Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 316: nāradaśukasaṃvādaḥ Nāradas Belehrung Śukas über die Wege zur Erlösung

Bhīṣma erzählt, wie der Gottweise Nārada zu Śuka kommt, der ihn um Unterweisung im wahren Heil bittet; Nārada gibt daraufhin die einst von Sanatkumāra verkündeten Lehren über Wissen, Gleichmut, Besitzlosigkeit und Weltentsagung als Weg zur Erlösung weiter.

bhīṣma uvāca; etasminn antare śūnye nāradaḥ samupāgamat; śukaṃ svādhyāyanirataṃ vedārthān vaktum īpsitān

Bhīṣma sprach: In dieser einsamen Stunde kam Nārada herbei, zu Śuka, der dem [vedischen] Studium hingegeben war, um ihm die gewünschten Bedeutungen der Veden zu verkünden.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
etasminn antare śūnye
in diesem einsamen Augenblick (Lok.Sg.)
nāradaḥ samupāgamat
Nārada kam herbei (3.Sg.Impf.)
śukaṃ svādhyāyaniratam
zu Śuka, der dem Studium hingegeben war (Akk.Sg.)
vedārthān vaktum īpsitān
um die gewünschten Bedeutungen der Veden zu verkünden (Akk.Pl./Inf.)

mokṣopāyān bahuvidhāñ śukasyādeṣṭum īpsitān

[Und ferner kam er,] um Śuka die vielfältigen, gewünschten Mittel zur Erlösung zu weisen.

Wort für Wort
mokṣopāyān bahuvidhāñ
die vielfältigen Mittel zur Erlösung (Akk.Pl.)
śukasya
dem Śuka (Gen.Sg. mit Dat.-Sinn)
ādeṣṭum īpsitān
um zu weisen, die gewünschten (Inf./Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); syntaktisch Fortsetzung des Satzes aus Vers 1 (Objekt zu 'kam herbei').

devarṣiṃ tu śuko dṛṣṭvā nāradaṃ samupasthitam; arghyapūrveṇa vidhinā vedoktenābhyapūjayat

Śuka aber verehrte, als er den Gottweisen Nārada herankommen sah, ihn nach der in den Veden verkündeten Ordnung, beginnend mit der Ehrengabe.

Wort für Wort
devarṣiṃ tu śukaḥ dṛṣṭvā
Śuka aber, nachdem er den Gottweisen gesehen hatte (Akk./Nom./Abs.)
nāradaṃ samupasthitam
Nārada, der herangekommen war (Akk.Sg.)
arghyapūrveṇa vidhinā
mit der Ordnung, die mit der Ehrengabe beginnt (Instr.Sg.)
vedoktena
der in den Veden verkündeten (Instr.Sg.)
abhyapūjayat
er verehrte (3.Sg.Impf.)

nārado 'thābravīt prīto brūhi brahmavidāṃ vara; kena tvāṃ śreyasā tāta yojayāmīti hṛṣṭavat

Da sprach Nārada erfreut: „Sag, Bester der Kenner des Brahman, mit welchem Heil ich dich verbinden soll, mein Kind“ - so [sprach er] freudig.

Wort für Wort
nāradaḥ atha abravīt prītaḥ
Nārada sprach da, erfreut (3.Sg.Impf./Nom.Sg.Adj.)
brūhi brahmavidāṃ vara
sag, Bester der Kenner des Brahman (2.Sg.Imp./Vok.)
kena tvāṃ śreyasā
mit welchem Heil dich (Instr./Akk.)
tāta yojayāmi iti
mein Kind, verbinde ich, so (Vok./1.Sg.Präs.)
hṛṣṭavat
freudig, wie ein Erfreuter (Adv.)

nāradasya vacaḥ śrutvā śukaḥ provāca bhārata; asmiṃl loke hitaṃ yat syāt tena māṃ yoktum arhasi

Als Śuka die Worte Nāradas gehört hatte, sprach er, o Bhārata: „Mit dem, was in dieser Welt heilsam wäre, sollst du mich verbinden.“

Wort für Wort
nāradasya vacaḥ śrutvā
die Worte Nāradas gehört habend (Gen./Akk./Abs.)
śukaḥ provāca bhārata
Śuka sprach, o Bhārata (3.Sg.Perf./Vok.)
asmin loke hitam
was in dieser Welt heilsam [ist] (Lok./Nom.)
yat syāt
was es sein möge (Rel.Pron./3.Sg.Opt.)
tena māṃ yoktum arhasi
damit sollst du mich verbinden (Instr./Akk./Inf./2.Sg.Präs.)

nārada uvāca; tattvaṃ jijñāsatāṃ pūrvam ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām; sanatkumāro bhagavān idaṃ vacanam abravīt

Nārada sprach: Einst, als die Seher von geläuterter Seele nach der Wahrheit forschen wollten, sprach der erhabene Sanatkumāra dieses Wort:

Wort für Wort
nāradaḥ uvāca
Nārada sprach (3.Sg.Perf.)
tattvaṃ jijñāsatām
als sie die Wahrheit erforschen wollten (Akk./Gen.Pl.Desid.Part.)
pūrvam ṛṣīṇāṃ bhāvitātmanām
einst, der Seher von geläuterter Seele (Adv./Gen.Pl.)
sanatkumāraḥ bhagavān
der erhabene Sanatkumāra (Nom.Sg.)
idaṃ vacanam abravīt
sprach dieses Wort (Akk.Sg./3.Sg.Impf.)

nāsti vidyāsamaṃ cakṣur nāsti vidyāsamaṃ tapaḥ; nāsti rāgasamaṃ duḥkhaṃ nāsti tyāgasamaṃ sukham

Kein Auge gibt es, das dem Wissen gleicht, keine Askese, die dem Wissen gleicht; kein Leid gibt es, das der Leidenschaft gleicht, kein Glück, das dem Verzicht gleicht.

Wort für Wort
nāsti vidyāsamaṃ cakṣur
nicht ist ein Auge, das dem Wissen gleicht (Neg.+3.Sg.Präs./Nom.Sg.)
nāsti vidyāsamaṃ tapaḥ
nicht ist eine Askese, die dem Wissen gleicht (Nom.Sg.)
nāsti rāgasamaṃ duḥkhaṃ
nicht ist ein Leid, das der Leidenschaft gleicht (Nom.Sg.)
nāsti tyāgasamaṃ sukham
nicht ist ein Glück, das dem Verzicht gleicht (Nom.Sg.)

nivṛttiḥ karmaṇaḥ pāpāt satataṃ puṇyaśīlatā; sadvṛttiḥ samudācāraḥ śreya etad anuttamam

Das Abstehen von sündiger Tat, beständige Tugendhaftigkeit, guter Wandel, rechtes Betragen - das ist das höchste Heil.

