Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 244: mahābhūtādiguṇavarṇanam Die fünf Elemente, ihre Eigenschaften und Sinne, Geist und Selbst

Vyāsa beginnt die Belehrung seines Schülers mit der Lehre von den fünf Elementen, den ihnen zugeordneten Sinnen und Eigenschaften sowie von Geist, Erkenntnisfähigkeit und innerem Selbst.

vyāsa uvāca; dvaṃdvāni mokṣajijñāsur arthadharmāv anuṣṭhitaḥ; vaktrā guṇavatā śiṣyaḥ śrāvyaḥ pūrvam idaṃ mahat

Vyāsa sprach: Dem Schüler, der nach Erlösung verlangt [und] Nutzen und Pflicht samt den Gegensatzpaaren geübt hat [?], ist von einem tugendhaften Lehrer zuerst dies Große zu Gehör zu bringen.

Wort für Wort
vyāsa uvāca
Vyāsa sprach (Perf.)
dvaṃdvāni
die Gegensatzpaare (Akk.Pl.n.) [?]
mokṣajijñāsuḥ
Erlösungsbegierige(r) (Nom.Sg.m., Kompositum)
arthadharmau anuṣṭhitaḥ
Nutzen und Pflicht geübt habend (Akk.Du., Part.Perf.Pass. mit aktiver Bed.)
vaktrā guṇavatā
von einem tugendhaften Sprecher/Lehrer (Instr.Sg.)
śiṣyaḥ śrāvyaḥ
der Schüler ist zu hören zu lassen (Nom.Sg., Gerundiv)
pūrvam idaṃ mahat
zuerst dies Große (Adv./Akk.Sg.n.)

Syntax von dvaṃdvāni unsicher (Objekt zu anuṣṭhitaḥ oder Vorverweis auf die folgenden Paare).

ākāśaṃ māruto jyotir āpaḥ pṛthvī ca pañcamī; bhāvābhāvau ca kālaś ca sarvabhūteṣu pañcasu

Äther, Wind, Licht, Wasser und die Erde als fünftes; Sein und Nichtsein und die Zeit [sind] in allen Wesen, in den fünf [Elementen].

Wort für Wort
ākāśaṃ māruto jyotir
Äther, Wind, Licht (Nom.Sg.)
āpaḥ pṛthvī ca pañcamī
Wasser (Nom.Pl.f.) und Erde als fünfte (Nom.Sg.f.)
bhāvābhāvau ca
Sein und Nichtsein (Nom.Du.)
kālaś ca
und die Zeit (Nom.Sg.)
sarvabhūteṣu pañcasu
in allen Wesen, in den fünfen (Lok.Pl.)

antarātmakam ākāśaṃ tanmayaṃ śrotram indriyam; tasya śabdaṃ guṇaṃ vidyān mūrtiśāstravidhānavit

Der Äther ist [seinem Wesen nach] innerlich [?]; aus ihm besteht das Gehör, das Sinnesorgan. Als dessen Eigenschaft kenne den Ton, wer die Regelung der Lehre von den Gestalten kennt [?].

Wort für Wort
antarātmakam ākāśam
der Äther, im Innern wesend [?] (Nom.Sg.n.)
tanmayaṃ śrotram indriyam
daraus bestehend, das Gehör als Sinn (Nom.Sg.n.)
tasya śabdaṃ guṇaṃ
dessen Eigenschaft: den Ton (Gen./Akk.Sg.)
vidyān
man möge/soll kennen (3.Sg.Opt.)
mūrtiśāstravidhānavit
der Kenner der Regelung der Gestalten-Lehre [?] (Nom.Sg.m., Kompositum)

antarātmakam und mūrtiśāstravidhānavit unsicher.

caraṇaṃ mārutātmeti prāṇāpānau ca tanmayau; sparśanaṃ cendriyaṃ vidyāt tathā sparśaṃ ca tanmayam

Die Bewegung ist vom Wesen des Windes, so [sagt man], und Prāṇa und Apāna bestehen daraus; das Tastorgan kenne als Sinn, und ebenso die Berührung als daraus bestehend.

