Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 311: śukotpatti Die Geburt Śukas aus der Reibhölzer-Feuerbohrung Vyāsas und sein Weg zur Befreiungslehre

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira, wie Vyāsa beim Feuerreiben durch den Anblick der Apsaras Ghṛtācī den Sohn Śuka zeugt, der in der Reibhölzer-Holzscheibe entsteht; Śuka wächst zum Gelehrten heran und wendet sich früh dem Mokṣa-Dharma zu.

bhīṣma uvāca; sa labdhvā paramaṃ devād varaṃ satyavatīsutaḥ; araṇīṃ tv atha saṃgṛhya mamanthāgnicikīrṣayā

Bhīṣma sprach: Nachdem der Sohn der Satyavatī von dem Gott eine höchste Gabe erlangt hatte, ergriff er das Reibholz und begann in der Absicht, Feuer zu erzeugen, zu reiben.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sa labdhvā paramaṃ devād varaṃ
er, nachdem er erlangt hatte, höchste Gabe, vom Gott (Abs.Gerundium/Akk./Abl.)
satyavatīsutaḥ
Sohn der Satyavatī (Nom.Sg.)
araṇīṃ tv atha saṃgṛhya
das Reibholz aber dann ergreifend (Akk.Sg.f./Gerundium)
mamantha agnicikīrṣayā
rieb (3.Sg.Perf.), mit dem Wunsch, Feuer zu machen (Instr.Sg.)

atha rūpaṃ paraṃ rājan bibhratīṃ svena tejasā; ghṛtācīṃ nāmāpsarasam apaśyad bhagavān ṛṣiḥ

Da sah der ehrwürdige Weise, o König, die Apsaras namens Ghṛtācī, die durch ihren eigenen Glanz eine höchste Gestalt trug.

Wort für Wort
atha rūpaṃ paraṃ rājan
da, Gestalt, höchste, o König (Akk.Sg.n./Vok.)
bibhratīṃ svena tejasā
die tragende, durch ihren eigenen Glanz (Part.Präs.Akk.f./Instr.)
ghṛtācīṃ nāma apsarasam
Ghṛtācī mit Namen, die Apsaras (Akk.Sg.f.)
apaśyad bhagavān ṛṣiḥ
sah (Impf.), der ehrwürdige Seher (Nom.Sg.)

ṛṣir apsarasaṃ dṛṣṭvā sahasā kāmamohitaḥ; abhavad bhagavān vyāso vane tasmin yudhiṣṭhira

Als der Seher die Apsaras erblickte, wurde der ehrwürdige Vyāsa in jenem Wald plötzlich von Begierde verwirrt, o Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
ṛṣir apsarasaṃ dṛṣṭvā
der Seher, die Apsaras, nachdem er sah (Nom./Akk./Gerundium)
sahasā kāmamohitaḥ
plötzlich, von Begierde verwirrt (Adv./Nom.Sg.m.)
abhavad bhagavān vyāsaḥ
wurde (Impf.), der ehrwürdige Vyāsa (Nom.)
vane tasmin yudhiṣṭhira
im Wald, in jenem, o Yudhiṣṭhira (Lok./Vok.)

sā ca kṛtvā tadā vyāsaṃ kāmasaṃvignamānasam; śukī bhūtvā mahārāja ghṛtācī samupāgamat

Und sie, Ghṛtācī, die Vyāsa damals im Herzen von Begierde erregt gemacht hatte, kam, zu einem Papagei geworden, o Großkönig, heran.

Wort für Wort
sā ca kṛtvā tadā vyāsaṃ
und sie, nachdem sie gemacht hatte, damals, Vyāsa (Nom.f./Gerundium/Akk.)
kāmasaṃvignamānasam
dessen Sinn von Begierde erregt ist (Bahuvrīhi, Akk.Sg.m.)
śukī bhūtvā mahārāja
Papageienweibchen geworden, o Großkönig (Nom.f./Gerundium/Vok.)
ghṛtācī samupāgamat
Ghṛtācī kam heran (Aor./Impf. 3.Sg.)

sa tām apsarasaṃ dṛṣṭvā rūpeṇānyena saṃvṛtām; śarīrajenānugataḥ sarvagātrātigena ha

Er sah jene Apsaras, die in einer anderen Gestalt verhüllt war, und ihm folgte das im Körper geborene [Verlangen], das alle Glieder durchdrang.

