Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Śāntiparva

Kapitel 133: kāpavyopākhyāna Der Räuber Kāpavya und die Ordnung der Räuber nach Dharma

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira die alte Geschichte vom Niṣāda-Jäger Kāpavya, der, zum Anführer einer Räuberschar gewählt, ihr Grenzen des Dharma setzt (Schonung von Frauen, Kindern, Brahmanen, Saat) und dadurch Vollendung erlangt. Der Text ist an einigen Stellen (v. 4, 17–19, 23) knapp bzw. verderbt.

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; yathā dasyuḥ samaryādaḥ pretyabhāve na naśyati

Bhīṣma sprach: Hierzu führt man diese alte Geschichte an: wie ein Räuber, der ein Maß [der Ordnung] einhält, im Dasein nach dem Tode nicht zugrunde geht.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
atrāpy udāharanti imam itihāsaṃ purātanam
auch hierzu führen sie an diese alte Geschichte (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)
yathā dasyuḥ samaryādaḥ
wie ein Räuber, der Maß und Grenze hat (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
pretyabhāve na naśyati
im Dasein nach dem Tode geht nicht zugrunde (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.)

prahartā matimāñ śūraḥ śrutavān anṛśaṃsavān; rakṣann akṣayiṇaṃ dharmaṃ brahmaṇyo gurupūjakaḥ

[Er war] ein Kämpfer, verständig, tapfer, gelehrt und nicht grausam, der den unvergänglichen Dharma hütete, den Brahmanen zugetan, ein Verehrer der Lehrer.

Wort für Wort
prahartā matimāñ śūraḥ
Kämpfer, verständig, tapfer (Nom.Sg.)
śrutavān anṛśaṃsavān
gelehrt, nicht grausam (Nom.Sg.)
rakṣann akṣayiṇaṃ dharmam
den unvergänglichen Dharma hütend (Part.Präs.Nom.; Akk.Sg.)
brahmaṇyo gurupūjakaḥ
brahmanenfreundlich, Lehrerverehrer (Nom.Sg.)

niṣādyāṃ kṣatriyāj jātaḥ kṣatradharmānupālakaḥ; kāpavyo nāma naiṣādir dasyutvāt siddhim āptavān

Von einem Kṣatriya mit einer Niṣāda-Frau gezeugt, die Pflicht des Kriegers bewahrend, der Niṣāda-Sohn namens Kāpavya erlangte durch das Räubertum Vollendung.

Wort für Wort
niṣādyāṃ kṣatriyāj jātaḥ
von einem Kṣatriya mit einer Niṣāda-Frau geboren (Lok.Sg.f.; Abl.Sg.; PPP.Nom.)
kṣatradharmānupālakaḥ
Bewahrer der Kriegerpflicht (Nom.Sg.; Kompositum)
kāpavyo nāma naiṣādiḥ
namens Kāpavya, ein Niṣāda-Sohn (Nom.Sg.)
dasyutvāt siddhim āptavān
aus/durch Räubertum Vollendung erlangt habend (Abl.Sg.; Akk.Sg.; Part.Perf.Akt.)

araṇye sāyapūrvāhṇe mṛgayūthaprakopitā

Im Wald, am Abend und am Vormittag, von Wildherden erregt [?] –

Wort für Wort
araṇye
im Wald (Lok.Sg.)
sāyapūrvāhṇe
am Abend und am Vormittag (Lok.Sg.; Dvandva)
mṛgayūthaprakopitā
von Wildherden erregt/aufgescheucht [?] (PPP.Kaus.Nom.Sg.f.; Kompositum)

Der Vers ist als Satz unvollständig; die Konstruktion (Bezug von prakopitā, f.) bleibt unklar. Die Fortsetzung steht in der folgenden Einheit bzw. dem Zusatzvers.

asti kāpalyasa iti mṛgayur dharmakovidaḥ

Es gibt [einen] namens Kāpalyasa [?], einen Jäger, kundig des Dharma.

Wort für Wort
asti kāpalyasa iti
es gibt (einen) Kāpalyasa [?], so (heißend) (3.Sg.Präs.)
mṛgayur
Jäger (Nom.Sg.)
dharmakovidaḥ
des Dharma kundig (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers. Der Name (kāpalyasa) ist unsicher, vermutlich Variante von Kāpavya.

vidhijño mṛgajātīnāṃ nipānānāṃ ca kovidaḥ

Er kannte die Regeln [der Jagd] und die Arten des Wildes und war kundig der Tränken [Wasserstellen].

