Kapitel 59: rājyotpattiḥ daṇḍanītyavatāraś ca
Die Entstehung des Königtums und Brahmās Lehrwerk der Staatskunst
Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie ein einzelner Mensch über seinesgleichen herrschen könne, erzählt Bhīṣma vom Verfall des Dharma im Urzustand, von Brahmās Lehrwerk der Politik (Daṇḍanīti), seinen Kurzfassungen und vom ersten Herrscher Pṛthu Vainya.
Vaiśaṃpāyana sprach: Danach, früh am Morgen aufgestanden und nach Vollzug der Verrichtungen des Vormittags [Morgenriten], fuhren jene Pāṇḍavas und Yādavas in Wagen, die Städten glichen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
tataḥ kālyaṃ samutthāya
danach, früh am Morgen aufgestanden (Abl.-Adv./Adv./Ger.)
kṛtapaurvāhṇikakriyāḥ
die die Vormittagsverrichtungen vollzogen hatten (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
prapadya ca kurukṣetraṃ bhīṣmam āsādya cānagham; sukhāṃ ca rajanīṃ pṛṣṭvā gāṅgeyaṃ rathināṃ varam
Sie gelangten nach Kurukṣetra, traten zu dem makellosen Bhīṣma und erkundigten sich bei Gāṅgeya, dem besten der Wagenkämpfer, ob die Nacht angenehm [gewesen sei].
Wort für Wort
prapadya ca kurukṣetram
und nachdem sie [nach] Kurukṣetra gelangt waren (Ger./Akk.)
bhīṣmam āsādya ca
und zu Bhīṣma herangetreten (Ger./Akk.)
anagham
den Makellosen (Akk.Sg.)
sukhāṃ ca rajanīṃ pṛṣṭvā
und nach der angenehmen Nacht gefragt habend (Akk.Sg.f./Ger.)
Nachdem sie Vyāsa und die anderen Seher begrüßt hatten und von ihnen allen willkommen geheißen worden waren, setzten sie sich ringsum um Bhīṣma und umgaben ihn von allen Seiten.
Wort für Wort
vyāsādīn abhivādya ṛṣīn
die Seher, Vyāsa und die übrigen, begrüßt habend (Akk.Pl./Ger.)
sarvais taiś ca abhinanditāḥ
und von allen diesen willkommen geheißen (Instr.Pl./Part.Pass. Nom.Pl.)
tulyapāṇiśirogrīvas tulyabuddhīndriyātmakaḥ; tulyaduḥkhasukhātmā ca tulyapṛṣṭhabhujodaraḥ
[Er ist] mit gleichen Händen, Kopf und Nacken, mit gleichem Verstand, gleichen Sinnen und gleichem Selbst, gleich in Leid und Glück, mit gleichem Rücken, gleichen Armen und gleichem Bauch,
Wort für Wort
tulyapāṇiśirogrīvaḥ
mit gleichen Händen, Kopf und Nacken (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
tulyabuddhīndriyātmakaḥ
mit gleichem Verstand, gleichen Sinnen und gleichem Wesen (Bahuvrīhi)
tulyaduḥkhasukhātmā ca
und gleich in Leid und Glück veranlagt (Bahuvrīhi)
tulyapṛṣṭhabhujodaraḥ
mit gleichem Rücken, gleichen Armen und Bauch (Bahuvrīhi)
Subjekt ist der König als Mensch; der Satz setzt sich in 7–8 fort.
tulyaśukrāsthimajjaś ca tulyamāṃsāsṛg eva ca; niḥśvāsocchvāsatulyaś ca tulyaprāṇaśarīravān
mit gleichem Samen, gleichen Knochen und gleichem Mark, mit gleichem Fleisch und Blut, gleich im Aus- und Einatmen, mit gleichem Lebenshauch und gleichem Körper,
katham eko mahīṃ kṛtsnāṃ vīraśūrāryasaṃkulām; rakṣaty api ca loko 'sya prasādam abhivāñchati
Wie schützt ein Einziger die ganze Erde, die voll ist von Helden, Tapferen und Ehrwürdigen, und [wie kommt es], dass die Welt dennoch seine Gunst erstrebt?
Wort für Wort
katham ekaḥ
wie einer allein
mahīṃ kṛtsnām
die ganze Erde (Akk.Sg.f.)
vīraśūrāryasaṃkulām
voll von Helden, Tapferen und Ārya (Tatpuruṣa, Akk.Sg.f.)
te mohavaśam āpannā mānavā manujarṣabha; pratipattivimohāc ca dharmas teṣām anīnaśat
Diese Menschen, in die Gewalt der Verwirrung geraten, Stier unter den Männern – und durch die Verwirrung des Urteilsvermögens ging ihr Dharma zugrunde.
Wort für Wort
te mohavaśam āpannāḥ
diese, in die Gewalt der Verwirrung geraten (Part.Pass. Nom.Pl.)
mānavā manujarṣabha
die Menschen, Stier unter den Männern (Nom.Pl./Vok.)
Als aber das Urteilsvermögen verloren war, gerieten die Menschen damals, unter der Herrschaft der Verwirrung, alle in die Gewalt der Gier, Bester der Bhāratas.
Wort für Wort
naṣṭāyāṃ pratipattau tu
als aber die Einsicht verloren war (Lok. abs.)
mohavaśyā narās tadā
die der Verwirrung unterworfenen Menschen damals (Nom.Pl.)
tāṃs tu kāmavaśaṃ prāptān rāgo nāma samaspṛśat; raktāś ca nābhyajānanta kāryākāryaṃ yudhiṣṭhira
Die aber, die in die Gewalt der Begierde geraten waren, ergriff eine Leidenschaft namens Rāga; und leidenschaftlich erkannten sie nicht [mehr] Zu-Tuendes und Nicht-zu-Tuendes, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
tāṃs tu kāmavaśaṃ prāptān
diese aber, die in die Gewalt der Begierde gelangt waren (Akk.Pl.)
rāgo nāma samaspṛśat
eine Leidenschaft namens Rāga berührte/ergriff (Impf.3.Sg.)
agamyāgamanaṃ caiva vācyāvācyaṃ tathaiva ca; bhakṣyābhakṣyaṃ ca rājendra doṣādoṣaṃ ca nātyajan
Umgang mit Unzugänglichem [Verbotenem], Sagbares und Unsagbares, Essbares und Nichtessbares, o Fürst der Könige, Fehler und Nichtfehler – nichts davon ließen sie.
