Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 322: pañcarātrotpattiḥ Ursprung der Pañcarātra-Lehre und Śvetadvīpa

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira, wie Nārada auf Geheiß Nārāyaṇas die Insel Śvetadvīpa besuchte und ihre überirdischen Bewohner sah. Die Erzählung führt zur Geschichte des frommen Königs Uparicara Vasu und zum Ursprung der Pañcarātra-Lehre, die von den sieben Ṛṣis, den Citraśikhaṇḍins, verkündet wurde.

bhīṣma uvāca; sa evam ukto dvipadāṃ variṣṭho; nārāyaṇenottamapūruṣeṇa; jagāda vākyaṃ dvipadāṃ variṣṭhaṃ; nārāyaṇaṃ lokahitādhivāsam

Bhīṣma sprach: Er, der Beste der Zweifüßler, von Nārāyaṇa, dem höchsten Urwesen, so angesprochen, sprach ein Wort zu Nārāyaṇa, dem Besten der Zweifüßler, der zum Wohl der Welt weilt.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
sa evam uktaḥ
er, so angesprochen (Nom.Sg./Part.Perf.Pass.)
dvipadāṃ variṣṭhaḥ
der Beste der Zweifüßler (Nom.Sg.)
nārāyaṇena uttamapūruṣeṇa
von Nārāyaṇa, dem höchsten Urwesen (Instr.Sg.)
jagāda vākyam
sprach ein Wort (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)
dvipadāṃ variṣṭham
zum Besten der Zweifüßler (Akk.Sg.)
nārāyaṇam
zu Nārāyaṇa (Akk.Sg.)
lokahitādhivāsam
der zum Wohl der Welt weilt (Akk.Sg., Adj.)

yadartham ātmaprabhaveha janma; tavottamaṃ dharmagṛhe caturdhā; tat sādhyatāṃ lokahitārtham adya; gacchāmi draṣṭuṃ prakṛtiṃ tavādyām

„Wozu deine selbstentstandene, vortreffliche Geburt hier im Haus des Dharma vierfach [geschieht] [?] – das werde heute zum Wohl der Welt vollbracht: Ich gehe, um deine ursprüngliche Wesensnatur zu schauen.

Wort für Wort
yadartham
wozu, zu welchem Zweck (Adv.)
ātmaprabhave iha janma
die selbstentstandene Geburt hier (Nom.Sg.)
tava uttamam
deine vortreffliche (Nom.Sg.)
dharmagṛhe caturdhā
im Haus des Dharma, vierfach (Lok.Sg./Adv.) [?]
tat sādhyatām
das werde vollbracht (3.Sg.Imp.Pass.)
lokahitārtham adya
zum Wohl der Welt, heute (Adv.)
gacchāmi draṣṭum
ich gehe, um zu schauen (1.Sg.Präs./Inf.)
prakṛtiṃ tavādyām
deine ursprüngliche Wesensnatur (Akk.Sg.)

„dharmagṛhe caturdhā“ bleibt unklar; vermutlich Anspielung auf die vierfache (Vyūha-)Manifestation im ‚Haus des Dharma‘.

vedāḥ svadhītā mama lokanātha; taptaṃ tapo nānṛtam uktapūrvam; pūjāṃ gurūṇāṃ satataṃ karomi; parasya guhyaṃ na ca bhinnapūrvam

Die Veden sind von mir studiert worden, o Herr der Welt, Askese ist geübt worden, nie zuvor wurde Unwahres gesprochen; die Verehrung der Lehrer erweise ich beständig, und das Geheimnis eines anderen habe ich nie zuvor preisgegeben.

Wort für Wort
vedāḥ svadhītā mama
die Veden sind von mir studiert worden (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
lokanātha
o Herr der Welt (Vok.Sg.)
taptaṃ tapaḥ
Askese ist geübt worden (Nom.Sg./Part.)
nānṛtam uktapūrvam
nie zuvor wurde Unwahres gesprochen (Nom.Sg.)
pūjāṃ gurūṇāṃ
die Verehrung der Lehrer (Akk.Sg./Gen.Pl.)
satataṃ karomi
erweise ich beständig (1.Sg.Präs.)
parasya guhyam
das Geheimnis eines anderen (Gen.Sg./Akk.Sg.)
na ca bhinnapūrvam
wurde auch nie zuvor preisgegeben (Nom.Sg.)

guptāni catvāri yathāgamaṃ me; śatrau ca mitre ca samo 'smi nityam; taṃ cādidevaṃ satataṃ prapanna; ekāntabhāvena vṛṇomy ajasram; ebhir viśeṣaiḥ pariśuddhasattvaḥ; kasmān na paśyeyam anantam īśam

Die vier [Pflichten] sind von mir gemäß der Überlieferung gehütet [?]; gegenüber Feind und Freund bin ich stets gleichmütig; und zu jenem Urgott beständig Zuflucht genommen habend, erwähle ich [ihn] mit ausschließlicher Hingabe unablässig; durch diese Vorzüge, von gereinigtem Wesen – warum sollte ich da den unendlichen Herrn nicht schauen?“

Wort für Wort
guptāni catvāri
die vier [Pflichten/Geheimnisse] sind gehütet (Nom.Pl.) [?]
yathāgamaṃ me
gemäß der Überlieferung von mir (Adv./Instr.)
śatrau ca mitre ca
gegenüber Feind und Freund (Lok.Sg.)
samo 'smi nityam
bin ich stets gleich (Nom.Sg./1.Sg.Präs.)
taṃ cādidevaṃ satataṃ prapanna
und zu jenem Urgott beständig Zuflucht genommen habend (Akk.Sg./Nom.Sg.Part.)
ekāntabhāvena vṛṇomy ajasram
mit ausschließlicher Gesinnung erwähle ich unablässig (Instr.Sg./1.Sg.Präs.)
ebhir viśeṣaiḥ pariśuddhasattvaḥ
durch diese Vorzüge, von gereinigtem Wesen (Instr.Pl./Nom.Sg.)
kasmān na paśyeyam anantam īśam
warum sollte ich den unendlichen Herrn nicht schauen (Interrog./1.Sg.Opt./Akk.Sg.)

„guptāni catvāri“ (die vier gehüteten [Dinge]) bleibt inhaltlich unklar; evtl. Rückbezug auf die zuvor genannten Tugenden.

tat pārameṣṭhyasya vaco niśamya; nārāyaṇaḥ sātvatadharmagoptā

Nachdem Nārāyaṇa, der Hüter des Sātvata-Dharma, dieses Wort des Pārameṣṭhya [Nāradas, des Sohnes Parameṣṭhins] vernommen hatte –

Wort für Wort
tat pārameṣṭhyasya vacaḥ
jenes Wort des Pārameṣṭhya [Nārada] (Akk.Sg./Gen.Sg.)
niśamya
nachdem er vernommen hatte (Absolutiv)
nārāyaṇaḥ
Nārāyaṇa (Nom.Sg.)
sātvatadharmagoptā
der Hüter des Sātvata-Dharma (Nom.Sg.)

