Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 295: vidyāvidyāvivecana Wissen und Nichtwissen, Vergängliches und Unvergängliches; das Erwachen des Fünfundzwanzigsten

Vasiṣṭha erläutert König Janaka Wissen und Nichtwissen in der Sāṃkhya-Terminologie sowie das Verhältnis von Unentfaltetem und Fünfundzwanzigstem und schließt mit dem Verhältnis von Sāṃkhya und Yoga. Der Text ist stellenweise elliptisch und vermutlich verderbt.

vasiṣṭha uvāca; sāṃkhyadarśanam etāvad uktaṃ te nṛpasattama; vidyāvidye tv idānīṃ me tvaṃ nibodhānupūrvaśaḥ

Vasiṣṭha sprach: „Die Sāṃkhya-Lehre ist dir insoweit dargelegt, bester der Fürsten. Wissen und Nichtwissen aber vernimm jetzt von mir der Reihe nach.“

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach (Nom.; Perf.)
sāṃkhyadarśanam etāvad uktaṃ te
die Sāṃkhya-Lehre ist insoweit dir gesagt (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.; Dat./Gen.)
nṛpasattama
bester der Fürsten (Vok.)
vidyāvidye tv idānīṃ me
Wissen und Nichtwissen aber jetzt von mir (Nom.Du.f.; Gen./Abl.)
tvaṃ nibodha anupūrvaśaḥ
du vernimm der Reihe nach (Imp.2.Sg.; Adv.)

avidyām āhur avyaktaṃ sargapralayadharmi vai; sargapralayanirmuktaṃ vidyāṃ vai pañcaviṃśakam

Nichtwissen nennen sie das Unentfaltete, das dem Gesetz von Schöpfung und Auflösung unterliegt; Wissen aber [nennen sie] das von Schöpfung und Auflösung freie Fünfundzwanzigste.

Wort für Wort
avidyām āhur avyaktam
Nichtwissen nennen sie das Unentfaltete (Akk.; 3.Pl.Perf.)
sargapralayadharmi vai
dem Gesetz von Schöpfung und Auflösung unterworfen, fürwahr (Nom.Sg.n.)
sargapralayanirmuktaṃ
von Schöpfung und Auflösung befreit (Akk.Sg.n.; Kompositum)
vidyāṃ vai pañcaviṃśakam
Wissen [nennen sie] fürwahr das Fünfundzwanzigste (Akk.)

parasparam avidyāṃ vai tan nibodhānupūrvaśaḥ; yathoktam ṛṣibhis tāta sāṃkhyasyāsya nidarśanam

Das Nichtwissen [erkenne] im gegenseitigen Bezug – das vernimm der Reihe nach, wie es, Lieber, von den Sehern als Darlegung dieser Sāṃkhya-Lehre gesagt worden ist.

Wort für Wort
parasparam avidyāṃ vai
im gegenseitigen [Bezug] das Nichtwissen fürwahr (Adv.; Akk.)
tan nibodha anupūrvaśaḥ
das vernimm der Reihe nach (Imp.)
yathoktam ṛṣibhiḥ
wie gesagt von den Sehern (Part.Perf.Pass.; Instr.Pl.)
tāta
Lieber (Vok.)
sāṃkhyasya asya nidarśanam
dieser Sāṃkhya-Lehre Darlegung (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.)

Der erste Halbvers ist knapp; „parasparam“ ist als „im gegenseitigen Bezug“ gedeutet.

karmendriyāṇāṃ sarveṣāṃ vidyā buddhīndriyaṃ smṛtam; buddhīndriyāṇāṃ ca tathā viśeṣā iti naḥ śrutam

Von allen Handlungsorganen ist das Erkenntnisorgan als Wissen überliefert; und von den Erkenntnisorganen [gilt], so haben wir gehört, ebenso das Besondere [als Wissen].

Wort für Wort
karmendriyāṇāṃ sarveṣāṃ
von allen Handlungsorganen (Gen.Pl.)
vidyā buddhīndriyaṃ smṛtam
Wissen [ist] das Erkenntnisorgan, überliefert (Nom.; Part.Perf.Pass.)
buddhīndriyāṇāṃ ca tathā
und von den Erkenntnisorganen ebenso (Gen.Pl.)
viśeṣā iti naḥ śrutam
die Besonderen, so [ist] uns gehört (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)

Die Konstruktion des zweiten Halbverses ist elliptisch („vidyā“ ist zu ergänzen).

viśeṣāṇāṃ manas teṣāṃ vidyām āhur manīṣiṇaḥ; manasaḥ pañcabhūtāni vidyā ity abhicakṣate

Von den Besonderen [gilt] der Geist als Wissen, sagen die Weisen; vom Geist nennt man die fünf Elemente Wissen.

Wort für Wort
viśeṣāṇāṃ manas teṣāṃ
von den Besonderen der Geist (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
vidyām āhur manīṣiṇaḥ
als Wissen nennen ihn die Weisen (Akk.; 3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
manasaḥ pañcabhūtāni
vom Geist die fünf Elemente (Gen.Sg.; Nom.Pl.)
vidyā ity abhicakṣate
„Wissen“, so bezeichnet man [sie] (3.Pl.Med.Präs.)

ahaṃkāras tu bhūtānāṃ pañcānāṃ nātra saṃśayaḥ; ahaṃkārasya ca tathā buddhir vidyā nareśvara

Der Ich-Macher aber [ist Wissen] gegenüber den fünf Elementen, daran ist hier kein Zweifel; und vom Ich-Macher ebenso die Erkenntniskraft, Herr der Menschen.

