Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 15: daṇḍapraśaṃsā Arjunas Lobrede auf die Strafgewalt und die Pflicht des Königs, Feinde zu töten

Arjuna antwortet auf Draupadīs Rede und hält Yudhiṣṭhira die Notwendigkeit der Strafgewalt (daṇḍa) für den Bestand von Weltordnung und Dharma vor; er beruft sich auf das Gesetz, dass Wesen von Wesen leben.

vaiśaṃpāyana uvāca; yājñasenyā vacaḥ śrutvā punar evārjuno 'bravīt; anumānya mahābāhuṃ jyeṣṭhaṃ bhrātaram īśvaram

Vaiśaṃpāyana sprach: Als Arjuna die Worte der Yājñasenī [Draupadī] gehört hatte, sprach er abermals, nachdem er den starkarmigen älteren Bruder, den Herrscher, [ehrerbietig] um Gehör gebeten hatte [?].

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf. 3.Sg.)
yājñasenyā vacaḥ śrutvā
die Rede der Yājñasenī gehört habend (Gen./Akk., Abs.)
punar eva arjuno 'bravīt
abermals sprach Arjuna (Impf. 3.Sg.)
anumānya
nachdem er [ehrerbietig] um Zustimmung/Gehör gebeten (Abs.)
mahābāhuṃ jyeṣṭhaṃ bhrātaram īśvaram
den starkarmigen, älteren Bruder, den Herrn (Akk.Sg.)

anumānya: Bedeutung 'ehrerbietig ansprechen / um Erlaubnis bitten' angesetzt.

daṇḍaḥ śāsti prajāḥ sarvā daṇḍa evābhirakṣati; daṇḍaḥ supteṣu jāgarti daṇḍaṃ dharmaṃ vidur budhāḥ

Die Strafe lenkt alle Geschöpfe, die Strafe allein schützt sie; die Strafe wacht bei den Schlafenden; die Strafe, so wissen die Weisen, ist das Dharma.

Wort für Wort
daṇḍaḥ śāsti prajāḥ sarvāḥ
die Strafe lenkt alle Geschöpfe (Nom.Sg./Akk.Pl., 3.Sg.Präs.)
daṇḍa eva abhirakṣati
die Strafe allein beschützt (3.Sg.Präs.)
daṇḍaḥ supteṣu jāgarti
die Strafe wacht bei den Schlafenden (Lok.Pl., 3.Sg.Präs.)
daṇḍaṃ dharmaṃ vidur budhāḥ
die Strafe [als] Dharma kennen die Weisen (Akk., 3.Pl.Perf., Nom.Pl.)

dharmaṃ saṃrakṣate daṇḍas tathaivārthaṃ narādhipa; kāmaṃ saṃrakṣate daṇḍas trivargo daṇḍa ucyate

Die Strafe schützt das Dharma, ebenso den Nutzen [artha], o Herr der Menschen; die Strafe schützt die Lust [kāma]; die Strafe wird die Dreiheit [trivarga] genannt.

Wort für Wort
dharmaṃ saṃrakṣate daṇḍaḥ
das Dharma schützt die Strafe (3.Sg.Med.)
tathā eva artham narādhipa
ebenso den Nutzen, o Menschenherr (Akk., Vok.)
kāmaṃ saṃrakṣate daṇḍaḥ
die Lust schützt die Strafe
trivargo daṇḍa ucyate
die Dreiheit wird die Strafe genannt (Pass.3.Sg.)

daṇḍena rakṣyate dhānyaṃ dhanaṃ daṇḍena rakṣyate; etad vidvann upādatsva svabhāvaṃ paśya laukikam

Durch die Strafe wird das Getreide geschützt, durch die Strafe wird der Besitz geschützt; dies, Wissender, nimm an und sieh die Natur der Welt.

Wort für Wort
daṇḍena rakṣyate dhānyam
durch Strafe wird Getreide geschützt (Instr., Pass.)
dhanaṃ daṇḍena rakṣyate
Besitz wird durch Strafe geschützt
etad vidvann upādatsva
dies, Wissender, nimm an (Vok., Imp.2.Sg.Med.)
svabhāvaṃ paśya laukikam
sieh die weltliche Natur (Akk., Imp.2.Sg.)

rājadaṇḍabhayād eke pāpāḥ pāpaṃ na kurvate; yamadaṇḍabhayād eke paralokabhayād api

Manche Sünder tun aus Furcht vor der Strafe des Königs kein Unrecht, manche aus Furcht vor der Strafe des Yama, [manche] auch aus Furcht vor dem Jenseits.

Wort für Wort
rājadaṇḍabhayād eke
aus Furcht vor der Königsstrafe manche (Abl., Nom.Pl.)
pāpāḥ pāpaṃ na kurvate
Sünder tun kein Unrecht (Nom.Pl., Akk., 3.Pl.Präs.Med.)
yamadaṇḍabhayād eke
aus Furcht vor Yamas Strafe manche (Abl.)
paralokabhayād api
auch aus Furcht vor dem Jenseits (Abl.)

parasparabhayād eke pāpāḥ pāpaṃ na kurvate; evaṃ sāṃsiddhike loke sarvaṃ daṇḍe pratiṣṭhitam

Manche Sünder tun aus gegenseitiger Furcht kein Unrecht. So ist in dieser von Natur so bestehenden Welt alles auf die Strafe gegründet.

Wort für Wort
parasparabhayād eke
aus gegenseitiger Furcht manche (Abl.)
pāpāḥ pāpaṃ na kurvate
Sünder tun kein Unrecht
evaṃ sāṃsiddhike loke
so in der naturgegebenen Welt (Lok.)
sarvaṃ daṇḍe pratiṣṭhitam
alles ist in der Strafe gegründet (Lok., Part.Pass.)

sāṃsiddhika: 'naturgegeben, von selbst bestehend' angesetzt.

daṇḍasyaiva bhayād eke na khādanti parasparam; andhe tamasi majjeyur yadi daṇḍo na pālayet

Nur aus Furcht vor der Strafe fressen manche einander nicht; sie würden in blinder Finsternis versinken, wenn die Strafe nicht schützte.

Wort für Wort
daṇḍasya eva bhayād eke
allein aus Furcht vor der Strafe manche (Gen., Abl.)
na khādanti parasparam
fressen einander nicht (3.Pl.Präs.)
andhe tamasi majjeyuḥ
in blinder Finsternis würden sie versinken (Lok., Opt.3.Pl.)
yadi daṇḍo na pālayet
wenn die Strafe nicht schützte (Opt.3.Sg.)

yasmād adāntān damayaty aśiṣṭān daṇḍayaty api; damanād daṇḍanāc caiva tasmād daṇḍaṃ vidur budhāḥ

Weil sie die Ungezähmten zähmt und die Unbelehrbaren auch bestraft, deshalb kennen die Weisen sie als „Strafe“, wegen des Zähmens und des Bestrafens.