Wort für Wort
agamyāgamanaṃ ca eva
und Verkehr mit Unerlaubtem (Akk.)
vācyāvācyaṃ tathā eva ca
und ebenso Sagbares und Unsagbares (Dvandva)
bhakṣyābhakṣyaṃ ca
und Essbares und Nichtessbares
rājendra
o Fürst der Könige (Vok.)
doṣādoṣaṃ ca
und Fehler und Nichtfehler
na atyajan
ließen nicht ab (Impf.3.Pl.)
nātyajan: sie gaben [die Übertretungen] nicht auf, d. h. hielten die Unterscheidung nicht ein.
viplute naraloke 'smiṃs tato brahma nanāśa ha; nāśāc ca brahmaṇo rājan dharmo nāśam athāgamat
Als in dieser Menschenwelt Aufruhr herrschte, ging da fürwahr das Brahman [der Veda] zugrunde; und mit dem Untergang des Brahman, König, kam auch der Dharma zum Untergang.
Wort für Wort
viplute naraloke asmin
als in dieser Menschenwelt Aufruhr war (Lok. abs.)
brahmaṇaś ca praṇāśena dharmo 'py anaśad īśvara; tataḥ sma samatāṃ yātā martyais tribhuvaneśvara
Und mit dem Untergang des Brahman ist auch der Dharma zugrunde gegangen, Herr; dadurch sind wir den Sterblichen gleichgestellt worden, o Herr der drei Welten.
Wort für Wort
brahmaṇaś ca praṇāśena
und durch den Untergang des Brahman (Instr.Sg.)
dharmo api anaśat īśvara
auch der Dharma ging unter, o Herr (Impf.3.Sg./Vok.)
tataḥ sma samatāṃ yātā
daher sind wir zur Gleichheit gelangt (Part.Pass. Nom.Pl.)
adho hi varṣam asmākaṃ martyās tūrdhvapravarṣiṇaḥ; kriyāvyuparamāt teṣāṃ tato 'gacchāma saṃśayam
Denn unser Regen fällt abwärts, die Sterblichen aber lassen nach oben regnen; durch das Aufhören ihrer [Opfer-]Handlung sind wir daher in Zweifel [Gefahr] geraten.
Wort für Wort
adho hi varṣam asmākam
unten [fällt] ja unser Regen (Adv./Nom./Gen.Pl.)
martyās tu ūrdhvapravarṣiṇaḥ
die Sterblichen aber regnen aufwärts (Nom.Pl.)
kriyāvyuparamāt teṣām
wegen des Aufhörens der Handlung bei ihnen (Abl.Sg./Gen.Pl.)
tato agacchāma saṃśayam
daher gerieten wir in Zweifel (Impf.1.Pl./Akk.)
Gemeint ist wohl: Götter senden Segen herab, Menschen senden Opfergaben empor; mit dem Ende der Opfer ist der Kreislauf gestört. saṃśaya: Zweifel/Gefährdung [?].
Zu allen diesen Göttern sprach da der selbstentstandene Erhabene: „Über das Heil werde ich nachdenken; eure Furcht weiche, ihr Stiere unter den Göttern.“
Wort für Wort
tān uvāca surān sarvān
zu diesen allen Göttern sprach er (Perf.3.Sg.)
svayaṃbhūr bhagavāṃs tataḥ
der Selbstentstandene, der Erhabene, dann (Nom.Sg.)
Auch für Mokṣa wurde ein anderer Dreiklang genannt: Sattva, Rajas, Tamas; Bestand, Wachstum und Schwund – und [ferner] der aus dem Stock [der Strafgewalt] geborene Dreiklang.
Wort für Wort
mokṣasya api trivargo anyaḥ
auch für Mokṣa ein anderer Dreiklang (Gen./Nom.Sg.)
proktaḥ
wurde genannt (Part.Pass.)
sattvaṃ rajas tamaḥ
Sattva, Rajas, Tamas (Nom.)
sthānaṃ vṛddhiḥ kṣayaś ca eva
Bestand, Wachstum und Schwund (Nom.)
trivargaś ca daṇḍajaḥ
und der aus dem Stock geborene Dreiklang (Nom.Sg.)
Der Sinn der Aufzählung ist nicht ganz eindeutig; „daṇḍajaḥ trivargaḥ“ ist wohl ein weiterer, aus der Strafgewalt hervorgehender Dreiklang [?].
trayī cānvīkṣikī caiva vārtā ca bharatarṣabha; daṇḍanītiś ca vipulā vidyās tatra nidarśitāḥ
Die dreifache [Veda-]Lehre, die Ānvīkṣikī [Logik/Philosophie] und die Vārtā [Wirtschaftslehre], Stier der Bharatas, und die umfassende Lehre von der Strafgewalt: Diese Wissenszweige wurden dort dargelegt.
Wort für Wort
trayī ca ānvīkṣikī ca eva
die Dreifache [Lehre] und die Ānvīkṣikī (Nom.Sg.f.)
vārtā ca
und die Vārtā (Nom.Sg.f.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)
daṇḍanītiś ca vipulā
und die umfangreiche Daṇḍanīti (Nom.Sg.f.)
vidyās tatra nidarśitāḥ
die Wissenszweige wurden dort gezeigt (Part.Pass. Nom.Pl.)
amātyarakṣāpraṇidhī rājaputrasya rakṣaṇam; cāraś ca vividhopāyaḥ praṇidhiś ca pṛthagvidhaḥ
Der Schutz der Minister und der Einsatz von Spähern, der Schutz des Königssohnes, Kundschafter mit vielfältigen Mitteln und Spähwesen verschiedener Art.
