Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 183: satyānṛtavibhāgaḥ sukhaduḥkhavicāraś ca Wahrheit und Unwahrheit, Licht und Finsternis, Glück und Leid: Bhṛgus Belehrung Bharadvājas

Beginn des Gesprächs zwischen Bhṛgu und Bharadvāja über Ursprung und Ordnung der Welt; Kap. 183 setzt Wahrheit mit Dharma, Licht und Glück gleich, Unwahrheit mit Adharma, Finsternis und Leid. Bharadvāja wendet gegen die Behauptung, die Frauen seien das höchste Glück, das Beispiel der Asketen und Götter ein.

bhṛgur uvāca; satyaṃ brahma tapaḥ satyaṃ satyaṃ sṛjati ca prajāḥ; satyena dhāryate lokaḥ svargaṃ satyena gacchati

Bhṛgu sprach: „Wahrheit ist Brahman, Wahrheit ist Askese; Wahrheit erschafft die Geschöpfe; durch Wahrheit wird die Welt getragen, durch Wahrheit geht man zum Himmel.“

Wort für Wort
bhṛguḥ uvāca
Bhṛgu sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
satyaṃ brahma
Wahrheit [ist] Brahman (Nom.Sg.n.)
tapaḥ satyam
Askese [ist] Wahrheit (Nom.Sg.n.)
satyaṃ sṛjati ca prajāḥ
Wahrheit erschafft und die Geschöpfe (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.f.)
satyena dhāryate lokaḥ
durch Wahrheit wird die Welt getragen (Instr.Sg.; 3.Sg.Pass.; Nom.Sg.m.)
svargaṃ satyena gacchati
zum Himmel geht man durch Wahrheit (Akk.Sg.; Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.)

anṛtaṃ tamaso rūpaṃ tamasā nīyate hy adhaḥ; tamograstā na paśyanti prakāśaṃ tamasāvṛtam

Unwahrheit ist die Gestalt der Finsternis, und durch die Finsternis wird man nach unten geführt. Von der Finsternis Verschlungene sehen das Licht nicht, das von Finsternis Umhüllte [ist].

Wort für Wort
anṛtaṃ tamasaḥ rūpam
Unwahrheit [ist] Gestalt der Finsternis (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)
tamasā nīyate hi adhaḥ
durch Finsternis wird man geführt, ja, abwärts (Instr.Sg.; 3.Sg.Pass.; Adv.)
tamograstāḥ na paśyanti
von Finsternis Verschlungene sehen nicht (Nom.Pl.m., Kompositum; 3.Pl.Präs.)
prakāśaṃ tamasā āvṛtam
das Licht, von Finsternis umhüllt (Akk.Sg.m.; Instr.Sg.; PPP Akk.Sg.m.)

svargaḥ prakāśa ity āhur narakaṃ tama eva ca; satyānṛtāt tad ubhayaṃ prāpyate jagatīcaraiḥ

Himmel nennt man „Licht“, und die Hölle eben „Finsternis“; durch Wahrheit und Unwahrheit wird beides von den auf der Welt Wandelnden erlangt.

Wort für Wort
svargaḥ prakāśaḥ iti āhuḥ
„Himmel [ist] Licht“, so sagt man (Nom.Sg.m.; 3.Pl.Perf.)
narakaṃ tamaḥ eva ca
die Hölle [ist] Finsternis, eben, und (Akk.Sg.m. als Subj. der Aussage; Nom.Sg.n.)
satyānṛtāt
aus Wahrheit und Unwahrheit (Abl.Sg., Dvandva)
tat ubhayam prāpyate
dieses beides wird erlangt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
jagatīcaraiḥ
von den auf der Erde/in der Welt Wandelnden (Instr.Pl.m.)

tatra tv evaṃvidhā vṛttir loke satyānṛtā bhavet; dharmādharmau prakāśaś ca tamo duḥkhaṃ sukhaṃ tathā

Dabei dürfte die Lebensweise in der Welt von solcher Art sein, dass sie aus Wahrem und Unwahrem [gemischt] ist: Dharma und Adharma, Licht und Finsternis, Leid und ebenso Glück.

