Kapitel 137: pūjanībrahmadattasaṃvādaḥ
Das Gespräch der Vogelmutter Pūjanī mit König Brahmadatta über Vertrauen und Feindschaft
Auf Yudhiṣṭhiras Frage, wie ein König ohne Vertrauen leben könne, erzählt Bhīṣma die Erzählung von der Vogelmutter Pūjanī und König Brahmadatta von Kāmpilya, deren Sohn vom Königssohn getötet wird; sie dient als Lehrstück über die Unheilbarkeit einmal entstandener Feindschaft und den Wert des Misstrauens.
yudhiṣṭhira uvāca; ukto mantro mahābāho na viśvāso 'sti śatruṣu; kathaṃ hi rājā varteta yadi sarvatra nāśvaset
Yudhiṣṭhira sprach: „Der Rat ist [nun] ausgesprochen, Starkarmiger: Gegenüber Feinden gibt es kein Vertrauen. Wie aber soll sich ein König verhalten, wenn er nirgends vertraut?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
ukto mantro mahābāho
der Rat ist gesagt worden, Starkarmiger (Part. Perf. Pass./Nom./Vok.)
na viśvāso 'sti śatruṣu
nicht gibt es Vertrauen bei/gegenüber Feinden (Nom./Lok. Pl.)
kathaṃ hi rājā varteta
wie denn soll der König sich verhalten (Opt. Med.)
„Aus Vertrauen [zwar] entsteht dem König die größte Gefahr, o König; wie aber besiegt ein König, der nicht vertraut, die Feinde, o Herr der Erde?“
Wort für Wort
viśvāsād dhi paraṃ rājño
aus Vertrauen ja, höchste [Gefahr] dem König (Abl./Nom./Gen.)
rājann utpadyate bhayam
o König, entsteht Furcht (Vok., 3.Sg. Pass./Med. Präs.)
kathaṃ vai nāśvasan rājā
wie wahrhaftig der nicht vertrauende König (Part. Präs./Nom.)
śatrūñ jayati
besiegt die Feinde (Akk. Pl./3.Sg. Präs.)
pārthiva
o Erdherrscher (Vok.)
Erste Vershälfte: Yudhiṣṭhira hat offenbar die Lesart im Sinn, dass Vertrauen selbst Gefahr bringt; wörtlich „aus Vertrauen entsteht … höchste Furcht“.
rutajñā sarvabhūtānāṃ yathā vai jīvajīvakaḥ; sarvajñā sarvadharmajñā tiryagyonigatāpi sā
Sie verstand die Laute aller Wesen, wie der Jīvajīvaka [-Vogel]; allwissend und die Pflichten aller kennend, obwohl sie im Schoß eines Tieres geboren war.
Wort für Wort
rutajñā sarvabhūtānāṃ
Kennerin der Laute aller Wesen (Nom. f./Gen. Pl.)
yathā vai jīvajīvakaḥ
wie fürwahr der Jīvajīvaka-Vogel (Nom.)
sarvajñā sarvadharmajñā
allwissend, alle Pflichten kennend (Nom. f.)
tiryagyonigatāpi sā
obwohl sie in tierischen Schoß gegangen war, sie (Part. Perf. Pass. f. + api)
rutajñā sarvabhūtānām: wörtlich „Kennerin der Rufe aller Wesen“.
Darauf sah der Königssohn, von der Amme auf der Hüfte getragen, den Vogelsohn; als Knabe kam er aus kindlichem Sinn heran.
Wort für Wort
tataḥ sa dhātryā kakṣeṇa
darauf er, von der Amme an der Hüfte (Instr. f./Instr.)
uhyamāno nṛpātmajaḥ
getragen werdend, der Königssohn (Part. Präs. Pass./Nom.)
dadarśa taṃ pakṣisutaṃ
sah jenen Vogelsohn (3.Sg. Perf./Akk.)
bālyād āgatya bālakaḥ
aus Kindlichkeit herangekommen, der Knabe (Abl./Abs./Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; kakṣeṇa (Instr.) vermutlich für kakṣe / kakṣayā „an der Seite/Hüfte“ [?].
dhātryā hastagataś cāpi tenākrīḍata pakṣiṇā; śūnye tu tam upādāya pakṣiṇaṃ samajātakam; hatvā tataḥ sa rājendra dhātryā hastam upāgamat
Auch in der Hand der Amme spielte er mit jenem Vogel; an einem einsamen Ort aber nahm er den gleichaltrigen Vogel, tötete ihn und kehrte dann zur Hand der Amme zurück, o Fürst der Könige.
Wort für Wort
dhātryā hastagataś cāpi
und auch in der Hand der Amme befindlich (Gen./Nom.)
tenākrīḍata pakṣiṇā
spielte mit jenem Vogel (3.Sg. Impf. Med./Instr.)
śūnye tu tam upādāya
an einsamem Ort aber, ihn ergriffen habend (Lok./Abs.)
pakṣiṇaṃ samajātakam
den Vogel, gleichaltrig (Akk.)
hatvā tataḥ sa rājendra
getötet habend, dann er, o Königsfürst (Abs./Nom./Vok.)
kṣatriye saṃgataṃ nāsti na prītir na ca sauhṛdam; kāraṇe saṃbhajantīha kṛtārthāḥ saṃtyajanti ca
„Bei einem Kṣatriya gibt es kein [echtes] Zusammensein, keine Zuneigung und keine Freundschaft; nur um eines Zweckes willen verkehren sie hier miteinander, und wenn der Zweck erreicht ist, verlassen sie [einen].“
Wort für Wort
kṣatriye saṃgataṃ nāsti
beim Kṣatriya gibt es keine Verbindung (Lok./Nom. n.)
na prītir na ca sauhṛdam
nicht Zuneigung und nicht Freundschaft (Nom.)
kāraṇe saṃbhajantīha
aus Grund/Zweck verkehren sie hier (Lok./3.Pl. Präs.)
