Kapitel 316: nāradaśukasaṃvādaḥ
Nāradas Belehrung Śukas über die Wege zur Erlösung
Bhīṣma erzählt, wie der Gottweise Nārada zu Śuka kommt, der ihn um Unterweisung im wahren Heil bittet; Nārada gibt daraufhin die einst von Sanatkumāra verkündeten Lehren über Wissen, Gleichmut, Besitzlosigkeit und Weltentsagung als Weg zur Erlösung weiter.
Bhīṣma sprach: In dieser einsamen Stunde kam Nārada herbei, zu Śuka, der dem [vedischen] Studium hingegeben war, um ihm die gewünschten Bedeutungen der Veden zu verkünden.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
etasminn antare śūnye
in diesem einsamen Augenblick (Lok.Sg.)
nāradaḥ samupāgamat
Nārada kam herbei (3.Sg.Impf.)
śukaṃ svādhyāyaniratam
zu Śuka, der dem Studium hingegeben war (Akk.Sg.)
vedārthān vaktum īpsitān
um die gewünschten Bedeutungen der Veden zu verkünden (Akk.Pl./Inf.)
[Und ferner kam er,] um Śuka die vielfältigen, gewünschten Mittel zur Erlösung zu weisen.
Wort für Wort
mokṣopāyān bahuvidhāñ
die vielfältigen Mittel zur Erlösung (Akk.Pl.)
śukasya
dem Śuka (Gen.Sg. mit Dat.-Sinn)
ādeṣṭum īpsitān
um zu weisen, die gewünschten (Inf./Akk.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); syntaktisch Fortsetzung des Satzes aus Vers 1 (Objekt zu 'kam herbei').
Kein Auge gibt es, das dem Wissen gleicht, keine Askese, die dem Wissen gleicht; kein Leid gibt es, das der Leidenschaft gleicht, kein Glück, das dem Verzicht gleicht.
Wort für Wort
nāsti vidyāsamaṃ cakṣur
nicht ist ein Auge, das dem Wissen gleicht (Neg.+3.Sg.Präs./Nom.Sg.)
nāsti vidyāsamaṃ tapaḥ
nicht ist eine Askese, die dem Wissen gleicht (Nom.Sg.)
nāsti rāgasamaṃ duḥkhaṃ
nicht ist ein Leid, das der Leidenschaft gleicht (Nom.Sg.)
nāsti tyāgasamaṃ sukham
nicht ist ein Glück, das dem Verzicht gleicht (Nom.Sg.)
mānuṣyam asukhaṃ prāpya yaḥ sajjati sa muhyati; nālaṃ sa duḥkhamokṣāya saṅgo vai duḥkhalakṣaṇam
Wer, nachdem er das leidvolle Menschsein erlangt hat, daran haftet, der verfällt der Verblendung; er ist nicht fähig zur Befreiung vom Leid, denn Anhaftung ist wahrlich das Merkmal des Leids.
Wort für Wort
mānuṣyam asukhaṃ prāpya
das leidvolle Menschsein erlangt habend (Akk./Abs.)
yaḥ sajjati
wer haftet (Rel.Pron./3.Sg.Präs.)
sa muhyati
der verfällt der Verblendung (Pron./3.Sg.Präs.)
nālaṃ sa duḥkhamokṣāya
er ist nicht fähig zur Befreiung vom Leid (Neg.+Adj./Pron./Dat.)
saṅgo vai duḥkhalakṣaṇam
Anhaftung ist wahrlich das Merkmal des Leids (Nom.Sg.)
sarvopāyena kāmasya krodhasya ca vinigrahaḥ; kāryaḥ śreyorthinā tau hi śreyoghātārtham udyatau
Mit allen Mitteln muss die Bezähmung von Verlangen und Zorn von dem, der das Heil sucht, vollzogen werden, denn beide sind darauf gerichtet, das Heil zu vernichten.
