Kapitel 289: sāṃkhyayogayor viśeṣaḥ
Sāṃkhya und Yoga im Vergleich; Kraft, Übung und Weg des Yogin
Yudhiṣṭhira fragt nach dem Unterschied zwischen Sāṃkhya und Yoga; Bhīṣma erklärt, beide führten zum Ziel, unterschieden sich aber in der Lehransicht, und schildert dann die Kraft des Yoga in Gleichnissen, Sammlungsübungen, Diät und Gefahren des Weges.
yudhiṣṭhira uvāca; sāṃkhye yoge ca me tāta viśeṣaṃ vaktum arhasi; tava sarvajña sarvaṃ hi viditaṃ kurusattama
Yudhiṣṭhira sprach: „Über Sāṃkhya und Yoga, Vater, vermagst du mir den Unterschied darzulegen; denn dir, Allwissender, Bester der Kurus, ist alles bekannt.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
sāṃkhye yoge ca me
über Sāṃkhya und Yoga, mir (Lok./Dat.)
tāta viśeṣaṃ vaktum arhasi
Vater, den Unterschied darzulegen vermagst du (Vok./Akk./Inf./2.Sg.)
tava sarvajña
dir, Allwissender (Gen./Vok.)
sarvaṃ hi viditaṃ kurusattama
denn alles ist bekannt, Bester der Kurus (Part.Pass./Vok.)
Bhīṣma sprach: „Die Sāṃkhyas preisen das Sāṃkhya, die Yogins, die Zweimalgeborenen, den Yoga; um ihre eigene Seite zur Geltung zu bringen, erklären sie mit Gründen [jeweils die eigene] als die höhere.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
sāṃkhyāḥ sāṃkhyaṃ praśaṃsanti
die Sāṃkhyas preisen das Sāṃkhya (Nom.Pl./Akk./3.Pl.Präs.)
yogā yogaṃ dvijātayaḥ
die Yogins den Yoga, die Zweimalgeborenen (Nom.Pl./Akk./Nom.Pl.)
vadanti kāraṇaiḥ śraiṣṭhyam
sie sagen mit Gründen die Überlegenheit (3.Pl./Instr.Pl./Akk.)
svapakṣodbhāvanāya vai
um die eigene Partei hervorzuheben (Dat., Kompositum; Partikel)
„‚Wie könnte einer, der nicht Herr [über sich] ist, befreit werden?‘ – so, Bezwinger der Feinde, erklären die Yogins, die Einsichtigen, mit Gründen die Richtigkeit [ihrer Überlegenheit].“
Wort für Wort
anīśvaraḥ kathaṃ mucyed
einer, der nicht Herr ist, wie könnte er befreit werden (Nom.Sg./Pot.Pass.)
ity evaṃ śatrukarśana
so, Bezwinger der Feinde (Vok.)
vadanti kāraṇaiḥ śraiṣṭhyam
sie sagen mit Gründen die Überlegenheit (3.Pl./Instr.Pl./Akk.)
yogāḥ samyaṅ manīṣiṇaḥ
die Yogins, recht, die Einsichtigen (Nom.Pl./Adv./Nom.Pl.)
anīśvara kann auch „ohne Gott (Īśvara)“ oder „ohne Macht“ bedeuten; die Yoga-Seite argumentiert vermutlich mit der Notwendigkeit der Selbstbeherrschung. samyaṅ ist hier adverbial zu vadanti gezogen.
„Und auch die Sāṃkhyas, die Zweimalgeborenen, nennen zu Recht diesen Grund: Wer hier alle Daseinswege erkannt hat und von den Sinnesobjekten losgelöst ist …“
Wort für Wort
vadanti kāraṇaṃ cedaṃ
sie nennen den Grund und diesen (3.Pl./Akk.)
sāṃkhyāḥ samyag dvijātayaḥ
die Sāṃkhyas, richtig, die Zweimalgeborenen (Nom.Pl.)
vijñāyeha gatīḥ sarvāḥ
hier erkannt habend alle Wege/Daseinsziele (Abs./Akk.Pl.)
virakto viṣayeṣu yaḥ
der von den Sinnesobjekten losgelöst ist (Nom.Sg./Lok.Pl./Rel.)
