Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 262: brāhmaṇadharmopadeśaḥ Kapila belehrt Syūmaraśmi über Veda, Brahmanen-Dharma und Erkenntnis

Kapila legt dar, dass die Veden Maßstab sind, und schildert den alten vierfüßigen Dharma der Brahmanen; auf Syūmaraśmis Fragen nach dem Vorrang von Genießen, Opfern und Verzicht antwortet er mit Tugendreihen, Erkenntnis und Verzicht als Ziel.

kapila uvāca; vedāḥ pramāṇaṃ lokānāṃ na vedāḥ pṛṣṭhataḥkṛtāḥ; dve brahmaṇī veditavye śabdabrahma paraṃ ca yat; śabdabrahmaṇi niṣṇātaḥ paraṃ brahmādhigacchati

Kapila sprach: „Die Veden sind das Erkenntnismaß der Welten; die Veden sind nicht in den Rücken gestellt [d. h. missachtet] worden. Zwei Brahman sind zu erkennen: das Wort-Brahman und das, was das Höchste ist. Wer im Wort-Brahman bewandert ist, gelangt zum höchsten Brahman.“

Wort für Wort
kapila uvāca
Kapila sprach (Perf.)
vedāḥ pramāṇaṃ lokānāṃ
die Veden [sind] das Erkenntnismaß der Welten (Nom.Pl./Nom.Sg./Gen.Pl.)
na vedāḥ pṛṣṭhataḥ kṛtāḥ
die Veden sind nicht in den Rücken gestellt (Nom.Pl., Part.Pass.)
dve brahmaṇī veditavye
zwei Brahman sind zu erkennen (Nom.Du., Gerundiv)
śabdabrahma paraṃ ca yat
das Wort-Brahman und das, was das Höchste ist (Nom.Sg.n.)
śabdabrahmaṇi niṣṇātaḥ
im Wort-Brahman bewandert (Lok.Sg., Part.Pass.)
paraṃ brahma adhigacchati
erreicht das höchste Brahman (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.)

śarīram etat kurute yad vede kurute tanum; kṛtaśuddhaśarīro hi pātraṃ bhavati brāhmaṇaḥ

„Diesen Körper bildet er, was er im Veda als Leib bildet [?]; wer seinen Körper geläutert hat, wird nämlich zu einem [würdigen] Gefäß, der Brahmane.“

Wort für Wort
śarīram etat kurute
diesen Körper macht/bildet er (Akk.Sg., 3.Sg.Med.Präs.)
yad vede kurute tanum
was er im Veda als Leib/Gestalt macht (Rel., Lok.Sg., Akk.Sg.)
kṛtaśuddhaśarīraḥ hi
wer seinen Körper geläutert hat, ja (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
pātraṃ bhavati
wird zum Gefäß/würdigen Empfänger (Nom.Sg.n., 3.Sg.Präs.)
brāhmaṇaḥ
der Brahmane (Nom.Sg.)

Erste Hälfte syntaktisch dunkel (yad ... kurute tanum); Wiedergabe unsicher.

ānantyam anuyuṅkte yaḥ karmaṇā tad bravīmi te; nirāgamam anaitihyaṃ pratyakṣaṃ lokasākṣikam

„Wer nach Unendlichkeit durch Handeln trachtet – darüber spreche ich zu dir: [Es ist] ohne Schriftüberlieferung, ohne [bloße] Tradition, unmittelbar wahrnehmbar, die Welt als Zeugin.“

Wort für Wort
ānantyam anuyuṅkte yaḥ
wer die Unendlichkeit erstrebt/verfolgt (Akk.Sg., 3.Sg.Med.Präs., Rel.)
karmaṇā
durch Handeln (Instr.Sg.)
tad bravīmi te
das sage ich dir (1.Sg.Präs., Dat.Sg.)
nirāgamam anaitihyam
ohne Schrift, ohne Überlieferung (Bahuvrīhi, Akk./Nom.Sg.n.)
pratyakṣaṃ lokasākṣikam
unmittelbar sichtbar, die Welt zur Zeugin habend (Bahuvrīhi, Nom.Sg.n.)

dharma ity eva ye yajñān vitanvanti nirāśiṣaḥ; utpannatyāgino 'lubdhāḥ kṛpāsūyāvivarjitāḥ; dhanānām eṣa vai panthās tīrtheṣu pratipādanam

„Die, die Opfer allein als „Dharma“ ausbreiten, ohne Wunschziel, das Erworbene aufgebend, nicht gierig, frei von Rührseligkeit [?] und Missgunst: das ist der Weg der Güter – die Übergabe an [würdige] Tīrthas [Empfänger].“

Wort für Wort
dharma ity eva ye yajñān
die die Opfer eben als „Dharma“ (Akk.Pl., Rel.)
vitanvanti nirāśiṣaḥ
ausbreiten/vollziehen, wunschlos (3.Pl.Präs., Nom.Pl.)
utpannatyāginaḥ alubdhāḥ
das Erworbene aufgebend, nicht gierig (Nom.Pl.)
kṛpāsūyāvivarjitāḥ
frei von Rührung und Missgunst (Kompositum, Nom.Pl.)
dhanānām eṣa vai panthāḥ
dies ist wahrlich der Weg der Güter (Gen.Pl., Nom.Sg.)
tīrtheṣu pratipādanam
die Übergabe an Tīrthas (Lok.Pl., Nom.Sg.n.)

kṛpā hier vermutlich „Jammer, Rührseligkeit“; unsicher. tīrtha = würdiger Empfänger (auch „heilige Furt“).

anāśritāḥ pāpakṛtyāḥ kadā cit karmayonitaḥ; manaḥsaṃkalpasaṃsiddhā viśuddhajñānaniścayāḥ

Sie greifen nie zu üblen Taten, [wie sie] aus dem Handeln als Schoß [entstehen]; durch die Vorsätze des Geistes vollendet, mit geläutertem Erkennen als Entschluss.