Wort für Wort
sarvopāyena
mit allen Mitteln (Instr.Sg.)
kāmasya krodhasya ca vinigrahaḥ
die Bezähmung von Verlangen und Zorn (Gen./Nom.Sg.)
kāryaḥ śreyorthinā
muss vollzogen werden von dem, der das Heil sucht (Nom.Sg./Instr.Sg.)
tau hi śreyoghātārtham
denn beide zum Zweck der Vernichtung des Heils (Nom.Du./Dat.)
satyasya vacanaṃ śreyaḥ satyād api hitaṃ bhavet; yad bhūtahitam atyantam etat satyaṃ mataṃ mama
Das Reden der Wahrheit ist heilsam, doch mag auch mehr als [die bloße] Wahrheit das dem Wohl Dienliche gelten; was den Wesen im höchsten Maße nützt, das gilt mir als die Wahrheit.
Wort für Wort
satyasya vacanaṃ śreyaḥ
das Reden der Wahrheit ist heilsam (Gen./Nom.Sg.)
satyād api hitaṃ bhavet
auch mehr als Wahrheit könnte das Nützliche gelten (Abl./Nom./3.Sg.Opt.)
yad bhūtahitam atyantam
was den Wesen äußerst nützlich [ist] (Rel.Pron./Nom./Adv.)
ātmabhūtair atadbhūtaḥ saha caiva vinaiva ca; sa vimuktaḥ paraṃ śreyo nacireṇādhigacchati
Mit denen, die [ihm] zum eigenen Selbst geworden sind, zusammen und doch nicht zu ihnen gehörig, sei es mit ihnen oder ohne sie - er, der so Befreite, erlangt in Kürze das höchste Heil.
Wort für Wort
ātmabhūtair
mit denen, die zum eigenen Selbst geworden sind (Instr.Pl.)
atadbhūtaḥ
ohne zu jenen zu gehören (Nom.Sg.)
saha caiva vinaiva ca
sowohl zusammen als auch ohne [sie] (Adv.)
sa vimuktaḥ paraṃ śreyo
er, der Befreite, das höchste Heil (Pron./Nom./Akk.)
adarśanam asaṃsparśas tathāsaṃbhāṣaṇaṃ sadā; yasya bhūtaiḥ saha mune sa śreyo vindate param
Wessen [Grundsatz] es ist, die Wesen nicht zu sehen, sie nicht zu berühren und ebenso stets nicht mit ihnen zu reden, o Weiser, der erlangt das höchste Heil.
Wort für Wort
adarśanam asaṃsparśas
das Nicht-Sehen, das Nicht-Berühren (Nom.Sg.)
tathāsaṃbhāṣaṇaṃ sadā
und ebenso das Nicht-Reden, stets (Nom.Sg./Adv.)
yasya bhūtaiḥ saha mune
wessen mit den Wesen, o Weiser (Gen./Instr.Pl./Vok.)
sa śreyo vindate param
der erlangt das höchste Heil (Pron./Akk./3.Sg.Präs./Adj.)
Er soll keinem Wesen Schaden zufügen, in Wohlwollen gegründet soll er wandeln; nachdem er diese Geburt erlangt hat, soll er mit niemandem Feindschaft üben.
Wort für Wort
na hiṃsyāt sarvabhūtāni
er soll nicht schaden allen Wesen (Neg./3.Sg.Opt./Akk.Pl.)
maitrāyaṇagataś caret
in Wohlwollen gegründet soll er wandeln (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
nedaṃ janma samāsādya
nachdem er diese Geburt erlangt hat, nicht (Neg./Akk./Abs.)
vairaṃ kurvīta kena cit
Feindschaft soll er üben mit irgendjemandem (Akk./3.Sg.Opt./Instr.)
Besitzlosigkeit, vollkommene Zufriedenheit, Wunschlosigkeit, Unwankelmütigkeit - dies, sagt man, ist das höchste Heil des Selbstkundigen, der sein Selbst bezwungen hat.
Nachdem du den Besitz aufgegeben hast, sei, mein Kind, einer mit bezwungenen Sinnen; nimm den kummerlosen und hier wie im Jenseits gefahrlosen Ort ein.
Wort für Wort
parigrahaṃ parityajya
den Besitz aufgegeben habend (Akk./Abs.)
bhava tāta jitendriyaḥ
sei, mein Kind, einer mit bezwungenen Sinnen (2.Sg.Imp./Vok./Nom.)
nirāmiṣā na śocanti tyajehāmiṣam ātmanaḥ; parityajyāmiṣaṃ saumya duḥkhatāpād vimokṣyase
Die vom [weltlichen] Köder Freien trauern nicht; gib hier den Köder des Selbst auf; hast du, o Sanftmütiger, den Köder aufgegeben, wirst du von der Qual des Leids befreit werden.
