Kapitel 68: rājadaivatatva-rājarakṣā
Bṛhaspati belehrt Vasumanas: Der König als Gottheit, Schützer der Welt und Gegenstand der Verehrung
Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira das Gespräch zwischen dem Kausalya-König Vasumanas und dem Seher Bṛhaspati über Rang und Aufgabe des Königs. Das Kapitel schildert zunächst die Anarchie ohne Königsschutz, dann die Ordnung unter einem schützenden König, seine göttlichen Erscheinungsformen und die Pflicht, ihm zu dienen und sein Eigentum zu achten.
yudhiṣṭhira uvāca; kim āhur daivataṃ viprā rājānaṃ bharatarṣabha; manuṣyāṇām adhipatiṃ tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Welche Gottheit nennen die Brahmanen den König, o Stier unter den Bharatas? Das sage mir, Großvater, [nämlich] den Herrn der Menschen.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
kim āhur daivataṃ viprā
was für eine Gottheit sagen sie, die Brahmanen (Akk.Sg.n./3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
rājānaṃ bharatarṣabha
den König, o Stier der Bharatas (Akk.Sg./Vok.Sg.)
manuṣyāṇām adhipatiṃ
den Herrn der Menschen (Gen.Pl./Akk.Sg.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg./Dat.-Gen.Sg./Vok.)
Nachdem er alle Höflichkeitsbräuche gegenüber Bṛhaspati erfüllt hatte, der höflichkeitskundige [König], sich unmittelbar zu dessen Rechten gestellt [?] und sich der Vorschrift gemäß verneigt hatte,
Wort für Wort
sarvaṃ vainayikaṃ kṛtvā
alles der Höflichkeit Gemäße getan habend (Akk.Sg.n./Abs.)
vinayajño
der Anstandskundige (Nom.Sg.m.)
bṛhaspateḥ
des Bṛhaspati (Gen.Sg.)
dakṣiṇānantaro bhūtvā
unmittelbar zur Rechten [?] geworden/stehend (Nom.Sg./Abs.)
praṇamya vidhipūrvakam
sich verneigt habend, vorschriftsgemäß (Abs./Adv.)
dakṣiṇānantaraḥ unsicher; hier als ‚unmittelbar zur Rechten (des Lehrers)‘ gedeutet.
fragte er nach der Ordnung der Herrschaft, der er an dem Wohl aller Wesen Freude fand und das Wohl der Untertanen erstrebte, o Herr der Leute, nach [derjenigen,] die im Dharma wurzelt.
Wort für Wort
vidhiṃ papraccha rājyasya
nach der Ordnung fragte er, der Herrschaft (Akk.Sg./Perf.3.Sg./Gen.Sg.)
sarvabhūtahite rataḥ
an dem Wohl aller Wesen sich erfreuend (Lok.Sg./Nom.Sg.)
prajānāṃ hitam anvicchan
das Wohl der Untertanen erstrebend (Gen.Pl./Akk.Sg./Part.Präs.)
**** **** rājyasya ca vivecanam; daṇḍanītiṃ samāśritya
[…] [Lücke] und die Unterscheidung/Prüfung der Herrschaft; sich auf die Lehre von der Strafgewalt stützend […]
Wort für Wort
**** ****
[Lücke im Text]
rājyasya ca vivecanam
und der Herrschaft Unterscheidung (Gen.Sg./Nom./Akk.Sg.n.)
daṇḍanītiṃ samāśritya
sich auf die Daṇḍanīti (Lehre von der Strafgewalt) stützend (Akk.Sg./Abs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers mit Lücke (****); Satz bricht ab bzw. ist unvollständig überliefert.
weder Ehefrauen noch Sohn gäbe es, weder Reichtum noch Besitz,
Wort für Wort
na dārā na ca putraḥ syān
nicht Ehefrauen und nicht Sohn wäre (Nom.Pl./Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
na dhanaṃ na parigrahaḥ
nicht Reichtum, nicht Besitz (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, eingeschoben zwischen die beiden Hälften von 068.016.
antaś cākāśam eva syāl loko 'yaṃ dasyusād bhavet; patec ca narakaṃ ghoraṃ yadi rājā na pālayet
Das Innere [der Wohnstätten?] wäre nur leerer Raum [?], diese Welt fiele den Räubern anheim, und man stürzte in die furchtbare Hölle, wenn der König nicht schützte.