Wort für Wort
anāśritāḥ pāpakṛtyāḥ
nicht zugreifend zu üblen Taten [?] (Nom.Pl., Akk.Pl.)
kadā cit
jemals
karmayonitaḥ
aus dem Handeln als Schoß (Ablativ-Adv.)
manaḥsaṃkalpasaṃsiddhāḥ
durch Geistesvorsätze vollendet (Nom.Pl.)
viśuddhajñānaniścayāḥ
mit geläutertem Wissen als Entschluss (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)

Erste Zeile syntaktisch unsicher (anāśritāḥ pāpakṛtyāḥ).

akrudhyanto 'nasūyanto nirahaṃkāramatsarāḥ; jñānaniṣṭhās triśuklāś ca sarvabhūtahite ratāḥ

Nicht zürnend, nicht missgünstig, ohne Ichbezogenheit und Neid, in der Erkenntnis fest gegründet, dreifach rein, sich am Wohl aller Wesen erfreuend.

Wort für Wort
akrudhyantaḥ anasūyantaḥ
nicht zürnend, nicht missgünstig (Part.Präs., Nom.Pl.)
nirahaṃkāramatsarāḥ
ohne Ichbezogenheit und Neid (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
jñānaniṣṭhāḥ
in der Erkenntnis gegründet (Nom.Pl.)
triśuklāḥ ca
und dreifach rein (Nom.Pl.)
sarvabhūtahite ratāḥ
am Wohl aller Wesen erfreut (Lok.Sg., Part.Pass., Nom.Pl.)

āsan gṛhasthā bhūyiṣṭham avyutkrāntāḥ svakarmasu; rājānaś ca tathā yuktā brāhmaṇāś ca yathāvidhi

Es gab meist Hausväter, die von ihren eigenen Pflichten nicht abwichen; ebenso Könige, [dem Dharma] gefügt, und Brahmanen, regelgemäß.

Wort für Wort
āsan gṛhasthāḥ
es waren Hausväter (3.Pl.Impf., Nom.Pl.)
bhūyiṣṭham
meistens (Adv.)
avyutkrāntāḥ svakarmasu
nicht abgewichen von den eigenen Pflichten (Part.Pass., Lok.Pl.)
rājānaḥ ca tathā yuktāḥ
und Könige ebenso gefügt/eingesetzt (Nom.Pl.)
brāhmaṇāḥ ca yathāvidhi
und Brahmanen, regelgemäß (Nom.Pl., Adv.)

samā hy ārjavasaṃpannāḥ saṃtuṣṭā jñānaniścayāḥ; pratyakṣadharmāḥ śucayaḥ śraddadhānāḥ parāvare

Gleichmütig, mit Geradheit ausgestattet, zufrieden, in der Erkenntnis entschlossen, mit unmittelbar erfahrbarem Dharma, rein, gläubig gegenüber Höherem und Niedrigerem [bzw. Früherem und Späterem].

Wort für Wort
samāḥ hi ārjavasaṃpannāḥ
gleichmütig, mit Geradheit begabt (Nom.Pl.)
saṃtuṣṭāḥ
zufrieden (Part.Pass., Nom.Pl.)
jñānaniścayāḥ
in der Erkenntnis entschlossen (Nom.Pl.)
pratyakṣadharmāḥ śucayaḥ
mit sichtbarem Dharma, rein (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
śraddadhānāḥ parāvare
gläubig/vertrauend in Bezug auf Höheres und Niederes (Part.Präs.Med., Lok.Sg.)

parāvare doppeldeutig: „Höheres und Niederes“ oder „Früheres und Späteres“.

purastād bhāvitātmāno yathāvac caritavratāḥ; caranti dharmaṃ kṛcchre 'pi durge caivādhisaṃhatāḥ

Zuvor im Inneren geläutert, haben sie ihre Gelübde gehörig durchgeführt; sie üben den Dharma auch in Not und in unwegsamer Lage, [dabei] zusammengeschlossen.

Wort für Wort
purastāt bhāvitātmānaḥ
zuvor mit geläutertem Selbst (Adv., Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
yathāvat caritavratāḥ
die Gelübde gehörig geübt habend (Nom.Pl.)
caranti dharmam
sie üben den Dharma (3.Pl.Präs., Akk.Sg.)
kṛcchre api durge ca
auch in Not und in schwieriger Lage (Lok.Sg.)
adhisaṃhatāḥ
zusammengeschlossen (Part.Pass., Nom.Pl.)

saṃhatya dharmaṃ caratāṃ purāsīt sukham eva tat; teṣāṃ nāsīd vidhātavyaṃ prāyaścittaṃ kadā cana

Für die, die vereint den Dharma übten, war jenes einst eben Glück; für sie gab es niemals eine Buße auszuführen.

Wort für Wort
saṃhatya dharmaṃ caratām
vereint den Dharma Übenden (Absolutiv, Akk.Sg., Gen.Pl.)
purā āsīt sukham eva tat
früher war jenes eben Glück (Impf., Nom.Sg.n.)
teṣām na āsīt
für sie gab es nicht (Gen.Pl., 3.Sg.Impf.)
vidhātavyam prāyaścittam
zu vollziehende Buße (Gerundiv, Nom.Sg.n.)
kadā cana
jemals

satyaṃ hi dharmam āsthāya durādharṣatamā matāḥ; na mātrām anurudhyante na dharmacchalam antataḥ

Auf die Wahrheit als Dharma gestützt, gelten sie als überaus unbezwingbar; sie richten sich weder nach einem [bloßen] Maß, noch [halten sie sich] am Ende an einen Scheindharma.