Satzkonstruktion bricht ab und setzt sich erst in Einheit 7 mit dem Verb fort (‚gaccheti ... uktavān‘).

tasmād anujñāṃ mama dehi deva; taṃ vai dṛṣṭvā kṛtakṛtyo bhavāmi

„Deshalb gib mir die Erlaubnis, o Gott; nachdem ich ihn wahrlich gesehen habe, werde ich einer sein, dessen Werk erfüllt ist.“

Wort für Wort
tasmād
deshalb (Adv.)
anujñāṃ mama dehi
gib mir die Erlaubnis (Akk.Sg./2.Sg.Imp.)
deva
o Gott (Vok.Sg.)
taṃ vai dṛṣṭvā
nachdem ich ihn wahrlich gesehen habe (Absolutiv)
kṛtakṛtyo bhavāmi
werde ich einer mit erfülltem Werk (Nom.Sg./1.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers nur in einem Teil der Handschriften; setzt vermutlich Nāradas Rede aus den vorigen Versen fort.

gaccheti taṃ nāradam uktavān sa; saṃpūjayitvātmavidhikriyābhiḥ

„Geh!“, sprach er [Nārāyaṇa] zu Nārada, nachdem er ihn mit den ihm eigenen, vorschriftsmäßigen Kulthandlungen [gebührend] verehrt hatte.

Wort für Wort
gaccheti
‚Geh!' – so (Zitatpartikel)
taṃ nāradam
zu jenem Nārada (Akk.Sg.)
uktavān sa
sprach er (Nom.Sg.Part.Perf./Pron.)
saṃpūjayitvā
nachdem er verehrt hatte (Absolutiv)
ātmavidhikriyābhiḥ
mit den eigenen vorschriftsmäßigen Kulthandlungen (Instr.Pl.)

tato visṛṣṭaḥ parameṣṭhiputraḥ; so 'bhyarcayitvā tam ṛṣiṃ purāṇam; kham utpapātottamavegayuktas; tato 'dhimerau sahasā nililye

Darauf, entlassen, erhob sich der Sohn Parameṣṭhins [Nārada], nachdem er jenen uralten Ṛṣi [Nārāyaṇa] verehrt hatte, mit höchster Geschwindigkeit ausgestattet in den Himmelsraum; darauf verbarg er sich jählings auf dem Meru.

Wort für Wort
tato visṛṣṭaḥ
darauf entlassen (Adv./Nom.Sg.Part.)
parameṣṭhiputraḥ
der Sohn Parameṣṭhins [Nārada] (Nom.Sg.)
so 'bhyarcayitvā
er, nachdem er verehrt hatte (Pron./Absolutiv)
tam ṛṣiṃ purāṇam
jenen uralten Ṛṣi (Akk.Sg.)
kham utpapāta
erhob sich in den Himmelsraum (Akk.Sg./3.Sg.Perf.)
uttamavegayuktas
mit höchster Geschwindigkeit ausgestattet (Nom.Sg.)
tato 'dhimerau sahasā
darauf auf dem Meru, plötzlich (Adv./Lok.Sg.)
nililye
verbarg er sich (3.Sg.Perf.)

tatrāvatasthe ca munir muhūrtam; ekāntam āsādya gireḥ sa śṛṅge; ālokayann uttarapaścimena; dadarśa cātyadbhutarūpayuktam

Und dort verweilte der Weise einen Augenblick, nachdem er einen abgelegenen Ort auf dem Gipfel des Berges erreicht hatte; nach Nordwesten blickend, sah er [etwas] von überaus wunderbarer Gestalt.

Wort für Wort
tatrāvatasthe ca munir
und dort verweilte der Weise (3.Sg.Impf./Nom.Sg.)
muhūrtam
einen Augenblick (Akk.Sg.Adv.)
ekāntam āsādya
nachdem er einen abgelegenen Ort erreicht hatte (Akk.Sg./Absolutiv)
gireḥ sa śṛṅge
er, auf dem Gipfel des Berges (Gen.Sg./Lok.Sg.)
ālokayann
blickend (Part.Präs.Akt.)
uttarapaścimena
nach Nordwesten (Instr.Sg.Adv.)
dadarśa
sah er (3.Sg.Perf.)
cātyadbhutarūpayuktam
und [etwas] von überaus wunderbarer Form ausgestattet (Akk.Sg.)

Das Objekt von ‚sah‘ bleibt hier implizit; die Erscheinung wird erst im folgenden Vers benannt (die Insel Śvetadvīpa).

kṣīrodadher uttarato hi dvīpaḥ; śvetaḥ sa nāmnā prathito viśālaḥ; meroḥ sahasraiḥ sa hi yojanānāṃ; dvātriṃśatordhvaṃ kavibhir niruktaḥ

Denn nördlich des Milchmeeres [liegt] eine Insel; sie ist unter dem Namen ‚Śveta‘ (die Weiße) bekannt, ausgedehnt; sie liegt, wie die Seher erklärt haben, zweiunddreißigtausend Yojanas oberhalb des Meru.

Wort für Wort
kṣīrodadher uttarato hi
denn nördlich des Milchmeeres (Gen.Sg./Adv.)
dvīpaḥ
eine Insel (Nom.Sg.)
śvetaḥ sa nāmnā prathito
sie, unter dem Namen ‚Śveta' bekannt (Nom.Sg./Instr.Sg.)
viśālaḥ
ausgedehnt (Nom.Sg.)
meroḥ
des Meru (Gen.Sg.)
sahasraiḥ sa hi yojanānāṃ
sie [liegt], durch Tausende von Yojanas (Instr.Pl./Gen.Pl.)
dvātriṃśatordhvaṃ
zweiunddreißig[-tausend], darüber hinaus (Adv.)
kavibhir niruktaḥ
von den Sehern [so] erklärt (Instr.Pl./Nom.Sg.Part.)

atīndriyāś cānaśanāś ca tatra; niṣpandahīnāḥ susugandhinaś ca; śvetāḥ pumāṃso gatasarvapāpāś; cakṣurmuṣaḥ pāpakṛtāṃ narāṇām

Dort [gibt es] jenseits der Sinne stehende, nahrungslose, von Zucken freie und wohlriechende weiße Männer, die alle Sünde abgelegt haben und die den sündigen Menschen den Anblick rauben [d. h. für sie unsichtbar sind].

Wort für Wort
atīndriyāś cānaśanāś ca tatra
dort jenseits der Sinne stehende und nahrungslose (Nom.Pl.)
niṣpandahīnāḥ
frei von Zucken/Bewegung (Nom.Pl.)
susugandhinaś ca
und wohlriechende (Nom.Pl.)
śvetāḥ pumāṃso
weiße Männer (Nom.Pl.)
gatasarvapāpāś
die alle Sünde abgelegt haben (Nom.Pl.)
cakṣurmuṣaḥ
die den Anblick rauben, unsichtbar (Nom.Pl.)
pāpakṛtāṃ narāṇām
für sündige Menschen (Gen.Pl.)

vajrāsthikāyāḥ samamānonmānā; divyānvayarūpāḥ śubhasāropetāḥ; chatrākṛtiśīrṣā meghaughaninādāḥ; satpuṣkaracatuṣkā rājīvaśatapādāḥ

[Sie haben] Körper mit diamantharten Knochen, sind von gleichem Maß und Gewicht, von göttlicher Abstammung und Gestalt, mit heilvoller Wesenskraft ausgestattet; ihre Köpfe haben die Form eines Schirms, [ihre Stimme gleicht] dem Tosen einer Wolkenmasse; sie haben vier schöne lotusartige [Merkmale] [?] und hundert Füße wie Lotusblüten [?].