Wort für Wort
nivṛttiḥ karmaṇaḥ pāpāt
das Abstehen von sündiger Tat (Nom.Sg./Abl.)
satataṃ puṇyaśīlatā
beständige Tugendhaftigkeit (Adv./Nom.Sg.)
sadvṛttiḥ samudācāraḥ
guter Wandel, rechtes Betragen (Nom.Sg.)
śreya etad anuttamam
dies ist das höchste Heil (Nom.Sg./Pron./Adj.)

mānuṣyam asukhaṃ prāpya yaḥ sajjati sa muhyati; nālaṃ sa duḥkhamokṣāya saṅgo vai duḥkhalakṣaṇam

Wer, nachdem er das leidvolle Menschsein erlangt hat, daran haftet, der verfällt der Verblendung; er ist nicht fähig zur Befreiung vom Leid, denn Anhaftung ist wahrlich das Merkmal des Leids.

Wort für Wort
mānuṣyam asukhaṃ prāpya
das leidvolle Menschsein erlangt habend (Akk./Abs.)
yaḥ sajjati
wer haftet (Rel.Pron./3.Sg.Präs.)
sa muhyati
der verfällt der Verblendung (Pron./3.Sg.Präs.)
nālaṃ sa duḥkhamokṣāya
er ist nicht fähig zur Befreiung vom Leid (Neg.+Adj./Pron./Dat.)
saṅgo vai duḥkhalakṣaṇam
Anhaftung ist wahrlich das Merkmal des Leids (Nom.Sg.)

saktasya buddhiś calati mohajālavivardhinī; mohajālāvṛto duḥkham iha cāmutra cāśnute

Des Haftenden Verstand wankt, das Netz der Verblendung vergrößernd; vom Netz der Verblendung umhüllt, erfährt er Leid hier und im Jenseits.

Wort für Wort
saktasya buddhiś calati
des Haftenden Verstand wankt (Gen./Nom./3.Sg.Präs.)
mohajālavivardhinī
das Netz der Verblendung vergrößernd (Nom.Sg.Fem.)
mohajālāvṛto
vom Netz der Verblendung umhüllt (Nom.Sg.)
duḥkham iha cāmutra cāśnute
Leid hier und im Jenseits erfährt er (Akk./Adv./3.Sg.Präs.)

sarvopāyena kāmasya krodhasya ca vinigrahaḥ; kāryaḥ śreyorthinā tau hi śreyoghātārtham udyatau

Mit allen Mitteln muss die Bezähmung von Verlangen und Zorn von dem, der das Heil sucht, vollzogen werden, denn beide sind darauf gerichtet, das Heil zu vernichten.

Wort für Wort
sarvopāyena
mit allen Mitteln (Instr.Sg.)
kāmasya krodhasya ca vinigrahaḥ
die Bezähmung von Verlangen und Zorn (Gen./Nom.Sg.)
kāryaḥ śreyorthinā
muss vollzogen werden von dem, der das Heil sucht (Nom.Sg./Instr.Sg.)
tau hi śreyoghātārtham
denn beide zum Zweck der Vernichtung des Heils (Nom.Du./Dat.)
udyatau
bereit dazu, darauf ausgerichtet (Nom.Du.)

nityaṃ krodhāt tapo rakṣec chriyaṃ rakṣeta matsarāt; vidyāṃ mānāvamānābhyām ātmānaṃ tu pramādataḥ

Stets soll man die Askese vor Zorn schützen, den Wohlstand vor Neid; das Wissen vor Ehrung und Missachtung, das Selbst aber vor Unachtsamkeit.

Wort für Wort
nityaṃ krodhāt tapo rakṣet
stets soll man die Askese vor Zorn schützen (Adv./Abl./Akk./3.Sg.Opt.)
chriyaṃ rakṣeta matsarāt
den Wohlstand soll man schützen vor Neid (Akk./3.Sg.Opt./Abl.)
vidyāṃ mānāvamānābhyām
das Wissen vor Ehrung und Missachtung (Akk./Instr.Du.)
ātmānaṃ tu pramādataḥ
das Selbst aber vor Unachtsamkeit (Akk./Abl.)

ānṛśaṃsyaṃ paro dharmaḥ kṣamā ca paramaṃ balam; ātmajñānaṃ paraṃ jñānaṃ na satyād vidyate param

Gütigkeit ist die höchste Pflicht, und Geduld die höchste Kraft; Selbsterkenntnis ist das höchste Wissen, nichts Höheres gibt es als die Wahrheit.

Wort für Wort
ānṛśaṃsyaṃ paro dharmaḥ
Gütigkeit ist die höchste Pflicht (Nom.Sg.)
kṣamā ca paramaṃ balam
und Geduld die höchste Kraft (Nom.Sg.)
ātmajñānaṃ paraṃ jñānaṃ
Selbsterkenntnis ist das höchste Wissen (Nom.Sg.)
na satyād vidyate param
nicht gibt es Höheres als die Wahrheit (Neg./Abl./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)

satyasya vacanaṃ śreyaḥ satyād api hitaṃ bhavet; yad bhūtahitam atyantam etat satyaṃ mataṃ mama

Das Reden der Wahrheit ist heilsam, doch mag auch mehr als [die bloße] Wahrheit das dem Wohl Dienliche gelten; was den Wesen im höchsten Maße nützt, das gilt mir als die Wahrheit.

Wort für Wort
satyasya vacanaṃ śreyaḥ
das Reden der Wahrheit ist heilsam (Gen./Nom.Sg.)
satyād api hitaṃ bhavet
auch mehr als Wahrheit könnte das Nützliche gelten (Abl./Nom./3.Sg.Opt.)
yad bhūtahitam atyantam
was den Wesen äußerst nützlich [ist] (Rel.Pron./Nom./Adv.)
etat satyaṃ mataṃ mama
das gilt mir als Wahrheit (Pron./Nom./Part./Gen.)

sarvārambhaphalatyāgī nirāśīr niṣparigrahaḥ; yena sarvaṃ parityaktaṃ sa vidvān sa ca paṇḍitaḥ

Wer die Frucht jedes Beginnens aufgibt, wunschlos ist, nichts besitzt - wer alles aufgegeben hat, der ist ein Wissender, der ist ein Weiser.

Wort für Wort
sarvārambhaphalatyāgī
der die Frucht jedes Beginnens aufgibt (Nom.Sg.)
nirāśīr niṣparigrahaḥ
wunschlos, besitzlos (Nom.Sg.)
yena sarvaṃ parityaktaṃ
von wem alles aufgegeben ist (Instr./Nom./Part.)
sa vidvān sa ca paṇḍitaḥ
der ist ein Wissender, der ist ein Weiser (Pron./Nom.Sg.)

indriyair indriyārthebhyaś caraty ātmavaśair iha; asajjamānaḥ śāntātmā nirvikāraḥ samāhitaḥ

Mit den Sinnen, die dem Selbst unterworfen sind, wandelt er hier unter den Sinnesobjekten, ohne zu haften, ruhigen Geistes, unveränderlich, gesammelt.

Wort für Wort
indriyair indriyārthebhyaś
mit den Sinnen unter den Sinnesobjekten (Instr.Pl./Abl.Pl.)
carati ātmavaśair iha
er wandelt hier, [mit Sinnen] dem Selbst unterworfen (3.Sg.Präs./Instr.Pl./Adv.)
asajjamānaḥ śāntātmā
nicht haftend, ruhigen Geistes (Nom.Sg.)
nirvikāraḥ samāhitaḥ
unveränderlich, gesammelt (Nom.Sg.)

