Kapitel 101: senāprayāṇavidhi
Regeln für Rüstung, Zeit, Gelände, Aufstellung und Kampfmoral des Heeres
Bhīṣma legt auf Yudhiṣṭhiras Frage die Mittel der Kriegführung (upāyadharma) dar: Ausrüstung, günstige Jahreszeit und Gelände, Aufstellung und Anspornen der Kämpfer.
yudhiṣṭhira uvāca; yathā jayārthinaḥ senāṃ nayanti bharatarṣabha; īṣad dharmaṃ prapīḍyāpi tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Wie führen Siegesbegierige ihr Heer, Stier der Bharatas, [wobei sie] auch die Rechtsnorm ein wenig verletzen? Das sage mir, Großvater.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yathā jayārthinaḥ
wie Siegesbegierige (Nom.Pl.)
senāṃ nayanti
das Heer führen sie (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)
īṣad dharmaṃ prapīḍya api
auch wenn sie die Rechtsnorm ein wenig bedrängen/verletzen (Gerundium)
bhīṣma uvāca; satyena hi sthitā dharmā upapattyā tathāpare; sādhvācāratayā ke cit tathaivaupayikā api; upāyadharmān vakṣyāmi siddhārthān arthadharmayoḥ
Bhīṣma sprach: „Durch Wahrhaftigkeit stehen die [einen] Rechtspflichten fest, andere durch Schlüssigkeit/Angemessenheit, manche durch guten Wandel, wieder andere sind [bloß] zweckdienlich. Ich werde die Mittel-Pflichten darlegen, die den Zweck von Nutzen und Recht vollenden.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
satyena hi sthitā dharmāḥ
denn durch Wahrhaftigkeit stehen die Rechtspflichten fest (Instr./Part.Perf.Pass./Nom.Pl.)
upapattyā tathāpare
durch Schlüssigkeit, so [auch] andere (Instr.Sg./Nom.Pl.)
sādhvācāratayā ke cit
durch rechtschaffenen Wandel manche (Instr.Sg.)
tathaiva aupayikā api
ebenso auch die zweckdienlichen (Nom.Pl.)
upāyadharmān vakṣyāmi
die Mittel-Pflichten werde ich nennen (Akk.Pl./1.Sg.Fut.)
siddhārthān arthadharmayoḥ
die den Zweck vollenden für Nutzen und Recht (Akk.Pl./Gen.Du.)
nirmaryādā dasyavas tu bhavanti paripanthinaḥ; teṣāṃ prativighātārthaṃ pravakṣyāmy atha naigamam; kāryāṇāṃ saṃprasiddhyarthaṃ tān upāyān nibodha me
„Regellose Räuber aber werden zu Wegelagerern. Zu ihrer Abwehr werde ich nun das der Überlieferung Gemäße [?] darlegen. Zum vollen Gelingen der Aufgaben – vernimm diese Mittel von mir.“
Wort für Wort
nirmaryādā dasyavaḥ tu
regellose Räuber aber (Nom.Pl.)
bhavanti paripanthinaḥ
werden zu Wegelagerern (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
teṣāṃ prativighātārtham
zu deren Abwehr (Gen.Pl./Adv.)
pravakṣyāmy atha naigamam
werde ich nun das Überlieferungsgemäße darlegen (1.Sg.Fut./Akk.Sg.)
kāryāṇāṃ saṃprasiddhyartham
zum vollen Gelingen der Aufgaben (Gen.Pl./Adv.)
tān upāyān nibodha me
diese Mittel vernimm von mir (Akk.Pl./Imp.)
naigama ist unsicher (etwa: gemäß der Überlieferung/den Grundtexten).
ubhe prajñe veditavye ṛjvī vakrā ca bhārata; jānan vakrāṃ na seveta pratibādheta cāgatām
„Zwei Arten von Verstand sind zu kennen, Bhārata: die gerade und die krumme. Wer die krumme kennt, soll ihr nicht folgen und die [auf ihn] zukommende abwehren.“
Wort für Wort
ubhe prajñe veditavye
beide Verstandesarten sind zu kennen (Nom.Du./Gerundiv)
ṛjvī vakrā ca bhārata
die gerade und die krumme, Bhārata (Nom.Sg.f./Vok.)
jānan vakrāṃ na seveta
wer die krumme kennt, soll ihr nicht folgen (Part.Präs./Akk./Opt.Med.)
pratibādheta cāgatām
und soll die herangekommene abwehren (Opt.Med./Akk.Sg.f.)
