Kapitel 337: vyāsajanmakathā
Die Geburt des Vyāsa aus Nārāyaṇa und der Anfang der Schöpfung
Janamejaya fragt Vaiśaṃpāyana nach der Herkunft des Weisen Vyāsa als Teilinkarnation Nārāyaṇas. Vaiśaṃpāyana antwortet mit einer Erzählung, die bis zum Beginn der Schöpfung zurückreicht: Nārāyaṇa erzeugt Brahmā, verleiht ihm mittels der Buddhi die Fähigkeit zu erschaffen und kündigt seine eigene künftige Herabkunft zur Entlastung der von Dämonen bedrängten Erde an.
kim etāny ekaniṣṭhāni pṛthaṅniṣṭhāni vā mune; prabrūhi vai mayā pṛṣṭaḥ pravṛttiṃ ca yathākramam
„Sind diese [Lehren], o Weiser, auf ein einziges Ziel gerichtet oder auf verschiedene Ziele? Sag es mir, da ich dich frage, auch ihren Verlauf der Reihe nach.“
Wort für Wort
kim etāni
sind diese (Interrogativ + Pron. Nom.Pl.)
ekaniṣṭhāni pṛthaṅniṣṭhāni vā
auf ein Ziel oder auf getrennte Ziele gerichtet (Nom.Pl., Adj.)
mune
o Weiser (Vok.Sg.)
prabrūhi vai
sag es doch (2.Sg.Imp.)
mayā pṛṣṭaḥ
von mir befragt (Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
Vaiśaṃpāyana sprach: „Den, den Gandhavatī von Parāśara in der Mitte der Insel gebar – den Vielwissenden, höchst Edlen, Selbstbeherrschten, den großen Weisen –, ihm sei Verehrung, dem Vertreiber der Finsternis der Unwissenheit!“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (3.Sg.Perf.)
jajñe ... gandhavatī
Gandhavatī gebar (3.Sg.Perf.Med., transitiv)
bahujñaṃ param atyudāraṃ
den Vielwissenden, höchst Edlen (Akk.Sg., Adj.)
yaṃ dvīpamadhye sutam
den Sohn, den sie in der Mitte der Insel [gebar] (Akk.Sg.)
ātmavantam
den Selbstbeherrschten (Akk.Sg.)
parāśarād
von Parāśara (Abl.Sg.)
maharṣiṃ
den großen Weisen (Akk.Sg.)
tasmai namo 'jñānatamonudāya
ihm Verehrung, dem Vertreiber der Finsternis der Unwissenheit (Dat.Sg.)
„jajñe“ hier transitiv mit Akkusativobjekt gebraucht (=„gebar“), nicht im sonst üblichen intransitiven Sinn „wurde geboren“.
„Man nennt ihn den Sechsten, beginnend mit dem Großvater [Brahmā], den großen Weisen, ausgestattet mit der Macht der Urweisen, den einzigen Sohn, geboren aus einem Teil Nārāyaṇas: Dvaipāyana, den großen Schatz des Veda.“
Wort für Wort
pitāmahādyaṃ ṣaṣṭhaṃ
den Sechsten, beginnend mit dem Großvater [Brahmā] (Akk.Sg.)
pravadanti
sie nennen (3.Pl.Präs.)
maharṣim ārṣeyavibhūtiyuktam
den großen Weisen, mit der Macht der Urweisen ausgestattet (Akk.Sg.)
„Ihn, Vyāsa, den Großherzigen, das große Schatzhaus des Brahman, erzeugte in den Urzeiten Nārāyaṇa, der von großer Macht, von edlem Glanz, der ungeborene Uralte, um eines Sohnes willen.“
Janamejaya sprach: „Von dir selbst wurde früher schon die Entstehung erzählt, o Bester der Zweifachgeborenen: Śakti war der Sohn Vasiṣṭhas, Parāśara der Sohn Śaktis.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca
Janamejaya sprach
tvayaiva kathitaḥ pūrvaṃ
von dir selbst wurde früher erzählt (Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.Perf.Pass.)