ātmabhūtair atadbhūtaḥ saha caiva vinaiva ca; sa vimuktaḥ paraṃ śreyo nacireṇādhigacchati

Mit denen, die [ihm] zum eigenen Selbst geworden sind, zusammen und doch nicht zu ihnen gehörig, sei es mit ihnen oder ohne sie - er, der so Befreite, erlangt in Kürze das höchste Heil.

Wort für Wort
ātmabhūtair
mit denen, die zum eigenen Selbst geworden sind (Instr.Pl.)
atadbhūtaḥ
ohne zu jenen zu gehören (Nom.Sg.)
saha caiva vinaiva ca
sowohl zusammen als auch ohne [sie] (Adv.)
sa vimuktaḥ paraṃ śreyo
er, der Befreite, das höchste Heil (Pron./Nom./Akk.)
nacireṇādhigacchati
erlangt in Kürze (Instr./3.Sg.Präs.)

adarśanam asaṃsparśas tathāsaṃbhāṣaṇaṃ sadā; yasya bhūtaiḥ saha mune sa śreyo vindate param

Wessen [Grundsatz] es ist, die Wesen nicht zu sehen, sie nicht zu berühren und ebenso stets nicht mit ihnen zu reden, o Weiser, der erlangt das höchste Heil.

Wort für Wort
adarśanam asaṃsparśas
das Nicht-Sehen, das Nicht-Berühren (Nom.Sg.)
tathāsaṃbhāṣaṇaṃ sadā
und ebenso das Nicht-Reden, stets (Nom.Sg./Adv.)
yasya bhūtaiḥ saha mune
wessen mit den Wesen, o Weiser (Gen./Instr.Pl./Vok.)
sa śreyo vindate param
der erlangt das höchste Heil (Pron./Akk./3.Sg.Präs./Adj.)

na hiṃsyāt sarvabhūtāni maitrāyaṇagataś caret; nedaṃ janma samāsādya vairaṃ kurvīta kena cit

Er soll keinem Wesen Schaden zufügen, in Wohlwollen gegründet soll er wandeln; nachdem er diese Geburt erlangt hat, soll er mit niemandem Feindschaft üben.

Wort für Wort
na hiṃsyāt sarvabhūtāni
er soll nicht schaden allen Wesen (Neg./3.Sg.Opt./Akk.Pl.)
maitrāyaṇagataś caret
in Wohlwollen gegründet soll er wandeln (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
nedaṃ janma samāsādya
nachdem er diese Geburt erlangt hat, nicht (Neg./Akk./Abs.)
vairaṃ kurvīta kena cit
Feindschaft soll er üben mit irgendjemandem (Akk./3.Sg.Opt./Instr.)

ākiṃcanyaṃ susaṃtoṣo nirāśīṣṭvam acāpalam; etad āhuḥ paraṃ śreya ātmajñasya jitātmanaḥ

Besitzlosigkeit, vollkommene Zufriedenheit, Wunschlosigkeit, Unwankelmütigkeit - dies, sagt man, ist das höchste Heil des Selbstkundigen, der sein Selbst bezwungen hat.

Wort für Wort
ākiṃcanyaṃ susaṃtoṣo
Besitzlosigkeit, vollkommene Zufriedenheit (Nom.Sg.)
nirāśīṣṭvam acāpalam
Wunschlosigkeit, Unwankelmütigkeit (Nom.Sg.)
etad āhuḥ paraṃ śreya
dies, sagt man, ist das höchste Heil (Pron./3.Pl.Perf./Akk.)
ātmajñasya jitātmanaḥ
des Selbstkundigen, der das Selbst bezwungen hat (Gen.Sg.)

parigrahaṃ parityajya bhava tāta jitendriyaḥ; aśokaṃ sthānam ātiṣṭha iha cāmutra cābhayam

Nachdem du den Besitz aufgegeben hast, sei, mein Kind, einer mit bezwungenen Sinnen; nimm den kummerlosen und hier wie im Jenseits gefahrlosen Ort ein.

Wort für Wort
parigrahaṃ parityajya
den Besitz aufgegeben habend (Akk./Abs.)
bhava tāta jitendriyaḥ
sei, mein Kind, einer mit bezwungenen Sinnen (2.Sg.Imp./Vok./Nom.)
aśokaṃ sthānam ātiṣṭha
den kummerlosen Ort nimm ein (Akk./2.Sg.Imp.)
iha cāmutra cābhayam
hier und im Jenseits gefahrlosen (Adv./Akk.Adj.)

nirāmiṣā na śocanti tyajehāmiṣam ātmanaḥ; parityajyāmiṣaṃ saumya duḥkhatāpād vimokṣyase

Die vom [weltlichen] Köder Freien trauern nicht; gib hier den Köder des Selbst auf; hast du, o Sanftmütiger, den Köder aufgegeben, wirst du von der Qual des Leids befreit werden.

Wort für Wort
nirāmiṣā na śocanti
die vom Köder Freien trauern nicht (Nom.Pl./Neg./3.Pl.Präs.)
tyajehāmiṣam ātmanaḥ
gib hier den Köder des Selbst auf (2.Sg.Imp./Adv./Akk./Gen.)
parityajyāmiṣaṃ saumya
den Köder aufgegeben habend, o Sanftmütiger (Abs./Akk./Vok.)
duḥkhatāpād vimokṣyase
von der Qual des Leids wirst du befreit werden (Abl./2.Sg.Fut.Pass.)

taponityena dāntena muninā saṃyatātmanā; ajitaṃ jetukāmena bhāvyaṃ saṅgeṣv asaṅginā

Der Askese beständig hingegeben, gezähmt, ein Weiser, seines Selbst Herr, willens, das Unbezwungene zu bezwingen, unter Bindungen unangehaftet - so soll man sein.

Wort für Wort
taponityena dāntena
der Askese beständig ergeben, gezähmt (Instr.Sg.)
muninā saṃyatātmanā
als Weiser, dessen Selbst gebändigt ist (Instr.Sg.)
ajitaṃ jetukāmena
willens, das Unbezwungene zu bezwingen (Akk./Instr.Sg.Desid.)
bhāvyaṃ
man muss sein/werden (Gerundiv.)
saṅgeṣv asaṅginā
unter Bindungen unangehaftet (Lok.Pl./Instr.Sg.)

guṇasaṅgeṣv anāsakta ekacaryārataḥ sadā; brāhmaṇe nacirād eva sukham āyāty anuttamam

Wer an der Anhaftung an die [Sinnes-]Eigenschaften nicht haftet, stets an einsamem Wandel Freude findet, dem kommt bald im Brahmanentum [?] das höchste Glück.

Wort für Wort
guṇasaṅgeṣv anāsakta
an den Anhaftungen der Eigenschaften nicht haftend (Lok.Pl./Nom.Sg.)
ekacaryārataḥ sadā
stets an einsamem Wandel Freude habend (Nom.Sg./Adv.)
brāhmaṇe nacirād eva
im Brahmanentum [?], bald schon (Lok.Sg./Abl.)
sukham āyāty anuttamam
das höchste Glück kommt (Akk./3.Sg.Präs./Adj.)

brāhmaṇe (Lok.) unsicher: wörtlich „im Brahmanenstand“; gemeint ist wohl der Zustand des Brahman/der Brahmanenwürde als Ziel des Weisen.

dvaṃdvārāmeṣu bhūteṣu ya eko ramate muniḥ; viddhi prajñānatṛptaṃ taṃ jñānatṛpto na śocati

Unter den Wesen, die an den Gegensatzpaaren Freude finden, wer als Weiser allein sich freut, den erkenne als von Erkenntnis gesättigt; wer von Wissen gesättigt ist, trauert nicht.