Wort für Wort
amātyarakṣāpraṇidhī
Schutz der Minister und Einsatz von Spähern (Dvandva, Nom.Du.)
rājaputrasya rakṣaṇam
der Schutz des Königssohnes (Gen./Nom.Sg.)
cāraś ca vividhopāyaḥ
und der Kundschafter mit vielerlei Mitteln (Nom.Sg.)
mantraś ca varṇitaḥ kṛtsnas tathā bhedārtha eva ca; vibhraṃśaś caiva mantrasya siddhyasiddhyoś ca yat phalam
Auch die Beratung wurde ganz beschrieben, ebenso der Zweck der Entzweiung, das Scheitern der Beratung und was die Frucht von Gelingen und Misslingen ist.
Wort für Wort
mantraś ca varṇitaḥ kṛtsnaḥ
und die Beratung wurde ganz beschrieben (Part.Pass.)
tathā bhedārtha eva ca
und ebenso der Zweck der Entzweiung (Nom.Sg.)
vibhraṃśaś ca eva mantrasya
und das Scheitern der Beratung (Nom./Gen.Sg.)
siddhyasiddhyoś ca yat phalam
und was die Frucht von Gelingen und Misslingen ist (Gen.Du./Nom.Sg.)
yātrākālāś ca catvāras trivargasya ca vistaraḥ; vijayo dharmayuktaś ca tathārthavijayaś ca ha
Und die vier Zeiten des Feldzugs und die Ausführung des Dreiklangs; der Sieg, der mit Dharma verbunden ist, und ebenso der Sieg um des Vorteils willen –
Wort für Wort
yātrākālāś ca catvāraḥ
und die vier Zeiten des Feldzugs (Nom.Pl.)
trivargasya ca vistaraḥ
und die Ausführung des Dreiklangs (Gen./Nom.Sg.)
vijayo dharmayuktaḥ ca
und der dharmagemäße Sieg (Nom.Sg.)
tathā arthavijayaḥ ca ha
und ebenso der Sieg um Gewinn (Nom.Sg.)
Der Satz setzt sich in 39 fort (āsuraś ca vijayaḥ).
prakāśaś cāprakāśaś ca daṇḍo 'tha pariśabditaḥ; prakāśo 'ṣṭavidhas tatra guhyas tu bahuvistaraḥ
Offen und nicht offen wurde sodann die Strafgewalt (das Zwangsmittel) benannt; das Offene ist dort achtfach, das Verborgene aber von vielfacher Ausdehnung.
Wort für Wort
prakāśaḥ ca aprakāśaḥ ca
offen und nicht offen (Nom.Sg.m.)
daṇḍaḥ atha pariśabditaḥ
die Strafgewalt, sodann benannt (Nom.Sg.m./Part.Pass.)
prakāśaḥ aṣṭavidhaḥ tatra
das Offene achtfach, dort (Nom./Lok.-Adv.)
guhyaḥ tu bahuvistaraḥ
das Verborgene aber von vielfacher Ausdehnung (Nom.Sg.m.)
daṇḍa hier als Zwangsmittel/Heeresgewalt; die Achtheit wird in 041 aufgezählt.
Was mit Vertrauensseligkeit verbunden ist, im Kampf, der mit Spiel beginnt, beim Würfelspiel: das wird Betrug (kaitavya) genannt; dies ist von den Weisen das neunte Mittel. Gleichgültigkeit (upekṣā) bei allen Handlungen und bei der Ausführung von Werken, durch die beim Aufkommen des Unerwünschten die Dreiergruppe zugrunde geht; Blendwerk (māyā) wie Zauberspuk und dergleichen, [ausgeführt] durch Leute, die von der Rede leben und Schauspieler sind [?], versehen mit guten Vorzeichen, schlechten Vorzeichen und Unheilszeichen; Heuchelei (ḍambha) wird unter Verwendung eines äußeren Kennzeichens gegen die Feindesgruppe angewandt; Tücke (śāṭhya) heißt Untätigkeit, die Geistesfehler verdirbt [?].
Wort für Wort
krīḍāpūrve raṇe dyūte
im Kampf, der mit Spiel beginnt [?], beim Würfelspiel (Lok.Sg.)
visrambheṇa samanvitam uktaṃ kaitavyam
mit Vertrauensseligkeit verbunden, genannt Betrug (Instr./Part.Pass./Nom.Sg.n.)
ity etad upāyaḥ navamaḥ budhaiḥ
so ist dies das neunte Mittel bei den Weisen (Nom.Sg.m./Instr.Pl.)
upekṣā sarvakāryeṣu karmaṇāṃ karaṇeṣu ca
Gleichgültigkeit bei allen Aufgaben und den Ausführungen der Werke (Nom.Sg.f./Lok.Pl.)
aniṣṭānāṃ samutthāne trivargaḥ naśyate yayā
beim Aufkommen des Unerwünschten geht durch sie die Dreiergruppe zugrunde (Gen.Pl./Lok.Sg./3.Sg.Präs./Instr.Sg.f.)
indrajālādikā māyā vāgjīvanakuśīlavaiḥ
Blendwerk wie Indras Netz usw. durch Redeleute/Schauspieler [?] (Nom.Sg.f./Instr.Pl.)
sunimittaiḥ durnimittaiḥ utpātaiḥ ca samanvitam
mit guten Zeichen, schlechten Zeichen und Unheilszeichen verbunden (Instr.Pl./Part.)
ḍambhaḥ liṅgaṃ samāśritya śatruvarge prayujyate
Heuchelei, ein Kennzeichen verwendend, wird gegen die Feindesgruppe angewandt (Nom.Sg.m./Akk./Ger./Lok./3.Sg.Pass.)
śāṭhyaṃ niśceṣṭatā proktā cittadoṣapradūṣikā
Tücke heißt Untätigkeit, die Geistesfehler verdirbt [?] (Nom.Sg.n./Nom.Sg.f./Part.Pass./Nom.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text stellenweise unklar (krīḍāpūrve raṇe; vāgjīvanakuśīlavaiḥ; cittadoṣapradūṣikā).
tathā khātavidhānaṃ ca yogasaṃcāra eva ca; caurāṭavyabalaiś cograiḥ pararāṣṭrasya pīḍanam
Ebenso das Anlegen von Gräben und das Umherziehen der Kriegslist [?]; die Bedrängung des feindlichen Reiches durch Räuber- und Waldtruppen sowie durch grimme [Truppen].