Vaiśaṃpāyana sprach: Meines Lehrers, der die Bedeutungen der Veden erkennen wollte, des sehr Rechtschaffenen, des Schatzes der Askese, des im Wissen Gegründeten, der am Fuße des Himavat weilte –
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
vedārthān vettukāmasya
der die Bedeutungen der Veden erkennen wollte (Gen.Sg., Desiderativkompositum)
vedān āvartayan sāṅgān bhāratārthāṃś ca sarvaśaḥ; tam ekamanasaṃ dāntaṃ yuktā vayam upāsmahe
Ihn, der die Veden mit ihren Zweigwissenschaften und die Bedeutungen des Bhārata ganz und gar wiederholte, den Einsgesinnten, Gezähmten, verehrten wir, [selbst] gesammelt.
Wort für Wort
vedān āvartayan sāṅgān
die Veden mit ihren Zweigwissenschaften wiederholend (Akk.Pl. + Part.Präs.)
bhāratārthāṃś ca sarvaśaḥ
und die Bedeutungen des Bhārata ganz und gar (Akk.Pl. + Adv.)
Und während einer Unterbrechung des Gesprächs wurde der Beste der Zweifachgeborenen von uns bei einer Gelegenheit gefragt nach den Bedeutungen der Veden und des Bhārata, und ebenso nach der Geburt aus Nārāyaṇa.
Wort für Wort
kathāntare 'tha kasmiṃścit
und während einer Unterbrechung des Gesprächs bei einer Gelegenheit (Lok.Sg.)
pṛṣṭo 'smābhir
wurde von uns gefragt (Nom.Sg.Part.Perf.Pass. + Instr.Pl.)
dvijottamaḥ
der Beste der Zweifachgeborenen (Nom.Sg.)
vedārthān bhāratārthāṃś ca
nach den Bedeutungen der Veden und des Bhārata (Akk.Pl.)
„Du bist aus meinem Nabel geboren, ein Herr, der die Aussendung der Geschöpfe bewirkt; erschaffe du, o Brahman, die Geschöpfe mannigfaltig, Törichte wie Weise.“
Wort für Wort
mama nābhito jātaḥ
aus meinem Nabel geboren (Abl.Sg. + Nom.Sg.Part.)
tvaṃ prajāsargakaraḥ prabhuḥ
du, der Herr, Bewirker der Geschöpferschaffung (Nom.Sg.)
sṛja prajās tvaṃ vividhā
erschaffe du die vielfältigen Geschöpfe (2.Sg.Imp. + Akk.Pl.)
kā śaktir mama deveśa prajāḥ sraṣṭuṃ namo 'stu te; aprajñāvān ahaṃ deva vidhatsva yad anantaram
„Welche Kraft habe ich, o Herr der Götter, Geschöpfe zu erschaffen? Verehrung sei dir! Ich bin ohne [die nötige] Erkenntnis, o Gott; bestimme du, was als Nächstes [zu tun ist].“
Wort für Wort
kā śaktir mama
welche Kraft habe ich (Nom.Sg., Frage)
deveśa
o Herr der Götter (Vok.Sg.)
prajāḥ sraṣṭuṃ
Geschöpfe zu erschaffen (Akk.Pl. + Inf.)
namo 'stu te
Verehrung sei dir (Nom.Sg. + 3.Sg.Imp. + Dat.Sg.)
aprajñāvān ahaṃ deva
ich bin ohne Erkenntnis, o Gott (Nom.Sg. + Vok.Sg.)
vidhatsva yad anantaram
bestimme, was als Nächstes [zu tun ist] (2.Sg.Imp.Med. + Pron.)
Und nachdem er jene [ursprüngliche] Natur wiedererlangt hatte, ging er in den Zustand der Einheit über; dann aber entstand ihm [Brahmā], wie es heißt, wiederum eine andere Buddhi.
Wort für Wort
tāṃ caiva prakṛtiṃ prāpya
und jene [eigene] Natur wiedererlangend (Akk.Sg. + Absolutiv)
ekībhāvagato 'bhavat
ging er in den Zustand der Einheit über (Nom.Sg.Part. + 3.Sg.Impf.)
athāsya buddhir abhavat
dann entstand ihm eine Buddhi (Gen.Sg. + Nom.Sg. + 3.Sg.Impf.)
punar anyā tadā kila
wiederum eine andere, wie es heißt, damals (Adv. + Nom.Sg. + Partikel)
Unklar bleibt, ob sich „asya“ auf Brahmā oder auf Hari bezieht; hier auf Brahmā bezogen, da im Folgenden von dessen Schöpfertätigkeit die Rede ist [?].
