Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 189: japakopākhyāna Vom Murmeln (Japa) und dem Weg der Jāpakas bis zum Höchsten

Yudhiṣṭhira fragt nach Lohn und Vorschrift der Jāpakas; Bhīṣma beginnt mit einer alten Erzählung um Yama, Kāla und einen Brahmanen und beschreibt zunächst den Weg des Tätigen (Pravṛtti), dann den der Abkehr (Nivṛtti) bis zur Erlösung.

yudhiṣṭhira uvāca; cāturāśramyam uktaṃ te rājadharmās tathaiva ca; nānāśrayāś ca bahava itihāsāḥ pṛthagvidhāḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Die Vierheit der Lebensstadien ist von dir dargelegt worden und ebenso die Pflichten der Könige, und viele Erzählungen (Itihāsas) verschiedener Art mit mannigfachen Grundlagen.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
cāturāśramyam uktaṃ te
die Vierstufigkeit der Lebensstadien ist von dir gesagt (Nom.Sg.n., Part.Pass. / Instr.-Gen. te)
rājadharmās tathaiva ca
und ebenso die Königspflichten (Nom.Pl.m.)
nānāśrayāś ca bahava
und viele mit mannigfacher Grundlage (Nom.Pl.m.)
itihāsāḥ pṛthagvidhāḥ
Erzählungen, verschiedenartige (Nom.Pl.m.)

śrutās tvattaḥ kathāś caiva dharmayuktā mahāmate; saṃdeho 'sti tu kaś cin me tad bhavān vaktum arhati

„Auch Geschichten voll Dharma habe ich von dir gehört, o Hochgesinnter; doch besteht mir noch ein Zweifel, den möge Eure Hoheit aussprechen.“

Wort für Wort
śrutās tvattaḥ kathāś caiva
gehört von dir wurden Geschichten (Part.Pass., Nom.Pl.f. / Abl.)
dharmayuktā mahāmate
dharmagefüllte, o Hochgesinnter (Nom.Pl.f. / Vok.Sg.)
saṃdeho 'sti tu kaś cin me
ein Zweifel ist mir aber irgendeiner (3.Sg.Präs. / Dat.-Gen.)
tad bhavān vaktum arhati
den darf Eure Hoheit sagen (Inf. / 3.Sg.Präs.)

jāpakānāṃ phalāvāptiṃ śrotum icchāmi bhārata; kiṃ phalaṃ japatām uktaṃ kva vā tiṣṭhanti jāpakāḥ

„Die Erlangung des Lohnes der Jāpakas [Murmelnden/Rezitierenden] möchte ich hören, o Bhārata. Welcher Lohn wird den Murmelnden zugeschrieben, oder wo verweilen die Jāpakas?“

Wort für Wort
jāpakānāṃ phalāvāptiṃ
die Erlangung des Lohnes der Rezitierer (Gen.Pl. / Akk.Sg.f.)
śrotum icchāmi bhārata
hören will ich, o Bhārata (Inf. / 1.Sg.Präs. / Vok.)
kiṃ phalaṃ japatām uktaṃ
welcher Lohn ist den Murmelnden genannt (Nom.Sg.n. / Gen.Pl.m. / Part.Pass.)
kva vā tiṣṭhanti jāpakāḥ
oder wo stehen/weilen die Jāpakas (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.m.)

japasya ca vidhiṃ kṛtsnaṃ vaktum arhasi me 'nagha; jāpakā iti kiṃ caitat sāṃkhyayogakriyāvidhiḥ

„Und die ganze Vorschrift des Murmelns darfst du mir darlegen, Makelloser. Und was ist dies mit ‚Jāpakas‘: eine Vorschrift für Handlungen des Sāṃkhya und des Yoga?“

Wort für Wort
japasya ca vidhiṃ kṛtsnaṃ
und die vollständige Vorschrift des Murmelns (Gen.Sg. / Akk.Sg.m.)
vaktum arhasi me 'nagha
darfst/sollst mir sagen, Makelloser (Inf. / 2.Sg.Präs. / Vok.)
jāpakā iti kiṃ caitat
‚Jāpakas‘, so, und was ist dies (Nom.Pl. / Nom.Sg.n.)
sāṃkhyayogakriyāvidhiḥ
Vorschrift der Sāṃkhya-Yoga-Handlungen (Kompositum, Nom.Sg.m.)

