Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 19: tyāgaprāśastya Yudhiṣṭhiras Antwort an Arjuna: Vorrang von Askese und Entsagung vor Reichtum und Handeln

Yudhiṣṭhira widerspricht Arjunas Lob des Reichtums und der Tat; er würdigt dessen Kriegskunst, verweist aber auf die Wege der Entsagung, des Vedastudiums und der Askese als höheres Ziel.

yudhiṣṭhira uvāca; vedāhaṃ tāta śāstrāṇi aparāṇi parāṇi ca; ubhayaṃ vedavacanaṃ kuru karma tyajeti ca

Yudhiṣṭhira sprach: „Ich kenne, Lieber, die Lehrbücher, die niederen und die höheren; beides ist Vedawort: ‚Handle!‘ und ‚Lass das Handeln!‘“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
vedāhaṃ tāta śāstrāṇi
ich kenne (veda), Lieber, die Lehrbücher (Akk.Pl.)
aparāṇi parāṇi ca
die niederen und die höheren (Akk.Pl.n.)
ubhayaṃ vedavacanam
beides [ist] Vedawort (Nom.Sg.n.)
kuru karma
tu das Werk/Handle (Imp.2.Sg. / Akk.)
tyaja iti ca
lass [es] (Imp.2.Sg.) – so [lautet es] auch

ākulāni ca śāstrāṇi hetubhiś citritāni ca; niścayaś caiva yanmātro vedāhaṃ taṃ yathāvidhi

Verworren sind die Lehrbücher, und durch Gründe [sind sie] ausgeschmückt; und die Entscheidung – in welchem Maße sie [besteht] –, die kenne ich der Vorschrift gemäß.

Wort für Wort
ākulāni ca śāstrāṇi
und verworren [sind] die Lehrbücher (Nom.Pl.n.)
hetubhiś citritāni ca
und durch Gründe/Argumente ausgemalt (Instr.Pl. / Part.Pass.)
niścayaś caiva
und die Entscheidung/Festlegung (Nom.Sg.m.)
yanmātro
von welchem Umfang/Maß (Bahuvrīhi)
vedāhaṃ taṃ yathāvidhi
ich kenne sie, der Regel gemäß (1.Sg.Perf. / Akk. / Adv.)

tvaṃ tu kevalam astrajño vīravratam anuṣṭhitaḥ; śāstrārthaṃ tattvato gantuṃ na samarthaḥ kathaṃ cana

Du aber bist nur der Waffen kundig, hast das Gelübde der Helden geübt; den Sinn der Lehrbücher der Wahrheit nach zu erfassen, bist du auf keine Weise imstande.

Wort für Wort
tvaṃ tu kevalam astrajño
du aber [bist] nur waffenkundig (Nom.Sg.m.)
vīravratam anuṣṭhitaḥ
das Heldengelübde geübt habend (Part.Pass., Nom.Sg.m.)
śāstrārthaṃ tattvato
den Sinn der Lehrbücher (Akk.Sg.), der Wahrheit nach (Abl.-Adv.)
gantuṃ
zu erreichen/erfassen (Inf.)
na samarthaḥ kathaṃ cana
nicht fähig, in keiner Weise (Nom.Sg.m.)

śāstrārthasūkṣmadarśī yo dharmaniścayakovidaḥ; tenāpy evaṃ na vācyo 'haṃ yadi dharmaṃ prapaśyasi

Wer die Feinheit des Sinnes der Lehrbücher durchschaut, in der Entscheidung über das Dharma bewandert ist, von dem dürfte ich auch nicht so angesprochen werden, wenn du das Dharma [recht] erkennst.

