Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 173: indrakāśyapasaṃvādaḥ Einsicht als Halt: Indra als Schakal belehrt den lebensmüden Kāśyapa

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Halt des Menschen preist Bhīṣma die Einsicht und erzählt das Gespräch zwischen dem als Schakal erscheinenden Indra und einem verzweifelten Brahmanen. Das Kapitel mahnt zur Zufriedenheit mit der menschlichen Geburt und zur Zügelung von Begierde und Sinnen.

yudhiṣṭhira uvāca; bāndhavāḥ karma vittaṃ vā prajñā veha pitāmaha; narasya kā pratiṣṭhā syād etat pṛṣṭo vadasva me

Yudhiṣṭhira sprach: „Verwandte, Tat, Besitz oder Einsicht – was wäre hier, Großvater, für den Menschen der [feste] Halt? Danach gefragt, sprich zu mir.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
bāndhavāḥ karma vittaṃ vā
Verwandte, Tat/Werk, Besitz oder (Nom.Pl./Nom.Sg./Nom.Sg.)
prajñā vā iha pitāmaha
Einsicht oder hier, Großvater (Nom.Sg./Vok.)
narasya kā pratiṣṭhā syāt
des Menschen – welcher Halt wäre es (Gen./Nom.Sg.f./Opt.3.Sg.)
etat pṛṣṭaḥ vadasva me
danach gefragt, sprich zu mir (PPP Nom./Imp.Med.2.Sg./Dat.)

bhīṣma uvāca; prajñā pratiṣṭhā bhūtānāṃ prajñā lābhaḥ paro mataḥ; prajñā naiḥśreyasī loke prajñā svargo mataḥ satām

Bhīṣma sprach: „Einsicht ist der Halt der Wesen, Einsicht gilt als der höchste Gewinn; Einsicht ist in der Welt das zum Höchsten Heil Führende, Einsicht gilt den Guten als Himmel.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
prajñā pratiṣṭhā bhūtānām
Einsicht ist Halt der Wesen (Nom.Sg./Nom.Sg./Gen.Pl.)
prajñā lābhaḥ paro mataḥ
Einsicht gilt als höchster Gewinn (Nom./Nom./Nom./PPP)
prajñā naiḥśreyasī loke
Einsicht ist heilbringend/zum Höchsten führend in der Welt (Nom.Sg.f./Lok.)
prajñā svargo mataḥ satām
Einsicht gilt als Himmel für die Guten (Nom./Nom./PPP/Gen.Pl.)

prajñayā prāpitārtho hi balir aiśvaryasaṃkṣaye; prahrādo namucir maṅkis tasyāḥ kiṃ vidyate param

Denn durch Einsicht wurde Bali beim Verlust der Herrschaft zu seinem Ziel gebracht, [ebenso] Prahrāda, Namuci, Maṅki; was gibt es, das höher wäre als sie [die Einsicht]?

Wort für Wort
prajñayā prāpitārthaḥ hi
durch Einsicht zum Ziel gebracht, denn (Instr./Nom.Sg. Kaus.-PPP)
baliḥ aiśvaryasaṃkṣaye
Bali, beim Schwinden der Herrschaft (Nom./Lok.)
prahrādaḥ namuciḥ maṅkiḥ
Prahrāda, Namuci, Maṅki (Nom.)
tasyāḥ kim vidyate param
als sie – was gibt es Höheres (Abl./Gen.Sg.f. Vergl./Pass.3.Sg./Nom.)

Bei Prahrāda, Namuci, Maṅki ist prāpitārthaḥ sinngemäß zu ergänzen.

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; indrakāśyapasaṃvādaṃ tan nibodha yudhiṣṭhira

Hierzu erzählt man auch diese alte Geschichte, das Gespräch zwischen Indra und Kāśyapa; die höre, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
atra api udāharanti
hierzu auch führen sie an (3.Pl.Präs.)
imam itihāsam purātanam
diese alte Erzählung (Akk.Sg.)
indrakāśyapasaṃvādam
das Gespräch Indras und Kāśyapas (Akk.Sg., Kompositum)
tat nibodha yudhiṣṭhira
das höre/beachte, Yudhiṣṭhira (Akk./Imp.2.Sg./Vok.)

vaiśyaḥ kaś cid ṛṣiṃ tāta kāśyapaṃ saṃśitavratam; rathena pātayām āsa śrīmān dṛptas tapasvinam

Ein gewisser Vaiśya, mein Lieber, wohlhabend und übermütig, warf einen Ṛṣi aus dem Geschlecht Kaśyapas, einen Asketen von strengen Gelübden, mit seinem Wagen zu Boden.

Wort für Wort
vaiśyaḥ kaś cid
ein gewisser Vaiśya (Nom.Sg.)
ṛṣim tāta kāśyapam
den Seher, mein Lieber, den Kāśyapa (Akk./Vok./Akk.)
saṃśitavratam
von strengen Gelübden (Akk., Bahuvrīhi)
rathena pātayām āsa
mit dem Wagen ließ er fallen (Instr./Perf. Kaus.3.Sg.)
śrīmān dṛptaḥ
wohlhabend, übermütig (Nom.Sg.)
tapasvinam
den Asketen (Akk.Sg.)

ārtaḥ sa patitaḥ kruddhas tyaktvātmānam athābravīt; mariṣyāmy adhanasyeha jīvitārtho na vidyate

[Der Ṛṣi], von Schmerz geplagt, gefallen und zornig, gab sich selbst [innerlich] auf und sprach dann: „Ich werde sterben; für einen Besitzlosen gibt es hier keinen Zweck des Lebens.“

Wort für Wort
ārtaḥ sa patitaḥ kruddhaḥ
gepeinigt, er, gefallen, zornig (Nom.Sg.m. PPP)
tyaktvā ātmānam
sich selbst aufgegeben habend (Abs./Akk.)
atha abravīt
dann sprach er (Impf.3.Sg.)
mariṣyāmi adhanasya iha
ich werde sterben; für den Besitzlosen hier (Fut.1.Sg./Gen./Adv.)
jīvitārthaḥ na vidyate
ein Lebenszweck ist nicht vorhanden (Nom.Sg./Pass.3.Sg.)

tathā mumūrṣum āsīnam akūjantam acetasam; indraḥ sṛgālarūpeṇa babhāṣe kruddhamānasam

Wie er so dasaß, sterben wollend, lautlos, fassungslos, zornigen Gemüts, sprach Indra in Gestalt eines Schakals zu ihm.