kṛtārthāḥ saṃtyajanti ca
und die, deren Zweck erfüllt ist, verlassen (Nom. Pl./3.Pl. Präs.)
aham asya karomy adya sadṛśīṃ vairayātanām; kṛtaghnasya nṛśaṃsasya bhṛśaṃ viśvāsaghātinaḥ
„Ich vollziehe heute an diesem [Knaben] die entsprechende Vergeltung für [den Mord], [an ihm,] dem Undankbaren, Grausamen, der sehr das Vertrauen zerstört hat.“
icchayaiva kṛtaṃ pāpaṃ sadya evopasarpati; kṛtapratikriyaṃ teṣāṃ na naśyati śubhāśubham
„Eine aus Absicht getane Sünde kommt sofort heran; bei denen, die Vergeltung geübt haben, geht das Gute und Schlechte [ihrer Tat] nicht verloren [?].“
Wort für Wort
icchayaiva kṛtaṃ pāpaṃ
durch bloßen Willen getane Sünde (Instr./Part./Nom.)
sadya evopasarpati
sogleich eben nähert sich (Adv./3.Sg. Präs.)
kṛtapratikriyaṃ teṣāṃ
Vergeltung getan, bei ihnen (Nom. n./Gen.)
na naśyati śubhāśubham
geht nicht verloren, Gutes und Schlechtes (3.Sg. Präs./Nom. n.)
Zweite Vershälfte syntaktisch unklar: möglicherweise „kṛtapratikriyāṇām“ zu verstehen, d. h. das Ergebnis geht auch bei vollzogener Vergeltung nicht unter.
sāntve prayukte nṛpate kṛtavaire na viśvaset; kṣipraṃ prabadhyate mūḍho na hi vairaṃ praśāmyati
„Wenn Besänftigung angewandt wird, soll man einem König, mit dem Feindschaft entstanden ist, nicht vertrauen; rasch wird der Tor gefesselt, denn Feindschaft kommt nicht zur Ruhe.“
Wort für Wort
sāntve prayukte nṛpate
wenn Besänftigung angewandt ist, beim König (Lok. abs./Lok.)
kṛtavaire na viśvaset
beim Feindschaft-Gestifteten soll man nicht vertrauen (Lok./Opt.)
kṣipraṃ prabadhyate mūḍho
rasch wird gefesselt der Tor (Adv./Pass. Präs./Nom.)
anyonyaṃ kṛtavairāṇāṃ putrapautraṃ nigacchati; putrapautre vinaṣṭe tu paralokaṃ nigacchati
„Bei denen, die einander Feindschaft getan haben, geht [sie] auf Sohn und Enkel über; sind Sohn und Enkel vernichtet, so gelangt [der Täter] in die jenseitige Welt.“
Wort für Wort
anyonyaṃ kṛtavairāṇāṃ
bei einander Feindschaft Getan-Habenden (Adv./Gen. Pl.)
putrapautraṃ nigacchati
Sohn und Enkel erreicht [sie] (Akk. n. Kollektiv/3.Sg. Präs.)
putrapautre vinaṣṭe tu
wenn Sohn und Enkel aber vernichtet sind (Lok. abs.)
mātā pitā bāndhavānāṃ variṣṭhau; bhāryā jarā bījamātraṃ tu putraḥ; bhrātā śatruḥ klinnapāṇir vayasya; ātmā hy ekaḥ sukhaduḥkhasya vettā
„Mutter und Vater sind die Vorzüglichsten unter den Verwandten; die Gattin ist [wie] das Alter [?]; der Sohn ist nur Samenkorn; der Bruder ist ein Feind; der Freund hat feuchte Hand [?]; das Selbst allein ist der Kenner von Glück und Leid.“
Wort für Wort
mātā pitā bāndhavānāṃ variṣṭhau
Mutter [und] Vater sind die vorzüglichsten der Verwandten (Nom. Du./Gen. Pl.)
bhāryā jarā
die Gattin [ist] Alter (Nom.)
bījamātraṃ tu putraḥ
nur Samen aber der Sohn (Nom.)
bhrātā śatruḥ
der Bruder [ist] Feind (Nom.)
klinnapāṇir vayasyaḥ
der Freund mit feuchter Hand (Nom.)
ātmā hy ekaḥ sukhaduḥkhasya vettā
das Selbst allein ist Kenner von Glück und Leid (Nom./Gen.)
Sprichwortartige, dunkle Strophe. „bhāryā jarā“ und „klinnapāṇir vayasyaḥ“ sind nur wörtlich wiedergegeben; klinnapāṇi vermutlich „mit nasser [d. h. nach Gaben tastender/klebriger] Hand“.
anyonyakṛtavairāṇāṃ na saṃdhir upapadyate; sa ca hetur atikrānto yadartham aham āvasam
„Zwischen denen, die einander Feindschaft getan haben, ist ein Bündnis nicht möglich; und jener Grund, um dessentwillen ich [hier] wohnte, ist überschritten.“
Wort für Wort
anyonyakṛtavairāṇāṃ
bei gegenseitig Feindschaft Getan-Habenden (Gen. Pl.)
na saṃdhir upapadyate
kein Bündnis ist möglich (Nom./3.Sg. Präs. Med.)
sa ca hetur atikrāntaḥ
und dieser Grund ist vorüber/überschritten (Nom./Part.)
„Bei einem Wesen, das durch Besitz und Ehre geehrt wurde, früher aber Schaden getan hat, wird das Herz misstrauisch; [die frühere Tat] erschreckt es zuerst mit Gewalt.“
Wort für Wort
pūjitasyārthamānābhyāṃ
des durch Vermögen und Ehre Geehrten (Gen./Instr. Du.)
jantoḥ pūrvāpakāriṇaḥ
eines Wesens, das früher geschadet hat (Gen.)
ceto bhavaty aviśvastaṃ
das Herz wird misstrauisch (Nom. n./3.Sg. Präs./Adj.)
pūrvaṃ trāsayate balāt
zuerst erschreckt es mit Gewalt (Adv./3.Sg. Kaus./Abl.)
