Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 135: dīrghasūtropākhyānam Die Erzählung von den drei Fischen: der Zauderer und die Klugen

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira die Fabel von drei Fischen (dem Weitblickenden, dem Gegenwartsgewandten und dem Zauderer) als Lehre über Vorsorge, Geistesgegenwart und das Erkennen von Ort und Zeit.

bhīṣma uvāca; anāgatavidhātā ca pratyutpannamatiś ca yaḥ; dvāv eva sukham edhete dīrghasūtrī vinaśyati

Bhīṣma sprach: „Wer das Kommende vorherbestimmt [d. h. vorsorgt] und wer geistesgegenwärtig ist – diese beiden allein gedeihen im Glück; der Zauderer geht zugrunde.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg., Perf.3.Sg.)
anāgatavidhātā ca
und der das Kommende Vorkehrende (Nom.Sg.m.)
pratyutpannamatiḥ ca yaḥ
und wer geistesgegenwärtig ist (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)
dvau eva sukham edhete
nur diese beiden gedeihen glücklich (Nom.Du.; 3.Du.Präs.Med.)
dīrghasūtrī vinaśyati
der Zauderer geht zugrunde (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

atraiva cedam avyagraḥ śṛṇvākhyānam anuttamam; dīrghasūtraṃ samāśritya kāryākāryaviniścaye

„Höre hierzu unbeirrt diese unübertreffliche Erzählung, die sich auf den Zauderer stützt, zur Entscheidung über das, was zu tun und nicht zu tun ist.“

Wort für Wort
atra eva ca idam
und gerade hierzu diese (Adv.; Akk.Sg.n.)
avyagraḥ śṛṇu
höre unbeirrt (Nom.Sg.m.; Imp.2.Sg.)
ākhyānam anuttamam
Erzählung, die unübertreffliche (Akk.Sg.n.)
dīrghasūtraṃ samāśritya
den Zauderer zum Gegenstand nehmend (Akk.Sg.; Abs.)
kāryākāryaviniścaye
zur Entscheidung über Zu-Tuendes und Nicht-zu-Tuendes (Lok.Sg., Dvandva-Kompositum)

nātigādhe jalasthāye suhṛdaḥ śakulās trayaḥ; prabhūtamatsye kaunteya babhūvuḥ sahacāriṇaḥ

In einem nicht sehr tiefen Wasserbecken, das reich an Fischen war, lebten, o Sohn der Kuntī, drei befreundete Fische als Gefährten.

Wort für Wort
na atigādhe jalasthāye
in einem nicht zu tiefen Wasserbecken (Lok.Sg.m.)
suhṛdaḥ śakulāḥ trayaḥ
drei befreundete Fische (Nom.Pl.m.)
prabhūtamatsye
fischreich (Lok.Sg., Bahuvrīhi)
kaunteya
o Kaunteya (Vok.Sg.)
babhūvuḥ sahacāriṇaḥ
sie waren Gefährten (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.)

atraikaḥ prāptakālajño dīrghadarśī tathāparaḥ; dīrghasūtraś ca tatraikas trayāṇāṃ jalacāriṇām

Von diesen drei Wasserbewohnern war dort der eine kundig der rechten Zeit, der andere weitblickend, und einer war ein Zauderer.

Wort für Wort
atra ekaḥ
hier/dort der eine (Adv.; Nom.Sg.m.)
prāptakālajñaḥ
der die gekommene Zeit Erkennende (Nom.Sg.m., Tatpuruṣa)
dīrghadarśī tathā aparaḥ
weitblickend, ebenso ein anderer (Nom.Sg.m.)
dīrghasūtraḥ ca tatra ekaḥ
und dort ein Zauderer (Nom.Sg.m.)
trayāṇāṃ jalacāriṇām
von den dreien im Wasser Wandelnden (Gen.Pl.)

kadā cit taj jalasthāyaṃ matsyabandhāḥ samantataḥ; niḥsrāvayām āsur atho nimneṣu vividhair mukhaiḥ

Einst ließen Fischer jenes Wasserbecken ringsum an den tiefer gelegenen Stellen durch mancherlei Öffnungen ablaufen.

