Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 141: lubdhakakapotopākhyānārambhaḥ Der Vogelfänger im Unwetter sucht Zuflucht unter einem Baum

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Schutz Zufluchtsuchender erzählt Bhīṣma die von Bhārgava dem Mucukunda berichtete Geschichte von Taube und Vogelfänger. Das Kapitel schildert den verstoßenen Vogelfänger und seine Not in einem Unwetter.

yudhiṣṭhira uvāca; pitāmaha mahāprājña sarvaśāstraviśārada; śaraṇaṃ pālayānasya yo dharmas taṃ vadasva me

Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, du Hochweiser, in allen Lehrwerken Bewanderter, sage mir, welches die Pflicht dessen ist, der einen Schutzsuchenden schützt.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
pitāmaha mahāprājña
Großvater, Hochweiser (Vok.)
sarvaśāstraviśārada
in allen Lehrwerken Bewanderter (Vok.)
śaraṇaṃ pālayānasya
dessen, der Schutz gewährt / den Schutzsuchenden schützt (Gen.Sg.Part.Med.)
yo dharmas
welche Pflicht (Nom.Sg.)
taṃ vadasva me
diese sage mir (Imp.Med.2.Sg.)

bhīṣma uvāca; mahān dharmo mahārāja śaraṇāgatapālane; arhaḥ praṣṭuṃ bhavāṃś caiva praśnaṃ bharatasattama

Bhīṣma sprach: „Groß ist die Pflicht, o großer König, beim Schützen des Zufluchtgekommenen; und du, Bester der Bharatas, bist würdig, danach zu fragen.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
mahān dharmo mahārāja
groß ist die Pflicht, großer König (Nom./Vok.)
śaraṇāgatapālane
im Schützen der Zufluchtgekommenen (Lok.Sg.)
arhaḥ praṣṭum bhavān
würdig zu fragen, du (Nom.Sg./Inf.)
ca eva praśnaṃ
und gewiss die Frage (Akk.Sg.)
bharatasattama
Bester der Bharatas (Vok.)

nṛgaprabhṛtayo rājan rājānaḥ śaraṇāgatān; paripālya mahārāja saṃsiddhiṃ paramāṃ gatāḥ

Nṛga und andere Könige, o König, haben Zufluchtgekommene beschützt, o großer König, und so die höchste Vollendung erlangt.

Wort für Wort
nṛgaprabhṛtayo rājan
Nṛga und andere, König (Nom.Pl./Vok.)
rājānaḥ
Könige (Nom.Pl.)
śaraṇāgatān paripālya
Zufluchtgekommene beschützt habend (Akk.Pl./Abs.)
mahārāja
großer König (Vok.)
saṃsiddhiṃ paramāṃ
höchste Vollendung (Akk.Sg.)
gatāḥ
sind gegangen / erlangten (Part.Perf.Pass. Nom.Pl.)

śrūyate hi kapotena śatruḥ śaraṇam āgataḥ; pūjitaś ca yathānyāyaṃ svaiś ca māṃsair nimantritaḥ

Denn man hört, dass von einer Taube ein zu ihr als Zuflucht gekommener Feind gebührend geehrt und mit ihrem eigenen Fleisch bewirtet wurde.

Wort für Wort
śrūyate hi
man hört ja (Präs.Pass.3.Sg.)
kapotena
von einer Taube (Instr.Sg.)
śatruḥ śaraṇam āgataḥ
der Feind, als Zuflucht gekommen (Nom.Sg./Akk./Part.)
pūjitaś ca yathānyāyaṃ
und geehrt nach Gebühr (Part.Pass./Adv.)
svaiś ca māṃsair
und mit eigenem Fleisch (Instr.Pl.)
nimantritaḥ
eingeladen / bewirtet (Part.Pass. Nom.Sg.)

yudhiṣṭhira uvāca; kathaṃ kapotena purā śatruḥ śaraṇam āgataḥ; svamāṃsair bhojitaḥ kāṃ ca gatiṃ lebhe sa bhārata