Wort für Wort
śāstrārthasūkṣmadarśī yo
wer die Feinheit des Lehrbuchsinns sieht (Nom.Sg.m.)
dharmaniścayakovidaḥ
in der Dharma-Entscheidung bewandert (Nom.Sg.m.)
tenāpi evaṃ na vācyo 'haṃ
von diesem auch nicht so anzusprechen bin ich (Instr. / Gerundiv)
yadi dharmaṃ prapaśyasi
wenn du das Dharma [recht] erblickst (2.Sg.Präs.)

yadi dharmaṃ prapaśyasi: Sinn knapp; sinngemäß ‚wenn du das Dharma wirklich durchschaust‘.

bhrātṛsauhṛdam āsthāya yad uktaṃ vacanaṃ tvayā; nyāyyaṃ yuktaṃ ca kaunteya prīto 'haṃ tena te 'rjuna

Aus brüderlicher Zuneigung, was du an Rede gesprochen hast, [das] ist billig und angemessen, Sohn der Kuntī; darüber freue ich mich, Arjuna.

Wort für Wort
bhrātṛsauhṛdam āsthāya
brüderliche Freundschaft zugrunde legend (Gerundium)
yad uktaṃ vacanaṃ tvayā
was als Rede von dir gesagt wurde (Part.Pass. / Instr.)
nyāyyaṃ yuktaṃ ca
billig/recht und angemessen (Nom.Sg.n.)
kaunteya
Sohn der Kuntī (Vok.)
prīto 'haṃ tena te 'rjuna
erfreut bin ich darüber, deswegen, dir [gegenüber], Arjuna (Nom. / Instr. / Dat.-Gen. / Vok.)

mameśvarasamaṃ sattvaṃ brahmaṇā caiva yat samam; vāsudevasamaṃ caiva na bhūtaṃ na bhaviṣyati; tathā tvaṃ yaudhamukhyeṣu sattvaṃ paramam ucyate; balam indre ca vāyau ca balaṃ yac ca janārdane; tad balaṃ bhīmasene ca tvayi cārjuna vidyate; tvatsamaś citrayodhī ca dūrapātī ca pāṇḍava; divyāstreṇa ca saṃpannaḥ ko vānyas tvatsamo naraḥ

[Ein Mut,] der dem Herrn gleich [ist] und der Brahmā gleich ist, und der Vāsudeva gleich ist – [dergleichen] gab es nicht und wird es nicht geben; ebenso wird dein Mut unter den Kriegshäuptern der höchste genannt. Die Kraft, die in Indra und in Vāyu ist und die Kraft, die in Janārdana ist – jene Kraft ist in Bhīmasena und in dir, Arjuna, vorhanden. Dir gleich ist kein wunderbarer Kämpfer und Fernschütze, Pāṇḍava; mit himmlischen Waffen begabt – welcher andere Mann wäre dir gleich?

Wort für Wort
mameśvarasamaṃ sattvaṃ
Mut/Wesenskraft, dem Herrn gleich (mama?) (Nom.Sg.n.)
brahmaṇā caiva yat samam
und was Brahmā gleich ist (Instr.)
vāsudevasamaṃ caiva na bhūtaṃ na bhaviṣyati
und Vāsudeva gleich: nicht gewesen, nicht wird sein (Part.Pass. / Fut.)
tathā tvaṃ yaudhamukhyeṣu sattvaṃ paramam ucyate
so wird bei dir unter den Kriegshäuptern der Mut als höchster genannt (Lok.Pl. / Pass.Präs.)
balam indre ca vāyau ca balaṃ yac ca janārdane
die Kraft in Indra und Vāyu und die Kraft in Janārdana (Lok.Sg.)
tad balaṃ bhīmasene ca tvayi cārjuna vidyate
diese Kraft ist in Bhīmasena und in dir, Arjuna, vorhanden (3.Sg.Pass.-Med.)
tvatsamaś citrayodhī ca dūrapātī ca pāṇḍava
dir gleich, ein wunderbarer Kämpfer und Fernschütze, Pāṇḍava (Nom.Sg.m. / Vok.)
divyāstreṇa ca saṃpannaḥ ko vānyas tvatsamo naraḥ
mit himmlischer Waffe begabt; oder welcher andere Mann [ist] dir gleich? (Instr. / Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. mameśvarasamaṃ: Lesung unsicher (mama īśvara- ‚mein/dem Herrn gleich‘?); [?]

yuddhadharmeṣu sarveṣu kriyāṇāṃ naipuṇeṣu ca; na tvayā sadṛśaḥ kaś cit triṣu lokeṣu vidyate

In allen Kriegsgesetzen und in den Geschicklichkeiten der Verrichtungen ist niemand dir gleich in den drei Welten.