Wort für Wort
kadā cit
einmal (Adv.)
tat jalasthāyaṃ
jenes Wasserbecken (Akk.Sg.m.)
matsyabandhāḥ samantataḥ
die Fischer ringsum (Nom.Pl.m.; Adv.)
niḥsrāvayām āsuḥ
ließen abfließen (Perf.3.Pl., Kaus.)
atho nimneṣu vividhaiḥ mukhaiḥ
dann an den Tiefen mit vielfältigen Öffnungen (Lok.Pl.; Instr.Pl.)

prakṣīyamāṇaṃ taṃ buddhvā jalasthāyaṃ bhayāgame; abravīd dīrghadarśī tu tāv ubhau suhṛdau tadā

Als der Weitblickende dieses Wasserbecken schwinden sah, sprach er, da Gefahr nahte, damals zu seinen beiden Freunden.

Wort für Wort
prakṣīyamāṇaṃ taṃ buddhvā
jenes schwindende [Becken] erkennend (Part.Pass.Präs.Akk.; Abs.)
jalasthāyaṃ
das Wasserbecken (Akk.Sg.)
bhayāgame
beim Herannahen der Gefahr (Lok.Sg.)
abravīt dīrghadarśī tu
es sprach aber der Weitblickende (Impf.3.Sg.; Nom.Sg.)
tau ubhau suhṛdau tadā
zu den beiden Freunden damals (Akk.Du.; Adv.)

iyam āpat samutpannā sarveṣāṃ salilaukasām; śīghram anyatra gacchāmaḥ panthā yāvan na duṣyati

„Diese Not ist über alle Wasserbewohner gekommen. Rasch wollen wir anderswohin gehen, solange der Weg noch nicht verdorben ist.“

Wort für Wort
iyam āpat samutpannā
diese Not ist entstanden (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
sarveṣāṃ salilaukasām
für alle im Wasser Hausenden (Gen.Pl.)
śīghram anyatra gacchāmaḥ
rasch anderswohin wollen wir gehen (Adv.; 1.Pl.Konj.)
panthāḥ yāvat na duṣyati
solange der Weg nicht verdorben wird (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)

anāgatam anarthaṃ hi sunayair yaḥ prabādhate; na sa saṃśayam āpnoti rocatāṃ vāṃ vrajāmahe

„Wer nämlich das noch nicht gekommene Unheil durch kluge Maßnahmen abwehrt, gerät nicht in Gefahr. Wenn es euch beiden gefällt, wollen wir gehen.“

Wort für Wort
anāgatam anartham hi
denn das noch nicht gekommene Unheil (Akk.Sg.m.)
sunayaiḥ yaḥ prabādhate
wer es durch gute Maßnahmen abwehrt (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
na saḥ saṃśayam āpnoti
der gerät nicht in Zweifel/Gefahr (3.Sg.Präs.)
rocatām vām
es möge euch beiden gefallen (Imp.3.Sg.Med.; Dat.Du.)
vrajāmahe
wir wollen gehen (1.Pl.Konj.Med.)

dīrghasūtras tu yas tatra so 'bravīt samyag ucyate; na tu kāryā tvarā yāvad iti me niścitā matiḥ

Der Zauderer aber, der dort war, sagte: „Es ist recht gesprochen; doch Eile ist vorerst nicht geboten – so ist mein fester Entschluss.“

Wort für Wort
dīrghasūtraḥ tu yaḥ tatra
der Zauderer aber, der dort [war] (Nom.Sg.m.)
saḥ abravīt
der sagte (Impf.3.Sg.)
samyak ucyate
richtig wird gesprochen (Adv.; 3.Sg.Präs.Pass.)
na tu kāryā tvarā yāvat
doch Eile ist nicht zu machen, vorerst [?] (Nom.Sg.f., Gerundiv)
iti me niścitā matiḥ
so [lautet] mein fester Entschluss (Nom.Sg.f., Part.Pass.)

yāvat hier wohl „vorerst/einstweilen“; der Satzsinn bleibt leicht elliptisch.

atha saṃpratipattijñaḥ prābravīd dīrghadarśinam; prāpte kāle na me kiṃ cin nyāyataḥ parihāsyate

Da sagte der Gegenwartsgewandte zum Weitblickenden: „Wenn die Zeit gekommen ist, wird mir von Rechts wegen nichts entgehen.“

Wort für Wort
atha saṃpratipattijñaḥ
da der die Lage im Augenblick Erkennende (Nom.Sg.m.)
prābravīt dīrghadarśinam
sprach zum Weitblickenden (Impf.3.Sg.; Akk.Sg.)
prāpte kāle
wenn die Zeit gekommen ist (Lok.abs.)
na me kiṃ cit
mir nicht das Geringste (Gen./Dat.Sg.; Pron.)
nyāyataḥ parihāsyate
mit Recht/nach Gebühr wird entgehen (Adv.; 3.Sg.Fut.Pass.)

evam ukto nirākrāmad dīrghadarśī mahāmatiḥ; jagāma srotasaikena gambhīrasalilāśayam

So angesprochen, zog sich der weitblickende, hochverständige [Fisch] zurück und schwamm durch einen einzigen Strom zu einem tiefen Gewässer.