kiṃ yajñavidhir evaiṣa kim etaj japyam ucyate; etan me sarvam ācakṣva sarvajño hy asi me mataḥ

„Ist dies nur eine Opfervorschrift? Was wird ‚das zu Murmelnde‘ genannt? Dies alles sage mir; denn allwissend bist du, so meine Meinung.“

Wort für Wort
kiṃ yajñavidhir evaiṣa
ist dies nur eine Opfervorschrift (Nom.Sg.m.)
kim etaj japyam ucyate
was wird dieses ‚Zu-Murmelnde‘ genannt (Gerundiv Nom.Sg.n. / 3.Sg.Pass.)
etan me sarvam ācakṣva
dies alles sage mir (Imp.Med. 2.Sg. / Dat.)
sarvajño hy asi me mataḥ
allwissend bist du ja, [so] von mir gehalten (Nom.Sg.m. / 2.Sg.Präs. / Part.Pass.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; yamasya yat purā vṛttaṃ kālasya brāhmaṇasya ca

Bhīṣma sprach: „Auch hierzu führt man diese alte Geschichte an: was einst dem Yama, dem Kāla [der Zeit] und einem Brahmanen geschah.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atrāpy udāharantīmam
auch hierzu führt man diese an (3.Pl.Präs. / Akk.Sg.m.)
itihāsaṃ purātanam
Geschichte, alte (Akk.Sg.m.)
yamasya yat purā vṛttaṃ
was einst geschah, des Yama (Part.Pass. Nom.Sg.n. / Gen.)
kālasya brāhmaṇasya ca
des Kāla und des Brahmanen (Gen.Sg.)

sāṃkhyayogau tu yāv uktau munibhir mokṣadarśibhiḥ

[Anm.: Fortsetzung des Satzes folgt in der nächsten Einheit] Sāṃkhya und Yoga, die beiden, die von den Weisen, welche die Erlösung schauen, gelehrt wurden.

Wort für Wort
sāṃkhyayogau tu
Sāṃkhya und Yoga aber (Nom.Du.m.)
yāv uktau
die beiden, die gesagt wurden (Rel. Nom.Du. / Part.Pass.)
munibhir mokṣadarśibhiḥ
von den Weisen, die die Erlösung schauen (Instr.Pl.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Satz ist unvollständig, Beziehung zum Folgenden unklar.

ikṣvākoś caiva mṛtyoś ca vivādo dharmakāraṇāt

Und der Streit des Ikṣvāku und des Mṛtyu [des Todes] um des Dharma willen.

Wort für Wort
ikṣvākoś caiva
und des Ikṣvāku (Gen.Sg.m.)
mṛtyoś ca
und des Mṛtyu (Gen.Sg.m.)
vivādo
Streit (Nom.Sg.m.)
dharmakāraṇāt
um des Dharma willen (Abl.Sg.n. adverbial)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Bezug zur vorangehenden Zeile unklar.

saṃnyāsa eva vedānte vartate japanaṃ prati; vedavādābhinirvṛttā śāntir brahmaṇy avasthitau; mārgau tāv apy ubhāv etau saṃśritau na ca saṃśritau

Entsagung allein gilt im Vedānta in Bezug auf das Murmeln; aus der Lehre der Veden hervorgegangen ist die Ruhe, im Brahman fest gegründet. Diese beiden Wege sind beide zugleich beschritten und nicht beschritten [?].

