Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 101: senāprayāṇavidhi Regeln für Rüstung, Zeit, Gelände, Aufstellung und Kampfmoral des Heeres

Bhīṣma legt auf Yudhiṣṭhiras Frage die Mittel der Kriegführung (upāyadharma) dar: Ausrüstung, günstige Jahreszeit und Gelände, Aufstellung und Anspornen der Kämpfer.

yudhiṣṭhira uvāca; yathā jayārthinaḥ senāṃ nayanti bharatarṣabha; īṣad dharmaṃ prapīḍyāpi tan me brūhi pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie führen Siegesbegierige ihr Heer, Stier der Bharatas, [wobei sie] auch die Rechtsnorm ein wenig verletzen? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
yathā jayārthinaḥ
wie Siegesbegierige (Nom.Pl.)
senāṃ nayanti
das Heer führen sie (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)
īṣad dharmaṃ prapīḍya api
auch wenn sie die Rechtsnorm ein wenig bedrängen/verletzen (Gerundium)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp./Vok.)

bhīṣma uvāca; satyena hi sthitā dharmā upapattyā tathāpare; sādhvācāratayā ke cit tathaivaupayikā api; upāyadharmān vakṣyāmi siddhārthān arthadharmayoḥ

Bhīṣma sprach: „Durch Wahrhaftigkeit stehen die [einen] Rechtspflichten fest, andere durch Schlüssigkeit/Angemessenheit, manche durch guten Wandel, wieder andere sind [bloß] zweckdienlich. Ich werde die Mittel-Pflichten darlegen, die den Zweck von Nutzen und Recht vollenden.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
satyena hi sthitā dharmāḥ
denn durch Wahrhaftigkeit stehen die Rechtspflichten fest (Instr./Part.Perf.Pass./Nom.Pl.)
upapattyā tathāpare
durch Schlüssigkeit, so [auch] andere (Instr.Sg./Nom.Pl.)
sādhvācāratayā ke cit
durch rechtschaffenen Wandel manche (Instr.Sg.)
tathaiva aupayikā api
ebenso auch die zweckdienlichen (Nom.Pl.)
upāyadharmān vakṣyāmi
die Mittel-Pflichten werde ich nennen (Akk.Pl./1.Sg.Fut.)
siddhārthān arthadharmayoḥ
die den Zweck vollenden für Nutzen und Recht (Akk.Pl./Gen.Du.)

nirmaryādā dasyavas tu bhavanti paripanthinaḥ; teṣāṃ prativighātārthaṃ pravakṣyāmy atha naigamam; kāryāṇāṃ saṃprasiddhyarthaṃ tān upāyān nibodha me

„Regellose Räuber aber werden zu Wegelagerern. Zu ihrer Abwehr werde ich nun das der Überlieferung Gemäße [?] darlegen. Zum vollen Gelingen der Aufgaben – vernimm diese Mittel von mir.“

Wort für Wort
nirmaryādā dasyavaḥ tu
regellose Räuber aber (Nom.Pl.)
bhavanti paripanthinaḥ
werden zu Wegelagerern (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
teṣāṃ prativighātārtham
zu deren Abwehr (Gen.Pl./Adv.)
pravakṣyāmy atha naigamam
werde ich nun das Überlieferungsgemäße darlegen (1.Sg.Fut./Akk.Sg.)
kāryāṇāṃ saṃprasiddhyartham
zum vollen Gelingen der Aufgaben (Gen.Pl./Adv.)
tān upāyān nibodha me
diese Mittel vernimm von mir (Akk.Pl./Imp.)

naigama ist unsicher (etwa: gemäß der Überlieferung/den Grundtexten).

ubhe prajñe veditavye ṛjvī vakrā ca bhārata; jānan vakrāṃ na seveta pratibādheta cāgatām

„Zwei Arten von Verstand sind zu kennen, Bhārata: die gerade und die krumme. Wer die krumme kennt, soll ihr nicht folgen und die [auf ihn] zukommende abwehren.“

Wort für Wort
ubhe prajñe veditavye
beide Verstandesarten sind zu kennen (Nom.Du./Gerundiv)
ṛjvī vakrā ca bhārata
die gerade und die krumme, Bhārata (Nom.Sg.f./Vok.)
jānan vakrāṃ na seveta
wer die krumme kennt, soll ihr nicht folgen (Part.Präs./Akk./Opt.Med.)
pratibādheta cāgatām
und soll die herangekommene abwehren (Opt.Med./Akk.Sg.f.)

amitrā eva rājānaṃ bhedenopacaranty uta; tāṃ rājā nikṛtiṃ jānan yathāmitrān prabādhate

„Feinde gehen einem König mit Zwietracht um; diese Arglist erkennend, bedrängt der König die Feinde, wie es [ihnen] gebührt.“

Wort für Wort
amitrā eva rājānam
Feinde eben den König (Nom.Pl./Akk.Sg.)
bhedena upacaranti uta
mit Spaltung gehen sie um, fürwahr (Instr./3.Pl.Präs.)
tāṃ rājā nikṛtiṃ jānan
diese Arglist erkennend, der König (Akk.Sg./Part.Präs./Nom.)
yathāmitrān prabādhate
bedrängt die Feinde gemäß ihrem Verhalten (Akk.Pl./3.Sg.Präs.)

gajānāṃ pārśvacarmāṇi govṛṣājagarāṇi ca; śalyakaṅkaṭalohāni tanutrāṇi matāni ca

„Seitenhäute von Elefanten, Häute von Rindern, Stieren und Riesenschlangen sowie Stacheln, Panzerteile und Eisen gelten als Körperschutz.“

Wort für Wort
gajānāṃ pārśvacarmāṇi
Seitenhäute von Elefanten (Gen.Pl./Nom.Pl.)
govṛṣājagarāṇi ca
und [Häute] von Rindern, Stieren, Riesenschlangen (Kompositum, Nom.Pl.)
śalyakaṅkaṭalohāni
Stacheln, Panzerstücke, Eisen (Dvandva, Nom.Pl.)
tanutrāṇi matāni ca
gelten als Körperschutz (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)