Wort für Wort
yuddhadharmeṣu sarveṣu
in allen Kriegsgesetzen (Lok.Pl.)
kriyāṇāṃ naipuṇeṣu ca
und in den Fertigkeiten der Verrichtungen (Gen.Pl. / Lok.Pl.)
na tvayā sadṛśaḥ kaś cit
niemand [ist] dir gleich (Instr. / Nom.Sg.m.)
triṣu lokeṣu vidyate
in den drei Welten ist zu finden (Lok.Pl. / 3.Sg.Pass.)

dhārmikaṃ dharmayuktaṃ ca niḥśeṣaṃ jñāyate mayā

Als rechtschaffen und dharmagemäß wird es von mir ohne Rest erkannt.

Wort für Wort
dhārmikaṃ dharmayuktaṃ ca
rechtschaffen und dharmagemäß (Nom.Sg.n.)
niḥśeṣaṃ jñāyate mayā
ohne Rest wird [es] erkannt von mir (Adv. / Pass.Präs. / Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Bezug des ‚es‘ unklar (Arjunas Rede/Wesen?).

dharmasūkṣmaṃ tu yad vākyaṃ tatra duṣprataraṃ tvayā; dhanaṃjaya na me buddhim abhiśaṅkitum arhasi

Was aber die auf das Dharma bezogene feine Rede betrifft, darin bist du schwer durchzukommen; Dhanaṃjaya, du darfst nicht an meinem Verstand zweifeln.

Wort für Wort
dharmasūkṣmaṃ tu yad vākyaṃ
was aber die dharmafeine Rede [ist] (Nom.Sg.n.)
tatra duṣprataraṃ tvayā
darin [ist es] schwer zu durchdringen von dir (Gerundiv/Adj. / Instr.)
dhanaṃjaya
Dhanaṃjaya (Vok.)
na me buddhim abhiśaṅkitum arhasi
meinen Verstand anzuzweifeln darfst du nicht (Inf. / 2.Sg.Präs.)

yuddhaśāstravid eva tvaṃ na vṛddhāḥ sevitās tvayā; samāsavistaravidāṃ na teṣāṃ vetsi niścayam

Du bist nur der Kriegslehre kundig, Ältere hast du nicht bedient; die Entscheidung derer, die in Kürze und Ausführlichkeit bewandert sind, kennst du nicht.

Wort für Wort
yuddhaśāstravid eva tvaṃ
nur der Kriegslehre kundig [bist] du (Nom.Sg.m.)
na vṛddhāḥ sevitās tvayā
nicht [wurden] Ältere von dir bedient (Nom.Pl. / Part.Pass. / Instr.)
samāsavistaravidāṃ
der Kenner von Kürze und Ausführlichkeit (Gen.Pl.)
na teṣāṃ vetsi niścayam
nicht kennst du deren Entscheidung (2.Sg.Präs. / Akk.)

tapas tyāgo vidhir iti niścayas tāta dhīmatām; paraṃ paraṃ jyāya eṣāṃ saiṣā naiḥśreyasī gatiḥ

Askese, Entsagung, Vorschrift [des Rituals] – so [lautet] die Entscheidung der Verständigen, Lieber; von diesen ist jeweils das folgende besser; das ist der zum Höchsten führende Weg.