Wort für Wort
saṃnyāsa eva vedānte
Entsagung allein im Vedānta (Nom.Sg.m. / Lok.Sg.m.)
vartate japanaṃ prati
besteht/gilt in Bezug auf das Murmeln (3.Sg.Präs.Med. / Akk. + prati)
vedavādābhinirvṛttā
aus der Lehre der Veden hervorgegangen (Nom.Sg.f.)
śāntir brahmaṇy avasthitau
Ruhe im Zustand des Feststehens im Brahman (Nom.Sg.f. / Lok.Sg.f.)
mārgau tāv apy ubhāv etau
diese beiden Wege, beide (Nom.Du.m.)
saṃśritau na ca saṃśritau
beschritten und nicht beschritten (Part.Pass. Nom.Du.)

Der letzte Halbvers ist paradox formuliert und in der Deutung unsicher.

yathā saṃśrūyate rājan kāraṇaṃ cātra vakṣyate

Wie es überliefert wird, o König, und der Grund hierfür wird genannt werden.

Wort für Wort
yathā saṃśrūyate rājan
wie es überliefert wird, o König (3.Sg.Pass.Präs. / Vok.)
kāraṇaṃ cātra
und der Grund hierbei (Nom.Sg.n.)
vakṣyate
wird gesagt werden (3.Sg.Fut.Pass.)

krameṇa caiṣa vihito japayajñavidhir nṛpa; sālambanam iti jñeyaṃ japayajñātmakaṃ śubham

In gehöriger Abfolge ist diese Vorschrift des Murmelopfers festgesetzt, o König; „mit Stütze“ [sālambana] ist dies zu erkennen, heilvoll, das Murmelopfer zum Wesen habend.

Wort für Wort
krameṇa caiṣa vihito
der Reihe nach ist diese festgesetzt (Instr.Sg. / Nom.Sg.m. / Part.Pass.)
japayajñavidhir nṛpa
Vorschrift des Murmelopfers, o König (Nom.Sg.m. / Vok.)
sālambanam iti jñeyaṃ
‚mit Stütze‘, so ist es zu erkennen (Gerundiv Nom.Sg.n.)
japayajñātmakaṃ śubham
das Murmelopfer zum Wesen habend, heilvoll (Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

manaḥsamādhir atrāpi tathendriyajayaḥ smṛtaḥ

Auch hierbei gilt Sammlung des Geistes, ebenso Bezwingung der Sinne, wie überliefert.

Wort für Wort
manaḥsamādhir atrāpi
Sammlung des Geistes auch hierbei (Nom.Sg.m.)
tathendriyajayaḥ
und ebenso Sinnenbezwingung (Nom.Sg.m.)
smṛtaḥ
überliefert/gilt (Part.Pass. Nom.Sg.m.)

satyam agniparīcāro viviktānāṃ ca sevanam; dhyānaṃ tapo damaḥ kṣāntir anasūyā mitāśanam

Wahrhaftigkeit, Feuerdienst, das Aufsuchen einsamer Orte, Meditation, Askese, Selbstbezähmung, Nachsicht, Neidlosigkeit, maßvolles Essen,

Wort für Wort
satyam agniparīcāro
Wahrhaftigkeit, Feuerdienst (Nom.Sg.)
viviktānāṃ ca sevanam
und das Aufsuchen einsamer [Orte] (Gen.Pl. / Nom.Sg.n.)
dhyānaṃ tapo damaḥ
Meditation, Askese, Selbstbezähmung (Nom.Sg.)
kṣāntir anasūyā
Nachsicht, Neidlosigkeit (Nom.Sg.f.)
mitāśanam
maßvolles Essen (Nom.Sg.n.)

viṣayapratisaṃhāro mitajalpas tathā śamaḥ; eṣa pravṛttako dharmo nivṛttakam atho śṛṇu

Zurückziehen von den Sinnesobjekten, maßvolles Reden und ebenso Beruhigung: dies ist die Pflicht des Tätigen [Pravṛtti]; nun höre die der Abkehr [Nivṛtti].

Wort für Wort
viṣayapratisaṃhāro
Zurückziehen von den Sinnesobjekten (Nom.Sg.m.)
mitajalpas tathā śamaḥ
maßvolles Reden und ebenso Ruhe (Nom.Sg.m.)
eṣa pravṛttako dharmo
dies ist die Pflicht der Hinwendung [zum Handeln] (Nom.Sg.m.)
nivṛttakam atho śṛṇu
die der Abkehr aber nun höre (Akk.Sg.n. / Imp.2.Sg.)

yathā nivartate karma japato brahmacāriṇaḥ

[Höre,] wie die Handlung aufhört bei dem murmelnden Brahmacārin.

