Kapitel 172: ājagaracaritam
Der Weise Ājagara belehrt Prahrāda über das Pythonschlangen-Gelübde der Gelassenheit
Bhīṣma antwortet auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem kummerlosen Wandel mit dem alten Gespräch zwischen dem Asura-Fürsten Prahrāda und einem gelassen umherziehenden Weisen, der sich, wie eine Python, mit dem zufällig Zufallenden begnügt.
Yudhiṣṭhira sprach: „Mit welchem Wandel, du Kenner des Wandels, würde man ohne Kummer die Erde durchwandern? Und was tuend erlangt der Mensch in der Welt das höchste Ziel?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.; Perf.3.Sg.)
kena vṛttena
mit welchem Wandel/Verhalten (Instr.Sg.n.)
vṛttajña
du Kenner des Wandels (Vok.Sg.)
vītaśokaś caren mahīm
ohne Kummer würde man die Erde durchwandern (Nom.Sg.m.; Opt.3.Sg.; Akk.Sg.f.)
kiṃ ca kurvan naro loke
und was tuend, der Mensch in der Welt (Part.Präs.; Nom.Sg.; Lok.Sg.)
prāpnoti paramāṃ gatim
erlangt er das höchste Ziel (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.f.)
Prahrāda, der verständig und bei den Klugen geachtet war, befragte, o König, einen umherziehenden Brahmanen, der heiteren Sinnes und frei von Leid war.
Wort für Wort
carantaṃ brāhmaṇaṃ kaṃ cit
einen umherziehenden Brahmanen, irgendeinen (Part.Präs.Akk.Sg.m.)
„Du bist gesund, kräftig, sanft, selbstbeherrscht, ohne Überdruss und ohne Missgunst, redegewandt, in der Welt hoch geachtet und klug, [doch] du wanderst umher wie ein Kind.
Wort für Wort
svasthaḥ śakto mṛdur dānto
wohlauf, fähig, sanft, gezähmt (Nom.Sg.m.)
nirvivitso 'nasūyakaḥ
ohne Verdruss, ohne Missgunst (Nom.Sg.m.)
suvāg bahumato loke
wohlredend, hochgeschätzt in der Welt (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
prājñaś carasi bālavat
klug, du wanderst wie ein Kind (Nom.Sg.m.; 2.Sg.Präs.)
Während die Geschöpfe von der Strömung fortgerissen werden, erscheinst du gleichsam unbekümmert; in den Verrichtungen von Dharma, Kāma und Artha wirkst du wie ein Unbeteiligter [wörtl. wie ein Unbewegter/Amboss].
Wort für Wort
srotasā hriyamāṇāsu
während sie von der Strömung fortgetragen werden (Instr.Sg.; Part.Pass.Lok.Pl.f.)
prajāsv avimanā iva
unter den Geschöpfen, gleichsam ungetrübten Gemüts (Lok.Pl.; Nom.Sg.m.)
dharmakāmārthakāryeṣu
in den Aufgaben von Dharma, Kāma und Artha (Lok.Pl.n.)
kūṭastha iva lakṣyase
wie ein Unbewegter/Unbeteiligter wirst du gesehen (Nom.Sg.m.; 2.Sg.Präs.Pass.)
kūṭastha: eigentlich ‚auf der Spitze/dem Amboss stehend‘, d. h. unerschütterlich, unbeteiligt.
kā nu prajñā śrutaṃ vā kiṃ vṛttir vā kā nu te mune; kṣipram ācakṣva me brahmañ śreyo yad iha manyase
Was ist denn deine Einsicht, oder was dein Wissen, oder was dein Lebenswandel, o Weiser? Sag mir schnell, o Brahmane, was du hier für das Heilsamste hältst.“
Wort für Wort
kā nu prajñā
was denn ist [deine] Einsicht (Nom.Sg.f.)
śrutaṃ vā kiṃ
oder welches [ist dein] Gehörtes/Wissen (Nom.Sg.n.)
vṛttir vā kā nu te mune
oder welcher denn ist dein Wandel, o Weiser (Nom.Sg.f.; Gen./Dat.; Vok.)
kṣipram ācakṣva me brahmañ
schnell sag mir, o Brahmane (Imp.2.Sg.Med.; Vok.)