Wort für Wort
tatra tu evaṃvidhā vṛttiḥ
dabei aber solcherart die Lebensweise (Adv.; Nom.Sg.f.)
loke satyānṛtā bhavet
in der Welt wahr-unwahr [gemischt] sein möge/dürfte (Lok.Sg.; Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
dharmādharmau
Dharma und Adharma (Nom.Du., Dvandva)
prakāśaḥ ca tamaḥ
Licht und Finsternis (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
duḥkhaṃ sukhaṃ tathā
Leid, Glück ebenso (Nom.Sg.n.)

tatra yat satyaṃ sa dharmo yo dharmaḥ sa prakāśo yaḥ prakāśas tat sukham iti; tatra yad anṛtaṃ so 'dharmo yo 'dharmas tat tamo yat tamas tad duḥkham iti

Dabei gilt: was Wahrheit ist, das ist Dharma; was Dharma ist, das ist Licht; was Licht ist, das ist Glück. Und was dabei Unwahrheit ist, das ist Adharma; was Adharma ist, das ist Finsternis; was Finsternis ist, das ist Leid.

Wort für Wort
tatra yat satyaṃ sa dharmaḥ
dabei was Wahrheit [ist], das [ist] Dharma (Rel.-Nom.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
yaḥ dharmaḥ sa prakāśaḥ
was Dharma [ist], das [ist] Licht
yaḥ prakāśaḥ tat sukham iti
was Licht [ist], das [ist] Glück, so [heißt es]
tatra yat anṛtaṃ so 'dharmaḥ
dabei was Unwahrheit [ist], das [ist] Adharma
yaḥ adharmaḥ tat tamaḥ
was Adharma [ist], das [ist] Finsternis
yat tamaḥ tat duḥkham iti
was Finsternis [ist], das [ist] Leid, so [heißt es]

Prosa-Kettenschluss (Sorites).

śārīrair mānasair duḥkhaiḥ sukhaiś cāpy asukhodayaiḥ; atrocyate; lokasṛṣṭiṃ prapaśyanto na muhyanti vicakṣaṇāḥ

Bei den körperlichen und geistigen Leiden und den Freuden, die Unglück zur Folge haben, wird hierzu gesagt: Wer die Erschaffung der Welt recht betrachtet, wird nicht verwirrt – die Einsichtigen.

Wort für Wort
śārīraiḥ mānasaiḥ duḥkhaiḥ
durch/bei körperlichen, geistigen Leiden (Instr.Pl.n.)
sukhaiḥ ca api asukhodayaiḥ
und auch durch Freuden, die Unglück hervorbringen (Instr.Pl.n.; Bahuvrīhi)
atra ucyate
hierzu wird gesagt (Adv.; 3.Sg.Pass.)
lokasṛṣṭiṃ prapaśyantaḥ
die Erschaffung der Welt recht betrachtend (Akk.Sg.f.; Part.Präs. Nom.Pl.m.)
na muhyanti vicakṣaṇāḥ
werden nicht verwirrt, die Einsichtigen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)

Syntax der ersten Zeile locker; „atrocyate“ leitet vermutlich einen Merkvers ein.

tatra duḥkhavimokṣārthaṃ prayateta vicakṣaṇaḥ; sukhaṃ hy anityaṃ bhūtānām iha loke paratra ca

Darum soll der Einsichtige sich um Befreiung vom Leid bemühen; denn Glück ist für die Wesen vergänglich, hier in dieser Welt und im Jenseits.

Wort für Wort
tatra duḥkhavimokṣārtham
deshalb, zum Zweck der Befreiung vom Leid (Adv.; Akk.Sg.n. adv.)
prayateta vicakṣaṇaḥ
soll sich bemühen der Einsichtige (3.Sg.Opt.Med.; Nom.Sg.m.)
sukhaṃ hi anityam
denn Glück [ist] unbeständig (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
bhūtānām
für die Wesen (Gen.Pl.n.)
iha loke paratra ca
hier in der Welt und im Jenseits (Adv.; Lok.Sg.; Adv.)

rāhugrastasya somasya yathā jyotsnā na bhāsate; tathā tamobhibhūtānāṃ bhūtānāṃ bhraśyate sukham

Wie dem von Rāhu ergriffenen Mond das Mondlicht nicht scheint, so schwindet den von Finsternis überwältigten Wesen das Glück.

