Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 297: vasumān-bhṛguvaṃśadhara-saṃvādaḥ dharmopadeśaḥ Belehrung des jagenden Königs Vasumat durch den Bhṛgu-Weisen über Dharma und Standhaftigkeit

Bhīṣma erzählt, wie der Janaka-Sohn Vasumat im Wald einen Weisen aus dem Geschlecht der Bhṛgu nach dem höchsten Heil fragt. Die Antwort mahnt zu Dharma, Freigebigkeit gegenüber Würdigen, Selbstzucht und Standhaftigkeit.

bhīṣma uvāca; mṛgayāṃ vicaran kaś cid vijane janakātmajaḥ; vane dadarśa viprendram ṛṣiṃ vaṃśadharaṃ bhṛgoḥ

Bhīṣma sprach: Als irgendein Sohn des Janaka auf der Jagd in einem einsamen Wald umherzog, erblickte er den Fürsten der Brahmanen, den Seher, den Stammhalter der Bhṛgu.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
mṛgayāṃ vicaran kaś cit
auf der Jagd umherziehend, irgendein (Akk./Nom.)
vijane janakātmajaḥ
in einsamer [Gegend], Sohn des Janaka (Lok./Nom.)
vane dadarśa
im Wald erblickte er (Lok./Perf.)
viprendram ṛṣiṃ
den Fürsten der Brahmanen, den Seher (Akk.)
vaṃśadharaṃ bhṛgoḥ
den Träger der Linie des Bhṛgu (Akk./Gen.)

tam āsīnam upāsīnaḥ praṇamya śirasā munim; paścād anumatas tena papraccha vasumān idam

Zu ihm, der dasaß, setzte er sich, verneigte sich mit dem Haupt vor dem Weisen; danach, von jenem dazu ermächtigt, fragte Vasumat dies.

Wort für Wort
tam āsīnam upāsīnaḥ
ihn, den Sitzenden, sich [ihm] zusetzend (Akk./Part. Med. Nom.)
praṇamya śirasā munim
sich verneigend mit dem Haupt vor dem Weisen (Abs./Instr./Akk.)
paścād anumatas tena
danach, erlaubt (bekommen) von ihm (Adv./Part. Nom./Instr.)
papraccha vasumān idam
fragte Vasumat dies (Perf./Nom./Akk.)

bhagavan kim idaṃ śreyaḥ pretya vāpīha vā bhavet; puruṣasyādhruve dehe kāmasya vaśavartinaḥ

„Ehrwürdiger, was ist dies Heilsame, das für den Menschen im jenseitigen wie im diesseitigen [Leben] sein kann, [für ihn], der einen unbeständigen Körper hat und unter der Herrschaft der Begierde steht?“

Wort für Wort
bhagavan kim idaṃ śreyaḥ
Ehrwürdiger, was ist dies Heilsame (Vok./Nom.)
pretya vāpīha vā bhavet
im Jenseits oder auch hier, es möge sein (Abs. als Adv./Opt.)
puruṣasya adhruve dehe
für den Menschen, im unbeständigen Körper (Gen./Lok.)
kāmasya vaśavartinaḥ
der Begierde untertan (Gen./Nom.-Gen. des Menschen)

satkṛtya paripṛṣṭaḥ san sumahātmā mahātapāḥ; nijagāda tatas tasmai śreyaskaram idaṃ vacaḥ

Ehrerbietig befragt, sprach der hochgesinnte, große Asket darauf zu ihm diese heilbringende Rede.