Erschaffen wurden alle diese Geschöpfe von Brahmā, dem Höchstthronenden, angefüllt mit Scharen von Daityas, Dānavas, Gandharvas und Rākṣasas; und so entstand diese Erde, von der Last überwältigt, leidgeprüft.
Wort für Wort
sṛṣṭā imāḥ prajāḥ sarvā
erschaffen wurden alle diese Geschöpfe (Nom.Pl.Part.Perf.Pass. + Nom.Pl.)
brahmaṇā parameṣṭhinā
von Brahmā, dem Höchstthronenden (Instr.Sg.)
daityadānavagandharvarakṣogaṇasamākulāḥ
angefüllt mit Scharen von Daityas, Dānavas, Gandharvas und Rākṣasas (Nom.Pl.)
jātā hi iyaṃ vasumatī
und so entstand diese Erde (Nom.Sg.Part. + Pron. + Nom.Sg.)
avaśyam eva taiḥ sarvair varadānena darpitaiḥ; bādhitavyāḥ suragaṇā ṛṣayaś ca tapodhanāḥ; tatra nyāyyam idaṃ kartuṃ bhārāvataraṇaṃ mayā
Unausweichlich werden von all jenen, die durch die Gewährung von Gaben übermütig geworden sind, die Scharen der Götter und die an Askese reichen Weisen bedrängt werden; darum ist es für mich recht, dies zu tun: die Herabnahme der Last.
Wort für Wort
avaśyam eva
unausweichlich (Adv.)
taiḥ sarvair varadānena darpitaiḥ
von all jenen, die durch Gabengewährung übermütig wurden (Instr.Pl.)
bādhitavyāḥ suragaṇā
werden bedrängt werden die Götterscharen (Gerundiv Nom.Pl. + Nom.Pl.)
ṛṣayaś ca tapodhanāḥ
und die an Askese reichen Weisen (Nom.Pl.)
tatra nyāyyam idaṃ kartuṃ
darum ist es recht, dies zu tun (Adv. + Akk.Sg. + Inf.)
bhārāvataraṇaṃ mayā
die Herabnahme der Last, [durch] mich (Akk.Sg. + Instr.Sg.)
atha nānāsamudbhūtair vasudhāyāṃ yathākramam; nigraheṇa ca pāpānāṃ sādhūnāṃ pragraheṇa ca
Und dann, durch die auf mancherlei Weise entstandenen [Gestalten] auf der Erde, der Reihe nach, durch Bezähmung der Bösen und durch Förderung der Guten –
Wort für Wort
atha nānāsamudbhūtair
und dann durch die auf mancherlei Weise Entstandenen (Adv. + Instr.Pl.)
vasudhāyāṃ yathākramam
auf der Erde, der Reihe nach (Lok.Sg. + Adv.)
nigraheṇa ca pāpānāṃ
und durch Bezähmung der Bösen (Instr.Sg. + Gen.Pl.)
sādhūnāṃ pragraheṇa ca
und durch Förderung der Guten (Gen.Pl. + Instr.Sg.)
Syntaktisch unvollständiger Satz, der sich erst in der folgenden Einheit auflöst.
Von mir getragen, trägt sie ja die Welt mit dem Beweglichen und Unbeweglichen; deshalb werde ich, zur Geburt gegangen, die Errettung der Erde bewirken.
Wort für Wort
mayā dhṛtā
von mir getragen (Instr.Sg. + Nom.Sg.Part.)
dhārayati jagad dhi
trägt sie ja die Welt (3.Sg.Präs. + Akk.Sg.)
sacarācaram
mit dem Beweglichen und Unbeweglichen (Akk.Sg.)
tasmāt pṛthvyāḥ paritrāṇaṃ
deshalb die Rettung der Erde (Abl. + Gen.Sg. + Akk.Sg.)
kariṣye saṃbhavaṃ gataḥ
werde ich bewirken, zur Geburt gegangen (1.Sg.Fut. + Nom.Sg.Part.)