Wort für Wort
antaś cākāśam eva syāl
und das Innere/das Ende nur leerer Raum [?] wäre (Adv./Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
loko 'yaṃ dasyusād bhavet
diese Welt würde den Räubern zufallen (Nom.Sg./Opt.3.Sg.)
patec ca narakaṃ ghoraṃ
und man fiele in die furchtbare Hölle (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
na yonipoṣo varteta na kṛṣir na vaṇikpathaḥ; majjed dharmas trayī na syād yadi rājā na pālayet
Aufzucht [von Nachkommenschaft bzw. Vieh?] käme nicht in Gang, nicht Ackerbau, nicht die Handelswege; der Dharma versänke, die Drei Veden gäbe es nicht, wenn der König nicht schützte.
Wort für Wort
na yonipoṣo varteta
nicht käme in Gang Aufzucht/Nachwuchspflege [?] (Nom.Sg./Opt.3.Sg.Med.)
na kṛṣir na vaṇikpathaḥ
nicht Ackerbau, nicht Handelsweg (Nom.Sg.)
majjed dharmas
versänke der Dharma (Opt.3.Sg./Nom.Sg.)
trayī na syād
die dreifache [Veda-]Lehre wäre nicht (Nom.Sg.f./Opt.3.Sg.)
na yajñāḥ saṃpravarteran vidhivat svāptadakṣiṇāḥ; na vivāhāḥ samājā vā yadi rājā na pālayet
Opfer kämen nicht ordnungsgemäß zustande, mit reichlich erworbenen Opfergaben [für die Priester], weder Hochzeiten noch Versammlungen, wenn der König nicht schützte.
Wort für Wort
na yajñāḥ saṃpravarteran
nicht kämen Opfer in Gang (Nom.Pl./Opt.3.Pl.Med.)
vidhivat svāptadakṣiṇāḥ
vorschriftsgemäß, mit wohlerworbenen Opferlöhnen (Adv./Bahuvrīhi Nom.Pl.)
Verängstigt, im Herzen erschüttert, in Wehgeschrei „Ach, ach“, besinnungslos würde alles in einem Augenblick zugrunde gehen, wenn der König nicht schützte.
Wort für Wort
trastam udvignahṛdayaṃ
verängstigt, im Herzen erschüttert (Part.Pass./Bahuvrīhi Nom.Sg.n.)
hāhābhūtam acetanam
zu einem „Ach-ach“ geworden, besinnungslos (Nom.Sg.n.)
kṣaṇena vinaśet sarvaṃ
in einem Augenblick würde zugrunde gehen alles (Instr.Sg./Opt.3.Sg./Nom.Sg.n.)
Die Brahmanen, die Asketen, würden die vier Veden nicht studieren, [obwohl] durch Wissen und durch Askese Gebadete [Vollendete], wenn der König nicht schützte.
Wort für Wort
brāhmaṇāś caturo vedān
die Brahmanen, die vier Veden (Nom.Pl./Akk.Pl.)
nādhīyeraṃs tapasvinaḥ
würden nicht studieren, die Asketen (Opt.3.Pl./Nom.Pl.)
vidyāsnātās tapaḥsnātā
durch Wissen Gebadete, durch Askese Gebadete (Nom.Pl.)
yadi rājā na pālayet
wenn der König nicht schützte (Opt.3.Sg.)
snāta = nach Abschluss der Studien ‚Gebadeter‘ (Absolvent).
na labhed dharmasaṃśleṣaṃ hataviprahato janaḥ; kartā svecchendriyo gacched yadi rājā na pālayet
Der Mensch, geschlagen und zerschlagen [?], erlangte keine Verbindung mit dem Dharma; der Täter würde nach den Trieben seiner Sinne handeln [?], wenn der König nicht schützte.