Wort für Wort
vajrāsthikāyāḥ
mit diamantharten Knochen im Körper (Nom.Pl.)
samamānonmānā
von gleichem Maß und Gewicht (Nom.Pl.)
divyānvayarūpāḥ
von göttlicher Abstammung und Gestalt (Nom.Pl.)
śubhasāropetāḥ
mit heilvoller Wesenskraft ausgestattet (Nom.Pl.)
chatrākṛtiśīrṣā
mit schirmförmigen Köpfen (Nom.Pl.)
meghaughaninādāḥ
mit einer Stimme wie das Tosen einer Wolkenmasse (Nom.Pl.)
satpuṣkaracatuṣkā
mit vier schönen Lotus[-merkmalen] (Nom.Pl.) [?]
rājīvaśatapādāḥ
mit hundert Füßen wie Lotusblumen (Nom.Pl.) [?]

‚satpuṣkaracatuṣka‘ und ‚rājīvaśatapāda‘ sind unklare Komposita – wörtlich etwa ‚vier gute Lotusse‘ und ‚hundert lotusgleiche Füße‘; vermutlich bildliche Beschreibung überirdischer Körpermerkmale.

ṣaṣṭyā dantair yuktāḥ śuklair; aṣṭābhir daṃṣṭrābhir ye; jihvābhir ye viṣvagvaktraṃ; lelihyante sūryaprakhyam

[Sie sind] mit sechzig weißen Zähnen und acht Stoßzähnen ausgestattet, und mit ihren Zungen belecken sie nach allen Seiten das sonnengleiche Antlitz [?].

Wort für Wort
ṣaṣṭyā dantair yuktāḥ
mit sechzig Zähnen ausgestattet (Instr.Pl./Nom.Pl.)
śuklair aṣṭābhir daṃṣṭrābhir
mit acht weißen Stoßzähnen (Instr.Pl.)
ye
die (Rel.Pron. Nom.Pl.)
jihvābhir
mit den Zungen (Instr.Pl.)
viṣvagvaktraṃ
das nach allen Seiten [gewandte] Antlitz (Akk.Sg.)
lelihyante
belecken sie (3.Pl.Präs.Intens.)
sūryaprakhyam
das sonnengleiche (Akk.Sg.)

Bildhafte Beschreibung; der genaue Sinn (Selbstbeleckung des Antlitzes) bleibt unsicher.

bhaktyā devaṃ viśvotpannaṃ; yasmāt sarve lokāḥ sūtāḥ; vedā dharmā munayaḥ śāntā; devāḥ sarve tasya visargāḥ

[Sie verehren] mit Hingabe den Gott, aus dem das Universum entstanden ist, aus dem alle Welten geboren wurden – die Veden, die Rechtsordnungen, die friedvollen Weisen, alle Götter sind seine Hervorbringungen.

Wort für Wort
bhaktyā
mit Hingabe (Instr.Sg.)
devaṃ viśvotpannaṃ
den Gott, aus dem das All entstand (Akk.Sg.)
yasmāt sarve lokāḥ sūtāḥ
aus dem alle Welten geboren wurden (Abl.Sg./Nom.Pl./Part.)
vedā dharmā munayaḥ śāntā
die Veden, die Rechtsordnungen, die friedvollen Weisen (Nom.Pl.)
devāḥ sarve
alle Götter (Nom.Pl.)
tasya visargāḥ
sind seine Hervorbringungen (Gen.Sg./Nom.Pl.)

Kein explizites Verb der Verehrung im Sanskrit; aus dem Zusammenhang der vorigen Verse ergänzt.

yudhiṣṭhira uvāca; atīndriyā nirāhārā aniṣpandāḥ sugandhinaḥ; kathaṃ te puruṣā jātāḥ kā teṣāṃ gatir uttamā

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie sind diese Männer entstanden, die jenseits der Sinne, nahrungslos, bewegungslos und wohlriechend sind? Was ist ihr höchstes Ziel?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
atīndriyā nirāhārā
jenseits der Sinne, nahrungslos (Nom.Pl.)
aniṣpandāḥ sugandhinaḥ
bewegungslos, wohlriechend (Nom.Pl.)
kathaṃ te puruṣā jātāḥ
wie sind diese Männer entstanden (Adv./Nom.Pl./Part.Perf.)
kā teṣāṃ gatir uttamā
was ist ihr höchstes Ziel (Interrog./Gen.Pl./Nom.Sg.)

ye vimuktā bhavantīha narā bharatasattama; teṣāṃ lakṣaṇam etad dhi yac chvetadvīpavāsinām

Ist dies, o Bester der Bharatas, das Merkmal jener Menschen, die hier [auf Erden] befreit werden – dasselbe, das den Bewohnern der Śvetadvīpa [eigen ist]?

Wort für Wort
ye vimuktā bhavantīha narā
jene Männer, die hier befreit werden (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
bharatasattama
o Bester der Bharatas (Vok.Sg.)
teṣāṃ lakṣaṇam etad dhi
ist dies eben ihr Merkmal (Gen.Pl./Nom.Sg.)
yac chvetadvīpavāsinām
das der Bewohner der Śvetadvīpa (Nom.Sg.Rel./Gen.Pl.)

tasmān me saṃśayaṃ chindhi paraṃ kautūhalaṃ hi me; tvaṃ hi sarvakathārāmas tvāṃ caivopāśritā vayam

Darum zerschneide meinen Zweifel, denn groß ist meine Neugier; du erfreust dich ja an jeder Erzählung, und wir haben bei dir Zuflucht gesucht.“

Wort für Wort
tasmān
deshalb (Adv.)
me saṃśayaṃ chindhi
zerschneide meinen Zweifel (Gen.Sg./Akk.Sg./2.Sg.Imp.)
paraṃ kautūhalaṃ hi me
denn groß ist meine Neugier (Nom.Sg./Gen.Sg.)
tvaṃ hi sarvakathārāmas
du erfreust dich ja an allen Erzählungen (Nom.Sg.)
tvāṃ caivopāśritā vayam
und wir haben bei dir Zuflucht gesucht (Akk.Sg./Nom.Pl.Part.)

bhīṣma uvāca; vistīrṇaiṣā kathā rājañ śrutā me pitṛsaṃnidhau; saiṣā tava hi vaktavyā kathāsāro hi sa smṛtaḥ

Bhīṣma sprach: „Ausführlich ist diese Erzählung, o König, wie ich sie in der Nähe meines Vaters gehört habe; sie muss dir eben erzählt werden, denn sie gilt als der Kern der Erzählung.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg./3.Sg.Perf.)
vistīrṇaiṣā kathā
ausführlich ist diese Erzählung (Nom.Sg.)
rājañ
o König (Vok.Sg.)
śrutā me pitṛsaṃnidhau
von mir in der Nähe des Vaters gehört (Nom.Sg.Part./Lok.Sg.)
saiṣā tava hi vaktavyā
sie muss dir eben erzählt werden (Nom.Sg./Gerundiv)
kathāsāro hi sa smṛtaḥ
denn sie gilt als der Kern der Erzählung (Nom.Sg./Part.Perf.Pass.)

śaṃtanoḥ kathayām āsa nārado munisattamaḥ; rājñā pṛṣṭaḥ purā prāha tatrāhaṃ śrutavān purā

Nārada, der Beste der Weisen, erzählte sie dem Śāntanu; von dem König einst befragt, sprach er sie; dort habe ich sie einst gehört.