ūrdhvaṃ sa dehāt suvyaktaṃ vimucyed iti nānyathā; etad āhur mahāprājñāḥ sāṃkhyaṃ vai mokṣadarśanam
„… der wird nach dem Körper [bzw. über den Körper hinaus] ganz gewiss befreit, nicht anders.“ Dies sagen die sehr Weisen: Das Sāṃkhya ist die Lehre der Befreiung.
Wort für Wort
ūrdhvaṃ sa dehāt
aufwärts/nach, er, vom Körper (Adv./Nom./Abl.)
suvyaktaṃ vimucyed
ganz gewiss würde er befreit (Adv./Pot.Pass.)
iti nānyathā
so, nicht anders (Adv.)
etad āhur mahāprājñāḥ
dies sagen die sehr Weisen (Akk./3.Pl.Perf./Nom.Pl.)
sāṃkhyaṃ vai mokṣadarśanam
das Sāṃkhya ist die Befreiungs-Lehre (Nom.Sg.n./Partikel/Nom.Sg.n.)
Der Zusammenhang der beiden Halbverse mit V. 4 (Satzfortsetzung) ist so gedeutet; ūrdhvaṃ dehāt kann „nach Ablösung vom Körper“ oder „aufwärts vom Körper her“ heißen.
Für die eigene Seite ist ein Grund anzunehmen, eine tragfähige, heilsame Aussage; denn die Ansicht der Gebildeten ist anzunehmen, [und zwar] von Leuten wie dir, die von den Gebildeten anerkannt sind.
Wort für Wort
svapakṣe kāraṇaṃ grāhyam
für die eigene Seite ein Grund, anzunehmen (Lok./Nom./Gerundiv)
samarthaṃ vacanaṃ hitam
tragfähig, die Aussage, heilsam (Nom.Sg.n.)
śiṣṭānāṃ hi mataṃ grāhyam
denn der Gebildeten Ansicht ist anzunehmen (Gen.Pl./Nom./Gerundiv)
tvadvidhaiḥ śiṣṭasaṃmataiḥ
von Leuten deinesgleichen, von den Gebildeten geschätzten (Instr.Pl.)
Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; „von Leuten wie dir“ als Agens zu grāhyam gefasst [?].
Die Yogins haben die unmittelbare Anschauung zum Beweisgrund, die Sāṃkhyas die Feststellungen der Lehrschriften; beide Auffassungen, Vater Yudhiṣṭhira, halte ich für wahr.
Wort für Wort
pratyakṣahetavo yogāḥ
die Yogins, deren Grund die Wahrnehmung ist (Nom.Pl.)
sāṃkhyāḥ śāstraviniścayāḥ
die Sāṃkhyas, deren Gewissheit auf der Lehrschrift beruht (Nom.Pl.)
ubhe caite mate tattve
und beide diese Ansichten, als wahr (Nom.Du./Lok.)
Beide Ansichten in der Erkenntnis, o König, sind von den Gebildeten anerkannt; werden sie den Lehrschriften gemäß ausgeübt, so führen beide zum höchsten Ziel.
Wort für Wort
ubhe caite mate jñāne
und beide diese Ansichten, in der Erkenntnis (Nom.Du./Lok.)
nṛpate śiṣṭasaṃmate
König, von Gebildeten anerkannt (Vok./Nom.Du.)
anuṣṭhite yathāśāstram
ausgeübt, den Lehrschriften gemäß (Part.Pass./Adv.)
nayetāṃ paramāṃ gatim
sie beide würden führen zum höchsten Ziel (Pot.Du.Med./Akk.)
Gleich ist bei beiden die Reinheit, wie es sich gehört, und das Mitleid mit den Wesen, Makelloser; gleich ist das Tragen der Gelübde, doch ihre Lehransicht ist nicht dieselbe.
Wort für Wort
tulyaṃ śaucaṃ tayor yuktam
gleich die Reinheit bei beiden, passend (Nom./Gen.Du./Part.)
dayā bhūteṣu cānagha
und das Mitleid mit den Wesen, Makelloser (Nom./Lok.Pl./Vok.)
vratānāṃ dhāraṇaṃ tulyam
der Gelübde Befolgung ist gleich (Gen.Pl./Nom.)
darśanaṃ na samaṃ tayoḥ
die Anschauung ist nicht gleich bei beiden (Nom./Gen.Du.)