Wort für Wort
caraṇaṃ mārutātmā iti
die Bewegung ist vom Wesen des Windes, so (Nom.Sg.n./Zitat)
prāṇāpānau ca tanmayau
Prāṇa und Apāna, daraus bestehend (Nom.Du.)
sparśanaṃ ca indriyaṃ vidyāt
und das Tastorgan kenne als Sinn (Akk.Sg.n., 3.Sg.Opt.)
tathā sparśaṃ ca tanmayam
ebenso die Berührung, daraus bestehend (Akk.Sg.m.)

tataḥ pākaḥ prakāśaś ca jyotiś cakṣuś ca tanmayam; tasya rūpaṃ guṇaṃ vidyāt tamo 'nvavasitātmakam

Danach [kommen] das Garen und das Leuchten; das Licht und das Auge bestehen daraus. Als dessen Eigenschaft kenne die Gestalt; die Finsternis ist von nachträglich festgestellter Natur [?].

Wort für Wort
tataḥ pākaḥ prakāśaś ca
danach das Garen und das Leuchten (Nom.Sg.m.)
jyotiś cakṣuś ca tanmayam
Licht und Auge, daraus bestehend (Nom.Sg.)
tasya rūpaṃ guṇaṃ vidyāt
dessen Eigenschaft kenne als Gestalt (Akk.Sg., 3.Sg.Opt.)
tamo 'nvavasitātmakam
die Finsternis, von nachträglich bestimmter Natur [?] (Nom.Sg.n.)

anvavasitātmakam unsicher.

prakledaḥ kṣudratā sneha ity āpo hy upadiśyate

Feuchtigkeit, Feinheit, Fett/Zuneigung: so wird das Wasser gelehrt.

Wort für Wort
prakledaḥ kṣudratā snehaḥ
Feuchtigkeit, Feinheit, Fett/Anhänglichkeit (Nom.Sg.)
iti āpo hi upadiśyate
so wird ja das Wasser gelehrt (3.Sg.Pass.)

asṛṅ majjā ca yac cānyat snigdhaṃ vidyāt tadātmakam

Blut, Mark und was sonst Fettiges ist: das kenne als dessen Wesens.

Wort für Wort
asṛṅ majjā ca
Blut und Mark (Nom.Sg.)
yac ca anyat snigdhaṃ
und was sonst Fettiges [ist] (Nom.Sg.n.)
vidyāt tadātmakam
kenne als dessen Wesens (3.Sg.Opt./Akk.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

rasanaṃ cendriyaṃ jihvā rasaś cāpāṃ guṇo mataḥ

Die Zunge ist das Geschmacksorgan, und der Geschmack gilt als Eigenschaft des Wassers.

Wort für Wort
rasanaṃ ca indriyaṃ jihvā
das Schmeckorgan, die Zunge (Nom.Sg.)
rasaś ca
und der Geschmack (Nom.Sg.m.)
apāṃ guṇo mataḥ
gilt als Eigenschaft der Wasser (Gen.Pl.f., Part.Perf.Pass.)

saṃghātaḥ pārthivo dhātur asthidantanakhāni ca; śmaśru loma ca keśāś ca sirāḥ snāyu ca carma ca

Die Ansammlung, das Erdhafte [ist]: Knochen, Zähne und Nägel; Bart, Körperhaar, Kopfhaar, Adern, Sehnen und Haut.

Wort für Wort
saṃghātaḥ pārthivo dhātuḥ
Ansammlung, der erdhafte Grundstoff (Nom.Sg.m.)
asthidantanakhāni ca
Knochen, Zähne und Nägel (Nom.Pl.n.)
śmaśru loma ca keśāś ca
Bart, Körperhaar und Kopfhaar (Nom.)
sirāḥ snāyu ca carma ca
Adern, Sehnen und Haut (Nom.)

indriyaṃ ghrāṇasaṃjñānaṃ nāsikety abhidhīyate; gandhaś caivendriyārtho 'yaṃ vijñeyaḥ pṛthivīmayaḥ

Das Sinnesorgan, „Riechen“ genannt, wird „Nase“ geheißen; und der Geruch ist als der aus Erde bestehende Sinnesgegenstand zu erkennen.