śreyo yad iha manyase
das Heilsamere, was du hier meinst (Akk.Sg.n.; 2.Sg.Präs.Med.)
paśyan prahrāda bhūtānām utpattim animittataḥ; hrāsaṃ vṛddhiṃ vināśaṃ ca na prahṛṣye na ca vyathe
„Prahrāda, wenn ich das Entstehen der Wesen ohne [erkennbaren] Anlass sehe, ihr Abnehmen, Wachsen und Vergehen, so freue ich mich nicht und bin nicht betrübt.
Wort für Wort
paśyan prahrāda
sehend, o Prahrāda (Part.Präs.; Vok.)
bhūtānām utpattim animittataḥ
der Wesen Entstehen ohne Anlass (Gen.Pl.; Akk.Sg.f.; Abl.-Adv.)
hrāsaṃ vṛddhiṃ vināśaṃ ca
Abnahme, Wachstum und Untergang (Akk.Sg.m.)
na prahṛṣye na ca vyathe
ich freue mich nicht und zittere/leide nicht (1.Sg.Präs.Med.)
animittataḥ: ‚ohne (erkennbare) Ursache‘ – Lesart unsicher zwischen ‚grundlos‘ und ‚ohne mein Zutun‘.
antavanti ca bhūtāni guṇayuktāni paśyataḥ; utpattinidhanajñasya kiṃ kāryam avaśiṣyate
Für den, der die Wesen als endlich und mit den Eigenschaften [der Natur] verbunden sieht und Entstehen und Vergehen kennt, was bleibt da noch zu tun übrig?
Wort für Wort
antavanti ca bhūtāni
und endliche Wesen (Akk.Pl.n.)
guṇayuktāni paśyataḥ
mit Guṇas verbunden, dem Sehenden (Akk.Pl.n.; Part.Gen.Sg.m.)
utpattinidhanajñasya
dem Kenner von Entstehen und Vergehen (Gen.Sg.m.)
kiṃ kāryam avaśiṣyate
welches Zu-Tuende bleibt übrig (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)
Bisweilen strömt mir Speise zu, wiederum reichlich und von vielen guten Eigenschaften, ein andermal wenig und geringer Qualität, und wieder bekomme ich gar keine.
Wort für Wort
āsravaty api mām annam
auch strömt mir Speise zu (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.; Nom.Sg.n.)
punar bahuguṇaṃ bahu
wiederum vorzüglich, reichlich (Nom.Sg.n.)
punar alpaguṇaṃ stokam
wiederum geringwertig, wenig (Nom.Sg.n.)
punar naivopapadyate
wiederum gar nicht ergibt sie sich (3.Sg.Präs.Med.)
acalam anidhanaṃ śivaṃ viśokaṃ; śucim atulaṃ viduṣāṃ mate niviṣṭam; anabhimatam asevitaṃ ca mūḍhair; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Unerschütterlich, endlos, heilvoll, kummerlos, rein, unvergleichlich, im Urteil der Kundigen verankert, von den Toren weder gebilligt noch geübt: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
acalam anidhanaṃ śivam
unbeweglich, unvergänglich, heilvoll (Akk.Sg.n.)
viśokaṃ śucim atulam
kummerfrei, rein, unvergleichlich (Akk.Sg.n.)
viduṣāṃ mate niviṣṭam
in der Ansicht der Wissenden fest gegründet (Gen.Pl.; Lok.Sg.n.; Part.Pass.)
anabhimatam asevitaṃ ca mūḍhaiḥ
von Toren nicht gebilligt und nicht geübt (Instr.Pl.m.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
ājagara: ‚der Pythonschlange (ajagara) gemäß‘, d. h. das Leben, das sich mit dem zufällig Zufallenden begnügt.