Wort für Wort
rāhugrastasya somasya
des von Rāhu ergriffenen Mondes (Gen.Sg.m., Kompositum)
yathā jyotsnā na bhāsate
wie das Mondlicht nicht leuchtet (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)
tathā tamobhibhūtānām
so bei den von Finsternis Überwältigten (Gen.Pl.m.)
bhūtānām
der Wesen (Gen.Pl.n.)
bhraśyate sukham
schwindet/fällt weg das Glück (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)

tat khalu dvividhaṃ sukham ucyate śārīraṃ mānasaṃ ca; iha khalv amuṣmiṃś ca loke sarvārambhapravṛttayaḥ sukhārthā abhidhīyante; na hy atas trivargaphalaṃ viśiṣṭataram asti; sa eṣa kāmyo guṇaviśeṣo dharmārthayor ārambhas taddhetur asyotpattiḥ sukhaprayojanā

„Dieses Glück nun wird als zweifach bezeichnet: körperlich und geistig. In dieser wie in jener Welt werden alle Unternehmungen und Bestrebungen als auf Glück gerichtet bezeichnet; denn es gibt nichts Vorzüglicheres als die Frucht der Dreiheit [von Dharma, Artha, Kāma]. Dies ist der begehrenswerte besondere Vorzug: der Beginn [des Handelns] in Dharma und Artha – dessen Ursache; sein Entstehen hat Glück zum Zweck.“

Wort für Wort
tat khalu dvividhaṃ sukham ucyate
dieses Glück nun wird zweifach genannt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
śārīraṃ mānasaṃ ca
körperlich und geistig (Nom.Sg.n.)
iha khalu amuṣmin ca loke
hier nun und in jener Welt (Adv.; Lok.Sg.m.)
sarvārambhapravṛttayaḥ
alle Unternehmungen und Bestrebungen (Nom.Pl.f., Kompositum)
sukhārthāḥ abhidhīyante
als auf Glück gerichtet werden bezeichnet (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Pass.)
na hi atas trivargaphalaṃ viśiṣṭataram asti
denn es gibt nichts Vorzüglicheres als die Frucht der Dreiheit (Akk./Nom.Sg.n.; Komp.; 3.Sg.Präs.)
sa eṣa kāmyaḥ guṇaviśeṣaḥ
dies [ist] der begehrenswerte besondere Vorzug (Nom.Sg.m.)
dharmārthayoḥ ārambhaḥ
der Beginn [des Handelns] in Dharma und Artha (Gen.Du.; Nom.Sg.m.)
taddhetuḥ asya utpattiḥ
dessen Ursache; sein Entstehen (Nom.Sg.m.; Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
sukhaprayojanā
Glück zum Zweck habend (Nom.Sg.f., Bahuvrīhi)

Der Schluss („sa eṣa … sukhaprayojanā“) ist syntaktisch knapp; die Zuordnung von „taddhetuḥ“ und „asya“ bleibt unsicher. Die Rede Bhṛgus setzt sich fort (Sprecher nicht wiederholt).

bharadvāja uvāca; yad etad bhavatābhihitaṃ sukhānāṃ paramāḥ striya iti tan na gṛhṇīmaḥ; na hy eṣām ṛṣīṇāṃ mahati sthitānām aprāpya eṣa guṇaviśeṣo na cainam abhilaṣanti; śrūyate ca bhagavāṃs trilokakṛd brahmā prabhur ekākī tiṣṭhati; brahmacārī na kāmasukheṣv ātmānam avadadhāti; api ca bhagavān viśveśvara umāpatiḥ kāmam abhivartamānam anaṅgatvena śamam anayat; tasmād brūmo na mahātmabhir ayaṃ pratigṛhīto na tv eṣa tāvad viśiṣṭo guṇa iti naitad bhagavataḥ pratyemi; bhagavatā tūktaṃ sukhānāṃ paramāḥ striya iti; lokapravādo 'pi ca bhavati dvividhaḥ phalodayaḥ sukṛtāt sukham avāpyate duṣkṛtād duḥkham iti; atrocyatām