Wort für Wort
nirāmiṣā na śocanti
die vom Köder Freien trauern nicht (Nom.Pl./Neg./3.Pl.Präs.)
tyajehāmiṣam ātmanaḥ
gib hier den Köder des Selbst auf (2.Sg.Imp./Adv./Akk./Gen.)
parityajyāmiṣaṃ saumya
den Köder aufgegeben habend, o Sanftmütiger (Abs./Akk./Vok.)
duḥkhatāpād vimokṣyase
von der Qual des Leids wirst du befreit werden (Abl./2.Sg.Fut.Pass.)
Der Askese beständig hingegeben, gezähmt, ein Weiser, seines Selbst Herr, willens, das Unbezwungene zu bezwingen, unter Bindungen unangehaftet - so soll man sein.
Wort für Wort
taponityena dāntena
der Askese beständig ergeben, gezähmt (Instr.Sg.)
muninā saṃyatātmanā
als Weiser, dessen Selbst gebändigt ist (Instr.Sg.)
ajitaṃ jetukāmena
willens, das Unbezwungene zu bezwingen (Akk./Instr.Sg.Desid.)
guṇasaṅgeṣv anāsakta ekacaryārataḥ sadā; brāhmaṇe nacirād eva sukham āyāty anuttamam
Wer an der Anhaftung an die [Sinnes-]Eigenschaften nicht haftet, stets an einsamem Wandel Freude findet, dem kommt bald im Brahmanentum [?] das höchste Glück.
Wort für Wort
guṇasaṅgeṣv anāsakta
an den Anhaftungen der Eigenschaften nicht haftend (Lok.Pl./Nom.Sg.)
ekacaryārataḥ sadā
stets an einsamem Wandel Freude habend (Nom.Sg./Adv.)
brāhmaṇe nacirād eva
im Brahmanentum [?], bald schon (Lok.Sg./Abl.)
sukham āyāty anuttamam
das höchste Glück kommt (Akk./3.Sg.Präs./Adj.)
brāhmaṇe (Lok.) unsicher: wörtlich „im Brahmanenstand“; gemeint ist wohl der Zustand des Brahman/der Brahmanenwürde als Ziel des Weisen.
dvaṃdvārāmeṣu bhūteṣu ya eko ramate muniḥ; viddhi prajñānatṛptaṃ taṃ jñānatṛpto na śocati
Unter den Wesen, die an den Gegensatzpaaren Freude finden, wer als Weiser allein sich freut, den erkenne als von Erkenntnis gesättigt; wer von Wissen gesättigt ist, trauert nicht.
Wort für Wort
dvaṃdvārāmeṣu bhūteṣu
unter den Wesen, die an den Gegensatzpaaren Freude haben (Lok.Pl.)
ya eko ramate muniḥ
welcher Weiser allein sich freut (Rel.Pron./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
viddhi prajñānatṛptaṃ taṃ
erkenne ihn als von Erkenntnis gesättigt (2.Sg.Imp./Akk./Pron.)
jñānatṛpto na śocati
der von Wissen Gesättigte trauert nicht (Nom.Sg./Neg./3.Sg.Präs.)
Durch gute [Taten] erlangt er die Gottheit, durch gemischte die menschliche Geburt; durch schlechte Taten aber erlangt er, ohnmächtig, eine niedere Geburt.
Wort für Wort
śubhair labhati devatvaṃ
durch gute [Taten] erlangt er die Gottheit (Instr.Pl./3.Sg.Präs./Akk.)
vyāmiśrair janma mānuṣam
durch gemischte [Taten] die menschliche Geburt (Instr.Pl./Akk.)
aśubhaiś cāpy adhojanma
und durch schlechte auch eine niedere Geburt (Instr.Pl./Akk.)
karmabhir labhate 'vaśaḥ
durch Taten erlangt er, ohnmächtig (Instr.Pl./3.Sg.Präs./Nom.Sg.)
Im Unheilvollen hast du die Vorstellung vom Heilsamen, im Unbeständigen die vom Beständigen; und im Nutzlosen hast du die Vorstellung vom Nützlichen - warum erkennst du das nicht?