Wort für Wort
sa tām apsarasaṃ dṛṣṭvā
er, sie, die Apsaras, nachdem er sah (Nom./Akk./Gerundium)
rūpeṇa anyena saṃvṛtām
durch eine andere Gestalt verhüllt (Instr./Part.Perf.Pass.Akk.f.)
śarīrajena anugataḥ
vom Körpergeborenen [Verlangen] verfolgt (Instr./Part.Nom.m.)
sarvagātrātigena ha
das alle Glieder durchdringt, fürwahr (Instr.Sg.m./Part.)

Konstruktion des zweiten Halbverses elliptisch; das Subjekt (Verlangen) ist ergänzt.

sa tu dhairyeṇa mahatā nigṛhṇan hṛcchayaṃ muniḥ; na śaśāka niyantuṃ tad vyāsaḥ pravisṛtaṃ manaḥ; bhāvitvāc caiva bhāvasya ghṛtācyā vapuṣā hṛtaḥ

Doch der Weise, der die Regung des Herzens mit großer Standhaftigkeit bezwang, vermochte jenen zerfließenden Geist nicht zu zügeln, Vyāsa; denn wegen der Unabwendbarkeit dessen, was sein sollte, wurde er von Ghṛtācīs Gestalt hingerissen.

Wort für Wort
sa tu dhairyeṇa mahatā
er aber, mit Standhaftigkeit, großer (Nom./Instr.)
nigṛhṇan hṛcchayaṃ muniḥ
bezwingend die Herzensregung, der Weise (Part.Präs./Akk./Nom.)
na śaśāka niyantuṃ tad vyāsaḥ
vermochte nicht zu zügeln, das, Vyāsa (3.Sg.Perf./Inf.)
pravisṛtaṃ manaḥ
zerflossenen Geist (Part.Perf.Pass.Akk.n.)
bhāvitvāc caiva bhāvasya
und wegen der Unabwendbarkeit des Werdenden (Abl./Gen.)
ghṛtācyā vapuṣā hṛtaḥ
von Ghṛtācīs Körper hingerissen (Gen./Instr./Part.Nom.m.)

bhāvitvāc ca bhāvasya: wörtlich „wegen des Zukünftig-Seins des Werdenden“; gemeint ist die Schicksalhaftigkeit des Geschehens.

yatnān niyacchatas tasya muner agnicikīrṣayā; araṇyām eva sahasā tasya śukram avāpatat

Während der Weise mit Mühe [sich] zurückhielt, in der Absicht, Feuer zu erzeugen, fiel ihm plötzlich der Same gerade in das Reibholz.

Wort für Wort
yatnān niyacchatas
aus Anstrengung sich zügelnd (Abl./Part.Präs.Gen.m.)
tasya muner agnicikīrṣayā
von ihm, dem Weisen, aus dem Wunsch, Feuer zu machen (Gen./Instr.)
araṇyām eva sahasā
in das Reibholz gerade, plötzlich (Lok.f./Adv.)
tasya śukram avāpatat
sein Same fiel herab (Nom.n./3.Sg.Impf.)

so 'viśaṅkena manasā tathaiva dvijasattamaḥ; araṇīṃ mamantha brahmarṣis tasyāṃ jajñe śuko nṛpa

Mit unerschrockenem Sinn rieb der beste der Zweimalgeborenen, der Brahmanenseher, dennoch weiter das Reibholz; in ihm wurde Śuka geboren, o König.

Wort für Wort
so aviśaṅkena manasā
er, mit unbesorgtem Sinn (Nom./Instr.)
tathā eva dvijasattamaḥ
ebenso, der beste der Zweimalgeborenen (Adv./Nom.)
araṇīṃ mamantha brahmarṣiḥ
das Reibholz rieb der Brahmanenseher (Akk./3.Sg.Perf./Nom.)
tasyāṃ jajñe śuko nṛpa
in ihm wurde geboren Śuka, o König (Lok./3.Sg.Perf.Med./Nom./Vok.)

