Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 20: yajñapraśaṃsā Devasthāna preist das Opfer und den Einsatz des Reichtums dafür

Devasthāna antwortet auf Arjunas Lob des Reichtums und mahnt Yudhiṣṭhira, die gewonnene Erde durch große Opfer fruchtbar zu machen.

vaiśaṃpāyana uvāca; tasmin vākyāntare vaktā devasthāno mahātapāḥ; abhinītataraṃ vākyam ity uvāca yudhiṣṭhiram

Vaiśaṃpāyana sprach: Da ergriff in der Gesprächspause Devasthāna, der große Asket, das Wort und sprach zu Yudhiṣṭhira eine noch gewandtere Rede.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
tasmin vākyāntare
in dieser Redepause (Lok.)
vaktā devasthānaḥ mahātapāḥ
der Sprecher Devasthāna, der große Asket (Nom.Sg.)
abhinītataraṃ vākyam
eine noch gewandtere/wohlgesetztere Rede (Akk.Sg., Komparativ)
ity uvāca yudhiṣṭhiram
so sprach er zu Yudhiṣṭhira (Perf. 3.Sg./Akk.)

yad vacaḥ phalgunenoktaṃ na jyāyo 'sti dhanād iti; atra te vartayiṣyāmi tad ekāgramanāḥ śṛṇu

„Das Wort, das Phalguna gesprochen hat, dass es nichts Besseres gebe als Reichtum – dazu will ich dir etwas sagen; höre das mit gesammeltem Sinn.“

Wort für Wort
yad vacaḥ phalgunena uktam
das Wort, das von Phalguna gesagt wurde (Nom.Sg.n./Instr./Part.Pass.)
na jyāyaḥ asti dhanāt iti
„es gibt nichts Besseres als Reichtum“ (Präs. 3.Sg./Abl. der Vergleichung)
atra te vartayiṣyāmi
dazu werde ich dir darlegen (Fut. 1.Sg.Kaus./Dat.-Gen. te)
tad ekāgramanāḥ śṛṇu
das höre mit auf einen Punkt gerichtetem Sinn (Imp. 2.Sg./Nom.)

ajātaśatro dharmeṇa kṛtsnā te vasudhā jitā; tāṃ jitvā na vṛthā rājaṃs tvaṃ parityaktum arhasi

„Ajātaśatru, durch Recht ist dir die ganze Erde gewonnen. Hast du sie gewonnen, so darfst du sie, König, nicht nutzlos preisgeben.“

Wort für Wort
ajātaśatro
Ajātaśatru (Vok.Sg.), Feindloser
dharmeṇa kṛtsnā te vasudhā jitā
durch das Recht ist dir die ganze Erde besiegt (Instr./Nom.Sg.f./Part.Pass.)
tāṃ jitvā
nachdem du sie gewonnen hast (Gerundium)
na vṛthā rājan
nicht umsonst, König (Adv./Vok.)
tvaṃ parityaktum arhasi
du darfst sie aufgeben (Inf./Präs. 2.Sg.)

catuṣpadī hi niḥśreṇī karmaṇy eṣā pratiṣṭhitā; tāṃ krameṇa mahābāho yathāvaj jaya pārthiva

„Denn eine vierstufige Leiter ist dies, im Ritualwerk gegründet. Steige sie der Reihe nach, Starkarmiger, wie es sich gehört, empor, Fürst.“

Wort für Wort
catuṣpadī hi niḥśreṇī
denn eine vierstufige Leiter (Nom.Sg.f.)
karmaṇi eṣā pratiṣṭhitā
im Ritualwerk gegründet ist diese (Lok./Nom.Sg.f./Part.Pass.)
tāṃ krameṇa mahābāho
sie der Reihe nach, Starkarmiger (Akk./Instr./Vok.)
yathāvat jaya pārthiva
gebührend erobere/ersteige, Fürst (Adv./Imp. 2.Sg./Vok.)

„catuṣpadī niḥśreṇī“: vierstufig, wohl Bezug auf die vier Lebensstufen (āśramas) [?].

tasmāt pārtha mahāyajñair yajasva bahudakṣiṇaiḥ; svādhyāyayajñā ṛṣayo jñānayajñās tathāpare

„Darum, Pārtha, opfere mit großen Opfern, reich an Opfergaben. Die Seher sind solche, deren Opfer das Vedastudium ist, andere solche, deren Opfer die Erkenntnis ist.“

Wort für Wort
tasmāt pārtha
darum, Pārtha (Abl./Vok.)
mahāyajñaiḥ yajasva
mit großen Opfern opfere (Instr.Pl./Imp. Med. 2.Sg.)
bahudakṣiṇaiḥ
reich an Opferlohn (Instr.Pl., Bahuvrīhi)
svādhyāyayajñā ṛṣayaḥ
die Seher, deren Opfer das Vedastudium ist (Nom.Pl.)
jñānayajñāḥ tathā apare
(die einen mit) Erkenntnisopfer, ebenso andere (Nom.Pl.)

karmaniṣṭhāṃs tu budhyethās taponiṣṭhāṃś ca bhārata; vaikhānasānāṃ rājendra vacanaṃ śrūyate yathā