Wort für Wort
ahaṃkāras tu bhūtānāṃ pañcānāṃ
der Ich-Macher aber von den fünf Elementen (Nom.; Gen.Pl.)
na atra saṃśayaḥ
nicht [ist] hier Zweifel (Nom.)
ahaṃkārasya ca tathā
und vom Ich-Macher ebenso (Gen.)
buddhir vidyā
die Erkenntniskraft [ist] Wissen (Nom.)
nareśvara
Herr der Menschen (Vok.)

buddheḥ prakṛtir avyaktaṃ tattvānāṃ parameśvaram; vidyā jñeyā naraśreṣṭha vidhiś ca paramaḥ smṛtaḥ

Von der Erkenntniskraft [ist] die Urnatur, das Unentfaltete, unter den Prinzipien der höchste Herr, als Wissen zu erkennen, bester der Männer; und die höchste Ordnung ist überliefert.

Wort für Wort
buddheḥ prakṛtir avyaktaṃ
von der Erkenntniskraft die Urnatur, das Unentfaltete (Gen.; Nom.; Nom.Sg.n.)
tattvānāṃ parameśvaram
unter den Prinzipien den höchsten Herrn (Gen.Pl.; Akk.Sg.n.)
vidyā jñeyā
als Wissen zu erkennen (Nom.; Gerundiv)
naraśreṣṭha
bester der Männer (Vok.)
vidhiś ca paramaḥ smṛtaḥ
und die höchste Ordnung [ist] überliefert (Nom.; Part.Perf.Pass.)

Der Halbvers „buddheḥ … parameśvaram“ ist syntaktisch locker; Zuordnung unsicher.

avyaktasya paraṃ prāhur vidyāṃ vai pañcaviṃśakam; sarvasya sarvam ity uktaṃ jñeyaṃ jñānasya pārthiva

Jenseits des Unentfalteten, sagen sie, [ist] das Fünfundzwanzigste Wissen; „Vom Ganzen ist alles“ ist gesagt – das zu Erkennende des Wissens, o Fürst.

Wort für Wort
avyaktasya param prāhur
jenseits des Unentfalteten nennen sie (Gen.; Adv.; 3.Pl.Perf.)
vidyāṃ vai pañcaviṃśakam
als Wissen fürwahr das Fünfundzwanzigste (Akk.)
sarvasya sarvam ity uktaṃ
„vom Ganzen [ist] alles“, so ist gesagt (Gen.; Nom.; Part.Perf.Pass.)
jñeyaṃ jñānasya
das zu Erkennende des Wissens (Gerundiv; Gen.)
pārthiva
Fürst (Vok.)

„sarvasya sarvam“ ist wörtlich wiedergegeben; der Sinn ist unsicher.

jñānam avyaktam ity uktaṃ jñeyaṃ vai pañcaviṃśakam; tathaiva jñānam avyaktaṃ vijñātā pañcaviṃśakaḥ

Das Unentfaltete heißt Wissen, das Fünfundzwanzigste das zu Erkennende; ebenso [ist] das Unentfaltete Wissen, der Erkennende [aber] der Fünfundzwanzigste.

Wort für Wort
jñānam avyaktam ity uktaṃ
Wissen [ist] das Unentfaltete, so gesagt (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
jñeyaṃ vai pañcaviṃśakam
das zu Erkennende fürwahr das Fünfundzwanzigste (Gerundiv)
tathā eva jñānam avyaktaṃ
ebenso Wissen das Unentfaltete
vijñātā pañcaviṃśakaḥ
der Erkennende [ist] der Fünfundzwanzigste (Nom.Sg.m.; Nomen agentis)

vidyāvidyārthatattvena mayoktaṃ te viśeṣataḥ; akṣaraṃ ca kṣaraṃ caiva yad uktaṃ tan nibodha me

Wissen und Nichtwissen sind dir von mir nach der Wahrheit ihres Sinnes im Besonderen dargelegt; das Unvergängliche und das Vergängliche, was davon gesagt ist, das vernimm von mir.

Wort für Wort
vidyāvidyārthatattvena
nach der Wahrheit des Sinnes von Wissen und Nichtwissen (Instr.)
mayā uktaṃ te viśeṣataḥ
von mir gesagt dir im Besonderen (Instr.; Part.; Dat.; Adv.)
akṣaraṃ ca kṣaraṃ ca eva
das Unvergängliche und das Vergängliche (Akk./Nom.Sg.n.)
yad uktaṃ tan nibodha me
was gesagt ist, das vernimm von mir (Imp.)

ubhāv etau kṣarāv uktāv ubhāv etau ca nakṣarau; kāraṇaṃ tu pravakṣyāmi yathā khyātau tu tattvataḥ

Beide diese sind als vergänglich bezeichnet, und beide diese auch als nicht vergänglich; den Grund aber werde ich sagen, wie beide der Wahrheit nach benannt werden.

Wort für Wort
ubhau etau kṣarau uktau
beide diese als vergänglich genannt (Nom.Du.m.)
ubhau etau ca na-kṣarau
und beide diese als nicht vergänglich (Nom.Du.m.)
kāraṇaṃ tu pravakṣyāmi
den Grund aber werde ich sagen (Akk.; 1.Sg.Fut.)
yathā khyātau tu tattvataḥ
wie beide bezeichnet werden der Wahrheit nach (Nom.Du.; Part.Perf.Pass.; Adv.)

anādinidhanāv etāv ubhāv eveśvarau matau; tattvasaṃjñāv ubhāv etau procyete jñānacintakaiḥ

Beide, ohne Anfang und Ende, gelten als Herren; beide tragen die Bezeichnung „Prinzip“, so sagen die, die über das Wissen nachsinnen.

