Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 170: śamyākagītā ākiṃcanyapraśaṃsā Śamyākas Lehre: Lob der Besitzlosigkeit und der Entsagung

Yudhiṣṭhira fragt nach Glück und Leid der Reichen und der Besitzlosen; Bhīṣma antwortet mit dem alten Lied des Brahmanen Śamyāka, das Besitzlosigkeit über Königtum stellt und Entsagung als das Höchste preist.

yudhiṣṭhira uvāca; dhanino vādhanā ye ca vartayanti svatantriṇaḥ; sukhaduḥkhāgamas teṣāṃ kaḥ kathaṃ vā pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Die Reichen oder die Besitzlosen, die ihr Leben unabhängig führen: wie kommen Glück und Leid zu ihnen, Großvater, und wer [bringt sie]?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
dhanino vā adhanā ye ca
die Reichen oder die Besitzlosen, die (Nom.Pl.)
vartayanti svatantriṇaḥ
führen [ihr Leben], unabhängig (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
sukhaduḥkhāgamas teṣām
Kommen von Glück und Leid für sie (Nom.Sg. Kompositum; Gen.Pl.)
kaḥ kathaṃ vā pitāmaha
wer oder wie, Großvater (Nom.; Adv.; Vok.)

vādhanā ist als vā adhanā (‚oder Besitzlose‘) aufgelöst.

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; śamyākena vimuktena gītaṃ śāntigatena ha

Bhīṣma sprach: „Hierzu führt man auch diese alte Erzählung an, die von Śamyāka, dem Befreiten, der zum Frieden gelangt war, gesungen wurde.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
atrāpy udāharantīmam
hierzu auch führen sie diese an (Adv.; 3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.Sg.)
śamyākena vimuktena
von Śamyāka, dem Befreiten (Instr.Sg.)
gītaṃ śāntigatena ha
gesungen, vom zum Frieden Gelangten, fürwahr (Part.Pass. Nom.Sg.n.; Instr.Sg.)

abravīn māṃ purā kaś cid brāhmaṇas tyāgam āsthitaḥ; kliśyamānaḥ kudāreṇa kucailena bubhukṣayā

„Einst sprach ein Brahmane zu mir, der sich der Entsagung zugewandt hatte, geplagt von einer schlechten Frau, schlechter Kleidung und Hunger.“

Wort für Wort
abravīn māṃ purā kaś cid
sagte zu mir einst irgendein (Impf. 3.Sg.; Akk.Sg.; Adv.; Nom.Sg.)
brāhmaṇas tyāgam āsthitaḥ
Brahmane, der die Entsagung angenommen hatte (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Part.Perf.)
kliśyamānaḥ kudāreṇa
geplagt von schlechter Ehefrau (Part.Pass.Präs. Nom.; Instr.Sg.)
kucailena bubhukṣayā
von schlechter Kleidung, von Hunger (Instr.Sg.)

utpannam iha loke vai janmaprabhṛti mānavam; vividhāny upavartante duḥkhāni ca sukhāni ca

„Für den Menschen, der in dieser Welt geboren ist, treten von Geburt an mannigfache Leiden und Freuden ein.“

Wort für Wort
utpannam iha loke vai
geboren, hier in der Welt, ja (Part.Perf.Pass. Akk.Sg.; Lok.Sg.)
janmaprabhṛti mānavam
von der Geburt an, den Menschen (Adv.; Akk.Sg.)
vividhāny upavartante
mannigfache treten heran (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.Med.)
duḥkhāni ca sukhāni ca
Leiden und Freuden (Nom.Pl.)

tayor ekatare mārge yady enam abhisaṃnayet; na sukhaṃ prāpya saṃhṛṣyen na duḥkhaṃ prāpya saṃjvaret

„Wenn [das Geschick] ihn auf einen dieser beiden Wege führt, soll er, Glück erlangt habend, nicht jubeln und, Leid erlangt habend, nicht in Glut geraten.“

Wort für Wort
tayor ekatare mārge
von den beiden, auf einem Weg (Gen.Du.; Lok.Sg.)
yady enam abhisaṃnayet
wenn [es] ihn hinführt (Konj.; Akk.Sg.; Opt. 3.Sg.)
na sukhaṃ prāpya saṃhṛṣyen
nicht, Glück erlangt, soll er jubeln (Abs.; Opt. 3.Sg.)
na duḥkhaṃ prāpya saṃjvaret
nicht, Leid erlangt, soll er in Glut geraten (Abs.; Opt. 3.Sg.)