Wort für Wort
ahite hitasaṃjñas tvam
im Unheilvollen hast du die Vorstellung vom Heilsamen (Lok./Nom.Sg./Pron.)
adhruve dhruvasaṃjñakaḥ
im Unbeständigen die Vorstellung vom Beständigen [habend] (Lok./Nom.Sg.)
anarthe cārthasaṃjñas tvaṃ
und im Nutzlosen die Vorstellung vom Nützlichen [habend] (Lok./Nom.Sg./Pron.)
[Dein] Selbst, das von vielen Fäden der Verblendung durch die eigenen Kinder eingehüllt wird - wie ein Kokonspinner umhüllst du [dein] Selbst, und erkennst es doch nicht.
Wort für Wort
saṃveṣṭyamānaṃ
[das Selbst,] das eingehüllt wird (Akk.Sg.Part.Pass.)
bahubhir mohatantubhir
von vielen Fäden der Verblendung (Instr.Pl.)
ātmajaiḥ
durch die eigenen Kinder (Instr.Pl.)
kośakāravad ātmānaṃ
wie ein Kokonspinner [dein] Selbst (Adv./Akk.)
veṣṭayan nāvabudhyase
umhüllend erkennst du nicht (Nom.Sg.Part.Präs./Neg./2.Sg.Präs.)
alaṃ parigraheṇeha doṣavān hi parigrahaḥ; kṛmir hi kośakāras tu badhyate svaparigrahāt
Genug mit dem Besitz hier, denn der Besitz ist fehlerhaft; der Wurm, der Kokonspinner, wird ja durch seinen eigenen Besitz [sein eigenes Gespinst] gebunden.
Wort für Wort
alaṃ parigraheṇeha
genug mit dem Besitz hier (Adv./Instr./Adv.)
doṣavān hi parigrahaḥ
denn der Besitz ist fehlerhaft (Nom.Sg.)
kṛmir hi kośakāras tu
der Wurm, der Kokonspinner nämlich (Nom.Sg.)
badhyate svaparigrahāt
wird gebunden durch seinen eigenen Besitz (3.Sg.Präs.Pass./Abl.)
Sieh die vom Netz der Zuneigung eingefangenen, sehr unglücklichen Geschöpfe – wie Fische, die mit einem großen Netz herangezogen und ans Land gezerrt wurden.
Wort für Wort
mahājāla-samākṛṣṭān
durch ein großes Netz herangezogene (Akk.Pl.)
sthale matsyān
Fische auf dem Land (Lok./Akk.Pl.)
iva uddhṛtān
wie herausgezogene (Akk.Pl.)
sneha-jāla-samākṛṣṭān
durch das Netz der Zuneigung herangezogene (Akk.Pl.)
Familie, Frau und Kinder, der Körper, die angehäuften Güter – alles ist fremd und unbeständig. Was ist [wirklich] dein Eigen? Nur gutes und schlechtes Tun.
Da du doch, unfreiwillig, alles verlassen musst und gehen wirst – warum haftest du am Nutzlosen? Warum verfolgst du nicht deinen eigenen [wahren] Nutzen?
Wort für Wort
yadā sarvaṃ parityajya
wenn/da, nachdem du alles verlassen hast (Ger.)
gantavyam avaśena te
musst du unfreiwillig gehen (Ger.Neut./Instr.)
anarthe kiṃ prasaktas
warum bist du am Nutzlosen verhaftet (Lok./Nom.Sg.)
vidyā karma ca śauryaṃ ca jñānaṃ ca bahuvistaram; arthārtham anusāryante siddhārthas tu vimucyate
Wissen, Tat, Tapferkeit und weitreichende Erkenntnis – sie werden [nur] um des jeweiligen Zweckes willen verfolgt; wer aber sein Ziel erreicht hat, wird [davon] frei.
Wort für Wort
vidyā karma ca
Wissen und Tat (Nom.)
śauryaṃ ca jñānaṃ ca
und Tapferkeit und Erkenntnis (Nom.)
bahuvistaram
weitreichend (Nom.Neut.Adj.)
arthārtham anusāryante
werden um des Zweckes willen verfolgt (Akk.Adv./3.Pl.Pass.)
