Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 315: saptavāyukathā Vyāsa, Nārada und die Lehre von den sieben Winden

Bhīṣma erzählt, wie Vyāsas Schüler nach Abschluss ihres Vedastudiums fortziehen und Vyāsa allein in Meditation zurückbleibt, bis Nārada ihn zur Fortsetzung der Vedarezitation auffordert (mit einer nur in Teilen der Handschriften überlieferten Zusatzerzählung über die sündigen Bāhlīka-Länder und eine Brahmanin am Tīrtha Puṣkara). Im Hauptteil des Kapitels erläutert Vyāsa dann seinem Sohn Śuka, veranlasst durch einen plötzlichen Sturm, die Lehre von den sieben kosmischen Winden (Pravaha bis Parāvaha).

bhīṣma uvāca; etac chrutvā guror vākyaṃ vyāsaśiṣyā mahaujasaḥ; anyonyaṃ hṛṣṭamanasaḥ pariṣasvajire tadā

Nachdem sie dieses Wort des Lehrers gehört hatten, umarmten die hochgemuten Vyāsa-Schüler einander da mit erfreutem Herzen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
etac chrutvā
dies gehört habend (Absolutiv, aufgelöst: etat śrutvā)
guror vākyaṃ
das Wort des Lehrers (Gen.Sg./Akk.Sg.)
vyāsaśiṣyā mahaujasaḥ
die Vyāsa-Schüler von großer Kraft (Nom.Pl.)
anyonyaṃ hṛṣṭamanasaḥ
einander, mit erfreutem Sinn (Akk./Nom.Pl.)
pariṣasvajire tadā
umarmten da (3.Pl.Perf.Ā.)

uktāḥ smo yad bhagavatā tadātvāyatisaṃhitam; tan no manasi saṃrūḍhaṃ kariṣyāmas tathā ca tat

„Was uns vom Erhabenen gesagt wurde, auf Gegenwart und Zukunft bezogen – das ist in unserem Sinn fest eingewurzelt; wir werden es so tun, und so sei es.“

Wort für Wort
uktāḥ smo yad bhagavatā
wir sind angeredet worden [mit dem], was vom Erhabenen [gesagt wurde] (1.Sg.Perf.periphr./Instr.)
tadātvāyatisaṃhitam
auf Gegenwart und Zukunft bezogen (Nom./Akk.n., Kompositum)
tan no manasi saṃrūḍhaṃ
das ist in unserem Sinn eingewurzelt (Lok./PPP)
kariṣyāmas tathā ca tat
wir werden es so tun (1.Pl.Fut.)

anyonyaṃ ca sabhājyaivaṃ suprītamanasaḥ punaḥ; vijñāpayanti sma guruṃ punar vākyaviśāradāḥ

Und einander so ehrend, mit erneut sehr erfreutem Sinn, wandten sich die redegewandten Schüler wiederum an den Lehrer.

Wort für Wort
anyonyaṃ ca sabhājya evaṃ
und einander so ehrend (Absolutiv)
suprītamanasaḥ punaḥ
mit sehr erfreutem Sinn, wiederum (Nom.Pl.)
vijñāpayanti sma guruṃ
sie wandten sich an den Lehrer (3.Pl.Perf.periphr./Akk.)
punar vākyaviśāradāḥ
wiederum, die Redekundigen (Nom.Pl.)

śailād asmān mahīṃ gantuṃ kāṅkṣitaṃ no mahāmune; vedān anekadhā kartuṃ yadi te rucitaṃ vibho

„Vom Berg zur Erde hinabzugehen wünschen wir, o großer Weiser, um die Veden vielfach zu gestalten – wenn es dir gefällt, o Herr.“

Wort für Wort
śailād asmān mahīṃ gantuṃ
vom Berg, dass wir zur Erde gehen (Abl./Akk.+Inf.)
kāṅkṣitaṃ no mahāmune
ist von uns erwünscht, o großer Weiser (PPP/Vok.)
vedān anekadhā kartuṃ
die Veden vielfach zu machen (Akk./Inf.)
yadi te rucitaṃ vibho
wenn es dir gefällt, o Herr (PPP/Vok.)

śiṣyāṇāṃ vacanaṃ śrutvā parāśarasutaḥ prabhuḥ; pratyuvāca tato vākyaṃ dharmārthasahitaṃ hitam

Nachdem er die Rede der Schüler gehört hatte, erwiderte der Herr, der Sohn Parāśaras, darauf ein Wort, das Recht und Nutzen verband und heilsam war.

Wort für Wort
śiṣyāṇāṃ vacanaṃ śrutvā
die Rede der Schüler gehört habend (Gen.Pl./Absolutiv)
parāśarasutaḥ prabhuḥ
der Sohn Parāśaras, der Herr (Nom., =Vyāsa)
pratyuvāca tato vākyaṃ
erwiderte darauf das Wort (3.Sg.Perf./Akk.)
dharmārthasahitaṃ hitam
mit Recht und Nutzen verbunden, heilsam (Akk.)

kṣitiṃ vā devalokaṃ vā gamyatāṃ yadi rocate; apramādaś ca vaḥ kāryo brahma hi pracuracchalam

„Zur Erde oder zur Götterwelt möge gegangen werden, wenn es euch gefällt; doch Sorgfalt sollt ihr üben, denn der Veda birgt viele Fallstricke.“

Wort für Wort
kṣitiṃ vā devalokaṃ vā gamyatāṃ
zur Erde oder zur Götterwelt möge gegangen werden (Akk./Impv.Pass.)
yadi rocate
wenn es gefällt (3.Sg.Präs.)
apramādaś ca vaḥ kāryo
und Sorgfalt sollt ihr üben (Nom./Gerundiv)
brahma hi pracuracchalam
denn der Veda hat viele Fallstricke (Nom., Kompositum)

te 'nujñātās tataḥ sarve guruṇā satyavādinā; jagmuḥ pradakṣiṇaṃ kṛtvā vyāsaṃ mūrdhnābhivādya ca

Von dem wahrredenden Lehrer da alle entlassen, gingen sie, nachdem sie die Umwandung vollzogen und Vyāsa mit dem Haupt gegrüßt hatten.

Wort für Wort
te 'nujñātās tataḥ sarve
sie, alle, dann entlassen (Nom.Pl./PPP)
guruṇā satyavādinā
vom wahrredenden Lehrer (Instr.)
jagmuḥ pradakṣiṇaṃ kṛtvā
sie gingen, die Umwandung gemacht habend (3.Pl.Perf./Absolutiv)
vyāsaṃ mūrdhnābhivādya ca
und Vyāsa mit dem Haupt gegrüßt habend (Akk./Absolutiv)

avatīrya mahīṃ te 'tha cāturhotram akalpayan; saṃyājayanto viprāṃś ca rājanyāṃś ca viśas tathā

Zur Erde hinabgestiegen, richteten sie dann das Vierpriesteramt ein und ließen Brahmanen, Kṣatriyas und ebenso Vaiśyas opfern.

Wort für Wort
avatīrya mahīṃ te 'tha
zur Erde hinabgestiegen, sie dann (Absolutiv)
cāturhotram akalpayan
richteten das Vierpriesteramt ein (Akk./3.Pl.Impf.)
saṃyājayanto viprāṃś ca
die Brahmanen opfern lassend (Part./Akk.Pl.)
rājanyāṃś ca viśas tathā
und die Kṣatriyas und ebenso die Vaiśyas (Akk.Pl.)

pūjyamānā dvijair nityaṃ modamānā gṛhe ratāḥ; yājanādhyāpanaratāḥ śrīmanto lokaviśrutāḥ

Stets von den Zweifachgeborenen verehrt, sich freuend, dem Hausleben zugetan, dem Opferleiten und Lehren ergeben, glanzvoll und in der Welt berühmt, [lebten sie].

Wort für Wort
pūjyamānā dvijair nityaṃ
stets von den Zweifachgeborenen verehrt (Nom.Pl.Part.Pass./Instr.)
modamānā gṛhe ratāḥ
sich freuend, dem Hausleben zugetan (Nom.Pl.)
yājanādhyāpanaratāḥ
dem Opferleiten und Lehren ergeben (Nom.Pl., Kompositum)
śrīmanto lokaviśrutāḥ
glanzvoll, in der Welt berühmt (Nom.Pl.)

avatīrṇeṣu śiṣyeṣu vyāsaḥ putrasahāyavān; tūṣṇīṃ dhyānaparo dhīmān ekānte samupāviśat

Als die Schüler hinabgestiegen waren, setzte sich Vyāsa, mit seinem Sohn als Begleiter, der weise, schweigend der Meditation zugewandt, an einem einsamen Ort.

