Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 196: śarīriṇo 'dṛśyatvam candropamā ca Das unsichtbare Selbst des Verkörperten: Sinne, Erkenntnis und die Gleichnisse vom Mond

Manu erläutert, dass das Selbst die Sinne wahrnimmt, selbst aber durch sie nicht erfasst wird, und verdeutlicht sein Verschwinden und Wiedererscheinen am Beispiel des Mondes.

manur uvāca; yad indriyais tūpakṛtān purastāt; prāptān guṇān saṃsmarate cirāya; teṣv indriyeṣūpahateṣu paścāt; sa buddhirūpaḥ paramaḥ svabhāvaḥ

Manu sprach: „Dass er die Eigenschaften, die ihm früher durch die Sinne zugutegebracht [und] zuteilgeworden sind, noch lange danach erinnert, wenn diese Sinne später beschädigt sind – das ist die höchste Eigennatur, die in der Einsicht besteht.“

Wort für Wort
manur uvāca
Manu sprach (Perf.)
yad indriyais tūpakṛtān purastāt
dass er die durch die Sinne früher zugutegebrachten (Instr. Pl./Akk. Pl. Part.)
prāptān guṇān saṃsmarate cirāya
erlangte Eigenschaften erinnert er lange (Akk. Pl./3.Sg. Med./Dat.)
teṣv indriyeṣūpahateṣu paścāt
wenn diese Sinne später beschädigt sind (Lok. abs.)
sa buddhirūpaḥ paramaḥ svabhāvaḥ
das ist die höchste Eigennatur, deren Gestalt Einsicht ist (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi)

yathendriyārthān yugapat samastān; nāvekṣate kṛtsnam atulyakālam; yathābalaṃ saṃcarate sa vidvāṃs; tasmāt sa ekaḥ paramaḥ śarīrī

Weil er die Sinnesobjekte nicht gleichzeitig, alle zusammen, in ihrer Gesamtheit und zu ungleichen Zeiten [?] betrachtet, sondern der Wissende je nach Kraft umhergeht, darum ist er der eine höchste Verkörperte.

Wort für Wort
yathendriyārthān yugapat samastān
wie/weil [er] die Sinnesobjekte zugleich, insgesamt (Akk. Pl.)
nāvekṣate kṛtsnam atulyakālam
nicht betrachtet er, vollständig, in ungleicher Zeit (3.Sg. Med./Adv.)
yathābalaṃ saṃcarate sa vidvān
je nach Kraft geht er umher, der Wissende (3.Sg. Med./Nom.)
tasmāt sa ekaḥ paramaḥ śarīrī
darum ist dieser der eine höchste Verkörperte (Abl./Nom. Sg.)

Zeile b ist syntaktisch knapp; yathā ... na ... kann auch als Gegensatzgefüge gelesen werden.

rajas tamaḥ sattvam atho tṛtīyaṃ; gacchaty asau jñānaguṇān virūpān

Rajas, Tamas und als drittes Sattva: [durch] diese durchläuft er die verschiedengestaltigen Eigenschaften der Erkenntnis.

Wort für Wort
rajas tamaḥ sattvam
Rajas, Tamas, Sattva (Nom./Akk. Sg. n.)
atho tṛtīyaṃ
und als drittes (Adv./Akk. n.)
gacchaty asau
er geht (3.Sg.Präs.), dieser (Nom.)
jñānaguṇān virūpān
die Eigenschaften der Erkenntnis, verschiedengestaltig (Akk. Pl. m.)

na tair nibaddhaḥ sa tu badhnāti viśvaṃ; na cānuyātīha guṇān parātmā

Er ist nicht durch sie gebunden, er aber bindet das All; und das höchste Selbst folgt hier den Eigenschaften nicht.

Wort für Wort
na tair nibaddhaḥ
nicht durch sie gebunden (Instr. Pl./Part. Nom.)
sa tu badhnāti viśvam
er aber bindet das All (3.Sg.Präs./Akk.)
na cānuyātīha guṇān
und nicht folgt er hier den Eigenschaften (3.Sg.Präs./Akk. Pl.)
parātmā
das höchste Selbst (Nom. Sg. m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tathendriyāṇy āviśate śarīrī; hutāśanaṃ vāyur ivendhanastham

So dringt der Verkörperte in die Sinne ein, wie der Wind in das Feuer, das im Brennholz steht.