Wort für Wort
tapas tyāgo vidhir iti
Askese, Entsagung, Ritualvorschrift – so (Nom.Sg.)
niścayas tāta dhīmatām
[so ist] die Entscheidung, Lieber, der Verständigen (Nom. / Vok. / Gen.Pl.)
paraṃ paraṃ jyāya eṣām
das jeweils Spätere [ist] besser von diesen (Nom.Sg.n. / Kompar. / Gen.Pl.)
saiṣā naiḥśreyasī gatiḥ
dies ist der zum Höchsten führende Weg (Nom.Sg.f.)

na tv etan manyase pārtha na jyāyo 'sti dhanād iti; atra te vartayiṣyāmi yathā naitat pradhānataḥ

Du aber hältst dies nicht [für richtig], Pārtha – [du meinst:] ‚Nichts ist besser als Reichtum.‘ Hierzu werde ich dir darlegen, wie dies nicht das Vorrangige ist.

Wort für Wort
na tv etan manyase pārtha
du aber hältst dies nicht [für richtig], Pārtha (2.Sg.Präs. / Vok.)
na jyāyo 'sti dhanād iti
nichts Besseres gibt es als Reichtum – so (Abl.)
atra te vartayiṣyāmi
hierzu werde ich dir darlegen (Kaus.Fut.1.Sg.)
yathā naitat pradhānataḥ
wie dies nicht vorrangig [ist] (Adv.)

Bezug von na tv etan manyase leicht mehrdeutig; [?]

tapaḥsvādhyāyaśīlā hi dṛśyante dhārmikā janāḥ; ṛṣayas tapasā yuktā yeṣāṃ lokāḥ sanātanāḥ

Denn man sieht fromme Menschen, deren Wesen Askese und Vedastudium ist; Seher, mit Askese begabt, deren Welten ewig sind.

Wort für Wort
tapaḥsvādhyāyaśīlā hi
denn von Askese und Selbststudium geprägt (Nom.Pl.)
dṛśyante dhārmikā janāḥ
werden gesehen fromme Menschen (Pass.Präs. / Nom.Pl.)
ṛṣayas tapasā yuktā
Seher, mit Askese verbunden (Instr. / Part.Pass.)
yeṣāṃ lokāḥ sanātanāḥ
deren Welten ewig sind (Gen.Pl. / Nom.Pl.)

ajātaśmaśravo dhīrās tathānye vanavāsinaḥ; anantā adhanā eva svādhyāyena divaṃ gatāḥ

Bartlose [Jünglinge], Standhafte und andere Waldbewohner, unzählige, besitzlose, sind durch das Vedastudium zum Himmel gegangen.

Wort für Wort
ajātaśmaśravo dhīrās
mit noch nicht gewachsenem Bart, standhaft (Nom.Pl.m.)
tathānye vanavāsinaḥ
und andere Waldbewohner (Nom.Pl.)
anantā adhanā eva
unzählige, ganz besitzlose (Nom.Pl.)
svādhyāyena divaṃ gatāḥ
durch das Selbststudium [Vedastudium] zum Himmel gegangen (Instr. / Akk. / Part.Pass.)

uttareṇa tu panthānam āryā viṣayanigrahāt; abuddhijaṃ tamas tyaktvā lokāṃs tyāgavatāṃ gatāḥ

Auf dem nördlichen Pfad aber sind die Edlen durch die Bändigung der Sinnesobjekte, die aus Unverstand geborene Finsternis ablegend, zu den Welten der Entsagenden gegangen.