Wort für Wort
yathā nivartate karma
wie aufhört die Handlung (3.Sg.Präs.Med. / Nom.Sg.n.)
japato brahmacāriṇaḥ
des murmelnden Brahmacārin (Gen.Sg.m.)

na japo na ca vai dhyānaṃ necchā na dveṣaharṣaṇau; yujyate nṛpaśārdūla susaṃvedyaṃ hi tat kila; japam āvartayan nityaṃ japan vai brahmacārikam; tadarthabuddhyā saṃyāti manasā jāpakaḥ param; yathā saṃśrūyate jāpo yena vai jāpako bhavet; saṃhitāpraṇavenaiva sāvitrī ca parā matā; yad anyad ucitaṃ śuddhaṃ vedasmṛty upapāditam

Weder Murmeln noch Meditation, weder Wunsch noch Haß und Freude sind [dann] angemessen; denn dies, o Tiger unter den Königen, ist ja, wie es heißt, leicht zu erfahren. Wer das Murmeln beständig wiederholt, den Brahmacārika [?] murmelnd, gelangt, als Jāpaka, mit der auf dessen Sinn gerichteten Einsicht durch den Geist zum Höchsten. Wie überliefert wird, durch welches [Murmeln] einer zum Jāpaka würde: durch die Saṃhitā und die Silbe Om, und die Sāvitrī gilt als die höchste; und was sonst schicklich, rein und durch Veda und Smṛti begründet ist:

Wort für Wort
na japo na ca vai dhyānaṃ
weder Murmeln noch Meditation (Nom.Sg.m./n.)
necchā na dveṣaharṣaṇau
weder Wunsch noch Haß und Freude (Nom.Sg.f. / Nom.Du.)
yujyate nṛpaśārdūla
ist angemessen, o Tiger unter den Königen (3.Sg.Pass.Präs. / Vok.)
susaṃvedyaṃ hi tat kila
denn das ist leicht zu erfahren, wie es heißt (Gerundiv Nom.Sg.n.)
japam āvartayan nityaṃ japan vai brahmacārikam
das Murmeln beständig wiederholend, den Brahmacārika murmelnd (Part.Präs. Nom.Sg.m. / Akk.Sg.n.)
tadarthabuddhyā saṃyāti manasā jāpakaḥ param
mit auf dessen Sinn gerichteter Einsicht gelangt der Jāpaka durch den Geist zum Höchsten (Instr.Sg.f. / 3.Sg.Präs. / Instr.Sg.n. / Nom.Sg.m. / Akk.Sg.n.)
yathā saṃśrūyate jāpo yena vai jāpako bhavet
wie überliefert wird das Murmeln, wodurch einer Jāpaka werden könnte (3.Sg.Pass.Präs. / Nom.Sg.m. / Opt.3.Sg.)
saṃhitāpraṇavenaiva sāvitrī ca parā matā
durch Saṃhitā und Praṇava, und die Sāvitrī als höchste gehalten (Instr.Sg.m. / Nom.Sg.f. / Part.Pass.)
yad anyad ucitaṃ śuddhaṃ vedasmṛty upapāditam
was anderes schicklich, rein, durch Veda und Smṛti begründet ist (Nom.Sg.n. / Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text teils unsicher (brahmacārikam), Satz endet offen und wird in der folgenden Einheit fortgesetzt.

etat sarvam aśeṣeṇa yathoktaṃ parivarjayet; trividhaṃ mārgam āsādya vyaktāvyaktam anāśrayam

All dies, wie gesagt, soll er ohne Rest aufgeben, nachdem er den dreifachen Weg betreten hat, den offenbaren und unoffenbaren, der keine Stütze hat.