Wort für Wort
na labhed dharmasaṃśleṣaṃ
nicht erlangte er Verbindung mit dem Dharma (Opt.3.Sg./Akk.Sg.)
hataviprahato janaḥ
der geschlagene und zerschlagene [?] Mensch (Nom.Sg.)
kartā svecchendriyo
der Täter, dessen Sinne eigenwillig sind [?] (Nom.Sg./Bahuvrīhi)
Keiner erträgt auch nur eine Beschimpfung [durch andere] – wie [erst] eine Tätlichkeit [wörtl.: Überschreitung der Hand] –, wenn der König unter den Menschen ein gerechter Beschützer ist.
wie erst, der Hand (Gen.), Überschreiten/Übergriff (Nom.Sg.n.)
yadi rājā manuṣyeṣu
wenn, der König (Nom.), unter den Menschen (Lok.Pl.)
trātā bhavati dhārmikaḥ
Beschützer (Nom.Sg.), ist (3.Sg.Präs.), gerecht (Nom.Sg.)
Der Vers ist knapp: nākruṣṭaṃ sahate lässt sich auch als „keiner duldet (bei anderen) Beschimpfung“ auffassen; der Sinn – Sicherheit vor Übergriffen – bleibt gleich.
Und die drei Stände opfern mit großen Opfern verschiedener Art, und, [ihrer Pflicht] hingegeben, studieren sie die Lehrschrift, wenn der Beherrscher der Erde schützt.
Wort für Wort
yajante ca trayo varṇāḥ
sie opfern (3.Pl.Präs.Med.), und, die drei Stände (Nom.Pl.)
mahāyajñaiḥ pṛthagvidhaiḥ
mit großen Opfern (Instr.Pl.), verschiedenartigen (Instr.Pl.)
yuktāḥ ca adhīyate śāstram
eifrig/gesammelt (Nom.Pl.), und, [man] studiert (3.Sg./Pl.Präs.Med.), die Lehrschrift (Akk.)
yadā rakṣati bhūmipaḥ
wenn, er schützt (3.Sg.Präs.), der Erdherr (Nom.Sg.)
vārtāmūlo hy ayaṃ lokas trayyā vai dhāryate sadā; tat sarvaṃ vartate samyag yadā rakṣati bhūmipaḥ
Denn diese Welt hat die Vārtā [Erwerbsleben] zur Wurzel und wird stets von der Dreifachen [Veda-Lehre] getragen; all das verläuft recht, wenn der Beherrscher der Erde schützt.
Wort für Wort
vārtāmūlaḥ hi ayaṃ lokaḥ
die Vārtā zur Wurzel habend (Bahuvrīhi), denn, diese (Nom.), Welt (Nom.Sg.)
trayyā vai dhāryate sadā
durch die Dreifache (Instr.Sg.f.), fürwahr, wird getragen (3.Sg.Präs.Pass.), stets
tat sarvaṃ vartate samyak
all das (Nom.Sg.n.), es verläuft (3.Sg.Präs.Med.), recht (Adv.)
yadā rakṣati bhūmipaḥ
wenn, er schützt (3.Sg.Präs.), der Erdherr (Nom.Sg.)
vārtā: Lebenserwerb (Ackerbau, Viehzucht, Handel); trayī: die dreifache Veda-Lehre.
Wenn der König die vortreffliche Last [Joch] auf sich genommen hat und die Untertanen trägt, mit großem Einsatz von Kraft, dann wird die Welt heiter [zufrieden].
