Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 309: śukasya pitrupadeśaḥ Vyāsas Mahnrede an Śuka über dharma, Tod und Jenseitsvorsorge, und Śukas Aufbruch

Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie Śuka zur Weltabkehr kam, schildert Bhīṣma die eindringliche Unterweisung des Vaters (Vyāsa) an den Sohn: Vergänglichkeit des Lebens, Nahen des Todes, Höllenstrafen, Vorsorge durch dharma und Askese. Das Kapitel endet mit Śukas Aufbruch zur Befreiung.

yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ nirvedam āpannaḥ śuko vaiyāsakiḥ purā; etad icchāmi kauravya śrotuṃ kautūhalaṃ hi me

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie gelangte einst Śuka, der Sohn Vyāsas, zur Weltabkehr? Dies möchte ich hören, Kauravya; denn Neugier erfüllt mich.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kathaṃ nirvedam āpannaḥ
wie zur Weltabkehr/Entsagung gelangt (Akk.; Part.Perf.Pass. Nom.)
śukaḥ vaiyāsakiḥ purā
Śuka, der Vyāsa-Sohn, einst (Nom./Adv.)
etad icchāmi kauravya
dies wünsche ich, Kauravya (1.Sg.Präs./Vok.)
śrotuṃ kautūhalaṃ hi me
zu hören; Neugier ist ja mir (Inf./Nom./Dat.-Gen.)

avyaktavyaktatattvānāṃ niścayaṃ buddhiniścayam; vaktum arhasi kauravya devasyājasya yā kṛtiḥ

[Sprich] über die Gewissheit hinsichtlich der Wahrheiten des Unmanifesten und des Manifesten, über die Entscheidung der Erkenntnis; darlegen solltest du, Kauravya, das Werk des ungeborenen Gottes.

Wort für Wort
avyaktavyaktatattvānāṃ
der Wahrheiten/Wesensprinzipien des Unmanifesten und Manifesten (Gen.Pl.; Dvandva-Kompositum)
niścayaṃ buddhiniścayam
die Gewissheit, die Entscheidung der Einsicht (Akk.Sg.)
vaktum arhasi kauravya
zu sprechen vermagst/solltest du, Kauravya (Inf./2.Sg.Präs./Vok.)
devasya ajasya
des Gottes, des Ungeborenen (Gen.Sg.)
yā kṛtiḥ
welches Werk/Tun (Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Bezug von „buddhiniścayam“ (Apposition zu „niścayam“) ist nicht ganz eindeutig.

bhīṣma uvāca; prākṛtena suvṛttena carantam akutobhayam; adhyāpya kṛtsnaṃ svādhyāyam anvaśād vai pitā sutam

Bhīṣma sprach: Als er, mit natürlichem, gutem Wandel, ohne Furcht vor irgendetwas, dahinlebte, unterwies der Vater den Sohn, nachdem er ihn das ganze Selbststudium [des Veda] gelehrt hatte.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
prākṛtena suvṛttena
mit natürlichem/ursprünglichem, gutem Verhalten (Instr.Sg.)
carantam akutobhayam
der wandelnd, von nirgendwoher Furcht habend (Part.Präs. Akk.; Bahuvrīhi)
adhyāpya kṛtsnaṃ svādhyāyam
nachdem er gelehrt hatte das ganze Selbststudium (Abs./Akk.)
anvaśād vai pitā sutam
unterwies fürwahr der Vater den Sohn (Impf.3.Sg./Nom./Akk.)

dharmaṃ putra niṣevasva sutīkṣṇau hi himātapau; kṣutpipāse ca vāyuṃ ca jaya nityaṃ jitendriyaḥ

„Übe den dharma aus, mein Sohn; denn Frost und Hitze sind sehr scharf. Hunger, Durst und den Wind besiege stets, mit bezwungenen Sinnen.“

Wort für Wort
dharmaṃ putra niṣevasva
den dharma, Sohn, übe aus (Akk./Vok./Imp.Med.)
sutīkṣṇau hi himātapau
sehr scharf ja Frost und Hitze (Nom.Du.m.)
kṣutpipāse ca vāyuṃ ca
Hunger und Durst und den Wind (Akk.Du./Akk.Sg.)
jaya nityaṃ jitendriyaḥ
besiege stets, mit besiegten Sinnen (Imp.2.Sg./Adv./Nom.)

satyam ārjavam akrodham anasūyāṃ damaṃ tapaḥ; ahiṃsāṃ cānṛśaṃsyaṃ ca vidhivat paripālaya

„Wahrhaftigkeit, Geradheit, Zornlosigkeit, Nicht-Missgunst, Selbstzügelung, Askese, Gewaltlosigkeit und Nicht-Grausamkeit hüte regelgemäß.“

Wort für Wort
satyam ārjavam akrodham
Wahrheit, Geradheit, Zornlosigkeit (Akk.Sg.n./m.)
anasūyāṃ damaṃ tapaḥ
Nicht-Missgunst, Selbstzügelung, Askese (Akk.Sg.)
ahiṃsāṃ ca anṛśaṃsyaṃ ca
Gewaltlosigkeit und Nicht-Grausamkeit (Akk.Sg.)
vidhivat paripālaya
regelgerecht bewahre/hüte (Adv./Imp.2.Sg.Kaus.)

satye tiṣṭha rato dharme hitvā sarvam anārjavam; devatātithiśeṣeṇa yātrāṃ prāṇasya saṃśraya

„Stehe in der Wahrheit, am dharma Freude findend, alles Unaufrichtige aufgebend; mit dem, was den Göttern und Gästen übrig bleibt, stütze den Lebensgang deines Atems.“

Wort für Wort
satye tiṣṭha
in der Wahrheit stehe (Lok./Imp.2.Sg.)
rato dharme
erfreut am dharma (Part. Nom./Lok.)
hitvā sarvam anārjavam
aufgebend alles Unaufrichtige (Abs./Akk.Sg.n.)
devatātithiśeṣeṇa
mit dem Rest von Göttern und Gästen (Instr.Sg.; Tatpuruṣa)
yātrāṃ prāṇasya saṃśraya
den Lebensunterhalt/Lebensgang des Atems stütze (Akk./Gen./Imp.2.Sg.)

phenapātropame dehe jīve śakunivat sthite; anitye priyasaṃvāse kathaṃ svapiṣi putraka

„Wie kannst du schlafen, Söhnchen, in einem Leib, der einer Schaumschale gleicht, während das Lebendige darin wie ein Vogel sitzt, im Vergänglichen, wo das Zusammensein mit Lieben [nur kurz ist]?“

Wort für Wort
phenapātropame dehe
in einem Körper, der Schaum-Gefäß-gleich ist (Lok.Sg.)
jīve śakunivat sthite
während das Lebewesen wie ein Vogel sitzt (Lok.abs.)
anitye priyasaṃvāse
im Vergänglichen, im Zusammenleben mit Lieben (Lok.Sg.)
kathaṃ svapiṣi putraka
wie schläfst du, Söhnchen (2.Sg.Präs./Vok.)

„phenapātropame“ wörtlich ‚einem Schaumgefäß/-becher gleichend‘, gemeint ist wohl etwas Schaumiges, Zerplatzendes; „priyasaṃvāse“ ist knapp.

apramatteṣu jāgratsu nityayukteṣu śatruṣu; antaraṃ lipsamāneṣu bālas tvaṃ nāvabudhyase

„Unter Feinden, die nicht nachlässig, sondern wach, stets bereit sind und eine Lücke suchen, bemerkst du, ein Kind, nichts.“

Wort für Wort
apramatteṣu jāgratsu
unter den Nichtnachlässigen, Wachenden (Lok.Pl.)
nityayukteṣu śatruṣu
unter den stets Bereiten, unter Feinden (Lok.Pl.)
antaraṃ lipsamāneṣu
eine Lücke/Gelegenheit zu erlangen suchend (Part.Desid. Lok.Pl.)
bālas tvaṃ na avabudhyase
ein Kind bist du, du merkst nicht (Nom./2.Sg.Präs.Med.)

gaṇyamāneṣu varṣeṣu kṣīyamāṇe tathāyuṣi; jīvite śiṣyamāṇe ca kim utthāya na dhāvasi

„Während die Jahre gezählt werden und so das Leben schwindet, während das Dasein zur Neige geht, warum stehst du nicht auf und eilst?“

Wort für Wort
gaṇyamāneṣu varṣeṣu
während die Jahre gezählt werden (Lok.abs.)
kṣīyamāṇe tathā āyuṣi
und während das Leben abnimmt (Lok.abs.)
jīvite śiṣyamāṇe ca
und während das Leben übrig bleibt/zur Neige geht (Lok.abs.)
kim utthāya na dhāvasi
warum eilst du nicht, nachdem du aufgestanden bist (Abs./2.Sg.Präs.)

aihalaukikam īhante māṃsaśoṇitavardhanam; pāralaukikakāryeṣu prasuptā bhṛśanāstikāḥ

Auf das Diesseitige richten sie sich, das Fleisch und Blut mehrt; bei den Werken für die jenseitige Welt aber schlafen sie tief, die Erzungläubigen.

Wort für Wort
aihalaukikam īhante
das Diesseitige erstreben sie (Akk./3.Pl.Präs.Med.)
māṃsaśoṇitavardhanam
Fleisch und Blut mehrend (Akk.Sg.n.)
pāralaukikakāryeṣu
bei den Werken für die jenseitige Welt (Lok.Pl.)
prasuptā bhṛśanāstikāḥ
fest schlafend, die sehr Ungläubigen (Part.Pf.Pass. Nom.Pl.)

dharmāya ye 'bhyasūyanti buddhimohānvitā narāḥ; apathā gacchatāṃ teṣām anuyātāpi pīḍyate

Die Menschen, die dem dharma gegenüber missgünstig sind, von Verblendung des Verstandes erfüllt: wenn diese auf falschen Wegen gehen, wird auch ihr Gefolgsmann geplagt.