Wort für Wort
tathā mumūrṣum āsīnam
so, ihn, der sterben wollte, dasitzend (Adv./Akk.Desid.-Part./Akk.)
akūjantam acetasam
nicht laut gebend, ohne Fassung/Besinnung (Akk.)
indraḥ sṛgālarūpeṇa
Indra in Schakalgestalt (Nom./Instr.)
babhāṣe kruddhamānasam
sprach [ihn] an, den zornigen Gemüts (Perf.Med.3.Sg./Akk. Bahuvrīhi)

manuṣyayonim icchanti sarvabhūtāni sarvaśaḥ; manuṣyatve ca vipratvaṃ sarva evābhinandati

„Die menschliche Geburt begehren alle Wesen in jeder Hinsicht; und im Menschsein freut sich jeder über das Brahmanentum.“

Wort für Wort
manuṣyayonim icchanti
die menschliche Geburt wünschen sie (Akk.Sg./3.Pl.)
sarvabhūtāni sarvaśaḥ
alle Wesen, gänzlich (Nom.Pl./Adv.)
manuṣyatve ca vipratvam
und im Menschsein das Brahmanentum (Lok./Akk.)
sarvaḥ eva abhinandati
ein jeder freut sich darüber (Nom./Part./3.Sg.)

manuṣyo brāhmaṇaś cāsi śrotriyaś cāsi kāśyapa; sudurlabham avāpyaitad adoṣān martum icchasi

„Ein Mensch bist du, ein Brahmane bist du und ein Śrotriya, Kāśyapa; nachdem du dies so schwer Erreichbare erlangt hast, willst du, [obwohl] ohne Fehl, sterben.“

Wort für Wort
manuṣyaḥ brāhmaṇaḥ ca asi
ein Mensch und ein Brahmane bist du (Nom./2.Sg.)
śrotriyaḥ ca asi kāśyapa
und ein Vedakundiger bist du, Kāśyapa (Nom./Vok.)
sudurlabham avāpya etat
dies sehr schwer Erlangbare erlangt habend (Akk.Sg.n./Abs.)
adoṣān [?]
ohne Fehl [?] (Abl. oder Akk.Pl., unklar)
martum icchasi
sterben willst du (Inf./2.Sg.)

adoṣān ist als Form unsicher (evtl. Verderbnis für adoṣāt oder Akk.Pl.); Sinn: „obwohl fehlerlos“ ist Vermutung.

sarve lābhāḥ sābhimānā iti satyā bata śrutiḥ; saṃtoṣaṇīyarūpo 'si lobhād yad abhimanyase

„‚Alle Gewinne sind mit Stolz verbunden‘ – wahrlich, so lautet die Überlieferung; du wärest einer, den man zufriedenstellen könnte, da du aus Gier so ungehalten [hochfahrend] bist [?].“

Wort für Wort
sarve lābhāḥ sābhimānāḥ
alle Gewinne sind mit Stolz/Anspruch verbunden (Nom.Pl./Nom.Pl.)
iti satyā bata śrutiḥ
so – wahr, ach, die Überlieferung (Nom.Sg.f.)
saṃtoṣaṇīyarūpaḥ asi
du bist von zufriedenzustellender Art (Nom.Sg./2.Sg.)
lobhāt yat abhimanyase
aus Gier, dass du hochfahrend/ungehalten bist (Abl./Konj./2.Sg.Med.)

abhimanyase: Bedeutungsbereich „sich einbilden / gekränkt sein / Anspruch erheben“; Wahl unsicher.

aho siddhārthatā teṣāṃ yeṣāṃ santīha pāṇayaḥ; pāṇimadbhyaḥ spṛhāsmākaṃ yathā tava dhanasya vai

„Ach, die Erfüllung [ihrer Ziele] bei denen, die hier Hände haben! Wir haben Sehnsucht nach den Handbesitzenden, wie [du] nach deinem Reichtum.“

Wort für Wort
aho siddhārthatā teṣām
ach, die Zielerreichung bei jenen (Interj./Nom.Sg.f./Gen.Pl.)
yeṣām santi iha pāṇayaḥ
deren hier Hände sind (Gen.Pl./3.Pl./Adv./Nom.Pl.)
pāṇimadbhyaḥ spṛhā asmākam
nach den Handbesitzenden [ist] Verlangen unser (Abl./Dat.Pl., Nom.Sg./Gen.Pl.)
yathā tava dhanasya vai
wie [das Verlangen] nach deinem Reichtum (Adv./Gen./Gen./Partikel)

na pāṇilābhād adhiko lābhaḥ kaś cana vidyate; apāṇitvād vayaṃ brahman kaṇṭakān noddharāmahe

„Es gibt keinen größeren Gewinn als den Besitz von Händen; weil wir keine Hände haben, Brahmane, ziehen wir uns nicht einmal die Dornen heraus.“

Wort für Wort
na pāṇilābhāt adhikaḥ
nicht größer als der Handbesitz (Abl. Vergl./Nom.)
lābhaḥ kaś cana vidyate
irgendein Gewinn ist vorhanden (Nom./Pass.3.Sg.)
apāṇitvāt vayam brahman
wegen der Handlosigkeit wir, Brahmane (Abl./Nom.Pl./Vok.)
kaṇṭakān na uddharāmahe
Dornen ziehen wir nicht heraus (Akk.Pl./Präs.Med.1.Pl.)

jantūn uccāvacān aṅge daśato na kaṣāma ca

Die großen und kleinen Tiere, die uns am Leib beißen, kratzen wir [ebenfalls] nicht ab.