Wort für Wort
avatīrṇeṣu śiṣyeṣu
als die Schüler hinabgestiegen waren (Lok.Abs.)
vyāsaḥ putrasahāyavān
Vyāsa, den Sohn als Begleiter habend (Nom.)
tūṣṇīṃ dhyānaparo dhīmān
schweigend, der Meditation zugewandt, der Weise (Nom.)
ekānte samupāviśat
setzte sich an einem einsamen Ort (Lok./3.Sg.Impf.)

taṃ dadarśāśramapade nāradaḥ sumahātapāḥ; athainam abravīt kāle madhurākṣarayā girā

Ihn sah Nārada von gewaltiger Askesekraft an der Stätte der Einsiedelei; da sprach er ihn zur rechten Zeit mit süßklingender Stimme an.

Wort für Wort
taṃ dadarśāśramapade
sah ihn an der Stätte der Einsiedelei (Akk./3.Sg.Perf./Lok.)
nāradaḥ sumahātapāḥ
Nārada von gewaltiger Askesekraft (Nom.)
athainam abravīt kāle
da sprach er ihn zur rechten Zeit an (3.Sg.Impf./Lok.)
madhurākṣarayā girā
mit süßklingender Stimme (Instr.)

bho bho maharṣe vāsiṣṭha brahmaghoṣo na vartate; eko dhyānaparas tūṣṇīṃ kim āsse cintayann iva

„He, he, großer Weiser, Nachkomme des Vāsiṣṭha! Kein Klang der Vedarezitation ist zu hören – warum sitzt du allein, schweigend, der Meditation zugewandt, wie in Gedanken versunken?“

Wort für Wort
bho bho maharṣe vāsiṣṭha
he, he, großer Weiser, Vāsiṣṭha-Nachkomme (Vok.)
brahmaghoṣo na vartate
kein Vedaklang ist [hier] vorhanden (Nom./3.Sg.Präs.)
eko dhyānaparas tūṣṇīṃ
allein, der Meditation zugewandt, schweigend (Nom.)
kim āsse cintayann iva
warum sitzt du, wie nachdenkend? (2.Sg.Präs./Part.)

Vāsiṣṭha: Bezug auf Vyāsas Abstammung von Vasiṣṭha (über dessen Sohn Śakti und Parāśara).

brahmaghoṣair virahitaḥ parvato 'yaṃ na śobhate; rajasā tamasā caiva somaḥ sopaplavo yathā

Dieser Berg, der Vedaklänge entbehrt, glänzt nicht – wie der Mond, der durch Staub und Dunkel verfinstert und mit einer Trübung behaftet ist.

Wort für Wort
brahmaghoṣair virahitaḥ
der Vedaklänge entbehrend (Instr./PPP)
parvato 'yaṃ na śobhate
dieser Berg glänzt nicht (Nom./3.Sg.Präs.)
rajasā tamasā caiva
durch Staub und Dunkel (Instr.)
somaḥ sopaplavo yathā
wie der Mond mit einer Trübung (Nom.)

na bhrājate yathāpūrvaṃ niṣādānām ivālayaḥ; devarṣigaṇajuṣṭo 'pi vedadhvaninirākṛtaḥ

Er strahlt nicht wie zuvor, gleich der Wohnstätte von Niṣādas, obwohl er von Scharen der Götter und Seher besucht wird – denn er ist des Vedaklangs beraubt.

Wort für Wort
na bhrājate yathāpūrvaṃ
er strahlt nicht wie zuvor (3.Sg.Präs.)
niṣādānām ivālayaḥ
wie eine Wohnstätte der Niṣādas (Gen.Pl./Nom.)
devarṣigaṇajuṣṭo 'pi
obwohl von Scharen der Götter und Seher besucht (Nom., Kompositum)
vedadhvaninirākṛtaḥ
des Vedaklangs beraubt (Nom., PPP-Kompositum)

ṛṣayaś ca hi devāś ca gandharvāś ca mahaujasaḥ; vimuktā brahmaghoṣeṇa na bhrājante yathā purā

Denn die Seher, die Götter und die gewaltigen Gandharvas strahlen, des Vedaklangs entblößt, nicht mehr wie früher.

Wort für Wort
ṛṣayaś ca hi devāś ca
die Seher und die Götter (Nom.Pl.)
gandharvāś ca mahaujasaḥ
und die gewaltigen Gandharvas (Nom.Pl.)
vimuktā brahmaghoṣeṇa
des Vedaklangs entledigt (Nom.Pl./Instr.)
na bhrājante yathā purā
strahlen nicht mehr wie früher (3.Pl.Präs.)

nāradasya vacaḥ śrutvā kṛṣṇadvaipāyano 'bravīt; maharṣe yat tvayā proktaṃ vedavādavicakṣaṇa

Nachdem er Nāradas Worte gehört hatte, sprach Kṛṣṇadvaipāyana: „O großer Weiser, Kundiger der Vedalehre, was du gesagt hast –“

Wort für Wort
nāradasya vacaḥ śrutvā
Nāradas Rede gehört habend (Gen./Absolutiv)
kṛṣṇadvaipāyano 'bravīt
Kṛṣṇadvaipāyana sprach (Nom./3.Sg.Impf.)
maharṣe yat tvayā proktaṃ
o großer Weiser, was von dir gesagt wurde (Vok./Instr./PPP)
vedavādavicakṣaṇa
o Kundiger der Vedalehre (Vok., Kompositum)

etan manonukūlaṃ me bhavān arhati bhāṣitum; sarvajñaḥ sarvadarśī ca sarvatra ca kutūhalī

„… das entspricht meinem Sinn. Du magst wohl so sprechen, du Allwissender, Allsehender, überall Wissbegieriger.“

Wort für Wort
etan manonukūlaṃ me
das ist meinem Sinn zusagend (Nom./Gen.)
bhavān arhati bhāṣitum
du vermagst zu sprechen (Nom./3.Sg.Präs./Inf.)
sarvajñaḥ sarvadarśī ca
allwissend und allsehend (Nom.)
sarvatra ca kutūhalī
und überall wissbegierig (Nom.)

triṣu lokeṣu yad vṛttaṃ sarvaṃ tava mate sthitam; tad ājñāpaya viprarṣe brūhi kiṃ karavāṇi te

„Alles, was in den drei Welten geschieht, das steht in deinem Wissen. So gebiete, o Weiser unter den Brahmanen, sag, was ich für dich tun soll.“

Wort für Wort
triṣu lokeṣu yad vṛttaṃ sarvaṃ
alles, was in den drei Welten geschieht (Lok./Nom.)
tava mate sthitam
steht in deinem Wissen (Gen./Lok./PPP)
tad ājñāpaya viprarṣe
das gebiete, o Brahmanenweiser (Akk./2.Sg.Impv./Vok.)
brūhi kiṃ karavāṇi te
sag, was ich für dich tun soll (2.Sg.Impv./1.Sg.Opt.)

yan mayā samanuṣṭheyaṃ brahmarṣe tad udāhara; viyuktasyeha śiṣyair me nātihṛṣṭam idaṃ manaḥ

„Was ich zu tun habe, o Brahmanenweiser, das verkünde. Da ich hier von meinen Schülern getrennt bin, ist mein Herz nicht eben froh.“

Wort für Wort
yan mayā samanuṣṭheyaṃ
was von mir zu vollziehen ist (Akk./Instr./Gerundiv)
brahmarṣe tad udāhara
o Brahmanenweiser, das verkünde (Vok./2.Sg.Impv.)
viyuktasyeha śiṣyair me
da ich hier von [meinen] Schülern getrennt bin (PPP/Instr./Gen.)
nātihṛṣṭam idaṃ manaḥ
nicht sehr erfreut ist dieser mein Sinn (Nom.)

nārada uvāca; anāmnāyamalā vedā brāhmaṇasyāvrataṃ malam; malaṃ pṛthivyā vāhīkāḥ strīṇāṃ kautūhalaṃ malam