Wort für Wort
vidhijño
der Regeln kundig (Nom.Sg.)
mṛgajātīnām
der Wildarten (Gen.Pl.)
nipānānāṃ ca kovidaḥ
und der Wasserstellen kundig (Gen.Pl.; Nom.Sg.)

sarvakānanadeśajñaḥ pāriyātracaraḥ sadā; dharmajñaḥ sarvabhūtānām amogheṣur dṛḍhāyudhaḥ

Er kannte alle Waldgegenden, streifte stets im Pāriyātra-Gebirge umher, kannte den Dharma aller Wesen, seine Pfeile gingen nie fehl, seine Waffen waren fest.

Wort für Wort
sarvakānanadeśajñaḥ
kundig aller Waldgegenden (Nom.Sg.)
pāriyātracaraḥ sadā
im Pāriyātra umherziehend, stets (Nom.Sg.)
dharmajñaḥ sarvabhūtānām
den Dharma kennend, der [Kunde] aller Wesen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
amogheṣur dṛḍhāyudhaḥ
mit nie fehlgehenden Pfeilen, mit festen Waffen (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)

apy anekaśatāḥ senā eka eva jigāya saḥ; sa vṛddhāv andhapitarau mahāraṇye 'bhyapūjayat

Selbst viele hundert Heere besiegte er ganz allein. Seine beiden greisen, blinden Eltern ehrte er im großen Wald.

Wort für Wort
apy anekaśatāḥ senā
selbst mehrere hundert Heere (Akk.Pl.f.)
eka eva jigāya saḥ
allein besiegte er (Perf.3.Sg.)
sa vṛddhāv andhapitarau
er [ehrte] die greisen, blinden Eltern (Akk.Du.)
mahāraṇye 'bhyapūjayat
im großen Wald verehrte er (Lok.Sg.; Impf.3.Sg.)

madhumāṃsair mūlaphalair annair uccāvacair api; satkṛtya bhojayām āsa samyak paricacāra ca

Mit Honig, Fleisch, Wurzeln, Früchten und Speisen aller Art bewirtete er sie ehrerbietig und pflegte sie in rechter Weise.

Wort für Wort
madhumāṃsair mūlaphalair
mit Honig und Fleisch, mit Wurzeln und Früchten (Instr.Pl.)
annair uccāvacair api
auch mit Speisen mannigfacher Art (Instr.Pl.)
satkṛtya bhojayām āsa
nach ehrenvoller Behandlung ließ er sie essen (Abs.; Kaus.Perf.3.Sg.)
samyak paricacāra ca
und pflegte sie recht (Perf.3.Sg.)

āraṇyakān pravrajitān brāhmaṇān paripālayan; api tebhyo mṛgān hatvā nināya ca mahāvane

Die im Wald lebenden, [in die Hauslosigkeit] fortgezogenen Brahmanen beschützte er; auch erlegte er für sie Wild und brachte es [ihnen] im großen Wald.

Wort für Wort
āraṇyakān pravrajitān brāhmaṇān
die Waldbewohner, Fortgezogenen, Brahmanen (Akk.Pl.)
paripālayan
beschützend (Part.Präs.Nom.Sg.)
api tebhyo mṛgān hatvā
auch für sie Wild erlegt habend (Dat.Pl.; Akk.Pl.; Abs.)
nināya ca mahāvane
und er brachte [es] im großen Wald (Perf.3.Sg.; Lok.Sg.)

ye sma na pratigṛhṇanti dasyubhojanaśaṅkayā; teṣām āsajya geheṣu kālya eva sa gacchati

Die [es] aus Sorge vor Räuberspeise nicht annahmen, in deren Häusern legte er [es] nieder und ging frühmorgens davon.