Wort für Wort
satkṛtya paripṛṣṭaḥ san
ehrerbietig befragt seiend (Abs./Part. Pass.)
sumahātmā mahātapāḥ
hochherzig, großer Asket (Nom.)
nijagāda tatas tasmai
sprach dann zu ihm (Perf./Adv./Dat.)
śreyaskaram idaṃ vacaḥ
diese heilbringende Rede (Akk.)

manaso 'pratikūlāni pretya ceha ca vāñchasi; bhūtānāṃ pratikūlebhyo nivartasva yatendriyaḥ

„Was dem Geist nicht zuwider ist, wünschst du im Jenseits und hier; so lasse ab von dem, was den Wesen zuwider ist, mit gezügelten Sinnen.“

Wort für Wort
manaso 'pratikūlāni
dem Geist nicht Widriges (Gen./Akk. Pl. n.)
pretya ceha ca vāñchasi
im Jenseits und hier wünschst du (Abs. als Adv./2.Sg.Präs.)
bhūtānāṃ pratikūlebhyaḥ
von den Wesen Widrigem [gemeint: was ihnen widrig ist] (Gen./Abl.)
nivartasva yatendriyaḥ
lass ab, mit gebändigten Sinnen (Imp. Med./Nom.)

dharmaḥ satāṃ hitaḥ puṃsāṃ dharmaś caivāśrayaḥ satām; dharmāl lokās trayas tāta pravṛttāḥ sacarācarāḥ

„Dharma ist den Guten heilsam, den Menschen, und Dharma ist die Stütze der Guten; aus dem Dharma, mein Lieber, sind die drei Welten samt Beweglichem und Unbeweglichem hervorgegangen.“

Wort für Wort
dharmaḥ satāṃ hitaḥ puṃsām
Dharma ist den Guten heilsam, den Menschen (Nom./Gen./Dat.-Sinn)
dharmaś caivāśrayaḥ satām
und Dharma ist die Zuflucht der Guten (Nom./Gen.)
dharmāl lokās trayaḥ
aus dem Dharma die drei Welten (Abl./Nom.)
tāta pravṛttāḥ
Lieber, sind hervorgegangen (Vok./Part. Nom. Pl.)
sacarācarāḥ
mit Beweglichem und Unbeweglichem (Nom. Pl. Bahuvrīhi)

svādukāmuka kāmānāṃ vaitṛṣṇyaṃ kiṃ na gacchasi; madhu paśyasi durbuddhe prapātaṃ nānupaśyasi

„Du, der du nach Süßem gierst: Warum gelangst du nicht zur Begierdelosigkeit hinsichtlich der Genüsse? Den Honig siehst du, du Törichter, den Absturz siehst du nicht.“

Wort für Wort
svādukāmuka
du nach Süßem Lüsterner (Vok.)
kāmānāṃ vaitṛṣṇyaṃ
hinsichtlich der Genüsse Begierdelosigkeit (Gen./Akk.)
kiṃ na gacchasi
warum gelangst du nicht (2.Sg.Präs.)
madhu paśyasi durbuddhe
Honig siehst du, du Törichter (Akk./2.Sg./Vok.)
prapātaṃ nānupaśyasi
den Absturz siehst du nicht [wahr] (Akk./2.Sg.Präs.)

svādukāmuka: nach Süßem lüstern.

yathā jñāne paricayaḥ kartavyas tatphalārthinā; tathā dharme paricayaḥ kartavyas tatphalārthinā

„Wie man im Wissen Vertrautheit erwerben muss, wenn man dessen Frucht will, so muss man im Dharma Vertrautheit erwerben, wenn man dessen Frucht will.“

Wort für Wort
yathā jñāne paricayaḥ
wie im Wissen Vertrautheit (Lok./Nom.)
kartavyas tatphalārthinā
ist zu üben von dem, der dessen Frucht will (Gerundiv/Instr.)
tathā dharme paricayaḥ
so im Dharma Vertrautheit (Lok./Nom.)
kartavyas tatphalārthinā
ist zu üben von dem, der dessen Frucht will (Gerundiv/Instr.)

asatā dharmakāmena viśuddhaṃ karma duṣkaram; satā tu dharmakāmena sukaraṃ karma duṣkaram

„Für den Unedlen, der nach Dharma verlangt, ist lauteres Handeln schwer; für den Edlen, der nach Dharma verlangt, ist das [sonst] schwere Handeln leicht.“