Wort für Wort
dvaṃdvārāmeṣu bhūteṣu
unter den Wesen, die an den Gegensatzpaaren Freude haben (Lok.Pl.)
ya eko ramate muniḥ
welcher Weiser allein sich freut (Rel.Pron./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
viddhi prajñānatṛptaṃ taṃ
erkenne ihn als von Erkenntnis gesättigt (2.Sg.Imp./Akk./Pron.)
jñānatṛpto na śocati
der von Wissen Gesättigte trauert nicht (Nom.Sg./Neg./3.Sg.Präs.)

śubhair labhati devatvaṃ vyāmiśrair janma mānuṣam; aśubhaiś cāpy adhojanma karmabhir labhate 'vaśaḥ

Durch gute [Taten] erlangt er die Gottheit, durch gemischte die menschliche Geburt; durch schlechte Taten aber erlangt er, ohnmächtig, eine niedere Geburt.

Wort für Wort
śubhair labhati devatvaṃ
durch gute [Taten] erlangt er die Gottheit (Instr.Pl./3.Sg.Präs./Akk.)
vyāmiśrair janma mānuṣam
durch gemischte [Taten] die menschliche Geburt (Instr.Pl./Akk.)
aśubhaiś cāpy adhojanma
und durch schlechte auch eine niedere Geburt (Instr.Pl./Akk.)
karmabhir labhate 'vaśaḥ
durch Taten erlangt er, ohnmächtig (Instr.Pl./3.Sg.Präs./Nom.Sg.)

tatra mṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ; saṃsāre pacyate jantus tat kathaṃ nāvabudhyase

Dort, von Tod, Alter und Leid ständig verfolgt, wird das Lebewesen im Weltenkreislauf gekocht - wie erkennst du das nicht?

Wort für Wort
tatra mṛtyujarāduḥkhaiḥ
dort von Tod, Alter und Leid (Adv./Instr.Pl.)
satataṃ samabhidrutaḥ
ständig verfolgt (Adv./Nom.Sg.)
saṃsāre pacyate jantus
im Weltenkreislauf wird das Lebewesen gekocht (Lok./3.Sg.Präs.Pass./Nom.)
tat kathaṃ nāvabudhyase
das - wie erkennst du nicht (Pron./Adv./Neg./2.Sg.Präs.)

ahite hitasaṃjñas tvam adhruve dhruvasaṃjñakaḥ; anarthe cārthasaṃjñas tvaṃ kimarthaṃ nāvabudhyase

Im Unheilvollen hast du die Vorstellung vom Heilsamen, im Unbeständigen die vom Beständigen; und im Nutzlosen hast du die Vorstellung vom Nützlichen - warum erkennst du das nicht?

Wort für Wort
ahite hitasaṃjñas tvam
im Unheilvollen hast du die Vorstellung vom Heilsamen (Lok./Nom.Sg./Pron.)
adhruve dhruvasaṃjñakaḥ
im Unbeständigen die Vorstellung vom Beständigen [habend] (Lok./Nom.Sg.)
anarthe cārthasaṃjñas tvaṃ
und im Nutzlosen die Vorstellung vom Nützlichen [habend] (Lok./Nom.Sg./Pron.)
kimarthaṃ nāvabudhyase
warum erkennst du nicht (Adv./Neg./2.Sg.Präs.)

saṃveṣṭyamānaṃ bahubhir mohatantubhir ātmajaiḥ; kośakāravad ātmānaṃ veṣṭayan nāvabudhyase

[Dein] Selbst, das von vielen Fäden der Verblendung durch die eigenen Kinder eingehüllt wird - wie ein Kokonspinner umhüllst du [dein] Selbst, und erkennst es doch nicht.

Wort für Wort
saṃveṣṭyamānaṃ
[das Selbst,] das eingehüllt wird (Akk.Sg.Part.Pass.)
bahubhir mohatantubhir
von vielen Fäden der Verblendung (Instr.Pl.)
ātmajaiḥ
durch die eigenen Kinder (Instr.Pl.)
kośakāravad ātmānaṃ
wie ein Kokonspinner [dein] Selbst (Adv./Akk.)
veṣṭayan nāvabudhyase
umhüllend erkennst du nicht (Nom.Sg.Part.Präs./Neg./2.Sg.Präs.)

alaṃ parigraheṇeha doṣavān hi parigrahaḥ; kṛmir hi kośakāras tu badhyate svaparigrahāt

Genug mit dem Besitz hier, denn der Besitz ist fehlerhaft; der Wurm, der Kokonspinner, wird ja durch seinen eigenen Besitz [sein eigenes Gespinst] gebunden.

Wort für Wort
alaṃ parigraheṇeha
genug mit dem Besitz hier (Adv./Instr./Adv.)
doṣavān hi parigrahaḥ
denn der Besitz ist fehlerhaft (Nom.Sg.)
kṛmir hi kośakāras tu
der Wurm, der Kokonspinner nämlich (Nom.Sg.)
badhyate svaparigrahāt
wird gebunden durch seinen eigenen Besitz (3.Sg.Präs.Pass./Abl.)

putradārakuṭumbeṣu saktāḥ sīdanti jantavaḥ; saraḥpaṅkārṇave magnā jīrṇā vanagajā iva

An Kindern, Gattin und Familie haftend, sinken die Lebewesen hin - wie altersschwache Waldelefanten, die im Schlammmeer eines Teiches versunken sind.

Wort für Wort
putradārakuṭumbeṣu saktāḥ
an Kindern, Gattin und Familie haftend (Lok.Pl./Nom.Pl.)
sīdanti jantavaḥ
die Lebewesen sinken hin (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
saraḥpaṅkārṇave magnā
im Schlammmeer des Teiches versunken (Lok.Sg./Nom.Pl.)
jīrṇā vanagajā iva
wie altersschwache Waldelefanten (Nom.Pl./Nom.Pl./Vergleich)

mahājālasamākṛṣṭān sthale matsyān ivoddhṛtān; snehajālasamākṛṣṭān paśya jantūn suduḥkhitān

Sieh die vom Netz der Zuneigung eingefangenen, sehr unglücklichen Geschöpfe – wie Fische, die mit einem großen Netz herangezogen und ans Land gezerrt wurden.