Wort für Wort
jantūn uccāvacān
die Wesen, hohe und niedrige/große und kleine (Akk.Pl.)
aṅge daśataḥ
am Körper beißende (Lok./Part.Akk.Pl.)
na kaṣāma ca
und wir kratzen nicht (1.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern-Passage). kaṣāma als 1.Pl. (statt kaṣāmaḥ) gedeutet.

atha yeṣāṃ punaḥ pāṇī devadattau daśāṅgulī; uddharanti kṛmīn aṅgād daśamānān kaṣanti ca

Wiederum diejenigen, die zwei gottgegebene Hände mit zehn Fingern haben, ziehen die Würmer, die am Körper beißen, heraus und kratzen [sie] ab.

Wort für Wort
atha yeṣām punaḥ pāṇī
wenn aber deren zwei Hände (Gen.Pl./Nom.Du.)
devadattau daśāṅgulī
gottgegebene, zehnfingrige (Nom.Du.)
uddharanti kṛmīn aṅgāt
sie ziehen Würmer aus dem Körper (3.Pl./Akk.Pl./Abl.)
daśamānān kaṣanti ca
die beißenden, und sie kratzen [sie] ab (Part.Akk.Pl./3.Pl.)

himavarṣātapānāṃ ca paritrāṇāni kurvate; celam annaṃ sukhaṃ śayyāṃ nivātaṃ copabhuñjate

Sie schaffen sich Schutz vor Schnee/Kälte, Regen und Sonnenglut; Kleidung, Speise, Wohlbehagen, Lager und windgeschützte Unterkunft genießen sie.

Wort für Wort
himavarṣātapānām ca
und vor Kälte, Regen und Sonnenglut (Gen.Pl. Kompositum)
paritrāṇāni kurvate
Schutzmittel machen sie (Akk.Pl./3.Pl.Med.)
celam annam
Kleidung, Speise (Akk.Sg.)
sukham śayyām
Behagen, Lager (Akk.Sg.)
nivātam ca upabhuñjate
und windstillen Unterschlupf genießen sie (Akk./3.Pl.Med.)

adhiṣṭhāya ca gāṃ loke bhuñjate vāhayanti ca; upāyair bahubhiś caiva vaśyān ātmani kurvate

Sie bemächtigen sich auf der Erde des Rindes, nutzen es und lassen es [Lasten] ziehen; und durch viele Mittel machen sie andere sich untertan.

Wort für Wort
adhiṣṭhāya ca gām loke
und sich bemächtigt habend das Rind in der Welt (Abs./Akk./Lok.)
bhuñjate vāhayanti ca
sie nutzen und lassen ziehen (3.Pl.Med./Kaus.3.Pl.)
upāyaiḥ bahubhiḥ ca eva
und durch viele Mittel (Instr.Pl.)
vaśyān ātmani kurvate
gefügig bei sich machen sie [andere] (Akk.Pl./Lok./3.Pl.Med.)

ye khalv ajihvāḥ kṛpaṇā alpaprāṇā apāṇayaḥ; sahante tāni duḥkhāni diṣṭyā tvaṃ na tathā mune

„Die aber, die ohne Zunge [stumm], elend, schwach an Lebenskraft und ohne Hände sind, erdulden jene Leiden; ein Glück, dass du nicht so bist, Weiser.“

Wort für Wort
ye khalu ajihvāḥ
diejenigen, die wahrlich zungenlos sind (Nom.Pl.)
kṛpaṇāḥ alpaprāṇāḥ apāṇayaḥ
elend, schwachlebig, handlos (Nom.Pl.)
sahante tāni duḥkhāni
erdulden jene Leiden (3.Pl.Med./Akk.Pl.)
diṣṭyā tvam na tathā mune
durch Glück [bist] du nicht so, Weiser (Instr./Nom./Vok.)

diṣṭyā tvaṃ na sṛgālo vai na kṛmir na ca mūṣakaḥ; na sarpo na ca maṇḍūko na cānyaḥ pāpayonijaḥ

„Ein Glück, dass du kein Schakal bist, kein Wurm, keine Maus, keine Schlange, kein Frosch und kein anderer, der aus schlechtem Schoß geboren ist.“

Wort für Wort
diṣṭyā tvam na sṛgālaḥ vai
durch Glück bist du kein Schakal (Instr./Nom.)
na kṛmiḥ na ca mūṣakaḥ
kein Wurm und keine Maus (Nom.Sg.)
na sarpaḥ na ca maṇḍūkaḥ
keine Schlange und kein Frosch (Nom.Sg.)
na ca anyaḥ pāpayonijaḥ
und kein anderer aus schlechtem Schoß Geborener (Nom.Sg.)

etāvatāpi lābhena toṣṭum arhasi kāśyapa; kiṃ punar yo 'si sattvānāṃ sarveṣāṃ brāhmaṇottamaḥ

„Schon mit so viel Gewinn darfst du zufrieden sein, Kāśyapa; wie viel mehr, da du unter allen Wesen der beste der Brahmanen bist.“

Wort für Wort
etāvatā api lābhena
schon mit so viel Gewinn (Instr.Sg.)
toṣṭum arhasi kāśyapa
zufrieden zu sein, solltest du, Kāśyapa (Inf./2.Sg./Vok.)
kim punaḥ yaḥ asi
wie viel mehr, da du bist (Adv./Rel./2.Sg.)
sattvānām sarveṣām brāhmaṇottamaḥ
unter allen Wesen der beste Brahmane (Gen.Pl./Nom.Sg.)

ime māṃ kṛmayo 'danti teṣām uddharaṇāya me; nāsti śaktir apāṇitvāt paśyāvasthām imāṃ mama

„Diese Würmer fressen mich; um sie herauszuziehen habe ich wegen der Handlosigkeit keine Kraft; sieh diesen meinen Zustand.“

Wort für Wort
ime mām kṛmayaḥ adanti
diese Würmer fressen mich (Nom.Pl./Akk./3.Pl.)
teṣām uddharaṇāya me
um sie herauszuziehen, mir (Gen.Pl./Dat.Sg./Dat.)
na asti śaktiḥ apāṇitvāt
nicht ist Kraft wegen Handlosigkeit (3.Sg./Nom./Abl.)
paśya avasthām imām mama
sieh diesen Zustand von mir (Imp.2.Sg./Akk./Gen.)