Wort für Wort
asatā dharmakāmena
für den Unedlen, der Dharma begehrt (Instr. des Handelnden)
viśuddhaṃ karma duṣkaram
lauteres Handeln ist schwer zu tun (Nom. n.)
satā tu dharmakāmena
für den Edlen aber, der Dharma begehrt (Instr.)
sukaraṃ karma duṣkaram
leicht zu tun ist das schwere Handeln (Nom. n.)

vane grāmyasukhācāro yathā grāmyas tathaiva saḥ; grāme vanasukhācāro yathā vanacaras tathā

„Wer im Wald ein Leben in dörflichen Genüssen führt, ist wie ein Dörfler; wer im Dorf ein Leben in Waldgenüssen führt, ist ebenso wie ein Waldbewohner.“

Wort für Wort
vane grāmyasukhācāraḥ
im Wald dörfliche Freuden pflegend (Lok./Nom. Bahuvrīhi)
yathā grāmyas tathaiva saḥ
wie ein Dörfler, ebenso er (Nom.)
grāme vanasukhācāraḥ
im Dorf Waldfreuden pflegend (Lok./Nom.)
yathā vanacaras tathā
wie ein Waldbewohner, so [er] (Nom.)

manovākkarmake dharme kuru śraddhāṃ samāhitaḥ; nivṛttau vā pravṛttau vā saṃpradhārya guṇāguṇān

„Setze gesammelt Vertrauen in den Dharma, der in Geist, Rede und Tat besteht, nachdem du Vorzüge und Nachteile von Rückzug und von Tätigkeit sorgfältig abgewogen hast.“

Wort für Wort
manovākkarmake dharme
im Dharma, der aus Geist, Rede und Tat besteht (Lok.)
kuru śraddhāṃ samāhitaḥ
setze Vertrauen, gesammelt (Imp./Akk./Nom.)
nivṛttau vā pravṛttau vā
im Rückzug oder in der Tätigkeit (Lok.)
saṃpradhārya guṇāguṇān
abgewogen habend Vorzüge und Nachteile (Abs./Akk. Pl.)

nityaṃ ca bahu dātavyaṃ sādhubhyaś cānasūyatā; prārthitaṃ vrataśaucābhyāṃ satkṛtaṃ deśakālayoḥ

„Und beständig ist viel zu geben, und Neidlosigkeit [ist zu üben] gegenüber den Guten; [zu geben ist,] was erbeten wurde, mit Gelübde und Reinheit, ehrerbietig, nach Ort und Zeit.“

Wort für Wort
nityaṃ ca bahu dātavyaṃ
und beständig viel ist zu geben (Adv./Gerundiv)
sādhubhyaś cānasūyatā
und den Guten gegenüber Neidlosigkeit (Dat./Nom. f.)
prārthitaṃ
das Erbetene (Part. Pass. n.)
vrataśaucābhyāṃ satkṛtaṃ
mit Gelübde und Reinheit, ehrerbietig (Instr. Du./Part. n.)
deśakālayoḥ
nach Ort und Zeit (Lok. Du.)

Sehr elliptische Konstruktion; die Ergänzungen in Klammern sind erschlossen.

śubhena vidhinā labdham arhāya pratipādayet; krodham utsṛjya dattvā ca nānutapyen na kīrtayet

„Was auf gute Weise erworben ist, gebe man einem Würdigen; nachdem man den Zorn abgelegt und gegeben hat, bereue man nicht und rühme es nicht.“

Wort für Wort
śubhena vidhinā labdham
auf gute Weise Erworbenes (Instr./Part. n.)
arhāya pratipādayet
einem Würdigen möge man geben (Dat./Opt.)
krodham utsṛjya
den Zorn ablegend (Akk./Abs.)
dattvā ca nānutapyet
und nachdem man gegeben, nicht bereue man (Abs./Opt. Pass.-Med.)
na kīrtayet
nicht rühme man [es] (Opt.)

anṛśaṃsaḥ śucir dāntaḥ satyavāg ārjave sthitaḥ; yonikarmaviśuddhaś ca pātraṃ syād vedavid dvijaḥ