ṛṣṭayas tomarāḥ khaḍgā niśitāś ca paraśvadhāḥ; phalakāny atha carmāṇi pratikalpyāny anekaśaḥ; abhinītāni śastrāṇi yodhāś ca kṛtaniśramāḥ
„Speere, Wurfspieße, Schwerter und geschärfte Äxte, Schilde und Lederschilde – vielfach als Ersatz bereitzuhalten; die Waffen sollen herbeigeschafft und die Krieger [gut] geübt sein.“
Wort für Wort
ṛṣṭayas tomarāḥ khaḍgāḥ
Speere, Wurfspieße, Schwerter (Nom.Pl.)
niśitāś ca paraśvadhāḥ
und geschärfte Äxte (Nom.Pl.)
phalakāny atha carmāṇi
Schilde und Lederschilde (Nom.Pl.n.)
pratikalpyāny anekaśaḥ
als Ersatz bereitzuhalten, vielfach (Gerundiv/Adv.)
abhinītāni śastrāṇi
herbeigebrachte Waffen (Part.Perf.Pass./Nom.Pl.)
yodhāś ca kṛtaniśramāḥ
und Krieger, die sich [darin] gemüht haben, [d.h. geübt] (Nom.Pl.)
„Weder zu kalt noch zu heiß ist die Zeit dann, Bhārata. Deshalb soll man [das Heer] dann einsetzen oder auch bei Notlagen der Feinde. In diesen [Fällen] sind Heereseinsätze beim Bedrängen der Feinde empfohlen.“
Wort für Wort
na eva atiśītaḥ nātyuṣṇaḥ
weder zu kalt noch zu heiß (Nom.Sg.m.)
kālo bhavati bhārata
die Zeit ist, Bhārata (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Vok.)
tasmāt tadā yojayeta
daher soll man dann einsetzen (Abl./Opt.Kaus.)
pareṣāṃ vyasaneṣu vā
oder bei Notlagen der Feinde (Gen.Pl./Lok.Pl.)
eteṣu yogāḥ senāyāḥ
in diesen [Fällen] Einsätze des Heeres (Lok.Pl./Nom.Pl./Gen.Sg.)
praśastāḥ parabādhane
empfohlen beim Bedrängen der Feinde (Part.Pass./Lok.Sg.)
jalavāṃs tṛṇavān mārgaḥ samo gamyaḥ praśasyate; cārair hi vihitābhyāsaḥ kuśalair vanagocaraiḥ
„Ein Weg mit Wasser und Gras, eben und gangbar wird empfohlen; [er soll] durch geschickte, im Wald umherstreifende Kundschafter [bereits] vertraut gemacht sein.“
Wort für Wort
jalavān tṛṇavān mārgaḥ
der Weg mit Wasser, mit Gras (Nom.Sg.)
samo gamyaḥ praśasyate
eben, gangbar, wird empfohlen (Nom.Sg./Gerundiv/3.Sg.Pass.)
cārair hi vihitābhyāsaḥ
durch Kundschafter, [so dass] Vertrautheit hergestellt ist (Instr.Pl./Bahuvrīhi)
kuśalair vanagocaraiḥ
durch geschickte, waldgängige [Kundschafter] (Instr.Pl.)
„Mit [noch] unerschlossenen Wäldern [?] könnte man nicht ziehen wie [mit] Wildherden; deshalb setzen Siegesbegierige [Kundschafter] in allen Heeren ein.“
Wort für Wort
navyāraṇyair na śakyeta
mit unerschlossenen Wäldern [?] wäre nicht möglich (Instr.Pl./Pass.Opt.)
gantuṃ mṛgagaṇair iva
zu ziehen, wie mit Wildherden (Inf./Instr.Pl.)
tasmāt sarvāsu senāsu
deshalb in allen Heeren (Abl./Lok.Pl.)
yojayanti jayārthinaḥ
setzen ein Siegesbegierige (3.Pl.Kaus./Nom.Pl.)