Sprecher ist weiterhin der Schakal (Indra) und schildert seine Lage.

akāryam iti caivemaṃ nātmānaṃ saṃtyajāmy aham; netaḥ pāpīyasīṃ yoniṃ pateyam aparām iti

„Und weil es ‚unrecht zu tun‘ ist, gebe ich mich selbst nicht auf; [ich denke:] ‚Ich möchte von hier nicht in eine noch schlimmere, andere Geburt fallen.‘“

Wort für Wort
akāryam iti ca evam
und ‚nicht zu tun‘ – so (Nom.Sg.n. Gerundiv/Partikel)
na ātmānam saṃtyajāmi aham
nicht gebe ich mich auf (Akk./1.Sg./Nom.)
na itaḥ pāpīyasīm yonim
nicht von hier in einen schlimmeren Schoß (Adv./Akk.Sg.f. Komp.)
pateyam aparām iti
möchte ich fallen, einen anderen – so [denke ich] (Opt.1.Sg./Akk.)

madhye vai pāpayonīnāṃ sārgālī yām ahaṃ gataḥ; pāpīyasyo bahutarā ito 'nyāḥ pāpayonayaḥ

„Unter den Geburten schlechter Art ist die Schakalinnengeburt, in die ich geraten bin, [eine mittlere]; viel schlimmere andere Geburten gibt es außer dieser.“

Wort für Wort
madhye vai pāpayonīnām
in der Mitte der schlechten Geburten wahrlich (Lok./Gen.Pl.)
sārgālī yām aham gataḥ
die Schakal[geburt], in die ich gegangen bin (Nom.Sg.f./Akk.Rel./PPP)
pāpīyasyaḥ bahutarāḥ
schlimmere, viele mehr (Nom.Pl.f. Komp.)
itaḥ anyāḥ pāpayonayaḥ
außer dieser andere schlechte Geburten (Abl./Nom.Pl.)

jātyaivaike sukhatarāḥ santy anye bhṛśaduḥkhitāḥ; naikāntasukham eveha kva cit paśyāmi kasya cit

„Manche sind schon von Geburt an glücklicher, andere sind sehr leidend; ein rein glückliches Wesen sehe ich hier nirgends, bei niemandem.“

Wort für Wort
jātyā eva eke sukhatarāḥ
schon durch Geburt manche glücklicher (Instr./Nom.Pl. Komp.)
santi anye bhṛśaduḥkhitāḥ
es gibt andere sehr Leidende (3.Pl./Nom.Pl.)
na ekāntasukham eva iha
nicht ausschließliches Glück hier (Akk.Sg.)
kva cit paśyāmi kasya cit
nirgends sehe ich bei irgendwem (Adv./1.Sg./Gen.)

manuṣyā hy āḍhyatāṃ prāpya rājyam icchanty anantaram; rājyād devatvam icchanti devatvād indratām api

„Menschen begehren, wenn sie Reichtum erlangt haben, unmittelbar danach das Königtum; vom Königtum [begehren sie] die Göttlichkeit, von der Göttlichkeit sogar das Indra-Sein.“

Wort für Wort
manuṣyāḥ hi āḍhyatām prāpya
Menschen, denn Reichtum erlangt habend (Nom.Pl./Akk./Abs.)
rājyam icchanti anantaram
Königtum wünschen sie unmittelbar danach (Akk./3.Pl./Adv.)
rājyāt devatvam icchanti
vom Königtum Göttlichkeit wünschen sie (Abl./Akk.)
devatvāt indratām api
von der Göttlichkeit sogar Indra-Stand (Abl./Akk.)

bhaves tvaṃ yady api tv āḍhyo na rājā na ca daivatam; devatvaṃ prāpya cendratvaṃ naiva tuṣyes tathā sati

„Wärest du auch reich, [aber] weder König noch Gottheit; und wenn du Göttlichkeit und Indra-Sein erlangt hättest, wärest du unter solchen Umständen keineswegs zufrieden.“

Wort für Wort
bhaveḥ tvam yadi api tu āḍhyaḥ
du wärest, auch wenn, aber reich (Opt.2.Sg./Nom./Nom.)
na rājā na ca daivatam
kein König und keine Gottheit (Nom.Sg.)
devatvam prāpya ca indratvam
und Göttlichkeit und Indra-Sein erlangt habend (Akk./Abs./Akk.)
na eva tuṣyeḥ tathā sati
würdest keineswegs zufrieden sein, wenn es so ist (Opt.2.Sg./Lok.abs.)

Syntax des ersten Halbverses knapp/elliptisch; Wiedergabe sinngemäß.

na tṛptiḥ priyalābhe 'sti tṛṣṇā nādbhiḥ praśāmyati; saṃprajvalati sā bhūyaḥ samidbhir iva pāvakaḥ

„Beim Erlangen des Ersehnten gibt es keine Sättigung; der Durst [die Gier] wird nicht durch Wasser gestillt; er flammt wieder stärker auf, wie Feuer durch Brennholz.“

Wort für Wort
na tṛptiḥ priyalābhe asti
nicht ist Sättigung beim Erlangen des Lieben (Nom./Lok./3.Sg.)
tṛṣṇā na adbhiḥ praśāmyati
Durst/Gier nicht durch Wasser wird sie gestillt (Nom./Instr.Pl./3.Sg.)
saṃprajvalati sā bhūyaḥ
sie flammt auf, sie, wiederum/mehr (3.Sg./Nom.f./Adv.)
samidbhiḥ iva pāvakaḥ
wie Feuer durch Brennhölzer (Instr.Pl./Nom.Sg.)

asty eva tvayi śoko vai harṣaś cāsti tathā tvayi; sukhaduḥkhe tathā cobhe tatra kā paridevanā