Wort für Wort
yasmād adāntān damayati
weil sie Ungezähmte zähmt (Abl., Akk.Pl., Kaus.3.Sg.)
aśiṣṭān daṇḍayati api
Unbelehrbare auch bestraft (Akk.Pl., Denom.3.Sg.)
damanād daṇḍanāc ca eva
wegen Zähmens und Bestrafens (Abl.)
tasmād daṇḍaṃ vidur budhāḥ
deshalb kennen die Weisen [sie als] daṇḍa (3.Pl.Perf.)

Etymologisierendes Wortspiel daṇḍa / damana / daṇḍana.

paralokabhayād ete pāpāḥ pāpaṃ na kurvate

Aus Furcht vor dem Jenseits tun diese Sünder kein Unrecht.

Wort für Wort
paralokabhayād ete
aus Furcht vor dem Jenseits diese (Abl., Nom.Pl.)
pāpāḥ pāpaṃ na kurvate
Sünder tun kein Unrecht (3.Pl.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vāci daṇḍo brāhmaṇānāṃ kṣatriyāṇāṃ bhujārpaṇam; dānadaṇḍaḥ smṛto vaiśyo nirdaṇḍaḥ śūdra ucyate

Bei den Brahmanen besteht die Strafe im Wort, bei den Kṣatriyas im Einsatz des Armes; der Vaiśya gilt als der mit Geldstrafe [Belegte], der Śūdra wird „ohne Strafe“ genannt [?].

Wort für Wort
vāci daṇḍo brāhmaṇānām
im Wort die Strafe bei Brahmanen (Lok., Gen.Pl.)
kṣatriyāṇāṃ bhujārpaṇam
bei Kṣatriyas der Armeinsatz (Gen.Pl., Nom.)
dānadaṇḍaḥ smṛto vaiśyaḥ
der Vaiśya gilt als der Abgaben-/Geldstrafe-[Belegte] (Part.Pass., Nom.)
nirdaṇḍaḥ śūdra ucyate
straflos wird der Śūdra genannt (Pass.3.Sg.)

Text knapp und mehrdeutig; nirdaṇḍa beim Śūdra evtl. 'ohne (eigene) Strafe/Strafgewalt'.

asaṃmohāya martyānām arthasaṃrakṣaṇāya ca; maryādā sthāpitā loke daṇḍasaṃjñā viśāṃ pate

Zur Vermeidung von Verwirrung der Sterblichen und zum Schutz des Besitzes ist in der Welt die Ordnung namens „Strafe“ eingesetzt, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
asaṃmohāya martyānām
zur Nicht-Verwirrung der Sterblichen (Dat., Gen.Pl.)
arthasaṃrakṣaṇāya ca
und zum Schutz des Besitzes (Dat.)
maryādā sthāpitā loke
die Schranke/Ordnung ist eingesetzt in der Welt (Part.Pass.f., Lok.)
daṇḍasaṃjñā viśāṃ pate
'Strafe' genannt, o Herr der Menschen (Vok.)

yatra śyāmo lohitākṣo daṇḍaś carati sūnṛtaḥ; prajās tatra na muhyanti netā cet sādhu paśyati

Wo die dunkle, rotäugige, wahrhaftige [oder: wohlgesinnte] Strafe umhergeht, dort geraten die Geschöpfe nicht in Verwirrung, wenn der Lenker recht sieht.

Wort für Wort
yatra śyāmo lohitākṣaḥ
wo die dunkle, rotäugige (Nom.)
daṇḍaś carati sūnṛtaḥ
Strafe umhergeht, wahrhaftig/freundlich (3.Sg.Präs.)
prajās tatra na muhyanti
dort verwirren sich die Geschöpfe nicht (3.Pl.Präs.)
netā cet sādhu paśyati
wenn der Lenker recht sieht (Nom., 3.Sg.Präs.)

sūnṛta: 'wahr und angenehm'; hier auf daṇḍa bezogen.

brahmacārī gṛhasthaś ca vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ; daṇḍasyaiva bhayād ete manuṣyā vartmani sthitāḥ

Der Brahmacārin, der Hausvater, der Waldeinsiedler und der Bettelmönch: nur aus Furcht vor der Strafe stehen diese Menschen auf dem [rechten] Weg.

Wort für Wort
brahmacārī gṛhasthaś ca
der Schüler und der Hausvater (Nom.)
vānaprastho 'tha bhikṣukaḥ
der Waldeinsiedler und der Bettelmönch (Nom.)
daṇḍasya eva bhayād ete
nur aus Furcht vor der Strafe diese (Abl., Nom.Pl.)
manuṣyā vartmani sthitāḥ
die Menschen stehen auf dem Weg (Lok., Part.Pass.)

nābhīto yajate rājan nābhīto dātum icchati; nābhītaḥ puruṣaḥ kaś cit samaye sthātum icchati

Kein Furchtloser opfert, o König, kein Furchtloser will geben; kein Mann ohne Furcht will bei der Abmachung [der Ordnung] bleiben.

Wort für Wort
na abhīto yajate rājan
kein Furchtloser opfert, o König (Nom., 3.Sg.Präs.Med., Vok.)
na abhīto dātum icchati
kein Furchtloser will geben (Inf., 3.Sg.Präs.)
na abhītaḥ puruṣaḥ kaś cit
kein furchtloser Mann irgendeiner (Nom.)
samaye sthātum icchati
in der Ordnung/Übereinkunft bleiben will (Lok., Inf.)

nācchittvā paramarmāṇi nākṛtvā karma dāruṇam; nāhatvā matsyaghātīva prāpnoti mahatīṃ śriyam

Ohne fremde Schwachstellen zu zerschneiden, ohne grausame Tat zu tun, ohne zu töten wie ein Fischer erlangt man nicht große Fortuna.

Wort für Wort
na acchittvā paramarmāṇi
nicht ohne fremde Schwachstellen zerschnitten zu haben (Abs., Akk.Pl.)
na akṛtvā karma dāruṇam
nicht ohne grausame Tat getan zu haben (Abs., Akk.)
na ahatvā matsyaghātī iva
nicht ohne getötet zu haben, wie ein Fischertöter (Abs., Nom.)
prāpnoti mahatīṃ śriyam
erlangt große Fortuna/Glanz (3.Sg.Präs., Akk.f.)

nāghnataḥ kīrtir astīha na vittaṃ na punaḥ prajāḥ; indro vṛtravadhenaiva mahendraḥ samapadyata

Für den Nichttötenden gibt es hier weder Ruhm noch Besitz, noch Nachkommen; Indra wurde allein durch die Tötung Vṛtras zum Mahendra.

Wort für Wort
na aghnataḥ kīrtir asti iha
dem Nichttötenden ist hier kein Ruhm (Gen.Part., Nom.)
na vittaṃ na punaḥ prajāḥ
nicht Besitz, auch nicht Nachkommen (Nom.)
indro vṛtravadhena eva
Indra allein durch die Tötung Vṛtras (Instr.)
mahendraḥ samapadyata
wurde zum Mahendra (Impf.3.Sg.Med.)

māhendraṃ ca grahaṃ lebhe lokānāṃ ceśvaro 'bhavat

Er erhielt den Mahendra-Becher [Soma-Anteil] und wurde der Herr der Welten.