śukre nirmathyamāne tu śuko jajñe mahātapāḥ; paramarṣir mahāyogī araṇīgarbhasaṃbhavaḥ

Als der Same gerieben wurde, wurde Śuka geboren, der große Asket, ein höchster Seher und großer Yogin, im Schoß des Reibholzes entstanden.

Wort für Wort
śukre nirmathyamāne tu
als der Same aber gerieben wurde (Lok.abs./Part.Präs.Pass.)
śuko jajñe mahātapāḥ
Śuka wurde geboren, großer Asket (Nom./3.Sg.Perf.)
paramarṣir mahāyogī
höchster Seher, großer Yogin (Nom.)
araṇīgarbhasaṃbhavaḥ
im Schoß des Reibholzes entstanden (Tatpuruṣa, Nom.Sg.m.)

yathādhvare samiddho 'gnir bhāti havyam upāttavān; tathārūpaḥ śuko jajñe prajvalann iva tejasā

Wie beim Opfer ein entzündetes Feuer leuchtet, das die Opfergabe empfangen hat, so wurde Śuka in solcher Gestalt geboren, gleichsam vor Glanz lodernd.

Wort für Wort
yathā adhvare samiddho agnir
wie beim Opfer das entzündete Feuer (Lok./Part.Nom.)
bhāti havyam upāttavān
leuchtet, die Opfergabe empfangen habend (3.Sg.Präs./Part.Perf.Akt.)
tathārūpaḥ śuko jajñe
so gestaltet wurde Śuka geboren (Nom./3.Sg.Perf.)
prajvalann iva tejasā
gleichsam lodernd durch Glanz (Part.Präs./Instr.)

bibhrat pituś ca kauravya rūpavarṇam anuttamam; babhau tadā bhāvitātmā vidhūmo 'gnir iva jvalan

Er trug die unübertreffliche Gestalt und Farbe seines Vaters, o Nachkomme der Kuru, und strahlte damals, ein geläuterter Selbst, wie ein rauchloses, lodernd brennendes Feuer.

Wort für Wort
bibhrat pituś ca kauravya
tragend und des Vaters, o Kauravya (Part.Präs./Gen./Vok.)
rūpavarṇam anuttamam
Gestalt und Farbe, unübertroffen (Akk.Sg.m.)
babhau tadā bhāvitātmā
strahlte damals, mit geläutertem Selbst (3.Sg.Perf./Nom.)
vidhūmo agnir iva jvalan
wie ein rauchloses Feuer, brennend (Nom./Part.Präs.)

taṃ gaṅgā saritāṃ śreṣṭhā merupṛṣṭhe janeśvara; svarūpiṇī tadābhyetya snāpayām āsa vāriṇā

Ihn, o Herr der Menschen, badete damals auf dem Rücken des Meru Gaṅgā, die beste der Flüsse, die in eigener Gestalt herbeigekommen war, mit Wasser.

Wort für Wort
taṃ gaṅgā saritāṃ śreṣṭhā
ihn, Gaṅgā, die beste der Flüsse (Akk./Nom./Gen.Pl.)
merupṛṣṭhe janeśvara
auf dem Rücken des Meru, o Herr der Menschen (Lok./Vok.)
svarūpiṇī tadā abhyetya
in eigener Gestalt, damals herbeigekommen (Nom.f./Gerundium)
snāpayām āsa vāriṇā
ließ baden, mit Wasser (Periphr.Perf.Kaus./Instr.)

antarikṣāc ca kauravya daṇḍaḥ kṛṣṇājinaṃ ca ha; papāta bhuvi rājendra śukasyārthe mahātmanaḥ

Und vom Himmelsraum, o Kauravya, fielen ein Stab und ein Antilopenfell auf die Erde, o König der Könige, für den hochgesinnten Śuka.