„In dir ist ganz gewiss Kummer, und ebenso ist in dir Freude; Glück und Leid, beide, [sind so bei dir] – was soll da die Klage?“

Wort für Wort
asti eva tvayi śokaḥ vai
es ist gewiss in dir Kummer (3.Sg./Lok./Nom.)
harṣaḥ ca asti tathā tvayi
und Freude ist ebenso in dir (Nom.)
sukhaduḥkhe tathā ca ubhe
Glück und Leid, ebenso beide (Nom.Du.n.)
tatra kā paridevanā
darin – welche Klage [gibt es] (Adv./Nom.Sg.f.)

paricchidyaiva kāmānāṃ sarveṣāṃ caiva karmaṇām; mūlaṃ rundhīndriyagrāmaṃ śakuntān iva pañjare

„Nachdem du die Wurzel aller Wünsche und aller Taten abgeschnitten hast, halte die Gesamtheit der Sinne zurück, wie Vögel im Käfig.“

Wort für Wort
paricchidya eva kāmānām
nachdem du abgeschnitten hast, [von den] Wünschen (Abs./Gen.Pl.)
sarveṣām ca eva karmaṇām
und aller Taten (Gen.Pl.)
mūlam rundhi
die Wurzel; halte zurück (Akk.Sg./Imp.2.Sg.)
indriyagrāmam
die Schar der Sinne (Akk.Sg.)
śakuntān iva pañjare
wie Vögel im Käfig (Akk.Pl./Lok.)

mūlam wird als Objekt von paricchidya gefasst („die Wurzel abschneiden“); alternativ: „von der Wurzel her“.

na dvitīyasya śirasaś chedanaṃ vidyate kva cit; na ca pāṇes tṛtīyasya yan nāsti na tato bhayam

Ein Abschlagen eines zweiten Kopfes gibt es nirgends; und was eine dritte Hand betrifft: was nicht existiert, daher kommt keine Furcht.

Wort für Wort
na dvitīyasya śirasaś chedanaṃ
nicht des zweiten Kopfes Abschlagen (Gen./Nom.n.)
vidyate kva cit
gibt es irgendwo (3.Sg.Pass./Adv.)
na ca pāṇes tṛtīyasya
und nicht der dritten Hand (Gen.)
yan nāsti
was nicht ist (Rel./3.Sg.Präs.)
na tato bhayam
nicht daher Furcht (Abl./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verse der Zusatzpassage; Sinn im Zusammenhang knapp und nur locker anschließend.

na khalv apy arasajñasya kāmaḥ kva cana jāyate; saṃsparśād darśanād vāpi śravaṇād vāpi jāyate

Wer den Geschmack nicht kennt, bei dem entsteht nirgends Begierde; sie entsteht durch Berührung, durch Sehen oder auch durch Hören.

Wort für Wort
na khalv apy arasajñasya
wahrlich nicht, auch bei dem Geschmacklosen/Geschmacksunkundigen (Gen.)
kāmaḥ kva cana jāyate
Begierde irgendwo entsteht (Nom./3.Sg.Präs.Med.)
saṃsparśād darśanād vāpi
aus Berührung oder Sehen (Abl.)
śravaṇād vāpi jāyate
oder aus Hören entsteht sie (Abl./3.Sg.)

na tvaṃ smarasi vāruṇyā laṭvākānāṃ ca pakṣiṇām; tābhyāṃ cābhyadhiko bhakṣyo na kaś cid vidyate kva cit

Du erinnerst dich weder an Vāruṇī [Branntwein] noch an die Laṭvāka-Vögel; und etwas Essbares, das über diese beiden hinausginge, gibt es nirgends.

Wort für Wort
na tvaṃ smarasi
du erinnerst dich nicht (2.Sg.Präs.)
vāruṇyā laṭvākānāṃ ca pakṣiṇām
an Vāruṇī und an die Laṭvāka-Vögel (Gen./Akk. der Erinnerung)
tābhyāṃ cābhyadhiko bhakṣyaḥ
und Essbares, das über diese beiden hinausgeht (Instr.du./Nom.)
na kaś cid vidyate kva cit
nichts/niemand ist irgendwo vorhanden (3.Sg.Pass.)

Vāruṇī: berauschendes Getränk; laṭvāka: eine Vogelart.

yāni cānyāni dūreṣu bhakṣyabhojyāni kāśyapa; yeṣām abhuktapūrvaṃ te teṣām asmṛtir eva ca

Und was es sonst noch an fernen Speisen und Genüssen gibt, Kāśyapa: wer sie nie zuvor gegessen hat, der hat auch keine Erinnerung an sie.

Wort für Wort
yāni cānyāni dūreṣu
und was andere in der Ferne (Nom.Pl.n./Lok.)
bhakṣyabhojyāni kāśyapa
Speisen und Genüsse, Kāśyapa (Nom.Pl.n./Vok.)
yeṣām abhuktapūrvaṃ
von denen, [was] zuvor nicht genossen wurde (Gen.Pl./Part.)
te teṣām asmṛtir eva ca
für diese ist eben Nichterinnerung an sie (Gen./Nom.)

aprāśanam asaṃsparśam asaṃdarśanam eva ca; puruṣasyaiṣa niyamo manye śreyo na saṃśayaḥ

Nichtessen, Nichtberühren und Nichtansehen: dies ist, so meine ich, für den Menschen die Regel, und sie ist das Beste, kein Zweifel.

Wort für Wort
aprāśanam asaṃsparśam
Nichtessen, Nichtberühren (Nom.n.)
asaṃdarśanam eva ca
und eben Nichtansehen (Nom.n.)
puruṣasyaiṣa niyamo
des Menschen dies die Regel (Gen./Nom.)
manye śreyo
ich meine [es sei] das Bessere/Beste (1.Sg.Präs.Med./Nom.n.)
na saṃśayaḥ
kein Zweifel (Nom.)

pāṇimanto dhanair yuktā balavanto na saṃśayaḥ; manuṣyā mānuṣair eva dāsatvam upapāditāḥ

Menschen, die Hände haben, mit Reichtum versehen und ohne Zweifel kräftig, sind gerade von Menschen in Knechtschaft gebracht worden.