Doch ihre Lehransicht wird recht auf einen feinen Gegenstand [bzw. Zustand] hin angewandt [?].
Wort für Wort
tayos tu darśanaṃ
doch ihrer beider Anschauung (Gen.Du./Nom.)
samyak
recht (Adv.)
sūkṣme bhāve
auf einen feinen Zustand/Gegenstand (Lok.)
prasajyate
wird angewandt/erstreckt sich (3.Sg.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (*0745) der nur in einem Teil der Handschriften steht; prasajyate ist in der Bedeutung unsicher.
yudhiṣṭhira uvāca; yadi tulyaṃ vrataṃ śaucaṃ dayā cātra pitāmaha; tulyaṃ na darśanaṃ kasmāt tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn Gelübde, Reinheit und Mitleid hierbei gleich sind, Großvater, warum ist dann die Lehre nicht gleich? Das sage mir, Großvater.“
bhīṣma uvāca; rāgaṃ mohaṃ tathā snehaṃ kāmaṃ krodhaṃ ca kevalam; yogāc chittvādito doṣān pañcaitān prāpnuvanti tat
Bhīṣma sprach: „Anhaftung, Verblendung, ebenso Zuneigung, Begierde und Zorn – diese fünf Fehler schneiden sie [die Yogins] durch den Yoga vollständig ab und erlangen so jenes [Ziel].“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
rāgaṃ mohaṃ tathā snehaṃ
Anhaftung, Verblendung, ebenso Zuneigung (Akk.)
kāmaṃ krodhaṃ ca kevalam
Begierde und Zorn, ganz (Akk./Adv.)
yogāc chittvādito doṣān
durch Yoga, abgeschnitten habend, von Anfang an, die Fehler (Abl./Abs./Adv./Akk.Pl.)
pañcaitān prāpnuvanti tat
diese fünf; sie erreichen jenes (Akk./3.Pl.Präs./Akk.)
karmajair bandhanair baddhās tadvad yogāḥ paraṃtapa; abalā vai vinaśyanti mucyante ca balānvitāḥ
„– so sind die Yogins, Bedränger der Feinde, durch aus Taten geborene Fesseln gebunden: Die Kraftlosen gehen zugrunde, die Kraftvollen aber werden frei.“
Wort für Wort
karmajair bandhanair baddhāḥ
von tatgeborenen Fesseln gebunden (Instr.Pl./Part.Pass.Nom.Pl.)
tadvad yogāḥ paraṃtapa
ebenso die Yogins, Feindebrenner (Nom.Pl./Vok.)
abalā vai vinaśyanti
die Kraftlosen gehen ja zugrunde (Nom.Pl./3.Pl.)
mucyante ca balānvitāḥ
und die Kraftvollen werden frei (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
Und die machtvollen Yogins, die mit Yogakraft ausgestattet und unbezwingbar sind, Sohn Pṛthās, dringen in Prajāpatis, Seher, Götter und die großen Elemente ein.
Wort für Wort
viśanti cāvaśāḥ pārtha
und sie dringen ein, unbezwingbar, Sohn Pṛthās (3.Pl./Nom.Pl./Vok.)
yogā yogabalānvitāḥ
die Yogins, mit Yogakraft versehen (Nom.Pl.)
prajāpatīn ṛṣīn devān
in Prajāpatis, Seher, Götter (Akk.Pl.)
mahābhūtāni ceśvarāḥ
und die großen Elemente, die Herren (Akk.Pl./Nom.Pl.)
ebenso erlangt der Wahrheitskundige, nachdem er durch Yoga die Sammlung des Selbst verwirklicht und diesen Körper verlassen hat, o König, den schwer zugänglichen Ort.