Wort für Wort
śaṃtanoḥ kathayām āsa
erzählte dem Śāntanu (Dat./Gen.Sg./3.Sg.Perf.)
nārado munisattamaḥ
Nārada, der Beste der Weisen (Nom.Sg.)
rājñā pṛṣṭaḥ purā
von dem König einst befragt (Instr.Sg./Nom.Sg.Part./Adv.)
prāha
sprach er (3.Sg.Perf.)
tatrāhaṃ śrutavān purā
dort habe ich [sie] einst gehört (Adv./Nom.Sg.Part.Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers nur in einem Teil der Handschriften; erläutert die Überlieferungskette Nārada → Śāntanu → Bhīṣma.

rājoparicaro nāma babhūvādhipatir bhuvaḥ; ākhaṇḍalasakhaḥ khyāto bhakto nārāyaṇaṃ harim

Es gab einen König namens Uparicara, den Herrscher der Erde; bekannt als Freund Ākhaṇḍalas [Indras], ein Verehrer Nārāyaṇa-Haris.

Wort für Wort
rājoparicaro nāma
ein König namens Uparicara (Nom.Sg.)
babhūvādhipatir bhuvaḥ
war Herrscher der Erde (3.Sg.Perf./Nom.Sg./Gen.Sg.)
ākhaṇḍalasakhaḥ khyāto
bekannt als Freund Ākhaṇḍalas [Indras] (Nom.Sg.)
bhakto
ein Verehrer (Nom.Sg.)
nārāyaṇaṃ harim
Nārāyaṇa-Hari (Akk.Sg., Bezugsobjekt der Hingabe)

dhārmiko nityabhaktaś ca pitṝn nityam atandritaḥ; sāmrājyaṃ tena saṃprāptaṃ nārāyaṇavarāt purā

Rechtschaffen und beständig den Vorvätern ergeben, stets unermüdlich – durch ihn wurde einst die Oberherrschaft durch Nārāyaṇas Gunst erlangt.

Wort für Wort
dhārmiko
rechtschaffen (Nom.Sg.)
nityabhaktaś ca pitṝn
und beständig den Vorvätern ergeben (Nom.Sg./Akk.Pl.)
nityam atandritaḥ
stets unermüdlich (Adv./Nom.Sg.)
sāmrājyaṃ tena saṃprāptaṃ
die Oberherrschaft wurde von ihm erlangt (Nom.Sg./Instr.Sg./Part.Perf.Pass.)
nārāyaṇavarāt purā
einst durch Nārāyaṇas Gunst (Abl.Sg./Adv.)

sātvataṃ vidhim āsthāya prāk sūryamukhaniḥsṛtam; pūjayām āsa deveśaṃ taccheṣeṇa pitāmahān

Gestützt auf die Sātvata-Vorschrift, die zuvor aus dem Mund der Sonne hervorgegangen war, verehrte er den Göttergebieter [Nārāyaṇa] und mit dessen Opferrest die Ahnen.

Wort für Wort
sātvataṃ vidhim āsthāya
gestützt auf die Sātvata-Vorschrift (Akk.Sg./Absolutiv)
prāk sūryamukhaniḥsṛtam
die zuvor aus dem Mund der Sonne hervorgegangene (Adv./Akk.Sg.)
pūjayām āsa deveśaṃ
verehrte er den Göttergebieter (3.Sg.Perf./Akk.Sg.)
taccheṣeṇa
mit dessen Opferrest (Instr.Sg.)
pitāmahān
die Ahnen (Akk.Pl.)

‚pitāmahān‘ (wörtl. ‚Großväter‘) hier im Sinn von Vorvätern/Ahnen aufgefasst.

pitṛśeṣeṇa viprāṃś ca saṃvibhajyāśritāṃś ca saḥ; śeṣānnabhuk satyaparaḥ sarvabhūteṣv ahiṃsakaḥ; sarvabhāvena bhaktaḥ sa devadevaṃ janārdanam

Und er verteilte mit dem Opferrest der Ahnen [Anteile] an die Brahmanen und an die Schutzbefohlenen; er selbst genoss [nur] die übriggebliebene Speise, der Wahrheit ergeben, gegenüber allen Wesen gewaltlos, mit ganzem Wesen dem Gott der Götter Janārdana hingegeben,

Wort für Wort
pitṛśeṣeṇa
mit dem Opferrest der Ahnen (Instr.Sg.)
viprāṃś ca saṃvibhajya
und, nachdem er verteilt hatte, an die Brahmanen (Akk.Pl./Absolutiv)
āśritāṃś ca saḥ
und an die Schutzbefohlenen, er (Akk.Pl./Nom.Sg.)
śeṣānnabhuk
die übriggebliebene Speise genießend (Nom.Sg.)
satyaparaḥ
der Wahrheit ergeben (Nom.Sg.)
sarvabhūteṣv ahiṃsakaḥ
gegenüber allen Wesen gewaltlos (Lok.Pl./Nom.Sg.)
sarvabhāvena bhaktaḥ sa
mit ganzem Wesen hingegeben, er (Instr.Sg./Nom.Sg.)
devadevaṃ janārdanam
dem Gott der Götter Janārdana (Akk.Sg.)

anādimadhyanidhanaṃ lokakartāram avyayam

dem ohne Anfang, Mitte und Ende Seienden, dem Schöpfer der Welt, dem Unvergänglichen.

Wort für Wort
anādimadhyanidhanaṃ
den ohne Anfang, Mitte und Ende (Akk.Sg.)
lokakartāram
den Schöpfer der Welt (Akk.Sg.)
avyayam
den Unvergänglichen (Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; führt die Epitheta für Janārdana aus dem vorigen Vers fort.

tasya nārāyaṇe bhaktiṃ vahato 'mitrakarśana; ekaśayyāsanaṃ śakro dattavān devarāṭ svayam

O Feindevernichter, diesem [König], der Hingabe zu Nārāyaṇa trug, gab Śakra, der Götterkönig, selbst ein gemeinsames Lager und einen [gemeinsamen] Sitz.

Wort für Wort
tasya
diesem [König] (Gen.Sg.)
nārāyaṇe bhaktiṃ vahato
der Hingabe zu Nārāyaṇa trug (Lok.Sg./Akk.Sg./Gen.Sg.Part.)
'mitrakarśana
o Feindevernichter (Vok.Sg.)
ekaśayyāsanaṃ
ein gemeinsames Lager und einen Sitz (Akk.Sg.)
śakro devarāṭ svayam
Śakra, der Götterkönig, selbst (Nom.Sg.)
dattavān
gab (Nom.Sg.Part.Perf.)

ātmā rājyaṃ dhanaṃ caiva kalatraṃ vāhanāni ca; etad bhagavate sarvam iti tat prekṣitaṃ sadā

Das eigene Selbst, das Königreich, der Reichtum, die Gattin und die Reittiere – all dies [gehöre] dem Erhabenen, so wurde es von ihm stets betrachtet.

Wort für Wort
ātmā rājyaṃ dhanaṃ caiva
das eigene Selbst, das Königreich, der Reichtum (Nom.Sg.)
kalatraṃ vāhanāni ca
die Gattin und die Reittiere (Nom.Sg./Nom.Pl.)
etad bhagavate sarvam
dies alles [gehört] dem Erhabenen (Nom.Sg./Dat.Sg.)
iti tat prekṣitaṃ sadā
so wurde dies stets betrachtet (Part.Perf.Pass./Adv.)

kāmyanaimittikājasraṃ yajñiyāḥ paramakriyāḥ; sarvāḥ sātvatam āsthāya vidhiṃ cakre samāhitaḥ

Die auf Wunsch [vollzogenen] und die aus [besonderem] Anlass [gebotenen], die immerwährenden, opferwürdigen höchsten Handlungen – alle vollzog er, gesammelten Sinnes, gestützt auf die Sātvata-Vorschrift.