Wort für Wort
tathendriyāṇy āviśate
so dringt er in die Sinne ein (Akk. Pl./3.Sg. Med.)
śarīrī
der Verkörperte (Nom. Sg.)
hutāśanaṃ vāyur iva
wie der Wind in das Feuer (Akk./Nom. Sg.)
indhanastham
im Brennholz stehend (Akk. Sg. m.)

na cakṣuṣā paśyati rūpam ātmano; na paśyati sparśam indriyendriyam; na śrotraliṅgaṃ śravaṇe nidarśanaṃ; tathāgataṃ paśyati tad vinaśyati

Mit dem Auge sieht [man] nicht die Gestalt des Selbst; [das Auge] sieht nicht die Berührung, [denn es ist] Sinn des Sinnes [?]; das Merkmal des Gehörs ist kein Beleg beim Hören; das so Beschaffene sieht er – jenes vergeht [?].

Wort für Wort
na cakṣuṣā paśyati
nicht mit dem Auge sieht er (Instr./3.Sg.)
rūpam ātmanaḥ
die Gestalt des Selbst (Akk./Gen.)
na paśyati sparśam indriyendriyam
nicht sieht [es] die Berührung, Sinn des Sinnes (Akk. Sg.)
na śrotraliṅgaṃ śravaṇe nidarśanam
nicht ist das Merkmal des Gehörs Beleg beim Hören (Nom./Lok./Nom.)
tathāgataṃ paśyati
das so Beschaffene sieht er (Akk. Sg./3.Sg.)
tad vinaśyati
jenes vergeht (3.Sg.Präs.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch dunkel; die Zuordnung der Subjekte ist unsicher.

śrotrādīni na paśyanti svaṃ svam ātmānam ātmanā; sarvajñaḥ sarvadarśī ca kṣetrajñas tāni paśyati

Ohren und die übrigen [Sinne] sehen nicht das je eigene Selbst durch sich selbst; der Allwissende und Alles-Sehende, der Kṣetrajña, sieht sie.

Wort für Wort
śrotrādīni na paśyanti
Ohren usw. sehen nicht (Nom. Pl. n./3.Pl.)
svaṃ svam ātmānam ātmanā
je das eigene Selbst durch sich selbst (Akk./Instr. Sg.)
sarvajñaḥ sarvadarśī ca
allwissend und alles sehend (Nom. Sg. m.)
kṣetrajñas tāni paśyati
der Kṣetrajña sieht sie (Nom./Akk. Pl./3.Sg.)

yathā himavataḥ pārśvaṃ pṛṣṭhaṃ candramaso yathā; na dṛṣṭapūrvaṃ manujair na ca tan nāsti tāvatā

Wie die Flanke des Himavat, wie die Rückseite des Mondes von Menschen nie zuvor gesehen ist, und sie doch deswegen nicht nicht existiert –

Wort für Wort
yathā himavataḥ pārśvam
wie die Flanke des Himavat (Gen./Nom. Sg.)
pṛṣṭhaṃ candramaso yathā
wie die Rückseite des Mondes (Nom./Gen.)
na dṛṣṭapūrvaṃ manujaiḥ
nicht früher gesehen von Menschen (Part./Instr. Pl.)
na ca tan nāsti tāvatā
und nicht ist es deshalb nicht-seiend (3.Sg. asti)

tadvad bhūteṣu bhūtātmā sūkṣmo jñānātmavān asau; adṛṣṭapūrvaś cakṣurbhyāṃ na cāsau nāsti tāvatā

ebenso ist das Selbst in den Wesen fein, dessen Wesen Erkenntnis ist; mit den Augen nie zuvor gesehen, und doch ist es deswegen nicht nicht-seiend.

Wort für Wort
tadvad bhūteṣu bhūtātmā
ebenso das Selbst in den Wesen (Lok. Pl./Nom. Sg.)
sūkṣmo jñānātmavān asau
fein, erkenntnisbegabt, dieser (Nom. Sg. m.)
adṛṣṭapūrvaś cakṣurbhyām
zuvor ungesehen mit den Augen (Nom./Instr. Du.)
na cāsau nāsti tāvatā
und nicht ist dieser deswegen nicht-seiend (3.Sg.)

paśyann api yathā lakṣma jagat some na vindati; evam asti na vety etan na ca tan na parāyaṇam

Wie die Welt, obwohl sie es sieht, das Mal am Mond nicht [als solches] erkennt [?], so [gilt]: ob „es ist“ oder „es ist nicht“ – dies ist nicht nichts, und jenes ist nicht nicht das höchste Ziel [?].

