Yājñavalkya sprach: „Die Füße nennen die Brahmanen, die die Wirklichkeit schauen, das Adhyātma; das Zu-Gehende ist das Adhibhūta, und Viṣṇu ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
yājñavalkya uvāca
Yājñavalkya sprach (Nom./3.Sg.Perf.)
pādāv adhyātmam ity āhur
die Füße [sind] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Du./Akk.Sg./3.Pl.Perf.)
brāhmaṇās tattvadarśinaḥ
die Brahmanen, die Wirklichkeitsschauer (Nom.Pl.)
gantavyam adhibhūtaṃ ca
und das Zu-Gehende [ist] das Adhibhūta (Gerundiv/Nom.Sg.n.)
pāyur adhyātmam ity āhur yathātattvārthadarśinaḥ; visargam adhibhūtaṃ ca mitras tatrādhidaivatam
„Den After nennen sie, die die Wirklichkeit dem Sinn nach schauen, das Adhyātma; das Ausscheiden ist das Adhibhūta, und Mitra ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
pāyur adhyātmam ity āhur
der After [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg./3.Pl.Perf.)
yathātattvārthadarśinaḥ
die die Dinge der Wirklichkeit gemäß schauen (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
visargam adhibhūtaṃ ca
und das Ausscheiden [ist] das Adhibhūta (Nom.Sg.n.)
hastāv adhyātmam ity āhur yathāsāṃkhyanidarśanam; kartavyam adhibhūtaṃ tu indras tatrādhidaivatam
„Die Hände nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung des Sāṃkhya lehrt; das zu Tuende aber ist das Adhibhūta, und Indra ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
hastāv adhyātmam ity āhur
die Hände [sind] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Du./3.Pl.Perf.)
yathāsāṃkhyanidarśanam
gemäß der Darlegung des Sāṃkhya (Adv.)
kartavyam adhibhūtaṃ tu
das zu Tuende aber [ist] das Adhibhūta (Gerundiv/Nom.Sg.n.)
vāg adhyātmam iti prāhur yathāśrutinidarśanam; vaktavyam adhibhūtaṃ tu vahnis tatrādhidaivatam
„Die Rede nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Überlieferung lehrt; das zu Sprechende aber ist das Adhibhūta, und Agni ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
vāg adhyātmam iti prāhur
die Rede [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg.f./3.Pl.Perf.)
yathāśrutinidarśanam
gemäß der Darlegung der Überlieferung (Adv.)
vaktavyam adhibhūtaṃ tu
das zu Sprechende aber [ist] das Adhibhūta (Gerundiv/Nom.Sg.n.)
vahnis tatrādhidaivatam
Agni (das Feuer) [ist] dabei das Adhidaivata (Nom.Sg.)
cakṣur adhyātmam ity āhur yathāśrutinidarśanam; rūpam atrādhibhūtaṃ tu sūryas tatrādhidaivatam
„Das Auge nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Überlieferung lehrt; die Form ist hier das Adhibhūta, und Sūrya ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
cakṣur adhyātmam ity āhur
das Auge [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg./3.Pl.Perf.)
yathāśrutinidarśanam
gemäß der Darlegung der Überlieferung (Adv.)
rūpam atrādhibhūtaṃ tu
die Form aber [ist] hier das Adhibhūta (Nom.Sg.n./Adv.)
Die Ohren sind als das Adhyātma zu erkennen, sagen die, die der Darlegung des Sāṃkhya folgen.
Wort für Wort
karṇāv adhyātmakaṃ jñeyaṃ
die beiden Ohren [sind] als Adhyātma zu erkennen (Nom.Du./Gerundiv)
prāhuḥ sāṃkhyanidarśanāḥ
es sagen die dem Sāṃkhya-Aufweis Folgenden (3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (nur in einem Teil der Handschriften); Dublette zu Einheit 7.
jihvām adhyātmam ity āhur yathātattvanidarśanam; rasa evādhibhūtaṃ tu āpas tatrādhidaivatam
„Die Zunge nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Wirklichkeit lehrt; der Geschmack allein ist das Adhibhūta, und die Wasser sind dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
jihvām adhyātmam ity āhur
die Zunge [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Akk.Sg.f. [als Objekt]/3.Pl.Perf.)
yathātattvanidarśanam
gemäß der Darlegung der Wirklichkeit (Adv.)
rasa evādhibhūtaṃ tu
der Geschmack allein [ist] das Adhibhūta (Nom.Sg.)