Wort für Wort
mahājāla-samākṛṣṭān
durch ein großes Netz herangezogene (Akk.Pl.)
sthale matsyān
Fische auf dem Land (Lok./Akk.Pl.)
iva uddhṛtān
wie herausgezogene (Akk.Pl.)
sneha-jāla-samākṛṣṭān
durch das Netz der Zuneigung herangezogene (Akk.Pl.)
paśya
sieh! (2.Sg.Imp.)
jantūn suduḥkhitān
die Geschöpfe, sehr unglücklich (Akk.Pl.)

kuṭumbaṃ putradāraṃ ca śarīraṃ dravyasaṃcayāḥ; pārakyam adhruvaṃ sarvaṃ kiṃ svaṃ sukṛtaduṣkṛtam

Familie, Frau und Kinder, der Körper, die angehäuften Güter – alles ist fremd und unbeständig. Was ist [wirklich] dein Eigen? Nur gutes und schlechtes Tun.

Wort für Wort
kuṭumbaṃ
Familie/Hausstand (Nom./Akk.Sg.)
putradāraṃ ca
und Frau und Kinder (Akk./Nom.)
śarīraṃ
der Körper (Nom.)
dravyasaṃcayāḥ
die angesammelten Güter (Nom.Pl.)
pārakyam adhruvaṃ sarvaṃ
alles ist fremd und unbeständig (Nom./Akk.Neut.)
kiṃ svaṃ
was ist dein Eigenes? (Frage)
sukṛtaduṣkṛtam
gutes und schlechtes Tun (Nom.Neut.)

yadā sarvaṃ parityajya gantavyam avaśena te; anarthe kiṃ prasaktas tvaṃ svam arthaṃ nānutiṣṭhasi

Da du doch, unfreiwillig, alles verlassen musst und gehen wirst – warum haftest du am Nutzlosen? Warum verfolgst du nicht deinen eigenen [wahren] Nutzen?

Wort für Wort
yadā sarvaṃ parityajya
wenn/da, nachdem du alles verlassen hast (Ger.)
gantavyam avaśena te
musst du unfreiwillig gehen (Ger.Neut./Instr.)
anarthe kiṃ prasaktas
warum bist du am Nutzlosen verhaftet (Lok./Nom.Sg.)
tvaṃ svam arthaṃ
du deinen eigenen Nutzen (Nom./Akk.)
na anutiṣṭhasi
verfolgst du nicht (2.Sg.Präs.)

aviśrāntam anālambam apātheyam adaiśikam; tamaḥkāntāram adhvānaṃ katham eko gamiṣyasi

Wie wirst du allein den rastlosen, haltlosen, proviantlosen, führerlosen Weg durch die Wildnis der Dunkelheit gehen?

Wort für Wort
aviśrāntam anālambam
rastlos, haltlos (Akk.Neut.Adj.)
apātheyam adaiśikam
proviantlos, führerlos (Akk.Neut.Adj.)
tamaḥkāntāram adhvānaṃ
den Weg durch die Wildnis der Dunkelheit (Akk.Sg.)
katham ekaḥ
wie, allein (Frage/Nom.)
gamiṣyasi
wirst du gehen (2.Sg.Fut.)

na hi tvā prasthitaṃ kaś cit pṛṣṭhato 'nugamiṣyati; sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ ca tvā yāsyantam anuyāsyati

Denn niemand wird dir, dem Aufbrechenden, von hinten folgen; [nur] gutes und schlechtes Tun werden dir, dem Gehenden, folgen.

Wort für Wort
na hi tvā prasthitaṃ
denn nicht dir, dem Aufgebrochenen (Akk.)
kaś cit pṛṣṭhato
irgendjemand von hinten (Nom./Abl.)
anugamiṣyati
wird folgen (3.Sg.Fut.)
sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ ca
gutes und schlechtes Tun (Nom.Neut.)
tvā yāsyantam
dir, dem Gehenden (Akk./Part.Fut.)
anuyāsyati
wird folgen (3.Sg.Fut.)

vidyā karma ca śauryaṃ ca jñānaṃ ca bahuvistaram; arthārtham anusāryante siddhārthas tu vimucyate

Wissen, Tat, Tapferkeit und weitreichende Erkenntnis – sie werden [nur] um des jeweiligen Zweckes willen verfolgt; wer aber sein Ziel erreicht hat, wird [davon] frei.

Wort für Wort
vidyā karma ca
Wissen und Tat (Nom.)
śauryaṃ ca jñānaṃ ca
und Tapferkeit und Erkenntnis (Nom.)
bahuvistaram
weitreichend (Nom.Neut.Adj.)
arthārtham anusāryante
werden um des Zweckes willen verfolgt (Akk.Adv./3.Pl.Pass.)
siddhārthas tu
wer aber sein Ziel erreicht hat (Nom.)
vimucyate
wird befreit (3.Sg.Pass.)

nibandhanī rajjur eṣā yā grāme vasato ratiḥ; chittvaināṃ sukṛto yānti naināṃ chindanti duṣkṛtaḥ

Dieser fesselnde Strick, das ist die Anhaftung des im Dorf Wohnenden: Nachdem sie ihn durchschnitten haben, gehen die Rechtschaffenen [ihres Weges]; die Übeltäter aber durchschneiden ihn nicht.

Wort für Wort
nibandhanī rajjur eṣā
dieser fesselnde Strick (Nom.fem.)
yā grāme vasato ratiḥ
das ist die Anhaftung des im Dorf Wohnenden (Nom./Gen.)
chittvā enāṃ
nachdem sie ihn durchschnitten haben (Ger./Akk.)
sukṛto yānti
gehen die Rechtschaffenen (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
na enāṃ chindanti
durchschneiden ihn nicht (Akk./3.Pl.Präs.)
duṣkṛtaḥ
die Übeltäter (Nom.Pl.)

tulyajātivayorūpān hutān paśyasi mṛtyunā; na ca nāmāsti nirvedo lauhaṃ hi hṛdayaṃ tava

Du siehst [Wesen], gleich an Geburt, Alter und Gestalt [wie du], vom Tod dahingerafft – und doch entsteht in dir keine Ernüchterung! Dein Herz ist wahrlich aus Eisen.

Wort für Wort
tulyajātivayorūpān
gleich an Geburt, Alter und Gestalt (Akk.Pl.Adj.)
hutān paśyasi mṛtyunā
siehst du, vom Tod dahingerafft (Akk.Pl./2.Sg.Präs./Instr.)
na ca nāma asti nirvedo
und dennoch entsteht keine Ernüchterung (Verneinung/3.Sg./Nom.)
lauhaṃ hi hṛdayaṃ tava
dein Herz ist wahrlich aus Eisen (Nom./Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „nāma“ hier als bekräftigende Partikel („wahrlich/eigentlich“), nicht wörtlich „Name“.

rūpakūlāṃ manaḥsrotāṃ sparśadvīpāṃ rasāvahām; gandhapaṅkāṃ śabdajalāṃ svargamārgadurāvahām

[Diesen Strom des Daseins], dessen Ufer die Schönheit ist, dessen Strömung der Geist ist, dessen Inseln die Berührungen sind, der den Geschmack mit sich führt, dessen Schlamm der Geruch ist, dessen Wasser der Klang ist, der den Weg zum Himmel schwer gangbar macht –

Wort für Wort
rūpakūlāṃ
mit der Form/Schönheit als Ufer (Akk.fem.Adj.)
manaḥsrotāṃ
mit dem Geist als Strömung (Akk.fem.Adj.)
sparśadvīpāṃ
mit der Berührung als Inseln (Akk.fem.Adj.)
rasāvahām
den Geschmack mit sich führend (Akk.fem.Adj.)
gandhapaṅkāṃ
mit dem Geruch als Schlamm (Akk.fem.Adj.)
śabdajalāṃ
mit dem Klang als Wasser (Akk.fem.Adj.)
svargamārgadurāvahām
die den Weg zum Himmel schwer erreichbar macht (Akk.fem.Adj.)