Von gefestigtem Sinn, von seiner Pflicht nicht abgefallen, mit begrenztem Umherstreifen, Hohes und Niedriges kennend, frei von Furcht, Leidenschaft, Gier und Verblendung: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
acalitamatir acyutaḥ svadharmāt
von unerschüttertem Geist, nicht abgefallen von der eigenen Pflicht (Nom.Sg.m.; Abl.Sg.)
parimitasaṃsaraṇaḥ
mit begrenztem Umherziehen (Nom.Sg.m.)
parāvarajñaḥ
Höheres und Niedrigeres kennend (Nom.Sg.m.)
vigatabhayakaṣāyalobhamohaḥ
frei von Furcht, Trübung, Gier, Verblendung (Nom.Sg.m.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
aniyataphalabhakṣyabhojyapeyaṃ; vidhipariṇāmavibhaktadeśakālam; hṛdayasukham asevitaṃ kadaryair; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
[Ein Gelübde,] in dem Früchte, Speisen, Getränke nicht festgelegt sind und Ort und Zeit je nach dem Wandel der Fügung verschieden sind, das dem Herzen wohltut und von den Geizigen nicht geübt wird: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
aniyataphalabhakṣyabhojyapeyam
in dem Früchte, Speisen, Nahrung, Trank nicht festgelegt sind (Akk.Sg.n.)
vidhipariṇāmavibhaktadeśakālam
dessen Ort und Zeit gemäß der Wandlung der Fügung verteilt sind (Akk.Sg.n.)
hṛdayasukham
dem Herzen wohltuend (Akk.Sg.n.)
asevitaṃ kadaryaiḥ
von Geizigen nicht geübt (Part.Pass.Akk.Sg.n.; Instr.Pl.m.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
vidhipariṇāma: ‚Wandlung durch die Fügung‘ (vidhi = Schicksal/Fügung) [?].
idam idam iti tṛṣṇayābhibhūtaṃ; janam anavāptadhanaṃ viṣīdamānam; nipuṇam anuniśāmya tattvabuddhyā; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Die von Begierde überwältigten Menschen, [die klagen:] „dies und dies“, und ohne Besitz zu erlangen verzagen, betrachte ich genau mit Einsicht in die Wirklichkeit: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
idam idam iti tṛṣṇayābhibhūtam
„dies, dies“ [rufend], von Durst/Begierde überwältigt (Instr.Sg.f.; Part.Pass.Akk.Sg.m.)
janam anavāptadhanaṃ viṣīdamānam
den Menschen, Reichtum nicht erlangt habend, verzagend (Akk.Sg.m.; Part.Präs.Med.)
nipuṇam anuniśāmya
genau betrachtend (Adv.; Gerundium)
tattvabuddhyā
mit Wirklichkeitserkenntnis (Instr.Sg.f.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
Wenn ich vielfältig sehe, wie um des Vorteils willen der Elende hier den Edlen wie den Unedlen aufsucht, [übe ich], nach Ruhe verlangend, selbstbeherrscht, gestillt: dieses Pythonschlangen-Gelübde rein aus.
Wort für Wort
bahuvidham anudṛśya cārthahetoḥ
auf vielerlei Weise erblickend, um des Vorteils willen (Adv.; Gerundium; Abl.-Adv.)
kṛpaṇam ihāryam anāryam
den Elenden hier, Edlen wie Unedlen (Akk.Sg.m.)
āśrayantam
Zuflucht nehmend (Part.Präs.Akk.Sg.m.)
upaśamarucir ātmavān praśānto
an Beruhigung Gefallen findend, selbstbeherrscht, gestillt (Nom.Sg.m.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
Syntax: kṛpaṇam … āśrayantam ist Objekt zu anudṛśya (‚wie der Elende … Zuflucht nimmt‘).
sukham asukham anartham arthalābhaṃ; ratim aratiṃ maraṇaṃ ca jīvitaṃ ca; vidhiniyatam avekṣya tattvato 'haṃ; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Glück und Unglück, Schaden und Gewinn, Lust und Unlust, Tod und Leben als vom Schicksal bestimmt in Wahrheit erkennend, [übe ich]: dieses Pythonschlangen-Gelübde rein aus.