Wort für Wort
ye sma na pratigṛhṇanti
die nicht annehmen (Präs.3.Pl.; sma verleiht Vergangenheitssinn)
dasyubhojanaśaṅkayā
aus Besorgnis vor Räuberspeise (Instr.Sg.)
teṣām āsajya geheṣu
bei ihnen [es] in den Häusern niederlegend (Gen.Pl.; Abs.; Lok.Pl.)
kālya eva sa gacchati
gerade frühmorgens geht er (Präs.3.Sg.)

āsajya ist hier als „anbringend, niederlegend“ gedeutet [?].

taṃ bahūni sahasrāṇi grāmaṇitve 'bhivavrire; nirmaryādāni dasyūnāṃ niranukrośakāriṇām

Ihn wählten viele Tausende von Räubern, die keine Schranken kannten und erbarmungslos handelten, zum Anführer.

Wort für Wort
taṃ bahūni sahasrāṇi
ihn, viele Tausende (Akk.Sg.; Nom.Pl.n.)
grāmaṇitve 'bhivavrire
zur Anführerschaft wählten sie (Lok.Sg.; Perf.3.Pl.Med.)
nirmaryādāni dasyūnām
ohne Schranken, der Räuber (Nom.Pl.n.; Gen.Pl.)
niranukrośakāriṇām
der erbarmungslos Handelnden (Gen.Pl.)

dasyava ūcuḥ; muhūrtadeśakālajña prājña śīladṛḍhāyudha; grāmaṇīr bhava no mukhyaḥ sarveṣām eva saṃmataḥ

Die Räuber sprachen: „Kenner der rechten Stunde, des Ortes und der Zeit, Weiser, Tugendhafter mit festen Waffen, sei unser Anführer, der Erste, von allen anerkannt.“

Wort für Wort
dasyava ūcuḥ
die Räuber sprachen (Nom.Pl.; Perf.3.Pl.)
muhūrtadeśakālajña prājña
Kenner von Stunde, Ort und Zeit, Weiser (Vok.Sg.)
śīladṛḍhāyudha
Tugendhafter mit festen Waffen (Vok.Sg.)
grāmaṇīr bhava no mukhyaḥ
sei unser Anführer, Erster (Imp.2.Sg.; Gen.Pl.; Nom.Sg.)
sarveṣām eva saṃmataḥ
von allen anerkannt (Gen.Pl.; PPP.Nom.Sg.)

yathā yathā vakṣyasi naḥ kariṣyāmas tathā tathā; pālayāsmān yathānyāyaṃ yathā mātā yathā pitā

„Wie du es uns sagen wirst, so werden wir handeln. Beschütze uns, wie es recht ist, wie eine Mutter, wie ein Vater.“

Wort für Wort
yathā yathā vakṣyasi naḥ
wie immer du uns sagen wirst (Fut.2.Sg.; Dat.Pl.)
kariṣyāmas tathā tathā
so werden wir handeln (Fut.1.Pl.)
pālaya asmān yathānyāyam
beschütze uns nach Recht (Imp.2.Sg.; Akk.Pl.; Adv.)
yathā mātā yathā pitā
wie eine Mutter, wie ein Vater (Nom.Sg.)

kāpavya uvāca; mā vadhīs tvaṃ striyaṃ bhīruṃ mā śiśuṃ mā tapasvinam; nāyudhyamāno hantavyo na ca grāhyā balāt striyaḥ

Kāpavya sprach: „Töte nicht eine Frau, die sich fürchtet, nicht ein Kind, nicht einen Asketen. Wer nicht kämpft, ist nicht zu töten, und Frauen sind nicht mit Gewalt zu ergreifen.“

Wort für Wort
kāpavya uvāca
Kāpavya sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
mā vadhīs tvaṃ striyaṃ bhīrum
töte du nicht eine furchtsame Frau (Aor.Prohib.2.Sg.; Akk.Sg.)
mā śiśuṃ mā tapasvinam
nicht ein Kind, nicht einen Asketen (Akk.Sg.)
nāyudhyamāno hantavyaḥ
wer nicht kämpft, ist nicht zu töten (Part.Präs.Med.Nom.; Gerundiv)
na ca grāhyā balāt striyaḥ
und nicht zu ergreifen mit Gewalt sind Frauen (Gerundiv Nom.Pl.f.; Abl.)

sarvathā strī na hantavyā sarvasattveṣu yudhyatā; nityaṃ gobrāhmaṇe svasti yoddhavyaṃ ca tadarthataḥ