Der Text von 12ab ist unsicher (navyāraṇyair); Wiedergabe tastend.
„Die Sieben Seher im Rücken habend, sollen sie kämpfen, unerschütterlich wie Berge. Nach diesem Verfahren, König, mag man auch schwer Besiegbare besiegen wollen.“
Wort für Wort
saptarṣīn pṛṣṭhataḥ kṛtvā
die Sieben Seher im Rücken habend, [d.h. sie hinter sich lassend] (Akk.Pl./Gerundium)
yudhyeran acalā iva
sollen kämpfen wie Unbewegliche/Berge (Opt.Pl./Nom.Pl.)
anena vidhinā rājan
durch dieses Verfahren, König (Instr.Sg./Vok.)
jigīṣeta api durjayān
man mag zu besiegen trachten auch Schwerbesiegbare (Desid.Opt.Med./Akk.Pl.)
„Wohin der Wind [weht], wohin die Sonne [steht], wohin Śukra [steht], dorthin [fällt] der Sieg; im Zusammenstoß ist jeweils das Frühere davon besser, Yudhiṣṭhira.“
Wort für Wort
yato vāyur yataḥ sūryaḥ
von wo der Wind, von wo die Sonne (Nom.Sg./Adv.)
yataḥ śukras tato jayaḥ
von wo Śukra, von dort der Sieg (Nom./Adv./Nom.)
pūrvaṃ pūrvaṃ jyāyaḥ
das jeweils Frühere ist besser (Nom.Sg.n./Komp.)
eṣāṃ saṃnipāte yudhiṣṭhira
von diesen im Zusammentreffen, Yudhiṣṭhira (Gen.Pl./Lok.Sg./Vok.)
Die Gewichtung (Wind vor Sonne vor Śukra) folgt der Reihenfolge im Vers.
bahudurgā mahāvṛkṣā vetraveṇubhir āstṛtā; padātīnāṃ kṣamā bhūmiḥ parvatopavanāni ca
„Mit vielen unzugänglichen Stellen, großen Bäumen, von Rohr und Bambus bedeckt: [solches] Gelände ist für Fußsoldaten geeignet, auch Berge und Waldgärten.“
Wort für Wort
bahudurgā mahāvṛkṣā
mit vielen Unzugänglichkeiten, mit großen Bäumen (Nom.Sg.f.)
vetraveṇubhir āstṛtā
mit Rohr und Bambus bedeckt (Instr.Pl./Part.Perf.Pass.)
padātīnāṃ kṣamā bhūmiḥ
für Fußsoldaten geeigneter Boden (Gen.Pl./Nom.Sg.f.)
„Schlafende, Durstige, Erschöpfte [und] Zerstreute soll man nicht erschlagen; [ebenso nicht] beim Ausspannen, beim Aufbruch, beim Marsch, zur Zeit des Trinkens und Essens.“
Wort für Wort
prasuptāṃs tṛṣitāñ śrāntān
Schlafende, Durstige, Erschöpfte (Akk.Pl.)
prakīrṇān na abhighātayet
Zerstreute soll man nicht schlagen (Akk.Pl./Opt.Kaus.)
mokṣe prayāṇe calane
beim Ausspannen, beim Aufbruch, beim Marsch (Lok.Sg.)
[Man soll ihnen bei Angriffen nicht nachsetzen:] die Weit-Zerstreuten, die Zersprengten, die Geschlagenen, die Geschwächten; die völlig Vertrauensseligen, die ein Unternehmen Begonnenen, die durch [eine Kriegs-]Aufstellung Erhitzten [?]; nachdem man Aufstellungen [oder: Vorposten] außerhalb [des Lagers] gemacht hat, die dem Hause [dem Lager] Folgenden [?].