„Ein Zweimalgeborener, der nicht grausam, rein, selbstbeherrscht, wahrhaftig in der Rede und in Geradheit gefestigt ist, in Herkunft und Handeln lauter und den Veda kennt, sei ein [würdiger] Empfänger.“

Wort für Wort
anṛśaṃsaḥ śucir dāntaḥ
nicht grausam, rein, bezwungen (Nom.)
satyavāg ārjave sthitaḥ
wahrhaftig redend, in Geradheit stehend (Nom.)
yonikarmaviśuddhaś ca
und lauter in Herkunft und Handeln (Nom.)
pātraṃ syād vedavid dvijaḥ
ein Gefäß [Empfänger] sei der Veda-kundige Zweimalgeborene (Nom./Opt.)

satkṛtā caikapatnī ca jātyā yonir iheṣyate; ṛgyajuḥsāmago vidvān ṣaṭkarmā pātram ucyate

„Und eine geehrte Einzelgattin; die Herkunft [gilt] hier als durch Geburt [bestimmt]; ein Kundiger, der Ṛg-, Yajus- und Sāmaveda beherrscht, der die sechs Werke ausübt, wird ein [würdiger] Empfänger genannt.“

Wort für Wort
satkṛtā caikapatnī ca
und eine geehrte, nur einen Gatten habende Frau [?] (Nom. f.)
jātyā yonir iheṣyate
durch Geburt der Schoß [Herkunft] wird hier erstrebt/gilt (Instr./Nom./3.Sg.Pass.) [?]
ṛgyajuḥsāmago vidvān
Ṛg-, Yajus- und Sāman-kundig, gelehrt (Nom.)
ṣaṭkarmā pātram ucyate
der sechs Werke ausübt, wird Empfänger genannt (Nom./Nom./3.Sg.Pass.)

Erster Halbvers syntaktisch dunkel; Sinn der Wendung jātyā yonir iheṣyate unsicher.

sa eva dharmaḥ so 'dharmas taṃ taṃ pratinaraṃ bhavet; pātrakarmaviśeṣeṇa deśakālāv avekṣya ca

„Eben dies wird bei diesem und jenem Menschen zu Dharma oder zu Adharma, je nach der Besonderheit von Empfänger und Handlung und mit Rücksicht auf Ort und Zeit.“

Wort für Wort
sa eva dharmaḥ so 'dharmaḥ
eben dies ist Dharma, dies Adharma (Nom.)
taṃ taṃ pratinaraṃ bhavet
bei jedem einzelnen Menschen mag es werden (Adv./Opt.)
pātrakarmaviśeṣeṇa
durch die Besonderheit von Empfänger und Handlung (Instr.)
deśakālāv avekṣya ca
und Ort und Zeit berücksichtigend (Akk. Du./Abs.)

līlayālpaṃ yathā gātrāt pramṛjyād rajasaḥ pumān; bahuyatnena mahatā pāpanirharaṇaṃ tathā

„Wie ein Mann mühelos ein wenig Staub vom Körper abwischen kann, so ist die Beseitigung der Sünde [nur] mit großer Anstrengung [möglich].“

Wort für Wort
līlayālpaṃ yathā gātrāt
spielend ein wenig, wie vom Körper (Instr./Akk./Abl.)
pramṛjyād rajasaḥ pumān
abwischen möge vom Staub der Mann (Opt./Abl./Nom.)
bahuyatnena mahatā
mit viel großer Mühe (Instr.)
pāpanirharaṇaṃ tathā
die Entfernung der Sünde so (Nom. n./Adv.)

viriktasya yathā samyag ghṛtaṃ bhavati bheṣajam; tathā nirhṛtadoṣasya pretyadharmaḥ sukhāvahaḥ

„Wie für einen gründlich Abgeführten Ghee zur Arznei wird, so bringt dem, dessen Makel entfernt sind, der Dharma im Jenseits Glück.“