Nārada sprach: „Der Makel der Veden ist das Nicht-Studieren; der Makel des Brahmanen ist das Fehlen der Gelübde; der Makel der Erde sind die Vāhīkas; der Makel der Frauen ist die Neugier.“

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (3.Sg.Perf.)
anāmnāyamalā vedā
der Veden Makel ist das Nicht-Studieren (Nom., Kompositum)
brāhmaṇasyāvrataṃ malam
des Brahmanen Makel ist die Gelübdelosigkeit (Gen./Nom.)
malaṃ pṛthivyā vāhīkāḥ
der Erde Makel sind die Vāhīkas (Nom./Gen.)
strīṇāṃ kautūhalaṃ malam
der Frauen Makel ist die Neugier (Gen.Pl./Nom.)

adhīyatāṃ bhavān vedān sārdhaṃ putreṇa dhīmatā; vidhunvan brahmaghoṣeṇa rakṣobhayakṛtaṃ tamaḥ

„Du sollst die Veden studieren, zusammen mit deinem weisen Sohn, und dabei durch den Klang der Vedarezitation die Finsternis vertreiben, die von den Rākṣasas Furcht erzeugt.“

Wort für Wort
adhīyatāṃ bhavān vedān
du mögest die Veden studieren (Impv./Nom./Akk.)
sārdhaṃ putreṇa dhīmatā
zusammen mit dem weisen Sohn (Instr.)
vidhunvan brahmaghoṣeṇa
durch den Vedaklang abschüttelnd (Part./Instr.)
rakṣobhayakṛtaṃ tamaḥ
die von Rākṣasas bewirkte Furcht[-Dunkelheit] (Akk., Kompositum)

bhīṣma uvāca; nāradasya vacaḥ śrutvā vyāsaḥ paramadharmavit; tathety uvāca saṃhṛṣṭo vedābhyāse dṛḍhavrataḥ

Bhīṣma sprach: Nachdem er Nāradas Worte gehört hatte, sagte Vyāsa, der höchste Kenner des Dharma, hocherfreut: „So sei es“ – fest entschlossen zum Vedastudium.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
nāradasya vacaḥ śrutvā
Nāradas Rede gehört habend (Absolutiv)
vyāsaḥ paramadharmavit
Vyāsa, der höchste Kenner des Dharma (Nom.)
tathety uvāca saṃhṛṣṭo
sprach hocherfreut ‚so sei es‘ (3.Sg.Perf./Nom.)
vedābhyāse dṛḍhavrataḥ
im Vedastudium fest entschlossen (Lok./Nom.)

uvāca ca mahāprājñaṃ nāradaṃ punar eva hi; malaṃ pṛthivyā bāhlīkā ity uktam adhunā tvayā; nārada uvāca; kīdṛśāś caiva bāhlīkā brūhi me vadatāṃ vara; asyāṃ pṛthivyāṃ catvāro deśāḥ pāpajanair vṛtāḥ; yugaṃdharas tu prathamas tathā bhūtilakaḥ smṛtaḥ; acyutacchala ity uktas tṛtīyaḥ pāpakṛttamaḥ; caturthas tu mahāpāpo bāhlīka iti saṃjñitaḥ; mṛgoṣṭragardabhakṣīraṃ pibanty asya yugaṃdhare; ekavarṇās tu dṛśyante janā vai hy acyutasthale; mehanti ca malaṃ pāpā visṛjanti jaleṣu vai; nityaṃ bhūtilake 'tyannaṃ taj jalaṃ ca pibanti ca; haribāhyās tu vāhīkā na smaranti hariṃ kva cit; aihalaukikamokṣaṃ te māṃsaśoṇitavardhanāḥ; vṛthā jātā bhaviṣyanti bāhlīkā iti viśrutāḥ; puṣkarāhāraniratāḥ piśācā yad abhāṣata; musuṇṭhīṃ parigṛhyogrāṃ tac chṛṇuṣva mahāmune; brāhmaṇīṃ bahuputrāṃ tāṃ puṣkare snātum āgatām; yugaṃdhare payaḥ pītvā hy ucitā hy acyutasthale; tathā bhūtilake snātvā bāhlīkāṃś ca nirīkṣya vai; āgatāsi tathā snātuṃ kathaṃ svargaṃ na gacchasi; ity uktvā brāhmaṇībhāṇḍaṃ pothayitvā musuṇṭhinā; uvāca krodhatāmrākṣī piśācī tīrthapālikā; etat tu te divā vṛttaṃ rātrau vṛttam athānyathā; gaccha bāhlīkasaṃsargād aśucitvaṃ na saṃśayaḥ; yad dviṣanti mahātmānaṃ na smaranti janārdanam; na teṣāṃ puṇyatīrtheṣu gatiḥ saṃsargiṇām api; udyuktā brāhmaṇī bhītā pratiyātā sutaiḥ saha; svadehasthā jajāpaivaṃ saputrā dhyānatatparā; anantasya hareḥ śuddhaṃ nāma vai dvādaśākṣaram; vatsaratritaye pūrṇe brāhmaṇī punar āgatā; saputrā puṣkaradvāraṃ piśācy āha tathāgatam; namas te brāhmaṇi śubhe pūtāhaṃ tava darśanāt; kuru tīrthābhiṣekaṃ ca saputrā pāpavarjitā; harer nāmnā ca māṃ sādhvī jalena spraṣṭum arhasi; ity uktā brāhmaṇī hṛṣṭā putraiḥ saha śubhavratā; jalena prokṣayām āsa dvādaśākṣarasaṃyutam; tatkṣaṇād abhavac chuddhā piśācī divyarūpiṇī; apsarā hy abhavad divyā gatā svarlokam uttamam; brāhmaṇī caiva kālena vāsudevaparāyaṇā; saputrā cāgatā sthānam acyutasya paraṃ śubham; etat te kathitaṃ vidvan mune kālo 'yam āgataḥ; gamiṣye 'haṃ mahāprājña āgamiṣyāmi vai punaḥ; ity uktvā sa jagāmātha nārado vadatāṃ varaḥ; dvaipāyanas tu bhagavāṃs tac chrutvā munisattamāt

Und er sprach abermals zu dem hochweisen Nārada: „Als Makel der Erde hast du eben die Bāhlīkas bezeichnet – wie sind denn die Bāhlīkas beschaffen? Sag es mir, du Bester der Redekundigen.“ [Anm.: Die Sprecherangabe „Nārada sprach“ steht im überlieferten Text bereits vor dieser Frage; da die beschreibende Antwort erst im Folgenden einsetzt, dürfte die Zuordnung hier vertauscht oder fehlplatziert sein.] Nārada sprach: „Auf dieser Erde gibt es vier Länder, die von sündigen Leuten bewohnt sind: Yugandhara gilt als das erste, ebenso Bhūtilaka als zweites; das dritte, dessen Bewohner die schlimmsten Sünder sind, wird Acyutacchala genannt; das vierte aber, hochsündig, heißt Bāhlīka. In Yugandhara trinkt man Milch von Wild, Kamel und Esel; in Acyutasthala erscheinen die Leute wahrlich ohne [Kasten-]Unterschied; sündig, wie sie sind, urinieren sie und entleeren ihren Unrat in die Gewässer; in Bhūtilaka essen sie ständig übermäßig und trinken eben dieses [verunreinigte] Wasser. Die Vāhīkas aber, Hari fernstehend, gedenken Haris niemals; ihr Ziel ist nur die Befreiung von den Nöten dieser Welt, diese Vermehrer von Fleisch und Blut – vergeblich geboren werden sie sein, die als Bāhlīkas bekannt sind. Höre nun, was die Piśācas sprachen, die sich stets an der Nahrung von Puṣkara erfreuen, als eine von ihnen eine furchtbare musuṇṭhī [?] ergriff – das höre, o großer Weiser: Eine Brahmanin mit vielen Söhnen war nach Puṣkara gekommen, um zu baden; [die Piśācī sprach zu ihr]: ‚Du hast in Yugandhara Milch getrunken, wie es dort Sitte war, und ebenso in Acyutasthala, hast dich auch in Bhūtilaka gewaschen und die Bāhlīkas besucht – und bist nun gekommen, um hier zu baden: warum gehst du dann nicht gleich in den Himmel?‘ So sprach sie und zerschlug mit der musuṇṭhī [?] das Gefäß der Brahmanin; da sprach die vor Zorn kupferäugige Piśācī, die Wächterin der Pilgerstätte: ‚Dies ist dir am Tag geschehen [?]; in der Nacht wird es sich anders zutragen [?]. Geh! Durch den Umgang mit den Bāhlīkas bist du unrein, ohne Zweifel. Weil sie den Hochherzigen hassen und Janārdana nicht gedenken, gibt es für sie an den heiligen Pilgerstätten keinen Zugang – nicht einmal für die, die nur mit ihnen verkehren.‘ Erschrocken kehrte die Brahmanin mit ihren Söhnen um; in sich gekehrt, der Meditation zugewandt, murmelte sie so, mit ihrem Sohn, den reinen, zwölfsilbigen Namen des unendlichen Hari. Als drei Jahre vollendet waren, kam die Brahmanin mit ihrem Sohn wieder zum Tor von Puṣkara; die Piśācī sprach zu ihr, die so zurückgekehrt war: ‚Verehrung dir, holde Brahmanin! Rein bin ich schon durch deinen Anblick. Vollziehe die Weihe an der Pilgerstätte, sündenfrei, mit deinem Sohn, und berühre mich, du Tugendhafte, mit Wasser und dem Namen Haris.‘ So angesprochen, freute sich die Brahmanin von gutem Gelübde mit ihren Söhnen und besprengte sie mit Wasser, verbunden mit dem zwölfsilbigen Mantra. Im selben Augenblick wurde die Piśācī rein und von göttlicher Gestalt; sie wurde eine himmlische Apsaras und ging zur höchsten Himmelswelt. Die Brahmanin aber wurde mit der Zeit ganz Vāsudeva zugewandt und gelangte mit ihrem Sohn zum höchsten, heilvollen Ort des Acyuta. Dies ist dir erzählt, du Kundiger, Weiser; nun ist die Zeit gekommen: Ich werde gehen, o Hochweiser, doch wiederkommen werde ich.‘ So sprach Nārada, der Beste der Redner, und ging fort. Der erhabene Dvaipāyana aber, nachdem er dies vom besten der Weisen gehört hatte, [Anm.: Der Satz bricht an der Grenze dieser Zusatzpassage ab; er wird sinngemäß im folgenden Vers fortgeführt.]