Yudhiṣṭhira sprach: „Wie kam einst ein Feind zu einer Taube als Zuflucht, und welches Ziel erlangte er, der mit ihrem eigenen Fleisch gespeist wurde, o Bhārata?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
katham kapotena purā
wie von einer Taube einst (Adv./Instr.Sg.)
śatruḥ śaraṇam āgataḥ
kam der Feind als Zuflucht (Nom.Sg./Part.)
svamāṃsair bhojitaḥ
mit eigenem Fleisch gespeist (Instr.Pl./Part.Pass.)
kāṃ ca gatiṃ lebhe sa
und welches Ziel erlangte er (Akk.Sg./Perf.Med.3.Sg.)
bhārata
Bhārata (Vok.)

bhīṣma uvāca; śṛṇu rājan kathāṃ divyāṃ sarvapāpapraṇāśinīm; nṛpater mucukundasya kathitāṃ bhārgaveṇa ha

Bhīṣma sprach: „Höre, König, die göttliche, alle Sünden vertilgende Erzählung, die dem König Mucukunda von Bhārgava erzählt wurde.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
śṛṇu rājan
höre, König (Imp.2.Sg./Vok.)
kathāṃ divyāṃ
göttliche Erzählung (Akk.Sg.f.)
sarvapāpapraṇāśinīm
alle Sünden vernichtende (Akk.Sg.f.)
nṛpater mucukundasya
dem König Mucukunda (Gen. statt Dat.)
kathitāṃ bhārgaveṇa ha
erzählt von Bhārgava (Part.Pass./Instr.)

imam arthaṃ purā pārtha mucukundo narādhipaḥ; bhārgavaṃ paripapraccha praṇato bharatarṣabha

Um diese Sache befragte einst, o Pārtha, der Menschenherrscher Mucukunda den Bhārgava, ehrerbietig verneigt, o Stier der Bharatas.

Wort für Wort
imam artham purā pārtha
diese Sache einst, Pārtha (Akk.Sg./Adv./Vok.)
mucukundo narādhipaḥ
Mucukunda, der Menschenherrscher (Nom.Sg.)
bhārgavaṃ
den Bhārgava (Akk.Sg.)
paripapraccha
fragte (Perf.3.Sg.)
praṇato
verneigt (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)

tasmai śuśrūṣamāṇāya bhārgavo 'kathayat kathām; iyaṃ yathā kapotena siddhiḥ prāptā narādhipa

Ihm, der zuhören wollte, erzählte Bhārgava die Geschichte, wie diese Taube, o Menschenherrscher, die Vollendung erlangte.

Wort für Wort
tasmai śuśrūṣamāṇāya
ihm, der zuhören wollte (Dat.Sg./Part.Des.)
bhārgavo 'kathayat
Bhārgava erzählte (Impf.3.Sg.)
kathām iyaṃ
die Geschichte, diese (Akk.Sg.)
yathā kapotena
wie von der Taube (Instr.Sg.)
siddhiḥ prāptā
Vollendung erlangt wurde (Nom.Sg.f./Part.Pass.)
narādhipa
Menschenherrscher (Vok.)

dharmaniścayasaṃyuktāṃ kāmārthasahitāṃ kathām; śṛṇuṣvāvahito rājan gadato me mahābhuja

Höre aufmerksam, König, du Starkarmiger, die Geschichte, die ich erzähle, verbunden mit Entscheidung über die Pflicht und begleitet von Lust und Nutzen.

Wort für Wort
dharmaniścayasaṃyuktāṃ
mit Pflichtentscheidung verbunden (Akk.Sg.f.)
kāmārthasahitāṃ
mit Lust und Nutzen versehen (Akk.Sg.f.)
kathāṃ
Geschichte (Akk.Sg.)
śṛṇuṣvāvahito rājan
höre aufmerksam, König (Imp.Med./Part./Vok.)
gadato me
während ich spreche (Gen.Sg.Part.)
mahābhuja
Starkarmiger (Vok.)

kaś cit kṣudrasamācāraḥ pṛthivyāṃ kālasaṃmataḥ; cacāra pṛthivīṃ pāpo ghoraḥ śakunilubdhakaḥ

Irgendein Vogelfänger von niedrigem Verhalten, von der Zeit [d. h. den Umständen?] gebilligt, ein Böser, Grausamer, wanderte über die Erde.

