Kapitel 13: sahadevavākyam; mamatvanindā
Sahadevas Rede: Nicht der äußere Besitz, sondern das „Mein“ ist der Tod
Nach Arjunas Rede antwortet Sahadeva Yudhiṣṭhira, der der Königsherrschaft entsagen will: Entscheidend sei nicht der Verzicht auf äußeren Besitz, sondern die Freiheit vom Besitzdenken (mamatā); er rät zur Herrschaft auf dem Pfad der Vorfahren.
sahadeva uvāca; na bāhyaṃ dravyam utsṛjya siddhir bhavati bhārata; śārīraṃ dravyam utsṛjya siddhir bhavati vā na vā
Sahadeva sprach: Nicht durch das Aufgeben äußeren Besitzes, Bhārata, entsteht Vollendung; und gibt man den Besitz des Körpers auf, so entsteht Vollendung – oder auch nicht.
bāhyadravyavimuktasya śārīreṣu ca gṛdhyataḥ; yo dharmo yat sukhaṃ vā syād dviṣatāṃ tat tathāstu naḥ
Wer äußeren Besitzes ledig ist und doch am Körperlichen hängt: welches Dharma oder welches Glück ihm auch sein mag, das soll so unseren Feinden zuteilwerden.
Wort für Wort
bāhyadravyavimuktasya
des vom äußeren Besitz Freien (Gen.Sg.)
śārīreṣu ca gṛdhyataḥ
und an Körperlichem Hängenden (Lok.Pl.; Gen.Sg. Part.Präs.)
yo dharmo yat sukhaṃ vā syād
welches Dharma oder welches Glück sein möge (Nom.; Opt. 3.Sg.)
dviṣatāṃ
den Feinden (Gen.Pl. Part.Präs.)
tat tathāstu naḥ
das soll so sein, von uns [aus gesehen] (Imp. 3.Sg.; Gen.Pl. Pron.)
śārīraṃ dravyam utsṛjya pṛthivīm anuśāsataḥ; yo dharmo yat sukhaṃ vā syāt suhṛdāṃ tat tathāstu naḥ
Wer den Besitz des Körpers aufgibt und doch die Erde beherrscht: welches Dharma oder welches Glück ihm auch sein mag, das soll so unseren Freunden zuteilwerden.
Wort für Wort
śārīraṃ dravyam utsṛjya
den körperlichen Besitz aufgebend (Akk.; Abs.)
pṛthivīm anuśāsataḥ
der die Erde beherrscht (Akk.Sg.; Gen.Sg. Part.Präs.)
yo dharmo yat sukhaṃ vā syāt
welches Dharma oder welches Glück sein möge (Nom.; Opt. 3.Sg.)
suhṛdāṃ
den Freunden (Gen.Pl.)
tat tathāstu naḥ
das soll so sein, von uns [aus gesehen] (Imp. 3.Sg.; Gen.Pl. Pron.)
Steht die Unvergänglichkeit dieses Wesens fest, Bhārata, so wird durch das Zerspalten des Körpers der Wesen keine Verletzung [im eigentlichen Sinn] eintreten.
Wort für Wort
avināśo 'sya sattvasya
die Unvergänglichkeit dieses Wesens (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
niyato yadi bhārata
wenn sie feststeht, Bhārata (Nom.Sg. Part.Pass.; Vok.)
bhittvā śarīraṃ
den Körper zerspaltend (Abs.; Akk.Sg.)
bhūtānāṃ
der Wesen (Gen.Pl.)
na hiṃsā pratipatsyate
keine Verletzung wird eintreten (Nom.Sg.; 3.Sg.Fut. Med.)
athāpi ca sahotpattiḥ sattvasya pralayas tathā; naṣṭe śarīre naṣṭaṃ syād vṛthā ca syāt kriyāpathaḥ
Wenn aber Entstehung und Vergehen des Wesens zusammengehören, dann wäre es beim Untergang des Körpers untergegangen, und der Pfad des Handelns wäre umsonst.
Wort für Wort
athāpi ca sahotpattiḥ sattvasya
wenn aber zugleich Entstehung des Wesens [ist] (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
pralayas tathā
ebenso Auflösung (Nom.Sg.)
naṣṭe śarīre
beim Untergang des Körpers (Lok. abs.)
naṣṭaṃ syād
untergegangen wäre es (Nom.Sg.n. Part.Pass.; Opt. 3.Sg.)
vṛthā ca syāt kriyāpathaḥ
und umsonst wäre der Weg des Handelns (Adv.; Opt. 3.Sg.; Nom.Sg.)
svāyaṃbhuvena manunā tathānyaiś cakravartibhiḥ; yady ayaṃ hy adhamaḥ panthāḥ kasmāt tais tair niṣevitaḥ; kṛtatretādiyuktāni guṇavanti ca bhārata; yugāni bahuśas taiś ca bhukteyam avanir nṛpa
[Er wurde begangen] von Svāyaṃbhuva Manu und anderen Weltherrschern. Wenn dieser Pfad ein niedriger wäre, warum wurde er dann von ihnen, von jedem, begangen? Die Yugas, mit Kṛta und Tretā beginnend und reich an guten Eigenschaften, Bhārata, wurden von ihnen vielfach [durchlebt], und diese Erde wurde von ihnen genossen, o König.
Wort für Wort
svāyaṃbhuvena manunā tathānyaiś cakravartibhiḥ
von Svāyaṃbhuva Manu und ebenso von anderen Weltherrschern (Instr.)
yady ayaṃ hy adhamaḥ panthāḥ
wenn dieser Pfad ja ein niedriger [wäre] (Nom.Sg.)
kasmāt tais tair niṣevitaḥ
warum wurde er von jenen jeweiligen begangen (Instr.Pl.; Part.Pass.)
kṛtatretādiyuktāni guṇavanti ca bhārata
mit Kṛta, Tretā usw. verbunden und tugendreich, Bhārata (Nom.Pl.n.; Vok.)
yugāni bahuśas taiś ca
die Yugas vielfach und von ihnen (Nom.Pl.; Adv.; Instr.Pl.)
bhukteyam avanir nṛpa
genossen [wurde] diese Erde, o König (Part.Pass.; Nom.Sg.f.; Vok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternzeile) der kritischen Ausgabe; der Satzbau ist locker, ergänzt: „begangen“, „durchlebt“. In 4 ist mama („mein“) zweisilbig, na mama dreisilbig.