Wort für Wort
kāmyanaimittikājasraṃ
die auf Wunsch, aus Anlass, [und] die beständigen (Akk./Adj.)
yajñiyāḥ paramakriyāḥ
opferwürdigen höchsten Handlungen (Nom.Pl./Akk.Pl.)
sarvāḥ
alle (Akk.Pl.)
sātvatam āsthāya vidhiṃ
gestützt auf die Sātvata-Vorschrift (Akk.Sg./Absolutiv)
cakre samāhitaḥ
vollzog er, gesammelten Sinnes (3.Sg.Perf.Med./Nom.Sg.)

pañcarātravido mukhyās tasya gehe mahātmanaḥ; prāyaṇaṃ bhagavatproktaṃ bhuñjate cāgrabhojanam

Die vornehmsten Kenner des Pañcarātra genossen im Haus jenes hochherzigen [Königs] das vom Erhabenen verkündete Prāyaṇa-[Ritual] [?] und aßen die Erstlingsspeise.

Wort für Wort
pañcarātravido mukhyās
die vornehmsten Kenner des Pañcarātra (Nom.Pl.)
tasya gehe mahātmanaḥ
im Haus jenes hochherzigen [Königs] (Gen.Sg./Lok.Sg.)
prāyaṇaṃ bhagavatproktaṃ
das vom Erhabenen verkündete Prāyaṇa[-Ritual] (Akk.Sg.) [?]
bhuñjate
genießen sie (3.Pl.Präs.Med.)
cāgrabhojanam
und die Erstlingsspeise (Akk.Sg.)

‚prāyaṇam‘ (wörtl. ‚Hingang/Ende‘) bleibt unklar; möglicherweise Name eines Ritus oder einer rituellen Mahlzeit.

tasya praśāsato rājyaṃ dharmeṇāmitraghātinaḥ; nānṛtā vāk samabhavan mano duṣṭaṃ na cābhavat; na ca kāyena kṛtavān sa pāpaṃ param aṇv api

Während er, der Feindevernichter, das Reich nach Recht regierte, entstand keine unwahre Rede [bei ihm], noch wurde [sein] Geist böse; und auch mit dem Körper vollbrachte er nicht die geringste Sünde.

Wort für Wort
tasya praśāsato rājyaṃ
während er das Reich regierte (Gen.Sg.Part./Akk.Sg.)
dharmeṇāmitraghātinaḥ
des Feindevernichters, nach Recht (Instr.Sg./Gen.Sg.)
nānṛtā vāk samabhavan
keine unwahre Rede entstand (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
mano duṣṭaṃ na cābhavat
und [sein] Geist wurde nicht böse (Nom.Sg./3.Sg.Impf.)
na ca kāyena kṛtavān
und auch mit dem Körper vollbrachte er nicht (Instr.Sg./Nom.Sg.Part.Perf.)
sa pāpaṃ param aṇv api
er die geringste Sünde, auch nur (Nom.Sg./Akk.Sg./Adj.)

ye hi te munayaḥ khyātāḥ sapta citraśikhaṇḍinaḥ; tair ekamatibhir bhūtvā yat proktaṃ śāstram uttamam

Die berühmten sieben Weisen [namens] Citraśikhaṇḍin – das höchste Lehrwerk, das von ihnen, nachdem sie eines Sinnes geworden waren, verkündet wurde …

Wort für Wort
ye hi te munayaḥ khyātāḥ
die berühmten Weisen (Nom.Pl.)
sapta citraśikhaṇḍinaḥ
die sieben Citraśikhaṇḍins (Nom.Pl.)
tair ekamatibhir bhūtvā
nachdem sie eines Sinnes geworden waren (Instr.Pl./Absolutiv)
yat proktaṃ
das verkündet wurde (Nom.Sg.Rel./Part.Perf.Pass.)
śāstram uttamam
das höchste Lehrwerk (Nom.Sg.)

Der Satz bricht am Ende des Chunks ab und wird im nächsten Abschnitt des Kapitels fortgeführt.

vedaiś caturbhiḥ samitaṃ kṛtaṃ merau mahāgirau; āsyaiḥ saptabhir udgīrṇaṃ lokadharmam anuttamam

Vereint mit den vier Veden wurde sie auf dem Meru, dem großen Berg, geschaffen, durch sieben Münder verkündet: die unübertreffliche Weltordnung [Lehre].

Wort für Wort
vedaiś caturbhiḥ
mit den vier Veden (Instr. Pl.)
samitaṃ kṛtaṃ
vereint gemacht/geschaffen (Nom. Sg. Ntr., Part.Perf.Pass.)
merau mahāgirau
auf dem Meru, dem großen Berg (Lok. Sg.)
āsyaiḥ saptabhir
durch sieben Münder (Instr. Pl.)
udgīrṇaṃ
ausgestoßen/verkündet (Nom. Sg. Ntr., Part.Perf.Pass.)
lokadharmam anuttamam
die unübertreffliche Weltordnung (Nom./Akk. Sg., Apposition)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); führt den Satz aus dem vorangehenden, hier nicht enthaltenen Vers fort (Subjekt: die Lehre/śāstra).

marīcir atryaṅgirasau pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ; vasiṣṭhaś ca mahātejā ete citraśikhaṇḍinaḥ

Marīci, Atri und Aṅgiras, Pulastya, Pulaha, Kratu und Vasiṣṭha von großer Glut – diese sind die Citraśikhaṇḍins.

Wort für Wort
marīcir atryaṅgirasau
Marīci, Atri und Aṅgiras (Nom. Sg./Nom. Dual)
pulastyaḥ pulahaḥ kratuḥ
Pulastya, Pulaha, Kratu (Nom. Sg.)
vasiṣṭhaś ca mahātejā
und Vasiṣṭha von großer Glut (Nom. Sg.)
ete citraśikhaṇḍinaḥ
diese sind die Citraśikhaṇḍins (Nom. Pl.)

sapta prakṛtayo hy etās tathā svāyaṃbhuvo 'ṣṭamaḥ; etābhir dhāryate lokas tābhyaḥ śāstraṃ viniḥsṛtam

Diese sieben sind die Urwesen, und der Svāyaṃbhuva [Manu] ist der achte; durch sie wird die Welt getragen, von ihnen ist die Lehre ausgegangen.

Wort für Wort
sapta prakṛtayo hy etās
diese sieben sind wahrlich die Urwesen (Nom. Pl.)
tathā svāyaṃbhuvo 'ṣṭamaḥ
ebenso der Svāyaṃbhuva ist der achte (Nom. Sg.)
etābhir dhāryate lokas
durch sie wird die Welt getragen (Instr. Pl. + 3.Sg.Präs.Pass.)
tābhyaḥ śāstraṃ viniḥsṛtam
von ihnen ist die Lehre ausgegangen (Abl./Dat. Pl. + Nom. Sg., Part.)

ekāgramanaso dāntā munayaḥ saṃyame ratāḥ

Mit auf ein Ziel gerichtetem Geist, gezähmt, die Weisen, an Selbstbeherrschung erfreut –

Wort für Wort
ekāgramanaso
mit auf ein Ziel gerichtetem Geist (Nom. Pl., Adj.)
dāntā
gezähmt/beherrscht (Nom. Pl., Part.)
munayaḥ
die Weisen (Nom. Pl.)
saṃyame ratāḥ
an Selbstbeherrschung/Zucht erfreut (Lok. Sg. + Nom. Pl., Part.)