Wort für Wort
tadvad ātmasamādhānam
ebenso; die Selbstsammlung (Adv./Akk.)
yuktvā yogena tattvavit
nachdem er verwirklicht hat, durch Yoga, der Wahrheitskundige (Abs./Instr./Nom.)
durgamaṃ sthānam āpnoti
den schwer zugänglichen Ort erreicht er (Akk./3.Sg.Präs.)
hitvā deham imaṃ nṛpa
nachdem er verlassen hat, diesen Körper, o König (Abs./Akk./Vok.)
Und wie ein Wagenlenker, der gute Rosse angeschirrt hat und sehr aufmerksam ist, den Bogenschützen rasch an den gewünschten Ort bringt, o Bester der Männer,
Wort für Wort
sārathiś ca yathā yuktvā
und wie der Wagenlenker, nachdem er angeschirrt hat (Nom./Abs.)
sadaśvān susamāhitaḥ
gute Rosse; sehr aufmerksam (Akk. Pl./Nom.)
deśam iṣṭaṃ nayaty āśu
den gewünschten Ort bringt er rasch (Akk./3.Sg.Präs./Adv.)
dhanvinaṃ puruṣarṣabha
den Bogenschützen; o Stier unter den Männern (Akk./Vok.)
āveśyātmani cātmānaṃ yogī tiṣṭhati yo 'calaḥ; pāpaṃ hanteva mīnānāṃ padam āpnoti so 'jaram
Der Yogin, der unbeweglich verharrt, nachdem er das Selbst im Selbst festgemacht hat, erreicht – wie ein Töter, der das Übel erschlägt [?] – den Pfad der Fische [?], er, den Unalternden.
Wort für Wort
āveśyātmani cātmānam
nachdem er versenkt hat, im Selbst, das Selbst (Abs./Lok./Akk.)
yogī tiṣṭhati yo 'calaḥ
der Yogin, der verharrt, unbeweglich (Nom./3.Sg.Präs.)
pāpaṃ hanteva
das Übel, wie ein Töter (Akk./Nom.)
mīnānāṃ padam āpnoti
der Fische Spur/Pfad erreicht er (Gen. Pl./Akk.)
so 'jaram
er, alterslos (Nom./Akk. n.)
Stelle unsicher: „hanteva mīnānām padam“ könnte auch ‚den unvergänglichen Zustand‘ (padam ajaram) meinen; „Spur der Fische“ als Bild für Unauffindbarkeit ist Vermutung.
nābhyāṃ kaṇṭhe ca śīrṣe ca hṛdi vakṣasi pārśvayoḥ; darśane sparśane cāpi ghrāṇe cāmitavikrama
Am Nabel, an der Kehle und am Kopf, im Herzen, an der Brust, an den beiden Seiten, im Sehen und im Tasten und auch in der Nase, o Mann von unermesslicher Tapferkeit,
Wort für Wort
nābhyāṃ kaṇṭhe ca śīrṣe ca
am Nabel, an der Kehle und am Kopf (Lok. Sg.)
hṛdi vakṣasi pārśvayoḥ
im Herzen, an der Brust, an den beiden Seiten (Lok./Lok. Du.)
darśane sparśane cāpi
im Sehen und im Berühren auch (Lok.)
ghrāṇe cāmitavikrama
in der Nase und; o Unermesslich-Tapferer (Lok./Vok.)
Er, von reiner Einsicht, wird rasch, wenn er das Handeln, Gutes wie Schlechtes, verbrannt und den höchsten Yoga eingenommen hat, befreit, wenn er es wünscht.
Wort für Wort
sa śīghram amalaprajñaḥ
er, rasch, von makelloser Einsicht (Nom./Adv./Bahuvrīhi)
karma dagdhvā śubhāśubham
das Handeln, nachdem er verbrannt hat, gutes und schlechtes (Akk./Abs.)
uttamaṃ yogam āsthāya
den höchsten Yoga, nachdem er ihn eingenommen hat (Akk./Abs.)
yadīcchati vimucyate
wenn er wünscht, wird er befreit (3.Sg.Präs./3.Sg.Pass.)
Wer lange Zeit trockenen Gerstenbrei isst, Bezwinger der Feinde, sich an der Einsamkeit erfreut und reinen Selbstes ist, der Yogin, möge Kraft erlangen.