Wort für Wort
anādinidhanau etau
ohne Anfang und Ende, diese beiden (Nom.Du.m.)
ubhau eva īśvarau matau
beide gelten als Herren (Nom.Du.; Part.Perf.Pass.)
tattvasaṃjñau ubhau etau
die Bezeichnung „Prinzip“ tragend, beide diese (Nom.Du.)
procyete jñānacintakaiḥ
werden genannt von den über Wissen Nachsinnenden (3.Du.Pass.; Instr.Pl.)

sargapralayadharmitvād avyaktaṃ prāhur akṣaram; tad etad guṇasargāya vikurvāṇaṃ punaḥ punaḥ

Wegen der Eigenschaft von Schöpfung und Auflösung nennt man das Unentfaltete unvergänglich [?]; dieses [ist es], das sich zur Schöpfung der Guṇas immer wieder wandelt.

Wort für Wort
sargapralayadharmitvāt
wegen der Eigenschaft von Schöpfung und Auflösung (Abl.)
avyaktaṃ prāhur akṣaram
das Unentfaltete nennen sie unvergänglich (Akk.; 3.Pl.Perf.)
tad etad guṇasargāya
dieses [ist es] zur Schöpfung der Guṇas (Dat.)
vikurvāṇaṃ punaḥ punaḥ
sich wandelnd immer wieder (Part.Präs.Med.; Adv.)

Dass gerade die Zugehörigkeit zu Schöpfung und Auflösung das Unvergängliche begründen soll, ist auffällig; Text vermutlich verkürzt.

guṇānāṃ mahadādīnām utpadyati parasparam; adhiṣṭhānāt kṣetram āhur etat tat pañcaviṃśakam

Von den Guṇas, beginnend mit dem Mahat, entsteht es wechselseitig; wegen der Grundlage nennt man es „Feld“ – dieses ist jenes Fünfundzwanzigste.

Wort für Wort
guṇānāṃ mahadādīnām
von den Guṇas, mit dem Mahat beginnend (Gen.Pl.)
utpadyati parasparam
es entsteht wechselseitig (3.Sg.Präs.; Adv.)
adhiṣṭhānāt kṣetram āhur
wegen der Grundlage nennen sie „Feld“ (Abl.; Akk.; 3.Pl.Perf.)
etat tat pañcaviṃśakam
dieses [ist] jenes Fünfundzwanzigste (Nom.Sg.n.)

Der Bezug von „utpadyati“ und die Identifikation des „Feldes“ mit dem Fünfundzwanzigsten sind unsicher.

yadā tu guṇajālaṃ tad avyaktātmani saṃkṣipet; tadā saha guṇais tais tu pañcaviṃśo vilīyate

Wenn sich aber jenes Netz der Guṇas in das Unentfaltete-Selbst zusammenzieht, dann löst sich der Fünfundzwanzigste zusammen mit jenen Guṇas auf.

Wort für Wort
yadā tu guṇajālaṃ tad
wenn aber jenes Netz der Guṇas (Nom.Sg.n.)
avyaktātmani saṃkṣipet
in das Unentfaltete-Selbst sich zusammenzieht (Lok.; 3.Sg.Opt.)
tadā saha guṇais tais tu
dann zusammen mit jenen Guṇas (Instr.Pl.)
pañcaviṃśo vilīyate
der Fünfundzwanzigste löst sich auf (Nom.; 3.Sg.Pass.Präs.)

guṇā guṇeṣu līyante tadaikā prakṛtir bhavet; kṣetrajño 'pi yadā tāta tatkṣetre saṃpralīyate

Die Guṇas lösen sich in den Guṇas auf, dann wird die Urnatur eine; wenn auch der Feldkenner, Lieber, sich in jenem Feld völlig auflöst,

Wort für Wort
guṇā guṇeṣu līyante
die Guṇas lösen sich in den Guṇas auf (Nom.Pl.; Lok.Pl.; 3.Pl.Pass.)
tadā ekā prakṛtir bhavet
dann wird die Urnatur eine (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
kṣetrajño 'pi yadā tāta
wenn auch der Feldkenner, Lieber (Nom.; Vok.)
tatkṣetre saṃpralīyate
in jenem Feld sich völlig auflöst (Lok.; 3.Sg.Pass.)

tadākṣaratvaṃ prakṛtir gacchate guṇasaṃjñitā; nirguṇatvaṃ ca vaideha guṇeṣu prativartanāt

dann geht die Urnatur, „Guṇa“ genannt, in den Zustand des Unvergänglichen ein; und Guṇalosigkeit [erlangt sie], Fürst der Videhas, durch das Verbleiben in den Guṇas.

Wort für Wort
tadā akṣaratvaṃ prakṛtir
dann die Urnatur [in den Zustand] der Unvergänglichkeit (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.f.)
gacchate guṇasaṃjñitā
geht ein, „Guṇa“ genannt (3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.f.)
nirguṇatvaṃ ca vaideha
und Guṇalosigkeit, Fürst der Videhas (Akk.; Vok.)
guṇeṣu prativartanāt
wegen des Verbleibens/Zurückkehrens in den Guṇas (Lok.Pl.; Abl.)