Wort für Wort
paśyann api yathā lakṣma
obwohl sehend, wie das Mal (Part. Nom./Akk. Sg.)
jagat some na vindati
die Welt am Mond nicht erkennt (Nom./Lok./3.Sg.)
evam asti na vety etan
so: ob es ist oder nicht ist, dies (3.Sg. asti/na vā iti)
na ca tan na parāyaṇam
und nicht ist jenes nicht das höchste Ziel (Nom. Sg. n.)

Syntax und Bezug von lakṣma/jagat unsicher; parāyaṇa = letzte Zuflucht, höchstes Ziel.

rūpavantam arūpatvād udayāstamaye budhāḥ; dhiyā samanupaśyanti tadgatāḥ savitur gatim

Den Gestaltbegabten [nehmen], weil er gestaltlos ist, die Weisen bei Aufgang und Untergang durch den Geist wahr, darauf gerichtet, [gleich] dem Lauf der Sonne [?].

Wort für Wort
rūpavantam arūpatvāt
den Gestaltbegabten, wegen Gestaltlosigkeit (Akk./Abl.)
udayāstamaye
bei Aufgang und Untergang (Lok. Sg.)
budhāḥ dhiyā samanupaśyanti
die Weisen nehmen mit dem Geist wahr (Nom. Pl./Instr./3.Pl.)
tadgatāḥ savitur gatim
darauf gerichtet, den Lauf der Sonne (Nom. Pl./Gen./Akk.)

Bezug von rūpavantam unsicher (Sonne oder Selbst).

tathā buddhipradīpena dūrasthaṃ suvipaścitaḥ; pratyāsannaṃ ninīṣanti jñeyaṃ jñānābhisaṃhitam

So wollen die sehr Weisen mit der Lampe der Einsicht das Fernstehende, das mit Erkenntnis Verbundene, das zu Erkennende, in die Nähe führen.

Wort für Wort
tathā buddhipradīpena
so, mit der Lampe der Einsicht (Instr. Sg.)
dūrasthaṃ suvipaścitaḥ
das Fernstehende, die sehr Weisen (Akk./Nom. Pl.)
pratyāsannaṃ ninīṣanti
in die Nähe wollen sie führen (Adv./3.Pl. Desid.)
jñeyaṃ jñānābhisaṃhitam
das zu Erkennende, mit Erkenntnis verbunden (Akk. Sg. n.)

na hi khalv anupāyena kaś cid artho 'bhisidhyati; sūtrajālair yathā matsyān badhnanti jalajīvinaḥ

Denn wahrlich gelingt keine Sache ohne Mittel; mit Fadennetzen fangen die im Wasser Lebenden Fische.

Wort für Wort
na hi khalv anupāyena
denn wahrlich nicht ohne Mittel (Instr. Sg.)
kaś cid artho 'bhisidhyati
irgendeine Sache gelingt (Nom. Sg./3.Sg.)
sūtrajālair yathā
wie durch Fadennetze (Instr. Pl.)
matsyān badhnanti jalajīvinaḥ
Fische fangen die Wasserlebenden (Akk. Pl./3.Pl./Nom. Pl.)

mṛgair mṛgāṇāṃ grahaṇaṃ pakṣiṇāṃ pakṣibhir yathā; gajānāṃ ca gajair evaṃ jñeyaṃ jñānena gṛhyate

Wie Wild durch Wild, Vögel durch Vögel und Elefanten durch Elefanten gefangen werden, so wird das zu Erkennende durch Erkenntnis ergriffen.

Wort für Wort
mṛgair mṛgāṇāṃ grahaṇam
das Fangen des Wildes durch Wild (Instr. Pl./Gen. Pl./Nom. Sg.)
pakṣiṇāṃ pakṣibhir yathā
wie das der Vögel durch Vögel (Gen./Instr. Pl.)
gajānāṃ ca gajair evam
und der Elefanten durch Elefanten, so (Gen./Instr. Pl.)
jñeyaṃ jñānena gṛhyate
das Erkennbare wird durch Erkenntnis ergriffen (Nom./Instr./3.Sg. Pass.)

ahir eva hy aheḥ pādān paśyatīti nidarśanam; tadvan mūrtiṣu mūrtiṣṭhaṃ jñeyaṃ jñānena paśyati

Nur eine Schlange sieht die Füße der Schlange – das ist das Beispiel; ebenso sieht [man] in den Gestalten das in Gestalt Wohnende, das zu Erkennende, durch Erkenntnis.