Wort für Wort
sukham asukham anartham
Glück, Unglück, Schaden (Akk.Sg.n.)
arthalābhaṃ ratim aratim
Gewinn, Lust, Unlust (Akk.Sg.m.)
maraṇaṃ ca jīvitaṃ ca
Tod und Leben (Akk.Sg.n.)
vidhiniyatam avekṣya
als vom Schicksal bestimmt betrachtend (Akk.Sg.n.; Gerundium)
tattvato 'ham
in Wahrheit, ich (Abl.-Adv.; Nom.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
apagatabhayarāgamohadarpo; dhṛtimatibuddhisamanvitaḥ praśāntaḥ; upagataphalabhogino niśāmya; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Von Furcht, Anhänglichkeit, Verblendung und Hochmut befreit, mit Standhaftigkeit, Verstand und Einsicht ausgestattet, ruhig, [und] die Genießenden der [ihnen] zuteil gewordenen Früchte betrachtend: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
apagatabhayarāgamohadarpaḥ
frei von Furcht, Leidenschaft, Verblendung, Stolz (Nom.Sg.m.)
dhṛtimatibuddhisamanvitaḥ
ausgestattet mit Festigkeit, Sinn, Einsicht (Nom.Sg.m.)
praśāntaḥ
beruhigt (Nom.Sg.m.)
upagataphalabhogino niśāmya
die Genießer der zugefallenen Früchte betrachtend (Akk.Pl.m.; Gerundium)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
aniyataśayanāsanaḥ prakṛtyā; damaniyamavratasatyaśaucayuktaḥ; apagataphalasaṃcayaḥ prahṛṣṭo; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Von Natur ohne festes Lager und Sitz, mit Selbstzügelung, Regeln, Gelübden, Wahrhaftigkeit und Reinheit versehen, ohne Anhäufung von Früchten, froh: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
aniyataśayanāsanaḥ prakṛtyā
von Natur ohne feste Liegestatt und Sitz (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.)
damaniyamavratasatyaśaucayuktaḥ
verbunden mit Selbstbeherrschung, Regel, Gelübde, Wahrheit, Reinheit (Nom.Sg.m.)
apagataphalasaṃcayaḥ
ohne Ansammlung von Früchten (Nom.Sg.m.)
prahṛṣṭaḥ
froh (Nom.Sg.m.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
abhigatam asukhārtham īhanārthair; upagatabuddhir avekṣya cātmasaṃsthaḥ; tṛṣitam aniyataṃ mano niyantuṃ; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Nachdem ich das Unglück als Ziel der Bestrebungen erkannt habe und, mit gewonnener Einsicht, in mir selbst gegründet, [übe ich], um den durstigen, unsteten Geist zu zügeln: dieses Pythonschlangen-Gelübde rein aus.
Wort für Wort
abhigatam asukhārtham īhanārthaiḥ
das Unglück als Zweck/Ergebnis [bei] den Zwecken des Strebens erlangt (Part.Pass.Akk.Sg.n.; Instr.Pl.)
upagatabuddhir avekṣya ca
mit erlangter Einsicht und betrachtend (Nom.Sg.m.; Gerundium)
ātmasaṃsthaḥ
in sich selbst ruhend (Nom.Sg.m.)
tṛṣitam aniyataṃ mano niyantum
den durstigen, ungezügelten Geist zu zügeln (Akk.Sg.n.; Inf.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
Erste Vershälfte syntaktisch schwierig; Wiedergabe unsicher [?].
na hṛdayam anurudhyate mano vā; priyasukhadurlabhatām anityatāṃ ca; tad ubhayam upalakṣayann ivāhaṃ; vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
Weder folgt das Herz noch der Geist [dem Verlangen]; indem ich die Schwierigkeit [der Erlangung] von Liebem und Glück und die Vergänglichkeit beides gleichsam durchschaue: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
na hṛdayam anurudhyate mano vā
weder das Herz folgt noch der Geist (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)
priyasukhadurlabhatām
die Schwererlangbarkeit von Liebem und Glück (Akk.Sg.f.)
anityatāṃ ca
und die Vergänglichkeit (Akk.Sg.f.)
tad ubhayam upalakṣayann ivāham
jene beiden gleichsam erkennend, ich (Akk.Du.n.; Part.Präs.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
Nachdem ich erkannt habe, dass Erlangung von Gütern schwer ist, [übe ich das Gelübde], das mit Festigkeit, Einsicht, Verstand und Tatkraft ausgestattet ist, von Weisen und Mächtigen befolgt: dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus.