Subjekt von abhisaṃnayet ist nicht ausdrücklich genannt; ‚das Geschick‘ ergänzt.

na vai carasi yac chreya ātmano vā yad īhase; akāmātmāpi hi sadā dhuram udyamya caiva hi

„Du strebst ja nicht nach dem, was heilsam ist, oder was du für dich selbst erstrebst; und doch, obwohl [du] wunschlosen Sinnes [bist], hebst du stets die Last empor.“ [?]

Wort für Wort
na vai carasi yac chreya
nicht fürwahr verfolgst du, was heilsam [ist] (2.Sg.Präs.; Nom./Akk.Sg.n.)
ātmano vā yad īhase
für dich selbst oder was du erstrebst (Gen.Sg.; 2.Sg.Präs.Med.)
akāmātmāpi hi sadā
obwohl wunschlosen Sinnes, denn stets (Nom.Sg. Kompositum)
dhuram udyamya caiva hi
die Last emporgehoben habend, und fürwahr (Akk.Sg.; Abs.)

Der Vers ist syntaktisch schwierig und möglicherweise verderbt; die Übersetzung ist unsicher.

akiṃcanaḥ paripatan sukham āsvādayiṣyasi; akiṃcanaḥ sukhaṃ śete samuttiṣṭhati caiva hi

„Besitzlos, [frei] umherstreifend, wirst du Glück kosten; der Besitzlose schläft glücklich und steht [glücklich] auf.“

Wort für Wort
akiṃcanaḥ paripatan
der Besitzlose, umherstreifend (Nom.Sg.; Part.Präs.) [?]
sukham āsvādayiṣyasi
Glück wirst du kosten (Akk.Sg.; 2.Sg.Fut.)
akiṃcanaḥ sukhaṃ śete
der Besitzlose schläft glücklich (Nom.Sg.; Adv.; 3.Sg.Präs.Med.)
samuttiṣṭhati caiva hi
und steht auf, fürwahr (3.Sg.Präs.)

paripatan (‚umherfallend/umherstreifend‘) ist unsicher gedeutet.

ākiṃcanyaṃ sukhaṃ loke pathyaṃ śivam anāmayam; anamitram atho hy etad durlabhaṃ sulabhaṃ satām

„Besitzlosigkeit ist in der Welt ein Glück, zuträglich, heilbringend, gesund, ohne Feinde; dies ist [für andere] schwer zu erlangen, für die Guten aber leicht zu erlangen.“

Wort für Wort
ākiṃcanyaṃ sukhaṃ loke
Besitzlosigkeit [ist] Glück in der Welt (Nom.Sg.; Lok.Sg.)
pathyaṃ śivam anāmayam
zuträglich, heilbringend, gesund (Nom.Sg.n.)
anamitram atho hy etad
ohne Feinde, ferner, fürwahr dies (Nom.Sg.n.)
durlabhaṃ sulabhaṃ satām
schwer zu erlangen, leicht zu erlangen für die Guten (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.)

akiṃcanasya śuddhasya upapannasya sarvaśaḥ; avekṣamāṇas trīṃl lokān na tulyam upalakṣaye

„Wenn ich die drei Welten überblicke, erkenne ich nichts, das dem Besitzlosen, Reinen, in jeder Hinsicht Vollkommenen gleichkäme.“

Wort für Wort
akiṃcanasya śuddhasya
des Besitzlosen, des Reinen (Gen.Sg.)
upapannasya sarvaśaḥ
des in jeder Hinsicht Ausgestatteten/Vollkommenen (Gen.Sg.; Adv.)
avekṣamāṇas trīṃl lokān
überblickend die drei Welten (Part.Präs. Nom.Sg.; Akk.Pl.)
na tulyam upalakṣaye
nicht Gleiches nehme ich wahr (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.Med.)

upapannasya sarvaśaḥ ist als ‚in jeder Hinsicht [mit Vorzügen] ausgestattet‘ gedeutet.