āpas tatrādhidaivatam
die Wasser [sind] dabei das Adhidaivata (Nom.Pl.f.)
ghrāṇam adhyātmam ity āhur yathāśrutinidarśanam; gandha evādhibhūtaṃ tu pṛthivī cādhidaivatam
„Die Nase nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Überlieferung lehrt; der Geruch allein ist das Adhibhūta, und die Erde ist das Adhidaivata.“
Wort für Wort
ghrāṇam adhyātmam ity āhur
die Nase [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg.n./3.Pl.Perf.)
tvag adhyātmam iti prāhus tattvabuddhiviśāradāḥ; sparśa evādhibhūtaṃ tu pavanaś cādhidaivatam
„Die Haut nennen sie das Adhyātma, [so] die in der Erkenntnis der Wirklichkeit Kundigen; die Berührung allein ist das Adhibhūta, und der Wind ist das Adhidaivata.“
Wort für Wort
tvag adhyātmam iti prāhus
die Haut [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg.f./3.Pl.Perf.)
tattvabuddhiviśāradāḥ
die in der Wirklichkeitserkenntnis Bewanderten (Nom.Pl.)
sparśa evādhibhūtaṃ tu
die Berührung allein [ist] das Adhibhūta (Nom.Sg.)
mano 'dhyātmam iti prāhur yathāśrutinidarśanam; mantavyam adhibhūtaṃ tu candramāś cādhidaivatam
„Das Denkorgan nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Überlieferung lehrt; das zu Denkende aber ist das Adhibhūta, und der Mond ist das Adhidaivata.“
Wort für Wort
mano 'dhyātmam iti prāhur
das Denkorgan [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg.n./3.Pl.Perf.)
yathāśrutinidarśanam
gemäß der Darlegung der Überlieferung (Adv.)
mantavyam adhibhūtaṃ tu
das zu Denkende aber [ist] das Adhibhūta (Gerundiv/Nom.Sg.n.)
ahaṃkārikam adhyātmam āhus tattvanidarśanam; abhimāno 'dhibhūtaṃ tu bhavas tatrādhidaivatam
„Das Ich-Machende nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Wirklichkeit lehrt; der Selbstdünkel aber ist das Adhibhūta, und Bhava ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
ahaṃkārikam adhyātmam āhus
das dem Ichbewusstsein Zugehörige [ist] das Adhyātma, sagen sie (Nom.Sg.n./3.Pl.Perf.)
tattvanidarśanam
gemäß der Darlegung der Wirklichkeit (Adv.)
abhimāno 'dhibhūtaṃ tu
der Selbstdünkel aber [ist] das Adhibhūta (Nom.Sg.)
bhavas tatrādhidaivatam
Bhava (Śiva) [ist] dabei das Adhidaivata (Nom.Sg.)
buddhir adhyātmam ity āhur yathāvedanidarśanam; boddhavyam adhibhūtaṃ tu kṣetrajño 'trādhidaivatam
„Die Erkenntniskraft (buddhi) nennen sie das Adhyātma, wie es die Darlegung der Veden lehrt; das zu Erkennende aber ist das Adhibhūta, und der Kṣetrajña (der Feldkenner) ist hier das Adhidaivata.“
Wort für Wort
buddhir adhyātmam ity āhur
die Erkenntniskraft [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg.f./3.Pl.Perf.)
yathāvedanidarśanam
gemäß der Darlegung der Veden (Adv.)
boddhavyam adhibhūtaṃ tu
das zu Erkennende aber [ist] das Adhibhūta (Gerundiv/Nom.Sg.n.)
kṣetrajño 'trādhidaivatam
der Feldkenner [ist] hier das Adhidaivata (Nom.Sg./Adv.)
„Das Bewusstsein (citta) nennen sie das Adhyātma, [so] die Yogins mit feinem Blick; das Gedachte (caitya) nennen sie das Adhibhūta, und Rudra ist dabei das Adhidaivata.“
Wort für Wort
cittam adhyātmam ity āhur
das Bewusstsein [ist] das Adhyātma, so sagen sie (Nom.Sg.n./3.Pl.Perf.)
yoginaḥ sūkṣmadṛṣṭayaḥ
die Yogins mit feiner Schau (Nom.Pl.)
adhibhūtaṃ caityam āhū
als Adhibhūta das Bewusstseinsobjekt (caitya) nennen sie (Akk.Sg.n./3.Pl.Perf.)
rudras tatrādhidaivatam
Rudra [ist] dabei das Adhidaivata (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „āhū“ steht für āhuḥ (Sandhi vor rudras).
„Dies ist dir, König, deutlich die Machtentfaltung (vibhūti), die dargelegt wurde, am Anfang, in der Mitte und am Ende, der Wirklichkeit gemäß, [so] der Wirklichkeitskundige.“
Wort für Wort
eṣā te vyaktato rājan
diese [ist] dir, König, deutlich (Nom.Sg.f./Dat.-Gen.Sg./Abl.-Adv./Vok.)
vibhūtir anuvarṇitā
die Machtentfaltung [ist] dargelegt (Nom.Sg.f./Part.Pass.)
ādau madhye tathā cānte
am Anfang, in der Mitte und ebenso am Ende (Lok.Sg.)
yathātattvena tattvavit
der Wirklichkeit gemäß, der Wirklichkeitskundige (Instr.Sg./Nom.Sg.)