Wort für Wort
kaś cit kṣudrasamācāraḥ
irgendeiner, niedrig im Verhalten (Nom.Sg.)
pṛthivyāṃ
auf der Erde (Lok.Sg.)
kālasaṃmataḥ
von der Zeit gebilligt [?] (Nom.Sg.Part.Pass.)
cacāra pṛthivīṃ
wanderte über die Erde (Perf.3.Sg./Akk.)
pāpo ghoraḥ
böse, grausam (Nom.Sg.)
śakunilubdhakaḥ
Vogelfänger (Nom.Sg.)

kālasaṃmataḥ unklar: wörtlich „von der Zeit anerkannt / von der Zeit gebilligt“ (etwa: dem Geschick entsprechend); daher unsicher.

kākola iva kṛṣṇāṅgo rūkṣaḥ pāpasamāhitaḥ; yavamadhyaḥ kṛśagrīvo hrasvapādo mahāhanuḥ

Dunkel am Körper wie ein Rabe, rau, auf Böses bedacht, in der Mitte schmal wie ein Gerstenkorn, mit dünnem Hals, kurzen Füßen und großem Kinn.

Wort für Wort
kākola iva kṛṣṇāṅgo
wie ein Rabe schwarzgliedrig (Nom.Sg.)
rūkṣaḥ
rau (Nom.Sg.)
pāpasamāhitaḥ
aufs Böse gerichtet (Nom.Sg.)
yavamadhyaḥ
gerstenkornförmig in der Mitte (Nom.Sg.)
kṛśagrīvo hrasvapādaḥ
dünnhalsig, kurzfüßig (Nom.Sg.)
mahāhanuḥ
großkinnig (Nom.Sg.)

naiva tasya suhṛt kaś cin na saṃbandhī na bāndhavaḥ; sa hi taiḥ saṃparityaktas tena ghoreṇa karmaṇā

Er hatte keinen Freund, keinen Verschwägerten, keinen Verwandten; denn er war wegen dieses grausamen Tuns von ihnen verlassen worden.

Wort für Wort
naiva tasya suhṛt kaś cin
nicht war ihm irgendein Freund (Nom.Sg.)
na saṃbandhī na bāndhavaḥ
kein Verschwägerter, kein Verwandter (Nom.Sg.)
sa hi taiḥ
denn er von ihnen (Nom./Instr.Pl.)
saṃparityaktas
verlassen (Part.Pass.)
tena ghoreṇa karmaṇā
wegen dieses grausamen Tuns (Instr.Sg.)

naraḥ pāpasamācāras tyaktavyo dūrato budhaiḥ; ātmānaṃ yo 'bhisaṃdhatte so 'nyasya syāt kathaṃ hitaḥ; ye nṛśaṃsā durātmānaḥ prāṇiprāṇaharā narāḥ; udvejanīyā bhūtānāṃ vyālā iva bhavanti te

Ein Mensch von bösem Verhalten ist von den Weisen von fern zu meiden; wer sich selbst betrügt, wie könnte der einem anderen nützlich sein? Die grausamen, schlechtgesinnten Männer, die Lebewesen das Leben rauben, sind den Wesen Schrecken erregend wie Raubtiere [oder: Schlangen].

Wort für Wort
naraḥ pāpasamācāras
ein Mensch von bösem Verhalten (Nom.Sg.)
tyaktavyo dūrato budhaiḥ
ist zu meiden von fern durch Weise (Gerundiv/Instr.Pl.)
ātmānaṃ yo 'bhisaṃdhatte
wer sich selbst betrügt (Akk./Präs.Med.3.Sg.)
so 'nyasya syāt kathaṃ hitaḥ
wie könnte der einem anderen nützlich sein (Pot.3.Sg./Nom.)
ye nṛśaṃsā durātmānaḥ
die grausamen Schlechtgesinnten (Nom.Pl.)
prāṇiprāṇaharā narāḥ
Lebewesen das Leben nehmende Männer (Nom.Pl.)
udvejanīyā bhūtānāṃ
Schrecken erregend für die Wesen (Nom.Pl.Gerundiv/Gen.Pl.)
vyālā iva bhavanti te
wie Raubtiere sind sie (Präs.3.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; vyāla kann „Raubtier“ oder „Schlange“ bedeuten.

sa vai kṣārakam ādāya dvijān hatvā vane sadā; cakāra vikrayaṃ teṣāṃ pataṃgānāṃ narādhipa

Er nahm einen Leim [oder: eine Schlinge?] und tötete stets im Wald Zweimalgeborene [Vögel] und trieb Handel mit ihnen, den Vögeln, o Menschenherrscher.