Wort für Wort
uvāca ca mahāprājñaṃ nāradam punar eva hi
[Vyāsa] sprach wiederum zum hochweisen Nārada (3.Sg.Perf.)
malaṃ pṛthivyā bāhlīkā ity uktam adhunā tvayā
‚die Bāhlīkas sind der Makel der Erde‘, wurde eben von dir gesagt (PPP/Instr.)
nārada uvāca
Nārada sprach (3.Sg.Perf.)
kīdṛśāś caiva bāhlīkā brūhi me vadatāṃ vara
wie sind die Bāhlīkas? Sag mir, bester der Redner (2.Sg.Impv./Vok.)
asyāṃ pṛthivyāṃ catvāro deśāḥ pāpajanair vṛtāḥ
auf dieser Erde vier Länder, von sündigen Leuten bewohnt (Lok./Nom.Pl./Instr.)
yugaṃdharas tu prathamas tathā bhūtilakaḥ smṛtaḥ
Yugandhara ist das erste, ebenso gilt Bhūtilaka (Nom./PPP)
acyutacchala ity uktas tṛtīyaḥ pāpakṛttamaḥ
Acyutacchala heißt das dritte, das sündigste (Nom./PPP)
caturthas tu mahāpāpo bāhlīka iti saṃjñitaḥ
das vierte, hochsündig, wird Bāhlīka genannt (Nom./PPP)
mṛgoṣṭragardabhakṣīraṃ pibanty asya yugaṃdhare
sie trinken Milch von Reh, Kamel, Esel in Yugandhara (3.Pl.Präs./Lok.)
ekavarṇās tu dṛśyante janā vai hy acyutasthale
kastenlos erscheinen die Leute in Acyutasthala (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Pass.)
mehanti ca malaṃ pāpā visṛjanti jaleṣu vai
die Sündigen urinieren und entleeren Unrat in die Gewässer (3.Pl.Präs./Lok.)
nityaṃ bhūtilake 'tyannaṃ taj jalaṃ ca pibanti ca
stets trinken sie in Bhūtilaka übermäßig Speise und dieses Wasser (3.Pl.Präs.)
haribāhyās tu vāhīkā na smaranti hariṃ kva cit
die Vāhīkas, Hari fern, gedenken Haris niemals (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
aihalaukikamokṣaṃ te māṃsaśoṇitavardhanāḥ
ihr Ziel ist nur diesseitige Befreiung, diese Vermehrer von Fleisch und Blut (Nom.Pl.)
vṛthā jātā bhaviṣyanti bāhlīkā iti viśrutāḥ
vergeblich geboren werden sein, die als Bāhlīkas bekannt sind (3.Pl.Fut./PPP)
puṣkarāhāraniratāḥ piśācā yad abhāṣata; musuṇṭhīṃ parigṛhyogrāṃ tac chṛṇuṣva mahāmune
höre, was die an Puṣkaras Nahrung hängenden Piśācas sprachen, als eine eine furchtbare musuṇṭhī[?] ergriff (3.Pl.Impf./2.Sg.Impv.)
brāhmaṇīṃ bahuputrāṃ tāṃ puṣkare snātum āgatām
eine Brahmanin mit vielen Söhnen, nach Puṣkara zum Baden gekommen (Akk./PPP)
yugaṃdhare payaḥ pītvā hy ucitā hy acyutasthale
in Yugandhara Milch getrunken habend, wie es auch in Acyutasthala Sitte war (Absolutiv)
tathā bhūtilake snātvā bāhlīkāṃś ca nirīkṣya vai
ebenso in Bhūtilaka gebadet und die Bāhlīkas betrachtet habend (Absolutiv)
āgatāsi tathā snātuṃ kathaṃ svargaṃ na gacchasi
du bist gekommen, um hier zu baden – warum gehst du nicht in den Himmel? (2.Sg.Präs.)
ity uktvā brāhmaṇībhāṇḍaṃ pothayitvā musuṇṭhinā; uvāca krodhatāmrākṣī piśācī tīrthapālikā
so gesprochen und mit der musuṇṭhī[?] das Gefäß zerschlagen habend, sprach die zornrote Piśācī, die Hüterin der Pilgerstätte (Absolutiv/3.Sg.Perf.)
etat tu te divā vṛttaṃ rātrau vṛttam athānyathā
dies ist dir am Tag geschehen [?], in der Nacht wird es sich anders zutragen [?] (PPP)
gaccha bāhlīkasaṃsargād aśucitvaṃ na saṃśayaḥ
geh! durch den Umgang mit den Bāhlīkas bist du unrein, ohne Zweifel (2.Sg.Impv./Abl.)
yad dviṣanti mahātmānaṃ na smaranti janārdanam
weil sie den Hochherzigen hassen, Janārdana nicht gedenken (3.Pl.Präs.)
na teṣāṃ puṇyatīrtheṣu gatiḥ saṃsargiṇām api
für sie gibt es an den heiligen Pilgerstätten keinen Zugang, auch für die mit ihnen Verkehrenden nicht (Gen.Pl./Nom.)
udyuktā brāhmaṇī bhītā pratiyātā sutaiḥ saha
erschrocken kehrte die Brahmanin mit ihren Söhnen zurück (Nom./PPP)
svadehasthā jajāpaivaṃ saputrā dhyānatatparā
in sich verweilend, murmelte sie so, mit ihrem Sohn, der Meditation zugewandt (Nom./3.Sg.Perf.)
anantasya hareḥ śuddhaṃ nāma vai dvādaśākṣaram
den reinen, zwölfsilbigen Namen des unendlichen Hari (Gen./Akk.)
vatsaratritaye pūrṇe brāhmaṇī punar āgatā
als drei Jahre vollendet waren, kam die Brahmanin wieder (Lok.Abs./PPP)
saputrā puṣkaradvāraṃ piśācy āha tathāgatam
mit ihrem Sohn zum Tor von Puṣkara; die Piśācī sprach zu der so Gekommenen (Akk./3.Sg.Perf.)
namas te brāhmaṇi śubhe pūtāhaṃ tava darśanāt
Verehrung dir, holde Brahmanin! Rein bin ich durch deinen Anblick (Dat./Abl.)
kuru tīrthābhiṣekaṃ ca saputrā pāpavarjitā
vollziehe die Weihe an der Pilgerstätte, sündenfrei, mit deinem Sohn (2.Sg.Impv./Nom.)
harer nāmnā ca māṃ sādhvī jalena spraṣṭum arhasi
und mit dem Namen Haris mögest du mich, Tugendhafte, mit Wasser berühren (2.Sg.Präs./Inf.)
ity uktā brāhmaṇī hṛṣṭā putraiḥ saha śubhavratā
so angesprochen, freute sich die Brahmanin von gutem Gelübde mit ihren Söhnen (PPP/Nom.)
jalena prokṣayām āsa dvādaśākṣarasaṃyutam
sie besprengte [sie] mit Wasser, verbunden mit dem Zwölfsilbigen (Instr./3.Sg.Perf.periphr.)
tatkṣaṇād abhavac chuddhā piśācī divyarūpiṇī
im selben Augenblick wurde die Piśācī rein, von göttlicher Gestalt (Abl./3.Sg.Impf.)
apsarā hy abhavad divyā gatā svarlokam uttamam
sie wurde eine göttliche Apsaras, ging zur höchsten Himmelswelt (Nom./3.Sg.Impf./PPP)
brāhmaṇī caiva kālena vāsudevaparāyaṇā; saputrā cāgatā sthānam acyutasya paraṃ śubham
die Brahmanin aber wurde mit der Zeit Vāsudeva zugewandt und gelangte mit ihrem Sohn zum höchsten, heilvollen Ort des Acyuta (Instr./PPP/Akk.)
etat te kathitaṃ vidvan mune kālo 'yam āgataḥ; gamiṣye 'haṃ mahāprājña āgamiṣyāmi vai punaḥ; ity uktvā sa jagāmātha nārado vadatāṃ varaḥ; dvaipāyanas tu bhagavāṃs tac chrutvā munisattamāt
dies ist dir erzählt; die Zeit ist gekommen, ich werde gehen und wiederkommen – so sprach Nārada und ging; der erhabene Dvaipāyana aber, dies vom besten der Weisen gehört habend [Anm.: Satz bricht ab] (1.Sg.Fut./Absolutiv)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage, nur in Teilen der Handschriften überliefert. Die Sprecherzuordnung um „nārada uvāca“ ist unklar (die Frage nach den Bāhlīkas dürfte eher Vyāsa zuzuschreiben sein); die Bedeutung von „musuṇṭhī“ sowie der Wendung „divā vṛttam … rātrau vṛttam“ ist textkritisch unsicher und daher mit [?] markiert. Der letzte Satz bricht an der Passagengrenze ab und wird im folgenden regulären Vers fortgesetzt.