Wort für Wort
atikṣiptān vyatikṣiptān
die Weit-Zerstreuten, die Zersprengten (Akk.Pl.m., Part.Pass.)
vihatān pratanūkṛtān
die Geschlagenen, die Geschwächten (Akk.Pl.m.)
suvisrambhān kṛtārambhān
die sehr Vertrauensseligen, die ein Unternehmen Begonnenen (Akk.Pl.m.)
upanyāsapratāpitān
durch die Aufstellung Erhitzten [?] (Akk.Pl.m., Tatpuruṣa)
Vers syntaktisch unklar (Fortsetzung von 101.024: Aufzählung von Gruppen, die man nicht angreifen soll); upanyāsa hier vermutlich ‚Aufstellung/Vorposten‘, Deutung unsicher.
pāraṃparyāgate dvāre ye ke cid anuvartinaḥ; paricaryāvaroddhāro ye ca ke cana valginaḥ
Auch [solche], die in einem durch Überlieferung [der Vorfahren] erlangten Amt [Tor] irgendwie Gefolgsleute sind, die Dienst und Blockade [Bewachung] Leistenden, und die irgendwie Gewandten [?].
Wort für Wort
pāraṃparyāgate dvāre
in der durch Überlieferung/Erbfolge gekommenen Tür/Stellung (Lok.Sg.n.)
ye ke cid anuvartinaḥ
welche auch immer Gefolgsleute [sind] (Nom.Pl.m.)
paricaryāvaroddhāro
Dienst-Absperrer/Wächter (Nom.Pl.m., Tatpuruṣa)
ye ca ke cana valginaḥ
und welche auch immer Gewandte/Springende [?] (Nom.Pl.m.)
Text und Konstruktion unsicher; dvāra vermutlich ‚Zugang, Stellung‘.
anīkaṃ ye prabhindanti bhinnaṃ ye sthagayanti ca; samānāśanapānās te kāryā dviguṇavetanāḥ
Die, welche das [feindliche] Heer zerreißen und die Zerrissenen [wieder] zusammenhalten, die sollen mit gleicher Speise und gleichem Trank [wie die anderen] bedacht und mit doppeltem Sold versehen werden.
Wort für Wort
anīkaṃ ye prabhindanti
die das Heer zerreißen (Akk.Sg.n. / 3.Pl.Präs.)
bhinnaṃ ye sthagayanti ca
und die das Zerrissene verschließen/zusammenhalten (Part./3.Pl.Präs.)
samānāśanapānās te
diese [mit] gleicher Speise und gleichem Trank (Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
kāryā dviguṇavetanāḥ
zu machen zu doppelt Besoldeten (Gerundiv Nom.Pl.m.)
Nach Kenntnis von Abstammung und Geschlecht und von der unübertroffenen, guten Tat [soll man Männer auswählen]; zum Schutz des [eigenen] gleichen Leibes sollen sie mit doppeltem Sold versehen werden; dreifachen und vierfachen Sold soll man ihnen geben.
Wort für Wort
jātigotraṃ ca vijñāya
Stand und Geschlecht erkannt habend (Akk.Sg.n., Abs.)
karma cānuttamaṃ śubham
und die unübertroffene gute Tat (Akk.Sg.n.)
samānadeharakṣārthe
zum Schutz des gleichen Leibes [?] (Lok.Sg.m.)
kāryā dviguṇavetanāḥ
zu machen: doppelt Besoldete (Gerundiv Nom.Pl.m.)
triguṇaṃ caturguṇaṃ caiva
dreifach und vierfach (Akk.Sg.n.)
vetanaṃ teṣu kārayet
Sold bei ihnen soll man bewirken (Opt.Kaus. 3.Sg. / Lok.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzbau im ersten Pāda unvollständig, samānadeharakṣārtha ‚zum Schutz des gleichen Körpers‘ vermutlich ‚wie den eigenen Leib‘ [?].
Man soll Befehlshaber über zehn und ebenso Befehlshaber über hundert einsetzen; über diese soll man einen Befehlshaber über tausend setzen, einen Helden, der unermüdlich ist.