Wort für Wort
māhendraṃ ca graham
und den Mahendra-Becher (Akk.)
lebhe
erhielt (Perf.3.Sg.Med.)
lokānāṃ ca īśvaro 'bhavat
und wurde Herr der Welten (Gen.Pl., Nom., Impf.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ya eva devā hantāras tāṃl loko 'rcayate bhṛśam; hantā rudras tathā skandaḥ śakro 'gnir varuṇo yamaḥ

Gerade die Götter, die Töter sind, verehrt die Welt sehr: Töter sind Rudra und Skanda, Śakra, Agni, Varuṇa, Yama,

Wort für Wort
ya eva devā hantāraḥ
gerade die Götter, welche Töter [sind] (Nom.Pl.)
tāṃl loko 'rcayate bhṛśam
diese verehrt die Welt sehr (Akk.Pl., 3.Sg.Präs.)
hantā rudras tathā skandaḥ
Töter [ist] Rudra, ebenso Skanda (Nom.)
śakro 'gnir varuṇo yamaḥ
Śakra, Agni, Varuṇa, Yama (Nom.)

hantā kālas tathā vāyur mṛtyur vaiśravaṇo raviḥ; vasavo marutaḥ sādhyā viśvedevāś ca bhārata

Töter sind Kāla [die Zeit], Vāyu, Mṛtyu, Vaiśravaṇa, die Sonne, die Vasus, die Maruts, die Sādhyas und die Viśvedevas, o Bhārata.

Wort für Wort
hantā kālas tathā vāyuḥ
Töter Kāla, ebenso Vāyu (Nom.)
mṛtyur vaiśravaṇo raviḥ
Mṛtyu, Vaiśravaṇa, die Sonne (Nom.)
vasavo marutaḥ sādhyāḥ
die Vasus, Maruts, Sādhyas (Nom.Pl.)
viśvedevāś ca bhārata
und die Viśvedevas, o Bhārata (Nom.Pl., Vok.)

etān devān namasyanti pratāpapraṇatā janāḥ; na brahmāṇaṃ na dhātāraṃ na pūṣāṇaṃ kathaṃ cana

Diese Götter verehren die Menschen, durch [deren] Macht gebeugt; Brahmā, Dhātṛ und Pūṣan [verehren sie] in keiner Weise.

Wort für Wort
etān devān namasyanti
diese Götter verehren sie (Akk.Pl., 3.Pl.Präs.)
pratāpapraṇatā janāḥ
durch die Glut/Macht gebeugt die Leute (Nom.Pl.)
na brahmāṇaṃ na dhātāram
nicht Brahmā, nicht Dhātṛ (Akk.)
na pūṣāṇaṃ kathaṃ cana
nicht Pūṣan, auf keine Weise (Akk.)

madhyasthān sarvabhūteṣu dāntāñ śamaparāyaṇān; yajante mānavāḥ ke cit praśāntāḥ sarvakarmasu

[Jene,] die allen Wesen gegenüber unparteiisch, gezügelt und ganz dem Frieden hingegeben sind, verehren nur einige Menschen, [nämlich] die in allen Handlungen Befriedeten.

Wort für Wort
madhyasthān sarvabhūteṣu
die Unparteiischen unter allen Wesen (Akk.Pl., Lok.Pl.)
dāntāñ śamaparāyaṇān
Gezügelte, ganz dem Frieden Hingegebene (Akk.Pl.)
yajante mānavāḥ ke cit
verehren (opfern) einige Menschen (3.Pl.Präs.Med., Nom.Pl.)
praśāntāḥ sarvakarmasu
Befriedete in allen Handlungen (Nom.Pl., Lok.Pl.)

Bezug: die Götter Brahmā, Dhātṛ, Pūṣan aus dem vorigen Vers.

na hi paśyāmi jīvantaṃ loke kaṃ cid ahiṃsayā; sattvaiḥ sattvāni jīvanti durbalair balavattarāḥ

Denn ich sehe niemanden in der Welt, der ohne Gewalt lebte; Wesen leben von Wesen, die Stärkeren von den Schwächeren.

Wort für Wort
na hi paśyāmi jīvantam
denn ich sehe nicht einen Lebenden (1.Sg.Präs., Akk.Part.)
loke kaṃ cid ahiṃsayā
in der Welt irgendwen durch Gewaltlosigkeit (Lok., Instr.)
sattvaiḥ sattvāni jīvanti
durch Wesen leben Wesen (Instr.Pl., Nom.Pl., 3.Pl.)
durbalair balavattarāḥ
von Schwächeren die Stärkeren (Instr.Pl., Komp.Nom.Pl.)

nakulo mūṣakān atti biḍālo nakulaṃ tathā; biḍālam atti śvā rājañ śvānaṃ vyālamṛgas tathā

Der Mungo frisst Mäuse, die Katze ebenso den Mungo; die Katze frisst der Hund, o König, den Hund ebenso das Raubtier.

Wort für Wort
nakulo mūṣakān atti
der Mungo frisst Mäuse (Nom., Akk.Pl., 3.Sg.)
biḍālo nakulaṃ tathā
die Katze ebenso den Mungo (Nom., Akk.)
biḍālam atti śvā rājan
die Katze frisst der Hund, o König (Akk., Nom., Vok.)
śvānaṃ vyālamṛgas tathā
den Hund ebenso das Raubtier (Akk., Nom.)

tān atti puruṣaḥ sarvān paśya dharmo yathāgataḥ; prāṇasyānnam idaṃ sarvaṃ jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca yat

Sie alle isst der Mensch; sieh, wie das Dharma überkommen ist. Dies alles, was sich bewegt und was feststeht, ist Nahrung des Lebenshauchs.

Wort für Wort
tān atti puruṣaḥ sarvān
diese alle isst der Mensch (Akk.Pl., Nom.)
paśya dharmo yathāgataḥ
sieh, das Dharma [ist] wie überkommen (Imp., Nom., Part.Pass.)
prāṇasya annam idaṃ sarvam
des Lebenshauchs Nahrung [ist] dies alles (Gen., Nom.)
jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca yat
was Bewegliches und Unbewegliches [ist] (Nom.n.)

vidhānaṃ devavihitaṃ tatra vidvān na muhyati; yathā sṛṣṭo 'si rājendra tathā bhavitum arhasi

Bei dieser von den Göttern verfügten Ordnung wird der Wissende nicht verwirrt. Wie du geschaffen bist, König der Könige, so sollst du sein.