Satzfragment; die Beschreibung der Weisen (munayaḥ) setzt sich in den folgenden Versen fort.

bhūtabhavyabhaviṣyajñāḥ satyadharmaparāyaṇāḥ

kundig des Vergangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen, der Wahrheit und dem Dharma ergeben –

Wort für Wort
bhūtabhavyabhaviṣya
das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige
jñāḥ
kundig (Nom. Pl.)
satyadharma
der Wahrheit und dem Dharma
parāyaṇāḥ
ergeben/hingegeben (Nom. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); Fortsetzung der Beschreibung der Weisen aus dem vorigen Vers.

idaṃ śreya idaṃ brahma idaṃ hitam anuttamam; lokān saṃcintya manasā tataḥ śāstraṃ pracakrire

„Dies ist das Heil, dies ist das Brahman, dies ist das unübertreffliche Wohl“ – so bedachten sie die Welten im Geiste und verfassten darauf die Lehre.

Wort für Wort
idaṃ śreya
dies ist das Heil (Nom. Sg.)
idaṃ brahma
dies ist das Brahman (Nom. Sg.)
idaṃ hitam anuttamam
dies ist das unübertreffliche Wohl (Nom. Sg.)
lokān saṃcintya manasā
die Welten im Geiste bedenkend (Akk. Pl. + Absolutiv + Instr.)
tataḥ śāstraṃ pracakrire
darauf verfassten sie die Lehre (Akk. Sg. + 3.Pl.Perf.Med.)

tatra dharmārthakāmā hi mokṣaḥ paścāc ca kīrtitaḥ; maryādā vividhāś caiva divi bhūmau ca saṃsthitāḥ

Darin wurden Dharma, Artha und Kāma, und danach auch die Erlösung [mokṣa] verkündet, sowie mannigfache Ordnungen, die im Himmel und auf der Erde feststehen.

Wort für Wort
tatra dharmārthakāmā hi
darin wurden Dharma, Artha und Kāma [verkündet] (Nom. Pl.)
mokṣaḥ paścāc ca kīrtitaḥ
und die Erlösung wurde danach verkündet (Nom. Sg., Part.Perf.Pass.)
maryādā vividhāś caiva
und mannigfache Ordnungen/Grenzen (Nom. Pl.)
divi bhūmau ca saṃsthitāḥ
im Himmel und auf der Erde feststehend (Lok. Sg. + Nom. Pl., Part.)

ārādhya tapasā devaṃ hariṃ nārāyaṇaṃ prabhum; divyaṃ varṣasahasraṃ vai sarve te ṛṣibhiḥ saha

Nachdem sie den Gott Hari Nārāyaṇa, den Herrn, durch Askese verehrt hatten – alle jene, zusammen mit den Ṛṣis, ein göttliches Jahrtausend lang –

Wort für Wort
ārādhya tapasā
verehrt habend durch Askese (Absolutiv + Instr.)
devaṃ hariṃ nārāyaṇaṃ prabhum
den Gott Hari Nārāyaṇa, den Herrn (Akk. Sg.)
divyaṃ varṣasahasraṃ vai
ein göttliches Jahrtausend lang (Akk. Sg., Zeitangabe)
sarve te ṛṣibhiḥ saha
alle jene, zusammen mit den Ṛṣis (Nom. Pl. + Instr.)

Satz setzt sich im folgenden Vers fort (Subjekt: die Göttin Sarasvatī).

nārāyaṇānuśāstā hi tadā devī sarasvatī; viveśa tān ṛṣīn sarvāṃl lokānāṃ hitakāmyayā

Da ging, von Nārāyaṇa unterwiesen, die Göttin Sarasvatī in jene Ṛṣis alle ein, aus Verlangen nach dem Wohl der Welten.

Wort für Wort
nārāyaṇānuśāstā hi tadā
da, von Nārāyaṇa unterwiesen (Nom. Sg. Fem., Part.Perf.Pass.)
devī sarasvatī
die Göttin Sarasvatī (Nom. Sg.)
viveśa tān ṛṣīn sarvāṃl
ging in jene Ṛṣis alle ein (3.Sg.Perf. + Akk. Pl.)
lokānāṃ hitakāmyayā
aus Verlangen nach dem Wohl der Welten (Gen. Pl. + Instr.)

tataḥ pravartitā samyak tapovidbhir dvijātibhiḥ; śabde cārthe ca hetau ca eṣā prathamasargajā

Darauf wurde sie [die Rede] von den in Askese Erfahrenen, den Zweifachgeborenen, recht entfaltet, in Laut, Bedeutung und Ursache – sie, aus der ersten Schöpfung entstanden.

Wort für Wort
tataḥ pravartitā samyak
darauf recht in Gang gesetzt/entfaltet (Nom. Sg. Fem., Part.)
tapovidbhir dvijātibhiḥ
von den in Askese Erfahrenen, den Zweifachgeborenen (Instr. Pl.)
śabde cārthe ca hetau ca
in Laut, Bedeutung und Ursache (Lok. Sg.)
eṣā prathamasargajā
sie, aus der ersten Schöpfung entstanden (Nom. Sg. Fem.)

ādāv eva hi tac chāstram oṃkārasvarabhūṣitam; ṛṣibhir bhāvitaṃ tatra yatra kāruṇiko hy asau

Schon ganz am Anfang war jene Lehre mit dem Klang der Silbe Oṃ geschmückt; von den Ṛṣis wurde sie dort verwirklicht, wo jener Gütige [Nārāyaṇa] war [?].

Wort für Wort
ādāv eva hi
schon ganz am Anfang (Lok. Sg. + Partikeln)
tac chāstram
jene Lehre (Nom. Sg. Ntr.)
oṃkārasvarabhūṣitam
mit dem Klang der Silbe Oṃ geschmückt (Nom. Sg., Adj.)
ṛṣibhir bhāvitaṃ tatra
von den Ṛṣis dort verwirklicht/ausgestaltet (Instr. Pl. + Nom. Sg., Part.)
yatra kāruṇiko hy asau
wo jener Gütige [war] (Lok. + Nom. Sg.)

'yatra kāruṇiko hy asau' ist knapp und unklar; vermutlich Bezug auf Nārāyaṇas Anwesenheit oder Wirken an jenem Ort.

tataḥ prasanno bhagavān anirdiṣṭaśarīragaḥ; ṛṣīn uvāca tān sarvān adṛśyaḥ puruṣottamaḥ

Darauf sprach der zufriedene Erhabene, dessen Körpergestalt nicht angezeigt war, der unsichtbare höchste Puruṣa, zu jenen Ṛṣis, zu ihnen allen.