Wort für Wort
evam uktaḥ
so angesprochen (Part.Pass.Nom.Sg.)
nirākrāmat
er zog aus (Impf.3.Sg.)
dīrghadarśī mahāmatiḥ
der Weitblickende, Hochverständige (Nom.Sg.m.)
jagāma srotasā ekena
er ging durch einen einzigen Strom (Perf.3.Sg.; Instr.Sg.)
gambhīrasalilāśayam
zu einem Gewässer tiefen Wassers (Akk.Sg.m., Kompositum)

tataḥ prasrutatoyaṃ taṃ samīkṣya salilāśayam; babandhur vividhair yogair matsyān matsyopajīvinaḥ

Als die vom Fischfang lebenden [Fischer] dann jenes Gewässer, dessen Wasser abgeflossen war, sahen, fingen sie die Fische mit mancherlei Mitteln.

Wort für Wort
tataḥ prasrutatoyaṃ taṃ
dann jenes, dessen Wasser abgeflossen ist (Adv.; Akk.Sg., Bahuvrīhi)
samīkṣya salilāśayam
sehend das Gewässer (Abs.; Akk.Sg.)
babandhuḥ vividhaiḥ yogaiḥ
sie fesselten/fingen mit vielerlei Mitteln (Perf.3.Pl.; Instr.Pl.)
matsyān
die Fische (Akk.Pl.)
matsyopajīvinaḥ
die vom Fisch Lebenden (Nom.Pl.m.)

viloḍyamāne tasmiṃs tu srutatoye jalāśaye; agacchad grahaṇaṃ tatra dīrghasūtraḥ sahāparaiḥ

Als dieses Gewässer, dessen Wasser abgeflossen war, aufgewühlt wurde, geriet der Zauderer dort samt den anderen in Gefangenschaft.

Wort für Wort
viloḍyamāne tasmin tu
als dieses aufgewühlt wurde (Part.Pass.Lok.abs.)
srutatoye jalāśaye
im Gewässer mit abgeflossenem Wasser (Lok.Sg.)
agacchat grahaṇaṃ tatra
er geriet in den Fang dort (Impf.3.Sg.; Akk.Sg.n.)
dīrghasūtraḥ
der Zauderer (Nom.Sg.m.)
saha aparaiḥ
zusammen mit den anderen (Instr.Pl.)

uddānaṃ kriyamāṇaṃ ca matsyānāṃ vīkṣya rajjubhiḥ; praviśyāntaram anyeṣām agrasat pratipattimān

Als der Gegenwartsgewandte sah, dass für die Fische mit Seilen eine Verschnürung [?] angelegt wurde, drang er zwischen andere hinein und packte [das Seil].

Wort für Wort
uddānaṃ kriyamāṇaṃ ca
und die Verschnürung, die gemacht wurde (Akk.Sg.n.; Part.Pass.Präs.)
matsyānām vīkṣya
für die Fische, sehend (Gen.Pl.; Abs.)
rajjubhiḥ
mit Seilen (Instr.Pl.)
praviśya antaram anyeṣām
hineingehend in die Mitte anderer (Abs.; Akk.Sg.; Gen.Pl.)
agrasat pratipattimān
er packte, der Geistesgegenwärtige (Impf.3.Sg.; Nom.Sg.m.)

uddāna (Verschnürung/Bündelung, wohl Netz- oder Seilschlinge) und agrasat (wörtl. „verschlang“, hier: mit dem Maul packen) sind unsicher.

grastam eva tad uddānaṃ gṛhītvāsta tathaiva saḥ; sarvān eva tu tāṃs tatra te vidur grathitā iti

Eben jene gepackte Verschnürung fassend, blieb er ebenso [liegen]; und sie alle dort erkannten: „Sie sind [alle] festgeschnürt.“

Wort für Wort
grastam eva tat uddānaṃ
eben jene gepackte Verschnürung (Part.Pass.Akk.Sg.n.)
gṛhītvā āste tathā eva saḥ
fassend blieb er ebenso (Abs.; 3.Sg.Präs.Med.)
sarvān eva tu tān tatra
alle jene dort (Akk.Pl.m.)
te viduḥ
sie erkannten (Perf.3.Pl.)
grathitāḥ iti
„festgeschnürt“ (Part.Pass.Nom.Pl.; iti)

