Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 195: akṣarādisṛṣṭi-adhyātmavicāra Entstehung aus dem Unvergänglichen und Erkenntnis des Selbst jenseits der Sinne

Manu lehrt die Entfaltung der Elemente aus dem Unvergänglichen, die Unfassbarkeit des höchsten Wesens für die Sinne, das Verhältnis von Sinnen, Manas und Buddhi sowie den Übergang des feinen Körpers (liṅga) von Leib zu Leib. Der Text ist an mehreren Stellen philosophisch dicht und knapp; unsichere Wiedergaben sind markiert.

manur uvāca; akṣarāt khaṃ tato vāyur vāyor jyotis tato jalam; jalāt prasūtā jagatī jagatyāṃ jāyate jagat

Manu sprach: Aus dem Unvergänglichen [entstand] der Raum, daraus der Wind, aus dem Wind das Licht [das Feuer], daraus das Wasser; aus dem Wasser ist die Erde hervorgegangen, und auf der Erde entsteht die [lebende] Welt.

Wort für Wort
manur uvāca
Manu sprach (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.)
akṣarāt khaṃ tato vāyuḥ
aus dem Unvergänglichen der Raum, daraus der Wind (Abl.Sg.; Nom.Sg.)
vāyor jyotis tato jalam
aus dem Wind das Licht, daraus das Wasser (Abl.Sg.; Nom.Sg.)
jalāt prasūtā jagatī
aus dem Wasser hervorgegangen die Erde (Abl.Sg.; Part.Pass.Nom.Sg.f.)
jagatyāṃ jāyate jagat
auf der Erde entsteht die Welt (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.)

ime śarīrair jalam eva gatvā; jalāc ca tejaḥ pavano 'ntarikṣam; khād vai nivartanti nabhāvinas te; ye bhāvinas te param āpnuvanti

Diese [Wesen], mit ihren Körpern nur zum Wasser gelangt, und vom Wasser zu Feuer, Wind [und] Luftraum: vom Raum her kehren jene zurück, die nicht zum Werden bestimmt sind [?]; jene aber, die zum Werden bestimmt sind [?], erlangen das Höchste.

Wort für Wort
ime śarīrair jalam eva gatvā
diese, mit den Körpern nur zum Wasser gegangen (Nom.Pl.; Instr.Pl.; Abs.)
jalāc ca tejaḥ pavano 'ntarikṣam
und vom Wasser Feuer, Wind, Luftraum (Abl.Sg.; Nom.Sg.)
khād vai nivartanti nabhāvinas te
vom Raum kehren sie zurück, jene Nicht-bhāvin [?] (Abl.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
ye bhāvinas te param āpnuvanti
die bhāvin sind, sie erlangen das Höchste (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)

bhāvin/nabhāvin ist unsicher; gemeint ist wohl die Scheidung zwischen denen, die zurückkehren, und denen, die das Höchste erreichen.

noṣṇaṃ na śītaṃ mṛdu nāpi tīkṣṇaṃ; nāmlaṃ kaṣāyaṃ madhuraṃ na tiktam; na śabdavan nāpi ca gandhavat tan; na rūpavat tat paramasvabhāvam

Nicht heiß, nicht kalt, nicht weich und auch nicht scharf, nicht sauer, herb, süß, nicht bitter; weder tönend noch duftend, noch mit Form versehen ist jenes: die höchste Eigenart.