śitapītāni śastrāṇi saṃnāhāḥ pītalohitāḥ; nānārañjanaraktāḥ syuḥ patākāḥ ketavaś ca te

„Geschärfte [und] gelbliche Waffen, gelb-rote Rüstungen; mit vielerlei Farbstoffen gerötet sollen ihre Banner und Feldzeichen sein.“

Wort für Wort
śitapītāni śastrāṇi
geschärfte und gelbe [?] Waffen (Nom.Pl.n.)
saṃnāhāḥ pītalohitāḥ
Rüstungen gelb-rot (Nom.Pl.m.)
nānārañjanaraktāḥ syuḥ
mit vielen Farbstoffen gefärbt sollen sein (Nom.Pl./Opt.)
patākāḥ ketavaś ca te
Banner und Standarten ihre (Nom.Pl./Pron.)

ṛṣṭayas tomarāḥ khaḍgā niśitāś ca paraśvadhāḥ; phalakāny atha carmāṇi pratikalpyāny anekaśaḥ; abhinītāni śastrāṇi yodhāś ca kṛtaniśramāḥ

„Speere, Wurfspieße, Schwerter und geschärfte Äxte, Schilde und Lederschilde – vielfach als Ersatz bereitzuhalten; die Waffen sollen herbeigeschafft und die Krieger [gut] geübt sein.“

Wort für Wort
ṛṣṭayas tomarāḥ khaḍgāḥ
Speere, Wurfspieße, Schwerter (Nom.Pl.)
niśitāś ca paraśvadhāḥ
und geschärfte Äxte (Nom.Pl.)
phalakāny atha carmāṇi
Schilde und Lederschilde (Nom.Pl.n.)
pratikalpyāny anekaśaḥ
als Ersatz bereitzuhalten, vielfach (Gerundiv/Adv.)
abhinītāni śastrāṇi
herbeigebrachte Waffen (Part.Perf.Pass./Nom.Pl.)
yodhāś ca kṛtaniśramāḥ
und Krieger, die sich [darin] gemüht haben, [d.h. geübt] (Nom.Pl.)

caitryāṃ vā mārgaśīrṣyāṃ vā senāyogaḥ praśasyate; pakvasasyā hi pṛthivī bhavaty ambumatī tathā

„Im [Monat] Caitra oder im Mārgaśīrṣa wird der Aufbruch des Heeres empfohlen; denn dann trägt die Erde reifes Korn und ist wasserreich.“

Wort für Wort
caitryāṃ vā mārgaśīrṣyāṃ vā
im Caitra oder im Mārgaśīrṣa (Lok.Sg.f., [Vollmond-/Monatszeit])
senāyogaḥ praśasyate
Heeresaufbruch wird gepriesen (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
pakvasasyā hi pṛthivī
denn die Erde mit reifem Korn (Nom.Sg.f.)
bhavaty ambumatī tathā
wird ebenso wasserreich (3.Sg.Präs./Nom.Sg.f.)

naivātiśīto nātyuṣṇaḥ kālo bhavati bhārata; tasmāt tadā yojayeta pareṣāṃ vyasaneṣu vā; eteṣu yogāḥ senāyāḥ praśastāḥ parabādhane

„Weder zu kalt noch zu heiß ist die Zeit dann, Bhārata. Deshalb soll man [das Heer] dann einsetzen oder auch bei Notlagen der Feinde. In diesen [Fällen] sind Heereseinsätze beim Bedrängen der Feinde empfohlen.“

Wort für Wort
na eva atiśītaḥ nātyuṣṇaḥ
weder zu kalt noch zu heiß (Nom.Sg.m.)
kālo bhavati bhārata
die Zeit ist, Bhārata (Nom.Sg./3.Sg.Präs./Vok.)
tasmāt tadā yojayeta
daher soll man dann einsetzen (Abl./Opt.Kaus.)
pareṣāṃ vyasaneṣu vā
oder bei Notlagen der Feinde (Gen.Pl./Lok.Pl.)
eteṣu yogāḥ senāyāḥ
in diesen [Fällen] Einsätze des Heeres (Lok.Pl./Nom.Pl./Gen.Sg.)
praśastāḥ parabādhane
empfohlen beim Bedrängen der Feinde (Part.Pass./Lok.Sg.)

jalavāṃs tṛṇavān mārgaḥ samo gamyaḥ praśasyate; cārair hi vihitābhyāsaḥ kuśalair vanagocaraiḥ

„Ein Weg mit Wasser und Gras, eben und gangbar wird empfohlen; [er soll] durch geschickte, im Wald umherstreifende Kundschafter [bereits] vertraut gemacht sein.“

Wort für Wort
jalavān tṛṇavān mārgaḥ
der Weg mit Wasser, mit Gras (Nom.Sg.)
samo gamyaḥ praśasyate
eben, gangbar, wird empfohlen (Nom.Sg./Gerundiv/3.Sg.Pass.)
cārair hi vihitābhyāsaḥ
durch Kundschafter, [so dass] Vertrautheit hergestellt ist (Instr.Pl./Bahuvrīhi)
kuśalair vanagocaraiḥ
durch geschickte, waldgängige [Kundschafter] (Instr.Pl.)

navyāraṇyair na śakyeta gantuṃ mṛgagaṇair iva; tasmāt sarvāsu senāsu yojayanti jayārthinaḥ

„Mit [noch] unerschlossenen Wäldern [?] könnte man nicht ziehen wie [mit] Wildherden; deshalb setzen Siegesbegierige [Kundschafter] in allen Heeren ein.“

Wort für Wort
navyāraṇyair na śakyeta
mit unerschlossenen Wäldern [?] wäre nicht möglich (Instr.Pl./Pass.Opt.)
gantuṃ mṛgagaṇair iva
zu ziehen, wie mit Wildherden (Inf./Instr.Pl.)
tasmāt sarvāsu senāsu
deshalb in allen Heeren (Abl./Lok.Pl.)
yojayanti jayārthinaḥ
setzen ein Siegesbegierige (3.Pl.Kaus./Nom.Pl.)