Wort für Wort
daśādhipatayaḥ kāryāḥ
Zehnerführer sind einzusetzen (Nom.Pl.m., Gerundiv)
śatādhipatayas tathā
ebenso Hunderterführer (Nom.Pl.m.)
teṣāṃ sahasrādhipatiṃ
über diese einen Tausenderführer (Gen.Pl. / Akk.Sg.m.)
kuryāc chūram atandritam
man soll machen einen Helden, unermüdlich (Opt.3.Sg. / Akk.Sg.m.)
yathāmukhyaṃ saṃnipātya vaktavyāḥ sma śapāmahe; yathā jayārthaṃ saṃgrāme na jahyāma parasparam
Nachdem man sie nach Rang versammelt hat, sollen sie angesprochen werden: „Wir schwören: Damit wir im Kampf um des Sieges willen einander nicht verlassen [, schwören wir]!“
Wort für Wort
yathāmukhyaṃ saṃnipātya
nach Rang, [sie] versammelt habend (Adv. / Abs.)
vaktavyāḥ sma
sind anzusprechen (Gerundiv Nom.Pl.m., sma)
śapāmahe
wir schwören (1.Pl.Präs.Med.)
yathā jayārthaṃ saṃgrāme
damit um des Sieges willen im Kampf (Konj. / Akk.Adv. / Lok.Sg.)
ihaiva te nivartantāṃ ye naḥ ke cana bhīravaḥ; na ghātayeyuḥ pradaraṃ kurvāṇās tumule sati
„Hier sogleich sollen die umkehren, die von uns irgendwie furchtsam sind; sie sollen im Getümmel [, wenn es dazu kommt,] nicht durch ihren Bruch der Schlachtreihe [uns] zu Tode bringen lassen.“
Wort für Wort
ihaiva te nivartantāṃ
gerade hier sollen sie umkehren (Adv. / Imp.3.Pl.Med.)
ye naḥ ke cana bhīravaḥ
welche von uns auch immer Furchtsame [sind] (Nom.Pl.m.)
na ghātayeyuḥ pradaraṃ
sie sollen nicht töten lassen; den Einbruch/Durchbruch (Opt.Kaus.3.Pl. / Akk.Sg.m.)
kurvāṇās tumule sati
[ihn] bewirkend, wenn Getümmel ist (Part.Med.Nom.Pl.m. / Lok.abs.)
amitrā hṛṣṭamanasaḥ pratyudyānti palāyinam; jayinaṃ suhṛdas tāta vandanair maṅgalena ca
Feinde ziehen dem Fliehenden mit frohem Herzen entgegen; [dem Sieger aber], mein Lieber, ziehen die Freunde entgegen, mit Verehrungen und Segenswünschen.
Wort für Wort
amitrā hṛṣṭamanasaḥ
Feinde mit frohem Sinn (Nom.Pl.m.)
pratyudyānti palāyinam
ziehen entgegen dem Fliehenden (3.Pl.Präs. / Akk.Sg.m.)
jayinaṃ suhṛdas tāta
den Siegreichen [ziehen] Freunde, Lieber (Akk.Sg.m. / Nom.Pl. / Vok.)
vandanair maṅgalena ca
mit Verehrungen und mit Heilsspruch (Instr.Pl. / Instr.Sg.)
Der zweite Pāda ergänzt: jayinam als Objekt zu pratyudyānti gedacht.
Erkennt, dass die Śrī [Glück, Herrlichkeit] die Wurzel des Dharma und alles Glücks ist; sie geht von den Furchtsamen zu den Feinden über, der Held gewinnt sie.
Wort für Wort
śriyaṃ jānīta
die Herrlichkeit erkennt (Akk.Sg.f. / Imp.2.Pl.)
dharmasya mūlaṃ sarvasukhasya ca
des Dharma Wurzel und des ganzen Glücks (Gen.Sg. / Nom.Sg.n.)
sā bhīrūṇāṃ parān yāti
sie geht von den Furchtsamen zu den Anderen/Feinden (Nom.Sg.f. / Gen.Pl. / Akk.Pl. / 3.Sg.Präs.)