Wort für Wort
noṣṇaṃ na śītaṃ
nicht heiß, nicht kalt (Nom.Sg.n.)
mṛdu nāpi tīkṣṇam
weich, auch nicht scharf (Nom.Sg.n.)
nāmlaṃ kaṣāyaṃ madhuraṃ na tiktam
nicht sauer, herb, süß, nicht bitter (Nom.Sg.n.)
na śabdavan nāpi ca gandhavat tat
nicht tönend und auch nicht duftend ist jenes (Nom.Sg.n.)
na rūpavat tat paramasvabhāvam
nicht formhaft ist jenes, das höchste Wesen (Nom.Sg.n.; Kompositum)

sparśaṃ tanur veda rasaṃ tu jihvā; ghrāṇaṃ ca gandhāñ śravaṇe ca śabdān; rūpāṇi cakṣur na ca tatparaṃ yad; gṛhṇanty anadhyātmavido manuṣyāḥ

Die Haut erkennt Berührung, die Zunge aber Geschmack, die Nase Düfte, die Ohren Töne, das Auge Formen; nicht aber das, was darüber hinaus liegt: [nur] so nehmen es Menschen wahr, die das Höchste Selbst nicht kennen.

Wort für Wort
sparśaṃ tanur veda
Berührung erkennt der Körper [die Haut] (Akk.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Perf. mit Präsensbed.)
rasaṃ tu jihvā
Geschmack aber die Zunge (Akk.Sg.; Nom.Sg.f.)
ghrāṇaṃ ca gandhāñ śravaṇe ca śabdān
die Nase Düfte und die Ohren Töne (Akk.Pl.; Nom.Du.)
rūpāṇi cakṣuḥ
Formen das Auge (Akk.Pl.; Nom.Sg.)
na ca tatparaṃ yad
nicht aber das, was darüber hinaus ist (Nom.Sg.n.)
gṛhṇanty anadhyātmavido manuṣyāḥ
nehmen wahr die Menschen, die das Selbst nicht kennen (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)

nivartayitvā rasanaṃ rasebhyo; ghrāṇaṃ ca gandhāc chravaṇe ca śabdāt; sparśāt tanuṃ rūpaguṇāt tu cakṣus; tataḥ paraṃ paśyati svaṃ svabhāvam

Hat man die Zunge von den Geschmäcken abgewendet, die Nase vom Duft, die Ohren vom Ton, die Haut von der Berührung, das Auge aber von der Eigenschaft der Form, dann sieht man das darüber Hinausliegende: das eigene Wesen.

Wort für Wort
nivartayitvā rasanaṃ rasebhyaḥ
nachdem man die Zunge von den Geschmäcken abgewendet hat (Abs.; Akk.Sg.; Abl.Pl.)
ghrāṇaṃ ca gandhāc
und die Nase vom Duft (Akk.Sg.; Abl.Sg.)
chravaṇe ca śabdāt
und die Ohren vom Ton (Akk.Du.; Abl.Sg.)
sparśāt tanuṃ
die Haut von der Berührung (Abl.Sg.; Akk.Sg.)
rūpaguṇāt tu cakṣuḥ
das Auge aber von der Formeigenschaft (Abl.Sg.; Akk.Sg.)
tataḥ paraṃ paśyati svaṃ svabhāvam
dann sieht man das Höhere, das eigene Wesen (Adv.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)

yato gṛhītvā hi karoti yac ca; yasmiṃś ca tām ārabhate pravṛttim; yasmiṃś ca yad yena ca yaś ca kartā; tatkāraṇaṃ taṃ samupāyam āhuḥ

Von dem her er nimmt und handelt, und worin er jene Tätigkeit beginnt, und worin, was, womit und wer der Handelnde ist: das nennen sie die Ursache, diese samt dem Mittel [?].

Wort für Wort
yato gṛhītvā hi karoti yac ca
von wo er nimmt und was er tut (Abl.-Adv.; Abs.; 3.Sg.Präs.)
yasmiṃś ca tām ārabhate pravṛttim
und worin er diese Tätigkeit beginnt (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.)
yasmiṃś ca yad yena ca yaś ca kartā
und worin, was, womit und wer der Handelnde ist (Lok./Nom./Instr./Nom.Sg.)
tatkāraṇaṃ taṃ samupāyam āhuḥ
das nennen sie die Ursache, diese samt Mittel [?] (Akk.Sg.; 3.Pl.Perf.)

samupāyam ist unsicher; wohl „samt dem Mittel/der Vorgehensweise“.

yac cābhibhūḥ sādhakaṃ vyāpakaṃ ca; yan mantravac chaṃsyate caiva loke; yaḥ sarvahetuḥ paramārthakārī; tat kāraṇaṃ kāryam ato yad anyat

Und was überlegen, vollbringend und alles durchdringend ist, was auch in der Welt mit Mantras gepriesen wird, was die Ursache von allem ist und das höchste Ziel bewirkt: das ist die Ursache; was davon verschieden ist, ist Wirkung.