Wort für Wort
uttareṇa tu panthānam
auf dem nördlichen Pfad aber (Instr.-Adv. / Akk.)
āryā viṣayanigrahāt
die Edlen, durch Bändigung der Sinnesobjekte (Nom.Pl. / Abl.)
abuddhijaṃ tamas tyaktvā
die aus Unverstand geborene Finsternis aufgegeben habend (Akk. / Gerundium)
lokāṃs tyāgavatāṃ gatāḥ
zu den Welten der Entsagenden gegangen (Akk.Pl. / Gen.Pl. / Part.Pass.)

dakṣiṇena tu panthānaṃ yaṃ bhāsvantaṃ prapaśyasi; ete kriyāvatāṃ lokā ye śmaśānāni bhejire

Auf dem südlichen Pfad aber, den du als leuchtend erblickst – dies sind die Welten der Handelnden, die zu den Leichenstätten [ihre Zuflucht] genommen haben.

Wort für Wort
dakṣiṇena tu panthānaṃ
auf dem südlichen Pfad aber (Instr.-Adv.)
yaṃ bhāsvantaṃ prapaśyasi
den du als leuchtend erblickst (Akk. / 2.Sg.Präs.)
ete kriyāvatāṃ lokā
dies sind die Welten der Handelnden (Gen.Pl. / Nom.Pl.)
ye śmaśānāni bhejire
die die Leichenstätten aufsuchten (Perf.3.Pl.Med.)

śmaśānāni bhejire: wörtlich ‚Leichenstätten aufsuchten‘, gemeint wohl Bestattungs-/Totenrituale; [?]

anirdeśyā gatiḥ sā tu yāṃ prapaśyanti mokṣiṇaḥ; tasmāt tyāgaḥ pradhāneṣṭaḥ sa tu duḥkhaḥ praveditum

Unbeschreibbar aber ist jenes Ziel, das die nach Erlösung Strebenden erblicken; darum gilt die Entsagung als das Vorrangige, das Gewünschte; sie ist jedoch schwer zu vermitteln.

Wort für Wort
anirdeśyā gatiḥ sā tu
unbeschreibbar aber [ist] jenes Ziel (Nom.Sg.f.)
yāṃ prapaśyanti mokṣiṇaḥ
das die Erlösungssuchenden erblicken (Akk. / 3.Pl.Präs. / Nom.Pl.)
tasmāt tyāgaḥ pradhāneṣṭaḥ
darum [ist] Entsagung als vorrangig erwünscht (Abl. / Nom.Sg.m.)
sa tu duḥkhaḥ praveditum
sie aber [ist] schwer zu vermitteln/verkünden (Inf.)

anusṛtya tu śāstrāṇi kavayaḥ samavasthitāḥ; apīha syād apīha syāt sārāsāradidṛkṣayā

Den Lehrbüchern folgend haben die Weisen sich festgelegt: „Es mag hier sein, es mag auch hier sein“ – aus dem Wunsch, Wesentliches und Unwesentliches zu sehen.

Wort für Wort
anusṛtya tu śāstrāṇi
den Lehrbüchern aber folgend (Gerundium)
kavayaḥ samavasthitāḥ
die Weisen stehen fest/sind eingestellt (Nom.Pl. / Part.Pass.)
apīha syād apīha syāt
auch hier möge es sein, auch hier möge es sein (Opt.3.Sg.)
sārāsāradidṛkṣayā
aus dem Wunsch, Kern und Nichtkern zu sehen (Instr.)

vedavādān atikramya śāstrāṇy āraṇyakāni ca; vipāṭya kadalīskandhaṃ sāraṃ dadṛśire na te

Über die Vedaaussagen hinausgehend, die Lehrbücher und die Waldtexte [Āraṇyakas] [hinter sich lassend], haben sie, den Bananenstamm aufgespalten, keinen Kern gesehen.

Wort für Wort
vedavādān atikramya
die Vedaaussagen überschreitend (Akk.Pl. / Gerundium)
śāstrāṇy āraṇyakāni ca
die Lehrbücher und Waldtexte (Akk.Pl.n.)
vipāṭya kadalīskandhaṃ
den Bananenstamm gespalten habend (Gerundium / Akk.)
sāraṃ dadṛśire na te
Kernholz sahen sie nicht (Perf.3.Pl.Med. / Nom.Pl.)

athaikāntavyudāsena śarīre pañcabhautike; icchādveṣasamāyuktam ātmānaṃ prāhur iṅgitaiḥ

Sodann aber, unter Zurückweisung der Einseitigkeit, nennen sie im aus den fünf Elementen bestehenden Körper das Selbst, mit Wunsch und Abneigung verbunden, aufgrund von Kennzeichen.