ākiṃcanyaṃ ca rājyaṃ ca tulayā samatolayam; atyaricyata dāridryaṃ rājyād api guṇādhikam

„Besitzlosigkeit und Königtum wurden auf der Waage gewogen, [und sie waren] gleich; [doch] Armut überragte, an Vorzügen größer, selbst das Königtum.“

Wort für Wort
ākiṃcanyaṃ ca rājyaṃ ca
Besitzlosigkeit und Königtum (Nom.Sg.)
tulayā samatolayam
auf der Waage gewogen [sie] gleich (Instr.Sg.; Impf. 1.Sg./3.Pl.)
atyaricyata dāridryaṃ
überragte die Armut (Impf.Pass./Med. 3.Sg.; Nom.Sg.)
rājyād api guṇādhikam
sogar als das Königtum, an Vorzügen größer (Abl.Sg.; Nom.Sg.n.)

Der Vers ist in sich spannungsvoll (‚gleich‘ und ‚überragte‘); wörtlich wiedergegeben.

ākiṃcanye ca rājye ca viśeṣaḥ sumahān ayam; nityodvigno hi dhanavān mṛtyor āsyagato yathā

„Zwischen Besitzlosigkeit und Königtum besteht dieser gewaltige Unterschied: Der Reiche ist stets in Angst, wie im Rachen des Todes.“

Wort für Wort
ākiṃcanye ca rājye ca
zwischen Besitzlosigkeit und Königtum (Lok.Sg.)
viśeṣaḥ sumahān ayam
Unterschied, sehr großer, dieser (Nom.Sg.)
nityodvigno hi dhanavān
stets beunruhigt, denn der Reiche (Nom.Sg.)
mṛtyor āsyagato yathā
wie in den Rachen des Todes Geratener (Gen.Sg.; Nom.Sg.)

naivāsyāgnir na cādityo na mṛtyur na ca dasyavaḥ; prabhavanti dhanajyāninirmuktasya nirāśiṣaḥ

„Weder Feuer noch Sonne noch Tod noch Räuber vermögen etwas gegen den, der vom Gram um den Verlust des Besitzes befreit ist und keine Wünsche mehr hat.“

Wort für Wort
naivāsyāgnir na cādityo
weder ihm Feuer noch Sonne (Dat./Gen.Sg.; Nom.Sg.)
na mṛtyur na ca dasyavaḥ
nicht Tod, nicht Räuber (Nom.Sg.; Nom.Pl.)
prabhavanti dhanajyāninirmuktasya
vermögen [etwas], des vom Besitzverlust Befreiten (3.Pl.Präs.; Gen.Sg.)
nirāśiṣaḥ
des Wunschlosen (Gen.Sg.)

dhanajyāni: ‚Verlust/Einbuße an Besitz‘.

taṃ vai sadā kāmacaram anupastīrṇaśāyinam; bāhūpadhānaṃ śāmyantaṃ praśaṃsanti divaukasaḥ

„Ihn, der stets nach Belieben umherzieht, ohne Lager schläft, den Arm zum Kissen [hat] und zur Ruhe gekommen ist, preisen die Himmelsbewohner.“

Wort für Wort
taṃ vai sadā kāmacaram
ihn fürwahr, stets nach Belieben Wandelnden (Akk.Sg.)
anupastīrṇaśāyinam
auf ungedecktem Lager Schlafenden (Akk.Sg.)
bāhūpadhānaṃ śāmyantaṃ
den Arm als Kissen Habenden, Ruhe Findenden (Akk.Sg.; Part.Präs.)
praśaṃsanti divaukasaḥ
preisen die Himmelsbewohner (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

dhanavān krodhalobhābhyām āviṣṭo naṣṭacetanaḥ; tiryagīkṣaḥ śuṣkamukhaḥ pāpako bhrukuṭīmukhaḥ

„Der Reiche, von Zorn und Gier besessen, des Verstandes beraubt, schielend, mit vertrocknetem Mund, boshaft, mit gerunzelter Stirn –“

Wort für Wort
dhanavān krodhalobhābhyām
der Reiche, von Zorn und Gier (Nom.Sg.; Instr.Du.)
āviṣṭo naṣṭacetanaḥ
besessen, mit verlorenem Bewusstsein (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.)
tiryagīkṣaḥ śuṣkamukhaḥ
schielend, mit trockenem Mund (Nom.Sg.)
pāpako bhrukuṭīmukhaḥ
boshaft, mit Stirnrunzeln im Gesicht (Nom.Sg.)