śukena saha putreṇa vedābhyāsam athākarot; svareṇoccaiḥ sa śaikṣeṇa lokān āpūrayann iva

Zusammen mit seinem Sohn Śuka betrieb er nun das Vedastudium, mit lauter, schülerhaft rezitierender Stimme, als erfülle er damit die Welten.

Wort für Wort
śukena saha putreṇa
zusammen mit seinem Sohn Śuka (Instr.)
vedābhyāsam athākarot
betrieb er dann das Vedastudium (Akk./3.Sg.Impf.)
svareṇoccaiḥ sa śaikṣeṇa
mit lauter, schülerhafter Stimme (Instr.)
lokān āpūrayann iva
als erfülle er die Welten (Akk./Part.)

tayor abhyasator evaṃ nānādharmapravādinoḥ; vāto 'timātraṃ pravavau samudrānilavejitaḥ

Während die beiden so übten, verschiedene Lehrmeinungen vortragend, erhob sich ein übermäßig heftiger, vom Meereswind angetriebener Sturm.

Wort für Wort
tayor abhyasator evaṃ
während die beiden so übten (Gen.Du./Part.)
nānādharmapravādinoḥ
die verschiedene Lehrmeinungen vortrugen (Gen.Du., Kompositum)
vāto 'timātraṃ pravavau
ein Wind blies übermäßig (Nom./3.Sg.Perf.)
samudrānilavejitaḥ
vom Meereswind angetrieben (Nom., PPP-Kompositum)

tato 'nadhyāya iti taṃ vyāsaḥ putram avārayat; śuko vāritamātras tu kautūhalasamanvitaḥ

Da sprach Vyāsa: „Es ist jetzt keine Studienzeit“, und hielt seinen Sohn zurück; Śuka aber, kaum zurückgehalten, von Neugier erfasst,

Wort für Wort
tato 'nadhyāya iti
daraufhin: ‚[es ist] keine Studienzeit‘ (Nom.)
taṃ vyāsaḥ putram avārayat
ihn, den Sohn, hielt Vyāsa zurück (Akk./3.Sg.Impf.)
śuko vāritamātras tu
Śuka aber, kaum zurückgehalten (Nom./PPP)
kautūhalasamanvitaḥ
von Neugier erfasst (Nom., Kompositum)

apṛcchat pitaraṃ brahman kuto vāyur abhūd ayam; ākhyātum arhati bhavān vāyoḥ sarvaṃ viceṣṭitam

… fragte er den Vater: „O Brahmane, woher kam dieser Wind? Du vermagst wohl das ganze Wirken des Windes zu erklären.“

Wort für Wort
apṛcchat pitaraṃ brahman
fragte den Vater, o Brahmane (3.Sg.Impf./Akk./Vok.)
kuto vāyur abhūd ayam
woher kam dieser Wind? (3.Sg.Impf.)
ākhyātum arhati bhavān
du vermagst zu erklären (Inf./3.Sg.Präs./Nom.)
vāyoḥ sarvaṃ viceṣṭitam
das ganze Wirken des Windes (Gen./Akk.)

śukasyaitad vacaḥ śrutvā vyāsaḥ paramavismitaḥ; anadhyāyanimitte 'sminn idaṃ vacanam abravīt

Nachdem er diese Worte Śukas gehört hatte, sprach Vyāsa, höchst erstaunt, bei diesem Anlass der Studienpause folgende Worte:

Wort für Wort
śukasyaitad vacaḥ śrutvā
Śukas diese Worte gehört habend (Gen./Absolutiv)
vyāsaḥ paramavismitaḥ
Vyāsa, höchst erstaunt (Nom.)
anadhyāyanimitte 'sminn
bei diesem Anlass der Studienpause (Lok.)
idaṃ vacanam abravīt
sprach diese Worte (Akk./3.Sg.Impf.)

divyaṃ te cakṣur utpannaṃ svasthaṃ te nirmalaṃ manaḥ; tamasā rajasā cāpi tyaktaḥ sattve vyavasthitaḥ

„Ein göttliches Auge ist dir entstanden, gesund und makellos ist dein Sinn; von Tamas und Rajas befreit, stehst du fest im Sattva gegründet.“

Wort für Wort
divyaṃ te cakṣur utpannaṃ
ein göttliches Auge ist dir entstanden (Nom./Gen./PPP)
svasthaṃ te nirmalaṃ manaḥ
gesund und makellos ist dein Sinn (Nom.)
tamasā rajasā cāpi tyaktaḥ
von Tamas und Rajas befreit (Instr./PPP)
sattve vyavasthitaḥ
im Sattva feststehend (Lok./PPP)

ādarśe svām iva chāyāṃ paśyasy ātmānam ātmanā; nyasyātmani svayaṃ vedān buddhyā samanucintaya

Wie im Spiegel dein eigenes Bild, so siehst du das Selbst durch das Selbst; nachdem du die Veden selbst im Selbst niedergelegt hast, erwäge sie gründlich mit dem Verstand.

Wort für Wort
ādarśe
im Spiegel (Lok.Sg.)
svām iva chāyām
dein eigenes Abbild, wie (Akk.Sg.)
paśyasi
du siehst (2.Sg.Präs.)
ātmānam ātmanā
das Selbst durch das Selbst (Akk.Sg./Instr.Sg.)
nyasya
nachdem [du] niedergelegt hast (Gerundium)
ātmani svayaṃ vedān
im Selbst selbst die Veden (Lok.Sg./Akk.Pl.)
buddhyā samanucintaya
erwäge mit dem Verstand gründlich (Instr.Sg./2.Sg.Imp.)

devayānacaro viṣṇoḥ pitṛyānaś ca tāmasaḥ; dvāv etau pretya panthānau divaṃ cādhaś ca gacchataḥ

Der Pfad der Götter, der zu Viṣṇu führt, und der finstere Pfad der Ahnen: Diese beiden Wege gehen nach dem Tod, der eine himmelwärts, der andere abwärts.