Wort für Wort
antarikṣāc ca kauravya
und aus dem Luftraum, o Kauravya (Abl./Vok.)
daṇḍaḥ kṛṣṇājinaṃ ca ha
Stab und Antilopenfell fürwahr (Nom.)
papāta bhuvi rājendra
fiel auf die Erde, o Herr der Könige (3.Sg.Perf./Lok./Vok.)
śukasya arthe mahātmanaḥ
für Śuka, den Hochgesinnten (Gen./Loc. arthe/Gen.)

jegīyante sma gandharvā nanṛtuś cāpsarogaṇāḥ; devadundubhayaś caiva prāvādyanta mahāsvanāḥ

Die Gandharven sangen, und die Scharen der Apsaras tanzten, und die göttlichen Pauken ertönten mit großem Schall.

Wort für Wort
jegīyante sma gandharvāḥ
es wurde gesungen von den Gandharven (Intens.Pass.Präs. + sma/Nom.)
nanṛtuś ca apsarogaṇāḥ
und tanzten die Scharen der Apsaras (3.Pl.Perf./Nom.)
devadundubhayaś ca eva
und auch die Götterpauken (Nom.Pl.)
prāvādyanta mahāsvanāḥ
wurden geschlagen, mit großem Schall (3.Pl.Impf.Pass./Nom.)

viśvāvasuś ca gandharvas tathā tumburunāradau; hāhāhūhū ca gandharvau tuṣṭuvuḥ śukasaṃbhavam

Der Gandharve Viśvāvasu sowie Tumburu und Nārada und die beiden Gandharven Hāhā und Hūhū priesen die Geburt Śukas.

Wort für Wort
viśvāvasuś ca gandharvas
und Viśvāvasu, der Gandharve (Nom.)
tathā tumburunāradau
ebenso Tumburu und Nārada (Nom.Du.)
hāhāhūhū ca gandharvau
und Hāhā und Hūhū, die beiden Gandharven (Nom.Du.)
tuṣṭuvuḥ śukasaṃbhavam
priesen (3.Pl.Perf.), die Geburt Śukas (Akk.)

tatra śakrapurogāś ca lokapālāḥ samāgatāḥ; devā devarṣayaś caiva tathā brahmarṣayo 'pi ca

Dort kamen die Welthüter mit Śakra an der Spitze zusammen, ferner die Götter und Götterseher und auch die Brahmanenseher.

Wort für Wort
tatra śakrapurogāś ca
dort, die mit Śakra an der Spitze, und (Adv./Nom.Pl.)
lokapālāḥ samāgatāḥ
die Welthüter, versammelt (Nom.Pl./Part.Perf.)
devā devarṣayaś ca eva
die Götter und Götterseher (Nom.Pl.)
tathā brahmarṣayo api ca
ebenso auch die Brahmanenseher (Nom.Pl.)

divyāni sarvapuṣpāṇi pravavarṣātra mārutaḥ; jaṅgamaṃ sthāvaraṃ caiva prahṛṣṭam abhavaj jagat

Der Wind ließ hier lauter göttliche Blumen regnen, und die bewegliche und unbewegliche Welt wurde hocherfreut.

Wort für Wort
divyāni sarvapuṣpāṇi
göttliche, alle Blumen (Akk.Pl.n.)
pravavarṣa atra mārutaḥ
ließ regnen hier der Wind (3.Sg.Perf./Adv./Nom.)
jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca eva
das Bewegliche und das Unbewegliche (Nom.n.)
prahṛṣṭam abhavaj jagat
hocherfreut wurde die Welt (Part./3.Sg.Impf./Nom.n.)

taṃ mahātmā svayaṃ prītyā devyā saha mahādyutiḥ; jātamātraṃ muneḥ putraṃ vidhinopānayat tadā

Ihn, den soeben geborenen Sohn des Weisen, ließ damals der hochgesinnte, überaus glänzende [Gott] selbst voll Liebe zusammen mit der Göttin regelrecht einführen.