Wort für Wort
viriktasya yathā samyak
für einen Abgeführten, wie richtig (Gen./Adv.)
ghṛtaṃ bhavati bheṣajam
Ghee wird zur Arznei (Nom./3.Sg.Präs./Nom.)
tathā nirhṛtadoṣasya
so für den, dessen Fehler entfernt sind (Gen.)
pretyadharmaḥ sukhāvahaḥ
der Dharma im Jenseits ist Glück bringend (Nom.)

mānasaṃ sarvabhūteṣu vartate vai śubhāśubhe; aśubhebhyaḥ samākṣipya śubheṣv evāvatārayet

„Der Geist wirkt in allen Wesen im Guten wie im Schlechten; man ziehe ihn vom Schlechten ab und führe ihn ins Gute hinab.“

Wort für Wort
mānasaṃ sarvabhūteṣu
der Geist in allen Wesen (Nom./Lok.)
vartate vai śubhāśubhe
wirkt fürwahr im Guten und Schlechten (3.Sg.Präs.Med./Lok.)
aśubhebhyaḥ samākṣipya
vom Schlechten weggezogen habend (Abl./Abs.)
śubheṣv evāvatārayet
nur ins Gute möge man ihn hinabführen (Lok./Opt.)

mānasaṃ vṛddhasevābhir duḥkhaṃ śārīram auṣadhaiḥ; vācikaṃ mantrajāpyena vidvān yatnād vināśayet

Geistiges Leid [vertreibe man] durch den Dienst an den Alten, körperliches durch Heilmittel, das der Rede durch das Murmeln von Mantras; der Kundige soll es mit Eifer vernichten.

Wort für Wort
mānasaṃ vṛddhasevābhiḥ
das Geistige durch Dienst an den Alten (Nom. n./Instr. Pl.)
duḥkhaṃ śārīram auṣadhaiḥ
Leid, das Körperliche durch Heilkräuter (Akk./Instr. Pl.)
vācikaṃ mantrajāpyena
das der Rede durch Mantra-Murmeln (Instr.)
vidvān yatnād vināśayet
der Kundige soll mit Eifer vernichten (Nom./Abl./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers), nur in einem Teil der Handschriften.

sarvaṃ sarveṇa sarvatra kriyamāṇaṃ ca pūjaya; svadharme yatra rāgas te kāmaṃ dharmo vidhīyatām

„Ehre alles, was von allen überall getan wird [?]; woran du im eigenen Dharma Gefallen hast, dieser Dharma möge nach Wunsch vollzogen werden.“

Wort für Wort
sarvaṃ sarveṇa sarvatra
alles, von allen, überall (Akk./Instr./Adv.)
kriyamāṇaṃ ca pūjaya
und Getanes ehre (Part. Pass. Akk./Imp.) [?]
svadharme yatra rāgas te
im eigenen Dharma, worin deine Neigung [ist] (Lok./Rel.-Adv./Nom./Gen.)
kāmaṃ dharmo vidhīyatām
nach Wunsch werde der Dharma vollzogen (Adv./Nom./Imp. Pass.)

Erster Halbvers dunkel; Übersetzung unsicher.

adhṛtātman dhṛtau tiṣṭha durbuddhe buddhimān bhava; apraśānta praśāmya tvam aprājña prājñavac cara

„Du Unbeständiger, fasse Standhaftigkeit; du Törichter, werde verständig; du Unberuhigter, komm zur Ruhe; du Unweiser, verhalte dich wie ein Weiser.“

Wort für Wort
adhṛtātman dhṛtau tiṣṭha
Unbeständiger, steh in Standhaftigkeit (Vok./Lok./Imp.)
durbuddhe buddhimān bhava
Törichter, werde verständig (Vok./Nom./Imp.)
apraśānta praśāmya tvam
Unberuhigter, beruhige dich, du (Vok./Imp./Pron.)
aprājña prājñavac cara
Unweiser, verhalte dich wie ein Weiser (Vok./Adv./Imp.)

tejasā śakyate prāptum upāyasahacāriṇā; iha ca pretya ca śreyas tasya mūlaṃ dhṛtiḥ parā

„Durch Energie, die von dem rechten Mittel begleitet ist, kann man es erlangen; das Heil hier und im Jenseits hat höchste Standhaftigkeit zur Wurzel.“