„prativartanāt“ ist mehrdeutig (Zurückkehren/Verbleiben); Sinn des Halbverses unsicher.

evam eva ca kṣetrajñaḥ kṣetrajñānaparikṣaye; prakṛtyā nirguṇas tv eṣa ity evam anuśuśruma

Und ebenso ist der Feldkenner bei Schwund der Feld-Erkenntnis von der Urnatur her guṇalos – so haben wir es überliefert gehört.

Wort für Wort
evam eva ca kṣetrajñaḥ
und ebenso der Feldkenner (Nom.)
kṣetrajñānaparikṣaye
beim Schwund der Erkenntnis des Feldes (Lok.)
prakṛtyā nirguṇas tu eṣa
von der Urnatur her guṇalos ist dieser (Instr.; Nom.Sg.m.)
ity evam anuśuśruma
so haben wir es gehört (1.Pl.Perf.)

kṣaro bhavaty eṣa yadā tadā guṇavatīm atha; prakṛtiṃ tv abhijānāti nirguṇatvaṃ tathātmanaḥ

Wenn dieser vergänglich wird, dann erkennt er die mit Guṇas versehene Urnatur und ebenso die Guṇalosigkeit des Selbst.

Wort für Wort
kṣaro bhavati eṣa yadā
vergänglich wird dieser, wenn (Nom.; 3.Sg.Präs.)
tadā guṇavatīm atha
dann die mit Guṇas versehene (Akk.Sg.f.)
prakṛtiṃ tu abhijānāti
die Urnatur aber erkennt er (Akk.; 3.Sg.Präs.)
nirguṇatvaṃ tathā ātmanaḥ
die Guṇalosigkeit ebenso des Selbst (Akk.; Gen.)

tadā viśuddho bhavati prakṛteḥ parivarjanāt; anyo 'ham anyeyam iti yadā budhyati buddhimān

Dann wird er rein durch das Meiden der Urnatur, wenn der Einsichtige erkennt: „Ein anderer bin ich, eine andere ist diese.“

Wort für Wort
tadā viśuddho bhavati
dann wird er rein (Nom.; 3.Sg.Präs.)
prakṛteḥ parivarjanāt
durch das Meiden der Urnatur (Abl.)
anyo 'ham anyā iyam iti
„ein anderer [bin] ich, eine andere diese“, so (Nom.Sg.m./f.)
yadā budhyati buddhimān
wenn erkennt der Einsichtige (3.Sg.Präs.; Nom.)

tadaiṣo 'nyatvatām eti na ca miśratvam āvrajet; prakṛtyā caiva rājendra namiśro 'nyaś ca dṛśyate

Dann gelangt er in den Zustand der Andersheit und geht nicht in Vermischung ein; und von der Urnatur, Fürstenfürst, wird er als unvermischt und verschieden gesehen.

Wort für Wort
tadā eṣaḥ anyatvatām eti
dann dieser gelangt zur Andersheit (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
na ca miśratvam āvrajet
und nicht gehe er in Vermischung ein (Akk.; 3.Sg.Opt.)
prakṛtyā ca eva rājendra
und von der Urnatur, Fürstenfürst (Instr.; Vok.)
na-miśro 'nyaś ca dṛśyate
unvermischt und verschieden wird er gesehen (Nom.; 3.Sg.Pass.)

yadā tu guṇajālaṃ tat prākṛtaṃ vijugupsate; paśyate cāparaṃ paśyaṃ tadā paśyan na saṃjvaret

Wenn er aber dieses aus Urnatur bestehende Netz der Guṇas verabscheut und als ein anderer Schauender schaut, dann quält sich der Schauende nicht.

Wort für Wort
yadā tu guṇajālaṃ tat prākṛtaṃ
wenn aber jenes aus Urnatur bestehende Netz der Guṇas (Akk.Sg.n.)
vijugupsate
verabscheut er (3.Sg.Präs.Desid.Med.)
paśyate ca aparaṃ paśyaṃ
und er sieht, als anderer Schauender (3.Sg.Med.; Akk./Adv.; Part.Präs.)
tadā paśyan na saṃjvaret
dann als Sehender quält er sich nicht (Part.Präs.; 3.Sg.Opt.)

„aparaṃ paśyam“ ist unsicher (Akk. „einen anderen“ oder Adv.).

kiṃ mayā kṛtam etāvad yo 'haṃ kālam imaṃ janam; matsyo jālaṃ hy avijñānād anuvartitavāṃs tathā

„Was habe ich nur getan, ich, der ich diese ganze Zeit hindurch aus Nichterkennen dem Volk [gefolgt bin], wie ein Fisch dem Netz [folgt]!“

Wort für Wort
kiṃ mayā kṛtam etāvad
was ist von mir so viel getan (Nom.; Instr.; Part.Perf.Pass.)
yo 'haṃ kālam imaṃ janam
ich, der ich diese Zeit lang [dem] Volk (Nom.; Akk.)
matsyo jālaṃ hi
wie ein Fisch das Netz (Nom.; Akk.)
avijñānād anuvartitavān tathā
aus Nichterkennen gefolgt bin ich so (Abl.; Part.Perf.Akt.)

Die Konstruktion ist verkürzt: das Prädikat „anuvartitavān“ ist auf beide Objekte zu beziehen.

aham eva hi saṃmohād anyam anyaṃ janāj janam; matsyo yathodakajñānād anuvartitavān iha

„Ich selbst bin ja aus Verblendung von Mensch zu Mensch, einem nach dem anderen, hier gefolgt, wie ein Fisch aus Unkenntnis des Wassers.“

Wort für Wort
aham eva hi saṃmohād
ich selbst ja aus Verblendung (Nom.; Abl.)
anyam anyaṃ janāj janam
einem anderen nach dem anderen, von Mensch zu Mensch (Akk.; Abl.; Akk.)
matsyo yathā udakajñānāt
wie ein Fisch aus Kenntnis des Wassers [?] (Nom.; Abl.)
anuvartitavān iha
bin gefolgt hier (Part.Perf.Akt.)