Dieser fesselnde Strick, das ist die Anhaftung des im Dorf Wohnenden: Nachdem sie ihn durchschnitten haben, gehen die Rechtschaffenen [ihres Weges]; die Übeltäter aber durchschneiden ihn nicht.
Wort für Wort
nibandhanī rajjur eṣā
dieser fesselnde Strick (Nom.fem.)
yā grāme vasato ratiḥ
das ist die Anhaftung des im Dorf Wohnenden (Nom./Gen.)
tulyajātivayorūpān hutān paśyasi mṛtyunā; na ca nāmāsti nirvedo lauhaṃ hi hṛdayaṃ tava
Du siehst [Wesen], gleich an Geburt, Alter und Gestalt [wie du], vom Tod dahingerafft – und doch entsteht in dir keine Ernüchterung! Dein Herz ist wahrlich aus Eisen.
Wort für Wort
tulyajātivayorūpān
gleich an Geburt, Alter und Gestalt (Akk.Pl.Adj.)
hutān paśyasi mṛtyunā
siehst du, vom Tod dahingerafft (Akk.Pl./2.Sg.Präs./Instr.)
na ca nāma asti nirvedo
und dennoch entsteht keine Ernüchterung (Verneinung/3.Sg./Nom.)
lauhaṃ hi hṛdayaṃ tava
dein Herz ist wahrlich aus Eisen (Nom./Gen.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „nāma“ hier als bekräftigende Partikel („wahrlich/eigentlich“), nicht wörtlich „Name“.
[Diesen Strom des Daseins], dessen Ufer die Schönheit ist, dessen Strömung der Geist ist, dessen Inseln die Berührungen sind, der den Geschmack mit sich führt, dessen Schlamm der Geruch ist, dessen Wasser der Klang ist, der den Weg zum Himmel schwer gangbar macht –
Wort für Wort
rūpakūlāṃ
mit der Form/Schönheit als Ufer (Akk.fem.Adj.)
manaḥsrotāṃ
mit dem Geist als Strömung (Akk.fem.Adj.)
sparśadvīpāṃ
mit der Berührung als Inseln (Akk.fem.Adj.)
rasāvahām
den Geschmack mit sich führend (Akk.fem.Adj.)
gandhapaṅkāṃ
mit dem Geruch als Schlamm (Akk.fem.Adj.)
śabdajalāṃ
mit dem Klang als Wasser (Akk.fem.Adj.)
svargamārgadurāvahām
die den Weg zum Himmel schwer erreichbar macht (Akk.fem.Adj.)
Reihe von Adjektiven zu „nadī“ (Fluss); der Satz (mit dem Prädikat „taret“) wird im nächsten Vers fortgesetzt.
dessen Ruder die Geduld ist, der aus Wahrheit besteht, dessen Wirbel die Standhaftigkeit im Dharma erzeugt, den vom Wind der Entsagung getriebenen, schnellen [Strom] möge man mit dem Boot der Einsicht überqueren.
Wort für Wort
kṣamāritrāṃ
mit der Geduld als Ruder (Akk.fem.Adj.)
satyamayīṃ
aus Wahrheit bestehend (Akk.fem.Adj.)
dharmasthairyavaṭākarām
deren Wirbel die Standhaftigkeit im Dharma bildet (Akk.fem.Adj.)
tyāgavātādhvagāṃ śīghrāṃ
vom Wind der Entsagung getrieben, schnell (Akk.fem.Adj.)
Gib das Rechte auf und [gib] das Unrecht [auf]; gib beides, Wahrheit und Unwahrheit, auf. Nachdem du beides, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben hast, gib auch das auf, wodurch du [sie] aufgibst.
Wort für Wort
tyaja dharmam
gib das Rechte auf (2.Sg.Imp./Akk.)
adharmaṃ ca
und das Unrecht (Akk.)
ubhe satyānṛte tyaja
gib beides, Wahrheit und Unwahrheit, auf (Akk.Dual/Imp.)
ubhe satyānṛte tyaktvā
nachdem du beides, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben hast (Ger.)
Gib das Rechte auf durch Freiheit vom [begehrenden] Wollen, und das Unrecht auch durch Gewaltlosigkeit; gib beides, Wahrheit und Unwahrheit, durch die Einsicht [auf], und die Einsicht [selbst] durch die höchste Gewissheit.