Wort für Wort
yac cābhibhūḥ sādhakaṃ vyāpakaṃ ca
und was überlegen, vollbringend, durchdringend ist (Nom.Sg.; Nom.Sg.n.)
yan mantravac chaṃsyate caiva loke
was wie mit Mantra gepriesen wird in der Welt (3.Sg.Präs.Pass.; Lok.Sg.)
yaḥ sarvahetuḥ paramārthakārī
der Ursache von allem und Bewirker des höchsten Zieles ist (Nom.Sg.)
tat kāraṇaṃ
das [ist] die Ursache (Nom.Sg.n.)
kāryam ato yad anyat
Wirkung ist, was davon verschieden ist (Nom.Sg.n.; Abl.-Adv.)

yathā ca kaś cit sukṛtair manuṣyaḥ; śubhāśubhaṃ prāpnute 'thāvirodhāt; evaṃ śarīreṣu śubhāśubheṣu; svakarmajair jñānam idaṃ nibaddham

Wie ein Mensch durch gute Taten ohne Widerspruch Gutes und Schlechtes erlangt, so ist in den guten und schlechten Körpern dieses Wissen gebunden, [nämlich] durch die aus dem eigenen Handeln entstandenen [Bindungen] [?].

Wort für Wort
yathā ca kaś cit sukṛtair manuṣyaḥ
und wie irgendein Mensch durch gute Taten (Instr.Pl.; Nom.Sg.)
śubhāśubhaṃ prāpnute
Gutes und Schlechtes erlangt (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
'thāvirodhāt
dann/folgerichtig, ohne Widerspruch (Abl.Sg.)
evaṃ śarīreṣu śubhāśubheṣu
so in den guten und schlechten Körpern (Lok.Pl.)
svakarmajair jñānam idaṃ nibaddham
durch die aus eigenem Handeln Geborenen [?] ist dieses Wissen gebunden (Instr.Pl.; Nom.Sg.n.; Part.Pass.)

Der Bezug von svakarmajaiḥ ist unsicher.

yathā pradīpaḥ purataḥ pradīptaḥ; prakāśam anyasya karoti dīpyan; tatheha pañcendriyadīpavṛkṣā; jñānapradīptāḥ paravanta eva

Wie eine Lampe, vorn entzündet, leuchtend einem anderen Licht schafft, so sind hier die fünf Sinne, gleichsam Lampenbäume, vom Wissen entzündet, [selbst] abhängig.

Wort für Wort
yathā pradīpaḥ purataḥ pradīptaḥ
wie eine Lampe, vorn entzündet (Nom.Sg.; Part.Pass.)
prakāśam anyasya karoti dīpyan
einem anderen Licht schafft, leuchtend (Akk.Sg.; Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.; Part.Präs.)
tatheha pañcendriyadīpavṛkṣāḥ
so hier die fünf Sinne, Lampenbäume (Nom.Pl.; Kompositum)
jñānapradīptāḥ paravanta eva
vom Wissen entzündet, gerade abhängig (Nom.Pl.)

yathā hi rājño bahavo hy amātyāḥ; pṛthak pramānaṃ pravadanti yuktāḥ; tadvac charīreṣu bhavanti pañca; jñānaikadeśaḥ paramaḥ sa tebhyaḥ

Wie die vielen Minister eines Königs, [jeder] tüchtig, je für sich Auskunft geben, so sind die Fünf in den Körpern; das eine Feld des Wissens, er, ist höher als sie [?].