Subjekt von trāsayate ist unklar (ceto oder die frühere Untat, vgl. 137.043); hier mit ceto gefasst [?].
pūjany uvāca; na kṛtasya na kartuś ca sakhyaṃ saṃdhīyate punaḥ; hṛdayaṃ tatra jānāti kartuś caiva kṛtasya ca
Pūjanī sprach: „Weder dessen, dem [Leid] angetan wurde, noch des Täters Freundschaft wird [je] wieder geknüpft; das Herz kennt dort sowohl den Täter als auch den, dem es angetan wurde.“
Wort für Wort
pūjany uvāca
Pūjanī sprach (Perf.)
na kṛtasya na kartuś ca
weder des Betroffenen noch des Täters (Gen.)
sakhyaṃ saṃdhīyate punaḥ
Freundschaft wird wieder geknüpft (Nom./Pass. Präs./Adv.)
Brahmadatta sprach: „Zwischen dem, dem etwas angetan wurde, und dem Täter wird die Freundschaft wieder geknüpft; man sieht, dass die Feindschaft zur Ruhe kommt; [und] Schuld haftet [dann] nicht mehr an.“
Wort für Wort
brahmadatta uvāca
Brahmadatta sprach (Perf.)
kṛtasya caiva kartuś ca
sowohl dem, dem [etwas] angetan wurde, als auch dem Täter (Gen.Sg.)
sakhyaṃ saṃdhīyate punaḥ
Freundschaft (Nom.Sg.) wird wieder geknüpft (3.Sg.Pass.)
vairasya upaśamaḥ dṛṣṭaḥ
die Beruhigung der Feindschaft (Nom.Sg./Gen.Sg.) ist gesehen (Part.Pass.)
pāpaṃ na upāśnute punaḥ
Übel/Schuld erlangt [ihn] nicht wieder (3.Sg.Med.)
Pūjanī sprach: „Ist Feindschaft einmal eingetreten, [so ist sie nicht beendet]; ‚Ich bin ja besänftigt worden‘ – [so denkend] soll man nicht aufatmen. Aus Vertrauen wird der Tor gefesselt; darum ist es besser, [sich] nicht zu sehen [d. h. sich zu meiden].“
Wort für Wort
pūjany uvāca
Pūjanī sprach (Perf.)
nāsti vairam upakrāntam
nicht [ist] Feindschaft, die begonnen hat [= sie besteht nicht als erloschen] (Nom.Sg.n., Part.Pass.) [?]
sāntvitaḥ asmi iti na āśvaset
„ich bin besänftigt“, so [denkend] soll man nicht aufatmen (Part.Pass./1.Sg.Präs./3.Sg.Opt.)
viśvāsād badhyate bālaḥ
aus Vertrauen wird der Tor gefesselt (Abl./3.Sg.Pass./Nom.Sg.)
tasmāc chreyo hi adarśanam
darum ist besser das Nichtsehen [Meiden] (Nom.Sg.n. Komp.)
Erster Halbvers knapp; „nāsti“ elliptisch, Ergänzung [?].
tarasā ye na śakyante śastraiḥ suniśitair api; sāmnā te vinigṛhyante gajā iva kareṇubhiḥ
Die, die durch Gewalt nicht bezwungen werden können, auch nicht durch sehr scharf geschliffene Waffen, die werden durch Begütigung überwältigt, wie Elefanten durch Elefantenkühe.
Wort für Wort
tarasā ye na śakyante
die, die durch Gewalt nicht bezwungen werden können (Instr./Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
śastraiḥ suniśitair api
auch durch sehr scharf geschliffene Waffen (Instr.Pl.)
sāmnā te vinigṛhyante
durch Begütigung werden sie gebändigt (Instr.Sg./3.Pl.Pass.)
gajā iva kareṇubhiḥ
wie Elefanten durch Elefantenkühe (Nom.Pl./Instr.Pl.)
Brahmadatta sprach: „Durch das Zusammenleben entsteht Zuneigung, selbst unter denen, die einander das Leben nehmen wollen; und gegenseitiges Vertrauen [entsteht], wie zwischen einem Hundeesser [Ausgestoßenen] und einem Hund.“
Wort für Wort
brahmadatta uvāca
Brahmadatta sprach (Perf.)
saṃvāsāj jāyate snehaḥ
aus dem Zusammenleben entsteht Zuneigung (Abl.Sg./3.Sg.Pass./Nom.Sg.)
jīvitāntakareṣu api
selbst bei denen, die das Leben beenden [wollen] (Lok.Pl., Komp.)
anyonyasya ca viśvāsaḥ
und gegenseitiges Vertrauen (Gen.Sg./Nom.Sg.)
śvapacena śunaḥ yathā
wie [zwischen] Hundeesser (Instr.) und Hund (Gen.)
anyonyakṛtavairāṇāṃ saṃvāsān mṛdutāṃ gatam; naiva tiṣṭhati tad vairaṃ puṣkarastham ivodakam
Bei denen, die einander Feindschaft angetan haben, wird sie durch das Zusammenleben mild; jene Feindschaft bleibt nicht bestehen, wie Wasser auf einem Lotusblatt.
Wort für Wort
anyonyakṛtavairāṇām
derer, die einander Feindschaft angetan haben (Gen.Pl., Komp.)
saṃvāsān mṛdutāṃ gatam
durch das Zusammenleben zur Milde gelangt (Abl.Sg./Akk.Sg./Part.Pass.)
na eva tiṣṭhati tad vairam
nicht bleibt jene Feindschaft [bestehen] (3.Sg.Präs./Nom.Sg.n.)
puṣkarastham iva udakam
wie Wasser, das auf einem Lotusblatt steht (Nom.Sg.n.)