Der Text von 12ab ist unsicher (navyāraṇyair); Wiedergabe tastend.

agrataḥ puruṣānīkaṃ śaktaṃ bhaktaṃ kulodgatam

„Vorn [soll] die Fußtruppe [stehen], tüchtig, ergeben, aus [gutem] Geschlecht stammend.“

Wort für Wort
agrataḥ puruṣānīkam
vorn die Mannschaftstruppe (Adv./Nom.Sg.n.)
śaktaṃ bhaktaṃ kulodgatam
tüchtig, ergeben, aus [edlem] Geschlecht hervorgegangen (Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; ohne Verb überliefert, „soll stehen“ ergänzt.

āvāsas toyavān durgaḥ paryākāśaḥ praśasyate; pareṣām upasarpāṇāṃ pratiṣedhas tathā bhavet

„Ein Lager mit Wasser, unzugänglich [und] mit freiem Umland wird empfohlen; auch soll es Abwehr gegen sich nähernde Feinde geben.“

Wort für Wort
āvāsas toyavān durgaḥ
Lager, wasserreich, schwer zugänglich (Nom.Sg.m.)
paryākāśaḥ praśasyate
mit freiem Raum ringsum, wird empfohlen (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
pareṣām upasarpāṇām
gegen sich nähernde Feinde (Gen.Pl.)
pratiṣedhas tathā bhavet
Abwehr soll ebenso sein (Nom.Sg./Opt.)

ākāśaṃ tu vanābhyāśe manyante guṇavattaram; bahubhir guṇajātais tu ye yuddhakuśalā janāḥ

„Freien Raum nahe am Wald halten diejenigen, die im Kampf Kundigen, wegen vieler Vorzüge für [noch] vorteilhafter.“

Wort für Wort
ākāśaṃ tu vanābhyāśe
freien Raum aber nahe am Wald (Akk.Sg./Lok.Sg.)
manyante guṇavattaram
halten für vorzüglicher (3.Pl.Präs.Med./Akk.Komp.)
bahubhir guṇajātaiḥ tu
durch viele Arten von Vorzügen (Instr.Pl.)
ye yuddhakuśalā janāḥ
die, die kampfkundigen Leute (Nom.Pl.)

upanyāso bhavet tatra balānāṃ nātidūrataḥ

„Dort soll die Aufstellung der Streitkräfte nicht allzu weit entfernt sein.“

Wort für Wort
upanyāso bhavet tatra
die Aufstellung soll dort sein (Nom.Sg./Opt.)
balānām nātidūrataḥ
der Streitkräfte, nicht allzu weit weg (Gen.Pl./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

upanyāso 'pasarpāṇāṃ padātīnāṃ ca gūhanam; atha śatrupratīghātam āpadarthaṃ parāyaṇam

„Aufstellung [gilt] für Rückzüge und zum Verbergen der Fußsoldaten; sodann [dient sie] zur Abwehr des Feindes [und] in der Not als Zuflucht.“

Wort für Wort
upanyāso 'pasarpāṇām
Aufstellung für Rückzüge (Nom.Sg./Gen.Pl.)
padātīnāṃ ca gūhanam
und das Verbergen der Fußsoldaten (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
atha śatrupratīghātam
sodann Abwehr des Feindes (Nom.Sg.n.)
āpadartham parāyaṇam
für den Notfall, Zuflucht (Adv./Nom.Sg.n.)

Syntax von 17cd knapp und leicht unsicher.

saptarṣīn pṛṣṭhataḥ kṛtvā yudhyerann acalā iva; anena vidhinā rājañ jigīṣetāpi durjayān

„Die Sieben Seher im Rücken habend, sollen sie kämpfen, unerschütterlich wie Berge. Nach diesem Verfahren, König, mag man auch schwer Besiegbare besiegen wollen.“

Wort für Wort
saptarṣīn pṛṣṭhataḥ kṛtvā
die Sieben Seher im Rücken habend, [d.h. sie hinter sich lassend] (Akk.Pl./Gerundium)
yudhyeran acalā iva
sollen kämpfen wie Unbewegliche/Berge (Opt.Pl./Nom.Pl.)
anena vidhinā rājan
durch dieses Verfahren, König (Instr.Sg./Vok.)
jigīṣeta api durjayān
man mag zu besiegen trachten auch Schwerbesiegbare (Desid.Opt.Med./Akk.Pl.)

yato vāyur yataḥ sūryo yataḥ śukras tato jayaḥ; pūrvaṃ pūrvaṃ jyāya eṣāṃ saṃnipāte yudhiṣṭhira

„Wohin der Wind [weht], wohin die Sonne [steht], wohin Śukra [steht], dorthin [fällt] der Sieg; im Zusammenstoß ist jeweils das Frühere davon besser, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
yato vāyur yataḥ sūryaḥ
von wo der Wind, von wo die Sonne (Nom.Sg./Adv.)
yataḥ śukras tato jayaḥ
von wo Śukra, von dort der Sieg (Nom./Adv./Nom.)
pūrvaṃ pūrvaṃ jyāyaḥ
das jeweils Frühere ist besser (Nom.Sg.n./Komp.)
eṣāṃ saṃnipāte yudhiṣṭhira
von diesen im Zusammentreffen, Yudhiṣṭhira (Gen.Pl./Lok.Sg./Vok.)