Wort für Wort
bhuñjāno yāvakaṃ rūkṣam
essend, Gerstenbrei, trocken (Part. Med./Akk.)
dīrghakālam ariṃdama
lange Zeit; o Feindebezwinger (Akk./Vok.)
ekārāmo viśuddhātmā
sich einsam erfreuend, reinen Selbstes (Bahuvrīhi, Nom.)
yogī balam avāpnuyāt
der Yogin möge Kraft erlangen (Nom./Opt.)
„ekārāma“: sich allein/an einem Ort erfreuend, Deutung nicht ganz sicher.
Halbmonate, Monate und wechselnde Jahreszeiten hindurch und ebenso Höhlen durchwandernd, mit Milch vermischtes Wasser trinkend, möge der Yogin Kraft erlangen.
Wasser, nachdem er getrunken hat, mit Milch gemischt (Akk. Pl./Abs./Adj.)
yogī balam avāpnuyāt
der Yogin möge Kraft erlangen (Nom./Opt.)
„payomiśrā“ steht formal im Sg. neben „apaḥ“ (Pl.); als „payomiśrāḥ“ verstanden. Die Akkusative Halbmonate/Monate/Jahreszeiten sind als Zeitdauer gedeutet.
Wenn er Verlangen und ebenso Zorn besiegt hat, Kälte und Hitze und ebenso den Regen, Furcht, Schlaf und ebenso den Atem, Mannhaftigkeit [?] und ebenso die Sinnesobjekte,
Wort für Wort
kāmaṃ jitvā tathā krodham
Verlangen, nachdem er besiegt hat, und ebenso Zorn (Akk./Abs.)
śītoṣṇe varṣam eva ca
Kälte und Hitze, und Regen ebenfalls (Akk. Du./Akk.)
bhayaṃ nidrāṃ tathā śvāsam
Furcht, Schlaf, ebenso Atem (Akk.)
pauruṣaṃ viṣayāṃs tathā
Mannhaftigkeit, Sinnesobjekte ebenso (Akk. n./Akk. Pl.)
Der Satz läuft weiter bis 289.049 (Prädikat dīpayanti). „pauruṣa“ unsicher (Mannhaftigkeit/Tatkraft/Selbstgefälligkeit).
ferner die schwer zu besiegende Unlust und den furchtbaren Durst, o König, und alle Berührungen sowie die schwer zu besiegende Mattigkeit, o Bester der Könige –
Wort für Wort
aratiṃ durjayāṃ caiva
Unlust, schwer besiegbar, ebenso (Akk. f.)
ghorāṃ tṛṣṇāṃ ca pārthiva
furchtbaren Durst und; o König (Akk. f./Vok.)
sparśān sarvāṃs tathā
alle Berührungen ebenso (Akk. Pl.)
tandrīṃ durjayāṃ nṛpasattama
Mattigkeit, schwer besiegbar; o Bester der Könige (Akk. f./Vok.)
[so] lassen die Hochgesinnten, leidenschaftslos und sehr weise, das feine Selbst durch das Selbst aufleuchten, durch den Reichtum an Meditation und Studium.
Wort für Wort
dīpayanti mahātmānaḥ
sie lassen aufleuchten, die Hochgesinnten (3.Pl.Präs. Kaus./Nom.)
sūkṣmam ātmānam ātmanā
das feine Selbst durch das Selbst (Akk./Instr.)
vītarāgā mahāprājñā
leidenschaftslos, sehr weise (Nom. Pl.)
dhyānādhyayanasaṃpadā
durch den Reichtum an Meditation und Studium (Instr. Sg.)
ohne Verpflegung, fast bloße Wildnis, mit vom Waldbrand versengten Bäumen, und einen von Räubern wimmelnden Pfad als junger Mann unversehrt beträte [Anm.: gemeint ist: kaum jemand tut es unversehrt].