Wort für Wort
satyaṃ hi dharmam āsthāya
auf die Wahrheit als Dharma gestützt (Absolutiv)
durādharṣatamāḥ matāḥ
für die Unbezwingbarsten gehalten (Superl., Part.Pass., Nom.Pl.)
na mātrām anurudhyante
richten sich nicht nach einem Maß [?] (3.Pl.Präs.Med., Akk.Sg.)
na dharmacchalam antataḥ
noch am Ende nach Dharma-Trug (Akk.Sg., Adv.)

na mātrām anurudhyante: mātrā „Maß/Habe“, Sinn unsicher.

ya eva prathamaḥ kalpas tam evābhyācaran saha; asyāṃ sthitau sthitānāṃ hi prāyaścittaṃ na vidyate; durbalātmana utpannaṃ prāyaścittam iti śrutiḥ

Die erste Ordnung [kalpa], eben diese befolgten sie gemeinsam. Für die in dieser Lage Stehenden gibt es keine Buße; für den Schwachgesinnten ist Buße entstanden, so die Überlieferung.

Wort für Wort
yaḥ eva prathamaḥ kalpaḥ
die allererste Ordnung (Nom.Sg.)
tam eva abhyācaran saha
eben diese befolgten sie zusammen (Impf.-Part./3.Pl.)
asyāṃ sthitau sthitānām
für die in dieser Lage Stehenden (Lok.Sg.f., Gen.Pl.)
prāyaścittaṃ na vidyate
Buße gibt es nicht (3.Sg.Pass.Präs.)
durbalātmanaḥ utpannam
für den Schwachgesinnten entstanden (Gen.Sg., Part.Pass.)
prāyaścittam iti śrutiḥ
Buße, so [lautet] die Überlieferung (Nom.Sg.)

yata evaṃvidhā viprāḥ purāṇā yajñavāhanāḥ; traividyavṛddhāḥ śucayo vṛttavanto yaśasvinaḥ; yajanto 'har ahar yajñair nirāśīrbandhanā budhāḥ

Da solche Brahmanen einst uralt waren, Träger der Opfer, im dreifachen Wissen ergraut, rein, von gutem Wandel, ruhmvoll; Tag für Tag mit Opfern opfernd, Weise, deren Bindung wunschlos ist –

Wort für Wort
yataḥ evaṃvidhāḥ viprāḥ
da solche Brahmanen (Nom.Pl.)
purāṇāḥ yajñavāhanāḥ
uralt, Träger der Opfer (Nom.Pl.)
traividyavṛddhāḥ śucayaḥ
im dreifachen Wissen ergraut, rein (Nom.Pl.)
vṛttavantaḥ yaśasvinaḥ
von gutem Wandel, ruhmreich (Nom.Pl.)
yajantaḥ ahar ahar yajñaiḥ
Tag für Tag mit Opfern opfernd (Part.Präs., Instr.Pl.)
nirāśīrbandhanāḥ budhāḥ
Weise mit wunschloser Bindung (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)

Satz setzt sich in 14 fort (kein Prädikat).

teṣāṃ yajñāś ca vedāś ca karmāṇi ca yathāgamam; āgamāś ca yathākālaṃ saṃkalpāś ca yathāvratam

Ihre Opfer und Veden und Werke [waren] der Überlieferung gemäß; die Überlieferungen [waren] zur rechten Zeit, und die Vorsätze dem Gelübde entsprechend.

Wort für Wort
teṣāṃ yajñāḥ ca vedāḥ ca
ihre Opfer und Veden (Gen.Pl., Nom.Pl.)
karmāṇi ca yathāgamam
und Werke gemäß der Überlieferung (Nom.Pl.n., Adv.)
āgamāḥ ca yathākālam
und Überlieferungen zur rechten Zeit (Nom.Pl.)
saṃkalpāḥ ca yathāvratam
und Vorsätze gemäß dem Gelübde (Nom.Pl.)

apetakāmakrodhānāṃ prakṛtyā saṃśitātmanām; ṛjūnāṃ śamanityānāṃ sthitānāṃ sveṣu karmasu; sarvam ānantyam evāsīd iti naḥ śāśvatī śrutiḥ

Bei denen, deren Begierde und Zorn gewichen sind, die von Natur scharfen Geistes, geradlinig, stets friedvoll und in den eigenen Pflichten fest sind, war alles Unendlichkeit: so lautet unsere ewige Überlieferung.

Wort für Wort
apetakāmakrodhānām
derer, bei denen Begierde und Zorn gewichen sind (Gen.Pl.)
prakṛtyā saṃśitātmanām
von Natur geschärften Geistes (Instr.Sg., Gen.Pl.)
ṛjūnāṃ śamanityānām
der Geraden, stets Friedvollen (Gen.Pl.)
sthitānāṃ sveṣu karmasu
der in den eigenen Werken Verharrenden (Gen.Pl., Lok.Pl.)
sarvam ānantyam eva āsīt
alles war eben Unendlichkeit (3.Sg.Impf.)
iti naḥ śāśvatī śrutiḥ
so [lautet] unsere ewige Überlieferung (Nom.Sg.f.)

teṣām adīnasattvānāṃ duścarācārakarmaṇām; svakarmabhiḥ saṃvṛtānāṃ tapo ghoratvam āgatam

Für sie, unverzagten Wesens, deren Wandel und Tun schwer zu üben war, von ihren eigenen Werken umhüllt, wurde die Askese furchtbar.