Die Gewichtung (Wind vor Sonne vor Śukra) folgt der Reihenfolge im Vers.

akardamām anudakām amaryādām aloṣṭakām; aśvabhūmiṃ praśaṃsanti ye yuddhakuśalā janāḥ

„Einen Reitgrund ohne Schlamm, ohne Wasser, ohne [feste] Begrenzung [?] und ohne Erdklumpen loben die im Kampf Kundigen.“

Wort für Wort
akardamām anudakām
ohne Schlamm, ohne Wasser (Akk.Sg.f.)
amaryādām aloṣṭakām
ohne Begrenzung [?], ohne Erdklumpen (Akk.Sg.f.)
aśvabhūmiṃ praśaṃsanti
Reitgrund loben sie (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
ye yuddhakuśalā janāḥ
die, die kampfkundigen Leute (Nom.Pl.)

samā nirudakākāśā rathabhūmiḥ praśasyate; nīcadrumā mahākakṣā sodakā hastiyodhinām

„Ebener, wasserloser, freier Grund wird für Wagen empfohlen; mit niedrigen Bäumen, weitem Gestrüpp und Wasser [ist er gut] für Elefantenkämpfer.“

Wort für Wort
samā nirudakākāśā
eben, ohne Wasser, offen (Nom.Sg.f.)
rathabhūmiḥ praśasyate
Wagengelände wird empfohlen (Nom.Sg.f./3.Sg.Pass.)
nīcadrumā mahākakṣā
mit niedrigen Bäumen, mit großem Buschwerk (Nom.Sg.f.)
sodakā hastiyodhinām
mit Wasser, für Elefantenkämpfer (Nom.Sg.f./Gen.Pl.)

bahudurgā mahāvṛkṣā vetraveṇubhir āstṛtā; padātīnāṃ kṣamā bhūmiḥ parvatopavanāni ca

„Mit vielen unzugänglichen Stellen, großen Bäumen, von Rohr und Bambus bedeckt: [solches] Gelände ist für Fußsoldaten geeignet, auch Berge und Waldgärten.“

Wort für Wort
bahudurgā mahāvṛkṣā
mit vielen Unzugänglichkeiten, mit großen Bäumen (Nom.Sg.f.)
vetraveṇubhir āstṛtā
mit Rohr und Bambus bedeckt (Instr.Pl./Part.Perf.Pass.)
padātīnāṃ kṣamā bhūmiḥ
für Fußsoldaten geeigneter Boden (Gen.Pl./Nom.Sg.f.)
parvatopavanāni ca
und Berge und Wäldchen (Nom.Pl.n.)

padātibahulā senā dṛḍhā bhavati bhārata; rathāśvabahulā senā sudineṣu praśasyate

„Ein Heer, reich an Fußvolk, wird fest, Bhārata; ein Heer, reich an Wagen und Rossen, wird bei schönem Wetter empfohlen.“

Wort für Wort
padātibahulā senā
ein an Fußvolk reiches Heer (Nom.Sg.f.)
dṛḍhā bhavati bhārata
wird fest, Bhārata (Nom.Sg.f./3.Sg.Präs./Vok.)
rathāśvabahulā senā
ein an Wagen und Rossen reiches Heer (Nom.Sg.f.)
sudineṣu praśasyate
bei schönen Tagen wird empfohlen (Lok.Pl./3.Sg.Pass.)

padātināgabahulā prāvṛṭkāle praśasyate; guṇān etān prasaṃkhyāya deśakālau prayojayet

„Ein Heer, reich an Fußvolk und Elefanten, wird für die Regenzeit empfohlen. Diese Vorzüge abwägend, soll man Ort und Zeit [entsprechend] einsetzen.“

Wort für Wort
padātināgabahulā
reich an Fußvolk und Elefanten (Nom.Sg.f.)
prāvṛṭkāle praśasyate
in der Regenzeit wird empfohlen (Lok.Sg./3.Sg.Pass.)
guṇān etān prasaṃkhyāya
diese Vorzüge erwägend (Akk.Pl./Gerundium)
deśakālau prayojayet
Ort und Zeit soll man einsetzen (Akk.Du./Opt.Kaus.)

evaṃ saṃcintya yo yāti tithinakṣatrapūjitaḥ; vijayaṃ labhate nityaṃ senāṃ samyak prayojayan

„Wer so überlegt aufbricht, geehrt nach Mondtag und Mondhaus, erlangt stets den Sieg, [wenn er] das Heer richtig einsetzt.“

Wort für Wort
evaṃ saṃcintya yo yāti
wer so erwägend aufbricht (Gerundium/3.Sg.Präs.)
tithinakṣatrapūjitaḥ
geehrt durch Mondtag und Mondhaus [gemäß deren Beachtung] (Nom.Sg.m.)
vijayaṃ labhate nityam
Sieg erlangt er stets (Akk./3.Sg.Präs.Med./Adv.)
senāṃ samyak prayojayan
das Heer richtig einsetzend (Akk./Adv./Part.Kaus.)

prasuptāṃs tṛṣitāñ śrāntān prakīrṇān nābhighātayet; mokṣe prayāṇe calane pānabhojanakālayoḥ

„Schlafende, Durstige, Erschöpfte [und] Zerstreute soll man nicht erschlagen; [ebenso nicht] beim Ausspannen, beim Aufbruch, beim Marsch, zur Zeit des Trinkens und Essens.“

Wort für Wort
prasuptāṃs tṛṣitāñ śrāntān
Schlafende, Durstige, Erschöpfte (Akk.Pl.)
prakīrṇān na abhighātayet
Zerstreute soll man nicht schlagen (Akk.Pl./Opt.Kaus.)
mokṣe prayāṇe calane
beim Ausspannen, beim Aufbruch, beim Marsch (Lok.Sg.)
pānabhojanakālayoḥ
zur Trink- und Essenszeit (Lok.Du.)

atikṣiptān vyatikṣiptān vihatān pratanūkṛtān; suvisrambhān kṛtārambhān upanyāsapratāpitān; bahiścarān upanyāsān kṛtvā veśmānusāriṇaḥ

[Man soll ihnen bei Angriffen nicht nachsetzen:] die Weit-Zerstreuten, die Zersprengten, die Geschlagenen, die Geschwächten; die völlig Vertrauensseligen, die ein Unternehmen Begonnenen, die durch [eine Kriegs-]Aufstellung Erhitzten [?]; nachdem man Aufstellungen [oder: Vorposten] außerhalb [des Lagers] gemacht hat, die dem Hause [dem Lager] Folgenden [?].