Bharadvāja sprach: „Was von dir, Verehrter, gesagt wurde – ‚das Höchste der Freuden sind die Frauen‘ –, das nehmen wir nicht an. Denn diese Ṛṣis, die im Erhabenen stehen, erlangen diesen besonderen Vorzug nicht, und sie begehren ihn auch nicht. Man hört ja: Der Herr Brahmā, Schöpfer der drei Welten, der Gebieter, bleibt allein; als Keuscher richtet er sich nicht auf Liebesfreuden. Und weiter: Der Herr, Weltenherr, Gatte der Umā, führte den [sich ihm] nähernden Kāma durch Körperlosigkeit zur Ruhe. Darum sagen wir: Von den Hochgesinnten wird dies nicht angenommen, und dieser Vorzug ist keineswegs ein vorzüglicher. Das glaube ich dem Herrn nicht. Vom Herrn wurde aber gesagt: ‚das Höchste der Freuden sind die Frauen.‘ Auch gibt es die Volksüberlieferung, die Entstehung der Frucht sei zweifach: ‚aus Gutgetanem wird Glück erlangt, aus Schlechtgetanem Leid.‘ Hierzu möge [Näheres] gesagt werden.“

Wort für Wort
bharadvājaḥ uvāca
Bharadvāja sprach
yat etat bhavatā abhihitam
was da von dir gesagt wurde (Nom.Sg.n.; Instr.Sg.; PPP)
sukhānāṃ paramāḥ striyaḥ iti
„der Freuden Höchstes [sind] Frauen“, so (Gen.Pl.n.; Nom.Pl.f.)
tat na gṛhṇīmaḥ
das nehmen wir nicht an (1.Pl.Präs.)
na hi eṣām ṛṣīṇām mahati sthitānām
denn diese Ṛṣis, die im Großen/Erhabenen stehen (Gen.Pl.m.; Lok.Sg.n.; Part. Gen.Pl.)
aprāpyaḥ eṣa guṇaviśeṣaḥ na ca enam abhilaṣanti
dieser Vorzug ist unerreichbar/wird nicht erlangt [?], und sie begehren ihn nicht (Nom.Sg.m.; 3.Pl.Präs.)
śrūyate ca bhagavān trilokakṛt brahmā prabhuḥ ekākī tiṣṭhati
man hört: der Herr, Weltenschöpfer Brahmā, der Gebieter, bleibt allein (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
brahmacārī na kāmasukheṣu ātmānam avadadhāti
als Keuscher richtet er sich nicht auf Liebesfreuden (Nom.Sg.m.; Lok.Pl.n.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
api ca bhagavān viśveśvaraḥ umāpatiḥ
und ferner der Herr, Weltenherr, Gatte der Umā (Nom.Sg.m.)
kāmam abhivartamānam anaṅgatvena śamam anayat
den sich nähernden Kāma führte er durch Körperlosigkeit zur Ruhe (Akk.Sg.m.; Part.Med.; Instr.Sg.; Akk.Sg.m.; 3.Sg.Impf.)
tasmāt brūmaḥ na mahātmabhiḥ ayaṃ pratigṛhītaḥ
darum sagen wir: von den Hochgesinnten wird dies nicht angenommen (Abl.; 1.Pl.Präs.; Instr.Pl.; PPP)
na tu eṣa tāvat viśiṣṭaḥ guṇaḥ iti
und dieser ist keineswegs ein vorzüglicher Vorzug, so (Nom.Sg.m.)
na etat bhagavataḥ pratyemi
das glaube ich dem Herrn nicht (1.Sg.Präs.; Gen./Abl.)
bhagavatā tu uktam sukhānāṃ paramāḥ striyaḥ iti
vom Herrn aber wurde gesagt: „der Freuden Höchstes [sind] Frauen“ (Instr.Sg.; PPP)
lokapravādaḥ api ca bhavati dvividhaḥ phalodayaḥ
auch besteht eine Volksüberlieferung: zweifach [sei] die Entstehung der Frucht (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
sukṛtāt sukham avāpyate duṣkṛtāt duḥkham iti
aus Gutgetanem wird Glück erlangt, aus Schlechtgetanem Leid, so (Abl.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
atra ucyatām
hierzu möge gesagt werden (3.Sg.Imp.Pass.)