Satzbau elliptisch; te bezieht sich wohl auf die Fischer, Sinn: Sie hielten alle Fische für bereits verschnürt [?].

tataḥ prakṣālyamāneṣu matsyeṣu vimale jale; tyaktvā rajjuṃ vimukto 'bhūc chīghraṃ saṃpratipattimān

Als dann die Fische in klarem Wasser abgespült wurden, ließ der Gegenwartsgewandte das Seil los und wurde rasch frei.

Wort für Wort
tataḥ prakṣālyamāneṣu matsyeṣu
dann als die Fische abgespült wurden (Lok.abs.; Part.Pass.Präs.)
vimale jale
im klaren Wasser (Lok.Sg.)
tyaktvā rajjum
das Seil lassend (Abs.; Akk.Sg.)
vimuktaḥ abhūt
er wurde befreit (Part.Pass.; Aor.3.Sg.)
śīghraṃ saṃpratipattimān
rasch der Geistesgegenwärtige (Adv.; Nom.Sg.m.)

dīrghasūtras tu mandātmā hīnabuddhir acetanaḥ; maraṇaṃ prāptavān mūḍho yathaivopahatendriyaḥ

Der Zauderer aber, geistesschwach, von geringer Einsicht, ohne Verstand, fand als Tor den Tod, wie einer, dessen Sinne zerstört sind.

Wort für Wort
dīrghasūtraḥ tu mandātmā
der Zauderer aber, schwachen Geistes (Nom.Sg.m.)
hīnabuddhiḥ acetanaḥ
von geringer Einsicht, ohne Bewusstsein (Nom.Sg.m.)
maraṇaṃ prāptavān
er erlangte den Tod (Akk.Sg.n.; Part.Perf.Akt.)
mūḍhaḥ
der Törichte (Nom.Sg.m.)
yathā eva upahatendriyaḥ
gleichwie einer mit zerstörten Sinnen (Nom.Sg.m., Bahuvrīhi)

evaṃ prāptatamaṃ kālaṃ yo mohān nāvabudhyate; sa vinaśyati vai kṣipraṃ dīrghasūtro yathā jhaṣaḥ

So geht, wer die herangekommene Zeit aus Verblendung nicht erkennt, rasch zugrunde, wie der zauderische Fisch.

Wort für Wort
evaṃ prāptatamaṃ kālaṃ
so die ganz nahe gekommene Zeit (Adv.; Akk.Sg.m.)
yaḥ mohāt na avabudhyate
wer aus Verblendung nicht erkennt (Abl.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
saḥ vinaśyati vai kṣipram
der geht wahrlich rasch zugrunde (3.Sg.Präs.; Adv.)
dīrghasūtraḥ yathā jhaṣaḥ
wie der zauderische Fisch (Nom.Sg.m.)

ādau na kurute śreyaḥ kuśalo 'smīti yaḥ pumān; sa saṃśayam avāpnoti yathā saṃpratipattimān

Wer als Mann sich nicht zu Beginn um das Heilsame kümmert, weil er meint: „Ich bin tüchtig“, gerät in Gefahr, wie der Gegenwartsgewandte.

Wort für Wort
ādau na kurute śreyaḥ
zu Beginn tut er das Heilsame nicht (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
kuśalaḥ asmi iti
„ich bin tüchtig“ (Nom.Sg.m.; 1.Sg.Präs.)
yaḥ pumān
welcher Mann (Nom.Sg.m.)
saḥ saṃśayam avāpnoti
der gerät in Gefahr (3.Sg.Präs.)
yathā saṃpratipattimān
wie der Geistesgegenwärtige (Nom.Sg.m.)

anāgatavidhānaṃ tu yo naraḥ kurute kṣamam; śreyaḥ prāpnoti so 'tyarthaṃ dīrghadarśī yathā hy asau

Der Mann aber, der zweckmäßige Vorkehrung für das Kommende trifft, erlangt höchstes Heil, wie jener Weitblickende.