Wort für Wort
tathā khātavidhānaṃ ca
ebenso das Anlegen von Gräben (Nom.Sg.n.)
yogasaṃcāraḥ eva ca
und das Umherziehen der Kriegslist [?] (Nom.Sg.m.)
caurāṭavyabalaiḥ ca ugraiḥ
durch Räuber- und Waldtruppen und durch grimme (Instr.Pl.)
pararāṣṭrasya pīḍanam
Bedrängung des Reiches des Feindes (Gen.Sg./Nom.Sg.n.)
abhṛtānāṃ ca bharaṇaṃ bhṛtānāṃ cānvavekṣaṇam; arthakāle pradānaṃ ca vyasaneṣv aprasaṅgitā
Das Unterhalten der noch nicht Unterhaltenen und die Beaufsichtigung der Unterhaltenen; die Gabe zur rechten Zeit des Bedarfs und das Sich-nicht-Hingeben an Laster.
Wort für Wort
abhṛtānāṃ ca bharaṇam
und das Unterhalten der nicht Unterhaltenen (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
bhṛtānāṃ ca anvavekṣaṇam
und die Beaufsichtigung der Unterhaltenen (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
arthakāle pradānaṃ ca
und die Gabe zur Zeit des Bedarfs (Lok.Sg.m./Nom.Sg.n.)
vyasaneṣu aprasaṅgitā
das Sich-nicht-Hingeben an Laster (Lok.Pl./Nom.Sg.f.)
Das Ausgeben von Vermögen für den Dharma, für den Erwerb von Vermögen, um der Begierde willen; das vierte, um Unglück abzuwehren, wurde hier ebenso dargelegt.
Wort für Wort
visargaḥ arthasya
das Ausgeben des Vermögens (Nom.Sg.m./Gen.Sg.)
dharmārtham arthārtham
für den Dharma, für den Erwerb (Adv.)
kāmahetunā
aus Grund der Begierde (Instr.Sg.m.)
caturthaḥ vyasanāghāte
das vierte, zur Abwehr von Unglück (Nom.Sg.m./Lok.Sg.m.)
caityadrumāṇām āmardo rodhaḥkarmāntanāśanam; apaskaro 'tha gamanaṃ tathopāsyā ca varṇitā
Das Zermalmen der Heiligtumsbäume, die Absperrung, das Zerstören der Arbeitsstätten; das Wegschaffen [?], das Ausrücken, und das Anrücken zur Belagerung [?] wurde dargelegt.
Wort für Wort
caityadrumāṇām āmardaḥ
das Zermalmen der Heiligtumsbäume (Gen.Pl./Nom.Sg.m.)
rodhaḥ karmāntanāśanam
die Absperrung, das Zerstören der Arbeitsstätten (Nom.Sg.m./Nom.Sg.n.)
apaskaraḥ atha gamanam
das Wegschaffen [?], sodann das Ausrücken (Nom.Sg.m./Nom.Sg.n.)
tathā upāsyā ca varṇitā
und ebenso die Belagerung [?] wurde dargelegt (Nom.Sg.f./Part.Pass.)
paṇavānakaśaṅkhānāṃ bherīṇāṃ ca yudhāṃ vara; upārjanaṃ ca dravyāṇāṃ paramarma ca tāni ṣaṭ
Von Handtrommeln, Pauken, Muscheln und Heerpauken, o Bester der Kämpfer, das Gewinnen, sowie der Erwerb von Gütern und das Treffen empfindlicher Stellen des Gegners: das sind sechs.
Wort für Wort
paṇavānakaśaṅkhānām
von Handtrommeln, Pauken, Muscheln (Gen.Pl.)
bherīṇāṃ ca yudhāṃ vara
und von Heerpauken, o Bester der Kämpfer (Gen.Pl.f./Vok.Sg./Gen.Pl.f.)
upārjanaṃ ca dravyāṇām
und der Erwerb von Gütern (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
paramarma ca tāni ṣaṭ
und das Treffen empfindlicher Stellen des Feindes: diese sechs (Nom.Sg.n./Nom.Pl.n.)
Bezug von upārjanam auf die Instrumente [Erbeutung] gedeutet; unsicher.
Und wie man allein aufzubrechen hat [?], Wahrhaftigkeit, süße Rede; das Ausrichten von Festen und Versammlungen sowie die von Bannern ausgehenden Handlungen.
Wort für Wort
ekena ca yathā uttheyam
und wie man mit einem [?] aufzubrechen hat (Instr.Sg./Adv./Gerundiv)
satyatvaṃ madhurāḥ giraḥ
Wahrhaftigkeit, süße Worte (Nom.Sg.n./Nom.Pl.f.)
utsavānāṃ samājānām
von Festen und Versammlungen (Gen.Pl.)
kriyāḥ ketanajāḥ tathā
Handlungen, von Bannern ausgehend [?], ebenso (Nom.Pl.f.)
ekena ca yathottheyam unsicher; ketanajāḥ kriyāḥ ebenfalls.
adaṇḍyatvaṃ ca viprāṇāṃ yuktyā daṇḍanipātanam; anujīvisvajātibhyo guṇeṣu parirakṣaṇam
Die Straflosigkeit der Brahmanen und das Verhängen von Strafe nach Recht und Überlegung; der Schutz der Diener und der eigenen Standesgenossen gemäß ihren Vorzügen.
Wort für Wort
adaṇḍyatvaṃ ca viprāṇām
und die Unbestrafbarkeit der Brahmanen (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
yuktyā daṇḍanipātanam
das Verhängen der Strafe mit Überlegung (Instr.Sg.f./Nom.Sg.n.)
anujīvisvajātibhyaḥ
für Diener und eigene Standesgenossen (Dat./Abl.Pl.)
mūlakarmakriyā cātra māyā yogaś ca varṇitaḥ; dūṣaṇaṃ srotasām atra varṇitaṃ ca sthirāmbhasām
Die Handlung des Wurzelzaubers, Blendwerk und Kunstgriff wurden hier dargelegt; das Verderben von Strömen und von stehenden Gewässern wurde hier dargelegt.