Wort für Wort
dharmāya ye abhyasūyanti
die dem dharma gegenüber missgünstig sind (Dat./3.Pl.Präs.)
buddhimohānvitā narāḥ
mit Verblendung des Verstandes behaftete Menschen (Nom.Pl.)
apathā gacchatāṃ teṣām
auf Nicht-Wegen gehend, von diesen (Gen.Pl./Part.Präs.)
anuyātā api pīḍyate
auch der Nachfolger wird gequält (Nom.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

ye tu tuṣṭāḥ suniyatāḥ satyāgamaparāyaṇāḥ; dharmyaṃ panthānam ārūḍhās tān upāssva ca pṛccha ca

„Die aber, die zufrieden, wohlgezügelt, der wahren Überlieferung ganz ergeben sind und den rechten Pfad beschritten haben: diese verehre und befrage.“

Wort für Wort
ye tu tuṣṭāḥ suniyatāḥ
die aber zufrieden, wohlgezügelt sind (Nom.Pl.)
satyāgamaparāyaṇāḥ
der wahren Überlieferung als Höchstes ergeben (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
dharmyaṃ panthānam ārūḍhāḥ
den dharmagemäßen Weg bestiegen habend (Akk./Part.Pf.Pass.)
tān upāssva ca pṛccha ca
diese verehre und frage (Akk.Pl./Imp.Med./Imp.)

upadhārya mataṃ teṣāṃ vṛddhānāṃ dharmadarśinām; niyaccha parayā buddhyā cittam utpathagāmi vai

„Nachdem du die Ansicht jener greisen, den dharma schauenden [Männer] erfasst hast, zügle mit höchster Einsicht den Geist, der auf Abwege gerät.“

Wort für Wort
upadhārya mataṃ teṣām
nachdem du erfasst hast die Meinung dieser (Abs./Akk./Gen.Pl.)
vṛddhānāṃ dharmadarśinām
der Greisen, den dharma Schauenden (Gen.Pl.)
niyaccha parayā buddhyā
zügle mit höchster Einsicht (Imp.2.Sg./Instr.Sg.)
cittam utpathagāmi vai
den Geist, der auf Abwege geht (Akk.Sg.n.)

adyakālikayā buddhyā dūre śva iti nirbhayāḥ; sarvabhakṣā na paśyanti karmabhūmiṃ vicetasaḥ

Mit einem Verstand, der nur für den heutigen Tag gilt, „morgen ist fern“ [denkend], furchtlos, alles verzehrend, sehen die Verstandlosen das Feld des Handelns nicht.

Wort für Wort
adyakālikayā buddhyā
mit einem auf den heutigen Tag bezogenen Verstand (Instr.Sg.f.)
dūre śvaḥ iti
‚morgen ist fern‘, so [denkend] (Lok./Adv./iti)
nirbhayāḥ sarvabhakṣāḥ
furchtlos, alles verzehrend (Nom.Pl.)
na paśyanti karmabhūmiṃ vicetasaḥ
sie sehen nicht das Feld des Handelns, die Verstandlosen (3.Pl.Präs./Akk./Nom.Pl.)

„sarvabhakṣāḥ“ = ‚alles Essende‘, d. h. rücksichtslos Genießende.

dharmaniḥśreṇim āsthāya kiṃ cit kiṃ cit samāruha; kośakāravad ātmānaṃ veṣṭayan nāvabudhyase

„Besteige die Leiter des dharma und steige Stück für Stück hinauf; wie eine Seidenraupe spinnst du dich selbst ein und merkst es nicht.“

Wort für Wort
dharmaniḥśreṇim āsthāya
die Leiter des dharma bestiegen habend (Akk./Abs.)
kiṃ cit kiṃ cit samāruha
Stück für Stück steige hinauf (Adv./Imp.2.Sg.)
kośakāravad ātmānam
wie eine Seidenraupe dich selbst (Adv./Akk.)
veṣṭayan na avabudhyase
umhüllend, du merkst es nicht (Part.Präs./2.Sg.Präs.Med.)

nāstikaṃ bhinnamaryādaṃ kūlapātam ivāsthiram; vāmataḥ kuru visrabdho naraṃ veṇum ivoddhatam

„Den Ungläubigen, der die Schranken durchbrochen hat, unbeständig wie ein einstürzendes Ufer, lass links liegen, unbesorgt: den Menschen, aufgebläht wie ein Rohr.“

Wort für Wort
nāstikaṃ bhinnamaryādam
den Ungläubigen, dessen Schranken durchbrochen sind (Akk.Sg.)
kūlapātam iva asthiram
unbeständig wie ein Uferabbruch (Akk./Adv./Akk.)
vāmataḥ kuru visrabdhaḥ
stelle nach links, unbesorgt (Adv./Imp.2.Sg./Nom.)
naraṃ veṇum iva uddhatam
den Menschen, aufgeblasen wie ein Rohr (Akk./Adv./Part.)

„vāmataḥ kuru“ ist idiomatisch (‚auf die linke Seite tun‘, d. h. meiden, beiseite lassen); „visrabdhaḥ“ = vertrauensvoll/unbesorgt.

kāmaṃ krodhaṃ ca mṛtyuṃ ca pañcendriyajalāṃ nadīm; nāvaṃ dhṛtimayīṃ kṛtvā janmadurgāṇi saṃtara

„Verlangen, Zorn und Tod, den Fluss, dessen Wasser die fünf Sinne sind: mache die Standhaftigkeit zu einem Boot und überquere die Geburts-Schwierigkeiten.“

Wort für Wort
kāmaṃ krodhaṃ ca mṛtyuṃ ca
Verlangen, Zorn und Tod (Akk.Sg.)
pañcendriyajalāṃ nadīm
den Fluss mit den fünf Sinnen als Wasser (Akk.Sg.f.)
nāvaṃ dhṛtimayīṃ kṛtvā
ein aus Standhaftigkeit bestehendes Boot machend (Akk./Abs.)
janmadurgāṇi saṃtara
die Unwegsamkeiten der Geburt überquere (Akk.Pl./Imp.2.Sg.)

mṛtyunābhyāhate loke jarayā paripīḍite; amoghāsu patantīṣu dharmayānena saṃtara

„Da die Welt vom Tod geschlagen, vom Alter bedrängt ist, während die unfehlbaren [Nächte] hereinbrechen, setze mit dem Gefährt des dharma über.“

Wort für Wort
mṛtyunā abhyāhate loke
da die Welt vom Tod getroffen ist (Instr./Lok.abs.)
jarayā paripīḍite
vom Alter bedrängt (Instr./Part. Lok.)
amoghāsu patantīṣu
während die Unfehlbaren fallen (Lok.Pl.f.)
dharmayānena saṃtara
mit dem Wagen des dharma überquere (Instr./Imp.2.Sg.)

„amoghāsu patantīṣu“ ist feminin ohne Bezugswort; ergänzt ist [Nächte], denkbar wären auch [Pfeile] [?].

tiṣṭhantaṃ ca śayānaṃ ca mṛtyur anveṣate yadā; nirvṛtiṃ labhase kasmād akasmān mṛtyunāśitaḥ

„Wenn der Tod den Stehenden und den Liegenden aufspürt: wie kannst du da Ruhe finden? Unversehens wirst du vom Tod vernichtet.“

Wort für Wort
tiṣṭhantaṃ ca śayānaṃ ca
den Stehenden und den Liegenden (Akk.Sg.)
mṛtyur anveṣate yadā
der Tod sucht, wenn (3.Sg.Präs.Med.)
nirvṛtiṃ labhase kasmāt
Ruhe erlangst du weshalb (Akk./2.Sg.Präs./Abl.)
akasmān mṛtyunāśitaḥ
unversehens vom Tod vernichtet (Abl./Part. Nom.)

saṃcinvānakam evainaṃ kāmānām avitṛptakam; vṛkīvoraṇam āsādya mṛtyur ādāya gacchati

Diesen, der nur immer sammelt und von den Begierden nicht gesättigt ist, packt der Tod und geht mit ihm davon, wie eine Wölfin ein Schaf.

Wort für Wort
saṃcinvānakam eva enam
diesen eben, der Sammelnden (Akk.Sg.)
kāmānām avitṛptakam
von den Begierden Ungesättigten (Gen.Pl./Akk.Sg.)
vṛkī iva uraṇam
wie eine Wölfin ein Schaf (Nom./Adv./Akk.)
āsādya mṛtyur ādāya gacchati
herangetreten, nimmt der Tod und geht (Abs./Nom./Abs./3.Sg.)

kramaśaḥ saṃcitaśikho dharmabuddhimayo mahān; andhakāre praveṣṭavye dīpo yatnena dhāryatām

„Nach und nach werde die Lampe [mit] aufgeschichteter Flamme, groß, aus der Einsicht in den dharma bestehend, mit Mühe getragen, da in die Finsternis einzutreten ist.“

Wort für Wort
kramaśaḥ saṃcitaśikhaḥ
allmählich mit aufgehäufter Flamme (Adv./Nom.Sg.m.)
dharmabuddhimayo mahān
aus dharma-Einsicht bestehend, groß (Nom.Sg.)
andhakāre praveṣṭavye
da in die Finsternis einzutreten ist (Lok.abs./Gerundiv)
dīpo yatnena dhāryatām
die Lampe möge mit Anstrengung gehalten werden (Nom./Instr./Imp.Pass.)

„kramaśaḥ saṃcitaśikhaḥ“ ist knapp; gemeint ist wohl die allmählich genährte Flamme der Einsicht.

saṃpatan dehajālāni kadā cid iha mānuṣe; brāhmaṇyaṃ labhate jantus tat putra paripālaya

„Wenn das Lebewesen hier in der Menschenwelt irgendwann, durch die Körper-Netze [hindurch]fallend, das Brahmanentum erlangt: das bewahre, mein Sohn.“

Wort für Wort
saṃpatan dehajālāni
hindurchfallend durch die Körper-Netze [?] (Part.Präs./Akk.Pl.)
kadā cid iha mānuṣe
irgendwann hier im Menschlichen (Adv./Lok.)
brāhmaṇyaṃ labhate jantuḥ
Brahmanentum erlangt das Wesen (Akk./3.Sg.Med./Nom.)
tat putra paripālaya
das, Sohn, bewahre (Akk./Vok./Imp.2.Sg.)