Die Ebergestalt und die Mannlöwengestalt, die Zwerggestalt und ebenso die Menschengestalt [nahm er an] – mit diesen sind von mir die unbotmäßigen Feinde der Götter zu erschlagen.
Wort für Wort
vārāhaṃ nārasiṃhaṃ ca
die Ebergestalt und die Mannlöwengestalt (Akk.)
vāmanaṃ mānuṣaṃ tathā
die Zwerggestalt und ebenso die Menschengestalt (Akk.)
ebhir mayā nihantavyā
mit diesen sind von mir zu erschlagen (Instr./Gerundiv)
Es entstand ein Sohn namens Apāntaratamā, aus der Rede des Herrn geboren – kundig des Vergangenen, Künftigen und Gegenwärtigen, wahrredend, von festem Gelübde.
Wort für Wort
apāntaratamā nāma sutaḥ
ein Sohn namens Apāntaratamā (Nom.)
vāksaṃbhavo vibhoḥ
aus der Rede des Herrn entstanden (Nom./Gen.)
bhūtabhavyabhaviṣyajñaḥ
kundig von Vergangenem, Künftigem und Gegenwärtigem (Nom.)
tam uvāca nataṃ mūrdhnā devānām ādir avyayaḥ; vedākhyāne śrutiḥ kāryā tvayā matimatāṃ vara; tasmāt kuru yathājñaptaṃ mayaitad vacanaṃ mune
Zu ihm, der das Haupt gebeugt hatte, sprach der unvergängliche Uranfang der Götter: „Bei der Verkündung des Veda musst du, Bester der Weisen, die Überlieferung bewirken; darum tue, Muni, dieses mein Wort, wie von mir befohlen.“
Wort für Wort
tam uvāca nataṃ mūrdhnā
zu ihm, der das Haupt gebeugt hatte, sprach (Akk./Instr./3.Sg.Perf.)
devānām ādir avyayaḥ
der unvergängliche Uranfang der Götter (Nom.)
vedākhyāne śrutiḥ kāryā
bei der Verkündung des Veda ist die Überlieferung zu bewirken (Lok./Nom./Gerundiv)
tena bhinnās tadā vedā manoḥ svāyaṃbhuve 'ntare; tatas tutoṣa bhagavān haris tenāsya karmaṇā; tapasā ca sutaptena yamena niyamena ca
Von ihm wurden damals die Veden zerteilt, in der Manvantara-Periode des Svāyambhu-Manu; darauf war der erhabene Hari zufrieden mit dieser seiner Tat, mit seiner wohl vollzogenen Askese und mit seiner Selbstbeherrschung und Regelbefolgung.
Wort für Wort
tena bhinnās tadā vedā
von ihm wurden damals die Veden geteilt (Instr./Nom.Pl./PPP)
manoḥ svāyaṃbhuve 'ntare
in der Manvantara-Periode des Svāyambhu-Manu (Gen./Lok.)
tatas tutoṣa bhagavān hariḥ
darauf war der erhabene Hari zufrieden (3.Sg.Perf.)
tenāsya karmaṇā
mit dieser seiner Tat (Instr.)
tapasā ca sutaptena
und mit wohlvollzogener Askese (Instr.)
yamena niyamena ca
und mit Selbstbeherrschung und Regelbefolgung (Instr.)
Auch dann wirst du, mit Askese ausgestattet, die Veden auf vielfache Weise gliedern; und wenn das dunkle Zeitalter angebrochen ist, wirst du dunkelfarbig sein.
Wort für Wort
tatrāpy anekadhā vedān
auch dann die Veden auf vielfache Weise (Akk.Pl./Adv.)
bhetsyase tapasānvitaḥ
wirst du spalten, mit Askese ausgestattet (2.Sg.Fut./Nom.)
kṛṣṇe yuge ca saṃprāpte
und wenn das dunkle Zeitalter angebrochen ist (Lok.Abs.)
kṛṣṇavarṇo bhaviṣyasi
wirst du dunkelfarbig sein (Nom./2.Sg.Fut.)