Wort für Wort
tataḥ prasanno bhagavān
darauf der zufriedene/gnädige Erhabene (Nom. Sg.)
anirdiṣṭaśarīragaḥ
dessen Körpergestalt nicht angezeigt war (Nom. Sg., Adj.)
ṛṣīn uvāca tān sarvān
sprach zu jenen Ṛṣis, zu ihnen allen (Akk. Pl. + 3.Sg.Perf.)
adṛśyaḥ puruṣottamaḥ
der unsichtbare höchste Puruṣa (Nom. Sg.)

kṛtaṃ śatasahasraṃ hi ślokānām idam uttamam; lokatantrasya kṛtsnasya yasmād dharmaḥ pravartate

„Verfasst wurde dies, hunderttausend Verse, dies Höchste, aus dem der Dharma des gesamten Weltengefüges hervorgeht.

Wort für Wort
kṛtaṃ śatasahasraṃ hi
verfasst wurde, hunderttausend [Verse] (Nom. Sg. Ntr. + Zahlwort)
ślokānām idam uttamam
dies Höchste an Versen (Gen. Pl. + Nom. Sg.)
lokatantrasya kṛtsnasya
des gesamten Weltengefüges (Gen. Sg.)
yasmād dharmaḥ pravartate
aus dem der Dharma hervorgeht (Abl. Sg. + 3.Sg.Präs.Med.)

Beginn der wörtlichen Rede Nārāyaṇas, die sich bis Vers 55 fortsetzt.

pravṛttau ca nivṛttau ca yonir etad bhaviṣyati; ṛgyajuḥsāmabhir juṣṭam atharvāṅgirasais tathā

In Hinwendung wie in Abkehr wird dies der Ursprung sein, verehrt von Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda, ebenso vom Atharvaveda.

Wort für Wort
pravṛttau ca nivṛttau ca
in Hinwendung [Tätigkeit] und in Abkehr [Entsagung] (Lok. Sg.)
yonir etad bhaviṣyati
dies wird der Ursprung sein (Nom. Sg. + 3.Sg.Fut.)
ṛgyajuḥsāmabhir juṣṭam
verehrt/begleitet von Ṛg-, Yajur- und Sāmaveda (Instr. Pl. + Nom. Sg.)
atharvāṅgirasais tathā
ebenso vom Atharvaveda (Instr. Pl.)

tathā pramāṇaṃ hi mayā kṛto brahmā prasādajaḥ; rudraś ca krodhajo viprā yūyaṃ prakṛtayas tathā

Ebenso ist es Maßgabe, denn von mir wurde Brahmā aus Wohlgefallen erschaffen, und Rudra aus Zorn – ihr Brahmanen seid ebenso Urwesen.

Wort für Wort
tathā pramāṇaṃ hi
ebenso ist es Maßgabe (Nom. Sg. Ntr.)
mayā kṛto brahmā
von mir wurde Brahmā erschaffen (Instr. Sg. + Nom. Sg., Part.)
prasādajaḥ
aus Wohlgefallen entstanden (Nom. Sg., Adj.)
rudraś ca krodhajo
und Rudra, aus Zorn entstanden (Nom. Sg.)
viprā yūyaṃ prakṛtayas tathā
ihr Brahmanen seid ebenso Urwesen (Nom. Pl.)

sūryācandramasau vāyur bhūmir āpo 'gnir eva ca; sarve ca nakṣatragaṇā yac ca bhūtābhiśabditam

Sonne und Mond, Wind, Erde, Wasser und Feuer, und alle Sternenscharen, und was auch immer als 'Wesen' bezeichnet wird –

Wort für Wort
sūryācandramasau vāyur
Sonne und Mond, Wind (Nom. Sg./Nom. Dual)
bhūmir āpo 'gnir eva ca
Erde, Wasser und Feuer (Nom. Sg.)
sarve ca nakṣatragaṇā
und alle Sternenscharen (Nom. Pl.)
yac ca bhūtābhiśabditam
und was als 'Wesen' bezeichnet wird (Nom. Sg. Ntr., Part.)

Satz setzt sich im folgenden Vers fort.

adhikāreṣu vartante yathāsvaṃ brahmavādinaḥ; sarve pramāṇaṃ hi yathā tathaitac chāstram uttamam

sie wirken, jeder in seinem eigenen Amt, die Verkünder des Brahman; so wie sie alle Maßgabe sind, ebenso ist diese höchste Lehre Maßgabe.

Wort für Wort
adhikāreṣu vartante
sie wirken in ihren Ämtern (Lok. Pl. + 3.Pl.Präs.)
yathāsvaṃ brahmavādinaḥ
jeder in seinem eigenen Bereich, die Verkünder des Brahman (Nom. Pl.)
sarve pramāṇaṃ hi yathā
so wie sie alle Maßgabe sind (Nom. Pl.)
tathaitac chāstram uttamam
ebenso ist diese höchste Lehre (Nom. Sg.)

bhaviṣyati pramāṇaṃ vai etan madanuśāsanam; asmāt pravakṣyate dharmān manuḥ svāyaṃbhuvaḥ svayam

Diese meine Unterweisung wird gewiss Maßgabe sein; aus ihr wird Manu Svāyaṃbhuva selbst die Dharmas verkünden.

Wort für Wort
bhaviṣyati pramāṇaṃ vai
wird gewiss Maßgabe sein (3.Sg.Fut.)
etan madanuśāsanam
diese meine Unterweisung (Nom. Sg. Ntr.)
asmāt pravakṣyate dharmān
aus ihr wird er die Dharmas verkünden (Abl. Sg. + 3.Sg.Fut.Med. + Akk. Pl.)
manuḥ svāyaṃbhuvaḥ svayam
Manu Svāyaṃbhuva selbst (Nom. Sg.)

uśanā bṛhaspatiś caiva yadotpannau bhaviṣyataḥ; tadā pravakṣyataḥ śāstraṃ yuṣmanmatibhir uddhṛtam

Wenn Uśanas und Bṛhaspati einst entstanden sein werden, dann werden sie die Lehre verkünden, die aus euren Gedanken gezogen ist.

Wort für Wort
uśanā bṛhaspatiś caiva
Uśanas und Bṛhaspati (Nom. Sg./Nom. Dual)
yadotpannau bhaviṣyataḥ
wenn die beiden entstanden sein werden (Nom. Dual + 3.Dual.Fut.)
tadā pravakṣyataḥ śāstraṃ
dann werden sie beide die Lehre verkünden (3.Dual.Fut. + Akk. Sg.)
yuṣmanmatibhir uddhṛtam
aus euren Gedanken/Ansichten gezogen (Instr. Pl. + Nom. Sg., Part.)

svāyaṃbhuveṣu dharmeṣu śāstre cośanasā kṛte; bṛhaspatimate caiva lokeṣu pravicārite

Wenn die Dharmas des Svāyaṃbhuva, und die von Uśanas verfasste Lehre, und ebenso die Lehre des Bṛhaspati in den Welten erwogen worden sein werden –

Wort für Wort
svāyaṃbhuveṣu dharmeṣu
in den Dharmas des Svāyaṃbhuva (Lok. Pl.)
śāstre cośanasā kṛte
und in der von Uśanas verfassten Lehre (Lok. Sg. + Instr. + Part.)
bṛhaspatimate caiva
und ebenso in der Lehre des Bṛhaspati (Lok. Sg.)
lokeṣu pravicārite
wenn sie in den Welten erwogen worden sein wird (Lok. Pl. + Lok. Sg., Part.)

Satz setzt sich im folgenden Vers fort.

yuṣmatkṛtam idaṃ śāstraṃ prajāpālo vasus tataḥ; bṛhaspatisakāśād vai prāpsyate dvijasattamāḥ

– dann wird, ihr Besten der Zweifachgeborenen, der Völkerhüter Vasu diese von euch verfasste Lehre von Bṛhaspati erhalten.