„saṃpatan dehajālāni“ ist unsicher; wörtlich ‚Körper-Netze durchfallend/durcheilend‘ [?].

brāhmaṇasya hi deho 'yaṃ na kāmārthāya jāyate; iha kleśāya tapase pretya tv anupamaṃ sukham

„Denn der Leib eines Brahmanen wird nicht für Genuss und Besitz geboren, sondern hier für Mühsal, für Askese, im Jenseits aber [folgt] unvergleichliches Glück.“

Wort für Wort
brāhmaṇasya hi deho ayam
des Brahmanen ja dieser Körper (Gen./Nom.)
na kāmārthāya jāyate
nicht für Genuss und Besitz wird er geboren (Dat./3.Sg.Präs.Med.)
iha kleśāya tapase
hier für Mühsal, für Askese (Dat.)
pretya tu anupamaṃ sukham
nach dem Tod aber unvergleichliches Glück (Abs./Nom.Sg.n.)

brāhmaṇyaṃ bahubhir avāpyate tapobhis; tal labdhvā na paripaṇena heḍitavyam; svādhyāye tapasi dame ca nityayuktaḥ; kṣemārthī kuśalaparaḥ sadā yatasva

„Das Brahmanentum wird durch viele Askesen erlangt; hat man es erlangt, darf man es nicht um einen Einsatz/Tauschpreis geringschätzen [?]. Im Selbststudium, in Askese und Selbstzügelung stets gefestigt, nach Heil strebend, tüchtig: bemühe dich allezeit.“

Wort für Wort
brāhmaṇyaṃ bahubhir avāpyate tapobhiḥ
Brahmanentum wird durch viele Askesen erlangt (Nom./3.Sg.Pass./Instr.Pl.)
tal labdhvā na paripaṇena heḍitavyam
das erlangt habend, darf nicht um einen Einsatz/Preis geringgeachtet werden [?] (Abs./Gerundiv)
svādhyāye tapasi dame ca
im Selbststudium, in Askese und Selbstzügelung (Lok.)
nityayuktaḥ kṣemārthī
stets gefestigt, nach Heil strebend (Nom.Sg.)
kuśalaparaḥ sadā yatasva
auf das Heilsame gerichtet, stets bemühe dich (Nom./Adv./Imp.Med.)

„na paripaṇena heḍitavyam“ ist unsicher: ‚nicht um einen Tauschwert/Einsatz zu verschleudern‘ oder ‚nicht durch Handel zu missachten‘ [?].

avyaktaprakṛtir ayaṃ kalāśarīraḥ; sūkṣmātmā kṣaṇatruṭiśo nimeṣaromā; ṛtvāsyaḥ samabalaśuklakṛṣṇanetro; māṃsāṅgo dravati vayohayo narāṇām

Dieser [Lauf der Zeit] hat das Unmanifeste zum Ursprung, hat Teile (kalā) zum Körper, ist fein im Wesen, hat Augenblicke und Momente zu Gliedern, Lidschläge zu Haaren, die Jahreszeiten zum Gesicht, Augen, weiß und schwarz [Tag und Nacht] gleich stark; mit Fleisch [?] als Gliedern läuft er als das Ross der Lebensalter der Menschen.

Wort für Wort
avyaktaprakṛtir ayaṃ kalāśarīraḥ
dieser, dessen Urgrund das Unmanifeste ist, dessen Körper aus Teilen besteht (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
sūkṣmātmā kṣaṇatruṭiśo
fein im Selbst; mit Augenblicken und Momenten [als Gliedern] (Nom.; Adv. [?])
nimeṣaromā ṛtvāsyaḥ
dessen Haare Lidschläge sind, dessen Gesicht die Jahreszeiten sind (Nom.)
samabalaśuklakṛṣṇanetro
dessen Augen gleich stark, weiß und schwarz sind (Nom.)
māṃsāṅgo dravati
mit Fleisch [?] als Gliedern läuft (Nom./3.Sg.Präs.)
vayohayo narāṇām
das Ross der Lebensalter der Menschen (Nom./Gen.Pl.)

Deutung als personifizierte Zeit ist Ergänzung aus dem Zusammenhang; „māṃsāṅgaḥ“ (‚Fleisch als Glieder‘) fügt sich schlecht, evtl. verderbt für ‚Monate‘ (māsa-) [?]. Tag und Nacht als weißes und schwarzes Auge ist Vermutung.

taṃ dṛṣṭvā prasṛtam ajasram ugravegaṃ; gacchantaṃ satatam ihāvyapekṣamāṇam; cakṣus te yadi na parapraṇetṛneyaṃ; dharme te bhavatu manaḥ paraṃ niśamya

„Hast du ihn gesehen, wie er sich ausbreitet, unablässig, mit furchtbarer Geschwindigkeit, ständig dahingeht und hier auf nichts achtet: [dann gut]; wenn dein Auge nicht von einem fremden Führer geleitet werden muss [?], so soll dein Geist, nachdem er Höchstes vernommen hat, auf den dharma gerichtet sein.“

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā prasṛtam ajasram
ihn gesehen habend, den Ausgebreiteten, Unablässigen (Abs./Akk.)
ugravegaṃ gacchantaṃ satatam
von furchtbarer Geschwindigkeit, gehend, ständig (Akk./Part./Adv.)
iha avyapekṣamāṇam
hier nicht Rücksicht nehmend (Adv./Part.Präs.Med.)
cakṣus te yadi na parapraṇetṛneyam
wenn dein Auge nicht von fremdem Führer zu lenken ist [?] (Nom./Gen./Nom.)
dharme te bhavatu manaḥ
im dharma sei dein Geist (Lok./Imp.3.Sg./Nom.)
paraṃ niśamya
Höchstes vernommen habend (Akk./Abs.)

Zweiter Halbvers syntaktisch unsicher: „parapraṇetṛneyam“ = ‚von einem anderen Lenker zu führen‘ [?].

ye 'mī tu pracalitadharmakāmavṛttāḥ; krośantaḥ satatam aniṣṭasaṃprayogāḥ; kliśyante parigatavedanāśarīrā; bahvībhiḥ subhṛśam adharmavāsanābhiḥ

„Jene aber, deren Verhalten in dharma und Begehren ins Wanken geraten ist, die beständig jammern, mit Zusammentreffen von Unerwünschtem, werden gequält, ihr Körper von Schmerz durchdrungen, durch viele Eindrücke von Unrecht.“

Wort für Wort
ye amī tu pracalitadharmakāmavṛttāḥ
jene aber, deren Verhalten in dharma und kāma ins Wanken geraten ist (Nom.Pl.)
krośantaḥ satatam
jammernd, beständig (Part.Präs./Adv.)
aniṣṭasaṃprayogāḥ
mit Verbindungen zu Unerwünschtem (Nom.Pl.)
kliśyante parigatavedanāśarīrāḥ
werden gequält, mit von Schmerz erfülltem Körper (3.Pl.Präs.Pass./Nom.)
bahvībhiḥ subhṛśam adharmavāsanābhiḥ
durch viele, sehr stark, Eindrücke von Unrecht (Instr.Pl.f.)

rājā dharmaparaḥ sadā śubhagoptā; samīkṣya sukṛtināṃ dadhāti lokān; bahuvidham api carataḥ pradiśati; sukham anupagataṃ niravadyam

Ein König, stets dem dharma ergeben, ein guter Beschützer, weist, nachdem er geprüft hat, den Gutes Getanen Welten zu; auch dem, der auf vielerlei Weise handelt, teilt er ein bisher nicht erlangtes, tadelloses Glück zu.

Wort für Wort
rājā dharmaparaḥ sadā
der König, dem dharma ergeben, stets (Nom./Adv.)
śubhagoptā samīkṣya
guter Beschützer, nach Prüfung (Nom./Abs.)
sukṛtināṃ dadhāti lokān
den Gutes Getanen gibt er Welten (Gen.Pl./3.Sg.Präs./Akk.)
bahuvidham api carataḥ pradiśati
auch dem vielfältig Wandelnden weist er zu (Adv./Gen.Sg./3.Sg.Präs.)
sukham anupagataṃ niravadyam
Glück, unerreichtes, untadeliges (Akk.Sg.n.)

śvāno bhīṣaṇāyomukhāni vayāṃsi; vaḍagṛdhrakulapakṣiṇāṃ ca saṃghāḥ; narāṃ kadane rudhirapā guruvacana;nudam uparataṃ viśasanti

Hunde, furchtbare eisenmündige Vögel, Scharen von Geier-Vögeln [?] und Blut trinkende zerfleischen im Kampf/in der Marter den Menschen, der das Wort des Lehrers verworfen hat [?], [wenn] er dahingegangen ist.

Wort für Wort
śvāno bhīṣaṇāyomukhāni vayāṃsi
Hunde, schreckliche eisenmündige Vögel (Nom.Pl.)
vaḍagṛdhrakulapakṣiṇāṃ ca saṃghāḥ
und Scharen von Vögeln aus Geier-Geschlechtern [?] (Nom.Pl./Gen.Pl.)
narāṃ kadane rudhirapā
die Männer/Mann in der Marter, Blut trinkend [?] (Akk./Lok./Nom.Pl.)
guruvacananudam uparataṃ
den, der das Wort des Gurus verstieß, [nun] verstorben [?] (Akk.Sg.)
viśasanti
zerlegen/zerfleischen (3.Pl.Präs.)

Stark verderbte Stelle (vaḍa-, narāṃ, guruvacananudam); die Wiedergabe ist nur ein Deutungsversuch [?].

maryādā niyatāḥ svayaṃbhuvā ya ihemāḥ; prabhinatti daśaguṇā manonugatvāt; nivasati bhṛśam asukhaṃ pitṛviṣaya;vipinam avagāhya sa pāpaḥ

Die hier von Svayaṃbhū festgesetzten Schranken – wer sie, dem Geist folgend, durchbricht [?], der Übeltäter haust, in den Wald des Väter-Bereichs eingedrungen, sehr unglücklich.

Wort für Wort
maryādā niyatāḥ svayaṃbhuvā
die Schranken, festgesetzt von Svayaṃbhū (Nom.Pl./Part./Instr.)
ya iha imāḥ prabhinatti
wer diese hier durchbricht (Nom./Akk.Pl.f./3.Sg.Präs.)
daśaguṇā manonugatvāt
zehnfach [?], wegen des Dem-Geist-Folgens (Nom./Abl.)
nivasati bhṛśam asukham
haust sehr unglücklich (3.Sg.Präs./Adv.)
pitṛviṣayavipinam avagāhya
in den Wald des Väter-Bereichs eingedrungen (Akk./Abs.)
sa pāpaḥ
er, der Übeltäter (Nom.)

Textlich unsicher: „daśaguṇā“ (‚zehnfach‘?) und der Bezug der ersten Zeile sind unklar [?]; „pitṛviṣayavipinam“ ‚Wald im Reich der Väter‘ (Yamas Bereich).

yo lubdhaḥ subhṛśaṃ priyānṛtaś ca manuṣyaḥ; satatanikṛtivañcanāratiḥ syāt; upanidhibhir asukhakṛt sa paramanirayago; bhṛśam asukham anubhavati duṣkṛtakarmā

Der Mensch, der sehr gierig ist, mit angenehmen Lügen [redet] und ständig an Betrug und Täuschung Gefallen findet, wer durch Veruntreuung von Anvertrautem Leid schafft: der geht in die höchste Hölle und erfährt, ein Täter von Bösem, große Pein.