Pūjanī sprach: „Feindschaft hat fünf Ursprünge, und die Weisen erkennen sie: durch Frauen bewirkt, durch Besitz [Grund und Boden] entstanden, durch Worte entstanden, [durch Rivalität] und durch ein Vergehen entstanden.“
Wort für Wort
pūjany uvāca
Pūjanī sprach (Perf.)
vairaṃ pañcasamutthānam
Feindschaft ist fünffach im Ursprung (Nom.Sg.n., Komp.)
tac ca budhyanti paṇḍitāḥ
und das erkennen die Gelehrten (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
strīkṛtaṃ vāstujaṃ vāgjam
durch Frauen bewirkt, aus Besitz, aus Worten entstanden (Nom.Sg.n.)
sasapatnāparādhajam
aus Rivalität und Vergehen entstanden (Nom.Sg.n., Komp.) [?]
tatra dātā nihantavyaḥ kṣatriyeṇa viśeṣataḥ; prakāśaṃ vāprakāśaṃ vā buddhvā deśabalādikam
Dabei ist der, der [den Schaden] zufügt, zu töten, vor allem vom Kṣatriya – sei es offen oder verdeckt, nachdem er Ort, Kraft und dergleichen erwogen hat.
Wort für Wort
tatra dātā nihantavyaḥ
dabei ist der Zufügende zu töten (Nom.Sg./Gerundiv)
kṣatriyeṇa viśeṣataḥ
vom Kṣatriya besonders (Instr.Sg./Adv.)
prakāśaṃ vā aprakāśaṃ vā
offen oder nicht offen (Adv.)
buddhvā deśabalādikam
nachdem er erkannt hat Ort, Kraft und dergleichen (Abs./Akk.Sg.n., Komp.)
dātā „Geber“ hier im Sinn von „der, der [Schaden] zufügt“ (Ergänzung).
kṛtavaire na viśvāsaḥ kāryas tv iha suhṛdy api; channaṃ saṃtiṣṭhate vairaṃ gūḍho 'gnir iva dāruṣu
Gegenüber dem, mit dem Feindschaft besteht, ist hier kein Vertrauen zu fassen, selbst nicht gegenüber einem Freund; verborgen besteht die Feindschaft fort, wie ein verborgenes Feuer in Hölzern.
Wort für Wort
kṛtavaire na viśvāsaḥ
bei [dem, mit dem] Feindschaft geschlossen ist, [ist] kein Vertrauen (Lok.Sg./Nom.Sg.)
kāryaḥ tu iha suhṛdi api
zu fassen hier, selbst bei einem Freund (Gerundiv/Lok.Sg.)
channaṃ saṃtiṣṭhate vairam
verborgen bleibt die Feindschaft bestehen (Nom.Sg.n./3.Sg.Med.)
gūḍhaḥ agniḥ iva dāruṣu
wie verborgenes Feuer in Hölzern (Nom.Sg./Lok.Pl.)
na vittena na pāruṣyair na sāntvena na ca śrutaiḥ; vairāgniḥ śāmyate rājann aurvāgnir iva sāgare
Weder durch Besitz noch durch harte Worte, weder durch Begütigung noch durch Belehrungen [Gehörtes] wird das Feuer der Feindschaft gelöscht, o König – wie das Aurva-Feuer im Meer [nicht gelöscht wird].
Wort für Wort
na vittena na pāruṣyaiḥ
nicht durch Besitz, nicht durch Härten (Instr.Sg./Instr.Pl.)
na sāntvena na ca śrutaiḥ
nicht durch Begütigung und nicht durch Gehörtes (Instr.)
vairāgniḥ śāmyate
das Feuer der Feindschaft wird gelöscht (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
na hi vairāgnir udbhūtaḥ karma vāpy aparādhajam; śāmyaty adagdhvā nṛpate vinā hy ekatarakṣayāt
Denn ein aufgeflammtes Feuer der Feindschaft oder eine aus einem Vergehen entstandene Tat kommt nicht zur Ruhe, ohne zu verbrennen, o Herr der Menschen, außer durch den Untergang des einen von beiden.
Wort für Wort
na hi vairāgniḥ udbhūtaḥ
denn nicht [kommt] das aufgeflammte Feuer der Feindschaft (Nom.Sg./Part.Pass.)
karma vā api aparādhajam
oder auch eine aus Vergehen entstandene Tat (Nom.Sg.n.)
śāmyati adagdhvā
kommt zur Ruhe, ohne verbrannt zu haben (3.Sg.Präs./Abs.)
nṛpate
o Fürst (Vok.)
vinā hi ekatarakṣayāt
außer durch den Untergang des einen von beiden (Abl.Sg.)
satkṛtasyārthamānābhyāṃ syāt tu pūrvāpakāriṇaḥ; naiva śāntir na viśvāsaḥ karma trāsayate balāt
Mag der, der früher Unrecht getan hat, durch Besitz und Ehre wohlgeehrt sein – [dennoch] gibt es weder Frieden noch Vertrauen; die [begangene] Tat ängstigt [ihn] mit Macht.
Wort für Wort
satkṛtasya artha-mānābhyām
wohlgeehrt durch Besitz und Ehre (Part.Pass.Gen./Instr.Du.)
syāt tu pūrvāpakāriṇaḥ
mag er sein, der früher Unrecht tat (3.Sg.Opt./Gen.Sg.)
na eva śāntiḥ na viśvāsaḥ
weder Frieden noch Vertrauen (Nom.Sg.)
karma trāsayate balāt
die Tat ängstigt mit Macht (Nom.Sg.n./3.Sg.Kaus./Abl.) [?]
Sinn des zweiten Halbverses unsicher (Subjekt von trāsayate).
[Früher war] weder ich in irgendeinem Unrecht gegen dich [verwickelt] noch du gegen mich; im Vertrauen habe ich früher [hier] gewohnt; jetzt aber vertraue ich nicht.
Wort für Wort
na eva apakāre kasmiṃś cid
in keinem Unrecht (Lok.Sg.)
ahaṃ tvayi tathā bhavān
ich [nicht] dir gegenüber, so auch du [mir gegenüber nicht] (Nom./Lok.Sg./Nom.Sg.)
viśvāsād uṣitā pūrvam
aus Vertrauen habe ich früher gewohnt (Abl./Part.Pass.f.)