Wort für Wort
pāṇimanto dhanair yuktā
Handbesitzende, mit Reichtümern verbunden (Nom.Pl./Instr.Pl./Part.)
balavanto na saṃśayaḥ
kräftig, kein Zweifel (Nom.Pl./Nom.)
manuṣyā mānuṣair eva
Menschen, eben von Menschen (Nom.Pl./Instr.Pl.)
dāsatvam upapāditāḥ
in Knechtschaft gebracht (Akk./Part.Pass.Kaus.)

vadhabandhaparikleśaiḥ kliśyante ca punaḥ punaḥ; te khalv api ramante ca modante ca hasanti ca

Und sie werden durch Tötung, Fesselung und Qualen immer wieder gequält; dennoch freuen sie sich, ergötzen sich und lachen.

Wort für Wort
vadhabandhaparikleśaiḥ
durch Tötung, Fesselung und Qualen (Instr.Pl., Dvandva)
kliśyante ca punaḥ punaḥ
und werden gequält, immer wieder (3.Pl.Pass./Adv.)
te khalv api ramante ca
sie aber ergötzen sich (3.Pl.Präs.Med.)
modante ca hasanti ca
und freuen sich und lachen (3.Pl.Präs.)

apare bāhubalinaḥ kṛtavidyā manasvinaḥ; jugupsitāṃ sukṛpaṇāṃ pāpāṃ vṛttim upāsate

Andere, stark an Armen, gelehrt und verständig, gehen einem verachteten, überaus erbärmlichen, schlechten Broterwerb nach.

Wort für Wort
apare bāhubalinaḥ
andere, armstarke (Nom.Pl.)
kṛtavidyā manasvinaḥ
gelehrte, verständige (Nom.Pl.)
jugupsitāṃ sukṛpaṇāṃ
verachtete, sehr erbärmliche (Akk.Sg.f.)
pāpāṃ vṛttim upāsate
schlechten Lebensunterhalt/Broterwerb betreiben sie (Akk./3.Pl.Präs.Med.)

utsahante ca te vṛttim anyām apy upasevitum; svakarmaṇā tu niyataṃ bhavitavyaṃ tu tat tathā

Und sie bemühen sich auch, einen anderen Broterwerb auszuüben; doch es muss durch das eigene Handeln feststehen: so ist es.

Wort für Wort
utsahante ca te vṛttim
und sie bemühen sich um Lebenserwerb (3.Pl.Präs.Med./Akk.)
anyām apy upasevitum
auch einen anderen auszuüben (Akk.Sg.f./Inf.)
svakarmaṇā tu niyataṃ
doch durch eigenes Handeln festgelegt (Instr./Part.)
bhavitavyaṃ tu tat tathā
es muss sein, das ist so (Gerundiv/Nom.n.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; Wiedergabe: es muss durch das eigene Karma festgelegt sein [?].

na pulkaso na caṇḍāla ātmānaṃ tyaktum icchati; asaṃtuṣṭaḥ svayā yonyā māyāṃ paśyasva yādṛśīm

Weder ein Pulkasa noch ein Caṇḍāla will sich selbst aufgeben; [du aber bist] unzufrieden mit der eigenen Geburt: sieh, wie beschaffen doch die Täuschung ist!

Wort für Wort
na pulkaso na caṇḍāla
weder Pulkasa noch Caṇḍāla (Nom.)
ātmānaṃ tyaktum icchati
will sich selbst aufgeben (Akk./Inf./3.Sg.Präs.)
asaṃtuṣṭaḥ svayā yonyā
unzufrieden mit der eigenen Geburt (Nom./Instr.)
māyāṃ paśyasva yādṛśīm
sieh die Täuschung, wie beschaffen sie ist (Imp.Med./Akk.)

Pulkasa und Caṇḍāla: Angehörige verachteter Gruppen.

dṛṣṭvā kuṇīn pakṣahatān manuṣyān āmayāvinaḥ; susaṃpūrṇaḥ svayā yonyā labdhalābho 'si kāśyapa

Wenn du Krüppel, Gelähmte und Kranke unter den Menschen siehst, bist du durch deine eigene Geburt wohlerfüllt: einen [guten] Gewinn hast du erlangt, Kāśyapa.

Wort für Wort
dṛṣṭvā kuṇīn pakṣahatān
nachdem du gesehen hast Verkrüppelte, Gelähmte (Abs./Akk.Pl.)
manuṣyān āmayāvinaḥ
Menschen, Kranke (Akk.Pl.)
susaṃpūrṇaḥ svayā yonyā
wohlerfüllt durch die eigene Geburt (Nom./Instr.)
labdhalābho 'si kāśyapa
du hast Gewinn erlangt, Kāśyapa (2.Sg./Vok.)

„Wenn“ ergänzt für die Partizipialkonstruktion (dṛṣṭvā, „nachdem du gesehen hast“).

yadi brāhmaṇa dehas te nirātaṅko nirāmayaḥ; aṅgāni ca samagrāṇi na ca lokeṣu dhikkṛtaḥ

Wenn, Brahmane, dein Körper ohne Not und ohne Krankheit ist, deine Glieder vollständig sind und du unter den Menschen nicht verachtet bist [Satz setzt sich im folgenden Vers fort] …

Wort für Wort
yadi brāhmaṇa dehas te
wenn, Brahmane, dein Körper (Vok./Nom.)
nirātaṅko nirāmayaḥ
frei von Angst/Not, frei von Krankheit (Nom.)
aṅgāni ca samagrāṇi
und die Glieder vollständig (Nom.Pl.n.)
na ca lokeṣu dhikkṛtaḥ
und nicht unter den Menschen verwünscht/verachtet (Lok./Part.)