Wort für Wort
yo lubdhaḥ subhṛśaṃ priyānṛtaś ca
wer gierig ist, sehr, und mit angenehmen Unwahrheiten (Nom.)
manuṣyaḥ satatanikṛtivañcanāratiḥ syāt
der Mensch, ständig an Betrug und Täuschung Freude habend, sei (Nom./Opt.3.Sg.)
upanidhibhir asukhakṛt
durch Anvertrautes Leid bereitend (Instr.Pl./Nom.)
sa paramanirayago
der geht zur höchsten Hölle (Nom.)
bhṛśam asukham anubhavati
erfährt heftig Leid (Adv./Akk./3.Sg.Präs.)
duṣkṛtakarmā
der Böses tut (Nom.)

uṣṇāṃ vaitaraṇīṃ mahānadīm; avagāḍho 'sipatravanabhinnagātraḥ; paraśuvanaśayo nipatito; vasati ca mahāniraye bhṛśārtaḥ

In den heißen großen Strom Vaitaraṇī eingetaucht, mit vom Schwertblatt-Wald zerrissenen Gliedern, im Beilwald liegend, niedergestürzt, haust er in der großen Hölle, schwer gequält.

Wort für Wort
uṣṇāṃ vaitaraṇīṃ mahānadīm
die heiße Vaitaraṇī, den großen Strom (Akk.Sg.f.)
avagāḍho asipatravanabhinnagātraḥ
eingetaucht, mit vom Schwertblatt-Wald zerrissenen Gliedern (Part./Nom.)
paraśuvanaśayo nipatito
im Beilwald liegend, niedergefallen (Nom./Part.)
vasati ca mahāniraye bhṛśārtaḥ
und wohnt in der großen Hölle, sehr gequält (3.Sg.Präs./Lok./Nom.)

mahāpadāni katthase na cāpy avekṣase param; cirasya mṛtyukārikām anāgatāṃ na budhyase

„Du rühmst dich großer [Stellungen/Taten] [?] und blickst nicht auf das Jenseits; die seit langem [wirkende] Todbringerin, die noch Kommende, erkennst du nicht.“

Wort für Wort
mahāpadāni katthase
große Stellungen/Schritte [?] rühmst du dich (Akk.Pl./2.Sg.Präs.Med.)
na ca api avekṣase param
und blickst auch nicht auf das Jenseits (2.Sg.Präs.Med./Akk.)
cirasya mṛtyukārikām
seit langem die Tod Bewirkende (Gen./Adv./Akk.Sg.f.)
anāgatāṃ na budhyase
die Zukünftige erkennst du nicht (Akk./2.Sg.Präs.Med.)

„mahāpadāni“ unsicher (‚große Stellungen‘ / ‚große Schritte‘) [?]; „cirasya mṛtyukārikām“ syntaktisch knapp.

prayāsyatāṃ kim āsyate samutthitaṃ mahad bhayam; atipramāthi dāruṇaṃ sukhasya saṃvidhīyatām

„Für die, die aufbrechen werden: was sitzt man da? Eine große Gefahr hat sich erhoben, sehr zermalmend, furchtbar; für das Glück werde Vorsorge getroffen.“

Wort für Wort
prayāsyatāṃ kim āsyate
für die Aufbrechenden – was wird gesessen (Part.Fut. Gen.Pl./3.Sg.Präs.Pass.)
samutthitaṃ mahad bhayam
erhoben hat sich große Furcht (Part. Nom.Sg.n.)
atipramāthi dāruṇam
überaus zermalmend, schrecklich (Nom.Sg.n.)
sukhasya saṃvidhīyatām
für das Glück werde Vorsorge getroffen (Gen./Imp.Pass.)

purā mṛtaḥ praṇīyase yamasya mṛtyuśāsanāt; tad antikāya dāruṇaiḥ prayatnam ārjave kuru

„Bevor du, gestorben, auf Yamas Todesbefehl hin fortgeführt wirst, richte darauf, zu dessen Nähe [?], mit den Furchtbaren [?] Anstrengung auf Redlichkeit.“

Wort für Wort
purā mṛtaḥ praṇīyase
bevor du, gestorben, geführt wirst (Adv./Part./3.Sg.Präs.Pass.)
yamasya mṛtyuśāsanāt
auf Yamas Todesbefehl hin (Gen./Abl.)
tad antikāya dāruṇaiḥ
dazu, zur Nähe, mit Furchtbaren [?] (Dat./Instr.Pl.)
prayatnam ārjave kuru
Anstrengung auf Redlichkeit richte (Akk./Lok./Imp.2.Sg.)

Zweiter Halbvers unklar [?]; „tad antikāya dāruṇaiḥ“ nur wörtlich wiedergegeben.

purā samūlabāndhavaṃ prabhur haraty aduḥkhavit; taveha jīvitaṃ yamo na cāsti tasya vārakaḥ

„Bevor der Herr, der kein Leid kennt, dir hier das Leben samt Wurzel und Verwandten raubt – Yama, und es gibt für ihn keinen Abwehrer.“

Wort für Wort
purā samūlabāndhavam
bevor, samt Wurzel und Verwandten (Adv./Akk.)
prabhur harati aduḥkhavit
der Herr raubt, der kein Leid kennt (Nom./3.Sg.Präs./Nom.)
taveha jīvitaṃ yamaḥ
dein hier das Leben, Yama (Gen./Akk./Nom.)
na ca asti tasya vārakaḥ
und es gibt nicht für ihn einen Abwehrer (3.Sg.Präs./Nom.)

purā vivāti māruto yamasya yaḥ puraḥsaraḥ; puraika eva nīyase kuruṣva sāṃparāyikam

„Bevor der Wind weht, der Yamas Vorläufer ist; du wirst als Einzelner [vorn]/allein geführt [?]: sorge [zuvor] für das Jenseits.“

Wort für Wort
purā vivāti māruto
bevor weht der Wind (Adv./3.Sg.Präs./Nom.)
yamasya yaḥ puraḥsaraḥ
der Yamas Vorläufer ist (Gen./Nom.)
pura eka eva nīyase
als Einzelner/vorn geführt wirst du [?] (Adv./Nom./2.Sg.Pass.)
kuruṣva sāṃparāyikam
schaffe [Vorsorge] für das Jenseits (Imp.Med./Akk.)

„puraika eva“ unsicher (pura ekaḥ eva?) [?].

purā sahikka eva te pravāti māruto 'ntakaḥ; purā ca vibhramanti te diśo mahābhayāgame

„Bevor dir der Wind, der Beender, samt Schluckauf zu wehen beginnt; bevor die Himmelsrichtungen schwanken, wenn die große Furcht kommt.“

Wort für Wort
purā sahikka eva te
bevor mit Schluckauf dir (Adv./Nom./Gen.)
pravāti māruto antakaḥ
weht der Wind, der Beender (3.Sg.Präs./Nom.)
purā ca vibhramanti te diśaḥ
und bevor schwanken dir die Himmelsrichtungen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
mahābhayāgame
beim Kommen der großen Furcht (Lok.Sg.)

smṛtiś ca saṃnirudhyate purā taveha putraka; samākulasya gacchataḥ samādhim uttamaṃ kuru

„Und bevor dir hier, Söhnchen, die Erinnerung aufgehalten wird: dem Verwirrten, der dahingeht, bewirke höchste Sammlung.“

Wort für Wort
smṛtiś ca saṃnirudhyate
und die Erinnerung wird gehemmt (Nom./3.Sg.Präs.Pass.)
purā taveha putraka
bevor dir hier, Söhnchen (Adv./Gen./Vok.)
samākulasya gacchataḥ
dem Verwirrten, der geht (Gen.Sg./Part.)
samādhim uttamaṃ kuru
höchste Sammlung mache (Akk./Imp.2.Sg.)

kṛtākṛte śubhāśubhe pramādakarmaviplute; smaran purā na tapyase nidhatsva kevalaṃ nidhim

„Bei Getanem und Ungetanem, Gutem und Schlechtem, vom Handeln in Nachlässigkeit überschwemmt: [wenn du] dich erinnerst, wirst du davor nicht gequält [?]; lege allein den [einen] Schatz nieder.“

Wort für Wort
kṛtākṛte śubhāśubhe
Getanes und Ungetanes, Gutes und Schlechtes (Lok./Akk.Du.)
pramādakarmaviplute
von Nachlässigkeitshandeln überflutet (Lok.Sg.)
smaran purā na tapyase
sich erinnernd, vorher nicht gequält [?] (Part./Adv./2.Sg.Pass.)
nidhatsva kevalaṃ nidhim
lege nieder allein den Schatz (Imp.Med./Adv./Akk.)

Erster Halbvers unsicher: der Bezug von „purā na tapyase“ ist unklar [?].

purā jarā kalevaraṃ vijarjarīkaroti te; balāṅgarūpahāriṇī nidhatsva kevalaṃ nidhim

„Bevor das Alter deinen Leib zermürbt und Kraft, Glieder und Gestalt raubt: lege allein den [einen] Schatz nieder.“

Wort für Wort
purā jarā kalevaram
bevor das Alter den Leib (Adv./Nom./Akk.)
vijarjarīkaroti te
zermürbt dir (3.Sg.Präs./Gen.)
balāṅgarūpahāriṇī
Kraft, Glieder und Gestalt raubend (Nom.Sg.f.)
nidhatsva kevalaṃ nidhim
lege nieder allein den Schatz (Imp.Med./Adv./Akk.)

purā śarīram antako bhinatti rogasāyakaiḥ; prasahya jīvitakṣaye tapo mahat samācara

„Bevor der Beender den Leib mit den Pfeilen der Krankheiten zerbricht: übe mit Kraft große Askese, solange das Leben schwindet.“

Wort für Wort
purā śarīram antako
bevor den Leib der Beender (Adv./Akk./Nom.)
bhinatti rogasāyakaiḥ
zerbricht mit Krankheitspfeilen (3.Sg.Präs./Instr.Pl.)
prasahya jīvitakṣaye
mit Gewalt, beim Schwinden des Lebens (Abs./Lok.)
tapo mahat samācara
große Askese übe (Akk./Imp.2.Sg.)

purā vṛkā bhayaṃkarā manuṣyadehagocarāḥ; abhidravanti sarvato yatasva puṇyaśīlane

„Bevor furchtbare Wölfe, die sich an menschliche Leiber halten, von allen Seiten anstürmen: bemühe dich um das Üben von Verdienstvollem.“

Wort für Wort
purā vṛkā bhayaṃkarāḥ
bevor Wölfe, furchtbare (Adv./Nom.Pl.)
manuṣyadehagocarāḥ
im Bereich menschlicher Leiber weidend (Nom.Pl.)
abhidravanti sarvataḥ
stürmen an, von allen Seiten (3.Pl.Präs./Adv.)
yatasva puṇyaśīlane
bemühe dich um das Üben von Verdienst (Imp.Med./Lok.)

purāndhakāram ekako 'nupaśyasi tvarasva vai; purā hiraṇmayān nagān nirīkṣase 'drimūrdhani

„Bevor du allein die Finsternis erblickst, eile dich fürwahr; bevor du goldene Berge auf dem Gipfel des Berges schaust.“

Wort für Wort
purā andhakāram ekakaḥ
bevor die Finsternis, allein (Adv./Akk./Nom.)
anupaśyasi tvarasva vai
du erblickst; eile fürwahr (2.Sg.Präs./Imp.Med.)
purā hiraṇmayān nagān
bevor goldene Berge/Bäume [?] (Akk.Pl.)
nirīkṣase adrimūrdhani
du schaust auf dem Berggipfel (2.Sg.Präs.Med./Lok.)