Der Bezug „sukhānāṃ paramāḥ striyaḥ“ setzt eine in der Ausgabe nicht enthaltene frühere Äußerung Bhṛgus voraus. „anaṅgatvena“ spielt auf die Verbrennung Kāmas durch Śiva an.

bhṛgur uvāca; anṛtāt khalu tamaḥ prādurbhūtaṃ tamograstā adharmam evānuvartante na dharmam; krodhalobhamohamānānṛtādibhir avacchannā na khalv asmiṃl loke na cāmutra sukham āpnuvanti; vividhavyādhigaṇopatāpair avakīryante; vadhabandharogaparikleśādibhiś ca kṣutpipāsāśramakṛtair upatāpair upatapyante; caṇḍavātātyuṣṇātiśītakṛtaiś ca pratibhayaiḥ śārīrair duḥkhair upatapyante; bandhudhanavināśaviprayogakṛtaiś ca mānasaiḥ śokair abhibhūyante jarāmṛtyukṛtaiś cānyair iti

Bhṛgu sprach: „Aus der Unwahrheit ist die Finsternis hervorgetreten; von der Finsternis Verschlungene folgen nur dem Adharma, nicht dem Dharma. Von Zorn, Gier, Verblendung, Stolz, Unwahrheit und dergleichen Verhüllte erlangen weder in dieser Welt noch in jener Glück. Sie werden von Scharen vielfältiger Krankheiten und deren Qualen überschüttet; sie werden gepeinigt von Peinen, die aus Töten, Fesselung, Krankheit, Drangsal und dergleichen sowie aus Hunger, Durst und Mühsal entstehen; sie werden von körperlichen Leiden gepeinigt, die als Schrecken durch wilden Sturm, allzu große Hitze und allzu große Kälte entstehen; und sie werden von geistigen Kummerlasten überwältigt, die durch Verlust und Trennung von Verwandten und Besitz entstehen, und von anderen, die durch Alter und Tod entstehen.“

Wort für Wort
bhṛguḥ uvāca
Bhṛgu sprach
anṛtāt khalu tamaḥ prādurbhūtam
aus Unwahrheit nun ist Finsternis hervorgetreten (Abl.Sg.n.; PPP Nom.Sg.n.)
tamograstāḥ adharmam eva anuvartante na dharmam
von Finsternis Verschlungene folgen nur dem Adharma, nicht dem Dharma (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.Med.)
krodhalobhamohamānānṛtādibhiḥ avacchannāḥ
von Zorn, Gier, Verblendung, Stolz, Unwahrheit usw. Verhüllte (Instr.Pl.; PPP Nom.Pl.m.)
na khalu asmin loke na ca amutra sukham āpnuvanti
weder in dieser Welt noch drüben erlangen sie Glück (Lok.Sg.; Adv.; 3.Pl.Präs.)
vividhavyādhigaṇopatāpaiḥ avakīryante
von Scharen mannigfacher Krankheiten und Qualen überschüttet (Instr.Pl.; 3.Pl.Pass.)
vadhabandharogaparikleśādibhiḥ ca kṣutpipāsāśramakṛtaiḥ upatāpaiḥ upatapyante
und durch Peinen aus Töten, Fesselung, Krankheit, Drangsal usw. und aus Hunger, Durst, Mühsal entstanden werden sie gepeinigt (Instr.Pl.; 3.Pl.Pass.)
caṇḍavātātyuṣṇātiśītakṛtaiḥ ca pratibhayaiḥ
und durch Schrecken, die aus wildem Sturm, großer Hitze, großer Kälte entstehen (Instr.Pl.n.)
śārīraiḥ duḥkhaiḥ upatapyante
durch körperliche Leiden werden sie gepeinigt (Instr.Pl.n.; 3.Pl.Pass.)
bandhudhanavināśaviprayogakṛtaiḥ ca mānasaiḥ śokaiḥ abhibhūyante
und durch geistige Trauer, entstanden aus Verlust und Trennung von Verwandten und Besitz, werden sie überwältigt (Instr.Pl.m.; 3.Pl.Pass.)
jarāmṛtyukṛtaiḥ ca anyaiḥ iti
und durch andere, aus Alter und Tod entstandene, so [heißt es] (Instr.Pl.)

yas tv etaiḥ śārīrair mānasair duḥkhair na spṛśyate sa sukhaṃ veda; na caite doṣāḥ svarge prādurbhavanti; tatra bhavati khalu

„Wer aber von diesen körperlichen und geistigen Leiden nicht berührt wird, der kennt das Glück; und diese Übel treten im Himmel nicht auf. Dazu heißt es:“