Wort für Wort
vidhānaṃ devavihitam
die von den Göttern verfügte Ordnung (Nom./Akk.)
tatra vidvān na muhyati
darin wird der Wissende nicht verwirrt (Nom., 3.Sg.Präs.)
yathā sṛṣṭo 'si rājendra
wie du geschaffen bist, Königsfürst (Part.Pass., 2.Sg., Vok.)
tathā bhavitum arhasi
so zu sein sollst du (Inf., 2.Sg.Präs.)

yathā sṛṣṭo 'si: Anspielung auf die Kṣatriya-Bestimmung des Adressaten.

vinītakrodhaharṣā hi mandā vanam upāśritāḥ; vinā vadhaṃ na kurvanti tāpasāḥ prāṇayāpanam

Selbst die, welche Zorn und Freude gebändigt haben, die Schlichten [?], die sich in den Wald begeben haben, die Asketen, bestreiten ihren Lebensunterhalt nicht ohne Töten.

Wort für Wort
vinītakrodhaharṣā hi
denn die, bei denen Zorn und Freude gebändigt sind (Nom.Pl.)
mandā vanam upāśritāḥ
die Langsamen/Schlichten [?], in den Wald gegangen (Nom.Pl., Part.Pass.)
vinā vadhaṃ na kurvanti
ohne Töten tun nicht (3.Pl.Präs.)
tāpasāḥ prāṇayāpanam
die Asketen den Lebensunterhalt (Nom.Pl., Akk.)

mandāḥ: 'langsam, träge, einfach'; Sinn im Zusammenhang unsicher.

udake bahavaḥ prāṇāḥ pṛthivyāṃ ca phaleṣu ca; na ca kaś cin na tān hanti kim anyat prāṇayāpanāt

Im Wasser gibt es viele Lebewesen, auch auf der Erde und in den Früchten; und es gibt keinen, der sie nicht tötet; was ist [das] anderes als Lebenserhaltung?

Wort für Wort
udake bahavaḥ prāṇāḥ
im Wasser viele Lebewesen (Lok., Nom.Pl.)
pṛthivyāṃ ca phaleṣu ca
und auf der Erde und in Früchten (Lok.)
na ca kaś cin na tān hanti
und keiner, der sie nicht tötet (Nom., Akk.Pl., 3.Sg.)
kim anyat prāṇayāpanāt
was anderes [ist es] als Lebenserhaltung (Abl.)

sūkṣmayonīni bhūtāni tarkagamyāni kāni cit; pakṣmaṇo 'pi nipātena yeṣāṃ syāt skandhaparyayaḥ

Manche Wesen sind von so winziger Herkunft, dass sie nur durch Schlussfolgerung erkennbar sind; schon durch das Fallen einer Wimper wäre ihr Zerfall [?] möglich.

Wort für Wort
sūkṣmayonīni bhūtāni
Wesen mit winzigem Ursprung (Nom.Pl.n.)
tarkagamyāni kāni cit
durch Schluss erfassbar, manche (Nom.Pl.n.)
pakṣmaṇo 'pi nipātena
schon durch das Fallen der Wimper (Gen., Instr.)
yeṣāṃ syāt skandhaparyayaḥ
deren wäre Zerfall/Untergang [?] (Rel.Gen., Opt.3.Sg.)

skandhaparyaya: Bedeutung unsicher (etwa 'Umsturz des Körperverbandes, Untergang').

grāmān niṣkramya munayo vigatakrodhamatsarāḥ; vane kuṭumbadharmāṇo dṛśyante parimohitāḥ

Aus den Dörfern ausgezogen, ohne Zorn und Missgunst, sieht man Weise im Wald, die Familienpflichten üben, vollkommen verwirrt.

Wort für Wort
grāmān niṣkramya munayaḥ
aus den Dörfern ausgezogen die Weisen (Abs., Nom.Pl.)
vigatakrodhamatsarāḥ
von Zorn und Missgunst befreit (Nom.Pl.)
vane kuṭumbadharmāṇaḥ
im Wald familienpflichtig (Lok., Nom.Pl.)
dṛśyante parimohitāḥ
werden gesehen, ganz betört (Pass.3.Pl., Part.Pass.)

bhūmiṃ bhittvauṣadhīś chittvā vṛkṣādīn aṇḍajān paśūn; manuṣyās tanvate yajñāṃs te svargaṃ prāpnuvanti ca

Die Erde aufreißend, Pflanzen schneidend, [ebenso] Bäume und andere, eiergeborene Wesen und Tiere [tötend], vollziehen die Menschen Opfer, und sie gelangen in den Himmel.

Wort für Wort
bhūmiṃ bhittvā
die Erde gespalten habend (Abs.)
auṣadhīś chittvā vṛkṣādīn
Pflanzen geschnitten, Bäume usw. (Abs., Akk.Pl.)
aṇḍajān paśūn
Eiergeborene, Tiere (Akk.Pl.)
manuṣyās tanvate yajñān
die Menschen vollziehen Opfer (3.Pl.Präs.Med.)
te svargaṃ prāpnuvanti ca
und sie erreichen den Himmel (3.Pl.Präs.)

daṇḍanītyāṃ praṇītāyāṃ sarve sidhyanty upakramāḥ; kaunteya sarvabhūtānāṃ tatra me nāsti saṃśayaḥ

Ist die Strafpolitik richtig angewandt, gelingen alle Unternehmungen aller Wesen, Kaunteya; darüber habe ich keinen Zweifel.

Wort für Wort
daṇḍanītyāṃ praṇītāyām
bei angewandter Strafpolitik (Lok.abs.)
sarve sidhyanti upakramāḥ
alle Unternehmungen gelingen (Nom.Pl., 3.Pl.)
kaunteya sarvabhūtānām
Kaunteya, der Wesen alle (Vok., Gen.Pl.)
tatra me na asti saṃśayaḥ
darin habe ich keinen Zweifel (Lok., Gen./Dat., 3.Sg.)

daṇḍaś cen na bhavel loke vyanaśiṣyann imāḥ prajāḥ; śūle matsyān ivāpakṣyan durbalān balavattarāḥ

Wenn es in der Welt keine Strafgewalt gäbe, wären diese Geschöpfe zugrunde gegangen; die Stärkeren hätten die Schwächeren gebraten wie Fische am Spieß.

Wort für Wort
daṇḍaḥ cet na bhavet loke
wenn die Strafgewalt nicht wäre in der Welt (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.; Lok.Sg.)
vyanaśiṣyan imāḥ prajāḥ
wären zugrunde gegangen diese Geschöpfe (Cond.3.Pl.; Nom.Pl.f.)
śūle matsyān iva
wie Fische am Spieß (Lok.Sg.; Akk.Pl.)
apakṣyan
hätten gebraten (Cond.3.Pl.)
durbalān balavattarāḥ
die Schwachen, die Stärkeren (Akk.Pl.; Nom.Pl., Komparativ)

satyaṃ cedaṃ brahmaṇā pūrvam uktaṃ; daṇḍaḥ prajā rakṣati sādhu nītaḥ; paśyāgnayaś ca pratiśāmyanty abhītāḥ; saṃtarjitā daṇḍabhayāj jvalanti

Und dies ist wahr, was einst von Brahmā gesagt wurde: Die Strafgewalt, recht gehandhabt, schützt die Geschöpfe. Sieh, auch die Feuer erlöschen furchtlos [ohne Ausbrechen]; bedroht, brennen sie aus Furcht vor der Strafgewalt.