Wort für Wort
mūlakarmakriyā ca atra
und die Handlung des Wurzelzaubers hier (Nom.Sg.f.)
māyā yogaḥ ca varṇitaḥ
Blendwerk und Kunstgriff wurden dargelegt (Nom.Sg.f./Nom.Sg.m./Part.Pass.)
dūṣaṇaṃ srotasām atra
das Verderben der Ströme hier (Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
varṇitaṃ ca sthirāmbhasām
und wurde dargelegt, der stehenden Gewässer (Part.Pass./Gen.Pl.)
yair yair upāyair lokaś ca na caled āryavartmanaḥ; tat sarvaṃ rājaśārdūla nītiśāstre 'nuvarṇitam
Mit welchen Mitteln auch immer die Welt nicht vom Pfad der Ārya abweichen möge: all das, o Tiger unter den Königen, wurde im Lehrbuch der Staatskunst dargelegt.
Wort für Wort
yaiḥ yaiḥ upāyaiḥ
mit welchen Mitteln auch immer (Instr.Pl.m.)
lokaḥ ca na calet
die Welt möge nicht abweichen (Nom.Sg.m./3.Sg.Opt.)
āryavartmanaḥ
vom Pfad der Ārya (Abl.Sg.n.)
tat sarvaṃ rājaśārdūla
all das, o Tiger unter den Königen (Nom.Sg.n./Vok.Sg.)
nītiśāstre anuvarṇitam
im Lehrbuch der Staatskunst dargelegt (Lok.Sg.n./Part.Pass.)
„Zum Nutzen der Welt und zur Begründung der Dreiheit [von Dharma, Artha und Kāma]: Diese Einsicht ist als Butter der Sarasvatī [der Rede] hervorgebracht worden.“
Wort für Wort
upakārāya lokasya
zum Nutzen der Welt (Dat./Gen.Sg.)
trivargasthāpanāya ca
und zur Begründung der Dreiheit (Dat.Sg., Tatpuruṣa)
navanītaṃ sarasvatyāḥ
Butter der Sarasvatī (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
buddhir eṣā prabhāvitā
diese Einsicht ist hervorgebracht (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
daṇḍena sahitā hy eṣā lokarakṣaṇakārikā; nigrahānugraharatā lokān anu cariṣyati
„Mit dem Stock [der Strafgewalt] verbunden, ist sie ja die Schützerin der Welten; an Bändigung und Begünstigung sich erfreuend, wird sie den Welten folgen.“
Wort für Wort
daṇḍena sahitā hy eṣā
mit der Strafgewalt verbunden ist diese ja (Instr.Sg.; Nom.Sg.f.)
lokarakṣaṇakārikā
Bewirkerin des Schutzes der Welten (Nom.Sg.f., Tatpuruṣa)
nigrahānugraharatā
an Bändigung und Begünstigung sich erfreuend (Nom.Sg.f., Tatpuruṣa)
„Von der Strafgewalt wird sie geführt, und sie führt auch die Strafgewalt; so heißt sie ‚Daṇḍanīti‘ [Politik der Strafgewalt]; sie folgt den drei Welten.“
Wort für Wort
daṇḍena nīyate ceyam
von der Strafgewalt wird sie geführt, und diese (Instr.Sg.; Pass. 3.Sg.; Nom.Sg.f.)
daṇḍaṃ nayati cāpy uta
und sie führt auch die Strafgewalt (Akk.Sg.; Präs. 3.Sg.)
daṇḍanītir iti proktā
‚Daṇḍanīti‘, so genannt (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
„Sie ist der Kern der Vorzüge der sechs Grundmaßnahmen und wird künftig bei den Hochgesinnten bestehen. Wegen der Größe jenes Stabes ist die Nīti von deutlich erkennbaren Merkmalen.“
Wort für Wort
ṣāḍguṇyaguṇasārā eṣā
diese, deren Kern die Vorzüge der Sechsheit der Maßnahmen sind (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
sthāsyaty agre mahātmasu
wird künftig bei den Hochgesinnten bestehen (Fut. 3.Sg.; Lok.Pl.)
mahattvāt tasya daṇḍasya
wegen der Größe jenes Stabes (Abl.Sg.; Gen.Sg.)
nītir vispaṣṭalakṣaṇā
die Nīti, deutlich in ihren Merkmalen (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)
ṣāḍguṇya: die sechs Maßnahmen der Außenpolitik (Frieden, Krieg, Abwarten usw.), hier als Bedeutung angesetzt.
nayacāraś ca vipulo yena sarvam idaṃ tatam; āgamaś ca purāṇānāṃ maharṣīṇāṃ ca saṃbhavaḥ
„Und weit ist das Verhalten der Klugheitslehre, durch die dies alles durchzogen ist; ebenso die Überlieferung der Purāṇas und die Herkunft der großen Seher“
Wort für Wort
nayacāraś ca vipulo
und das weite Verhalten der Klugheitslehre (Nom.Sg.m.)
yena sarvam idaṃ tatam
durch das dies alles durchzogen ist (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
āgamaś ca purāṇānām
und die Überlieferung der Purāṇas (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
maharṣīṇāṃ ca saṃbhavaḥ
und die Herkunft der großen Seher (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
tīrthavaṃśaś ca vaṃśaś ca nakṣatrāṇāṃ yudhiṣṭhira; sakalaṃ cāturāśramyaṃ cāturhotraṃ tathaiva ca
„und die Genealogie der Tīrthas und der Geschlechter und der Sternbilder, o Yudhiṣṭhira; die Gesamtheit der Lehre von den vier Lebensstufen und ebenso die Lehre von den vier Priestern [Hotṛ usw.]“
Wort für Wort
tīrthavaṃśaś ca vaṃśaś ca
und die Abfolge der Tīrthas und die der Geschlechter (Nom.Sg.)
nakṣatrāṇāṃ yudhiṣṭhira
der Sternbilder, o Yudhiṣṭhira (Gen.Pl.; Vok.)
sakalaṃ cāturāśramyam
die gesamte Lehre von den vier Lebensstufen (Nom.Sg.n.)
cāturhotraṃ tathaiva ca
und ebenso die Vierpriesterlehre (Nom.Sg.n.)
tīrthavaṃśa: Deutung unsicher (Tīrtha als Pilgerstätte oder Lehrer-Abfolge).