śūras tām adhigacchati
der Held erlangt sie (Nom.Sg.m. / Akk.Sg.f. / 3.Sg.Präs.)
So wollen wir, den Himmel begehrend, im Kampf das Leben preisgegeben, ob siegend oder getötet werdend, das Recht haben, den guten Weg [zum guten Ziel] zu erlangen.
Wort für Wort
te vayaṃ svargam icchantaḥ
so wir, den Himmel wünschend (Nom.Pl. / Akk.Sg.m. / Part.Nom.Pl.m.)
saṃgrāme tyaktajīvitāḥ
im Kampf das Leben aufgegeben habend (Lok.Sg.m. / Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
jayanto vadhyamānā vā
siegend oder getötet werdend (Part.Nom.Pl.m.)
prāptum arhāma sadgatim
wir sind würdig zu erlangen den guten Weg (Inf. / 1.Pl.Präs. / Akk.Sg.f.)
pareṣāṃ pratighātārthaṃ padātīnāṃ ca gūhanam; api hy asmin pare gṛddhā bhaveyur ye purogamāḥ
[Dies dient] der Abwehr der Feinde und der Verbergung der Fußsoldaten; denn auf diese [Vorhut] mögen die Feinde, die Vordersten, begierig werden [und sich stürzen].
Wort für Wort
pareṣāṃ pratighātārthaṃ
zur Abwehr der Feinde (Gen.Pl.m. / Akk.Sg.m.)
padātīnāṃ ca gūhanam
und Verbergung der Fußsoldaten (Gen.Pl.m. / Nom.Sg.n.)
api hy asmin pare gṛddhā
denn auf diese hin [mögen] Feinde gierig (Lok.Sg.m. / Nom.Pl.m.)
bhaveyur ye purogamāḥ
sie mögen werden, die Vorangehenden (Opt.3.Pl. / Nom.Pl.m.)
Wenige soll man dicht gedrängt kämpfen lassen, viele mag man nach Belieben ausdehnen; die Schlachtreihe der Wenigen [gegen] Viele soll eine Nadelspitzen-Formation sein.
Wort für Wort
saṃhatān yodhayed alpān
Geschlossene, wenige, soll man kämpfen lassen (Akk.Pl.m. / Opt.Kaus.3.Sg.)
kāmaṃ vistārayed bahūn
nach Belieben soll man ausbreiten viele (Adv. / Opt.Kaus.3.Sg. / Akk.Pl.m.)
sūcīmukham anīkaṃ syād
nadelspitzig [sei] das Heer (Nom.Sg.n. / Opt.3.Sg.)
alpānāṃ bahubhiḥ saha
der Wenigen mit Vielen [zusammen/gegen] (Gen.Pl. / Instr.Pl.)
āgataṃ no mitrabalaṃ praharadhvam abhītavat; śabdavanto 'nudhāveyuḥ kurvanto bhairavaṃ ravam
„Unser Freundesheer ist gekommen; greift furchtlos an!“ [rufen sie]; lärmend sollen sie [den Feinden] nachsetzen und dabei schreckliches Geschrei erheben.
Wort für Wort
āgataṃ no mitrabalaṃ
gekommen ist unser Freundesheer (Part.Nom.Sg.n. / Gen.Pl. / Nom.Sg.n.)
praharadhvam abhītavat
greift an, wie Furchtlose (Imp.2.Pl.Med. / Adv.)
śabdavanto 'nudhāveyuḥ
lärmend sollen sie nachlaufen (Nom.Pl.m. / Opt.3.Pl.)
kṣveḍāḥ kilakilāḥ śaṅkhāḥ krakacā goviṣāṇikān; bherīmṛdaṅgapaṇavān nādayeyuś ca kuñjarān
Kṣveḍa-Rufe, Kilakila-Laute, Muschelhörner, Sägen [?], Kuhhörner, Pauken, Trommeln und Handtrommeln sollen sie ertönen lassen, und ebenso die Elefanten.