Der Satz läuft in 41 weiter.

na kena cit pravādena satyenaivāpahāriṇā; dharmāyottiṣṭha viprarṣe nātmānaṃ tyaktum arhasi

… durch keinerlei Gerede, [und sei es] auch wahr und Ansehen nehmend [?]: steh auf für den Dharma, Weiser unter den Brahmanen; du darfst dich nicht selbst aufgeben.

Wort für Wort
na kena cit pravādena
durch keinerlei Gerede (Instr.)
satyenaivāpahāriṇā
selbst wenn wahr, wegnehmend (Instr./Adj.) [?]
dharmāyottiṣṭha viprarṣe
für den Dharma steh auf, Brahmanen-Seher (Dat./Imp./Vok.)
nātmānaṃ tyaktum arhasi
dich selbst aufzugeben sollst du nicht (Akk./Inf./2.Sg.)

pravāda hier „Gerede, Nachrede“; Konstruktion des ersten Halbverses unsicher.

yadi brahmañ śṛṇoṣy etac chraddadhāsi ca me vacaḥ; vedoktasya ca dharmasya phalaṃ mukhyam avāpsyasi

Wenn du, Brahmane, dies hörst und meinen Worten glaubst, wirst du die Hauptfrucht der im Veda gelehrten Pflicht erlangen.

Wort für Wort
yadi brahman śṛṇoṣy etat
wenn, Brahmane, du dies hörst (Vok./2.Sg.Präs.)
chraddadhāsi ca me vacaḥ
und meinem Wort glaubst (2.Sg.Präs.Med./Gen./Akk.)
vedoktasya ca dharmasya
und der im Veda gelehrten Pflicht (Gen.)
phalaṃ mukhyam avāpsyasi
die Hauptfrucht wirst du erlangen (Akk./2.Sg.Fut.)

svādhyāyam agnisaṃskāram apramatto 'nupālaya; satyaṃ damaṃ ca dānaṃ ca spardhiṣṭhā mā ca kena cit

Pflege, unachtsam nicht, das Vedastudium und die Feuerweihe, ebenso Wahrheit, Selbstbezähmung und Freigebigkeit; und wetteifere mit niemandem.

Wort für Wort
svādhyāyam agnisaṃskāram
Vedstudium, Feuerweihe/-pflege (Akk.)
apramatto 'nupālaya
unachtsam nicht [= achtsam] pflege (Nom./Imp.)
satyaṃ damaṃ ca dānaṃ ca
Wahrheit, Selbstbezähmung und Gabe (Akk.)
spardhiṣṭhā mā ca kena cit
wetteifere nicht mit irgendwem (Aor.Inj.Med./Instr.)

ye ke cana svadhyayanāḥ prāptā yajanayājanam; kathaṃ te jātu śoceyur dhyāyeyur vāpy aśobhanam

Die irgendwie dem Vedastudium ergeben sind und Opfern und Opfernlassen erlangt haben: wie sollten diese je trauern oder Unheilvolles sinnen?

Wort für Wort
ye ke cana svadhyayanāḥ
die irgendwie dem Studium Ergebenen (Nom.Pl.) [?]
prāptā yajanayājanam
die Opfern und Opfernlassen erlangt haben (Nom.Pl./Akk.)
kathaṃ te jātu śoceyur
wie sollten sie je trauern (Opt.3.Pl.)
dhyāyeyur vāpy aśobhanam
oder Unschönes sinnen (Opt.3.Pl./Akk.)

svadhyayanāḥ vermutlich für svādhyāya-Studium [?].

icchantas te vihārāya sukhaṃ mahad avāpnuyuḥ; uta jātāḥ sunakṣatre sutīrthāḥ sumuhūrtajāḥ

Nach Vergnügen verlangend, mögen sie großes Glück erlangen; denn sie sind unter gutem Gestirn geboren, an guten Weihestätten, zu guter Stunde.

Wort für Wort
icchantas te vihārāya
sie, die wünschen, zum Vergnügen (Part.Nom.Pl./Dat.)
sukhaṃ mahad avāpnuyuḥ
großes Glück mögen sie erlangen (Akk./Opt.3.Pl.)
uta jātāḥ sunakṣatre
ja, geboren unter gutem Gestirn (Part./Lok.)
sutīrthāḥ sumuhūrtajāḥ
mit guten Furten/Weihestätten, in guter Stunde geboren (Nom.Pl.)

Bezug von icchantas te vihārāya knapp; Wiedergabe nahe am Wortlaut.

yajñadānaprajehāyāṃ yatante śaktipūrvakam

Im Streben nach Opfer, Gabe und Nachkommenschaft bemühen sie sich nach Kräften.

Wort für Wort
yajñadānaprajehāyāṃ
im Streben nach Opfer, Gabe und Nachkommenschaft (Lok.)
yatante
sie bemühen sich (3.Pl.Präs.Med.)
śaktipūrvakam
nach Kräften, der Fähigkeit gemäß (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, nur in einem Teil der Handschriften.

nakṣatreṣv āsureṣv anye dustīrthā durmuhūrtajāḥ; saṃpatanty āsurīṃ yoniṃ yajñaprasavavarjitām

Andere hingegen, unter dämonischen Gestirnen, an schlechten Weihestätten, zu böser Stunde geboren, fallen in einen dämonischen Mutterschoß, der frei ist von Opfer und Zeugung.

Wort für Wort
nakṣatreṣv āsureṣv anye
unter dämonischen Gestirnen andere (Lok.Pl./Nom.Pl.)
dustīrthā durmuhūrtajāḥ
mit schlechten Furten, in böser Stunde geboren (Nom.Pl.)
saṃpatanty āsurīṃ yoniṃ
sie fallen in dämonischen Schoß (3.Pl.Präs./Akk.)
yajñaprasavavarjitām
frei von Opfer und Zeugung (Akk.Sg.f.)

aham āsaṃ paṇḍitako haituko vedanindakaḥ; ānvīkṣikīṃ tarkavidyām anurakto nirarthikām

Ich war ein Klugschwätzer, ein Räsoneur, ein Veda-Verächter, der Anvīkṣikī, der nutzlosen Vernunftlehre, leidenschaftlich ergeben.