Wort für Wort
satyaṃ ca idaṃ brahmaṇā pūrvam uktam
und wahr ist dies, von Brahmā früher gesagt (Nom.Sg.n.; Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
daṇḍaḥ prajā rakṣati
die Strafgewalt schützt die Geschöpfe (Nom.Sg.; Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
sādhu nītaḥ
gut geleitet, recht gehandhabt (Adv.; Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
paśya agnayaḥ ca pratiśāmyanti abhītāḥ
sieh, auch die Feuer kommen zur Ruhe, ohne Furcht (Imp.2.Sg.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
saṃtarjitāḥ daṇḍabhayāt jvalanti
bedroht, aus Furcht vor der Strafgewalt brennen sie (Part.Perf.Pass. Nom.Pl.; Abl.Sg.; 3.Pl.Präs.)

Die zweite Vershälfte ist syntaktisch knapp und schwer zu deuten: Die Feuer erlöschen abhītāḥ, und jvalanti wird als Brennen aus Strafangst gelesen; genaue Deutung unsicher.

yadi na praṇayed rājan daṇḍaṃ daṇḍyeṣv atandritaḥ

Wenn du, König, die Strafgewalt nicht unermüdlich gegen die Strafwürdigen verhängen würdest, ...

Wort für Wort
yadi na praṇayet rājan
wenn nicht verhängen würde, König (Opt.3.Sg.; Vok.Sg.)
daṇḍaṃ daṇḍyeṣu
die Strafe gegen die Strafwürdigen (Akk.Sg.; Lok.Pl.)
atandritaḥ
unermüdlich (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Satz bricht ab, der Nachsatz fehlt. Subjekt des Opt. ist ergänzt [du].

andhaṃ tama ivedaṃ syān na prajñāyeta kiṃ cana; daṇḍaś cen na bhavel loke vibhajan sādhvasādhunī

Dies wäre wie dichte Finsternis, nichts würde erkannt, wenn es in der Welt keine Strafgewalt gäbe, die Gutes und Schlechtes unterscheidet.

Wort für Wort
andhaṃ tamaḥ iva idaṃ syāt
wie blinde Finsternis wäre dies (Akk./Nom.Sg.n.; Opt.3.Sg.)
na prajñāyeta kiṃ cana
nicht erkannt würde irgendetwas (Opt.Pass.3.Sg.)
daṇḍaḥ cet na bhavet loke
wenn die Strafgewalt nicht wäre in der Welt (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.; Lok.Sg.)
vibhajan sādhv asādhunī
unterscheidend das Gute und das Schlechte (Part.Präs. Nom.Sg.; Akk.Du.n.)

ye 'pi saṃbhinnamaryādā nāstikā vedanindakāḥ; te 'pi bhogāya kalpante daṇḍenopanipīḍitāḥ

Auch die, welche die Schranken durchbrochen haben, die Ungläubigen, die Veda-Verächter, sind, von der Strafgewalt bedrängt, für den Genuss [der Ordnung] tauglich.

Wort für Wort
ye api saṃbhinnamaryādāḥ
auch die, die die Schranken zerbrochen haben (Nom.Pl.; Nom.Pl., Bahuvrīhi)
nāstikāḥ vedanindakāḥ
Ungläubige, Veda-Schmäher (Nom.Pl.; Nom.Pl.)
te api bhogāya kalpante
auch sie werden tauglich zum Genuss (Nom.Pl.; Dat.Sg.; 3.Pl.Präs. Med.)
daṇḍena upanipīḍitāḥ
von der Strafgewalt bedrängt (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)

bhogāya kalpante: wörtlich „werden zum Genuss/Nutzen geeignet“; Sinn: fügen sich in ein geordnetes, genießbares Leben [?].

sarvo daṇḍajito loko durlabho hi śucir naraḥ; daṇḍasya hi bhayād bhīto bhogāyeha prakalpate

Die ganze Welt ist von der Strafgewalt bezwungen; ein reiner Mensch ist ja schwer zu finden. Wer aus Furcht vor der Strafe erschrickt, wird hienieden für den Genuss tauglich.

Wort für Wort
sarvaḥ daṇḍajitaḥ lokaḥ
die ganze Welt ist von der Strafe bezwungen (Nom.Sg.m.; Nom.Sg., Tatpuruṣa)
durlabhaḥ hi śuciḥ naraḥ
schwer zu erlangen ja ist ein reiner Mann (Nom.Sg.; Partikel; Nom.Sg.; Nom.Sg.)
daṇḍasya hi bhayāt bhītaḥ
aus Furcht ja vor der Strafgewalt erschrocken (Gen.Sg.; Abl.Sg.; Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
bhogāya iha prakalpate
zum Genuss hienieden wird tauglich (Dat.Sg.; Adv.; 3.Sg.Präs. Med.)

cāturvarṇyāpramohāya sunītanayanāya ca; daṇḍo vidhātrā vihito dharmārthāv abhirakṣitum

Damit die vier Stände nicht verwirrt werden und damit man gut geleitet wird, hat der Schöpfer die Strafgewalt eingesetzt, um Recht [dharma] und Nutzen [artha] zu schützen.

Wort für Wort
cāturvarṇya-apramohāya
zur Nichtverwirrung der vier Stände (Dat.Sg.)
sunītanayanāya ca
und zur guten Führung (Dat.Sg.)
daṇḍaḥ vidhātrā vihitaḥ
die Strafgewalt wurde vom Schöpfer eingesetzt (Nom.Sg.; Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
dharmārthau abhirakṣitum
um Dharma und Artha zu schützen (Akk.Du.; Inf.)

yadi daṇḍān na bibhyeyur vayāṃsi śvāpadāni ca; adyuḥ paśūn manuṣyāṃś ca yajñārthāni havīṃṣi ca

Wenn Vögel und Raubtiere die Strafgewalt nicht fürchteten, würden sie die Tiere und die Menschen fressen und die für das Opfer bestimmten Spenden.

Wort für Wort
yadi daṇḍāt na bibhyeyuḥ
wenn sie sich vor der Strafgewalt nicht fürchteten (Abl.Sg.; Opt.3.Pl.)
vayāṃsi śvāpadāni ca
Vögel und Raubtiere (Nom.Pl.n.; Nom.Pl.n.)
adyuḥ paśūn manuṣyān ca
würden fressen Vieh und Menschen (Opt.3.Pl.; Akk.Pl.; Akk.Pl.)
yajñārthāni havīṃṣi ca
und die dem Opfer dienenden Opfergaben (Akk.Pl.n., Bahuvrīhi; Akk.Pl.)

na brahmacāry adhīyīta kalyāṇī gaur na duhyate; na kanyodvahanaṃ gacched yadi daṇḍo na pālayet

Kein Brahmacārin würde lernen, die gute Kuh würde nicht gemolken, und kein Mädchen würde zur Heirat gehen, wenn die Strafgewalt nicht schützte.