Wort für Wort
atikṣiptān vyatikṣiptān
die Weit-Zerstreuten, die Zersprengten (Akk.Pl.m., Part.Pass.)
vihatān pratanūkṛtān
die Geschlagenen, die Geschwächten (Akk.Pl.m.)
suvisrambhān kṛtārambhān
die sehr Vertrauensseligen, die ein Unternehmen Begonnenen (Akk.Pl.m.)
upanyāsapratāpitān
durch die Aufstellung Erhitzten [?] (Akk.Pl.m., Tatpuruṣa)
bahiścarān upanyāsān kṛtvā
draußen Befindliche, Aufstellungen/Vorposten gemacht habend (Akk.Pl. / Abs.)
veśmānusāriṇaḥ
dem Haus Folgende (Nom./Akk.Pl.m.)

Vers syntaktisch unklar (Fortsetzung von 101.024: Aufzählung von Gruppen, die man nicht angreifen soll); upanyāsa hier vermutlich ‚Aufstellung/Vorposten‘, Deutung unsicher.

pāraṃparyāgate dvāre ye ke cid anuvartinaḥ; paricaryāvaroddhāro ye ca ke cana valginaḥ

Auch [solche], die in einem durch Überlieferung [der Vorfahren] erlangten Amt [Tor] irgendwie Gefolgsleute sind, die Dienst und Blockade [Bewachung] Leistenden, und die irgendwie Gewandten [?].

Wort für Wort
pāraṃparyāgate dvāre
in der durch Überlieferung/Erbfolge gekommenen Tür/Stellung (Lok.Sg.n.)
ye ke cid anuvartinaḥ
welche auch immer Gefolgsleute [sind] (Nom.Pl.m.)
paricaryāvaroddhāro
Dienst-Absperrer/Wächter (Nom.Pl.m., Tatpuruṣa)
ye ca ke cana valginaḥ
und welche auch immer Gewandte/Springende [?] (Nom.Pl.m.)

Text und Konstruktion unsicher; dvāra vermutlich ‚Zugang, Stellung‘.

anīkaṃ ye prabhindanti bhinnaṃ ye sthagayanti ca; samānāśanapānās te kāryā dviguṇavetanāḥ

Die, welche das [feindliche] Heer zerreißen und die Zerrissenen [wieder] zusammenhalten, die sollen mit gleicher Speise und gleichem Trank [wie die anderen] bedacht und mit doppeltem Sold versehen werden.

Wort für Wort
anīkaṃ ye prabhindanti
die das Heer zerreißen (Akk.Sg.n. / 3.Pl.Präs.)
bhinnaṃ ye sthagayanti ca
und die das Zerrissene verschließen/zusammenhalten (Part./3.Pl.Präs.)
samānāśanapānās te
diese [mit] gleicher Speise und gleichem Trank (Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
kāryā dviguṇavetanāḥ
zu machen zu doppelt Besoldeten (Gerundiv Nom.Pl.m.)

jātigotraṃ ca vijñāya karma cānuttamaṃ śubham; samānadeharakṣārthe kāryā dviguṇavetanāḥ; triguṇaṃ caturguṇaṃ caiva vetanaṃ teṣu kārayet

Nach Kenntnis von Abstammung und Geschlecht und von der unübertroffenen, guten Tat [soll man Männer auswählen]; zum Schutz des [eigenen] gleichen Leibes sollen sie mit doppeltem Sold versehen werden; dreifachen und vierfachen Sold soll man ihnen geben.

Wort für Wort
jātigotraṃ ca vijñāya
Stand und Geschlecht erkannt habend (Akk.Sg.n., Abs.)
karma cānuttamaṃ śubham
und die unübertroffene gute Tat (Akk.Sg.n.)
samānadeharakṣārthe
zum Schutz des gleichen Leibes [?] (Lok.Sg.m.)
kāryā dviguṇavetanāḥ
zu machen: doppelt Besoldete (Gerundiv Nom.Pl.m.)
triguṇaṃ caturguṇaṃ caiva
dreifach und vierfach (Akk.Sg.n.)
vetanaṃ teṣu kārayet
Sold bei ihnen soll man bewirken (Opt.Kaus. 3.Sg. / Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzbau im ersten Pāda unvollständig, samānadeharakṣārtha ‚zum Schutz des gleichen Körpers‘ vermutlich ‚wie den eigenen Leib‘ [?].

daśādhipatayaḥ kāryāḥ śatādhipatayas tathā; teṣāṃ sahasrādhipatiṃ kuryāc chūram atandritam

Man soll Befehlshaber über zehn und ebenso Befehlshaber über hundert einsetzen; über diese soll man einen Befehlshaber über tausend setzen, einen Helden, der unermüdlich ist.

Wort für Wort
daśādhipatayaḥ kāryāḥ
Zehnerführer sind einzusetzen (Nom.Pl.m., Gerundiv)
śatādhipatayas tathā
ebenso Hunderterführer (Nom.Pl.m.)
teṣāṃ sahasrādhipatiṃ
über diese einen Tausenderführer (Gen.Pl. / Akk.Sg.m.)
kuryāc chūram atandritam
man soll machen einen Helden, unermüdlich (Opt.3.Sg. / Akk.Sg.m.)

yathāmukhyaṃ saṃnipātya vaktavyāḥ sma śapāmahe; yathā jayārthaṃ saṃgrāme na jahyāma parasparam

Nachdem man sie nach Rang versammelt hat, sollen sie angesprochen werden: „Wir schwören: Damit wir im Kampf um des Sieges willen einander nicht verlassen [, schwören wir]!“

Wort für Wort
yathāmukhyaṃ saṃnipātya
nach Rang, [sie] versammelt habend (Adv. / Abs.)
vaktavyāḥ sma
sind anzusprechen (Gerundiv Nom.Pl.m., sma)
śapāmahe
wir schwören (1.Pl.Präs.Med.)
yathā jayārthaṃ saṃgrāme
damit um des Sieges willen im Kampf (Konj. / Akk.Adv. / Lok.Sg.)
na jahyāma parasparam
wir nicht verlassen einander (Opt.1.Pl.Akt.)