Wort für Wort
teṣām adīnasattvānām
für sie mit unverzagtem Wesen (Gen.Pl.)
duścarācārakarmaṇām
deren Wandel und Tun schwer zu üben (Gen.Pl.)
svakarmabhiḥ saṃvṛtānām
von eigenen Werken umhüllt (Instr.Pl., Part.Pass., Gen.Pl.)
tapaḥ ghoratvam āgatam
die Askese kam zur Furchtbarkeit (Nom.Sg.n., Akk.Sg., Part.Pass.)

taṃ sadācāram āścaryaṃ purāṇaṃ śāśvataṃ dhruvam; aśaknuvadbhiś carituṃ kiṃ cid dharmeṣu sūcitam

Diesen guten Wandel, wunderbar, uralt, ewig, beständig, hat man für die, die ihn nicht zu üben vermochten, in den Dharma-Lehren ein wenig angedeutet.

Wort für Wort
tam sadācāram āścaryam
diesen guten Wandel, wunderbar (Akk.Sg.)
purāṇaṃ śāśvataṃ dhruvam
uralt, ewig, beständig (Akk.Sg.)
aśaknuvadbhiḥ caritum
von denen, die nicht zu üben vermochten (Part.Präs., Instr.Pl., Inf.)
kiṃ cit
ein wenig
dharmeṣu sūcitam
in den Dharmas angedeutet (Lok.Pl., Part.Pass.)

nirāpaddharma ācāras tv apramādo 'parābhavaḥ; sarvavarṇeṣu yat teṣu nāsīt kaś cid vyatikramaḥ

Ihr Wandel war ein Dharma ohne Notlage, achtsam und unbesiegt; unter allen Ständen gab es bei ihnen keinerlei Übertretung.

Wort für Wort
nirāpaddharmaḥ ācāraḥ tu
der Wandel [war] ein Dharma ohne Notfall (Nom.Sg.)
apramādaḥ aparābhavaḥ
Achtsamkeit, Nichtbesiegtwerden (Nom.Sg.)
sarvavarṇeṣu
unter allen Ständen (Lok.Pl.)
yat teṣu na āsīt
was bei ihnen nicht war (Rel., Lok.Pl., 3.Sg.Impf.)
kaś cit vyatikramaḥ
irgendeine Übertretung (Nom.Sg.)

Erste Zeile syntaktisch knapp, Wiedergabe sinngemäß.

dharmam ekaṃ catuṣpādam āśritās te nararṣabhāḥ; taṃ santo vidhivat prāpya gacchanti paramāṃ gatim

Einen einzigen vierfüßigen Dharma nahmen jene Stiere unter den Männern zur Zuflucht; die Guten, ihn regelgerecht erlangend, gehen zum höchsten Ziel.

Wort für Wort
dharmam ekaṃ catuṣpādam
einen einzigen vierfüßigen Dharma (Akk.Sg.)
āśritāḥ te nararṣabhāḥ
nahmen Zuflucht, jene Männerstiere (Part.Pass., Nom.Pl.)
tam santaḥ vidhivat prāpya
ihn, die Guten, regelgerecht erlangend (Absolutiv)
gacchanti paramāṃ gatim
gehen zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs., Akk.Sg.)

gṛhebhya eva niṣkramya vanam anye samāśritāḥ; gṛham evābhisaṃśritya tato 'nye brahmacāriṇaḥ

Einige zogen aus den Häusern aus und nahmen Zuflucht zum Wald; andere, eben im Haus verbleibend; wieder andere [wurden] Brahmacārins.

Wort für Wort
gṛhebhyaḥ eva niṣkramya
aus den Häusern ausgezogen (Abl.Pl., Absolutiv)
vanam anye samāśritāḥ
den Wald wählten andere (Akk.Sg., Part.Pass.)
gṛham eva abhisaṃśritya
eben das Haus zur Zuflucht nehmend (Absolutiv)
tataḥ anye brahmacāriṇaḥ
dann andere Brahmacārins (Nom.Pl.)

dharmam etaṃ catuṣpādam āśramaṃ brāhmaṇā viduḥ; ānantyaṃ brahmaṇaḥ sthānaṃ brāhmaṇā nāma niścayaḥ

Diesen vierfüßigen Dharma kennen die Brahmanen als Lebensstufe; die Unendlichkeit ist der Ort des Brahman; „Brahmane“ heißt dem Namen nach eine [feste] Bestimmung [?].

Wort für Wort
dharmam etaṃ catuṣpādam
diesen vierfüßigen Dharma (Akk.Sg.)
āśramaṃ brāhmaṇāḥ viduḥ
als Lebensstufe kennen die Brahmanen (Akk.Sg., 3.Pl.Perf.)
ānantyaṃ brahmaṇaḥ sthānam
die Unendlichkeit [ist] der Ort des Brahman (Gen.Sg.)
brāhmaṇāḥ nāma niścayaḥ
„Brahmanen“ dem Namen nach eine Festlegung [?] (Nom.Pl., Nom.Sg.)

brāhmaṇā nāma niścayaḥ unsicher.

ata evaṃvidhā viprāḥ purāṇā dharmacāriṇaḥ; ta ete divi dṛśyante jyotirbhūtā dvijātayaḥ

Daher sind solche Brahmanen, uralt, im Dharma wandelnd – eben diese Zweimalgeborenen werden am Himmel gesehen, zu Lichtern geworden.