Wort für Wort
yathā hi rājño bahavo hy amātyāḥ
wie viele Minister eines Königs (Gen.Sg.; Nom.Pl.)
pṛthak pramānaṃ pravadanti yuktāḥ
getrennt Maßgebliches sagen, tüchtig (Adv.; Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
tadvac charīreṣu bhavanti pañca
so sind in den Körpern die fünf (Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.)
jñānaikadeśaḥ paramaḥ sa tebhyaḥ
das eine Feld des Wissens [?], er ist höher als jene (Nom.Sg.; Abl.Pl.)

jñānaikadeśaḥ ist unsicher; auch „ein Teil des Wissens“ wäre möglich.

yathārciṣo 'gneḥ pavanasya vegā; marīcayo 'rkasya nadīṣu cāpaḥ; gacchanti cāyānti ca tanyamānās; tadvac charīrāṇi śarīriṇāṃ tu

Wie die Flammen des Feuers, die Stöße des Windes, die Strahlen der Sonne und das Wasser in den Flüssen sich ausbreitend gehen und kommen, so [gehen und kommen] die Körper der Körperbehafteten.

Wort für Wort
yathārciṣo 'gneḥ pavanasya vegāḥ
wie die Flammen des Feuers, die Stöße des Windes (Nom.Pl.; Gen.Sg.)
marīcayo 'rkasya nadīṣu cāpaḥ
die Strahlen der Sonne und das Wasser in den Flüssen (Nom.Pl.; Gen.Sg.; Lok.Pl.; Nom.Pl.)
gacchanti cāyānti ca tanyamānāḥ
gehen und kommen, sich ausdehnend (3.Pl.Präs.; Part.Pass.)
tadvac charīrāṇi śarīriṇāṃ tu
so die Körper der Körperbehafteten (Nom.Pl.; Gen.Pl.)

yathā ca kaś cit paraśuṃ gṛhītvā; dhūmaṃ na paśyej jvalanaṃ ca kāṣṭhe; tadvac charīrodarapāṇipādaṃ; chittvā na paśyanti tato yad anyat

Wie jemand, der eine Axt ergriffen hat, im Holz weder Rauch noch Feuer sähe, so sehen sie, wenn sie Körper, Bauch, Hände und Füße zerspalten haben, nicht das, was davon verschieden ist.

Wort für Wort
yathā ca kaś cit paraśuṃ gṛhītvā
und wie irgendeiner, eine Axt ergriffen habend (Akk.Sg.; Abs.)
dhūmaṃ na paśyej jvalanaṃ ca kāṣṭhe
Rauch nicht sähe und Feuer im Holz (Akk.Sg.; Opt.; Lok.Sg.)
tadvac charīrodarapāṇipādaṃ
so den Körper, Bauch, Hände, Füße (Akk.Sg.; Kompositum)
chittvā na paśyanti
zerspalten habend, sehen nicht (Abs.; 3.Pl.Präs.)
tato yad anyat
das, was davon verschieden ist (Abl.-Adv.; Akk.Sg.n.)

tāny eva kāṣṭhāni yathā vimathya; dhūmaṃ ca paśyej jvalanaṃ ca yogāt; tadvat subuddhiḥ samam indriyatvād; budhaḥ paraṃ paśyati svaṃ svabhāvam

Wie man aber, wenn man ebendieses Holz gerieben hat, durch [richtiges] Verfahren Rauch und Feuer sieht, so sieht der Kluge, gut Einsichtige, gleichermaßen kraft des Sinn-Seins [?], das Höhere: das eigene Wesen.