Der Satz setzt sich in 15 fort.

nirdaśaṃś cādharoṣṭhaṃ ca kruddho dāruṇabhāṣitā; kas tam icchet paridraṣṭuṃ dātum icchati cen mahīm

„– die Unterlippe zerbeißend, zornig, grob redend: Wer möchte ihn anblicken, selbst wenn er bereit ist, die Erde zu geben?“

Wort für Wort
nirdaśaṃś cādharoṣṭhaṃ ca
zerbeißend und die Unterlippe (Part.Präs.; Akk.Sg.)
kruddho dāruṇabhāṣitā
zornig, grob Redender (Part.Perf.; Nom.Sg.)
kas tam icchet paridraṣṭuṃ
wer möchte ihn ansehen (Nom.Sg.; Akk.; Opt. 3.Sg.; Inf.)
dātum icchati cen mahīm
zu geben wünscht er wenn die Erde (Inf.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)

śriyā hy abhīkṣṇaṃ saṃvāso mohayaty avicakṣaṇam; sā tasya cittaṃ harati śāradābhram ivānilaḥ

„Denn der beständige Umgang mit dem Glück [Śrī, dem Reichtum] verwirrt den Unklugen; sie raubt seinen Sinn, wie der Wind die Herbstwolke.“

Wort für Wort
śriyā hy abhīkṣṇaṃ saṃvāsaḥ
mit Śrī nämlich beständig das Zusammenleben (Instr.Sg.; Adv.; Nom.Sg.)
mohayaty avicakṣaṇam
verwirrt den Unklugen (3.Sg.Kaus.; Akk.Sg.)
sā tasya cittaṃ harati
sie seinen Sinn raubt (Nom.Sg.f.; Gen.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
śāradābhram ivānilaḥ
wie den Herbstwolke der Wind (Akk.Sg.; Nom.Sg.)

athainaṃ rūpamānaś ca dhanamānaś ca vindati; abhijāto 'smi siddho 'smi nāsmi kevalamānuṣaḥ; ity ebhiḥ kāraṇais tasya tribhiś cittaṃ prasicyate

„Dann ergreift ihn der Stolz auf Schönheit und der Stolz auf Reichtum: ‚Ich bin hochgeboren, ich bin vollendet, ich bin nicht bloß ein Mensch.‘ Durch diese drei Gründe wird sein Geist berauscht [getränkt].“

Wort für Wort
athainaṃ rūpamānaś ca
dann ihn Schönheitsstolz und (Akk.Sg.; Nom.Sg.)
dhanamānaś ca vindati
Reichtumsstolz und findet/ergreift (3.Sg.Präs.)
abhijāto 'smi siddho 'smi
hochgeboren bin ich, vollendet bin ich (Part.; 1.Sg.Präs.)
nāsmi kevalamānuṣaḥ
nicht bin ich bloß ein Mensch (1.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
ity ebhiḥ kāraṇais tasya
so durch diese Gründe, seiner (Instr.Pl.; Gen.Sg.)
tribhiś cittaṃ prasicyate
durch drei der Geist wird benetzt/berauscht (Instr.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)

sa prasiktamanā bhogān visṛjya pitṛsaṃcitān; parikṣīṇaḥ parasvānām ādānaṃ sādhu manyate

„Mit berauschtem Sinn vergeudet er die vom Vater angehäuften Genüsse; [dann] verarmt hält er das Nehmen fremden Besitzes für gut.“

Wort für Wort
sa prasiktamanā bhogān
er, mit berauschtem Sinn, die Genüsse (Nom.Sg.; Akk.Pl.)
visṛjya pitṛsaṃcitān
weggegeben/vergeudet habend, vom Vater angehäuft (Abs.; Akk.Pl.)
parikṣīṇaḥ parasvānām
verarmt, der fremden Güter (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.; Gen.Pl.)
ādānaṃ sādhu manyate
das Nehmen für gut hält er (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

tam atikrāntamaryādam ādadānaṃ tatas tataḥ; pratiṣedhanti rājāno lubdhā mṛgam iveṣubhiḥ