Wort für Wort
tyaja dharmam asaṃkalpād
gib das Rechte auf durch Willenlosigkeit (Imp./Akk./Abl.)
adharmaṃ cāpy ahiṃsayā
und das Unrecht auch durch Gewaltlosigkeit (Akk./Instr.)
ubhe satyānṛte buddhyā
beides, Wahrheit und Unwahrheit, durch die Einsicht (Akk.Dual/Instr.)
buddhiṃ paramaniścayāt
die Einsicht durch die höchste Gewissheit (Akk./Abl.)
[Diesen Körper] mit Knochen als Gerüst, mit Sehnen ausgestattet, mit Fleisch und Blut bestrichen, mit Haut überzogen, übelriechend, voll von Urin und Kot,
Wort für Wort
asthisthūṇaṃ
mit Knochen als Gerüst (Akk.Neut.Adj.)
snāyuyutaṃ
mit Sehnen versehen (Akk.Neut.Adj.)
māṃsaśoṇitalepanam
mit Fleisch und Blut bestrichen (Akk.Neut.Adj.)
carmāvanaddhaṃ
mit Haut überzogen (Akk.Neut.Adj.)
durgandhi pūrṇaṃ
übelriechend, voll (Akk.Neut.Adj.)
mūtrapurīṣayoḥ
von Urin und Kot (Gen.Dual.)
Adjektivreihe zum Körper, Satz (mit dem Prädikat „samutsṛja“: „gib auf“) wird im nächsten Vers fortgesetzt.
Dieses ganze Universum, die gesamte bewegte und auch unbewegte Welt, was auch immer sie sei – alles, was groß ist und was atomklein ist, besteht aus den großen Elementen.
Wort für Wort
idaṃ viśvaṃ
dieses Universum (Nom./Akk.)
jagat sarvam
die ganze bewegte Welt (Nom./Akk.)
ajagac cāpi yad bhavet
und auch das Unbewegte, was es auch sei (Nom./Opt.)
mahābhūtātmakaṃ sarvaṃ
besteht ganz aus den großen Elementen (Akk.Neut.Adj.)
mahābhūtāni khaṃ vāyur agnir āpas tathā mahī; ṣaṣṭhas tu cetanā yā tu ātmā saptama ucyate; aṣṭamaṃ tu mano jñeyaṃ buddhis tu navamī smṛtā
Die großen Elemente [sind]: Äther, Wind, Feuer, Wasser und ebenso Erde; das sechste aber ist das Bewusstsein, und das, was das Selbst [ist], wird als das siebte bezeichnet; das achte aber gilt als der Geist, die Erkenntniskraft aber gilt als die neunte.
Wort für Wort
mahābhūtāni khaṃ vāyur
die großen Elemente: Äther, Wind (Nom.Pl.)
agnir āpas tathā mahī
Feuer, Wasser und ebenso Erde (Nom.)
ṣaṣṭhas tu cetanā
das sechste aber ist das Bewusstsein (Nom.)
yā tu ātmā saptama ucyate
und das, was das Selbst ist, wird als siebtes genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
aṣṭamaṃ tu mano jñeyaṃ
das achte aber gilt als der Geist (Nom.Neut.)
buddhis tu navamī smṛtā
die Erkenntniskraft aber gilt als die neunte (Nom.fem./PPP)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
indriyāṇi ca pañcaiva tamaḥ sattvaṃ rajas tathā; ity eṣa saptadaśako rāśir avyaktasaṃjñakaḥ
Die fünf Sinnesorgane, sowie Tamas, Sattva und ebenso Rajas – so ist diese Gruppe von siebzehn [Elementen] die Gesamtheit, die ‚das Unentfaltete‘ genannt wird.
sarvair ihendriyārthaiś ca vyaktāvyaktair hi saṃhitaḥ; pañcaviṃśaka ity eṣa vyaktāvyaktamayo guṇaḥ
[Der Purusha] ist hier fürwahr mit allen Sinnesobjekten verbunden, den entfalteten und unentfalteten – so ist diese Fünfundzwanzigheit die aus Entfaltetem und Unentfaltetem bestehende Wesenheit.