Wort für Wort
yadā rājā dhuram śreṣṭhām
wenn, der König (Nom.), die Last/das Joch (Akk.Sg.f.), vortrefflich (Akk.Sg.f.)
ādāya vahati prajāḥ
aufgenommen habend (Abs.), er trägt (3.Sg.Präs.), die Untertanen (Akk.Pl.)
mahatā balayogena
mit großem (Instr.), Einsatz von Kraft (Instr.Sg.)
tadā lokaḥ prasīdati
dann, die Welt (Nom.Sg.), wird heiter/froh (3.Sg.Präs.)
tasya yo vahate bhāraṃ sarvalokasukhāvaham; tiṣṭhet priyahite rājña ubhau lokau hi yo jayet
Wer dessen Last trägt, die allen Welten Glück bringt, der stehe im Lieben und Heilsamen des Königs [= handle zu seinem Wohl]; denn wer [so handelt], gewinnt beide Welten.
Wort für Wort
tasya yaḥ vahate bhāram
dessen (Gen.), wer (Rel.), trägt (3.Sg.Präs.Med.), die Last (Akk.)
sarvalokasukhāvaham
allen Welten Glück bringend (Akk.Sg.m.)
tiṣṭhet priyahite rājñaḥ
er stehe (3.Sg.Opt.), im Lieben und Heilsamen (Lok.), des Königs (Gen.)
ubhau lokau hi yaḥ jayet
beide Welten (Akk.Du.), denn, wer (Rel.), gewinnt/gewönne (3.Sg.Opt.)
Die Konstruktion (tiṣṭhet im Optativ, relativer Anschluss) ist knapp; Wiedergabe sinngemäß.
Wenn er nämlich [?] von da an die Frevler mit grimmiger Glut verbrennt – der König, der verkehrt behandelt wurde [?] –, dann wird er zum Feuer [Pāvaka].
Wort für Wort
yadā hi āsīt ataḥ [?]
wenn, denn/nämlich, war/trat heran [?] (3.Sg.Impf.), von da an/deshalb
pāpān dahati ugreṇa tejasā
die Frevler (Akk.Pl.), er verbrennt (3.Sg.Präs.), mit grimmiger (Instr.), Glut (Instr.Sg.)
mithyā upacaritaḥ rājā
verkehrt (Adv.), behandelt/bedient (Part.Pass.), der König (Nom.)
tadā bhavati pāvakaḥ
dann, er wird (3.Sg.Präs.), Feuer/Läuterer (Nom.Sg.)
Text unsicher: yadā hy āsīd ataḥ ist verderbt oder schwer deutbar (evtl. Form von ā-sad „angreifen, herantreten“); Deutung mit [?] markiert.
Man soll nicht bei seiner Verleumdung [dabei]stehen – als Tüchtiger, mit makellosem Handeln, der rechtmäßigen Gewinn erstrebt –, sondern [sich verhalten] mit Neidlosigkeit gegenüber dem Herrn.
Wort für Wort
na asya apavāde sthātavyam
nicht, seiner/an ihm (Gen.), bei der Verleumdung (Lok.), ist zu stehen (Gerundiv unpers.)
dakṣeṇa akliṣṭakarmaṇā
durch den Tüchtigen (Instr.), mit unbeflecktem Handeln (Instr.)
dharmyam ākāṅkṣatā lābham
rechtmäßig (Akk.), durch den Wünschenden (Instr.), Gewinn (Akk.)
īśvarasya anasūyatā
dem Herrn gegenüber (Gen.), durch Neidlosigkeit (Instr.Sg.f.)
Syntax knapp; anasūyatā (Instr.) ist mit [sondern sich verhalten] ergänzt [?].
kuryāt kṛṣṇagatiḥ śeṣaṃ jvalito 'nilasārathiḥ; na tu rājñābhipannasya śeṣaṃ kva cana vidyate
Der, dessen Pfad schwarz ist [Agni], mag, entflammt und den Wind zum Wagenlenker habend, einen Rest lassen; für den aber, den der König angegriffen hat, findet sich nirgends ein Rest.