„nagān“ kann auch ‚Bäume‘ heißen [?].

purā kusaṃgatāni te suhṛnmukhāś ca śatravaḥ; vicālayanti darśanād ghaṭasva putra yat param

„Bevor üble Begegnungen dich, und Feinde mit Freundesgesichtern, durch ihren Anblick verwirren: bemühe dich, Sohn, um das Höchste.“

Wort für Wort
purā kusaṃgatāni te
bevor üble Zusammentreffen dich (Adv./Nom.Pl.n./Gen.)
suhṛnmukhāś ca śatravaḥ
und Feinde mit Freundesgesichtern (Nom.Pl.)
vicālayanti darśanāt
bringen ins Wanken durch den Anblick (3.Pl.Präs.Kaus./Abl.)
ghaṭasva putra yat param
bemühe dich, Sohn, um das Höchste (Imp.Med./Vok./Akk.)

dhanasya yasya rājato bhayaṃ na cāsti caurataḥ; mṛtaṃ ca yan na muñcati samarjayasva tad dhanam

„Erwirb jenes Vermögen, vor dem es weder vor dem König noch vor dem Dieb Furcht gibt und das den Toten nicht verlässt.“

Wort für Wort
dhanasya yasya rājataḥ bhayaṃ na ca asti
das Vermögen, bei dem es keine Furcht vor dem König gibt (Gen./Abl./Nom.)
caurataḥ
vor dem Dieb (Abl.)
mṛtaṃ ca yan na muñcati
und was den Toten nicht verlässt (Akk./Nom./3.Sg.Präs.)
samarjayasva tad dhanam
erwirb jenes Vermögen (Imp.Med./Akk.)

na tatra saṃvibhajyate svakarmabhiḥ parasparam; yad eva yasya yautakaṃ tad eva tatra so 'śnute

„Dort wird nicht untereinander nach den eigenen Taten aufgeteilt; was einem als Eigengut gehört, eben das genießt er dort.“

Wort für Wort
na tatra saṃvibhajyate
dort wird nicht aufgeteilt (Adv./3.Sg.Präs.Pass.)
svakarmabhiḥ parasparam
durch eigene Taten, untereinander (Instr.Pl./Adv.)
yad eva yasya yautakam
was eben dem einen als Eigengut [gehört] (Nom.Sg.n./Gen.)
tad eva tatra so aśnute
eben das genießt dort er (Akk./Adv./Nom./3.Sg.Präs.Med.)

„yautaka“ eigentlich ‚Mitgift/Eigenbesitz‘.

paratra yena jīvyate tad eva putra dīyatām; dhanaṃ yad akṣayaṃ dhruvaṃ samarjayasva tat svayam

„Was im Jenseits als Lebensunterhalt dient, eben das werde gegeben, Sohn; das unvergängliche, feste Vermögen erwirb selbst.“

Wort für Wort
paratra yena jīvyate
im Jenseits, wodurch gelebt wird (Adv./Instr./3.Sg.Pass.)
tad eva putra dīyatām
eben das, Sohn, werde gegeben (Nom./Vok./Imp.Pass.)
dhanaṃ yad akṣayaṃ dhruvam
das Vermögen, das unvergänglich, fest ist (Akk./Nom.)
samarjayasva tat svayam
erwirb es selbst (Imp.Med./Akk./Adv.)

na yāvad eva pacyate mahājanasya yāvakam; apakva eva yāvake purā praṇīyase tvara

Solange dem großen Volk der Gerstenbrei [?] noch nicht gar wird – noch bevor der Brei gar ist, wirst du [hinweg]geführt; eile!

Wort für Wort
na yāvad eva pacyate
solange nicht gar wird (Pass. 3.Sg.Präs.)
mahājanasya yāvakam
dem großen Volk [gehört] der Gerstenbrei [?] (Gen.Sg./Nom.Sg.)
apakva eva yāvake
während der Brei noch ungar ist (Lok. abs.)
purā praṇīyase
zuvor wirst du fortgeführt (Pass. 2.Sg.Präs.)
tvara
eile (Imp. 2.Sg.)

yāvaka: Bedeutung unsicher (Gerstenbrei/Speise, bildlich für das Lebenswerk).

na mātṛpitṛbāndhavā na saṃstutaḥ priyo janaḥ; anuvrajanti saṃkaṭe vrajantam ekapātinam

Nicht Mutter, Vater und Verwandte, nicht der vertraute, liebe Mensch folgen dem in der Not dahingehenden, der allein [seinen] Fuß setzt.

Wort für Wort
na mātṛpitṛbāndhavā
nicht Mutter, Vater, Verwandte (Nom.Pl.)
na saṃstutaḥ priyo janaḥ
nicht der vertraute, liebe Mensch (Nom.Sg.)
anuvrajanti saṃkaṭe
sie folgen in der Not (3.Pl.Präs./Lok.)
vrajantam ekapātinam
dem Gehenden, der allein schreitet (Akk.Sg.)

yad eva karma kevalaṃ svayaṃ kṛtaṃ śubhāśubham; tad eva tasya yautakaṃ bhavaty amutra gacchataḥ

Nur das Werk, das man ganz allein selbst getan hat, gut oder schlecht – eben das ist ihm die Mitgift, wenn er ins Jenseits geht.

Wort für Wort
yad eva karma kevalaṃ
gerade das Werk, allein (Nom./Akk.Sg.n.)
svayaṃ kṛtaṃ śubhāśubham
selbst getan, Gutes und Schlechtes (Part.Perf.Pass.)
tad eva tasya yautakam
eben das ist ihm die Mitgift (Nom.Sg.n.)
bhavaty amutra gacchataḥ
es wird für den ins Jenseits Gehenden (3.Sg.Präs./Gen.Sg.)

hiraṇyaratnasaṃcayāḥ śubhāśubhena saṃcitāḥ; na tasya dehasaṃkṣaye bhavanti kāryasādhakāḥ

Schätze an Gold und Juwelen, durch Gutes und Schlechtes angehäuft, werden beim Schwinden seines Körpers nicht zu Vollbringern seines Ziels.

Wort für Wort
hiraṇyaratnasaṃcayāḥ
Anhäufungen von Gold und Juwelen (Nom.Pl.)
śubhāśubhena saṃcitāḥ
durch Gutes und Schlechtes angesammelt (Instr./Part.Pass.)
na tasya dehasaṃkṣaye
nicht für ihn beim Schwund des Leibes (Lok.)
bhavanti kāryasādhakāḥ
werden sie Vollbringer des Zwecks (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

paratragāmikasya te kṛtākṛtasya karmaṇaḥ; na sākṣir ātmanā samo nṛṇām ihāsti kaś cana

Für dein ins Jenseits gehendes Werk, das Getane und Nichtgetane, gibt es hier unter den Menschen keinen Zeugen, der dem Selbst gleich wäre.

Wort für Wort
paratragāmikasya te
für dich, der [Werk], das ins Jenseits geht (Gen.Sg.)
kṛtākṛtasya karmaṇaḥ
des getanen und ungetanen Werkes (Gen.Sg.)
na sākṣir ātmanā samo
kein Zeuge, dem Selbst gleich (Nom.Sg./Instr.Sg.)
nṛṇām ihāsti kaś cana
unter Menschen hier ist irgendeiner (Gen.Pl./3.Sg.Präs.)

Syntax des ersten Pādas locker; te wohl zu karmaṇaḥ (‚dein Werk‘).

manuṣyadehaśūnyakaṃ bhavaty amutra gacchataḥ; prapaśya buddhicakṣuṣā pradṛśyate hi sarvataḥ

Für den, der ins Jenseits geht, wird [dieses Dasein] leer vom Menschenleib [?]; sieh mit dem Auge der Einsicht: es wird ja überall sichtbar.

Wort für Wort
manuṣyadehaśūnyakaṃ
leer vom Menschenleib (Nom.Sg.n.)
bhavaty amutra gacchataḥ
wird es für den ins Jenseits Gehenden (3.Sg.Präs./Gen.)
prapaśya buddhicakṣuṣā
sieh mit dem Auge der Einsicht (Imp./Instr.)
pradṛśyate hi sarvataḥ
es wird ja ringsum sichtbar (Pass. 3.Sg.Präs.)

Zweiter Halbvers in Bezug und Sinn unsicher.

ihāgnisūryavāyavaḥ śarīram āśritās trayaḥ; ta eva tasya sākṣiṇo bhavanti dharmadarśinaḥ

Hier haben sich Agni, Sūrya und Vāyu, die drei, im Körper niedergelassen; eben sie werden die Zeugen dessen, die das Dharma schauen.

Wort für Wort
ihāgnisūryavāyavaḥ
hier Agni, Sūrya, Vāyu (Nom.Pl.)
śarīram āśritās trayaḥ
im Körper wohnend, die drei (Akk./Part.Perf.Pass./Nom.)
ta eva tasya sākṣiṇo
eben sie sind seine Zeugen (Nom.Pl.)
bhavanti dharmadarśinaḥ
sie werden, das Dharma Schauende (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

yathāniśeṣu sarvataḥspṛśatsu sarvadāriṣu; prakāśagūḍhavṛttiṣu svadharmam eva pālaya

Bei denen, wie sie ohne Rest sind, überall berührend, alles zerreißend, deren Wirken teils offen, teils verborgen ist [?]: hüte nur dein eigenes Dharma.