Wort für Wort
anāgatavidhānaṃ tu
Vorkehrung für das Kommende aber (Akk.Sg.n.)
yaḥ naraḥ kurute kṣamam
der Mann, der sie zweckmäßig trifft (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.; Adj.)
śreyaḥ prāpnoti
erlangt Heil (3.Sg.Präs.)
saḥ atyartham
der überaus (Adv.)
dīrghadarśī yathā hi asau
wie eben jener Weitblickende (Nom.Sg.m.)

kalāḥ kāṣṭhā muhūrtāś ca dinā nāḍyaḥ kṣaṇā lavāḥ; pakṣā māsāś ca ṛtavas tulyāḥ saṃvatsarāṇi ca

Kalās, Kāṣṭhās, Muhūrtas, Tage, Nāḍikās, Kṣaṇas, Lavas, Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und Jahre – [sie alle] sind gleichermaßen [Zeiteinheiten].

Wort für Wort
kalāḥ kāṣṭhāḥ muhūrtāḥ ca
Kalās, Kāṣṭhās und Muhūrtas (Nom.Pl.f./m.)
dināḥ nāḍyaḥ
Tage, Nāḍikās (Nom.Pl.)
kṣaṇāḥ lavāḥ
Kṣaṇas, Lavas (Nom.Pl.m.)
pakṣāḥ māsāḥ ca ṛtavaḥ
Halbmonate, Monate und Jahreszeiten (Nom.Pl.)
tulyāḥ saṃvatsarāṇi ca
gleich[wertig] und Jahre (Nom.Pl.m.; Nom.Pl.n.)

Bezug von tulyāḥ unklar; als Aussage über die Gleichrangigkeit der Zeitabschnitte gedeutet [?].

pṛthivī deśa ity uktaḥ kālaḥ sa ca na dṛśyate; abhipretārthasiddhyarthaṃ nyāyato yac ca tat tathā

Die Erde wird „Ort“ genannt, und die Zeit wird nicht gesehen; [beide dienen] zur Erreichung des erstrebten Ziels, und was rechtmäßig [geschieht], [gilt] ebenso.

Wort für Wort
pṛthivī deśaḥ iti uktaḥ
die Erde wird „Ort“ genannt (Nom.Sg.f.; Part.Pass.)
kālaḥ saḥ ca na dṛśyate
und die Zeit wird nicht gesehen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Pass.)
abhipretārthasiddhyartham
zur Erfüllung des erstrebten Ziels (Akk.Sg.n., Kompositum)
nyāyataḥ yat ca tat tathā
und was rechtmäßig ist, das [gilt] ebenso (Adv.; Pron.)

Der zweite Halbvers ist knapp und syntaktisch unsicher [?].

etau dharmārthaśāstreṣu mokṣaśāstreṣu carṣibhiḥ; pradhānāv iti nirdiṣṭau kāmeśābhimatau nṛṇām

Diese beiden sind in den Lehrbüchern über Dharma und Artha und in den Lehrbüchern über Erlösung von den Sehern als die vorrangigen bezeichnet worden, [und] von den Menschen als kāmeśa-gebilligt [?].

Wort für Wort
etau dharmārthaśāstreṣu
diese beiden in den Lehrschriften über Dharma und Artha (Nom.Du.; Lok.Pl.)
mokṣaśāstreṣu ca ṛṣibhiḥ
und in den Erlösungslehren von den Sehern (Lok.Pl.; Instr.Pl.)
pradhānau iti nirdiṣṭau
als die vorrangigen bezeichnet (Nom.Du.m.; Part.Pass.)
kāmeśābhimatau
kāmeśa-gebilligt [?] (Nom.Du.m., Kompositum)
nṛṇām
der Menschen (Gen.Pl.)

kāmeśābhimatau ist unsicher; vielleicht „vom Herrn/Gebieter des Begehrens gebilligt“ oder „im Begehren maßgeblich“.

parīkṣyakārī yuktas tu samyak samupapādayet; deśakālāv abhipretau tābhyāṃ phalam avāpnuyāt

Wer wohlüberlegt handelt und gesammelt ist, soll [alles] richtig ausführen; [beachtet er] Ort und Zeit als das Erstrebte, so würde er durch beide Frucht erlangen.

Wort für Wort
parīkṣyakārī yuktaḥ tu
der wohlüberlegt Handelnde und Gesammelte aber (Nom.Sg.m.)
samyak samupapādayet
er soll richtig ausführen (Adv.; Opt.3.Sg., Kaus.)
deśakālau abhipretau
Ort und Zeit als erstrebte/maßgebliche (Nom./Akk.Du.m.; Part.Pass.)
tābhyāṃ phalam avāpnuyāt
durch beide möge er Frucht erlangen (Instr.Du.; Opt.3.Sg.)

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