‚kṣṛṣṇavarṇaḥ‘ (dunkelfarbig) spielt vorausdeutend auf den späteren Namen ‚Kṛṣṇa Dvaipāyana‘ (Vyāsa) an.
dharmāṇāṃ vividhānāṃ ca kartā jñānakaras tathā; bhaviṣyasi tapoyukto na ca rāgād vimokṣyase
Du wirst der Urheber vielfältiger Pflichten sein und ebenso ein Schöpfer von Wissen; mit Askese ausgestattet wirst du sein, doch von Leidenschaft wirst du dich nicht lösen.
Wort für Wort
dharmāṇāṃ vividhānāṃ ca
und der vielfältigen Pflichten (Gen.Pl.)
kartā jñānakaras tathā
Urheber, ebenso Schöpfer von Wissen (Nom.)
bhaviṣyasi tapoyukto
wirst du sein, mit Askese ausgestattet (2.Sg.Fut./Nom.)
na ca rāgād vimokṣyase
und du wirst dich nicht von Leidenschaft lösen (2.Sg.Fut.Pass.)
Den sie den ‚geistgeborenen‘ Sohn des Großvaters nennen, mit höchster Weisheit ausgestattet – Vasiṣṭha, den Ersten, den Schatz der Askese –, und der sogar die Sonne überstrahlend leuchtet –
Wort für Wort
yaṃ mānasaṃ vai pravadanti
den sie ‚geistgeboren‘ nennen (Akk./3.Pl.Präs.)
putraṃ pitāmahasyottamabuddhiyuktam
den Sohn des Großvaters, mit höchster Weisheit ausgestattet (Akk.)
vasiṣṭham agryaṃ tapaso nidhānaṃ
Vasiṣṭha, den Ersten, den Schatz der Askese (Akk.)
yaś cāpi sūryaṃ vyatiricya bhāti
und der, sogar die Sonne überragend, leuchtet (Nom./Abs./3.Sg.Präs.)
Die Beschreibung Vasiṣṭhas ist grammatisch unvollständig und setzt sich im folgenden Vers (337.048) fort.
tasyānvaye cāpi tato maharṣiḥ; parāśaro nāma mahāprabhāvaḥ; pitā sa te vedanidhir variṣṭho; mahātapā vai tapaso nivāsaḥ; kānīnagarbhaḥ pitṛkanyakāyāṃ; tasmād ṛṣes tvaṃ bhavitā ca putraḥ
Und in dessen Nachkommenschaft gab es dann einen großen Weisen namens Parāśara, von großer Macht; er, der vortrefflichste Schatz des Veda, war dein Vater, von großer Askese, wahrlich eine Wohnstatt der Askese – als unehelich empfangenes Kind in der [noch unverheirateten] Tochter [Anm.: gemeint ist Satyavatī] gezeugt: von diesem Weisen wirst du der Sohn sein.
Wort für Wort
tasyānvaye cāpi tato
und in dessen Nachkommenschaft dann (Lok./Adv.)
maharṣiḥ parāśaro nāma
ein großer Weiser namens Parāśara (Nom.)
mahāprabhāvaḥ pitā sa te
von großer Macht, er, dein Vater (Nom.)
vedanidhir variṣṭho
der vortrefflichste Schatz des Veda (Nom.)
mahātapā vai tapaso nivāsaḥ
von großer Askese, wahrlich eine Wohnstatt der Askese (Nom.)
kānīnagarbhaḥ pitṛkanyakāyāṃ
als unehelich empfangenes Kind in der [unverheirateten] Tochter (Nom./Lok.)
tasmād ṛṣes tvaṃ bhavitā ca putraḥ
von diesem Weisen wirst du der Sohn sein (Abl./2.Sg.Fut./Nom.)
‚kānīnagarbhaḥ pitṛkanyakāyām‘ spielt auf die Geburt des Vyāsa durch die unverheiratete Satyavatī und Parāśara an; wörtlich knapp, sinngemäß übersetzt.
anādinidhanaṃ loke cakrahastaṃ ca māṃ mune; anudhyānān mama mune naitad vacanam anyathā
[Auch wirst du] mich, ohne Anfang und Ende in der Welt, den Diskus in der Hand, [sehen], o Muni; durch die Versenkung in mich, Muni, wird dieses Wort nicht anders sein.