Wort für Wort
yathāniśeṣu
wie sie ohne Rest sind [?] (Lok.Pl.)
sarvataḥspṛśatsu sarvadāriṣu
überall berührend, alles spaltend (Lok.Pl.)
prakāśagūḍhavṛttiṣu
deren Wirken offen und verborgen ist (Lok.Pl.)
svadharmam eva pālaya
nur das eigene Dharma behüte (Akk./Imp.)

Verse dunkel; Lesart und Bezug der Lokative unsicher.

anekapāripanthike virūparaudrarakṣite; svam eva karma rakṣyatāṃ svakarma tatra gacchati

Auf [dem Weg], der viele Wegelagerer hat, von entstellten, furchtbaren [Wesen] bewacht, möge allein das eigene Werk geschützt werden; das eigene Werk geht dorthin [mit].

Wort für Wort
anekapāripanthike
mit vielen Wegelagerern/Hindernissen (Lok.)
virūparaudrarakṣite
von Entstellten und Furchtbaren bewacht (Lok.)
svam eva karma rakṣyatām
nur das eigene Werk werde geschützt (Pass.Imp.)
svakarma tatra gacchati
das eigene Werk geht dorthin (3.Sg.Präs.)

na tatra saṃvibhajyate svakarmaṇā parasparam; yathākṛtaṃ svakarmajaṃ tad eva bhujyate phalam

Dort wird nicht untereinander durch das eigene Werk geteilt; wie es getan wurde, aus dem eigenen Werk geboren – eben diese Frucht wird genossen.

Wort für Wort
na tatra saṃvibhajyate
nicht wird dort geteilt (Pass. 3.Sg.Präs.)
svakarmaṇā parasparam
durch das eigene Werk, gegenseitig (Instr./Adv.)
yathākṛtaṃ svakarmajaṃ
wie getan, aus eigenem Werk geboren
tad eva bhujyate phalam
eben diese Frucht wird genossen (Pass.)

yathāpsarogaṇāḥ phalaṃ sukhaṃ maharṣibhiḥ saha; tathāpnuvanti karmato vimānakāmagāminaḥ

Wie die Scharen der Apsaras Frucht und Glück zusammen mit den großen Sehern [erlangen], so erlangen es durch ihr Tun jene, die nach Belieben in Himmelswagen fahren [?].

Wort für Wort
yathāpsarogaṇāḥ
wie die Scharen der Apsaras (Nom.Pl.)
phalaṃ sukhaṃ maharṣibhiḥ saha
Frucht, Glück, mit den großen Sehern (Akk./Instr.)
tathāpnuvanti karmataḥ
so erlangen sie durch Tun (3.Pl.Präs.)
vimānakāmagāminaḥ
die im Himmelswagen nach Wunsch Fahrenden (Nom.Pl.)

Syntax des ersten Halbverses elliptisch.

yatheha yat kṛtaṃ śubhaṃ vipāpmabhiḥ kṛtātmabhiḥ; tad āpnuvanti mānavās tathā viśuddhayonayaḥ

Was hier von Sündlosen mit geschultem Selbst an Gutem getan wurde, eben das erlangen die Menschen, und so [gelangen sie zu] reiner Geburt.

Wort für Wort
yatheha yat kṛtaṃ śubhaṃ
wie hier das Gute getan wurde (Part.Pass.)
vipāpmabhiḥ kṛtātmabhiḥ
von Sündlosen, Selbstgeschulten (Instr.Pl.)
tad āpnuvanti mānavāḥ
das erlangen die Menschen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
tathā viśuddhayonayaḥ
so [mit] reinem Schoß/reiner Herkunft (Nom.Pl.)

viśuddhayonayaḥ: Bezug unsicher.

prajāpateḥ salokatāṃ bṛhaspateḥ śatakratoḥ; vrajanti te parāṃ gatiṃ gṛhasthadharmasetubhiḥ

Sie gehen zur Weltgemeinschaft mit Prajāpati, mit Bṛhaspati, mit Śatakratu, auf den höchsten Weg, durch die Dämme der Hausvaterpflicht.

Wort für Wort
prajāpateḥ salokatāṃ
Weltgemeinschaft mit Prajāpati (Akk.Sg.)
bṛhaspateḥ śatakratoḥ
[mit] Bṛhaspati, [mit] Śatakratu (Gen.)
vrajanti te parāṃ gatiṃ
sie gehen den höchsten Weg (3.Pl.Präs./Akk.)
gṛhasthadharmasetubhiḥ
durch die Dämme der Hausvaterpflicht (Instr.Pl.)

sahasraśo 'py anekaśaḥ pravaktum utsahāmahe; abuddhimohanaṃ punaḥ prabhur vinā na yāvakam

Tausendfach, ja vielfach vermögen wir es darzulegen; die Verblendung der Unverständigen aber [wird] ohne den Herrn nicht [behoben], ohne yāvaka [?].

Wort für Wort
sahasraśo 'py anekaśaḥ
tausendfach, auch vielfach
pravaktum utsahāmahe
wir vermögen zu sagen (Inf./1.Pl.Med.)
abuddhimohanaṃ punaḥ
die Verblendung der Unverständigen, aber (Nom./Akk.Sg.n.)
prabhur vinā na yāvakam
der Herr, ohne, nicht yāvaka [?]

Zweiter Halbvers verderbt bzw. unklar; Wiedergabe unsicher.

gatā dviraṣṭavarṣatā dhruvo 'si pañcaviṃśakaḥ; kuruṣva dharmasaṃcayaṃ vayo hi te 'tivartate

Sechzehn Jahre sind vergangen; du stehst [nun] fest im fünfundzwanzigsten [?]. Sammle einen Schatz an Dharma, denn dein Alter schreitet voran.

Wort für Wort
gatā dviraṣṭavarṣatā
gegangen die Sechzehnjährigkeit (Part.Perf.Pass. Fem.)
dhruvo 'si pañcaviṃśakaḥ
du bist gewiss der Fünfundzwanzigste [?] (2.Sg./Nom.)
kuruṣva dharmasaṃcayaṃ
mache dir Anhäufung von Dharma (Imp.Med.)
vayo hi te 'tivartate
denn dein Alter schreitet über [hinaus] (3.Sg.Präs.)

pañcaviṃśakaḥ: Bedeutung unsicher.

purā karoti so 'ntakaḥ pramādagomukhaṃ damam; yathāgṛhītam utthitaṃ tvarasva dharmapālane

Ehe jener Beender [der Tod] die Bändigung [?] zum Kuhmaul der Nachlässigkeit macht, eile dich, wie du es ergriffen hast, aufgestanden, im Bewahren des Dharma.

Wort für Wort
purā karoti so 'ntakaḥ
bevor jener Beender macht (3.Sg.Präs.)
pramādagomukhaṃ damam
Bändigung [?] zum Kuhmaul der Nachlässigkeit [?] (Akk.)
yathāgṛhītam utthitam
wie ergriffen, aufgestanden (Part.)
tvarasva dharmapālane
eile dich beim Hüten des Dharma (Imp.Med./Lok.)

Erster Halbvers unklar.

yadā tvam eva pṛṣṭhatas tvam agrato gamiṣyasi; tathā gatiṃ gamiṣyataḥ kim ātmanā pareṇa vā

Wenn du selbst hinter [dir] und du selbst vor [dir] gehen wirst [?], dann – was gilt für die, die so einen Weg gehen werden, das eigene Selbst oder ein anderer?

Wort für Wort
yadā tvam eva pṛṣṭhatas
wenn du selbst hinten (Adv.)
tvam agrato gamiṣyasi
du vorn wirst gehen (Fut. 2.Sg.)
tathā gatiṃ gamiṣyataḥ
dann für die, die einen Weg gehen werden (Part.Fut. Gen./Lok.)
kim ātmanā pareṇa vā
was [gilt] das Selbst oder ein anderer (Instr./Nom.)

Vers syntaktisch und inhaltlich unsicher.

yad ekapātināṃ satāṃ bhavaty amutra gacchatām; bhayeṣu sāṃparāyikaṃ nidhatsva taṃ mahānidhim

Was für die allein gehenden Guten ist, die ins Jenseits gehen: lege dir in den Gefahren jenen großen Schatz an, der für das Jenseits gilt.

Wort für Wort
yad ekapātināṃ satāṃ
was für die allein schreitenden Guten (Gen.Pl.)
bhavaty amutra gacchatām
ist für die ins Jenseits Gehenden (Gen.Pl.)
bhayeṣu sāṃparāyikaṃ
in Gefahren [das] für das Jenseits Bestimmte (Lok./Akk.)
nidhatsva taṃ mahānidhim
lege nieder jenen großen Schatz (Imp.Med./Akk.)

sakūlamūlabāndhavaṃ prabhur haraty asaṅgavān; na santi yasya vārakāḥ kuruṣva dharmasaṃnidhim

Der ungebundene Herr [Tod] rafft [den Menschen] samt Ufer [?], Wurzel und Verwandten fort; für den, der keine Abwehrer hat, schaffe dir eine Ansammlung des Dharma.

Wort für Wort
sakūlamūlabāndhavaṃ
samt Ufer [?], Wurzel und Verwandten (Akk.)
prabhur haraty asaṅgavān
der Herr raubt, ungebunden (3.Sg.Präs./Nom.)
na santi yasya vārakāḥ
für den es keine Abwehrer gibt (3.Pl.Präs.)
kuruṣva dharmasaṃnidhim
schaffe Dharma-Vorrat (Imp.Med./Akk.)

sakūla-: Bedeutung unsicher.

idaṃ nidarśanaṃ mayā taveha putra saṃmatam; svadarśanānumānataḥ pravarṇitaṃ kuruṣva tat

Dieses Beispiel, mein Sohn, ist dir hier von mir als gebilligt [dargelegt], aus eigener Anschauung und Schlussfolgerung geschildert; tu danach.

Wort für Wort
idaṃ nidarśanaṃ mayā
dieses Beispiel von mir (Nom./Instr.)
taveha putra saṃmatam
dir hier, Sohn, gebilligt (Gen./Vok./Part.)
svadarśanānumānataḥ
aus eigener Anschauung und Schlussfolgerung (Abl.)
pravarṇitaṃ kuruṣva tat
geschildert; tue das (Part./Imp.Med.)

dadhāti yaḥ svakarmaṇā dhanāni yasya kasya cit; abuddhimohajair guṇaiḥ śataika eva yujyate

Wer durch sein eigenes Werk irgendeines beliebigen Reichtümer [an sich] bringt, der wird durch die aus Unverstand und Verblendung geborenen Eigenschaften nur unter Hunderten [einer] verbunden [?].