„Keinesfalls ist eine Frau zu töten von dem, der gegen alle Wesen kämpft. Stets [gelte] Heil den Kühen und Brahmanen, und um ihretwillen ist zu kämpfen.“

Wort für Wort
sarvathā strī na hantavyā
auf keine Weise ist eine Frau zu töten (Gerundiv Nom.Sg.f.)
sarvasattveṣu yudhyatā
von dem, der unter allen Wesen kämpft (Lok.Pl.; Part.Präs.Instr.)
nityaṃ gobrāhmaṇe svasti
stets Heil den Kühen und Brahmanen (Lok.Sg. Dvandva; Indekl.)
yoddhavyaṃ ca tadarthataḥ
und zu kämpfen ist um ihretwillen (Gerundiv n.; Adv.)

sasyaṃ ca nāpahantavyaṃ sīravighnaṃ ca mā kṛthāḥ

„Und Saat [Getreide] ist nicht zu zerstören, und eine Behinderung des Pflügens sollst du nicht bewirken.“

Wort für Wort
sasyaṃ ca nāpahantavyam
und Saat ist nicht zu vernichten (Nom.Sg.n.; Gerundiv)
sīravighnaṃ ca
und Behinderung des Pflügens (Akk.Sg.)
mā kṛthāḥ
sollst du nicht tun (Aor.Prohib.2.Sg.Med.)

pitaro devatā viprāḥ śapanty atra nivārite

„Ahnen, Götter [und] Brahmanen verfluchen hierbei, wenn [es] verhindert wird.“

Wort für Wort
pitaro devatā viprāḥ
Ahnen, Götter, Brahmanen (Nom.Pl.)
śapanty atra
verfluchen hierbei (3.Pl.Präs.)
nivārite
wenn [es] verhindert wird (PPP.Kaus.Lok.abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Bezug von nivārite (Lok.abs.) unklar, vermutlich die Behinderung der Saat bzw. der Verehrung.

pūjyante yatra devāś ca pitaro 'tithayas tathā

„[Dort], wo Götter, Ahnen und ebenso Gäste verehrt werden [?] –“

Wort für Wort
pūjyante yatra
verehrt werden, wo (Präs.Pass.3.Pl.)
devāś ca pitaro
Götter und Ahnen (Nom.Pl.)
'tithayas tathā
Gäste ebenso (Nom.Pl.)

[Anm.: Fortsetzung/Satz abgebrochen] Der Vers ist als selbständiger Satz unvollständig; er scheint den Grund der Schonung zu nennen.

sarvabhūteṣv api ca vai brāhmaṇo mokṣam arhati; kāryā cāpacitis teṣāṃ sarvasvenāpi yā bhavet

„Auch unter allen Wesen verdient der Brahmane Verschonung [Loslösung], und ihre Verehrung ist zu leisten, selbst mit dem ganzen Besitz, [wie immer] es sein mag.“

Wort für Wort
sarvabhūteṣv api ca vai
auch unter allen Wesen fürwahr (Lok.Pl.)
brāhmaṇo mokṣam arhati
der Brahmane verdient Verschonung (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
kāryā cāpacitis teṣām
und ihre Verehrung ist zu leisten (Gerundiv Nom.Sg.f.; Gen.Pl.)
sarvasvenāpi yā bhavet
selbst mit dem ganzen Besitz, die sein möge (Instr.Sg.; Opt.3.Sg.)

mokṣa hier als „Freilassung, Verschonung“ gedeutet [?].

yasya hy ete saṃpraruṣṭā mantrayanti parābhavam; na tasya triṣu lokeṣu trātā bhavati kaś cana

„Wessen diese, wenn sie erzürnt sind, Verderben beraten, dessen Retter gibt es in den drei Welten keinen.“

Wort für Wort
yasya hy ete saṃpraruṣṭā
wessen fürwahr diese, erzürnt (Gen.Sg.; Nom.Pl.)
mantrayanti parābhavam
beraten Untergang (3.Pl.Präs.; Akk.Sg.)
na tasya triṣu lokeṣu
nicht für ihn in den drei Welten (Gen.Sg.; Lok.Pl.)
trātā bhavati kaś cana
Retter gibt es irgendeinen (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)

yo brāhmaṇān paribhaved vināśaṃ vāpi rocayet; sūryodaya ivāvaśyaṃ dhruvaṃ tasya parābhavaḥ