„udakajñānāt“ steht wohl für „udakājñānāt“ (aus Unkenntnis des Wassers); wörtlich „aus Wasser-Erkenntnis“.

matsyo 'nyatvaṃ yathājñānād udakān nābhimanyate; ātmānaṃ tadvad ajñānād anyatvaṃ caiva vedmy aham

„Wie der Fisch aus Nichtwissen die Verschiedenheit vom Wasser nicht bedenkt, so kenne auch ich aus Unwissenheit das Selbst und die Verschiedenheit [nicht].“

Wort für Wort
matsyo 'nyatvaṃ yathā ajñānād
wie der Fisch die Verschiedenheit aus Nichtwissen (Nom.; Akk.; Abl.)
udakān na abhimanyate
vom Wasser nicht bedenkt (Abl.; 3.Sg.Präs.Med.)
ātmānaṃ tadvad ajñānād
das Selbst ebenso aus Unwissenheit (Akk.; Abl.)
anyatvaṃ ca eva vedmi aham
und die Verschiedenheit weiß ich (Akk.; 1.Sg.Präs.)

Der Text hat „vedmi“ (ich weiß); nach dem Vergleich ist eine Negation zu ergänzen („[nicht]“).

mamāstu dhig abuddhasya yo 'haṃ magnam imaṃ punaḥ; anuvartitavān mohād anyam anyaṃ janāj janam

„Verflucht sei ich, der Unerwachte, der ich hier, versunken [?], wieder aus Verblendung von Mensch zu Mensch, einem nach dem anderen, gefolgt bin.“

Wort für Wort
mama astu dhik abuddhasya
für mich sei Fluch, den Unerwachten (Gen.; Imp.; Interj.; Gen.)
yo 'haṃ magnam imaṃ punaḥ
ich, der ich diesen Versunkenen [?] wieder (Nom.; Akk.; Adv.)
anuvartitavān mohād
gefolgt bin aus Verblendung (Part.Perf.Akt.; Abl.)
anyam anyaṃ janāj janam
einem anderen nach dem anderen, von Mensch zu Mensch (Akk.)

„magnam imam“ ist unsicher (vielleicht „in dieses Versunkensein“).

ayam atra bhaved bandhur anena saha mokṣaṇam; sāmyam ekatvam āyāto yādṛśas tādṛśas tv aham

„Dieser hier möge mir hierin Verwandter sein; mit ihm [gemeinsam ist] Befreiung; zu Gleichheit, zu Einssein bin ich gelangt: wie dieser ist, so bin ich.“

Wort für Wort
ayam atra bhaved bandhur
dieser hier möge Verwandter sein (Nom.; Adv.; 3.Sg.Opt.; Nom.)
anena saha mokṣaṇam
mit diesem Befreiung (Instr.; Nom.Sg.n.)
sāmyam ekatvam āyāto
zu Gleichheit, zu Einssein gelangt (Akk.; Akk.; Part.Perf.Akt.)
yādṛśas tādṛśas tu aham
wie dieser [ist], so [bin] ich (Nom.)

tulyatām iha paśyāmi sadṛśo 'ham anena vai; ayaṃ hi vimalo vyaktam aham īdṛśakas tathā

„Gleichheit sehe ich hier; ich bin ihm gleich; denn dieser ist rein, offenbar, und ich bin ebenso beschaffen.“

Wort für Wort
tulyatām iha paśyāmi
Gleichheit sehe ich hier (Akk.; 1.Sg.Präs.)
sadṛśo 'ham anena vai
gleich bin ich diesem fürwahr (Nom.; Instr.)
ayaṃ hi vimalo vyaktam
denn dieser ist rein, offenbar (Nom.; Adv.)
aham īdṛśakas tathā
ich [bin] ebenso beschaffen (Nom.)

yo 'ham ajñānasaṃmohād ajñayā saṃpravṛttavān; sasaṅgayāhaṃ niḥsaṅgaḥ sthitaḥ kālam imaṃ tv aham

„Ich, der ich aus Unwissens-Verblendung durch die Unwissende ins Wirken geraten bin – ich, der Anhangslose, blieb diese Zeit hindurch mit der Anhaftenden.“

Wort für Wort
yo 'ham ajñānasaṃmohād
ich, der ich aus Unwissens-Verblendung (Nom.; Abl.)
ajñayā saṃpravṛttavān
durch die Unwissende ins Wirken geraten (Instr.f.; Part.Perf.Akt.)
sasaṅgayā aham niḥsaṅgaḥ
mit der Anhaftenden ich, der Anhangslose (Instr.f.; Nom.)
sthitaḥ kālam imaṃ tu aham
blieb diese Zeit hindurch (Part.Perf.Pass.; Akk.)

anayāhaṃ vaśībhūtaḥ kālam etaṃ na buddhavān; uccamadhyamanīcānāṃ tām ahaṃ katham āvase

„Von ihr beherrscht habe ich diese Zeit nicht [es] erkannt; sie, [die Herrin] der hohen, mittleren und niedrigen [Gestalten] – wie soll ich bei ihr weilen?“

Wort für Wort
anayā aham vaśībhūtaḥ
von dieser ich beherrscht (Instr.; Nom.)
kālam etaṃ na buddhavān
diese Zeit nicht erkannt habend (Akk.; Part.Perf.Akt.)
uccamadhyamanīcānāṃ
der Hohen, Mittleren und Niedrigen (Gen.Pl.)
tām ahaṃ katham āvase
sie – wie soll ich [bei ihr] weilen (Akk.; 1.Sg.Präs.)

