Kapitel 135: dīrghasūtropākhyānam
Die Erzählung von den drei Fischen: der Zauderer und die Klugen
Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira die Fabel von drei Fischen (dem Weitblickenden, dem Gegenwartsgewandten und dem Zauderer) als Lehre über Vorsorge, Geistesgegenwart und das Erkennen von Ort und Zeit.
bhīṣma uvāca; anāgatavidhātā ca pratyutpannamatiś ca yaḥ; dvāv eva sukham edhete dīrghasūtrī vinaśyati
Bhīṣma sprach: „Wer das Kommende vorherbestimmt [d. h. vorsorgt] und wer geistesgegenwärtig ist – diese beiden allein gedeihen im Glück; der Zauderer geht zugrunde.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
anāgatavidhātā ca
und der das Kommende Vorkehrende (Nom.Sg.m.)
pratyutpannamatiḥ ca yaḥ
und wer geistesgegenwärtig ist (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
dvau eva sukham edhete
nur diese beiden gedeihen glücklich (Nom.Du.; 3.Du.Präs.Med.)
dīrghasūtrī vinaśyati
der Zauderer geht zugrunde (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
uddānaṃ kriyamāṇaṃ ca matsyānāṃ vīkṣya rajjubhiḥ; praviśyāntaram anyeṣām agrasat pratipattimān
Als der Gegenwartsgewandte sah, dass für die Fische mit Seilen eine Verschnürung [?] angelegt wurde, drang er zwischen andere hinein und packte [das Seil].
Wort für Wort
uddānaṃ kriyamāṇaṃ ca
und die Verschnürung, die gemacht wurde (Akk.Sg.n.; Part.Pass.Präs.)
matsyānām vīkṣya
für die Fische, sehend (Gen.Pl.; Abs.)
rajjubhiḥ
mit Seilen (Instr.Pl.)
praviśya antaram anyeṣām
hineingehend in die Mitte anderer (Abs.; Akk.Sg.; Gen.Pl.)
agrasat pratipattimān
er packte, der Geistesgegenwärtige (Impf.3.Sg.; Nom.Sg.m.)
uddāna (Verschnürung/Bündelung, wohl Netz- oder Seilschlinge) und agrasat (wörtl. „verschlang“, hier: mit dem Maul packen) sind unsicher.
pṛthivī deśa ity uktaḥ kālaḥ sa ca na dṛśyate; abhipretārthasiddhyarthaṃ nyāyato yac ca tat tathā
Die Erde wird „Ort“ genannt, und die Zeit wird nicht gesehen; [beide dienen] zur Erreichung des erstrebten Ziels, und was rechtmäßig [geschieht], [gilt] ebenso.
Wort für Wort
pṛthivī deśaḥ iti uktaḥ
die Erde wird „Ort“ genannt (Nom.Sg.f.; Part.Pass.)
kālaḥ saḥ ca na dṛśyate
und die Zeit wird nicht gesehen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Pass.)
abhipretārthasiddhyartham
zur Erfüllung des erstrebten Ziels (Akk.Sg.n., Kompositum)
nyāyataḥ yat ca tat tathā
und was rechtmäßig ist, das [gilt] ebenso (Adv.; Pron.)
Der zweite Halbvers ist knapp und syntaktisch unsicher [?].
Diese beiden sind in den Lehrbüchern über Dharma und Artha und in den Lehrbüchern über Erlösung von den Sehern als die vorrangigen bezeichnet worden, [und] von den Menschen als kāmeśa-gebilligt [?].
Wort für Wort
etau dharmārthaśāstreṣu
diese beiden in den Lehrschriften über Dharma und Artha (Nom.Du.; Lok.Pl.)
mokṣaśāstreṣu ca ṛṣibhiḥ
und in den Erlösungslehren von den Sehern (Lok.Pl.; Instr.Pl.)
pradhānau iti nirdiṣṭau
als die vorrangigen bezeichnet (Nom.Du.m.; Part.Pass.)
kāmeśābhimatau
kāmeśa-gebilligt [?] (Nom.Du.m., Kompositum)
nṛṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
kāmeśābhimatau ist unsicher; vielleicht „vom Herrn/Gebieter des Begehrens gebilligt“ oder „im Begehren maßgeblich“.
parīkṣyakārī yuktas tu samyak samupapādayet; deśakālāv abhipretau tābhyāṃ phalam avāpnuyāt
Wer wohlüberlegt handelt und gesammelt ist, soll [alles] richtig ausführen; [beachtet er] Ort und Zeit als das Erstrebte, so würde er durch beide Frucht erlangen.
Wort für Wort
parīkṣyakārī yuktaḥ tu
der wohlüberlegt Handelnde und Gesammelte aber (Nom.Sg.m.)
samyak samupapādayet
er soll richtig ausführen (Adv.; Opt.3.Sg., Kaus.)
deśakālau abhipretau
Ort und Zeit als erstrebte/maßgebliche (Nom./Akk.Du.m.; Part.Pass.)
tābhyāṃ phalam avāpnuyāt
durch beide möge er Frucht erlangen (Instr.Du.; Opt.3.Sg.)