ihaiva te nivartantāṃ ye naḥ ke cana bhīravaḥ; na ghātayeyuḥ pradaraṃ kurvāṇās tumule sati

„Hier sogleich sollen die umkehren, die von uns irgendwie furchtsam sind; sie sollen im Getümmel [, wenn es dazu kommt,] nicht durch ihren Bruch der Schlachtreihe [uns] zu Tode bringen lassen.“

Wort für Wort
ihaiva te nivartantāṃ
gerade hier sollen sie umkehren (Adv. / Imp.3.Pl.Med.)
ye naḥ ke cana bhīravaḥ
welche von uns auch immer Furchtsame [sind] (Nom.Pl.m.)
na ghātayeyuḥ pradaraṃ
sie sollen nicht töten lassen; den Einbruch/Durchbruch (Opt.Kaus.3.Pl. / Akk.Sg.m.)
kurvāṇās tumule sati
[ihn] bewirkend, wenn Getümmel ist (Part.Med.Nom.Pl.m. / Lok.abs.)

na saṃnipāte pradaraṃ vadhaṃ vā kuryur īdṛśāḥ

Bei einem Zusammenstoß sollen solche [Männer] weder Einbruch [in die Reihen] noch Tötung bewirken.

Wort für Wort
na saṃnipāte
nicht im Zusammenstoß (Lok.Sg.m.)
pradaraṃ vadhaṃ vā
Durchbruch oder Tötung (Akk.Sg.m.)
kuryur īdṛśāḥ
sollen bewirken solche (Opt.3.Pl. / Nom.Pl.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; vadhaṃ vā ‚oder Tötung‘ nur locker angebunden.

ātmānaṃ ca svapakṣaṃ ca palāyan hanti saṃyuge; dravyanāśo vadho 'kīrtir ayaśaś ca palāyane

Wer im Kampf flieht, tötet sich selbst und die eigene Partei; Verlust des Besitzes, Tötung, Schande und Unruhm [treffen] bei der Flucht [ihn].

Wort für Wort
ātmānaṃ ca svapakṣaṃ ca
sich selbst und die eigene Partei (Akk.Sg.m. / Akk.Sg.m.)
palāyan hanti saṃyuge
fliehend, tötet er im Kampf (Part.Nom.Sg.m. / 3.Sg.Präs. / Lok.Sg.m.)
dravyanāśo vadho 'kīrtir
Verlust des Besitzes, Tötung, Schande (Nom.Sg.m.)
ayaśaś ca palāyane
und Unruhm bei der Flucht (Nom.Sg.n. / Lok.Sg.n.)

amanojñāsukhā vācaḥ puruṣasya palāyataḥ; pratispandauṣṭhadantasya nyastasarvāyudhasya ca

Unangenehme, unfreundliche Worte [hört] der Mann, der flieht, dessen Lippen und Zähne zucken und der alle Waffen niedergelegt hat.

Wort für Wort
amanojñāsukhā vācaḥ
unangenehme, nicht freudebringende Worte (Nom.Pl.f.)
puruṣasya palāyataḥ
des Mannes, der flieht (Gen.Sg.m., Part.)
pratispandauṣṭhadantasya
dessen Lippen und Zähne zucken (Gen.Sg.m., Bahuvrīhi)
nyastasarvāyudhasya ca
und der alle Waffen niedergelegt hat (Gen.Sg.m., Bahuvrīhi)

Prädikat fehlt; ‚hört‘ ergänzt.

hitvā palāyamānasya sahāyān prāṇasaṃśaye; amitrair anubaddhasya dviṣatām astu nas tathā

So [Übles] soll unseren Feinden geschehen: [einem Mann,] der, seine Gefährten in Lebensgefahr verlassend, flieht und von Feinden verfolgt wird.

Wort für Wort
hitvā palāyamānasya
verlassen habend, des Fliehenden (Abs. / Gen.Sg.m.)
sahāyān prāṇasaṃśaye
die Gefährten in Lebensgefahr (Akk.Pl.m. / Lok.Sg.m.)
amitrair anubaddhasya
der von Feinden Verfolgten (Instr.Pl. / Gen.Sg.m., Part.Pass.)
dviṣatām astu nas tathā
den Feinden von uns sei es so (Gen.Pl. / Imp.3.Sg. / Gen.Pl.)

Syntax etwas locker; dviṣatām astu nas tathā ‚so sei es [bei] unseren Feinden‘.

manuṣyāpasadā hy ete ye bhavanti parāṅmukhāḥ; rāśivardhanamātrās te naiva te pretya no iha

Denn diese, die sich abwenden, sind Auswurf der Menschen, nur Mehrer der [Kopf-]Zahl; sie [gelten] weder im Jenseits noch hier.

Wort für Wort
manuṣyāpasadā hy ete
denn diese Abschaum/Auswurf der Menschen (Nom.Pl.m.)
ye bhavanti parāṅmukhāḥ
welche abgewandten Gesichts sind (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.m.)
rāśivardhanamātrās te
nur Mehrer der Menge, sie (Nom.Pl.m.)
naiva te pretya no iha
weder gelten sie im Jenseits noch hier (Adv.)

rāśivardhanamātra wörtlich ‚nur Häufung der Menge Mehrende‘; ‚Mehrer der Zahl‘ sinngemäß.

amitrā hṛṣṭamanasaḥ pratyudyānti palāyinam; jayinaṃ suhṛdas tāta vandanair maṅgalena ca

Feinde ziehen dem Fliehenden mit frohem Herzen entgegen; [dem Sieger aber], mein Lieber, ziehen die Freunde entgegen, mit Verehrungen und Segenswünschen.