Wort für Wort
na brahmacārī adhīyīta
kein Schüler würde studieren (Nom.Sg.; Opt.Med.3.Sg.)
kalyāṇī gauḥ na duhyate
die gute Kuh wird nicht gemolken (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
na kanyā udvahanaṃ gacchet
kein Mädchen ginge zur Heirat (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg. Kaus.)

Die Wendung kanyā-udvahanaṃ gacchet ist wörtlich „ginge zum Heimführen/zur Ehe“; Sandhi kanyodvahanaṃ.

viśvalopaḥ pravarteta bhidyeran sarvasetavaḥ; mamatvaṃ na prajānīyur yadi daṇḍo na pālayet

Allgemeine Zerstörung würde eintreten, alle Dämme würden brechen, und man würde kein Eigentum [„Mein-Sein“] mehr kennen, wenn die Strafgewalt nicht schützte.

Wort für Wort
viśvalopaḥ pravarteta
allgemeiner Untergang würde einsetzen (Nom.Sg.; Opt.Med.3.Sg.)
bhidyeran sarvasetavaḥ
alle Dämme würden brechen (Opt.Pass.3.Pl.; Nom.Pl.)
mamatvaṃ na prajānīyuḥ
Eigentum würden sie nicht kennen (Akk.Sg.; Opt.3.Pl.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

na saṃvatsarasatrāṇi tiṣṭheyur akutobhayāḥ; vidhivad dakṣiṇāvanti yadi daṇḍo na pālayet

Die einjährigen Opferfeiern würden nicht furchtlos [ungestört] bestehen, die mit ordnungsgemäßen Opfergaben an die Priester ausgestatteten, wenn die Strafgewalt nicht schützte.

Wort für Wort
na saṃvatsarasatrāṇi tiṣṭheyuḥ
nicht bestünden die Jahres-Opfersitzungen (Nom.Pl.n.; Opt.3.Pl.)
akutobhayāḥ
ohne Furcht von irgendwoher (Nom.Pl.)
vidhivat dakṣiṇāvanti
regelgerecht, mit Priestergeschenken versehen (Adv.; Nom.Pl.n.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

akutobhayāḥ ist grammatisch m./Nom.Pl., bezieht sich sinngemäß auf die Opfersitzungen (Genus-Abweichung).

careyur nāśrame dharmaṃ yathoktaṃ vidhim āśritāḥ; na vidyāṃ prāpnuyāt kaś cid yadi daṇḍo na pālayet

Die Menschen würden im Āśrama nicht das Dharma befolgen, wie es gesagt ist, der Vorschrift folgend; niemand würde Wissen erlangen, wenn die Strafgewalt nicht schützte.

Wort für Wort
careyuḥ na āśrame dharmam
sie würden nicht üben im Āśrama das Dharma (Opt.3.Pl.; Lok.Sg.; Akk.Sg.)
yathoktaṃ vidhim āśritāḥ
wie gesagt, der Vorschrift folgend (Adv.; Akk.Sg.; Part.Perf.Akt. Nom.Pl.)
na vidyāṃ prāpnuyāt kaś cit
nicht würde Wissen erlangen irgendjemand (Akk.Sg.; Opt.3.Sg.; Nom.Sg.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

na coṣṭrā na balīvardā nāśvāśvataragardabhāḥ; yuktā vaheyur yānāni yadi daṇḍo na pālayet

Weder Kamele noch Ochsen, weder Pferde noch Maultiere noch Esel würden angeschirrt die Wagen ziehen, wenn die Strafgewalt nicht schützte.

Wort für Wort
na uṣṭrāḥ na balīvardāḥ
weder Kamele noch Ochsen (Nom.Pl.; Nom.Pl.)
na aśva-aśvatara-gardabhāḥ
weder Pferde, Maultiere noch Esel (Nom.Pl., Dvandva)
yuktāḥ vaheyuḥ yānāni
angeschirrt würden ziehen die Fahrzeuge (Part.Perf.Pass. Nom.Pl.; Opt.3.Pl.; Akk.Pl.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

na preṣyā vacanaṃ kuryur na bālo jātu karhi cit; tiṣṭhet pitṛmate dharme yadi daṇḍo na pālayet

Diener würden keinen Befehl ausführen, und ein Kind würde niemals bei der von den Vätern gebilligten Ordnung bleiben, wenn die Strafgewalt nicht schützte.

Wort für Wort
na preṣyāḥ vacanaṃ kuryuḥ
Diener würden nicht das Wort tun (Nom.Pl.; Akk.Sg.; Opt.3.Pl.)
na bālaḥ jātu karhi cit
nie ein Kind, jemals (Nom.Sg.; Adv.; Adv.)
tiṣṭhet pitṛmate dharme
bliebe in dem von den Vätern gebilligten Dharma (Opt.3.Sg.; Lok.Sg.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

pitṛmate dharme kann auch „in der Ansicht/Ordnung des Vaters“ heißen; hier: vom Vater gebilligt.

daṇḍe sthitāḥ prajāḥ sarvā bhayaṃ daṇḍaṃ vidur budhāḥ; daṇḍe svargo manuṣyāṇāṃ loko 'yaṃ ca pratiṣṭhitaḥ

Alle Geschöpfe beruhen auf der Strafgewalt; die Weisen kennen die Strafgewalt als Furcht. In der Strafgewalt sind der Himmel der Menschen und diese Welt gegründet.

Wort für Wort
daṇḍe sthitāḥ prajāḥ sarvāḥ
in der Strafgewalt beruhend alle Geschöpfe (Lok.Sg.; Part.Perf.Akt. Nom.Pl.; Nom.Pl.)
bhayaṃ daṇḍaṃ viduḥ budhāḥ
als Furcht die Strafgewalt kennen die Weisen (Akk.Sg.; Akk.Sg.; 3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
daṇḍe svargaḥ manuṣyāṇām
in der Strafgewalt der Himmel der Menschen (Lok.Sg.; Nom.Sg.; Gen.Pl.)
lokaḥ ayaṃ ca pratiṣṭhitaḥ
und diese Welt ist gegründet (Nom.Sg.; Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)

na tatra kūṭaṃ pāpaṃ vā vañcanā vāpi dṛṣyate; yatra daṇḍaḥ suvihitaś caraty arivināśanaḥ

Dort sieht man weder Trug noch Sünde noch Betrug, wo die wohlgeordnete Strafgewalt umgeht, die Feinde vernichtend.

Wort für Wort
na tatra kūṭaṃ pāpaṃ vā
dort weder Trug noch Übel (Adv.; Akk./Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.; Partikel)
vañcanā vā api dṛśyate
noch auch Betrug wird gesehen (Nom.Sg.f.; Partikel; 3.Sg.Pass.)
yatra daṇḍaḥ suvihitaḥ
wo die Strafgewalt wohl eingerichtet (Adv.; Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)
caraty arivināśanaḥ
umhergeht, feindvernichtend (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)

haviḥ śvā prapibed dhṛṣṭo daṇḍaś cen nodyato bhavet; haret kākaḥ puroḍāśaṃ yadi daṇḍo na pālayet

Der freche Hund würde die Opferspeise auslecken, und die Krähe würde den Puroḍāśa-Kuchen forttragen, wenn die Strafgewalt nicht erhoben wäre [und nicht schützte].