[Er,] der anfangs- und endlose Gott, mit Bewusstsein und dergleichen ausgestattet, in dessen Macht die Erkenntnisse sind, Tāraka und die übrigen, ohne Rest; ausgestattet mit den Eigenschaften Aṇimā und so fort, eine Herrschaft, die nicht künstlich ist; zur Befriedigung Brahmās, [als] Sohn Brahmās, aus der Stirn aufgestiegen, der Herr; er weinte laut und schrecklich, der Herr der Welt, der Unvergängliche; [als] Werdender [war] der Vater im Sohn und der Sohn im Vater; nachdem er Viśvasṛj Einsicht gegeben hatte, durch den das Brahmāṇḍa geschaffen wurde [?]; in dem der goldene Schwan zum Vogel wurde [?]; der Schöpfer der ganzen Welt, Brahmā, der Großvater der Welten; jener Gott, das Selbst aller Wesen, Mahādeva, der Ewige; der unvergängliche Sitz unzähliger Tausender von Rudras.
Wort für Wort
anādinidhano devaś
der anfangs- und endlose Gott (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
caitanyādisamanvitaḥ
mit Bewusstsein usw. ausgestattet (Nom.Sg.m.)
jñānāni ca vaśe yasya tārakādīny aśeṣataḥ
und in dessen Macht die Erkenntnisse, Tāraka usw., ohne Rest sind (Nom.Pl.n.; Lok.Sg.; Gen.Sg.)
aṇimādiguṇopetam aiśvaryaṃ na ca kṛtrimam
Herrschaft, mit Aṇimā usw. als Eigenschaften versehen, und nicht künstlich (Akk./Nom.Sg.n.)
zur Befriedigung Brahmās, Brahmās Sohn, aus der Stirn aufgestiegen, der Herr (Abl.Sg.; Part.Perf.Pass.)
arudat sasvanaṃ ghoraṃ jagataḥ prabhur avyayaḥ
weinte laut, furchtbar, der unvergängliche Herr der Welt (Impf. 3.Sg.; Nom.Sg.)
jāyamānaḥ pitā putre putraḥ pitari caiva hi
als Werdender [war] der Vater im Sohn und der Sohn im Vater (Part.Präs.Med.; Lok.Sg.)
buddhiṃ viśvasṛje dattvā brahmāṇḍaṃ yena nirmitam
Einsicht dem Viśvasṛj gegeben habend, durch den das Weltei geschaffen wurde [?] (Abs.; Dat.; Instr.)
yasmin hiraṇmayo haṃsaḥ śakuniḥ samapadyata
in dem der goldene Schwan zum Vogel wurde [?] (Lok.Sg.; Impf.Med. 3.Sg.)
kartā sarvasya lokasya brahmā lokapitāmahaḥ
Schöpfer der ganzen Welt, Brahmā, Großvater der Welten (Nom.Sg.)
sa devaḥ sarvabhūtātmā mahādevaḥ sanātanaḥ
jener Gott, das Selbst aller Wesen, Mahādeva, der Ewige (Nom.Sg.m.)
asaṃkhyātasahasrāṇāṃ rudrāṇāṃ sthānam avyayam
unvergänglicher Sitz unzähliger Tausender Rudras (Gen.Pl.; Nom./Akk.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der Handschriften; Text stark verkürzt und syntaktisch unverbunden (Subjektwechsel zwischen Śiva und Brahmā). Wiedergabe der Satzverbindungen unsicher.
**** **** devāt prāpya maheśvarāt; prajānāṃ hitam anvicchan
[…] […] von Gott Maheśvara empfangen, das Wohl der Geschöpfe wünschend,
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
devāt prāpya maheśvarāt
vom Gott Maheśvara erlangt habend (Abl.Sg.; Abs.)
prajānāṃ hitam anvicchan
das Wohl der Geschöpfe suchend (Gen.Pl.; Akk.Sg.; Part.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile mit Lücke im Text; als Halbverse zu 92 und 94 gehörig.
So wurde dieses Lehrwerk aus Rücksicht auf die Welt von den großen Sehern abgekürzt, da sie erkannten, dass die Lebensdauer der Sterblichen abnimmt, Pāṇḍava.
Wort für Wort
evaṃ lokānurodhena
so aus Rücksicht auf die Welt (Instr.Sg.)
śāstram etan maharṣibhiḥ
dieses Lehrwerk von den großen Sehern (Nom.Sg.n.; Instr.Pl.)
saṃkṣiptam āyur vijñāya
abgekürzt, die Lebensdauer erkannt habend (Part.Pass.; Akk.Sg.; Abs.)
martyānāṃ hrāsi pāṇḍava
der Sterblichen abnehmend, o Pāṇḍava (Gen.Pl.; Akk.Sg.n.; Vok.)
Nachdem er eine hochbeglückte, schöngestaltige Frau erlangt hatte, von Verlangen betört, [eine,] die mit Liebreiz ausgestattet und an Vorzügen unübertroffen [war], eine Tugendhafte,
Wort für Wort
prāpya nārīṃ mahābhāgāṃ
erlangt habend eine hochbeglückte Frau (Abs.; Akk.Sg.f.)
rūpiṇīṃ kāmamohitaḥ
gestaltschön, von Verlangen betört (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
saubhāgyena ca saṃpannāṃ
und mit Glück ausgestattet (Instr.Sg.; Akk.Sg.f.)
guṇaiś cānuttamāṃ satīm
und an Vorzügen unübertroffen, eine Tugendhafte (Instr.Pl.; Akk.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; grammatisch an den Kontext angelehnt, Anschluss unsicher.
Ihn, der bei den Geschöpfen wider das Dharma handelte und Zuneigung und Abneigung folgte, erschlugen die Seher, die Brahman-Redner, mit durch Mantras geweihten Kuśa-Halmen.