Wort für Wort
etat sarvam aśeṣeṇa
all dies ohne Rest (Akk.Sg.n. / Instr.Sg.n. adverbial)
yathoktaṃ parivarjayet
wie gesagt, soll er meiden/aufgeben (Part.Pass. / Opt.3.Sg.)
trividhaṃ mārgam āsādya
den dreifachen Weg erreicht habend (Akk.Sg.m. / Abs.)
vyaktāvyaktam anāśrayam
den offenbaren-unoffenbaren, stützenlosen (Akk.Sg.m.)

kuśoccayaniṣaṇṇaḥ san kuśahastaḥ kuśaiḥ śikhī; cīraiḥ parivṛtas tasmin madhye channaḥ kuśais tathā

Auf einem Haufen von Kuśa-Gras sitzend, Kuśa-Gras in der Hand, mit einem Schopf aus Kuśa [?], von Bastgewändern umhüllt, in dessen Mitte, ebenso von Kuśa bedeckt.

Wort für Wort
kuśoccayaniṣaṇṇaḥ san
auf einem Kuśa-Haufen sitzend (Nom.Sg.m. / Part.Präs.)
kuśahastaḥ
Kuśa in der Hand (Nom.Sg.m.)
kuśaiḥ śikhī
mit Kuśa [als] Schopf (Instr.Pl. / Nom.Sg.m.)
cīraiḥ parivṛtas
von Bastgewändern umhüllt (Instr.Pl. / Part.Pass.)
tasmin madhye
in dessen Mitte (Lok.Sg.)
channaḥ kuśais tathā
bedeckt von Kuśa ebenso (Part.Pass. / Instr.Pl.)

Der Halbvers kuśahastaḥ kuśaiḥ śikhī ist knapp; Deutung von śikhī unsicher.

viṣayebhyo namaskuryād viṣayān na ca bhāvayet; sāmyam utpādya manaso manasy eva mano dadhat

Vor den Sinnesobjekten soll er sich verneigen [d. h. sich von ihnen verabschieden], die Objekte aber nicht in Gedanken hegen; Gleichmut im Geist erzeugend, den Geist nur im Geist festigend.

Wort für Wort
viṣayebhyo namaskuryād
vor den Objekten soll er sich verneigen (Dat.Pl. / Opt.3.Sg.)
viṣayān na ca bhāvayet
die Objekte aber nicht hegen/erwägen (Akk.Pl. / Opt.Kaus.3.Sg.)
sāmyam utpādya manaso
Gleichmut erzeugt habend des Geistes (Akk.Sg.n. / Abs. / Gen.Sg.)
manasy eva mano dadhat
im Geist eben den Geist setzend (Lok.Sg. / Akk.Sg. / Part.Präs.)

tad dhiyā dhyāyati brahma japan vai saṃhitāṃ hitām; saṃnyasyaty atha vā tāṃ vai samādhau paryavasthitaḥ

Mit dieser Einsicht meditiert er über Brahman, die heilsame Saṃhitā murmelnd; oder er gibt sie auf, in der Sammlung fest gegründet.

Wort für Wort
tad dhiyā dhyāyati brahma
mit dieser Einsicht meditiert er über Brahman (Instr.Sg.f. / 3.Sg.Präs. / Akk.Sg.n.)
japan vai saṃhitāṃ hitām
murmelnd die Saṃhitā, die heilsame (Part.Präs. / Akk.Sg.f.)
saṃnyasyaty atha vā tāṃ vai
oder er gibt sie auf (3.Sg.Präs.)
samādhau paryavasthitaḥ
in der Sammlung fest stehend (Lok.Sg.m. / Part.Pass.)

dhyānam utpādayaty atra saṃhitābalasaṃśrayāt; śuddhātmā tapasā dānto nivṛttadveṣakāmavān

Meditation erzeugt er hier aus der Stütze der Kraft der Saṃhitā; mit geläutertem Selbst, durch Askese gebändigt, frei von Haß und Begierde.