Wort für Wort
haviḥ śvā prapibet dhṛṣṭaḥ
die Opfergabe würde der Hund austrinken, dreist (Akk.Sg.; Nom.Sg.; Opt.3.Sg.; Nom.Sg.)
daṇḍaḥ cet na udyataḥ bhavet
wenn die Strafgewalt nicht erhoben wäre (Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.; Opt.3.Sg.)
haret kākaḥ puroḍāśam
fortnähme die Krähe den Opferkuchen (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.; Akk.Sg.)
yadi daṇḍaḥ na pālayet
wenn die Strafgewalt nicht schützte (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)

yad idaṃ dharmato rājyaṃ vihitaṃ yady adharmataḥ; kāryas tatra na śoko vai bhuṅkṣva bhogān yajasva ca

Dass diese Herrschaft rechtmäßig oder auch unrechtmäßig eingerichtet worden ist, darüber darfst du nicht trauern: Genieße die Genüsse und opfere!

Wort für Wort
yat idaṃ dharmataḥ rājyaṃ vihitam
dass diese Herrschaft dem Recht gemäß eingerichtet ist (Konj.; Nom.Sg.n.; Adv.; Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
yadi adharmataḥ
oder wenn wider das Recht (Konj.; Adv.)
kāryaḥ tatra na śokaḥ vai
zu machen ist dort nicht Trauer fürwahr (Gerundiv Nom.Sg.; Adv.; Nom.Sg.; Partikel)
bhuṅkṣva bhogān yajasva ca
genieße die Genüsse und opfere (Imp.Med.2.Sg.; Akk.Pl.; Imp.Med.2.Sg.)

Der Satzbau der ersten Vershälfte ist elliptisch; yad ... yadi „ob ... oder ob“ ist sinngemäß gedeutet.

sukhena dharmaṃ śrīmantaś caranti śucivāsasaḥ; saṃvasantaḥ priyair dārair bhuñjānāś cānnam uttamam

Glücklich üben die Wohlhabenden, in reinen Gewändern, das Dharma aus, zusammen mit ihren lieben Frauen wohnend und beste Speise genießend.

Wort für Wort
sukhena dharmaṃ śrīmantaḥ
mit Leichtigkeit das Dharma, die Glücklichen/Wohlhabenden (Instr.Sg.; Akk.Sg.; Nom.Pl.)
caranti śucivāsasaḥ
üben aus, in reinen Gewändern (3.Pl.Präs.; Nom.Pl., Bahuvrīhi)
saṃvasantaḥ priyaiḥ dāraiḥ
zusammenlebend mit lieben Ehefrauen (Part.Präs. Nom.Pl.; Instr.Pl.; Instr.Pl.)
bhuñjānāḥ ca annam uttamam
und speisend die beste Nahrung (Part.Präs.Med. Nom.Pl.; Akk.Sg.; Akk.Sg.)

arthe sarve samārambhāḥ samāyattā na saṃśayaḥ; sa ca daṇḍe samāyattaḥ paśya daṇḍasya gauravam

Alle Unternehmungen hängen ohne Zweifel vom Besitz [artha] ab, und dieser hängt von der Strafgewalt ab; sieh das Gewicht der Strafgewalt!

Wort für Wort
arthe sarve samārambhāḥ samāyattāḥ
am Erwerb hängen alle Unternehmungen (Lok.Sg.; Nom.Pl.; Nom.Pl.; Nom.Pl.)
na saṃśayaḥ
kein Zweifel (Nom.Sg.)
saḥ ca daṇḍe samāyattaḥ
und dieser hängt an der Strafgewalt (Nom.Sg.; Lok.Sg.; Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
paśya daṇḍasya gauravam
sieh der Strafgewalt Gewicht (Imp.2.Sg.; Gen.Sg.; Akk.Sg.)

lokayātrārtham eveha dharmapravacanaṃ kṛtam; ahiṃsā sādhuhiṃseti śreyān dharmaparigrahaḥ

Nur für den Gang der Welt ist hier die Darlegung des Dharma gemacht worden: „Nicht-Verletzen“, und „Verletzen der Guten [ist Unrecht]“; besser ist die Annahme des Dharma [unter diesen Gesichtspunkten].

Wort für Wort
lokayātrā-artham eva iha
nur zum Zweck des Weltlaufs hier (Akk.Sg.; Partikel; Adv.)
dharmapravacanaṃ kṛtam
die Darlegung des Dharma ist gemacht (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
ahiṃsā sādhuhiṃsā iti
Gewaltlosigkeit, [und] Gewalt gegen Gute, so [heißt es] (Nom.Sg.; Nom.Sg.; Zitatpartikel)
śreyān dharmaparigrahaḥ
besser ist die Annahme des Dharma (Nom.Sg., Komparativ; Nom.Sg.)

Zweite Vershälfte knapp und mehrdeutig; ahiṃsā sādhuhiṃsā iti kann auch als „Gewaltlosigkeit gegen die Guten, Gewalt [gegen die Bösen]“ gelesen werden [?].

nātyantaguṇavān kaś cin na cāpy atyantanirguṇaḥ; ubhayaṃ sarvakāryeṣu dṛśyate sādhv asādhu ca

Niemand ist völlig tugendhaft, und niemand ist völlig ohne Tugend; in allen Handlungen zeigt sich beides, Gutes und Schlechtes.

Wort für Wort
na atyantaguṇavān kaś cit
niemand ganz tugendhaft (Nom.Sg.; Nom.Sg.)
na ca api atyantanirguṇaḥ
und auch nicht ganz ohne Tugend (Nom.Sg.)
ubhayaṃ sarvakāryeṣu
beides in allen Handlungen (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.)
dṛśyate sādhu asādhu ca
wird gesehen, Gutes und Schlechtes (3.Sg.Pass.; Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)

paśūnāṃ vṛṣaṇaṃ chittvā tato bhindanti nastakān; kṛṣanti bahavo bhārān badhnanti damayanti ca

Man schneidet den Tieren die Hoden ab, dann durchbohrt man ihre Nasen; viele ziehen sie, [laden] Lasten [auf], binden sie und zähmen sie.

Wort für Wort
paśūnāṃ vṛṣaṇaṃ chittvā
der Tiere Hoden abgeschnitten habend (Gen.Pl.; Akk.Sg.; Gerundium)
tataḥ bhindanti nastakān
dann durchbohren sie Nasenlöcher (Adv.; 3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
kṛṣanti bahavaḥ bhārān
pflügen/ziehen viele, Lasten (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.; Akk.Pl.)
badhnanti damayanti ca
binden und zähmen (3.Pl.Präs.; 3.Pl.Kaus.)

kṛṣanti bhārān: wörtlich „ziehen/schleppen Lasten“; der Vers ist elliptisch [?].

evaṃ paryākule loke vipathe jarjarīkṛte; tais tair nyāyair mahārāja purāṇaṃ dharmam ācara

So, in dieser verwirrten, wegelosen, morschgewordenen Welt, übe, großer König, auf diese und jene rechtmäßigen Weisen das uralte Dharma aus.