Wort für Wort
sarvair ihendriyārthaiś ca
und mit allen Sinnesobjekten hier (Instr.Pl.)
vyaktāvyaktair hi saṃhitaḥ
mit den Entfalteten und Unentfalteten fürwahr verbunden (Instr./Nom.)
pañcaviṃśaka ity eṣa
so ist dies die Fünfundzwanzigheit (Nom.)
vyaktāvyaktamayo guṇaḥ
die aus Entfaltetem und Unentfaltetem bestehende Wesenheit (Nom.Adj.)
„saṃhitaḥ“ (verbunden) bezieht sich wohl auf den Puruṣa des Folgeverses; die Aufzählung zu 25 knüpft an die 17 Elemente der Vorverse an.
Wer mit all diesen [Elementen] ausgestattet ist, wird ‚Purusha‘ [das Selbst] genannt. Hierzu [gehören] die Dreiheit [der Lebensziele], Glück und Leid, sowie Leben und Tod.
Wort für Wort
etaiḥ sarvaiḥ samāyuktaḥ
wer mit all diesen ausgestattet ist (Instr.Pl./Nom.)
pumān ity abhidhīyate
wird ‚Purusha‘ genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
trivargo 'tra
die Dreiheit [der Lebensziele] hierbei (Nom./Adv.)
ya idaṃ veda tattvena sa veda prabhavāpyayau; pārāśaryeha boddhavyaṃ jñānānāṃ yac ca kiṃ cana
Wer dies der Wahrheit nach erkennt, der erkennt [auch] Entstehen und Vergehen. O Pārāśarya, dies ist hier zu verstehen – was auch immer es an Erkenntnissen gebe.
Wort für Wort
ya idaṃ veda tattvena
wer dies der Wahrheit nach weiß (Nom./3.Sg.Perf./Instr.)
sa veda prabhavāpyayau
der weiß [auch] Entstehen und Vergehen (3.Sg.Perf./Akk.Dual)
pārāśaryeha boddhavyaṃ
o Pārāśarya, dies ist hier zu verstehen (Vok./Nom.Neut.Ger.)
jñānānāṃ yac ca kiṃ cana
und was auch immer es an Erkenntnissen gebe (Gen.Pl./Pron.)
„Pārāśarya“ (Nachkomme des Parāśara) ist Anrede an Śuka.
indriyair gṛhyate yad yat tat tad vyaktam iti sthitiḥ; avyaktam iti vijñeyaṃ liṅgagrāhyam atīndriyam
Was immer durch die Sinne erfasst wird, das gilt jeweils als ‚entfaltet‘ – so die Regel. Was übersinnlich und [nur] durch Merkmale [erschließbar] ist, das ist als ‚unentfaltet‘ zu erkennen.
Wort für Wort
indriyair gṛhyate yad yat
was immer durch die Sinne erfasst wird (Instr./3.Sg.Pass./Pron.)
tat tad vyaktam iti sthitiḥ
das gilt jeweils als ‚entfaltet‘ – so die Regel (Nom.)
avyaktam iti vijñeyaṃ
als ‚unentfaltet‘ ist zu erkennen (Nom.Neut.Ger.)
liṅgagrāhyam atīndriyam
das durch Merkmale erfassbare, übersinnliche (Nom.Neut.Adj.)
Der verkörperte [Geist] wird durch die gezügelten Sinne wie durch [beständige] Güsse [immer wieder] erfrischt; er sieht das Selbst als in der Welt ausgebreitet und die Welt im Selbst.
Wort für Wort
indriyair niyatair dehī
der Verkörperte durch die gezügelten Sinne (Instr.Pl./Nom.)
dhārābhir iva tarpyate
wird wie durch Güsse gesättigt (Instr./3.Sg.Pass.)
loke vitatam ātmānaṃ
das in der Welt ausgebreitete Selbst (Lok./Akk.)
lokaṃ cātmani paśyati
und die Welt im Selbst sieht er (Akk./Lok./3.Sg.Präs.)
parāvaradṛśaḥ śaktir jñānavelāṃ na paśyati; paśyataḥ sarvabhūtāni sarvāvasthāsu sarvadā
Die Kraft desjenigen, der das Höhere und das Niedere [in allem] sieht, findet keine Grenze des Wissens – er, der alle Wesen in allen Zuständen stets sieht.