Brahmadatta sprach: „Durch die Zeit wird das Werk vollbracht, ebenso die mannigfaltigen Handlungen; durch die Zeit allein kommen sie in Gang; wer verfehlt sich hier an wem?“
Wort für Wort
brahmadatta uvāca
Brahmadatta sprach (Perf.)
kālena kriyate kāryam
durch die Zeit wird das Werk getan (Instr./3.Sg.Pass./Nom.Sg.n.)
tathā eva vividhāḥ kriyāḥ
ebenso die vielfältigen Handlungen (Nom.Pl.f.)
kālena eva pravartante
durch die Zeit allein kommen sie in Gang (3.Pl.Med.)
kaḥ kasya iha aparādhyati
wer verfehlt sich hier an wem (Nom./Gen./3.Sg.Präs.)
badhyante yugapat ke cid ekaikasya na cāpare; kālo dahati bhūtāni saṃprāpyāgnir ivendhanam
Manche werden zugleich gebunden, einzeln [dagegen] nicht die anderen [?]; die Zeit verbrennt die Wesen, wenn sie sie erreicht hat, wie Feuer Brennholz.
Wort für Wort
badhyante yugapat ke cit
manche werden zugleich gebunden (3.Pl.Pass./Adv./Nom.Pl.)
ekaikasya na ca apare
bei dem einzelnen [ist es] nicht [so], [und] die anderen [?] (Gen.Sg./Nom.Pl.)
kālaḥ dahati bhūtāni
die Zeit verbrennt die Wesen (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
saṃprāpya agniḥ iva indhanam
nachdem sie es erreicht hat, wie Feuer Brennholz (Abs./Nom.Sg./Akk.Sg.)
evaṃ vaseha sasnehā yathākālam ahiṃsitā; yat kṛtaṃ tac ca me kṣāntaṃ tvaṃ caiva kṣama pūjani
„So bleibe hier wohnen, voller Zuneigung, der Zeit gemäß unversehrt; was [getan] wurde, das ist von mir verziehen, und du, Pūjanī, verzeihe [ebenfalls].“
Wort für Wort
evaṃ vasa iha sasnehā
so wohne hier, voller Zuneigung (Imp.2.Sg./Nom.Sg.f.)
yathākālam ahiṃsitā
der Zeit gemäß, unverletzt (Adv./Part.Pass.f.)
yat kṛtaṃ tat ca me kṣāntam
was getan wurde, das ist von mir verziehen (Nom.Sg.n./Part.Pass.)
pūjany uvāca; yadi kālaḥ pramāṇaṃ te na vairaṃ kasya cid bhavet; kasmāt tv apacitiṃ yānti bāndhavā bāndhave hate
Pūjanī sprach: „Wenn die Zeit für dich Maßstab ist, dürfte es für niemanden Feindschaft geben; warum aber üben Verwandte Vergeltung, wenn ein Verwandter erschlagen ist?“
Wort für Wort
pūjany uvāca
Pūjanī sprach (Perf.)
yadi kālaḥ pramāṇaṃ te
wenn die Zeit dir Maßstab ist (Nom.Sg./Gen.Sg.)
na vairaṃ kasya cid bhavet
so dürfte niemandem Feindschaft sein (3.Sg.Opt.)
kasmāt tu apacitiṃ yānti
warum aber gehen sie zur Vergeltung (Abl.Interr./Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
bāndhavāḥ bāndhave hate
Verwandte, wenn ein Verwandter erschlagen ist (Nom.Pl./Lok.abs.)
Menschen begehren Vögel zur Nahrung oder zum Spiel; ein Drittes gibt es nicht; [es gibt] keine Verbindung, die erträglich wäre, ohne Töten und Fesseln.
Wort für Wort
bhakṣa-artham krīḍana-artham vā
zur Nahrung oder zum Spiel (Adv./Komp.)
narāḥ vāñchanti pakṣiṇaḥ
Menschen wünschen Vögel (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
tṛtīyaḥ na asti saṃyogaḥ
ein drittes Verhältnis gibt es nicht (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
vadhabandhāt ṛte kṣamaḥ
erträglich außer Töten und Fesseln (Abl.Sg./Präp./Nom.Sg.)
Aus Furcht vor Töten und Fesseln sind manche zum Weg der Befreiung gelangt; das Leid, das aus Tod und Unheil entsteht, [nennen], so sagen die Menschen, die das Recht kennen, [das schlimmste].
Wort für Wort
vadhabandhabhayāt eke
aus Furcht vor Töten und Fesseln manche (Abl.Sg./Nom.Pl.)
mokṣatantram upāgatāḥ
sind zum System/Weg der Befreiung gelangt (Akk.Sg./Part.Pass.Pl.)
maraṇa-utpāta-jam duḥkham
das aus Tod und Unheil entstehende Leid (Akk.Sg.n.)
āhuḥ dharmavidaḥ janāḥ
sagen die rechtskundigen Menschen (Perf.3.Pl./Nom.Pl.)
Ergänzung [das schlimmste] unsicher; im Text steht nur „sie sagen“.
Leid ist das Alter, Brahmadatta, Leid ist der Verlust des Besitzes; Leid ist das Zusammensein mit Unliebem, Leid entsteht aus der Trennung vom Geliebten.
Wort für Wort
duḥkhaṃ jarā brahmadatta
Leid ist das Alter, Brahmadatta (Nom.Sg.f./Vok.)
duḥkham artha-viparyayaḥ
Leid ist der Verlust von Besitz/Zweck (Nom.Sg.m.)
duḥkhaṃ ca aniṣṭasaṃvāsaḥ
und Leid ist das Zusammenleben mit Unerwünschtem (Nom.Sg.m., Komp.)
duḥkham iṣṭaviyogajam
Leid ist das aus Trennung vom Erwünschten Geborene (Nom.Sg.n.)