Wort für Wort
taṃ mahātmā svayaṃ prītyā
ihn, der Hochgesinnte, selbst, aus Zuneigung (Akk./Nom./Adv./Instr.)
devyā saha mahādyutiḥ
mit der Göttin, der sehr Glänzende (Instr./Nom.)
jātamātraṃ muneḥ putraṃ
soeben geboren, des Weisen Sohn (Akk.Sg.m./Gen.)
vidhinā upānayat tadā
nach der Vorschrift führte ein (Instr./3.Sg.Impf.), damals

Der Handelnde ist nicht ausdrücklich genannt (wohl Śiva mit Umā); das Verb upa-nī bezeichnet die Upanayana-Einweihung.

tasya deveśvaraḥ śakro divyam adbhutadarśanam; dadau kamaṇḍaluṃ prītyā devavāsāṃsi cābhibho

Ihm gab Śakra, der Götterherr, voll Zuneigung einen göttlichen, wunderbar anzusehenden Wasserkrug und göttliche Gewänder, o Mächtiger.

Wort für Wort
tasya deveśvaraḥ śakro
ihm, der Götterherr Śakra (Gen./Dat.-Sinn/Nom.)
divyam adbhutadarśanam
göttlich, wunderbar anzusehen (Akk.Sg.m.)
dadau kamaṇḍaluṃ prītyā
gab den Wasserkrug aus Zuneigung (3.Sg.Perf./Akk./Instr.)
devavāsāṃsi ca abhibho
und göttliche Gewänder, o Mächtiger (Akk.Pl./Vok.)

haṃsāś ca śatapatrāś ca sārasāś ca sahasraśaḥ; pradakṣiṇam avartanta śukāś cāṣāś ca bhārata

Und Gänse, Lotusvögel und Kraniche in Tausenden umkreisten ihn im Uhrzeigersinn, ebenso Papageien und Bienenfresser [?], o Bhārata.

Wort für Wort
haṃsāś ca śatapatrāś ca
und Gänse und Śatapatra-Vögel (Nom.Pl.)
sārasāś ca sahasraśaḥ
und Kraniche, zu Tausenden (Nom.Pl./Adv.)
pradakṣiṇam avartanta
im Rechtsumgang kreisten (Adv./3.Pl.Impf.Med.)
śukāś ca cāṣāś ca bhārata
und Papageien und Cāṣa-Vögel, o Bhārata (Nom.Pl./Vok.)

cāṣa: Bezeichnung eines Vogels (Blauracke/Häher o. Ä.); die Deutung ist unsicher.

āraṇeyas tathā divyaṃ prāpya janma mahādyutiḥ; tatraivovāsa medhāvī vratacārī samāhitaḥ

So erlangte der Arani-Geborene, überaus glänzend, die göttliche Geburt; der Weise blieb genau dort, Gelübde übend und gesammelt.

Wort für Wort
āraṇeyas tathā divyaṃ
der Reibholz-Geborene, so, göttlich (Nom./Adv./Akk.)
prāpya janma mahādyutiḥ
nachdem er erlangte die Geburt, überaus glänzend (Gerundium/Akk./Nom.)
tatra eva uvāsa medhāvī
genau dort weilte, der Weise/Kluge (Adv./3.Sg.Perf./Nom.)
vratacārī samāhitaḥ
Gelübde übend, gesammelt (Nom.Sg.m.)

utpannamātraṃ taṃ vedāḥ sarahasyāḥ sasaṃgrahāḥ; upatasthur mahārāja yathāsya pitaraṃ tathā

Kaum war er geboren, traten die Veden mit ihren Geheimlehren und Zusammenfassungen zu ihm, o Großkönig, so wie [sie] zu seinem Vater [getreten waren].

Wort für Wort
utpannamātraṃ taṃ vedāḥ
kaum geboren, ihn, die Veden (Akk./Nom.Pl.)
sarahasyāḥ sasaṃgrahāḥ
mit Geheimlehren, mit Zusammenfassungen (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
upatasthur mahārāja
traten heran (3.Pl.Perf.), o Großkönig (Vok.)
yathā asya pitaraṃ tathā
wie zu seinem Vater, so (Adv./Gen./Akk.)

bṛhaspatiṃ tu vavre sa vedavedāṅgabhāṣyavit; upādhyāyaṃ mahārāja dharmam evānucintayan

Er wählte Bṛhaspati, der die Veden, Vedāṅgas und Erklärungswerke kannte, o Großkönig, zum Lehrer, indem er allein über das Dharma nachsann.