Wort für Wort
sa vai kṣārakam ādāya
er nahm ein kṣāraka [Fangmittel?] (Nom./Akk./Abs.)
dvijān hatvā vane sadā
Zweimalgeborene [Vögel] tötend im Wald stets (Akk.Pl./Abs./Lok.)
cakāra vikrayaṃ teṣāṃ
trieb Verkauf von ihnen (Perf.3.Sg./Akk./Gen.Pl.)
pataṃgānāṃ narādhipa
der Vögel, Menschenherrscher (Gen.Pl./Vok.)

kṣāraka: wörtlich „Ätzendes, Alkalisches“; hier wohl Fangmittel (Vogelleim) oder Netz; unsicher.

evaṃ tu vartamānasya tasya vṛttiṃ durātmanaḥ; agamat sumahān kālo na cādharmam abudhyata

Als er so seinen Lebensunterhalt betrieb, der Schlechtgesinnte, verging eine sehr lange Zeit, und er erkannte das Unrecht nicht.

Wort für Wort
evaṃ tu vartamānasya
so aber sich verhaltend (Gen.Sg.Part.)
tasya vṛttiṃ durātmanaḥ
dessen Lebensweise, des Schlechtgesinnten (Gen./Akk./Gen.)
agamat sumahān kālo
verging sehr große Zeit (Impf.3.Sg./Nom.)
na cādharmam abudhyata
und nicht erkannte er das Unrecht (Impf.Med.3.Sg.)

tasya bhāryāsahāyasya ramamāṇasya śāśvatam; daivayogavimūḍhasya nānyā vṛttir arocata

Er, dessen Gefährtin seine Frau war, der sich stets vergnügte, durch das Schicksal verblendet, dem gefiel keine andere Lebensweise.

Wort für Wort
tasya bhāryāsahāyasya
dessen, die Frau als Gefährtin hat (Gen.Sg.)
ramamāṇasya śāśvatam
der sich vergnügte immerfort (Gen.Sg.Part./Adv.)
daivayogavimūḍhasya
durch Fügung des Schicksals verblendet (Gen.Sg.)
nānyā vṛttir arocata
keine andere Lebensweise gefiel (Impf.Med.3.Sg.)

tataḥ kadā cit tasyātha vanasthasya samudgataḥ; pātayann iva vṛkṣāṃs tān sumahān vātasaṃbhramaḥ

Dann, irgendwann, als er im Wald weilte, erhob sich ein sehr gewaltiger Wirbelsturm, als wolle er jene Bäume niederstürzen.

Wort für Wort
tataḥ kadā cit
dann irgendwann (Adv.)
tasyātha vanasthasya
als er nun im Wald weilte (Gen.Sg.)
samudgataḥ
erhob sich (Part.Pass. Nom.Sg.)
pātayann iva vṛkṣāṃs tān
wie Bäume jene niederwerfend (Part./Akk.Pl.)
sumahān vātasaṃbhramaḥ
sehr großer Windwirbel (Nom.Sg.)

meghasaṃkulam ākāśaṃ vidyunmaṇḍalamaṇḍitam; saṃchannaṃ sumuhūrtena nausthāneneva sāgaraḥ

Der Himmel, von Wolken erfüllt, mit Blitzkreisen geschmückt, wurde in kurzer Zeit bedeckt, wie das Meer durch einen Schiffsplatz [oder: durch Schiffe].