Leid, das durch Feindschaft und Fesselung entsteht, das aus Gewalt geborene und ebenso das durch Frauen bewirkte; Leid wechselt beständig mit Glück, [von Mensch zu Mensch] [?].
Wort für Wort
vairabandhakṛtaṃ duḥkham
durch Feindschaft und Fesselung bewirktes Leid (Nom.Sg.n., Komp.)
hiṃsājaṃ strīkṛtaṃ tathā
aus Gewalt Geborenes und durch Frauen Bewirktes ebenso (Nom.Sg.n.)
duḥkhaṃ sukhena satatam
Leid [wechselt] mit Glück beständig (Nom.Sg.n./Instr./Adv.)
janāt viparivartate
bei den Menschen/von Mensch zu Mensch wendet es sich (Abl.Sg./3.Sg.Med.) [?]
bhinnāḥ śliṣṭā na śakyante śastraiḥ suniśitair api; sāmnā te 'pi nigṛhyante gajā iva kareṇubhiḥ
Auch Zerstrittene und Verbundene können nicht durch sehr scharfe Waffen [bezwungen werden]; durch Begütigung aber werden auch sie gebändigt, wie Elefanten durch Elefantenkühe.
Wort für Wort
bhinnāḥ śliṣṭāḥ na śakyante
Zerstrittene [und] Verbundene können nicht (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
śastraiḥ suniśitaiḥ api
durch Waffen, selbst sehr scharfe (Instr.Pl.)
sāmnā te api nigṛhyante
durch Begütigung werden auch sie gebändigt (Instr./3.Pl.Pass.)
gajāḥ iva kareṇubhiḥ
wie Elefanten durch Elefantenkühe (Nom.Pl./Instr.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe; Variante von Vers 43.
āvayoḥ kṛtam anyonyaṃ tatra saṃdhir na vidyate; smṛtvā smṛtvā hi te putraṃ navaṃ vairaṃ bhaviṣyati
Was wir einander angetan haben – dabei gibt es keine Aussöhnung; denn wenn du dich immer wieder an deinen Sohn erinnerst, wird neue Feindschaft entstehen.
Wort für Wort
āvayoḥ kṛtam anyonyam
was von uns beiden einander getan wurde (Gen.Du./Part.Pass./Adv.)
tatra saṃdhiḥ na vidyate
dabei gibt es keine Aussöhnung (Lok./Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
smṛtvā smṛtvā hi te putram
denn wiederholt an deinen Sohn denkend (Abs./Gen./Akk.)
navaṃ vairaṃ bhaviṣyati
neue Feindschaft wird entstehen (Nom.Sg.n./3.Sg.Fut.)
na hi vairāṇi śāmyanti kuleṣv ā daśamād yugāt; ākhyātāraś ca vidyante kule ced vidyate pumān
Denn Feindschaften kommen in Geschlechtern nicht zur Ruhe, bis zur zehnten Generation; und es finden sich [Leute], die [sie] erzählen, wenn im Geschlecht [noch] ein Mann vorhanden ist.
Wort für Wort
na hi vairāṇi śāmyanti
denn Feindschaften kommen nicht zur Ruhe (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
kuleṣu ā daśamāt yugāt
in Geschlechtern bis zur zehnten Generation (Lok.Pl./Abl.Sg.)
ākhyātāraḥ ca vidyante
und es finden sich Erzähler (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
kule cet vidyate pumān
wenn im Geschlecht ein Mann vorhanden ist (Lok./Nom.Sg.)
upaguhya hi vairāṇi sāntvayanti narādhipāḥ; athainaṃ pratipiṃṣanti pūrṇaṃ ghaṭam ivāśmani
Denn nachdem sie Feindschaften verborgen [wörtl. umfasst] haben, begütigen Fürsten [die Gegner]; dann zermalmen sie ihn, wie man einen vollen Krug an einem Stein [zerschlägt].
Wort für Wort
upaguhya hi vairāṇi
denn nachdem sie Feindschaften umfasst/verborgen haben (Abs./Akk.Pl.)
sāntvayanti narādhipāḥ
begütigen die Menschenherrscher (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
Brahmadatta sprach: „Aus Misstrauen häufen [Menschen] keine Güter an und streben auch nach nichts; aus Furcht vor einem von beiden [?] sind sie stets wie Tote.“
Wort für Wort
brahmadatta uvāca
Brahmadatta sprach (Perf.)
na aviśvāsāt cinvate arthān
nicht aus Misstrauen häufen sie Güter an (Abl./3.Pl.Med./Akk.Pl.)
na īhante ca api kiṃ cana
und streben auch nach nichts (3.Pl.Med./Akk.)
bhayāt ekatarāt nityam
aus Furcht vor einem von beiden [?], stets (Abl./Adv.)
mṛtakalpāḥ bhavanti ca
sind wie Tote (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
ekatarāt: Bezug unklar (Furcht vor einem der beiden Übel?).
pūjany uvāca; yasyeha vraṇinau pādau padbhyāṃ ca parisarpati; kṣaṇyete tasya tau pādau suguptam abhidhāvataḥ
Pūjanī sprach: „Wer hier mit wunden Füßen auf [eben] diesen Füßen umherkriecht, dem werden diese beiden Füße verletzt, auch wenn er, [sie] gut verwahrt, drauflosrennt.“
Wort für Wort
pūjanī uvāca
Pūjanī sprach (Perf.)
yasya iha vraṇinau pādau
wessen hier wunde Füße [sind] (Gen./Nom.Du.)
padbhyāṃ ca parisarpati
und [wer] auf den Füßen umherkriecht (Instr.Du./3.Sg.)
kṣaṇyete tasya tau pādau
werden verletzt, dessen beide Füße (3.Du.Pass./Gen./Nom.Du.)
suguptam abhidhāvataḥ
gut verwahrt, wenn er drauflosrennt (Adv./Part.Gen.Sg.)
Schicksal und Mannestat bestehen durch gegenseitige Stütze; für die Hochgesinnten ist die Tat das Maßgebliche, das Schicksal verehren die Schwächlinge.