Wort für Wort
devayānacaraḥ viṣṇoḥ
der Weg des Götterpfades, zu Viṣṇu [gehörig] (Nom.Sg./Gen.Sg.)
pitṛyānaḥ ca tāmasaḥ
und der Pfad der Ahnen, der finstere (Nom.Sg.)
dvāv etau
diese beiden (Nom.Du.)
pretya
nach dem Tod (Gerundium)
panthānau
die beiden Pfade (Nom.Du.)
divaṃ ca adhaḥ ca
himmelwärts und abwärts (Akk./Adv.)
gacchataḥ
gehen (3.Du.Präs.)

pṛthivyām antarikṣe ca yatra saṃvānti vāyavaḥ; saptaite vāyumārgā vai tān nibodhānupūrvaśaḥ

Wo auf der Erde und im Luftraum die Winde wehen - das sind sieben Windbahnen; vernimm sie nun der Reihe nach.

Wort für Wort
pṛthivyām antarikṣe ca
auf der Erde und im Luftraum (Lok.Sg.)
yatra saṃvānti vāyavaḥ
wo die Winde wehen (3.Pl.Präs.)
sapta ete vāyumārgāḥ vai
diese sieben Windbahnen, wahrlich (Nom.Pl.)
tān nibodha
vernimm sie (Akk.Pl./2.Sg.Imp.)
anupūrvaśaḥ
der Reihe nach (Adv.)

tatra devagaṇāḥ sādhyāḥ samabhūvan mahābalāḥ; teṣām apy abhavat putraḥ samāno nāma durjayaḥ

Dort entstanden die Sādhyas, die mächtigen Göttergruppen; auch ihnen wurde ein Sohn geboren, mit Namen Samāna, der Unbezwingbare.

Wort für Wort
tatra
dort (Adv.)
devagaṇāḥ sādhyāḥ
die Göttergruppen, die Sādhyas (Nom.Pl.)
samabhūvan mahābalāḥ
entstanden, die mächtigen (3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
teṣām apy abhavat putraḥ
auch ihnen wurde ein Sohn (Gen.Pl./3.Sg.Impf.)
samāno nāma
mit Namen Samāna (Nom.Sg.)
durjayaḥ
der Unbezwingbare (Nom.Sg.)

udānas tasya putro 'bhūd vyānas tasyābhavat sutaḥ; apānaś ca tato jñeyaḥ prāṇaś cāpi tataḥ param

Udāna wurde sein [Samānas] Sohn, Vyāna wurde dessen [Udānas] Sohn; Apāna ist danach [als dessen Sohn] zu erkennen, und Prāṇa wiederum nach diesem.

Wort für Wort
udānaḥ tasya putraḥ abhūt
Udāna wurde sein Sohn (Nom.Sg./3.Sg.Aor.)
vyānaḥ tasya abhavat sutaḥ
Vyāna wurde dessen Sohn (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
apānaḥ ca tato jñeyaḥ
und Apāna ist danach [als Sohn] zu erkennen (Nom.Sg./Gerundivum)
prāṇaḥ ca api tataḥ param
und Prāṇa wiederum nach diesem (Nom.Sg./Adv.)

anapatyo 'bhavat prāṇo durdharṣaḥ śatrutāpanaḥ; pṛthak karmāṇi teṣāṃ tu pravakṣyāmi yathātatham

Prāṇa blieb kinderlos, der Unüberwindliche, der Feindebedränger; ihre einzelnen Aufgaben aber will ich der Wahrheit gemäß verkünden.

Wort für Wort
anapatyaḥ abhavat prāṇaḥ
kinderlos war Prāṇa (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
durdharṣaḥ śatrutāpanaḥ
der Unüberwindliche, der Feindebedränger (Nom.Sg.)
pṛthak karmāṇi teṣāṃ tu
ihre einzelnen Aufgaben aber (Akk.Pl./Gen.Pl.)
pravakṣyāmi yathātatham
ich werde verkünden, wie es wirklich ist (1.Sg.Fut./Adv.)

prāṇināṃ sarvato vāyuś ceṣṭā vartayate pṛthak; prāṇanāc caiva bhūtānāṃ prāṇa ity abhidhīyate

Bei den Lebewesen bewirkt der Wind von allen Seiten je gesondert die Bewegung; und weil er die Geschöpfe atmen lässt, wird er ‚Prāṇa‘ genannt.

Wort für Wort
prāṇinām sarvato vāyuḥ
bei den Lebewesen der Wind von allen Seiten (Gen.Pl./Adv./Nom.Sg.)
ceṣṭāṃ vartayate pṛthak
bewirkt die Bewegung je gesondert (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
prāṇanāt caiva bhūtānām
und eben weil [er] die Geschöpfe atmen lässt (Abl.Sg./Gen.Pl.)
prāṇaḥ iti abhidhīyate
wird ‚Prāṇa‘ genannt (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)

prerayaty abhrasaṃghātān dhūmajāṃś coṣmajāṃś ca yaḥ; prathamaḥ prathame mārge pravaho nāma so 'nilaḥ

Der die Wolkenmassen fortbewegt, die aus Rauch und aus Dunst entstandenen: das ist der erste [Wind] auf der ersten Bahn, jener Wind mit Namen Pravaha.

Wort für Wort
prerayati abhrasaṃghātān
er treibt die Wolkenmassen fort (3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
dhūmajāṃś ca ūṣmajāṃś ca yaḥ
die aus Rauch und die aus Dunst entstandenen, welcher (Akk.Pl./Nom.Sg.)
prathamaḥ prathame mārge
der erste auf der ersten Bahn (Nom.Sg./Lok.Sg.)
pravaho nāma
mit Namen Pravaha (Nom.Sg.)
so 'nilaḥ
jener Wind (Nom.Sg.)

ambare sneham abhrebhyas taḍidbhyaś cottamadyutiḥ; āvaho nāma saṃvāti dvitīyaḥ śvasano nadan

Der im Luftraum die Feuchtigkeit von den Wolken und von den Blitzen [herbeiträgt], von höchstem Glanz - er weht als zweiter, brausend, mit Namen Āvaha.

Wort für Wort
ambare sneham
im Luftraum die Feuchte (Lok.Sg./Akk.Sg.)
abhrebhyas taḍidbhyaś ca
von den Wolken und von den Blitzen (Abl.Pl.)
uttamadyutiḥ
von höchstem Glanz (Nom.Sg.)
āvaho nāma saṃvāti
er weht, mit Namen Āvaha (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
dvitīyaḥ śvasano nadan
der zweite, wehend, brausend (Nom.Sg./Part.Präs.)

udayaṃ jyotiṣāṃ śaśvat somādīnāṃ karoti yaḥ; antardeheṣu codānaṃ yaṃ vadanti maharṣayaḥ

Der beständig den Aufgang der Gestirne bewirkt, des Mondes und der übrigen, und den die großen Weisen im Innern der Körper ‚Udāna‘ nennen.

Wort für Wort
udayaṃ jyotiṣāṃ śaśvat
den Aufgang der Gestirne, beständig (Akk.Sg./Gen.Pl./Adv.)
somādīnāṃ karoti yaḥ
des Mondes und der übrigen bewirkt, welcher (Gen.Pl./3.Sg.Präs.)
antardeheṣu ca udānam
und im Innern der Körper Udāna [nennen] (Lok.Pl./Akk.Sg.)
yaṃ vadanti maharṣayaḥ
den die großen Weisen [so] nennen (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)

yaś caturbhyaḥ samudrebhyo vāyur dhārayate jalam; uddhṛtyādadate cāpo jīmūtebhyo 'mbare 'nilaḥ

Welcher Wind das Wasser aus den vier Meeren trägt und, nachdem er es emporgehoben hat, die Wasser aus den Wolken nimmt, im Luftraum -

Wort für Wort
yaḥ caturbhyaḥ samudrebhyaḥ
welcher aus den vier Meeren (Nom.Sg./Abl.Pl.)
vāyur dhārayate jalam
der Wind trägt das Wasser (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
uddhṛtya ca ādadate āpaḥ
und, nachdem er emporgehoben hat, nimmt er die Wasser (Gerundium/3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
jīmūtebhyo 'mbare 'nilaḥ
aus den Wolken, im Luftraum, der Wind (Abl.Pl./Lok.Sg./Nom.Sg.)