Wort für Wort
meghasaṃkulam ākāśaṃ
wolkengefüllt der Himmel (Nom./Akk.Sg.)
vidyunmaṇḍalamaṇḍitam
mit Blitzkreisen geschmückt (Nom.Sg.Part.)
saṃchannaṃ sumuhūrtena
bedeckt in kurzer Zeit (Part.Pass./Instr.)
nausthāneneva sāgaraḥ
wie das Meer durch Schiffsstand [?] (Instr./Nom.)

nausthānena: Vergleich unklar; möglicherweise „wie das Meer von Schiffen bedeckt“.

vāridhārāsamūhaiś ca saṃprahṛṣṭaḥ śatakratuḥ; kṣaṇena pūrayām āsa salilena vasuṃdharām

Und mit Scharen von Regenströmen, hocherfreut, füllte Śatakratu [Indra] in einem Augenblick die Erde mit Wasser.

Wort für Wort
vāridhārāsamūhaiś ca
und mit Massen von Wasserströmen (Instr.Pl.)
saṃprahṛṣṭaḥ
hocherfreut (Nom.Sg.Part.)
śatakratuḥ
Śatakratu [Indra] (Nom.Sg.)
kṣaṇena pūrayām āsa
in einem Augenblick füllte (Instr./Perf.periphr.)
salilena vasuṃdharām
mit Wasser die Erde (Instr./Akk.)

tato dhārākule loke saṃbhraman naṣṭacetanaḥ; śītārtas tad vanaṃ sarvam ākulenāntarātmanā

Dann irrte er, während die Welt von Strömen erfüllt war, verwirrt und seiner Sinne beraubt, von Kälte gequält, durch jenen ganzen Wald, mit aufgewühltem Inneren.

Wort für Wort
tato dhārākule loke
dann in der von Regenströmen erfüllten Welt (Lok.abs.)
saṃbhraman naṣṭacetanaḥ
umherirrend, bewusstlos geworden (Part./Nom.Sg.)
śītārtas
von Kälte gequält (Nom.Sg.)
tad vanaṃ sarvam
jenen ganzen Wald (Akk.Sg.)
ākulenāntarātmanā
mit verstörtem Inneren (Instr.Sg.)

naiva nimnaṃ sthalaṃ vāpi so 'vindata vihaṃgahā; pūrito hi jalaughena mārgas tasya vanasya vai

Weder eine Senke noch festen Boden fand er, der Vogelmörder; denn der Weg jenes Waldes war von Wasserfluten erfüllt.

Wort für Wort
naiva nimnaṃ sthalaṃ vāpi
weder Niederung noch Hochland (Akk.Sg.)
so 'vindata
er fand (Impf.Med.3.Sg.)
vihaṃgahā
Vogelmörder (Nom.Sg.)
pūrito hi jalaughena
denn erfüllt von Wasserfluten (Part.Pass./Instr.)
mārgas tasya vanasya vai
der Weg jenes Waldes (Nom./Gen.)

pakṣiṇo vātavegena hatā līnās tadābhavan; mṛgāḥ siṃhā varāhāś ca sthalāny āśritya tasthire

Die Vögel, vom Sturmstoß getroffen, waren damals verkrochen; Rehe, Löwen und Eber suchten festen Boden auf und blieben dort.

Wort für Wort
pakṣiṇo vātavegena
die Vögel durch die Windgewalt (Nom.Pl./Instr.)
hatā līnās tadābhavan
getroffen, verkrochen waren sie da (Part.Pass./Impf.)
mṛgāḥ siṃhā varāhāś ca
Wild, Löwen und Eber (Nom.Pl.)
sthalāny āśritya
festen Boden aufsuchend (Akk.Pl./Abs.)
tasthire
blieben (Perf.Med.3.Pl.)

mahatā vātavarṣeṇa trāsitās te vanaukasaḥ; bhayārtāś ca kṣudhārtāś ca babhramuḥ sahitā vane

Vom gewaltigen Sturm mit Regen geängstigt, irrten jene Waldbewohner, von Furcht und Hunger gequält, gemeinsam im Wald umher.