Wort für Wort
tāny eva kāṣṭhāni yathā vimathya
wie man ebendieses Holz gerieben habend (Akk.Pl.; Abs.)
dhūmaṃ ca paśyej jvalanaṃ ca yogāt
Rauch und Feuer sähe durch Verfahren (Akk.Sg.; Opt.; Abl.Sg.)
tadvat subuddhiḥ samam indriyatvād
so der gut Einsichtige, gleichermaßen kraft des Sinn-Seins [?] (Nom.Sg.; Adv.; Abl.Sg.)
budhaḥ paraṃ paśyati svaṃ svabhāvam
der Kundige sieht das Höhere, das eigene Wesen (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

samam indriyatvād ist unsicher.

yathātmano 'ṅgaṃ patitaṃ pṛthivyāṃ; svapnāntare paśyati cātmano 'nyat; śrotrādiyuktaḥ sumanāḥ subuddhir; liṅgāt tathā gacchati liṅgam anyat

Wie einer im Traum ein Glied seiner selbst auf die Erde gefallen sieht und ein anderes von sich, mit Gehör usw. versehen, gutgesinnt, gut einsichtig: so geht vom Zeichen [dem feinen Körper] ein anderes Zeichen [hervor].

Wort für Wort
yathātmano 'ṅgaṃ patitaṃ pṛthivyāṃ
wie ein Glied seiner selbst auf die Erde gefallen (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Part.Pass.; Lok.Sg.)
svapnāntare paśyati cātmano 'nyat
im Traum sieht und ein anderes von sich (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.; Gen.Sg.; Akk.Sg.n.)
śrotrādiyuktaḥ sumanāḥ subuddhiḥ
mit Gehör usw. versehen, gutgesinnt, gut einsichtig (Nom.Sg.)
liṅgāt tathā gacchati liṅgam anyat
so geht aus dem Zeichen ein anderes Zeichen (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.n.)

liṅga ist hier wohl der feine Körper (liṅgaśarīra).

utpattivṛddhikṣayasaṃnipātair; na yujyate 'sau paramaḥ śarīrī; anena liṅgena tu liṅgam anyad; gacchaty adṛṣṭaḥ pratisaṃdhiyogāt

Durch Entstehen, Wachsen, Schwinden und Zusammentreffen wird dieser Höchste, der Verkörperte, nicht berührt; durch dieses Zeichen geht ein anderes Zeichen, ungesehen, durch Verbindung mit einer Wiederverknüpfung.

Wort für Wort
utpattivṛddhikṣayasaṃnipātair
durch Entstehen, Wachsen, Schwinden, Zusammentreffen (Instr.Pl.; Kompositum)
na yujyate 'sau paramaḥ śarīrī
wird nicht verbunden, dieser höchste Verkörperte (3.Sg.Präs.Pass.; Nom.Sg.)
anena liṅgena tu liṅgam anyad
durch dieses Zeichen aber ein anderes Zeichen (Instr.Sg.; Nom.Sg.n.)
gacchaty adṛṣṭaḥ
geht, ungesehen (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
pratisaṃdhiyogāt
durch Verbindung mit Wiederverknüpfung (Abl.Sg.)

na cakṣuṣā paśyati rūpam ātmano; na cāpi saṃsparśam upaiti kiṃ cit; na cāpi taiḥ sādhayate 'tha kāryaṃ; te taṃ na paśyanti sa paśyate tān

Nicht mit dem Auge sieht er die Form seiner selbst, noch erfährt er irgendeine Berührung, noch vollbringt er mit ihnen sein Werk; sie sehen ihn nicht, er sieht sie.

Wort für Wort
na cakṣuṣā paśyati rūpam ātmanaḥ
nicht mit dem Auge sieht er die Form seiner selbst (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.; Akk.Sg.; Gen.Sg.)
na cāpi saṃsparśam upaiti kiṃ cit
noch erlangt er irgendeine Berührung (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
na cāpi taiḥ sādhayate 'tha kāryam
noch vollbringt er mit ihnen ein Werk (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.)
te taṃ na paśyanti sa paśyate tān
sie sehen ihn nicht, er sieht sie (Nom.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.; 3.Sg.Med.; Akk.Pl.)

yathā pradīpe jvalato 'nalasya; saṃtāpajaṃ rūpam upaiti kiṃ cit; na cāntaraṃ rūpaguṇaṃ bibharti; tathaiva tad dṛśyate rūpam asya

Wie bei einer brennenden Lampe, beim Feuer, irgendeine aus der Hitze geborene Form entsteht, es aber im Innern keine Formeigenschaft trägt, ebenso wird diese seine Form gesehen [?].