Wort für Wort
yuṣmatkṛtam idaṃ śāstraṃ
diese von euch verfasste Lehre (Nom. Sg.)
prajāpālo vasus tataḥ
dann der Völkerhüter Vasu (Nom. Sg.)
bṛhaspatisakāśād vai
von Bṛhaspati her (Abl. Sg.)
prāpsyate dvijasattamāḥ
wird erhalten, ihr Besten der Zweifachgeborenen (3.Sg.Fut.Med. + Vok. Pl.)

sa hi madbhāvito rājā madbhaktaś ca bhaviṣyati; tena śāstreṇa lokeṣu kriyāḥ sarvāḥ kariṣyati

Denn jener König, von mir hervorgebracht und mir ergeben, wird sein; mit jener Lehre wird er alle Handlungen in den Welten vollziehen.

Wort für Wort
sa hi madbhāvito rājā
denn jener König, von mir hervorgebracht (Nom. Sg.)
madbhaktaś ca bhaviṣyati
und wird mir ergeben sein (Nom. Sg. + 3.Sg.Fut.)
tena śāstreṇa lokeṣu
mit jener Lehre in den Welten (Instr. Sg. + Lok. Pl.)
kriyāḥ sarvāḥ kariṣyati
wird er alle Handlungen vollziehen (Akk. Pl. + 3.Sg.Fut.)

etad dhi sarvaśāstrāṇāṃ śāstram uttamasaṃjñitam; etad arthyaṃ ca dharmyaṃ ca yaśasyaṃ caitad uttamam

Denn dies ist von allen Lehren die als höchste bezeichnete Lehre; dies ist nützlich und dharmagemäß, und dies ist ruhmbringend und höchst.

Wort für Wort
etad dhi sarvaśāstrāṇāṃ
denn dies ist von allen Lehren (Gen. Pl.)
śāstram uttamasaṃjñitam
die Lehre, die als höchste bezeichnet wird (Nom. Sg., Adj.)
etad arthyaṃ ca dharmyaṃ ca
dies ist nützlich und dharmagemäß (Nom. Sg. Ntr.)
yaśasyaṃ caitad uttamam
und dies ist ruhmbringend und höchst (Nom. Sg. Ntr.)

asya pravartanāc caiva prajāvanto bhaviṣyatha; sa ca rājā śriyā yukto bhaviṣyati mahān vasuḥ

Durch die Verbreitung dieser Lehre werdet ihr reich an Nachkommenschaft sein; und jener König Vasu wird, mit Glanz ausgestattet, groß werden.

Wort für Wort
asya pravartanāc caiva
durch die Verbreitung dieser (Abl. Sg.)
prajāvanto bhaviṣyatha
werdet ihr reich an Nachkommenschaft sein (Nom. Pl. + 2.Pl.Fut.)
sa ca rājā śriyā yukto
und jener König, mit Glanz ausgestattet (Nom. Sg. + Instr.)
bhaviṣyati mahān vasuḥ
wird groß werden, der König Vasu (3.Sg.Fut. + Nom. Sg.)

saṃsthite tu nṛpe tasmiñ śāstram etat sanātanam; antardhāsyati tat satyam etad vaḥ kathitaṃ mayā

Wenn aber jener König verschieden ist, wird diese ewige Lehre verschwinden. Das ist wahr, dies ist euch von mir gesagt.“

Wort für Wort
saṃsthite tu nṛpe tasmiñ
wenn aber jener König verschieden ist (Lok. Sg., Absolutiv)
śāstram etat sanātanam
diese ewige Lehre (Nom. Sg.)
antardhāsyati tat satyam
wird sie verschwinden – das ist wahr (3.Sg.Fut. + Nom. Sg.)
etad vaḥ kathitaṃ mayā
dies ist euch von mir gesagt (Nom. Sg. + Dat. Pl. + Instr.)

Ende der wörtlichen Rede Nārāyaṇas (Beginn in Vers 43).

etāvad uktvā vacanam adṛśyaḥ puruṣottamaḥ; visṛjya tān ṛṣīn sarvān kām api prasthito diśam

Nachdem er so viel gesprochen hatte, entließ der unsichtbare Puruṣottama jene Ṛṣis alle und brach in irgendeine Richtung auf.

Wort für Wort
etāvad uktvā vacanam
nachdem er so viel dieses Wort gesagt hatte (Absolutiv + Akk. Sg.)
adṛśyaḥ puruṣottamaḥ
der unsichtbare Puruṣottama (Nom. Sg.)
visṛjya tān ṛṣīn sarvān
nachdem er jene Ṛṣis alle entlassen hatte (Absolutiv + Akk. Pl.)
kām api prasthito diśam
brach er in irgendeine Richtung auf (Akk. Sg. + Nom. Sg., Part.)

tatas te lokapitaraḥ sarvalokārthacintakāḥ; prāvartayanta tac chāstraṃ dharmayoniṃ sanātanam

Darauf setzten jene Weltenväter, die um das Wohl aller Welten Bedachten, jene Lehre in Gang – die ewige Quelle des Dharma.

Wort für Wort
tatas te lokapitaraḥ
darauf jene Weltenväter (Nom. Pl.)
sarvalokārthacintakāḥ
die um das Wohl aller Welten Bedachten (Nom. Pl., Adj.)
prāvartayanta tac chāstraṃ
setzten jene Lehre in Gang (3.Pl.Impf.Kaus. + Akk. Sg.)
dharmayoniṃ sanātanam
die ewige Quelle des Dharma (Akk. Sg., Apposition)

utpanne ''ṅgirase caiva yuge prathamakalpite; sāṅgopaniṣadaṃ śāstraṃ sthāpayitvā bṛhaspatau

Als Aṅgiras entstanden war, im zuerst gestalteten Zeitalter, gründeten sie die Lehre samt ihren Gliedern und Upaniṣaden auf Bṛhaspati –

Wort für Wort
utpanne 'ṅgirase caiva
als Aṅgiras entstanden war (Lok. Sg., Absolutiv)
yuge prathamakalpite
im zuerst gestalteten Zeitalter (Lok. Sg.)
sāṅgopaniṣadaṃ śāstraṃ
die Lehre samt ihren Gliedern und Upaniṣaden (Akk. Sg.)
sthāpayitvā bṛhaspatau
nachdem sie sie auf Bṛhaspati gegründet hatten (Absolutiv + Lok. Sg.)

Satz setzt sich im folgenden Vers fort.

jagmur yathepsitaṃ deśaṃ tapase kṛtaniścayāḥ; dhāraṇāt sarvalokānāṃ sarvadharmapravartakāḥ

gingen sie, entschlossen zur Askese, in das Land, das sie sich erwünscht hatten – sie, die Erhalter aller Welten und Verkünder aller Dharmas.

Wort für Wort
jagmur yathepsitaṃ deśaṃ
gingen sie in das erwünschte Land (3.Pl.Perf. + Akk. Sg.)
tapase kṛtaniścayāḥ
zur Askese entschlossen (Dat. Sg. + Nom. Pl., Adj.)
dhāraṇāt sarvalokānāṃ
durch das Erhalten aller Welten (Abl. Sg. + Gen. Pl.)
sarvadharmapravartakāḥ
die Verkünder aller Dharmas (Nom. Pl.)

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