Der Sinn von „ādau madhye cānte“ ist unsicher (Anfang, Mitte und Ende der Darlegung oder der Welt).
prakṛtir guṇān vikurute svacchandenātmakāmyayā; krīḍārthaṃ tu mahārāja śataśo 'tha sahasraśaḥ
„Die Urnatur (prakṛti) entfaltet nach eigenem Belieben aus Lust am Selbst die Eigenschaften (guṇa), zum Spiel, o Großkönig, zu Hunderten und zu Tausenden.“
Wort für Wort
prakṛtir guṇān vikurute
die Urnatur bringt die Guṇas hervor/verwandelt (Nom.Sg.f./Akk.Pl./3.Sg.Präs.Med.)
svacchandenātmakāmyayā
aus eigenem Willen, aus Lust an sich selbst (Instr.Sg.)
Reinheit, Geradheit, [rechtes] Verhalten, Nicht-Gier, ein von Verwirrung freies Herz, ohne mit dem Getanen zu prahlen bei Trennungen von Erwünschtem und Unerwünschtem [?],
Qual, Wegnehmen [fremden Gutes], Verlust der Scham, Unaufrichtigkeit, Spaltung, Härte, Begierde und Zorn, Rausch, Hochmut, Hass und Übermaß im Reden: dies werden die Rajas-Eigenschaften genannt.“
Wort für Wort
paritāpo 'paharaṇaṃ
Qual, Wegnehmen (Nom.Sg.)
hrīnāśo 'nārjavaṃ tathā
Verlust der Scham und Unaufrichtigkeit (Nom.Sg.)
bhedaḥ paruṣatā caiva
Spaltung und Härte (Nom.Sg.)
kāmakrodhau madas tathā
Begierde, Zorn und Rausch (Nom.Du./Nom.Sg.)
darpo dveṣo 'tivādaś ca
Hochmut, Hass und Übermaß im Reden (Nom.Sg.)
ete proktā rajoguṇāḥ
diese werden Rajas-Eigenschaften genannt (Nom.Pl./Part.Pass.)
divāsvapne vivāde ca pramādeṣu ca vai ratiḥ; nṛtyavāditragītānām ajñānāc chraddadhānatā; dveṣo dharmaviśeṣāṇām ete vai tāmasā guṇāḥ
Tagschlaf, Streit und Nachlässigkeit sowie die Freude daran, Vertrauen auf Tanz, Instrumentenspiel und Gesang aus Unwissenheit, Abneigung gegen die besonderen Pflichten (dharma): dies sind die Tamas-Eigenschaften.“
Wort für Wort
divāsvapne vivāde ca
im Tagschlaf und im Streit (Lok.Sg.)
pramādeṣu ca vai ratiḥ
und an Nachlässigkeiten Freude (Lok.Pl./Nom.Sg.f.)
nṛtyavāditragītānām
von Tanz, Instrumentalmusik und Gesang (Gen.Pl.)
ajñānāc chraddadhānatā
aus Unwissenheit Vertrauensseligkeit (Abl.Sg./Nom.Sg.f.)
dveṣo dharmaviśeṣāṇām
Abneigung gegen besondere Pflichten (Nom.Sg./Gen.Pl.)
So ist diese siebzehnfache Masse als das Unmanifeste (avyakta) bezeichnet; mit allen Sinnesobjekten, den manifesten und unmanifesten, verbunden ist sie das Fünfundzwanzigfache, diese Schar, die aus Manifestem und Unmanifestem besteht; mit all diesem verbunden wird [er] „Puruṣa (Person)“ genannt.
Wort für Wort
ity evaṃ saptadaśako rāśir
so [ist] die siebzehnfache Masse (Adv./Nom.Sg.)
avyaktasaṃjñakaḥ
„unmanifest“ genannt (Nom.Sg.)
sarvair ihendriyārthaiś ca
und mit allen Sinnesobjekten hier (Instr.Pl.)
vyaktāvyaktaiś ca saṃhatāḥ
mit Manifesten und Unmanifesten verbunden (Instr.Pl./Part.Pass.Nom.Pl.)
pañcaviṃśaka ity eṣa
„fünfundzwanzigfach“, so dieser (Nom.Sg.)
vyaktāvyaktamayo gaṇaḥ
die aus Manifestem und Unmanifestem bestehende Schar (Nom.Sg.)
etaiḥ sarvaiḥ samāyuktāḥ
mit all diesen Verbundene (Instr.Pl./Nom.Pl.)
pumān ity abhidhīyate
„Person“, so wird [er] genannt (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers. Die Kongruenz ist uneinheitlich (Pl. „saṃhatāḥ“, „samāyuktāḥ“ gegenüber Sg. „pumān“); Wiedergabe sinngemäß.