Wort für Wort
dhyānam utpādayaty atra
Meditation erzeugt er hier (Akk.Sg.n. / 3.Sg.Präs.Kaus.)
saṃhitābalasaṃśrayāt
aus der Stütze auf die Kraft der Saṃhitā (Abl.Sg.m.)
śuddhātmā tapasā dānto
mit geläutertem Selbst, durch Askese gebändigt (Nom.Sg.m. / Instr.Sg.n.)
nivṛttadveṣakāmavān
frei von Haß und Begierde (Nom.Sg.m.)

athābhimatamantreṇa praṇavādyaṃ japet kṛtī; yasminn evābhipatitaṃ manas tatra niveśayet; samādhau sa hi mantre tu saṃhitāṃ vā yathāvidhi

Dann soll der Erfolgreiche mit dem erwünschten Mantra, mit Om beginnend, murmeln; worauf der Geist gefallen ist, darauf soll er ihn richten; in der Sammlung, im Mantra oder die Saṃhitā, nach Vorschrift.

Wort für Wort
athābhimatamantreṇa
dann mit dem erwünschten Mantra (Instr.Sg.m.)
praṇavādyaṃ japet kṛtī
mit Om beginnend soll er murmeln, der Erfolgreiche (Akk.Sg.n. / Opt.3.Sg. / Nom.Sg.m.)
yasminn evābhipatitaṃ manas
worauf der Geist gefallen ist (Lok.Sg.n. / Part.Pass. Nom.Sg.n.)
tatra niveśayet
darauf soll er richten (Opt.Kaus.3.Sg.)
samādhau sa hi mantre tu
in der Sammlung, er, im Mantra aber (Lok.Sg.)
saṃhitāṃ vā yathāvidhi
oder die Saṃhitā, nach Vorschrift (Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der letzte Halbvers ist syntaktisch knapp und unsicher.

arāgamoho nirdvaṃdvo na śocati na sajjate; na kartākaraṇīyānāṃ na kāryāṇām iti sthitiḥ

Ohne Leidenschaft und Verblendung, frei von Gegensatzpaaren, trauert er nicht und haftet nicht an; er ist weder Täter des Nicht-zu-Tuenden noch des zu Verrichtenden: so ist der Zustand.

Wort für Wort
arāgamoho nirdvaṃdvo
ohne Leidenschaft und Verblendung, frei von Gegensätzen (Nom.Sg.m.)
na śocati na sajjate
trauert nicht, haftet nicht (3.Sg.Präs.)
na kartākaraṇīyānāṃ
nicht Täter des Nicht-zu-Tuenden (Nom.Sg.m. / Gen.Pl.n.)
na kāryāṇām iti sthitiḥ
nicht des zu Verrichtenden, so der Zustand (Gen.Pl.n. / Nom.Sg.f.)

na cāhaṃkārayogena manaḥ prasthāpayet kva cit; na cātmagrahaṇe yukto nāvamānī na cākriyaḥ

Und nicht soll er durch Verbindung mit Ich-Bewusstsein den Geist irgendwohin aussenden; er ist nicht auf das Ergreifen des Selbst [?] gerichtet, nicht verächtlich, nicht untätig.

Wort für Wort
na cāhaṃkārayogena
und nicht durch Verbindung mit Ich-Bewusstsein (Instr.Sg.m.)
manaḥ prasthāpayet kva cit
den Geist soll er aussenden irgendwohin (Akk.Sg.n. / Opt.Kaus.3.Sg.)
na cātmagrahaṇe yukto
und nicht auf das Ergreifen des Selbst gerichtet (Lok.Sg.n. / Nom.Sg.m.)
nāvamānī na cākriyaḥ
nicht verachtend, nicht untätig (Nom.Sg.m.)

ātmagrahaṇa ist mehrdeutig (Ergreifen/Festhalten des Selbst, auch: Selbstbetonung).

dhyānakriyāparo yukto dhyānavān dhyānaniścayaḥ; dhyāne samādhim utpādya tad api tyajati kramāt

Der Meditationsübung ergeben, gesammelt, meditierend, in der Meditation entschlossen; in der Meditation Sammlung erzeugt habend, gibt er auch diese der Reihe nach auf.