Reihe von Adjektiven zu „nadī“ (Fluss); der Satz (mit dem Prädikat „taret“) wird im nächsten Vers fortgesetzt.

kṣamāritrāṃ satyamayīṃ dharmasthairyavaṭākarām; tyāgavātādhvagāṃ śīghrāṃ buddhināvā nadīṃ taret

dessen Ruder die Geduld ist, der aus Wahrheit besteht, dessen Wirbel die Standhaftigkeit im Dharma erzeugt, den vom Wind der Entsagung getriebenen, schnellen [Strom] möge man mit dem Boot der Einsicht überqueren.

Wort für Wort
kṣamāritrāṃ
mit der Geduld als Ruder (Akk.fem.Adj.)
satyamayīṃ
aus Wahrheit bestehend (Akk.fem.Adj.)
dharmasthairyavaṭākarām
deren Wirbel die Standhaftigkeit im Dharma bildet (Akk.fem.Adj.)
tyāgavātādhvagāṃ śīghrāṃ
vom Wind der Entsagung getrieben, schnell (Akk.fem.Adj.)
buddhināvā
mit dem Boot der Einsicht (Instr.)
nadīṃ taret
möge man den Fluss überqueren (Akk./3.Sg.Opt.)

tyaja dharmam adharmaṃ ca ubhe satyānṛte tyaja; ubhe satyānṛte tyaktvā yena tyajasi taṃ tyaja

Gib das Rechte auf und [gib] das Unrecht [auf]; gib beides, Wahrheit und Unwahrheit, auf. Nachdem du beides, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben hast, gib auch das auf, wodurch du [sie] aufgibst.

Wort für Wort
tyaja dharmam
gib das Rechte auf (2.Sg.Imp./Akk.)
adharmaṃ ca
und das Unrecht (Akk.)
ubhe satyānṛte tyaja
gib beides, Wahrheit und Unwahrheit, auf (Akk.Dual/Imp.)
ubhe satyānṛte tyaktvā
nachdem du beides, Wahrheit und Unwahrheit, aufgegeben hast (Ger.)
yena tyajasi
wodurch du aufgibst (Instr./2.Sg.Präs.)
taṃ tyaja
gib auch das auf (Akk./Imp.)

tyaja dharmam asaṃkalpād adharmaṃ cāpy ahiṃsayā; ubhe satyānṛte buddhyā buddhiṃ paramaniścayāt

Gib das Rechte auf durch Freiheit vom [begehrenden] Wollen, und das Unrecht auch durch Gewaltlosigkeit; gib beides, Wahrheit und Unwahrheit, durch die Einsicht [auf], und die Einsicht [selbst] durch die höchste Gewissheit.

Wort für Wort
tyaja dharmam asaṃkalpād
gib das Rechte auf durch Willenlosigkeit (Imp./Akk./Abl.)
adharmaṃ cāpy ahiṃsayā
und das Unrecht auch durch Gewaltlosigkeit (Akk./Instr.)
ubhe satyānṛte buddhyā
beides, Wahrheit und Unwahrheit, durch die Einsicht (Akk.Dual/Instr.)
buddhiṃ paramaniścayāt
die Einsicht durch die höchste Gewissheit (Akk./Abl.)

asthisthūṇaṃ snāyuyutaṃ māṃsaśoṇitalepanam; carmāvanaddhaṃ durgandhi pūrṇaṃ mūtrapurīṣayoḥ

[Diesen Körper] mit Knochen als Gerüst, mit Sehnen ausgestattet, mit Fleisch und Blut bestrichen, mit Haut überzogen, übelriechend, voll von Urin und Kot,

Wort für Wort
asthisthūṇaṃ
mit Knochen als Gerüst (Akk.Neut.Adj.)
snāyuyutaṃ
mit Sehnen versehen (Akk.Neut.Adj.)
māṃsaśoṇitalepanam
mit Fleisch und Blut bestrichen (Akk.Neut.Adj.)
carmāvanaddhaṃ
mit Haut überzogen (Akk.Neut.Adj.)
durgandhi pūrṇaṃ
übelriechend, voll (Akk.Neut.Adj.)
mūtrapurīṣayoḥ
von Urin und Kot (Gen.Dual.)

Adjektivreihe zum Körper, Satz (mit dem Prädikat „samutsṛja“: „gib auf“) wird im nächsten Vers fortgesetzt.

jarāśokasamāviṣṭaṃ rogāyatanam āturam; rajasvalam anityaṃ ca bhūtāvāsaṃ samutsṛja

von Alter und Kummer erfüllt, ein Sitz der Krankheit, leidend, unrein[?] und unbeständig – gib diese Wohnstätte der Wesen [den Körper] auf.

Wort für Wort
jarāśokasamāviṣṭaṃ
von Alter und Kummer erfüllt (Akk.Neut.Adj.)
rogāyatanam āturam
ein Sitz der Krankheit, leidend (Akk.Neut.Adj.)
rajasvalam anityaṃ ca
unrein und unbeständig (Akk.Neut.Adj.)
bhūtāvāsaṃ
die Wohnstätte der Wesen [den Körper] (Akk.)
samutsṛja
gib auf/verlasse (2.Sg.Imp.)

„rajasvala“ wörtlich „mit rajas/Staub behaftet“, hier als „unrein“ wiedergegeben [?].

idaṃ viśvaṃ jagat sarvam ajagac cāpi yad bhavet; mahābhūtātmakaṃ sarvaṃ mahad yat paramāṇu yat

Dieses ganze Universum, die gesamte bewegte und auch unbewegte Welt, was auch immer sie sei – alles, was groß ist und was atomklein ist, besteht aus den großen Elementen.

Wort für Wort
idaṃ viśvaṃ
dieses Universum (Nom./Akk.)
jagat sarvam
die ganze bewegte Welt (Nom./Akk.)
ajagac cāpi yad bhavet
und auch das Unbewegte, was es auch sei (Nom./Opt.)
mahābhūtātmakaṃ sarvaṃ
besteht ganz aus den großen Elementen (Akk.Neut.Adj.)
mahad yat
was groß ist (Nom.Neut.)
paramāṇu yat
was atomklein ist (Nom.Neut.)

mahābhūtāni khaṃ vāyur agnir āpas tathā mahī; ṣaṣṭhas tu cetanā yā tu ātmā saptama ucyate; aṣṭamaṃ tu mano jñeyaṃ buddhis tu navamī smṛtā

Die großen Elemente [sind]: Äther, Wind, Feuer, Wasser und ebenso Erde; das sechste aber ist das Bewusstsein, und das, was das Selbst [ist], wird als das siebte bezeichnet; das achte aber gilt als der Geist, die Erkenntniskraft aber gilt als die neunte.