Der Relativsatz wird im folgenden Vers fortgeführt und dort mit dem Hauptsatz abgeschlossen.

yo 'dbhiḥ saṃyojya jīmūtān parjanyāya prayacchati; udvaho nāma varṣiṣṭhas tritīyaḥ sa sadāgatiḥ

- der die Wolken, nachdem er sie mit den Wassern vereint hat, dem Regengott Parjanya übergibt: das ist der dritte, der Vortrefflichste, mit Namen Udvaha, der beständig Wehende.

Wort für Wort
yo 'dbhiḥ saṃyojya jīmūtān
der, nachdem er die Wolken mit den Wassern vereint hat (Nom.Sg./Instr.Pl./Gerundium/Akk.Pl.)
parjanyāya prayacchati
dem Regengott Parjanya übergibt (Dat.Sg./3.Sg.Präs.)
udvaho nāma varṣiṣṭhaḥ
mit Namen Udvaha, der Vortrefflichste (Nom.Sg.)
tṛtīyaḥ sa sadāgatiḥ
der dritte, er, der beständig Wehende (Nom.Sg.)

samuhyamānā bahudhā yena nīlāḥ pṛthag ghanāḥ; varṣamokṣakṛtārambhās te bhavanti ghanāghanāḥ

Von ihm auf vielfache Weise zusammengetrieben, werden die einzelnen dunklen Wolken, die zu regnen begonnen haben, zu Gewitterwolken.

Wort für Wort
samuhyamānā bahudhā yena
von ihm auf vielfache Weise zusammengetrieben (Nom.Pl.Part.Pass./Adv./Instr.Sg.)
nīlāḥ pṛthag ghanāḥ
die dunklen, einzelnen Wolken (Nom.Pl.)
varṣamokṣakṛtārambhās
die den Beginn des Regenausbruchs gemacht haben (Nom.Pl.)
te bhavanti ghanāghanāḥ
sie werden zu Gewitterwolken (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

saṃhatā yena cāviddhā bhavanti nadatāṃ nadāḥ; rakṣaṇārthāya saṃbhūtā meghatvam upayānti ca

Von ihm zusammengefügt und unversehrt bewahrt, werden sie zu den brausendsten der Donnerer; zum Schutz [der Welt] entstanden, nehmen sie die Gestalt von Wolken an.

Wort für Wort
saṃhatā yena ca aviddhā
von ihm zusammengefügt und unversehrt (Nom.Pl./Instr.Sg.)
bhavanti nadatāṃ nadāḥ
werden zu den Donnerern unter den Donnernden [?] (3.Pl.Präs./Gen.Pl./Nom.Pl.)
rakṣaṇārthāya saṃbhūtā
zum Zweck des Schutzes entstanden (Dat.Sg./Nom.Pl.)
meghatvam upayānti ca
und nehmen die Wolkennatur an (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)

„aviddhā“ (unversehrt) und die Wendung „nadatāṃ nadāḥ“ (die Donnerer unter den Donnernden) sind bildhaft verdichtet; Übersetzung sinngemäß.

yo 'sau vahati devānāṃ vimānāni vihāyasā; caturthaḥ saṃvaho nāma vāyuḥ sa girimardanaḥ

Der die Himmelswagen der Götter durch die Luft trägt: das ist der vierte Wind, mit Namen Saṃvaha, der Bergzermalmer.

Wort für Wort
yo 'sau vahati devānām
der, jener, trägt, der Götter (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Gen.Pl.)
vimānāni vihāyasā
die Himmelswagen durch die Luft (Akk.Pl./Instr.Sg.)
caturthaḥ saṃvaho nāma
der vierte, mit Namen Saṃvaha (Nom.Sg.)
vāyuḥ sa girimardanaḥ
der Wind, er, der Bergzermalmer (Nom.Sg.)

yena vegavatā rugṇā rūkṣeṇārujatā rasān; vāyunā vihatā meghā na bhavanti balāhakāḥ

Von ihm, dem kraftvollen und rauen, der [den Wolken] die Säfte zerstört, werden die vom Wind getroffenen Wolken zerschlagen und werden nicht zu Regenwolken.

Wort für Wort
yena vegavatā
von ihm, dem kraftvollen (Instr.Sg.)
rugṇā rūkṣeṇa
zerbrochen, durch den rauen [Wind] (Nom.Pl./Instr.Sg.)
arujatā rasān
der die Säfte zerstört (Instr.Sg.Part.Präs./Akk.Pl.)
vāyunā vihatā meghā
vom Wind geschlagen, die Wolken (Instr.Sg./Nom.Pl.)
na bhavanti balāhakāḥ
werden nicht zu Regenwolken (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

dāruṇotpātasaṃcāro nabhasaḥ stanayitnumān; pañcamaḥ sa mahāvego vivaho nāma mārutaḥ

Mit furchtbarem Verlauf des Unheils, mit Donner am Himmel: das ist der fünfte, von großer Wucht, der Wind mit Namen Vivaha.

Wort für Wort
dāruṇotpātasaṃcāraḥ
der einen furchtbaren Verlauf von Unheil hat (Nom.Sg.)
nabhasaḥ stanayitnumān
mit Donner des Himmels (Gen.Sg./Nom.Sg.)
pañcamaḥ sa mahāvegaḥ
der fünfte, er, von großer Wucht (Nom.Sg.)
vivaho nāma mārutaḥ
mit Namen Vivaha, der Wind (Nom.Sg.)

yasmin pāriplave divyā vahanty āpo vihāyasā; puṇyaṃ cākāśagaṅgāyās toyaṃ viṣṭabhya tiṣṭhati

In dessen [Bereich] die himmlischen Wasser wogend durch die Luft strömen, und der das heilige Wasser der Himmels-Gaṅgā stützend im Himmel hält.

Wort für Wort
yasmin pāriplave
in dem, wogend [?] (Lok.Sg.)
divyā vahanty āpo vihāyasā
die himmlischen Wasser strömen durch die Luft (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Instr.Sg.)
puṇyaṃ ca ākāśagaṅgāyās toyam
und das heilige Wasser der Himmels-Gaṅgā (Akk.Sg./Gen.Sg.)
viṣṭabhya tiṣṭhati
stützend hält es fest (Gerundium/3.Sg.Präs.)

„pāriplave“ (etwa: wogend, schwankend) ist in seiner genauen syntaktischen Anbindung unsicher; sinngemäß übersetzt.

dūrāt pratihato yasminn ekaraśmir divākaraḥ; yonir aṃśusahasrasya yena bhāti vasuṃdharā

In dem die Sonne, aus der Ferne zurückgeworfen, mit ihrem einen Strahl zum Ursprung tausendfachen Lichts wird, durch das die Erde erstrahlt.

Wort für Wort
dūrāt pratihato yasmin
aus der Ferne zurückgeworfen, in dem (Nom.Sg.Part./Lok.Sg.)
ekaraśmir divākaraḥ
die Sonne mit einem einzigen Strahl (Nom.Sg.)
yonir aṃśusahasrasya
der Ursprung tausendfachen Lichts (Nom.Sg./Gen.Sg.)
yena bhāti vasuṃdharā
durch das die Erde erstrahlt (Instr.Sg./3.Sg.Präs./Nom.Sg.)

Die genaue syntaktische Verbindung von „pratihataḥ“ und „ekaraśmiḥ“ ist unsicher; Sinn sinngemäß erschlossen: der Wind vermittelt/vervielfacht das Sonnenlicht.

yasmād āpyāyate somo nidhir divyo 'mṛtasya ca; ṣaṣṭhaḥ parivaho nāma sa vāyur javatāṃ varaḥ

Von dem der Mond genährt wird, die göttliche Schatzkammer auch des Amṛta: das ist der sechste Wind, mit Namen Parivaha, der Vortrefflichste der Schnellen.

