Kapitel 278: uśanaḥ śukratvaprāptiḥ
Wie Uśanas in Śivas Leib gerät und als Śukra wieder hervorgeht
Yudhiṣṭhira fragt nach Uśanas Kāvya (Śukra), seinem Verhältnis zu den Asuras und dem Grund, warum Śukra (Venus) nicht durch die Himmelsmitte zieht. Bhīṣma erzählt, wie Uśanas Kuberas Reichtum raubt, von Śiva verschluckt wird und durch dessen Glied als Śukra („Same“) wieder herauskommt.
indro 'tha dhanado rājā yakṣarakṣodhipaḥ sa ca; prabhaviṣṇuś ca kośasya jagataś ca tathā prabhuḥ
Indra sodann, [und] Dhanada, der König, der Herr der Yakṣas und Rākṣasas, und der Gebieter über den Schatz und ebenso Herr der Welt.
Wort für Wort
indro 'tha
Indra sodann (Nom.) [?]
dhanado rājā
Dhanada, der König (Nom.)
yakṣarakṣodhipaḥ sa ca
Herr der Yakṣas und Rākṣasas, und er (Nom.)
prabhaviṣṇuś ca kośasya
und Gebieter über den Schatz (Nom.; Gen.)
jagataś ca tathā prabhuḥ
und ebenso Herr der Welt (Gen.; Nom.)
Text und Bezug von indro 'tha unklar (vermutlich Kubera als „Indra“ der Reichtümer gemeint); Kubera ist der Herr, dessen Reichtum im Folgenden geraubt wird.
kubera uvāca; yogātmakenośanasā ruddhvā mama hṛtaṃ vasu; yogenātmagatiṃ kṛtvā niḥsṛtaś ca mahātapāḥ
Kubera sprach: „Vom yogamächtigen Uśanas wurde ich festgehalten und mein Gut geraubt; und nachdem der große Asket sich durch Yoga [in mir] einen Gang zu eigen gemacht hatte, ist er wieder herausgegangen.“
Wort für Wort
kubera uvāca
Kubera sprach
yogātmakena uśanasā
vom yogamächtigen Uśanas (Instr.)
ruddhvā mama hṛtaṃ vasu
festgehalten, mein Gut geraubt (Abs.; Gen.; PPP Nom.)
yogena ātmagatiṃ kṛtvā
durch Yoga sich einen Gang zu eigen gemacht habend (Instr.; Akk.; Abs.) [?]
niḥsṛtaś ca mahātapāḥ
und er ist herausgegangen, der große Asket (PPP Nom.)
Die Wendung yogenātmagatiṃ kṛtvā ist knapp; gemeint ist wohl das Eindringen in Kubera durch Yoga.
Bhīṣma sprach: „Als der große Yogin Maheśvara dies gehört hatte, wurde er zornig; mit rotunterlaufenen Augen, König, ergriff er den Speer und stellte sich auf.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
etac chrutvā tataḥ kruddhaḥ
dies gehört habend, da zornig (Abs.; PPP Nom.)
mahāyogī maheśvaraḥ
der große Yogin Maheśvara (Nom.)
saṃraktanayanaḥ rājan
mit gerötetem Auge, König (Nom.; Vok.)
śūlam ādāya tasthivān
den Speer ergriffen habend, stand da (Abs.; PPA Nom.)
Nachdem Uśanas, dessen Selbst durch Yoga vollendet war, den hochgemuten Maheśvara in strenger Askese bedacht hatte, wurde er an der Spitze des Speers sichtbar.
Wort für Wort
saṃcintya ugreṇa tapasā
bedacht habend, durch strenge Askese (Abs.; Instr.)
mahātmānaṃ maheśvaram
den Hochgemuten, Maheśvara (Akk.)
uśanā yogasiddhātmā
Uśanas, im Yoga vollendet im Selbst (Nom.)
śūlāgre pratyadṛśyata
an der Speerspitze wurde sichtbar (Lok.; 3.Sg.Impf.Pass.)
vijñātarūpaḥ sa tadā tapaḥsiddhena dhanvinā; jñātvā śūlaṃ ca deveśaḥ pāṇinā samanāmayat
Da wurde er vom durch Askese vollendeten Bogenträger in seiner Gestalt erkannt; und der Herr der Götter, der den Speer [in ihm] erkannte, bog ihn mit der Hand nieder.
Wort für Wort
vijñātarūpaḥ sa tadā
erkannt in seiner Gestalt, er da (PPP Nom.)
tapaḥsiddhena dhanvinā
vom durch Askese vollendeten Bogenträger (Instr.)
jñātvā śūlaṃ ca
und den Speer [betreffend] erkannt habend (Abs.; Akk.) [?]
deveśaḥ pāṇinā
der Herr der Götter mit der Hand (Nom.; Instr.)
samanāmayat
bog nieder (3.Sg.Impf.Kaus.)