Wort für Wort
kuryāt kṛṣṇagatiḥ śeṣam
er möge lassen/machen (3.Sg.Opt.), der Schwarzspurige/Agni (Nom.), Rest (Akk.)
jvalitaḥ anilasārathiḥ
entflammt (Part.Pass. Nom.), den Wind zum Lenker habend (Bahuvrīhi)
na tu rājñā abhipannasya
nicht, aber, vom König (Instr.), des Angegriffenen (Gen.)
śeṣam kva cana vidyate
Rest (Nom.), irgendwo (kva cana), er findet sich (3.Sg.Präs.Pass.)
Alles, was ihm zu schützen ist [was ihm gehört], soll man von fern meiden; wie vor dem Tod soll der Mensch vor dem Wegnehmen von Königsgut zurückschrecken.
Wort für Wort
tasya sarvāṇi rakṣyāṇi
seine (Gen.), alle (Akk.Pl.n.), zu Schützende/Schutzgüter (Gerundiv Akk.Pl.n.)
dūrataḥ parivarjayet
von fern (Adv.), man meide (3.Sg.Opt.)
mṛtyoḥ iva jugupseta
wie vor dem Tod (Abl.), gleichsam, er schrecke zurück (3.Sg.Opt.Med.)
rājasvaharaṇāt naraḥ
vor dem Wegnehmen von Königsgut (Abl.), der Mensch (Nom.)
Darum soll, wer Gedeihen erstrebt, beherrscht, selbstbezwungen, mit gezügelten Sinnen, klug, gedächtnisstark und tüchtig, beim Herrn der Erde Zuflucht nehmen.
Wort für Wort
tasmāt bubhūṣuḥ niyataḥ
darum (Abl.), wer Gedeihen/Werden will (Nom.), gezügelt (Nom.)
jitātmā saṃyatendriyaḥ
selbstbezwungen (Nom.), mit gezügelten Sinnen (Nom.)
Der König soll einen Ratgeber ehren, der dankbar, weise, nicht kleinlich, fest ergeben und sinnenbezwungen ist, stets im Dharma und in der [rechten] Ordnung feststeht.
Wort für Wort
kṛtajñam prājñam akṣudram
dankbar (Akk.), weise (Akk.), nicht kleinlich (Akk.)
dṛḍhabhaktim jitendriyam
fest ergeben (Akk.), sinnenbezwungen (Akk.)
dharmanityam sthitam sthityām
stets im Dharma (Akk.), feststehend (Akk.), in der Ordnung (Lok.Sg.f.)
mantriṇam pūjayet nṛpaḥ
den Ratgeber (Akk.), er ehre (3.Sg.Opt.), der König (Nom.)
[Der König] soll [ihn] zur Stütze nehmen: fest ergeben, von geschulter Einsicht, dharmakundig, mit gezügelten Sinnen, ein Held, von nicht kleinlichem Handeln, [einen, der] die [bösen] Leute abgewehrt hat [?].
Wort für Wort
dṛḍhabhaktim kṛtaprajñam
fest ergeben (Akk.), von geschulter Einsicht (Akk.)
dharmajñam saṃyatendriyam
dharmakundig (Akk.), mit gezügelten Sinnen (Akk.)
śūram akṣudrakarmāṇam
einen Helden (Akk.), von nicht kleinlichem Handeln (Akk.)
niṣiddhajanam āśrayet
der die Leute abgewehrt hat [?] (Akk.), er nehme zur Stütze (3.Sg.Opt.)
niṣiddhajanam ist unsicher; „der die Leute [Bösen] abgewehrt hat“ bzw. „von dem die Leute ferngehalten wurden“.
Der König macht einen Mann kühn; der König lässt den abgemagerten Menschen erstarken; für den, den der König angegriffen hat, woher [gäbe es] Freuden? Den vom König Begünstigten macht er glücklich.