Wort für Wort
parāvaradṛśaḥ śaktir
die Kraft des Höheres-und-Niedrigeres-Sehenden (Gen./Nom.)
Die Verbindung des zum Brahman Gewordenen geht keine [Verbindung] mit Unheil ein; für den, der durch Erkenntnis die mannigfachen, aus Verblendung entstandenen Leiden überwunden hat, wird durch den Glanz der Erkenntnis der Weg in der Welt nicht gefährdet.
Wort für Wort
brahmabhūtasya saṃyogo
die Verbindung des zum Brahman Gewordenen (Gen./Nom.)
nāśubhenopapadyate
verbindet sich nicht mit Unheil (3.Sg.Präs.)
jñānena vividhān kleśān
durch Erkenntnis die mannigfachen Leiden (Instr./Akk.Pl.)
ativṛttasya mohajān
des Überwundenen, aus Verblendung entstandene (Gen./Akk.Pl.Adj.)
loke buddhiprakāśena
in der Welt durch den Glanz der Erkenntnis (Lok./Instr.)
lokamārgo na riṣyate
wird der Weltenpfad nicht gefährdet (Nom./3.Sg.Pass.)
Das Wesen [die einzelne Seele], ohne Anfang und Ende, im Selbst ruhend, unvergänglich, nicht handelnd und gestaltlos – so sprach der Erhabene, der die [heiligen] Quellen [der Wahrheit] kennt.
Beständig von Verblendung geplagt, im Leid Glück wahrnehmend, wird es immer wieder durch seine Taten gebunden und zugleich gequirlt wie [Butter] beim Quirlen.
Wort für Wort
ajasram eva mohārto
beständig, von Verblendung geplagt (Adv./Nom.Adj.)
duḥkheṣu sukhasaṃjñitaḥ
der im Leid Glück wahrnimmt (Lok.Pl./Nom.Adj.)
badhyate mathyate caiva
wird gebunden und auch zermahlen (3.Sg.Pass.)
karmabhir manthavat sadā
durch Taten, wie beim Quirlen, immer (Instr.Pl./Adv.)
Danach, obgleich von der [alten] Fessel befreit, wandert es hier, wegen des Entstehens neuer Taten, dennoch, reich an Leiden, wie ein Rad im Daseinskreislauf umher.
Wort für Wort
tataḥ nivṛtto bandhāt svāt
danach, [zwar] befreit von der eigenen Fessel (Adv./Nom.Adj./Abl.)
karmaṇām udayād iha
aufgrund des Entstehens [neuer] Taten hier (Gen.Pl./Abl.)
paribhramati saṃsāraṃ
wandert es im Daseinskreislauf umher (3.Sg.Präs./Akk.)
sa tvaṃ nivṛttabandhas tu nivṛttaś cāpi karmataḥ; sarvavit sarvajit siddho bhava bhāvavivarjitaḥ
Du selbst aber, befreit von der Fessel und auch losgelöst vom [Zwang zum] Handeln – werde allwissend, allbezwingend, ein Vollendeter, frei vom [Kreislauf des] Werdens.
Wort für Wort
sa tvaṃ nivṛttabandhas tu
du selbst aber, [einer] dessen Fessel geendet hat (Nom./Nom.Adj.)
nivṛttaś cāpi karmataḥ
und auch losgelöst vom Handeln (Nom.Adj./Abl.Adv.)
sarvavit sarvajit siddho
allwissend, allbezwingend, ein Vollendeter (Nom.Adj.)
bhava bhāvavivarjitaḥ
werde, frei vom [Kreislauf des] Werdens (2.Sg.Imp./Nom.Adj.)
Indem sie durch Selbstbeherrschung die neue Fessel abwehrten, haben viele kraft der Askese die Vollendung erlangt – eine ungehinderte, glückbringende [Vollendung].
Wort für Wort
saṃyamena navaṃ bandhaṃ nivartya
nachdem sie durch Selbstbeherrschung die neue Fessel abgewehrt haben (Instr./Akk./Ger.)
tapaso balāt
kraft der Askese (Gen./Abl.)
saṃprāptā bahavaḥ siddhim
haben viele die Vollendung erlangt (Nom.Pl./Akk.)
apy abādhāṃ sukhodayām
auch die ungehinderte, glückbringende (Akk.fem.Adj.)