Wort für Wort
athaikāntavyudāsena
sodann, unter Ausschluss des Einseitigen (Instr.)
śarīre pañcabhautike
im aus fünf Elementen bestehenden Körper (Lok.Sg.n.)
icchādveṣasamāyuktam
mit Wunsch und Abneigung verbunden (Akk.Sg.m.)
ātmānaṃ prāhur
das Selbst sagen sie (Akk. / Perf.3.Pl.)
iṅgitaiḥ
durch Kennzeichen/Winke (Instr.Pl.)

agrāhyaś cakṣuṣā so 'pi anirdeśyaṃ ca tad girā; karmahetupuraskāraṃ bhūteṣu parivartate

Für das Auge nicht fassbar ist es auch, und nicht beschreibbar durch die Rede; den Handlungsgrund voranstellend wandert es unter den Wesen umher.

Wort für Wort
agrāhyaś cakṣuṣā so 'pi
nicht fassbar für das Auge ist auch dieses (Nom.Sg.m. / Instr.)
anirdeśyaṃ ca tad girā
und unbeschreibbar durch die Rede (Nom.Sg.n. / Instr.)
karmahetupuraskāraṃ
die Handlung als Ursache voranstellend (Adv./Adj.)
bhūteṣu parivartate
unter den Wesen wandert es umher (Lok.Pl. / 3.Sg.Präs.)

kalyāṇagocaraṃ kṛtvā manas tṛṣṇāṃ nigṛhya ca; karmasaṃtatim utsṛjya syān nirālambanaḥ sukhī

Das Denken auf Heilsames richtend und den Durst bändigend, die Kette der Handlungen aufgebend, möge man ohne Stütze glücklich sein.

Wort für Wort
kalyāṇagocaraṃ kṛtvā manas
den Geist auf Heilsames gerichtet habend (Gerundium / Akk.)
tṛṣṇāṃ nigṛhya ca
und den Durst bezwungen habend (Akk. / Gerundium)
karmasaṃtatim utsṛjya
die Handlungskette aufgegeben habend (Akk. / Gerundium)
syān nirālambanaḥ sukhī
möge er sein: stützenlos, glücklich (Opt.3.Sg. / Nom.Sg.m.)

asminn evaṃ sūkṣmagamye mārge sadbhir niṣevite; katham artham anarthāḍhyam arjuna tvaṃ praśaṃsasi

Wie kannst du, Arjuna, auf diesem feinen, nur schwer erreichbaren, von den Guten begangenen Pfad ein Ziel [Reichtum], das an Unheil reich ist, preisen?

Wort für Wort
asminn evaṃ sūkṣmagamye mārge
auf diesem so feinen, schwer erreichbaren Pfad (Lok.Sg.)
sadbhir niṣevite
von den Guten begangen (Instr.Pl. / Part.Pass. Lok.)
katham artham anarthāḍhyam
wie ein Ziel/Reichtum, reich an Unheil (Akk.Sg.m.)
arjuna tvaṃ praśaṃsasi
Arjuna, du preist (Vok. / 2.Sg.Präs.)

pūrvaśāstravido hy evaṃ janāḥ paśyanti bhārata; kriyāsu niratā nityaṃ dāne yajñe ca karmaṇi

Denn so sehen die Menschen, die die früheren Lehrbücher kennen, Bhārata: [Sie sind] stets an Handlungen hingegeben, an Gabe, Opfer und Ritual.