Wort für Wort
ataḥ evaṃvidhāḥ viprāḥ
daher solche Brahmanen (Nom.Pl.)
purāṇāḥ dharmacāriṇaḥ
uralt, im Dharma wandelnd (Nom.Pl.)
te ete divi dṛśyante
eben diese werden am Himmel gesehen (3.Pl.Pass.Präs., Lok.Sg.)
jyotirbhūtāḥ dvijātayaḥ
zu Lichtern geworden, die Zweimalgeborenen (Nom.Pl.)

nakṣatrāṇīva dhiṣṇyeṣu bahavas tārakāgaṇāḥ; ānantyam upasaṃprāptāḥ saṃtoṣād iti vaidikam

Wie viele Sternschwärme als Sterne an ihren Standorten; zur Unendlichkeit gelangt aus Zufriedenheit – so [lautet] die vedische Aussage.

Wort für Wort
nakṣatrāṇi iva dhiṣṇyeṣu
wie Sterne an [ihren] Standorten (Nom.Pl., Lok.Pl.)
bahavaḥ tārakāgaṇāḥ
viele Sternschwärme (Nom.Pl.)
ānantyam upasaṃprāptāḥ
zur Unendlichkeit gelangt (Part.Pass., Nom.Pl.)
saṃtoṣāt iti vaidikam
aus Zufriedenheit, so die vedische [Aussage] (Abl.Sg., Nom.Sg.n.)

yady āgacchanti saṃsāraṃ punar yoniṣu tādṛśāḥ; na lipyante pāpakṛtyaiḥ kadā cit karmayonitaḥ

Wenn solche wieder in den Kreislauf [saṃsāra], in Schöße kommen, werden sie nie von üblen Taten befleckt, die aus dem Handeln als Schoß [entstehen].

Wort für Wort
yadi āgacchanti saṃsāram
wenn sie in den Kreislauf kommen (3.Pl.Präs., Akk.Sg.)
punaḥ yoniṣu tādṛśāḥ
wieder in Schöße, solche [wie sie] (Lok.Pl., Nom.Pl.)
na lipyante
werden nicht befleckt (3.Pl.Pass.)
pāpakṛtyaiḥ
von üblen Taten (Instr.Pl.)
kadā cit karmayonitaḥ
niemals aus dem Handeln als Schoß

ekam eva brahmacārī śuśrūṣur ghoraniścayaḥ

Nur eines [ist er]: ein Brahmacārin, dienstbereit, von furchtbarem Entschluss.

Wort für Wort
ekam eva
nur eines (Akk./Nom.Sg.n.)
brahmacārī
Brahmacārin (Nom.Sg.)
śuśrūṣuḥ
dienstbereit, lernbegierig (Nom.Sg.)
ghoraniścayaḥ
von furchtbarem Entschluss (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (star); Zusammenhang unklar, Wiedergabe unsicher.

evaṃ yukto brāhmaṇaḥ syād anyo brāhmaṇako bhavet; karmaiva puruṣasyāha śubhaṃ vā yadi vāśubham

„So verbunden möge einer ein Brahmane sein; ein anderer wäre nur ein [Schein-]Brahmane. Allein das Handeln, sagt man, [bestimmt] den Menschen, sei es glückverheißend oder unheilvoll.“

Wort für Wort
evaṃ yuktaḥ brāhmaṇaḥ syāt
so verbunden möge er Brahmane sein (Part.Pass., Opt.)
anyaḥ brāhmaṇakaḥ bhavet
ein anderer wäre bloß ein „Brahmanchen“ (Nom.Sg., Opt.)
karma eva puruṣasya āha
das Handeln allein [bestimmt] den Menschen, sagt man (Gen.Sg., 3.Sg.Perf.)
śubhaṃ vā yadi vā aśubham
sei es glückverheißend oder unheilvoll (Akk./Nom.Sg.n.)

evaṃ pakvakaṣāyāṇām ānantyena śrutena ca; sarvam ānantyam evāsīd evaṃ naḥ śāśvatī śrutiḥ

So war bei denen, deren Unreinheiten ausgereift waren, durch Unendlichkeit und durch die Überlieferung alles Unendlichkeit; so [lautet] unsere ewige Überlieferung.

Wort für Wort
evaṃ pakvakaṣāyāṇām
so bei denen mit ausgereiften Unreinheiten (Gen.Pl.)
ānantyena śrutena ca
durch Unendlichkeit und durch das Gehörte (Instr.Sg.)
sarvam ānantyam eva āsīt
alles war eben Unendlichkeit (3.Sg.Impf.)
evaṃ naḥ śāśvatī śrutiḥ
so [lautet] unsere ewige Überlieferung (Nom.Sg.f.)

teṣām apetatṛṣṇānāṃ nirṇiktānāṃ śubhātmanām; caturtha aupaniṣado dharmaḥ sādhāraṇaḥ smṛtaḥ

Bei diesen, deren Durst gewichen ist, die gereinigt sind und guten Wesens, gilt der vierte, upaniṣadische Dharma als allgemein [gemeinsam].

Wort für Wort
teṣām apetatṛṣṇānām
bei ihnen, deren Durst gewichen (Gen.Pl.)
nirṇiktānāṃ śubhātmanām
Gereinigten, guten Wesens (Gen.Pl.)
caturthaḥ aupaniṣadaḥ dharmaḥ
der vierte, upaniṣadische Dharma (Nom.Sg.)
sādhāraṇaḥ smṛtaḥ
gilt als allgemein (Nom.Sg., Part.Pass.)

sa siddhaiḥ sādhyate nityaṃ brāhmaṇair niyatātmabhiḥ; saṃtoṣamūlas tyāgātmā jñānādhiṣṭhānam ucyate

Er wird von Vollendeten, von Brahmanen mit gezügeltem Selbst, stets vollzogen; mit Zufriedenheit als Wurzel, Verzicht als Wesen, heißt er die Grundlage der Erkenntnis.