Wort für Wort
mahābhūtāni khaṃ vāyur
die großen Elemente: Äther, Wind (Nom.Pl.)
agnir āpas tathā mahī
Feuer, Wasser und ebenso Erde (Nom.)
ṣaṣṭhas tu cetanā
das sechste aber ist das Bewusstsein (Nom.)
yā tu ātmā saptama ucyate
und das, was das Selbst ist, wird als siebtes genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
aṣṭamaṃ tu mano jñeyaṃ
das achte aber gilt als der Geist (Nom.Neut.)
buddhis tu navamī smṛtā
die Erkenntniskraft aber gilt als die neunte (Nom.fem./PPP)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

indriyāṇi ca pañcaiva tamaḥ sattvaṃ rajas tathā; ity eṣa saptadaśako rāśir avyaktasaṃjñakaḥ

Die fünf Sinnesorgane, sowie Tamas, Sattva und ebenso Rajas – so ist diese Gruppe von siebzehn [Elementen] die Gesamtheit, die ‚das Unentfaltete‘ genannt wird.

Wort für Wort
indriyāṇi ca pañcaiva
und die fünf Sinnesorgane (Nom.Pl.)
tamaḥ sattvaṃ rajas tathā
Tamas, Sattva und ebenso Rajas (Nom.)
ity eṣa saptadaśako rāśir
so ist diese Gesamtheit von siebzehn (Nom.)
avyaktasaṃjñakaḥ
die ‚das Unentfaltete‘ genannt wird (Nom.Adj.)

sarvair ihendriyārthaiś ca vyaktāvyaktair hi saṃhitaḥ; pañcaviṃśaka ity eṣa vyaktāvyaktamayo guṇaḥ

[Der Purusha] ist hier fürwahr mit allen Sinnesobjekten verbunden, den entfalteten und unentfalteten – so ist diese Fünfundzwanzigheit die aus Entfaltetem und Unentfaltetem bestehende Wesenheit.

Wort für Wort
sarvair ihendriyārthaiś ca
und mit allen Sinnesobjekten hier (Instr.Pl.)
vyaktāvyaktair hi saṃhitaḥ
mit den Entfalteten und Unentfalteten fürwahr verbunden (Instr./Nom.)
pañcaviṃśaka ity eṣa
so ist dies die Fünfundzwanzigheit (Nom.)
vyaktāvyaktamayo guṇaḥ
die aus Entfaltetem und Unentfaltetem bestehende Wesenheit (Nom.Adj.)

„saṃhitaḥ“ (verbunden) bezieht sich wohl auf den Puruṣa des Folgeverses; die Aufzählung zu 25 knüpft an die 17 Elemente der Vorverse an.

etaiḥ sarvaiḥ samāyuktaḥ pumān ity abhidhīyate; trivargo 'tra sukhaṃ duḥkhaṃ jīvitaṃ maraṇaṃ tathā

Wer mit all diesen [Elementen] ausgestattet ist, wird ‚Purusha‘ [das Selbst] genannt. Hierzu [gehören] die Dreiheit [der Lebensziele], Glück und Leid, sowie Leben und Tod.

Wort für Wort
etaiḥ sarvaiḥ samāyuktaḥ
wer mit all diesen ausgestattet ist (Instr.Pl./Nom.)
pumān ity abhidhīyate
wird ‚Purusha‘ genannt (Nom./3.Sg.Pass.)
trivargo 'tra
die Dreiheit [der Lebensziele] hierbei (Nom./Adv.)
sukhaṃ duḥkhaṃ
Glück und Leid (Nom.)
jīvitaṃ maraṇaṃ tathā
sowie Leben und Tod (Nom.)

ya idaṃ veda tattvena sa veda prabhavāpyayau; pārāśaryeha boddhavyaṃ jñānānāṃ yac ca kiṃ cana

Wer dies der Wahrheit nach erkennt, der erkennt [auch] Entstehen und Vergehen. O Pārāśarya, dies ist hier zu verstehen – was auch immer es an Erkenntnissen gebe.

Wort für Wort
ya idaṃ veda tattvena
wer dies der Wahrheit nach weiß (Nom./3.Sg.Perf./Instr.)
sa veda prabhavāpyayau
der weiß [auch] Entstehen und Vergehen (3.Sg.Perf./Akk.Dual)
pārāśaryeha boddhavyaṃ
o Pārāśarya, dies ist hier zu verstehen (Vok./Nom.Neut.Ger.)
jñānānāṃ yac ca kiṃ cana
und was auch immer es an Erkenntnissen gebe (Gen.Pl./Pron.)

„Pārāśarya“ (Nachkomme des Parāśara) ist Anrede an Śuka.

indriyair gṛhyate yad yat tat tad vyaktam iti sthitiḥ; avyaktam iti vijñeyaṃ liṅgagrāhyam atīndriyam

Was immer durch die Sinne erfasst wird, das gilt jeweils als ‚entfaltet‘ – so die Regel. Was übersinnlich und [nur] durch Merkmale [erschließbar] ist, das ist als ‚unentfaltet‘ zu erkennen.

Wort für Wort
indriyair gṛhyate yad yat
was immer durch die Sinne erfasst wird (Instr./3.Sg.Pass./Pron.)
tat tad vyaktam iti sthitiḥ
das gilt jeweils als ‚entfaltet‘ – so die Regel (Nom.)
avyaktam iti vijñeyaṃ
als ‚unentfaltet‘ ist zu erkennen (Nom.Neut.Ger.)
liṅgagrāhyam atīndriyam
das durch Merkmale erfassbare, übersinnliche (Nom.Neut.Adj.)

indriyair niyatair dehī dhārābhir iva tarpyate; loke vitatam ātmānaṃ lokaṃ cātmani paśyati

Der verkörperte [Geist] wird durch die gezügelten Sinne wie durch [beständige] Güsse [immer wieder] erfrischt; er sieht das Selbst als in der Welt ausgebreitet und die Welt im Selbst.

Wort für Wort
indriyair niyatair dehī
der Verkörperte durch die gezügelten Sinne (Instr.Pl./Nom.)
dhārābhir iva tarpyate
wird wie durch Güsse gesättigt (Instr./3.Sg.Pass.)
loke vitatam ātmānaṃ
das in der Welt ausgebreitete Selbst (Lok./Akk.)
lokaṃ cātmani paśyati
und die Welt im Selbst sieht er (Akk./Lok./3.Sg.Präs.)

parāvaradṛśaḥ śaktir jñānavelāṃ na paśyati; paśyataḥ sarvabhūtāni sarvāvasthāsu sarvadā

Die Kraft desjenigen, der das Höhere und das Niedere [in allem] sieht, findet keine Grenze des Wissens – er, der alle Wesen in allen Zuständen stets sieht.