Wort für Wort
abhaktam aṭavīprāyam
ohne Verpflegung, fast Wildnis (Akk.)
dāvadagdhamahīruham
mit waldbrandverbrannten Bäumen (Akk.)
panthānaṃ taskarākīrṇam
einen Pfad, von Räubern erfüllt (Akk.)
kṣemeṇābhipated yuvā
unversehrt angehen möge, ein junger Mann (Instr./Opt./Nom.)
yogamārgaṃ tathāsādya yaḥ kaś cid bhajate dvijaḥ; kṣemeṇoparamen mārgād bahudoṣo hi sa smṛtaḥ
So auch, wenn ein Zweimalgeborener, der den Yogaweg erreicht hat und ihn übt, in [vermeintlicher] Sicherheit von dem Weg abließe [?], gilt er als sehr fehlerhaft.
Wort für Wort
yogamārgaṃ tathāsādya
den Yogaweg, so, nachdem er ihn erreicht hat (Akk./Abs.)
yaḥ kaś cid bhajate dvijaḥ
welcher Zweimalgeborene ihn übt (Nom./3.Sg.Präs.Med.)
kṣemeṇoparamen mārgāt
in Sicherheit abließe vom Weg (Instr./Opt./Abl.)
bahudoṣo hi sa smṛtaḥ
sehr fehlerhaft, denn er, gilt (Nom./Part.Pass.)
Deutung von „kṣemeṇa“ (in Sicherheit / ohne Schaden) und „uparamet“ (abließe) unsicher.
sustheyaṃ kṣuradhārāsu niśitāsu mahīpate; dhāraṇāsu tu yogasya duḥstheyam akṛtātmabhiḥ
Auf scharfen Rasiermesserschneiden lässt sich gut stehen, o Herr der Erde; auf den Konzentrationen des Yoga aber schwer für die, deren Selbst nicht geformt ist.
Wort für Wort
sustheyaṃ kṣuradhārāsu
gut zu stehen ist auf Rasiermesserschneiden (Gerundiv/Lok. Pl.)
niśitāsu mahīpate
auf geschärften; o Herr der Erde (Lok./Vok.)
dhāraṇāsu tu yogasya
auf den Konzentrationen aber des Yoga (Lok. Pl./Gen.)
duḥstheyam akṛtātmabhiḥ
schwer zu stehen für die mit ungeformtem Selbst (Gerundiv/Instr. Pl.)
nānāśāstreṣu niṣpannaṃ yogeṣv idam udāhṛtam; paraṃ yogaṃ tu yat kṛtsnaṃ niścitaṃ tad dvijātiṣu
In vielen Lehrschriften ausgeführt, ist dies [als Lehre] von den Yogas dargelegt; was aber der höchste Yoga in seiner Gesamtheit ist, das gilt unter den Zweimalgeborenen als festgestellt.
Wort für Wort
nānāśāstreṣu niṣpannam
in vielen Lehrbüchern ausgeführt (Lok. Pl./Part.)
yogeṣv idam udāhṛtam
in den Yogas dies dargelegt (Lok. Pl./Part.)
paraṃ yogaṃ tu yat kṛtsnam
den höchsten Yoga aber, was ganz (Akk./Nom.)
niścitaṃ tad dvijātiṣu
festgestellt ist das unter den Zweimalgeborenen (Part./Lok. Pl.)
Bezug von „yogeṣu“ und „paraṃ yogam … kṛtsnam“ syntaktisch locker.
paraṃ hi tad brahma mahan mahātman; brahmāṇam īśaṃ varadaṃ ca viṣṇum; bhavaṃ ca dharmaṃ ca ṣaḍānanaṃ ca; ṣaḍ brahmaputrāṃś ca mahānubhāvān
Denn dies ist das höchste Brahman, das große, o Hochgesinnter: Brahmā, den Herrn, den Spender von Wünschen, und Viṣṇu; Bhava (Śiva) und Dharma und den Sechsgesichtigen (Skanda) und die sechs Söhne Brahmās, die mächtigen –
Wort für Wort
paraṃ hi tad brahma mahan mahātman
höchstes denn das Brahman, groß; o Hochgesinnter (Nom./Vok.)
brahmāṇam īśaṃ varadaṃ ca viṣṇum
Brahmā, den Herrn, den Wunschgewährer und Viṣṇu (Akk.)
bhavaṃ ca dharmaṃ ca ṣaḍānanaṃ ca
Bhava, Dharma und den Sechsgesichtigen (Akk.)