„Du sollst aber die im Ritualwerk Feststehenden und die in der Askese Feststehenden erkennen, Bhārata. Was die Vaikhānasas sagen, König der Könige, wird so überliefert:“

Wort für Wort
karmaniṣṭhān tu budhyethāḥ
die im Ritualwerk Feststehenden aber sollst du erkennen (Akk.Pl./Opt. Med. 2.Sg.)
taponiṣṭhān ca bhārata
und die in der Askese Feststehenden, Bhārata (Akk.Pl./Vok.)
vaikhānasānāṃ rājendra
der Vaikhānasas, Herrscher der Könige (Gen.Pl./Vok.)
vacanaṃ śrūyate yathā
die Rede wird gehört/überliefert, wie folgt (Präs.Pass. 3.Sg.)

Der Vers ist syntaktisch offen; die Aussage der Vaikhānasas folgt in Vers 7.

īhate dhanahetor yas tasyānīhā garīyasī; bhūyān doṣaḥ pravardheta yas taṃ dhanam apāśrayet

„Wer um des Reichtums willen strebt – für den ist das Nichtstreben das Gewichtigere [Bessere]. Größerer Fehler würde dem erwachsen, der sich auf Reichtum stützt.“

Wort für Wort
īhate dhanahetoḥ yaḥ
wer um des Reichtums willen strebt (Präs. Med. 3.Sg./Abl. als Postposition)
tasya anīhā garīyasī
für den ist Nichtstreben gewichtiger (Gen./Nom.Sg.f., Komparativ)
bhūyān doṣaḥ pravardheta
größerer Fehler würde wachsen (Nom.Sg./Opt. Med. 3.Sg.)
yaḥ taṃ dhanam apāśrayet
der sich auf diesen Reichtum stützt (Opt. 3.Sg./Akk.)

kṛcchrāc ca dravyasaṃhāraṃ kurvanti dhanakāraṇāt; dhanena tṛṣito 'buddhyā bhrūṇahatyāṃ na budhyate

„Nur mit Mühe häufen sie Güter an, um des Reichtums willen. Wer vom Reichtum durstig ist, bemerkt in seiner Unverständigkeit nicht den [darin liegenden] Embryomord [?].“

Wort für Wort
kṛcchrāt ca dravyasaṃhāram
und mit Mühe das Anhäufen von Gütern (Abl./Akk.Sg.)
kurvanti dhanakāraṇāt
sie tun (es) wegen des Reichtums (Präs. 3.Pl./Abl.)
dhanena tṛṣitaḥ abuddhyā
vom Reichtum Durstiger, aus Unverstand (Instr./Part.Pass./Instr.)
bhrūṇahatyāṃ na budhyate
Embryomord nicht bemerkt er (Akk.Sg./Präs. Med. 3.Sg.)

„bhrūṇahatyā“: Tötung eines Embryos bzw. eines gelehrten Brahmanen; Bezug hier unsicher.

anarhate yad dadāti na dadāti yad arhate; anarhārhāparijñānād dānadharmo 'pi duṣkaraḥ

„Dass man dem Unwürdigen gibt und dem Würdigen nicht gibt – weil man Unwürdige und Würdige nicht erkennt, ist selbst die Pflicht des Gebens schwer zu üben.“

Wort für Wort
anarhate yat dadāti
dass man dem Unwürdigen gibt (Dat./Präs. 3.Sg.)
na dadāti yat arhate
(und) dass man dem Würdigen nicht gibt (Präs. 3.Sg./Dat.)
anarhārhāparijñānāt
wegen Nichterkennens von Unwürdigen und Würdigen (Abl.Sg., Kompositum)
dānadharmaḥ api duṣkaraḥ
selbst die Pflicht des Gebens ist schwer zu tun (Nom.Sg.)

yajñāya sṛṣṭāni dhanāni dhātrā; yaṣṭādiṣṭaḥ puruṣo rakṣitā ca; tasmāt sarvaṃ yajña evopayojyaṃ; dhanaṃ tato 'nantara eva kāmaḥ

„Zum Opfer hat der Schöpfer die Güter erschaffen; der Mensch ist [dazu] als Opferer bestimmt und als Hüter. Darum ist alles im Opfer zu verwenden. Reichtum [ist] danach, unmittelbar darauf erst das Begehren [kāma].“

Wort für Wort
yajñāya sṛṣṭāni dhanāni dhātrā
zum Opfer erschaffen sind die Güter vom Schöpfer (Dat./Nom.Pl.n./Part.Pass./Instr.)
yaṣṭā ādiṣṭaḥ puruṣaḥ
der Mensch ist als Opferer angewiesen (Nom.Sg./Part.Pass.)
rakṣitā ca
und als Hüter (Nom.Sg.)
tasmāt sarvaṃ yajñe eva upayojyam
darum ist alles nur im Opfer zu verwenden (Abl./Lok./Gerundiv)
dhanaṃ tataḥ anantaraḥ eva kāmaḥ
Reichtum, danach unmittelbar erst das Begehren (Nom.Sg.)