Wort für Wort
mahatā vātavarṣeṇa
durch großen Sturm mit Regen (Instr.Sg.)
trāsitās te vanaukasaḥ
geängstigt jene Waldbewohner (Part.Pass./Nom.Pl.)
bhayārtāś ca kṣudhārtāś ca
von Furcht und Hunger gequält (Nom.Pl.)
babhramuḥ sahitā vane
irrten zusammen im Wald (Perf.3.Pl./Nom.Pl./Lok.)

sa tu śītahatair gātrair jagāmaiva na tasthivān

Er aber ging mit von der Kälte getroffenen Gliedern nur weiter und blieb nicht stehen.

Wort für Wort
sa tu
er aber (Nom.Sg.)
śītahatair gātrair
mit von Kälte getroffenen Gliedern (Instr.Pl.)
jagāmaiva
ging eben (Perf.3.Sg.)
na tasthivān
blieb nicht stehen (Part.Perf.Akt. Nom.Sg.)

dadarśa patitāṃ bhūmau kapotīṃ śītavihvalām; dṛṣṭvārto 'pi hi pāpātmā sa tāṃ pañjarake 'kṣipat; svayaṃ duḥkhābhibhūto 'pi duḥkham evākarot pare; pāpātmā pāpakāritvāt pāpam eva cakāra saḥ

Er sah eine auf die Erde gefallene, von der Kälte gelähmte Taube. Obwohl selbst bedrängt, als er sie sah, sperrte der Böse sie in einen Käfig. Selbst von Leid überwältigt, tat er anderen doch nur Leid an; der Böse tat, weil er Böses zu tun pflegte, nur Böses.

Wort für Wort
dadarśa patitāṃ bhūmau
sah, gefallen zur Erde (Perf.3.Sg./Akk.Sg.f./Lok.)
kapotīṃ śītavihvalām
eine Taubenhenne, von Kälte gelähmt (Akk.Sg.f.)
dṛṣṭvārto 'pi hi pāpātmā
obwohl bedrängt, gesehen habend, der Böse (Abs./Nom.Sg.)
sa tāṃ pañjarake 'kṣipat
er sie in den Käfig warf (Impf.3.Sg./Lok.)
svayaṃ duḥkhābhibhūto 'pi
selbst von Leid überwältigt (Nom.Sg.)
duḥkham evākarot pare
nur Leid tat er anderen an (Impf.3.Sg./Lok.)
pāpātmā pāpakāritvāt
der Böse, aus Gewohnheit Böses zu tun (Nom./Abl.)
pāpam eva cakāra saḥ
nur Böses tat er (Perf.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.

so 'paśyad vanaṣaṇḍeṣu meghanīlaṃ vanaspatim

Er erblickte in den Waldgruppen einen wolkendunklen Baum.

Wort für Wort
so 'paśyat
er sah (Impf.3.Sg.)
vanaṣaṇḍeṣu
in den Waldgruppen (Lok.Pl.)
meghanīlaṃ
wolkendunkel (Akk.Sg.)
vanaspatim
Baum (Akk.Sg.)

sevyamānaṃ vihaṃgaughaiś chāyāvāsaphalārthibhiḥ; dhātrā paropakārāya sa sādhur iva nirmitaḥ; athābhavat kṣaṇenaiva viyad vimalatārakam; mahat sara ivotphullaṃ kumudacchuritodakam

Er wurde von Scharen von Vögeln aufgesucht, die Schatten, Wohnung und Früchte wünschten; vom Schöpfer zum Wohl anderer war er wie ein Guter erschaffen. Da wurde in einem Augenblick der Himmel klar, mit reinen Sternen, wie ein großer, aufgeblühter See, dessen Wasser von Lotosblumen [kumuda] bedeckt ist.