Wort für Wort
saḥ siddhaiḥ sādhyate nityam
er wird von Vollendeten stets vollzogen (Instr.Pl., 3.Sg.Pass.)
brāhmaṇaiḥ niyatātmabhiḥ
von Brahmanen mit gezügeltem Selbst (Instr.Pl.)
saṃtoṣamūlaḥ
mit Zufriedenheit als Wurzel (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
tyāgātmā
Verzicht als Wesen (Nom.Sg.)
jñānādhiṣṭhānam ucyate
Grundlage der Erkenntnis wird er genannt (Nom.Sg.n., 3.Sg.Pass.)

apavargagatir nityo yatidharmaḥ sanātanaḥ; sādhāraṇaḥ kevalo vā yathābalam upāsyate

Der Weg zur Erlösung, beständig, der ewige Dharma des Asketen; ob allgemein oder für sich allein, wird er nach Kräften geübt.

Wort für Wort
apavargagatiḥ nityaḥ
Weg zur Erlösung, beständig (Nom.Sg.)
yatidharmaḥ sanātanaḥ
der ewige Asketen-Dharma (Nom.Sg.)
sādhāraṇaḥ kevalaḥ vā
allgemein oder allein (Nom.Sg.)
yathābalam upāsyate
nach Kräften wird er ausgeübt (Adv., 3.Sg.Pass.)

gacchato gacchataḥ kṣemaṃ durbalo 'trāvasīdati; brahmaṇaḥ padam anvicchan saṃsārān mucyate śuciḥ

Mag einer auch immerfort dem Heil entgegengehen, der Schwache sinkt hier ermattend ab; wer den Standort des Brahman erstrebt, wird rein vom Kreislauf befreit.

Wort für Wort
gacchataḥ gacchataḥ kṣemam
für den immer weiter dem Heil Zugehenden (Gen.Sg., Part.Präs., Akk.Sg.)
durbalaḥ atra avasīdati
der Schwache sinkt hier ab (Nom.Sg., 3.Sg.Präs.)
brahmaṇaḥ padam anvicchan
den Standort des Brahman erstrebend (Akk.Sg., Part.Präs.)
saṃsārāt mucyate śuciḥ
wird vom Kreislauf befreit, rein (Abl.Sg., 3.Sg.Pass., Nom.Sg.)

syūmaraśmir uvāca; ye bhuñjate ye dadate yajante 'dhīyate ca ye; mātrābhir dharmalabdhābhir ye vā tyāgaṃ samāśritāḥ

Syūmaraśmi sprach: „Die genießen, die geben, die opfern und die studieren, und die mit rechtmäßig erworbenen Mitteln [handeln] oder zum Verzicht Zuflucht genommen haben –

Wort für Wort
syūmaraśmiḥ uvāca
Syūmaraśmi sprach (Perf.)
ye bhuñjate ye dadate
die genießen, die geben (3.Pl.Präs.)
yajante adhīyate ca ye
die opfern und die studieren (3.Pl.Präs.)
mātrābhiḥ dharmalabdhābhiḥ
mit rechtmäßig erworbenen Mitteln (Instr.Pl.)
ye vā tyāgaṃ samāśritāḥ
oder die zum Verzicht Zuflucht genommen (Akk.Sg., Part.Pass.)

Satz setzt sich in 33 fort.

eteṣāṃ pretyabhāve tu katamaḥ svargajittamaḥ; etad ācakṣva me brahman yathātathyena pṛcchataḥ

– wer von diesen ist beim Dasein nach dem Tode der größte Himmelserwerber? Sag mir dies, Brahmane, der ich der Wahrheit gemäß frage.“

Wort für Wort
eteṣāṃ pretyabhāve tu
von diesen aber im Dasein nach dem Tode (Gen.Pl., Lok.Sg.)
katamaḥ svargajittamaḥ
wer ist der größte Himmelseroberer (Nom.Sg.)
etat ācakṣva me brahman
dies sag mir, Brahmane (Imp.Med., Dat.Sg., Vok.)
yathātathyena pṛcchataḥ
dem der Wahrheit gemäß Fragenden (Instr./Adv., Gen.Sg.)

kapila uvāca; parigrahāḥ śubhāḥ sarve guṇato 'bhyudayāś ca ye; na tu tyāgasukhaṃ prāptā etat tvam api paśyasi

Kapila sprach: „Alle Besitztümer sind gut, ihrer Beschaffenheit nach, und ebenso die Aufschwünge; das Glück des Verzichts aber haben sie nicht erlangt; auch du siehst dies.“

Wort für Wort
kapila uvāca
Kapila sprach (Perf.)
parigrahāḥ śubhāḥ sarve
alle Besitztümer [sind] gut (Nom.Pl.)
guṇataḥ abhyudayāḥ ca ye
der Beschaffenheit nach, und die Aufschwünge (Adv., Nom.Pl.)
na tu tyāgasukhaṃ prāptāḥ
das Glück des Verzichts aber haben sie nicht erlangt (Part.Pass.)
etat tvam api paśyasi
das siehst auch du (2.Sg.Präs.)

syūmaraśmir uvāca; bhavanto jñānaniṣṭhā vai gṛhasthāḥ karmaniścayāḥ; āśramāṇāṃ ca sarveṣāṃ niṣṭhāyām aikyam ucyate

Syūmaraśmi sprach: „Ihr seid ja in der Erkenntnis gegründet; die Hausväter haben das Handeln zum Entschluss; für das Ziel aller Lebensstufen wird Einheit ausgesagt.“