Wort für Wort
anādinidhanaṃ loke
ohne Anfang und Ende in der Welt (Akk./Lok.)
cakrahastaṃ ca māṃ mune
und mich, den Diskus in der Hand, Muni (Akk./Vok.)
anudhyānān mama mune
durch die Versenkung in mich, Muni (Abl./Gen./Vok.)
śanaiścaraḥ sūryaputro bhaviṣyati manur mahān; tasmin manvantare caiva saptarṣigaṇapūrvakaḥ; tvam eva bhavitā vatsa matprasādān na saṃśayaḥ
Śanaiścara, der Sohn der Sonne, wird der große Manu sein; in jener Manu-Periode wirst du selbst, an der Spitze der Schar der Sieben Weisen, durch meine Gnade sein, o Kind – kein Zweifel.
Wort für Wort
śanaiścaraḥ sūryaputro
Śanaiścara, der Sohn der Sonne (Nom.)
bhaviṣyati manur mahān
wird der große Manu sein (3.Sg.Fut./Nom.)
tasmin manvantare caiva
und in jener Manu-Periode (Lok.)
saptarṣigaṇapūrvakaḥ
an der Spitze der Schar der Sieben Weisen (Nom.)
tvam eva bhavitā vatsa
du selbst wirst sein, o Kind (Nom./2.Sg.Fut./Vok.)
yat kiṃ cid vidyate loke sarvaṃ tan madviceṣṭitam; anyo hy anyaṃ cintayati svacchandaṃ vidadhāmy aham
Was auch immer in der Welt vorhanden ist, das alles ist mein Wirken; der eine denkt an den anderen, doch ich bestimme es nach eigenem Belieben.“
Wort für Wort
yat kiṃ cid vidyate loke
was auch immer in der Welt existiert (Nom./3.Sg.Präs.)
sarvaṃ tan madviceṣṭitam
das alles ist mein Wirken (Nom.)
anyo hy anyaṃ cintayati
der eine denkt an den anderen (Nom./Akk./3.Sg.Präs.)
svacchandaṃ vidadhāmy aham
ich ordne es nach eigenem Belieben (Akk./1.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Schließt die von 337.041 an fortlaufende Rede des erhabenen Herrn ab (öffnender Anführungspunkt dort).
so 'haṃ tasya prasādena devasya harimedhasaḥ; apāntaratamā nāma tato jāto ''jñayā hareḥ; punaś ca jāto vikhyāto vasiṣṭhakulanandanaḥ
Ich bin es, der durch die Gnade jenes Gottes Harimedhas damals als Apāntaratamā geboren wurde, auf Befehl Haris; und wiederum wurde ich geboren, berühmt, als Freude des Vasiṣṭha-Geschlechts.
Wort für Wort
so 'haṃ tasya prasādena
ich bin es, durch die Gnade jenes (Nom./Gen./Instr.)
etad vaḥ kathitaṃ sarvaṃ yan māṃ pṛcchatha putrakāḥ; pūrvajanma bhaviṣyaṃ ca bhaktānāṃ snehato mayā
Dies alles ist euch erzählt worden, was ihr mich gefragt habt, meine Söhne – die frühere Geburt und die Zukunft –, aus Zuneigung zu den Gläubigen, von mir.“
Wort für Wort
etad vaḥ kathitaṃ sarvaṃ
dies alles ist euch erzählt worden (Nom.)
yan māṃ pṛcchatha putrakāḥ
was ihr mich gefragt habt, meine Söhne (Akk./2.Pl.Präs./Vok.)
pūrvajanma bhaviṣyaṃ ca
die frühere Geburt und die Zukunft (Nom./Akk.)
bhaktānāṃ snehato mayā
aus Zuneigung zu den Gläubigen, von mir (Gen./Abl./Instr.)
Schließt die von 337.053 an fortlaufende Rede Vyāsas ab.
Vaiśaṃpāyana sprach: „Dies, o König, ist dir zuvor die Herkunft unseres Lehrers Vyāsa erzählt worden, dessen Geist unermüdlich ist – so wie er gefragt wurde. Höre nun weiter.“
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach
eṣa te kathitaḥ pūrvaṃ
dies ist dir zuvor erzählt worden (Nom.)
saṃbhavo 'smadguror nṛpa
die Herkunft unseres Lehrers, o König (Nom./Gen./Vok.)