Wort für Wort
yathā pradīpe jvalato 'nalasya
wie an der Lampe, am brennenden Feuer (Lok.Sg.; Gen.Sg.Part.)
saṃtāpajaṃ rūpam upaiti kiṃ cit
eine aus Hitze geborene Form erlangt etwas (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
na cāntaraṃ rūpaguṇaṃ bibharti
und im Innern trägt es keine Formeigenschaft (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
tathaiva tad dṛśyate rūpam asya
ebenso wird jene seine Form gesehen [?] (3.Sg.Präs.Pass.; Nom.Sg.n.; Gen.Sg.)

Der Vergleich ist knapp und der Bezug von asya unsicher.

yathā manuṣyaḥ parimucya kāyam; adṛśyam anyad viśate śarīram; visṛjya bhūteṣu mahatsu dehaṃ; tadāśrayaṃ caiva bibharti rūpam

Wie ein Mensch, den Leib ablegend, in einen anderen, unsichtbaren Körper eintritt, den Leib in den großen [Elementen] zurücklassend, und dennoch, in ihnen seinen Halt habend, Gestalt trägt.

Wort für Wort
yathā manuṣyaḥ parimucya kāyam
wie ein Mensch, den Leib ablegend (Nom.Sg.; Abs.; Akk.Sg.)
adṛśyam anyad viśate śarīram
in einen anderen unsichtbaren Körper eintritt (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
visṛjya bhūteṣu mahatsu deham
den Leib in den großen Elementen zurücklassend (Abs.; Lok.Pl.; Akk.Sg.)
tadāśrayaṃ caiva bibharti rūpam
und doch, darin seinen Halt habend, Gestalt trägt (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

khaṃ vāyum agniṃ salilaṃ tathorvīṃ; samantato 'bhyāviśate śarīrī; nānāśrayāḥ karmasu vartamānāḥ; śrotrādayaḥ pañca guṇāñ śrayante

Raum, Wind, Feuer, Wasser und ebenso die Erde: von allen Seiten dringt der Verkörperte darin ein; mit verschiedenen Stützen, in Handlungen tätig, nehmen die fünf, Gehör usw., zu den Eigenschaften Zuflucht.

Wort für Wort
khaṃ vāyum agniṃ salilaṃ tathorvīm
Raum, Wind, Feuer, Wasser und ebenso die Erde (Akk.Sg.)
samantato 'bhyāviśate śarīrī
von allen Seiten dringt ein der Verkörperte (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.)
nānāśrayāḥ karmasu vartamānāḥ
mit verschiedenen Stützen, in Handlungen tätig (Nom.Pl.; Lok.Pl.; Part.Präs.)
śrotrādayaḥ pañca guṇāñ śrayante
Gehör usw., die fünf, nehmen die Eigenschaften zur Zuflucht (Nom.Pl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)

śrotraṃ khato ghrāṇam atho pṛthivyās; tejomayaṃ rūpam atho vipākaḥ; jalāśrayaḥ sveda ukto rasaś ca; vāyvātmakaḥ sparśakṛto guṇaś ca

Das Gehör stammt vom Raum, die Nase von der Erde; aus Feuer bestehend sind die Form und dann die Reifung [Verdauung]; auf dem Wasser beruhend sind, so heißt es, der Schweiß und der Geschmack; vom Wesen des Windes ist die durch Berührung bewirkte Eigenschaft.