Wort für Wort
tejasā śakyate prāptum
durch Energie kann erlangt werden (Instr./3.Sg.Pass./Inf.)
upāyasahacāriṇā
die vom [rechten] Mittel begleitet ist (Instr.)
iha ca pretya ca śreyaḥ
und hier und im Jenseits das Heil (Adv./Nom.)
tasya mūlaṃ dhṛtiḥ parā
dessen Wurzel ist höchste Standhaftigkeit (Gen./Nom.)

rājarṣir adhṛtiḥ svargāt patito hi mahābhiṣaḥ; yayātiḥ kṣīṇapuṇyaś ca dhṛtyā lokān avāptavān

„Der Königsseher Mahābhiṣa, der nicht standhaft war, stürzte vom Himmel; Yayāti, dessen Verdienst erschöpft war, gewann durch Standhaftigkeit [wieder] Welten.“

Wort für Wort
rājarṣir adhṛtiḥ
der Königsseher, nicht standhaft (Nom.)
svargāt patito hi mahābhiṣaḥ
vom Himmel gefallen fürwahr, Mahābhiṣa (Abl./Part. Nom./Nom.)
yayātiḥ kṣīṇapuṇyaś ca
und Yayāti, dessen Verdienst erschöpft war (Nom.)
dhṛtyā lokān avāptavān
durch Standhaftigkeit Welten erlangte (Instr./Akk./Part. Perf. Akt.)

tapasvināṃ dharmavatāṃ viduṣāṃ copasevanāt; prāpsyase vipulāṃ buddhiṃ tathā śreyo 'bhipatsyase

„Durch das Aufwarten bei Asketen, Dharma-Kundigen und Wissenden wirst du weite Einsicht erlangen und so das Heil erreichen.“

Wort für Wort
tapasvināṃ dharmavatāṃ
der Asketen, der Dharma-Besitzer (Gen. Pl.)
viduṣāṃ copasevanāt
und der Wissenden durch das Aufwarten (Gen. Pl./Abl.)
prāpsyase vipulāṃ buddhiṃ
wirst erlangen weite Einsicht (2.Sg.Fut. Med./Akk.)
tathā śreyo 'bhipatsyase
und so wirst du das Heil erreichen (Adv./Akk./2.Sg.Fut.)

sa tu vipras tathā pṛṣṭo rājñā jānakinā vane; proktavān akhilaṃ dharmaṃ mokṣāśramam anuttamam

Jener Brahmane, so im Wald vom König, dem Sohn des Janaka, gefragt, verkündete die ganze Lehre, die unübertreffliche Stufe der Erlösung.

Wort für Wort
sa tu vipras tathā pṛṣṭo
jener Brahmane, so gefragt (Nom./Part. Nom.)
rājñā jānakinā vane
vom König, dem Janaka-Sohn, im Wald (Instr./Instr./Lok.)
proktavān akhilaṃ dharmam
verkündete den ganzen Dharma (Part. Perf. Akt./Akk.)
mokṣāśramam anuttamam
die Erlösungsstufe, unübertroffen (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Sternvers), nur in einem Teil der Handschriften.

sa tu svabhāvasaṃpannas tac chrutvā munibhāṣitam; vinivartya manaḥ kāmād dharme buddhiṃ cakāra ha

Der von Natur Wohlgeratene aber, nachdem er diese Worte des Weisen gehört hatte, wandte den Geist von der Begierde ab und richtete seinen Sinn auf den Dharma.

Wort für Wort
sa tu svabhāvasaṃpannaḥ
er aber, von Natur wohlgeraten (Nom.)
tac chrutvā munibhāṣitam
dies gehört habend, vom Weisen Gesprochenes (Abs./Akk.)
vinivartya manaḥ kāmāt
abgewandt habend den Geist von der Begierde (Abs./Akk./Abl.)
dharme buddhiṃ cakāra ha
auf den Dharma richtete er den Sinn, fürwahr (Lok./Akk./Perf.)

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