Wort für Wort
syūmaraśmiḥ uvāca
Syūmaraśmi sprach
bhavantaḥ jñānaniṣṭhāḥ vai
ihr seid in der Erkenntnis gegründet (Nom.Pl.)
gṛhasthāḥ karmaniścayāḥ
Hausväter, das Handeln zum Entschluss habend (Nom.Pl.)
āśramāṇāṃ ca sarveṣām
und aller Lebensstufen (Gen.Pl.)
niṣṭhāyām aikyam ucyate
im Ziel wird Einheit ausgesagt (Lok.Sg., Nom.Sg.n., 3.Sg.Pass.)

ekatve ca pṛthaktve ca viśeṣo nānya ucyate; tad yathāvad yathānyāyaṃ bhagavān prabravītu me

„Im Einssein und im Getrenntsein wird kein anderer Unterschied genannt; das möge mir der Ehrwürdige gemäß Wahrheit und Regel darlegen.“

Wort für Wort
ekatve ca pṛthaktve ca
im Einssein und im Getrenntsein (Lok.Sg.)
viśeṣaḥ na anyaḥ ucyate
ein anderer Unterschied wird nicht genannt (Nom.Sg., 3.Sg.Pass.)
tat yathāvat yathānyāyam
das gemäß der Wirklichkeit, gemäß der Regel (Adv.)
bhagavān prabravītu me
der Ehrwürdige möge mir darlegen (Nom.Sg., 3.Sg.Imp., Dat.Sg.)

kapila uvāca; śarīrapaktiḥ karmāṇi jñānaṃ tu paramā gatiḥ; pakve kaṣāye vamanai rasajñāne na tiṣṭhati

Kapila sprach: „Die Werke sind das Garwerden des Körpers, die Erkenntnis aber ist das höchste Ziel; ist die Trübung ausgereift, so bleibt man durch Ausspeiungen nicht im Geschmackswissen stehen [?].“

Wort für Wort
kapila uvāca
Kapila sprach
śarīrapaktiḥ karmāṇi
das Garwerden des Körpers [sind] die Werke (Nom.Sg.f., Nom.Pl.n.)
jñānaṃ tu paramā gatiḥ
die Erkenntnis aber [ist] das höchste Ziel (Nom.Sg.)
pakve kaṣāye
wenn die Trübung gereift ist (Lok.Abs.)
vamanaiḥ rasajñāne
durch Ausspeiungen [?] im Geschmackswissen (Instr.Pl., Lok.Sg.)
na tiṣṭhati
steht/bleibt nicht (3.Sg.Präs.)

Zweite Hälfte (vamanai rasajñāne) dunkel; Wiedergabe unsicher.

ānṛśaṃsyaṃ kṣamā śāntir ahiṃsā satyam ārjavam; adroho nābhimānaś ca hrīs titikṣā śamas tathā

„Schonung, Nachsicht, Ruhe, Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Geradheit, Nichtverrat, Nichtdünkel, Scham, Duldsamkeit und ebenso Selbstbeherrschung.“

Wort für Wort
ānṛśaṃsyaṃ kṣamā śāntiḥ
Schonung, Nachsicht, Ruhe (Nom.Sg.)
ahiṃsā satyam ārjavam
Gewaltlosigkeit, Wahrheit, Geradheit (Nom.Sg.)
adrohaḥ na abhimānaḥ ca
Nichtverrat und Nichtdünkel (Nom.Sg.)
hrīḥ titikṣā
Scham, Duldsamkeit (Nom.Sg.)
śamaḥ tathā
Gelassenheit ebenso (Nom.Sg.)

panthāno brahmaṇas tv ete etaiḥ prāpnoti yat param; tad vidvān anubudhyeta manasā karmaniścayam

„Dies sind die Wege zum Brahman; durch sie erlangt man das Höchste; dies erkennend, möge der Wissende mit dem Geist den Entschluss zum Handeln nachvollziehen.“

Wort für Wort
panthānaḥ brahmaṇaḥ tu ete
dies sind die Wege des Brahman (Nom.Pl., Gen.Sg.)
etaiḥ prāpnoti yat param
durch diese erlangt man das Höchste (Instr.Pl., 3.Sg.Präs.)
tat vidvān anubudhyeta
das möge der Wissende nachvollziehen (Nom.Sg., Opt.Med.)
manasā karmaniścayam
mit dem Geist den Entschluss zum Handeln (Instr.Sg., Akk.Sg.)

yāṃ viprāḥ sarvataḥ śāntā viśuddhā jñānaniścayāḥ; gatiṃ gacchanti saṃtuṣṭās tām āhuḥ paramāṃ gatim

„Das Ziel, das Brahmanen erreichen, allseits befriedet, rein, in der Erkenntnis entschlossen, zufrieden – das nennt man das höchste Ziel.“

Wort für Wort
yāṃ viprāḥ sarvataḥ śāntāḥ
welches die Brahmanen, allseits befriedet (Nom.Pl.)
viśuddhāḥ jñānaniścayāḥ
rein, in der Erkenntnis entschlossen (Nom.Pl.)
gatiṃ gacchanti saṃtuṣṭāḥ
als Ziel erreichen, zufrieden (3.Pl.Präs.)
tām āhuḥ paramāṃ gatim
das nennt man das höchste Ziel (3.Pl.Perf., Akk.Sg.)

vedāṃś ca veditavyaṃ ca viditvā ca yathāsthiti; evaṃ vedavid ity āhur ato 'nyo vātareṭakaḥ