Wort für Wort
evaṃ paryākule loke
so in der verwirrten Welt (Adv.; Lok.Sg.; Lok.Sg.)
vipathe jarjarīkṛte
wegelos, morsch gemacht (Lok.Sg.; Lok.Sg.)
taiḥ taiḥ nyāyaiḥ mahārāja
durch diese und jene Methoden, großer König (Instr.Pl.; Instr.Pl.; Vok.Sg.)
purāṇaṃ dharmam ācara
das alte Dharma übe aus (Akk.Sg.; Akk.Sg.; Imp.2.Sg.)

yaja dehi prajā rakṣa dharmaṃ samanupālaya; amitrāñ jahi kaunteya mitrāṇi paripālaya

Opfere, gib, schütze die Geschöpfe, hüte das Dharma; erschlage die Feinde, Sohn der Kuntī, und beschütze die Freunde.

Wort für Wort
yaja dehi
opfere, gib (Imp.2.Sg.; Imp.2.Sg.)
prajāḥ rakṣa
schütze die Geschöpfe (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.)
dharmaṃ samanupālaya
das Dharma bewahre (Akk.Sg.; Imp.2.Sg.Kaus.)
amitrān jahi kaunteya
die Feinde erschlage, Kuntīsohn (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.; Vok.Sg.)
mitrāṇi paripālaya
die Freunde beschütze (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.Kaus.)

mā ca te nighnataḥ śatrūn manyur bhavatu bhārata; na tatra kilbiṣaṃ kiṃ cit kartur bhavati bhārata

Und der Zorn soll dich nicht [ergreifen], Bhārata, wenn du die Feinde erschlägst; für den Täter entsteht dort keinerlei Makel, Bhārata.

Wort für Wort
mā ca te nighnataḥ śatrūn
und nicht dir, den Feinden erschlagend (Prohibitivpartikel; Gen.Sg.; Part.Präs. Gen.Sg.; Akk.Pl.)
manyuḥ bhavatu bhārata
Zorn soll sein, Bhārata (Nom.Sg.; Imp.3.Sg.; Vok.Sg.)
na tatra kilbiṣaṃ kiṃ cit
nicht dort irgendein Makel (Adv.; Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
kartuḥ bhavati bhārata
für den Täter entsteht, Bhārata (Gen.Sg.; 3.Sg.Präs.; Vok.Sg.)

mā ... bhavatu: Imperativ nach mā ist ungewöhnlich (statt Injunktiv); sinngemäß „soll nicht sein“.

ātatāyī hi yo hanyād ātatāyinam āgatam; na tena bhrūṇahā sa syān manyus taṃ manyum ṛcchati

Denn wer einen herankommenden Angreifer erschlägt, der ein Angreifer ist, wird dadurch nicht zum Embryotöter; der Zorn trifft [nur] den Zorn.

Wort für Wort
ātatāyī hi yaḥ hanyāt
denn wer erschlüge als Angreifer (Nom.Sg.; Partikel; Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
ātatāyinam āgatam
einen Angreifer, der herangekommen ist (Akk.Sg.; Part.Perf.Akt. Akk.Sg.)
na tena bhrūṇahā saḥ syāt
nicht dadurch würde er Embryotöter sein (Instr.Sg.; Nom.Sg.; Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
manyuḥ tam manyum ṛcchati
der Zorn trifft den Zorn (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

Der Vers ist ein Zitat/Sentenz; der Angreifer (ātatāyin) ist ein feststehender Rechtsbegriff. Die Wendung manyus taṃ manyum ṛcchati [?] – sinngemäß: der Zorn des Getöteten trifft nur den Zorn des Angreifers.

avadhyaḥ sarvabhūtānām antarātmā na saṃśayaḥ; avadhye cātmani kathaṃ vadhyo bhavati kena cit

Das innere Selbst aller Wesen ist ohne Zweifel unerschlagbar; und wie kann dann, wenn das Selbst unerschlagbar ist, irgendjemand erschlagen werden?

Wort für Wort
avadhyaḥ sarvabhūtānām
unerschlagbar für alle Wesen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
antarātmā na saṃśayaḥ
das innere Selbst, kein Zweifel (Nom.Sg.; Nom.Sg.)
avadhye ca ātmani
und wenn das Selbst unerschlagbar ist (Lok.Sg.; Lok.Sg.)
kathaṃ vadhyaḥ bhavati kena cit
wie wird erschlagbar durch irgendwen (Adv.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.; Instr.Sg.)

kena cit als Agens beim Passiv/Lokativ absolutus; sinngemäß „wie kann jemand [durch jemanden] getötet werden?“

yathā hi puruṣaḥ śālāṃ punaḥ saṃpraviśen navām; evaṃ jīvaḥ śarīrāṇi tāni tāni prapadyate

Wie nämlich ein Mensch wieder in ein neues Haus eintritt, so geht das Lebendige in diese und jene Körper ein.

Wort für Wort
yathā hi puruṣaḥ śālām
wie nämlich ein Mensch ein Haus (Adv.; Partikel; Nom.Sg.; Akk.Sg.)
punaḥ saṃpraviśet navām
wieder betritt ein neues (Adv.; Opt.3.Sg.; Akk.Sg.f.)
evaṃ jīvaḥ śarīrāṇi
so das Lebende die Körper (Adv.; Nom.Sg.; Akk.Pl.)
tāni tāni prapadyate
diese und jene tritt es ein (Akk.Pl.; Akk.Pl.; 3.Sg.Präs. Med.)

dehān purāṇān utsṛjya navān saṃpratipadyate; evaṃ mṛtyumukhaṃ prāhur ye janās tattvadarśinaḥ

Alte Körper verlassend, gelangt es zu neuen; so nennen es, ‘Mund des Todes’, diejenigen Menschen, die die Wirklichkeit schauen.

Wort für Wort
dehān purāṇān utsṛjya
alte Körper verlassend (Akk.Pl.; Akk.Pl.; Gerundium)
navān saṃpratipadyate
zu neuen gelangt es (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs. Med.)
evaṃ mṛtyumukham prāhuḥ
so [nennen] den Mund des Todes sie sagen (Adv.; Akk.Sg.; 3.Pl.Perf.)
ye janāḥ tattvadarśinaḥ
die Leute, die die Wirklichkeit sehen (Nom.Pl.; Nom.Pl.; Nom.Pl.)

mṛtyumukham: „Mund/Anblick des Todes“ [?]; Deutung unsicher, hier als Bezeichnung des Todes (Wechsel des Körpers) gelesen.

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