Der Bezug von „uccamadhyamanīcānām“ ist unsicher; „tām āvase“ als „bei ihr wohnen“ gedeutet.

samānayānayā ceha sahavāsam ahaṃ katham; gacchāmy abuddhabhāvatvād eṣedānīṃ sthiro bhave

„Wie soll ich mit dieser, [die alles] gleichmäßig führt [?], ein Zusammenleben eingehen, aus Unerwachtheit? Nun aber will ich fest [gegründet] sein.“

Wort für Wort
samānayā anayā ca iha
mit dieser Gleichen [?] hier (Instr.f.)
sahavāsam ahaṃ katham
Zusammenleben ich wie (Akk.)
gacchāmi abuddhabhāvatvāt
gehe ich ein, aus Unerwachtheit (1.Sg.Präs.; Abl.)
eṣā idānīṃ sthiro bhave
dieser [gegenüber] jetzt will ich fest sein (Dat./Gen.f.; Adv.; Nom.; 1.Sg.Opt.)

„samānayā“ ist unsicher; „eṣā“ vielleicht „eṣa“ (dieser [ich] jetzt).

sahavāsaṃ na yāsyāmi kālam etad dhi vañcanāt; vañcito 'smy anayā yad dhi nirvikāro vikārayā

„Zusammenleben werde ich [mit ihr] nicht eingehen wegen dieser Zeit der Täuschung; getäuscht bin ich von ihr, der Veränderlichen, ich, der Unveränderliche.“

Wort für Wort
sahavāsaṃ na yāsyāmi
Zusammenleben werde ich nicht eingehen (Akk.; 1.Sg.Fut.)
kālam etad dhi vañcanāt
diese Zeit, denn wegen der Täuschung (Akk.; Abl.)
vañcito 'smi anayā
getäuscht bin ich von dieser (Part.Perf.Pass.; Instr.)
yad dhi nirvikāro vikārayā
weil ich, der Unveränderliche, von der Veränderlichen (Nom.; Instr.f.)

Der Halbvers „kālam etad dhi vañcanāt“ ist syntaktisch unsicher.

na cāyam aparādho 'syā aparādho hy ayaṃ mama; yo 'ham atrābhavaṃ saktaḥ parāṅmukham upasthitaḥ

„Und nicht ist dies ihr Vergehen, sondern dies ist mein Vergehen: dass ich hier an sie gebunden war, ihr zugewandt dastehend, [während sie] abgewandt [ist] [?].“

Wort für Wort
na ca ayam aparādho 'syāḥ
und nicht ist dies ihr Vergehen (Nom.; Gen.f.)
aparādho hi ayaṃ mama
denn dies Vergehen [ist] mein (Nom.; Gen.)
yo 'ham atra abhavaṃ saktaḥ
dass ich hier gebunden war (Nom.; Impf.; Part.Perf.Pass.)
parāṅmukham upasthitaḥ
abgewandtem Gesicht [?] herangetreten (Akk./Adv.; Part.Perf.Pass.)

„parāṅmukham upasthitaḥ“ ist mehrdeutig (ich stand ihr, der Abgewandten, gegenüber).

tato 'smi bahurūpāsu sthito mūrtiṣv amūrtimān; amūrtaś cāpi mūrtātmā mamatvena pradharṣitaḥ

„Dadurch bin ich, der Gestaltlose, in den vielgestaltigen Formen geblieben; und obwohl gestaltlos, bin ich, mit dem Selbst in Gestalt, von Meinheit überwältigt worden.“

Wort für Wort
tato 'smi bahurūpāsu
dadurch bin ich in den vielgestaltigen (Lok.Pl.f.)
sthito mūrtiṣu amūrtimān
geblieben in den Formen, der Gestaltlose (Part.Perf.Pass.; Lok.Pl.; Nom.)
amūrtaś ca api mūrtātmā
und obwohl gestaltlos, in Gestalt als Selbst (Nom.; Nom.)
mamatvena pradharṣitaḥ
von Meinheit überwältigt (Instr.; Part.Perf.Pass.)

prakṛter anayatvena tāsu tāsv iha yoniṣu; nirmamasya mamatvena kiṃ kṛtaṃ tāsu tāsu ca; yonīṣu vartamānena naṣṭasaṃjñena cetasā

„Durch das Fehlgehen der Urnatur in diesen und jenen Mutterschößen hier – was wurde durch Meinheit an mir, dem Meinlosen, bewirkt, in jenen Mutterschößen, der ich mit verlorener Besinnung im Geist weilte?“

Wort für Wort
prakṛter anayatvena
durch das Fehlgehen der Urnatur (Gen.; Instr.)
tāsu tāsu iha yoniṣu
in diesen und jenen Mutterschößen hier (Lok.Pl.f.)
nirmamasya mamatvena
dem Meinlosen durch Meinheit (Gen.; Instr.)
kiṃ kṛtaṃ tāsu tāsu ca
was ist getan in jenen und jenen (Nom.; Part.Perf.Pass.; Lok.)
yonīṣu vartamānena
in den Mutterschößen weilend (Lok.; Part.Präs.Med.Instr.)
naṣṭasaṃjñena cetasā
mit verlorener Besinnung im Geist (Instr.)