Wort für Wort
asulabham upalabhya cārthalābham
als schwer erhältlich erkannt habend die Erlangung von Gütern (Akk.Sg.m.; Gerundium)
dhṛtimatibuddhiparākramair upetam
mit Festigkeit, Sinn, Einsicht, Tatkraft versehen (Instr.Pl.; Part.Pass.Akk.Sg.n.)
budhamanujaniṣevitaṃ samarthaiḥ
von weisen Menschen, von Fähigen befolgt (Part.Pass.; Instr.Pl.m.)
vratam idam ājagaraṃ śuciś carāmi
dieses Pythonschlangen-Gelübde übe ich rein aus (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (star); Text und Bezug teilweise unsicher [?].
bahu kathitam idaṃ hi buddhimadbhiḥ; kavibhir abhiprathayadbhir ātmakīrtim; idam idam iti tatra tatra tat tat; svaparamatair gahanaṃ pratarkayadbhiḥ
Vieles ist hierüber von Verständigen gesagt worden, von Dichtern, die ihren eigenen Ruhm verbreiten wollten: „dies, dies“ [sagen sie] hier und da, dies und jenes, indem sie das Verwickelte nach eigenen und fremden Ansichten erörtern.
Wort für Wort
bahu kathitam idaṃ hi buddhimadbhiḥ
vieles darüber gesagt von Verständigen (Nom.Sg.n.; Part.Pass.; Instr.Pl.m.)
kavibhir abhiprathayadbhir ātmakīrtim
von Dichtern, die den eigenen Ruhm ausbreiten (Instr.Pl.m.; Part.Präs.; Akk.Sg.f.)
idam idam iti tatra tatra
„dies, dies“ so, da und dort (Adv.)
tat tat
dies und jenes (Akk.Sg.n.)
svaparamatair gahanaṃ pratarkayadbhiḥ
mit eigenen und fremden Ansichten das Dunkle erörternd (Instr.Pl.n.; Akk.Sg.n.; Part.Präs.Instr.Pl.)
Nachdem ich das bedacht habe, wie es auseinandergegangen und von törichten Menschen je verschieden angegangen wird, unbegrenzt in seinen Fehlern und nie zu Ende gebracht, wandle ich unter den Menschen, den Zorn und die Gier abgelegt.
Wort für Wort
tad aham anuniśāmya
dies, ich, nachdem ich es bedacht (Akk.Sg.n.; Gerundium)
viprayātaṃ pṛthag abhipannam
auseinandergegangen, jeweils angegangen (Part.Pass.Akk.Sg.n.)
ihābudhair manuṣyaiḥ
hier von Unverständigen, Menschen (Instr.Pl.m.)
anavasitam anantadoṣapāram
nicht zu Ende gebracht, ohne Ende der Fehler (Akk.Sg.n.)
nṛṣu viharāmi
unter Menschen wandle ich (Lok.Pl.; 1.Sg.Präs.)
vinītaroṣatṛṣṇaḥ
mit abgelegtem Zorn und Durst (Nom.Sg.m.)
Zweite Vershälfte bezieht sich auf die Menschen, die Ziele ‚ohne Ende der Fehler‘ verfolgen; Bezug unsicher [?].
bhīṣma uvāca; ajagaracaritaṃ vrataṃ mahātmā; ya iha naro 'nucared vinītarāgaḥ; apagatabhayamanyulobhamohaḥ; sa khalu sukhī vihared imaṃ vihāram
Bhīṣma sprach: „Der große Mensch, der hier das Pythonschlangen-Gelübde befolgt, frei von Anhänglichkeit, ohne Furcht, Zorn, Gier und Verblendung, der wird wahrlich glücklich in diesem Bereich umherwandern.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
ajagaracaritaṃ vrataṃ mahātmā
das Pythonschlangen-Verhalten, das Gelübde, der Großgesinnte (Akk.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
ya iha naro 'nucared
welcher hier als Mann befolgen soll (Nom.Sg.m.; Opt.3.Sg.)
vinītarāgaḥ
mit abgelegter Leidenschaft (Nom.Sg.m.)
apagatabhayamanyulobhamohaḥ
frei von Furcht, Zorn, Gier, Verblendung (Nom.Sg.m.)
sa khalu sukhī vihared imaṃ vihāram
der wird gewiss glücklich wandeln diese Wanderung/diesen Bereich (Opt.3.Sg.; Akk.Sg.m.)