Sinn von jñātvā śūlaṃ ca knapp; wohl: Śiva erkennt Uśanas auf der Speerspitze und krümmt den Speer.
Er aber, Uśanas, drang in die Hand des Herrn Maheśvara ein.
Wort für Wort
sa tu praviṣṭaḥ uśanā
er aber eingedrungen, Uśanas (PPP Nom.)
pāṇiṃ māheśvaram
in die Hand des Maheśvara (Akk.)
prabhum
den Herrn (Akk.) [Lesung Text: prabhuḥ]
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
tatsaṃyogena vṛddhiṃ cāpy apaśyat sa tu śaṃkaraḥ; mahāmatir acintyātmā satyadharmarataḥ sadā
Durch die Verbindung mit ihm sah aber jener Śaṃkara auch eine Zunahme [an sich], der hochsinnige, dessen Selbst unfassbar ist, der stets an Wahrheit und Recht Freude hat.
Wort für Wort
tatsaṃyogena vṛddhiṃ ca api
durch die Verbindung damit auch Zunahme (Instr.; Akk.) [?]
apaśyat sa tu śaṃkaraḥ
sah er aber, Śaṃkara (3.Sg.Impf.; Nom.)
mahāmatiḥ acintyātmā
der Hochsinnige, unfassbaren Selbstes (Nom.)
satyadharmarataḥ sadā
stets an Wahrheit und Recht erfreut (Nom.; Adv.)
Bezug von tatsaṃyogena unsicher (Verbindung mit Uśanas im Leib?).
Zu ihm sprach Mahādeva: „Geh; die Befreiung [geschieht] durch das Glied.“ So sprach der Stier unter den Dreißig [Göttern], nachdem er alle Körperkanäle verschlossen hatte.
Wort für Wort
tam uvāca mahādevaḥ
zu ihm sprach Mahādeva (Akk.; Nom.)
gaccha śiśnena mokṣaṇam
geh, [Befreiung] durch das Glied (Imp.; Instr.; Nom.)
iti srotāṃsi sarvāṇi
so, alle Kanäle (Akk.Pl.)
ruddhvā tridaśapuṃgavaḥ
verschlossen habend, der Stier der Dreißig (Abs.; Nom.)
tata eva ca deveṣu sapratiṣṭho mahāmuniḥ; paurohityaṃ ca daityānāṃ cakre tejovivṛddhaye
Und von da an war der große Weise unter den Göttern fest gegründet; und er machte sich zum Hauspriester der Daityas, zur Mehrung [ihrer] Kraft.
Wort für Wort
tata eva ca deveṣu
und eben daher unter den Göttern (Lok.) [?]
sapratiṣṭho mahāmuniḥ
fest gegründet, der große Weise (Nom.)
paurohityaṃ ca daityānām
und das Priesteramt der Daityas (Akk.; Gen.Pl.)
cakre tejovivṛddhaye
übernahm er, zur Mehrung der Kraft (3.Sg.Perf.; Dat.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Bezug von deveṣu (Götter) im Kontext auffällig, evtl. verderbt.
Die Göttin hielt ihn zurück, den zornigen Herrn der Tiere, ihren Gatten; und als Śaṃkara von der Göttin zurückgehalten war, wurde jener [Uśanas] zu [ihrem] Sohn.
Wort für Wort
nyavārayata taṃ devī
hielt zurück ihn die Göttin (3.Sg.Impf.Kaus.)
kruddhaṃ paśupatiṃ patim
den zornigen Herrn der Tiere, den Gatten (Akk.)
putratvam agamat
gelangte zum Sohnesstand (Akk.; 3.Sg.Impf.)
devyā vārite śaṃkare ca saḥ
als von der Göttin Śaṃkara zurückgehalten war, er (Instr.; Lok. abs.; Nom.)
devy uvāca; hiṃsanīyas tvayā naiṣa mama putratvam āgataḥ; na hi devodarāt kaś cin niḥsṛto nāśam archati
Die Göttin sprach: „Von dir darf dieser nicht verletzt werden; er ist mein Sohn geworden. Denn wer aus dem Leib eines Gottes herausgetreten ist, geht nicht zugrunde.“
Wort für Wort
devī uvāca
die Göttin sprach
hiṃsanīyaḥ tvayā na eṣa
nicht zu verletzen von dir dieser (Gerundiv; Instr.; Nom.)
mama putratvam āgataḥ
mein Sohn geworden (Gen.; Akk.; PPP Nom.)
na hi devodarāt kaścit
denn nicht aus dem Bauch des Gottes irgendjemand (Abl.; Nom.)
niḥsṛto nāśam archati
herausgegangen, gelangt zum Untergang (PPP Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)