Wort für Wort
bṛhaspatiṃ tu vavre sa
Bṛhaspati aber wählte er (Akk./3.Sg.Perf.Med.)
vedavedāṅgabhāṣyavit
Kenner der Veden, Vedāṅgas und Kommentare (Akk.Sg.m.)
upādhyāyaṃ mahārāja
als Lehrer, o Großkönig (Akk./Vok.)
dharmam eva anucintayan
nur das Dharma bedenkend (Akk./Part.Präs.)

so 'dhītya vedān akhilān sarahasyān sasaṃgrahān; itihāsaṃ ca kārtsnyena rājaśāstrāṇi cābhibho

Nachdem er alle Veden mit den Geheimlehren und Zusammenfassungen gelernt hatte, dazu die Itihāsa vollständig und die Königslehren, o Mächtiger,

Wort für Wort
so adhītya vedān akhilān
er, nachdem er studiert hatte, die Veden, alle (Nom./Gerundium/Akk.Pl.)
sarahasyān sasaṃgrahān
mit Geheimlehren, mit Zusammenfassungen (Akk.Pl.)
itihāsaṃ ca kārtsnyena
und die Itihāsa vollständig (Akk./Instr.)
rājaśāstrāṇi ca abhibho
und die Königslehrbücher, o Mächtiger (Akk.Pl./Vok.)

Satz setzt sich in Einheit 25 fort.

gurave dakṣiṇāṃ dattvā samāvṛtto mahāmuniḥ; ugraṃ tapaḥ samārebhe brahmacārī samāhitaḥ

gab er dem Lehrer das Lehrgeld und kehrte heim, der große Weise; er begann, als Brahmacārin gesammelt, strenge Askese.

Wort für Wort
gurave dakṣiṇāṃ dattvā
dem Lehrer die Lehrgabe, nachdem er gegeben (Dat./Akk./Gerundium)
samāvṛtto mahāmuniḥ
heimgekehrt, der große Weise (Part.Perf.Nom.)
ugraṃ tapaḥ samārebhe
strenge Askese begann er (Akk./3.Sg.Perf.Med.)
brahmacārī samāhitaḥ
als Brahmacārin, gesammelt (Nom.)

devatānām ṛṣīṇāṃ ca bālye 'pi sa mahātapāḥ; saṃmantraṇīyo mānyaś ca jñānena tapasā tathā

Schon in der Kindheit war der große Asket bei den Göttern und Sehern ein Wesen, mit dem man sich berät und das man ehrt, wegen seines Wissens und seiner Askese.

Wort für Wort
devatānām ṛṣīṇāṃ ca
bei Göttern und Sehern (Gen.Pl.)
bālye api sa mahātapāḥ
schon in der Kindheit, er, der große Asket (Lok./Nom.)
saṃmantraṇīyo mānyaś ca
der zu Befragende und zu Ehrende (Gerundiv Nom.Sg.m.)
jñānena tapasā tathā
durch Wissen und ebenso durch Askese (Instr.)

na tv asya ramate buddhir āśrameṣu narādhipa; triṣu gārhasthyamūleṣu mokṣadharmānudarśinaḥ

Doch sein Sinn fand, o Herrscher der Menschen, kein Gefallen an den Lebensstufen, den drei, die im Hausherrenstand wurzeln; er sah [nur] den Weg der Erlösungslehre.

Wort für Wort
na tu asya ramate buddhiḥ
nicht aber an ihm findet Freude der Sinn (3.Sg.Präs.Med./Gen./Nom.)
āśrameṣu narādhipa
an den Lebensstufen, o Menschenherrscher (Lok.Pl./Vok.)
triṣu gārhasthyamūleṣu
an den dreien, die im Hausstand wurzeln (Lok.Pl.)
mokṣadharmānudarśinaḥ
der die Erlösungslehre erschaut (Gen.Sg.m.)

triṣu gārhasthyamūleṣu: wörtlich „an den dreien, die im Hausherrenstand ihre Wurzel haben“; gemeint sind die übrigen Lebensstufen, die auf der Hausstand-Stufe aufbauen.

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