Wort für Wort
dhyānakriyāparo yukto
der Meditationsübung ergeben, gesammelt (Nom.Sg.m.)
dhyānavān dhyānaniścayaḥ
meditierend, der Meditation entschlossen (Nom.Sg.m.)
dhyāne samādhim utpādya
in der Meditation Sammlung erzeugt habend (Lok.Sg.n. / Akk.Sg.m. / Abs.)
tad api tyajati kramāt
auch dies gibt er auf der Reihe nach (3.Sg.Präs. / Abl.Sg.m.)

sa vai tasyām avasthāyāṃ sarvatyāgakṛtaḥ sukhī; nirīhas tyajati prāṇān brāhmīṃ saṃśrayate tanum

In jenem Zustand ist er, der alles Aufgeben vollzogen hat, glücklich; wunschlos gibt er die Lebenshauche auf und nimmt einen brahmischen Leib an.

Wort für Wort
sa vai tasyām avasthāyāṃ
er in jenem Zustand (Nom.Sg.m. / Lok.Sg.f.)
sarvatyāgakṛtaḥ sukhī
der alles Aufgeben getan hat, glücklich (Nom.Sg.m.)
nirīhas tyajati prāṇān
wunschlos gibt er die Lebenshauche auf (Nom.Sg.m. / 3.Sg.Präs. / Akk.Pl.m.)
brāhmīṃ saṃśrayate tanum
einen brahmischen Leib nimmt er zur Zuflucht (Akk.Sg.f. / 3.Sg.Präs.Med.)

nirālambo bhavet smṛtvā maraṇāya samādhimān; sarvāṃl lokān samākramya kramāt prāpnoti vai param

Stützenlos soll er werden, sich [dessen] erinnernd, gesammelt für das Sterben; alle Welten durchschreitend, erreicht er der Reihe nach das Höchste.

Wort für Wort
nirālambo bhavet
stützenlos soll er werden (Nom.Sg.m. / Opt.3.Sg.)
smṛtvā maraṇāya samādhimān
sich erinnernd, für das Sterben gesammelt (Abs. / Dat.Sg.n. / Nom.Sg.m.)
sarvāṃl lokān samākramya
alle Welten durchschreitend (Akk.Pl.m. / Abs.)
kramāt prāpnoti vai param
der Reihe nach erreicht er das Höchste (Abl.Sg. / 3.Sg.Präs. / Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

atha vā necchate tatra brahmakāyaniṣevaṇam; utkrāmati ca mārgastho naiva kva cana jāyate

Oder er wünscht dort nicht den Dienst am Brahman-Leib; er steigt aus, auf dem Wege stehend, und wird nirgends geboren.

Wort für Wort
atha vā necchate tatra
oder er wünscht nicht dort (3.Sg.Präs.Med.)
brahmakāyaniṣevaṇam
den Dienst am Brahman-Leib (Akk.Sg.n.)
utkrāmati ca mārgastho
und er steigt aus, auf dem Weg stehend (3.Sg.Präs. / Nom.Sg.m.)
naiva kva cana jāyate
und wird nirgends geboren (3.Sg.Präs.Med.)

ātmabuddhiṃ samāsthāya śāntībhūto nirāmayaḥ; amṛtaṃ virajaḥśuddham ātmānaṃ pratipadyate

Auf Selbst-Einsicht gestützt, zur Ruhe gekommen, ohne Krankheit, gelangt er zum Selbst, dem unsterblichen, staubfreien, reinen.

Wort für Wort
ātmabuddhiṃ samāsthāya
die Selbst-Einsicht angenommen habend (Akk.Sg.f. / Abs.)
śāntībhūto nirāmayaḥ
zur Ruhe geworden, ohne Krankheit (Nom.Sg.m.)
amṛtaṃ virajaḥśuddham
unsterblich, staubfrei, rein (Akk.Sg.m.)
ātmānaṃ pratipadyate
zum Selbst gelangt er (Akk.Sg.m. / 3.Sg.Präs.Med.)

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