Wort für Wort
rājā pragalbham puruṣam karoti
der König (Nom.), kühn (Akk.), einen Mann (Akk.), macht (3.Sg.Präs.)
rājā kṛśam bṛṃhayate manuṣyam
der König, den Abgemagerten (Akk.), lässt wachsen (3.Sg.Präs.Kaus.), Menschen (Akk.)
rājā abhipannasya kutaḥ sukhāni
vom König (Nom.), des Angegriffenen (Gen.), woher, Freuden (Nom.Pl.)
rājā abhyupetam sukhinam karoti
der König, den Begünstigten (Akk.), glücklich (Akk.), er macht (3.Sg.Präs.)
rājā prajānāṃ prathamaṃ śarīraṃ; prajāś ca rājño 'pratimaṃ śarīram; rājñā vihīnā na bhavanti deśā; deśair vihīnā na nṛpā bhavanti
Der König ist der Untertanen erster Leib, die Untertanen aber sind des Königs unvergleichlicher Leib; Länder ohne König bestehen nicht, Könige ohne Länder bestehen nicht.
Wort für Wort
rājā prajānām prathamam śarīram
der König (Nom.), der Untertanen (Gen.Pl.), erster (Nom.), Leib (Nom.)
prajāḥ ca rājñaḥ apratimam śarīram
die Untertanen (Nom.Pl.), und, des Königs (Gen.), unvergleichlicher, Leib
rājñā vihīnāḥ na bhavanti deśāḥ
vom König (Instr.), verlassen (Nom.Pl.), nicht, sie sind (3.Pl.Präs.), Länder (Nom.Pl.)
deśaiḥ vihīnāḥ na nṛpāḥ bhavanti
von Ländern (Instr.Pl.), verlassen, nicht, Könige (Nom.Pl.), sie sind
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Der König ist der Untertanen gewichtigeres Herz, Zuflucht, Halt und höchstes Glück; Männer, die bei dem Männerfürsten Zuflucht genommen haben, gewinnen recht diese und die jenseitige Welt.
Wort für Wort
rājā prajānām hṛdayam garīyaḥ
der König (Nom.), der Untertanen (Gen.Pl.), Herz (Nom.), gewichtiger (Kompar. Nom.)
gatiḥ pratiṣṭhā sukham uttamam ca
Zuflucht, Halt (Nom.Sg.f.), Glück (Nom.), höchstes (Nom.), und
yam āśritāḥ lokam imam param ca
bei dem (Akk.), Zuflucht genommen habend (Nom.Pl.), Welt (Akk.), diese, jenseitige, und
jayanti samyak puruṣāḥ narendram
sie gewinnen (3.Pl.Präs.), recht (Adv.), Männer (Nom.Pl.), Männerfürst (Akk.)
Und der Herr der Männer, der die Erde mit Selbstbezwingung, Wahrhaftigkeit und Freundschaft gelenkt und mit großen Opfern geopfert hat, gelangt als Hochberühmter im Himmel [Triviṣṭapa] zu einem geehrten Platz.
Wort für Wort
narādhipaḥ ca api anuśiṣya medinīm
der Herr der Männer (Nom.), und, auch, gelenkt habend (Abs.), die Erde (Akk.)
damena satyena ca sauhṛdena
mit Selbstbezwingung (Instr.), mit Wahrheit (Instr.), und, mit Freundschaft (Instr.)
mahadbhiḥ iṣṭvā kratubhiḥ mahāyaśāḥ
mit großen (Instr.Pl.), geopfert habend (Abs.), mit Opfern (Instr.Pl.), hochberühmt (Nom.)
triviṣṭape sthānam upaiti satkṛtam
im Triviṣṭapa/Himmel (Lok.), Platz (Akk.), er gelangt (3.Sg.Präs.), geehrt (Akk.)