„anayatvena“ (Fehlgehen, Unfug) ist gedeutet; Bezug des Satzes unsicher.

na mamātrānayā kāryam ahaṃkārakṛtātmayā; ātmānaṃ bahudhā kṛtvā yeyaṃ bhūyo yunakti mām; idānīm eṣa buddho 'smi nirmamo nirahaṃkṛtaḥ

„Nichts habe ich hier mit dieser zu schaffen, deren Selbst durch den Ich-Macher gemacht ist, die mich, mein Selbst vielfach machend, wieder verbindet. Jetzt bin ich erwacht, ohne Meinheit, ohne Ich-Macher.“

Wort für Wort
na mama atra anayā kāryam
nicht [ist] mir hier mit dieser etwas zu tun (Nom.Sg.n.Gerundiv; Instr.)
ahaṃkārakṛtātmayā
mit der, deren Selbst durch den Ich-Macher gemacht ist (Instr.f.)
ātmānaṃ bahudhā kṛtvā
das Selbst vielfach machend (Akk.; Abs.)
yā iyaṃ bhūyo yunakti mām
die diese wieder mich verbindet (Nom.f.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
idānīm eṣa buddho 'smi
jetzt bin ich, dieser, erwacht (Adv.; Nom.)
nirmamo nirahaṃkṛtaḥ
ohne Meinheit, ohne Ich-Machen (Nom.)

mamatvam anayā nityam ahaṃkārakṛtātmakam; apetyāham imāṃ hitvā saṃśrayiṣye nirāmayam

„Die Meinheit, die von dieser stets durch den Ich-Macher gemacht ist – ich will mich davon abwenden, sie verlassen und beim Leidfreien Zuflucht nehmen.“

Wort für Wort
mamatvam anayā nityam
die Meinheit von dieser stets (Akk.; Instr.; Adv.)
ahaṃkārakṛtātmakam
durch Ich-Macher gemacht (Akk.Sg.n.)
apetya aham imāṃ hitvā
mich abwendend, diese verlassend (Abs.; Akk.f.)
saṃśrayiṣye nirāmayam
werde ich Zuflucht nehmen beim Leidfreien (1.Sg.Fut.; Akk.)

anena sāmyaṃ yāsyāmi nānayāham acetasā; kṣamaṃ mama sahānena naikatvam anayā saha; evaṃ paramasaṃbodhāt pañcaviṃśo 'nubuddhavān

„Mit diesem werde ich Gleichheit erlangen, nicht mit dieser Geistlosen; passend ist für mich [Gleichheit] mit diesem, nicht Einssein mit dieser.“ So erwachte der Fünfundzwanzigste aus höchster Erkenntnis.

Wort für Wort
anena sāmyaṃ yāsyāmi
mit diesem werde ich Gleichheit erlangen (Instr.; Akk.; 1.Sg.Fut.)
na anayā aham acetasā
nicht mit dieser Geistlosen (Instr.f.)
kṣamaṃ mama sahānena
angemessen ist mir mit diesem (Nom.Sg.n.; Gen.; Instr.)
na ekatvam anayā saha
nicht Einssein mit dieser (Akk.; Instr.)
evaṃ paramasaṃbodhāt
so aus höchster Erkenntnis (Abl.)
pañcaviṃśo 'nubuddhavān
der Fünfundzwanzigste erwachte (Nom.; Part.Perf.Akt.)

akṣaratvaṃ niyaccheta tyaktvā kṣaram anāmayam; avyaktaṃ vyaktadharmāṇaṃ saguṇaṃ nirguṇaṃ tathā; nirguṇaṃ prathamaṃ dṛṣṭvā tādṛg bhavati maithila

Er möge die Unvergänglichkeit erlangen, das Vergängliche verlassen [habend], das Leidfreie [?]; das Unentfaltete, mit der Natur des Entfalteten, mit Guṇas und ebenso ohne Guṇas; das Guṇalose zuerst erblickend, wird er ihm gleich, Maithila.

Wort für Wort
akṣaratvaṃ niyaccheta
Unvergänglichkeit möge er erlangen/festhalten (Akk.; 3.Sg.Opt.)
tyaktvā kṣaram anāmayam
das Vergängliche verlassen habend, das Leidfreie (Abs.; Akk.)
avyaktaṃ vyaktadharmāṇaṃ
das Unentfaltete, die Natur des Entfalteten habend (Akk.Sg.n.)
saguṇaṃ nirguṇaṃ tathā
mit Guṇas, ebenso ohne Guṇas (Akk.Sg.n.)
nirguṇaṃ prathamaṃ dṛṣṭvā
das Guṇalose zuerst erblickend (Akk.; Adv.; Abs.)
tādṛg bhavati maithila
ein solcher wird er, Maithila (Nom.; 3.Sg.Präs.; Vok.)

Der Text ist syntaktisch dunkel und vermutlich verderbt; die Wiedergabe ist vorsichtig.

akṣarakṣarayor etad uktaṃ tava nidarśanam; mayeha jñānasaṃpannaṃ yathāśrutinidarśanāt

Dies ist dir [als] Darlegung von Unvergänglichem und Vergänglichem gesagt; von mir hier [als] wissensreich, gemäß der Darlegung nach der Überlieferung.

Wort für Wort
akṣarakṣarayor etad
von Unvergänglichem und Vergänglichem dies (Gen.Du.)
uktaṃ tava nidarśanam
gesagt [ist] deine Darlegung (Part.Perf.Pass.; Gen.; Nom.)
mayā iha jñānasaṃpannaṃ
von mir hier wissensreich (Instr.; Nom.Sg.n.)
yathāśrutinidarśanāt
gemäß der Darlegung nach der Überlieferung (Abl.)