„Wer Brahmanen missachtet oder auch [deren] Untergang wünscht, dessen Untergang ist gewiss, fest [gewiss] wie der Sonnenaufgang.“

Wort für Wort
yo brāhmaṇān paribhaved
wer Brahmanen missachten sollte (Akk.Pl.; Opt.3.Sg.)
vināśaṃ vāpi rocayet
oder auch Untergang billigen/wünschen sollte (Akk.Sg.; Opt.Kaus.)
sūryodaya ivāvaśyam
unweigerlich wie der Sonnenaufgang (Adv.)
dhruvaṃ tasya parābhavaḥ
sicher ist für ihn der Untergang (Adv.; Nom.Sg.)

ihaiva phalam āsīnaḥ pratyākāṅkṣati śaktitaḥ; ye ye no na pradāsyanti tāṃs tān senābhiyāsyati

„Hier eben, die Frucht [vor sich], sitzend, erwartet man nach Kräften [?]; gegen alle, die uns nichts geben werden, wird das Heer ausrücken.“

Wort für Wort
ihaiva phalam āsīnaḥ
eben hier, die Frucht [habend], sitzend [?] (Adv.; Akk.Sg.; Part.Präs.Med.Nom.)
pratyākāṅkṣati śaktitaḥ
erwartet nach Kräften (Präs.3.Sg.; Adv.)
ye ye no na pradāsyanti
die einen wie die anderen, die uns nicht geben werden (Nom.Pl.; Fut.3.Pl.)
tāṃs tān senābhiyāsyati
gegen jeden von ihnen wird das Heer ziehen (Akk.Pl.; Nom.Sg.; Fut.3.Sg.)

Sinn und Zusammenhang der ersten Vershälfte unsicher (verderbt?); ihaiva phalam āsīnaḥ vielleicht „hier schon Frucht genießend/erwartend“.

śiṣṭyarthaṃ vihito daṇḍo na vadhārthaṃ viniścayaḥ; ye ca śiṣṭān prabādhante dharmas teṣāṃ vadhaḥ smṛtaḥ

„Zur Zurechtweisung der Guten ist die Strafe eingesetzt, nicht ist ihre Bestimmung das Töten. Die aber die Guten bedrängen, für die gilt Tötung als Dharma.“

Wort für Wort
śiṣṭyarthaṃ vihito daṇḍaḥ
zur Zurechtweisung eingesetzt ist die Strafe (Adv.; PPP.Nom.Sg.)
na vadhārthaṃ viniścayaḥ
nicht zum Töten ist die Bestimmung (Nom.Sg.)
ye ca śiṣṭān prabādhante
und die, welche die Guten bedrängen (Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
dharmas teṣāṃ vadhaḥ smṛtaḥ
Dharma ist für sie die Tötung, gilt (Nom.Sg.; Gen.Pl.; PPP.)

ye hi rāṣṭroparodhena vṛttiṃ kurvanti ke cana; tad eva te 'nu mīyante kuṇapaṃ kṛmayo yathā

„Die aber, die irgendeinen Lebensunterhalt durch Bedrückung des Reiches betreiben, werden eben darin [dem] gleichgestellt [?]: wie Würmer [einem] Aas.“

Wort für Wort
ye hi rāṣṭroparodhena
die nämlich durch Bedrückung des Reiches (Nom.Pl.; Instr.Sg.)
vṛttiṃ kurvanti ke cana
Lebensunterhalt betreiben, irgendwelche (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
tad eva te 'nu mīyante
eben demgemäß werden sie bemessen [?] (Präs.Pass.3.Pl.)
kuṇapaṃ kṛmayo yathā
wie Würmer ein Aas (Akk.Sg.; Nom.Pl.)