Wort für Wort
aham āsaṃ paṇḍitako
ich war ein Scheingelehrter (1.Sg.Impf./Nom.)
haituko vedanindakaḥ
Räsoneur, Veda-Schmäher (Nom.)
ānvīkṣikīṃ tarkavidyām
die Anvīkṣikī, Disputierkunst (Akk.)
anurakto nirarthikām
ihr zugetan, der nutzlosen (Nom./Akk.Sg.f.)

hetuvādān pravaditā vaktā saṃsatsu hetumat; ākroṣṭā cābhivaktā ca brahmayajñeṣu vai dvijān

Ein Redner für Vernunftgründe-Lehren, in Versammlungen mit Gründen sprechend, ein Beschimpfer und Widersprecher der Zweimalgeborenen bei den Brahma-Opfern.

Wort für Wort
hetuvādān pravaditā
Vertreter der Gründelehren (Akk.Pl./Nom.Agens)
vaktā saṃsatsu hetumat
Sprecher in Versammlungen, begründend (Nom./Lok.Pl./Adv.)
ākroṣṭā cābhivaktā ca
Schmäher und Widersprecher (Nom.Agens)
brahmayajñeṣu vai dvijān
bei Brahma-Opfern (Vedrezitationen), die Zweimalgeborenen (Lok.Pl./Akk.Pl.)

nāstikaḥ sarvaśaṅkī ca mūrkhaḥ paṇḍitamānikaḥ; tasyeyaṃ phalanirvṛttiḥ sṛgālatvaṃ mama dvija

Ein Nihilist, gegen alles argwöhnisch, ein Tor, der sich für gelehrt hält: dies ist die Frucht davon, dass ich ein Schakal bin, Zweimalgeborener.

Wort für Wort
nāstikaḥ sarvaśaṅkī ca
Leugner, allem misstrauend (Nom.)
mūrkhaḥ paṇḍitamānikaḥ
Tor, sich für gelehrt haltend (Nom.)
tasyeyaṃ phalanirvṛttiḥ
dessen dies Ergebnis der Frucht (Gen./Nom.)
sṛgālatvaṃ mama dvija
mein Schakalsein, Zweimalgeborener (Nom./Gen./Vok.)

api jātu tathā tat syād ahorātraśatair api; yad ahaṃ mānuṣīṃ yoniṃ sṛgālaḥ prāpnuyāṃ punaḥ

Ob es wohl je, selbst nach hundert Tagen und Nächten, so sein könnte, dass ich als Schakal wieder eine menschliche Geburt erlangte?

Wort für Wort
api jātu tathā tat syād
ob je so das sein könnte (Opt.3.Sg.)
ahorātraśatair api
selbst nach hundert Tagen und Nächten (Instr.Pl.)
yad ahaṃ mānuṣīṃ yoniṃ
dass ich menschliche Geburt (Akk.)
sṛgālaḥ prāpnuyāṃ punaḥ
als Schakal erlangte wieder (Nom./Opt.1.Sg.)

saṃtuṣṭaś cāpramattaś ca yajñadānataporatiḥ; jñeyajñātā bhaveyaṃ vai varjyavarjayitā tathā

Zufrieden, achtsam und an Opfer, Gabe und Askese erfreut möge ich werden: ein Kenner des zu Wissenden und Meider des zu Meidenden.

Wort für Wort
saṃtuṣṭaś cāpramattaś ca
zufrieden und achtsam (Nom.)
yajñadānataporatiḥ
an Opfer, Gabe, Askese sich erfreuend (Nom., Kompositum)
jñeyajñātā bhaveyaṃ vai
Kenner des Wissbaren möge ich werden (Nom./Opt.1.Sg.)
varjyavarjayitā tathā
und Meider des zu Meidenden (Nom.)

tataḥ sa munir utthāya kāśyapas tam uvāca ha; aho batāsi kuśalo buddhimān iti vismitaḥ

Da erhob sich jener Weise Kāśyapa und sprach zu ihm, erstaunt: „Oh, du bist wahrlich geschickt und verständig!“

Wort für Wort
tataḥ sa munir utthāya
darauf jener Weise, aufgestanden (Abs.)
kāśyapas tam uvāca ha
Kāśyapa sprach zu ihm (Perf.)
aho batāsi kuśalo
oh, du bist wahrlich klug (Interj./2.Sg.)
buddhimān iti vismitaḥ
verständig, so [sprach er], erstaunt (Nom./Part.)

samavaikṣata taṃ vipro jñānadīrgheṇa cakṣuṣā; dadarśa cainaṃ devānām indraṃ devaṃ śacīpatim

Der Brahmane betrachtete ihn mit einem durch Wissen weitreichenden Auge und erkannte ihn: den Herrn der Götter, den Gott, den Gatten der Śacī.

Wort für Wort
samavaikṣata taṃ vipro
er betrachtete ihn, der Brahmane (Impf.Med./Nom.)
jñānadīrgheṇa cakṣuṣā
mit durch Wissen weitreichendem Auge (Instr.)
dadarśa cainaṃ devānām
und er sah ihn, der Götter (Perf./Akk./Gen.Pl.)
indraṃ devaṃ śacīpatim
Indra, den Gott, den Gatten der Śacī (Akk.)

tataḥ saṃpūjayām āsa kāśyapo harivāhanam; anujñātaś ca tenātha praviveśa svam āśramam

Da verehrte Kāśyapa den Falbenfahrer ehrerbietig; und von ihm entlassen, betrat er seine Einsiedelei.

Wort für Wort
tataḥ saṃpūjayām āsa
darauf ehrte er (Perf.periphr.)
kāśyapo harivāhanam
Kāśyapa den Falbenfahrer (Nom./Akk.)
anujñātaś ca tenātha
und von ihm entlassen, dann (Part./Instr.)
praviveśa svam āśramam
trat in die eigene Einsiedelei (Perf./Akk.)

Harivāhana: „dessen Gefährt Falben sind“, Epitheton Indras.

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