Wort für Wort
dadhāti yaḥ svakarmaṇā
wer durch eigenes Werk bringt/setzt (3.Sg.Präs.)
dhanāni yasya kasya cit
Reichtümer irgendeines (Akk.Pl./Gen.)
abuddhimohajair guṇaiḥ
durch aus Unverstand und Verblendung geborene Eigenschaften (Instr.Pl.)
śataika eva yujyate
nur einer von hundert wird verbunden [?] (Pass. 3.Sg.)

Verderbt oder sehr dunkel; Wiedergabe unsicher.

śrutaṃ samartham astu te prakurvataḥ śubhāḥ kriyāḥ; tad eva tatra darśanaṃ kṛtajñam arthasaṃhitam

Dein Wissen sei tüchtig, wenn du gute Taten vollbringst; eben das ist dort die Einsicht, dankbar und dem Zweck dienlich.

Wort für Wort
śrutaṃ samartham astu te
das Gehörte sei tüchtig für dich (3.Sg.Imp.)
prakurvataḥ śubhāḥ kriyāḥ
für den, der gute Taten vollbringt (Gen.Sg./Akk.Pl.)
tad eva tatra darśanaṃ
eben das ist dort Einsicht (Nom.)
kṛtajñam arthasaṃhitam
dankbar [?], zweckdienlich (Nom.Sg.n.)

nibandhanī rajjur eṣā yā grāme vasato ratiḥ; chittvaināṃ sukṛto yānti naināṃ chindanti duṣkṛtaḥ

Dies ist das fesselnde Seil: die Lust dessen, der im Dorf wohnt. Die Tugendhaften gehen fort, wenn sie es zerschnitten haben; die Übeltäter zerschneiden es nicht.

Wort für Wort
nibandhanī rajjur eṣā
dies ist das fesselnde Seil (Nom.Sg.f.)
yā grāme vasato ratiḥ
nämlich die Lust des im Dorf Wohnenden (Nom./Gen./Lok.)
chittvaināṃ sukṛto yānti
die Tugendhaften gehen, es zerschnitten habend (Abs./3.Pl.)
naināṃ chindanti duṣkṛtaḥ
die Übeltäter zerschneiden es nicht (3.Pl.Präs.)

kiṃ te dhanena kiṃ bandhubhis te; kiṃ te putraiḥ putraka yo mariṣyasi; ātmānam anviccha guhāṃ praviṣṭaṃ; pitāmahās te kva gatāś ca sarve

Was nützt dir Reichtum, was Verwandte, was dir Söhne, mein Söhnchen, der du sterben wirst? Suche das Selbst, das in die Höhle eingegangen ist. Wohin sind deine Ahnen alle gegangen?

Wort für Wort
kiṃ te dhanena
was dir mit Reichtum (Instr.)
kiṃ bandhubhis te
was dir mit Verwandten (Instr.Pl.)
kiṃ te putraiḥ putraka yo mariṣyasi
was dir mit Söhnen, Söhnchen, der du sterben wirst (Vok./Fut.)
ātmānam anviccha guhāṃ praviṣṭaṃ
suche das Selbst, in die Höhle eingetreten (Imp./Akk.)
pitāmahās te kva gatāś ca sarve
deine Ahnen, wohin sind sie alle gegangen (Nom.Pl./Part.)

śvaḥkāryam adya kurvīta pūrvāhṇe cāparāhṇikam

Was für morgen zu tun ist, soll man heute tun, und was für den Nachmittag [bestimmt ist], am Vormittag.

Wort für Wort
śvaḥkāryam adya kurvīta
was morgen zu tun ist, heute man tue (Opt.Med.)
pūrvāhṇe cāparāhṇikam
am Vormittag das [Werk] des Nachmittags

na hi pratīkṣate mṛtyuḥ kṛtaṃ vāsya na vā kṛtam

Denn der Tod wartet nicht [darauf], ob sein Werk getan oder nicht getan ist.

Wort für Wort
na hi pratīkṣate mṛtyuḥ
denn nicht wartet der Tod (3.Sg.Präs.)
kṛtaṃ vāsya na vā kṛtam
ob von diesem [etwas] getan wurde oder nicht getan

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ko hi tad veda kasyādya mṛtyusenā nivekṣyate

Wer weiß es denn, bei wem heute das Heer des Todes sein Lager beziehen wird?

Wort für Wort
ko hi tad veda
wer weiß dies (3.Sg.Perf.-Präs.)
kasyādya
wessen/bei wem heute
mṛtyusenā nivekṣyate
das Heer des Todes wird sich niederlassen (Fut.Med.)

anugamya śmaśānāntaṃ nivartantīha bāndhavāḥ; agnau prakṣipya puruṣaṃ jñātayaḥ suhṛdas tathā

Die Verwandten folgen [dem Toten] bis zum Ende des Leichenfelds und kehren hier um, nachdem die Angehörigen und Freunde den Menschen ins Feuer geworfen haben.

Wort für Wort
anugamya śmaśānāntaṃ
gefolgt bis zum Ende des Leichenfelds (Abs.)
nivartantīha bāndhavāḥ
hier kehren um die Verwandten (3.Pl.Präs.)
agnau prakṣipya puruṣaṃ
ins Feuer geworfen habend den Menschen (Abs./Lok.)
jñātayaḥ suhṛdas tathā
Angehörige und ebenso Freunde (Nom.Pl.)

nāstikān niranukrośān narān pāpamatau sthitān; vāmataḥ kuru viśrabdhaṃ paraṃ prepsur atandritaḥ

Die Leugner, die Erbarmungslosen, die Männer, die in sündigem Sinn verharren – lass sie zur Linken [liegen], unbekümmert, das Jenseits erstrebend, unermüdlich.

Wort für Wort
nāstikān niranukrośān
die Leugner, Mitleidlosen (Akk.Pl.)
narān pāpamatau sthitān
Männer, im sündigen Denken stehend (Akk.Pl./Lok.)
vāmataḥ kuru viśrabdhaṃ
links mache [sie], unbesorgt (Imp./Adv.)
paraṃ prepsur atandritaḥ
das Jenseits erstrebend, unermüdlich (Nom.Sg.)

evam abhyāhate loke kālenopanipīḍite; sumahad dhairyam ālambya dharmaṃ sarvātmanā kuru

Da die Welt so bedrängt und von der Zeit gequält ist, fasse sehr große Standhaftigkeit und übe das Dharma mit ganzem Wesen.

Wort für Wort
evam abhyāhate loke
in der so getroffenen Welt (Lok.abs.)
kālenopanipīḍite
von der Zeit gequält (Instr./Part.)
sumahad dhairyam ālambya
sehr große Festigkeit ergriffen habend (Abs.)
dharmaṃ sarvātmanā kuru
das Dharma mit ganzem Selbst übe (Imp.)

athemaṃ darśanopāyaṃ samyag yo vetti mānavaḥ; samyak sa dharmaṃ kṛtveha paratra sukham edhate

Wer aber diesen Weg der Einsicht recht kennt, der Mensch, der geht, nachdem er hier recht das Dharma geübt hat, im Jenseits dem Glück entgegen.

Wort für Wort
athemaṃ darśanopāyaṃ
nun diesen Weg/Weg der Einsicht (Akk.)
samyag yo vetti mānavaḥ
der recht kennt, der Mensch (3.Sg.Präs.)
samyak sa dharmaṃ kṛtveha
der, recht Dharma hier getan habend (Abs.)
paratra sukham edhate
im Jenseits gedeiht er im Glück (3.Sg.Präs.Med.)

na dehabhede maraṇaṃ vijānatāṃ; na ca praṇāśaḥ svanupālite pathi; dharmaṃ hi yo vardhayate sa paṇḍito; ya eva dharmāc cyavate sa muhyati

Für die Wissenden gibt es im Zerfall des Leibes keinen Tod, und keinen Untergang auf gut behütetem Pfad. Denn wer das Dharma mehrt, der ist ein Weiser; wer vom Dharma abfällt, der ist verwirrt.

Wort für Wort
na dehabhede maraṇaṃ vijānatāṃ
nicht im Leibeszerfall Tod für die Wissenden (Lok./Gen.Pl.)
na ca praṇāśaḥ svanupālite pathi
und nicht Untergang auf gut behütetem Pfad (Lok.)
dharmaṃ hi yo vardhayate sa paṇḍito
denn wer das Dharma mehrt, der ist gelehrt (3.Sg.Präs.)
ya eva dharmāc cyavate sa muhyati
wer vom Dharma abfällt, der ist verwirrt (3.Sg.)

prayuktayoḥ karmapathi svakarmaṇoḥ; phalaṃ prayoktā labhate yathāvidhi; nihīnakarmā nirayaṃ prapadyate; triviṣṭapaṃ gacchati dharmapāragaḥ

Von zwei auf dem Pfad des Handelns eingesetzten eigenen Werken erlangt der Handelnde die Frucht nach der Ordnung; wer niedrig handelt, gelangt in die Hölle, wer das Dharma bis ans Ende durchschritten hat, geht zum Triviṣṭapa [Himmel].

Wort für Wort
prayuktayoḥ karmapathi svakarmaṇoḥ
von zwei eingesetzten eigenen Werken auf dem Handlungspfad (Gen.Du./Lok.) [?]
phalaṃ prayoktā labhate yathāvidhi
der Handelnde erlangt die Frucht nach Vorschrift (3.Sg.Präs.Med.)
nihīnakarmā nirayaṃ prapadyate
wer niedrig handelt, gelangt in die Hölle (3.Sg.Präs.Med.)
triviṣṭapaṃ gacchati dharmapāragaḥ
zum Himmel geht der, der das Dharma durchschritten hat

Erste Zeile syntaktisch unsicher (Dual).

sopānabhūtaṃ svargasya mānuṣyaṃ prāpya durlabham; tathātmānaṃ samādadhyād bhraśyeta na punar yathā

Wenn man das schwer erreichbare Menschsein erlangt hat, das zur Stiege des Himmels wird, so sammle man sich so, dass man nicht wieder abstürzt.

Wort für Wort
sopānabhūtaṃ svargasya
zur Stiege des Himmels geworden (Akk./Gen.)
mānuṣyaṃ prāpya durlabham
Menschsein, schwer erreichbar, erlangt habend (Abs.)
tathātmānaṃ samādadhyād
so möge er sich sammeln (Opt.)
bhraśyeta na punar yathā
so dass er nicht wieder fällt (Opt.Med.)

yasya notkrāmati matiḥ svargamārgānusāriṇī; tam āhuḥ puṇyakarmāṇam aśocyaṃ mitrabāndhavaiḥ

Dessen Sinn nicht abweicht, sondern dem Weg zum Himmel folgt, den nennt man einen Mann guter Werke, den seine Freunde und Verwandten nicht zu beklagen brauchen.