Wort für Wort
taṃ prajāsu vidharmāṇaṃ
ihn, der bei den Geschöpfen wider das Dharma handelte (Akk.Sg.; Lok.Pl.)
rāgadveṣavaśānugam
der der Macht von Zuneigung und Abneigung folgte (Akk.Sg.m.)
mantrapūtaiḥ kuśair jaghnuḥ
mit mantra-geweihten Kuśa-Halmen erschlugen (Instr.Pl.; Perf. 3.Pl.)
yaś ca dharmāt pravicalel loke kaś cana mānavaḥ; nigrāhyas te sa bāhubhyāṃ śaśvad dharmam avekṣataḥ
„Und wer immer unter den Menschen in der Welt vom Dharma abweicht, den sollst du mit deinen Armen [zurück]halten und züchtigen, stets auf den Dharma blickend.“
Wort für Wort
yaś ca dharmāt pravicalet
und wer vom Dharma abweicht (Nom.Sg., Abl.Sg., Opt.3.Sg.)
loke kaś cana mānavaḥ
in der Welt irgendein Mensch (Lok.Sg., Nom.Sg.)
nigrāhyas te sa bāhubhyām
zu bezwingen ist er von dir mit den Armen (Gerundiv, Gen./Dat.Sg., Instr.Du.)
śaśvad dharmam avekṣataḥ
stets den Dharma beachtend (Adv., Akk.Sg., Part.Präs. Gen./Abl.Sg.)
„Und fasse den Vorsatz mit Geist, Tat und Wort: ‚Ich werde die Erde beschützen‘ – [und] „das Erd-Brahman“ [wiederholt aussprechend] [?].“
Wort für Wort
pratijñāṃ ca adhirohasva
und fasse den Vorsatz (Akk.Sg., Imp.Med.2.Sg.)
manasā karmaṇā girā
mit Geist, Tat, Wort (Instr.Sg.)
pālayiṣyāmy ahaṃ bhaumam
ich werde beschützen, [das Irdische] (1.Sg.Fut., Nom.Sg., Akk.Sg.)
brahma ity eva ca asakṛt
‚das Brahman‘ eben so, und wiederholt (Akk./Nom.Sg., Zitatpartikel, Adv.)
Der zweite Halbvers ist knapp und syntaktisch unsicher: bhaumaṃ brahma kann ‚die irdische Sphäre/das Brahman (Veda) der Erde‘ meinen; Wiedergabe unsicher.
adaṇḍyā me dvijāś ceti pratijānīṣva cābhibho; lokaṃ ca saṃkarāt kṛtsnāt trātāsmīti paraṃtapa
„Und ‚Die Brahmanen sind von mir nicht zu strafen‘, das gelobe, o Machtvoller; und ‚Ich werde die ganze Welt vor Vermischung [der Stände] retten‘, [gelobe es], Bezwinger der Feinde.“
Wort für Wort
adaṇḍyā me dvijāḥ ca iti
und unbestrafbar sind mir die Zweimalgeborenen, so (Nom.Pl., Gen./Dat.Sg.)
pratijānīṣva ca abhibho
gelobe es, und o Machtvoller (Imp.Med.2.Sg., Vok.)
lokaṃ ca saṃkarāt kṛtsnāt
und die Welt vor der ganzen Vermischung (Akk.Sg., Abl.Sg.)
trātā asmi iti paraṃtapa
‚ich bin der Retter‘, so, o Feindebezwinger (Nom.Sg., 1.Sg.Präs., Vok.)
evam astv iti vainyas tu tair ukto brahmavādibhiḥ; purodhāś cābhavat tasya śukro brahmamayo nidhiḥ
„So sei es“, [sagte] Vainya, [als] jene Brahman-Kundigen zu ihm gesprochen hatten; und Śukra, der Brahman-erfüllte Schatz [des Wissens], wurde sein Hauspriester.
Wort für Wort
evam astv iti vainyas tu
‚so sei es‘ (sagte) aber Vainya (Imp.3.Sg., Nom.Sg.)
tair ukto brahmavādibhiḥ
von ihnen angesprochen, den Brahman-Rednern (Instr.Pl., Part.Pass., Instr.Pl.)
purodhāḥ ca abhavat tasya
und Hauspriester wurde ihm (Nom.Sg., Impf.3.Sg., Gen.Sg.)
śukro brahmamayo nidhiḥ
Śukra, aus Brahman bestehend, ein Schatz (Nom.Sg.)
manvantareṣu sarveṣu viṣamā jāyate mahī; ujjahāra tato vainyaḥ śilājālān samantataḥ; dhanuṣkoṭyā mahārāja tena śailā vivardhitāḥ
In allen Manvantaras wird die Erde uneben; da riss Vainya ringsum die Felsmassen heraus; mit der Bogenspitze, großer König, wurden dadurch die Berge [wieder] aufgetürmt.
Wort für Wort
manvantareṣu sarveṣu
in allen Manvantaras (Lok.Pl.)
viṣamā jāyate mahī
uneben wird die Erde (Nom.Sg., Präs.Med.3.Sg.)
ujjahāra tato vainyaḥ
da riss Vainya heraus (Perf.3.Sg., Adv., Nom.Sg.)
śilājālān samantataḥ
Felsenmassen ringsum (Akk.Pl., Adv.)
dhanuṣkoṭyā mahārāja
mit der Bogenspitze, o Großkönig (Instr.Sg., Vok.)
tena śailā vivardhitāḥ
dadurch wurden die Berge aufgehäuft (Instr.Sg., Nom.Pl., Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; vivardhitāḥ kann auch ‚vermehrt/gewachsen‘ bedeuten.
Ihm selbst wandte sich die Erde zu, [und] brachte Juwelen mit, o Pāṇḍava; [ebenso] der Ozean, der Herr der Flüsse, und der Himavat, der Beste der Berge.
Wort für Wort
taṃ sākṣāt pṛthivī bheje
ihm persönlich schloss sich die Erde an (Akk.Sg., Adv., Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
hayā rathāś ca nāgāś ca koṭiśaḥ puruṣās tathā; prādurbabhūvur vainyasya cintanād eva pāṇḍava; na jarā na ca durbhikṣaṃ nādhayo vyādhayas tathā
Pferde, Wagen und Elefanten sowie Menschen [erschienen] zu Millionen; sie traten für Vainya hervor, o Pāṇḍava, allein durch [sein] Denken; weder Alter noch Hungersnot, weder Kummer noch Krankheiten [gab es].