Wort für Wort
sevyamānaṃ vihaṃgaughaiḥ
aufgesucht von Vogelscharen (Part.Pass./Instr.Pl.)
chāyāvāsaphalārthibhiḥ
die Schatten, Wohnung, Früchte wollen (Instr.Pl.)
dhātrā paropakārāya
vom Schöpfer zum Nutzen anderer (Instr./Dat.)
sa sādhur iva nirmitaḥ
er wie ein Guter geschaffen (Part.Pass.)
athābhavat kṣaṇenaiva viyad vimalatārakam
da wurde in einem Augenblick der Himmel sternenrein (Impf./Nom.)
mahat sara ivotphullaṃ
wie ein großer aufgeblühter See (Nom.Sg.)
kumudacchuritodakam
wasserbedeckt mit Kumuda-Lotos (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe.

tārāḍhyaṃ kumudākāram ākāśaṃ nirmalaṃ ca ha; meghair muktaṃ nabho dṛṣṭvā lubdhakaḥ śītavihvalaḥ

Als der Vogelfänger den sternenreichen, kumudaartigen, reinen Himmel sah, von Wolken frei, war er noch von der Kälte gelähmt.

Wort für Wort
tārāḍhyaṃ
sternenreich (Akk.Sg.)
kumudākāram ākāśaṃ
kumudagleich der Himmel (Akk.Sg.)
nirmalaṃ ca ha
und rein (Akk.Sg.)
meghair muktaṃ nabho dṛṣṭvā
von Wolken befreit den Himmel gesehen habend (Instr./Akk./Abs.)
lubdhakaḥ śītavihvalaḥ
der Jäger, von Kälte gelähmt (Nom.Sg.)

diśo 'valokayām āsa velāṃ caiva durātmavān; dūre grāmaniveśaś ca tasmād deśād iti prabho; kṛtabuddhir vane tasmin vastuṃ tāṃ rajanīṃ tadā

Der Schlechte blickte in die Himmelsrichtungen und auf die Zeit; ein Dorf lag fern von jener Gegend, o Herr. Er beschloss, in jenem Wald die Nacht zu verbringen.

Wort für Wort
diśo 'valokayām āsa
blickte in die Richtungen (Akk.Pl./Perf.periphr.)
velāṃ caiva durātmavān
und auf die Zeit, der Schlechte (Akk./Nom.)
dūre grāmaniveśaś ca
und fern die Dorfsiedlung (Nom.Sg.)
tasmād deśād iti prabho
von jenem Ort aus, so, Herr (Abl./Vok.)
kṛtabuddhir vane tasmin
Entschluss gefasst habend, in jenem Wald (Nom.Sg./Lok.)
vastuṃ tāṃ rajanīṃ tadā
zu weilen jene Nacht dann (Inf./Akk.)

so 'ñjaliṃ prayataḥ kṛtvā vākyam āha vanaspatim; śaraṇaṃ yāmi yāny asmin daivatānīha bhārata

Er legte gesammelt die Hände zusammen und sprach zum Baum: „Zu den Gottheiten, die in diesem [Baum] hier wohnen, gehe ich als Zuflucht, o Bhārata.“

Wort für Wort
so 'ñjaliṃ prayataḥ kṛtvā
er, gesammelt, die Hände gefaltet habend (Nom./Akk./Abs.)
vākyam āha vanaspatim
sprach ein Wort zum Baum (Perf.3.Sg./Akk.)
śaraṇaṃ yāmi
zur Zuflucht gehe ich (Präs.1.Sg.)
yāny asmin daivatāni
welche Gottheiten in diesem (Nom.Pl.n./Lok.)
iha bhārata
hier, Bhārata (Adv./Vok.)

„o Bhārata“ hier als Anrede an den Zuhörer in der Erzählung (Erzählerrede).

sa śilāyāṃ śiraḥ kṛtvā parṇāny āstīrya bhūtale; duḥkhena mahatāviṣṭas tataḥ suṣvāpa pakṣihā

Er legte den Kopf auf einen Stein, breitete Blätter auf dem Boden aus, von großem Leid ergriffen, und schlief dann ein, der Vogeltöter.

Wort für Wort
sa śilāyāṃ śiraḥ kṛtvā
er, den Kopf auf einen Stein gelegt habend (Lok./Akk./Abs.)
parṇāny āstīrya bhūtale
Blätter ausgebreitet auf dem Boden (Akk.Pl./Abs./Lok.)
duḥkhena mahatāviṣṭas
von großem Leid erfüllt (Instr./Part.Pass.)
tataḥ suṣvāpa
dann schlief er ein (Perf.3.Sg.)
pakṣihā
Vogeltöter (Nom.Sg.)

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