„Ihn, der die Schranke [des Rechts] überschritten hat und von hier und dort nimmt, halten die Könige zurück, wie Gierige ein Wild mit Pfeilen.“

Wort für Wort
tam atikrāntamaryādam
ihn, der die Grenze überschritten hat (Akk.Sg.)
ādadānaṃ tatas tataḥ
nehmenden von da und dort (Part.Präs.; Adv.)
pratiṣedhanti rājāno
halten zurück die Könige (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
lubdhā mṛgam iveṣubhiḥ
Gierige wie ein Wild mit Pfeilen (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Instr.Pl.)

evam etāni duḥkhāni tāni tānīha mānavam; vividhāny upavartante gātrasaṃsparśajāni ca

„So kommen diese und jene mannigfachen Leiden über den Menschen in dieser Welt, auch die, welche aus Körperberührung entstehen.“

Wort für Wort
evam etāni duḥkhāni
so diese Leiden (Nom.Pl.n.)
tāni tānīha mānavam
jene und jene hier über den Menschen (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
vividhāny upavartante
mannigfache treten heran (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
gātrasaṃsparśajāni ca
und aus Körperberührung entstandene (Nom.Pl.n.)

teṣāṃ paramaduḥkhānāṃ buddhyā bhaiṣajyam ācaret; lokadharmaṃ samājñāya dhruvāṇām adhruvaiḥ saha

„Gegen diese äußerst schweren Leiden soll man mit Einsicht ein Heilmittel anwenden, wenn man die Weltordnung erkannt hat: [die Verbindung] der Beständigen mit den Unbeständigen.“ [?]

Wort für Wort
teṣāṃ paramaduḥkhānāṃ
von diesen äußerst schweren Leiden (Gen.Pl.)
buddhyā bhaiṣajyam ācaret
mit Verstand Heilmittel soll man anwenden (Instr.Sg.; Akk.Sg.; Opt. 3.Sg.)
lokadharmaṃ samājñāya
die Weltordnung erkannt habend (Akk.Sg.; Abs.)
dhruvāṇām adhruvaiḥ saha
der Beständigen mit den Unbeständigen zusammen (Gen.Pl.; Instr.Pl.; Postp.) [?]

dhruvāṇām adhruvaiḥ saha ist unsicher; wahrscheinlich ‚das Zusammensein des Beständigen mit dem Unbeständigen‘ als Inhalt des lokadharma.

nātyaktvā sukham āpnoti nātyaktvā vindate param; nātyaktvā cābhayaḥ śete tyaktvā sarvaṃ sukhī bhava

„Ohne aufzugeben erlangt man kein Glück, ohne aufzugeben findet man das Höchste nicht, ohne aufzugeben schläft man nicht furchtlos; gib alles auf und sei glücklich!“

Wort für Wort
nātyaktvā sukham āpnoti
nicht ohne aufgegeben zu haben, Glück erlangt man (Abs. neg.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
nātyaktvā vindate param
nicht ohne aufzugeben findet man das Höchste (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
nātyaktvā cābhayaḥ śete
nicht ohne aufzugeben, furchtlos schläft man (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
tyaktvā sarvaṃ sukhī bhava
alles aufgegeben habend, glücklich sei (Abs.; Akk.; Nom.Sg.; Imp. 2.Sg.)

ity etad dhāstinapure brāhmaṇenopavarṇitam; śamyākena purā mahyaṃ tasmāt tyāgaḥ paro mataḥ

„So wurde dies in Hāstinapura von dem Brahmanen Śamyāka einst mir dargelegt; daher gilt Entsagung als das Höchste.“

Wort für Wort
ity etad dhāstinapure
so dies in Hāstinapura (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
brāhmaṇenopavarṇitam
vom Brahmanen dargelegt (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
śamyākena purā mahyam
von Śamyāka, einst, mir (Instr.Sg.; Adv.; Dat.Sg.)
tasmāt tyāgaḥ paro mataḥ
deshalb Entsagung als das Höchste gilt (Abl.Sg.; Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)

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