Von ihm wurde diese Erde gemolken, [sie gab] siebzehn Getreidearten; und von den Yakṣas, Rākṣasas und Nāgas [wurde sie gemolken], was immer ein jeder begehrte.
Wort für Wort
tena iyaṃ pṛthivī dugdhā
von ihm wurde diese Erde gemolken (Instr.Sg., Nom.Sg., Part.Pass.)
sasyāni daśa sapta ca
Getreidearten, zehn und sieben (Nom.Pl.)
yakṣarākṣasanāgaiś ca
und von Yakṣas, Rākṣasas, Nāgas (Instr.Pl.)
īpsitaṃ yasya yasya yat
das Gewünschte, was jeder wünschte (Part.Pass., Gen.Sg., Nom./Akk.Sg.)
tena dharmottaraś cāyaṃ kṛto loko mahātmanā; rañjitāś ca prajāḥ sarvās tena rājeti śabdyate
Von ihm, dem Hochgesinnten, wurde diese Welt zu einer gemacht, in der der Dharma überwiegt; und alle Untertanen wurden von ihm erfreut, daher wird er ‚Rājan‘ genannt.
Wort für Wort
tena dharmottaraḥ ca ayaṃ
von ihm wurde diese [Welt] dharma-reich, und (Instr.Sg., Nom.Sg.)
kṛto loko mahātmanā
gemacht die Welt vom Hochgesinnten (Part.Pass., Nom.Sg., Instr.Sg.)
rañjitāś ca prajāḥ sarvāḥ
und erfreut alle Geschöpfe (Part.Pass. Nom.Pl.)
tena rājā iti śabdyate
durch ihn ‚König‘, so wird [er] genannt (Instr.Sg., Nom.Sg., Pass.3.Sg.)
Weil er die Brahmanen vor Verletzung rettete, heißt er darauf ‚Kṣatriya‘; und wegen [seines] Reichtums gilt diese Erde bei den Guten als ‚Pṛthivī‘. [?]
Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ kṣatatrāṇāt
der Brahmanen wegen Rettung vor Verletzung (Gen.Pl., Abl.Sg.)
tataḥ kṣatriya ucyate
daher wird er Kṣatriya genannt (Adv., Nom.Sg., Pass.3.Sg.)
prathitā dhanataś ca iyam
und ausgebreitet/berühmt durch Reichtum diese (Part.Pass., Adv.)
pṛthivī sādhubhiḥ smṛtā
Pṛthivī, von den Guten so bezeichnet (Nom.Sg., Instr.Pl., Part.Pass.)
Zweiter Halbvers unsicher: dhanataḥ ‚durch Reichtum‘ ist ungewöhnlich; vermutlich Etymologie Pṛthivī von prathita (‚ausgedehnt‘).
daṇḍanītyā ca satataṃ rakṣitaṃ taṃ nareśvara; nādharṣayat tataḥ kaś cic cāranityāc ca darśanāt
Da er stets durch Strafgewalt-Politik geschützt wurde, o Herr der Menschen, wagte niemand, ihn anzugreifen, wegen [seiner] Spähertätigkeit und des Anblicks [seiner Aufsicht].
Wort für Wort
daṇḍanītyā ca satatam
und durch die Strafgewalt-Politik stets (Instr.Sg., Adv.)
rakṣitaṃ taṃ nareśvara
ihn Beschützten, o Herr der Menschen (Part.Pass. Akk.Sg., Vok.)
na adharṣayat tataḥ kaś cic
nicht griff an daher irgendjemand (Impf.3.Sg.)
cāranityāt ca darśanāt
wegen ständiger Späher und wegen des Sehens (Abl.Sg.)
ātmanā karaṇaiś caiva samasyeha mahīkṣitaḥ; ko hetur yad vaśe tiṣṭhel loko daivād ṛte guṇāt
Was ist der Grund, dass die Welt unter der Herrschaft [eines Einzelnen] bleibt, der der Gestalt nach mit sich selbst und mit den Sinnen dem [Menschen] gleich ist, außer [durch] eine göttliche Fügung [oder] Vorzüglichkeit? [?]
Wort für Wort
ātmanā karaṇaiś ca eva
durch Selbst und Werkzeuge/Organe eben (Instr.Sg., Instr.Pl.)
samasya iha mahīkṣitaḥ
dem gleichen hier, dem Erdherrscher (Gen.Sg.)
ko hetur yad vaśe tiṣṭhel
was ist der Grund, dass in der Gewalt sie stünde (Nom.Sg., Opt.3.Sg.)
loko daivād ṛte guṇāt
die Welt, außer durch Göttliches, durch Vorzug (Nom.Sg., Abl.Sg.)
Und durch das Schwinden seiner guten Werke kommt er aus der Himmelswelt zur Erde und wird als Herrscher geboren, mein Lieber, der Strafgewalt-Politik ergeben.
Wort für Wort
sukṛtasya kṣayāt ca
und wegen des Schwindens des guten Werkes (Gen.Sg., Abl.Sg.)
svarlokād etya medinīm
aus der Himmelswelt kommend zur Erde (Abl.Sg., Abs., Akk.Sg.)
pārthivo jāyate tāta
als König wird er geboren, Lieber (Nom.Sg., Präs.Med.3.Sg., Vok.)
etat te sarvam ākhyātaṃ mahattvaṃ prati rājasu; kārtsnyena bharataśreṣṭha kim anyad iha vartatām
Dies alles ist dir über die Größe [der Herrscher] unter den Königen erzählt worden, o Bester der Bharatas, vollständig; was soll hier noch weiter erörtert werden?
Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātam
dies alles ist dir erzählt (Nom.Sg., Dat./Gen.Sg., Part.Pass.)
mahattvaṃ prati rājasu
über die Größe bei den Königen (Akk.Sg., Postp., Lok.Pl.)
kārtsnyena bharataśreṣṭha
vollständig, o Bester der Bharatas (Instr.Sg., Vok.)
kim anyad iha vartatām
was anderes soll hier vorkommen (Nom.Sg., Imp.Med.3.Sg.)