Der Halbvers „mayeha … nidarśanāt“ ist unsicher.

niḥsaṃdigdhaṃ ca sūkṣmaṃ ca vibuddhaṃ vimalaṃ tathā; pravakṣyāmi tu te bhūyas tan nibodha yathāśrutam

Zweifelsfrei und fein, erwacht und rein: das werde ich dir weiter darlegen; das vernimm, wie es überliefert ist.

Wort für Wort
niḥsaṃdigdhaṃ ca sūkṣmaṃ ca
zweifelsfrei und fein (Akk.Sg.n.)
vibuddhaṃ vimalaṃ tathā
erwacht und rein ebenso (Akk.Sg.n.)
pravakṣyāmi tu te bhūyaḥ
werde ich dir aber weiter sagen (1.Sg.Fut.; Dat.; Adv.)
tan nibodha yathāśrutam
das vernimm, wie überliefert (Imp.; Adv.)

sāṃkhyayogau mayā proktau śāstradvayanidarśanāt; yad eva śāstraṃ sāṃkhyoktaṃ yogadarśanam eva tat

Sāṃkhya und Yoga habe ich aufgrund der Darlegung zweier Lehren genannt; welche Lehre als Sāṃkhya gesagt ist, ebendas ist die Yoga-Lehre.

Wort für Wort
sāṃkhyayogau mayā proktau
Sāṃkhya und Yoga sind von mir genannt (Nom.Du.; Instr.; Part.Perf.Pass.)
śāstradvayanidarśanāt
aufgrund der Darlegung zweier Lehren (Abl.)
yad eva śāstraṃ sāṃkhyoktaṃ
welche Lehre als Sāṃkhya gesagt ist (Nom.Sg.n.)
yogadarśanam eva tat
die Yoga-Lehre ebendas (Nom.Sg.n.)

prabodhanakaraṃ jñānaṃ sāṃkhyānām avanīpate; vispaṣṭaṃ procyate tatra śiṣyāṇāṃ hitakāmyayā

Das erweckende Wissen der Sāṃkhyas, Herr der Erde, wird dort deutlich dargelegt, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Schüler.

Wort für Wort
prabodhanakaraṃ jñānaṃ
das Erwachen bewirkende Wissen (Nom.Sg.n.)
sāṃkhyānām avanīpate
der Sāṃkhyas, Herr der Erde (Gen.Pl.; Vok.)
vispaṣṭaṃ procyate tatra
deutlich wird gesagt dort (Adv.; 3.Sg.Pass.)
śiṣyāṇāṃ hitakāmyayā
aus Wunsch nach dem Wohl der Schüler (Gen.Pl.; Instr.)

bṛhac caiva hi tac chāstram ity āhuḥ kuśalā janāḥ; asmiṃś ca śāstre yogānāṃ punar dadhi punaḥ śaraḥ

Und dies sei die große Lehre, sagen die kundigen Leute; und in dieser Lehre [ist] von den Yogas wieder „Quark“, wieder „Rohr“ [?].

Wort für Wort
bṛhac ca eva hi tac chāstram
und groß fürwahr ist jene Lehre (Nom.Sg.n.)
ity āhuḥ kuśalā janāḥ
so sagen die kundigen Leute (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
asmiṃś ca śāstre yogānāṃ
und in dieser Lehre, der Yogas (Lok.; Gen.Pl.)
punar dadhi punaḥ śaraḥ
wieder Quark, wieder Rohr [?] (Nom.)

Der letzte Halbvers ist unverständlich und vermutlich verderbt; wörtlich wiedergegeben.

pañcaviṃśāt paraṃ tattvaṃ na paśyati narādhipa; sāṃkhyānāṃ tu paraṃ tatra yathāvad anuvarṇitam

Über das Fünfundzwanzigste hinaus sieht er kein Prinzip, Herrscher der Menschen; das Höchste der Sāṃkhyas ist dort der Wahrheit gemäß dargelegt.

Wort für Wort
pañcaviṃśāt paraṃ tattvaṃ
über das Fünfundzwanzigste hinaus ein Prinzip (Abl.; Akk.)
na paśyati narādhipa
nicht sieht er, Herrscher der Menschen (3.Sg.Präs.; Vok.)
sāṃkhyānāṃ tu paraṃ tatra
der Sāṃkhyas aber das Höchste dort (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
yathāvad anuvarṇitam
der Wahrheit gemäß dargelegt (Adv.; Part.Perf.Pass.)

buddham apratibuddhaṃ ca budhyamānaṃ ca tattvataḥ; budhyamānaṃ ca buddhaṃ ca prāhur yoganidarśanam

Den Erwachten, den Nichterwachten und den in Wahrheit Erwachenden, ebenso den Erwachenden und den Erwachten – [so] nennen sie die Darlegung des Yoga.

Wort für Wort
buddham apratibuddhaṃ ca
den Erwachten und den Nichterwachten (Akk.)
budhyamānaṃ ca tattvataḥ
und den Erwachenden in Wahrheit (Part.Präs.Med.; Adv.)
budhyamānaṃ ca buddhaṃ ca
den Erwachenden und den Erwachten (Akk.)
prāhur yoganidarśanam
nennen sie die Darlegung des Yoga (3.Pl.Perf.; Akk.)

Der Vers ist knapp und formelhaft; Sinn der Aufzählung unsicher.

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