Wort für Wort
daivaṃ puruṣakāraḥ ca
Schicksal und Mannestat (Nom.Sg.)
sthitau anyonyasaṃśrayāt
bestehen (beide) durch gegenseitige Stütze (Part.Nom.Du./Abl.)
udāttānāṃ karma tantram
für die Hochgesinnten ist die Tat das Maßgebliche (Gen.Pl./Nom.Sg.)
daivaṃ klībāḥ upāsate
das Schicksal verehren die Schwächlinge (Akk./Nom.Pl./3.Pl.Med.)
Und die Tat, die dem eigenen Wohl dient, ist zu tun, sei sie hart oder mild; wer aber zum Nichtstun neigt, der Besitzlose, wird stets von Unheil verschlungen.
Wort für Wort
karma ca ātmahitaṃ kāryam
und die dem Selbst nützliche Tat ist zu tun (Nom./Gerundiv)
tīkṣṇaṃ vā yadi vā mṛdu
hart oder aber mild (Nom.Sg.n.)
grasyate akarmaśīlaḥ tu
wird verschlungen, der zur Untätigkeit Neigende aber (3.Sg.Pass./Nom.)
sadā anarthaiḥ akiṃcanaḥ
stets von Unheilen, der Besitzlose (Instr.Pl./Nom.Sg.)
tasmāt saṃśayite 'py arthe kārya eva parākramaḥ; sarvasvam api saṃtyajya kāryam ātmahitaṃ naraiḥ
Darum ist selbst bei zweifelhafter Sache Tatkraft aufzuwenden; sogar unter Preisgabe allen Besitzes ist von den Menschen das eigene Wohl zu vollbringen.
Wort für Wort
tasmāt saṃśayite api arthe
darum auch bei zweifelhafter Sache (Abl./Lok.)
kāryaḥ eva parākramaḥ
ist Tatkraft aufzuwenden (Gerundiv/Nom.)
sarvasvam api saṃtyajya
auch alles Eigentum aufgebend (Akk./Abs.)
kāryam ātmahitaṃ naraiḥ
ist das eigene Wohl zu wirken von den Männern (Gerundiv/Instr.Pl.)
vidyā śauryaṃ ca dākṣyaṃ ca balaṃ dhairyaṃ ca pañcamam; mitrāṇi sahajāny āhur vartayantīha yair budhāḥ
Wissen, Tapferkeit, Tüchtigkeit, Kraft und als fünftes Standhaftigkeit — diese nennen sie angeborene Freunde, mit denen die Weisen hier ihr Leben bestreiten.
Wort für Wort
vidyā śauryaṃ ca dākṣyaṃ ca
Wissen, Tapferkeit und Tüchtigkeit (Nom.Sg.)
balaṃ dhairyaṃ ca pañcamam
Kraft und Standhaftigkeit als fünftes (Nom./Nom.Sg.n.)
mitrāṇi sahajāni āhuḥ
angeborene Freunde nennen sie (Akk.Pl./Perf.3.Pl.)
vartayanti iha yaiḥ budhāḥ
bestreiten ihr Leben hier, mit denen die Weisen (3.Pl./Instr.Pl./Nom.Pl.)
Man soll einen Ort verlassen, der von Leiden, Krankheit und Hungersnot bedrängt ist; man soll anderswohin gehen, um zu wohnen, oder [dort] stets geehrt wohnen.
Wort für Wort
utpatet sarujāt deśāt
man breche auf von einem leidvollen Ort (Opt./Abl.)
vyādhidurbhikṣapīḍitāt
von Krankheit und Hungersnot bedrängt (Abl.)
anyatra vastuṃ gacchet vā
anderswohin gehe man, um zu wohnen, oder (Adv./Inf./Opt.)
kubhāryāṃ ca kuputraṃ ca kurājānaṃ kusauhṛdam; kusaṃbandhaṃ kudeśaṃ ca dūrataḥ parivarjayet
Eine schlechte Frau, einen schlechten Sohn, einen schlechten König, einen schlechten Freund, schlechte Verwandtschaft und ein schlechtes Land soll man aus der Ferne meiden.
Wort für Wort
kubhāryāṃ ca kuputraṃ ca
schlechte Frau und schlechten Sohn (Akk.)
kurājānaṃ kusauhṛdam
schlechten König, schlechten Freund (Akk.)
kusaṃbandhaṃ kudeśaṃ ca
schlechte Verwandtschaft und schlechtes Land (Akk.)
Beim schlechten Freund gibt es kein Vertrauen, bei der schlechten Frau woher Freude? Unter schlechter Herrschaft gibt es keine Ruhe, im schlechten Land kann man nicht leben.
Wort für Wort
kumitre na asti viśvāsaḥ
beim schlechten Freund gibt es kein Vertrauen (Lok./3.Sg./Nom.)
kubhāryāyāṃ kutaḥ ratiḥ
bei schlechter Frau woher Freude (Lok./Interr./Nom.)
kurājye nirvṛtiḥ na asti
unter schlechter Herrschaft gibt es keine Ruhe (Lok./Nom.)
kudeśe na prajīvyate
im schlechten Land lebt man nicht [gut] (Lok./Pass. unpers.)
Mit einem schlechten Freund, dessen Freundschaft stets unbeständig ist, gibt es keine [rechte] Verbindung; bei schlechter Verwandtschaft entsteht Geringschätzung, wenn der Nutzen sich verkehrt.
Wort für Wort
kumitre saṃgatam na asti
beim schlechten Freund gibt es keine Verbindung (Lok./Nom.Sg.n.)
nityam asthirasauhṛde
stets, bei unbeständiger Freundschaft (Adv./Lok.)
avamānaḥ kusaṃbandhe
Geringschätzung bei schlechter Verwandtschaft (Nom./Lok.)
sā bhāryā yā priyaṃ brūte sa putro yatra nirvṛtiḥ; tan mitraṃ yatra viśvāsaḥ sa deśo yatra jīvyate
Die ist eine Frau, die Liebes spricht; der ist ein Sohn, bei dem Zufriedenheit ist; das ist ein Freund, bei dem Vertrauen ist; das ist ein Land, wo man leben kann.