ṣaḍ brahmaputrāṃś ca mahānubhāvān
und sechs Brahmā-Söhne, machtvolle (Akk. Pl.)
Die Aufzählung der Akkusative reicht bis 289.061 (Prädikat viśeta).
tamaś ca kaṣṭaṃ sumahad rajaś ca; sattvaṃ ca śuddhaṃ prakṛtiṃ parāṃ ca; siddhiṃ ca devīṃ varuṇasya patnīṃ; tejaś ca kṛtsnaṃ sumahac ca dhairyam
und die leidvolle, sehr große Finsternis (Tamas) und Leidenschaft (Rajas), das reine Sein (Sattva) und die höchste Urnatur (Prakṛti), und die Vollendung, die Göttin, die Gattin Varuṇas, und den ganzen Glanz und die große Standhaftigkeit,
Wort für Wort
tamaś ca kaṣṭaṃ sumahad rajaś ca
und Finsternis, leidvoll, sehr groß, und Leidenschaft (Akk. n.)
sattvaṃ ca śuddhaṃ prakṛtiṃ parāṃ ca
und reines Sein, und höchste Urnatur (Akk.)
siddhiṃ ca devīṃ varuṇasya patnīm
und die Vollendung, die Göttin, Varuṇas Gattin (Akk. f.)
tejaś ca kṛtsnaṃ sumahac ca dhairyam
und ganzen Glanz und sehr große Standhaftigkeit (Akk. n.)
tārādhipaṃ vai vimalaṃ satāraṃ; viśvāṃś ca devān uragān pitṝṃś ca; śailāṃś ca kṛtsnān udadhīṃś ca ghorān; nadīś ca sarvāḥ savanān ghanāṃś ca
den Herrn der Sterne, den makellosen, samt den Sternen, die Viśvedevas, die Schlangen und die Väter, alle Berge und die furchtbaren Meere, alle Flüsse samt den Wäldern und die Wolken,
Wort für Wort
tārādhipaṃ vai vimalaṃ satāram
den Herrn der Sterne (Mond), den makellosen, samt Sternen (Akk.)
viśvāṃś ca devān uragān pitṝṃś ca
und alle Götter (Viśvedevas), Schlangen, Väter (Akk. Pl.)
śailāṃś ca kṛtsnān udadhīṃś ca ghorān
und alle Berge und furchtbare Meere (Akk. Pl.)
nadīś ca sarvāḥ savanān ghanāṃś ca
und alle Flüsse samt Wäldern und Wolken (Akk. Pl.)
die Nāgas [Schlangen/Elefanten] und Berge [oder Bäume], die Scharen der Yakṣas und die Himmelsrichtungen, die Gandharva-Scharen, die Männer und Frauen – wenn der große, hochgesinnte Yogin [sie] einander [der Reihe nach] erreicht hat, dringt er [in sie] ein, bald befreit.
kathā ca yeyaṃ nṛpate prasaktā; deve mahāvīryamatau śubheyam; yogān sa sarvān abhibhūya martyān; nārāyaṇātmā kurute mahātmā
Und diese Erzählung, o König, die hier anschließt, über den Gott von großer Kraft und Einsicht, ist heilvoll. Nachdem er alle Yogas [und] Sterblichen überwunden hat, wirkt der Hochgesinnte, dessen Wesen Nārāyaṇa ist, [Anm.: Objekt fehlt].
Wort für Wort
kathā ca yeyaṃ nṛpate prasaktā
und die Erzählung, diese, o König, anschließende (Nom./Vok./Part.)
deve mahāvīryamatau śubheyam
über den Gott von großer Kraft und Einsicht, heilvoll ist diese (Lok./Nom.)
yogān sa sarvān abhibhūya martyān
Yogas, er, alle, nachdem er überwunden hat, Sterbliche (Akk./Abs.)
nārāyaṇātmā kurute mahātmā
der Nārāyaṇa zum Wesen hat, wirkt/macht, der Hochgesinnte (Nom./3.Sg.Präs.Med.)
Text vermutlich verderbt oder unvollständig: „yogān … martyān“ passen nicht glatt zusammen, das Objekt von „kurute“ fehlt.