Wort für Wort
parāvaradṛśaḥ śaktir
die Kraft des Höheres-und-Niedrigeres-Sehenden (Gen./Nom.)
jñānavelāṃ na paśyati
sieht keine Grenze des Wissens (Akk./3.Sg.Präs.)
paśyataḥ sarvabhūtāni
[der] alle Wesen sieht (Gen.Part./Akk.Pl.)
sarvāvasthāsu sarvadā
in allen Zuständen, stets (Lok.Pl./Adv.)

brahmabhūtasya saṃyogo nāśubhenopapadyate; jñānena vividhān kleśān ativṛttasya mohajān; loke buddhiprakāśena lokamārgo na riṣyate

Die Verbindung des zum Brahman Gewordenen geht keine [Verbindung] mit Unheil ein; für den, der durch Erkenntnis die mannigfachen, aus Verblendung entstandenen Leiden überwunden hat, wird durch den Glanz der Erkenntnis der Weg in der Welt nicht gefährdet.

Wort für Wort
brahmabhūtasya saṃyogo
die Verbindung des zum Brahman Gewordenen (Gen./Nom.)
nāśubhenopapadyate
verbindet sich nicht mit Unheil (3.Sg.Präs.)
jñānena vividhān kleśān
durch Erkenntnis die mannigfachen Leiden (Instr./Akk.Pl.)
ativṛttasya mohajān
des Überwundenen, aus Verblendung entstandene (Gen./Akk.Pl.Adj.)
loke buddhiprakāśena
in der Welt durch den Glanz der Erkenntnis (Lok./Instr.)
lokamārgo na riṣyate
wird der Weltenpfad nicht gefährdet (Nom./3.Sg.Pass.)

anādinidhanaṃ jantum ātmani sthitam avyayam; akartāram amūrtaṃ ca bhagavān āha tīrthavit

Das Wesen [die einzelne Seele], ohne Anfang und Ende, im Selbst ruhend, unvergänglich, nicht handelnd und gestaltlos – so sprach der Erhabene, der die [heiligen] Quellen [der Wahrheit] kennt.

Wort für Wort
anādinidhanaṃ jantum
das Wesen, ohne Anfang und Ende (Akk.Adj./Akk.)
ātmani sthitam avyayam
im Selbst ruhend, unvergänglich (Akk.Adj.)
akartāram amūrtaṃ ca
nicht handelnd und gestaltlos (Akk.Adj.)
bhagavān āha
so sprach der Erhabene (Nom./3.Sg.Perf.)
tīrthavit
der die [heiligen] Quellen kennt (Nom.Epitheton)

yo jantuḥ svakṛtais tais taiḥ karmabhir nityaduḥkhitaḥ; sa duḥkhapratighātārthaṃ hanti jantūn anekadhā

Das Wesen, das durch seine je eigenen Taten ständig leidet – dieses tötet, um das Leid abzuwehren, auf vielfache Weise [andere] Wesen.

Wort für Wort
yo jantuḥ
welches Wesen (Nom.)
svakṛtais tais taiḥ karmabhir
durch jene selbst begangenen Taten (Instr.Pl.)
nityaduḥkhitaḥ
ständig leidend (Nom.Adj.)
sa duḥkhapratighātārthaṃ
dieses, um das Leid abzuwehren (Nom./Akk.Zweck)
hanti jantūn anekadhā
tötet Wesen auf vielfache Weise (3.Sg.Präs./Akk.Pl./Adv.)

tataḥ karma samādatte punar anyan navaṃ bahu; tapyate 'tha punas tena bhuktvāpathyam ivāturaḥ

Dadurch erwirbt es sich wieder viel anderes, neues Werk und wird dann dadurch wiederum gequält – wie ein Kranker, der Unbekömmliches gegessen hat.

Wort für Wort
tataḥ karma samādatte
dadurch erwirbt es sich Werk (Adv./Akk./3.Sg.Präs.)
punar anyan navaṃ bahu
wieder anderes, neues, vieles (Adv./Akk.Neut.)
tapyate 'tha punas tena
und wird dann dadurch wieder gequält (3.Sg.Pass./Instr.)
bhuktvāpathyam ivāturaḥ
wie ein Kranker, der Unbekömmliches gegessen hat (Ger./Akk./Nom.)

ajasram eva mohārto duḥkheṣu sukhasaṃjñitaḥ; badhyate mathyate caiva karmabhir manthavat sadā

Beständig von Verblendung geplagt, im Leid Glück wahrnehmend, wird es immer wieder durch seine Taten gebunden und zugleich gequirlt wie [Butter] beim Quirlen.

Wort für Wort
ajasram eva mohārto
beständig, von Verblendung geplagt (Adv./Nom.Adj.)
duḥkheṣu sukhasaṃjñitaḥ
der im Leid Glück wahrnimmt (Lok.Pl./Nom.Adj.)
badhyate mathyate caiva
wird gebunden und auch zermahlen (3.Sg.Pass.)
karmabhir manthavat sadā
durch Taten, wie beim Quirlen, immer (Instr.Pl./Adv.)

tato nivṛtto bandhāt svāt karmaṇām udayād iha; paribhramati saṃsāraṃ cakravad bahuvedanaḥ

Danach, obgleich von der [alten] Fessel befreit, wandert es hier, wegen des Entstehens neuer Taten, dennoch, reich an Leiden, wie ein Rad im Daseinskreislauf umher.

Wort für Wort
tataḥ nivṛtto bandhāt svāt
danach, [zwar] befreit von der eigenen Fessel (Adv./Nom.Adj./Abl.)
karmaṇām udayād iha
aufgrund des Entstehens [neuer] Taten hier (Gen.Pl./Abl.)
paribhramati saṃsāraṃ
wandert es im Daseinskreislauf umher (3.Sg.Präs./Akk.)
cakravad bahuvedanaḥ
wie ein Rad, reich an Leiden (Adv./Nom.Adj.)

sa tvaṃ nivṛttabandhas tu nivṛttaś cāpi karmataḥ; sarvavit sarvajit siddho bhava bhāvavivarjitaḥ

Du selbst aber, befreit von der Fessel und auch losgelöst vom [Zwang zum] Handeln – werde allwissend, allbezwingend, ein Vollendeter, frei vom [Kreislauf des] Werdens.

Wort für Wort
sa tvaṃ nivṛttabandhas tu
du selbst aber, [einer] dessen Fessel geendet hat (Nom./Nom.Adj.)
nivṛttaś cāpi karmataḥ
und auch losgelöst vom Handeln (Nom.Adj./Abl.Adv.)
sarvavit sarvajit siddho
allwissend, allbezwingend, ein Vollendeter (Nom.Adj.)
bhava bhāvavivarjitaḥ
werde, frei vom [Kreislauf des] Werdens (2.Sg.Imp./Nom.Adj.)

saṃyamena navaṃ bandhaṃ nivartya tapaso balāt; saṃprāptā bahavaḥ siddhim apy abādhāṃ sukhodayām

Indem sie durch Selbstbeherrschung die neue Fessel abwehrten, haben viele kraft der Askese die Vollendung erlangt – eine ungehinderte, glückbringende [Vollendung].

Wort für Wort
saṃyamena navaṃ bandhaṃ nivartya
nachdem sie durch Selbstbeherrschung die neue Fessel abgewehrt haben (Instr./Akk./Ger.)
tapaso balāt
kraft der Askese (Gen./Abl.)
saṃprāptā bahavaḥ siddhim
haben viele die Vollendung erlangt (Nom.Pl./Akk.)
apy abādhāṃ sukhodayām
auch die ungehinderte, glückbringende (Akk.fem.Adj.)

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