Wort für Wort
indriyaṃ ghrāṇasaṃjñānam
das Sinnesorgan, Riechen genannt (Nom.Sg.n.)
nāsikā iti abhidhīyate
Nase, so wird es bezeichnet (3.Sg.Pass.)
gandhaś ca indriyārthaḥ ayaṃ
und dieser Geruch als Sinnesgegenstand (Nom.Sg.m.)
vijñeyaḥ pṛthivīmayaḥ
ist zu erkennen als erdhaft (Gerundiv/Nom.Sg.m.)

uttareṣu guṇāḥ santi sarve sarveṣu cottarāḥ; pañcānāṃ bhūtasaṃghānāṃ saṃtatiṃ munayo viduḥ

In den späteren [Elementen] sind [die] Eigenschaften, alle [früheren] in allen späteren; die Reihenfolge der fünf Elementgruppen kennen die Weisen.

Wort für Wort
uttareṣu guṇāḥ santi
in den späteren sind die Eigenschaften (Lok.Pl., 3.Pl.Präs.)
sarve sarveṣu ca uttarāḥ
alle in allen, und die späteren (Nom./Lok.Pl.)
pañcānāṃ bhūtasaṃghānām
der fünf Elementgruppen (Gen.Pl.)
saṃtatiṃ munayo viduḥ
die Abfolge kennen die Weisen (Akk.Sg.f., Nom.Pl., 3.Pl.Perf.)

mano navamam eṣāṃ tu buddhis tu daśamī smṛtā; ekādaśo 'ntarātmā ca sarvataḥ para ucyate

Der Geist ist von diesen das neunte, die Erkenntnisfähigkeit aber gilt als das zehnte, und das elfte ist das innere Selbst, das als höher als alles bezeichnet wird.

Wort für Wort
mano navamam eṣāṃ tu
der Geist ist von diesen das neunte (Nom.Sg.n., Gen.Pl.)
buddhis tu daśamī smṛtā
die Erkenntnisfähigkeit aber gilt als zehnte (Nom.Sg.f., Part.Perf.Pass.)
ekādaśo 'ntarātmā ca
und das elfte, das innere Selbst (Nom.Sg.m.)
sarvataḥ para ucyate
wird als höher als alles bezeichnet (3.Sg.Pass.)

vyavasāyātmikā buddhir mano vyākaraṇātmakam; karmānumānād vijñeyaḥ sa jīvaḥ kṣetrasaṃjñakaḥ

Die Erkenntnisfähigkeit ist vom Wesen des Entschlusses, der Geist vom Wesen der Entfaltung/Unterscheidung [?]; aus dem Handeln ist durch Schluss der Lebendige (Jīva) zu erkennen, „Feld“ genannt.

Wort für Wort
vyavasāyātmikā buddhiḥ
die Erkenntnisfähigkeit ist vom Wesen des Entschlusses (Nom.Sg.f.)
manaḥ vyākaraṇātmakam
der Geist vom Wesen der Entfaltung/Unterscheidung [?] (Nom.Sg.n.)
karmānumānād vijñeyaḥ
aus dem Schluss vom Handeln zu erkennen (Abl.Sg., Gerundiv)
sa jīvaḥ kṣetrasaṃjñakaḥ
er, der Jīva, „Feld“ genannt (Nom.Sg.m.)

vyākaraṇa hier unsicher (Entfaltung/Erläuterung/Unterscheidung).

ebhiḥ kālāṣṭamair bhāvair yaḥ sarvaiḥ sarvam anvitam; paśyaty akaluṣaṃ prājñaḥ sa mohaṃ nānuvartate

Wer mit diesen Zuständen, [zu denen] die Zeit als achter [gehört], alles von allem durchdrungen sieht, klar und weise, der verfällt nicht der Verblendung.

Wort für Wort
ebhiḥ kālāṣṭamair bhāvaiḥ
mit diesen Zuständen, deren achter die Zeit ist (Instr.Pl.m.)
yaḥ sarvaiḥ sarvam anvitam
wer alles von allen durchdrungen (Nom.Sg./Akk.Sg.n., Part.Perf.Pass.)
paśyati akaluṣaṃ prājñaḥ
sieht, klar, der Weise (3.Sg.Präs./Nom.Sg.m.)
sa mohaṃ na anuvartate
der folgt nicht der Verblendung (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.)

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