yajñair indro vividhair annavadbhir; devān sarvān abhyayān mahaujāḥ; tenendratvaṃ prāpya vibhrājate 'sau; tasmād yajñe sarvam evopayojyam

„Durch vielfältige, speisereiche Opfer trat Indra, der Gewaltige, allen Göttern entgegen [und überwand sie]. Dadurch gelangte er zur Indra-Würde und strahlt. Darum ist alles im Opfer zu verwenden.“

Wort für Wort
yajñaiḥ indraḥ vividhaiḥ annavadbhiḥ
durch vielfältige speisereiche Opfer Indra (Instr.Pl./Nom.Sg.)
devān sarvān abhyayāt mahaujāḥ
alle Götter überwand er, der Großkräftige (Akk.Pl./Impf. 3.Sg./Nom.)
tena indratvaṃ prāpya
dadurch die Indra-Würde erlangt habend (Instr./Akk./Gerundium)
vibhrājate asau
er strahlt (Präs. Med. 3.Sg./Nom.)
tasmāt yajñe sarvam eva upayojyam
darum ist alles nur im Opfer zu verwenden (Abl./Lok./Gerundiv)

„abhyayāt“ (Impf. von abhi-√i): entgegengehen, überwinden.

mahādevaḥ sarvamedhe mahātmā; hutvātmānaṃ devadevo vibhūtaḥ; viśvāṃl lokān vyāpya viṣṭabhya kīrtyā; virocate dyutimān kṛttivāsāḥ

„Mahādeva, der Hochgesinnte, der Gott der Götter, wurde beim Allopfer (sarvamedha) mächtig, indem er sich selbst darbrachte; er durchdrang und stützte alle Welten mit seinem Ruhm und leuchtet, der Glänzende, im Fell gekleidet.“

Wort für Wort
mahādevaḥ sarvamedhe mahātmā
Mahādeva beim Allopfer, der Hochgesinnte (Nom./Lok./Nom.)
hutvā ātmānaṃ devadevaḥ vibhūtaḥ
sich selbst geopfert habend, der Gott der Götter, mächtig geworden (Gerundium/Akk./Nom./Part.Pass.)
viśvān lokān vyāpya viṣṭabhya
alle Welten durchdrungen und gestützt habend (Akk.Pl./Gerundien)
kīrtyā virocate
durch Ruhm leuchtet er (Instr./Präs. Med. 3.Sg.)
dyutimān kṛttivāsāḥ
der Glänzende, der Fellgekleidete (Nom.Sg.)

āvikṣitaḥ pārthivo vai maruttaḥ; svṛddhyā martyo yo 'jayad devarājam; yajñe yasya śrīḥ svayaṃ saṃniviṣṭā; yasmin bhāṇḍaṃ kāñcanaṃ sarvam āsīt

„Āvikṣita Marutta, der König, war es, der als Sterblicher durch seinen Wohlstand den König der Götter besiegte; bei dessen Opfer Śrī selbst zugegen war und bei dem alles Gerät golden war.“

Wort für Wort
āvikṣitaḥ pārthivaḥ vai maruttaḥ
Āvikṣita, der König Marutta fürwahr (Nom.Sg.)
svṛddhyā martyaḥ yaḥ ajayat
der durch schönen Wohlstand als Sterblicher besiegte (Instr./Nom./Impf. 3.Sg.)
devarājam
den König der Götter (Akk.Sg.)
yajñe yasya śrīḥ svayaṃ saṃniviṣṭā
in dessen Opfer Śrī selbst sich niedergelassen hatte (Lok./Gen./Nom.Sg.f./Part.Pass.)
yasmin bhāṇḍaṃ kāñcanaṃ sarvam āsīt
bei dem alles Gerät golden war (Lok./Nom.Sg.n./Impf. 3.Sg.)

„āvikṣitaḥ“: Sohn des Avikṣit.

hariścandraḥ pārthivendraḥ śrutas te; yajñair iṣṭvā puṇyakṛd vītaśokaḥ; ṛddhyā śakraṃ yo 'jayan mānuṣaḥ saṃs; tasmād yajñe sarvam evopayojyam

„Hariścandra, der Fürst der Könige, ist dir bekannt: Durch Opfer Verdienst erwerbend, frei von Kummer, besiegte er durch [seine] Fülle Śakra, obwohl er ein Mensch war. Darum ist alles im Opfer zu verwenden.“

Wort für Wort
hariścandraḥ pārthivendraḥ
Hariścandra, der Fürst unter Königen (Nom.Sg.)
śrutaḥ te
(er ist) dir bekannt (Part.Pass./Dat.-Gen.)
yajñaiḥ iṣṭvā puṇyakṛt vītaśokaḥ
durch Opfer geopfert habend, Verdienst wirkend, kummerfrei (Instr.Pl./Gerundium/Nom.)
ṛddhyā śakram yaḥ ajayat
durch Fülle besiegte Śakra der (Instr./Akk./Impf. 3.Sg.)
mānuṣaḥ san
obwohl ein Mensch seiend (Nom./Part.Präs.)
tasmāt yajñe sarvam eva upayojyam
darum ist alles nur im Opfer zu verwenden (Abl./Lok./Gerundiv)

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