Wort für Wort
amitrā hṛṣṭamanasaḥ
Feinde mit frohem Sinn (Nom.Pl.m.)
pratyudyānti palāyinam
ziehen entgegen dem Fliehenden (3.Pl.Präs. / Akk.Sg.m.)
jayinaṃ suhṛdas tāta
den Siegreichen [ziehen] Freunde, Lieber (Akk.Sg.m. / Nom.Pl. / Vok.)
vandanair maṅgalena ca
mit Verehrungen und mit Heilsspruch (Instr.Pl. / Instr.Sg.)

Der zweite Pāda ergänzt: jayinam als Objekt zu pratyudyānti gedacht.

yasya sma vyasane rājann anumodanti śatravaḥ; tad asahyataraṃ duḥkham ahaṃ manye vadhād api

Wessen Unglück, König, die Feinde Beifall zollen, dieses Leid halte ich für unerträglicher als den Tod.

Wort für Wort
yasya sma vyasane rājann
dessen wahrlich im Unglück, König (Gen.Sg. / Lok.Sg. / Vok.)
anumodanti śatravaḥ
stimmen freudig zu die Feinde (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.m.)
tad asahyataraṃ duḥkham
dieses unerträglichere Leid (Nom.Sg.n., Komp.)
ahaṃ manye vadhād api
ich halte, als selbst die Tötung (1.Sg.Präs. / Abl.Sg.m.)

śriyaṃ jānīta dharmasya mūlaṃ sarvasukhasya ca; sā bhīrūṇāṃ parān yāti śūras tām adhigacchati

Erkennt, dass die Śrī [Glück, Herrlichkeit] die Wurzel des Dharma und alles Glücks ist; sie geht von den Furchtsamen zu den Feinden über, der Held gewinnt sie.

Wort für Wort
śriyaṃ jānīta
die Herrlichkeit erkennt (Akk.Sg.f. / Imp.2.Pl.)
dharmasya mūlaṃ sarvasukhasya ca
des Dharma Wurzel und des ganzen Glücks (Gen.Sg. / Nom.Sg.n.)
sā bhīrūṇāṃ parān yāti
sie geht von den Furchtsamen zu den Anderen/Feinden (Nom.Sg.f. / Gen.Pl. / Akk.Pl. / 3.Sg.Präs.)
śūras tām adhigacchati
der Held erlangt sie (Nom.Sg.m. / Akk.Sg.f. / 3.Sg.Präs.)

te vayaṃ svargam icchantaḥ saṃgrāme tyaktajīvitāḥ; jayanto vadhyamānā vā prāptum arhāma sadgatim

So wollen wir, den Himmel begehrend, im Kampf das Leben preisgegeben, ob siegend oder getötet werdend, das Recht haben, den guten Weg [zum guten Ziel] zu erlangen.

Wort für Wort
te vayaṃ svargam icchantaḥ
so wir, den Himmel wünschend (Nom.Pl. / Akk.Sg.m. / Part.Nom.Pl.m.)
saṃgrāme tyaktajīvitāḥ
im Kampf das Leben aufgegeben habend (Lok.Sg.m. / Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
jayanto vadhyamānā vā
siegend oder getötet werdend (Part.Nom.Pl.m.)
prāptum arhāma sadgatim
wir sind würdig zu erlangen den guten Weg (Inf. / 1.Pl.Präs. / Akk.Sg.f.)

evaṃ saṃśaptaśapathāḥ samabhityaktajīvitāḥ; amitravāhinīṃ vīrāḥ saṃpragāhanty abhīravaḥ

So, nachdem sie ihre Eide geschworen und das Leben ganz preisgegeben haben, dringen die furchtlosen Helden in das Heer der Feinde ein.

Wort für Wort
evaṃ saṃśaptaśapathāḥ
so, Eide geschworen habend (Adv. / Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
samabhityaktajīvitāḥ
das Leben ganz aufgegeben habend (Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
amitravāhinīṃ vīrāḥ
das Feindesheer, die Helden (Akk.Sg.f. / Nom.Pl.m.)
saṃpragāhanty abhīravaḥ
dringen tief ein, furchtlos (3.Pl.Präs. / Nom.Pl.m.)

agrataḥ puruṣānīkam asicarmavatāṃ bhavet; pṛṣṭhataḥ śakaṭānīkaṃ kalatraṃ madhyatas tathā

Vorn soll die Fußtruppe [Männerheer] der Schwert- und Schildträger sein, hinten die Wagenburg [Wagenheer], und in der Mitte ebenso die Frauen.

Wort für Wort
agrataḥ puruṣānīkam
vorn das Männerheer (Adv. / Nom.Sg.n.)
asicarmavatāṃ bhavet
der Schwert- und Schildträger sei es (Gen.Pl.m. / Opt.3.Sg.)
pṛṣṭhataḥ śakaṭānīkaṃ
hinten das Karrenheer (Adv. / Nom.Sg.n.)
kalatraṃ madhyatas tathā
die Frauen, in der Mitte ebenso (Nom.Sg.n. / Adv.)

śakaṭānīkam ‚Karrenheer/Wagenburg‘; kalatra ‚Frauen, Gattinnen‘ (der Tross).

pareṣāṃ pratighātārthaṃ padātīnāṃ ca gūhanam; api hy asmin pare gṛddhā bhaveyur ye purogamāḥ

[Dies dient] der Abwehr der Feinde und der Verbergung der Fußsoldaten; denn auf diese [Vorhut] mögen die Feinde, die Vordersten, begierig werden [und sich stürzen].

Wort für Wort
pareṣāṃ pratighātārthaṃ
zur Abwehr der Feinde (Gen.Pl.m. / Akk.Sg.m.)
padātīnāṃ ca gūhanam
und Verbergung der Fußsoldaten (Gen.Pl.m. / Nom.Sg.n.)
api hy asmin pare gṛddhā
denn auf diese hin [mögen] Feinde gierig (Lok.Sg.m. / Nom.Pl.m.)
bhaveyur ye purogamāḥ
sie mögen werden, die Vorangehenden (Opt.3.Pl. / Nom.Pl.m.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; Deutung [?].

ye purastād abhimatāḥ sattvavanto manasvinaḥ; te pūrvam abhivarteraṃs tān anvag itare janāḥ

Die, welche vorn als angesehen gelten, die Mutigen und Beherzten, sollen zuerst vorrücken; ihnen sollen die anderen Leute folgen.