Wort für Wort
śrotraṃ khato ghrāṇam atho pṛthivyāḥ
das Gehör vom Raum, die Nase von der Erde (Nom.Sg.; Abl.-Adv.; Abl.Sg.)
tejomayaṃ rūpam atho vipākaḥ
aus Feuer bestehend die Form und die Reifung (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.)
jalāśrayaḥ sveda ukto rasaś ca
auf Wasser beruhend Schweiß und Geschmack, so heißt es (Nom.Sg.; Part.Pass.)
vāyvātmakaḥ sparśakṛto guṇaś ca
vom Wesen des Windes die durch Berührung bewirkte Eigenschaft (Nom.Sg.)

mahatsu bhūteṣu vasanti pañca; pañcendriyārthāś ca tathendriyeṣu; sarvāṇi caitāni manonugāni; buddhiṃ mano 'nveti manaḥ svabhāvam

In den großen Elementen wohnen die fünf, und die fünf Sinnesobjekte in den Sinnen; dies alles folgt dem Manas; das Manas folgt der Buddhi, das Manas [folgt] dem [eigenen] Wesen [?].

Wort für Wort
mahatsu bhūteṣu vasanti pañca
in den großen Elementen wohnen die fünf (Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.)
pañcendriyārthāś ca tathendriyeṣu
und die fünf Sinnesobjekte ebenso in den Sinnen (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
sarvāṇi caitāni manonugāni
und all dies dem Manas folgend (Nom.Pl.n.)
buddhiṃ mano 'nveti
die Buddhi folgt das Manas (Akk.Sg.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
manaḥ svabhāvam
das Manas [dem] Wesen [?] (Nom./Akk.Sg.; Akk.Sg.)

Die letzte Vershälfte ist knapp; Konstruktion von manaḥ svabhāvam unsicher.

śubhāśubhaṃ karma kṛtaṃ yad asya; tad eva pratyādadate svadehe; mano 'nuvartanti parāvarāṇi; jalaukasaḥ srota ivānukūlam

Das gute und schlechte Werk, das von ihm getan wurde, ebendieses empfängt er in seinem [neuen] Körper wieder; dem Manas folgen Höheres und Niederes wie im Wasser Lebende dem Strom, günstig [mit der Strömung].

Wort für Wort
śubhāśubhaṃ karma kṛtaṃ yad asya
das gute und schlechte Werk, das von ihm getan wurde (Nom.Sg.n.; Part.Pass.; Gen.Sg.)
tad eva pratyādadate svadehe
eben dieses empfängt er zurück im eigenen Körper (3.Sg.Präs.Med.; Lok.Sg.)
mano 'nuvartanti parāvarāṇi
dem Manas folgen Höheres und Niederes (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.n.)
jalaukasaḥ srota ivānukūlam
wie Wasserbewohner dem Strom, günstig (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Adv.)

calaṃ yathā dṛṣṭipathaṃ paraiti; sūkṣmaṃ mahad rūpam ivābhipāti; svarūpam ālocayate ca rūpaṃ; paraṃ tathā buddhipathaṃ paraiti

Wie ein Bewegliches den Bereich des Blicks überschreitet, fein, [doch] wie eine große Form erscheint und die eigene Gestalt, die Form, betrachtet, so geht das Höhere über den Bereich der Buddhi hinaus [?].

Wort für Wort
calaṃ yathā dṛṣṭipathaṃ paraiti
wie ein Bewegliches den Weg des Blicks überschreitet (Nom.Sg.n.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
sūkṣmaṃ mahad rūpam ivābhipāti
fein, wie große Form erscheint es (Nom.Sg.n.; Akk./Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
svarūpam ālocayate ca rūpam
und die eigene Gestalt, die Form, betrachtet es (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
paraṃ tathā buddhipathaṃ paraiti
so das Höhere den Weg der Buddhi überschreitet (Nom.Sg.n.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

Der Vers ist sehr knapp; der Vergleich (calam, sūkṣmam, mahad rūpam) ist nur mit Vorbehalt aufgelöst.

Dieses Kapitel in der Leseansicht