Wort für Wort
ahir eva hy aheḥ pādān paśyati
nur die Schlange sieht die Füße der Schlange (Nom./Gen./Akk. Pl.)
iti nidarśanam
so [lautet] das Beispiel (Nom. Sg. n.)
tadvan mūrtiṣu mūrtiṣṭham
ebenso in den Gestalten das in Gestalt Befindliche (Lok. Pl./Akk. Sg.)
jñeyaṃ jñānena paśyati
das Erkennbare sieht [man] durch Erkenntnis (Akk./Instr./3.Sg.)

notsahante yathā vettum indriyair indriyāṇy api; tathaiveha parā buddhiḥ paraṃ buddhyā na paśyati

Wie die Sinne nicht imstande sind, durch Sinne die Sinne zu erkennen, so sieht hier die höhere Einsicht das Höhere nicht durch Einsicht.

Wort für Wort
notsahante yathā vettum
wie sie nicht vermögen zu erkennen (3.Pl. Med./Inf.)
indriyair indriyāṇy api
durch Sinne auch die Sinne (Instr./Nom. Pl.)
tathaiveha parā buddhiḥ
ebenso hier die höhere Einsicht (Nom. Sg. f.)
paraṃ buddhyā na paśyati
das Höhere durch Einsicht nicht sieht (Akk./Instr./3.Sg.)

yathā candro hy amāvāsyām aliṅgatvān na dṛśyate; na ca nāśo 'sya bhavati tathā viddhi śarīriṇam

Wie der Mond am Neumond wegen der Merkmallosigkeit nicht gesehen wird und ihm doch keine Vernichtung geschieht, so erkenne den Verkörperten.

Wort für Wort
yathā candro hy amāvāsyām
wie der Mond am Neumond (Nom./Lok.)
aliṅgatvān na dṛśyate
wegen Merkmallosigkeit nicht gesehen (Abl./3.Sg. Pass.)
na ca nāśo 'sya bhavati
und nicht entsteht ihm Vernichtung (Nom./Gen./3.Sg.)
tathā viddhi śarīriṇam
so erkenne den Verkörperten (Imp. 2.Sg./Akk.)

kṣīṇakośo hy amāvāsyāṃ candramā na prakāśate; tadvan mūrtiviyuktaḥ sañ śarīrī nopalabhyate

Der Mond, dessen Vorrat erschöpft ist, leuchtet am Neumond nicht; ebenso wird der Verkörperte, wenn er von der Gestalt getrennt ist, nicht wahrgenommen.

Wort für Wort
kṣīṇakośo hy amāvāsyām
der mit erschöpfter Hülle/Fülle am Neumond (Nom. Sg. m., Bahuvrīhi/Lok.)
candramā na prakāśate
der Mond leuchtet nicht (Nom./3.Sg. Med.)
tadvan mūrtiviyuktaḥ sañ
ebenso, von der Gestalt getrennt seiend (Part. Nom.)
śarīrī nopalabhyate
der Verkörperte wird nicht wahrgenommen (Nom./3.Sg. Pass.)

kośa: Vorrat, Fülle oder Hülle – Doppelsinn möglich.

yathā kośāntaraṃ prāpya candramā bhrājate punaḥ; tadval liṅgāntaraṃ prāpya śarīrī bhrājate punaḥ

Wie der Mond, in eine andere Hülle gelangt, wieder strahlt, so strahlt der Verkörperte, in ein anderes Merkmal gelangt, wieder.

Wort für Wort
yathā kośāntaraṃ prāpya
wie in eine andere Hülle gelangt (Akk./Abs.)
candramā bhrājate punaḥ
der Mond strahlt wieder (Nom./3.Sg. Med./Adv.)
tadval liṅgāntaraṃ prāpya
ebenso in ein anderes Merkmal gelangt (Akk./Abs.)
śarīrī bhrājate punaḥ
der Verkörperte strahlt wieder (Nom./3.Sg.)

janmavṛddhikṣayaś cāsya pratyakṣeṇopalabhyate; sā tu candramaso vyaktir na tu tasya śarīriṇaḥ

Geburt, Wachstum und Schwinden von diesem werden unmittelbar wahrgenommen; das aber ist die Erscheinung des Mondes, nicht die jenes Verkörperten.