Wort für Wort
ye purastād abhimatāḥ
die vorn Angesehenen (Nom.Pl.m., Part.Pass.)
sattvavanto manasvinaḥ
mutig, beherzt (Nom.Pl.m.)
te pūrvam abhivarteraṃs
diese sollen zuerst vorrücken (Opt.3.Pl.Med.)
tān anvag itare janāḥ
ihnen folgend die anderen Leute (Akk.Pl. / Nom.Pl.m.)

api coddharṣaṇaṃ kāryaṃ bhīrūṇām api yatnataḥ; skandhadarśanamātraṃ tu tiṣṭheyur vā samīpataḥ

Auch sollen die Furchtsamen mit Eifer ermutigt werden; doch mögen sie nur so weit als Schulterblick sichtbar sein [?] oder in der Nähe stehen.

Wort für Wort
api coddharṣaṇaṃ kāryaṃ
auch Ermutigung ist zu bewirken (Nom.Sg.n., Gerundiv)
bhīrūṇām api yatnataḥ
der Furchtsamen sogar, mit Mühe (Gen.Pl. / Abl.Adv.)
skandhadarśanamātraṃ tu
nur Schulter-Sichtbarkeit [?] jedoch (Akk.Sg.n. / Adv.)
tiṣṭheyur vā samīpataḥ
sie sollen stehen oder in der Nähe (Opt.3.Pl. / Adv.)

skandhadarśanamātra unsicher: vermutlich ‚nur so weit, dass man die Schultern [der Vorderen] sieht‘ oder ‚nur zur Schau‘.

saṃhatān yodhayed alpān kāmaṃ vistārayed bahūn; sūcīmukham anīkaṃ syād alpānāṃ bahubhiḥ saha

Wenige soll man dicht gedrängt kämpfen lassen, viele mag man nach Belieben ausdehnen; die Schlachtreihe der Wenigen [gegen] Viele soll eine Nadelspitzen-Formation sein.

Wort für Wort
saṃhatān yodhayed alpān
Geschlossene, wenige, soll man kämpfen lassen (Akk.Pl.m. / Opt.Kaus.3.Sg.)
kāmaṃ vistārayed bahūn
nach Belieben soll man ausbreiten viele (Adv. / Opt.Kaus.3.Sg. / Akk.Pl.m.)
sūcīmukham anīkaṃ syād
nadelspitzig [sei] das Heer (Nom.Sg.n. / Opt.3.Sg.)
alpānāṃ bahubhiḥ saha
der Wenigen mit Vielen [zusammen/gegen] (Gen.Pl. / Instr.Pl.)

saṃprayuddhe prahṛṣṭe vā satyaṃ vā yadi vānṛtam; pragṛhya bāhūn krośeta bhagnā bhagnāḥ parā iti

Im Kampfgewühl oder in der Freude, ob wahr oder falsch, soll man mit erhobenen Armen rufen: „Die Feinde sind zerschlagen, zerschlagen!“

Wort für Wort
saṃprayuddhe prahṛṣṭe vā
im Zusammenkampf oder in Freude (Lok.Sg.n. / Part.Lok.)
satyaṃ vā yadi vānṛtam
sei es wahr oder unwahr (Adv.)
pragṛhya bāhūn krośeta
die Arme erhoben habend, soll man rufen (Abs. / Akk.Pl.m. / Opt.3.Sg.Med.)
bhagnā bhagnāḥ parā iti
zerschlagen, zerschlagen [sind] die Feinde, so (Nom.Pl.m. / Nom.Pl.m. / iti)

āgataṃ no mitrabalaṃ praharadhvam abhītavat; śabdavanto 'nudhāveyuḥ kurvanto bhairavaṃ ravam

„Unser Freundesheer ist gekommen; greift furchtlos an!“ [rufen sie]; lärmend sollen sie [den Feinden] nachsetzen und dabei schreckliches Geschrei erheben.

Wort für Wort
āgataṃ no mitrabalaṃ
gekommen ist unser Freundesheer (Part.Nom.Sg.n. / Gen.Pl. / Nom.Sg.n.)
praharadhvam abhītavat
greift an, wie Furchtlose (Imp.2.Pl.Med. / Adv.)
śabdavanto 'nudhāveyuḥ
lärmend sollen sie nachlaufen (Nom.Pl.m. / Opt.3.Pl.)
kurvanto bhairavaṃ ravam
erhebend schreckliches Geschrei (Part.Nom.Pl.m. / Akk.Sg.m.)

kṣveḍāḥ kilakilāḥ śaṅkhāḥ krakacā goviṣāṇikān; bherīmṛdaṅgapaṇavān nādayeyuś ca kuñjarān

Kṣveḍa-Rufe, Kilakila-Laute, Muschelhörner, Sägen [?], Kuhhörner, Pauken, Trommeln und Handtrommeln sollen sie ertönen lassen, und ebenso die Elefanten.

Wort für Wort
kṣveḍāḥ kilakilāḥ śaṅkhāḥ
Kriegsgeschrei, Kilakila-Rufe, Muscheln (Nom./Akk.Pl.m.)
krakacā goviṣāṇikān
Sägen [?], Kuhhörner (Akk.Pl.m.)
bherīmṛdaṅgapaṇavān
Pauken, Trommeln, Handtrommeln (Akk.Pl.m., Dvandva)
nādayeyuś ca kuñjarān
sie sollen ertönen lassen und die Elefanten (Opt.Kaus.3.Pl. / Akk.Pl.m.)

krakacā ‚Sägen‘ als Lärminstrument unsicher [?]; ‚Elefanten‘ als Objekt von nādayeyuḥ: Elefanten zum Trompeten bringen.

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