Wort für Wort
yasya notkrāmati matiḥ
dessen Sinn nicht abweicht (3.Sg.Präs.)
svargamārgānusāriṇī
dem Himmelsweg folgend (Nom.Sg.f.)
tam āhuḥ puṇyakarmāṇam
ihn nennen sie einen Mann guter Werke (3.Pl.Perf.)
aśocyaṃ mitrabāndhavaiḥ
nicht zu beklagen von Freunden und Verwandten (Instr.Pl.)

yasya nopahatā buddhir niścayeṣv avalambate; svarge kṛtāvakāśasya tasya nāsti mahad bhayam

Wessen Einsicht, unverletzt, an den Entschlüssen festhält, für den, der im Himmel sich Raum geschaffen hat, gibt es keine große Furcht.

Wort für Wort
yasya nopahatā buddhir
dessen Einsicht unverletzt (Nom.Sg.f.)
niścayeṣv avalambate
hält sich an den Entschlüssen (3.Sg.Präs.Med.)
svarge kṛtāvakāśasya
für den, der im Himmel Raum gemacht hat (Gen./Lok.)
tasya nāsti mahad bhayam
für ihn gibt es keine große Furcht

tapovaneṣu ye jātās tatraiva nidhanaṃ gatāḥ; teṣām alpataro dharmaḥ kāmabhogam ajānatām

Die in Askesewäldern geboren wurden und dort auch ihr Ende fanden – deren Dharma ist geringer, denn sie kannten den Genuss der Wünsche nicht.

Wort für Wort
tapovaneṣu ye jātās
die in Askesewäldern Geborenen (Lok.Pl./Part.)
tatraiva nidhanaṃ gatāḥ
dort eben zum Tod gegangen (Part.)
teṣām alpataro dharmaḥ
deren Dharma ist geringer (Nom.Sg.Komp.)
kāmabhogam ajānatām
da sie den Genuss der Wünsche nicht kannten (Gen.Pl.Part.)

yas tu bhogān parityajya śarīreṇa tapaś caret; na tena kiṃ cin na prāptaṃ tan me bahumataṃ phalam

Wer aber, die Genüsse aufgebend, mit dem Leib Askese übt, dem bleibt nichts unerreicht; diese Frucht halte ich für hochgeschätzt.

Wort für Wort
yas tu bhogān parityajya
wer aber, Genüsse aufgegeben habend (Abs.)
śarīreṇa tapaś caret
mit dem Leib Askese übe (Opt.)
na tena kiṃ cin na prāptaṃ
von ihm ist nichts nicht erreicht (Part.)
tan me bahumataṃ phalam
diese Frucht ist mir hochgeschätzt (Nom.)

mātāpitṛsahasrāṇi putradāraśatāni ca; anāgatāny atītāni kasya te kasya vā vayam

Tausende von Müttern und Vätern, Hunderte von Söhnen und Ehefrauen sind zukünftig und vergangen; wessen sind sie, oder wessen sind wir?

Wort für Wort
mātāpitṛsahasrāṇi
Tausende von Müttern und Vätern (Nom.Pl.)
putradāraśatāni ca
und Hunderte von Söhnen und Frauen
anāgatāny atītāni
zukünftige, vergangene
kasya te kasya vā vayam
wessen [sind] jene, oder wessen wir

aham eko na me kaś cid ahaṃ vāpi na kasya cit; taṃ na paśyāmi yasyāhaṃ taṃ na paśyāmi yo mama

Ich bin allein, keiner gehört mir, und auch ich gehöre niemandem; ich sehe den nicht, dem ich gehöre, ich sehe den nicht, der mir gehört.

Wort für Wort
aham eko na me kaś cid
ich [bin] allein, mir [gehört] keiner
ahaṃ vāpi na kasya cit
und ich [gehöre] niemandem
taṃ na paśyāmi yasyāham
ihn sehe ich nicht, dem ich [gehöre]
taṃ na paśyāmi yo mama
ihn sehe ich nicht, der mein [ist]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

na teṣāṃ bhavatā kāryaṃ na kāryaṃ tava tair api; svakṛtais tāni yātāni bhavāṃś caiva gamiṣyati

Du hast mit ihnen nichts zu schaffen, und sie nicht mit dir; durch ihr eigenes Tun sind sie gegangen, und auch du wirst gehen.

Wort für Wort
na teṣāṃ bhavatā kāryaṃ
nicht ist von ihnen dein Zweck [?] (Instr./Nom.)
na kāryaṃ tava tair api
und nicht dein Zweck mit jenen
svakṛtais tāni yātāni
durch Selbstgetanes sind jene gegangen (Instr./Part.)
bhavāṃś caiva gamiṣyati
und auch du wirst gehen (Fut. 3.Sg.)

iha loke hi dhaninaḥ paro 'pi svajanāyate; svajanas tu daridrāṇāṃ jīvatām eva naśyati

Hier in der Welt hält selbst ein Fremder sich für einen Angehörigen des Reichen; der Angehörige der Armen aber schwindet, während sie noch leben.

Wort für Wort
iha loke hi dhaninaḥ
hier in der Welt des Reichen (Lok./Gen.)
paro 'pi svajanāyate
selbst ein Fremder benimmt sich als Verwandter (3.Sg.Denom.)
svajanas tu daridrāṇāṃ
der Verwandte aber der Armen (Gen.Pl.)
jīvatām eva naśyati
schwindet, während sie leben (Gen.Pl./3.Sg.)

saṃcinoty aśubhaṃ karma kalatrāpekṣayā naraḥ; tataḥ kleśam avāpnoti paratreha tathaiva ca

Ein Mensch häuft im Hinblick auf die Ehefrau schlechtes Werk an; daher erlangt er Leid, hier wie im Jenseits.

Wort für Wort
saṃcinoty aśubhaṃ karma
er häuft Schlechtes an, Werk (3.Sg.Präs.)
kalatrāpekṣayā naraḥ
aus Rücksicht auf die Gattin, der Mann (Instr.)
tataḥ kleśam avāpnoti
daher erlangt er Leid (3.Sg.Präs.)
paratreha tathaiva ca
im Jenseits, hier, und ebenso

paśya tvaṃ chidrabhūtaṃ hi jīvalokaṃ svakarmaṇā; tat kuruṣva tathā putra kṛtsnaṃ yat samudāhṛtam

Sieh, du, die Welt der Lebenden ist durch das eigene Werk löchrig geworden; darum tu, Sohn, all das, was [hier] dargelegt wurde.

Wort für Wort
paśya tvaṃ chidrabhūtaṃ hi
sieh du, löchrig geworden ja (Imp./Akk.)
jīvalokaṃ svakarmaṇā
die Lebenswelt durch eigenes Werk (Akk./Instr.)
tat kuruṣva tathā putra
das tue so, Sohn (Imp.Med./Vok.)
kṛtsnaṃ yat samudāhṛtam
all das, was dargelegt wurde (Part.)

chidrabhūta: ‚löchrig, mit Lücken‘; Sinn nicht ganz sicher.

tad etat saṃpradṛśyaiva karmabhūmiṃ praviśya tām; śubhāny ācaritavyāni paralokam abhīpsatā

Dies also recht erblickt und in dieses Feld des Handelns eingetreten, soll man Gutes tun, wenn man die jenseitige Welt erstrebt.

Wort für Wort
tad etat saṃpradṛśyaiva
dies also recht erblickt habend (Abs.)
karmabhūmiṃ praviśya tām
in jenes Handlungsfeld eingetreten (Abs./Akk.)
śubhāny ācaritavyāni
Gutes ist zu tun (Gerundiv Nom.Pl.n.)
paralokam abhīpsatā
von dem, der die Jenseitswelt erstrebt (Instr.)

māsartusaṃjñāparivartakena; sūryāgninā rātridivendhanena; svakarmaniṣṭhāphalasākṣikeṇa; bhūtāni kālaḥ pacati prasahya

Mit dem [Feuer], das durch Monate, Jahreszeiten und Zeiteinteilungen umrührt, mit der Sonne als Feuer, mit Nacht und Tag als Brennholz, mit dem Zeugen der Frucht des Verharrens im eigenen Werk kocht die Zeit die Wesen gewaltsam gar.

Wort für Wort
māsartusaṃjñāparivartakena
mit dem durch Monate, Jahreszeiten, Einteilungen Umrührenden (Instr.)
sūryāgninā rātridivendhanena
mit Sonne als Feuer, Nacht und Tag als Brennstoff (Instr.)
svakarmaniṣṭhāphalasākṣikeṇa
mit dem Zeugen der Frucht des Beharrens im eigenen Werk (Instr.)
bhūtāni kālaḥ pacati prasahya
die Wesen kocht die Zeit gewaltsam (3.Sg.Präs./Abs.)

dhanena kiṃ yan na dadāti nāśnute; balena kiṃ yena ripūn na bādhate; śrutena kiṃ yena na dharmam ācaret; kim ātmanā yo na jitendriyo vaśī

Was nützt Reichtum, wenn man ihn nicht gibt und nicht genießt? Was Kraft, mit der man die Feinde nicht bezwingt? Was Gelehrsamkeit, mit der man nicht das Dharma übt? Was das Selbst, das die Sinne nicht besiegt hat und nicht beherrscht?

Wort für Wort
dhanena kiṃ yan na dadāti nāśnute
was [nützt] Reichtum, den man weder gibt noch genießt (Instr./3.Sg.)
balena kiṃ yena ripūn na bādhate
was Kraft, womit man die Feinde nicht bedrängt (Instr.)
śrutena kiṃ yena na dharmam ācaret
was Wissen, womit man nicht Dharma übt (Opt.)
kim ātmanā yo na jitendriyo vaśī
was ein Selbst, das nicht sinnenbesiegt, nicht beherrscht ist (Instr.)

idaṃ dvaipāyanavaco hitam uktaṃ niśamya tu; śuko gataḥ parityajya pitaraṃ mokṣadeśikam

Nachdem Śuka diese heilsame Rede Dvaipāyanas [Vyāsas] gehört hatte, ging er fort und verließ den Vater, der ihm den Weg zur Erlösung wies.

Wort für Wort
idaṃ dvaipāyanavaco
diese Rede Dvaipāyanas (Akk.Sg.n.)
hitam uktaṃ niśamya tu
die heilsame, gesprochene, gehört habend (Abs.)
śuko gataḥ parityajya
Śuka ging, verlassend (Part./Abs.)
pitaraṃ mokṣadeśikam
den Vater, Erlösungslehrer (Akk.Sg.)

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