Wort für Wort
janmavṛddhikṣayaś cāsya
Geburt, Wachstum und Schwinden von diesem (Nom. Pl./Gen. Sg.)
pratyakṣeṇopalabhyate
werden unmittelbar wahrgenommen (Instr./3.Sg. Pass.)
sā tu candramaso vyaktiḥ
das aber ist die Erscheinung des Mondes (Nom. f./Gen.)
na tu tasya śarīriṇaḥ
nicht aber die jenes Verkörperten (Gen. Sg.)

utpattivṛddhivyayato yathā sa iti gṛhyate; candra eva tv amāvāsyāṃ tathā bhavati mūrtimān

Wie er aufgrund von Entstehen, Wachsen und Vergehen als „der da“ erfasst wird, so wird am Neumond nur der Mond selbst zum Gestalthaften [?].

Wort für Wort
utpattivṛddhivyayato yathā
aufgrund von Entstehen, Wachsen, Vergehen, wie (Abl.)
sa iti gṛhyate
als „der da“ wird er erfasst (3.Sg. Pass.)
candra eva tv amāvāsyām
der Mond selbst aber am Neumond (Nom./Lok.)
tathā bhavati mūrtimān
so wird er gestalthaft (3.Sg./Nom. Sg. m.)

Zeile b unsicher; Bezug von tathā ... mūrtimān unklar.

nābhisarpad vimuñcad vā śaśinaṃ dṛśyate tamaḥ; visṛjaṃś copasarpaṃś ca tadvat paśya śarīriṇam

Weder beim Herannahen noch beim Loslassen wird die Finsternis am Mond gesehen; [obwohl sie] loslässt und sich nähert [?] – so betrachte den Verkörperten.

Wort für Wort
nābhisarpad vimuñcad vā
weder sich nähernd noch loslassend (Part. Nom. n.)
śaśinaṃ dṛśyate tamaḥ
den Mond, wird gesehen die Finsternis (Akk./3.Sg. Pass./Nom.)
visṛjaṃś copasarpaṃś ca
loslassend und herankommend (Part. Nom.)
tadvat paśya śarīriṇam
ebenso betrachte den Verkörperten (Imp. 2.Sg./Akk.)

Der Zusammenhang der Partizipien ist unsicher.

yathā candrārkasaṃyuktaṃ tamas tad upalabhyate; tadvac charīrasaṃyuktaḥ śarīrīty upalabhyate

Wie die mit Mond und Sonne verbundene Finsternis wahrgenommen wird, so wird der mit dem Körper verbundene als „Verkörperter“ wahrgenommen.

Wort für Wort
yathā candrārkasaṃyuktaṃ
wie mit Mond und Sonne verbunden (Nom. Sg. n.)
tamas tad upalabhyate
jene Finsternis wird wahrgenommen (Nom./3.Sg. Pass.)
tadvac charīrasaṃyuktaḥ
ebenso mit dem Körper verbunden (Nom. Sg. m.)
śarīrīty upalabhyate
als Verkörperter wird er wahrgenommen (3.Sg. Pass.)

yathā candrārkanirmuktaḥ sa rāhur nopalabhyate; tadvac charīranirmuktaḥ śarīrī nopalabhyate

Wie Rāhu, von Mond und Sonne gelöst, nicht wahrgenommen wird, so wird der vom Körper gelöste Verkörperte nicht wahrgenommen.

Wort für Wort
yathā candrārkanirmuktaḥ
wie von Mond und Sonne gelöst (Nom. Sg. m.)
sa rāhur nopalabhyate
jener Rāhu wird nicht wahrgenommen (Nom./3.Sg. Pass.)
tadvac charīranirmuktaḥ
ebenso vom Körper gelöst (Nom. Sg. m.)
śarīrī nopalabhyate
der Verkörperte wird nicht wahrgenommen (3.Sg. Pass.)

yathā candro hy amāvāsyāṃ nakṣatrair yujyate gataḥ; tadvac charīranirmuktaḥ phalair yujyati karmaṇaḥ

Wie der Mond am Neumond, [dahin]gegangen, mit den Mondhäusern verbunden wird, so wird der vom Körper Gelöste mit den Früchten der Tat verbunden.

Wort für Wort
yathā candro hy amāvāsyām
wie der Mond am Neumond (Nom./Lok.)
nakṣatrair yujyate gataḥ
wird mit Mondhäusern verbunden, gegangen (Instr. Pl./3.Sg. Pass./Part.)
tadvac charīranirmuktaḥ
ebenso vom Körper gelöst (Nom. Sg. m.)
phalair yujyati karmaṇaḥ
mit den Früchten der Tat verbunden (Instr. Pl./3.Sg./Gen.)

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