Wort für Wort
pūrvaśāstravido hy evaṃ
denn die Kenner früherer Lehrbücher, so (Nom.Pl.)
janāḥ paśyanti bhārata
die Menschen sehen, Bhārata (3.Pl.Präs. / Vok.)
kriyāsu niratā nityaṃ
an Handlungen stets hingegeben (Lok.Pl. / Nom.Pl.)
dāne yajñe ca karmaṇi
an Gabe, Opfer und Ritual (Lok.Sg.)

bhavanti sudurāvartā hetumanto 'pi paṇḍitāḥ; dṛḍhapūrvaśrutā mūḍhā naitad astīti vādinaḥ

Sie sind sehr schwer umzustimmen, auch wenn sie [Argumente] haben, gelehrt; fest an früher Gehörtem hängende Toren, die sagen: ‚Dies gibt es nicht.‘

Wort für Wort
bhavanti sudurāvartā
sie sind sehr schwer umzustimmen (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.)
hetumanto 'pi paṇḍitāḥ
auch wenn sie Gründe haben, gelehrt (Nom.Pl.)
dṛḍhapūrvaśrutā mūḍhā
fest am früher Gehörten [hängend], Toren (Nom.Pl.)
naitad astīti vādinaḥ
‚dies ist nicht‘ – so Sagende (Nom.Pl.)

amṛtasyāvamantāro vaktāro janasaṃsadi; caranti vasudhāṃ kṛtsnāṃ vāvadūkā bahuśrutāḥ

Verächter des Unsterblichen, Redner in der Volksversammlung, ziehen sie, vielgelehrte Schwätzer, über die ganze Erde.

Wort für Wort
amṛtasyāvamantāro
Verächter des Unsterblichen/Nektars (Gen. / Nom.Pl.)
vaktāro janasaṃsadi
Redner in der Versammlung der Leute (Nom.Pl. / Lok.)
caranti vasudhāṃ kṛtsnāṃ
sie durchziehen die ganze Erde (3.Pl.Präs. / Akk.)
vāvadūkā bahuśrutāḥ
Vielredner, vielgelehrte (Nom.Pl.)

amṛtasya: ‚des Unsterblichen/der Unsterblichkeit‘ (Erlösungsziel); [?]

yān vayaṃ nābhijānīmaḥ kas tāñ jñātum ihārhati; evaṃ prājñān sataś cāpi mahataḥ śāstravittamān

„Die wir nicht kennen – wer vermag sie hier zu erkennen?“ [So gilt es] ebenso [für] Weise, Gute und Große, die besten Kenner der Lehrbücher.

Wort für Wort
yān vayaṃ nābhijānīmaḥ
die wir nicht kennen (Akk.Pl. / 1.Pl.Präs.)
kas tāñ jñātum ihārhati
wer vermag diese hier zu erkennen? (Inf. / 3.Sg.Präs.)
evaṃ prājñān sataś cāpi
so auch Weise und Gute (Akk.Pl.)
mahataḥ śāstravittamān
Große, beste Lehrbuchkenner (Akk.Pl.)

Syntax der zweiten Vershälfte elliptisch; [Anm.: sinngemäß ‚so verhält es sich auch mit …‘].

tapasā mahad āpnoti buddhyā vai vindate mahat; tyāgena sukham āpnoti sadā kaunteya dharmavit

Durch Askese erlangt man Großes, durch Einsicht gewinnt man Großes; durch Entsagung erlangt der Dharmakundige stets Glück, Sohn der Kuntī.

Wort für Wort
tapasā mahad āpnoti
durch Askese erlangt man Großes (Instr. / 3.Sg.Präs.)
buddhyā vai vindate mahat
durch Einsicht gewinnt man Großes (Instr. / 3.Sg.Präs.Med.)
tyāgena sukham āpnoti
durch Entsagung erlangt er Glück (Instr. / Akk.)
sadā kaunteya dharmavit
stets, Sohn der Kuntī, der Dharmakundige (Adv. / Vok. / Nom.Sg.m.)

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