Wort für Wort
yasmād āpyāyate somo
von dem der Mond genährt wird (Abl.Sg./3.Sg.Pass./Nom.Sg.)
nidhir divyo 'mṛtasya ca
die göttliche Schatzkammer, und des Amṛta (Nom.Sg./Gen.Sg.)
ṣaṣṭhaḥ parivaho nāma
der sechste, mit Namen Parivaha (Nom.Sg.)
sa vāyur javatāṃ varaḥ
er, der Wind, der Beste der Schnellen (Nom.Sg./Gen.Pl.)

sarvaprāṇabhṛtāṃ prāṇān yo 'ntakāle nirasyati; yasya vartmānuvartete mṛtyuvaivasvatāv ubhau

Der zur Zeit des Todes allen Lebensatem-Trägern die Lebensatem entreißt, dessen Pfad beide, Mṛtyu und Vaivasvata, folgen.

Wort für Wort
sarvaprāṇabhṛtāṃ prāṇān
aller Lebensatem-Träger Lebensatem (Gen.Pl./Akk.Pl.)
yo 'ntakāle nirasyati
der zur Zeit des Todes entreißt (Nom.Sg./Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
yasya vartma anuvartete
dessen Pfad die beiden verfolgen (Gen.Sg./Akk.Sg./3.Du.Präs.)
mṛtyuvaivasvatāv ubhau
Mṛtyu und Vaivasvata, beide (Nom.Du.)

samyag anvīkṣatāṃ buddhyā śāntayādhyātmanityayā; dhyānābhyāsābhirāmāṇāṃ yo 'mṛtatvāya kalpate

Für jene, die mit ruhigem, stets dem inneren Selbst zugewandtem Verstand richtig betrachten und sich an der Übung der Meditation erfreuen, dient dieser [Wind] zur Unsterblichkeit.

Wort für Wort
samyag anvīkṣatāṃ
die richtig betrachten (Adv./Gen.Pl.Part.)
buddhyā śāntayā
mit ruhigem Verstand (Instr.Sg.)
adhyātmanityayā
der stets dem inneren Selbst zugewandten (Instr.Sg.)
dhyānābhyāsābhirāmāṇāṃ
die sich an der Übung der Meditation erfreuen (Gen.Pl.)
yo 'mṛtatvāya kalpate
der zur Unsterblichkeit dient (Nom.Sg./Dat.Sg./3.Sg.Präs.)

yaṃ samāsādya vegena diśām antaṃ prapedire; dakṣasya daśa putrāṇāṃ sahasrāṇi prajāpateḥ

Nachdem sie ihn mit Geschwindigkeit erreicht hatten, gelangten die zehntausend Söhne des Dakṣa, des Herrn der Geschöpfe, an das Ende der Himmelsrichtungen.

Wort für Wort
yaṃ samāsādya vegena
nachdem sie ihn erreicht hatten, mit Geschwindigkeit (Akk.Sg./Gerundium/Instr.Sg.)
diśām antaṃ prapedire
gelangten an das Ende der Richtungen (Gen.Pl./Akk.Sg./3.Pl.Perf.)
dakṣasya daśa putrāṇāṃ sahasrāṇi
zehntausend Söhne des Dakṣa (Gen.Sg./Gen.Pl./Nom.Pl.)
prajāpateḥ
des Herrn der Geschöpfe (Gen.Sg.)

yena sṛṣṭaḥ parābhūto yāty eva na nivartate; parāvaho nāma paro vāyuḥ sa duratikramaḥ

Von dem fortgetrieben geht, wer zunichte wird, nur fort und kehrt nicht zurück: das ist der letzte, höchste Wind, mit Namen Parāvaha, der Unüberwindliche.

Wort für Wort
yena sṛṣṭaḥ parābhūtaḥ
von dem fortgetrieben, wer zunichte geworden ist (Instr.Sg./Nom.Sg.)
yāty eva na nivartate
geht nur fort, kehrt nicht zurück (3.Sg.Präs. x2)
parāvaho nāma paro vāyuḥ
mit Namen Parāvaha, der höchste/letzte Wind (Nom.Sg.)
sa duratikramaḥ
er, der Unüberwindliche (Nom.Sg.)

evam ete 'diteḥ putrā mārutāḥ paramādbhutāḥ; anāramantaḥ saṃvānti sarvagāḥ sarvadhāriṇaḥ

So sind diese Söhne der Aditi, die Marut-Winde, höchst wunderbar; unablässig wehen sie, überallhin gehend, alles tragend.

Wort für Wort
evam ete 'diteḥ putrā
so [sind] diese Söhne der Aditi (Nom.Pl./Gen.Sg.)
mārutāḥ paramādbhutāḥ
die Marut-Winde, höchst wunderbar (Nom.Pl.)
anāramantaḥ saṃvānti
unablässig wehen sie (Nom.Pl.Part./3.Pl.Präs.)
sarvagāḥ sarvadhāriṇaḥ
überallhin gehend, alles tragend (Nom.Pl.)

etat tu mahad āścaryaṃ yad ayaṃ parvatottamaḥ; kampitaḥ sahasā tena vāyunābhipravāyatā

Dies aber ist ein großes Wunder: dass dieser beste der Berge plötzlich von diesem heftig herüberwehenden Wind erschüttert wurde.

Wort für Wort
etat tu mahad āścaryam
dies aber ist ein großes Wunder (Nom.Sg.)
yad ayaṃ parvatottamaḥ
dass dieser beste der Berge (Nom.Sg.)
kampitaḥ sahasā
erschüttert wurde, plötzlich (Nom.Sg.Part.Pass./Adv.)
tena vāyunā abhipravāyatā
von diesem herüberwehenden Wind (Instr.Sg./Part.Präs.Instr.)

viṣṇor niḥśvāsavāto 'yaṃ yadā vegasamīritaḥ; sahasodīryate tāta jagat pravyathate tadā

Dies ist der Atemwind Viṣṇus; wenn er, mit Wucht in Bewegung gesetzt, plötzlich aufsteigt, mein Sohn, dann erzittert die Welt.

Wort für Wort
viṣṇor niḥśvāsavāto 'yam
dies ist der Atemwind Viṣṇus (Gen.Sg./Nom.Sg.)
yadā vegasamīritaḥ
wenn mit Wucht in Bewegung gesetzt (Nom.Sg.Part.Pass.)
sahasā udīryate tāta
plötzlich aufsteigt, o Sohn (Adv./3.Sg.Präs.Pass./Vok.)
jagat pravyathate tadā
die Welt erzittert dann (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Adv.)

tasmād brahmavido brahma nādhīyante 'tivāyati; vāyor vāyubhayaṃ hy uktaṃ brahma tat pīḍitaṃ bhavet

Deshalb rezitieren die Kenner des Veda den heiligen Text nicht, wenn er allzu heftig weht; denn es heißt, dem Wind wohne eine Windgefahr inne [?] - jener heilige Text würde dadurch geschädigt.

Wort für Wort
tasmād brahmavido
deshalb die Kenner des heiligen Wortes (Abl./Nom.Pl.)
brahma na adhīyante
rezitieren den heiligen Text nicht (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
ativāyati
wenn es allzu heftig weht (Lok.Abs.Part.)
vāyor vāyubhayaṃ hy uktam
denn es heißt: vom Wind [droht dem Wind/der Rezitation] Windgefahr [?] (Gen.Sg./Nom.Sg./Part.Perf.Pass.)
brahma tat pīḍitaṃ bhavet
jener heilige Text würde bedrängt/geschädigt (Nom.Sg./Part.Pass./3.Sg.Opt.)

Die Wendung „vāyor vāyubhayam“ ist syntaktisch schwer eindeutig zu fassen; sinngemäß auf die durch heftigen Sturm bedingte Gefährdung der Rezitation bezogen.

etāvad uktvā vacanaṃ parāśarasutaḥ prabhuḥ; uktvā putram adhīṣveti vyomagaṅgām ayāt tadā

Nachdem er, der Herr, der Sohn des Parāśara, so viel gesagt hatte, sprach er zu seinem Sohn: „Studiere weiter!“, und ging dann zur Himmels-Gaṅgā.

Wort für Wort
etāvad uktvā vacanam
nachdem er so viel Rede gesagt hatte (Akk.Sg./Gerundium/Akk.Sg.)
parāśarasutaḥ prabhuḥ
der Herr, der Sohn des Parāśara (Nom.Sg.)
uktvā putram
nachdem er zum Sohn gesagt hatte (Gerundium/Akk.Sg.)
adhīṣva iti
„Studiere!“ (2.Sg.Imp./Zitatpartikel)
vyomagaṅgām ayāt tadā
ging da zur Himmels-Gaṅgā (Akk.Sg./3.Sg.Impf./Adv.)

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