„Wer die Veden und das zu Wissende gemäß dem Bestand erkannt hat, den nennt man so einen Veda-Kenner; andere [sind] vātareṭakas [?].“

Wort für Wort
vedān ca veditavyaṃ ca
die Veden und das zu Wissende (Akk.Pl., Gerundiv)
viditvā ca yathāsthiti
erkannt habend, wie es besteht (Absolutiv)
evaṃ vedavit iti āhuḥ
so [heißt] ein Veda-Kenner, sagt man (Nom.Sg., 3.Pl.Perf.)
ataḥ anyaḥ vātareṭakaḥ
ein anderer [ist] ein vātareṭaka [?] (Nom.Sg.)

vātareṭaka unklar (etwa „Windbeutel“?).

sarvaṃ vidur vedavido vede sarvaṃ pratiṣṭhitam; vede hi niṣṭhā sarvasya yad yad asti ca nāsti ca

„Alles kennen die Veda-Kenner; im Veda ist alles gegründet; im Veda ist ja die Grundlage von allem, was ist und was nicht ist.“

Wort für Wort
sarvaṃ viduḥ vedavidaḥ
alles kennen die Veda-Kenner (3.Pl.Perf., Nom.Pl.)
vede sarvaṃ pratiṣṭhitam
im Veda ist alles gegründet (Lok.Sg., Part.Pass.)
vede hi niṣṭhā sarvasya
im Veda ja die Grundlage von allem (Nom.Sg.f., Gen.Sg.)
yat yat asti ca na asti ca
was immer ist und nicht ist (Rel.)

eṣaiva niṣṭhā sarvasya yad yad asti ca nāsti ca; etad antaṃ ca madhyaṃ ca sac cāsac ca vijānataḥ

„Dies eben ist die Grundlage von allem, was ist und was nicht ist – für den, der dessen Ende und Mitte, das Seiende und das Nichtseiende erkennt.“

Wort für Wort
eṣā eva niṣṭhā sarvasya
dies eben ist die Grundlage von allem (Nom.Sg.f.)
yat yat asti ca na asti ca
was ist und was nicht ist
etat antaṃ ca madhyaṃ ca
dessen Ende und Mitte (Akk.Sg.)
sat ca asat ca
das Seiende und das Nichtseiende (Akk.Sg.n.)
vijānataḥ
für den Erkennenden (Part.Präs., Gen./Dat.Sg.)

samastatyāga ity eva śama ity eva niṣṭhitaḥ; saṃtoṣa ity atra śubham apavarge pratiṣṭhitam

„Vollständiger Verzicht – so; Ruhe – so ist es bestimmt; Zufriedenheit: hierin ist das Heil in der Erlösung gegründet.“

Wort für Wort
samastatyāgaḥ iti eva
„vollständiger Verzicht“, eben so (Nom.Sg.)
śamaḥ iti eva niṣṭhitaḥ
„Ruhe“, eben so bestimmt (Nom.Sg., Part.Pass.)
saṃtoṣaḥ iti atra
„Zufriedenheit“, hierin (Nom.Sg.)
śubham apavarge pratiṣṭhitam
das Heil ist in der Erlösung gegründet (Nom.Sg.n., Lok.Sg., Part.Pass.)

ṛtaṃ satyaṃ viditaṃ veditavyaṃ; sarvasyātmā jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca; sarvaṃ sukhaṃ yac chivam uttamaṃ ca; brahmāvyaktaṃ prabhavaś cāvyayaś ca

„Das Rechte, Wahre, Gewusste, zu Wissende; das Selbst von allem, das Bewegliche und das Unbewegliche; alles Glück, was heilvoll und höchstes ist: das Brahman, das Unoffenbare, der Ursprung und das Unvergängliche.“

Wort für Wort
ṛtaṃ satyaṃ viditaṃ veditavyam
das Rechte, Wahre, Gewusste, zu Wissende (Nom.Sg.n.)
sarvasya ātmā
das Selbst von allem (Gen.Sg., Nom.Sg.)
jaṅgamaṃ sthāvaraṃ ca
Bewegliches und Unbewegliches (Nom.Sg.n.)
sarvaṃ sukhaṃ yat śivam uttamaṃ ca
alles Glück, was heilvoll und höchst ist (Nom.Sg.n.)
brahma avyaktam
das Brahman, das Unoffenbare (Nom.Sg.n.)
prabhavaḥ ca avyayaḥ ca
Ursprung und Unvergängliches (Nom.Sg.)

tejaḥ kṣamā śāntir anāmayaṃ śubhaṃ; tathāvidhaṃ vyoma sanātanaṃ dhruvam; etaiḥ śabdair gamyate buddhinetrais; tasmai namo brahmaṇe brāhmaṇāya

„Glanz, Nachsicht, Ruhe, Gesundheit, Heil; ebenso der ewige, beständige Äther; durch diese Worte wird [es] mit den Augen des Verstandes erreicht: Verehrung dem Brahman, dem Brahmanen!“

Wort für Wort
tejaḥ kṣamā śāntiḥ
Glanz, Nachsicht, Ruhe (Nom.Sg.)
anāmayaṃ śubham
Gesundheit, Heil (Nom.Sg.n.)
tathāvidhaṃ vyoma sanātanaṃ dhruvam
ebenso der Äther, ewig, beständig (Nom.Sg.n.)
etaiḥ śabdaiḥ gamyate
durch diese Worte wird [es] erreicht (Instr.Pl., 3.Sg.Pass.)
buddhinetraiḥ
mit Verstandesaugen (Instr.Pl.)
tasmai namaḥ brahmaṇe brāhmaṇāya
Verehrung dem Brahman, dem Brahmanen (Dat.Sg.)

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