird (Akk.Sg., Pass.3.Sg.)

Syntax knapp; Ergänzung des Subjekts unsicher.

śubhaṃ hi karma rājendra śubhatvāyopakalpate; tulyasyaikasya yasyāyaṃ loko vacasi tiṣṭhati

Ein gutes Werk, o König der Könige, dient dem Gutsein; wessen Wort diese eine Welt, dem Gleichen, gehorcht, [der ist ein solcher Herrscher]. [?]

Wort für Wort
śubhaṃ hi karma rājendra
denn gute Tat, o Herr der Könige (Nom.Sg., Vok.)
śubhatvāya upakalpate
dient zur Güte (Dat.Sg., Präs.Med.3.Sg.)
tulyasya ekasya yasya ayaṃ
dem Gleichen, dem Einen, dessen diese (Gen.Sg.)
loko vacasi tiṣṭhati
Welt im Wort steht (Nom.Sg., Lok.Sg., Präs.3.Sg.)

Verderbter/verkürzter Vers, Sinn unsicher.

yo hy asya mukham adrākṣīt somya so 'sya vaśānugaḥ; subhagaṃ cārthavantaṃ ca rūpavantaṃ ca paśyati

Wer nämlich sein Gesicht erblickt hat, mein Lieber, der wird ihm untertan; er sieht [sich selbst] glücklich, begütert und schön.

Wort für Wort
yo hi asya mukham adrākṣīt
wer nämlich sein Gesicht sah (Nom.Sg., Gen.Sg., Akk.Sg., Aor.3.Sg.)
somya so 'sya vaśānugaḥ
o Lieber, der ist ihm untertan (Vok., Nom.Sg.)
subhagaṃ ca arthavantaṃ ca
glücklich und wohlhabend (Akk.Sg.)
rūpavantaṃ ca paśyati
und schön sieht er [sich] (Akk.Sg., Präs.3.Sg.)

Objekt von paśyati unsicher (sich selbst oder die Welt).

tato jagati rājendra satataṃ śabditaṃ budhaiḥ; devāś ca naradevāś ca tulyā iti viśāṃ pate

Daher, o Herr der Könige, wird in der Welt von den Weisen stets gesagt: „Götter und Menschengötter sind gleich“, o Herr der Untertanen.

Wort für Wort
tato jagati rājendra
daher in der Welt, o Herr der Könige (Adv., Lok.Sg., Vok.)
satatam śabditaṃ budhaiḥ
stets ausgesprochen von den Weisen (Adv., Part.Pass., Instr.Pl.)
devāś ca naradevāś ca
Götter und Menschengötter (Nom.Pl.)
tulyā iti viśāṃ pate
gleich, so, o Herr der Leute (Nom.Pl., Vok.)

etat te sarvam ākhyātaṃ mahattvaṃ prati rājasu; kārtsnyena bharataśreṣṭha kim anyad iha vartatām

Dies alles ist dir über die Größe [der Herrscher] unter den Königen erzählt worden, o Bester der Bharatas, vollständig; was soll hier noch weiter erörtert werden?

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātam
dies alles ist dir erzählt (Nom.Sg., Dat./Gen.Sg., Part.Pass.)
mahattvaṃ prati rājasu
über die Größe bei den Königen (Akk.Sg., Postp., Lok.Pl.)
kārtsnyena bharataśreṣṭha
vollständig, o Bester der Bharatas (Instr.Sg., Vok.)
kim anyad iha vartatām
was anderes soll hier vorkommen (Nom.Sg., Imp.Med.3.Sg.)

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