Wort für Wort
sā bhāryā yā priyaṃ brūte
die ist Frau, die Liebes spricht (Nom.f./3.Sg.)
saḥ putraḥ yatra nirvṛtiḥ
der ist Sohn, bei dem Zufriedenheit ist (Nom./Adv./Nom.)
yatra nāsti balātkāraḥ sa rājā tīvraśāsanaḥ; na caiva hy abhisaṃbandho daridraṃ yo bubhūṣati
Wo es keine Gewalt gibt, [dort ist] ein König strenger Herrschaft [?]; und keineswegs gibt es eine [nähere] Verbindung mit dem, der arm werden will [?].
Wort für Wort
yatra na asti balātkāraḥ
wo es keine Gewalt gibt (Adv./Nom.)
saḥ rājā tīvraśāsanaḥ
der ist ein König strenger Herrschaft [?] (Nom.)
na ca eva hi abhisaṃbandhaḥ
und keineswegs ist eine Verbindung (Nom.)
daridraṃ yaḥ bubhūṣati
wer arm sein/werden will [?] (Akk./Nom./Des.3.Sg.)
Zweite Hälfte syntaktisch schwierig (daridram, bubhūṣati); Deutung unsicher.
Beim Dharma-Unkundigen gehen die Untertanen zugrunde, da ungezügelt; der König ist die Wurzel der Dreiheit [der Lebensziele], wenn er wachsam [sie] schützt.
Wort für Wort
adharmajñasya vilayam
bei einem, der den Dharma nicht kennt, Untergang (Gen./Akk.)
prajāḥ gacchanti anigrahāt
die Untertanen gehen, wegen fehlender Zügelung (Nom.Pl./3.Pl./Abl.)
rājā mūlaṃ trivargasya
der König ist die Wurzel der Dreiheit (Nom./Nom./Gen.)
baliṣaḍbhāgam uddhṛtya baliṃ tam upayojayet; na rakṣati prajāḥ samyag yaḥ sa pārthivataskaraḥ
Nachdem er den sechsten Teil [des Ertrags] als Abgabe erhoben hat, soll er diese Abgabe [dem Zweck] zuführen; wer die Untertanen nicht recht schützt, der ist ein Dieb unter den Herrschern.
Wort für Wort
baliṣaḍbhāgam uddhṛtya
den sechsten Teil als Abgabe erhoben habend (Akk./Abs.)
baliṃ tam upayojayet
diese Abgabe verwende er [zweckgemäß] (Akk./Opt.)
na rakṣati prajāḥ samyak
nicht schützt er die Untertanen recht (3.Sg./Akk.Pl./Adv.)
dattvābhayaṃ yaḥ svayam eva rājā; na tat pramāṇaṃ kurute yathāvat; sa sarvalokād upalabhya pāpam; adharmabuddhir nirayaṃ prayāti
Der König, der selbst Schutz zugesagt hat, dies aber nicht gehörig verbindlich hält, der erlangt von der ganzen Welt Sünde und geht mit der Gesinnung des Unrechts in die Hölle.
Wort für Wort
dattvā abhayaṃ yaḥ svayam eva rājā
Schutz zugesagt habend, der König selbst (Abs./Akk./Nom.)
na tat pramāṇaṃ kurute yathāvat
dies nicht als maßgeblich behandelt, gehörig (3.Sg.Med.)
saḥ sarvalokāt upalabhya pāpam
der, von aller Welt Sünde erlangend (Abl./Abs./Akk.)
adharmabuddhiḥ nirayaṃ prayāti
unrechtgesinnt geht er in die Hölle (Nom./Akk./3.Sg.)
dattvābhayaṃ yaḥ sma rājā pramāṇaṃ kurute sadā; sa sarvasukhakṛj jñeyaḥ prajā dharmeṇa pālayan
Der König aber, der nach gegebener Schutzzusage diese stets verbindlich hält, ist als Bewirker aller Glückseligkeit anzusehen, da er die Untertanen gemäß dem Dharma schützt.
Wort für Wort
dattvā abhayaṃ yaḥ sma rājā
Schutz zugesagt habend, der König (Abs./Akk./Nom.)
pramāṇaṃ kurute sadā
als maßgeblich behandelt er stets (Akk./3.Sg.Med.)
saḥ sarvasukhakṛt jñeyaḥ
der ist als Glücksbewirker aller anzusehen (Nom./Gerundiv)
prajā dharmeṇa pālayan
die Untertanen gemäß dem Dharma schützend (Akk.Pl./Instr./Part.)
svayaṃ samupajānan hi paurajānapadakriyāḥ; sa sukhaṃ modate bhūpa iha loke paratra ca
Denn dieser Erdherr, der selbst die Angelegenheiten der Stadt- und Landbewohner genau kennt, freut sich glücklich in dieser und in der jenseitigen Welt.
Wort für Wort
svayaṃ samupajānan hi
selbst genau kennend (Adv./Part.)
paurajānapadakriyāḥ
die Angelegenheiten der Stadt- und Landbewohner (Akk.Pl.)
saḥ sukhaṃ modate bhūpaḥ
der freut sich glücklich, der Erdherr (Nom./Adv./3.Sg.Med./Nom.)
Bhīṣma sprach: Nachdem die Vogelfrau so gesprochen und vom König Brahmadatta, dem Herrscher der Menschen, Urlaub erhalten hatte, ging sie darauf in die gewünschte Himmelsrichtung.
Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sā evam uktvā śakunikā
sie, so gesprochen habend, die Vogelfrau (Abs./Nom.)
brahmadattaṃ narādhipam rājānaṃ
Brahmadatta, den Herrscher der Menschen, den König (Akk.)
samanujñāpya jagāma atha
Urlaub erhalten habend, ging sie dann (Abs./Perf.3.Sg.)