Wort für Wort
yaḥ tu etaiḥ śārīraiḥ mānasaiḥ duḥkhaiḥ
wer aber von diesen körperlichen, geistigen Leiden (Nom.Sg.m.; Instr.Pl.n.)
na spṛśyate sa sukhaṃ veda
nicht berührt wird, der kennt Glück (3.Sg.Pass.; 3.Sg.Perf. mit Präs.-Bed.)
na ca ete doṣāḥ svarge
und diese Übel nicht im Himmel (Nom.Pl.m.; Lok.Sg.)
prādurbhavanti
treten auf (3.Pl.Präs.)
tatra bhavati khalu
dort besteht/heißt es nämlich (3.Sg.Präs.)

susukhaḥ pavanaḥ svarge gandhaś ca surabhis tathā; kṣutpipāsāśramo nāsti na jarā na ca pāpakam

Sehr angenehm ist der Wind im Himmel, und ebenso der Duft wohlriechend; Hunger, Durst und Mühsal gibt es nicht, nicht Alter und nichts Übles.

Wort für Wort
susukhaḥ pavanaḥ svarge
überaus angenehm [ist] der Wind im Himmel (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
gandhaḥ ca surabhiḥ tathā
und der Duft wohlriechend ebenso (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.)
kṣutpipāsāśramaḥ na asti
Hunger, Durst, Mühsal gibt es nicht (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
na jarā
nicht Alter (Nom.Sg.f.)
na ca pāpakam
und nichts Übles (Nom.Sg.n.)

nityam eva sukhaṃ svarge sukhaṃ duḥkham ihobhayam; narake duḥkham evāhuḥ samaṃ tu paramaṃ padam

Immerfort ist im Himmel Glück; hier in der Welt sind beides, Glück und Leid; in der Hölle, sagt man, nur Leid; das Gleichmaß aber ist der höchste Stand.

Wort für Wort
nityam eva sukhaṃ svarge
immerfort nur Glück im Himmel (Adv.; Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
sukhaṃ duḥkham iha ubhayam
Glück [und] Leid hier beides (Nom.Sg.n.; Adv.)
narake duḥkham eva āhuḥ
in der Hölle nur Leid, sagt man (Lok.Sg.; 3.Pl.Perf.)
samaṃ tu paramaṃ padam
das Gleichmaß aber [ist] der höchste Stand [?] (Nom.Sg.n.)

„samaṃ tu paramaṃ padam“: Deutung unsicher (Gleichmaß / das Gleiche, nämlich weder Glück noch Leid, als höchster Zustand).

pṛthivī sarvabhūtānāṃ janitrī tadvidhāḥ striyaḥ; pumān prajāpatis tatra śukraṃ tejomayaṃ viduḥ

Die Erde ist die Gebärerin aller Wesen, ebenso geartet die Frauen; der Mann ist dabei Prajāpati; den Samen kennt man als aus Glut bestehend.

Wort für Wort
pṛthivī sarvabhūtānām janitrī
die Erde [ist] die Gebärerin aller Wesen (Nom.Sg.f.; Gen.Pl.n.; Nom.Sg.f.)
tadvidhāḥ striyaḥ
ebenso geartet [sind] die Frauen (Nom.Pl.f.)
pumān prajāpatiḥ tatra
der Mann [ist] Prajāpati dabei (Nom.Sg.m.)
śukraṃ tejomayaṃ viduḥ
den Samen als aus Glut/Kraft bestehend kennt man (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Perf.)

Der Vers steht in unklarem Zusammenhang mit Bharadvājas Einwand; die Deutung „Frauen wie die Erde, Mann als Schöpfer“ folgt dem Wortlaut.

ity etal lokanirmāṇaṃ brahmaṇā vihitaṃ purā; prajā viparivartante svaiḥ svaiḥ karmabhir āvṛtāḥ

So ist diese Weltordnung von Brahmā vor Zeiten eingerichtet worden; die Geschöpfe wandeln umher, jeweils von ihren eigenen Taten umhüllt.

Wort für Wort
iti etat lokanirmāṇam
so [ist] diese Weltordnung (Nom.Sg.n.)
brahmaṇā vihitaṃ purā
von Brahmā eingerichtet vor Zeiten (Instr.Sg.; PPP Nom.Sg.n.; Adv.)
prajāḥ viparivartante
die Geschöpfe wandeln umher/kreisen (Nom.Pl.f.; 3.Pl.Präs.Med.)
svaiḥ svaiḥ karmabhiḥ āvṛtāḥ
von ihren jeweiligen Taten umhüllt (Instr.Pl.; PPP Nom.Pl.f.)

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