Der zweite Halbvers ist elliptisch; anumīyante („werden gemessen, erschlossen“) hier als Gleichsetzung gedeutet [?].

ye punar dharmaśāstreṇa varterann iha dasyavaḥ; api te dasyavo bhūtvā kṣipraṃ siddhim avāpnuyuḥ

„Die aber, die hier als Räuber gemäß dem Lehrbuch des Dharma lebten, auch diese würden, zu Räubern geworden, rasch Vollendung erlangen.“

Wort für Wort
ye punar dharmaśāstreṇa
die dagegen nach dem Dharmaśāstra (Nom.Pl.; Instr.Sg.)
varterann iha dasyavaḥ
leben sollten hier, die Räuber (Opt.3.Pl.; Nom.Pl.)
api te dasyavo bhūtvā
auch sie, Räuber geworden (Abs.)
kṣipraṃ siddhim avāpnuyuḥ
rasch Vollendung erlangen würden (Akk.Sg.; Opt.3.Pl.)

bhīṣma uvāca; tat sarvam upacakrus te kāpavyasyānuśāsanam; vṛttiṃ ca lebhire sarve pāpebhyaś cāpy upāraman

Bhīṣma sprach: Dies alles führten sie aus, die Weisung Kāpavyas; sie alle fanden ihren Lebensunterhalt und ließen auch von den Übeltaten ab.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
tat sarvam upacakrus te
all dies führten sie aus (Akk.Sg.n.; Perf.3.Pl.)
kāpavyasyānuśāsanam
die Weisung Kāpavyas (Gen.Sg.; Akk.Sg.)
vṛttiṃ ca lebhire sarve
und Lebensunterhalt erlangten alle (Akk.Sg.; Perf.3.Pl.Med.)
pāpebhyaś cāpy upāraman
und ließen ab von Übeln (Abl.Pl.; Aor.3.Pl.)

kāpavyaḥ karmaṇā tena mahatīṃ siddhim āptavān; sādhūnām ācaran kṣemaṃ dasyūn pāpān nivartayan

Kāpavya erlangte durch dieses Tun große Vollendung, indem er den Guten Wohlergehen schuf und die üblen Räuber [vom Bösen] abbrachte.

Wort für Wort
kāpavyaḥ karmaṇā tena
Kāpavya durch jenes Tun (Nom.Sg.; Instr.Sg.)
mahatīṃ siddhim āptavān
große Vollendung erlangte (Akk.Sg.f.; Part.Perf.Akt.)
sādhūnām ācaran kṣemam
den Guten Wohlergehen erweisend (Gen.Pl.; Part.Präs.; Akk.Sg.)
dasyūn pāpān nivartayan
die üblen Räuber abbringend (Akk.Pl.; Part.Kaus.)

idaṃ kāpavyacaritaṃ yo nityam anukīrtayet; nāraṇyebhyaḥ sa bhūtebhyo bhayam ārchet kadā cana

Wer diese Tat des Kāpavya beständig rühmt, wird niemals Furcht vor den Wesen der Wildnis erfahren.

Wort für Wort
idaṃ kāpavyacaritam
dieses Tun Kāpavyas (Akk.Sg.n.)
yo nityam anukīrtayet
wer stets rühmen sollte (Opt.3.Sg.)
nāraṇyebhyaḥ sa bhūtebhyo
nicht von den Wildnis-Wesen, er (Abl.Pl.)
bhayam ārchet kadā cana
Furcht erlangt er niemals (Akk.Sg.; Opt.3.Sg.)

bhayaṃ tasya na martyebhyo nāmartyebhyaḥ kathaṃ cana; na sato nāsato rājan sa hy araṇyeṣu gopatiḥ

Furcht hat er nicht vor Sterblichen, keinesfalls vor Nicht-Sterblichen, weder vor Guten noch vor Schlechten, König; denn er ist in den Wäldern ein Herr [Hüter] der Rinder.

Wort für Wort
bhayaṃ tasya na martyebhyaḥ
Furcht hat er nicht vor Sterblichen (Nom.Sg.; Gen.Sg.; Abl.Pl.)
nāmartyebhyaḥ kathaṃ cana
nicht vor Unsterblichen, auf keine Weise (Abl.Pl.)
na sato nāsato rājan
nicht vor Guten, nicht vor Schlechten, König (Abl.Sg.; Vok.Sg.)
sa hy araṇyeṣu gopatiḥ
denn er ist in den Wäldern ein Herr der Rinder (Lok.Pl.; Nom.Sg.)

gopati hier als „Herr, Hüter der [Wild-]Herden“ verstanden [?].

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