Gemäß der Überlieferung, gemäß dem Wissen ist der Herr Nārāyaṇa das letzte Fundament; doch die von Dunkelheit Beherrschten erkennen ihn nicht so, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
yathāgamaṃ yathājñānaṃ
gemäß der Überlieferung, gemäß dem Wissen (Adv.)
niṣṭhā nārāyaṇaḥ prabhuḥ
das letzte Fundament ist der Herr Nārāyaṇa (Nom.)
na cainam evaṃ jānanti
und sie erkennen ihn nicht so (3.Pl.Präs.)
tamobhūtā viśāṃ pate
die von Dunkelheit Beherrschten, o Herr der Menschen (Nom.Pl./Vok.)
niḥsaṃśayeṣu sarveṣu nityaṃ vasati vai hariḥ; sasaṃśayān hetubalān nādhyāvasati mādhavaḥ
In allen, die frei von Zweifel sind, wohnt Hari wahrlich beständig; in denen, die voll Zweifel auf die Kraft der Beweisgründe vertrauen, weilt Mādhava nicht.
Wort für Wort
niḥsaṃśayeṣu sarveṣu
in allen, die frei von Zweifel sind (Lok.Pl.)
nityaṃ vasati vai hariḥ
wohnt wahrlich beständig Hari (Adv./3.Sg.Präs./Nom.)
sasaṃśayān hetubalān
in denen, voll Zweifel, auf die Kraft der Beweisgründe [vertrauend] (Akk.Pl.)
pañcarātravido ye tu yathākramaparā nṛpa; ekāntabhāvopagatās te hariṃ praviśanti vai
Doch die, welche das Pañcarātra kennen und, o König, der rechten Reihenfolge ergeben sind, gelangen, nachdem sie den Zustand der ausschließlichen Hingabe erreicht haben, wahrlich in Hari ein.
Wort für Wort
pañcarātravido ye tu
doch die, die das Pañcarātra kennen (Nom.Pl.)
yathākramaparā nṛpa
der rechten Reihenfolge ergeben, o König (Nom.Pl./Vok.)
ekāntabhāvopagatās te
diese, die zum Zustand ausschließlicher Hingabe gelangt sind (Nom.Pl.)
sāṃkhyaṃ ca yogaṃ ca sanātane dve; vedāś ca sarve nikhilena rājan; sarvaiḥ samastair ṛṣibhir nirukto; nārāyaṇo viśvam idaṃ purāṇam
Sāṃkhya und Yoga, die beiden ewigen Systeme, und alle Veden gänzlich, o König – von sämtlichen Weisen zusammen wird Nārāyaṇa erklärt als dieses gesamte Weltall, der Uralte.
Wort für Wort
sāṃkhyaṃ ca yogaṃ ca sanātane dve
Sāṃkhya und Yoga, die beiden ewigen (Akk./Nom.Du.)
vedāś ca sarve nikhilena rājan
und alle Veden gänzlich, o König (Nom.Pl./Instr.Adv./Vok.)
sarvaiḥ samastair ṛṣibhir nirukto
von allen Weisen zusammen wird erklärt (Instr.Pl./Nom.PPP)
nārāyaṇo viśvam idaṃ purāṇam
Nārāyaṇa als dieses gesamte uralte Weltall (Nom./Akk.)
Welche gute oder schlechte Tat auch geäußert wird, was auch immer sich in allen Welten regt – man soll wissen, dass dies von jenem Weisen herstammt: im Himmel, im Luftraum, auf Erden oder auch in den Wassern.
Wort für Wort
śubhāśubhaṃ karma samīritaṃ yat
welche gute oder schlechte Tat geäußert wird (Nom./PPP)
pravartate sarvalokeṣu kiṃ cit
was auch immer sich in allen Welten regt (3.Sg.Präs./Lok.Pl./Nom.)
tasmād ṛṣes tad bhavatīti vidyād
man soll wissen, dass dies von jenem Weisen stammt (Abl./Nom./3.Sg.Präs.+iti/Opt.)
divy antarikṣe bhuvi cāpsu cāpi
im Himmel, im Luftraum, auf Erden und auch in den Wassern (Lok.)